medeKI
Lernpfade

Werte wirklich verstehen

Lernziel: Du kannst BGA-Werte aus ihrer Funktion und dem Probenkontext erklären.

Dein Weg durch die BGA

Lernziel: Du kannst deinen Lernweg vom Messwert bis zum Fall überblicken.

Der Lernweg

KapitelWas wird aufgebaut?
G01 · Physiologie und MessungH⁺ und pH → CO₂ → Bikarbonat und Niere → gemeinsame Beziehung; Sauerstoffwerte, Proben und Messgrenzen.
G02 · Systematische InterpretationEinzelne primäre Störungen → Gegenregulation → Winters und weitere Näherungen → eigene begründete Befundung.
G03 · Metabolische AzidoseAnionenlücke und Albumin → Säurezufuhr oder Basenverlust → renale und toxikologische Muster → Delta und Ursachenbehandlung.
G04 · Alkalose und respiratorische StörungenAuslöser und Fortbestehen der Alkalose → Urin-Chlorid und Therapieprinzipien → Atemstörungen im zeitlichen Verlauf.
G05 · Klinische IntegrationWidersprüchliche Daten, gemischte Störungen und Verlauf → nächster klinischer Schritt → Befundvorstellung und verständliche Patientenerklärung.

Fünf nummerierte Stationen von oben nach unten, durch Pfeile verbunden. 1 Physiologie und Messung: pH 7,35–7,45, pCO₂ 35–45 mmHg, aktuelles HCO₃⁻ 22–26 mmol/l, pH aus dem Verhältnis HCO₃⁻ zu 0,03 × pCO₂, kPa × 7,5 ≈ mmHg. 2 Systematische Interpretation: Winters pCO₂ = 1,5 × HCO₃⁻ + 8 ± 2; metabolische Alkalose pCO₂ ≈ 40 + 0,7 × (HCO₃⁻ − 24); respiratorisch je 10 mmHg akut +1/−2, chronisch +4/−4 mmol/l HCO₃⁻. 3 Metabolische Azidose: AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), 8–16 mmol/l; Albuminkorrektur AG + 2,5 × (4 − Albumin g/dl); Delta = (AGkorr − 12) ÷ (24 − HCO₃⁻); DKA mit Kalium unter 3,5 mmol/l zuerst Kalium. 4 Alkalose und respiratorische Störungen: Auslöser und Aufrechterhaltung, Urin-Chlorid unter 20 mmol/l, akut oder chronisch. 5 Klinische Integration: Datencheck, rechnerische Stimmigkeit, normaler pH mit zwei Prozessen, Vorstellung. Ergebniszeile: primäre Störung, Gegenregulation, nächster Schritt.

Der Lernweg als Übersicht: Die Stationen 1–5 entsprechen G01–G05. Die Zahlen in jeder Station sind die Arbeitswerte und Näherungen, die im jeweiligen Kapitel hergeleitet werden; die Ergebniszeile zeigt, was am Ende zu deinem Befund gehört.

Quelle: eigene Darstellung.

Du brauchst beim Einstieg keine sichere BGA-Routine. Allgemeine ärztliche Grundkenntnisse werden vorausgesetzt; die für den jeweiligen Schritt nötigen BGA-Begriffe werden erklärt. Die Fälle werden erst komplexer, nachdem ihre einzelnen Beziehungen aufgebaut wurden.

Die Einstiegsvoraussetzungen auf einen Blick:

Beim EinstiegWas das für dich heißt
VorausgesetztAllgemeine ärztliche Grundkenntnisse
Nicht vorausgesetztEine sichere BGA-Routine
Wird erklärtDie für den jeweiligen Schritt nötigen BGA-Begriffe
Aufbau der FälleKomplexer erst, nachdem ihre einzelnen Beziehungen aufgebaut wurden

Eine Probe, mehrere klinische Fragen

BGA bedeutet Blutgasanalyse. Ein Analysegerät untersucht eine kleine Blutprobe. Der Befund hilft dir bei drei Fragen: Wie gelangt Sauerstoff ins Blut? Wird Kohlendioxid ausreichend entfernt? Wie ist der Säure-Basen-Haushalt?

Eine BGA-Spritze mit hellrotem arteriellem Blut; die Spitze ist mit einer grauen Verschlusskappe abgedichtet.

Reale arterielle Blutprobe in einer BGA-Spritze. Anders als der Fingerclip benötigt die BGA eine Blutprobe; das Analysegerät misst daraus Blutgase und Säure-Basen-Werte.

Quelle: Foto „Arterial blood for arterial bloog gas analysis“ (Flickr), jlcampbell104, Public Domain Mark 1.0; unverändert, als WebP gespeichert.

Wir bauen die Bedeutung jeder Zahl auf. Du musst die Abkürzungen beim Einstieg noch nicht beherrschen. Zuerst kommen H⁺ und pH, dann CO₂, Bikarbonat und die Niere. Danach verbinden wir diese Größen und lernen die Sauerstoffwerte kennen.

Die drei Leitfragen und die Werte, die du dafür kennenlernst:

FrageWichtige Angaben
Wie gelangt Sauerstoff ins Blut?pO₂, Sättigung, Hb
Wird Kohlendioxid ausreichend entfernt?pCO₂
Wie ist der Säure-Basen-Haushalt?pH, HCO₃⁻, SBE

Sechs nummerierte Stationen in zwei Reihen: 1 H⁺ und pH, 2 CO₂ und Atmung, 3 Bikarbonat und Niere, 4 pH aus CO₂ und HCO₃⁻, 5 Sauerstoffwerte, 6 Probe, Einheiten, Befund.

Dein Lernweg in G01: von H⁺ und pH über CO₂, Bikarbonat und Sauerstoff bis zur Probe und zum geordneten Befund.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

So arbeitest du mit den Schritten

Eine kurze Erklärung führt einen Gedanken ein. Ein gelöstes Beispiel zeigt, wie man damit arbeitet. Danach bearbeitest du eine neue Aufgabe.

Ablauf eines Lernschritts von oben nach unten: 1 Erklärung lesen und gelöstes Beispiel nachvollziehen, 2 Auswahlaufgabe lösen und die Rückmeldung zu jeder Option lesen, 3 eigene Begründung formulieren und mit der Musterlösung vergleichen, 4 zusätzliche Wiederholung an einem neuen Beispiel. Unten: Ein Klick allein zeigt noch kein Verständnis.

Abbildung: Vom erklärten Gedanken zur eigenen Anwendung. Quelle: eigene Darstellung.

Bei einer freien Antwort formulierst du zuerst selbst. Anschließend vergleichst du deine Begründung mit der Musterlösung. Kannst du den entscheidenden Zusammenhang noch nicht erklären, lies die zugehörige Erklärung erneut und versuche das weitere Beispiel. Ein Klick allein zeigt noch kein Verständnis.

Entscheidung nach dem Selbstvergleich: Ist der entscheidende Zusammenhang enthalten? Bei ja weiter zum nächsten Lernschritt; bei nein die Erklärung erneut lesen, das Beispiel nachvollziehen und ein weiteres Beispiel versuchen.

Abbildung: Bei einer Erklärungslücke gezielt zurückgehen. Quelle: eigene Darstellung.

So sind die Schritte aufgebaut:

SchrittWas du tust
Erklärungeinen Gedanken lesen und am Beispiel nachvollziehen
Auswahlaufgabeeine Antwort wählen und die Rückmeldung zu jeder Option lesen
Eigene Begründungzuerst selbst formulieren, dann mit der Musterlösung vergleichen
Zusätzliche Wiederholungdasselbe Prinzip an einem neuen Beispiel festigen

Was bedeutet H⁺?

Lernziel: Du kannst Säure, Base und H⁺ in einem einfachen Beispiel unterscheiden.

Säure und Base beschreiben eine Übergabe

H⁺ bezeichnet ein positiv geladenes Wasserstoffion. In wässriger Lösung ist es an Wassermoleküle gebunden; in der Medizin schreiben wir dafür kurz H⁺.

Oben: H⁺ ist ein positiv geladenes Wasserstoffion. Links die Säure, die H⁺ abgibt (Beispiel Kohlensäure), rechts die Base, die H⁺ aufnimmt (Beispiel Bikarbonat). Darunter: Zusätzliche Säure bedeutet mehr H⁺, Basenverlust weniger gebundenes H⁺; Ergebnis saure oder basische Richtung.

Abbildung: Vom Zeichen zur chemischen Funktion. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Säure kann H⁺ abgeben; eine Base kann H⁺ aufnehmen. Diese Unterscheidung erklärt später, warum zusätzliche Säure oder der Verlust einer Base den Säure-Basen-Haushalt verändern kann.

Die drei Begriffe im Überblick:

BegriffBedeutung
H⁺positiv geladenes Wasserstoffion; in wässriger Lösung an Wasser gebunden
Säurekann H⁺ abgeben
Basekann H⁺ aufnehmen

Warum die Bindung wichtig ist

Gibt eine Säure H⁺ ab, kann eine vorhandene Base einen Teil davon binden. Dann steigt der wirksame, nicht gebundene H⁺-Anteil weniger stark. Ist die Aufnahmekapazität begrenzt, bleibt bei weiterer Säurezufuhr mehr H⁺ wirksam.

Oben gibt eine Säure ein H⁺ an eine Base ab. Unten treffen sechs H⁺ auf vier freie Bindungsplätze: Vier H⁺ sind gebunden und weniger wirksam, zwei bleiben frei und wirksam.

Säure gibt H⁺ ab, Base nimmt H⁺ auf. Ist die Aufnahmekapazität begrenzt, bleibt ein Teil des H⁺ frei wirksam.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Die klinische Frage lautet daher nicht nur: „Wie viel Säure entsteht?“, sondern auch: „Wie viel kann gebunden oder entfernt werden?“ Als Nächstes lernen wir die Zahl kennen, die die H⁺-Wirkung beschreibt: den pH.

Zur Größenordnung: Der Stoffwechsel bildet täglich etwa 15 000 mmol CO₂, das die Lunge abatmet, und etwa 1 mmol/kg nichtflüchtige Säure, vor allem aus dem Eiweißabbau, die die Nieren ausscheiden. Bis dahin binden Puffer einen Teil des H⁺.

Säurebelastung: links flüchtige Säure CO₂, etwa 15 000 mmol pro Tag, über die Lunge in Minuten abgeatmet; rechts nichtflüchtige Säure, etwa 1 mmol/kg pro Tag, über die Niere in Tagen ausgeschieden. Bis dahin binden Puffer H⁺. Unten drei Ergebnisse: Bildung gleich Entfernung, Säure überwiegt, Base verloren.

Abbildung: Säurebelastung mit Mengen und Ausscheidungswegen erschließen. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Fragen an jede Säurebelastung:

FrageWorauf sie zielt
Wie viel Säure entsteht?Menge der gebildeten oder zugeführten Säure
Wie viel kann gebunden oder entfernt werden?verfügbare Basen und Wege, Säure zu entfernen

Multiple Choice

Die Funktion zuordnen

Eine Substanz bindet zugeführtes H⁺. Welche chemische Funktion beschreibt das?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Substanzbindet zugeführtes H⁺
Gesuchte Angabechemische Funktion
  1. a)Eine basische Funktion: Sie nimmt H⁺ auf.
  2. b)Eine saure Funktion: Sie gibt H⁺ ab.
Lösung in der App →

Was zeigt der pH?

Lernziel: Du kannst pH-Werte einordnen und ihre Beziehung zu H⁺ erklären.

Der pH beschreibt den Säuregrad

Der pH ist eine Zahl für den Säuregrad einer Lösung. Er wird ohne Einheit angegeben. Je mehr wirksames H⁺ vorhanden ist, desto niedriger ist der pH. Weniger wirksames H⁺ bedeutet einen höheren pH.

Aktivität meint hier, wie wirksam H⁺ in der Lösung vorliegt. Die Skala ist logarithmisch: Eine ganze pH-Stufe entspricht einer zehnfachen Änderung der H⁺-Aktivität. Für die erste Befundung reicht die Richtung: mehr H⁺ → pH sinkt. Als Merkhilfe: 0,3 pH-Einheiten entsprechen ungefähr einer Verdopplung der H⁺-Aktivität.

pH als logarithmische Skala: Mehr H⁺ senkt den pH; eine ganze pH-Stufe entspricht der zehnfachen, 0,3 Stufen etwa der doppelten H⁺-Aktivität. Kette: pH 7,7 etwa 20, pH 7,4 etwa 40, pH 7,1 etwa 80 nmol/l H⁺. Die Referenz 7,35–7,45 entspricht etwa 45–35 nmol/l.

Abbildung: Eine pH-Stufe als logarithmischen Unterschied lesen. Quelle: eigene Darstellung.

Die beiden Begriffe trennen Messzahl und chemische Wirksamkeit.

BegriffBedeutung
pHEinheitenlose Zahl für den Säuregrad
H⁺-AktivitätWirksamkeit von H⁺ in der Lösung
Ganze pH-StufeZehnfache Änderung der H⁺-Aktivität

Ein Bereich statt einer einzelnen Idealzahl

Für die arteriellen Erwachsenenbeispiele verwenden wir pH 7,35–7,45 als Referenzbereich. Arteriell bedeutet: Blut aus einer Arterie; die Probearten erklären wir noch genauer.

Ein pH von 7,30 liegt unter 7,35. Das Blut ist damit saurer als in diesem Referenzbereich. Ein pH von 7,50 liegt darüber. Diese Einordnung beschreibt zunächst den Messwert, noch keine Ursache.

Arterieller pH: unter 7,35 unter der Referenz, 7,35–7,45 im Referenzbereich, über 7,45 über der Referenz, jeweils mit Beispiel. Offen bleiben Ursache und Zahl der beteiligten Vorgänge. Chemisch neutral ist pH 7,0.

Abbildung: Der pH ordnet den Messwert ein; Ursache und Zahl der beteiligten Prozesse bleiben offen. Quelle: eigene Darstellung.

„Saurer“ bezieht sich hier auf den Blutreferenzbereich. Auch ein pH von 7,30 liegt chemisch über dem Neutralpunkt 7; für Blut ist er trotzdem pathologisch niedrig. Es werden zwei verschiedene Bezugsmaßstäbe verglichen.

Waagerechte pH-Skala von 0 bis 14 mit 7 als chemisch neutralem Punkt. Eine Vergrößerung von 7,0 bis 7,8 zeigt den arteriellen Referenzbereich 7,35–7,45; 7,30 liegt darunter, 7,50 darüber. Pfeile: nach links mehr H⁺, nach rechts weniger H⁺.

Der Blutreferenzbereich ist ein schmaler Ausschnitt der chemischen pH-Skala: 7,30 liegt chemisch über 7, für Blut aber unter dem Referenzbereich.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Drei Näherungswerte: pH 7,1 entspricht etwa 79 nmol/l H⁺, pH 7,4 etwa 40 und pH 7,7 etwa 20. Der arterielle Referenzbereich ist 7,35 bis 7,45.

pH und H⁺: entgegengesetzte Richtung. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Lies von oben nach unten: Obwohl die pH-Zahl steigt, nimmt der H⁺-Anteil ab. Die Konzentrationswerte veranschaulichen die logarithmische Beziehung näherungsweise; der pH ist über die Aktivität definiert. Diese Zahlen musst du nicht auswendig lernen.

Einordnung einiger arterieller pH-Werte zum Referenzbereich 7,35–7,45:

pHLage zum ReferenzbereichH⁺-Wirkung im Vergleich zu 7,40
7,20darunterhöher
7,30darunterhöher
7,40innerhalbVergleichswert
7,50darüberniedriger

Multiple Choice

Die Veränderung klinisch übersetzen

In zwei korrekt gewonnenen arteriellen Proben fällt der pH von 7,40 auf 7,28. Wie beschreibst du die Veränderung?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Probearteriell, korrekt gewonnen
pH zuvor7,40
pH danach7,28
  1. a)Der Säuregrad nimmt ab, weil die pH-Zahl kleiner wird.
  2. b)Die H⁺-Wirkung nimmt zu; der Wert liegt jetzt auf der sauren Seite der Blutreferenz.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Wert und Bedeutung verbinden

Eine andere arterielle Probe zeigt pH 7,48. Ordne den Wert zum Bereich 7,35–7,45 ein und beschreibe die H⁺-Richtung.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Probearteriell
pH7,48
Genannter Referenzbereich7,35–7,45
In der App sprechen üben →

Messwert und Prozess

Lernziel: Du kannst Azidämie von Azidose und Alkaliämie von Alkalose trennen.

Das Ergebnis bekommt einen Namen

Ein arterieller pH unter 7,35 heißt Azidämie. Ein pH über 7,45 heißt Alkaliämie. Diese Wörter beschreiben, wo der gemessene pH liegt.

Azidose heißt dagegen: ein Vorgang wirkt pH-senkend. Alkalose heißt: ein Vorgang wirkt pH-steigernd. Die Endung allein ist also nicht nebensächlich: Messzustand und Vorgang sind verschiedene Aussagen.

Vier Begriffe auf zwei Ebenen:

BegriffEbeneBedeutung
AzidämieMesszustandarterieller pH unter 7,35
AlkaliämieMesszustandarterieller pH über 7,45
AzidoseVorgangwirkt pH-senkend
AlkaloseVorgangwirkt pH-steigernd

Ein normaler pH beantwortet nur eine Frage

Bei pH 7,29 ist der aktuelle Messzustand klar: Azidämie. Um den Prozess zu benennen, brauchen wir weitere Angaben.

pH 7,29: 1 Messzustand Azidämie, allein durch den pH belegt; 2 Prozessfrage Azidose oder Alkalose. Dafür nötig: CO₂-Seite (pCO₂, Arbeitsreferenz 35–45 mmHg) und Bikarbonatseite (HCO₃⁻ aktuell 22–26 mmol/l, ergänzend SBE −2 bis +2). Der pH ist das gemeinsame Ergebnis aller Vorgänge.

Abbildung: Ein konkreter Messzustand vor der Prozessfrage. Quelle: eigene Darstellung.

Die Trennung hilft besonders bei gegenläufigen Einflüssen. Ein pH-senkender und ein pH-steigernder Prozess können gleichzeitig wirken; der gemessene pH zeigt ihr gemeinsames Ergebnis. Ein Wert im Referenzbereich beweist deshalb weder Gesundheit noch automatisch zwei Störungen. Die genauen Kombinationen bauen wir in G02 auf.

pH 7,40 im Referenzbereich, drei Möglichkeiten: alle Werte im Bereich; gegenläufige Vorgänge, zum Beispiel pCO₂ und HCO₃⁻ erhöht; noch nicht beurteilbar ohne pCO₂, HCO₃⁻ und Klinik. Ergebnis: Ein normaler pH beweist weder Gesundheit noch automatisch zwei Störungen.

Abbildung: Einen pH im Referenzbereich vorsichtig einordnen. Quelle: eigene Darstellung.

Oben eine pH-Achse von 7,20 bis 7,60 mit den Zonen Azidämie, Referenzbereich 7,35–7,45 und Alkaliämie. Unten wirken Azidose als pH-senkender und Alkalose als pH-steigernder Vorgang gemeinsam auf den gemessenen pH.

Messzustand und Vorgang: Der gemessene pH zeigt das gemeinsame Ergebnis aller gleichzeitig wirkenden Vorgänge.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Multiple Choice

Präzise bleiben

Du kennst ausschließlich den arteriellen pH von 7,52. Welche Formulierung ist bereits belegt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Probearteriell
Bekannter WertpH 7,52
Weitere Angabennicht bekannt
  1. a)Es liegt eine Alkaliämie vor.
  2. b)Es liegt eine primär metabolische Alkalose vor.
  3. c)Es liegt eine primär respiratorische Alkalose vor.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine ungenaue Aussage verbessern

Jemand sagt: „Azidose und Azidämie bedeuten exakt dasselbe.“ Erkläre den Unterschied.

In der App sprechen üben →

CO₂ vom Gewebe zur Ausatemluft

Lernziel: Du kannst CO₂-Transport und alveoläre Ventilation mit dem pCO₂ verbinden.

CO₂ entsteht im Stoffwechsel

Zellen gewinnen Energie, indem sie Nährstoffe umsetzen. Dabei entsteht unter anderem Kohlendioxid, kurz CO₂. Es muss aus dem Körper entfernt werden.

Das Blut bringt CO₂ aus den Geweben zur Lunge. Dort gelangt CO₂ in die Alveolen, die kleinen luftgefüllten Lungenbläschen. Beim Ausatmen verlässt es den Körper.

In Ruhe bildet ein Erwachsener etwa 200 ml CO₂ pro Minute. Im Blut wird es zu etwa 70 % als Bikarbonat, zu etwa 20 % an Hämoglobin gebunden und zu etwa 10 % physikalisch gelöst transportiert; der gelöste Anteil bestimmt den gemessenen pCO₂.

CO₂ aus dem Zellstoffwechsel, in Ruhe etwa 200 ml pro Minute: im Blut zu etwa 70 % als HCO₃⁻, zu etwa 20 % an Hb gebunden und zu etwa 10 % gelöst. Venöser pCO₂ etwa 46, arterieller etwa 40 mmHg; in der Lunge tritt CO₂ in die Alveolarluft über und wird ausgeatmet.

Abbildung: Transportformen des CO₂ vom Gewebe zur Lunge. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Orte verbinden

Der Weg lautet: Gewebe → Blut → Lungenbläschen → Ausatemluft. Die Pfeile bedeuten hier Transport.

Beispiel: Die Zellen produzieren weiterhin CO₂, aber die Luft in den Lungenbläschen wird zu wenig erneuert. Dann kann weniger CO₂ abgegeben werden. CO₂ kann sich im Blut ansammeln. Nicht nur seine Herstellung, sondern auch seine Entfernung bestimmt den Befund. Auch die Bildung kann steigen, etwa bei Fieber oder starker Muskelarbeit; dann braucht es mehr Abatmung, um den pCO₂ zu halten.

pCO₂ als Bilanz: Abgabe gleich Bildung hält den pCO₂ stabil, Abgabe kleiner als Bildung lässt ihn steigen, Abgabe größer als Bildung senkt ihn. Auch die Bildung kann steigen, etwa bei Fieber oder Muskelarbeit.

Abbildung: Bildung und Entfernung bestimmen gemeinsam den pCO₂. Quelle: eigene Darstellung.

Wirksame Belüftung heißt alveoläre Ventilation

Ventilation bedeutet Belüftung. Für die CO₂-Abgabe zählt, wie viel frische Luft pro Zeit die am Gasaustausch beteiligten Alveolen erreicht.

Ein Teil jedes Atemzugs bleibt in den luftleitenden Wegen. Dieser anatomische Totraum nimmt nicht unmittelbar am Gasaustausch teil. Auch belüftete, aber unzureichend durchblutete Alveolen können zur wirkungslosen Belüftung beitragen. Zusammen sprechen wir vom physiologischen Totraum.

Die Totraumbegriffe unterscheiden luftleitende Wege und den gesamten unwirksamen Anteil.

BegriffEnthaltene Anteile
Anatomischer TotraumLuftleitende Wege ohne unmittelbaren Gasaustausch
Physiologischer TotraumAnatomischer Anteil plus belüftete, unzureichend durchblutete Alveolen

Darum reicht die Atemfrequenz als Maß nicht aus: Bei schneller, sehr flacher Atmung kann trotz vieler Atemzüge zu wenig frische Luft wirksam am Gasaustausch teilnehmen.

Ein Rechenbeispiel: Der anatomische Totraum beträgt beim Erwachsenen etwa 150 ml (rund 2 ml/kg). Bei 12 Atemzügen à 500 ml erreichen 4,2 l/min die Alveolen, bei 30 Atemzügen à 200 ml nur 1,5 l/min – obwohl beide Male 6 l/min geatmet werden.

Gleiches Atemminutenvolumen 6 l/min bei einem anatomischen Totraum von etwa 150 ml: ruhig und tief, 12 × 500 ml, ergibt 4,2 l/min alveoläre Ventilation, CO₂ wird ausreichend abgeatmet; schnell und flach, 30 × 200 ml, ergibt nur 1,5 l/min, CO₂ wird zurückgehalten. Darunter: physiologischer Totraum.

Abbildung: Gleiches Atemminutenvolumen, unterschiedliche alveoläre Ventilation. Quelle: eigene Darstellung.

Links ein Bronchialbaum mit Luftröhre und Bronchien, beschriftet als luftleitende Wege und anatomischer Totraum ohne Gasaustausch. Rechts eine vergrößerte Alveole mit angrenzender Kapillare: Ein roter Pfeil zeigt CO₂ aus dem Blut in die Alveolarluft, ein Pfeil nach oben die Ausatemluft.

Luftleitende Wege transportieren Luft, nehmen aber nicht am Gasaustausch teil. In den Alveolen tritt CO₂ aus dem Kapillarblut in die Alveolarluft über und wird ausgeatmet.

Quelle: Zusammengestellt aus „Bronchial tree“ (Servier Medical Art, Servier; CC BY 4.0) und „Alveoli (NIH BioArt 14)“ (Ryan Kissinger, NIAID/NIH; gemeinfrei); deutsche Beschriftung, Pfeile und Zusammenstellung ergänzt.

pCO₂ zeigt das Verhältnis von Produktion und Abgabe

Der pCO₂ ist der Partialdruck des gelösten Kohlendioxids. Partialdruck heißt: Druckanteil eines einzelnen Gases. Die Druckeinheit mmHg steht für Millimeter Quecksilbersäule.

Bei gleichbleibender CO₂-Produktion gilt:

ÄnderungErwartete Folge
Weniger alveoläre VentilationCO₂ wird zurückgehalten: pCO₂ steigt.
Mehr alveoläre VentilationMehr CO₂ wird entfernt: pCO₂ sinkt.

Für arterielle Erwachsenenübungen verwenden wir 35–45 mmHg als Arbeitsreferenz. Ein erhöhter pCO₂ heißt Hyperkapnie, ein erniedrigter Hypokapnie. Das benennt den Messzustand; die Ursache muss klinisch geklärt werden.

Begriffe für den arteriellen pCO₂ mit unserer Arbeitsreferenz:

Arterieller pCO₂Bezeichnung
unter 35 mmHgHypokapnie
35–45 mmHgArbeitsreferenz
über 45 mmHgHyperkapnie

Vereinfacht verhält sich der pCO₂ umgekehrt zur alveolären Ventilation: Halbiert sie sich bei gleicher CO₂-Produktion, verdoppelt sich der pCO₂ etwa, zum Beispiel von 40 auf 80 mmHg.

Bei gleicher CO₂-Produktion: halbe alveoläre Ventilation ergibt einen pCO₂ von etwa 80 mmHg (Hyperkapnie über 45), normale etwa 40 mmHg (Arbeitsreferenz 35–45), doppelte etwa 20 mmHg (Hypokapnie unter 35).

Abbildung: Der pCO₂ verhält sich umgekehrt zur alveolären Ventilation. Quelle: eigene Darstellung.

Ein einfacher Vergleich

Eine Person atmet flacher. Ihre CO₂-Produktion bleibt ungefähr gleich. Wenn dadurch weniger frische Luft die Alveolen erreicht, wird weniger CO₂ entfernt. Der pCO₂ kann beispielsweise von 40 auf 55 mmHg steigen.

Die Zahlen zeigen eine Veränderung der CO₂-Balance. Eine genaue Ursache wie Atemwegsverengung, Medikamentenwirkung oder erschöpfte Atemmuskulatur ist damit noch nicht bewiesen.

Flachere Atemzüge bei gleicher CO₂-Produktion: weniger Frischluft in den Alveolen, der pCO₂ steigt zum Beispiel von 40 auf 55 mmHg (über 45 mmHg Hyperkapnie). Mögliche, noch offene Ursachen: Atemwege, Atemantrieb, Atempumpe.

Abbildung: Flachere Atmung mit einem pCO₂-Verlauf verbinden. Quelle: eigene Darstellung.

CO₂ entsteht im Zellstoffwechsel, wird mit dem Blut zur Lunge transportiert und über belüftete Alveolen abgeatmet.

Der Weg des Kohlendioxids. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Verfolge CO₂ vom Gewebe bis zur Ausatemluft. Bei ungefähr gleichbleibender CO₂-Produktion führt mehr wirksame alveoläre Ventilation zu einem niedrigeren pCO₂. Die Atemfrequenz allein beschreibt diese Ventilation nicht.

Multiple Choice

Produktion und Entfernung zusammen prüfen

Die CO₂-Produktion bleibt gleich, die alveoläre Ventilation steigt. Welcher Verlauf passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
CO₂-Produktiongleichbleibend
Alveoläre Ventilationsteigt
  1. a)pCO₂ fällt, weil pro Zeit mehr CO₂ abgegeben wird.
  2. b)pCO₂ steigt, weil mehr Luft in die Lunge gelangt.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Schnell ist nicht automatisch ausreichend

Ein Patient atmet sehr schnell und sehr flach. Erkläre, weshalb du daraus allein keinen normalen pCO₂ ableiten kannst.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Atemfrequenzsehr schnell
Atemzügesehr flach
In der App sprechen üben →

Bikarbonat als Puffer

Lernziel: Du kannst erklären, wie HCO₃⁻ eine H⁺-Zunahme abpuffert.

HCO₃⁻ bekommt eine Bedeutung

HCO₃⁻ heißt Bikarbonat. Das Minuszeichen beschreibt seine negative elektrische Ladung. Bikarbonat kann H⁺ aufnehmen und wirkt damit als Base.

Ein Puffer fängt zugeführtes H⁺ teilweise ab. Dadurch verändert sich der pH weniger stark, als er sich ohne diese Bindung verändern würde. Puffern bedeutet begrenzen; es bedeutet nicht, jede beliebige Säuremenge unschädlich zu machen. Neben Bikarbonat puffern im Blut auch Hämoglobin, Plasmaproteine und Phosphat.

HCO₃⁻ als Base: 1 Pufferreserve, aktuelles HCO₃⁻ etwa 24 mmol/l, weitere Puffer Hämoglobin, Plasmaproteine und Phosphat; 2 Säure kommt hinzu, HCO₃⁻ und H⁺ werden zu CO₂ und Wasser, HCO₃⁻ sinkt. Reserve reicht: pH-Änderung gedämpft; Reserve erschöpft: pH fällt stärker.

Abbildung: Pufferkapazität als begrenzte Reserve lesen. Quelle: eigene Darstellung.

Begriffe des Bikarbonatpuffers:

BegriffBedeutung
HCO₃⁻Bikarbonat; negativ geladen, nimmt H⁺ auf und wirkt als Base
Pufferfängt zugeführtes H⁺ teilweise ab und dämpft die pH-Änderung
Pufferreservenoch verfügbare Bindungskapazität; wird bei Säurebelastung beansprucht

Vom gebundenen H⁺ zur Lunge

Nimmt Bikarbonat H⁺ auf, entsteht über Zwischenstufen CO₂ und Wasser. CO₂ kann anschließend ausgeatmet werden. So sind Pufferung und Atmung verbunden. Eine vertiefte Atmung kann den pCO₂ zusätzlich senken; die Nieren scheiden über Tage Säure aus.

Bei einer zusätzlichen Säurebelastung wird Bikarbonat eingesetzt. Sein Wert kann sinken. Die Ursache der Säurebelastung verschwindet aber nicht allein dadurch, dass H⁺ vorübergehend gepuffert wird.

Zusätzliche Säurebelastung: 1 Puffer binden H⁺ in Sekunden, 2 die Lunge atmet CO₂ in Minuten bis Stunden ab, 3 die Niere scheidet über Tage Säure aus und bildet neues HCO₃⁻. Ergebnis: Ursache behandeln, sonst wird weiter Bikarbonat verbraucht.

Abbildung: Puffer, Lunge und Niere wirken nacheinander; die Ursache bleibt eine eigene Aufgabe. Quelle: eigene Darstellung.

Pufferbefund und Säureursache bleiben zwei verschiedene Beobachtungen.

BeobachtungBedeutung
Bikarbonat wird eingesetztSein Wert kann sinken
H⁺ vorübergehend gepuffertDie Ursache verschwindet dadurch nicht allein

Ein Puffer wird beansprucht

In einem vereinfachten Beispiel kommt zusätzlich H⁺ hinzu. Ein Teil wird an Bikarbonat gebunden.

  1. H⁺ wird zugeführt.
  2. Bikarbonat nimmt einen Teil auf.
  3. Die freie H⁺-Zunahme fällt kleiner aus.
  4. Die Pufferreserve wird dabei beansprucht.

Damit ist die pH-Änderung gedämpft. Eine weiter bestehende Ursache muss trotzdem behandelt werden.

Zwei Felder mit jeweils sechs zugeführten H⁺: Ohne Puffer bleiben alle sechs frei. Mit Bikarbonat sind vier H⁺ an HCO₃⁻ gebunden und zwei frei. Darunter: Gebundenes H⁺ wird zu CO₂ und Wasser, die Bikarbonatreserve wird verbraucht.

Bei gleicher Säurezufuhr fällt die freie H⁺-Zunahme mit Bikarbonat kleiner aus – auf Kosten der Pufferreserve.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

H⁺ und Bikarbonat stehen über Kohlensäure mit CO₂ und Wasser im Gleichgewicht. Die Lunge kann das entstehende CO₂ entfernen.

Puffer und Lunge arbeiten zusammen. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Verknüpfe die zwei Reaktionszeilen: Bikarbonat bindet H⁺; CO₂ kann anschließend abgeatmet werden. Die Gleichgewichtspfeile bedeuten, dass die Reaktionen in beide Richtungen ablaufen können. Puffern allein beseitigt eine weiter bestehende Säureursache nicht.

Multiple Choice

Die Pufferwirkung erklären

Zusätzlich gebildete Säure wird zum Teil durch Bikarbonat abgepuffert. Welche Aussage trifft den unmittelbaren Effekt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Säurezusätzlich gebildet
Bikarbonatpuffert einen Teil der Säure ab
  1. a)Die pH-Veränderung wird gedämpft; die Säurequelle kann fortbestehen.
  2. b)Die Bindung stellt unabhängig von der Säuremenge pH 7,40 wieder her.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Warum kann Bikarbonat sinken?

Erkläre den Zusammenhang zwischen zusätzlicher Säure und dem Verbrauch von Bikarbonat in diesem Puffervorgang.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Zu erklärender VorgangPufferung
Zusätzliche BelastungSäure
Dabei betrachtete GrößeBikarbonatverbrauch
In der App sprechen üben →

Die Rolle der Niere

Lernziel: Du kannst Bikarbonatrückgewinnung und Säureausscheidung unterscheiden.

Bikarbonat nicht verlieren

Die Nieren filtern Blutbestandteile in eine Flüssigkeit, aus der Urin entsteht. Dabei wird auch Bikarbonat filtriert. Normalerweise wird fast das gesamte filtrierte Bikarbonat zurückgewonnen. Pro Tag sind das etwa 4300 mmol (rund 180 l Primärharn × 24 mmol/l); mehr als 99 % werden zurückgewonnen, etwa 80 % bereits im proximalen Tubulus.

Diese Rückresorption verhindert den Verlust einer wichtigen Base. Sie ist noch nicht dasselbe wie das zusätzliche Entfernen der täglich anfallenden Säurelast.

Zwei Nierenaufgaben: 1 Rückresorption, etwa 4300 mmol filtriertes HCO₃⁻ pro Tag, über 99 % zurückgewonnen, etwa 80 % proximal; 2 Netto-Säureausscheidung, etwa 1 mmol/kg pro Tag, H⁺ an Phosphat und als NH₄⁺, je H⁺ ein neues HCO₃⁻. Unten: Gestörte Rückresorption führt zu Bikarbonatverlust.

Abbildung: Vorhandene Base erhalten oder neue Base bereitstellen. Quelle: eigene Darstellung.

Säure ausscheiden und Base ergänzen

Die Nieren geben H⁺ an den Urin ab. Dort wird es unter anderem an Phosphat und als Ammonium, NH₄⁺, gebunden ausgeschieden. Dadurch kann der Körper Säure loswerden und neues Bikarbonat für das Blut bereitstellen. Diese Netto-Säureausscheidung beträgt beim Erwachsenen etwa 1 mmol/kg pro Tag, also rund 50–100 mmol.

Nephron mit Glomerulus, proximalem Tubulus, Henle-Schleife, distalem Tubulus und Sammelrohr. Beschriftung: Im Glomerulus gelangt auch HCO₃⁻ in den Harn; im proximalen Tubulus wird der größte Teil des filtrierten HCO₃⁻ zurückgewonnen, und dort entsteht NH₄⁺ aus Glutamin; distaler Tubulus und Sammelrohr geben H⁺ an den Urin ab, an Phosphat gebunden und als NH₄⁺, wodurch neues HCO₃⁻ für das Blut entsteht.

Rückgewinnung und Säureausscheidung im Nephron, vereinfacht. Die Rückgewinnung des filtrierten Bikarbonats erfolgt überwiegend im proximalen Tubulus. Dort entsteht auch NH₄⁺ aus Glutamin; in den Urin gelangt es endgültig im Sammelrohr.

Quelle: „Nephron“ aus Servier Medical Art (Servier), CC BY 4.0; deutsche Beschriftung ergänzt.

Die Atmung kann den pCO₂ rasch verändern. Eine ausgeprägte Anpassung der Nieren an eine länger bestehende Atemstörung braucht dagegen mehrere Tage.

Zeitachse von Minuten über Stunden bis Tage: Die Lunge verändert den pCO₂ rasch; die Niere passt HCO₃⁻ langsam an, ausgeprägt erst nach mehreren Tagen.

Atmung wirkt rasch, die renale Anpassung braucht mehrere Tage. Die Zeitachse ist nicht maßstabsgerecht.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Die renale Anpassung beginnt innerhalb von Stunden und erreicht nach etwa 3–5 Tagen ihr Maximum. Die respiratorische Gegenregulation einer Stoffwechselstörung setzt dagegen innerhalb von Minuten ein und ist nach etwa 12–24 Stunden voll ausgebildet.

Zeitverlauf der Gegenregulation: Puffer in Sekunden, Lunge in Minuten bis Stunden (voll nach etwa 12–24 h), Niere beginnt nach Stunden und ist nach 3–5 Tagen maximal. Folge: Bei frischer Atemstörung ist HCO₃⁻ kaum verändert, nach 3–5 Tagen deutlich angepasst.

Abbildung: Puffer, Lunge und Niere reagieren unterschiedlich schnell. Quelle: eigene Darstellung.

Ein langsamerer Ausgleich

Bei einer über Tage bestehenden CO₂-Erhöhung wird das Blut zunächst in die saure Richtung verschoben. Die Nieren können mehr Säure ausscheiden und mehr Bikarbonat bereitstellen. Dieses Mehr an Bikarbonat wirkt der pH-Senkung entgegen.

CO₂ über Tage erhöht, zum Beispiel pCO₂ 60 mmHg: 1 zunächst sinkt der pH, HCO₃⁻ ist kaum verändert; 2 über 3–5 Tage scheidet die Niere mehr Säure als NH₄⁺ aus und stellt mehr HCO₃⁻ bereit; 3 der pH wird teilweise zurückgeführt. Die Ursache der Atemstörung bleibt.

Abbildung: Eine länger bestehende CO₂-Erhöhung beantworten. Quelle: eigene Darstellung.

Das erklärt eine spätere Befundkombination. Es bedeutet nicht, dass die Nieren die Ursache der unzureichenden CO₂-Abatmung behoben haben.

Multiple Choice

Erhalten oder neu bereitstellen?

Welche Nierenleistung verhindert, dass das bereits filtrierte Bikarbonat mit dem Urin verloren geht?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Vorliegende Substanzfiltriertes Bikarbonat
Gefragte NierenleistungVerlust mit dem Urin verhindern
  1. a)Rückresorption des filtrierten Bikarbonats.
  2. b)Zusätzliche Netto-Säureausscheidung als Ammonium.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die Zeit einbeziehen

Eine Atemstörung hat gerade erst begonnen. Weshalb erwartest du noch nicht dieselbe renale Anpassung wie nach mehreren Tagen?

In der App sprechen üben →

CO₂ und HCO₃⁻ zusammen

Lernziel: Du kannst die pH-Richtung aus einer einzelnen Veränderung begründen.

Zwei Seiten eines Zusammenhangs

Bikarbonat kann H⁺ binden. CO₂ steht über Kohlensäure mit H⁺ in einem Gleichgewicht. Vereinfacht: CO₂ + Wasser ↔ H⁺ + HCO₃⁻. Die Doppelpfeile bedeuten, dass die Reaktion in beide Richtungen ablaufen kann.

Für den pH zählt das Verhältnis der Bikarbonatkomponente zur CO₂-Komponente. Mehr CO₂ bei gleichem Bikarbonat wirkt saurer. Mehr Bikarbonat bei gleichem CO₂ wirkt basischer.

Links eine Lunge mit Pfeil für abgeatmetes CO₂ und darunter eine Niere mit Pfeil für Urin. Rechts: Die Lunge atmet CO₂ ab und wirkt rasch auf den pCO₂. Die Niere gewinnt filtriertes HCO₃⁻ zurück, stellt neues HCO₃⁻ bereit und scheidet Säure im Urin aus; ihre deutliche Anpassung braucht Tage.

Lunge und Niere: zwei Organe, zwei Komponenten des Säure-Basen-Haushalts.

Quelle: Organzeichnungen „Lungs“ und „Kidney“ aus Servier Medical Art (Servier), CC BY 4.0; zusammengestellt und deutsch beschriftet.

So liest du das Bild: Verfolge die beiden Ausgänge: CO₂ verlässt den Körper über die Lunge; Säure kann über die Niere ausgeschieden werden. Zurückgewonnenes Bikarbonat bleibt dem Blut erhalten. Das Bild fasst bereits erklärte Organaufgaben zusammen; die Niere bildet außerdem neues Bikarbonat.

Die Beziehung als Gleichung

Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung beschreibt diesen Zusammenhang:

pH = 6,1 + log₁₀ [HCO₃⁻ / (0,03 × pCO₂)]

Die Konzentration sagt, wie viel von einem Stoff in einem bestimmten Flüssigkeitsvolumen enthalten ist. mmol/l bedeutet Millimol pro Liter: eine Einheit der Stoffmenge pro Liter. HCO₃⁻ wird in dieser Einheit eingesetzt, pCO₂ in mmHg. 0,03 beschreibt näherungsweise die Löslichkeit von CO₂ bei 37 °C. log₁₀ ist der Zehnerlogarithmus; er übersetzt das Verhältnis auf die pH-Skala. Du musst ihn für die erste Richtungsentscheidung nicht ausrechnen.

Henderson-Hasselbalch-Gleichung: Zähler HCO₃⁻ in mmol/l, Beispiel 24; Nenner 0,03 × pCO₂ in mmHg, Beispiel 1,2. Verhältnis 24 ÷ 1,2 = 20, log₁₀(20) ≈ 1,3, pH ≈ 7,40. Hinweis: pCO₂ in kPa zuerst mit 7,5 in mmHg umrechnen.

Abbildung: Einheiten vor dem Einsetzen prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Gleichung benötigt diese festgelegten Eingaben.

EingabeBedeutung / Einheit
HCO₃⁻Konzentration in mmol/l
pCO₂Partialdruck in mmHg
0,03Näherungsweise CO₂-Löslichkeit bei 37 °C
log₁₀Zehnerlogarithmus des Verhältnisses

Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung mit HCO₃⁻ als Bikarbonatkomponente im Zähler und 0,03 × pCO₂ als gelöstem CO₂ im Nenner. Beispiel: 24 geteilt durch 1,2 ergibt 20, pH etwa 7,40. Steigt der Zähler, steigen Verhältnis und pH; steigt der Nenner, sinken Verhältnis und pH.

Der pH folgt dem Verhältnis von Bikarbonat zu gelöstem CO₂.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Ein Verhältnis, das den Befund verbindet

Mit HCO₃⁻ 24 mmol/l und pCO₂ 40 mmHg rechnen wir:

RechenschrittErgebnis
Gelöste CO₂-Komponente: 0,03 × 401,2 mmol/l
Verhältnis: 24 ÷ 1,220
pH: 6,1 + log₁₀(20)ungefähr 7,40

Die Gleichung hilft vor allem beim Verstehen und bei der Plausibilitätsprüfung. Sie ist keine zusätzliche Messung.

pH 7,40 und pCO₂ 40 mmHg werden gemessen; daraus wird HCO₃⁻ aktuell mit 24 mmol/l berechnet. Plausibilitätsprüfung: 24 ÷ (0,03 × 40) = 20, pH etwa 7,40. Das ist kein dritter, unabhängiger Messbeweis.

Abbildung: Die Plausibilitätsprüfung verknüpft Messung und Berechnung; sie schafft keinen zusätzlichen Messwert. Quelle: eigene Darstellung.

Wird bei gleichem Bikarbonat mehr CO₂ zurückgehalten, wächst der Nenner: Das Verhältnis und der pH sinken. Steigt bei gleichem pCO₂ das Bikarbonat, wächst der Zähler: Verhältnis und pH steigen. Im Patienten können beide Größen gleichzeitig reagieren; diesen zeitlichen Zusammenhang prüfen wir in G02.

Multiple Choice

Zwei Werte, eine Wirkung

Im begrenzten Rechenvergleich bleibt pCO₂ gleich, während HCO₃⁻ abnimmt. Welche Begründung passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
pCO₂bleibt gleich
HCO₃⁻nimmt ab
  1. a)Das Verhältnis HCO₃⁻ zu gelöstem CO₂ wird kleiner; der pH sinkt.
  2. b)Das Verhältnis wird größer, weil weniger Base mehr H⁺ bindet.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Den Nenner erklären

HCO₃⁻ bleibt im Rechenvergleich gleich, pCO₂ sinkt. Erkläre ohne Logarithmusrechnung, warum der pH steigt.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
HCO₃⁻bleibt gleich
pCO₂sinkt
In der App sprechen üben →

Aktuell oder standardisiert?

Lernziel: Du kannst aktuelles von Standardbikarbonat unterscheiden.

Das aktuelle Bikarbonat

Aktuelles Bikarbonat beschreibt den zur aktuellen Probe passenden HCO₃⁻-Wert. Im BGA-Gerät wird es üblicherweise aus gemessenem pH und pCO₂ berechnet. Es ist damit kein dritter, davon unabhängiger Messbeweis.

Für unsere Beispiele verwenden wir 22–26 mmol/l als Arbeitsreferenz. Bei Kompensationsrechnungen wie der späteren Winters-Formel benötigen wir das aktuelle Bikarbonat.

Was Standardbikarbonat fragt

Standardbikarbonat beschreibt eine rechnerisch standardisierte Situation: Welcher Bikarbonatwert ergäbe sich unter festgelegten Bedingungen, bei pCO₂ 40 mmHg, 37 °C und vollständiger Oxygenierung?

Die Standardisierung soll den unmittelbaren Einfluss eines abweichenden pCO₂ auf die Betrachtung verringern. Sie macht den Wert nicht identisch mit dem aktuellen Bikarbonat. Lies deshalb die vollständige Parameterbezeichnung.

Oben: Gemessener pH und gemessener pCO₂ führen zum berechneten aktuellen HCO₃⁻, das kein dritter, unabhängiger Messbeweis ist. Unten: Standardbikarbonat unter rechnerisch festgelegten Bedingungen – pCO₂ 40 mmHg, 37 °C und vollständige Oxygenierung.

Aktuelles Bikarbonat wird aus pH und pCO₂ berechnet; Standardbikarbonat beantwortet eine rechnerisch standardisierte Frage.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Zwei ähnlich benannte Zeilen

Ein Befund enthält „HCO₃⁻ aktuell“ und „HCO₃⁻ standard“. Für eine Formel, die das aktuelle HCO₃⁻ verlangt, wählst du ausdrücklich die erste Zeile.

Drei ähnliche Angaben: HCO₃⁻ aktuell aus pH und pCO₂ (22–26 mmol/l) für Formeln wie die Winters-Formel; HCO₃⁻ standard bei pCO₂ 40 mmHg, 37 °C und vollständiger Oxygenierung zur ergänzenden Betrachtung; Gesamt-CO₂ aus dem Chemielabor zum Vergleich.

Abbildung: Die richtige Zeile für eine Formel auswählen. Quelle: eigene Darstellung.

Auch Gesamt-CO₂ aus einem Chemielabor ist nicht einfach derselbe Messvorgang. Es besteht überwiegend aus Bikarbonat; bei unerwarteten Unterschieden prüfst du Probenzeit, Methode und den Umgang mit der Probe vor der Messung. Weil Gesamt-CO₂ neben Bikarbonat auch gelöstes CO₂ enthält, liegt es meist etwa 1 mmol/l höher; aus offenen oder schlecht gefüllten Röhrchen kann CO₂ entweichen.

Unterschied zwischen BGA-HCO₃⁻ und Gesamt-CO₂: 1 verschiedene Größen, Gesamt-CO₂ liegt meist etwa 1 mmol/l höher; 2 Probenzeit vergleichen; 3 Methode und Probenumgang prüfen, aus offenen Röhrchen entweicht CO₂. Erst danach klinisch deuten.

Abbildung: Unerwartete Unterschiede zum Chemielabor prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Drei ähnlich klingende Angaben:

AngabeHerkunftWofür sie dient
HCO₃⁻ aktuellaus pH und pCO₂ der Probe berechnetFormeln, die das aktuelle HCO₃⁻ verlangen, etwa die Winters-Formel
HCO₃⁻ standardrechnerisch unter festgelegten BedingungenBetrachtung mit verringertem Einfluss eines abweichenden pCO₂
Gesamt-CO₂anderer Messvorgang im Chemielabor; überwiegend Bikarbonatbei unerwarteten Unterschieden Probenzeit, Methode und Probenumgang prüfen

Multiple Choice

Das passende Bikarbonat wählen

Eine Formel verlangt aktuelles HCO₃⁻. Der Befund nennt aktuelles und Standardbikarbonat. Was setzt du ein?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Formel verlangtaktuelles HCO₃⁻
Befundzeile 1aktuelles Bikarbonat
Befundzeile 2Standardbikarbonat
  1. a)Standardbikarbonat, weil standardisierte Bedingungen den aktuellen Wert ersetzen.
  2. b)Aktuelles Bikarbonat, weil die Formel die gegenwärtige Probe beschreibt.
  3. c)Den Mittelwert, weil es sich um zwei Wiederholungsmessungen handelt.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die Unabhängigkeit beurteilen

pH und pCO₂ wurden gemessen. HCO₃⁻ wurde daraus berechnet. Weshalb sind das nicht drei unabhängige Messungen?

In der App sprechen üben →

BE und Standard-BE

Lernziel: Du kannst einen Basenüberschuss und ein Basendefizit einordnen.

Eine rechnerische Vergleichsfrage

Base Excess, kurz BE, heißt Basenüberschuss. Die Größe fragt vereinfacht: Wie viel starke Säure oder Base wäre unter Standardbedingungen nötig, um die Probe auf pH 7,40 zu bringen?

Bei einem Basenüberschuss müsste man Säure hinzufügen: BE positiv. Bei einem Basendefizit müsste man Base hinzufügen: BE negativ. Die Einheit ist mmol/l. Es handelt sich um eine berechnete Größe, nicht um eine abgemessene Medikamentendosis.

Das Vorzeichen des BE:

BEBedeutungWas wäre zum Erreichen von pH 7,40 nötig?
positivBasenüberschussSäure hinzufügen
negativBasendefizitBase hinzufügen

Blut und Extrazellularraum

Hämoglobin, der Sauerstoffträger in roten Blutkörperchen, wirkt auch als Puffer. Der BE des Blutes berücksichtigt diese Pufferverhältnisse. Der Standard-BE, auch SBE oder häufig BE(ecf), schätzt die nichtrespiratorische Komponente für den Extrazellularraum ab. Damit ist der Flüssigkeitsraum außerhalb der Zellen gemeint. Dafür wird das Hämoglobin rechnerisch auf den gesamten Extrazellularraum verdünnt.

BE des Blutes mit Hb-Puffer gegenüber SBE beziehungsweise BE(ecf) für den Extrazellularraum mit rechnerisch verdünntem Hb; beide berechnet, Arbeitsreferenz −2 bis +2 mmol/l, die Laborreferenz entscheidet.

Abbildung: Den betrachteten Flüssigkeitsraum zuordnen. Quelle: eigene Darstellung.

Gerätebezeichnungen unterscheiden sich. Für SBE verwenden wir hier −2 bis +2 mmol/l als Arbeitsreferenz. Entscheidend bleibt die Referenz des ausgebenden Labors.

BE und Standard-BE im Vergleich:

GrößeBetrachteter RaumHinweis
BEBlut, einschließlich der Pufferwirkung des Hämoglobinsberechnete Größe
SBE, BE(ecf)ExtrazellularraumArbeitsreferenz hier −2 bis +2 mmol/l; die Laborreferenz entscheidet

Ein negatives Vorzeichen verstehen

Ein SBE von −7 mmol/l liegt unter der Arbeitsreferenz. Er spricht für ein Basendefizit in dieser standardisierten Betrachtung.

Er benennt aber nicht allein den primären Krankheitsprozess. Auch die über Tage entwickelte renale Antwort auf eine Atemstörung kann Bikarbonat und SBE verändern. Diese Unterscheidung übst du später, nachdem die Atemstörungen erklärt wurden.

SBE −7 mmol/l: Das negative Vorzeichen bedeutet Basendefizit. Mögliche Herkunft: primär metabolisch oder renale Antwort auf einen über Tage erniedrigten pCO₂. Entscheidung nur mit pH, pCO₂, HCO₃⁻, Verlauf und Klinik; SBE allein liefert weder Ursache noch Bikarbonatdosis.

Abbildung: SBE und renale Antwort gemeinsam bedenken. Quelle: eigene Darstellung.

Zahlenstrahl des SBE von −10 bis +10 mmol/l mit der Arbeitsreferenz −2 bis +2. Markiert sind −7 als Basendefizit und +5 als Basenüberschuss. Links: Base müsste hinzugefügt werden, BE negativ; rechts: Säure müsste hinzugefügt werden, BE positiv. Darunter: berechnete Größe, keine Medikamentendosis, keine Ursache.

Das Vorzeichen zeigt die Richtung der standardisierten Basenabweichung – nicht die Ursache und keine Dosis.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Multiple Choice

Ein SBE-Befund

Der Standard-BE beträgt +6 mmol/l bei einer angegebenen Referenz von −2 bis +2 mmol/l. Welche Einordnung passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Standard-BE+6 mmol/l
Angegebene Referenz−2 bis +2 mmol/l
  1. a)Ein standardisiertes Basendefizit.
  2. b)Ein standardisierter Basenüberschuss.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine unzulässige Schlussfolgerung prüfen

Jemand möchte aus SBE −8 mmol/l allein die Ursache feststellen. Welche weiteren Angaben fehlen grundsätzlich?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
SBE−8 mmol/l
Zu prüfende AbsichtUrsache allein aus SBE feststellen
In der App sprechen üben →

Sauerstoff und pO₂

Lernziel: Du kannst den Weg des Sauerstoffs und den pO₂ erklären.

Ein anderer Transportweg

Sauerstoff, O₂, gelangt mit der eingeatmeten Luft in die Alveolen. Von dort tritt er durch die dünne Trennschicht in das Blut über. Diesen Übergang nennt man Diffusion. Das Blut transportiert Sauerstoff weiter zu den Geweben.

Vergrößerte Alveole mit angrenzender Kapillare: Einatemluft gelangt in die Alveole, O₂ tritt durch die dünne Trennschicht ins Kapillarblut über, CO₂ in umgekehrter Richtung. Beschriftet sind Alveole, Kapillare und ein Erythrozyt, dessen Hb O₂ bindet.

O₂ diffundiert aus der Alveolarluft ins Kapillarblut; CO₂ nimmt überwiegend den umgekehrten Weg.

Quelle: „Alveoli (NIH BioArt 15)“, Ryan Kissinger, NIAID/NIH, gemeinfrei; deutsche Beschriftung und Pfeile ergänzt.

CO₂ nimmt in der Lunge überwiegend den umgekehrten Weg. Beide sind Gase, beantworten im Befund aber verschiedene Fragen.

Unter Raumluft auf Meereshöhe fällt der Sauerstoffpartialdruck stufenweise: von etwa 150 mmHg in der angefeuchteten Einatemluft auf etwa 100 mmHg in den Alveolen, etwa 90–100 mmHg im arteriellen Blut eines jungen Erwachsenen und etwa 40 mmHg im venösen Blut.

Sauerstoffkaskade unter Raumluft: angefeuchtete Einatemluft etwa 150 mmHg, Alveole etwa 100 mmHg, arterielles Blut etwa 90–100 mmHg, venöses Blut etwa 40 mmHg. Jede Stufe kann gestört sein.

Abbildung: Der O₂-Partialdruck fällt stufenweise von der Einatemluft bis zum venösen Blut. Quelle: eigene Darstellung.

Was pO₂ beschreibt

Der pO₂ ist der Partialdruck des im Blut gelösten Sauerstoffs. Er beschreibt nicht die gesamte Sauerstoffmenge, die das Blut transportieren kann.

Der arterielle pO₂ hilft bei der Beurteilung der Sauerstoffaufnahme. Ein niedriger arterieller Wert heißt Hypoxämie. Seine Einordnung hängt unter anderem von Alter, Höhenlage und zugeführtem Sauerstoff ab. Als grobe Faustregel gilt unter Raumluft auf Meereshöhe paO₂ ≈ 102 − Alter/3 mmHg: mit 20 Jahren etwa 95, mit 80 Jahren etwa 75 mmHg. Deshalb verwenden wir für Aufgaben mit pO₂ einen ausdrücklich angegebenen Kontext.

Arterieller pO₂ im Kontext: Alter (etwa 102 − Alter/3 mmHg, mit 20 Jahren etwa 95, mit 80 Jahren etwa 75), Höhenlage und O₂-Zufuhr. Ist er für diesen Kontext niedrig, liegt eine Hypoxämie vor. Der pO₂ zeigt nicht die gesamte transportierte O₂-Menge.

Abbildung: Einen niedrigen arteriellen pO₂ im Kontext lesen. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei andere Angaben begegnen dir ebenfalls: Sauerstoffsättigung beschreibt die prozentuale Beladung des Hämoglobins; Sauerstoffgehalt die gesamte Sauerstoffmenge pro Blutvolumen. Der folgende Abschnitt erklärt, warum diese Zahlen auseinandergehen können.

Drei Sauerstoffangaben unterscheiden:

AngabeBeschreibtEinheit
pO₂Partialdruck des gelösten O₂mmHg oder kPa
Sauerstoffsättigungprozentuale Beladung des Hämoglobins%
Sauerstoffgehaltgesamte O₂-Menge pro Blutvolumenz. B. ml O₂ pro dl Blut

Eine konkrete Frage an den Befund

Ein Patient hat Atemnot. Du willst wissen, wie gut Sauerstoff aus der Lunge im arteriellen Blut ankommt. Hier hilft der arterielle pO₂.

Du willst dagegen wissen, ob CO₂ ausreichend entfernt wird. Dafür betrachtest du pCO₂. Ein guter Sauerstoffwert beweist deshalb noch keine ausreichende CO₂-Abatmung.

Patient mit Atemnot, zwei Fragen: Kommt O₂ an? Arterieller pO₂ mit Sättigung und FiO₂. Wird CO₂ entfernt? pCO₂, Arbeitsreferenz 35–45 mmHg. O₂-Gabe kann die Oxygenierung verbessern, nur wirksame Belüftung senkt den pCO₂.

Abbildung: Bei Atemnot O₂-Aufnahme und CO₂-Abgabe trennen. Quelle: eigene Darstellung.

Welcher Wert beantwortet welche Frage?

FragePassender Wert
Kommt Sauerstoff aus der Lunge im arteriellen Blut an?arterieller pO₂
Wird CO₂ ausreichend entfernt?pCO₂

Multiple Choice

Welcher Sauerstoffwert?

Welche Größe beschreibt den Druck des im arteriellen Blut gelösten Sauerstoffs?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Gesuchte GrößeDruck
Betrachteter Stoffgelöster Sauerstoff
Ortarterielles Blut
  1. a)Arterieller pO₂.
  2. b)Arterielle Sauerstoffsättigung.
  3. c)Sauerstoffgehalt pro Blutvolumen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Zwei Fragen auseinanderhalten

Ein Patient bekommt Sauerstoff. Sein Sauerstoffwert verbessert sich. Warum weißt du dadurch noch nicht, ob CO₂ ausreichend abgeatmet wird?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
BehandlungSauerstoffgabe
BeobachtungSauerstoffwert verbessert sich
Gefragte Funktionausreichende CO₂-Abatmung
In der App sprechen üben →

Was bedeutet Sättigung?

Lernziel: Du kannst Sättigung, pO₂ und Sauerstoffgehalt unterscheiden.

Die meisten O₂-Moleküle reisen gebunden

Hämoglobin, kurz Hb, ist der Sauerstoffträger in roten Blutkörperchen. Nur ein kleiner Anteil des Sauerstoffs ist frei im Blut gelöst; der größere Anteil ist an Hb gebunden.

Die Sauerstoffsättigung beschreibt, welcher Anteil der betrachteten Hb-Bindungsplätze mit Sauerstoff besetzt ist. Sie wird in Prozent angegeben. Der pO₂ beschreibt dagegen den gelösten Anteil über seinen Partialdruck.

Rechnerisch gilt: Sauerstoffgehalt ≈ 1,34 × Hb × SaO₂ + 0,003 × pO₂ (in ml O₂ pro dl Blut). Bei Hb 15 g/dl, 98 % Sättigung und pO₂ 100 mmHg sind das etwa 20 ml/dl; nur etwa 0,3 ml davon sind gelöst.

O₂-Gehalt arteriell etwa 20 ml/dl bei Hb 15 g/dl, SaO₂ 98 % und pO₂ 100 mmHg: an Hb gebunden 1,34 × 15 × 0,98 ≈ 19,7 ml/dl, beschrieben durch die Sättigung; physikalisch gelöst 0,003 × 100 = 0,3 ml/dl, beschrieben durch den pO₂. Formel: O₂-Gehalt ≈ 1,34 × Hb × SaO₂ + 0,003 × pO₂.

Abbildung: Gebundenen und gelösten Sauerstoff zuordnen. Quelle: eigene Darstellung.

Eingefärbte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme: links ein rot eingefärbter, scheibenförmiger Erythrozyt mit zentraler Eindellung, in der Mitte ein gelber Thrombozyt, rechts ein blauer Leukozyt.

Ein Erythrozyt (links) enthält das Hämoglobin, an das der größte Teil des Sauerstoffs gebunden wird. Daneben ein Thrombozyt und ein Leukozyt; die Farben sind nachträglich eingefärbt.

Quelle: „Red White Blood cells.jpg“, Electron Microscopy Facility, National Cancer Institute at Frederick (NCI), gemeinfrei (Wikimedia Commons); als WebP gespeichert.

Besetzung ist nicht Transportkapazität

Ein vereinfachtes Beispiel: Von 100 verfügbaren Bindungsplätzen sind 97 mit Sauerstoff besetzt. Die Sättigung beträgt 97 %.

Hat ein Patient wesentlich weniger Hämoglobin, gibt es insgesamt weniger Transportplätze. Trotzdem können 97 % der vorhandenen Plätze besetzt sein. Bei Anämie, also zu wenig Hämoglobin beziehungsweise roten Blutkörperchen, kann der Sauerstoffgehalt deshalb vermindert sein, obwohl Sättigung und pO₂ unauffällig erscheinen.

Ein Zahlenbeispiel bei 97 % Sättigung: Mit Hb 15 g/dl enthält das Blut etwa 20 ml O₂/dl, mit Hb 7,5 g/dl nur etwa 10 ml O₂/dl.

Beide Patienten mit SaO₂ 97 %: Hb 15 g/dl ergibt etwa 20 ml O₂ pro dl, Hb 7,5 g/dl nur etwa 10 ml O₂ pro dl. Die Sättigung beschreibt den Anteil besetzter Plätze, Hb die Zahl der Plätze.

Abbildung: Gleiche Sättigung, halbe Transportkapazität. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Gleiche Sättigung, gleicher Transport?

Zwei Patienten haben 97 % Sättigung. Einer hat deutlich weniger Hämoglobin. Was ist daraus abzuleiten?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Sättigung beider Patienten97 %
Unterschiedeiner hat deutlich weniger Hämoglobin
  1. a)Die gleiche Sättigung garantiert den gleichen Sauerstoffgehalt.
  2. b)Bei weniger Hämoglobin kann der Sauerstoffgehalt trotz gleicher Sättigung niedriger sein.
Lösung in der App →

Drei Angaben geordnet vergleichen

AngabeWelche Frage?
pO₂Wie hoch ist der Druck des gelösten O₂?
SättigungWie viele Hb-Plätze sind prozentual besetzt?
Hb-KonzentrationWie viel Sauerstoffträger ist vorhanden?

Für die Versorgung des Gewebes kommt außerdem der Blutfluss hinzu. Selbst gut mit Sauerstoff beladenes Blut hilft wenig, wenn zu wenig davon ankommt. Das Sauerstoffangebot ergibt sich aus Herzzeitvolumen und Sauerstoffgehalt: in Ruhe etwa 5 l/min × 200 ml O₂/l ≈ 1000 ml O₂ pro Minute.

Von oben nach unten: pO₂, Sättigung, Hb-Konzentration und Blutfluss mit einem Herzzeitvolumen von etwa 5 l/min. Ergebnis: O₂-Angebot etwa 5 l/min × 200 ml O₂/l ≈ 1000 ml O₂ pro Minute.

Abbildung: Von der Beladung bis zur Versorgung weiterdenken. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Reihen zeigen vollständig mit O₂ belegte Hämoglobinplätze: oben acht, unten vier. Beide Reihen haben denselben belegten Anteil, aber unterschiedlich viele Träger.

Gleiche Sättigung, unterschiedliche Sauerstoffmenge. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Vergleiche dieselbe Blutmenge: Alle dargestellten Plätze sind besetzt, dennoch enthält die untere Reihe weniger an Hämoglobin gebundenen Sauerstoff. Die Symbole stellen relative Bindungsplätze dar, keine maßstabgetreuen Erythrozyten. Sättigung, Hb-Konzentration und Sauerstoffmenge sind verschiedene Angaben.

Freie Antwort

Eine normale Sättigung einordnen

Bei schwerer Anämie beträgt die Sättigung 98 %. Warum reicht diese Zahl nicht als Beleg für eine ausreichende Sauerstoffversorgung?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Bekannter Befundschwere Anämie
Sättigung98 %
In der App sprechen üben →

Sättigung richtig messen

Lernziel: Du kannst Pulsoxymetrie und CO-Oxymetrie samt Grenzen einordnen.

SpO₂ und SaO₂

Ein Pulsoxymeter schätzt mit Licht die arterielle Sauerstoffsättigung, häufig am Finger. Sein Wert heißt SpO₂. Bewegung, kalte oder schlecht durchblutete Finger und weitere Einflüsse können die Schätzung verfälschen. Auch bei stärker pigmentierter Haut kann die Genauigkeit eingeschränkt sein. Im Bereich von 70–100 % weicht die SpO₂ meist um etwa 2–3, im Einzelfall um bis zu etwa 4 Prozentpunkte von der gemessenen SaO₂ ab; bei stärker pigmentierter Haut wird die Sättigung eher überschätzt.

SaO₂ bezeichnet die arterielle Sättigung. Auf einem BGA-Befund kann sie gemessen oder aus anderen Werten berechnet sein. Die Kennzeichnung der Methode ist deshalb wichtig.

Viele Geräte zeigen daneben PR (pulse rate), die Pulsfrequenz in Schlägen pro Minute. Sie ist nicht die Sauerstoffsättigung. Lies daher Zahl, Beschriftung und Einheit gemeinsam.

Pulsoxymeter-Anzeige: SpO₂ in Prozent als geschätzte arterielle Sättigung, im Bereich 70–100 % meist ± 2–3 Prozentpunkte; PR als Pulsfrequenz pro Minute. Störfaktoren: Bewegung, kalte Finger, stärker pigmentierte Haut, COHb. Signal gut und passend: verwerten; unklar oder kritisch: SaO₂ per BGA.

Abbildung: Die Anzeige und ihre Messbedingungen prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Die beiden Displayangaben haben unterschiedliche Einheiten und Aufgaben.

AnzeigeBedeutungEinheit
SpO₂Geschätzte arterielle Sauerstoffsättigung%
PRPulsfrequenzSchläge pro Minute

Aufgeklappter Pulsoxymetersensor für das Ohrläppchen: zwei gegenüberliegende Sensorflächen an einer Federklammer mit je einem kleinen Fenster, verbunden über ein Kabel.

Pulsoxymetersensor für das Ohrläppchen. Licht wird durch das Gewebe geschickt und auf der Gegenseite gemessen; daraus schätzt das Gerät die SpO₂.

Quelle: „Pulsoximeter für Ohrläppchen.jpg“, Stefan Bellini, CC0 1.0 (Wikimedia Commons); verkleinert, als WebP gespeichert.

Drei Sättigungsangaben und ihre Herkunft:

AngabeMethodeGrenzen
SpO₂Pulsoxymeter: Schätzung mit Licht, z. B. am FingerBewegung, kalte oder schlecht durchblutete Finger, stärker pigmentierte Haut; COHb wird nicht zuverlässig unterschieden
SaO₂, gemessenCO-Oxymetrie der arteriellen BlutprobeBlutprobe nötig
SaO₂, berechnetaus anderen Werten berechnetunterscheidet keine Hämoglobinformen

Was CO-Oxymetrie zusätzlich kann

Bei der CO-Oxymetrie werden verschiedene Hämoglobinformen mit mehreren Lichtwellenlängen unterschieden. Dazu gehören mit Sauerstoff beladenes Hb und Carboxyhämoglobin, COHb. COHb entsteht durch Bindung von Kohlenmonoxid, CO, an Hb. CO ist nicht CO₂.

Eine gewöhnliche SpO₂-Messung kann bei CO-Vergiftung irreführend gut aussehen. Auch ein normaler pO₂ schließt diese Vergiftung nicht aus: Gelöster Sauerstoff und blockierter Hb-Transport sind verschiedene Dinge. Bei Nichtrauchern liegt COHb meist unter 3 %, bei Rauchern bis etwa 10 %; MetHb liegt normalerweise unter etwa 1,5 %.

CO-Oxymetrie trennt O₂Hb, COHb (Nichtraucher unter 3 %, Raucher bis etwa 10 %) und MetHb (normal unter 1,5 %). Ein konventionelles Pulsoxymeter mit zwei Wellenlängen trennt COHb und MetHb nicht zuverlässig.

Abbildung: Hämoglobinformen und ihre üblichen Anteile in der CO-Oxymetrie. Quelle: eigene Darstellung.

Hämoglobinformen und wie sie erfasst werden:

Hb-FormBedeutungErfassung
O₂-beladenes Hbtransportiert SauerstoffPulsoxymetrie (Schätzung), CO-Oxymetrie
COHbHb mit gebundenem Kohlenmonoxid (CO, nicht CO₂)CO-Oxymetrie
MetHbveränderte Hb-Form, kann den O₂-Transport beeinträchtigenCO-Oxymetrie

Ein scheinbar beruhigender Wert

Nach Aufenthalt in einem verrauchten Raum klagt ein Patient über Kopfschmerzen. Der Fingerclip zeigt 99 %.

Die Zahl allein entkräftet den Vergiftungsverdacht nicht. Entscheidend sind Exposition, Beschwerden und eine geeignete COHb-Messung. Bei Verdacht wird sofort hochdosiert Sauerstoff (100 %) gegeben; die Messung darf das nicht verzögern. Methämoglobin, MetHb, ist eine weitere veränderte Hb-Form, die den Sauerstofftransport beeinträchtigen kann und mit CO-Oxymetrie beurteilt wird.

Rauchexposition mit Kopfschmerz bei SpO₂ 99 %: 1 die Zahl täuscht, weil das Pulsoxymeter COHb wie O₂Hb liest; 2 bei Verdacht sofort 100 % Sauerstoff; 3 COHb mit CO-Oxymetrie messen. Ein niedriges COHb schließt bei passender Exposition und passenden Beschwerden nicht aus.

Abbildung: Eine gute SpO₂ nach Rauchexposition hinterfragen. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Nach Rauchgasexposition

Nach Rauchgasexposition bestehen Kopfschmerzen; der Fingerclip zeigt SpO₂ 99 %. Welche Aussage ist gerechtfertigt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
ExpositionRauchgas
BeschwerdenKopfschmerzen
SpO₂ am Fingerclip99 %

Geschminkte, verschmutzte Hand einer liegenden Übungsperson im trockenen Gras; an einem Finger sitzt ein grauer Fingerclip-Sensor mit weißem Kabel.

Abbildung: Fingerclip-Pulsoxymeter an der Hand einer geschminkten Übungsperson bei einer Notfallübung. Quelle: Staff Sgt. Stacy Moless/U.S. Air Force (Werk der US-Bundesregierung), gemeinfrei, verkleinert.

  1. a)Die gute SpO₂ schließt eine relevante CO-Belastung aus.
  2. b)Eine CO-Belastung bleibt möglich und erfordert bei Verdacht eine geeignete COHb-Messung.
  3. c)Ein normaler pO₂ würde eine CO-Belastung sicher ausschließen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Ein unstimmiges Signal prüfen

Die SpO₂ springt bei einem zitternden Patienten stark. Erkläre einen sinnvollen ersten Umgang mit diesem Wert.

Hand einer Übungspuppe auf einer grünen Matte; an einem Finger sitzt ein schwarzer Fingerclip-Sensor, dessen Kabel am Arm entlang zum Gerät führt.

Abbildung: Fingerclip-Sensor am Finger einer Übungspuppe bei einer Notfallübung. Quelle: Pöllö (Wikimedia Commons), CC BY 3.0, zugeschnitten, verkleinert.

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Ein echtes Gerät lesen

Ein Fingerclip mit den sichtbaren Zahlen 96 und 85 sowie kleinen Beschriftungen daneben.

Bildnachweis: Pulox Pulse Oximeter.JPG · Stefan Bellini · CC0 1.0 · als WebP gespeichert.

Reales Pulsoxymeter am Finger. Lies auch die Beschriftung neben den Zahlen.

Ordne 96 und 85 den angezeigten Größen und Einheiten zu. Erkläre dann, ob du aus dieser Aufnahme entscheiden kannst, dass CO₂ ausreichend abgeatmet wird.

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O₂-Werte im Kontext

Lernziel: Du kannst Sauerstoffzufuhr und Bindung bei der Interpretation berücksichtigen.

Ein pO₂ braucht Begleitumstände

Die Luft um uns enthält ungefähr 21 % Sauerstoff. FiO₂ bedeutet inspiratorische Sauerstofffraktion: den Anteil des Sauerstoffs in der eingeatmeten Luft. Raumluft entspricht ungefähr 0,21.

Wird Sauerstoff zugeführt, kann der arterielle pO₂ steigen. Derselbe pO₂ unter Raumluft und unter hoher Sauerstoffzufuhr hat deshalb eine andere Bedeutung. Bei einer Nasenbrille ist die tatsächlich eingeatmete FiO₂ nicht einfach aus der Literzahl exakt abzulesen. Als grobe Faustregel steigt sie um etwa 4 Prozentpunkte je l/min (1 l/min ≈ 24 %, 6 l/min ≈ 44 %); das Atemmuster verändert den tatsächlichen Wert stark.

FiO₂: Raumluft 0,21; Nasenbrille 1–6 l/min nach grober Faustregel etwa 4 % je l/min mehr (1 l etwa 24 %, 6 l etwa 44 %), real schwankend. Zum Befund Zeitpunkt, O₂-System und Einstellung dokumentieren.

Abbildung: FiO₂ und Nasenbrille getrennt dokumentieren. Quelle: eigene Darstellung.

Gezeichnete Patientin mit Nasenbrille: Dünne Schläuche leiten Sauerstoff in die Nase; der Schlauch führt zu einem tragbaren Sauerstoffbehälter am Schultergurt.

Sauerstoffgabe über eine Nasenbrille. Die tatsächlich eingeatmete FiO₂ lässt sich aus der Literzahl nicht exakt ablesen.

Quelle: „Oxygen therapy.jpg“, National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI/NIH), gemeinfrei (Wikimedia Commons); englische Beschriftung durch deutsche ersetzt, vergrößert.

Warum Sättigung und pO₂ nicht linear steigen

Die Beziehung zwischen pO₂ und Hb-Sättigung heißt Sauerstoffbindungskurve. Bei hohen pO₂-Werten verläuft sie relativ flach: Die Hb-Plätze sind weitgehend besetzt. Zusätzlicher pO₂ lässt die Sättigung dann nur noch wenig steigen.

Im niedrigeren pO₂-Bereich ist die Kurve steiler. Ein weiterer Abfall kann dort zu einer stärkeren Sättigungsabnahme führen. Temperatur und pH beeinflussen die Bindung zusätzlich. Merkpunkte: Bei pO₂ 27 mmHg ist Hb zur Hälfte gesättigt (P50), bei 40 mmHg zu etwa 75 %, bei 60 mmHg zu etwa 90 % und bei 100 mmHg zu etwa 97–98 %.

S-förmige Sauerstoffbindungskurve mit pO₂ in mmHg von 0 bis 120 auf der waagerechten und Hb-Sättigung in Prozent auf der senkrechten Achse. Rot hinterlegt ist der steile Bereich, in dem eine kleine pO₂-Änderung die Sättigung stark verändert; blaugrün hinterlegt das Plateau, in dem der pO₂ deutlich steigt, die Sättigung aber kaum noch.

Sauerstoffbindungskurve mit steilem Bereich und Plateau. Illustratives Hill-Modell (P50 26,6 mmHg, Exponent 2,7), keine Messreihe.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

So liest du das Bild: Vergleiche den Anstieg im steilen Bereich mit dem Plateau. Ein pO₂-Anstieg führt dort zu unterschiedlich großen Sättigungsänderungen. Die Kurve ist eine schematische Näherung. Sie ist keine Messreihe und dient nicht zur exakten Umrechnung eines Patientenwertes.

Merkpunkte der O₂-Bindungskurve bei pH 7,40 und 37 °C: pO₂ 27 mmHg 50 % (P50), 40 mmHg etwa 75 %, 60 mmHg etwa 90 %, 100 mmHg etwa 97–98 %. Unter 60 mmHg steiler Teil, darüber flacher Teil. Rechtsverschiebung bei Azidose, Fieber und erhöhtem CO₂.

Abbildung: Vier Merkpunkte der Sauerstoffbindungskurve. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Vergleich mit unverändertem Ergebnis

Zwei Patienten haben pO₂ 80 mmHg. Einer atmet Raumluft, der andere erhält eine hohe, zuverlässig bekannte FiO₂.

Der zweite erreicht denselben pO₂ trotz deutlich mehr zugeführtem Sauerstoff. Das ist ein Anlass, den Gasaustausch besonders kritisch zu beurteilen. Du dokumentierst daher Zeitpunkt, Sauerstoffsystem und Einstellung gemeinsam mit dem Befund.

Der Quotient paO₂/FiO₂ (Horovitz-Index) macht den Unterschied sichtbar: Patient A hat 80 ÷ 0,21 ≈ 380 mmHg, Patient B mit beispielsweise FiO₂ 0,6 nur 80 ÷ 0,6 ≈ 133 mmHg. Gesunde Lungen erreichen etwa 400–500 mmHg; Werte von 300 mmHg oder weniger zeigen eine relevante Oxygenierungsstörung.

Gleicher arterieller pO₂ von 80 mmHg: Patient A unter Raumluft mit paO₂/FiO₂ etwa 380 mmHg, Gasaustausch weitgehend erhalten; Patient B unter FiO₂ 0,6 mit etwa 133 mmHg, Gasaustausch deutlich gestört. Horovitz-Index: gesund etwa 400–500 mmHg, 300 mmHg oder weniger relevante Störung.

Abbildung: Gleiche pO₂-Werte unter ungleichen Bedingungen vergleichen. Quelle: eigene Darstellung.

Diese Angaben werden zusammen mit dem Sauerstoffbefund dokumentiert.

AngabeDokumentieren
ZeitpunktZeitpunkt des Befunds
SauerstoffsystemVerwendetes System
EinstellungAktuelle Sauerstoffzufuhr

Gleicher pO₂, unterschiedliche Bedeutung:

Patient APatient B
SauerstoffzufuhrRaumluft, FiO₂ ≈ 0,21hohe, zuverlässig bekannte FiO₂
Arterieller pO₂80 mmHg80 mmHg
EinordnungVergleichswertgleicher pO₂ trotz mehr Sauerstoff: Gasaustausch kritisch beurteilen

Multiple Choice

Welche Information fehlt?

Auf einem Zettel steht nur „pO₂ 82 mmHg“. Welche Angabe brauchst du besonders, um die Sauerstoffaufnahme einzuordnen?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Vorliegende AngabepO₂ 82 mmHg
Dokumentationnur dieser Wert auf einem Zettel
  1. a)Probeart und Sauerstoffzufuhr zum Entnahmezeitpunkt
  2. b)Nur die Atemfrequenz
  3. c)Nur der parallel gemessene pCO₂
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine unzulässige Gleichsetzung erklären

Zwei arterielle pO₂-Werte sind gleich hoch. Einer wurde unter Raumluft, einer unter hoher FiO₂ gemessen. Erkläre, weshalb das nicht automatisch gleich guten Gasaustausch bedeutet.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

VergleichProbe AProbe B
pO₂arteriell, gleich hocharteriell, gleich hoch
SauerstoffzufuhrRaumlufthohe FiO₂
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Was sagt Laktat?

Lernziel: Du kannst erhöhtes Laktat als Befund mit mehreren möglichen Ursachen erklären.

Laktat gehört zum Stoffwechsel

Laktat entsteht im Stoffwechsel unter anderem aus Pyruvat, einem Zwischenprodukt der Glukoseverwertung. Auch gesunde Zellen bilden Laktat. Leber und Nieren tragen zu seiner Verwertung bei.

Der gemessene Wert hängt davon ab, wie viel gebildet und wie viel entfernt wird. Er ist deshalb kein direkter Sauerstoffsensor und kein alleiniger Beweis einer bestimmten Erkrankung.

Warum ein Wert steigen kann

Eine unzureichende Durchblutung kann mit erhöhtem Laktat einhergehen. Es kann aber auch bei stark angeregtem Stoffwechsel oder verminderter Verwertung steigen.

Beispiel: Nach einem generalisierten Krampfanfall kann die intensive Muskelarbeit Laktat vorübergehend erhöhen. Der Verlauf und die übrige Klinik helfen zu unterscheiden, ob eine anhaltende Gefährdung besteht. Nach einem tonisch-klonischen Anfall steigt Laktat meist in den ersten 30 Minuten an und kehrt meist innerhalb von etwa 2 Stunden zum Ausgangswert zurück. Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Antwort auf eine Infektion. Ein erhöhter Laktatwert allein beweist sie nicht; er darf aber auch nicht ohne klinische Prüfung als harmlos gelten. Nach der Sepsis-3-Definition liegt ein septischer Schock vor, wenn trotz ausreichender Volumengabe Vasopressoren für einen mittleren arteriellen Druck (MAD) ≥ 65 mmHg nötig sind und das Laktat über 2 mmol/l liegt; ein initial erhöhtes Laktat wird erneut gemessen.

Laktat erhöht nach Krampfanfall: Muskelarbeit als mögliche Erklärung, Anstieg meist in den ersten 30 Minuten; Verlaufskontrolle, meist Rückgang binnen etwa 2 Stunden. Fällt Laktat bei stabiler Klinik, passt das zum Anfall; bleibt es hoch oder ist die Klinik schlecht, andere Ursache suchen.

Abbildung: Vorübergehenden Laktatanstieg im Verlauf prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Oben: Bildung aus Glukose über Pyruvat zu Laktat, Laktat im Blut gemessen, Verwertung unter anderem in Leber und Nieren. Darunter drei mögliche Gründe für einen Anstieg: mehr Bildung bei stark angeregtem Stoffwechsel, zum Beispiel nach Krampfanfall; unzureichende Durchblutung; weniger Abbau bei verminderter Verwertung, zum Beispiel durch die Leber.

Der Laktatwert hängt von Bildung und Verwertung ab; ein Anstieg hat mehrere mögliche Gründe.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Sepsis als Infektion mit Organdysfunktion: Laktat über 2 mmol/l ist erhöht und wird kontrolliert. Septischer Schock nach Sepsis-3: Vasopressor für einen MAD ≥ 65 mmHg nötig und Laktat über 2 mmol/l trotz ausreichender Volumengabe. Ein normales Laktat schließt Sepsis nicht aus.

Abbildung: Laktat in der Sepsis-3-Definition des septischen Schocks. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Zahl mit Verlauf lesen

Wir verwenden <2,0 mmol/l als Arbeitsreferenz; das ausgebende Labor kann eine andere Referenz nennen.

Ein Wert von 4,0 mmol/l ist erhöht. Jetzt lautet die Frage: Wie geht es dem Patienten, welche Ursachen passen, und wie entwickelt sich der Wert? Ein sinkender Verlauf kann hilfreich sein, ersetzt aber keine erneute Beurteilung von Kreislauf, Atmung und Organfunktion.

Laktat 4,0 mmol/l bei einer Arbeitsreferenz unter 2,0: 1 Patienten beurteilen, 2 Ursache suchen (mehr Bildung, Minderdurchblutung, weniger Abbau), 3 Kontrollwert. Fällt er: hilfreich, Klinik trotzdem neu beurteilen; steigt oder bleibt er: Ursache und Therapie überprüfen.

Abbildung: Einen erhöhten Wert bis zur klinischen Kontrolle verfolgen. Quelle: eigene Darstellung.

Laktatwerte mit der Arbeitsreferenz < 2,0 mmol/l einordnen:

BefundEinordnungNächste Fragen
1,1 mmol/lunterhalb der Arbeitsreferenzgrenzeklinischer Zustand bleibt entscheidend
4,0 mmol/lerhöhtZustand des Patienten, passende Ursachen, Verlauf
sinkender Kontrollwerthilfreicher VerlaufsbefundKreislauf, Atmung und Organfunktion erneut beurteilen

Multiple Choice

Was ist direkt belegt?

Laktat beträgt 3,6 mmol/l, Arbeitsreferenz <2,0. Welche Aussage ist allein daraus begründet?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Laktat3,6 mmol/l
Arbeitsreferenz< 2,0 mmol/l
  1. a)Es liegt damit zwingend eine Sepsis vor.
  2. b)Es liegt damit immer Sauerstoffmangel in allen Geweben vor.
  3. c)Der Laktatwert ist erhöht; seine Ursache braucht Kontext.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Bildung und Abbau verbinden

Die Leber verwertet weniger Laktat. Erkläre, weshalb Laktat steigen kann, ohne dass allein daraus eine neue Sauerstoffunterversorgung bewiesen wäre.

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Welche Blutprobe liegt vor?

Lernziel: Du kannst arterielle, venöse und kapilläre Proben unterscheiden.

Vor oder nach dem Gewebe

Arterien führen Blut vom Herzen weg; Venen führen es zurück. Für unsere BGA-Beispiele betrachten wir Blut aus dem Körperkreislauf. Eine arterielle Probe zeigt Blut vor der Sauerstoffabgabe im Gewebe. Eine venöse Probe wurde nach dem Durchtritt durch Gewebe entnommen.

Gewebe nimmt Sauerstoff auf und gibt CO₂ ab. Deshalb lassen sich insbesondere arterielle und venöse pO₂-Werte nicht einfach gleich behandeln.

Schema des Blutwegs: vom Herzen durch eine Arterie zum Gewebe mit Kapillaren, wo O₂ abgegeben und CO₂ aufgenommen wird, und durch eine Vene zurück zum Herzen. Markiert sind die Entnahmeorte: arterielle Probe vor dem Gewebe, kapilläre Probe zum Beispiel am arterialisierten Ohrläppchen, venöse Probe nach dem Gewebe.

Arterielle, kapilläre und venöse Probe unterscheiden sich darin, ob das Blut das Gewebe schon durchlaufen hat.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Fünf Spritzen mit Blut auf einer Unterlage: links zwei mit dunklerem, rechts drei mit hellerem Blut.

Venöses Blut (links, dunkler) und arterielles Blut (rechts, heller). Der Farbunterschied spiegelt die unterschiedliche Sauerstoffbeladung wider; er ersetzt keine Messung und belegt die Probeart nicht sicher.

Quelle: „Venous and arterial blood rotated and cropped.jpg“, Wesalius, CC BY 4.0 (Wikimedia Commons); verkleinert, als WebP gespeichert.

Wofür venös ausreichen kann

Für bestimmte Säure-Basen-Fragen kann venöses Blut hilfreich sein, etwa bei der Beurteilung einer metabolischen Störung im passenden klinischen Kontext. Venöser pH liegt typischerweise etwas niedriger, pCO₂ oft höher als arteriell; die Unterschiede sind nicht bei jedem Patienten gleich. In Metaanalysen lag der venöse pH im Mittel etwa 0,03 niedriger, der pCO₂ etwa 4–5 mmHg und das HCO₃⁻ etwa 1 mmol/l höher – beim pCO₂ mit großer Streuung.

Einen venösen pCO₂ darfst du deshalb nicht blind als arteriellen Wert in eine präzise Kompensationsprüfung übernehmen. Ein venöser pO₂ beurteilt nicht zuverlässig die arterielle Oxygenierung.

Periphervenöse BGA, mittlere Unterschiede zu arteriell: pH etwa 0,03 niedriger, nutzbar; pCO₂ etwa 4–5 mmHg und HCO₃⁻ etwa 1 mmol/l höher mit großer Streuung, nicht blind für eine präzise Kompensationsprüfung; pO₂ nicht für die arterielle Oxygenierung verwenden.

Abbildung: Eine venöse Probe nach der klinischen Frage nutzen. Quelle: eigene Darstellung.

Was kapillär bedeutet

Eine kapilläre Probe stammt aus kleinsten Gefäßen, beispielsweise nach Punktion eines gut durchbluteten Ohrläppchens. Erwärmung beziehungsweise Arterialisierung soll den arteriellen Anteil erhöhen. Dazu wird das Ohrläppchen meist etwa 10–15 Minuten mit einer durchblutungsfördernden Salbe vorbehandelt; das Blut soll frei fließen, Quetschen verfälscht die Probe.

pH und pCO₂ können unter geeigneten Bedingungen brauchbar sein. Die Zuverlässigkeit hängt von Entnahmestelle, Durchblutung und Technik ab. Für eine genaue pO₂-Beurteilung darf die Probe nicht ohne Weiteres einer arteriellen Probe gleichgesetzt werden. Der kapilläre pO₂ liegt oft unter dem arteriellen Wert.

Kapilläre BGA am Ohrläppchen: 1 arterialisieren mit durchblutungsfördernder Salbe etwa 10–15 Minuten, Blut frei fließen lassen. pH und pCO₂ bei guter Durchblutung meist brauchbar; pO₂ oft niedriger als arteriell. Grenzen: kaltes Ohr, Schock, Vasopressoren. Genaue pO₂-Frage: arterielle Probe.

Abbildung: Bedingungen einer kapillären Probe prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Probearten im Vergleich:

ProbeHerkunftGeeignet fürGrenze
arteriellArterie, vor dem GewebeOxygenierung; genaue CO₂- und Kompensationsprüfunginvasive Punktion
venösVene, nach dem Gewebebestimmte Säure-Basen-Fragen im passenden klinischen KontextpH meist etwas niedriger, pCO₂ oft höher; pO₂ beurteilt nicht die arterielle Oxygenierung
kapillärkleinste Gefäße, z. B. arterialisiertes OhrläppchenpH und pCO₂ unter geeigneten Bedingungenabhängig von Durchblutung und Technik; pO₂ nicht ohne Weiteres arteriell

Multiple Choice

Die Probe zur Frage prüfen

Eine peripher venöse BGA zeigt pO₂ 38 mmHg. Wie gehst du mit der Frage nach der arteriellen Oxygenierung um?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Probeartperipher venös
pO₂38 mmHg
Gefragte Beurteilungarterielle Oxygenierung

Unterarm mit Stauschlauch am Oberarm; eine behandschuhte Hand hält eine Kanüle mit Röhrchenhalter in einer Vene der Ellenbeuge, im Hintergrund ein Fach mit Blutröhrchen.

Abbildung: Periphere Venenpunktion in der Ellenbeuge mit angelegtem Stauschlauch. Quelle: Richardelainechambers (Wikimedia Commons), gemeinfrei, zugeschnitten, verkleinert.

  1. a)Ich übertrage 38 mmHg unmittelbar als arteriellen pO₂.
  2. b)Ich verwende eine geeignete Oxygenierungsmessung; venöser und arterieller pO₂ sind nicht austauschbar.
  3. c)Ich addiere bei jedem Patienten dieselbe feste Korrekturzahl.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die Methode zum Ziel wählen

Du brauchst eine möglichst genaue Beurteilung der arteriellen CO₂-Kompensation. Es liegt nur eine peripher venöse BGA vor. Erkläre die Grenze.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Vorliegende Probeperipher venös
Benötigte Beurteilungmöglichst genaue arterielle CO₂-Kompensation
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Ist die Probe zuverlässig?

Lernziel: Du kannst wichtige Fehler vor der BGA-Messung erkennen.

Präanalytik beginnt vor dem Gerät

Präanalytik umfasst alles vor der eigentlichen Messung: Patientenzuordnung, Entnahme, Beschriftung, Aufbewahrung und Transport. Ein technisch korrekt messendes Gerät kann eine bereits verfälschte Probe nicht reparieren.

Du brauchst eine geeignete, korrekt heparinisierte Probe. Heparin verhindert Gerinnung. Zu viel flüssiges Heparin kann die Probe verdünnen; unzureichendes Mischen kann Gerinnsel begünstigen.

Eine BGA-Spritze mit hellrotem arteriellem Blut; die Spitze ist mit einer grauen Verschlusskappe abgedichtet.

Luftarm verschlossene BGA-Spritze. Vor der Analyse prüfst du Beschriftung, Luftblasen, Gerinnsel und die Zeit seit der Entnahme.

Quelle: Foto „Arterial blood for arterial bloog gas analysis“ (Flickr), jlcampbell104, Public Domain Mark 1.0; unverändert, als WebP gespeichert.

Luft und Zeit verändern Blutgase

Eine Luftblase ermöglicht einen Gasaustausch mit der Probe. pO₂ kann sich in Richtung des Sauerstoffpartialdrucks der eingeschlossenen Luft verschieben; das bedeutet nicht in jedem Fall einen Anstieg. pCO₂ kann abfallen. Raumluft hat einen pO₂ von etwa 150–160 mmHg und praktisch kein CO₂; die Probe nähert sich diesen Werten.

Auch nach der Entnahme bleiben Blutzellen stoffwechselaktiv. Verzögerung kann Sauerstoffverbrauch, CO₂-Bildung und pH-Abfall verursachen. Deshalb: luftarm entnehmen, fachgerecht verschließen und mischen, zügig nach lokalem Laborstandard analysieren. Ein häufiger Richtwert (CLSI) lautet: arterielle Proben in Kunststoffspritzen bei Raumtemperatur innerhalb von 30 Minuten messen. Bei sehr hoher Leukozytenzahl oder sehr hohem pO₂ verändert sich die Probe besonders rasch.

Nach der Entnahme: O₂-Verbrauch senkt den pO₂, CO₂-Bildung erhöht den pCO₂ und senkt den pH, Glykolyse erhöht Laktat. Richtwert nach CLSI: Kunststoffspritze bei Raumtemperatur innerhalb von 30 Minuten messen, der lokale Standard gilt. Verzögerung verfälscht stärker bei hoher Leukozytenzahl und sehr hohem pO₂.

Abbildung: Stoffwechsel nach der Entnahme berücksichtigen. Quelle: eigene Darstellung.

Fünf Schritte als Pfeilkette: Zuordnen, Entnehmen, Mischen und Verschließen, Beschriften und Transportieren, Messen. Darunter mögliche Fehler: Verwechslung; Luftblase, Spülflüssigkeit oder zu viel flüssiges Heparin; Gerinnsel bei unzureichendem Mischen; Verzögerung oder offen liegen gelassene Probe; das Gerät kann eine verfälschte Probe nicht reparieren.

Präanalytik: Jeder Schritt vor der Messung kann den Befund verfälschen.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Luftblase: Luft hat einen pO₂ von etwa 150–160 mmHg und einen pCO₂ von etwa 0 mmHg. Der pO₂ der Probe nähert sich diesem Wert, steigt also bei niedrigem und fällt bei sehr hohem Ausgangswert; pCO₂ fällt, pH steigt. Blase sofort entfernen oder Verwertbarkeit prüfen.

Abbildung: In welche Richtung eine Luftblase die Probe verschiebt. Quelle: eigene Darstellung.

Ein konkreter Verdacht

Eine Probe blieb offen liegen. Ihr Ergebnis passt nicht zum klinischen Zustand. Bevor du daraus eine neue Erkrankung ableitest, prüfst du Entnahme und Transport.

Ist der Befund fraglich und entscheidungsrelevant, wird eine korrekt gewonnene Probe benötigt. Bei klinisch bedrohtem Patienten laufen notwendige Hilfe und Ursachenklärung parallel; man wartet nicht auf eine perfekte Zahl.

Befund passt nicht zur Klinik: 1 Ist der Patient gefährdet? Bei ja sofort handeln und parallel eine neue Probe; bei nein die Probe prüfen (Zuordnung, Probeart, Luft, Zeit, Verdünnung, Gerinnsel). Nicht auf eine perfekte Zahl warten; fragliche, entscheidende Befunde mit korrekt gewonnener Probe wiederholen.

Abbildung: Einen unpassenden Befund parallel zur klinischen Hilfe prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Typische präanalytische Fehler und ihre möglichen Folgen:

FehlerMögliche Folge
Luftblase in der ProbepO₂ verschiebt sich in Richtung des Luft-pO₂; pCO₂ kann fallen
verzögerte AnalyseSauerstoffverbrauch, CO₂-Bildung und pH-Abfall in der Probe
zu viel flüssiges HeparinVerdünnung der Probe
unzureichendes MischenGerinnsel
Spülflüssigkeit aus einem ZugangVerdünnung; Verwertbarkeit prüfen, gegebenenfalls neue Probe

Multiple Choice

Luft in der Probe

In einer BGA-Spritze ist eine größere Luftblase sichtbar. Welche Aussage ist begründet?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
GefäßBGA-Spritze
Sichtbarer Befundgrößere Luftblase
  1. a)Nur pO₂ kann verändert sein; pCO₂ bleibt durch Luftkontakt grundsätzlich unverändert.
  2. b)Gaspartialdrücke können verfälscht sein; die Probe ist nach Laborstandard auf Verwertbarkeit zu prüfen.
  3. c)pO₂ muss durch die Luftblase bei jedem Ausgangswert steigen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Einen Fehler erklären

Eine Blutprobe wird erst deutlich verspätet analysiert. Erkläre einen biologischen Grund, warum die Werte nicht mehr den Entnahmezeitpunkt abbilden müssen.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
MaterialBlutprobe
Analysezeitpunktdeutlich verspätet
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Eine Entnahme vorbereiten

Lernziel: Du kannst Vorbereitung und Risiken einer arteriellen Entnahme erklären.

Die Entnahme ist eine ärztliche Handlung

Eine arterielle Punktion dient der Gewinnung einer geeigneten Blutprobe, wenn die klinische Frage sie erfordert. Sie ist invasiv: Die Haut und eine Arterie werden punktiert. Deshalb werden Zweck, Vorgehen und mögliche Beschwerden erklärt und die Einwilligung berücksichtigt.

Vorher prüft man unter anderem Entnahmestelle, lokale Infektion, Durchblutung und Blutungsrisiko. Risiken sind beispielsweise Schmerz, Hämatom, Blutung, Gefäßschädigung oder Infektion.

Mögliche Risiken und worauf du achtest:

RisikoVorher prüfenDanach kontrollieren
SchmerzVorgehen erklärenanhaltende Schmerzen erneut beurteilen
Hämatom, BlutungBlutungsrisiko und GerinnungshemmungKompression und Blutstillung
GefäßschädigungDurchblutungdistale Durchblutung
Infektionlokale Infektion an der EntnahmestelleHygiene und Desinfektion einhalten

Vorbereitung und Nachkontrolle geordnet durchführen

Für die eigentliche Punktion brauchst du praktische Einweisung und angeleitete Durchführung. Der Ablauf beginnt bereits vor der Nadel:

Ablauf der arteriellen Punktion: 1 zuordnen und erklären, 2 Punktionsort wählen, meist A. radialis, sonst A. brachialis oder A. femoralis, 3 Material und Hygiene, 4 nach der Punktion mindestens 5 Minuten komprimieren, bei Antikoagulation mindestens 10 Minuten, Durchblutung prüfen; dann beschriften, verschließen, dokumentieren und zügig messen.

Abbildung: Vor der Nadel die Voraussetzungen schaffen. Quelle: eigene Darstellung.

PhaseZweck und Kontrolle
Zuordnen und erklärenIdentität, Indikation, aktuelle O₂-Gabe und Einwilligung klären.
Punktionsort beurteilenDurchblutung, lokale Infektion, Gerinnungshemmung und Blutungsrisiko prüfen.
BereitstellenHändehygiene, geeignete heparinisierte Spritze, Handschuhe, Desinfektion, Kompressen und sicheren Abwurf vorbereiten.
Gewinnen und sichernNach Einweisung und lokalem Verfahren punktieren; Nadel sicher entsorgen, luftarm verschließen und fachgerecht mischen.
NachkontrollierenPunktionsstelle komprimieren; Blutstillung und distale Durchblutung kontrollieren.
DokumentierenPatient, Probeart, Zeitpunkt, O₂-/Beatmungseinstellung und Besonderheiten erfassen; zügig analysieren lassen.

Übliche erste Wahl ist die A. radialis; Alternativen sind A. brachialis und A. femoralis. Die Punktionsstelle wird mindestens 5 Minuten komprimiert, unter Antikoagulation meist mindestens 10 Minuten.

Eine medikamentöse Gerinnungshemmung (Antikoagulation) kann eine längere Blutstillung erfordern. Schmerzen, anhaltende Blutung oder neu gestörte Durchblutung verlangen erneute Beurteilung und nötigenfalls Hilfe. Eine einmalige arterielle Blutentnahme ist kein arterieller Dauerkatheter.

Ablaufschema nach der Punktion: Punktionsstelle komprimieren, dann die Frage, ob die Blutung gestillt ist. Bei nein: Kompression fortsetzen, Antikoagulation bedenken und bei anhaltender Blutung Hilfe hinzuziehen. Bei ja: distale Durchblutung kontrollieren, dokumentieren und die Probe zügig analysieren lassen. Schmerz oder neu gestörte Durchblutung erfordern eine erneute Beurteilung.

Nachkontrolle nach arterieller Punktion.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Eine Erklärung für den Patienten

„Wir möchten mit einer kleinen Blutprobe prüfen, wie Ihre Atmung und Ihr Säure-Basen-Haushalt arbeiten. Dafür ist hier Blut aus einer Arterie nötig. Die Punktion kann kurz schmerzen. Anschließend drücken wir die Stelle ab und kontrollieren, ob sie nachblutet.“

Die Entnahme in vier Schritten erklären: Zweck, Vorgehen mit Blut aus einer Arterie meist am Handgelenk, Beschwerden wie kurzer Schmerz und selten Bluterguss oder Nachblutung, Nachkontrolle durch Abdrücken. Rückfragen zulassen und Einwilligung berücksichtigen.

Abbildung: Die Entnahme in verständlicher Reihenfolge erklären. Quelle: eigene Darstellung.

Bei Punktion der A. radialis ergänzt du, dass am Handgelenk punktiert wird; selten entstehen ein Bluterguss oder eine Nachblutung. Diese Erklärung wird an Anlass, Risiken und Rückfragen angepasst. Sie ersetzt nicht die praktische Einweisung in das Verfahren.

Multiple Choice

Nachblutung beobachten

Nach einer arteriellen Punktion blutet die Stelle weiter. Welche Reaktion passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Vorangegangene Handlungarterielle Punktion
Aktueller BefundPunktionsstelle blutet weiter
  1. a)Kurzes Abdecken genügt; entscheidend ist jetzt nur die BGA-Analyse.
  2. b)Kompression und klinische Kontrolle fortsetzen; bei anhaltender Blutung Hilfe hinzuziehen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Am Modell vorbereiten

Beschreibe die Vorbereitung und Nachkontrolle einer arteriellen BGA-Entnahme. Übe diese Schritte anschließend am Modell mit einer anleitenden Person.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Übungarterielle BGA-Entnahme
Zu beschreibenVorbereitung und Nachkontrolle
Praktischer Rahmenam Modell mit anleitender Person

Zwei Finger einer Hand liegen auf der Beugeseite des Handgelenks einer anderen Person, daumenseitig über der Speiche.

Abbildung: Tasten des Radialispulses am Handgelenk. Quelle: John Campbell (Flickr), über Wikimedia Commons, CC0 1.0,.jpg; verkleinert.

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Zahlen mit ihren Einheiten

Lernziel: Du kannst Druckeinheiten umrechnen und Referenzen passend verwenden.

Die Einheit gehört zur Zahl

pH ist einheitenlos. pCO₂ und pO₂ sind Drücke; sie können in mmHg oder kPa angegeben werden. Bikarbonat, SBE und Laktat werden hier in mmol/l angegeben: eine Stoffmenge pro Liter.

Die Einheiten der BGA-Werte in diesem Kapitel:

WertEinheit
pHohne Einheit
pCO₂, pO₂mmHg oder kPa
HCO₃⁻, SBE, Laktatmmol/l

Vor jeder Rechnung prüfst du die geforderte Einheit. Eine Formel mit pCO₂ in mmHg kann nicht unverändert mit einer kPa-Zahl verwendet werden.

Erst die Einheit: pH ohne Einheit, Drücke pCO₂ und pO₂ in mmHg oder kPa, Konzentrationen HCO₃⁻, SBE und Laktat in mmol/l. Verlangt eine Formel mmHg, wird ein kPa-Wert mit 7,5 multipliziert: 5,2 kPa sind etwa 39 mmHg, nicht 5,2 mmHg.

Abbildung: Vor der Rechnung Zahl und Einheit abgleichen. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Druckumrechnung vormachen

1 kPa entspricht ungefähr 7,5 mmHg.

Beispiel: pCO₂ 5,2 kPa.

  1. Die Zahl 5,2 mit 7,5 multiplizieren.
  2. 5,2 × 7,5 = 39.
  3. Ergebnis: ungefähr 39 mmHg.

Für die umgekehrte Richtung teilst du mmHg durch 7,5. Die physiologische Situation ändert sich durch die Umrechnung nicht.

Zwei parallele Skalen: oben kPa von 0 bis 12, unten mmHg von 0 bis 90. Markiert: 5,2 kPa entspricht etwa 39 mmHg, 8,0 kPa etwa 60 mmHg. Grün hinterlegt ist die Arbeitsreferenz pCO₂ 35–45 mmHg, etwa 4,7–6,0 kPa. Darunter: kPa mal 7,5 ergibt mmHg, mmHg geteilt durch 7,5 ergibt kPa.

1 kPa ≈ 7,5 mmHg: Beide Skalen beschreiben denselben Druck.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Multiple Choice

Eine neue Umrechnung

Ein pCO₂ beträgt 4,0 kPa. Welchem Wert entspricht das ungefähr, wenn 1 kPa ≈ 7,5 mmHg?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
pCO₂4,0 kPa
Gegebene Umrechnung1 kPa ≈ 7,5 mmHg
  1. a)53,3 mmHg
  2. b)30 mmHg
  3. c)4 mmHg
Lösung in der App →

Referenz ist nicht gleich Therapieziel

Ein Referenzbereich beschreibt Werte einer festgelegten Vergleichsgruppe unter bestimmten Bedingungen. Ein Therapieziel wird für eine konkrete klinische Situation festgelegt. Das sind unterschiedliche Dinge.

Auch Lehrbereiche können zwischen Quellen etwas variieren. Wir verwenden für arterielle Übungen pCO₂ 35–45 mmHg und aktuelles HCO₃⁻ 22–26 mmol/l. Ein echter Befund wird mit seiner Laborreferenz, Probeart und klinischen Situation beurteilt. Ein Beispiel: Für die akute Sauerstofftherapie empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie meist eine Ziel-SpO₂ von 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko wie bei COPD 88–92 %.

Referenzbereich (Vergleichsgruppe, pCO₂ 35–45 mmHg, HCO₃⁻ 22–26 mmol/l) gegenüber Therapieziel (für den Patienten festgelegt). Beispiel nach S3-Leitlinie: Ziel-SpO₂ meist 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko wie COPD 88–92 %.

Abbildung: Vergleichsbereich und individuelles Ziel unterscheiden. Quelle: eigene Darstellung.

Referenzbereich und Therapieziel unterscheiden:

ReferenzbereichTherapieziel
Bezugfestgelegte Vergleichsgruppekonkreter Patient
Hängt ab vonBedingungen, Labor, Probeartklinischem Problem, Verlauf, bisherigem Zustand
BeispielpCO₂ 35–45 mmHg als Arbeitsreferenzwird individuell festgelegt

Freie Antwort

Referenzbereich oder Behandlungsziel?

Eine Kollegin möchte jeden pCO₂ unabhängig von Diagnose und Vorwerten auf genau 40 mmHg bringen. Erkläre, warum der Referenzbereich allein diese Entscheidung nicht trägt.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
Vorgeschlagener pCO₂-Zielwertgenau 40 mmHg
Im Vorschlag unberücksichtigtDiagnose und Vorwerte
In der App sprechen üben →

Welche Zahl beantwortet was?

Lernziel: Du kannst die gelernten BGA-Größen den passenden Fragen zuordnen.

Den Befund in Fragen übersetzen

Die Begriffe sind jetzt einzeln erklärt. Statt alle Zahlen gleichzeitig zu deuten, stellst du zunächst getrennte Fragen.

FrageDazu passende Angaben
Ist die Probe geeignet?Probeart und Entnahmebedingungen
Wie ist die Sauerstoffseite?pO₂, Sättigung, Hb und Sauerstoffzufuhr
Wie ist der aktuelle Säuregrad?pH
Wie ist die CO₂-Seite?pCO₂
Wie ist die Bikarbonatseite?Aktuelles HCO₃⁻; SBE ergänzend

Laktat und andere Zusatzwerte beantworten weitere Fragen im jeweiligen Kontext. Sie ersetzen diese Trennung nicht.

BGA in fünf Fragen mit Arbeitsreferenzen: 1 Probe geeignet, 2 Sauerstoffseite im Kontext, 3 Säuregrad pH 7,35–7,45, 4 CO₂-Seite pCO₂ 35–45 mmHg, 5 Bikarbonatseite HCO₃⁻ 22–26 mmol/l und SBE −2 bis +2. Zusatzwert Laktat unter 2,0 mmol/l im Kontext.

Abbildung: Hauptfragen und Zusatzwerte in der Lesereihenfolge trennen. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Befund wird vorbereitet

Auf einem BGA-Ausdruck stehen pH, pCO₂ und aktuelles HCO₃⁻. Du prüfst zuerst, wem die Probe gehört, woher sie stammt und unter welchen Bedingungen sie entnommen wurde.

Vor dem Zahlenvergleich: 1 Wem gehört die Probe? 2 Woher stammt sie und wann wurde sie entnommen? 3 Unter welchen Bedingungen, Raumluft oder O₂ mit System, l/min oder FiO₂? Fehlt etwas: nachfragen; vollständig: Werte ihren Fragen zuordnen.

Abbildung: Den Befund vor dem Zahlenvergleich zuordnen. Quelle: eigene Darstellung.

Dann ordnest du die Werte ihren Fragen zu. Noch musst du aus der Kombination keine komplizierte Diagnose stellen. Der nächste Lernabschnitt baut die vier einfachen Störungen aus genau diesen bereits erklärten Beziehungen auf.

Beispielhafter BGA-Ausdruck mit synthetischen Werten: Probeart, Entnahmezeit und O₂-Zufuhr fehlen; pH 7,40, pCO₂ 40 mmHg, HCO₃⁻ aktuell 24 mmol/l, SBE 0 mmol/l, pO₂ 85 mmHg, SO₂ 97 %, Hb 14 g/dl, Laktat 1,1 mmol/l. Farbmarken ordnen jede Zeile einer Frage zu: Probe geeignet, Sauerstoffseite, Säuregrad, CO₂-Seite, Bikarbonatseite, Zusatzwert im Kontext.

Übungsausdruck mit synthetischen Werten, kein Patientenbefund: Jede Zeile wird ihrer Frage zugeordnet; die fehlenden Angaben zur Probe fallen sofort auf.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Multiple Choice

Eine Atemverschlechterung gezielt untersuchen

Ein Patient wird unter Sauerstoffgabe schläfriger. SpO₂ ist weiterhin 97 %. Welche zusätzliche Messfrage ist besonders wichtig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe in der Aufgabe
BehandlungSauerstoffgabe
VerlaufPatient wird schläfriger
SpO₂weiterhin 97 %
  1. a)Wie ist pCO₂, und passt dazu die wirksame Ventilation?
  2. b)Ist die Sättigung bei wiederholter Messung weiterhin 97 %, sodass CO₂ nicht mehr geprüft werden muss?
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die erste strukturierte Übergabe

Du bekommst einen BGA-Ausdruck ohne Probeart und ohne Angaben zur Sauerstoffgabe. Formuliere, welche Informationen du vor einer verlässlichen Oxygenierungsbeurteilung ergänzen möchtest.

In der App sprechen üben →

On this page

Dein Weg durch die BGADer LernwegEine Probe, mehrere klinische FragenSo arbeitest du mit den SchrittenWas bedeutet H⁺?Säure und Base beschreiben eine ÜbergabeWarum die Bindung wichtig istDie Funktion zuordnenWas zeigt der pH?Der pH beschreibt den SäuregradEin Bereich statt einer einzelnen IdealzahlDie Veränderung klinisch übersetzenWert und Bedeutung verbindenMesswert und ProzessDas Ergebnis bekommt einen NamenEin normaler pH beantwortet nur eine FragePräzise bleibenEine ungenaue Aussage verbessernCO₂ vom Gewebe zur AusatemluftCO₂ entsteht im StoffwechselDrei Orte verbindenWirksame Belüftung heißt alveoläre VentilationpCO₂ zeigt das Verhältnis von Produktion und AbgabeEin einfacher VergleichProduktion und Entfernung zusammen prüfenSchnell ist nicht automatisch ausreichendBikarbonat als PufferHCO₃⁻ bekommt eine BedeutungVom gebundenen H⁺ zur LungeEin Puffer wird beanspruchtDie Pufferwirkung erklärenWarum kann Bikarbonat sinken?Die Rolle der NiereBikarbonat nicht verlierenSäure ausscheiden und Base ergänzenEin langsamerer AusgleichErhalten oder neu bereitstellen?Die Zeit einbeziehenCO₂ und HCO₃⁻ zusammenZwei Seiten eines ZusammenhangsDie Beziehung als GleichungEin Verhältnis, das den Befund verbindetZwei Werte, eine WirkungDen Nenner erklärenAktuell oder standardisiert?Das aktuelle BikarbonatWas Standardbikarbonat fragtZwei ähnlich benannte ZeilenDas passende Bikarbonat wählenDie Unabhängigkeit beurteilenBE und Standard-BEEine rechnerische VergleichsfrageBlut und ExtrazellularraumEin negatives Vorzeichen verstehenEin SBE-BefundEine unzulässige Schlussfolgerung prüfenSauerstoff und pO₂Ein anderer TransportwegWas pO₂ beschreibtEine konkrete Frage an den BefundWelcher Sauerstoffwert?Zwei Fragen auseinanderhaltenWas bedeutet Sättigung?Die meisten O₂-Moleküle reisen gebundenBesetzung ist nicht TransportkapazitätGleiche Sättigung, gleicher Transport?Drei Angaben geordnet vergleichenEine normale Sättigung einordnenSättigung richtig messenSpO₂ und SaO₂Was CO-Oxymetrie zusätzlich kannEin scheinbar beruhigender WertNach RauchgasexpositionEin unstimmiges Signal prüfenEin echtes Gerät lesenO₂-Werte im KontextEin pO₂ braucht BegleitumständeWarum Sättigung und pO₂ nicht linear steigenEin Vergleich mit unverändertem ErgebnisWelche Information fehlt?Eine unzulässige Gleichsetzung erklärenWas sagt Laktat?Laktat gehört zum StoffwechselWarum ein Wert steigen kannEine Zahl mit Verlauf lesenWas ist direkt belegt?Bildung und Abbau verbindenWelche Blutprobe liegt vor?Vor oder nach dem GewebeWofür venös ausreichen kannWas kapillär bedeutetDie Probe zur Frage prüfenDie Methode zum Ziel wählenIst die Probe zuverlässig?Präanalytik beginnt vor dem GerätLuft und Zeit verändern BlutgaseEin konkreter VerdachtLuft in der ProbeEinen Fehler erklärenEine Entnahme vorbereitenDie Entnahme ist eine ärztliche HandlungVorbereitung und Nachkontrolle geordnet durchführenEine Erklärung für den PatientenNachblutung beobachtenAm Modell vorbereitenZahlen mit ihren EinheitenDie Einheit gehört zur ZahlEine Druckumrechnung vormachenEine neue UmrechnungReferenz ist nicht gleich TherapiezielReferenzbereich oder Behandlungsziel?Welche Zahl beantwortet was?Den Befund in Fragen übersetzenEin Befund wird vorbereitetEine Atemverschlechterung gezielt untersuchenDie erste strukturierte Übergabe

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