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Lernpfade

Pleura und Thoraxnotfälle

Lernziel: Du kannst Pleurabefunde und Eingriffe mit Sicherheitskontrollen begründen.

Pleuraraum verstehen

Lernziel: Du kannst erklären, wie Luft und Flüssigkeit im Pleuraraum die Atmung stören.

Du lernst zunächst, wo Luft und Flüssigkeit liegen und warum dies die Atmung beeinträchtigt. Danach entscheidest du über Punktion, Entlastung, Drainage und weitere Behandlung. Die Fälle sind fiktiv. Praktische Aufgaben werden am Modell oder unter qualifizierter Anleitung durchgeführt.

Zwei Blätter, ein verschieblicher Spalt

Die viszerale Pleura liegt der Lunge an, die parietale Pleura kleidet die innere Thoraxwand aus. Dazwischen befindet sich normalerweise nur ein dünner Flüssigkeitsfilm. Er ermöglicht reibungsarmes Gleiten; Druckverhältnisse und Flüssigkeitsfilm koppeln die Lunge an die Bewegungen des Thorax. Die Lunge besitzt eine elastische Rückstellkraft nach innen. Ein im Vergleich zur Atmosphäre negativer Pleuradruck hält sie unter normalen Bedingungen entfaltet. Normalerweise enthält jede Pleurahöhle nur etwa 8 ml Flüssigkeit (beidseits zusammen etwa 0,26 ml/kg Körpergewicht); der Pleuradruck liegt in Atemruhelage bei etwa −3 bis −5 cmH₂O und sinkt bei der Einatmung auf etwa −8 cmH₂O.

Gelangen Luft oder größere Flüssigkeitsmengen in diesen Raum, wird die Ausdehnung der Lunge eingeschränkt. Ein Pneumothorax ist Luft im Pleuraraum. Ein Pleuraerguss ist dort angesammelte Flüssigkeit. Beim Lungenödem liegt die zusätzliche Flüssigkeit dagegen überwiegend im Lungengewebe und gegebenenfalls in den Alveolen. Diese Ortsunterscheidung erklärt, weshalb eine Pleurapunktion kein Lungenödem entleert.

Flussdiagramm in zwei Schritten: Normaler Pleuraspalt mit etwa 8 ml Flüssigkeit je Seite und einem Pleuradruck von etwa −3 bis −5 cmH₂O in Atemruhelage und etwa −8 cmH₂O bei Einatmung; danach drei Spalten zur Ortsbestimmung: Pneumothorax und Pleuraerguss im Pleuraraum schränken die Lungenentfaltung ein, das Lungenödem liegt im Lungengewebe und wird durch eine Pleurapunktion nicht entleert.

Abbildung 1: Die Grafik zeigt Zusammenhänge, keine anatomische Schnittaufnahme. Verfolge zuerst den normalen Zustand mit seinen Druckwerten, dann die beiden Störungen im Pleuraraum; das Lungenödem steht zur Abgrenzung daneben. Quelle: eigene Darstellung.

BegriffOrt und Bedeutung
PleuraergussFlüssigkeit zwischen den Pleurablättern
PneumothoraxLuft zwischen den Pleurablättern
LungenödemFlüssigkeit im Interstitium und/oder in Alveolen
PneumonieInfektion des Lungenparenchyms; ein Begleiterguss ist möglich

Lungensonografie mit Linearsonde: unter Haut und Brustwandmuskulatur eine hell leuchtende waagrechte Pleuralinie (Pfeil) zwischen zwei Rippen mit dunklem Schallschatten (R).

Abbildung: Normale Pleuralinie (Pfeil) zwischen zwei Rippenschatten (R). Im Echtzeitbild gleitet sie mit der Atmung, weil sich die viszerale Pleura an der parietalen Pleura entlang bewegt. Dieses Gleiten ist das sonografische Korrelat des reibungsarmen Spalts. Quelle: Gillman LM, Kirkpatrick AW. Scand J Trauma Resusc Emerg Med. 2012;20:18, Abb. 1; CC BY 2.0; Ausschnitt (Geräteanzeige, Datum und Bildbeschriftung entfernt), vergrößert.

Vom Mechanismus zum Untersuchungsbefund

Flüssigkeit dämpft den Klopfschall und schirmt die Schallübertragung aus der belüfteten Lunge ab. Über einem größeren Erguss sind deshalb der Klopfschall gedämpft, das Atemgeräusch leise und der Stimmfremitus meist vermindert. Über der komprimierten Lunge am oberen Ergussrand kann ein abweichender Auskultationsbefund entstehen. Ein fehlender typischer Befund schließt einen kleinen Erguss nicht aus: Perkutorisch werden Ergussmengen unter etwa 300 ml meist nicht erfasst, und der Klopfschall dringt nur etwa 5–6 cm tief ein. Über einem pneumonischen Infiltrat ist der Klopfschall ebenfalls gedämpft; Stimmfremitus und Schallleitung sind dort jedoch verstärkt, oft mit Bronchialatmen.

Luft im Pleuraraum schwächt ebenfalls die Atemgeräusche, kann aber einen hypersonoren Klopfschall verursachen. Der gemeinsame Befund „leises Atemgeräusch“ unterscheidet Luft und Flüssigkeit daher nicht zuverlässig. Seitenvergleich, Perkussion, Klinik und Bildgebung gehören zusammen.

Befundweg vom Seitenvergleich über drei Kombinationen aus Klopfschall, Atemgeräusch und Stimmfremitus zu den Untersuchungsgrenzen; abschließend stabile Bildabklärung oder unmittelbare Behandlung bei Gefährdung.

Abbildung: Einzelbefunde werden kombiniert; erst Stabilität und Untersuchungsgrenzen bestimmen den nächsten Schritt. Quelle: eigene Darstellung.

Ärztliche Hand setzt die Membran eines Stethoskops am oberen Rücken einer sitzenden Person im Patientenhemd auf.

Abbildung: Dorsale Auskultation. Höre symmetrische Punkte beider Thoraxhälften von oben nach basal im Seitenvergleich ab und ergänze an denselben Stellen die Perkussion. Quelle: National Cancer Institute (NCI Visuals Online, Bild-ID 2174), gemeinfrei; Ausschnitt (Namensschild entfernt).

Die parietale Pleura ist schmerzempfindlich. Eine Reizung verursacht häufig scharfen Schmerz bei tiefer Einatmung oder Husten. Die viszerale Pleura besitzt dagegen keine Schmerzrezeptoren; Reizungen der zentralen Zwerchfellpleura können über den N. phrenicus in Hals oder Schulter ausstrahlen. Die Bezeichnung „pleuritisch“ beschreibt den Schmerzcharakter, noch nicht die Ursache. Auch eine Lungenembolie kann so beginnen. In Notaufnahmestudien lag bei 5–21 % der Personen mit pleuritischem Schmerz eine Lungenembolie vor. Zuerst bedenkst du deshalb Lungenembolie, Pneumothorax, Pneumonie, Myokardinfarkt, Perikarditis und Aortendissektion und klärst sie mit Untersuchung, EKG, Troponin und Bildgebung; bei Embolieverdacht steuert ein validierter Score (Wells oder Genf) den Weg zu D-Dimer oder CT-Angiografie.

Der Weg beginnt mit der Schmerzempfindlichkeit der Pleurablätter, verzweigt zu den gefährlichen Ursachen einschließlich Lungenembolie und führt über Untersuchung, EKG, Troponin und Bildgebung zur Trennung von akuter Gefährdung und stabilem Befund.

Abbildung: Der Schmerzcharakter lenkt die Abklärung, bestätigt aber keine einzelne Ursache. Quelle: eigene Darstellung.

BeobachtungKlinische Deutung und Grenze
Gedämpfter Klopfschall, leises AtemgeräuschErguss möglich; auch andere Verdichtungen bedenken
Hypersonorer Klopfschall, leises AtemgeräuschPneumothorax möglich; Einzelzeichen nicht beweisend
Atemabhängiger SchmerzPleurareizung möglich; Embolie und weitere Ursachen prüfen
Hypotonie, schwere Dyspnoe, einseitig fehlendes AtemgeräuschUnmittelbar bedrohliche Thoraxursache suchen und behandeln

Erst Stabilität, dann die vollständige Diagnose

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 66-jährige Person ist seit Tagen belastungsdyspnoisch. Rechts basal ist der Klopfschall gedämpft, das Atemgeräusch leise. Blutdruck 132/78 mmHg, Atemfrequenz 22/min, SpO₂ 94 % unter Raumluft. Die Sonografie zeigt Flüssigkeit im rechten Pleuraraum.

Thoraxsonografie mit Konvexsonde oberhalb des Zwerchfells: dunkler, echofreier Flüssigkeitssaum (F) über verdichtetem Lungengewebe (L); ein Pfeil zeigt auf die helle Zwerchfelllinie.

Abbildung: Pleuraerguss in der Sonografie. Echofreie Flüssigkeit (F) liegt oberhalb des Zwerchfells (Pfeil) und umgibt die komprimierte, atelektatische Lunge (L). Die Sonografie klärt den Ort; die Ursache des Ergusses zeigt sie nicht. Quelle: Gillman LM, Kirkpatrick AW. Scand J Trauma Resusc Emerg Med. 2012;20:18, Abb. 8; CC BY 2.0; Ausschnitt (Geräteanzeige und Datum entfernt), vergrößert.

Die Daten sprechen für einen Erguss. Die Sonografie klärt den Ort; die Auskultation allein hätte ihn nicht bewiesen. Die Sonografie erfasst einen Erguss ab etwa 20 ml, die Röntgenaufnahme p.a. im Stehen erst ab etwa 200 ml. Weil kein Schock und keine unmittelbare schwere Ateminsuffizienz vorliegen, können Ursache und Punktion gezielt geplant werden. Die Ergussgröße allein erklärt die Ursache noch nicht.

Die Tabelle verbindet die Befunde des Beispiels mit ihrer Bedeutung.

Befund im BeispielBedeutung
132/78 mmHg; keine unmittelbare schwere AteminsuffizienzUrsache und Punktion gezielt planbar
Rechts basal gedämpft; Atemgeräusch leiseErgussverdacht
Flüssigkeit im rechten Pleuraraum sonografischOrt geklärt; Ursache noch nicht bestimmt

Die zweite Tabelle zeigt, ab welcher Ergussmenge eine Methode in der Regel anspricht.

MethodeErguss in der Regel erkennbar ab
Thoraxsonografieetwa 20 ml
Röntgen im Liegen, seitlicher Strahlengangetwa 50–100 ml
Röntgen p.a. im Stehenetwa 200 ml
Perkussionunter etwa 300 ml meist nicht erfassbar

Bei akuter Atemnot prüfst du nach ABCDE zuerst Atemweg, Atmung und Kreislauf, rufst bei Gefährdung Hilfe und beginnst Monitoring. Sauerstoff wird bei Hypoxämie titriert; die BTS nennt für Erwachsene ohne Hyperkapnierisiko einen Zielbereich von SpO₂ 94–98 %. Der vor Ort festgelegte Zielbereich ist zu beachten. Bei bekanntem Risiko einer hyperkapnischen Insuffizienz zunächst 88–92 % und zeitnahe Blutgasanalyse. Die BTS nennt dafür als Start z. B. eine 24-%-Venturi-Maske mit 2–3 l/min, eine 28-%-Venturi-Maske mit 4 l/min oder eine Nasenbrille mit 1–2 l/min und kontrolliert die Blutgase nach 30–60 min. Bei kritischer Erkrankung wie Schock beginnt die BTS mit einer Reservoirmaske mit 15 l/min. Eine normale Sättigung schließt einen gefährlichen Blutverlust nicht aus. Schock und klinischer Spannungsverdacht erlauben keine Verzögerung durch eine ausführliche Diagnostik.

Entscheidungsdiagramm bei akuter Atemnot: 1. ABCDE sofort; Frage nach Schock oder klinischem Spannungsverdacht. Ja: sofort handeln mit Team, Reservoirmaske 15 l/min, Entlastung bei Spannungsverdacht, keine Verzögerung durch Bildgebung. Nein: 2. Sauerstoff bei Hypoxämie titrieren – ohne Hyperkapnierisiko SpO₂ 94–98 %, mit Hyperkapnierisiko zunächst 88–92 % mit Venturi-Maske oder Nasenbrille und Blutgasen nach 30–60 min. 3. Ursache gezielt klären mit Sonografie und Röntgen; Fallbeispiel 132/78 mmHg, Atemfrequenz 22/min, SpO₂ 94 % gilt als stabil.

Abbildung: Die Raute trennt den sofortigen Handlungsweg vom geplanten Weg. Die Zielbereiche und Startgeräte folgen der BTS-Empfehlung im Lesetext; der vor Ort festgelegte Zielbereich bleibt maßgeblich. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Einen Befund ergänzen

Aufgabe

Links basal sind Atemgeräusch und Stimmfremitus vermindert. Welcher ergänzende Befund passt am besten zu einem größeren Pleuraerguss?

Die Tabelle bündelt die vorgegebenen Untersuchungsbefunde.

UntersuchungBefund
RegionLinks basal
AtemgeräuschVermindert
StimmfremitusVermindert

Röntgen-Thorax p.a.: Die linke Thoraxhälfte ist von basal bis in das Mittelfeld homogen weiß verschattet, die linke Zwerchfellkontur ist nicht abgrenzbar; rechts ist die Lunge belüftet.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax mit ausgedehnter homogener Verschattung links basal (Beispielbild). Quelle: Salim S, Ganeshram P, Patel AD et al. Cases J 2008;1:225 (Abb. 2), CC BY 2.0

  1. a)Ein deutlich hypersonorer Klopfschall über derselben Region.
  2. b)Ein gedämpfter Klopfschall über derselben Region.
  3. c)Ein normales Untersuchungsergebnis beweist, dass kein Erguss besteht.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Den nächsten Schritt begründen

Aufgabe

Eine Person entwickelt plötzlich schwere Atemnot, ist kaltschweißig und hat einen Blutdruck von 78/46 mmHg. Rechts ist kaum Atemgeräusch hörbar. Formuliere die Priorität und nenne eine Diagnose, die sofort bedacht werden muss. Eine endgültige Ursache ist noch nicht bewiesen.

Die Fallangaben sind hier nach Beobachtung und Messung geordnet.

ParameterVorgegebener Befund
BeginnPlötzlich schwere Atemnot
HautKaltschweißig
Blutdruck78/46 mmHg
AtemgeräuschRechts kaum hörbar
UrsacheNoch nicht endgültig bewiesen
In der App sprechen üben →

Erguss und Punktion

Lernziel: Du kannst einen Erguss einordnen und eine sichere diagnostische Punktion planen.

Warum entsteht Flüssigkeit?

Ein Erguss entsteht, wenn mehr Flüssigkeit in den Pleuraraum gelangt, als wieder abtransportiert wird. Physiologisch enthält der Pleuraraum nur etwa 0,1–0,3 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht; die Lymphgefäße der parietalen Pleura führen sie laufend ab. Ein Transsudat entsteht vor allem durch veränderte Druckverhältnisse: erhöhter hydrostatischer Druck, etwa bei Herzinsuffizienz, oder verminderter kolloidosmotischer Druck, etwa bei ausgeprägter Hypoalbuminämie. Beim Exsudat stehen erhöhte Gefäßdurchlässigkeit oder gestörter Lymphabfluss im Vordergrund, beispielsweise bei Infektion, Malignom oder Lungenembolie.

Ausgehend von der Flüssigkeitsbilanz stehen zwei Mechanismen gegenüber: veränderte Druckverhältnisse mit kardialen oder Eiweißmangelursachen sowie erhöhte Durchlässigkeit oder gestörter Lymphabfluss bei Infektion, Malignom oder Embolie; beide führen zu einer vorläufigen Einordnung.

Abbildung: Die Mechanismen lenken die Ursachensuche; die Einteilung allein ist noch keine endgültige Diagnose. Quelle: eigene Darstellung.

Die Einteilung lenkt die Ursachensuche. Sie ist keine endgültige Diagnose: „Exsudat“ bedeutet weder automatisch „bakteriell“ noch „maligne“. Einseitigkeit, Fieber, Schmerz, Gewichtsverlust, Vorerkrankungen und zeitlicher Verlauf verändern die Wahrscheinlichkeit.

Thoraxröntgen in zwei Ebenen. Im p.-a. Bild (linke Bildhälfte) homogene Verschattung der unteren rechten Thoraxhälfte, rechte Zwerchfellkontur nicht abgrenzbar, links basal kleinerer Erguss. In der seitlichen Aufnahme (rechte Bildhälfte) verschattete dorsale Randwinkel.

Abbildung: Beidseitige Pleuraergüsse, rechts größer als links, bei systemischem Lupus erythematodes. Das Röntgenbild zeigt die Flüssigkeit, aber nicht, ob ein Transsudat oder Exsudat vorliegt; Klinik und Vorerkrankung lenken die Ursachensuche. Quelle: Kupelian C, Bowen D, Huang M et al. J Med Case Rep 2025;19:377, Abb. 1; CC BY 4.0; beide Ebenen zusammengesetzt, Beschriftungsrest abgeschnitten.

MusterWichtige Ursachen
TranssudatHerzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom
ExsudatPneumonie/Pleurainfektion, Tumor, Embolie, Tuberkulose
Blutiger oder milchiger ErgussHämatothorax bzw. Chylothorax gezielt prüfen; Aussehen allein genügt nicht

Glasgefäß mit Volumenskala, gefüllt mit undurchsichtiger, milchig-gelblicher Pleuraflüssigkeit und Schaum an der Oberfläche.

Abbildung: Milchiger Erguss nach Punktion eines Chylothorax. Das Aussehen weckt den Verdacht; gesichert wird der Chyluserguss erst über Triglyzeride beziehungsweise Chylomikronen im Erguss. Quelle: Matani S, Pierce JR. J Investig Med High Impact Case Rep 2015;3(2):2324709615583877, Abb. 3; CC BY 3.0; Ausschnitt.

Drei getrennte Wege nach Klinik und Sonografie: neue unklare und zugängliche Flüssigkeit zur diagnostischen Probe, typischer beidseitiger kardialer Erguss zur Ursachenbehandlung mit Verlaufskontrolle und fehlender sicherer Zugang zum Stopp ohne blinde Punktion.

Abbildung: Der kardiale Verlauf und der fehlende sichere Zugang bleiben eigene Entscheidungswege. Quelle: eigene Darstellung.

Die Light-Kriterien richtig rechnen

Eiweiß und Laktatdehydrogenase (LDH) werden in Pleuraerguss und Blut gemessen. LDH ist ein Enzym, dessen erhöhte Aktivität unter anderem auf Zellschädigung hinweist. Der Quotient vergleicht Erguss mit Serum. Für einen Quotienten müssen Zähler und Nenner dieselbe Einheit haben; das Ergebnis ist dimensionslos. Die Blutwerte sollten zeitnah zur Punktion vorliegen.

Ein Erguss ist nach Light ein Exsudat, wenn mindestens eines der drei Kriterien erfüllt ist:

KriteriumExsudat, wenn …
Eiweiß Erguss / Eiweiß Serum> 0,5
LDH Erguss / LDH Serum> 0,6
LDH im Erguss> 2/3 der oberen Normgrenze der Serum-LDH des Labors

Die dritte Grenze bezieht sich auf die obere Serum-Normgrenze, nicht auf den gemessenen Serumwert. Bei exakt 0,50 oder 0,60 ist das jeweilige streng formulierte „größer als“-Kriterium nicht erfüllt; die anderen Kriterien bleiben zu prüfen. Messunsicherheit und klinischer Kontext verhindern eine rein mechanische Grenzwertdiagnose.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eiweiß im Erguss 36 g/l, im Serum 60 g/l; LDH im Erguss 180 U/l, im Serum 240 U/l; obere Serum-LDH-Normgrenze 250 U/l.

  1. Eiweißquotient: 36 / 60 = 0,60 → größer als 0,5.
  2. LDH-Quotient: 180 / 240 = 0,75 → größer als 0,6.
  3. Zwei Drittel von 250 U/l = 166,7 U/l; 180 U/l liegt darüber.

Alle drei Kriterien sind positiv; bereits eines hätte genügt. Das Ergebnis lautet Exsudat. Ob eine Infektion, ein Malignom oder eine andere Ursache vorliegt, ist damit noch offen.

Entscheidungsdiagramm zu den Light-Kriterien: drei Kästen nebeneinander mit den Grenzen Eiweißquotient > 0,5 (Beispiel 36/60 = 0,60), LDH-Quotient > 0,6 (Beispiel 180/240 = 0,75) und Erguss-LDH > zwei Drittel der oberen Serum-Normgrenze (Beispiel 180 > 166,7 U/l), jeweils positiv. Darunter Fallstricke (Normgrenze statt Messwert, exakt 0,50 oder 0,60 nicht positiv), dann die Frage „mindestens 1 Kriterium positiv?“: ja führt zu Exsudat mit offener Ursache und dem Hinweis auf ein mögliches Pseudoexsudat, nein zu Transsudat.

Abbildung: Achte beim dritten Kriterium auf die obere Labornormgrenze, nicht auf den gemessenen Serumwert. Schon ein positives Kriterium genügt für die Einordnung als Exsudat. Quelle: eigene Darstellung.

Unter Diuretika kann ein kardialer Erguss konzentrierter werden und die Exsudatgrenze überschreiten: ein Pseudoexsudat. Etwa jedes vierte Transsudat wird nach Light fälschlich als Exsudat eingestuft, meist unter Diuretika. Bei unpassender Klinik helfen Herzbefunde und Serum-NT-proBNP; ergänzend kann ein Serum-Erguss-Albumingradient > 12 g/l für eine transsudative Ursache sprechen. Der Gradient ist Serumalbumin minus Ergussalbumin, kein Quotient. Ein Serum-Erguss-Eiweißgradient > 31 g/l kann diese Einordnung zusätzlich stützen. Er ersetzt weder die klinische Prüfung noch eine Abklärung alarmierender Befunde.

Die Tabelle bündelt die Hinweise auf ein mögliches Pseudoexsudat.

PrüfpunktBedeutungGrenze
Diuretika bei kardialem ErgussKonzentration kann Exsudatgrenze überschreitenKeine automatische Infektionsdiagnose
Herzbefunde; Serum-NT-proBNPKardialen Zusammenhang prüfenKlinischer Kontext bleibt nötig
Serumalbumin − Ergussalbumin > 12 g/lTranssudative Ursache möglichGradient, kein Quotient

Entscheidungsdiagramm bei Exsudat nach Light und kardialer Klinik: 1 Warum ein Pseudoexsudat (Diurese konzentriert Eiweiß und LDH; etwa jedes vierte Transsudat erscheint nach Light als Exsudat); 2 Herzbefunde in Echo und Röntgen sowie Serum-NT-proBNP, deutlich erhöht spricht für eine kardiale Ursache, ist aber nicht beweisend; 3 Albumingradient > 12 g/l und Eiweißgradient > 31 g/l, jeweils als Differenz Serum minus Erguss. Ergebnis: passt die Klinik, ist ein Pseudoexsudat wahrscheinlich und die Herzinsuffizienz wird behandelt; bei Fieber, Asymmetrie oder fehlendem Ansprechen wird die Ursachensuche fortgesetzt.

Abbildung: Ein Pseudoexsudat ist eine Arbeitshypothese bei passender kardialer Klinik. Warnzeichen führen trotz passender Gradienten zur weiteren Ursachensuche. Quelle: eigene Darstellung.

Wann punktieren und was untersuchen?

Eine diagnostische Punktion ist bei einem neuen, unklaren und sicher zugänglichen Erguss häufig erforderlich, besonders bei einseitigem Befund, Infektionsverdacht oder möglicher Malignität. Bei typischem beidseitigem Erguss einer dekompensierten Herzinsuffizienz kann zunächst die Grunderkrankung behandelt werden. Fieber, pleuritischer Schmerz, deutliche Asymmetrie oder fehlendes Ansprechen sprechen für erneute Abklärung und gegebenenfalls Punktion.

Die Sonografie bestätigt Flüssigkeit, zeigt Septierungen und hilft, eine sichere Punktionsstelle festzulegen. Ein fester Interkostalraum ohne aktuelle Bildkontrolle reicht nicht. Wenn keine sichere Tasche zugänglich ist, wird keine blinde Punktion versucht.

Drei Sonografiebilder der Lungenbasis. A: großer echofreier Raum unter der Brustwand (Stern), unten vom hellen Zwerchfell begrenzt (grüner Pfeil), in der Tiefe echoreiche, luftleere Lunge (blauer Pfeil). B und C: gesunde Lungenbasis ohne Flüssigkeit.

Abbildung: A Pleuraerguss als echofreier Raum (Stern) oberhalb des Zwerchfells (grüner Pfeil) mit komprimierter, luftleerer Lunge (blauer Pfeil). B und C zum Vergleich die gesunde Lungenbasis: Luftartefakte verdecken in Inspiration die Oberbauchorgane, ein echofreier Raum fehlt. Quelle: Boccatonda A, Baldini C, Rampoldi D et al. Diagnostics (Basel) 2024;14(11):1124, Abb. 2; CC BY 4.0; unverändert.

Vier Sonografiebilder von Pleuraergüssen, nummeriert 0 bis 3: echofrei, echoreich ohne Septen, mit hellen Septen und gleichmäßig echoreich; im letzten Bild E für Erguss und D für Zwerchfell.

Abbildung: Sonografische Ergussmuster: 0 echofrei, 1 komplex ohne Septen, 2 komplex septiert, 3 homogen echoreich (E Erguss, D Zwerchfell). Septen und Binnenechos sprechen eher für ein Exsudat; ein echofreier Erguss kann trotzdem ein Exsudat sein, die Flüssigkeitsanalyse bleibt nötig. Quelle: Evans PT, Zhang RS, Cao Y et al. POCUS J 2021;6(2):97–102, Abb. 1; CC BY 4.0; englische Seitenangabe, Tiefenangabe und Gerätelogos abgedeckt.

Untersuchung der ProbeFrage und wichtige Grenze
Eiweiß, LDH plus passende SerumwerteTranssudat oder Exsudat?
pH und Glukose bei InfektionsverdachtIst der Erguss kompliziert? pH zeitnah im Blutgasgerät
Zellzahl/Differenzierung, Grampräparat und KulturEntzündung und Erreger; negative Kultur schließt Infektion nicht aus
Zytologie, möglichst 25–50 mlMaligne Zellen? Ein negatives Ergebnis schließt Tumor nicht aus
Hämatokrit oder Triglyzeride/Chylomikronen bei passendem VerdachtBlut- oder Chyluserguss gezielt abklären

Für die Kultur wird zusätzlich zur sterilen Probe ein geeigneter Anteil in aerobe und anaerobe Blutkulturflaschen gegeben. Die pH-Probe braucht eine geeignete Blutgasspritze, möglichst ohne Luftkontakt und ohne Lokalanästhetikakontamination; überschüssiges flüssiges Heparin vermeiden. Luft, Verzögerung und verunreinigte Proben verfälschen den Wert. Eiter wird als solcher erkannt und nicht für eine normale pH-Messung in ein Blutgasgerät gegeben. Die Therapie eines klaren Empyems wartet nicht auf diesen Wert.

Nach der Sichtprüfung verzweigt die Probe zur Infektionsdiagnostik mit sorgfältiger pH- und Kulturprobe oder zu Eiweiß, LDH, Zytologie und gezielten Zusatzproben; die Befunde führen zur Behandlung bei Eiter, zur Drainageentscheidung bei pH bis 7,20 oder zur weiteren Ursachensuche.

Abbildung: Probenqualität und klinische Fragestellung gehören zusammen; sichtbarer Eiter wartet nicht auf einen pH-Wert. Quelle: eigene Darstellung.

Die wichtigsten Grenzwerte der Ergussanalyse im Überblick.

BefundGrenzeBedeutung
pH bei Infektionsverdacht≤ 7,20Komplizierte Infektion wahrscheinlich; Drainage bei sicher zugänglicher Flüssigkeit
Glukose, wenn kein pH verfügbar< 3,3 mmol/l (≈ 60 mg/dl)Stützt bei passender Klinik einen komplizierten Verlauf
Erguss-Hämatokrit im Verhältnis zum Blut-Hämatokrit≥ 50 %Hämatothorax
Triglyzeride im Erguss> 1,24 mmol/l (110 mg/dl) bzw. < 0,56 mmol/l (50 mg/dl)Chylothorax wahrscheinlich bzw. unwahrscheinlich; Chylomikronen sichern ihn
ZytologieSensitivität etwa 60 %Ein negatives Ergebnis schließt einen Tumor nicht aus

Punktion sicher planen

Vor dem Eingriff werden Identität, Seite, Indikation, Bildgebung, Einwilligung, Allergien, Gerinnungsrisiko und antithrombotische Medikamente geprüft. Aktuelle Laborwerte und eine individuell geplante Medikamentenpause richten sich nach Eingriff und Risiko; Antikoagulanzien werden nicht pauschal abgesetzt. Eine Infektion an der vorgesehenen Hautstelle, fehlende Kooperation oder eine fehlende sichere Zugangsroute können ein anderes Vorgehen erfordern.

Sonografie und Punktion erfolgen in derselben Position ohne zwischenzeitliche relevante Umlagerung. Sterile Arbeitsweise, lokale Betäubung, Monitoring und ein geeigneter Katheter sind vorbereitet. Der Zugang erfolgt unmittelbar oberhalb einer Rippe, um das typischerweise an deren Unterrand verlaufende Gefäß-Nerven-Bündel zu schonen. Das beseitigt das Blutungsrisiko nicht vollständig. Zwerchfell und darunter liegende Organe müssen sicher abgegrenzt werden. Nahe der Wirbelsäule verläuft die Interkostalarterie oft geschlängelt und weniger geschützt; deshalb wird nicht zu weit medial punktiert. Für die Lokalanästhesie gilt dieselbe konservative Obergrenze wie bei Drainagen: Lidocain höchstens 3 mg/kg und maximal 250 mg (1 % entspricht 10 mg/ml).

Ablaufdiagramm zur Planung einer Pleurapunktion: 1 vorab Identität, Seite, Indikation, Einwilligung, Allergien sowie Gerinnung und Antithrombotika individuell prüfen (nicht pauschal absetzen); 2 Sonografie in Punktionsposition, sitzend mit aufgestützten Armen, Stelle markieren und nicht mehr umlagern; Verzweigung: sichere Tasche führt weiter, keine sichere Tasche, Hautinfekt oder fehlende Kooperation bedeuten keine blinde Punktion; 3 steriles Arbeiten, Monitoring und Lidocain 1 % mit Obergrenze 3 mg/kg, höchstens 250 mg; 4 Schemazeichnung des Zwischenrippenraums mit Vene, Arterie und Nerv am Unterrand der oberen Rippe und der Nadel knapp über der unteren Rippe, nicht weit medial, Restrisiko Blutung. Ergebnis: diagnostisch Probe verteilen, therapeutisch langsam entlasten mit höchstens 1,5 l je Sitzung.

Abbildung: Vier Schritte vor dem ersten Tropfen. Wo keine sichere Tasche sichtbar ist, wird nicht blind punktiert. Quelle: eigene Darstellung.

Rücken einer sitzenden Person mit zwei Hautmarkierungen im unteren Brustbereich, unten ein D; daneben zwei Sonografiebilder des Ergusses an der markierten Stelle.

Abbildung: Planung im Sitzen von dorsal. Markiert sind die Zwerchfellkuppe am Ende der Exspiration (D) und weiter kranial die gewählte Punktionsstelle mit gut sichtbarer echofreier Flüssigkeit. Punktiert wird danach in derselben Position. Quelle: Boccatonda A, Baldini C, Rampoldi D et al. Diagnostics (Basel) 2024;14(11):1124, Abb. 1; CC BY 4.0; unverändert.

Zwei Sonografiebilder desselben Interkostalraums mit Linearsonde, kranial links und kaudal rechts: a im B-Bild die helle Pleuralinie zwischen zwei Rippenschatten, b im Farbdoppler ein rotes Gefäßsignal im Kasten am kranialen Rand des Interkostalraums.

Abbildung: Interkostalarterie im Farbdoppler (b, Kasten). Das Signal liegt am kranialen Rand des Interkostalraums, also am Unterrand der oberen Rippe. Deshalb wird unmittelbar oberhalb der unteren Rippe eingestochen; Gefäßvarianten bleiben möglich. Quelle: Marchi G, Cinquini S, Tannura F et al. J Clin Med 2025;14(17):6326, Abb. 9; CC BY 4.0; oberer Rand mit Geräteschriftzug abgeschnitten, Seitenangaben auf Deutsch (KRANIAL/KAUDAL).

Drei Fotos einer Pleurapunktion am Rücken unter sterilen Bedingungen: A Einstich mit der Nadel, B Aspiration gelblicher Flüssigkeit über Spritze, Dreiwegehahn und Schlauch, C Sammelbeutel mit gelber Flüssigkeit.

Abbildung: Ultraschallgestützte Pleurapunktion unter sterilen Bedingungen. A Einstich unmittelbar über dem Oberrand der tastbaren unteren Rippe des gewählten Interkostalraums. B Probengewinnung mit Spritze und Dreiwegehahn. C Ablauf in einen Sammelbeutel; eine Entlastung erfolgt langsam und symptomgeführt. Quelle: Boccatonda A, Baldini C, Rampoldi D et al. Diagnostics (Basel) 2024;14(11):1124, Abb. 8; CC BY 4.0; unverändert.

Eine therapeutische Punktion erfolgt langsam und symptomgeführt durch manuelle Aspiration oder Schwerkraft; Vakuumflaschen und Wandsog werden dafür nicht verwendet. Das herstellerspezifische System eines dafür vorgesehenen tunnelierten Dauerkatheters ist eine andere Anwendung. Als allgemeine Obergrenze werden bei einer Sitzung 1,5 l verwendet; Schmerzen, anhaltender Husten, zunehmende Dyspnoe oder Engegefühl verlangen früheren Stopp und Beurteilung. Ein Reexpansionsödem ist eine seltene, potenziell schwere Komplikation nach rascher Wiederentfaltung. Pneumothorax, Blutung, Organverletzung, Infektion und vasovagale Reaktion sind weitere Risiken. In einer Metaanalyse trat nach Pleurapunktion bei etwa 6 % ein Pneumothorax auf, unter Ultraschallführung deutlich seltener; etwa ein Drittel davon benötigte eine Drainage.

Die Entleerung verzweigt bei Beschwerden zum frühen Stopp oder bei Beschwerdefreiheit zur Obergrenze von 1,5 l; nach Beurteilung von Komplikationen und Eingriffsverlauf folgt eine gezielte Kontrolle oder die Nachbeobachtung ohne zwingendes Routine-Röntgen.

Abbildung: Beschwerden beenden die Punktion vor der Volumengrenze; die Nachkontrolle richtet sich nach dem Verlauf. Quelle: eigene Darstellung.

Nach unkomplizierter ultraschallgeführter Punktion bei beschwerdefreier Person ist ein Routine-Röntgen nicht immer erforderlich. Neue Beschwerden, schwieriger Verlauf, Verdacht auf Luft oder ein anderer klinischer Anlass führen dagegen zu Kontrolle. Dokumentiert werden Punktionsseite, Ultraschallbefund, Technik, Art und Menge der Flüssigkeit, Proben, Verträglichkeit und Nachbeobachtung.

Die Nachkontrolle richtet sich nach Beschwerden und Eingriffsverlauf.

SituationKonsequenz
Unkompliziert, ultraschallgeführt, beschwerdefreiRoutine-Röntgen nicht immer erforderlich
Neue Beschwerden oder schwieriger VerlaufKontrolle veranlassen
Luftverdacht oder anderer klinischer AnlassGezielte Kontrolle
Jede PunktionSeite, Ultraschall, Technik, Flüssigkeit, Proben und Verträglichkeit dokumentieren

Freie Antwort

Ein Kriterium reicht

Aufgabe

Erguss-Eiweiß 24 g/l, Serum-Eiweiß 60 g/l; Erguss-LDH 150 U/l, Serum-LDH 200 U/l; obere Serum-LDH-Normgrenze 300 U/l. Berechne zuerst den Eiweißquotienten. Prüfe dann die anderen Kriterien und entscheide über die Einteilung.

Die Tabelle stellt die Laborwerte mit ihren Einheiten bereit.

MessgrößeErgussSerum
Eiweiß24 g/l60 g/l
LDH150 U/l200 U/l
Obere LDH-Normgrenze—300 U/l
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Einen Patienten verständlich informieren

Aufgabe

Bei einem neuen einseitigen Erguss ist eine diagnostische Punktion geplant. Der Patient fragt: „Ziehen Sie damit die ganze Krankheit heraus?“ Erkläre Ziel, Sicherheitsmaßnahme und eine wichtige Grenze in drei bis vier Sätzen.

Die Gesprächssituation ist in zwei Punkten zusammengefasst.

AspektVorgabe
AusgangslageNeuer einseitiger Erguss; diagnostische Punktion geplant
Patientenfrage„Ziehen Sie damit die ganze Krankheit heraus?“
UmfangZiel, Sicherheitsmaßnahme und Grenze in 3–4 Sätzen

Auf einem grünen sterilen Tuch liegen nebeneinander eine verpackte sterile Schutzhülle, ein kleiner verpackter Beutel, Punktionskanülen, eine große Spritze und ein Schlauchsystem mit Dreiwegehahn und Auffangbeutel.

Abbildung zur Aufgabe: Beispiel für Material, das vor einer Pleurapunktion bereitgelegt wird. Quelle: Boccatonda A, Baldini C, Rampoldi D et al. Diagnostics 2024;14:1124 (Abb. 6), CC BY 4.0

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Pneumothorax entscheiden

Lernziel: Du kannst Pneumothoraxformen unterscheiden und zeitgerecht behandeln.

Ursache und Druckwirkung getrennt benennen

Ein primärer Spontanpneumothorax (PSP) tritt ohne klinisch bekannte zugrunde liegende Lungenerkrankung und ohne Trauma auf. Kleine strukturelle Veränderungen können dennoch vorhanden sein. Rauchen erhöht das Risiko. Ein sekundärer Spontanpneumothorax (SSP) entsteht bei einer Lungenerkrankung, etwa COPD, interstitieller Lungenerkrankung oder zystischer Lungenerkrankung. Schon ein kleinerer Pneumothorax kann dann die eingeschränkte Reserve erheblich belasten.

Traumatisch bedeutet durch eine Verletzung verursacht; iatrogen bedeutet durch einen medizinischen Eingriff verursacht. „Spannung“ beschreibt dagegen die gefährliche Druckwirkung, nicht eine eigene Ursache. Bei einem Ventilmechanismus gelangt Luft in den Pleuraspalt, kann aber nicht ausreichend entweichen. Der steigende Druck beeinträchtigt die Ventilation und den venösen Rückstrom zum Herzen. Es droht ein obstruktiver Schock. Positive Druckbeatmung kann die Entwicklung beschleunigen. Eine Spannungswirkung entwickelt sich nur bei einem kleinen Teil der Pneumothoraces (Lehrbuchangabe etwa 3 %), häufiger nach Trauma und unter Überdruckbeatmung.

Ablaufdiagramm in vier Schritten: Ventilmechanismus lässt Luft bei jeder Einatmung in den Pleuraspalt, der Pleuradruck wird positiv, Lunge kollabiert und Mediastinum verschiebt sich; daraus folgen verminderte Ventilation und verminderter venöser Rückstrom mit Tachykardie und Blutdruckabfall bis zum obstruktiven Schock.

Abbildung: Die Druckwirkung erklärt die Gefährdung unabhängig vom Auslöser des Pneumothorax. Verfolge den Weg vom Ventil über den positiven Pleuradruck zu den beiden Folgen: Ventilation und venöser Rückstrom sinken gleichzeitig. Quelle: eigene Darstellung.

Liegend-Röntgenaufnahme unter Beatmung: links kollabierte Lunge, Trachea und Mediastinum nach rechts verlagert, linkes Zwerchfell tiefstehend; daneben dieselbe Patientin nach Entlastung und Thoraxdrainage mit wieder entfalteter Lunge.

Abbildung: Linksseitiger Spannungspneumothorax nach Beginn der Überdruckbeatmung. A: Lunge kollabiert (gelbe Linie), Trachea nach rechts verlagert (weiße Linie), Zwerchfell links tiefstehend. B: nach Nadelentlastung und Thoraxdrainage (Pfeil) ist die Lunge wieder entfaltet. Bei instabilen Patienten wird nicht auf ein solches Bild gewartet. Quelle: Ki S, Choi B, Cho SB, Hwang S, Lee J. Medicina (Kaunas) 2023;59(9):1631, Abb. 2, doi:10.3390/medicina59091631; CC BY 4.0; seitlich zugeschnitten, Panels neu angeordnet, vergrößert.

BezeichnungEntscheidend für die Einordnung
PSPKein Trauma, keine klinisch bekannte Lungengrunderkrankung
SSPRelevante Lungengrunderkrankung, geringere Reserve
Traumatisch / iatrogenUnfall / medizinische Maßnahme als Auslöser
SpannungspneumothoraxDruckbedingte schwere respiratorische oder kreislaufbezogene Gefährdung

Die Ursachen verzweigen in PSP, SSP sowie traumatisch oder iatrogen; alle führen zur gesonderten Prüfung der Druckwirkung mit sofortiger Entlastung bei instabilem Spannungsverdacht oder Bildabklärung bei stabilem Befund.

Abbildung: Jede Ursache kann mit gefährlicher Druckwirkung verbunden sein; die Gefährdung bestimmt die erste Maßnahme. Quelle: eigene Darstellung.

Spannung ist eine klinische Notfallentscheidung

Warnzeichen sind akute Atemnot, einseitig stark vermindertes Atemgeräusch, Tachykardie, Hypotonie und gegebenenfalls Hypoxämie. Halsvenenstauung und Trachealverlagerung können fehlen oder spät auftreten. Bei gleichzeitigem Blutverlust sind die Halsvenen oft nicht gestaut. Unter Beatmung können ein plötzlicher Druckanstieg und Kreislaufabfall auffallen. Man wartet nicht auf die vollständige Lehrbuchtriade. Als Hypotonie gilt beim Erwachsenen meist ein systolischer Druck unter 90 mmHg; unter Beatmung fällt er oft abrupt.

Vergleichsdiagramm der Warnzeichen: links spontan atmend mit Atemnot, Tachykardie, einseitig abgeschwächtem Atemgeräusch und Hypoxämie, rechts unter Beatmung mit plötzlichem Druckanstieg, abruptem SpO₂-Abfall und Hypotonie unter 90 mmHg systolisch; darunter späte Zeichen, parallel auszuschließende Tubusprobleme und die Entscheidung instabil gleich sofort entlasten.

Abbildung: Frühe Zeichen unterscheiden sich bei Spontanatmung und Beatmung. Trachealverlagerung, Halsvenenstauung und Zyanose sind spät oder fehlen; sie dürfen die Entlastung nicht aufhalten. Quelle: eigene Darstellung.

Bei klinisch überzeugendem Spannungsverdacht und Instabilität wird sofort entlastet, während Hilfe, Monitoring, Sauerstoff und weitere Reanimation parallel erfolgen. Weder Röntgen noch CT dürfen die Entlastung verzögern. Die Maßnahme wird von entsprechend trainiertem Personal mit dem verfügbaren Notfallverfahren durchgeführt: je nach Situation Nadelentlastung oder offene/fingerbasierte Thorakostomie, anschließend definitive Thoraxdrainage. Die Nadelentlastung kann versagen und ist keine verlässliche endgültige Versorgung.

Entscheidungsweg mit Raute: instabil mit klinischem Spannungsverdacht führt links zu sofortiger Entlastung, Wirkungskontrolle und Thoraxdrainage; stabil führt rechts zu Sonografie, Röntgen oder CT, Einordnung nach Ursache, Reserve und Größe (unter oder ab 2 cm in Hilushöhe) und zur Therapie mit Kontrolle nach 2–4 Wochen.

Abbildung 3: Die erste Verzweigung betrifft die Gefährdung. Ein kleiner Messwert macht einen instabilen Patienten nicht sicher. Quelle: eigene Darstellung.

Als Zugänge zur Notfallentlastung werden je nach Verfahren und Protokoll der 4./5. Interkostalraum im vorderen bis mittleren Axillarbereich oder ein anteriorer Zugang im 2. Interkostalraum medioklavikulär verwendet. Körperbau, erreichbare Tiefe und Qualifikation sind relevant. Eine starre Einheitslänge oder ein unkontrolliert tiefer Stich sind gefährlich. Der Zugang wird am Modell geübt; Landmarken und Material werden nicht erst im Notfall gelernt. In Studien scheitert die Nadelentlastung in etwa einem Drittel der Fälle, häufig weil die Kanüle die Brustwand nicht durchdringt; seitlich im 4./5. Interkostalraum ist die Brustwand im Mittel dünner als im 2. Interkostalraum medioklavikulär.

Diagramm der zwei Notfallzugänge nebeneinander: 4./5. Interkostalraum in der vorderen bis mittleren Axillarlinie und 2. Interkostalraum medioklavikulär mit Vor- und Nachteilen; darunter Einstich am Rippenoberrand, Gründe für ein Versagen der Nadel in etwa einem Drittel, sofortige Wirkungskontrolle und Thoraxdrainage als definitive Versorgung.

Abbildung: Beide Zugänge sind zulässig; Protokoll, Körperbau und Training entscheiden. Nach jeder Nadelentlastung wird die Wirkung sofort geprüft, und eine Thoraxdrainage folgt. Quelle: eigene Darstellung.

Den stabilen Befund abklären und behandeln

Bei stabilen Personen dienen Thoraxsonografie und Röntgen der Diagnosesicherung. Im Röntgen spricht eine sichtbare viszerale Pleuralinie mit fehlender peripherer Lungenzeichnung für einen Pneumothorax; Hautfalten oder Bullae können täuschen. Eine zusätzliche Exspirationsaufnahme ist nicht routinemäßig erforderlich. Ein CT wird gezielt bei unklarem oder komplexem Befund eingesetzt, etwa zur Abgrenzung großer Bullae. Die Wahl wird in U07 vertieft. Für eine Größenangabe misst man im Röntgen p.a. den Abstand zwischen Lungenrand und Thoraxwand in Hilushöhe; ab 2 cm gilt ein Pneumothorax nach BTS als groß (etwa die Hälfte des Hemithoraxvolumens), über die Therapie entscheiden aber vor allem Symptome und Reserve.

Nach der Stabilitätsprüfung werden Sonografie, Röntgen und gezieltes CT gegenübergestellt; gemeinsame Befundprüfung mit Größenmessung und Verwechslungen führt bei Unklarheit zur gezielten Klärung und bei gesichertem Befund zur klinisch begründeten Behandlung.

Abbildung: Die Bildgröße beschreibt den Befund; Symptome und Reserve bestimmen gemeinsam mit der Ursache die Behandlung. Quelle: eigene Darstellung.

Röntgen-Thorax p.a. eines 18-Jährigen: rechts zwei Pfeile auf einer feinen Linie parallel zur Thoraxwand; lateral davon keine Lungengefäßzeichnung.

Abbildung: Primärer Spontanpneumothorax rechts. Die Pfeile zeigen die viszerale Pleuralinie; zwischen Linie und Thoraxwand fehlt die Lungenzeichnung. Achte auf eine durchgehende Linie und nicht auf einzelne Rippenränder oder Hautfalten. Quelle: Bonilla A, Blair AJ, Alamro SM et al. J Med Case Rep 2019;13:283, Abb. 1A, doi:10.1186/s13256-019-2215-4 (über Wikimedia Commons); CC BY 4.0; Einzelbild zugeschnitten, Seitenmarkierung entfernt, vergrößert.

Röntgen-Thorax p.a.: linker Hemithorax hypertransparent ohne periphere Lungenzeichnung, die linke Lunge ist zum Hilus hin kollabiert, linkes Zwerchfell tiefstehend.

Abbildung: Großer linksseitiger Pneumothorax. Die kollabierte Lunge liegt als Weichteilsaum am Hilus; der übrige Hemithorax ist strukturlos dunkel. Die Größe allein entscheidet nicht über die Therapie; Klinik und Reserve gehören dazu. Quelle: Amer MAH, Siddiqui S. Cureus 2024;16(8):e66037, Abb. 1, doi:10.7759/cureus.66037; CC BY 4.0; kleine Markierung am Bildrand entfernt.

CT-Thorax axial im Lungenfenster: rechts sehr große luftgefüllte Räume mit Verlagerung des Mediastinums nach links; im zweiten Schnitt mehrere große Bullae, getrennt durch dünne Septen.

Abbildung: Riesenbullae, die im Röntgen einen Spannungspneumothorax vortäuschten. Links: großer luftgefüllter Raum (blauer Pfeil) mit Mediastinalverlagerung (rote Pfeile). Rechts: mehrere Bullae (Sterne) mit Septen. Das CT klärt solche Befunde vor einer Drainage. Quelle: Ascano MP, Kramer N, Le K. Cureus 2024;16(3):e55988, Abb. 2, doi:10.7759/cureus.55988; CC BY 4.0; Beschriftungen, Bildschirmtext und Fensterhinweis abgeschnitten, Mauszeiger entfernt, Panels neu angeordnet, vergrößert.

Im Ultraschall ist fehlendes Lungengleiten allein nicht spezifisch. Es kann beispielsweise auch bei Apnoe, pleuralen Verwachsungen oder fehlender Ventilation auftreten. Ein passender Lung Point, also der Übergang zwischen gleitender und nicht gleitender Pleura, ist ein starkes Zeichen; er muss bei einem großen Pneumothorax nicht auffindbar sein. Ein einzelnes sonografisches Zeichen darf nicht ohne Kontext behandelt werden. In Metaanalysen erkennt die Sonografie einen Pneumothorax deutlich häufiger als das Röntgen im Liegen (Sensitivität etwa 80–90 % gegenüber 40–50 %); ein Lung Point ist nahezu beweisend (Spezifität etwa 100 %), wird aber nur in etwa zwei Dritteln der Fälle gefunden.

Sonografie-Algorithmus: Pleuralinie zwischen zwei Rippen einstellen; Raute fragt nach Lungengleiten, B-Linien oder Lungenpuls. Sichtbar schließt einen Pneumothorax an dieser Stelle aus; fehlt das Gleiten, ist das verdächtig, aber unspezifisch. Dann Lung Point suchen: gefunden bestätigt den Pneumothorax mit Spezifität etwa 100 %, nicht gefunden schließt einen großen Pneumothorax nicht aus.

Abbildung: Unterscheide fehlendes Lungengleiten von einem passenden Lung Point und beachte die Grenzen beider Zeichen. Ein sichtbares Gleiten schließt den Pneumothorax nur an der untersuchten Stelle aus. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxsonografie mit M-Mode: oben B-Bild mit markiertem Übergang zwischen normaler Lunge und Pneumothorax; unten wechseln körnige Abschnitte mit Abschnitten aus horizontalen Linien.

Abbildung: Lung Point. Im M-Mode (unten) wechseln körnige Abschnitte (Seashore-Zeichen: Lunge gleitet) mit horizontalen Linien (Barcode-/Stratosphärenzeichen: kein Gleiten) im Atemrhythmus. Genau an diesem Übergang berührt die Lunge zeitweise wieder die Thoraxwand. Quelle: Scialanga B, Buonsenso D, Scateni S et al. Front Pediatr 2022;10:812246, Abb. 1, doi:10.3389/fped.2022.812246; CC BY 4.0; englische Beschriftungen durch deutsche ersetzt, vergrößert.

Klinische SituationGrundprinzip der Behandlung
PSP, minimal symptomatisch und physiologisch stabilKonservative Behandlung kann unabhängig von der Größe geeignet sein; sichere Kontrollen nötig
PSP mit InterventionsbedarfAspiration oder geeignetes ambulantes Verfahren; Drainage je nach Verlauf und Möglichkeit
SSP, ausgeprägte Beschwerden oder geringe ReserveFachärztliche, häufig stationäre Versorgung; niedrigere Schwelle zur Drainage
Traumatischer/beatmungsassoziierter PneumothoraxTraumakontext, Beatmung und Verlauf bestimmen die Drainageentscheidung

Konservativ bedeutet Analgesie, Beobachtung, verbindliche Wiedervorstellung und Bildkontrolle nach vereinbartem Plan. Es bedeutet nicht „ohne Nachsorge nach Hause“. Ambulante Drainagesysteme setzen Erfahrung, erreichbare Betreuung und geeignete Patientenauswahl voraus. Die ERS/EACTS/ESTS-Leitlinie 2024 bevorzugt beim PSP mit initialem Interventionsbedarf die Nadelaspiration gegenüber einer Thoraxdrainage; nicht jeder SSP ist dafür geeignet. Sauerstoff wird nach Oxygenierung gegeben, nicht routinemäßig hoch dosiert allein zur Beschleunigung der Luftresorption. Für die konservative Strategie nennt die Leitlinie eine Beobachtung von mindestens 4 Stunden; kleine ambulante Ventilsysteme (8 French) empfiehlt sie beim SSP nicht.

Drei Therapiepfade für minimal symptomatischen PSP, PSP mit Interventionsbedarf und SSP münden in dieselbe Verlaufskontrolle; anhaltendes Luftleck nach 48 Stunden oder fehlende Entfaltung führt zur frühen thoraxchirurgischen Besprechung.

Abbildung: Die drei Ausgangssituationen bleiben getrennt, während die Kontrolle von Luftleck, Entfaltung und Beschwerden für alle gilt. Quelle: eigene Darstellung.

Anhaltendes Luftleck, fehlende Entfaltung, Rezidive oder besondere Anforderungen an die Rezidivvermeidung führen zur thoraxchirurgischen Besprechung. Eine thorakoskopische Behandlung kann das Leck adressieren und durch Pleurodese eine erneute Luftansammlung erschweren. Der zweite ipsilaterale oder erste kontralaterale Pneumothorax ist ein typischer Anlass. Bei Pilotinnen, Piloten oder Tauchenden kann die Rezidivvermeidung schon früh besonders wichtig sein. Ohne Rezidivprophylaxe erleidet etwa ein Drittel der Personen mit PSP ein Rezidiv, am häufigsten im ersten Jahr. Besteht ein Luftleck 48 Stunden nach Aspiration oder Drainage fort, ist nach BTS eine frühe thoraxchirurgische Besprechung sinnvoll. Nach VATS mit Pleurodese liegt die Rezidivrate nach ERS/EACTS/ESTS 2024 bei Nichtrauchenden bei etwa 0,2 %, bei Rauchenden bei etwa 4 %.

Diagramm zur thoraxchirurgischen Besprechung: Rezidiv ohne Prophylaxe bei etwa 30 %; Auslöser sind Luftleck über 48 Stunden oder fehlende Entfaltung sowie zweiter ipsilateraler oder erster kontralateraler Pneumothorax, Berufe wie Pilotinnen oder Tauchende und der Wunsch nach Rezidivschutz; Ziel ist VATS mit Leckbehandlung und Pleurodese; Rezidiv danach bei Nichtrauchenden etwa 0,2 %, bei Rauchenden etwa 4 %.

Abbildung: Die Auslöser der Besprechung stehen oben; die möglichen Behandlungsziele darunter. Die Zahlen unten zeigen, warum der Rauchstopp auch nach einer Operation zählt. Quelle: eigene Darstellung.

Rauchstopp reduziert ein beeinflussbares Risiko. Nach BTS folgt die erste ambulante Kontrolle meist nach 2–4 Wochen. Erneute Atemnot oder Thoraxschmerz verlangt sofortige Kontrolle. Fliegen erst nach vollständiger radiologischer Rückbildung und einer zusätzlichen Wartezeit von mindestens sieben Tagen; individuelle und flugmedizinische Anforderungen bleiben zu beachten. Gerätetauchen wird nach Pneumothorax grundsätzlich vermieden, sofern nicht eine spezialisierte Beurteilung nach definitiver Rezidivprophylaxe ausdrücklich etwas anderes ergibt.

Die Tabelle ordnet die Hinweise für die Zeit nach einem Pneumothorax.

SituationKonsequenz
RauchenRauchstopp reduziert ein beeinflussbares Risiko
Erneute Atemnot oder ThoraxschmerzSofortige Kontrolle
FliegenVollständige radiologische Rückbildung + mindestens 7 Tage; individuelle Anforderungen beachten
GerätetauchenGrundsätzlich vermeiden; Ausnahme nur nach spezialisierter Beurteilung und definitiver Rezidivprophylaxe

Verbindliche Nachsorge mit Warnzeichen führt zu getrennten Prüfwegen für Fliegen und Gerätetauchen; beim Fliegen sind radiologische Rückbildung und mindestens sieben zusätzliche Tage nötig, beim Tauchen bleibt die spezialisierte Ausnahme nach definitiver Prophylaxe maßgeblich.

Abbildung: Reiseentscheidungen folgen den dokumentierten Voraussetzungen und nicht allein dem Befinden. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Nicht auf ein spätes Zeichen warten

Aufgabe

Nach Beginn einer Überdruckbeatmung fällt der Blutdruck auf 70/40 mmHg. Rechts fehlen Atemgeräusche; die Beatmungsdrücke steigen plötzlich. Die Trachea erscheint mittig. Was ist die beste nächste Entscheidung?

Die Befunde nach Beatmungsbeginn sind übersichtlich zusammengefasst.

ParameterVorgegebener Befund
ZeitpunktNach Beginn einer Überdruckbeatmung
Blutdruck70/40 mmHg
AtemgeräuscheRechts fehlend
BeatmungsdrückePlötzlich angestiegen
TracheaErscheint mittig
  1. a)Sofortige klinische Prüfung und Entlastung bei Spannungsverdacht, parallel Notfallhilfe.
  2. b)Spannung ausschließen, weil keine Trachealverlagerung sichtbar ist.
  3. c)Vor jeder Behandlung zwingend ein CT anfertigen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Größe und Reserve abwägen

Aufgabe

Fall A: 24 Jahre, erster PSP, geringe Beschwerden, stabile Vitalwerte, verlässliche Nachsorge. Fall B: 74 Jahre, schwere COPD, kleiner Pneumothorax, zunehmende Dyspnoe und zusätzlicher Sauerstoffbedarf. Begründe, weshalb eine identische „klein = abwarten“-Regel ungeeignet ist.

Die Tabelle stellt die beiden Fälle ohne Therapieentscheidung gegenüber.

MerkmalFall AFall B
Alter24 Jahre74 Jahre
HintergrundErster PSPSchwere COPD
BeschwerdenGeringZunehmende Dyspnoe
Weitere AngabenStabile Vitalwerte; verlässliche NachsorgeKleiner Pneumothorax; zusätzlicher Sauerstoffbedarf
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Thoraxtrauma einordnen

Lernziel: Du kannst Blutung und Atemgefährdung erkennen und die Versorgung priorisieren.

Zwei Probleme können gleichzeitig vorliegen

Bei einem Thoraxtrauma können die Ventilation und der Kreislauf gleichzeitig bedroht sein. Ein Hämatothorax ist Blut im Pleuraraum, beispielsweise aus Interkostalgefäßen, Lunge oder großen Gefäßen. Die Blutansammlung komprimiert die Lunge und entzieht dem Kreislauf Volumen. Beim Hämatopneumothorax kommen Blut und Luft zusammen. Als massiv gilt ein rascher Blutverlust von mehr als 1500 ml in die Pleurahöhle; ein klinisch relevanter oder zunehmender Hämatothorax wird nach S3-Leitlinie meist schon ab etwa 300 ml drainiert.

Oben drei Blutungsquellen – Brustwand, Lunge sowie Herz und große Gefäße –, die in Blut im Pleuraraum münden. Daraus folgen gleichzeitig Lungenkompression mit Hypoxämie und Volumenverlust mit drohendem Schock. Darunter Nachweis mit eFAST, CT-Dichte und Hämatokritverhältnis, unten drei Mengenstufen von klein bis massiv.

Abbildung: Verfolge den Weg von der Blutungsquelle zur doppelten Gefährdung. Die Menge im Ergebnisfeld entscheidet mit über Drainage und Blutungskontrolle, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Links Röntgen-Thorax und CT bei Erstvorstellung nach Fahrradsturz: Rippenfrakturen links, Klavikulafraktur (Pfeil) und kleiner dorsaler Erguss (Stern). Rechts dieselbe Person drei Tage später: linker Hemithorax fast vollständig verschattet, im CT großer hyperdenser Erguss mit komprimierter linker Lunge.

Abbildung: Verzögerter massiver Hämatothorax nach Rippenserienfraktur links. Bei Erstvorstellung kreislaufstabil, nur kleiner hyperdenser Erguss (Stern). Drei Tage später Dyspnoe, Hypotonie und Hämoglobinabfall; die Blutmenge komprimiert die Lunge. Über die Drainage liefen 1900 ml Blut ab, danach folgte die operative Blutstillung. Quelle: Koike S, Kondo R, Yamada K. Respirol Case Rep 2025;13(11):e70391, Abb. 1A/B/D/E, doi:10.1002/rcr2.70391; CC BY 4.0; Teilbilder ausgewählt, Panelbuchstaben durch Beschriftungen ersetzt, Gerätetext abgeschnitten, vergrößert.

Die WSES–AAST-Leitlinie 2025 teilt das Thoraxtrauma nach Atmung und Kreislauf in Grad I bis IV ein; Grad IV bedeutet Kreislaufinstabilität, unabhängig von der Atmung. Nach S3-Polytraumaleitlinie wird das Schockraumteam unter anderem bei SpO₂ < 90 %, Atemfrequenz < 10 oder > 29/min, systolischem Blutdruck < 90 mmHg, Herzfrequenz > 120/min oder Schockindex > 0,9 aktiviert.

Zuerst Atmung und Kreislauf mit ihren Warnwerten prüfen; bei Instabilität unmittelbar versorgen, bei ausreichender Stabilität gezielt mit eFAST und Kontrast-CT abklären.

Abbildung: Atmung und Kreislauf werden getrennt geprüft; nur ausreichende Stabilität erlaubt die weiterführende Bildgebung. Quelle: eigene Darstellung.

Der klassische Laborbefund ist ein Erguss-Hämatokrit von mindestens 50 % des zeitnah gemessenen peripheren Blut-Hämatokrits. Nach Verdünnung kann das Verhältnis niedriger liegen; ein Erguss-Hämatokrit von 25–50 % des peripheren Blut-Hämatokrits schließt einen Hämatothorax bei passendem Kontext nicht aus. Im akuten Schock wartet die Versorgung nicht auf diesen Labornachweis. Auch ein anfangs normaler Hämoglobinwert schließt akuten Blutverlust nicht aus.

Vom blutigen Erguss nach Trauma zuerst die Schockfrage mit sofortiger Versorgung ohne Laborwartezeit. Danach zeitnah Erguss- und Blut-Hämatokrit messen und das Verhältnis berechnen, Beispiel 15 durch 40 mal 100 gleich 37,5 Prozent. Unten drei Felder: mindestens 50 Prozent klassisches Kriterium, 25 bis 50 Prozent nach Verdünnung möglich, Dringlichkeit immer nach Vitalwerten, Bildgebung und Verlauf.

Abbildung: Entscheidend ist das Verhältnis zum peripheren Blut-Hämatokrit. Das Beispiel mit 37,5 % liegt im Verdünnungsbereich; Schockversorgung wartet nie auf den Labornachweis. Quelle: eigene Darstellung.

VerletzungHauptgefahr und erste Konsequenz
HämatothoraxBlutverlust und Kompression; Blutung und Atmung parallel behandeln
Rippenserienfraktur / instabiler ThoraxSchmerz, flache Atmung, Sekretverhalt; Analgesie und Atemfunktion sichern
LungenkontusionParenchymschaden mit möglicher verzögerter Hypoxämie; eng überwachen
Offene ThoraxverletzungLufteintritt, Blutung, tiefe Verletzung; geeigneter Wundverschluss und definitive Versorgung

Gefährliche Begleitverletzungen aktiv suchen

Nach Hochenergietrauma wird der Thorax als Teil des ganzen Verletzungsmusters untersucht. Ein instabiler Thorax kann entstehen, wenn mehrere benachbarte Rippen jeweils mehrfach gebrochen sind und ein Segment unabhängig bewegt wird. Das sichtbare Bewegungsmuster allein erklärt die Ateminsuffizienz oft nicht; Schmerz und Kontusion sind ebenfalls wichtig. Ältere Menschen und Personen unter Antikoagulation können schon nach weniger eindrücklichem Trauma schwer betroffen sein. Eine Rippenserienfraktur betrifft mindestens drei benachbarte Rippen; beim instabilen Thorax sind mindestens drei benachbarte Rippen jeweils an mindestens zwei Stellen gebrochen. Bei stabilem Kreislauf wird beim instabilen Thorax oder Weaningversagen eine operative Rippenstabilisierung erwogen, nach WSES–AAST möglichst innerhalb von 48–72 Stunden. Als weitere Indikation nennt WSES–AAST mindestens drei stark verschobene Frakturen der 3. bis 10. Rippe.

3D-CT-Rekonstruktion des linken Brustkorbs von schräg seitlich: zahlreiche Pfeile markieren Frakturen benachbarter Rippen in einer Linie seitlich und weitere Frakturen weiter vorn; zusätzlich ist die Klavikula betroffen.

Abbildung: Rippenserienfraktur links (2. bis 9. Rippe) mit instabilen Segmenten von der 3. bis 9. Rippe nach Anprall durch einen Radfahrer. Weil benachbarte Rippen jeweils mehrfach gebrochen sind, kann sich ein Wandsegment unabhängig bewegen. Für die Atmung zählen zusätzlich Schmerz, Kontusion und Pneumothorax. Quelle: Matic KJ, Cheluvappa R, Selvendran S. Healthcare (Basel) 2021;9(4):392, Abb. 2, doi:10.3390/healthcare9040392; CC BY 4.0; weißer Rand abgeschnitten, vergrößert.

Zuerst Frakturmuster und Atemgefährdung beurteilen, dann Analgesie und Atemsicherung mit der möglichen operativen Stabilisierung bei stabilem Kreislauf verbinden; der Verlauf bestimmt die weitere Eskalation.

Abbildung: Analgesie und Atemfunktion bleiben zentral; eine operative Stabilisierung wird bei den genannten Kriterien und stabilem Kreislauf erwogen. Quelle: eigene Darstellung.

Ist der Defekt größer als etwa zwei Drittel des Trachealdurchmessers, strömt die Einatemluft bevorzugt durch die Wunde. Ein offener Pneumothorax erhält eine geeignete ventilierte Wundabdeckung nach Traumaprotokoll; Wirkung und mögliche Spannungsentwicklung werden laufend kontrolliert. Improvisierte Folienverbände gelten nach S3-Leitlinie als ungeeignet; die WSES–AAST-Leitlinie empfiehlt beim offenen Pneumothorax zusätzlich eine Antibiotikaprophylaxe. Ein luftdichter Verschluss ohne Entlüftung und ohne Überwachung kann gefährlich sein. Definitiv werden Pleuradrainage an geeigneter separater Stelle und chirurgische Wundversorgung geprüft. Eingespießte Gegenstände werden nicht unkontrolliert entfernt.

Strichzeichnung: liegender Patient, auf der vorderen Brustwand klebt eine runde Wundabdeckung mit zentralem Ventil.

Abbildung: Ventilierte Wundabdeckung über einer offenen Thoraxwunde. Das Ventil lässt Luft aus dem Pleuraraum entweichen und verhindert den Lufteintritt. Auch danach werden Atmung und Kreislauf laufend auf einen Spannungspneumothorax kontrolliert. Quelle: Baedr-9439, „Vented-chest-seal.png“, Wikimedia Commons; CC0 1.0; Weißrand beschnitten.

Von der offenen Thoraxwunde zur ventilierten Abdeckung und laufenden Kontrolle; Spannungszeichen führen zur sofortigen Entlastung, stabile Verhältnisse zur definitiven Drainage und Wundversorgung.

Abbildung: Die ventilierte Abdeckung verlangt fortlaufende Kontrolle; die definitive Pleuradrainage wird an separater geeigneter Stelle angelegt. Quelle: eigene Darstellung.

HinweisGefährliche Alternative und nächster Fokus
Schock nach Dezeleration, auffälliges MediastinumAortenverletzung; bei ausreichender Stabilität gezielte CT-Angiografie
Persistierendes großes Luftleck trotz DrainageTracheobronchialverletzung; sofort Spezialteam, gezielte Diagnostik
Schock mit PerikardflüssigkeitTamponade; zeitkritische trauma-/herzchirurgische Behandlung
Thorax-/Oberbauchtrauma, ungewöhnliche ZwerchfellkonturZwerchfellverletzung mit möglicher Organverlagerung

Bei Schmerzen nach heftigem Erbrechen, Sepsiszeichen und Luft im Mediastinum ist auch eine Ösophagusruptur gefährlich. Sie verlangt dringliche spezialisierte Diagnostik, antimikrobielle Behandlung und Herdkontrolle. Diese Differenzialdiagnosen werden erkannt und eskaliert; die operative Spezialtechnik ist kein Bestandteil dieses Lernpfads.

Diagnostik folgt der Stabilität

ABCDE wird wiederholt, nicht nur einmal abgearbeitet. Ein eFAST ist eine fokussierte Sonografie im Trauma, erweitert um den Thorax; es kann Pleuraflüssigkeit, Pneumothoraxzeichen oder Perikardflüssigkeit rasch erfassen. Ein negatives Ergebnis schließt nicht alle Thoraxverletzungen aus. Nach S3-Leitlinie ist das eFAST hoch spezifisch (94–100 %), seine Sensitivität schwankt aber stark (28–100 %). Bei ausreichender Stabilität beantwortet ein kontrastverstärktes CT Fragen zu Blutung, Gefäßen und weiteren Verletzungen. Im CT spricht eine Dichte von etwa 30–45 HU für flüssiges Blut und 45–70 HU für Koagel. Ein verbreitertes Mediastinum über 8 cm im Röntgenbild fand sich nur bei etwa 28 % der stumpfen Aortenverletzungen; bei Verdacht folgt deshalb die CT-Angiografie. Ein instabiler Mensch mit behandelbarer akuter Thoraxursache wird nicht für eine umfassende Bildgebung unversorgt transportiert.

Vom Schockraum über wiederholtes ABCDE mit den fünf sofort lebensbedrohlichen Thoraxverletzungen zum eFAST mit Spezifität 94 bis 100 Prozent und Sensitivität 28 bis 100 Prozent. Die Stabilitätsfrage teilt in instabil mit sofortiger Behandlung ohne CT-Transport und ausreichend stabil mit KM-CT und CT-Angiografie; unten drei Ergebnisse: Ursache gefunden, Zustand ändert sich, unauffällig.

Abbildung: Die behandelbare akute Thoraxursache hat bei Instabilität Vorrang. Ein negatives eFAST und ein unauffälliges Mediastinum im Röntgenbild schließen nichts aus. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxsonografie mit Konvexsonde: unter der Brustwand ein großer Pleuraerguss mit uneinheitlichen, teils echoreichen Binnenstrukturen und Septen; in der Tiefe komprimiertes Lungengewebe.

Abbildung: Hämatothorax nach Verkehrsunfall mit Rippenfraktur. Anders als beim einfachen Transsudat ist der Erguss nicht nur echofrei; die echoreichen Anteile entsprechen geronnenem Blut. Im eFAST wird solche Pleuraflüssigkeit rasch erkannt; ein unauffälliger Befund schließt aber nicht alle Thoraxverletzungen aus. Quelle: Möller K, Maruskin T, Ludwig M et al. Diagnostics (Basel) 2025;15(2):176, Abb. 8a, doi:10.3390/diagnostics15020176; CC BY 4.0; Gerätetext, Tiefenskala und Sondenpiktogramm abgeschnitten, vergrößert.

Zwei axiale CT-Schnitte auf Höhe des Oberbauchs: links in der arteriellen Kontrastmittelphase ein heller Kontrastmittelaustritt (Kreis, Pfeil) an der linken seitlichen Brustwand neben einem linksseitigen Erguss; rechts im Knochenfenster die zugehörige Rippenfraktur (Pfeilspitze).

Abbildung: Kontrastverstärktes CT nach stumpfem Thoraxtrauma. Neben der Fraktur der 7. Rippe links tritt Kontrastmittel aus (Kreis, Pfeil): eine aktive Blutung aus dem Interkostalbereich als Quelle des Hämatothorax. Das CT beantwortet bei ausreichender Stabilität die Frage nach Blutung und Gefäßen. Quelle: Hamamoto N, Kikuta S, Takahashi R, Ishihara S. Cureus 2023;15(5):e38835, Abb. 2, doi:10.7759/cureus.38835; CC BY 3.0; Panelbuchstaben abgeschnitten, Teilbilder mit Beschriftung neu angeordnet, vergrößert.

Zwei parallele Wege nach Thoraxtrauma mit Hämatothorax: Blutverlust bis zum massiven Verlust über 1500 ml führt zur Blutungsbehandlung, Lungenkompression zur Entlastung mit Drainage 24 bis 32 Charrière bei Instabilität oder ab 14 Charrière bei Stabilität. Beide münden in wiederholte Kontrolle mit den Warnwerten über 1500 ml in 24 Stunden oder über 200 ml pro Stunde über 3 Stunden und drei Verläufen: stabilisiert mit früher VATS bei Restblut, instabil mit operativer Blutstillung, kaum Förderung bei Verschlechterung mit sofortiger Neubewertung.

Abbildung 4: Blutungsbehandlung und Entlastung der Lunge laufen je nach Befund gleichzeitig; die Drainage ersetzt keine Blutstillung. Die Warnwerte sind Entscheidungshilfen, keine Wartegrenzen. Quelle: eigene Darstellung.

Beim relevanten traumatischen Hämatothorax sind Drainage, Kreislaufstabilisierung mit bedarfsgerechter Blutproduktstrategie, Wärmeerhalt und frühe chirurgische Beteiligung erforderlich. Bei stabilen, sehr kleinen Befunden kann überwachte Beobachtung nach Traumaprotokoll geeignet sein. Geronnenes Blut wird über eine Drainage nicht immer vollständig entfernt; ein zurückbleibender Hämatothorax begünstigt Infektion und fibrotische Einschränkung und kann eine frühe videoassistierte Thorakoskopie erfordern. Nach S3-Leitlinie werden beim instabilen Patienten 24–32-Ch-Drainagen bevorzugt; beim stabilen Patienten mit relevantem Hämatothorax genügt meist eine Drainage ab 14 Ch. Beim retinierten Hämatothorax empfiehlt die EAST-Leitlinie eine frühe VATS innerhalb von 4 Tagen statt eines Lyseversuchs, die WSES–AAST-Leitlinie dazu eine Antibiotikaprophylaxe.

Zeitverlauf nach der Drainage: Tag 0 mit Drainage, Blutungskontrolle und Dokumentation, bis 72 Stunden Kontrolle mit Sonografie, Röntgen oder CT. Die Frage nach Restblut teilt in entfaltete Lunge mit Drainageentfernung nach Protokoll und retinierten Hämatothorax mit früher VATS bis Tag 4 und Antibiotikaprophylaxe; ohne frühe Ausräumung drohen Empyem, Fibrothorax und Dekortikation.

Abbildung: Restblut wird aktiv gesucht. Die frühe Ausräumung innerhalb von 4 Tagen verhindert, dass aus Koagel ein Empyem oder eine Schwarte wird. Quelle: eigene Darstellung.

Anhaltende Instabilität, aktive Blutung und der Transfusionsbedarf sind entscheidend für eine operative Blutstillung. Die WSES–AAST-Leitlinie 2025 nennt als starke Warnwerte > 1500 ml Drainageblut innerhalb von 24 Stunden oder > 200 ml pro Stunde über drei aufeinanderfolgende Stunden. Die deutsche S3-Polytraumaleitlinie 2023 betont dagegen die individuelle Gesamtbeurteilung und hat starre Mengen aus der Empfehlung entfernt. Deshalb sind Mengen Entscheidungshilfen, keine Wartegrenzen. Bei Schock wird früher eskaliert; bei geronnener oder verlegter Drainage kann trotz geringer Fördermenge eine erhebliche Blutung vorliegen.

Ausgearbeitetes Beispiel

Nach einem Unfall ist der Blutdruck 82/48 mmHg; links findet sich viel Pleuraflüssigkeit. Nach Drainage laufen rasch 1200 ml Blut ab, der Kreislauf bleibt instabil. Die richtige Schlussfolgerung lautet nicht „noch unter 1500 ml“. Die Kombination aus Schock, Blutverlust und fehlender Stabilisierung verlangt sofortige chirurgische Blutungskontrolle und fortgesetzte Reanimation nach Traumaprotokoll.

Die Tabelle ordnet die Befunde des ausgearbeiteten Beispiels.

AngabeBefund
Blutdruck nach Unfall82/48 mmHg
Linker PleuraraumViel Flüssigkeit
Rasche Drainageförderung1200 ml Blut
Kreislauf nach DrainageWeiterhin instabil

Freie Antwort

Zwei Mechanismen erklären

Aufgabe

Eine verletzte Person hat einen großen Hämatothorax, Tachykardie und Hypotonie. Erkläre einen respiratorischen und einen hämodynamischen Mechanismus. Nenne die zwei gleichzeitig notwendigen Behandlungsrichtungen.

Die Tabelle bündelt die Angaben zur verletzten Person.

AngabeBefund
PleuralbefundGroßer Hämatothorax
PulsTachykardie
BlutdruckHypotonie

Röntgen-Thorax a.-p.: Die linke Thoraxhälfte ist nahezu vollständig homogen verschattet, linke Herz- und Zwerchfellkontur sind nicht abgrenzbar; die rechte Lunge ist belüftet.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax mit fast vollständiger Verschattung einer Thoraxhälfte (Beispielbild). Quelle: Sunkari SHB, A A, Kumar V, Chauhan M. Cureus 2025;17:e95061 (Abb. 1), CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Ein scheinbar beruhigender Verlauf

Aufgabe

Die Drainage eines verletzten Patienten förderte zunächst Blut. Nun kommt kaum etwas nach; gleichzeitig steigen Puls und Atemfrequenz, der Blutdruck fällt. Welche Aussage ist richtig?

Die Tabelle zeigt die beschriebenen Veränderungen.

AngabeBefund
Drainage zunächstBlutige Förderung
Drainage jetztKaum weitere Förderung
Puls und AtemfrequenzSteigen
BlutdruckFällt

Eine behandschuhte Hand hält einen skalierten Sammelbeutel, in dem sich unten dunkelrote Flüssigkeit gesammelt hat und rötliche Spuren an der Beutelwand haften; darunter verläuft ein Ableitungsschlauch am Krankenbett.

Abbildung zur Aufgabe: Sammelbeutel mit dunkelroter Förderung aus einer Thoraxdrainage (Beispielbild). Quelle: Mainali A, Adhikari S, Chowdhury T et al. Cureus 2022;14:e26208 (Abb. 6), CC BY 3.0

  1. a)Die Blutung muss aufgehört haben, weil die Fördermenge sinkt.
  2. b)Die Verschlechterung verlangt sofortige Neubewertung; Verlegung oder retinierter Hämatothorax sind möglich.
  3. c)Eine operative Beurteilung ist erst nach drei Stunden hoher Förderrate erlaubt.
Lösung in der App →

Pleurainfektion behandeln

Lernziel: Du kannst Pleuritis und Empyem einordnen und eine Herdsanierung begründen.

Entzündung, Flüssigkeit und Eiter unterscheiden

Eine Pleuritis ist eine Entzündung der Pleura. Bei einer trockenen Pleuritis reiben die entzündeten Oberflächen; atemabhängiger Schmerz und ein Reibegeräusch können auftreten. Mit zunehmendem Erguss kann das Reiben verschwinden, ohne dass die Ursache beseitigt ist. Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Tumoren oder eine Lungenembolie kommen als Ursachen infrage. Schmerzbehandlung und Ursachenabklärung gehören zusammen; das Wort „Pleuritis“ allein ist keine Antibiotikaindikation.

Vom atemabhängigen Schmerz über trockene Pleuritis oder zunehmenden Erguss zur Ursachenabklärung; Schmerztherapie und Behandlung der nachgewiesenen Ursache folgen gemeinsam.

Abbildung: Verschwindendes Reiben kann durch zunehmenden Erguss erklärt sein; die Ursache muss dennoch abgeklärt werden. Quelle: eigene Darstellung.

Ein parapneumonischer Erguss begleitet eine Pneumonie. Er kann zunächst steril und unkompliziert sein. Gelangen Erreger und Entzündungszellen in den Pleuraraum, sinken häufig pH und Glukose; Fibrin erzeugt Septen, die Kammern voneinander trennen. Eiter im Pleuraraum bedeutet Empyem. Im späteren organisierenden Stadium kann eine fibröse Schale die Lungenentfaltung einschränken. Ein parapneumonischer Erguss begleitet etwa ein Drittel der Pneumonien; klassisch beschreibt man drei Stadien: exsudativ in den ersten Tagen, fibrinopurulent mit Septen und oft pH ≤ 7,20 sowie organisierend mit fibröser Schale nach Wochen.

Drei Stadien untereinander: Stadium I exsudativ mit frei fließendem, klarem Erguss, pH über 7,20 und echofreiem Ultraschallbild; nach Tagen Stadium II fibrinopurulent mit Erregern, pH bis 7,20, Glukose unter 3,3 mmol/l, Septen und Kammern; nach Wochen Stadium III organisierend mit fibröser Schwarte und gefesselter Lunge. Jedes Stadium trägt ein Behandlungsetikett: Pneumonie behandeln, Antibiotika plus Drainage, frühe Thoraxchirurgie.

Abbildung: Mögliche Entwicklung eines parapneumonischen Ergusses mit typischen Punktat- und Ultraschallbefunden je Stadium. Nicht jede Infektion durchläuft sichtbar alle Stadien; Septen und anhaltendes Fieber verlangen schon früh eine wirksame Strategie. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei große Spritzen, gefüllt mit dicker, trüber, gelblich-cremiger Flüssigkeit, auf einem blauen sterilen Tuch neben Kompressen und einem Katheter.

Abbildung: Makroskopisch eitriges Pleurapunktat. Sichtbarer Eiter definiert das Empyem; für die Drainageentscheidung ist dann kein pH-Wert nötig, und Eiter gehört nicht in das Blutgasgerät. Quelle: Krumm IR, Gesthalter YB. Respir Med Case Rep. 2022;40:101754, Abb. 1; CC BY 4.0; unverändert, nach WebP konvertiert.

ZustandKonsequenz
Unkomplizierter parapneumonischer ErgussPneumonie behandeln und Verlauf kontrollieren
Komplizierter Erguss / EmpyemAntibiotika plus wirksame Drainage als Herdsanierung
Organisierte Infektion mit gefesselter LungeFrüh thoraxchirurgisch mitbeurteilen; operative Sanierung prüfen

Nicht jede Infektion durchläuft sichtbar alle Stadien. Ein septierter Erguss und fortbestehendes Fieber verlangen eine wirksame Strategie; bloßes Abwarten auf „reiferen“ Eiter ist falsch.

Links eine echofreie Flüssigkeit ohne Binnenstrukturen über der Lunge; rechts eine Flüssigkeitsansammlung, die von zahlreichen hellen Fibrinsepten in kleine Kammern geteilt wird.

Abbildung: Thoraxsonografie im Vergleich. Links ein echofreier Erguss ohne Binnenstrukturen (Pfeil); rechts zahlreiche helle Fibrinsepten, die den Erguss in Kammern teilen (Pfeil). Eine einzelne Punktionsstelle erreicht dann oft nur einen Teil der Flüssigkeit. Quelle: Yang L, Wang K, Li W, Liu D. Sci Rep. 2024;14:11964, Abb. 3A und 3C; CC BY 4.0; Ausschnitt, Beschriftung entfernt.

pH als Entscheidungshilfe

Der pH beschreibt den Säuregrad der Flüssigkeit. Ein niedriger Wert im parapneumonischen Erguss unterstützt die Annahme einer komplizierten Infektion. Er ist nicht gleichbedeutend mit dem arteriellen Blut-pH. Probenfehler und andere Krankheiten können ihn ebenfalls senken, etwa rheumatoide Pleuritis oder fortgeschrittene Malignität. Für die Messung genügen 0,5–1 ml nicht eitriges Punktat, luftdicht in einer Blutgasspritze ohne Heparinrest oder Lokalanästhetikum und sofort im Blutgasgerät gemessen.

Befund bei vermuteter PleurainfektionEntscheidung nach BTS 2023
Eiter oder positiver Erregernachweis aus dem PleuraraumAntibiotika und Drainage bei technisch zugänglichem Erguss
Kein Eiter, pH ≤ 7,20Hohes Risiko; Drainage bei ausreichender sicher zugänglicher Flüssigkeit
pH > 7,20 und < 7,40LDH und weitere Risikobefunde bewerten; Drainage erwägen
pH ≥ 7,40Keine unmittelbare Drainage allein wegen des pH; Verlauf weiter prüfen

In der mittleren Gruppe unterstützt eine LDH > 900 U/l die Drainageentscheidung, besonders zusammen mit anhaltendem Fieber, großem Erguss, niedriger Glukose, sonografischen Septierungen oder pleuraler Kontrastmittelaufnahme im CT. Ist pH nicht zeitnah verfügbar, kann eine Glukose < 3,3 mmol/l, ungefähr 60 mg/dl, bei passender Klinik einen komplizierten Verlauf stützen. In der mittleren pH-Gruppe ist bereits eine Glukose ≤ 4,0 mmol/l ein zusätzlicher Risikohinweis. Diese beiden Schwellen haben unterschiedliche Einsatzbedingungen.

Die beiden Glukoseschwellen gelten unter unterschiedlichen Bedingungen.

EinsatzbedingungGlukoseBedeutung
pH nicht zeitnah verfügbar< 3,3 mmol/l, ungefähr 60 mg/dlStützt bei passender Klinik einen komplizierten Verlauf
pH > 7,20 und < 7,40≤ 4,0 mmol/lZusätzlicher Risikohinweis im mittleren pH-Bereich

Entscheidungsweg bei Verdacht auf Pleurainfektion: 1 Thoraxsonografie, 2 diagnostische Punktion mit pH-Messung von 0,5 bis 1 ml im Blutgasgerät, LDH, Glukose, Gram-Färbung und Kultur. Bei Eiter oder Erregernachweis Antibiotika und Drainage ohne pH. Ohne Eiter drei pH-Gruppen: bis 7,20 hohes Risiko mit Drainage, über 7,20 und unter 7,40 Drainage erwägen bei LDH über 900 U/l, Glukose bis 4,0 mmol/l, Fieber, Septen oder großem Erguss, ab 7,40 keine Drainage allein wegen des pH. Ist der pH nicht sofort messbar, spricht Glukose unter 3,3 mmol/l für eine hohe Wahrscheinlichkeit. Alle Wege münden in die Verlaufskontrolle.

Abbildung 5: Drainagebedarf bei vermuteter Pleurainfektion nach BTS 2023. Eiter, sichere Zugänglichkeit, Gesamtsituation und Verlauf werden zusätzlich zu den pH-Gruppen beachtet. Quelle: eigene Darstellung.

Axiales Thorax-CT mit Kontrastmittel: rechts dorsal eine linsenförmige, gekammerte Flüssigkeitsansammlung; die viszerale Pleura (weißer Pfeil) und die parietale Pleura (schwarzer Pfeil) sind verdickt und auseinandergedrängt.

Abbildung: Split-Pleura-Zeichen im kontrastierten CT. Die verdickte, Kontrastmittel aufnehmende viszerale (weißer Pfeil) und parietale Pleura (schwarzer Pfeil) umschließen die Flüssigkeit. Der Befund unterstützt einen komplizierten parapneumonischen Erguss oder ein Empyem; über die Drainage entscheiden Punktat, Zugänglichkeit und Klinik. Quelle: Tsujimoto N et al. PLoS One. 2015;10(6):e0130141, Abb. 2C; CC BY 4.0; Ausschnitt, Panelbuchstabe entfernt.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Person mit Pneumonie bleibt fieberhaft. Sonografisch besteht ein sicher zugänglicher, septierter Erguss. Die korrekt gewonnene nicht eitrige Probe hat pH 7,28, LDH 1400 U/l und Glukose 2,8 mmol/l. Der pH allein liegt im Zwischenbereich; hohe LDH, niedrige Glukose, Fieber und Septen sprechen gemeinsam für einen komplizierten Verlauf. Antibiotika allein reichen voraussichtlich nicht; eine Drainage wird organisiert.

Die Tabelle stellt Klinik, Ultraschall und Punktatwerte des Beispiels zusammen.

AngabeBefund
KlinikPneumonie, weiterhin Fieber
UltraschallSicher zugänglicher septierter Erguss
PunktatNicht eitrig, korrekt gewonnen
pH7,28
LDH1400 U/l
Glukose2,8 mmol/l

Infektion und Quelle gleichzeitig behandeln

Nach Gewinnung geeigneter Blut- und Pleurakulturen, soweit dies die Behandlung nicht verzögert, beginnt eine empirische Antibiotikatherapie. Sie berücksichtigt ambulante oder nosokomiale Entstehung, anaerobe Erreger, lokale Resistenzlage, Allergien und Organfunktion. Bei im Krankenhaus erworbener Infektion müssen resistente gramnegative Erreger und gegebenenfalls MRSA zusätzlich abgedeckt werden. Nach Erreger- und Resistenzbefund wird gezielt eingeengt.

Mikroskopisches Bild eines Pleurapunktats nach Gram-Färbung bei starker Vergrößerung: dicht gelagerte Neutrophile, ein Haufen kleiner dunkelvioletter Kokken (blauer Pfeil) und eine Zelle mit zahlreichen roten Stäbchen (roter Pfeil).

Abbildung: Gram-Färbung eines eitrigen Pleurapunktats (1000-fach). Zahlreiche Neutrophile, grampositive Kokken (blauer Pfeil) und gramnegative Stäbchen (roter Pfeil) zeigen eine Mischinfektion; der Befund lenkt die empirische Therapie, bis Kultur und Resistenztestung vorliegen. Quelle: Ikematsu Y, Izumi M, Ueno T et al. Respirol Case Rep. 2022;10(2):e0913, Abb. 2B; CC BY 4.0; Ausschnitt, Panelbuchstabe entfernt.

Die Drainage wird bildgeführt in eine relevante Flüssigkeitskammer gelegt. Eine initiale kleinlumige Drainage bis einschließlich 14 French ist nach BTS bei Pleurainfektion häufig angemessen. Ihre Durchgängigkeit und Position müssen kontrolliert werden. Eine schlecht liegende Drainage wird nicht durch endlos längere Antibiotikagabe wirksam. Kleinlumige Drainagen werden nach BTS-Empfehlung auf Anordnung etwa alle 6–8 Stunden mit 30 ml NaCl 0,9 % gespült; eine Röntgenkontrolle der Lage folgt wenige Stunden nach der Anlage.

Von der sonografisch bestimmten Flüssigkeitskammer über die kleinlumige Drainage und angeordnete Spülungen zur gemeinsamen Beurteilung von Lage, Restflüssigkeit und klinischem Verlauf.

Abbildung: Wirksame Herdkontrolle verlangt eine passende Lage und freie Drainage; Bildbefund und klinische Besserung werden gemeinsam bewertet. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxsonografie mit einer hellen, schräg verlaufenden Doppellinie im Pleuraraum, umgeben von echoarmer Restflüssigkeit.

Abbildung: Sonografische Lagekontrolle. Der Drainageschlauch erscheint als helle Doppellinie im Pleuraraum; daneben liegt noch Restflüssigkeit. So lässt sich am Bett prüfen, ob die Drainage die relevante Kammer erreicht. Quelle: Inchingolo R et al. J Clin Med. 2024;13(15):4346, Abb. 11; CC BY 4.0; Ausschnitt, Geräteeinblendungen entfernt.

Ein konkretes Antibiotikabeispiel: Bei einer ambulant erworbenen Pleurainfektion ohne relevantes Risiko für MRSA oder resistente gramnegative Erreger ist Ampicillin/Sulbactam eine mögliche intravenöse Wahl. Für Erwachsene mit normaler Nierenfunktion können beispielsweise 3 g alle 6–8 Stunden als intravenöse Infusion über 15–30 Minuten verwendet werden; 3 g enthalten 2 g Ampicillin und 1 g Sulbactam. Die Tageshöchstmenge beträgt 12 g der Kombination. Ampicillin hemmt den bakteriellen Zellwandaufbau, Sulbactam schützt vor bestimmten Beta-Laktamasen. Ein lokales Antibiotikaprotokoll und der mikrobiologische Befund bestimmen die konkrete Auswahl. Bei schwerer Beta-Laktam-Allergie ist dieses Beispiel ungeeignet; bei Niereninsuffizienz muss das Dosierungsintervall nach Fachinformation angepasst werden; gegen Pseudomonaden ist die Kombination nicht wirksam. Überwacht werden unter anderem allergische Reaktionen, Nierenfunktion, Blutbild und antibiotikaassoziierte Diarrhö. Das Beispiel deckt nicht automatisch eine nosokomiale Infektion ab.

Die Fachinformation verlängert das Intervall von Ampicillin/Sulbactam nach der Kreatinin-Clearance.

Kreatinin-ClearanceDosierungsintervall
> 30 ml/minalle 6–8 Stunden
15–30 ml/minalle 12 Stunden
5–14 ml/minalle 24 Stunden
< 5 ml/minalle 48 Stunden; bei Hämodialyse Gabe direkt nach der Dialyse

Nach Kulturen verzweigt die Auswahl nach Entstehung und Resistenzrisiko; das ambulante Ampicillin/Sulbactam-Beispiel zeigt Dosis und Nierenintervalle, der andere Weg führt zur protokollgerechten Auswahl und Resistenzprüfung; beide werden auf Wirkung und Verträglichkeit überwacht.

Abbildung: Das Dosierungsbeispiel gilt für Erwachsene mit geeigneter ambulant erworbener Infektion; die Nierenfunktion verändert das Intervall. Quelle: eigene Darstellung.

Bleibt trotz Drainage eine infizierte Restansammlung, kann das Spezialteam eine intrapleurale Kombination aus Alteplase, einem Fibrinolytikum, und DNase, einem Enzym zur Verringerung der Sekretviskosität, einsetzen. Ein untersuchtes Schema verwendet Alteplase 10 mg plus DNase 5 mg, jeweils zweimal täglich über drei Tage, intrapleural nach festgelegtem Protokoll. Diese Anwendung verlangt besondere Aufklärung über Blutungsrisiken und eine Prüfung von Antikoagulation und Kontraindikationen. Bei erhöhtem Blutungsrisiko kann nach BTS eine reduzierte Alteplase-Dosis von 5 mg erwogen werden. Es handelt sich um eine spezialisierte, je nach Präparat außerhalb der Zulassung liegende Anwendung; keine intravenöse Sepsistherapie. Die Einzelgabe nur eines der beiden Mittel wird hierfür nicht routinemäßig empfohlen. Auswahl, Einwirkzeit und vorübergehender Drainageverschluss sind Sache des überwachten Fachprotokolls. Sind intrapleurale Therapie und Operation ungeeignet, kann eine Spülung mit Kochsalzlösung erwogen werden.

Persistierende Sepsis, unzureichende Entleerung trotz geeigneter Maßnahmen, organisierte Pleuraschwarte oder fehlende Lungenentfaltung führen zur frühen thoraxchirurgischen Entscheidung. Eine VATS, die videoassistierte Thorakoskopie, ermöglicht unter anderem Spülung und Entfernung infizierten Materials; eine Dekortikation löst eine einschränkende fibröse Schale. Gegenüber der Thorakotomie verkürzt die VATS den Krankenhausaufenthalt im Mittel um etwa zwei Tage und verursacht weniger Schmerzen. Die Entscheidung richtet sich nach Infektionskontrolle, Ausdehnung, Operationsfähigkeit und Patientenpräferenz. Ein über Tage wirkungsloser konservativer Versuch darf die notwendige Sanierung nicht verzögern.

Keine Besserung trotz Drainage: 1 Lage, Durchgängigkeit und Antibiotikum prüfen. Bleibt eine Kammer, links intrapleural Alteplase 10 mg plus DNase 5 mg je zweimal täglich über drei Tage, bei hohem Blutungsrisiko Alteplase 5 mg, mit Grenzen: nur kombiniert, nur intrapleural, Antikoagulation prüfen, sonst Kochsalzspülung erwägen. Bei Sepsis, unzureichender Entleerung oder Schwarte rechts frühe Thoraxchirurgie mit VATS, Débridement und Dekortikation; VATS verkürzt den Aufenthalt gegenüber der Thorakotomie um etwa zwei Tage. 4 Erfolg prüfen: bei entfalteter Lunge Antibiotika 2 bis 6 Wochen, sonst neu bewerten und an Tumor denken.

Abbildung: Restinfektion verlangt wirksame Herdkontrolle. Intrapleurale Kombination und operative Sanierung werden nach Befund im Spezialteam beurteilt; Dosierungen nach BTS 2023. Quelle: eigene Darstellung.

Vier thorakoskopische Ansichten eines infizierten Pleuraraums mit gelblich-weißem Eiter, Fibrinbelägen und strangförmigen Verwachsungen zwischen Lunge und Brustwand.

Abbildung: Thorakoskopischer Befund bei Empyem nach erfolgloser Drainage über Thoraxdrainagen. Eiter, Fibrinbeläge und Verwachsungen kammern den Pleuraraum; in der VATS werden sie gelöst, ausgespült und die Pleuraoberflächen dekortiziert. Quelle: Santoshi RK, Chandar P, Gupta SS, Kupfer Y, Wiesel O. Cureus. 2022;14(1):e21017, Abb. 5; CC BY 4.0; unverändert.

Die Antibiotikadauer wird individuell nach Herdkontrolle, Erreger, klinischem Ansprechen und Entzündungswerten festgelegt; häufig sind insgesamt mehrere Wochen, etwa zwei bis sechs, erforderlich. Das ist keine starre Dauer für jeden Fall. Üblich ist ein intravenöser Beginn mit Umstellung auf eine geeignete orale Therapie nach klinischem Ansprechen. Fieber, Atemnot, Kreislauf, Schmerzen, Labor, Fördermenge und Bildverlauf werden gemeinsam beurteilt. Rekonvaleszenz kann langsam sein; neue Verschlechterung oder ein persistierender einseitiger Befund verlangt erneute Ursachensuche einschließlich möglicher Malignität.

Multiple Choice

Eine scheinbare Entwarnung prüfen

Aufgabe

Ein Patient hat unter Pneumonietherapie weiterhin Fieber. Die Pleuraaspiration ergibt sichtbaren Eiter. Ein pH ist nicht verfügbar. Welches Vorgehen passt?

Die Tabelle fasst die vorliegenden Angaben zusammen.

AngabeBefund
Aktuelle BehandlungPneumonietherapie
VerlaufFieber besteht fort
PleuraaspirationSichtbarer Eiter
pHNicht verfügbar

Eine 50-ml-Spritze ist mit trüber, dickflüssiger, rötlich-brauner Flüssigkeit gefüllt.

Abbildung zur Aufgabe: Aspirat aus dem Pleuraraum (Beispielbild). Quelle: Arslan F, Khan J, Dhupar A et al. Cureus 2025;17:e96674 (Abb. 2), CC BY 4.0

  1. a)Zunächst drei Tage auf einen pH warten und die bisherige Therapie unverändert lassen.
  2. b)Ein Empyem ist erst bei pH unter 7,00 gesichert.
  3. c)Empyem behandeln: Antibiotika, geeignete Drainage und engmaschige Kontrolle organisieren.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Therapieerfolg konkret prüfen

Aufgabe

Seit 48 Stunden liegen Drainage und eine geeignete Antibiotikatherapie vor. Fieber und Tachykardie bestehen fort; im Ultraschall bleibt eine große abgetrennte Kammer. Formuliere die nächste Beurteilung und zwei mögliche Behandlungswege.

Die Tabelle zeigt den Verlauf unter der bisherigen Behandlung.

AngabeBefund
Behandlungsdauer48 Stunden
Bisherige MaßnahmenDrainage und geeignete Antibiotikatherapie
Klinischer VerlaufFieber und Tachykardie bestehen fort
UltraschallGroße abgetrennte Kammer bleibt bestehen

Thoraxsonografie: Oberhalb der hellen Zwerchfelllinie liegt ein dunkler, flüssigkeitsgefüllter Raum, der von feinen hellen Strängen durchzogen und in Abschnitte unterteilt wird.

Abbildung zur Aufgabe: Pleurasonografie mit Flüssigkeit und darin verlaufenden Strängen (Beispielbild). Quelle: Berry L, Rehnberg L, Groves P et al. Diagnostics 2025;15:755 (Abb. 3A), CC BY 4.0

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Drainage sicher begleiten

Lernziel: Du kannst Drainageindikation, Anlage und Komplikationskontrolle begründen.

Was leistet eine Drainage?

Eine Pleurapunktion entnimmt zeitlich begrenzt Luft oder Flüssigkeit. Eine Thoraxdrainage schafft einen länger bestehenden Ableitungsweg. Sie kann Luft, Blut, Eiter oder andere Flüssigkeit entfernen und damit die Lungenentfaltung sowie die Herdkontrolle unterstützen. Sie behandelt nicht automatisch ein Gefäßleck, eine Tumorerkrankung oder eine bronchopleurale Fistel.

Das Wasserschloss eines geeigneten Systems lässt Luft nach außen entweichen und verhindert den Rückfluss in den Pleuraraum. Das aufrechte System bleibt unter Thoraxniveau. Verbindungen müssen dicht, Schläuche frei von Knicken und Zug sein. Ein angeordneter Sog ist eine zusätzliche Maßnahme und wird mit definiertem Gerät und Wert dokumentiert; er wird nicht pauschal sofort oder beliebig stark eingestellt. Bei frischer großer Entlastung erhöht unkontrollierter Sog das Risiko einer zu raschen Reexpansion. Im Wasserschloss steht üblicherweise eine Wassersäule von 2 cm über dem Schlauchende; wird Sog angeordnet, nennt das BTS-Statement 2023 ein System mit niedrigem Druck und hohem Volumen, meist −10 bis −20 cmH₂O.

Der Ableitungsweg führt vom Pleuraraum zur Sammelkammer, zum Wasserschloss und zur angeordneten Sogkontrolle; danach folgen die Gefahr zu rascher Reexpansion und die sichere weitere Systemkontrolle.

Abbildung: Sammelkammer, Wasserschloss und Sogkontrolle werden im Zusammenhang geprüft; das verwendete System bleibt aufrecht unter Thoraxniveau. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxdrainage-Sammelsystem mit Wasserschloss steht aufrecht auf dem Boden neben dem Krankenbett; oben führen Schläuche zum Gerät, links verläuft ein dunkelroter Schlauch, vorn sind Kammern mit Skalen zu sehen.

Abbildung: Mehrkammer-Sammelsystem mit Wasserschloss am Krankenbett. Es steht aufrecht auf dem Boden, also deutlich unter Thoraxniveau. Kammeraufbau, Füllstände und Sogeinstellung sind gerätespezifisch. Quelle: Johntex, Wikimedia Commons; CC BY 2.5; Ausschnitt, Herstellername, Produktschriftzug und Telefonnummern abgedeckt.

SituationMaterial- und Strategieprinzip
Viele nicht traumatische PneumothoracesKleinlumige Drainage kann ausreichen
PleurainfektionInitial häufig ≤ 14 F; Position und Durchgängigkeit besonders wichtig
Instabiler traumatischer Hämatothorax oder großes LuftleckHäufig großlumiger Zugang; konkrete Auswahl nach Traumaprotokoll
Rezidivierender symptomatischer maligner ErgussTunnelierter Dauerkatheter oder Pleurodese nach fachlicher Abwägung

French (F) beschreibt den Außendurchmesser: 3 F entsprechen ungefähr 1 mm. Eine große Zahl ist kein allgemeines Qualitätsmerkmal. Indikation, Material, Blutkoagel, Luftleck und Verträglichkeit bestimmen die Wahl. Bei nicht expandierbarer Lunge gelingt eine Pleurodese oft nicht; ein Dauerkatheter kann dann die Symptomkontrolle ermöglichen. Nach dem BTS-Statement 2023 eignen sich kleinlumige Drainagen bis 14 F für die meisten Indikationen; ein größeres Lumen wird bei instabilem Trauma, Pneumothorax unter Beatmung und geplanter Pleurodese erwogen.

Die Indikation verzweigt in großlumigen Zugang, häufig geeignete kleinlumige Drainage und die Dauerstrategie beim malignen Rezidiverguss; danach wird Material und Lumen für das konkrete Behandlungsziel festgelegt.

Abbildung: Eine größere French-Zahl ist kein allgemeines Qualitätsmerkmal; Indikation, Luftleck, Koagel und Lungenentfaltung bestimmen die Wahl. Quelle: eigene Darstellung.

Vorbereitung und sichere Anlage

Vor einer planbaren Drainage werden Indikation, Seite, Bildgebung, Einwilligung, Gerinnung, Medikamente, Allergien, Analgesie und benötigte Unterstützung geklärt. Bei einem unmittelbar lebensbedrohlichen Spannungszustand wird die Entlastung nicht aufgeschoben, um elektive Voraussetzungen vollständig abzuarbeiten. Bei Flüssigkeit wird die sichere Stelle mit Ultraschall bestimmt; abgekapselte Ergüsse können einen gezielt gewählten Zugang außerhalb der üblichen Landmarken erfordern. Für planbare Eingriffe nennt das BTS-Statement 2023 nach pausiertem Vitamin-K-Antagonisten einen INR ≤ 1,5; DOAK werden je nach Wirkstoff und Nierenfunktion meist 24–48 Stunden vorher pausiert, ASS kann weiterlaufen.

Das Sicherheitsdreieck liegt zwischen dem seitlichen Rand des M. pectoralis major und dem vorderen Rand des M. latissimus dorsi, unterhalb der Axilla; seine Untergrenze liegt etwa auf Höhe des 5. Interkostalraums. Häufig wird im 4. oder 5. Interkostalraum gearbeitet. Die Brustwarze ist keine zuverlässige alleinige Landmarke. Der Zugang bleibt oberhalb des Rippenrandes und ausreichend hoch über Zwerchfell und Bauchorganen. Anatomische Abweichungen und die Bildgebung sind zu berücksichtigen.

Zeichnung und Foto zeigen dieselbe Zone in Rückenlage mit erhobenem Arm.

Links Zeichnung der seitlichen Brustwand mit M. pectoralis major, M. latissimus dorsi und einem blau markierten Dreieck unter der Achsel; rechts Foto eines liegenden Probanden mit erhobenem Arm und blau eingezeichnetem Dreieck an der seitlichen Brustwand.

Abbildung: Sicherheitsdreieck (blau) zwischen seitlichem Rand des M. pectoralis major und vorderem Rand des M. latissimus dorsi, unterhalb der Axilla; die Untergrenze liegt etwa auf Höhe des 5. Interkostalraums. Ultraschall und individuelle Anatomie haben Vorrang. Quelle: Fraser A, Brenner DS, Coghlan M et al., POCUS J 2025;10(1), doi:10.24908/pocusj.v10i01.18071, Abb. 3; CC BY 4.0; rechter Rand beschnitten.

Querschnitt durch die Brustwand mit Fett, Muskulatur, zwei Rippen, Pleura, Erguss und Lunge; am Unterrand jeder Rippe liegen Vene, Arterie und Nerv als blauer, roter und gelber Punkt; die Nadel tritt knapp über dem Oberrand der unteren Rippe in den Erguss ein.

Abbildung: Der Zugang liegt am Oberrand der unteren Rippe, weil Vene, Arterie und Nerv (blau, rot, gelb) am Unterrand der Rippe verlaufen. Die Interkostalarterie kann jedoch geschlängelt verlaufen; deshalb bleibt die Ultraschallkontrolle wichtig. Das Prinzip gilt für Punktion und Drainage. Quelle: Fraser A, Brenner DS, Coghlan M et al., POCUS J 2025;10(1), doi:10.24908/pocusj.v10i01.18071, Abb. 1; CC BY 4.0; Beschriftung ins Deutsche übertragen.

Nach Desinfektion und steriler Abdeckung werden Haut, Unterhaut und der Zugangsweg bis zur parietalen Pleura ausreichend lokal betäubt. Mit der Anästhesienadel muss sich Luft beziehungsweise Flüssigkeit aspirieren lassen; gelingt das nicht, wird nicht weiter vorgegangen, sondern neu beurteilt. Das Verfahren richtet sich nach Indikation: beispielsweise Seldinger-Technik für passende kleinlumige Katheter oder stumpfe Präparation bei entsprechendem großlumigem Zugang. Scharfe Trokarinstrumente werden nicht mit Kraft blind in den Thorax gestoßen. Bei der Seldinger-Technik dürfen Draht und Dilatator nicht unkontrolliert tief vorgeschoben werden. Das Ganze wird zuerst am Modell und dann unter fachlicher Anleitung erlernt.

Alle seitlichen Drainageöffnungen müssen intrapleural liegen. Die Drainage wird sicher fixiert, steril verbunden und mit dem passenden Ableitungssystem verbunden. Lage, Funktion, Patientenzustand und je nach Situation bildgebend die Entfaltung werden zeitnah geprüft; nach Anlage einer Thoraxdrainage gehört in der Regel eine Kontrollaufnahme innerhalb weniger Stunden dazu. Der Anlagebericht nennt Naht, Fixierlänge am Hautniveau, Sekretart sowie Anordnungen zum Ablassen und Abklemmen.

Der planbare Ablauf führt von Voraussetzungen, Ultraschall und Lokalanästhesie über Probeaspiration und passende Technik zur Fixierung und Kontrolle; korrekt liegende und dislozierte Drainagen haben unterschiedliche Konsequenzen.

Abbildung: Bei lebensbedrohlichem Spannungszustand wird sofort entlastet; der gezeigte Ablauf gilt für die planbare Anlage. Quelle: eigene Darstellung.

Seitliche Brustwand mit einer frisch eingelegten Thoraxdrainage; am Hautaustritt mehrere blaue Nähte, auf dem Schlauch Zahlenmarkierungen, darunter ein Lineal mit Zentimeterskala.

Abbildung: Thoraxdrainage nach Einlage, an der Haut mit Nähten fixiert. Die Zahlen auf dem Schlauch sind Längenmarkierungen; das Lineal dient dem Größenvergleich. Aufnahme nach einem thorakoskopischen Eingriff. Quelle: Chen CH, Lee SY, Chang H et al., J Cardiothorac Surg 2012;7:50, doi:10.1186/1749-8090-7-50, Abb. 3 (über Wikimedia Commons); CC BY 2.0; linker Rand mit Abdecktuch-Aufdruck beschnitten.

Röntgen-Thorax p.a. mit einer Drainage links: Eintrittsstelle an der seitlichen Brustwand, Verlauf nach oben bis in die Lungenspitze; beide Lungen sind bis zur Brustwand belüftet.

Abbildung: Kontrollaufnahme nach Thoraxdrainage links bei Spontanpneumothorax. Unterer Pfeil: Eintrittsstelle seitlich an der Brustwand; oberer Pfeil: Drainagespitze apikal. Die linke Lunge ist wieder entfaltet. Quelle: Aldemir H, Cureus 2026;18:e104902, doi:10.7759/cureus.104902, Abb. 2; CC BY 4.0; Gerätetext oben rechts abgedeckt.

Ausgearbeitetes Beispiel zur Lokalanästhesie: Lidocain 1 % enthält 10 mg/ml. Als konservative Dosierungsgrenze für pleurale Eingriffe verwendet das BTS-Statement 3 mg/kg Körpergewicht, höchstens 250 mg, ohne Adrenalinzusatz. Bei 70 kg ergibt das 70 × 3 = 210 mg, also 21 ml einer 1%igen Lösung. Dies ist eine Obergrenze, kein Zielvolumen. Die tatsächlich benötigte Menge wird schrittweise und mit Vermeidung intravasaler Gabe appliziert; weitere Lokalanästhetikadosen zählen zur Gesamtdosis. Präparat, Begleiterkrankungen und Leberfunktion können eine niedrigere Dosis erfordern. Neurologische Auffälligkeiten wie metallischer Geschmack, periorales Kribbeln oder Krampf sowie Kreislauf-/Rhythmusstörungen können auf systemische Toxizität hinweisen: Gabe stoppen und sofort den dafür vorgesehenen Notfallablauf einleiten. Krampfanfälle werden bevorzugt mit einem Benzodiazepin behandelt; bei schwerer Toxizität gehört nach der ASRA-Checkliste eine 20%ige Lipidemulsion dazu: 1,5 ml/kg als Bolus über 2–3 Minuten (über 70 kg: 100 ml), anschließend 0,25 ml/kg/min.

Fünf Schritte: 1 Prozent entspricht 10 mg/ml; Grenze ohne Adrenalin 3 mg/kg, höchstens 250 mg; Rechenbeispiele 70 kg ergibt 210 mg gleich 21 ml und 90 kg ergibt rechnerisch 270 mg, begrenzt auf 250 mg gleich 25 ml; schrittweise anwenden und alle Lokalanästhetika addieren; Zeichen systemischer Toxizität mit Sofortmaßnahmen und Lipidemulsion 20 Prozent 1,5 ml/kg als Bolus.

Abbildung: Vergleiche die beiden Rechenbeispiele: Bei 90 kg greift die Höchstgrenze von 250 mg. Die Obergrenze ist kein Zielvolumen. Quelle: eigene Darstellung.

Überwachen heißt Patient und System prüfen

Nach jeder Anlage und bei jeder Verschlechterung steht zuerst der Patient im Mittelpunkt: Atemarbeit, Atemfrequenz, SpO₂, Puls, Blutdruck, Bewusstsein und Schmerz. Danach wird der gesamte Weg vom Hautaustritt bis zur Sammelkammer geprüft. Dokumentiert werden Menge und Art des Sekrets, Luftleck, Einstellungen, Fixierung und Zeitverlauf. Eine plötzlich veränderte Fördermenge wird erklärt, nicht nur abgeschrieben. Kleinlumige Drainagen werden nur nach Anordnung gespült, nach BTS-Statement 2023 zum Beispiel mit 30 ml NaCl 0,9 % alle 6–8 Stunden.

Kontrollrunde in fünf Schritten: zuerst der Patient mit Atemarbeit, Atemfrequenz, SpO2, Puls, Blutdruck, Bewusstsein und Schmerz; dann Hautaustritt, Schlauch und Verbindungen mit Spülung 30 ml NaCl alle 6 bis 8 Stunden nach Anordnung, Wasserschloss mit 2 cm Füllstand, Sammelkammer mit Menge pro Zeit, zum Beispiel 500 ml/h; unten frisches Blut eskalieren, plötzliche Änderung klären, unauffällig dokumentieren.

Abbildung: Die Kontrollrunde folgt dem Weg vom Patienten bis zur Sammelkammer. Erst wenn der Patient stabil ist, wird das System Schritt für Schritt geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

BeobachtungMögliche Erklärung und Reaktion
Neues kontinuierliches BlubbernPatientenleck oder undichte Verbindung; klinisch und systematisch prüfen
Keine Schwankung / keine FörderungWiederentfaltung möglich, aber auch Knick oder Verlegung; Befund klären
Rasch zunehmendes HautemphysemUnzureichende Luftableitung oder Dislokation; dringend prüfen
Frisches Blut, KreislaufabfallBlutung bis zum Beweis des Gegenteils; sofort eskalieren
Husten, Hypoxämie nach großer EntlastungReexpansionsödem oder andere Komplikation prüfen; Entleerung stoppen und behandeln

Blasen nur beim Ausatmen oder Husten sprechen bei Spontanatmung für ein Luftleck der Lunge; ununterbrochene Blasen auch beim Einatmen sprechen für ein großes Leck oder eine undichte Verbindung. Unter Überdruckbeatmung treten Blasen dagegen in der Inspiration auf.

Nach der klinischen Prüfung werden exspiratorische Blasen, kontinuierliche Blasen und fehlende Bewegung unterschieden; alle Muster führen zur Prüfung von Lage und Funktion, erst dann zur jeweiligen Konsequenz.

Abbildung: Das Blasenmuster wird zusammen mit Beatmungsform, Patientenzustand und Drainagefunktion interpretiert. Quelle: eigene Darstellung.

Axiales Thorax-CT im Lungenfenster: Ein Drainageschlauch (Pfeile) liegt im rechten Oberlappen; ausgedehnte Luft in den Weichteilen der Brustwand.

Abbildung: Fehllage einer Drainage bei einem beatmeten Patienten. Die Drainage (Pfeile) liegt im Lungengewebe des rechten Oberlappens statt im Pleuraraum; in der Brustwand ausgedehntes Hautemphysem. Klinisch gingen zunehmendes Hautemphysem, ständiges Blubbern und Hypoxämie voraus. Quelle: Shaikhrezai K, Zamvar V, J Cardiothorac Surg 2011;6:39, doi:10.1186/1749-8090-6-39, Abb. 1; CC BY 2.0; unverändert.

Eine blubbernde Drainage bei Luftleck wird nicht routinemäßig abgeklemmt, auch nicht für den Transport. Eingeschlossene Luft kann einen Spannungspneumothorax verursachen. Eine kurze, gezielte Manipulation durch erfahrenes Personal zu einem klar definierten Zweck unterscheidet sich von unbeaufsichtigtem Abklemmen. Bei Flüssigkeitsdrainagen können verordnete Volumen-/Zeitgrenzen und ein vorübergehender Stopp zur Symptomkontrolle erforderlich sein. Medikamentöse Einwirkphasen erfolgen ausschließlich nach spezifischem Fachprotokoll, etwa 1 Stunde abgeklemmt nach intrapleuraler Gabe von Alteplase und DNase. Das BTS-Statement 2023 nennt als Beispiel einer Ablassanordnung 500 ml pro Stunde; bei wiederholtem Husten oder Brustschmerz wird eine Ergussdrainage sofort abgeklemmt. Wann abgeklemmt und wieder geöffnet wird, steht schriftlich in der Anordnung.

Zuerst Luftleck und Ergussdrainage unterscheiden: Luftleck wird nicht routinemäßig abgeklemmt; Flüssigkeit folgt einer Anordnung, gegebenenfalls mit protokollierter medikamentöser Einwirkphase und kontrolliertem Wiederöffnen.

Abbildung: Abklemmen hat je nach abgeleitetem Inhalt unterschiedliche Folgen; Öffnen und weitere Ableitung werden ausdrücklich angeordnet. Quelle: eigene Darstellung.

Eine herausgerutschte Drainage wird nicht durch die unsterile Hautstrecke zurückgeschoben. Wunde und Patient werden umgehend versorgt; eine nötige neue Drainage erhält einen geeigneten neuen sterilen Zugang. Ein diskonnektiertes System verlangt sofortige Hilfe und Wiederherstellung einer sicheren Ableitung nach Geräte-/Notfallprotokoll. Eigenmächtiges „Melken“, starkes Ausstreichen oder unkontrolliertes Spülen kann schaden.

Dislokation und Diskonnektion werden nach der Patientenbeurteilung getrennt behandelt; anschließend entscheiden Lage, Drainagefunktion und klinischer Zustand über Überwachung oder erneute Eskalation.

Abbildung: Ein herausgerutschter Schlauch wird nicht zurückgeschoben; nach jeder Störung werden Patient und sichere Ableitung gemeinsam kontrolliert. Quelle: eigene Darstellung.

Vor Entfernung werden klinische Stabilität, Behandlungsziel, Bildbefund, Luftleck und Flüssigkeitsverlauf gemeinsam geprüft. Es gibt keinen einzigen Fördermengenwert für alle Indikationen. Atemmanöver und Verband richten sich nach dem geübten Verfahren; danach wird auf erneute Dyspnoe oder einen Rezidivbefund geachtet. Das BTS-Statement 2023 beschreibt ein Valsalva-Manöver, einen zügigen, gleichmäßigen Zug und den sofortigen Wundverschluss; ein Abklemmversuch vor Entfernung wird nicht einheitlich empfohlen. Für tunnelierte Dauerkatheter gilt als Orientierung: weniger als 50 ml bei drei aufeinanderfolgenden Ableitungen.

Die Entfernung verlangt eine gemeinsame Beurteilung vor dem Eingriff und eine Kontrolle danach.

ZeitpunktPrüfpunkteEinordnung
Vor EntfernungStabilität, Behandlungsziel und BildbefundGemeinsam beurteilen
Vor EntfernungLuftleck und FlüssigkeitsverlaufKein einzelner Fördermengenwert für alle Indikationen
Bei und nach EntfernungAtemmanöver und Verband; erneute Dyspnoe oder RezidivbefundGeübtes Verfahren und anschließende Beobachtung

Vor Entfernung werden Stabilität und Behandlungsziel geprüft, dann gewöhnliche Drainage und tunnelierter Katheter unterschieden; nach der gemeinsamen Entscheidung folgen geübtes Entfernen und Verlaufskontrolle.

Abbildung: Die Orientierung von weniger als 50 ml bei drei Ableitungen gilt für tunnelierte Dauerkatheter; andere Drainagen werden nach ihrem Behandlungsziel beurteilt. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Praktische Aufgabe am Modell

Aufgabe

Du bereitest am Modell eine Drainage für einen stabilen Patienten mit sicher zugänglichem Empyem vor. Zeige den Sicherheitsablauf: Indikation, Seite, Zugang, Analgesie, sterile Anlage, Anschluss und Nachkontrolle. Die Aufgabe wird von einer qualifizierten Person beobachtet; sie verlangt keine selbstständige reale Punktion.

Die Tabelle beschreibt den Rahmen der Modellaufgabe.

AngabeBefund
ÜbungsortModell
PatientenzustandStabil
BefundSicher zugängliches Empyem
BeobachtungQualifizierte Person

Übungssituation: Mehrere Personen arbeiten an einem hautfarbenen Rumpfmodell auf einem Tisch; ein durchsichtiger Schlauch ist seitlich am Brustkorb des Modells eingeführt, eine Hand führt den Schlauch, andere Hände stabilisieren das Modell.

Abbildung zur Aufgabe: Übung einer Drainageanlage an einem Thoraxmodell (Beispielbild). Quelle: Young TP, Schaefer MD, Kuntz HM et al. West J Emerg Med 2019;20:117–121 (Abb. 3), CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Transport vorbereiten

Aufgabe

Eine Drainage blubbert wegen eines bekannten Luftlecks. Der Patient soll zur Bildkontrolle gebracht werden. Welche Vorbereitung ist richtig?

Die Tabelle nennt die Ausgangslage vor dem Transport.

AngabeBefund
DrainagebeobachtungBlubbert
Bekannter BefundLuftleck
Geplanter WegTransport zur Bildkontrolle

Auf dem Stationsboden neben dem Bett stehen zwei Drainage-Sammelsysteme mit Kammern und Skalen; von einem führt ein durchsichtiger Schlauch über den Boden zum Wandanschluss, daneben ein Stuhlfuß.

Abbildung zur Aufgabe: Zwei Thoraxdrainage-Sammelsysteme mit Wasserschloss am Krankenbett (Beispielbild). Quelle: Johntex, CC BY 2.5

  1. a)Den Schlauch für die gesamte Transportdauer abklemmen.
  2. b)Das System über Herzhöhe an den Infusionsständer hängen.
  3. c)Dichten, knickfreien Anschluss und geeignete Ableitung unter Thoraxniveau sichern; klinisch überwachen.
Lösung in der App →

Befunde vergleichen

Lernziel: Du kannst Befunde bei Erguss, Ödem, Pneumonie und Pneumothorax vergleichen.

Gleiche Atemnot, verschiedene Orte

Für die Unterscheidung brauchst du zunächst einen Ort: Pleuraraum oder Lungenparenchym? Beim kardialen Lungenödem erhöht sich der Druck vor dem linken Herzen und Flüssigkeit tritt in das Interstitium beziehungsweise die Alveolen über. Die Sauerstoffaufnahme wird beeinträchtigt; Orthopnoe, beidseitige Rasselgeräusche und weitere Stauungszeichen können auftreten. Ein begleitender Pleuraerguss ist möglich. Mit steigendem Lungenkapillardruck (normal etwa 6–12 mmHg) folgen grob Gefäßumverteilung (etwa 13–18 mmHg), interstitielles Ödem (etwa 18–25 mmHg) und alveoläres Ödem (über etwa 25 mmHg).

Bei der Pneumonie entzündet sich Lungengewebe; mit Zellen und Flüssigkeit gefüllte Alveolen bilden eine Konsolidierung. In einer solchen Verdichtung können luftgefüllte Bronchien als Luftbronchogramm sichtbar bleiben. Fieber, Husten und fokale Befunde stützen die Diagnose, können aber bei älteren oder immunsupprimierten Personen wenig ausgeprägt sein. Eine Pneumonie kann gleichzeitig einen komplizierten Erguss verursachen. Diese kurze Gegenüberstellung ersetzt nicht die gesamte Herzinsuffizienz- oder Pneumonietherapie.

Von Atemnot und klinischem Verlauf führt der Weg getrennt zu pleuralen und parenchymalen Befunden. Pleural werden Erguss und Pneumothorax unterschieden; parenchymal Ödem und Pneumonie mit möglichen Begleitergüssen. Die unteren Wege trennen sofortige Entlastung bei Instabilität und Spannungsverdacht, indikationsgerechte Punktion sowie Behandlung der parenchymalen Ursache.

Abbildung: Lies die beiden Räume parallel. Die Pfeile verbinden Befunde mit Entscheidungen; sie stellen keine Entwicklung eines Ergusses zum Pneumothorax oder eines Ödems zur Pneumonie dar. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Stufen des kardialen Lungenödems untereinander mit Pfeilen: Gefäßumverteilung bei einem Lungenkapillardruck von etwa 13–18 mmHg, interstitielles Ödem bei etwa 18–25 mmHg mit Kerley-B-Linien und mehr als zwei B-Linien pro Interkostalraum, alveoläres Ödem über etwa 25 mmHg mit schmetterlingsförmiger Verschattung. Darunter Grenzen der Druckwerte und die Konsequenz: Herz behandeln, nicht punktieren.

Abbildung: Stufen des kardialen Lungenödems. Die Druckwerte sind Richtwerte; im Röntgenbild sind nicht immer alle Stufen nacheinander zu sehen. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei axiale CT-Schnitte desselben Patienten: links im Lungenfenster verdickte interlobuläre Septen und Milchglasverdichtungen beider Lungen, rechts im Weichteilfenster beidseitige dorsale Pleuraergüsse.

Abbildung: Akute Herzinsuffizienz im CT. a (Lungenfenster): verdickte interlobuläre Septen und Milchglasverdichtungen im Parenchym. b (Weichteilfenster): beidseitige dorsale Pleuraergüsse und vergrößertes Herz. Parenchym und Pleuraraum sind hier gleichzeitig betroffen. Quelle: Milos RI, Bartha C, Röhrich S et al. BJR Open 2023;5:20220026, Abb. 4, doi:10.1259/bjro.20220026; CC BY 4.0; vergrößert.

CT-Ausschnitt: helle, dichte Lungenverdichtung, in der ein dunkler, luftgefüllter Bronchus mit zwei schwarzen Pfeilen markiert ist; daneben normal belüftete Lunge.

Abbildung: Luftbronchogramm bei Pneumonie. Der luftgefüllte Bronchus (Pfeile) bleibt dunkel sichtbar, weil die umgebenden Alveolen mit Entzündungsflüssigkeit gefüllt sind. Quelle: Chiarenza A, Esposto Ultimo L, Falsaperla D et al. Insights Imaging 2019;10:114, Abb. 1, doi:10.1186/s13244-019-0789-4; CC BY 4.0; eingebettete Zeichnung weggeschnitten, vergrößert.

BefundgruppeTypische klinische Hinweise
ErgussBasale Dämpfung, leises Atemgeräusch, eingeschränkte Exkursion
PneumothoraxPlötzlicher Schmerz/Dyspnoe, einseitig leises Atemgeräusch, gegebenenfalls Hypersonorität
ÖdemHäufig beidseitige Rasselgeräusche, Orthopnoe und Stauungszeichen
PneumonieInfektkontext, fokale Rasselgeräusche oder bronchiales Atmen; atypische Verläufe möglich

Bildbefund und seine Grenzen formulieren

Die folgenden Muster beschreiben typische radiologische beziehungsweise sonografische Befunde. Ein Muster wird immer mit Aufnahmebedingungen, Verlauf und klinischer Fragestellung verbunden. Die hier abgedruckten Diagramme sind keine diagnostischen Patientenaufnahmen.

BefundTypische Bildbeschreibung
Freier ErgussIm Stehen basale Verschattung und verstrichener kostophrenischer Winkel, oft Meniskus; sonografisch Flüssigkeitsraum
PneumothoraxPleuralinie ohne periphere Gefäßzeichnung; im Liegen gegebenenfalls ungewöhnlich tiefer transparenter kostophrenischer Winkel
Kardiales ÖdemHäufig beidseitige interstitielle oder alveoläre Verdichtungen, eventuell Septallinien und Ergüsse
PneumonieFokale oder multifokale parenchymale Verdichtung, gegebenenfalls Luftbronchogramm

Frontale Thoraxaufnahme: links basal eine homogene Verschattung mit konkaver, nach lateral ansteigender Oberkante; der linke kostophrenische Winkel ist nicht mehr abgrenzbar. Die rechte Lunge ist frei.

Abbildung: Linksseitiger Pleuraerguss mit Meniskuszeichen. Die homogene basale Verschattung steigt zur seitlichen Thoraxwand hin an, der kostophrenische Winkel ist verstrichen. Woraus der Erguss besteht, zeigt das Röntgenbild nicht; im zugrunde liegenden Fall war es ein Hämatothorax zehn Tage nach einer Rippenfraktur. Quelle: Curfman KR, Robitsek RJ, Salzler GG et al. Case Rep Surg 2015;2015:120140, Abb. 2; CC BY 3.0; Rand beschnitten, Nummer neben der Seitenmarkierung abgedeckt.

Frontale Thoraxaufnahme eines älteren Mannes mit Sternalcerclagen: vergrößerte Herzsilhouette, kräftige Lungengefäße, feine netzige Zeichnungsvermehrung beider Lungen und kurze horizontale Linien an der lateralen Lungenbasis.

Abbildung: Kardiale Stauung bei Herzinsuffizienz: vergrößerte Herzsilhouette, erweiterte Lungengefäße und Kerley-B-Linien (kurze horizontale Septallinien lateral basal); wenig Pleuraflüssigkeit, unter anderem im rechten horizontalen Interlobium. Die Drähte stammen von einer früheren Sternotomie. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons (File:Chest radiograph of a lung with Kerley B lines.jpg); CC0 1.0; 960-px-Fassung, unverändert.

Frontale Thoraxaufnahme eines Intensivpatienten mit EKG-Elektroden und Kathetern: beidseits fleckige, zusammenfließende Verdichtungen, die sich von den Lungenhili fächerförmig nach außen ausbreiten; die Lungenperipherie ist teilweise noch belüftet.

Abbildung: Alveoläres Lungenödem: Die Verdichtungen breiten sich von beiden Hili schmetterlingsförmig nach außen aus („Batwing“-Muster); mit zunehmendem Ödem wird die Verschattung homogener. Diese Stufe folgt auf das interstitielle Ödem mit Kerley-B-Linien. Quelle: Khan AN, Al-Jahdali H, Al-Ghanem S, Gouda A. Ann Thorac Med 2009;4(3):149–157, Abb. 3, doi:10.4103/1817-1737.53349; CC BY 2.0; CT-Einschub weggeschnitten, Röntgenteil vergrößert.

Frontale Thoraxaufnahme eines Mannes: im rechten Mittelfeld eine dichte, fleckig-homogene Verdichtung, die nach oben relativ scharf begrenzt ist; medial davon und in der linken Lunge normal belüftetes Lungengewebe.

Abbildung: Lobärpneumonie im rechten Mittellappen: fokale Verdichtung im rechten Mittelfeld, nach oben durch den horizontalen Lappenspalt begrenzt. Anders als beim kardialen Ödem ist der Befund einseitig und auf einen Lappen beschränkt. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons (File:X-ray of lobar pneumonia.jpg); CC0 1.0; 1280-px-Fassung, oberer Rand mit Seitenmarkierung weggeschnitten, verkleinert.

Eine liegende Aufnahme kann einen Erguss breit über die dorsale Thoraxhälfte verteilen und einen Pneumothorax anterior verbergen. Ein unauffälliges Röntgen im Liegen schließt diese Befunde deshalb nicht sicher aus. Herzgröße und Projektionsbedingungen dürfen ebenfalls nicht verwechselt werden: Eine anteroposteriore Aufnahme vergrößert die Herzsilhouette stärker als eine posteroanteriore Standardaufnahme. Ein Herz-Thorax-Quotient über 0,5 gilt nur auf der PA-Aufnahme im Stehen als Hinweis auf eine Kardiomegalie. In Rückenlage sammelt sich Pleuraluft meist vorn: in einer Intensivserie anteromedial in 44 % und subpulmonal in 29 %, apikolateral nur in 13 %.

Zwei parallele Wege zum Thoraxröntgen: Links Lage – stehend Erguss basal mit Meniskus, liegend dorsal als Schleier, Pneumothorax-Luft liegend anteromedial 44 %, subpulmonal 29 %, apikolateral nur 13 %, Deep-sulcus-Zeichen; ein unauffälliges Liegendbild schließt Erguss und Pneumothorax nicht aus, daher Sonografie am Bett oder CT. Rechts Projektion – PA als Standard, AP vergrößert das Herz, Herz-Thorax-Quotient über 0,5 nur in PA verwertbar; Herzgröße mit PA im Stehen oder Echokardiografie prüfen.

Abbildung: Verfolge Lage und Projektion getrennt; beide verändern die Aussage eines Thoraxröntgens. Quelle: eigene Darstellung.

Liegend aufgenommene Thoraxaufnahme mit EKG-Elektroden: rechts ist der kostophrenische Winkel ungewöhnlich tief und spitz ausgezogen und auffällig dunkel; ein oranger Pfeil zeigt darauf.

Abbildung: Pneumothorax in Rückenlage: Die Luft sammelt sich vorn und basal. Rechts erscheint der kostophrenische Winkel tief und transparent (Pfeil, „Deep-sulcus-Zeichen“). Eine apikale Pleuralinie ist in Rückenlage oft nicht zu sehen. Quelle: Milos RI, Bartha C, Röhrich S et al. BJR Open 2023;5:20220026, Abb. 2a, doi:10.1259/bjro.20220026; CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten, Panelbuchstabe weggeschnitten, 3× vergrößert.

Sonografische B-Linien sind vertikale Artefakte, die von der Pleuralinie ausgehen und auf eine veränderte Belüftung beziehungsweise Flüssigkeit im angrenzenden Lungengewebe hinweisen. Beidseitig diffuse B-Linien passen zu Ödem, sind aber nicht spezifisch für Herzinsuffizienz; interstitielle Erkrankungen und Entzündung können ebenfalls solche Artefakte erzeugen. Eine unregelmäßige Pleuralinie, fokale Konsolidierung und dynamische Luftbronchogramme können bei passender Klinik Pneumonie stützen. Fehlendes Lungengleiten allein beweist, wie in U03 erklärt, keinen Pneumothorax. Mehr als zwei B-Linien pro Interkostalraum gelten als pathologisch.

Lungensonografie in vier Schritten: 1 Gleitet die Pleuralinie? Fehlendes Gleiten allein beweist nichts, ein Lung Point ist ein starkes Pneumothoraxzeichen. 2 Zwei Wege: B-Linien (mehr als zwei pro Interkostalraum pathologisch, diffus beidseits passend zu Ödem, nicht spezifisch) und fokale Veränderung (unregelmäßige Pleuralinie, Konsolidierung, dynamisches Luftbronchogramm). 3 Echofreier Raum über dem Zwerchfell: Erguss ab etwa 20 ml, Septen. 4 Mit der Klinik zusammenführen: Ödem, Pneumonie oder Pneumothorax.

Abbildung: Lies die Sonografie in Schritten: Pleuralinie, Artefakte und Verdichtungen, freie Flüssigkeit, dann Klinik. B-Linien legen die Ursache allein nicht fest. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Lungensonografie-Bilder mit Konvexschallkopf: von der Pleuralinie ziehen mehrere helle, senkrechte Streifen bis zum unteren Bildrand; gelbe Doppelpfeile markieren sie, rote Pfeile zeigen auf eine verdickte, unscharfe Pleuralinie.

Abbildung: Sonografisches interstitielles Syndrom: mehr als zwei B-Linien pro Interkostalraum (gelbe Pfeile), dazu eine verdickte, unscharfe Pleuralinie mit kleinen subpleuralen Konsolidierungen (rote Pfeile). Das Muster zeigt veränderte Belüftung, nicht deren Ursache. Quelle: Siwik D, Apanasiewicz W, Żukowska M et al. Adv Respir Med 2023;91(2):103–122, Abb. 6, doi:10.3390/arm91020010; CC BY 4.0; Geräteanzeigen und Graustufenbalken entfernt, vergrößert.

Lungensonografie, Schallkopf oben: unter der Thoraxwand ein gewebeartig echoarmer Lungenabschnitt mit vielen kleinen punktförmigen hellen Reflexen.

Abbildung: Pneumonie bei einem Kind: Der Lungenabschnitt ist konsolidiert und wirkt gewebeähnlich; die punktförmigen hellen Reflexe entsprechen Luft in den Bronchien (sonografisches Luftbronchogramm). Quelle: Milos RI, Bartha C, Röhrich S et al. BJR Open 2023;5:20220026, Abb. 11b, doi:10.1259/bjro.20220026; CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten, so gedreht, dass der Schallkopf oben liegt, Geräteschrift und Panelbuchstabe entfernt, vergrößert.

Das Verfahren zur Frage auswählen

Sonografie ist besonders nützlich, um pleurale Flüssigkeit zu finden, Septierungen zu erkennen und Eingriffe zu führen; sie verwendet keine ionisierende Strahlung. Nicht alle zentral gelegenen parenchymalen oder mediastinalen Veränderungen sind damit zugänglich. Ein Thoraxröntgen liefert einen Überblick. Ein CT beantwortet gezielt komplexe Fragen zu Verletzungen, Gefäßen, Pleura oder unklaren Verdichtungen, kostet aber mehr Strahlenexposition und erfordert einen vertretbaren Transport. Die Sonografie erkennt einen Erguss oft schon ab etwa 20 ml, ein Röntgenbild im Stehen meist erst ab etwa 200 ml. Typische effektive Dosen sind etwa 0,04 mSv für ein Thoraxröntgen in einer Ebene und etwa 5 mSv für eine Thorax-CT. Zum Vergleich beträgt die natürliche Strahlenexposition in Deutschland nach BfS etwa 2,1 mSv pro Jahr; eine Thorax-CT entspricht damit etwa 125 Thoraxaufnahmen.

Die Untersuchungsfrage verzweigt in Sonografie beziehungsweise Röntgen am Bett und in CT für komplexe Fragen. Die Sonografie erkennt Erguss oft ab etwa 20 ml, das Röntgen im Stehen meist ab etwa 200 ml. Typische Dosen sind 0,04 mSv für eine Röntgenebene und 5 mSv für CT; CT erfordert vertretbaren Transport. Eine Ventilations-/Perfusionsdiagnostik gehört bei begründetem Embolieverdacht in den Emboliepfad.

Abbildung: Die Methode folgt der Frage. Sonografie, Röntgen und CT sind bedingte Optionen; die Bildgebung beginnt nicht automatisch eine feste Folge bis zur CT. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxsonografie mit Sektorschallkopf: dunkle, echofreie Flüssigkeitsansammlung, die von mehreren feinen hellen Linien durchzogen wird; darunter helles, verdichtetes Gewebe.

Abbildung: Komplizierter parapneumonischer Erguss bei einem Jugendlichen: Die echofreie Flüssigkeit ist von feinen Septen durchzogen. Solche Kammern zeigt die Sonografie besser als das Röntgenbild; sie beeinflussen Punktionsort und Drainageplanung. Quelle: Milos RI, Bartha C, Röhrich S et al. BJR Open 2023;5:20220026, Abb. 10c, doi:10.1259/bjro.20220026; CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten, Gerätemarkierung und Panelbuchstabe entfernt, 3× vergrößert.

Vor einer Untersuchung werden vorhandene Aufnahmen, Schwangerschaft, klinische Stabilität und die konkrete Frage geprüft. Bei Kontrastmittel sind insbesondere frühere Reaktionen und Nierenfunktion relevant. Eine akut lebensrettende Untersuchung wird bei Schwangerschaft nicht allein wegen der Schwangerschaft unterlassen; Nutzen und Risiko werden fachlich abgewogen und das Protokoll optimiert. Sonografie hat dort, wo sie die Frage ausreichend beantwortet, einen besonderen Vorteil. Vorbeugende Maßnahmen gegen eine kontrastmittelbedingte Nierenschädigung werden bei intravenöser Gabe ab einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² empfohlen. Bei einer Thorax-CT erhält der Fetus meist weniger als 1 mGy; unter 50 mGy ist kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko belegt.

Die Tabelle ordnet die Voraussetzungen vor der Bildgebung den jeweiligen Fragen zu.

PrüfpunktKonkreter Bezug
Vorhandene AufnahmenKonkrete Untersuchungsfrage prüfen
Klinische StabilitätFür CT muss ein vertretbarer Transport möglich sein
SchwangerschaftNutzen und Risiko abwägen; Protokoll optimieren; ausreichende Sonografie besonders vorteilhaft
KontrastmittelFrühere Reaktionen und Nierenfunktion berücksichtigen

Vier Prüffragen vor Röntgen oder CT in zwei Reihen: 1 Was liegt schon vor (Voraufnahmen, konkrete Frage, reicht Sonografie)? 2 Stabil genug (CT nur bei vertretbarem Transport, sonst Sonografie oder Röntgen am Bett; bei Spannung Entlastung zuerst)? 3 Schwanger (Sonografie bevorzugen; Fetus bei Thorax-CT meist unter 1 mGy; unter 50 mGy kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko; lebensrettend nicht unterlassen)? 4 Kontrastmittel (frühere Reaktion, eGFR unter 30 ml/min/1,73 m²: Vorbeugung)? Danach Nutzen und Risiko abwägen: durchführen oder Alternative wählen.

Abbildung: Vier Fragen vor Röntgen oder CT. Bei Instabilität und lebensrettender Indikation hat die Behandlung Vorrang vor einer vollständigen Bildgebung. Quelle: eigene Darstellung.

Nuklearmedizin ist für den unmittelbaren Nachweis eines Ergusses oder Pneumothorax nicht das Standardverfahren. Bei begründetem Verdacht auf Lungenembolie kann eine Ventilations-/Perfusionsdiagnostik in ausgewählten Situationen relevant sein; dies gehört in den Emboliepfad. Ein unauffälliger Pleurabefund beantwortet diese Gefäßfrage nicht.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Patientin mit beidseitigen Unterschenkelödemen und Orthopnoe hat diffuse beidseitige B-Linien und kleine beidseitige Ergüsse. Die führende Arbeitsdiagnose ist eine kardiale Stauung. Die Flüssigkeit im Parenchym wird nicht punktiert; der kardiale Befund wird abgeklärt und behandelt. Entwickelt dieselbe Patientin einseitige Schmerzen, Fieber und einen wachsenden septierten Erguss, ist die erste Erklärung unzureichend: Eine zusätzliche Infektion muss geprüft werden. Für die Drainageentscheidung gelten die pH-Schwellen aus U05; bei Eiter oder pH ≤ 7,20 wird drainiert, wenn die Flüssigkeit sicher zugänglich ist.

Anfangs sprechen Orthopnoe, Unterschenkelödeme, diffuse B-Linien und kleine beidseitige Ergüsse für kardiale Stauung. Neue einseitige Schmerzen, Fieber und Septierungen führen zur Prüfung einer zusätzlichen Infektion. Nach sonografisch geplanter Punktion und Sicherheitsprüfung folgen drei pH-Wege: Eiter oder pH ≤ 7,20, pH > 7,20 und < 7,40 sowie pH ≥ 7,40.

Abbildung: Neue einseitige Zeichen erweitern die Arbeitsdiagnose. Die mittlere pH-Gruppe wird ohne Rundung als > 7,20 und < 7,40 dargestellt; sicherer Zugang bleibt Voraussetzung für den Eingriff. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Einen berichteten Befund zuordnen

Aufgabe

Ein Röntgenbefund beschreibt rechts eine viszerale Pleuralinie; peripher davon fehlt die Gefäßzeichnung. Es bestehen plötzlicher Thoraxschmerz und Dyspnoe. Welche Arbeitsdiagnose passt am besten?

Die Tabelle fasst die berichteten Befunde zusammen.

BereichAngabe
Röntgen rechtsViszerale Pleuralinie; peripher keine Gefäßzeichnung
BeschwerdenPlötzlicher Thoraxschmerz und Dyspnoe

Röntgen-Thorax a.-p.: Rechts zieht eine feine Linie parallel zur seitlichen Thoraxwand; außerhalb davon ist das Feld dunkel und ohne Lungengefäßzeichnung, innerhalb davon liegt die verkleinerte, fleckig verdichtete rechte Lunge. Links fleckige Verdichtungen; EKG-Elektroden auf der Haut.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax mit dem beschriebenen rechtsseitigen Befund (Beispielbild). Quelle: Allen CM, Al-Jahdali HH, Irion KL et al. Ann Thorac Med 2010;5:201–216, CC BY 2.0

  1. a)Rechtsseitiger Pneumothorax.
  2. b)Isoliertes kardiales Lungenödem.
  3. c)Unkomplizierter freier Pleuraerguss.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Mischbefunde erkennen

Aufgabe

Bei einer 79-jährigen Person mit Fieber und Husten werden eine fokale linksbasale Konsolidierung mit Luftbronchogramm und daneben ein septierter Erguss beschrieben. Nenne zwei zusammengehörige Probleme und den nächsten diagnostischen Schwerpunkt.

Die Falldaten stehen nach Beschwerden und Bildbefunden geordnet.

BereichAngabe
Person79 Jahre
BeschwerdenFieber und Husten
LungenbefundLinksbasale Konsolidierung mit Luftbronchogramm
DanebenSeptierter Erguss

Thoraxsonografie: Ein dunkler, flüssigkeitsgefüllter Raum wird von zahlreichen hellen, netzartig verbundenen Strängen in viele kleine Kammern unterteilt.

Abbildung zur Aufgabe: Sonografisches Beispielbild zum beschriebenen Pleurabefund. Quelle: Merhabene T, Zayet S, Jamoussi A et al. Pan Afr Med J 2024;47:54 (Abb. 1), CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Entscheiden und übergeben

Lernziel: Du kannst Befunde, Maßnahmen, Sicherheitskontrollen und Verlauf übergeben.

Aus einer Diagnose wird ein überprüfbarer Plan

Eine gute Übergabe enthält nicht nur einen Krankheitsnamen. Sie benennt den Anlass, den aktuellen Gefährdungsgrad, die entscheidenden Daten, die Arbeitsdiagnose, wichtige Alternativen, den nächsten Schritt und die geplante Kontrolle. Dabei unterscheidest du, was bereits erfolgt ist, von dem, was du erst vorschlägst. Eine Prognose bleibt an Bedingungen gebunden.

Ein verbreitetes Gerüst dafür ist ISBAR: Identifikation, Situation, Background, Assessment, Recommendation; die übernehmende Person wiederholt die Kernpunkte (Read-back). Den Gefährdungsgrad macht der Frühwarnscore NEWS2 vergleichbar: Ab 5 Punkten oder 3 Punkten in einem Einzelwert ist eine dringende ärztliche Beurteilung nötig, ab 7 Punkten eine Notfallreaktion.

Ablaufdiagramm Übergabe mit ISBAR in sechs Schritten: 1 Identifikation und Situation mit Gefährdungsgrad (NEWS2 ab 5 oder 3 Punkte in einem Einzelwert: dringende ärztliche Beurteilung; NEWS2 ab 7 oder instabil: zuerst sichern, Notfallteam); 2 Background mit entscheidenden Daten samt Zahl und Uhrzeit, etwa septierter Erguss und pH 7,12; 3 Assessment: Arbeitsdiagnose mit Beleg und gefährliche Alternative; 4 Recommendation: bereits erfolgte Maßnahmen als Tatsache, vorgeschlagene als Plan; 5 Kontrolle und Eskalationsanlass nebeneinander; 6 Read-back und Verantwortung. Ergebniszeile: stabil, Warnzeichen, instabil.

Abbildung 8: Die Entscheidung ist erst vollständig, wenn Wirkung, mögliche Komplikationen und die nächste Verantwortung benannt sind. Die Schritte folgen ISBAR; Schritt 1 macht den Gefährdungsgrad mit NEWS2 messbar. Quelle: eigene Darstellung.

BausteinKurze Formulierungshilfe
Anlass und Stabilität„Ich stelle … vor; aktuell besteht …“
Deutung mit Beleg„Am wahrscheinlichsten ist …, weil …“
Alternative und Entscheidung„Zusätzlich muss … bedacht werden; als Nächstes …“
Verlauf„Wir kontrollieren …; bei … eskalieren wir …“

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ich stelle eine 58-jährige Patientin mit anhaltendem Fieber unter Pneumonietherapie vor. Der Kreislauf ist derzeit stabil; links besteht ein zugänglicher septierter Erguss, die korrekt gewonnene Probe hat pH 7,12. Am wahrscheinlichsten ist ein komplizierter parapneumonischer Erguss. Ich veranlasse eine geeignete Drainage zusätzlich zur überprüften Antibiotikatherapie und kontrolliere Vitalwerte, Fördermenge, Entzündungswerte und den verbleibenden Erguss. Bei unzureichender Herdkontrolle erfolgt die frühe gemeinsame Eskalationsentscheidung mit Pneumologie und Thoraxchirurgie.“

Hinter dem Beispiel stehen konkrete Grenzen: Ein pH ≤ 7,20 begründet bei sicher zugänglichem Erguss die Drainage, initial meist bildgeführt bis 14 French. Bleibt eine infizierte Restkammer, kommen intrapleural Alteplase 10 mg plus DNase 5 mg zweimal täglich über drei Tage oder eine VATS infrage.

Ablaufdiagramm zum Fall: Pneumonie mit Fieber trotz Therapie, 58 Jahre, Kreislauf stabil. 1 Sonografie: Erguss links, sicher zugänglich, Septen. 2 Korrekt gewonnenes, nicht eitriges Punktat mit pH 7,12 im Blutgasgerät und Kulturflaschen; pH ≤ 7,20 spricht für Drainage. 3 Arbeitsdiagnose komplizierter parapneumonischer Erguss, Tuberkulose und Malignom als Alternativen offen halten. 4 Bildgeführte Drainage initial ≤ 14 French und Antibiotika überprüfen, zum Beispiel Ampicillin/Sulbactam 3 g alle 6–8 Stunden i.v. 5 Messbare Verlaufskontrolle. 6 Bei unzureichender Herdkontrolle früh gemeinsam mit Pneumologie und Thoraxchirurgie entscheiden: Besserung mit Antibiose meist 2–6 Wochen, Restkammer mit intrapleural Alteplase 10 mg plus DNase 5 mg zweimal täglich über 3 Tage, Sepsis oder Schwarte mit VATS und Dekortikation.

Abbildung: Verfolge im ausgearbeiteten Fall die Verbindung von pH 7,12 und septiertem Erguss zur Maßnahme und überprüfbaren Herdkontrolle. Die Ergebniszeile zeigt, welche Wege das Fachteam bei unzureichender Herdkontrolle abwägt. Quelle: eigene Darstellung.

Röntgen-Thorax im Stehen: links basal eine unscharfe Verschattung im Unterfeld; der seitliche Zwerchfell-Rippen-Winkel links ist verschattet und abgerundet und mit einem Kreis markiert. Die rechte Lunge ist frei.

Abbildung: Röntgen-Thorax bei linksseitiger Unterlappenpneumonie mit kleinem Begleiterguss (Kreis: verschatteter, abgerundeter Randwinkel links). Das Röntgenbild zeigt nur, dass Flüssigkeit vorliegt. Ob der Erguss septiert oder kompliziert ist, klären erst Sonografie und Punktat; erst damit wird die Drainageentscheidung im Beispiel begründbar. Quelle: James Heilman, MD, Wikimedia Commons; CC BY 3.0; Monitorbeschriftung abgedeckt.

Im Beispiel bleiben erhobene Befunde, angekündigte Maßnahmen und Bedingungen getrennt.

StatusAngabe im Beispiel
Erhobener BefundKreislauf stabil; zugänglicher septierter Erguss links; pH 7,12
Angekündigte MaßnahmeGeeignete Drainage zusätzlich zur überprüften Antibiotikatherapie
Geplante KontrolleVitalwerte, Fördermenge, Entzündungswerte und verbleibender Erguss
Bedingte EskalationBei unzureichender Herdkontrolle: frühe gemeinsame Entscheidung mit Pneumologie und Thoraxchirurgie

Zwei durchsichtige Flaschen in einem Drahtkorb am Bettplatz, über Schläuche verbunden: links klare Flüssigkeit mit eingetauchtem Rohr mit Skala, rechts dunkelrotes Sekret am Flaschenboden; oben rechts ein Wandgerät.

Abbildung: Älteres Zwei-Flaschen-System einer Thoraxdrainage. In der rechten Flasche hat sich blutig tingiertes Sekret gesammelt. Unabhängig vom Gerätetyp gehören in die Übergabe: Fördermenge mit Uhrzeit, Aussehen des Sekrets, ein mögliches Luftleck (Blasen im Wasserschloss) und die Sogeinstellung. Quelle: Pgm78at, Wikimedia Commons; gemeinfrei (PD-self); Produktaufdruck auf der Flasche unkenntlich gemacht.

Auch bei der Drainage gehören Zahlen in die Übergabe: Ein angeordneter Sog liegt meist bei −10 bis −20 cmH₂O; beim Hämatothorax gelten > 1500 ml Blut in 24 Stunden oder > 200 ml pro Stunde über drei Stunden als Warnwerte für die thoraxchirurgische Beurteilung.

Ablaufdiagramm Thoraxdrainage übergeben: 1 Patient zuerst mit Atemfrequenz, SpO₂, Puls, Blutdruck, Schmerz, neuer Dyspnoe und Hautemphysem; 2 Drainage-Steckbrief mit Indikation, Seite, Größe in French, Anlagezeitpunkt, Fixierung und Lagekontrolle; 3 Förderung mit Uhrzeit in ml pro Stunde und ml pro 24 Stunden, Sekretart und Atemschwankung im Wasserschloss; 4 Luftleck nicht abklemmen, Sog nur auf Anordnung, meist −10 bis −20 cmH₂O; 5 Warnwerte: Hämatothorax über 1500 ml Blut in 24 Stunden oder über 200 ml pro Stunde über 3 Stunden, plötzlich keine Förderung mit Dyspnoe, rasch zunehmendes Hautemphysem. Ergebniszeile: unauffällig, Systemproblem, Warnwert.

Abbildung: Erst der Patient, dann der Weg vom Hautaustritt bis zur Sammelkammer. „Läuft“ ersetzt keine Fördermenge mit Uhrzeit, keine Angabe zum Luftleck und keinen Warnwert. Quelle: eigene Darstellung.

Eine passende bedingte Prognose lautet: „Bei wirksamer Herdkontrolle und passender Antibiotikatherapie ist eine Besserung zu erwarten. Sie hängt unter anderem von Begleiterkrankungen und der Organisation des Ergusses ab. Anhaltendes Fieber, Kreislaufprobleme oder ein Restherd würden unsere Einschätzung verändern.“ Ein vollständiger Verlauf wird nicht erfunden.

Das Sterberisiko einer Pleurainfektion schätzt der RAPID-Score aus Harnstoff, Alter, Eiter, Infektionsort und Albumin: Bei 0–2, 3–4 und 5–7 Punkten lag die Sterblichkeit nach drei Monaten in der Validierungsstudie bei etwa 2 %, 9 % und 29 %. Er stuft das Risiko ein, bestimmt aber allein nicht die Therapie.

Zunächst werden wirksame Herdkontrolle und passende Antibiotikatherapie geprüft. Zwei Kästen enthalten die fünf RAPID-Merkmale mit ihren Punkten. Der Gesamtscore ordnet die Dreimonatssterblichkeit in etwa 2, 9 oder 29 Prozent ein. Unabhängig davon werden Begleiterkrankungen, Ergussorganisation und aktuelle Warnbefunde geprüft; die Prognose bleibt bedingt und bei Warnbefunden wird erneut eskaliert.

Abbildung: Die RAPID-Punkte ergeben das Ausgangsrisiko. Der anschließende klinische Verlauf bestimmt, ob die bedingte Prognose weiter passt oder neu bewertet werden muss. Quelle: eigene Darstellung.

LeistungWoran du deine Antwort prüfst
Befund begründenBestimmende Daten statt bloßer Diagnoseliste
Sicherheit priorisierenInstabilität und gefährliche Alternative erkannt
Maßnahme auswählenIndikation, Nutzen und relevante Grenze genannt
Verlauf bewertenMessbare Kontrolle und konkreter Eskalationsanlass

Freie Antwort

Infektionsfall vollständig darstellen

Aufgabe

Eine 63-jährige Person wird wegen Pneumonie behandelt. Temperatur 39,0 °C, Atemfrequenz 27/min, Blutdruck 118/72 mmHg. Rechts besteht ein großer zugänglicher Erguss. Die nicht eitrige, korrekt gewonnene Probe ergibt: Eiweiß 32 g/l bei Serum 64 g/l, LDH 720 U/l bei Serum 240 U/l und oberer Serum-Normgrenze 250 U/l, pH 7,18. Berechne die Einordnung, begründe die Maßnahme und formuliere eine kurze ärztliche Vorstellung samt Nachkontrolle.

Die Tabelle fasst die angegebenen Fallwerte zusammen.

BereichWert / BefundWeitere Angabe
Person / Kontext63 Jahre; PneumonietherapieTemperatur 39,0 °C
VitalwerteAtemfrequenz 27/minBlutdruck 118/72 mmHg
ErgussRechts, groß und zugänglichProbe korrekt gewonnen, nicht eitrig
EiweißPunktat: 32 g/lSerum: 64 g/l
LDHPunktat: 720 U/lSerum: 240 U/l; obere Normgrenze 250 U/l
pHPunktat: 7,18—

Röntgen-Thorax: Die rechte Thoraxhälfte ist fast vollständig homogen verschattet, rechte Herz- und Zwerchfellkontur sind nicht abgrenzbar; die linke Lunge ist belüftet.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax mit großer rechtsseitiger Verschattung (Beispielbild). Quelle: Abeyrathna D, Wijekoon L, Kumarasinghe C et al. Cureus 2025;17:e100179 (Abb. 1), CC BY 4.0

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Verschlechterung nach einer Maßnahme

Aufgabe

Nach Entlastung eines großen Ergusses entwickelt die Patientin Husten, zunehmende Dyspnoe und SpO₂ 85 %. Der Blutdruck liegt bei 102/64 mmHg. Erkläre dein unmittelbares Vorgehen und mindestens zwei zu prüfende Ursachen.

Die Beschwerden und Vitalwerte nach der Maßnahme sind zusammengefasst.

BereichAngabe
SituationNach Entlastung eines großen Ergusses
BeschwerdenHusten und zunehmende Dyspnoe
SpO₂85 %
Blutdruck102/64 mmHg
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Zwei Fälle, zwei Begründungen

Aufgabe

Fall A: neue Orthopnoe, beidseitige Rasselgeräusche, diffuse B-Linien, kleine beidseitige Ergüsse, kein Fieber. Fall B: plötzlich einseitiger Schmerz, eine Pleuralinie ohne periphere Gefäßzeichnung, Blutdruck 128/76 mmHg und geringe Dyspnoe. Gib für jeden Fall eine führende Deutung, einen nächsten Prüfpunkt und eine Intervention an, die daraus nicht automatisch folgt.

Die beiden Fälle stehen mit den jeweils angegebenen Befunden nebeneinander.

MerkmalFall AFall B
BeschwerdenNeue OrthopnoePlötzlich einseitiger Schmerz; geringe Dyspnoe
BefundeRasselgeräusche beidseits; diffuse B-LinienPleuralinie ohne periphere Gefäßzeichnung
Weitere AngabenKleine Ergüsse beidseits; kein FieberBlutdruck 128/76 mmHg

Lungensonografie: Mehrere breite, helle, senkrechte Streifen ziehen von der Pleuralinie bis an den unteren Bildrand; weiße Pfeile markieren die Streifen.

Abbildung zur Aufgabe, Fall A: Lungensonografie mit den beschriebenen senkrechten Artefakten (Beispielbild). Quelle: Beshara M, Bittner EA, Goffi A, Berra L, Chang MG. Crit Care 2024;28:328 (Abb. 1), CC BY 4.0

Röntgen-Thorax p.a.: Links apikal zieht eine feine Linie unterhalb der Thoraxkuppel; oberhalb davon fehlt die Lungengefäßzeichnung. Herz, Zwerchfelle und übrige Lunge ohne weiteren auffälligen Befund.

Abbildung zur Aufgabe, Fall B: Röntgen-Thorax mit dem beschriebenen apikalen Befund (Beispielbild). Quelle: Shakhloul M, Amer A. Cureus 2025;17:e80043 (Abb. 1), CC BY 4.0

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Einen Verlauf dokumentieren

Aufgabe

Bei einem Patienten mit Empyem wurde heute eine bildgeführte Drainage angelegt. Bisher wurden 350 ml eitrige Flüssigkeit gefördert; der Blutdruck ist stabil. Kulturen sind abgenommen, Ergebnisse fehlen. Die antibiotische Behandlung wurde begonnen. Formuliere einen kurzen Verlaufsbericht und eine bedingte Prognose. Erfinde keinen späteren Therapieerfolg.

Die Tabelle trennt die heute erhobenen Angaben nach ihrem Status.

BereichDokumentierte Angabe
Diagnose / MaßnahmeEmpyem; heute bildgeführte Drainage angelegt
Förderung bisher350 ml eitrige Flüssigkeit
KreislaufBlutdruck stabil
MikrobiologieKulturen abgenommen; Ergebnisse fehlen
TherapieAntibiotische Behandlung begonnen
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Pleuraraum verstehenZwei Blätter, ein verschieblicher SpaltVom Mechanismus zum UntersuchungsbefundErst Stabilität, dann die vollständige DiagnoseEinen Befund ergänzenDen nächsten Schritt begründenErguss und PunktionWarum entsteht Flüssigkeit?Die Light-Kriterien richtig rechnenWann punktieren und was untersuchen?Punktion sicher planenEin Kriterium reichtEinen Patienten verständlich informierenPneumothorax entscheidenUrsache und Druckwirkung getrennt benennenSpannung ist eine klinische NotfallentscheidungDen stabilen Befund abklären und behandelnNicht auf ein spätes Zeichen wartenGröße und Reserve abwägenThoraxtrauma einordnenZwei Probleme können gleichzeitig vorliegenGefährliche Begleitverletzungen aktiv suchenDiagnostik folgt der StabilitätZwei Mechanismen erklärenEin scheinbar beruhigender VerlaufPleurainfektion behandelnEntzündung, Flüssigkeit und Eiter unterscheidenpH als EntscheidungshilfeInfektion und Quelle gleichzeitig behandelnEine scheinbare Entwarnung prüfenTherapieerfolg konkret prüfenDrainage sicher begleitenWas leistet eine Drainage?Vorbereitung und sichere AnlageÜberwachen heißt Patient und System prüfenPraktische Aufgabe am ModellTransport vorbereitenBefunde vergleichenGleiche Atemnot, verschiedene OrteBildbefund und seine Grenzen formulierenDas Verfahren zur Frage auswählenEinen berichteten Befund zuordnenMischbefunde erkennenEntscheiden und übergebenAus einer Diagnose wird ein überprüfbarer PlanInfektionsfall vollständig darstellenVerschlechterung nach einer MaßnahmeZwei Fälle, zwei BegründungenEinen Verlauf dokumentieren

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