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Lernpfade

Wasser und Volumen

Lernziel: Du kannst Volumen und Tonizität trennen und Flüssigkeit begründet planen.

Flüssigkeitsräume

Lernziel: Du kannst Körperwasser verteilen und die Bedeutung der Räume erklären.

Du lernst in acht Einheiten: Flüssigkeitsräume → Osmolalität und Tonizität → Mangel und Überschuss → Untersuchung und Verlauf → Infusionslösungen → Tagesplanung → Herz, Niere und Sepsis → eigenständige Fallplanung. Alle Fälle sind fiktiv und beziehen sich auf Erwachsene.

Wo befindet sich das Wasser?

Körperwasser liegt innerhalb und außerhalb der Zellen. Der Intrazellulärraum (IZR) umfasst das Wasser in den Zellen. Der Extrazellulärraum (EZR) umfasst vor allem das Interstitium zwischen den Zellen und das Plasma in den Blutgefäßen. Blutvolumen und Plasmavolumen sind nicht identisch: Blut enthält zusätzlich Blutzellen. Das Wasser der Blutzellen gehört zum IZR.

Bei Blutbestandteilen entscheidet der Ort des Wassers über die Zuordnung.

Wasser im BlutbestandteilZugehöriger Flüssigkeitsraum
Wasser im PlasmaExtrazellulärraum
Wasser in BlutzellenIntrazellulärraum

Ungerinnbar gemachtes Blut in einer Spritze nach dem Absetzen der Zellen: oben eine gelbliche, klare Plasmaschicht, darunter eine dunkelrote Schicht aus Blutzellen.

Abbildung: Blut nach dem Absetzen der Zellen. Die obere gelbliche Schicht ist Plasma, sein Wasser gehört zum EZR. Das Wasser in der unteren roten Zellschicht gehört zum IZR. Quelle: John Campbell, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten.

Klassifikationsdiagramm: Gesamtkörperwasser teilt sich in zwei Drittel intrazellulär mit hohem Kalium und ein Drittel extrazellulär mit hohem Natrium. Der Extrazellulärraum gliedert sich in Interstitium (drei Viertel), Plasma (ein Viertel) und kleine transzelluläre Flüssigkeiten. Im Blut gehört Plasmawasser zum Extrazellulärraum, Wasser in Blutzellen zum Intrazellulärraum.

Abbildung: Ordne jedes Wasser zuerst nach innen oder außen, danach innerhalb des EZR. Beim Blut entscheidet der Ort des Wassers, nicht das Organ. Quelle: eigene Darstellung.

Als Rechenmodell verwenden wir einen normalgewichtigen Erwachsenen mit 70 kg und einem Körperwasseranteil von 60 %. Das ergibt 42 l Körperwasser. Davon liegen ungefähr zwei Drittel intrazellulär und ein Drittel extrazellulär. Der Wasseranteil ist individuell: Er ist beispielsweise bei höherem Fettanteil und im höheren Lebensalter häufig geringer. Das Modell ersetzt keine Messung.

Proportionale Aufteilung von 42 Litern Körperwasser in 28 Liter intrazellulär und 14 Liter extrazellulär; der Extrazellulärraum enthält 10,5 Liter Interstitium und 3,5 Liter Plasma.

Abbildung: Vereinfachtes Verteilungsmodell. Verfolge zuerst die Trennung zwischen innen und außen, danach die Aufteilung außerhalb der Zellen. Transzelluläre Flüssigkeiten wie Liquor und Gelenkflüssigkeit sind hier nicht gesondert dargestellt. Quelle: eigene, mit Code erstellte Darstellung.

Raum im ModellRechnungVolumen
Gesamtes Körperwasser70 kg × 0,60 l/kg42 l
Intrazellulär42 l × 2/328 l
Extrazellulär42 l × 1/314 l
Plasma14 l × 1/43,5 l
Interstitium14 l × 3/410,5 l

Typische Richtwerte zeigen, warum der Faktor 0,6 nur ein Modell ist.

PersonengruppeKörperwasserGrund
Neugeboreneca. 75 % (70–80 %)wenig Fettgewebe
Erwachsene Männerca. 60 %höherer Muskelanteil
Erwachsene Frauenca. 50 %höherer Fettanteil
Ältere Menschenmeist niedrigerweniger Muskelmasse

Zwei Grenzen, zwei verschiedene Fragen

Die Zellmembran trennt IZR und EZR. Wasser kann sie gut passieren. Natrium ist überwiegend extrazellulär, Kalium überwiegend intrazellulär; Transportproteine und die Natrium-Kalium-Pumpe erhalten diese Verteilung. Deshalb beeinflusst eine Änderung der extrazellulären wirksamen Teilchenkonzentration die Wasserverteilung über die Zellmembran.

Typische Konzentrationen zeigen, wie verschieden die beiden Räume zusammengesetzt sind.

IonPlasma (EZR)Zellinneres (IZR)
Natrium (Na⁺)135–145 mmol/lca. 15 mmol/l
Kalium (K⁺)3,5–5,0 mmol/lca. 140 mmol/l
Chlorid (Cl⁻)98–106 mmol/lca. 8 mmol/l
Wichtigste AnionenChlorid, BikarbonatPhosphate, Proteine

Die Gefäßwand trennt Plasma und Interstitium. Kleine gelöste Stoffe und Wasser können zwischen diesen Räumen austauschen; Plasmaproteine werden normalerweise stärker zurückgehalten. Hydrostatischer Druck fördert Flüssigkeitsaustritt. Die Proteinverteilung, die Gefäßbarriere einschließlich Glykokalyx und der Lymphabfluss begrenzen die Gewebsansammlung. Lymphe bringt filtrierte Flüssigkeit zurück. Ein starres Bild „arteriell hinaus, venös vollständig wieder hinein“ ist dafür zu einfach.

Zwei Spalten: Die Zellmembran trennt IZR und EZR, ist gut wasserdurchlässig und hält Natrium außen (etwa 140 mmol/l, innen etwa 15) und Kalium innen (etwa 140 mmol/l, außen etwa 4) über die Natrium-Kalium-Pumpe getrennt; ändern sich die wirksamen Teilchen im EZR, verschiebt sich Wasser und Zellen können schrumpfen oder anschwellen. Die Gefäßwand trennt Plasma und Interstitium; Wasser und kleine Teilchen tauschen aus, Plasmaproteine und Glykokalyx halten zurück, hydrostatischer Druck treibt hinaus und Lymphe bringt Filtrat zurück; Ödeme sind trotz schlechter Organperfusion möglich.

Abbildung: Verfolge beide Spalten getrennt: Zellmembran und Gefäßbarriere beantworten unterschiedliche Fragen. Quelle: eigene Darstellung.

Vergleich zweier Lehrbilder der Gefäßwand. Altes Lehrbild: Austritt nur am arteriellen Ende, venös ziehen Proteine fast alles zurück, Lymphe nur ein kleiner Rest. Heutiges Verständnis nach dem revidierten Starling-Prinzip: Austritt entlang fast der gesamten Kapillare, Glykokalyx und Proteine bremsen den Austritt, kaum dauerhafte venöse Rückaufnahme, Lymphe bringt das Filtrat zurück. Gewebswasser nimmt zu bei erhöhtem Druck, vermindertem Proteinrückhalt, gestörter Barriere oder vermindertem Lymphabfluss.

Abbildung: Vergleiche Zeile für Zeile das alte mit dem heutigen Bild. Die untere Reihe nennt die vier Wege zu mehr Gewebswasser; E02-U03 greift sie beim Ödem wieder auf. Quelle: eigene Darstellung.

GrenzeEntscheidende FrageKlinische Folge
ZellmembranWie stark zieht der EZR Wasser an?Zellen können schrumpfen oder anschwellen.
GefäßbarriereWie viel Flüssigkeit bleibt wirksam intravasal?Ödeme können trotz schlechter Organperfusion entstehen.

Beide Hände und Unterarme eines liegenden Patienten mit deutlicher Schwellung von Handrücken und Fingern; an einem Handrücken liegt ein Venenzugang.

Abbildung: Ausgeprägte Ödeme beider Hände bei einem Kapillarlecksyndrom unter Interleukin-11. Die Flüssigkeit hat das Plasma über eine durchlässigere Gefäßbarriere verlassen und liegt im Interstitium. Die sichtbare Schwellung zeigt nicht, ob das Plasmavolumen ausreicht. Quelle: Wang K. et al., BMC Cancer 2011;11:204, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0; zugeschnitten.

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein Patient verliert durch Durchfall extrazelluläre Flüssigkeit. Das kann die venöse Rückströmung und damit die Füllung des Herzens vermindern. Das Herz kann weniger Blut pro Schlag auswerfen; die Organe werden schlechter durchblutet. Ein isotoner kristalloider Ersatz verteilt sich später innerhalb des EZR. Er bleibt daher nicht vollständig im Plasma. Im Rechenmodell aus S01 (Plasma ein Viertel, Interstitium drei Viertel des EZR) entsprechen 1.000 ml nach vollständiger Verteilung etwa 250 ml im Plasma und 750 ml im Interstitium; Ausscheidung und Zeitverlauf sind darin nicht enthalten. Wie viel intravasal wirksam wird und wie lange, hängt auch von Verlusten, Gefäßbarriere, Kreislauf und Ausscheidung ab.

Ablauf: Durchfall verursacht einen Verlust aus dem EZR, die venöse Rückströmung und die Herzfüllung nehmen ab, die Organe werden schlechter durchblutet. Ein isotones Kristalloid verteilt sich im gesamten EZR; im Rechenmodell bleiben von 1.000 ml etwa 250 ml im Plasma und 750 ml gelangen ins Interstitium. Die tatsächliche Wirkung hängt von weiteren Verlusten, Gefäßbarriere, Kreislauf und Ausscheidung ab und wird am Patienten geprüft.

Abbildung: Folge zuerst den Kreislauffolgen des Verlusts und anschließend der Verteilung des Ersatzes. Die Modellzahlen gelten nur nach vollständiger Verteilung ohne Ausscheidung. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Das Modell anwenden

Aufgabe

Eine 60 kg schwere Person hat im vereinfachten Modell ebenfalls 60 % Körperwasser. Berechne Gesamtkörperwasser und EZR. Nutze die Schritte „Körpermasse × Wasseranteil“ und danach „ein Drittel“.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeWert
Körpermasse60 kg
Körperwasseranteil im Modell60 %
Gesuchte RäumeGesamtkörperwasser; EZR
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Die relevante Grenze wählen

Aufgabe

Bei zwei Patienten ist die Natriumkonzentration gleich. Einer hat nach einer Entzündungsreaktion ausgeprägte Ödeme. Welche Aussage ist am besten begründet?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeBeobachtung
NatriumkonzentrationBei beiden Patienten gleich
Zusätzlicher Befund bei einem PatientenAusgeprägte Ödeme nach Entzündungsreaktion

Nahaufnahme der Gesichtshaut unterhalb eines Auges: Das Unterlid ist prall vorgewölbt, die Haut darüber glatt, gespannt, glänzend und leicht gerötet; zur Wange hin begrenzt eine Hautfalte die Schwellung.

Abbildung: Deutliche Gewebsschwellung am Unterlid nach einer Entzündungsreaktion als Beispiel für einen sichtbaren Ödembefund. Quelle: Klaus D. Peter, CC BY 3.0 DE

  1. a)Die gleiche Natriumkonzentration beweist das gleiche Plasmavolumen.
  2. b)Die Verteilung zwischen Plasma und Interstitium kann sich trotz gleicher Natriumkonzentration unterscheiden.
  3. c)Ödemflüssigkeit gehört überwiegend zum Intrazellulärraum.
Lösung in der App →

Osmolalität und Tonizität

Lernziel: Du kannst Osmolalität berechnen und von der Tonizität unterscheiden.

Teilchen zählen oder Zellwirkung beurteilen?

Osmolalität beschreibt die Zahl gelöster osmotisch aktiver Teilchen pro Kilogramm Wasser, angegeben in mOsm/kg. Im Labor wird die Plasmaosmolalität beispielsweise über die Gefrierpunktserniedrigung gemessen. Osmolarität bezieht sich dagegen auf einen Liter Lösung. Die Werte liegen bei verdünnten Körperflüssigkeiten nahe beieinander, die Bezugsgrößen bleiben verschieden. Auf Infusionslösungen ist meist die theoretische Osmolarität in mOsm/l angegeben.

Drei Spalten vergleichen Osmolalität (Teilchen pro Kilogramm Wasser, mOsm/kg, im Labor gemessen), Osmolarität (Teilchen pro Liter Lösung, mOsm/l, Angabe auf dem Infusionsetikett) und Tonizität (nur wirksame Teilchen, bezogen auf eine Membran, geschätzt). Darunter steht jeweils die Frage, die der Begriff beantwortet; die Fußzeile erinnert daran, dass die Beutelangabe nicht der Wirkung im Körper entspricht.

Abbildung: Lies jede Spalte von oben nach unten: Bezugsgröße, Herkunft der Zahl und die Frage, die sie beantwortet. Nur die Tonizität sagt etwas über die Wasserbewegung zwischen den Räumen. Quelle: eigene Darstellung.

Tonizität ist die wirksame Osmolalität in Bezug auf eine bestimmte Membran: Entscheidend sind Teilchen, die diese Membran nicht rasch passieren und deshalb einen anhaltenden Wasserstrom bewirken. Wasser verschiebt sich zur Seite mit der höheren wirksamen Teilchenkonzentration.

Gezeichnete rote Blutkörperchen in drei Lösungen: In hypertoner Lösung sind sie geschrumpft und gezackt, Pfeile zeigen Wasser aus der Zelle heraus; in isotoner Lösung haben sie normale bikonkave Form bei gleichem Ein- und Ausstrom; in hypotoner Lösung sind sie geschwollen und eine Zelle platzt, Pfeile zeigen Wasser in die Zelle hinein.

Abbildung: Zeichnung von Erythrozyten in hypertoner, isotoner und hypotoner Lösung. Grüne Pfeile zeigen Wasser, das die Zelle verlässt, gelbe Pfeile einströmendes Wasser. Achte auf die Zellform: geschrumpft, unverändert, geschwollen bis zur Ruptur. Die Zeichnung zeigt das Membranprinzip, keine mikroskopische Aufnahme. Quelle: LadyofHats (Mariana Ruiz), deutsche Beschriftung: Drahkrub, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain).

Natriumsalze bestimmen wesentlich die extrazelluläre Tonizität. Stark erhöhte Glukose wirkt ebenfalls als extrazelluläres Osmol und zieht Wasser aus den Zellen. Harnstoff erhöht die gemessene Osmolalität, passiert viele Zellmembranen jedoch relativ gut und wird in der üblichen klinischen Schätzung der Tonizität nicht mitgerechnet. Bei raschen Veränderungen, etwa während einer Dialyse, können vorübergehende Gradienten dennoch relevant sein.

Nach dem Membranprinzip werden drei Stoffe zugeordnet: Natriumsalze und stark erhöhte Glukose zählen zur Osmolalität und zur Tonizität und ziehen bei Anstieg Wasser aus den Zellen; Harnstoff zählt zur Osmolalität, nicht zur Tonizität, und bewirkt keinen anhaltenden Zellwasserentzug. Eine Warnbox weist auf vorübergehende Harnstoffgradienten bei rascher Änderung wie Dialyse hin.

Abbildung: Vergleiche die Membranwirkung: Harnstoff zählt zur Gesamtosmolalität, in der üblichen Tonizitätsschätzung jedoch nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Schematische Wasserbewegung zwischen Intrazellulärraum und Extrazellulärraum bei veränderter extrazellulärer Tonizität.

Abbildung: Mechanisches Raummodell, keine anatomische oder diagnostische Aufnahme. Gestrichelte Grenzen zeigen das Ausgangsvolumen. Bei isotonem Verlust bleibt die Tonizität gleich: Der EZR wird kleiner, ohne relevante Wasserverlagerung aus den Zellen. Bei reinem Wasserverlust steigt die extrazelluläre Tonizität zunächst; Wasser tritt aus den Zellen aus. Nach Verteilung sind beide Räume kleiner. Bei reinem Wasserüberschuss kehrt sich die Richtung um. Quelle: eigene Darstellung.

BegriffWas er beantwortetWas er nicht beantwortet
OsmolalitätWie viele gelöste Teilchen sind vorhanden?Ob alle Teilchen Wasser dauerhaft aus Zellen ziehen.
TonizitätWelche Wasserverlagerung betrifft die Zellen?Ob ausreichend wirksames Kreislaufvolumen vorliegt.
NatriumkonzentrationVerhältnis von Natrium zu Wasser im gemessenen KompartimentGesamter Natriumbestand oder Volumenstatus allein.

Die Zahl auf dem Infusionsbeutel ist eine theoretische Osmolarität; über die Zellwirkung entscheidet, welche Teilchen im Körper wirksam bleiben:

LösungTheoretische OsmolaritätWirkung im Körper
NaCl 0,9 %308 mOsm/lNatrium und Chlorid bleiben überwiegend extrazellulär
Balancierte Vollelektrolytlösung (Beispiel Jonosteril)291 mOsm/lAnnähernd isoton; Verteilung im Extrazellulärraum
Glukose 5 %278 mOsm/lGlukose wird verwertet; übrig bleibt freies Wasser, das hypoton wirkt

Eine Schätzung mit korrekten Einheiten

Lesetext und ausgearbeitetes Beispiel

Für eine gebräuchliche klinische Näherung werden alle drei Eingaben in mmol/l eingesetzt:

Berechnete Osmolalität ≈ 2 × Natrium + Glukose + Harnstoff.

Geschätzte Tonizität ≈ 2 × Natrium + Glukose.

Der Faktor 2 berücksichtigt näherungsweise die zu Natrium gehörenden Anionen. Die Rechnung aus Konzentrationen in mmol/l liefert eine klinisch gebräuchliche Näherung für mOsm/kg, keine direkte Messung. Ein typischer Laborreferenzbereich der gemessenen Plasmaosmolalität liegt ungefähr bei 275–295 mOsm/kg; der Bereich des ausführenden Labors hat Vorrang. Glukose in mg/dl muss durch 18 geteilt werden. Harnstoff und BUN sind nicht dieselbe Messangabe; verwende diese Formel nicht ungeprüft mit mg/dl oder einem BUN-Wert.

Liegen Werte in mg/dl vor, rechne sie vor dem Einsetzen in mmol/l um:

LaborangabeUmrechnung in mmol/lBeispiel
Glukose in mg/dl÷ 1890 mg/dl ≈ 5 mmol/l
Harnstoff in mg/dl÷ 630 mg/dl ≈ 5 mmol/l
BUN (Harnstoff-Stickstoff) in mg/dl÷ 2,8 ergibt Harnstoff in mmol/l14 mg/dl ≈ 5 mmol/l

Nach Prüfung von Stoff und Einheit werden drei alternative Umrechnungswege gezeigt: Glukose in mg/dl durch 18, Harnstoff durch 6 oder BUN durch 2,8. Alle Beispiele ergeben 5 mmol/l. Mit Natrium 140 mmol/l werden daraus 290 mOsm/kg Osmolalität und 285 mOsm/kg Tonizität geschätzt.

Abbildung: Wähle die Umrechnung nach der tatsächlichen Messangabe; Harnstoff und BUN sind alternative Angaben derselben Formelkomponente. Quelle: eigene Darstellung.

Bei Natrium 140 mmol/l, Glukose 5 mmol/l und Harnstoff 5 mmol/l ergibt sich:

2 × 140 + 5 + 5 = 290 mOsm/kg als berechnete Osmolalität; ohne Harnstoff 285 mOsm/kg als geschätzte Tonizität.

Die fünf Rechenschritte prüfen Messangaben und Einheiten, setzen Natrium 140, Glukose 5 und Harnstoff 5 mmol/l ein und berechnen parallel 290 mOsm/kg Gesamtosmolalität sowie 285 mOsm/kg Tonizität. Beide Ergebnisse sind Näherungen.

Abbildung: Der Unterschied von 5 mOsm/kg entsteht hier durch den Harnstoffanteil; die Einheit muss vor jeder Rechnung stimmen. Quelle: eigene Darstellung.

Bei gleicher Natrium- und Glukosekonzentration, aber Harnstoff 25 mmol/l beträgt die berechnete Osmolalität 310, die geschätzte Tonizität weiterhin 285 mOsm/kg. Die erhöhte Gesamtosmolalität allein beweist hier keinen anhaltenden Wasserentzug aus Zellen.

Änderung bei sonst gleichen BedingungenOsmolalitätGeschätzte Tonizität
Harnstoff steigtSteigtIn dieser Näherung gleich
Glukose steigt deutlichSteigtSteigt
Natrium sinkt ohne andere wirksame OsmoleSinktSinkt

Die osmolale Lücke ist die Differenz zwischen gemessener und berechneter Osmolalität. Sie beantwortet eine andere Frage: Sind zusätzliche, in der Formel nicht erfasste Teilchen vorhanden? Sie misst weder Volumenmangel noch den Flüssigkeitsbedarf. Ihre toxikologische Interpretation gehört zur vertieften BGA-/Vergiftungsdiagnostik.

Drei Zahlen nebeneinander: gemessene Osmolalität (alle gelösten Teilchen), berechnete Osmolalität (2 × Natrium + Glukose + Harnstoff) und geschätzte Tonizität (2 × Natrium + Glukose). Die Differenz gemessen minus berechnet ist die osmolale Lücke und führt bei Erhöhung zur vertieften BGA- und Vergiftungsdiagnostik; die Differenz berechnet minus Tonizität ist der Harnstoffanteil, im Beispiel 310 minus 285 gleich 25 mOsm/kg, ohne anhaltenden Zellwasserentzug. Unten: Der Infusionsplan folgt nie aus einer Zahl allein.

Abbildung: Vergleiche immer zwei benachbarte Zahlen. Gemessen minus berechnet fragt nach nicht erfassten Teilchen, berechnet minus Tonizität zeigt nur den Harnstoffanteil. Keine der Differenzen misst Volumenstatus oder Flüssigkeitsbedarf. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt rechnen

Aufgabe

Natrium 142 mmol/l, Glukose 6 mmol/l, Harnstoff 8 mmol/l. Berechne zuerst 2 × Natrium, dann Gesamtosmolalität und Tonizität.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

LaborwertKonzentration
Natrium142 mmol/l
Glukose6 mmol/l
Harnstoff8 mmol/l
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Die klinische Bedeutung prüfen

Aufgabe

Eine Patientin hat Natrium 138 mmol/l, Glukose 30 mmol/l und Harnstoff 6 mmol/l. Berechne beide Werte. Erkläre, weshalb ein Natriumwert im üblichen Referenzbereich eine erhöhte Tonizität hier nicht ausschließt. Darfst du daraus bereits einen vollständigen Infusionsplan ableiten?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

LaborwertKonzentration
Natrium138 mmol/l
Glukose30 mmol/l
Harnstoff6 mmol/l
In der App sprechen üben →

Mangel, Ödeme und Überschuss

Lernziel: Du kannst Wasserdefizit, Volumenmangel und Ödeme voneinander abgrenzen.

Begriffe mit unterschiedlichen Bezugsgrößen

Hypovolämie bedeutet eine Verminderung des zirkulierenden intravasalen Volumens. Bei Blutverlust gehen auch Blutzellen verloren; bei gastrointestinalem Salz-Wasser-Verlust vor allem extrazelluläre Flüssigkeit. Hypovolämie kann zu Hypoperfusion führen, also zu unzureichender Organdurchblutung.

Dehydratation wird im klinischen Sprachgebrauch unterschiedlich verwendet. Präzisiere deshalb: Liegt ein Wasserdefizit vor, ein extrazellulärer Salz-Wasser-Mangel oder beides? Ein überwiegender Wasserverlust erhöht häufig Natrium und Tonizität. Ein annähernd isotoner Salz-Wasser-Verlust kann dagegen bei normalem Natrium erheblichen Volumenmangel verursachen.

Ablauf in zwei Schritten: Zuerst den Begriff Dehydratation präzisieren – Wasserdefizit, extrazellulärer Salz-Wasser-Mangel oder beides. Links Wasserdefizit mit überwiegendem Wasserverlust, etwa bei wenig Trinken oder Fieber, Natrium und Tonizität oft erhöht; rechts Hypovolämie mit vermindertem zirkulierendem Volumen, bei Magen-Darm-Verlust vor allem EZR, bei Blutung auch Zellen, Perfusion gefährdet. Dann getrennt prüfen: Natrium für Konzentration und Zellwasser, Kreislauf für Volumen und Organperfusion. Hinweis: Normales Natrium schließt Hypovolämie nicht aus. Unten Wasserdefizit als Konzentrationsseite und Hypovolämie als Kreislaufseite.

Abbildung: Normales Natrium kann mit einem erheblichen isotonen Volumenverlust zusammen vorkommen. Quelle: eigene Darstellung.

Überwässerung bedeutet zu viel Körperwasser, häufig zusammen mit Natriumretention. Ein Ödem ist vermehrte Flüssigkeit im Interstitium; es kann lokal oder generalisiert auftreten. Ein einseitiges Beinödem ist nicht automatisch Ausdruck einer systemischen Überwässerung.

ZustandTypische KonstellationWichtige Grenze
Isotoner Salz-Wasser-VerlustDurchfall, EZR vermindert, Natrium eventuell normalNormales Natrium schließt Hypovolämie nicht aus.
Überwiegender WasserverlustGeringe Trinkmenge, Fieber; Tonizität häufig erhöhtZellwasser und Kreislauf getrennt bewerten.
Überwiegender SalzverlustZum Beispiel unter Diuretika; Natrium kann sinkenUrsache und Wasserzufuhr bestimmen den Befund mit.
Salz-Wasser-RetentionGewichtszunahme, mögliche StauungÖdeme beweisen keine gute arterielle Versorgung.

Welcher Anteil überwiegt, zeigt sich in der Natriumkonzentration und in der Wasserverschiebung zwischen den Räumen:

Drei Spalten vergleichen isotonen, hypertonen und hypotonen Flüssigkeitsverlust. Isoton: Natrium 135 bis 145 mmol/l, Salz und Wasser proportional verloren, Extrazellulärraum vermindert, Intrazellulärraum unverändert, Hauptproblem Kreislauf. Hyperton: Natrium über 145 mmol/l, mehr Wasser als Salz verloren, beide Räume vermindert, Zellen schrumpfen. Hypoton: Natrium unter 135 mmol/l, mehr Salz als Wasser verloren, Extrazellulärraum deutlich vermindert, Intrazellulärraum vergrößert, Zellen schwellen. Unten: Menge und Konzentration getrennt beurteilen.

Abbildung: Natrium ordnet den Verlust als isoton, hyperton oder hypoton ein; über die verlorene Menge sagt es allein nichts. Gestrichelt ist die Ausgangsgröße des Raums, gefüllt die Größe nach dem Verlust; die Balken sind nicht maßstäblich. Quelle: eigene Darstellung.

Warum kann ein ödematöser Mensch schlecht perfundiert sein?

Das effektive zirkulierende Volumen ist ein funktioneller Begriff: Reicht die arterielle Füllung aus, um die Organe zu versorgen? Es lässt sich nicht als eigenes anatomisches Flüssigkeitsfach abgrenzen. Es hängt unter anderem von Herzleistung, Gefäßweite und Verteilung des Blutes ab.

Bei Herzinsuffizienz können venöse Drücke und Gewebswasser zunehmen, während die Vorwärtsleistung unzureichend ist. Bei Sepsis erweitern sich Gefäße; zusätzlich kann Flüssigkeit über eine gestörte Barriere ins Gewebe gelangen. Bei Zirrhose kann eine ausgeprägte Gefäßerweiterung im Splanchnikusgebiet zur unzureichenden effektiven arteriellen Füllung beitragen. Die Niere reagiert dann unter anderem über Sympathikus und Renin-Angiotensin-Aldosteron-System mit Natriumretention. ADH, auch Vasopressin genannt, begünstigt Wasserrückhaltung. Diese Reaktion kann Ödeme verstärken.

Herzinsuffizienz, Sepsis und Zirrhose führen über verschiedene Wege zu verminderter effektiver arterieller Füllung. Barorezeptoren melden zu wenig Füllung; Sympathikus, Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und ADH (Vasopressin) werden aktiviert. Die Niere hält Natrium und Wasser zurück, Gesamtwasser und Gewicht steigen. Daraus folgen Stauung mit Ödemen und möglicher Lungenstauung, während die Perfusion knapp bleibt; ein gestrichelter Pfeil führt zurück zur verminderten Füllung. Unten: Stauung und Perfusion getrennt prüfen; das Ödem bestimmt keine Infusionsmenge.

Abbildung: Gesamtmenge und wirksame Organversorgung sind verschiedene Größen. Solange Herzleistung oder Gefäßtonus gestört bleiben, hält das Füllungssignal an und die Retention geht weiter. Das Schema erklärt einen Mechanismus; es legt keine Infusionsmenge fest. Quelle: eigene Darstellung.

Mechanismus des ÖdemsBeispielNächste diagnostische Frage
Erhöhter venöser/hydrostatischer DruckHerzinsuffizienz, venöser AbflussstauLokal oder systemisch; Zeichen einer kardialen Stauung?
Verminderte ProteinrückhaltekraftStarker AlbuminmangelVerlust, verminderte Synthese oder andere Ursache?
Erhöhte GefäßdurchlässigkeitEntzündung, SepsisAkuter Entzündungsprozess und Organstörung?
Verminderter LymphabflussLymphödemChronischer lokaler Abflussdefekt?

An der Kapillare zeigt sich, wo die vier Mechanismen angreifen:

Oben eine Kapillare: Der Blutdruck drückt Flüssigkeit hinaus, Albumin hält sie zurück. Filtration durch Endothel und Glykokalyx führt ins Interstitium; von dort transportiert die Lymphe Flüssigkeit zurück ins Blut. Ein Ödem wird sichtbar, wenn die Filtration den Abtransport übersteigt. Darunter vier Wege: 1 Druck erhöht, 2 Albumin vermindert, 3 Durchlässigkeit erhöht, 4 Lymphabfluss vermindert, jeweils mit Beispielen und einer nächsten diagnostischen Frage. Unten: Ursache klären; das Ödem ist kein Volumenmesser.

Abbildung: Normalerweise filtriert die Kapillare ständig etwas Flüssigkeit; die Lymphe bringt sie zurück. Ein Ödem entsteht erst, wenn Filtration und Abtransport aus dem Gleichgewicht geraten – an welcher Stelle, entscheidet über die Behandlung. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Handrücken nebeneinander: Die im Bild linke Hand ist deutlich geschwollen, die Haut gespannt, Knöchel und Sehnen sind verstrichen; die rechte Hand zeigt normale Konturen mit sichtbaren Venen.

Abbildung: Lokales Ödem durch erhöhte Gefäßdurchlässigkeit bei einer allergischen Reaktion (Mechanismus 3). Vergleiche die verstrichenen Knöchel- und Sehnenkonturen mit der gesunden Hand. Quelle: OpenStax College, Anatomy & Physiology, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.

Beide Beine von vorn mit massiver Schwellung von Oberschenkeln, Unterschenkeln und Fußrücken; tiefe Hautfalten über Knie und Knöcheln, auch die Zehen sind verdickt.

Abbildung: Ausgeprägtes chronisches Lymphödem beider Beine (Mechanismus 4). Typisch sind tiefe Hautfalten und die Mitbeteiligung von Fußrücken und Zehen; die Flüssigkeit sammelt sich, weil der Abtransport fehlt, nicht weil der Kreislauf überfüllt ist. Quelle: AmyKenneth, gemeinfrei (PD-self), via Wikimedia Commons.

Ein niedriger Albuminwert ist weder ein Volumenmessgerät noch für sich eine Indikation zur Albumininfusion. Akute Atemnot bei vermuteter Lungenstauung verlangt sofortige klinische Beurteilung. Ein neues schmerzhaftes, einseitiges Beinödem erfordert eine gezielte Abklärung, beispielsweise einer Thrombose; eine pauschale Flüssigkeitsbeschränkung löst dieses Problem nicht.

Ablauf in drei Schritten: Zuerst akute Gefahr prüfen – akute Atemnot bei Verdacht auf Lungenstauung sofort klinisch beurteilen, neues einseitiges schmerzhaftes Beinödem gezielt abklären, etwa auf Thrombose. Dann lokal oder generalisiert unterscheiden. Danach den Mechanismus zuordnen: Druck erhöht bei Herzinsuffizienz oder venösem Stau, Albumin vermindert bei starkem Albuminmangel, Durchlässigkeit erhöht bei Entzündung oder Sepsis, Lymphabfluss vermindert beim Lymphödem. Unten: Akutzeichen gezielt beurteilen, niedriges Albumin allein ist keine Indikation zur Albumininfusion, das Ödem bestimmt keine Infusionsmenge.

Abbildung: Achte zuerst auf Atemnot und den neuen schmerzhaften einseitigen Befund; Albuminwert und Ödem ersetzen keine Volumenbeurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Die Verteilung des Ödems grenzt die häufigen Ursachen zuerst ein:

VerteilungTypische UrsachenNächster Schritt
Einseitig, neu, schmerzhaftTiefe Beinvenenthrombose, Erysipel, rupturierte Baker-ZysteThrombose gezielt abklären: klinische Wahrscheinlichkeit (z. B. Wells-Score), D-Dimer, Kompressionssonografie; Entzündungszeichen?
Einseitig, chronischLymphödem, chronische venöse Insuffizienz, postthrombotisches SyndromVorgeschichte: Operation, Bestrahlung, Thrombose? Hautveränderungen?
Beidseitig, generalisiertHerzinsuffizienz, Nierenerkrankung (z. B. nephrotisches Syndrom), LeberzirrhoseStauungszeichen, Eiweiß im Urin, Albumin und Leberwerte
Beidseitig, medikamentösKalziumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ, NSAR, Glukokortikoide, GlitazoneMedikamentenanamnese: Beginn nach Neuverordnung oder Dosissteigerung?

Bei beidseitigen Ödemen verlaufen zwei Prüfwege parallel: links systemische Ursachen mit Herzinsuffizienz, Nierenerkrankung und Leberzirrhose sowie Stauungszeichen, Urineiweiß, Albumin und Leberwerten; rechts ödemassoziierte Medikamentengruppen und der Beginn nach Neuverordnung oder Dosissteigerung.

Abbildung: Lies beide Prüfwege jeweils von oben nach unten; systemische Befunde und die Medikamentenanamnese ergänzen sich. Quelle: eigene Darstellung.

Unterschenkel einer Patientin mit chronischen Ödemen: Am Knöchel hat der Sockenbund eine tiefe, bleibende Einschnürung hinterlassen, eine zweite Druckfurche verläuft unterhalb des Knies. Auf der Vorderseite des Unterschenkels liegt eine scharf begrenzte, flächige Rötung.

Abbildung: Chronische Unterschenkelödeme bei Herzinsuffizienz. Die Furchen von Sockenbund und Strumpfrand zeigen, dass sich die Flüssigkeit wegdrücken lässt (dellbares Ödem). Die scharf begrenzte Rötung ist ein wiederkehrendes Erysipel – ödematöse Haut infiziert sich leichter, und eine neue schmerzhafte Rötung verlangt eine eigene Abklärung. Quelle: Mikael Häggström, CC0, via Wikimedia Commons.

Multiple Choice

Eine Unterscheidung begründen

Aufgabe

Nach zwei Tagen Durchfall hat ein Patient Kreislaufbeschwerden, Natrium 140 mmol/l und einen Gewichtsverlust von 2 kg. Welche Aussage ist am besten begründet?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeBefund
VerlaufSeit zwei Tagen Durchfall
BeschwerdenKreislaufbeschwerden
Natrium140 mmol/l
Gewichtsänderung−2 kg
  1. a)Das normale Natrium schließt einen relevanten Flüssigkeitsverlust aus.
  2. b)Der Gewichtsverlust beweist einen Verlust von genau zwei Litern Plasma.
  3. c)Ein extrazellulärer Salz-Wasser-Verlust ist möglich und muss klinisch beurteilt werden.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Zwei scheinbar widersprüchliche Befunde

Aufgabe

Ein Patient mit Herzinsuffizienz hat zunehmende beidseitige Beinödeme, eine Gewichtszunahme und kalte Hände. Erkläre in drei Sätzen, warum Ödeme und verminderte Organperfusion zusammen vorkommen können. Welche Schlussfolgerung zur Flüssigkeitsgabe wäre voreilig?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

BereichFallangabe
VorerkrankungHerzinsuffizienz
BeineZunehmende beidseitige Ödeme
GewichtZunahme
HändeKalt

Liegender Unterschenkel mit Fuß von der Seite: Unterschenkel und Fußrücken sind gleichmäßig verdickt, die Haut ist gespannt und glänzt, Knöchel- und Sehnenkonturen sind verstrichen.

Abbildung: Beispielbild einer deutlichen Unterschenkelschwellung; im Fall bestehen die Schwellungen an beiden Beinen. Quelle: Wang Kai-feng et al., CC BY 2.0

In der App sprechen üben →

Untersuchen und bilanzieren

Lernziel: Du kannst Befunde, Bilanz und Gewicht im Verlauf gemeinsam beurteilen.

Bedarf, Ansprechen und Verträglichkeit

Vor Flüssigkeit stellst du drei Fragen: Gibt es Bedarf, etwa durch Verluste und Hypoperfusion? Ist ein Ansprechen des Kreislaufs auf mehr Vorlast wahrscheinlich? Kann die Person die Flüssigkeit vertragen, ohne dass die Stauung zunimmt? Volumenreagibilität bedeutet nur, dass mehr Vorlast das Schlagvolumen steigern kann. Sie beweist weder Behandlungsbedarf noch Verträglichkeit.

Drei Spalten: Bedarf mit Verlusten und Hypoperfusionszeichen, Ansprechen mit passiver Beinhebung und Schlagvolumenanstieg ab 10 Prozent, Verträglichkeit mit Stauungszeichen. Darunter gemeinsame Entscheidung mit drei Ergebnissen: kontrollierte Portion, andere Ursache bei fehlender Reagibilität, keine weitere Flüssigkeit bei zunehmender Stauung; danach erneute Beurteilung.

Abbildung: Drei Fragen vor jeder weiteren Gabe. Ein günstiger Wert in einem Bereich hebt einen gefährlichen Befund in einem anderen nicht auf; nach jeder Maßnahme beginnt die Beurteilung erneut. Quelle: eigene Darstellung.

Beginne bei Instabilität mit ABCDE: Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischer Zustand, vollständiger orientierender Untersuchung. Hypotonie, Bewusstseinsänderung, kalte/marmorierte Haut, deutlich verlängerte Rekapillarisierung, Atemnot oder stark verminderte Urinausscheidung erfordern rasche Hilfe. Ein einzelner unauffälliger Blutdruck schließt frühe Hypoperfusion nicht aus.

Als Orientierung gelten ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg oder ein mittlerer arterieller Druck unter 65 mmHg, eine Rekapillarisierungszeit über 3 Sekunden, eine Urinausscheidung unter 0,5 ml/kg/h und ein Laktat über 2 mmol/l. Diese Grenzen sind Warnsignale für eine mögliche Hypoperfusion, keine automatischen Infusionsauslöser.

Fünf Zeilen A bis E: links, was du prüfst, rechts die Warnzeichen, darunter Kreislaufgrenzen systolisch unter 90 oder mittlerer Druck unter 65 mmHg, Rekapillarisierung über 3 Sekunden und Urin unter 0,5 ml/kg/h. Unten zwei Wege: bei Warnzeichen sofort Hilfe und Monitoring, bei Stabilität Anamnese, Medikamente und gezielte Untersuchung.

Abbildung: ABCDE zuerst. Jedes Warnzeichen wird sofort behandelt, bevor die gezielte Volumenbeurteilung weitergeht. Quelle: eigene Darstellung.

Für die Rekapillarisierungszeit drückst du etwa 5 Sekunden fest auf Fingerkuppe oder Nagelbett und zählst nach dem Loslassen bis zur Wiederfärbung. Kälte, Licht und periphere Gefäßerkrankung verfälschen den Befund; vergleiche daher im Verlauf an derselben Stelle.

Eine untersuchende Person drückt an einer Übungspuppe mit Daumen und Zeigefinger auf die Großzehe; die andere Hand hält den zweiten Fuß an den Zehen.

Abbildung: Rekapillarisierung am Übungsmodell. Gedrückt wird etwa 5 Sekunden fest, gemessen wird die Zeit bis zur Wiederfärbung nach dem Loslassen; über 3 Sekunden gilt als verlängert. Quelle: Glynda Rees Doyle und Jodie Anita McCutcheon, Clinical Procedures for Safer Patient Care (BCcampus), CC BY 4.0, via Wikimedia Commons; zugeschnitten.

Frage nach bisheriger Trinkmenge, Erbrechen, Durchfall, Blutung, Fieber, Polyurie und zeitlichem Verlauf. Erfasse Medikamente, insbesondere Diuretika, ACE-Hemmer/AT1-Blocker, SGLT2-Hemmer und NSAR. Sie können Volumen, Blutdruck, Kalium oder Nierenfunktion beeinflussen. Eine Änderung erfolgt anhand der akuten Situation, nicht als pauschales Absetzen jeder Dauermedikation.

Zuerst werden Verluste und zeitlicher Verlauf erfasst. Danach führen vier Medikamentengruppen zu den jeweils relevanten Kontrollen von Gewicht, Blutdruck, Elektrolyten, Kreatinin oder BGA und Ketonen. Die Befunde werden mit Perfusion, Stauung und Organfunktion verbunden; Änderungen richten sich nach der akuten Situation.

Abbildung: Die Medikamentengruppe bestimmt, welche möglichen Effekte gezielt geprüft werden; eine Änderung folgt aus der akuten Gesamtsituation. Quelle: eigene Darstellung.

Diese Dauermedikamente verändern Volumen, Kalium oder Nierenfunktion besonders häufig:

MedikamentMöglicher EffektWas du prüfst
Schleifen-/ThiaziddiuretikaVolumen- und Natriumverlust, HypokaliämieGewicht, Blutdruck, Na/K
ACE-Hemmer/AT1-BlockerGFR-Abfall bei Volumenmangel, Kalium ↑Kreatinin, Kalium
SGLT2-HemmerVolumenverlust über Glukosurie; euglykämische Ketoazidose möglichVolumenstatus, bei Übelkeit/Erbrechen BGA und Ketone
NSARNierenperfusion ↓, Natriumretention, Kalium ↑Kreatinin, Kalium, Ödeme
BefundgruppeWas du erhebstGrenze der Aussage
PerfusionBewusstsein, Puls, Blutdruck, Rekapillarisierung, HauttemperaturSchmerz, Medikamente und Umgebung beeinflussen Einzelbefunde.
StauungAtemnot/Orthopnoe, Halsvenen, Lungenauskultation, periphere ÖdemeFehlende Rasselgeräusche schließen Stauung nicht sicher aus.
WasserhaushaltDurst, Schleimhäute, Gewicht, Zu-/AbfuhrMundtrockenheit und Hautturgor sind besonders im Alter unspezifisch.
OrganfunktionUrinmenge, Kreatininverlauf, Na/K/Cl, bei Bedarf Laktat/BGAOligurie und Laktaterhöhung beweisen allein keinen Volumenmangel.

Untersuchung praktisch vorbereiten

Lesetext und ausgearbeitetes Beispiel

Erkläre die Untersuchung, hole Einverständnis ein, sorge für Händehygiene, Privatsphäre und eine sichere Lagerung. Beurteile zuerst Atmung und Kreislauf. Untersuche Halsvenen in geeigneter Oberkörperposition und beide Beine vergleichend. Bei Bettlägerigkeit können Ödeme auch sakral auftreten. Eine bleibende Delle nach vorsichtigem Druck spricht für eindrückbare Gewebsflüssigkeit; sie quantifiziert nicht das Plasmavolumen. Beobachte Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Lungenauskultation im Verlauf. Eine Orthostaseprüfung ist bei Instabilität, Synkopegefahr oder Sturzrisiko ungeeignet.

Orientierend gilt eine Jugularvenenfüllung von mehr als 3–4 cm über dem Angulus sterni bei 30–45° Oberkörperhochlage als erhöht. Für Ödeme drückst du mindestens 5 Sekunden über Schienbein, Knöchel oder Fußrücken und vergleichst beide Seiten.

Ablauf in fünf Schritten: vorbereiten, Atmung und Kreislauf zuerst, dann nebeneinander Halsvenen bei 30 bis 45 Grad mit Grenze 3 bis 4 cm über dem Angulus sterni, Lungenauskultation basal und Ödemprüfung mit mindestens 5 Sekunden Druck, danach Orthostase nur wenn sicher und Wiederholung im Verlauf; unten Beobachtung und Einschätzung getrennt.

Abbildung: Erst Sicherheit, dann gezielte Stauungs- und Ödembefunde. Beschreibe zuerst, was du siehst, und ordne es danach mit Verlauf, Bilanz und Labor ein. Quelle: eigene Darstellung.

Als funktioneller Test kann ein geschultes Team die passive Beinhebung nutzen: Aus halbsitzender Position wird der Oberkörper abgesenkt und die Beine werden angehoben. Dadurch wird vorübergehend venöses Blut zentral verlagert. Eine unmittelbar messbare Zunahme von Schlagvolumen/Herzzeitvolumen unterstützt Volumenreagibilität. Blutdruck allein ist dafür weniger zuverlässig. Der Effekt ist kurz; Methode, Messqualität, Lagerbarkeit und klinischer Kontext begrenzen die Aussage. Kein unüberwachtes Selbstexperiment und keine Infusionspflicht bei positivem Test.

Praktisch beginnst du mit etwa 45° Oberkörperhochlage, misst den Ausgangswert und misst nach dem Umlagern innerhalb etwa einer Minute erneut. Ein Anstieg von Schlagvolumen oder Herzzeitvolumen um etwa 10 % oder mehr gilt als positiv. Schmerz, Husten oder Aufwachen können den Wert über eine Stressreaktion verfälschen; danach kehrt die Person in die Ausgangslage zurück.

Ultraschall durch qualifizierte Untersuchende kann die Einschätzung ergänzen. Herz-, Lungen- und venöse Befunde werden gemeinsam interpretiert. Der Durchmesser der Vena cava allein ist wegen Atmung, Beatmung, Rechtsherzfunktion und Druckverhältnissen kein zuverlässiger „Tankfüllstand“. Gerätebasierte Optimierung ist eine Vertiefung, keine Voraussetzung für die erste strukturierte Beurteilung.

Als Orientierung sprechen drei oder mehr B-Linien pro Zwischenrippenraum in mehreren Zonen beider Seiten für ein interstitielles Syndrom, etwa bei Lungenstauung; Pneumonie oder Lungenfibrose zeigen ebenfalls B-Linien. Bei Spontanatmung spricht eine Vena cava inferior von höchstens 2,1 cm mit mehr als 50 % inspiratorischem Kollaps eher für einen niedrigen, eine weite und kaum atemvariable Vena cava eher für einen hohen rechtsatrialen Druck. Unter Beatmung gelten diese Grenzen nicht.

Oben zwei Lagerungsfiguren: halbsitzend mit 45 Grad Oberkörper, dann Oberkörper flach und Beine 45 Grad angehoben, etwa 300 ml Blut nach zentral. Links Messung von Schlagvolumen oder Herzzeitvolumen in Echtzeit mit Grenze Anstieg ab 10 Prozent und den Grenzen des Tests; rechts Ultraschall von Herz, Lunge mit B-Linien und Vena cava. Unten drei Ergebnisse: reagibel, Verträglichkeit begrenzt, nicht reagibel.

Abbildung: Beinhebung prüft das Ansprechen, Lungen- und Venenultraschall eher Stauung und Verträglichkeit. Ein positiver Test verpflichtet nicht zur Infusion, und kein Einzelwert ersetzt die Gesamtbeurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei M-Mode-Aufnahmen der unteren Hohlvene. Links schwankt der Durchmesser mit der Atmung zwischen etwa 2,2 und 1,1 cm; rechts bleibt die weite Vene mit etwa 2,6 cm nahezu unverändert.

Abbildung: Vena cava inferior im M-Mode bei Spontanatmung. A: atemvariabel, inspiratorischer Kollaps von etwa 2,2 auf 1,1 cm (50 %). Mit 2,2 cm und genau 50 % liegt A noch im Zwischenbereich; für einen niedrigen rechtsatrialen Druck spricht erst höchstens 2,1 cm mit mehr als 50 % Kollaps. B: weit (etwa 2,6 cm) und kaum atemvariabel, hier bei systemischer venöser Stauung. Die englischen Messmarken („IVC max“, „IVC min“, L = Länge) stammen aus dem Originalbild; IVC = Vena cava inferior. Quelle: Di Nicolò P, Tavazzi G, Nannoni L, Corradi F. J Clin Med 2023;12:2217 (Abb. 3B und 4A), CC BY 4.0; zugeschnitten, Gerätename entfernt, deutsche Überschriften ergänzt, englische Messmarken des Originals belassen.

Lungenultraschall mit heller Pleuralinie im oberen Bilddrittel; von ihr ziehen mehrere helle, senkrechte Streifen ohne Abschwächung bis zum unteren Bildrand.

Abbildung: B-Linien. Die hellen senkrechten Streifen entspringen an der Pleuralinie und reichen bis zum Bildrand. Einzelne B-Linien können normal sein; drei oder mehr pro Zwischenrippenraum in mehreren Zonen beidseits sprechen für interstitielle Flüssigkeit. Quelle: Noor A, Liu M, Jarman A et al. Biomedicines 2025;13:1426 (Abb. 10), CC BY 4.0; zugeschnitten, Beschriftung und Gerätelogo entfernt.

Beispiel: „Seit gestern etwa 1 l wässriger Stuhl, wenig getrunken, Puls 110/min, Blutdruck 94/60 mmHg, verzögerte Rekapillarisierung, keine offensichtliche Stauung. Das spricht für einen Verlust mit möglicher Hypoperfusion. Ich prüfe auch Blutung/Infektion und organisiere die überwachte Behandlung mit unmittelbarer Verlaufskontrolle.“

Bilanz ist eine Messung mit Lücken

Die dokumentierte Bilanz ist gemessene Zufuhr minus gemessene Abfuhr im gleichen Zeitraum. Zur Zufuhr gehören Getränke, Sondennahrung, Infusionen, Medikamententräger und Spülungen. Zur Abfuhr gehören Urin, quantifizierte Stuhl-/Stoma-/Drainageverluste und Erbrechen. Nicht messbare Verluste über Haut und Atemwege werden gesondert abgeschätzt, nicht als exakt gemessene Menge eingetragen.

Wiege möglichst auf derselben Waage, zur ähnlichen Tageszeit, mit ähnlicher Kleidung und vergleichbarer Blasenfüllung. Eine kurzfristige Gewichtszunahme von etwa 1 kg kann grob einer Retention von 1 l entsprechen. Messfehler, Ernährung, Stuhl und zeitversetzte Dokumentation begrenzen diese Näherung.

24-Stunden-BeispielZufuhrGemessene Abfuhr
Getränke800 ml—
Infusionen1.200 ml—
Medikamententräger300 ml—
Urin—1.400 ml
Flüssiger Stuhl—500 ml
Summe2.300 ml1.900 ml

Die dokumentierte Bilanz beträgt +400 ml. Das ist nicht automatisch ein um 400 ml gestiegenes Körperwasser: Nicht erfasste Verluste und Dokumentationsfehler fehlen. Eine Bilanz wird erst zusammen mit Gewicht, Klinik und Labor entscheidungsrelevant.

Die gewichtsbezogene Urinrate berechnest du als Urinmenge in ml / (Körpergewicht in kg × Stunden). Beispiel: 240 ml bei 60 kg in vier Stunden ergeben 240/(60 × 4) = 1 ml/kg/h. Weniger als 0,5 ml/kg/h über mindestens sechs Stunden ist ein AKI-Kriterium; AKI bedeutet akute Nierenschädigung. Prüfe Messung und Harnabfluss, Ursache und Organfunktion. Dieses Kriterium beweist keinen Volumenmangel und ist allein keine Bolusindikation. KDIGO AKI 2012, §2.1.1.

Die KDIGO-Stadien zeigen, wie Kreatinin- und Urinkriterium zusammengehören; es zählt das höhere Stadium:

StadiumKreatininUrinausscheidung
11,5–1,9 × Ausgangswert oder Anstieg ≥ 0,3 mg/dl (≥ 26,5 µmol/l)< 0,5 ml/kg/h für 6–12 h
22,0–2,9 × Ausgangswert< 0,5 ml/kg/h für ≥ 12 h
33,0 × Ausgangswert oder ≥ 4,0 mg/dl (≥ 353,6 µmol/l) oder Nierenersatztherapie< 0,3 ml/kg/h für ≥ 24 h oder Anurie ≥ 12 h

Nach Erfassung von Kreatinin, Ausgangswert, Urinmenge, Körpergewicht und Zeitraum werden von links nach rechts die Stadien eins, zwei und drei verglichen. Jede Spalte enthält oben die Kreatininkriterien und darunter alternativ die Urinkriterien. Maßgeblich ist das höchste erfüllte Stadium aus beiden Messgrößen.

Abbildung: Kreatinin und Urinausscheidung können verschiedene Stadien ergeben; entscheidend ist das höhere Stadium. Quelle: eigene Darstellung.

Von Zufuhr und Abfuhr über die dokumentierte Bilanz von plus 400 Millilitern zu Gewichts- und Urinratenprüfung; eine Urinrate unter 0,5 Millilitern pro Kilogramm und Stunde über mindestens sechs Stunden führt zur AKI-Abklärung.

Abbildung: Das Pluszeichen beschreibt die Dokumentation. Erst Verlauf und Organfunktion bestimmen seine klinische Bedeutung. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt bilanzieren

Aufgabe

Eine Patientin erhält 600 ml Getränke, 1.000 ml Infusion und 200 ml Medikamententräger. Gemessen werden 900 ml Urin und 350 ml Drainage. Berechne die dokumentierte Bilanz. Nenne zwei Gründe, weshalb diese nicht exakt die Änderung des Körperwassers wiedergibt.

Die Tabelle ordnet die angegebenen Mengen nach Zufuhr und Abfuhr.

PostenZufuhrAbfuhr
Getränke600 ml—
Infusion1.000 ml—
Medikamententräger200 ml—
Urin—900 ml
Drainage—350 ml

Durchsichtige Wunddrainageflasche mit Milliliterskala bis 200 ml, rotem Faltenbalg und Schlauchanschluss mit Klemme, an einer hellen Wand hängend.

Abbildung: Wunddrainageflasche mit Milliliterskala; Drainagemengen werden an der Skala abgelesen und dokumentiert. Quelle: Stefan Bellini, CC0

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Freie Antwort

Praktische Aufgabe unter Anleitung

Aufgabe

Führe an einem geeigneten Modell oder mit Einverständnis einer stabilen Person unter fachlicher Anleitung eine orientierende Volumenbeurteilung durch. Erkläre zuerst das Vorgehen. Stelle dann einen erhobenen Perfusionsbefund und einen Stauungsbefund vor und nenne, welche Zusatzinformation vor einer Infusion fehlt. Erfinde keine positiven Befunde.

Die Tabelle fasst den Rahmen der praktischen Aufgabe zusammen.

AufgabenrahmenVorgabe
DurchführungGeeignetes Modell oder stabile Person mit Einverständnis
BegleitungUnter fachlicher Anleitung
Vor BeginnVorgehen erklären
VorstellungEin tatsächlich erhobener Perfusions- und ein Stauungsbefund
ZusatzfrageFehlende Information vor einer Infusion benennen

Hals einer liegenden Person von der Seite: Eine Hand hält einen gebogenen, gelb gefüllten Venenbogen an die Halshaut; in einem grün projizierten Feld eines Venensichtgeräts ist eine gefüllte Halsvene als heller Streifen zu sehen; unten eine EKG-Elektrode.

Abbildung: Beispiel für eine Halsvenenbeurteilung im Liegen; Venensichtgerät und Venenbogen machen die Füllungshöhe sichtbar. Quelle: Bricker D, Clin Case Rep 2021;9(3):1276–1278, Abb. 3, CC BY 4.0

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Infusionslösungen auswählen

Lernziel: Du kannst Lösungen nach Zusammensetzung, Verteilung und Risiko auswählen.

Was soll die Infusion erreichen?

Eine Infusion ist eine verordnete Therapie mit Indikation, Zusammensetzung, Menge, Geschwindigkeit, Ziel und Kontrollzeitpunkt. Zuerst prüfst du, ob die Person ausreichend sicher trinken oder enteral versorgt werden kann. Bei gastrointestinalen Salz-Wasser-Verlusten kann eine geeignete orale Rehydratationslösung Wasser und Elektrolyte zuführen. Schock, Bewusstseinsstörung, relevante Aspirationsgefahr oder unzureichende enterale Aufnahme können intravenöse Therapie erforderlich machen.

Sechs nummerierte Felder: Indikation, Lösung, Menge, Geschwindigkeit, Ziel und Kontrolle. Darunter zwei Zahlenbeispiele: Resuscitation mit 500 ml Kristalloid mit Natrium 130 bis 154 mmol/l in weniger als 15 Minuten und sofortiger Kontrolle; Erhaltung mit 25 bis 30 ml/kg/Tag Wasser abzüglich anderer Zufuhr über 24 Stunden mit täglicher Prüfung. Unten: Fehlt eine Angabe, wird sie vor dem Anhängen geklärt.

Abbildung: Jede Infusionsverordnung enthält sechs Angaben. Die Zahlen stammen aus NICE CG174 und werden in U06 (Erhaltung) und U07 (Resuscitation) vertieft. Quelle: eigene Darstellung.

Ausschnitt eines Beutels mit Pulver für eine orale Rehydratationslösung, kyrillisch bedruckt: Die Zusammensetzung nennt Natriumchlorid 3,5 g, Kaliumchlorid 2,5 g, Natriumcitrat-Dihydrat 2,9 g und Glukose 10,0 g.

Abbildung: Pulver für eine orale Rehydratationslösung enthält Salze und Glukose (hier Natriumchlorid 3,5 g, Kaliumchlorid 2,5 g, Natriumcitrat 2,9 g, Glukose 10 g). Die Glukose unterstützt die Natriumaufnahme im Dünndarm; reines Wasser ersetzt keine Elektrolyte. Quelle: BarbariSka88, CC0, via Wikimedia Commons (gedreht, auf die Zusammensetzung zugeschnitten).

Kristalloide enthalten kleine gelöste Teilchen. Isotone Elektrolytlösungen ersetzen vor allem extrazelluläre Flüssigkeit. Balancierte Lösungen enthalten weniger Chlorid als NaCl 0,9 % und zusätzlich metabolisierbare Anionen wie Acetat oder Laktat. Deren Metabolismus wirkt in der Bilanz alkalisierend. „Balanciert“ beschreibt eine Gruppe; Elektrolyte und Gegenanzeigen unterscheiden sich nach Produkt.

LösungZusammensetzung pro LiterTypische Konsequenz
NaCl 0,9 %Na 154 mmol, Cl 154 mmol; kein K, keine GlukoseExtrazellulärer Ersatz, hohe Chloridlast
Balanciertes Beispiel: JonosterilNa 137; K 4; Cl 110 mmol; zusätzlich Ca/Mg/AcetatZusammensetzung vor Einsatz konkret prüfen
Glukose 5 % ohne Elektrolyte50 g Glukose; kein Na/K/ClNach Glukoseverwertung überwiegend Zufuhr freien Wassers

Für das genannte balancierte Beispiel betragen Ca 1,65, Mg 1,25 und Acetat 36,8 mmol/l; die theoretische Osmolarität beträgt 291 mOsm/l. Hyperhydratation und Hyperkaliämie sind produktbezogene Gegenanzeigen. Bei Herz-/Nierenkrankheit sowie relevanten Elektrolytstörungen ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Prüfung erforderlich. Zusätze benötigen dokumentierte Kompatibilität. Jonosteril darf wegen seines Calciumgehalts nicht über dasselbe Transfusionsgerät wie Blut gegeben werden. Fachinformation Jonosteril, Juni 2025, §§2, 4.3–4.5, 6.2.

Zum Vergleich: Plasma enthält rund 140 mmol/l Natrium und rund 100 mmol/l Chlorid; die Referenzbereiche sind laborabhängig.

Balkenvergleich pro Liter: NaCl 0,9 Prozent mit 154 mmol Natrium und 154 mmol Chlorid, balancierte Lösung am Beispiel Jonosteril mit 137 mmol Natrium und 110 mmol Chlorid, Glukose 5 Prozent ohne Natrium und Chlorid. Gestrichelte Linien markieren Plasma-Natrium um 140 und Plasma-Chlorid um 100 mmol/l. Darunter die Folgen: Chloridlast mit möglicher hyperchlorämischer Azidose, alkalisierender Anionen-Metabolismus, freies Wasser nach Glukoseverwertung.

Abbildung: Der Chloridbalken von NaCl 0,9 % liegt weit über der Plasmalinie; die balancierte Lösung liegt näher daran, Glukose 5 % enthält weder Natrium noch Chlorid. Quelle: eigene Darstellung.

NaCl 0,9 % ist nicht „physiologisch zusammengesetzt“: Sein Chloridgehalt liegt deutlich über dem des Plasmas. Große Mengen können eine hyperchlorämische metabolische Azidose begünstigen. Dennoch kann es bei ausgewähltem Chlorid-/Volumenmangel sinnvoll sein, etwa nach anhaltendem Erbrechen mit chloridabhängiger Alkalose. Der konkrete Säure-Basen-, Elektrolyt- und Stauungsbefund entscheidet; keine Automatismus-Regel „Erbrechen = NaCl“.

Die ESICM-Leitlinie 2024 empfiehlt bei kritisch kranken Erwachsenen bedingt balancierte Kristalloide statt NaCl 0,9 % (niedrige Evidenz), bei Schädel-Hirn-Trauma dagegen bedingt NaCl 0,9 % (sehr niedrige Evidenz). ESICM, Arabi et al., Intensive Care Med 2024; 50:813–831.

Erst Ziel und Aufnahme prüfen: Trinken oder enteral möglich, Laborwerte, Stauung. Reicht die orale Aufnahme, genügt bei Darmverlust eine orale Rehydratationslösung; Schock, Bewusstseinsstörung, Aspirationsgefahr oder unzureichende Aufnahme erfordern intravenöse Therapie. Für extrazellulären Ersatz ein isotones Kristalloid, nicht Glukose 5 Prozent: meist eine balancierte Lösung, gezielt NaCl 0,9 Prozent bei Chloridmangel nach Erbrechen mit Alkalose oder bei Schädel-Hirn-Trauma. Danach Produkt und Patient abgleichen; Ergebnis: Menge, Rate und Ziel festlegen, früh prüfen, bei neuer Atemnot unterbrechen.

Abbildung: Eine Lösung wird nach Ziel und aktuellem Befund gewählt; Erbrechen allein begründet keine automatische NaCl-Verordnung. Die Bevorzugung balancierter Lösungen und die Ausnahme Schädel-Hirn-Trauma folgen der ESICM-Leitlinie 2024. Quelle: eigene Darstellung.

Verteilung erklärt die Wirkung

Lesetext und ausgearbeitetes Beispiel

Im idealisierten Modell aus U01 verteilen sich 1.000 ml isotones Kristalloid im EZR: rechnerisch etwa 750 ml interstitiell und 250 ml im Plasma. Das ist ein Gleichgewichtsmodell ohne Ausscheidung, keine Garantie über den tatsächlichen Plasmaeffekt nach fünf oder dreißig Minuten.

Glukose 5 % hat im Beutel eine annähernd isoosmotische Teilchenkonzentration. Nach Aufnahme und Verwertung der Glukose bleibt bei normalem Glukosestoffwechsel funktionell freies Wasser. Dieses verteilt sich im gesamten Körperwasser: im selben Modell rund 667 ml IZR, 250 ml Interstitium und nur 83 ml Plasma. Deshalb eignet sich Glukose 5 % nicht zur Volumenresuscitation. Sie kann in einem überwachten Plan freies Wasser bereitstellen; dabei drohen unter anderem Hyperglykämie und Hyponatriämie. Bei ausgeprägten Natriumstörungen ist ein kontrollierter Korrekturplan erforderlich; E03 vertieft diesen.

Idealisierte Verteilung eines Liters isotonen Kristalloids im Extrazellulärraum und eines Liters Glukose 5 Prozent nach Metabolisierung im Gesamtkörperwasser.

Abbildung: Vergleiche besonders die violetten Plasmaanteile. Die Zahlen verwenden ein einziges vereinfachtes Raummodell; sie sind keine klinische Aufenthaltsdauer oder feste Ersatzquote. Quelle: eigene Darstellung.

Risiken und sichere Anwendung

Kolloide enthalten größere Moleküle, die den kolloidosmotischen Druck beeinflussen. Das ist kein allgemeiner Beleg für einen besseren klinischen Nutzen. Bei gestörter Gefäßbarriere ist ihr Effekt zusätzlich begrenzt. Albumin ist speziellen, ärztlich begründeten Situationen vorbehalten, beispielsweise ausgewählten intensivmedizinischen oder hepatologischen Indikationen. Ein Laborwert allein genügt nicht.

Die ESICM-Leitlinie 2024 empfiehlt für die Volumentherapie kritisch kranker Erwachsener bedingt Kristalloide statt Albumin, auch bei Sepsis; eine bedingte Empfehlung für Albumin statt Kristalloid gibt sie bei Leberzirrhose (sehr niedrige Evidenz). ESICM, Arabi et al., Intensive Care Med 2024.

HES wird in diesem Lernpfad nicht eingesetzt. Die EU beschloss 2022 die Aussetzung der Zulassungen HES-haltiger Infusionslösungen wegen schwerwiegender Risiken, insbesondere Nierenschädigung und Tod in vulnerablen Gruppen. Das ist eine regulatorische Sicherheitsentscheidung; ältere Lehrbuchmöglichkeiten sind keine aktuelle Standardempfehlung. EMA, Aktualisierung 26.07.2022.

Die Tabelle trennt die begründete Sonderindikation von einer regulatorischen Sicherheitsgrenze.

KolloidEinordnungGrenze
AlbuminSpezielle ärztlich begründete intensivmedizinische oder hepatologische SituationenEin Laborwert allein genügt nicht.
HESIm Lernpfad nicht eingesetzt; EU-Aussetzung der Zulassungen 2022Risiken insbesondere Nierenschädigung und Tod in vulnerablen Gruppen

Von der begrenzten Aussage der Molekülgröße führt der Entscheidungsweg zu kritisch kranken Erwachsenen einschließlich Sepsis und zur besonderen Situation Leberzirrhose. Albumin benötigt eine begründete Sonderindikation; HES ist wegen der EU-Aussetzung und schwerwiegender Risiken ausgeschlossen.

Abbildung: Klinische Situation und begründete Sonderindikation bestimmen die Wahl; ein einzelner Laborwert genügt nicht für Albumin. Quelle: eigene Darstellung.

Vor der GabeWährend der GabeKonsequenz bei Problemen
Patient, Indikation, Lösung und aktuelle Laborwerte prüfenZugang auf Schmerz, Schwellung und Dichtigkeit prüfenBei Paravasat Infusion anhalten, Zugang beurteilen
Volumen, Rate, Ziel und Kontrollzeit dokumentierenAtmung, Kreislauf und Wirkung kontrollierenBei neuer Atemnot/Desaturation sofort unterbrechen und beurteilen
Aseptisch vorbereiten; Kompatibilität und Entlüftung prüfenTatsächliche Zufuhr einschließlich Zusätzen bilanzierenBei fehlender Wirkung Ursache neu prüfen statt beliebig steigern

Zuerst werden Verordnung, Patient und aktuelle Laborwerte geprüft, dann Produkt, Kompatibilität und aseptische Zubereitung. Während der Gabe werden Zugang, Atmung, Kreislauf, Wirkung und Zufuhr beobachtet. Paravasat, neue Atemnot oder Desaturation und fehlende Wirkung führen zu den jeweiligen Reaktionen und zur erneuten Beurteilung.

Abbildung: Die Art des Problems bestimmt die Reaktion: Zugang beurteilen, bei neuer Atemnot oder Desaturation sofort unterbrechen und beurteilen, bei fehlender Wirkung die Ursache prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Kalium ist ein gesondert zu planendes Arzneimittel: Nierenfunktion, aktuelle Konzentration, Ausscheidung, Weg, Verdünnung und Rate müssen passen. Kaliumstörungen können gefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen; bei relevantem klinischem Risiko gehört eine EKG-Beurteilung zum Vorgehen. Konzentriertes Kalium darf nicht als intravenöser Bolus gegeben werden. Verwende geprüfte Zubereitungen und lokale Sicherheitsstandards. Eine balancierte Lösung mit beispielsweise 4 mmol/l Kalium ersetzt keinen gezielten Korrekturplan für einen erheblichen Kaliummangel. Eine vorhandene Kaliumkonzentration darf bei Hyperkaliämie aber auch nicht ignoriert werden.

Die Fachinformation eines Kaliumchlorid-Konzentrats 7,45 % (1 ml enthält 1 mmol Kalium) nennt konkrete Grenzen: Das Konzentrat wird vor der Gabe verdünnt; die Kaliumkonzentration der Infusionslösung liegt normalerweise bei höchstens 40 mmol/l, und eine Korrekturinfusion läuft über eine Infusionspumpe. Bei mittelschwerem, asymptomatischem Mangel beträgt die Rate bis zu 10 mmol/h, bei schwerem, symptomatischem Mangel (Serum-Kalium unter 2,5 mmol/l) bis zu 20 mmol/h bei höchstens 2–3 mmol/kg/Tag. Zu Beginn einer Substitution wird keine Glukoseinfusion verwendet, weil Glukose das Plasma-Kalium weiter senken kann. Fachinformation Kaliumchlorid 7,45 % gefärbt, B. Braun, Stand August 2022, §§2, 4.2, 4.4.

Durchstechflasche eines Kaliumchlorid-Konzentrats 7,45 Prozent zur Herstellung einer Infusionslösung mit grün-blauem Etikett.

Abbildung: Kaliumchlorid 7,45 % ist ein Konzentrat: 1 ml enthält 1 mmol Kalium. Es wird nur verdünnt und über eine Pumpe gegeben, nie unverdünnt oder als Bolus. Quelle: Pavel Dušek, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons (zugeschnitten).

Kalium intravenös ist ein Hochrisiko-Arzneimittel. Zuerst Serum-Kalium, Nierenfunktion, Urin, gegebenenfalls EKG sowie Säure-Basen-Status und Glukose/Insulin prüfen. Bei Hyperkaliämie kein zusätzliches Kalium und das Kalium der Lösung mitzählen; bei erheblichem Mangel reicht eine Vollelektrolytlösung mit 4 mmol/l nicht, 500 ml enthalten nur 2 mmol, es braucht einen eigenen Korrekturplan. Sicher zubereiten: verdünnen, meist höchstens 40 mmol/l, Infusionspumpe, anfangs keine Glukose als Träger. Rate begrenzen: mittelschwer ohne Symptome bis 10 mmol/h, schwer oder symptomatisch bei Kalium unter 2,5 mmol/l bis 20 mmol/h, höchstens 2 bis 3 mmol/kg/Tag, mit EKG-Überwachung. Ergebnis: Kalium erneut messen, lokalen Standard beachten, nie als Bolus.

Abbildung: Die Kaliumkonzentration einer Vollelektrolytlösung ist weder ein vollständiger Korrekturplan noch bei Hyperkaliämie belanglos. Zubereitungs- und Ratengrenzen nach Fachinformation Kaliumchlorid 7,45 % (B. Braun, 2022); lokale Standards gehen vor. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Zusammensetzung berechnen

Aufgabe

Ein Patient erhält 1,5 l NaCl 0,9 %. Berechne die zugeführte Natrium- und Chloridmenge. Nutze die Konzentrationen aus S01. Warum ist „1,5 l Wasser“ als einzige Beschreibung unzureichend?

Die Tabelle sammelt Volumen und Konzentrationen für die Rechnung.

AngabeWert
LösungNaCl 0,9 %
Gegebenes Volumen1,5 l
Natriumkonzentration aus S01154 mmol/l
Chloridkonzentration aus S01154 mmol/l

Oberer Teil einer 500-ml-Infusionsflasche mit dem Etikett „NaCl 0,9 %“; in der tschechisch-slowakischen Inhaltsangabe stehen Natrium 154 mmol/l, Chlorid 154 mmol/l und 308 mOsm/l.

Abbildung: Etikett einer 0,9-%-Kochsalzlösung: Die Elektrolytkonzentrationen pro Liter stehen auf der Flasche. Quelle: Wesalius, CC BY 4.0

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Multiple Choice

Die Lösung passend zum Ziel wählen

Aufgabe

Ein Erwachsener mit annähernd isotonem Durchfallverlust ist klinisch hypovolämisch und kann vorübergehend nicht ausreichend trinken. Es gibt keine bekannte Hyperkaliämie oder Stauung. Welche Strategie passt grundsätzlich am besten?

Die Tabelle fasst die im Fall genannten Befunde zusammen.

FallangabeBefund
VerlustAnnähernd isotoner Durchfallverlust
Klinischer ZustandHypovolämisch
TrinkenVorübergehend nicht ausreichend möglich
HyperkaliämieKeine bekannt
StauungKeine bekannt
  1. a)Glukose 5 % zur raschen und anhaltenden Auffüllung des Plasmas.
  2. b)Ein geeignetes isotones Kristalloid mit festgelegter Menge, Rate und früher Wiederbeurteilung.
  3. c)Albumin allein deshalb, weil Kristalloide auch ins Interstitium übertreten.
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Einen Tagesplan erstellen

Lernziel: Du kannst Erhaltung, Verluste und andere Zufuhr getrennt berechnen und anpassen.

Vier Aufgaben, keine Einheitsinfusion

Trenne die Resuscitation bei bedrohter Perfusion von der Erhaltung bei fehlender normaler Aufnahme. Zusätzlich können ein bereits bestehendes Defizit und fortlaufende Verluste gezielten Ersatz verlangen. Auch eine Umverteilung bei Sepsis oder Organerkrankung verändert den Plan. Jede dieser Aufgaben braucht eine eigene Begründung; nicht jede positive Bilanz ist sinnvoll und nicht jedes rechnerische Defizit muss sofort vollständig ersetzt werden.

Vier Aufgaben nebeneinander: Resuscitation bei bedrohter Perfusion, Erhaltung bei fehlender normaler Aufnahme, Defizit und laufende Verluste nach Ursache, Menge, Zusammensetzung und Zeitraum sowie Umverteilung bei Sepsis oder Organerkrankung. Unten: jede Aufgabe einzeln begründen, gezielt planen und ein Defizit nicht automatisch sofort ersetzen.

Abbildung: Erst die Aufgabe benennen, dann rechnen. Die kleinen Felder zeigen den jeweils typischen Denkfehler. Quelle: eigene Darstellung.

Für die initiale reine Erhaltungsrechnung eines Erwachsenen nennt NICE 25–30 ml/kg/Tag Wasser, etwa je 1 mmol/kg/Tag Natrium, Kalium und Chlorid sowie 50–100 g Glukose zur Begrenzung einer Hungerketose. Das ist keine vollwertige Ernährung. Bei älteren/gebrechlichen Menschen oder Herz-/Niereninsuffizienz kann ein niedrigerer Einstieg, beispielsweise 20–25 ml/kg/Tag, angemessen sein; bei Adipositas wird am Idealgewicht orientiert. Alle Werte werden an Klinik, Labor, Ausscheidung und weitere Zufuhr angepasst. NICE CG174, §§1.4.1–1.4.3.

Nach NICE gilt der niedrigere Einstieg auch bei Mangelernährung mit Refeeding-Risiko. Bei Adipositas wird zusätzlich eher am unteren Ende pro kg gerechnet; insgesamt sind selten mehr als etwa 3 l/Tag nötig, und bei einem BMI über 40 kg/m² wird fachliche Unterstützung hinzugezogen. NICE CG174, §§1.4.2–1.4.3.

Die Startwerte betreffen die gesamte Erhaltung und werden an Klinik, Labor und weitere Zufuhr angepasst.

BestandteilInitialer RechenwertEinordnung
Wasser25–30 ml/kg/TagReine Erhaltung beim Erwachsenen
Wasser bei höherem RisikoBeispielsweise 20–25 ml/kg/TagÄlter/gebrechlich oder Herz-/Niereninsuffizienz
Na, K und ClJe etwa 1 mmol/kg/TagAktuelle Werte und Ausscheidung berücksichtigen
Glukose50–100 g/TagHungerketose begrenzen; keine vollwertige Ernährung

Erhaltung starten in vier Schritten: Bezugsgewicht wählen, bei Adipositas Idealgewicht und selten mehr als 3 Liter pro Tag; Wasser 25 bis 30 ml/kg/Tag oder niedriger mit etwa 20 bis 25 ml/kg/Tag bei älteren, gebrechlichen Menschen, Herz- oder Niereninsuffizienz und Refeeding-Risiko; Natrium, Kalium und Chlorid je etwa 1 mmol/kg/Tag und 50 bis 100 g Glukose; normale Urinausscheidung und nicht messbare Verluste nicht zusätzlich addieren. Für 70 kg ergeben sich 1.750 bis 2.100 ml beziehungsweise 1.400 bis 1.750 ml.

Abbildung: Die Werte sind Startpunkte für die reine Erhaltung; das 70-kg-Beispiel zeigt die Größenordnung. Quelle: eigene Darstellung.

AufgabeWie wird sie geplant?Häufiger Fehler
Akute KreislaufstabilisierungZeitkritisch, überwacht, wiederholt beurteiltAls unveränderte Dauerinfusion weiterlaufen lassen
ErhaltungGrundbedarf minus bereits gesicherte ZufuhrTrinkmenge und Medikamententräger vergessen
Defizit und laufende VerlusteUrsache, Menge, Zusammensetzung und ZeitraumVerlust von gestern heute erneut als neuen Verlust zählen

Normale Urinausscheidung und übliche nicht messbare Verluste sind im Erhaltungsbedarf bereits berücksichtigt. Addiere nicht jeden Milliliter normalen Urin nochmals. Ersetze zusätzliche pathologische Verluste gezielt. Bei Fieber und Tachypnoe können nicht messbare Verluste steigen, doch eine scheinbar exakte feste Zusatzmenge kann täuschen. Ein Gewichtsunterschied ist ebenfalls nur ein Hinweis auf ein Defizit, kein alleiniger Infusionsauftrag.

Prüfe vor jeder Addition, ob der Posten schon im Erhaltungsbedarf steckt.

PostenZusätzlich ersetzen?Warum?
Normale UrinausscheidungNeinIm Erhaltungsbedarf enthalten
Übliche nicht messbare VerlusteNeinIm Erhaltungsbedarf enthalten
Erbrechen, Magensonde, Durchfall, StomaJa, gezieltNach Menge, Zusammensetzung und Verlauf
Pathologische PolyurieGezielt nach UrsacheArt des Wasser-/Elektrolytverlusts klären
Fieber, TachypnoeKlinisch prüfenVerluste steigen, feste Pauschale täuscht
GewichtsunterschiedNicht alleinNur Hinweis auf ein Defizit
Bereits ersetzter VerlustNeinNicht erneut zählen

Zuerst wird geprüft, ob die Perfusion bedroht ist; dann wird Resuscitation separat entschieden und später mitgezählt. Danach: individualisierte Erhaltung plus gezielter Ersatz zusätzlicher pathologischer Verluste minus gesicherte orale, enterale und medikamentöse Zufuhr ergibt die zusätzlich geplante intravenöse Menge. Kontrollen von Perfusion, Stauung, Ausscheidung, Bilanz, Labor und Gewicht führen zurück zur Rechnung; Ergebnis ist anpassen, beenden bei ausreichender oraler Zufuhr oder reduzieren bei Stauung oder wenig Urin.

Abbildung: Rechenstruktur für die laufende Planung. Akute Resuscitation wird separat entschieden und danach in der Gesamtzufuhr berücksichtigt. Keine einzelnen Mengen werden ohne klinische Begründung automatisch addiert. Quelle: eigene Darstellung.

Verluste unterscheiden

Erbrechen oder Magensondenverluste betreffen Wasser und besonders Chlorid; eine Alkalose und ein Kaliummangel können hinzukommen. Durchfall kann unter anderem Wasser, Natrium, Kalium und Bikarbonat kosten. Ein hohes Stomaoutput kann einen erheblichen Salz-Wasser-Verlust bedeuten. Polyurie kann Wasser und Elektrolyte verlieren; Glukosurie verursacht beispielsweise osmotische Diurese. Die Konzentrationen variieren, daher werden Ursache, gemessene Mengen und Laborverlauf gemeinsam beurteilt.

Beobachteter VerlustGezielt klärenFolge für den Plan
Erbrechen/MagensondeMenge, Chlorid, Kalium, Säure-Basen-LageGezielter Salz-Wasser-/Chloridersatz, Ursache behandeln
Durchfall/StomaLaufende Menge, Na/K, PerfusionVerlustersatz und orale/enterale Möglichkeit wiederholt prüfen
PolyurieGlukose, Medikamente, Na, OsmolalitätUrsache und Art des Wasser-/Elektrolytverlusts klären

Bei ausgeprägter Hypo- oder Hypernatriämie darf ein grober Volumenplan nicht zu unkontrollierter Natriumkorrektur führen. Akute neurologische Symptome erfordern dringliche spezifische Behandlung. Geschwindigkeit und Grenzen der Korrektur richten sich nach Dauer, Symptomen und Risikofaktoren; dafür wird der Natriumpfad E03 hinzugezogen. Bei Blutung ersetzt Kristalloid weder Blutstillung noch bei entsprechender Indikation Blutprodukte.

Die Verluste werden nach Erbrechen oder Magensonde, Durchfall oder Stoma und Polyurie getrennt. Menge, Labor und Ursache werden zusammengeführt; ausgeprägte Natriumstörungen und Blutungen verlangen spezifische Behandlung über den allgemeinen Volumenplan hinaus.

Abbildung: Die Verlustmenge allein wählt keine Lösung. Zusammensetzung, Organbefunde und besondere Behandlungspfade begrenzen den Ersatz. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Rechenbeispiel

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine kreislaufstabile 70-kg-Person mit normaler Nierenfunktion benötigt vorübergehend Unterstützung. Für die kommenden 24 Stunden wird als begründeter Start 25 ml/kg gewählt: 70 × 25 = 1.750 ml gesamte Erhaltung. Orale Zufuhr von 750 ml ist gesichert, intravenöse Medikamententräger liefern 250 ml. Somit bleiben 750 ml zusätzliche intravenöse Erhaltung. Erwartete zusätzliche, separat dokumentierte Durchfallverluste von zunächst 600 ml werden in diesem Beispiel mit 600 ml geeignetem kristalloidem Ersatz eingeplant. Zusätzlich zu den Medikamententrägern sind damit 1.350 ml Therapieinfusionen vorgesehen, entsprechend rechnerisch 56,25 ml/h über 24 Stunden. Die gesamte intravenöse Zufuhr beträgt einschließlich Medikamententrägern 1.600 ml.

Die 56,25 ml/h sind eine rechnerische Durchschnittsrate der Therapieinfusionen, keine starre Verordnung und nicht die Rate sämtlicher intravenöser Zufuhren. Der Verlustersatz wird nach tatsächlicher Menge und Verlauf angepasst. Die gesamte Zufuhr von 2.350 ml entspricht hier 750 ml oral plus 1.600 ml intravenös beziehungsweise 1.750 ml Erhaltung plus 600 ml zusätzlichem Ersatz. Ein bereits korrigiertes Defizit wird nicht nochmals addiert.

Nun folgt die Zusammensetzungsprüfung: 1.350 ml einer Lösung mit Na 137 und K 4 mmol/l liefern ungefähr 185 mmol Na und nur 5,4 mmol K. Elektrolyte aus Medikamententrägern und oraler Zufuhr kommen hinzu. Deshalb ist die Volumenrechnung allein unvollständig. Normale Erhaltung, Elektrolytverluste, orale Nahrung und notwendige gezielte Substitution müssen zusammenpassen. „Alles als dieselbe Vollelektrolytlösung“ ist keine automatische Erhaltungsverordnung. Die tatsächlichen Produkte und Zusätze werden entsprechend den aktuellen Werten festgelegt.

Die Rechnung beginnt mit 1.750 Millilitern Erhaltung, zieht orale Zufuhr und Medikamententräger ab und addiert getrennten Durchfallersatz. Therapieinfusionen, gesamte intravenöse Zufuhr und Elektrolytmengen werden anschließend geprüft.

Abbildung: Drei Mengen bleiben getrennt: 750 ml zusätzliche Erhaltung, 1.350 ml Therapieinfusionen und 1.600 ml gesamte intravenöse Zufuhr. Quelle: eigene Darstellung.

Balkenvergleich für 1.350 ml einer Lösung mit Natrium 137 und Kalium 4 mmol/l ohne Glukose: etwa 185 mmol Natrium gegenüber einem Erhaltungsrichtwert von etwa 70 mmol, 5,4 mmol Kalium gegenüber etwa 70 mmol und 0 g Glukose gegenüber 50 bis 100 g. Darunter: 600 ml dienen dem Durchfallersatz, orale Kost und Medikamententräger zählen mit, Kalium wird gezielt geplant; Produkt und Zusätze werden nach aktuellen Werten festgelegt.

Abbildung: Die Richtwerte (je etwa 1 mmol/kg/Tag, 50–100 g Glukose) gelten für die gesamte Erhaltung aus allen Quellen. Der Vergleich zeigt, wo nachgerechnet werden muss, nicht welche Menge zu geben ist. Quelle: eigene Darstellung.

Etikett eines 1.000-ml-Infusionsbeutels einer balancierten kristalloiden Lösung vom Hartmann-Typ mit der Zusammensetzung in mmol pro Liter: Natrium 131, Kalium 5, Calcium 2, Chlorid 111 und Laktat als Bikarbonatvorstufe 29, Osmolarität etwa 278 mosmol/l; daneben die Füllskala in Millilitern.

Abbildung: Die Zusammensetzungsprüfung beginnt am Etikett. Bei 5 mmol/l Kalium liefert selbst ein ganzer Liter nur 5 mmol Kalium, also einen kleinen Bruchteil von etwa 1 mmol/kg/Tag. Quelle: Harmid, gemeinfrei (PD-self), via Wikimedia Commons.

Eine überprüfbare Anordnung schreiben

Eine brauchbare Anordnung nennt Indikation, konkretes Präparat, Weg, Menge, Zeit/Rate, Kontrollzeit und Abbruch-/Eskalationskriterien. Dazu gehören Ausgangsbefund und eine verantwortliche Wiederbeurteilung. Bei stabiler längerfristiger Therapie werden klinischer Status, Bilanz und relevante Laborwerte regelmäßig, üblicherweise mindestens täglich, kontrolliert; nach Änderungen, fortlaufenden hohen Verlusten oder Instabilität früher. Gewicht wird wiederholt unter vergleichbaren Bedingungen erhoben. Es gibt keine Sicherheit durch die bloße Angabe „morgen Labor“ bei heute instabilem Kreislauf.

Acht Bestandteile einer überprüfbaren Infusionsanordnung: Indikation, Präparat, Weg, Menge, Zeit oder Rate, Kontrollzeit, Abbruch- und Eskalationskriterien sowie Ausgangsbefund. Darunter der Kontrolltakt: bei stabiler längerfristiger Therapie mindestens täglich Klinik, Bilanz und Labor, früher nach Änderungen, hohen Verlusten oder Instabilität, Gewicht wiederholt unter vergleichbaren Bedingungen. Unten: „morgen Labor“ reicht bei heute instabilem Kreislauf nicht.

Abbildung: Fehlt einer der acht Bausteine, kann niemand die Anordnung prüfen oder rechtzeitig abbrechen. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Hände legen ein Infusionsbesteck in eine volumetrische Infusionspumpe ein; im Hintergrund hängen Infusionsbeutel mit Tropfkammern.

Abbildung: Eine volumetrische Pumpe gibt eine eingestellte Rate in ml/h ab, zum Beispiel für eine laufende Erhaltungsinfusion. Sie macht die Rate genau, aber nicht richtig: Indikation, Menge und Kontrollzeit stehen in der Anordnung. Quelle: Senior Airman Andrea Posey, U.S. Air Force, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Beispiel einer kurzen, fallbezogenen Einzelanordnung zur akuten Resuscitation: Ein Erwachsener hat einen klinisch bestätigten Volumenmangel mit Hypoperfusion, ein geringes Überlastungsrisiko und keine produktbezogene Gegenanzeige. „Jonosteril 500 ml intravenös über 10 Minuten unter kontinuierlicher Kreislauf- und Atemüberwachung. Wiederbeurteilung unmittelbar nach diesen 10 Minuten, bei Verschlechterung sofort. Ziel: verbesserte Perfusion. Bei neuer Atemnot, Desaturation oder Stauung Zufuhr unterbrechen und sofort ärztlich beurteilen. Keine automatische Wiederholung.“ Das Beispiel ist keine Erhaltungsrate für den ganzen Tag. Die individuelle Situation und lokale Notfallstandards bestimmen das Vorgehen; die Bedeutung eines kontrollierten Bolus wird in U07 vertieft.

Nach Prüfung der Voraussetzungen wird im Fallbeispiel Jonosteril 500 Milliliter intravenös über zehn Minuten angeordnet. Kontinuierliche Überwachung, unmittelbare Wiederbeurteilung und Unterbrechung bei Atemnot, Desaturation oder Stauung begrenzen die Einzelgabe.

Abbildung: Ziel, Kontrollzeitpunkt und Abbruchkriterien gehören zur Anordnung ebenso wie Präparat, Menge und Rate. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt planen

Aufgabe

Eine kreislaufstabile 60-kg-Person ohne Organinsuffizienz soll für die nächsten 24 Stunden mit 25 ml/kg Erhaltung beginnen. 700 ml oral und 200 ml intravenöse Medikamententräger sind gesichert. Zusätzliche pathologische Verluste bestehen nicht. Berechne den zusätzlich zu den Medikamententrägern verbleibenden intravenösen Erhaltungsanteil und seine rechnerische Stundenrate. Welche Prüfung fehlt noch?

Die Tabelle enthält die Ausgangsdaten für den nächsten Tagesplan.

AngabeVorgabe
Körpergewicht60 kg
Kreislauf und OrganeStabil; keine Organinsuffizienz
ZeitraumNächste 24 Stunden
Erhaltungsansatz25 ml/kg
Oral gesichert700 ml
Intravenöse Medikamententräger200 ml
Zusätzliche pathologische VerlusteKeine
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Freie Antwort

Anpassung statt starrer Tagesmenge

Aufgabe

Im Beispiel aus S03 trinkt die Person in den ersten zwölf Stunden bereits die geplanten 750 ml; danach sind weitere 500 ml sicher möglich. Durchfall hat aufgehört. Bisher wurden 400 ml als intravenöse Erhaltung und 300 ml als gezielter Verlustersatz gegeben. Beschreibe, wie du den Restplan neu aufstellst. Eine neue exakte Endmenge ist ohne vollständige Verlaufsmessung nicht verlangt.

Die Tabelle trennt bisherige Zufuhr von den neuen Verlaufsangaben.

PostenBisher / aktuellWeiterer Verlauf
Orale Zufuhr750 ml in den ersten 12 StundenWeitere 500 ml sicher möglich
Intravenöse Erhaltung400 ml gegebenRestplan zu prüfen
Gezielter Verlustersatz300 ml gegebenRestplan zu prüfen
DurchfallHat aufgehörtKeine neue Menge angegeben
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Herz, Niere und Sepsis

Lernziel: Du kannst Flüssigkeit an Organfunktion und Hypoperfusion anpassen.

Organfunktion verändert die Verträglichkeit

Bei Herzinsuffizienz kann zusätzliche Vorlast die Stauung verstärken, ohne die Organversorgung ausreichend zu verbessern. Bei Niereninsuffizienz können Wasser, Natrium und Kalium schlechter ausgeschieden werden. Beides verlangt engere Beurteilung; weder Herz- noch Nierenkrankheit beweist jedoch, dass eine gleichzeitig bestehende echte Hypovolämie unbehandelt bleiben darf.

Frank-Starling-Kurven eines gesunden und eines insuffizienten Herzens: Auf dem steilen Teil der gesunden Kurve hebt eine zusätzliche Füllung das Schlagvolumen deutlich, auf dem flachen Teil der Herzinsuffizienzkurve kaum. Unten zwei Kästen: steiler Teil mit Ansprechen auf Volumen, flacher Teil mit steigendem Füllungsdruck, Stauung, Ödem und Atemnot; darunter kleine Portion, dann Ansprechen und Toleranz prüfen.

Abbildung: Vergleiche die beiden Punktpaare. Dieselbe Mehrfüllung bringt auf dem steilen Kurventeil viel Schlagvolumen, auf dem flachen fast nur höheren Füllungsdruck. Vereinfachtes Kurvenmodell ohne Messwerte. Quelle: eigene Darstellung.

Ist die Person gestaut und hypoperfundiert, braucht sie dringliche fachärztliche/intensivmedizinische Beurteilung. Weitere Flüssigkeit kann schaden; gegebenenfalls sind überwachte kreislaufwirksame Medikamente und gezielte Entstauung notwendig. Eine Behandlung der zugrunde liegenden Herzkrankheit lässt sich nicht durch Infusionsrechnen ersetzen.

Oben zwei Prüfkästen: Perfusion mit Bewusstsein, Haut, Rekapillarisierung, Blutdruck, Herzfrequenz, Urin und Laktatverlauf; Stauung mit Orthopnoe, Rasselgeräuschen, Halsvenen, Ödemen, Gewicht, Bilanz, Sonographie und Röntgen. Darunter vier Felder: ausreichende Perfusion ohne Stauung stabil mit oraler Zufuhr, ausreichende Perfusion mit Stauung überladen mit gezielter Entstauung, Hypoperfusion ohne Stauung möglicher Volumenmangel mit kleiner Portion und sofortiger Kontrolle, Hypoperfusion mit Stauung dringliche Hilfe ohne blinde Zufuhr. Unten: reine Erhaltung bei Herz- oder Niereninsuffizienz eher 20–25 ml/kg/Tag.

Abbildung: Entscheidungsrahmen, kein aus einem Einzelbefund ablesbares Behandlungsschema. „Keine Stauung“ muss aktiv geprüft werden. Quelle: eigene Darstellung.

Stauungszeichen suchst du klinisch und, wo verfügbar, bildgebend. Im Röntgen-Thorax sprechen ein großer Herzschatten, betonte Lungengefäße, Kerley-B-Linien und Ergüsse für eine kardiale Stauung. Im Lungenultraschall zeigen zahlreiche B-Linien in mehreren Zonen beider Seiten Flüssigkeit im Interstitium. Nehmen B-Linien unter Flüssigkeitsgabe zu, spricht das zusammen mit Atemnot und sinkender Sättigung gegen weitere Zufuhr.

Röntgen-Thorax von vorn: vergrößerter Herzschatten, betonte Lungengefäße, feine kurze waagrechte Linien in der basalen Lungenperipherie und ein schmaler Flüssigkeitssaum im rechten horizontalen Interlobärspalt; Drahtcerclagen am Brustbein nach früherer Herzoperation.

Abbildung: Röntgen-Thorax eines 83-Jährigen mit Atemnot nach früherer Bypassoperation. Achte auf den großen Herzschatten, die Kerley-B-Linien (kurze waagrechte Linien in der Peripherie, besonders basal) und den Flüssigkeitssaum im rechten horizontalen Spalt. Ein ausgeprägtes alveoläres Lungenödem fehlt hier. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Drei Lungenultraschallbilder mit Sektorschallkopf nebeneinander: links keine B-Linien, in der Mitte einzelne helle senkrechte Streifen von der Pleuralinie bis zum unteren Bildrand, rechts dicht nebeneinanderliegende, verschmelzende Streifen.

Abbildung: B-Linien entspringen an der Pleuralinie und reichen ohne Abschwächung bis zum Bildrand. Je mehr B-Linien, desto mehr Flüssigkeit im Interstitium; verschmelzen sie, entsteht eine „weiße Lunge“. Pneumonie oder Lungenfibrose können ähnlich aussehen, deshalb zählt der klinische Zusammenhang. Quelle: Gargani L, Cardiovascular Ultrasound 2011;9:6, Abb. 3, CC BY 2.0; drei Felder ausgeschnitten, vergrößert und deutsch beschriftet.

SituationWas zusätzlich wichtig istKonsequenz
HerzinsuffizienzAusgangsgewicht, Orthopnoe, Stauung, bisherige DiuretikaKleine begründete Schritte; bei Überlastung Entstauung statt weiterer Routinezufuhr
Niereninsuffizienz/AKIAusscheidung, Kreatininverlauf, Kalium, Medikamente, AbflusshindernisBilanz und Elektrolyte eng führen; keine Flüssigkeit nur für mehr Urin
Beide zusammenPerfusion und venöse Stauung können gleichzeitig problematisch seinFrüh Hilfe, Ursache klären, individuelle Ziele

Schleifendiuretika können bei Flüssigkeitsüberladung zur Entstauung dienen. Sie behandeln jedoch nicht automatisch die Ursache einer akuten Nierenschädigung und werden nicht prophylaktisch gegeben, um einen gewünschten Urinwert zu erzeugen. Bei therapierefraktärer Überlastung, schwerer Hyperkaliämie oder anderen lebensbedrohlichen Komplikationen ist die nephrologisch-intensivmedizinische Eskalation einschließlich möglicher Nierenersatztherapie wichtig. KDIGO AKI 2012, §§3.4.1–3.4.2 und 5.1.1.

Als schwere Hyperkaliämie gilt nach den ERC-Leitlinien ein Kalium von 6,5 mmol/l oder mehr; sie ist unabhängig von der Urinmenge ein Notfall mit Monitorüberwachung und sofortiger Behandlung. ERC/GRC-Leitlinien 2025, Algorithmus Hyperkaliämie bei Erwachsenen.

Ablauf bei wenig Urin mit Herz- oder Nierenkrankheit: Zuerst ABCDE, Kalium, Kreatininverlauf, Blutgase, Bilanz, Gewicht und Medikamente sowie die Suche nach einem Abflusshindernis. Dann Volumenlage einordnen mit drei Wegen: Überladung mit Entstauung durch Schleifendiuretikum und Kontrolle von Gewicht und Kalium, Hypovolämie mit kleiner Portion und sofortiger Kontrolle, Euvolämie ohne Infusion nur für mehr Urin. Unten Eskalation zu Nephrologie oder Intensivmedizin bei Überladung trotz Therapie, Kalium ab 6,5 mmol/l, schwerer Azidose oder Urämiezeichen; Nierenersatztherapie prüfen.

Abbildung: Die Urinmenge ist ein Befund, kein Behandlungsziel. Erst Gefahr und Ursache klären, dann je nach Volumenlage handeln. Quelle: eigene Darstellung.

Eine pauschale tägliche Trinkgrenze für jede Person mit Herzinsuffizienz ist ebenfalls unzureichend; Ausmaß der Stauung, Natrium, Ausscheidung und Beschwerden bestimmen den Plan. Bei dekompensierter Herzinsuffizienz mit Überlastung ist die gezielte Entstauung Teil der Behandlung. ESC Herzinsuffizienzleitlinie 2026.

Braucht eine Person mit Herz- oder Niereninsuffizienz nur eine Erhaltungsinfusion, empfiehlt NICE zu erwägen, weniger zu verordnen, zum Beispiel 20–25 statt 25–30 ml/kg/Tag; orale Zufuhr und Verluste werden mitgerechnet. NICE CG174, §§1.4.1 und 1.4.3.

Resuscitation ist ein wiederholter Versuch mit Ziel

Besteht eine akute Flüssigkeitsindikation zur Kreislaufstabilisierung, wird intravenös ein geeignetes isotones Kristalloid in kontrollierten Portionen gegeben. NICE nennt für die allgemeine initiale Erwachsenenresuscitation 500 ml eines Kristalloids mit Na 130–154 mmol/l in weniger als 15 Minuten. Bei erhöhtem Überlastungsrisiko muss das Vorgehen individualisiert werden, beispielsweise mit kleineren Testportionen und früherer Kontrolle. Dies ist kein Auftrag an jeden hypotensiven Menschen. NICE CG174, §§1.2.3, 1.3.1.

Als Hinweise auf einen möglichen dringlichen Flüssigkeitsbedarf nennt NICE unter anderem einen systolischen Blutdruck unter 100 mmHg, eine Herzfrequenz über 90/min, eine Rekapillarisierungszeit über 2 Sekunden oder kühle Peripherie, eine Atemfrequenz über 20/min, einen NEWS ab 5 und einen positiven passiven Beinhebetest. Diese Schwellen sind bewusst empfindlich gewählt und ersetzen keine Gesamtbeurteilung. Als kleinere Testportion bei Überlastungsrisiko eignen sich zum Beispiel 4 ml/kg über etwa 15 Minuten, bei 70 kg also rund 280 ml. NICE CG174, §1.2.1; ESICM-Expertengruppe, Cecconi et al. 2019.

Vor und unmittelbar nach jeder Portion prüfst du Kreislauf, Bewusstsein, Rekapillarisierung und Atmung; bei geeigneter Überwachung auch die Veränderung des Schlagvolumens. Eine bessere Perfusion unterstützt einen Nutzen. Neue Atemnot, sinkende Sättigung oder zunehmende Stauung sprechen gegen weitere unkritische Zufuhr. Bleibt die Wirkung aus, suche andere Ursachen wie fortgesetzte Blutung, kardiales Pumpversagen oder ausgeprägte Vasodilatation. Ein wiederholt wirkungsloser Bolus ist kein Grund, nur die Menge weiter zu erhöhen.

Besteht nach der Wiederbeurteilung weiter Bedarf ohne Überlastungszeichen, sieht der NICE-Algorithmus weitere Portionen von 250–500 ml mit jeweils erneuter ABCDE-Kontrolle vor. Sind bereits mehr als 2.000 ml gegeben und besteht weiter Bedarf, wird Expertenhilfe hinzugezogen. Auch eine Obstruktion wie Lungenembolie, Perikardtamponade oder Spannungspneumothorax kann hinter einer fehlenden Wirkung stehen.

Oben Hinweise auf akuten Flüssigkeitsbedarf: systolischer Blutdruck unter 100, Herzfrequenz über 90, Rekapillarisierung über 2 Sekunden, Atemfrequenz über 20, NEWS ab 5, positiver Beinhebetest. Dann Ausgangsbefund sichern, parallel allgemein 500 ml Kristalloid mit Natrium 130–154 mmol/l in unter 15 Minuten oder bei Überlastungsrisiko etwa 4 ml/kg in 15 Minuten. Danach sofortige ABCDE-Wiederbeurteilung mit drei Ergebnissen: besser ohne Stauung, Restbedarf neu bestimmen; weiter Bedarf ohne Stauung, 250–500 ml und erneut prüfen; neue Atemnot oder Stauung, Zufuhr stoppen und Hilfe. Unten: über 2.000 ml oder ohne Wirkung Expertenhilfe und andere Schockursache suchen.

Abbildung: Der allgemeine 500-ml-Ansatz wird bei Überlastungsrisiko individualisiert; Wirkung und Toleranz entscheiden über jede weitere Portion. Quelle: eigene Darstellung.

Ablauf bei Bolus ohne Wirkung: erneut ABCDE und Hilfe holen, Perfusion, Atmung und Stauung neu prüfen sowie Laktat, Hämoglobin, Blutgase und EKG. Dann vier Ursachengruppen: Blutung mit Blutstillung und Blutprodukten, Pumpversagen mit Stauung und Echo, Vasodilatation mit Noradrenalin bei Sepsis und Adrenalin bei Anaphylaxie, Obstruktion durch Lungenembolie, Perikardtamponade oder Spannungspneumothorax. Unten: Ursache gezielt behandeln, weitere Flüssigkeit nur bei nachgewiesenem Nutzen.

Abbildung: Ein wirkungsloser Bolus ist ein Diagnosesignal. Die vier Kästen sind die Fragen, die du dann stellst. Quelle: eigene Darstellung.

Sepsis: Flüssigkeit im Gesamtpaket

Bei Sepsis entsteht eine lebensbedrohliche Organstörung im Zusammenhang mit einer fehlregulierten Antwort auf eine Infektion. Flüssigkeit behandelt einen Teil der hämodynamischen Störung. Antibiotikatherapie, Fokussuche/-kontrolle und weitere Organsicherung müssen parallel organisiert werden. Der vollständige Sepsispfad gehört zu L02; hier geht es um die begründete Flüssigkeitsentscheidung.

Die deutsche S3-Sepsisleitlinie 2025 verwendet bei sepsisbedingter Hypoperfusion 30 ml/kg Kristalloid in den ersten drei Stunden als Richtwert, verbunden mit klinischer Anpassung. Sie bevorzugt balancierte Kristalloide. AWMF 079-001, Kurzfassung 2025, Empfehlungen 2.5 und 4.1.

Die internationale SSC 2026 formuliert mindestens 30 ml/kg innerhalb von drei Stunden als bedingte Empfehlung mit niedriger Evidenz und fordert die Berücksichtigung von Patient und Kontext sowie häufige Wiederbeurteilung. Das ist kein ausnahmslos abzuarbeitender Bolus und kein Ziel für jede Infektion. Dynamische Kreislaufreaktionen und klinische Perfusion helfen bei weiterer Gabe; Laktat wird im Verlauf interpretiert. Ein erhöhtes Laktat ist kein alleiniger Auftrag, bis zur Normalisierung immer weiter Flüssigkeit zu geben. SCCM, SSC 2026: Initial resuscitation und Fluid management.

Zur Beurteilung der Gewebeperfusion bei septischem Schock schlägt die S3-Leitlinie die Rekapillarisierungszeit vor. Eine Marmorierung der Haut, typischerweise zuerst über den Knien, ist ein weiteres sichtbares Zeichen gestörter Mikrozirkulation. AWMF 079-001, Kurzfassung 2025, Empfehlung 2.10.

Beide Knie einer liegenden Person von vorn: netzartige, livide bis violette Flecken auf blassem Hautgrund über den Kniescheiben und den angrenzenden Oberschenkeln.

Abbildung: Marmorierte Haut über beiden Knien bei schwerer Kreislaufstörung (hier bei akuter Mesenterialischämie). Je weiter die Marmorierung vom Knie zum Oberschenkel reicht, desto ausgeprägter ist meist die Hypoperfusion. Quelle: Yabe M, Nomoto Y, Watanabe H, Journal of General and Family Medicine 2025;26:95, Abb. 1B, CC BY 4.0; ausgeschnitten und vergrößert.

Die S3-Leitlinie 2025 nennt für die Kreislauftherapie diese Eckpunkte; der vollständige Sepsispfad bleibt Thema von L02:

ThemaEmpfehlungBeachte
Septischer SchockVasopressor nötig für MAP ≥ 65 mmHg trotz adäquater Volumentherapie und Laktat > 2 mmol/lDefinition, kein Mengenauftrag
Initiale Flüssigkeit30 ml/kg Kristalloid in den ersten 3 Stunden als RichtwertDanach nur bei fortbestehender Hypoperfusion weiter
LösungBalancierte Kristalloide erste Wahl; Albumin ergänzend bei großen MengenKein HES, keine Gelatine
KreislaufzielInitialer MAP 65 mmHg; Noradrenalin erste Wahl, auch periphervenösVasopressin ergänzend, wenn Noradrenalin nicht reicht
SteuerungLaktat im Verlauf, Rekapillarisierungszeit, dynamische vor statischen Parametern, EchokardiographieKein Einzelwert ersetzt die Untersuchung

AWMF 079-001, Kurzfassung 2025, Definition 2, Empfehlungen 2.5–2.12 und 4.1–4.6.

Ausgearbeitetes Beispiel: Bei 70 kg entsprechen 30 ml/kg rechnerisch 2.100 ml. Bereits im Rahmen der aktuellen initialen Resuscitation tatsächlich gegebene Mengen werden mitgezählt, nicht etwa die Erhaltungsinfusion des Vortags. Bestehen bereits nach einem Teil davon zunehmende Atemnot und Stauung, ist das Warnsignal wichtiger als das mechanische Erreichen von 2.100 ml. Das Team beurteilt sofort neu und prüft bei fortbestehender Hypotonie früh die Vasopressortherapie unter geeigneter Überwachung. Die Zahlenrechnung ersetzt diese Entscheidung nicht.

Sepsisbedingte Hypoperfusion teilt sich in zwei parallele Wege: Infektion behandeln mit mindestens zwei Blutkultur-Sets, dann Antibiotikum und Fokussanierung; balanciertes Kristalloid mit 30 ml/kg als Richtwert in den ersten drei Stunden, bei 70 kg 2.100 ml. Nach jeder Portion Rekapillarisierung, Haut, Bewusstsein, MAP, Laktatverlauf, Urin, Atemnot, Sättigung und Stauung prüfen, ergänzt durch Echo und dynamische Tests. Drei Ergebnisse: Perfusion besser, Restbedarf neu bestimmen; MAP bleibt unter 65 mmHg, früh Noradrenalin auch peripher; Atemnot oder Stauung neu, Zufuhr stoppen und Hilfe. Unten: bei großen Mengen Albumin ergänzend, kein HES, keine Gelatine.

Abbildung: 30 ml/kg in drei Stunden ist ein klinisch anzupassender Richtwert; zunehmende Atemnot und Stauung begrenzen weitere Zufuhr. Quelle: eigene Darstellung.

Verlauf nach einer GabeInterpretationNächster Schritt
Perfusion besser, keine neue StauungWahrscheinlicher Nutzen dieser PortionRestbedarf neu bestimmen; nicht automatisch wiederholen
Unverändert, keine klare ReagibilitätNutzen weiterer Gabe unsicherUrsache, Messung und andere Kreislauftherapie prüfen
Neue Atemnot oder StauungMögliche Intoleranz/ÜberlastungZufuhr unterbrechen, ABCDE, sofort Hilfe und Ursachenbehandlung

Multiple Choice

Den Sicherheitsbefund priorisieren

Aufgabe

Eine septische 70-kg-Person hat bisher 1.000 ml erhalten. Blutdruck und Bewusstsein bessern sich nicht, neu treten Atemnot und zunehmende Stauungszeichen auf. Welche nächste Handlung ist am besten begründet?

Die Tabelle bündelt die Angaben aus der Aufgabe.

AngabeFallinformation
KontextSepsis; Körpergewicht 70 kg
Bisherige Gabe1.000 ml
Blutdruck und BewusstseinKeine Besserung
Neue BefundeAtemnot; zunehmende Stauungszeichen

Hals einer liegenden Person mit Sauerstoffbrille, Kopf zur Seite gedreht; in einem grün projizierten Feld eines Venensichtgeräts zeichnet sich ein breiter, heller Venenstreifen ab; darunter Bettwäsche und Patientenhemd.

Abbildung: Halsvenen einer liegenden Person, mit einem Venensichtgerät hervorgehoben (Beispielbild, nicht die Fallperson). Quelle: Bricker D, Clin Case Rep 2021;9(3):1276–1278, Abb. 2, CC BY 4.0

  1. a)Die verbleibenden 1.100 ml unabhängig vom Verlauf geben.
  2. b)Ausschließlich den nächsten Laktatwert abwarten.
  3. c)Weitere unkritische Zufuhr stoppen, sofort ABCDE und Hilfe; Kreislaufursache und alternative Unterstützung prüfen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Oligurie mit Stauung

Aufgabe

Ein Patient mit chronischer Nierenkrankheit hat eine positive Bilanz, Gewichtszunahme und Orthopnoe. Seit sechs Stunden scheidet er wenig Urin aus. Beschreibe die ersten Schritte und erkläre, warum weder „ein Liter Infusion“ noch „Diuretikum nur für eine höhere Urinzahl“ eine ausreichende Begründung ist.

Die Tabelle bündelt die Angaben aus der Aufgabe.

AngabeFallinformation
VorerkrankungChronische Nierenkrankheit
BilanzPositiv
GewichtsverlaufGewichtszunahme
AtmungOrthopnoe
AusscheidungSeit sechs Stunden wenig Urin

Röntgen-Thorax im Liegen von vorn: breiter Herzschatten; die rechte Lungenbasis ist großflächig homogen verschattet, die rechte Zwerchfellkontur nicht abgrenzbar; EKG-Elektroden und Kabel auf dem Brustkorb.

Abbildung: Liegendaufnahme des Thorax eines anderen Patienten als Beispiel; beschreibe Herzschatten und beide Lungenbasen. Quelle: Maisuradze N et al., Cureus 2022;14(9):e29658, Abb. 2, CC BY 3.0, Hinweispfeil entfernt

In der App sprechen üben →

Den Plan vertreten und ändern

Lernziel: Du kannst einen Flüssigkeitsplan erklären, übergeben und im Verlauf ändern.

Klinisch erklären statt Zahlen vorlesen

Lesetext und ausgearbeitetes Beispiel

Eine kurze ärztliche Übergabe verbindet Anlass → Befund → begründete Einschätzung → konkrete Maßnahme → Kontrolle und Eskalation. Trenne, was tatsächlich gegeben wurde, von dem, was erst geplant ist. Eine Prognose bleibt bedingt: Sie hängt von Verlustursache, Organfunktion und Ansprechen ab.

Beispiel: „Ich stelle eine Patientin nach anhaltendem Erbrechen vor. Der dokumentierte Verlust und die verzögerte Rekapillarisierung sprechen für Volumenmangel; aktuell finde ich keine Stauungszeichen. Ich plane nach Labor- und Produktprüfung eine kontrollierte kristalloide Gabe mit unmittelbarer Wiederbeurteilung. Ob sie ausreicht, hängt vom weiteren Verlust und Kreislaufverlauf ab; bei Atemnot oder fehlendem Ansprechen muss ich sofort neu entscheiden.“

Fünf nummerierte Übergabeschritte im Erbrechensbeispiel: Anlass, Befund, begründete Einschätzung, Maßnahme mit getrennter Spalte für bereits gegebene und geplante Flüssigkeit, Kontrolle und Eskalation; die Ergebniszeile zeigt Besserung, fehlendes Ansprechen und Atemnot mit der jeweiligen Konsequenz.

Abbildung: Die geplante Gabe wird klar von bereits verabreichter Flüssigkeit getrennt; Prognose und nächste Entscheidung bleiben an den Verlauf gebunden. Quelle: eigene Darstellung.

Eine verständliche Patientenerklärung übersetzt dasselbe: „Sie haben Flüssigkeit und Salze verloren. Wir möchten einen Teil über die Vene ersetzen, weil Trinken gerade nicht ausreichend gelingt. Wir prüfen wiederholt Kreislauf und Atmung, damit Sie weder zu wenig noch zu viel bekommen. Bitte sagen Sie sofort Bescheid, wenn Luftnot oder Schmerzen am Zugang auftreten. Können Sie mir kurz sagen, worauf Sie dabei achten?“

Sechs nummerierte Schritte der Patientenerklärung: was passiert ist, warum über die Vene, was vorgeschlagen wird, wie aufgepasst wird, was sofort zu melden ist, und eine Rückfrage zum Verständnis; bei unklarer Antwort wird einfacher erneut erklärt.

Abbildung: Die Erklärung verbindet den Zweck der Infusion mit konkreten Warnzeichen; eine Rückfrage zeigt, was die Patientin verstanden hat. Quelle: eigene Darstellung.

Hinter der Erklärung steht eine Abwägung: Zu wenig Flüssigkeit lässt die Hypoperfusion bestehen, zu viel kann Lungenstauung und Atemnot auslösen. Bei Herz- oder Nierenkrankheit ist der Spielraum dazwischen kleiner. Deshalb wird in Portionen gegeben und nach jeder Portion neu entschieden.

Links die Folgen von zu wenig Flüssigkeit, rechts die Zeichen von zu viel Flüssigkeit; darunter der kleinere Spielraum bei Herz- oder Nierenkrankheit, ein Kreislauf aus Portion, Kontrolle und Entscheidung sowie die Antwort auf den Wunsch nach zwei Litern auf einmal.

Abbildung: Kleine Schritte mit Kontrolle schützen vor beiden Fehlern; eine weitere Portion folgt nur bei Nutzen und ohne Überlastungszeichen. Quelle: eigene Darstellung.

An die PatientinAn das Behandlungsteam
Was vermuten wir und warum?Beobachtete Daten und Arbeitsdiagnose
Was schlagen wir vor?Präparat, Weg, Menge, Rate und Ziel
Was soll sie sofort melden?Kontrollzeitpunkt und Eskalationskriterien

Für einen Anfangsplan bei Hypoperfusion mit Herz- oder Nierenvorerkrankung hilft eine feste Reihenfolge. NICE nennt für die allgemeine initiale Erwachsenenresuscitation 500 ml Kristalloid in weniger als 15 Minuten NICE CG174, §1.3.1. Bei erhöhtem Überlastungsrisiko ist eine kleinere Testportion sinnvoll, beispielsweise 4 ml/kg (bei 70 kg rund 250–300 ml) in bis zu 15 Minuten, wie sie eine ESICM-Expertengruppe als Flüssigkeitstest mit Basismonitoring beschreibt. ESICM-Task-Force, Cecconi et al. 2019

Vier nummerierte Schritte: sofortige ABCDE-Beurteilung, fehlende Daten am Bett sowie aus Labor und EKG, die Entscheidung nach Stauungszeichen mit kleiner Testportion von 4 ml/kg oder ohne unkritische Gabe, und die sofortige Wiederbeurteilung; die Ergebniszeile trennt Besserung, fehlenden Effekt und Atemnot oder Stauung.

Abbildung: Bei Herz- oder Nierenrisiko entscheidet die Stauungsprüfung über eine kleine Testportion; Kalium wird getrennt geplant, eine Tagesmenge wird ohne Daten nicht festgelegt. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützte Erklärung

Aufgabe

Eine Patientin fragt: „Ich bin doch geschwollen. Warum messen Sie trotzdem meinen Kreislauf?“ Ergänze eine verständliche Erklärung in zwei bis drei Sätzen und prüfe ihr Verständnis.

Die Tabelle hält die Gesprächssituation ohne Deutung fest.

AngabeFallinformation
Beobachtung der Patientin„Ich bin doch geschwollen.“
Beobachtete UntersuchungDer Kreislauf wird gemessen
Frage der PatientinWarum wird trotzdem der Kreislauf gemessen?

Liegender Unterschenkel mit Fuß von der Seite auf einer Liege: Die Haut ist gespannt und glänzt, der Unterschenkel ist bis zum Fußrücken verdickt, die Knöchelkontur verstrichen.

Abbildung: Beispiel einer deutlichen Unterschenkelschwellung, wie Patientinnen und Patienten sie selbst bemerken. Quelle: Wang Kai-feng et al., CC BY 2.0

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Ein widersprüchlicher Verlauf

Wenn Gewicht und dokumentierte Bilanz nicht zusammenpassen, ist der Widerspruch ein Untersuchungsauftrag. Kontrolliere Zeitfenster, Waage, Kleidung, Nahrung, Infusionen/Spülungen und fehlende Ausscheidungen. Zugleich untersuchst du die Person: Ein Dokumentationsproblem kann eine reale Überlastung nicht ausschließen. Das folgende Bild zeigt absichtlich erfundene, nicht vollständig übereinstimmende Messreihen.

Über drei Tage steigt das Gewicht von 70 über 71 auf 73 kg; die kumulative dokumentierte Bilanz beträgt 0, plus 0,6 und plus 1,1 Liter.

Abbildung: Konstruiertes Lehrbeispiel. Die beiden Diagramme haben unterschiedliche Einheiten. Vergleiche die Änderung zum Ausgangstag: +3 kg und dokumentiert +1,1 l. Quelle: eigene Darstellung mit fiktiven Daten.

Drei nummerierte Schritte bei widersprüchlichem Gewichts- und Bilanzverlauf: Widerspruch als Prüfauftrag, gleichzeitig Dokumentation prüfen und Person untersuchen, dann den Plan an neue Information anpassen; die Ergebniszeile trennt Messfehler, bleibenden Widerspruch und Überlastung.

Abbildung: Die Dokumentationsprüfung läuft neben der Untersuchung; zunehmende Atemnot darf nicht auf die Klärung der Bilanz warten. Quelle: eigene Darstellung.

Neue InformationWas sie verändert
Mehr orale Zufuhr als geplantIntravenösen Restbedarf reduzieren
Anhaltende zusätzliche VerlusteMenge und Zusammensetzung des Ersatzes neu bestimmen
Gewicht steigt, Atemnot nimmt zuÜberlastung prüfen und laufende Gabe neu entscheiden
Bilanz und Gewicht widersprechen sichMessung und Dokumentation prüfen, Klinik nicht vertagen

Flüssigkeitstherapie verläuft in Phasen: Rettung bei Hypoperfusion, Optimierung nach Ansprechen, Stabilisierung mit Erhaltung und Verlustersatz und schließlich De-Eskalation. Eine laufende Infusion braucht deshalb bei jeder Übergabe eine aktuelle Begründung; die ursprüngliche Indikation reicht nicht. Behandle Infusionen dabei wie Medikamente und prüfe die „4 D“: Präparat, Dosis, Dauer und De-Eskalation. Malbrain et al. 2018

Vier Phasen auf einer Zeitachse: Rettung, Optimierung, Stabilisierung und De-Eskalation; darunter vier Prüffragen zu Indikation, oraler Zufuhr, Verlusten und Verlaufswerten mit den Ergebnissen Infusion beenden, Rate senken oder bei Instabilität neu beurteilen; Fußzeile mit den 4 D Präparat, Dosis, Dauer und De-Eskalation.

Abbildung: Mit jeder neuen Information wird geprüft, in welcher Phase die Person ist und ob die laufende Infusion noch begründet ist. Quelle: eigene Darstellung nach Malbrain et al. 2018.

Freie Antwort

Bild und Verlauf beurteilen

Aufgabe

Nutze die Abbildung aus S02. Die Person erhält weiterhin dieselbe Dauerinfusion; neu besteht Orthopnoe. Nenne den Zahlenwiderspruch, zwei Prüfungen der Dokumentation und die klinische Priorität.

Die Tabelle verbindet die Messreihe aus S02 mit den neuen Angaben.

AngabeFallinformation
Gewicht: Tag 0 / 1 / 270 / 71 / 73 kg
Kumulative Bilanz: Tag 0 / 1 / 20 / +0,6 / +1,1 l
Aktuelle ZufuhrUnveränderte Dauerinfusion
Neuer BefundOrthopnoe
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Freie Antwort

Eigenständiger Flüssigkeitsplan

Aufgabe

Ein 68-jähriger, 70 kg schwerer Patient mit bekannter Nierenfunktionseinschränkung und Herzinsuffizienz stellt sich nach drei Tagen Durchfall vor. Er ist wach, Blutdruck 92/58 mmHg, Puls 112/min, Rekapillarisierung verlängert. Er kann kaum trinken. Aktuell keine deutliche Orthopnoe, Sauerstoffsättigung 96 % unter Raumluft. Natrium 140 mmol/l, Kalium 3,2 mmol/l, Kreatinin höher als sein Vorwert. Die genaue Verlustmenge und bisherige Zufuhr sind unvollständig dokumentiert.

Die Tabelle bündelt die Angaben aus der Aufgabe.

AngabeFallinformation
Alter und Gewicht68 Jahre; 70 kg
VorerkrankungenNierenfunktionseinschränkung; Herzinsuffizienz
Verlust und ZufuhrSeit drei Tagen Durchfall; kaum Trinken möglich
KreislaufWach; 92/58 mmHg; Puls 112/min; Rekapillarisierung verlängert
AtmungKeine deutliche Orthopnoe; SpO₂ 96 % unter Raumluft
ElektrolyteNa 140 mmol/l; K 3,2 mmol/l
KreatininHöher als der Vorwert
DokumentationGenaue Verlustmenge und bisherige Zufuhr unvollständig

Erstelle einen begründeten Anfangsplan: Dringlichkeit, zusätzliche Untersuchung/Daten, Zweck und Art einer möglichen Flüssigkeitsgabe, Sicherheitskontrollen und weiteres Vorgehen. Formuliere anschließend eine kurze Übergabe und eine bedingte Prognose. Eine vollständige Tagesmenge sollst du bei den fehlenden Daten ausdrücklich nicht erfinden.

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Eigenständige Kommunikation

Aufgabe

Erkläre dem Patienten aus Q03 in höchstens fünf Sätzen, weshalb du Flüssigkeit vorsichtig geben und wiederholt kontrollieren möchtest. Reagiere auf seine Frage: „Können Sie nicht einfach zwei Liter anhängen und mich dann nach Hause schicken?“

Die Tabelle hält den Gesprächsanlass und den Wunsch des Patienten fest.

AngabeFallinformation
GesprächspartnerPatient aus Q03 mit Herz- und Nierenvorerkrankung
Aktueller AnlassSeit drei Tagen Durchfall; kaum Trinken möglich
Seine Frage„Können Sie nicht einfach zwei Liter anhängen und mich dann nach Hause schicken?“
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