medeKI
Lernpfade

Atmung unterstützen

Lernziel: Du kannst Gasaustausch beurteilen und Atemunterstützung sicher begründen.

Gasaustausch einordnen

Lernziel: Du kannst Oxygenierungs- und Ventilationsstörungen im Zeitverlauf trennen.

Du unterscheidest zwei Fragen: Kommt ausreichend Sauerstoff ins Blut? Wird ausreichend Kohlendioxid abgeatmet? Daraus leitest du Unterstützung, Überwachung und die notwendige Eskalation ab. Alle Fallpersonen und Verläufe sind fiktive Lehrbeispiele.

Lernweg: Gasaustausch → Sauerstofftherapie → geeignete Blutprobe → Atemhilfen → Verlauf unter NIV → ARDS → Komplikationen und Erholung → Schlafatmung → perioperative Sicherheit → klinische Übergabe.

Was fehlt, was bleibt zurück?

Die Alveolen sind die kleinen Lufträume, an denen Luft und Lungenkapillarblut Gase austauschen. Oxygenierung bedeutet hier die Aufnahme von Sauerstoff in das arterielle Blut. Ventilation erneuert die alveoläre Luft und entfernt dadurch CO₂. Perfusion ist die Durchblutung. Belüftung und Durchblutung müssen zusammenpassen.

Die Grundbegriffe aus dem BGA-Lernweg in einer Erinnerung: PaO₂ ist der arterielle Sauerstoffpartialdruck; PaCO₂ der arterielle Kohlendioxidpartialdruck. SpO₂ ist die am Pulsoxymeter geschätzte arterielle Sättigung. Ein guter SpO₂-Wert unter Sauerstoffgabe schließt eine unzureichende CO₂-Abatmung nicht aus. Schnelle Atmung kann sehr flach und damit wenig wirksam sein.

Fingerpulsoxymeter am Zeigefinger; die Anzeige zeigt SpO₂ 96 % und eine Pulsfrequenz von 85 pro Minute.

Abbildung: Fingerpulsoxymeter mit SpO₂ 96 % und Puls 85/min. Das Gerät schätzt nur die Sauerstoffsättigung; über PaCO₂ und die Wirksamkeit der Atmung sagt diese Zahl nichts. Quelle: Stefan Bellini, Wikimedia Commons, CC0 1.0; Herstellerlogo entfernt, zugeschnitten.

Von der Alveole zwei parallele Wege in vier Schritten. Links: O₂ aufnehmen, abhängig von V/Q-Passung, Diffusion und FiO₂; messen mit PaO₂ in der BGA und SpO₂ als Schätzung; Hypoxämie bei PaO₂ unter 60 mmHg (8 kPa) unter Raumluft auf Meereshöhe; O₂-Gabe hilft meist, beim Shunt begrenzt. Rechts: CO₂ abgeben, abhängig von wirksamer Ventilation aus Frequenz und Tiefe; messen mit PaCO₂ in der BGA, SpO₂ sagt nichts über CO₂; Hyperkapnie bei PaCO₂ über 45 mmHg (6 kPa), pH kann fallen; Ventilation stützen, O₂ allein senkt CO₂ nicht. Unten rot: Gute SpO₂ unter O₂ ist keine ausreichende Ventilation; bei flacher oder langsamer Atmung PaCO₂ prüfen.

Abbildung: Lies beide Spalten getrennt von oben nach unten. Der rote Abschluss ist die Falle aus dem Text: Unter Sauerstoff kann die SpO₂ gut aussehen, während CO₂ zurückbleibt. Quelle: eigene Darstellung.

BegriffKlinische Bedeutung
HypoxämieZu wenig Sauerstoff im arteriellen Blut; PaO₂ im Kontext beurteilen.
HyperkapnieArterieller PaCO₂ über dem Referenzbereich, meist >45 mmHg.
HypoxieUnzureichende Sauerstoffversorgung des Gewebes; auch bei Anämie oder Schock möglich.
Respiratorische InsuffizienzDie Atmung sichert den erforderlichen Gasaustausch nicht ausreichend.

Als Orientierung gilt bei Erwachsenen unter Raumluft auf Meereshöhe ein PaO₂ unter etwa 60 mmHg als deutliche Oxygenierungsstörung. Alter, Höhenlage und zugeführter Sauerstoff verändern die Einordnung. Die klinische Dringlichkeit hängt zusätzlich von Atemarbeit, Bewusstsein und Kreislauf ab. Für PaCO₂ verwenden wir 35–45 mmHg als Arbeitsreferenz; 1 kPa entspricht ungefähr 7,5 mmHg.

Bei gesunden Erwachsenen liegt der PaO₂ unter Raumluft etwa bei 75–100 mmHg (10–13,3 kPa) und sinkt mit dem Alter; ein PaO₂ von 60 mmHg entspricht ungefähr einer SpO₂ von 90 %.

Blutgaswerte für Erwachsene unter Raumluft auf Meereshöhe einordnen. Schritt 1 PaO₂: unter 60 mmHg (unter 8 kPa) deutliche Oxygenierungsstörung; 60–75 mmHg (8–10 kPa) erniedrigt, nach Alter, Klinik und Verlauf beurteilen; 75–100 mmHg (10–13,3 kPa) Orientierung für Gesunde, sinkt mit dem Alter. Merkhilfe: SpO₂ 90 % entspricht etwa PaO₂ 60 mmHg. Schritt 2 PaCO₂: unter 35 mmHg (unter 4,7 kPa) Hypokapnie bei gesteigerter Atmung; 35–45 mmHg (4,7–6,0 kPa) Arbeitsreferenz; über 45 mmHg (über 6,0 kPa) Hyperkapnie, Ventilation reicht nicht. Schritt 3 Umrechnen: kPa mal 7,5 ergibt ungefähr mmHg, 8 kPa etwa 60 mmHg, 6 kPa etwa 45 mmHg. Schritt 4 Kontext notieren: Alter, Höhenlage, zugeführter O₂, Verlauf statt Einzelwert. Unten: Dringlichkeit zusätzlich klinisch nach Atemarbeit, Bewusstsein und Kreislauf.

Abbildung: Die Bereiche sind Orientierung für Erwachsene unter Raumluft auf Meereshöhe. Die gelbe Merkhilfe verbindet Pulsoxymeter und BGA: Fällt die SpO₂ unter etwa 90 %, liegt der PaO₂ meist schon im roten Bereich. Quelle: eigene Darstellung.

Mechanismus und Zeitverlauf

Bei einer Pneumonie gelangen weniger Luft und Sauerstoff in betroffene Alveolen, während Blut weiter vorbeifließt. Das Verhältnis von Ventilation zu Perfusion sinkt. Fließt Blut an praktisch unbelüfteten Alveolen vorbei, spricht man von Shunt. Eine größere Sauerstoffzufuhr kann dann nur begrenzt helfen. Bei einer Diffusionsstörung ist der Übertritt durch die Austauschbarriere erschwert. Ein niedriger inspiratorischer Sauerstoffpartialdruck, etwa bei geringerem Luftdruck in großer Höhe, ist eine weitere Ursache. Der O₂-Anteil der Luft bleibt in großer Höhe ungefähr 21 %.

Thoraxröntgen im posterior-anterioren Strahlengang mit flächiger Verschattung im rechten Mittel- bis Unterfeld neben dem Herzen bei Lobärpneumonie des rechten Mittellappens; die übrige Lunge ist gut belüftet.

Abbildung: Thoraxröntgen p.a. bei Lobärpneumonie des rechten Mittellappens. Achte auf die flächige Verschattung im rechten Mittel- bis Unterfeld (im Bild links neben dem Herzen): Dort sind Alveolen mit Entzündungsflüssigkeit gefüllt, das Blut fließt aber weiter vorbei – das Ventilations-Perfusions-Verhältnis sinkt bis zum Shunt. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0; verkleinert.

Bei alveolärer Hypoventilation wird dagegen im Verhältnis zur CO₂-Produktion zu wenig wirksame Luft umgesetzt. Ursachen können ein gedämpfter Atemantrieb, eine schwache Atempumpe oder eine starke Atemwegsverengung sein. CO₂ steigt; zusätzlich kann Sauerstoff fallen. Ein einzelner Blutgaswert benennt das Problem, beweist aber noch keine Ursache.

Bei niedrigem PaO₂ zuerst PaCO₂ und Klinik ansehen. Gasaustausch in der Lunge gestört: 1 V/Q vermindert, Alveolen nur teilweise belüftet, zum Beispiel Pneumonie oder COPD, O₂ hilft gut; 2 Shunt mit V/Q gleich null, Blut fließt an unbelüfteten Alveolen vorbei, zum Beispiel Atelektase, O₂ hilft begrenzt; 3 Diffusionsstörung der Austauschbarriere, zum Beispiel Lungenfibrose, O₂ hilft gut. Zu wenig O₂ erreicht die Alveolen: 4 niedriger inspiratorischer PO₂ in großer Höhe bei sinkendem Luftdruck, O₂-Anteil bleibt etwa 21 %, PaCO₂ eher niedrig, O₂ hilft; 5 Hypoventilation bei vermindertem Atemantrieb, schwacher Atempumpe oder Obstruktion, PaCO₂ steigt über 45 mmHg, O₂ fällt mit. Der Blutgaswert benennt das Problem, die Ursache klärt erst die klinische Suche. Ergebnis: PaCO₂ normal oder niedrig spricht für ein vorwiegendes Oxygenierungsproblem, PaCO₂ über 45 mmHg für eine beteiligte Ventilationsstörung.

Abbildung: Fünf Wege zu einem niedrigen PaO₂. Die kleinen Etiketten zeigen, wie gut zusätzlicher Sauerstoff wirkt; beim Shunt erreicht er das vorbeifließende Blut kaum. Die untere Zeile zeigt, warum der PaCO₂ die nächste Frage bestimmt. Quelle: eigene Darstellung.

Der pH beschreibt den Säuregrad des Blutes; arteriell dient 7,35–7,45 als Orientierung. Ein niedrigerer pH heißt Azidämie, ein höherer Alkalämie. HCO₃⁻ bezeichnet Bikarbonat, einen wichtigen Bestandteil der Säure-Basen-Regulation. Ein CO₂-Anstieg kann den pH senken; eine Bikarbonatzunahme kann diesem Abfall entgegenwirken.

Die Tabelle ordnet den arteriellen pH anhand des genannten Orientierungsbereichs ein.

Arterieller pHBezeichnung
7,35–7,45Orientierungsbereich.
Unter diesem BereichAzidämie.
Über diesem BereichAlkalämie.

Akut bedeutet eine neue Störung innerhalb kurzer Zeit. Bei länger bestehender Hyperkapnie erhöht die Niere über Tage die Bikarbonatverfügbarkeit und begrenzt den pH-Abfall. Akut auf chronisch bedeutet eine neue Verschlechterung auf diesem Hintergrund. Hohes Bikarbonat beweist weder Stabilität noch eine ausreichende aktuelle Ventilation.

Als grobe Orientierung steigt HCO₃⁻ akut nur um etwa 1–2 mmol/l, nach 3–5 Tagen renaler Anpassung um etwa 3–4 mmol/l je 10 mmHg PaCO₂-Anstieg.

Hyperkapnie im Zeitverlauf mit Beispielwerten, Ausgang PaCO₂ 40 mmHg, HCO₃⁻ 24 mmol/l, pH 7,40. 1 Akut nach Minuten bis Stunden: PaCO₂ 60 mmHg, HCO₃⁻ etwa 26 mmol/l, pH etwa 7,26; Anstieg 1–2 mmol/l je 10 mmHg. 2 Chronisch nach 3–5 Tagen: PaCO₂ 60 mmHg, HCO₃⁻ etwa 31 mmol/l, pH etwa 7,34; Anstieg 3–4 mmol/l je 10 mmHg. 3 Akut auf chronisch: PaCO₂ 80 mmHg, HCO₃⁻ etwa 33 mmol/l, pH etwa 7,24; neu schläfrig? Die Niere passt sich langsam an: HCO₃⁻ steigt über Tage und begrenzt den pH-Abfall, ein neuer CO₂-Anstieg trifft auf fast festes HCO₃⁻, frühere Werte sind keine Entwarnung. Ergebnis: wach mit pH ab 7,35 Ursache behandeln und Verlauf kontrollieren; pH unter 7,35 und schläfrig sofort beurteilen und erfahrenes Team holen. Hohes HCO₃⁻ beweist keine Stabilität.

Abbildung: Gleicher PaCO₂ von 60 mmHg, aber unterschiedlicher pH: Akut fällt er deutlich, nach renaler Anpassung kaum. Ein neuer Anstieg auf chronischem Boden senkt den pH erneut, obwohl HCO₃⁻ hoch ist. Die Werte sind gerundete Beispiele, keine Zielwerte. Quelle: eigene Darstellung.

KonstellationPlausible Deutung und nächste Frage
PaO₂ niedrig, PaCO₂ normal/niedrigVorwiegendes Oxygenierungsproblem; Ursache und Atemarbeit prüfen.
PaCO₂ erhöht, pH erniedrigtVentilationsproblem mit respiratorisch bedingter Azidämie möglich.
PaCO₂ chronisch erhöht, jetzt schläfrigerNeue Dekompensation suchen; frühere Werte sind keine Entwarnung.
SpO₂ gut unter O₂, Atemzüge flachOxygenierung verbessert, Ventilation trotzdem gefährdet.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 62-jährige Patientin mit Pneumonie hat unter Raumluft PaO₂ 55 mmHg, PaCO₂ 31 mmHg und eine Atemfrequenz von 30/min. Der niedrige PaO₂ zeigt ein Oxygenierungsproblem; der niedrige PaCO₂ passt zu gesteigerter wirksamer Atmung. Die schnelle Atmung kann zunächst kompensieren, kostet aber Kraft. Du kontrollierst Atemarbeit, Kreislauf und Verlauf und behandelst Hypoxämie und Ursache. Aus dem niedrigen CO₂ folgt nicht, dass die Patientin ungefährdet ist.

Steigt der PaCO₂ trotz anhaltend schneller Atmung wieder in den Normbereich, kann das bereits Ermüdung anzeigen; eine Atemfrequenz ≥25/min ergibt im NEWS2 schon 3 Punkte.

Hypoxämie mit schneller Atmung, zum Beispiel Pneumonie mit PaO₂ 55 mmHg unter Raumluft, in drei Schritten von links nach rechts. 1 Kompensation: Atemfrequenz 30 pro Minute, PaCO₂ 31 mmHg, Atemarbeit hoch. 2 Ermüdung: Atemfrequenz weiter hoch, PaCO₂ 35–45 mmHg, der normale Wert ist eine Warnung. 3 Dekompensation: PaCO₂ über 45 mmHg, pH unter 7,35, flache Atmung, schläfrig. Bei jedem Schritt Atemarbeit mit Hilfsmuskulatur, Bewusstsein und Kreislauf prüfen. NEWS2 für die Atemfrequenz: ab 25 pro Minute 3 Punkte, 21–24 pro Minute 2 Punkte, 8 pro Minute oder weniger 3 Punkte. Ergebnis: Trend besser, dann Ursache und O₂ sowie Atemfrequenz und BGA im Verlauf; Schritt 2 oder 3, dann früh Hilfe holen und Atemhilfe prüfen.

Abbildung: Die Werte der Patientin stehen in Schritt 1. Entscheidend ist der Trend: Ein PaCO₂, der trotz anhaltender Tachypnoe in den Normbereich zurückkehrt, ist bereits ein Warnzeichen und keine Besserung. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Eine Zahl genügt nicht

Aufgabe

Nach einem sedierenden Medikament atmet ein Patient langsam und flach. Unter Sauerstoff liegt die SpO₂ bei 97 %. Welche Aussage ist am besten begründet?

Die Tabelle fasst die Angaben des Falls zusammen.

BereichAngabe
MedikamentSedierendes Medikament zuvor gegeben.
AtmungLangsam und flach.
SauerstoffO₂-Gabe läuft.
SpO₂97 %.
  1. a)Eine relevante Ventilationsstörung ist durch die Sättigung ausgeschlossen.
  2. b)Eine Hyperkapnie bleibt möglich; Atemweg, Atmung und Blutgase müssen beurteilt werden.
  3. c)Ohne sichtbare Zyanose ist keine weitere Atemüberwachung erforderlich.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Chronisch heißt nicht stabil

Aufgabe

Ein Patient mit bekannter chronischer Hyperkapnie war wach bei PaCO₂ 55 mmHg, HCO₃⁻ 30 mmol/l und pH 7,36. Jetzt: PaCO₂ 75 mmHg, HCO₃⁻ 32 mmol/l, pH 7,25 und zunehmende Schläfrigkeit. Erkläre in drei Sätzen, was sich verändert hat und welche Dringlichkeit daraus folgt.

Die Tabelle stellt die beiden Zeitpunkte des Falls gegenüber.

BefundZuvorJetzt
PaCO₂55 mmHg75 mmHg
HCO₃⁻30 mmol/l32 mmol/l
pH7,367,25
BewusstseinWachZunehmend schläfrig
In der App sprechen üben →

Sauerstofftherapie

Lernziel: Du kannst Sauerstofftransport erklären und eine überwachte O₂-Gabe planen.

Sättigung ist nicht Sauerstoffangebot

Hämoglobin transportiert den größten Teil des Sauerstoffs. Die Sättigung beschreibt den Anteil besetzter Bindungsplätze, nicht deren Gesamtzahl. Das Sauerstoffangebot an die Gewebe hängt außerdem davon ab, wie viel Blut das Herz pro Minute fördert. Bei schwerer Anämie oder Kreislaufversagen kann die SpO₂ normal sein, obwohl das Angebot unzureichend ist.

Vereinfacht gilt: O₂-Gehalt = 1,34 × Hb × SaO₂ + 0,003 × PaO₂ (normal etwa 20 ml O₂ pro dl Blut, der gelöste Anteil ist sehr klein), O₂-Angebot = O₂-Gehalt × Herzzeitvolumen (in Ruhe etwa 1000 ml O₂ pro Minute).

Ablauf von oben nach unten: Der O₂-Gehalt ergibt sich aus 1,34 mal Hb mal SaO₂ plus 0,003 mal PaO₂, normal etwa 20 ml pro dl; multipliziert mit dem Herzzeitvolumen ergibt er das O₂-Angebot, in Ruhe etwa 1000 ml pro Minute. Bei gleicher SaO₂ von 98 Prozent liefert Hb 15 g/dl etwa 19,7 und Hb 7,5 g/dl etwa 9,8 ml O₂ pro dl. Unten: Anämie senkt den Gehalt, Kreislaufversagen das Angebot; die Konsequenz ist Ursachenbehandlung statt höherer SpO₂.

Abbildung: Folge der Zahlen von oben nach unten. Die SpO₂ steckt nur in einem Faktor; Hb und Herzzeitvolumen können das Angebot halbieren, ohne dass sich die Sättigung ändert. Quelle: eigene Darstellung.

MessgrößeWas du daraus ableiten darfst
PaO₂Druck des gelösten Sauerstoffs; keine direkte Messung des gesamten O₂-Gehalts.
SpO₂/SaO₂Geschätzte/gemessene oder berechnete Hb-Sättigung; Methode beachten.
HbVerfügbare Transportkapazität; zusammen mit Sättigung beurteilen.
KreislaufbefundHinweise auf die Verteilung und Bereitstellung des oxygenierten Blutes.

Ausgearbeitetes Beispiel

Zwei Personen haben SaO₂ 98 %, aber Hb 15 beziehungsweise 7,5 g/dl. Der Hb-gebundene Sauerstoffgehalt ist bei gleicher Sättigung im zweiten Fall ungefähr halbiert. Rechnerisch (1,34 × Hb × SaO₂) sind das etwa 19,7 beziehungsweise 9,8 ml O₂ pro dl Blut. Eine weitere Steigerung der Sättigung löst den Kapazitätsmangel nicht. Ursache, Kreislauf und gegebenenfalls Anämiebehandlung müssen getrennt beurteilt werden; aus diesem Beispiel folgt keine automatische Transfusionsentscheidung.

Zielbereich, System und Kontrolle

Sauerstoff wird wie eine Therapie verordnet: Indikation, Zielbereich, System, Fluss beziehungsweise FiO₂ und Kontrolle gehören zusammen. FiO₂ ist der Sauerstoffanteil der Einatemluft; Raumluft entspricht 0,21. Bei einer üblichen Nasenbrille lässt sich die tatsächliche FiO₂ nicht zuverlässig allein aus l/min berechnen: Atemmuster, inspiratorischer Bedarf und Mundatmung beeinflussen die Mischung.

Für die akute Erwachsenenversorgung in diesem Kapitel verwenden wir bei fehlendem Hyperkapnierisiko einen SpO₂-Zielbereich von 92–96 %. Bei Risiko eines hyperkapnischen Versagens, etwa bekannter CO₂-Retention, schwerer COPD, Adipositas-Hypoventilation oder neuromuskulärer Ventilationsstörung, wird meist zunächst 88–92 % angestrebt und zeitnah die BGA geprüft. Individuell dokumentierte Ziele und die konkrete Behandlungssituation haben Vorrang. Für invasiv beatmete Intensivpatienten gelten die dafür festgelegten Ziele des Behandlungsteams; die Bereiche sind nicht beliebig austauschbar.

Ohne Hyperkapnierisiko wird Sauerstoff erst unter 92 % begonnen und oberhalb von 96 % reduziert, bei Hyperkapnierisiko erst unter 88 % begonnen und oberhalb von 92 % reduziert. Als Startorientierung dienen ohne Hyperkapnierisiko 2–4 l/min bei SpO₂ 85–91 % und mehr als 5 l/min unter 85 %, bei Hyperkapnierisiko 1–2 l/min über die Nasenbrille oder eine Venturi-Maske mit 24–28 %.

Bei schwerer Hypoxämie, Kreislaufstillstand oder unmittelbar lebensbedrohlicher Situation darf Sauerstoff wegen möglicher CO₂-Retention nicht vorenthalten werden. Sofort ausreichend oxygenieren, die Ventilation sichern und nach zuverlässigen Messwerten kontrolliert anpassen. Eine anhaltende SpO₂ von 100 % ist außerhalb besonderer Situationen kein Routineziel.

In der Reanimation und bei unmittelbarer Lebensgefahr wird hochdosiert begonnen, etwa mit 15 l/min über eine Reservoirmaske.

Entscheidungsweg: Zuerst Lebensgefahr erkennen und sofort hochdosiert mit Reservoirmaske 15 l/min oxygenieren. Danach die Frage nach Hyperkapnierisiko: ohne Risiko Ziel SpO₂ 92–96 Prozent, Sauerstoff erst unter 92 Prozent, Start 2–4 l/min bei 85–91 Prozent und mehr als 5 l/min unter 85 Prozent, über 96 Prozent reduzieren, BGA ab mehr als 6 l/min; mit Risiko Ziel 88–92 Prozent, Sauerstoff erst unter 88 Prozent, Nasenbrille 1–2 l/min oder Venturi 24–28 Prozent, über 92 Prozent reduzieren, BGA nach 30–60 Minuten. Unten: unter Ziel erst Sensor und System prüfen, im Ziel beibehalten, über Ziel schrittweise reduzieren.

Abbildung: Lies die Lebensgefahr vor den Zielbereichen; individuell festgelegte und intensivmedizinische Ziele haben im jeweiligen Kontext Vorrang. Quelle: eigene Darstellung.

SituationVorgehen
Hypoxämie ohne HyperkapnierisikoO₂ passend zum Bedarf; SpO₂ meist 92–96 %, Verlauf prüfen.
Hyperkapnierisiko, klinisch nicht peri-arrestKontrollierte O₂-Gabe, meist 88–92 %, BGA zur CO₂-/pH-Beurteilung.
Keine Hypoxämie, DyspnoeUrsache behandeln; routinemäßig mehr O₂ lindert nicht jedes Atemproblem.
Neue Somnolenz unter O₂Atemweg/Ventilation und BGA sofort prüfen; O₂ nicht unkontrolliert absetzen.

Nach Beginn, Änderung oder Beendigung der O₂-Gabe werden SpO₂ und Klinik mindestens 5 Minuten kontinuierlich beobachtet; bei Hyperkapnierisiko folgt etwa 30–60 Minuten nach jeder Änderung eine erneute BGA. Unter O₂ werden die Vitalzeichen mindestens alle 6 Stunden erhoben, ab mehr als 6 l/min SpO₂, Puls und Atemfrequenz kontinuierlich. Stabile Patienten ohne Hyperkapnierisiko, die mit weniger als 2 l/min über Stunden im Zielbereich liegen, können die O₂-Gabe beenden; bei Hyperkapnierisiko wird zuvor bis etwa 1 l/min reduziert.

Ablauf der Überwachung: Nach Start oder Änderung SpO₂ und Klinik mindestens 5 Minuten kontinuierlich, bei Reservoirmaske länger, bei Hyperkapnierisiko BGA nach 30–60 Minuten. Laufend Vitalzeichen mindestens alle 6 Stunden, ab mehr als 6 l/min SpO₂, Puls und Atemfrequenz kontinuierlich, SpO₂ immer mit O₂-Dosis dokumentieren. Drei Zweige: unter Ziel Sensor, Signal und System prüfen, dann steigern und Ursache suchen; im Ziel beibehalten und nach Stunden stabil reduzieren; über Ziel schrittweise reduzieren. Beenden ohne Risiko unter 2 l/min nach Stunden im Ziel, mit Hyperkapnierisiko zuletzt 1 l/min, danach mindestens 5 Minuten beobachten.

Abbildung: Jede Änderung der O₂-Dosis braucht eine Kontrolle; der Zielbereich bleibt auch nach dem Beenden verordnet, damit bei erneuter Verschlechterung sofort wieder Sauerstoff gegeben wird. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Venturi-System kann eine definiertere O₂-Mischung ermöglichen; Adapter und notwendiger Gasfluss müssen zur Herstellerangabe passen. Eine Reservoirmaske benötigt ausreichenden Zufluss, damit sich der Reservoirbeutel bei Inspiration nicht vollständig entleert. Konkreter Fluss und Anschluss werden am verwendeten System geprüft. Eine einfache Gesichtsmaske mit zu geringem Fluss kann CO₂-Rückatmung begünstigen.

Übliche Bereiche sind: Nasenbrille 1–6 l/min, einfache Gesichtsmaske mindestens 5 l/min (FiO₂ etwa 0,40–0,60), Reservoirmaske im Notfall 15 l/min; Venturi-Adapter liefern je nach Aufsatz 24–60 % Sauerstoff, bei Atemfrequenz über 30/min wird ihr Fluss gegebenenfalls um die Hälfte erhöht. Bei Hyperkapnierisiko sind einfache Gesichtsmasken und Reservoirmasken ungeeignet; Nasenbrille oder Venturi-Maske werden bevorzugt.

Die Tabelle verbindet das O₂-System mit seiner jeweiligen Anwendungsgrenze.

SystemWichtige Prüfung
Nasenbrillel/min liefern keine verlässliche FiO₂; Atemmuster, Bedarf und Mundatmung beeinflussen die Mischung.
Venturi-SystemAdapter und Gasfluss müssen zur Herstellerangabe passen.
ReservoirmaskeAusreichender Zufluss; Beutel darf bei Inspiration nicht vollständig entleert werden.
Einfache GesichtsmaskeZu geringer Fluss kann CO₂-Rückatmung begünstigen.

Vergleich der O₂-Systeme in zwei Gruppen. Bevorzugt, auch bei Hyperkapnierisiko: Nasenbrille, üblich 1–6 l/min, FiO₂ nicht genau berechenbar, für niedrigen Bedarf; Venturi-Maske, 24–60 Prozent je nach Adapter, Mindestfluss am Adapter, zum Beispiel 24 Prozent ab 2 und 28 Prozent ab 4 l/min, bei Atemfrequenz über 30 pro Minute Fluss gegebenenfalls plus 50 Prozent, definierte FiO₂. Höherer Bedarf, nicht bei Hyperkapnierisiko: einfache Gesichtsmaske mindestens 5 l/min, FiO₂ etwa 0,40–0,60, darunter CO₂-Rückatmung; Reservoirmaske im Notfall 15 l/min, deutlich höhere FiO₂, Beutel bleibt beim Einatmen gefüllt. Wird das Ziel trotz mehr als 6 l/min nicht erreicht: BGA und erfahrene Hilfe, HFNC oder NIV prüfen.

Abbildung: Wähle zuerst nach Hyperkapnierisiko, dann nach Bedarf. Die genauen Mindestflüsse eines Venturi-Adapters stehen auf dem Adapter beziehungsweise in der Herstellerangabe. Quelle: eigene Darstellung.

Vier Zeichnungen desselben Patienten mit unterschiedlichen Sauerstoffsystemen: Nasenbrille mit zwei kurzen Nasenstutzen, einfache Gesichtsmaske über Mund und Nase, Reservoirmaske mit gefülltem Beutel unter der Maske und Venturi-Maske mit Faltenschlauch, Anschlussstück und fünf farbigen Adaptern.

Abbildung: Vier O₂-Systeme am Patienten. Achte bei der Reservoirmaske auf den gefüllten Beutel und bei der Venturi-Maske auf den austauschbaren, farbcodierten Adapter: Welche O₂-Konzentration und welcher Mindestfluss zu welcher Farbe gehören, steht in der Herstellerangabe des verwendeten Systems. Quelle: Open Critical Care & World Health Organization, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Ausschnitt, neu angeordnet, deutsche Beschriftung ergänzt.

Zu viel Sauerstoff kann bei gefährdeten Patienten die Hyperkapnie verstärken, unter anderem durch veränderte Ventilations-Perfusions-Verteilung und Freisetzung von Hb-gebundenem CO₂ bei Oxygenierung. Das ist nicht allein mit einem „ausgeschalteten Atemantrieb“ erklärbar. Die Antwort ist titrierte O₂-Gabe mit Ventilationskontrolle, kein pauschaler Sauerstoffentzug.

In einer randomisierten Studie bei vermuteter COPD-Exazerbation senkte die auf 88–92 % titrierte Gabe die Krankenhaussterblichkeit gegenüber hochdosiertem Sauerstoff von 9 auf 4 %. Abruptes Absetzen nach hochdosierter Gabe kann eine Rebound-Hypoxämie auslösen.

Mechanismus von oben nach unten: Hyperkapnierisiko und zu viel Sauerstoff mit SpO₂ über 92 Prozent führen über drei Wege zu mehr CO₂: Wegfall der Gefäßverengung in schlecht belüfteten Arealen mit mehr Totraum, Haldane-Effekt mit Freisetzung von CO₂ aus oxygeniertem Hb, und als nur kleiner Teil ein etwas geringeres Atemminutenvolumen. Die BGA zeigt PaCO₂ über 45 mmHg und pH unter 7,35; neue Somnolenz ist ein Alarmzeichen. Sofort Atemweg, Ventilation und BGA prüfen, Sauerstoff nicht abrupt absetzen, bei pH unter 7,35 trotz Therapie Atemunterstützung prüfen. Unten: titriert auf 88–92 Prozent, in einer Studie Sterblichkeit 9 statt 4 Prozent.

Abbildung: Die drei Wege erklären, warum eine gute Sättigung die zusätzliche Ventilationskontrolle nicht ersetzt. Quelle: eigene Darstellung.

Sicher anwenden: Signalqualität und klinisches Bild prüfen; kalte Finger, Bewegung und geringe Perfusion können stören. Auch Hautpigmentierung kann die Messgenauigkeit beeinflussen. Bei widersprüchlichem Befund BGA nutzen. Rauchen, offene Flammen und Zündquellen sind im Umfeld der Sauerstoffgabe zu vermeiden. Nasen-/Hautschäden, Austrocknung und Materialkontakt kontrollieren.

Die Tabelle ordnet häufige Fehlerquellen der Pulsoxymetrie ihrer Konsequenz zu.

FehlerquelleFolge für SpO₂Was du tust
Kalte Finger, Schock, BewegungUnsicheres oder fehlendes SignalPulskurve/Signalqualität prüfen, anderen Messort wählen, BGA.
Dunkle HautpigmentierungSpO₂ kann zu hoch liegenSchwelle für eine BGA niedriger ansetzen.
CO-Hb (Rauchgas, Raucher)SpO₂ falsch normalBGA mit CO-Oxymetrie.
Dunkler NagellackFehlmessung möglichEntfernen oder anderen Messort wählen.
SpO₂ unter ZielPatient oder Technik?Erst Sensor und O₂-System prüfen, dann Patient und Dosis.

Freie Antwort

Eine Verordnung vervollständigen

Aufgabe

Ein wacher Patient mit bekannter CO₂-Retention hat unter Raumluft SpO₂ 85 %, ist kreislaufstabil und atmet angestrengt. Ergänze: „Ich beginne …, strebe zunächst … an und kontrolliere …“

Die Tabelle bündelt die vorliegenden Angaben für deine Verordnung.

BereichAngabe
VorgeschichteBekannte CO₂-Retention.
MesssituationRaumluft.
SpO₂85 %.
Bewusstsein und KreislaufWach, kreislaufstabil.
AtmungAngestrengt.
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Was bedeutet 99 Prozent?

Aufgabe

Eine Patientin ohne Hyperkapnierisiko erhält nach initialer Hypoxämie Sauerstoff. Sie ist jetzt klinisch stabil, SpO₂ 99 % mit zuverlässigem Signal. Welche nächste Maßnahme passt zum hier verwendeten Zielbereich?

Die Tabelle zeigt die Ausgangslage und den aktuellen Befund.

BereichAngabe
HyperkapnierisikoKein Hyperkapnierisiko.
Anlass der O₂-GabeInitiale Hypoxämie.
Aktuelle TherapieSauerstoffgabe.
Klinischer ZustandStabil.
SpO₂ und Signal99 %, zuverlässiges Signal.

Fingerpulsoxymeter in Nahaufnahme; die Anzeige zeigt SpO₂ 99 %, eine Pulsfrequenz von 68 pro Minute und eine gleichmäßige, gut ausgeprägte Pulskurve.

Abbildung: Pulsoxymeter mit 99 % und regelmäßiger Pulskurve – ein zuverlässiges Signal wie im Fall. Quelle: MIKI Yoshihito, Wikimedia Commons, CC BY 2.0,.jpg; Herstellerschriftzug entfernt, zugeschnitten.

  1. a)O₂ unter Überwachung schrittweise reduzieren und die Sättigung erneut prüfen.
  2. b)Unverändert fortführen, weil die höchste erreichbare Sättigung grundsätzlich am besten ist.
  3. c)O₂ sofort vollständig entfernen und auf weitere Kontrollen verzichten.
Lösung in der App →

BGA sicher einordnen

Lernziel: Du kannst Probenart und Präanalytik für eine Atementscheidung berücksichtigen.

Arteriell und venös beantworten verschiedene Fragen

Eine arterielle BGA beschreibt Blut vor der Sauerstoffabgabe im Körpergewebe. Peripher venöses Blut hat bereits O₂ abgegeben und CO₂ aufgenommen. Deshalb kann ein venöser pO₂ die arterielle Oxygenierung nicht beurteilen. Venöse Werte können bei passenden klinischen Fragen zur ersten Säure-Basen-Orientierung dienen; pCO₂ und pH sind aber nicht in jeder Situation austauschbar mit arteriellen Werten.

Nach der S3-Leitlinie zur Sauerstofftherapie (2021) liegt der venöse pO₂ 13–37 mmHg unter dem arteriellen, der venöse pCO₂ meist 3–6 mmHg darüber; nur ein venöser pCO₂ unter 45 mmHg schließt eine arterielle Hyperkapnie aus. Kapilläre Proben werden am gut hyperämisierten Ohrläppchen stabiler Patienten außerhalb der Intensivstation gewonnen (pO₂ im Mittel etwa 4 mmHg niedriger als arteriell), nicht im Notfall. Blutgasanalysen sind besonders bei kritisch Kranken, Beatmung, Hyperkapnierisiko, mehr als 6 l/min O₂ (FiO₂ über 0,4) oder fehlendem verlässlichem SpO₂-Signal angezeigt.

Von oben nach unten: Bei Instabilität mit Schock, Erschöpfung oder Vigilanzminderung zuerst stabilisieren und Hilfe holen, die BGA läuft parallel. Dann bestimmt die Frage die Probe. Arteriell: PaO₂, PaCO₂ und pH, Oxygenierung und Ventilation, Goldstandard, angezeigt bei mehr als 6 l/min O₂ beziehungsweise FiO₂ über 0,4, Beatmung oder Schock; Ergebnis volle Aussage. Peripher venös: pH, Bikarbonat und Laktat etwa wie arteriell, pCO₂ meist 3–6 mmHg höher, pO₂ 13–37 mmHg niedriger, pCO₂ unter 45 mmHg schließt eine Hyperkapnie aus; Ergebnis nur Screening ohne Sauerstoffurteil. Kapillär am Ohrläppchen: gut hyperämisiert, pH und pCO₂ brauchbar, pO₂ im Mittel etwa 4 mmHg niedriger, nur bei stabilen Patienten außerhalb der Intensivstation; Ergebnis Verlauf, nicht im Notfall. Schritt 2: Uhrzeit, Probenart, O₂-System mit Flow oder FiO₂ und Änderungen kurz vor der Entnahme auf den Befund schreiben.

Abbildung: Entscheide zuerst, welche Frage die Probe beantworten soll – nur die arterielle Probe trägt ein Urteil über die Oxygenierung. Vergleiche in jeder Spalte die Zahlen: Sie zeigen, wie weit venöse und kapilläre Werte vom arteriellen Wert abweichen können. Quelle: eigene Darstellung.

ProbeNutzen und Grenze
ArteriellPaO₂, PaCO₂ und pH im dokumentierten O₂-Kontext; bei akutem Versagen oft entscheidend.
Peripher venösOrientierung für ausgewählte Säure-Basen-Fragen; kein arterieller Oxygenierungsnachweis.
Arterialisiert kapillärpH/CO₂ unter geeigneten Bedingungen brauchbar; pO₂ stärker von Methode und Perfusion abhängig.

Fünf Spritzen mit Blut nebeneinander: links zwei Proben mit dunkelrotem venösem Blut, rechts drei Proben mit hellrotem arteriellem Blut.

Abbildung: Venöses Blut (links, dunkler) hat bereits Sauerstoff abgegeben; arterielles Blut (rechts) ist bei normaler Sättigung heller. Die Farbe ist trotzdem kein Nachweis der Probenart – bei schwerer Hypoxämie wirkt auch arterielles Blut dunkel. Entscheidend ist die dokumentierte Entnahme. Quelle: Wesalius, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten.

Bei Schock, unklarer schwerer Atemstörung oder einer Entscheidung, die genaue arterielle Werte benötigt, darf eine venöse Zahl nicht mit einer festen Korrekturformel „arterialisiert“ werden. Blutgase sind immer eine Momentaufnahme. Zeitpunkt, Probenart, O₂-System und Einstellungen sowie Änderungen kurz vor der Entnahme gehören auf den Befund.

Die BGA bleibt eine Momentaufnahme; diese Angaben machen ihren Entnahmekontext sichtbar.

Angabe auf dem BefundZu dokumentieren
ZeitpunktZeitpunkt der Entnahme.
ProbenartArteriell, peripher venös oder arterialisiert kapillär.
O₂-KontextO₂-System und Einstellungen.
Kurz zuvorÄnderungen vor der Entnahme.

Nach Beginn oder Änderung der O₂-Zufuhr beobachtest du mindestens 5 Minuten klinisch und pulsoxymetrisch; eine Kontroll-BGA wird bei bestehender Indikation nach etwa 30–60 Minuten geplant, weil sich pH und pCO₂ erst dann neu eingestellt haben.

Von oben nach unten: O₂-Zufuhr begonnen oder geändert, Uhrzeit, System und Flow beziehungsweise FiO₂ notieren. Schritt 1, Minute 0: Änderung durchführen, etwa Flow erhöht, Maske gewechselt oder NIV begonnen; der SpO₂-Zielbereich ist verordnet. Schritt 2: mindestens 5 Minuten SpO₂, Atemfrequenz und Atemarbeit beobachten; die SpO₂ stellt sich nach wenigen Minuten ein, bei Reservoirmaske oft später. Schritt 3: Kontroll-BGA nach 30–60 Minuten, weil pH und pCO₂ so lange bis zum Gleichgewicht brauchen; Indikation bei Hyperkapnierisiko, mehr als 6 l/min O₂ oder Beatmung; arteriell, bei Stabilen auch kapillär am Ohrläppchen. Schritt 4: Befund mit Uhrzeit, Probenart und O₂-System lesen und nur mit gleichem Kontext vergleichen. Ergebnisse: stabil, Plan fortsetzen; pCO₂ steigt und pH fällt, O₂ und Unterstützung prüfen; Verschlechterung, sofort handeln und nicht warten.

Abbildung: Eine Kontroll-BGA zeigt die Wirkung einer O₂-Änderung erst nach 30–60 Minuten zuverlässig. Bis dahin überwachst du klinisch und pulsoxymetrisch – bei Verschlechterung handelst du sofort, ohne auf den Kontrollzeitpunkt zu warten. Quelle: eigene Darstellung.

Präanalytik und Punktionssicherheit

Eine Luftblase ermöglicht Gasaustausch mit der Probe: Der pO₂ kann sich je nach Ausgangswert nach oben oder unten verschieben. Blutzellen verbrauchen nach der Entnahme weiter Sauerstoff; lange Verzögerung kann pO₂ senken, pCO₂ erhöhen und pH senken. Fehler werden nicht dadurch behoben, dass das Analysegerät technisch funktioniert.

Raumluft hat einen pO₂ von etwa 150–160 mmHg und praktisch kein CO₂: Bei Luftkontakt nähert sich der pO₂ diesem Wert, der pCO₂ sinkt und der pH steigt. Analysiere die Probe deshalb möglichst sofort, als Richtwert innerhalb von 15 Minuten; längere Lagerung nur nach Laborstandard.

Von oben nach unten: Von der Entnahme bis zur Analyse. Schritt 1: Probe luftfrei sichern mit heparinisierter BGA-Spritze, richtiger Person und Probenart, Luftblasen sofort entfernen, Spritze verschließen und sanft schwenken. Schritt 2, zwei Fehlerwege nebeneinander: Luftblase oder offener Verschluss – Raumluft hat pO₂ etwa 150–160 mmHg und kaum CO₂, ein niedriger pO₂ steigt, ein hoher pO₂ unter Sauerstoff fällt, pCO₂ sinkt und pH steigt, keine feste Korrektur möglich. Verzögerung bis zur Analyse – Blutzellen verbrauchen weiter O₂, pO₂ sinkt, pCO₂ steigt, pH sinkt; möglichst sofort, innerhalb von 15 Minuten analysieren, Lagerung nach Laborstandard. Schritt 3: Passt der Wert zur Klinik? Klinik, SpO₂ und Vorbefund vergleichen; ein Gerät ohne Fehlermeldung beweist keine korrekte Probe. Ergebnisse: plausibel, mit Kontext verwerten; unplausibel, neu beurteilen und neue Probe; Gefahr, stabilisieren und nicht warten.

Abbildung: Folge den beiden Fehlerwegen getrennt: Luftkontakt zieht die Probe in Richtung Raumluft, eine Verzögerung lässt den Zellstoffwechsel weiterlaufen. Ein unplausibler Wert wird nicht umgerechnet, sondern klinisch eingeordnet und bei Entscheidungsrelevanz neu gemessen. Quelle: eigene Darstellung.

FehlerquelleKonsequenz
Falsche Person oder falsche ProbenartBefund kann zu einer falschen Therapieentscheidung führen.
Luftblase, offener VerschlussGaswerte verfälscht; richtungsfeste Korrektur nicht verlässlich.
Verzögerung, Gerinnsel, ungeeignetes HeparinAnalyse unzuverlässig; Laborstandard einhalten.
Spülflüssigkeit aus arteriellem KatheterVerdünnung; korrektes Entnahmeverfahren nach SOP nötig.

Arterielle Einzelpunktion: Indikation und Alternativen klären, Vorgehen und Risiken verständlich erklären, Identität, Gerinnungs-/Blutungsrisiko und lokale Durchblutung prüfen. Punktionsort bei Infektion oder problematischer Gefäßversorgung nicht unkritisch wählen. Geschultes Personal, Händehygiene, geeigneter Hautantiseptik und Materialstandard; korrekt heparinisierte Spritze, sichere Kanülenentsorgung. Anschließend ausreichend komprimieren, Blutstillung und distale Durchblutung kontrollieren, Schmerzen/Hämatom beobachten und dokumentieren. Blutungshemmende Medikamente können eine längere Nachkontrolle nötig machen. Ein arterieller Dauerkatheter ist ein anderes Verfahren mit zusätzlichen Risiken und eigener Indikation.

Als Richtwert dient an der A. radialis eine 23–25-G-Kanüle mit mindestens 5 Minuten Kompression, an der A. brachialis oder A. femoralis eine 22–23-G-Kanüle mit 10–15 Minuten Kompression – jeweils, bis keine Blutung mehr besteht.

Von oben nach unten: Arterielle Einzelpunktion von der Indikation bis zur Nachkontrolle. Schritt 1, vorher prüfen: Indikation, Alternativen, verständliche Aufklärung; Identität, Gerinnung und blutungshemmende Medikamente; Puls, Haut und Durchblutung der Hand; bei lokaler Infektion anderen Ort wählen. Schritt 2, Punktionsort nebeneinander: A. radialis als häufigste, oberflächliche Stelle proximal der Handgelenksfalte, Kanüle 23–25 G, Kompression mindestens 5 Minuten; A. brachialis oder A. femoralis, wenn radial nicht möglich, schwerer zu komprimieren, Kanüle 22–23 G, Kompression 10–15 Minuten. Schritt 3, punktieren: geschultes Personal, Händehygiene, Hautantiseptik, heparinisierte Spritze, Probe luftarm, Kanüle sofort sicher entsorgen. Schritt 4: komprimieren, bis keine Blutung mehr besteht, unter Antikoagulation oder Thrombozytenhemmung länger; Puls, Durchblutung, Schmerz und Hämatom dokumentieren. Ergebnisse: unauffällig, dokumentieren; Komplikation mit Blutung, kalter Hand oder Schmerz, sofort beurteilen.

Abbildung: Die Sicherheit der arteriellen Einzelpunktion beginnt vor der Entnahme und reicht bis zur dokumentierten Nachkontrolle. Achte auf die Kompressionszeiten: Je tiefer und größer die Arterie, desto länger drückst du. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Finger tasten an der Daumenseite der Handgelenksbeugeseite, proximal der Handgelenksfalte, den Puls der Arteria radialis.

Abbildung: Tasten der A. radialis auf der Daumenseite proximal der Handgelenksfalte – die häufigste Stelle für eine arterielle Einzelpunktion. Vor der Punktion prüfst du hier Pulsqualität, Haut und Durchblutung der Hand. Quelle: Mnokel, Wikimedia Commons, gemeinfrei (PD-self).

Praktische Lernaufgabe am Modell unter Anleitung: Erkläre die klinische Fragestellung, wähle und beschrifte das Material, zeige den luftarmen Umgang mit der Probe und benenne die Nachkontrollen. Die Anleitung beurteilt sichere Identifikation, Hygiene, Materialhandhabung und Komplikationserkennung. Diese digitale Aufgabe belegt keine praktische Punktionskompetenz.

Ein scheinbar schwerer Sauerstoffmangel

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein stabiler Patient hat SpO₂ 95 % unter Raumluft. Der Laborzettel nennt „venös, pO₂ 36 mmHg“. Das ist keine nachgewiesene schwere arterielle Hypoxämie. Du prüfst Probenart und Signalqualität; falls die klinische Frage eine genaue arterielle Oxygenierung verlangt, gewinnst du eine dafür geeignete Messung. Sauerstoff oder Intubation allein aufgrund dieses venösen pO₂ wären nicht begründet.

Von oben nach unten: Eine venöse BGA liegt vor – Klinik zuerst, dann jeden Wert einzeln lesen. Schritt 1: klinische Gefahr prüfen mit Atemarbeit, Bewusstsein, Kreislauf und SpO₂-Signal; bei Gefahr stabilisieren und Hilfe holen, Diagnostik parallel. Schritt 2, welcher Wert soll entscheiden, vier Zeilen: venöser pO₂ liegt 13–37 mmHg unter dem PaO₂ und sagt nichts über die Oxygenierung, also kein Hypoxämie-Beweis, sondern SpO₂ mit gutem Signal oder arterielle BGA; venöser pCO₂ unter 45 mmHg, meist 3–6 mmHg über arteriell, schließt eine arterielle Hyperkapnie aus; venöser pCO₂ ab 45 mmHg schließt eine Hyperkapnie nicht aus, daher arterielle BGA, bei Stabilen kapillär am Ohrläppchen möglich; pH, Bikarbonat und Laktat stimmen gut mit arteriell überein und sind metabolisch zur Orientierung verwertbar. Schritt 3: keine Umrechnung venös zu arteriell, feste Korrekturformeln sind vor allem im Schock unzuverlässig.

Abbildung: Lies eine venöse BGA Wert für Wert: Der pO₂ beantwortet keine Oxygenierungsfrage, der pCO₂ hilft nur unter 45 mmHg beim Ausschluss einer Hyperkapnie. Im Beispiel trägt deshalb erst eine geeignete Sauerstoffmessung die Entscheidung. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Welcher Befund trägt die Entscheidung?

Aufgabe

Eine Patientin ist deutlich tachypnoisch. SpO₂ 89 % trotz O₂; die Menge wurde kürzlich erhöht. Eine venöse BGA zeigt pCO₂ 57 mmHg. Benenne zwei Informationen, die du jetzt für die Unterstützungsentscheidung ergänzen musst.

Die Tabelle ordnet die bereits bekannten Angaben des Falls.

BereichAngabe
AtmungDeutlich tachypnoisch.
SpO₂89 % trotz O₂.
O₂-VerlaufMenge kürzlich erhöht.
ProbenartVenöse BGA.
pCO₂57 mmHg.
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Ein unplausibler Verlauf

Aufgabe

Eine arterielle Probe mit sichtbarer Luftblase blieb längere Zeit liegen. Der Wert passt nicht zur Patientin. Welche Vorgehensweise ist am besten?

Die Tabelle fasst die Angaben zur Probe zusammen.

BereichBeobachtung
ProbenartArteriell.
Sichtbarer BefundLuftblase.
Zeit bis zur AnalyseProbe blieb längere Zeit liegen.
Bezug zur PatientinDer Wert passt nicht zur Patientin.
  1. a)PaO₂ grundsätzlich um einen festen Wert nach unten korrigieren.
  2. b)Die gemessenen Werte als sicher übernehmen, weil das Gerät keinen Fehler meldet.
  3. c)Klinisch neu beurteilen und bei Entscheidungsrelevanz eine korrekt gewonnene Probe messen.
Lösung in der App →

Atemhilfen auswählen

Lernziel: Du kannst O₂, High-Flow, CPAP, NIV und invasive Beatmung unterscheiden.

Verschiedene Werkzeuge für verschiedene Probleme

Sauerstoff erhöht den O₂-Anteil der Einatemluft. High-Flow-Nasenkanülen (HFNC) liefern erwärmtes, befeuchtetes Gas mit hohem Fluss. Das kann den inspiratorischen Bedarf besser decken, die FiO₂ stabilisieren und Totraum ausspülen. Es entsteht unter bestimmten Bedingungen ein kleiner positiver Druck; HFNC gewährleistet aber keine festgelegte Druckunterstützung und schützt den Atemweg nicht.

Zum Vergleich: Konventionelle O₂-Systeme arbeiten mit bis etwa 15 l/min. HFNC liefert bis etwa 60 l/min Gas mit 31–38 °C und einer FiO₂ bis 1,0; der dabei entstehende Druck liegt nur bei etwa 0,5–1 cmH₂O je 10 l/min.

CPAP bedeutet kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck. Er hält Atemwege beziehungsweise Alveolen offen, während die Person selbst atmet. PEEP bezeichnet den positiven Druck am Ende der Ausatmung. CPAP stellt keinen zusätzlichen Druckhub für die Einatmung bereit. Bei ausgewählten Patienten mit kardialem Lungenödem kann es Oxygenierung und Atemarbeit verbessern; gleichzeitig muss die kardiale Ursache behandelt werden.

Beim kardialen Lungenödem werden häufig etwa 5–10 cmH₂O CPAP verwendet.

Bei NIV, nichtinvasiver Beatmung, unterstützt ein Gerät über eine Maske oder ein anderes geeignetes Interface. Bei einer üblichen Bilevel-NIV liegt der inspiratorische Druck (IPAP) über dem exspiratorischen Druck (EPAP). Die Differenz unterstützt den Atemzug und kann CO₂-Abatmung und Muskelentlastung verbessern. In manchen Gerätedarstellungen wird die Druckunterstützung zusätzlich zum PEEP angegeben. Deshalb muss klar sein, ob die angezeigte Zahl Gesamtdruck oder Differenz meint.

Beispiel: EPAP 5 und IPAP 15 cmH₂O als Gesamtdrücke entsprechen PEEP 5 plus Druckunterstützung 10 cmH₂O.

Drei Zeichnungen derselben Patientin: links eine Nasenbrille mit dünnem Schlauch und kurzen Nasenstutzen, in der Mitte eine High-Flow-Nasenkanüle mit breiteren Nasenstutzen, Kopfband und dickem Faltenschlauch, rechts eine NIV-Maske über Mund und Nase mit Stirnstütze, Kopfbändern und Schlauchanschluss.

Abbildung: Drei Interfaces im Vergleich. Die High-Flow-Kanüle erkennst du an den breiteren Nasenstutzen und dem dicken Schlauch, der das erwärmte, befeuchtete Gas führt. Die NIV-Maske umschließt Mund und Nase, damit das Gerät über sie Druck aufbauen kann. Quelle: Open Critical Care & World Health Organization, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Ausschnitt, neu angeordnet, deutsche Beschriftung ergänzt.

Fünf Karten untereinander: 1 konventioneller Sauerstoff über Nasenbrille, Maske oder Reservoirmaske bis etwa 15 l/min, hebt den O₂-Anteil, keine Ventilationshilfe, Atemweg ungeschützt; 2 High-Flow-Nasenkanüle bis 60 l/min, FiO₂ 0,21 bis 1,0, 31 bis 38 °C, befeuchtet, spült Totraum aus, nur etwa 0,5 bis 1 cmH₂O je 10 l/min, kein fester Druck; 3 CPAP mit einem konstanten Druck, zum Beispiel 5 bis 10 cmH₂O, hält Alveolen offen, kein zusätzlicher Druckhub; 4 Bilevel-NIV, IPAP über EPAP, Differenz 15 minus 5 gleich 10 cmH₂O Druckunterstützung, entlastet die Atemmuskeln und verbessert die CO₂-Abatmung; 5 invasive Beatmung über Tubus oder Trachealkanüle mit gesichertem Atemweg, aber Sedierungs-, Infektions- und Druckrisiken. Unten führt die Leitfrage „Was ist gestört?“ zu drei Feldern: Oxygenierung zu O₂, HFNC oder CPAP; Ventilation zu Bilevel-NIV; bedrohter Atemweg zu Intubation.

Abbildung: Fünf Atemhilfen mit ihren typischen Zahlen. Die Auswahl richtet sich danach, ob vor allem die Oxygenierung, die Ventilation oder der Atemweg bedroht ist – nicht nach einer festen Stufenleiter. Die Druckwerte sind Beispielwerte, keine Einstellungsempfehlung. Quelle: eigene Darstellung.

VerfahrenZentrale Wirkung und Grenze
Konventioneller O₂Höherer O₂-Anteil; keine aktive Ventilationsunterstützung.
HFNCHoher befeuchteter Gasfluss; bei hypoxämischem Versagen ein möglicher Ansatz.
CPAPKontinuierlicher Druck; keine zusätzliche inspiratorische Druckdifferenz.
Bilevel-NIVDruckunterstützung plus exspiratorischer Druck; Maskentoleranz und Überwachung nötig.
Invasive BeatmungUnterstützung über gesicherten Atemwegszugang; invasive Risiken und intensive Betreuung.

Zwei Druck-Zeit-Kurven mit grau hinterlegten Einatmungsphasen. Oben CPAP: eine waagrechte Linie bei 8 cmH₂O in Ein- und Ausatmung, kein zusätzlicher Druckhub. Unten Bilevel-NIV: Trapezkurve zwischen EPAP 5 gleich PEEP und IPAP 15 cmH₂O; ein roter Doppelpfeil markiert die Differenz von 10 cmH₂O als Druckunterstützung. Darunter dieselbe Einstellung in zwei Schreibweisen: links Gesamtdrücke IPAP 15 und EPAP 5, Unterstützung 15 minus 5; rechts PEEP 5 und ASB 10 mit Zusatz PEEP+, Spitzendruck 5 plus 10. Grünes Ergebnisfeld: beide Male 10 cmH₂O Druckunterstützung, Spitzendruck 15 cmH₂O, FiO₂ wird getrennt eingestellt.

Abbildung: CPAP hält ein Druckniveau, Bilevel-NIV wechselt zwischen zwei Niveaus. Ob das Gerät Gesamtdrücke (IPAP/EPAP) oder Unterstützung über PEEP (PEEP + ASB) anzeigt, ändert nichts an der Druckdifferenz – du musst nur wissen, welche Schreibweise vorliegt. Die Zahlen sind Beispielwerte, keine Einstellungsempfehlung. Quelle: eigene Darstellung.

Display eines Intensivrespirators: oben die Modusanzeige BIPAP/ASB und ein roter Alarmbalken „MV hoch“, darunter eine Druck-Zeit-Kurve mit zwei Druckplateaus; unten grüne Einstellfelder, unter anderem O₂ 30, Pinsp 25, PEEP 5 und P ASB 10 mit dem Zusatz „PEEP+“.

Abbildung: Respirator-Display mit eingestellten Drücken. Pinsp 25 und PEEP 5 sind Druckniveaus; bei P ASB 10 zeigt der Zusatz „PEEP+“, dass diese Unterstützung oberhalb des PEEP angegeben wird. Prüfe deshalb immer, ob eine Zahl Gesamtdruck oder Differenz meint. Der rote Balken ist ein aktiver Alarm (hohes Atemminutenvolumen). Die Zahlen sind Beispielwerte, keine Einstellungsempfehlung. Quelle: Blogotron, Wikimedia Commons, CC0 1.0; Ausschnitt.

Indikation und Sicherheit zusammen prüfen

Besonders gut belegt ist NIV bei einer akuten hyperkapnischen respiratorischen Insuffizienz im Rahmen einer COPD-Exazerbation mit respiratorischer Azidämie, typischerweise pH <7,35, trotz begonnener Ursachen- und Initialtherapie. Eine erhöhte CO₂-Zahl allein bei pH ≥7,35 ist keine automatische akute NIV-Indikation. Bei kardialem Lungenödem sind CPAP oder NIV mögliche Verfahren, sofern keine sofortige Intubation nötig ist. Bei neuem hypoxämischem Versagen, etwa Pneumonie/ARDS, ist das Versagensrisiko nichtinvasiver Verfahren höher: engmaschige Auswahl, Überwachung und frühe Eskalation sind entscheidend.

Nach der deutschen S2k-Leitlinie soll NIV bei akuter hyperkapnischer Insuffizienz (PaCO₂ >45 mmHg) mit pH <7,35 eingesetzt werden, wenn keine Kontraindikation besteht; je niedriger der pH, desto höher das Versagensrisiko, ein pH <7,1 gilt als relative Kontraindikation. Bei hypoxämischem Versagen mit PaO₂/FiO₂ >150 mmHg sind HFNC und CPAP/NIV gleichwertig; unter 100 mmHg ist NIV wegen verzögerter Intubation nachteilig. Ob NIV wirkt, zeigen Dyspnoe und Atemfrequenz meist schon nach 1–2 Stunden; die erste Kontroll-BGA folgt häufig nach 30–60 Minuten.

Bei kardialem Lungenödem und neuem hypoxämischem Versagen unterscheiden sich die Bedingungen für nichtinvasive Verfahren.

SituationVerfahren und Sicherheitsbedingung
Kardiales LungenödemCPAP oder NIV möglich, sofern keine sofortige Intubation nötig ist; kardiale Ursache behandeln.
Neues hypoxämisches Versagen, z. B. Pneumonie/ARDSHöheres Versagensrisiko nichtinvasiver Verfahren; engmaschige Auswahl, Überwachung und frühe Eskalation.

Situationsdiagramm in fünf Zeilen, jeweils Problem links und Atemhilfe rechts: hyperkapnisch bei COPD-Exazerbation mit pH unter 7,35 führt zu Bilevel-NIV, HFNC nur in NIV-Pausen; kardiales Lungenödem ohne Sofort-Intubation führt zu frühem CPAP mit etwa 5 bis 10 cmH₂O, NIV gleichwertig, kardiale Therapie dazu; leicht hypoxämisch, zum Beispiel Pneumonie mit PaO₂/FiO₂ über 150 mmHg, führt zu HFNC oder CPAP/NIV, gleichwertig, engmaschig überwacht; schwer hypoxämisch, zum Beispiel ARDS mit PaO₂/FiO₂ unter 150 mmHg, nur im Einzelfall mit ständiger Intubationsbereitschaft, unter 100 mmHg ist NIV nachteilig; bedrohter Atemweg bei Atemstillstand, Schnappatmung oder Atemwegsverlegung: keine Maske, Notfallteam, Atemweg sichern. Rotes Ergebnisfeld: keine Besserung oder Verschlechterung, nicht abwarten, Intubation ohne Verzögerung.

Abbildung: Das Problem bestimmt die Atemhilfe. Bei Hyperkapnie entlastet Bilevel-NIV die Atempumpe, beim kardialen Lungenödem ist CPAP früh sinnvoll, bei Hypoxämie entscheidet das Ausmaß der Oxygenierungsstörung, und ein bedrohter Atemweg gehört nicht unter eine Maske. Quelle: eigene Darstellung.

Ablauf von oben nach unten: COPD-Exazerbation mit Atemnot unter Bronchodilatatoren, Behandlung des Auslösers und O₂-Ziel 88 bis 92 Prozent. Schritt 1 arterielle BGA mit pH, PaCO₂ und HCO₃⁻ sowie Atemfrequenz, Atemarbeit und Wachheit. Verzweigung: bei pH ab 7,35 keine akute NIV, Therapie fortsetzen, BGA bei Verschlechterung; bei pH unter 7,35 und PaCO₂ über 45 mmHg Schritt 2 Bilevel-NIV beginnen, ohne Kontraindikation soll sie eingesetzt werden, geschultes Team und Monitoring, Bronchodilatation parallel, roter Hinweis pH unter 7,1 relative Kontraindikation. Schritt 3 Wirkung früh prüfen: erste Kontroll-BGA nach 30 bis 60 Minuten, nach 1 bis 2 Stunden weniger Dyspnoe und Atemfrequenz, pH-Anstieg in den ersten 4 Stunden als Erfolgszeichen. Ergebnisfelder: besser mit pH-Anstieg und PaCO₂-Abfall, NIV fortsetzen; nicht besser, sofort erfahren neu bewerten; schlechter mit Warnzeichen, ohne Verzögerung intubieren. Darunter grau, nach Prüfung des Therapieziels: Intubation nur passend zum Therapieziel, sonst dokumentierte Therapiegrenze mit palliativen Zielen.

Abbildung: Die respiratorische Azidämie (pH <7,35 bei PaCO₂ >45 mmHg) trägt die akute NIV-Indikation bei COPD; eine erhöhte CO₂-Zahl allein genügt nicht. Nach dem Start entscheidet der frühe Verlauf. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Maske kann einen Tubus nicht ersetzen, wenn der Atemweg nicht ausreichend geschützt wird oder die Atmung unmittelbar zusammenbricht. Atemstillstand/Schnappatmung, nicht beherrschbare Atemwegsverlegung oder schwere Instabilität verlangen ein sofortiges Atemwegs- und Reanimationskonzept. Erbrechen, unbeherrschbare Sekretlast, fehlende Kooperation, Gesichtsverletzung oder starke Bewusstseinsstörung machen NIV gefährlich oder unmöglich. Die Bewertung hängt vom konkreten Problem ab: Eine durch Hyperkapnie bedingte Bewusstseinsstörung kann in ausgewählten Fällen durch ein erfahrenes Team unter unmittelbarer Intubationsbereitschaft behandelt werden; sie rechtfertigt keinen unüberwachten Maskenversuch.

Absolute Kontraindikationen nach der deutschen S2k-Leitlinie sind fehlende Spontanatmung oder Schnappatmung, eine fixierte oder funktionelle Atemwegsverlegung, gastrointestinale Blutung oder Ileus und ein nicht hyperkapnisch bedingtes Koma; hyperkapnisches Koma, massive Agitation, massiver Sekretverhalt, pH <7,1 und hämodynamische Instabilität sind relative Kontraindikationen.

Zwei Prüffragen von oben nach unten. Frage 1 absolute Kontraindikation: fehlende Spontanatmung oder Schnappatmung, fixiert oder funktionell verlegter Atemweg, GI-Blutung oder Ileus, Koma ohne Hyperkapnie; bei ja keine NIV, Notfallteam, Atemweg sichern. Bei nein Frage 2 relative Kontraindikation: Koma durch Hyperkapnie, massive Agitation oder fehlende Kooperation, Sekretverhalt oder Erbrechen, pH unter 7,1 oder schwere Hypoxämie, Schock oder Infarkt, nicht passende Maske; bei ja nur im Einzelfall mit erfahrenem Team auf IMC oder Intensivstation und ständiger Intubationsbereitschaft. Bei nein Schritt 3 NIV-Versuch vorbereiten: Ziel und Therapiegrenze dokumentiert, Monitoring und rasch verfügbare Intubation, Abbruchkriterien vorher festgelegt. Pfeil „im Verlauf“ zum roten Ergebnisfeld: tritt eine Kontraindikation neu auf, gilt das als NIV-Versagen, NIV beenden und intubieren.

Abbildung: Erst die absoluten, dann die relativen Kontraindikationen prüfen. Ein unmittelbar bedrohter Atemweg verlangt sofortiges Handeln; relative Kontraindikationen erlauben NIV nur im Einzelfall unter ständiger Intubationsbereitschaft. Quelle: eigene Darstellung.

Vor einem NIV-VersuchWas konkret geklärt sein muss
IndikationWelches Problem soll sich durch NIV bessern?
Atemweg und KooperationSchutzreflexe, Sekretkontrolle, Erbrechen, Toleranz.
VersorgungsortGeschultes Team, engmaschige Überwachung, rasch verfügbare Intubation.
TherapiezielPatientenwille und medizinisch erreichbares Ziel; Eskalationsrahmen dokumentiert.
Erfolg und AbbruchWelche klinischen/BGA-Änderungen werden wann kontrolliert?

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein wacher Patient mit COPD-Exazerbation hat trotz Initialbehandlung weiterhin hohe Atemarbeit, PaCO₂ 65 mmHg, HCO₃⁻ 29 mmol/l und pH 7,27. Er kann Sekret abhusten und ist kreislaufstabil. Hier passt ein eng überwachter NIV-Versuch: Er soll die Atempumpe entlasten und die CO₂-Abgabe verbessern. Eine bloße Steigerung des Sauerstoffs behandelt das Ventilationsproblem nicht. Bronchodilatation und die Behandlung des Auslösers laufen parallel nach dem krankheitsspezifischen Plan.

Die Tabelle bündelt die Befunde des ausgearbeiteten Beispiels.

MerkmalBefund
AusgangssituationCOPD-Exazerbation; Initialbehandlung begonnen.
AtmungWeiterhin hohe Atemarbeit.
PaCO₂65 mmHg
HCO₃⁻29 mmol/l
pH7,27
KlinikWach; kann Sekret abhusten; kreislaufstabil.

Einwilligung und praktische Anwendung

Eine kurze Erklärung kann Angst und Maskenabwehr vermindern: „Die Maske hilft Ihnen beim Einatmen und entlastet Ihre Atemmuskeln. Wir bleiben bei Ihnen und prüfen, ob die Behandlung wirkt. Bitte zeigen Sie sofort, wenn Ihnen übel wird oder Sie die Maske nicht tolerieren.“ Verständigungssignal, erreichbare Klingel und Beobachtung sind Teil der Sicherheit. Eine unerfahrene Person darf eine sich wehrende Patientin nicht durch zusätzliche Sedierung zur NIV-Toleranz zwingen.

Praktische Aufgabe unter Anleitung: Interface wählen, Sitz und Leckage prüfen, Haut schützen, Schlauch und vorgesehenen Ausatemweg kontrollieren, Alarme und Monitoring erläutern, Therapie und Kontrollzeit dokumentieren. Nur mit geschultem Team und zum konkreten Gerät gehörender Anleitung arbeiten. Ein verschlossener notwendiger Ausatemweg ist ein kritischer Fehler. Bei Verschlechterung Hilfe rufen, Patient und System prüfen und den Eskalationsplan umsetzen.

Für die akute NIV ist meist eine Mund-Nasen-Maske das erste Interface. Bei Hyperkapnie wird unter NIV meist eine SpO₂ von 88–92 % angestrebt.

Foto einer transparenten Mund-Nasen-Maske auf einem weißen Übungskopf: Das Maskenkissen liegt um Nase und Mund, zwei Bänder über den Kopf und im Nacken halten die Maske, vorn sitzt ein abgewinkeltes Anschlussstück für den Schlauch.

Abbildung: Mund-Nasen-Maske am Übungskopf. Prüfe beim Anlegen, ob das Maskenkissen ohne große Leckage um Nase und Mund sitzt, die Bänder fixieren, ohne stark zu drücken, und der Nasenrücken als typische Druckstelle geschützt ist. Welcher Ausatemweg vorgesehen ist, an der Maske oder im Schlauchsystem, steht in der Anleitung des konkreten Systems. Quelle: JoJoJo04, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Zeichnung eines transparenten Beatmungshelms, der den ganzen Kopf einer Person umschließt; ein blauer Halsring dichtet am Hals ab, zwei seitliche Gurte halten den Helm, unten gehen zwei Schläuche ab, einer davon mit Filter.

Abbildung: Helm als weiteres Interface für CPAP oder NIV. Er umschließt den ganzen Kopf und dichtet am Hals ab; Gesicht und Nasenrücken werden nicht durch ein Maskenkissen belastet. Welches Interface passt, entscheiden Problem, Gerät und Erfahrung des Teams. Quelle: Open Critical Care & World Health Organization, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Ausschnitt (linke Zeichnung).

Zwei Schlauchsysteme nebeneinander. Links Einschlauchsystem: Gerät, ein Schlauch mit Einatemgas, davor eine rot markierte Ausatemöffnung, aus der CO₂ entweicht, dann die Maske; die Ausatemöffnung liegt an der Maske, im Schlauch oder ist ein aktives Ventil, die Maske muss zum Schlauchsystem passen, die Öffnung bleibt immer frei. Rechts Zweischlauchsystem: Einatemschenkel zur Maske und Ausatemschenkel zurück zum Gerät, Maske ohne Öffnung, das Intensivgerät misst das Ausatemvolumen. Darunter rotes Feld: Öffnung verschlossen oder falsche Maske, CO₂ wird zurückgeatmet, PaCO₂ und Atemarbeit steigen. Grünes Feld: vor Start und nach jedem Wechsel System, Maske und Öffnung nach Anleitung des Geräts prüfen.

Abbildung: Warum ein verschlossener Ausatemweg ein kritischer Fehler ist: Ohne freie Öffnung oder passenden Ausatemschenkel atmet der Patient sein eigenes CO₂ wieder ein – gerade bei Hyperkapnie gefährlich. Quelle: eigene Darstellung.

Fünf nummerierte Schritte mit Pfeilen: 1 erklären und Verständigung sichern mit dem Satz „Die Maske hilft beim Einatmen“, Handzeichen und erreichbarer Klingel, nicht allein lassen, keine Zwangs-Sedierung. 2 Interface wählen, drei Möglichkeiten nebeneinander: Mund-Nasen-Maske akut meist erste Wahl, auch bei Mundatmung; Helm ohne Druck auf den Nasenrücken, laut, erfordert Erfahrung; Nasenmaske nur bei Mundschluss, eher Langzeit. 3 Sitz, Leckage und Haut: Maskengröße mit Schablone wählen, Bänder gleichmäßig und nicht maximal anziehen, Nasenrücken polstern und regelmäßig ansehen. 4 Schlauch und Ausatemweg: vorgesehene Öffnung oder Ventil frei, Schlauch ohne Knick, Filter richtig; verschlossen ist ein kritischer Fehler. 5 überwachen und dokumentieren: SpO₂ kontinuierlich, bei Hyperkapnie 88 bis 92 Prozent, Atemfrequenz, Puls, Blutdruck, Wachheit, Kontroll-BGA meist nach 30 bis 60 Minuten. Ergebnisfelder: besser mit weniger Atemarbeit, fortsetzen; Leckage, Sitz, Schlauch und Einstellung prüfen; schlechter, Hilfe rufen und Eskalationsplan umsetzen.

Abbildung: NIV praktisch sicher beginnen – von der Erklärung über Interface, Sitz und Ausatemweg bis zur Überwachung mit klarer Reaktion auf jede Richtung des Verlaufs. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Druck oder Sauerstoff?

Aufgabe

Ein Gerät zeigt IPAP 14 und EPAP 6 cmH₂O, beide als Gesamtdrücke. Wie groß ist die inspiratorische Druckunterstützung, und welches Problem soll sie vor allem beeinflussen?

Die Tabelle zeigt die angegebenen Gesamtdrücke.

AnzeigeWert
IPAP14 cmH₂O
EPAP6 cmH₂O
DarstellungBeide Werte sind Gesamtdrücke.
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Wann ist die Maske nicht der nächste Versuch?

Aufgabe

Ein Patient wird nach Aspiration bewusstlos, erbricht weiter und hat keine ausreichende Spontanatmung. Welche Priorität passt?

Die Tabelle fasst die Beobachtungen im Fall zusammen.

MerkmalBeobachtung
EreignisAspiration
BewusstseinBewusstlos
ErbrechenHält an
SpontanatmungNicht ausreichend
  1. a)Erst mehrere nichtinvasive Verfahren nacheinander ausprobieren.
  2. b)Das Atemwegs-/Notfallteam sofort alarmieren und Atemwegssicherung sowie wirksame Ventilation vorbereiten.
  3. c)Nur die FiO₂ erhöhen und die nächste BGA abwarten.
Lösung in der App →

Wirkung und Eskalation

Lernziel: Du kannst einen NIV-Verlauf überwachen und ein drohendes Versagen erkennen.

Erfolg ist mehr als eine gute Sättigung

Vor Beginn dokumentierst du Atemfrequenz, Atemarbeit, Bewusstsein, Kreislauf, SpO₂ und eine geeignete BGA sowie das verwendete O₂-System. Nach Beginn werden Patient, Maske, Synchronität und Leckage unmittelbar beobachtet. Kontinuierliche SpO₂- und Kreislaufüberwachung ergänzt wiederholte klinische Prüfungen. Eine erneute BGA wird früh nach Beginn und nach relevanten Änderungen geplant, häufig innerhalb von 30–60 Minuten; örtlicher Standard und Schweregrad bestimmen das genaue Intervall. Eine klare frühe Wirksamkeitsbewertung erfolgt innerhalb der ersten 1–2 Stunden. Bei Verschlechterung wird sofort reagiert, nicht bis zum Kontrollzeitpunkt gewartet.

Eine weitere BGA ist üblicherweise nach etwa 4 Stunden fällig, außerdem bei jeder Verschlechterung.

Fünf nummerierte Kontrollpunkte untereinander: 1 vor Start Ausgangswerte mit Atemfrequenz, Atemarbeit, Bewusstsein, Kreislauf, SpO₂, O₂-System und BGA, Ziel-SpO₂ meist 88–92 Prozent; 2 unmittelbar nach Start am Bett Maskensitz, Leckage, Haut, Synchronität sowie kontinuierlich SpO₂ und Kreislauf; 3 nach 30–60 Minuten erste Kontroll-BGA; 4 nach 1–2 Stunden Wirksamkeit bewerten, bei gleichem oder schlechterem pH/PaCO₂ sofort erfahren neu bewerten; 5 nach etwa 4 Stunden weitere BGA. Ein dunkelroter Balken betont: Verschlechterung jederzeit sofort behandeln. Unten drei Ergebnisse: besser – NIV und Ursachenbehandlung weiter; gleich – Technik optimieren und erfahren bewerten; schlechter – Eskalation ohne Wartezeit.

Abbildung: Die festen Kontrollpunkte strukturieren die ersten Stunden der NIV bei hyperkapnischer Azidämie; die Richtung des Verlaufs zählt, und eine geplante Kontrolle ist keine Wartefrist bei Gefahr. Quelle: eigene Darstellung.

Zeichen der BesserungWarum es zählt
Weniger Atemarbeit, angemessene FrequenzEntlastung der Atemmuskulatur.
Wachere, gut kommunizierende PersonKlinische Erholung; im Gesamtbild bewerten.
pH steigt, PaCO₂ fällt im passenden KontextVentilation verbessert sich.
Ziel-SpO₂ bei stabilem/sinkendem O₂-BedarfOxygenierung benötigt weniger Unterstützung.

Ein einzelner normaler PaCO₂ ist kein Erfolgsnachweis, wenn der Patient erschöpft oder kreislaufinstabil wird. Umgekehrt muss bei chronischer Hyperkapnie nicht jeder CO₂-Wert sofort auf 40 mmHg sinken. Wirkung, Verträglichkeit und Therapieziel bestimmen den Verlauf.

Oben: Gute SpO₂ allein ist kein NIV-Erfolg. Schritt 1: Ziel vorher festlegen – SpO₂ meist 88–92 Prozent bei Hyperkapnierisiko, sonst 92–96 Prozent; bei chronischer Hyperkapnie pH Richtung 7,35, PaCO₂ muss nicht sofort auf 40 mmHg fallen. Schritt 2: Gesamtbild prüfen, zwei Spalten. Links echte Besserung: Atemfrequenz sinkt, zum Beispiel von 32 auf 24 pro Minute, weniger Atemhilfsmuskulatur, wacher, pH steigt und PaCO₂ fällt, SpO₂ im Ziel bei gleichem oder weniger O₂. Rechts trügerische Ruhe: SpO₂ gut nur mit immer mehr O₂, Atemfrequenz bleibt hoch, schläfriger oder unruhiger, PaCO₂ normal, aber erschöpft oder instabil. Ergebnis links: NIV fortsetzen und weiter kontrollieren; rechts: sofort neu bewerten und Eskalation vorbereiten.

Abbildung: Erst das Gesamtbild aus Atemfrequenz, Atemarbeit, Wachheit, BGA und O₂-Bedarf zeigt, ob die NIV wirkt. Quelle: eigene Darstellung.

Nasenrücken eines älteren Patienten mit dunkler, scharf begrenzter Druckläsion an der Auflagestelle der Maske; Augenpartie geschwärzt, Pflaster auf der Nasenspitze, grüne Maskenbänder seitlich.

Abbildung: Druckgeschwür Kategorie 2 auf dem Nasenrücken. Laut Fallbericht saß eine dicht anliegende Gesichtsmaske fast 24 Stunden, ohne dass Druckstellen kontrolliert wurden. Zum NIV-Verlauf gehört deshalb auch der wiederholte Blick auf Maskensitz und Haut: Ein fester angezogenes Kopfband löst eine Leckage nicht zuverlässig, erhöht aber den Druck auf den Nasenrücken und kann die Verträglichkeit verschlechtern. Quelle: Rathore FA, Ahmad F, Zahoor MUU, Cureus 2016;8(10):e813, DOI 10.7759/cureus.813, Abb. 1, CC BY 3.0; Ausschnitt.

Abbruchsignale erkennen

Wenn Atemarbeit, Hypoxämie oder Azidämie trotz optimierter Anwendung zunehmen, droht NIV-Versagen. Weitere Warnzeichen sind neue Bewusstseinsstörung, fehlender Atemwegsschutz, hämodynamische Instabilität, mangelnde Sekretkontrolle oder Unverträglichkeit. Ein Maskenleck ist möglicherweise korrigierbar; ein sich erschöpfender Patient darf darüber nicht aus dem Blick geraten. Niedrigerer pH erhöht das Versagensrisiko, ist aber kein isolierter Ersatz für die klinische Entscheidung.

Typische Warnzeichen trotz optimierter NIV sind ein pH, der unter 7,25 bleibt, eine anhaltende Atemfrequenz über 25/min und neue Verwirrtheit oder Unruhe. Sind pH und PaCO₂ in der Kontroll-BGA gleich oder schlechter als vor Beginn, folgt sofort eine erfahrene Neubewertung.

Geräteaufzeichnung einer NIV über eine Nacht mit vier Spuren untereinander: Druck, Fluss, Gesamtleck und SpO₂. Zwei Pfeile markieren SpO₂-Abfälle, die zeitlich mit deutlich erhöhter Leckage zusammenfallen; im mittleren Abschnitt liegt das Leck dauerhaft am oberen Rand und der abgegebene Druck ist niedriger.

Abbildung: Reale Aufzeichnung eines Heimbeatmungsgeräts. An den Pfeilen fällt die SpO₂, während das Gesamtleck stark ansteigt; im mittleren Abschnitt sinkt zugleich der abgegebene Druck. Am Krankenbett zeigt das NIV-Gerät Leckage und Kurven ebenso: Steigt das Leck, prüfst du zuerst Sitz, Schlauch und Ausatemweg. Bleibt der Patient danach erschöpft, hypoxämisch oder azidämisch, steht nicht mehr die Technik, sondern ein drohendes NIV-Versagen im Vordergrund. Quelle: Arnal JM, Oranger M, Gonzalez-Bermejo J, J Clin Med 2023;12(6):2163, DOI 10.3390/jcm12062163, Abb. 5 (oberer Teil), CC BY 4.0; ausgeschnitten, vergrößert, Spurbeschriftung ins Deutsche übertragen, Datumsachse entfernt.

ProblemUnmittelbare Reaktion
Leckage/Asynchronie, Patient sonst stabilSitz, Schlauch, Ausatemweg und Einstellungen mit erfahrenem Team prüfen.
Anhaltend hoher Atemaufwand, schlechtere BGAUrsache und Wirksamkeit neu bewerten; Eskalation aktiv vorbereiten.
Erbrechen, Atemwegsschutz verlorenNIV ist nicht sicher fortführbar; Atemwegsteam sofort.
Hypotonie, schwere Hypoxämie, ErschöpfungNotfallmäßige Eskalation; keine weitere Routinewartezeit.

Bei festgestelltem NIV-Versagen und passendem Behandlungsziel wird die NIV beendet und ohne vermeidbare Verzögerung durch das erfahrene Team intubiert. Wiederholte erfolglose Maskenversuche dürfen das nicht aufschieben.

Ausgang: Alarm, Leck oder schlechtere Werte unter NIV. Schritt 1 in Rot: Ist der Patient gefährdet – Erbrechen oder verlorener Atemwegsschutz, Hypotonie oder schwere Hypoxämie, Erschöpfung oder abnehmendes Bewusstsein? Bei ja führt der Pfeil rechts zu „Sofort eskalieren“: Atemwegsteam sofort; bei NIV-Versagen und Ziel Intubation NIV beenden und ohne Verzögerung intubieren. Bei nein führt der Pfeil links zu Schritt 2 „Technik prüfen“: Maskengröße und Sitz, Schlauch und Ausatemweg, Kopfband nicht nur fester ziehen, bei Asynchronie Einstellungen mit Erfahrenen. Schritt 3 „Wirkung neu bewerten“: Kontroll-BGA mit pH und PaCO₂ im Vergleich zu vor Start, Atemfrequenz, Wachheit, Atemarbeit; Warnzeichen trotz optimierter NIV sind pH bleibt unter 7,25, Atemfrequenz anhaltend über 25 pro Minute und neue Verwirrtheit. Drei Ergebnisse: besser – NIV weiter mit Kontrollen; nicht besser – sofort erfahren neu bewerten; Warnzeichen – Intubation, wenn sie dem Behandlungsziel entspricht.

Abbildung: Zuerst wird die Gefährdung des Patienten geprüft, erst danach die Technik; Warnzeichen trotz optimierter NIV verlangen die zeitkritische Eskalation. Quelle: eigene Darstellung.

Auch bei einer vereinbarten Begrenzung invasiver Maßnahmen muss das Ziel ausdrücklich geklärt werden: Ist NIV ein Behandlungsschritt mit Aussicht auf Erholung, ein begrenzter Therapieversuch oder eine Maßnahme zur Symptomlinderung? Belastung und Nutzen werden wiederholt besprochen. Eine Maske wird nicht unabhängig vom Patientenwillen fortgesetzt.

Der Plan für ein mögliches NIV-Versagen wird vor Beginn dokumentiert: ob eine Intubation sinnvoll und gewollt ist, die Therapieobergrenze und der Reanimationsstatus.

Auch bei begrenzter invasiver Eskalation werden Ziel, Nutzen und Patientenwille gemeinsam betrachtet.

Zu klärenKonkreter Inhalt
NIV-ZielErholung, begrenzter Therapieversuch oder Symptomlinderung.
VerlaufBelastung und Nutzen wiederholt besprechen.
PatientenwilleMaske nicht unabhängig davon fortsetzen.

Oben die Frage: Was passiert, wenn die NIV versagt – vor Beginn klären und dokumentieren. Schritt 1 „Vor Start festlegen“: Intubation sinnvoll und gewollt, Therapieobergrenze, Reanimationsstatus. Drei Spalten nebeneinander: Erholung – NIV als Brücke, bei Versagen ohne Verzug intubieren; begrenzter Versuch – NIV ist die Obergrenze, bei Versagen auf Symptomlinderung umstellen; Symptomlinderung – NIV nur, solange sie entlastet, bei zu großer Belastung Maske absetzen. Alle drei führen zu Schritt 2 „Im Verlauf wiederholt besprechen“: Belastung und Nutzen der Maske, Patientenwille gilt jederzeit.

Abbildung: Das vorher festgelegte Therapieziel entscheidet, was bei NIV-Versagen folgt: Intubation, Umstellung auf Symptomlinderung oder Absetzen der Maske. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei verschiedene Verläufe

Ausgearbeitetes Beispiel

Ausgang: COPD-Exazerbation, pH 7,27, PaCO₂ 65 mmHg, HCO₃⁻ 29 mmol/l, Atemfrequenz 32/min. Nach 45 Minuten NIV: pH 7,32, PaCO₂ 58 mmHg, HCO₃⁻ 29 mmol/l; Frequenz 24/min, wach, geringere Atemarbeit, SpO₂ im verordneten Bereich. Das ist eine frühe Besserung. NIV und Ursachenbehandlung werden unter weiterer Überwachung fortgesetzt; das Team prüft erneut, statt die Behandlung jetzt als abgeschlossen zu betrachten.

Oben COPD-Exazerbation unter NIV. Zwei Kästen nebeneinander: Ausgang pH 7,27, PaCO₂ 65 mmHg, HCO₃⁻ 29 mmol/l, Atemfrequenz 32/min; nach 45 Minuten NIV pH 7,32, PaCO₂ 58 mmHg, HCO₃⁻ 29 mmol/l, Atemfrequenz 24/min. Schritt 1 „Was hat sich verändert?“: pH plus 0,05, PaCO₂ minus 7 mmHg, Atemfrequenz minus 8 pro Minute, HCO₃⁻ unverändert – die Besserung kommt aus der Ventilation. Schritt 2 „Passt die Klinik dazu?“: wach, Sekretkontrolle erhalten, geringere Atemarbeit, SpO₂ im verordneten Bereich. Schritt 3 „Frühe Besserung – noch nicht fertig“: NIV und Ursachenbehandlung fortsetzen, weitere BGA nach etwa 4 Stunden und sofort bei Verschlechterung, Eskalationsplan gilt weiter. Zwei Ergebnisse: weiter besser – fortsetzen mit Kontrollen; erneut schlechter – sofort neu bewerten und eskalieren.

Abbildung: Bei unverändertem HCO₃⁻ beruht der pH-Anstieg auf dem PaCO₂-Abfall; zusammen mit Wachheit und geringerer Atemarbeit ist das eine frühe Besserung, aber noch kein Abschluss. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Den nächsten Schritt begründen

Aufgabe

Bei einer anderen Patientin steigt PaCO₂ unter NIV von 65 auf 78 mmHg, pH fällt von 7,27 auf 7,21. Sie wird schläfriger, kann Sekret schlechter abhusten und benötigt mehr O₂. Welches Vorgehen passt am besten?

Die Tabelle zeigt den angegebenen Verlauf unter NIV.

MerkmalVerlauf
PaCO₂65 → 78 mmHg
pH7,27 → 7,21
WachheitZunehmend schläfrig
SekretSchlechteres Abhusten
O₂-BedarfNimmt zu
  1. a)Unverändert bis zum Ende der nächsten regulären Visite weiterbehandeln.
  2. b)Allein die Ziel-SpO₂ auf 100 % erhöhen.
  3. c)NIV-Versagen annehmen, Atemweg und Kreislauf sofort neu beurteilen und das erfahrene Team zur Eskalation hinzuziehen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine kurze NIV-Übergabe

Aufgabe

Formuliere für den gebesserten Patienten aus S03 eine Übergabe mit Ausgangsproblem, aktueller Wirkung und dem noch notwendigen Kontrollplan.

Die Tabelle stellt die dokumentierten Befunde aus dem Beispiel gegenüber.

MerkmalAusgangNach 45 min NIV
pH7,277,32
PaCO₂65 mmHg58 mmHg
HCO₃⁻29 mmol/l29 mmol/l
Atemfrequenz32/min24/min
In der App sprechen üben →

ARDS erkennen

Lernziel: Du kannst ARDS einordnen und lungenprotektive Unterstützung begründen.

Warum die Lunge Sauerstoff nicht mehr gut aufnimmt

ARDS bedeutet Acute Respiratory Distress Syndrome, ein akutes entzündliches Lungenschädigungssyndrom. Auslöser sind beispielsweise Pneumonie, Sepsis oder Aspiration. Man unterscheidet direkte (pulmonale) Auslöser wie Pneumonie oder Aspiration von indirekten (extrapulmonalen) wie Sepsis, Polytrauma oder Pankreatitis. Eine geschädigte alveolär-kapilläre Barriere wird durchlässiger: Flüssigkeit tritt aus, Alveolen werden instabil oder kollabieren. Durchblutete, schlecht belüftete Lungenanteile verursachen Shunt; der nutzbare belüftete Lungenanteil wird kleiner. Die Lunge ist häufig weniger dehnbar, die Atemarbeit steigt. Bei Shunt hebt zusätzlicher Sauerstoff den PaO₂ nur begrenzt.

Von oben nach unten: direkte Auslöser wie Pneumonie und Aspiration sowie indirekte wie Sepsis, Polytrauma und Pankreatitis führen innerhalb einer Woche zur Entzündung der alveolär-kapillären Barriere mit Flüssigkeitsaustritt und instabilen Alveolen. Daraus folgen nebeneinander Shunt, bei dem mehr Sauerstoff den PaO₂ nur begrenzt hebt, und eine kleine, steife Lunge. Die Folgen in der unteren Reihe: Hypoxämie mit PaO₂/FiO₂ höchstens 300 mmHg, steigende Atemarbeit mit Erschöpfungsrisiko und die Notwendigkeit, die Lunge mit etwa 6 ml/kg Standard-Körpergewicht zu schützen.

Abbildung: Vom Auslöser über die durchlässige Barriere zu Shunt und kleiner, steifer Lunge. Das Schaubild erklärt den Funktionsverlust; es ist keine radiologische Darstellung. Quelle: eigene Darstellung.

Für die hier gelehrte klinische Einordnung verwenden wir die Berlin-Kriterien, auf die sich auch die deutsche invasive Beatmungsleitlinie 2025 stützt. Die neuere globale Definition erfasst zusätzlich bestimmte nicht intubierte Patienten unter High-Flow und weitere diagnostische Kontexte; die Definitionssysteme dürfen bei einer Schweregradeinteilung nicht vermischt werden.

Berlin-KriteriumBedeutung
ZeitBeginn innerhalb einer Woche nach bekanntem Auslöser oder neuen/zunehmenden respiratorischen Beschwerden.
BildgebungBeidseitige Verschattungen, nicht vollständig durch Ergüsse, Kollaps oder Raumforderungen erklärt.
Ursache des ÖdemsVersagen nicht vollständig durch Herzinsuffizienz oder Flüssigkeitsüberladung erklärt.
OxygenierungPaO₂/FiO₂ ≤300 mmHg unter dem jeweils erforderlichen positiven Atemwegsdruck.

ARDS und Herzinsuffizienz können gleichzeitig vorkommen. Ohne passenden Auslöser muss eine kardiale Ursache besonders sorgfältig geprüft werden, etwa mittels Echokardiografie. Die Diagnose benötigt das Gesamtbild; weder ein niedriger Quotient noch ein Röntgenbefund allein genügt.

Röntgen-Thorax eines Intensivpatienten mit beidseitigen, fleckig bis flächig zusammenfließenden Verschattungen in beiden Lungen, betont in den mittleren und unteren Feldern; Herzkontur teilweise unscharf; am Bildrand Überwachungselektroden.

Abbildung: Röntgen-Thorax bei ARDS als Komplikation einer schweren Infektion. Achte auf die beidseitigen Verschattungen, die sich nicht allein durch Erguss, Kollaps oder Raumforderung erklären lassen – das ist das Bildgebungskriterium nach Berlin. Allein beweist dieses Bild kein ARDS: Zeitverlauf, Ödemursache und Oxygenierung gehören dazu. Quelle: van der Vaart TW et al., Emerg Infect Dis 2014;20(8), DOI 10.3201/eid2008.131421, über Wikimedia Commons, gemeinfrei (Emerging Infectious Diseases, CDC); in WebP umgewandelt.

Von oben nach unten: Verdacht auf ARDS, dann 1 Zeit mit Beginn innerhalb einer Woche, daneben 2 Bildgebung mit beidseitigen Verschattungen und 3 Ursache des Ödems, nicht ganz kardial erklärt, dann 4 Oxygenierung mit PaO₂/FiO₂ höchstens 300 mmHg unter PEEP oder CPAP ab 5 cmH₂O. Im Gesamtbild verzweigt der Weg zu ARDS nach Berlin, zu kardialem Ödem (beides gleichzeitig möglich) oder zu einer anderen Ursache wie Erguss, Atelektase oder Raumforderung.

Abbildung: Erst alle vier Berlin-Kriterien zusammen tragen die Diagnose; fehlt eines, führt der Weg zu einer anderen Erklärung. Quelle: eigene Darstellung.

Oxygenierungsquotient verstehen

Der PaO₂/FiO₂-Quotient setzt den erreichten arteriellen Sauerstoffpartialdruck ins Verhältnis zum zugeführten Sauerstoffanteil. FiO₂ wird als Bruch eingegeben: 50 % = 0,50. Ist PaO₂ in mmHg angegeben, wird auch der Quotient in mmHg dargestellt. Derselbe PaO₂ unter mehr O₂ entspricht einem schlechteren Quotienten.

Berlin-SchweregradOxygenierungsbereich und Druckbedingung
Mild200 < PaO₂/FiO₂ ≤300; PEEP oder CPAP ≥5 cmH₂O.
Moderat100 < PaO₂/FiO₂ ≤200; PEEP ≥5 cmH₂O.
SchwerPaO₂/FiO₂ ≤100; PEEP ≥5 cmH₂O.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine invasiv beatmete Patientin hat bei PEEP 8 cmH₂O einen PaO₂ von 72 mmHg und FiO₂ 0,60. Der Quotient beträgt 72 ÷ 0,60 = 120 mmHg. Bei erfüllten übrigen Kriterien entspricht dies einem moderaten ARDS nach Berlin. Das Einsetzen von „60“ statt „0,60“ wäre ein Einheitenfehler. Eine ungenaue FiO₂-Schätzung über eine normale Nasenbrille ist keine sichere Grundlage dieser Einstufung.

Von oben nach unten: Messwerte PaO₂ 72 mmHg, FiO₂ 60 Prozent und PEEP 8 cmH₂O. Der richtige Weg setzt FiO₂ als 0,60 ein und ergibt 120 mmHg; der falsche Weg teilt durch 60 und ergibt bedeutungslose 1,2. Zum Vergleich ergibt derselbe PaO₂ unter FiO₂ 0,40 einen Quotienten von 180 mmHg. PEEP 8 erfüllt die Druckbedingung; über eine Nasenbrille wäre FiO₂ nur geschätzt. In der Schweregradreihe ist moderat, über 100 bis 200 mmHg, hervorgehoben.

Abbildung: Mit FiO₂ als Bruch ergibt das Beispiel 120 mmHg, also ein moderates ARDS nach Berlin. Quelle: eigene Darstellung.

Lunge schützen und rechtzeitig eskalieren

Das Tidalvolumen ist das Volumen eines einzelnen Atemzuges. Der Plateau-Druck wird bei fehlendem Atemgasfluss am Ende der Inspiration bestimmt und hilft, die Belastung des respiratorischen Systems einzuschätzen.

Bei ARDS kann ein für eine gesunde Lunge übliches Volumen den verbleibenden belüfteten Anteil überdehnen. Lungenprotektive Beatmung begrenzt deshalb Tidalvolumen und Druck. Für ARDS wird ein Tidalvolumen um 6 ml/kg vorhergesagtes beziehungsweise ideales Körpergewicht verwendet, innerhalb eines kontextabhängigen Bereichs von etwa 4–8 ml/kg. Gemeint ist das aus Körpergröße und geeigneter Referenzformel bestimmte Bezugsgewicht, nicht das aktuelle Gewicht bei Adipositas. Nach der Formel des ARDS-Network beträgt dieses Standard-Körpergewicht für Männer 50 + 0,91 × (Körpergröße in cm − 152,4) kg, für Frauen 45,5 + 0,91 × (Körpergröße in cm − 152,4) kg. Der Plateau-Druck soll üblicherweise 30 cmH₂O nicht überschreiten; Messung und Interpretation gehören in erfahrene Hände. Liegt er darüber, wird das Tidalvolumen schrittweise in Richtung 4 ml/kg gesenkt. Die inspiratorische Druckdifferenz (Driving Pressure = Plateau-Druck − PEEP) soll nach der S3-Leitlinie 2025 möglichst ≤14 cmH₂O betragen.

Touchscreen eines Intensivrespirators mit Druckkurve im oberen Feld und großen numerischen Messwerten rechts daneben; eine Hand zeigt auf die Anzeige.

Abbildung: Bildschirm eines Intensivrespirators mit Druckkurve und Messwerten. Tidalvolumen und Drücke werden hier fortlaufend angezeigt; den Plateau-Druck bestimmt man mit einer kurzen Pause am Ende der Inspiration ohne Atemgasfluss und liest ihn dann am Gerät ab. Quelle: Staff Sgt. Jan K. Valle, U.S. Air Force (DVIDS 9566698), Wikimedia Commons, gemeinfrei (Werk der US-Streitkräfte); Ausschnitt.

Beispiel einer 165 cm großen Frau mit aktuell 95 kg: Das Standard-Körpergewicht nach der Formel 45,5 plus 0,91 mal 12,6 beträgt etwa 57 kg. Richtig sind damit etwa 340 ml bei 6 ml/kg, Bereich 230 bis 460 ml; falsch wären 570 ml nach dem aktuellen Gewicht, die die kleine belüftete Lunge überdehnen. Danach werden Plateau-Druck bis 30 cmH₂O und Driving Pressure bis 14 cmH₂O geprüft: im Ziel beibehalten, zu hoch das Volumen schrittweise Richtung 4 ml/kg senken.

Abbildung: Das Tidalvolumen richtet sich nach der Körpergröße, nicht nach der Waage; die Drücke am Respirator entscheiden über die Anpassung. Quelle: eigene Darstellung.

PEEP kann Alveolen offen halten, aber zu hoher Druck kann andere Bereiche überdehnen und den Kreislauf belasten. Die Einstellung wird daher individuell anhand von Oxygenierung, Mechanik und Hämodynamik überprüft. Invasiv Beatmete erhalten einen PEEP von mindestens 5 cmH₂O; bei moderatem und schwerem ARDS empfiehlt die S3-Leitlinie 2025 einen höheren, bettseitig individualisierten PEEP. Ein rechnerischer Kompensationswert ist keine Beatmungseinstellung. Ein gewisser CO₂-Anstieg kann unter Lungenprotektion akzeptiert werden; die Verträglichkeit hängt unter anderem von pH, Kreislauf und neurologischem Kontext ab.

Bei invasiv beatmetem moderatem bis schwerem ARDS mit PaO₂/FiO₂ <150 mmHg trotz optimierter Behandlung ist frühe Bauchlagerung für lange Sitzungen, üblicherweise mindestens 16 Stunden, ein wichtiger Ansatz. Sie wird beendet, wenn die Oxygenierung 4 Stunden nach Rückdrehung stabil bleibt (PaO₂/FiO₂ ≥150 mmHg bei PEEP ≤10 cmH₂O und FiO₂ ≤0,6) oder mehrere Versuche erfolglos waren. Sie erfordert ein geschultes Team, Tubus-/Kathetersicherung und Kontrollen von Druckstellen und Kreislauf. Bei refraktärem schwerem Versagen wird früh ein erfahrenes Zentrum konsultiert; extrakorporale Unterstützung ist eine spezialisierte Auswahlentscheidung. Eine veno-venöse ECMO kommt erst nach ausgeschöpfter konservativer Therapie einschließlich Bauchlage in Betracht; als Orientierung dienen die EOLIA-Kriterien (PaO₂/FiO₂ <50 mmHg über mehr als 3 h, <80 mmHg über mehr als 6 h oder pH <7,25 bei PaCO₂ ≥60 mmHg über mehr als 6 h). Als erfahrenes ARDS/ECMO-Zentrum gilt ein Zentrum mit mindestens 20 ECMO-Behandlungen pro Jahr. Ursachenbehandlung, bedarfsgerechtes Kreislauf-/Flüssigkeitsmanagement und Komplikationsvermeidung laufen parallel. Arzneimittel wie Kortikosteroide werden indikations- und protokollbezogen beurteilt; es gibt hier keine universelle ARDS-Selbstverordnung.

Von der Indikation bei invasiv beatmetem ARDS mit PaO₂/FiO₂ unter 150 mmHg zur Bauchlage für mindestens 16 Stunden. Vier Stunden nach Rückdrehung werden alle drei Bedingungen gemeinsam geprüft: PaO₂/FiO₂ mindestens 150 mmHg, PEEP höchstens 10 cmH₂O und FiO₂ höchstens 0,6 bei stabiler Oxygenierung. Bei Erfüllung wird die Bauchlage beendet. Andernfalls entscheidet der Verlauf: mehrere erfolglose Versuche führen ebenfalls zum Beenden, sonst folgt eine weitere Sitzung. Ein paralleler roter Weg führt bei refraktärem schwerem Versagen früh zum ARDS/ECMO-Zentrum; vvECMO bleibt eine spezialisierte Auswahl nach ausgeschöpfter konservativer Therapie einschließlich Bauchlage.

Abbildung: Nach Rückdrehung müssen Stabilität und alle drei Oxygenierungsbedingungen gemeinsam vorliegen; bei refraktärem Versagen wird parallel früh ein Zentrum einbezogen. Quelle: eigene Darstellung.

Intensivteam in Schutzkleidung steht von beiden Seiten am Bett und dreht einen in Laken gehüllten Patienten gemeinsam; im Vordergrund Infusionstechnik und Leitungen.

Abbildung: Ein Intensivteam dreht einen Patienten koordiniert in die Bauchlage. Mehrere Personen mit festen Aufgaben sind nötig; Tubus, Katheter und Leitungen werden vorher gesichert, danach Druckstellen und Kreislauf kontrolliert. Quelle: Michael H. Lehman, U.S. Navy (Navy Medicine, Flickr 51974757397), Wikimedia Commons, gemeinfrei (Werk der US-Streitkräfte); Ausschnitt, Herstellerschriftzüge entfernt.

Eskalationsstufen bei invasiv beatmetem ARDS von oben nach unten: 1 lungenprotektiv beatmen mit etwa 6 ml/kg, Plateau-Druck bis 30 und Driving Pressure bis 14 cmH₂O; 2a PEEP nie unter 5 cmH₂O, bei moderatem oder schwerem ARDS höher und individuell, daneben 2b permissive Hyperkapnie in Grenzen. Bleibt PaO₂/FiO₂ unter 150 mmHg, folgt 3 frühe Bauchlage über mindestens 16 Stunden mit Abbruchkriterium PaO₂/FiO₂ ab 150 bei PEEP bis 10 und FiO₂ bis 0,6 vier Stunden nach Rückenlage. Weiter refraktär: 4 ARDS/ECMO-Zentrum kontaktieren, EOLIA-Kriterien. Parallel auf jeder Stufe: Ursache behandeln, Flüssigkeit bedarfsgerecht, Komplikationen vermeiden, Steroide nur nach Indikation.

Abbildung: Lungenprotektion, PEEP, Bauchlage und ECMO-Zentrum bauen aufeinander auf; die Basistherapie läuft auf jeder Stufe mit. Quelle: eigene Darstellung.

Erschöpfung: Ein Abfall der Atemfrequenz ist nur günstig, wenn Atemtiefe, Wachheit, Atemarbeit und Gasaustausch sich bessern. Nach langer Tachypnoe können flache, langsamere Atmung, paradoxe Bewegung, nachlassendes Atemgeräusch, zunehmendes CO₂ und Bewusstseinstrübung einen Zusammenbruch ankündigen. Nichtinvasive Maßnahmen dürfen die erforderliche Intubation nicht verzögern. Ein pH <7,35 bei PaCO₂ >45 mmHg zeigt eine akute respiratorische Azidose an. Unter HFNC kann der ROX-Index ((SpO₂/FiO₂) ÷ Atemfrequenz) orientieren: Werte ≥4,88 sprechen für ein geringeres Intubationsrisiko; klinische Warnzeichen gehen jedem Score vor.

Ausgangspunkt: Atemfrequenz fällt unter HFNC von 36 auf 18 pro Minute. 1 Am Bett Atemtiefe, Atemhilfsmuskulatur, paradoxe Bewegung, Wachheit, Atemgeräusch und Sauerstoffbedarf prüfen; 2 BGA mit respiratorischer Azidose bei pH unter 7,35 und PaCO₂ über 45 mmHg sowie ROX-Index. Links echte Besserung mit ROX ab 4,88 und weiter beobachten, rechts Erschöpfung mit flacher Atmung, Bewusstseinstrübung, steigendem PaCO₂ und fallendem pH: sofort eskalieren, Intubation nicht verzögern.

Abbildung: Eine niedrigere Frequenz ist nur mit besserer Atemqualität und stabilem Gasaustausch ein gutes Zeichen; Warnzeichen führen sofort zur Eskalation. Quelle: eigene Darstellung.

Bildgebung und Strahlenschutz: Wähle die Untersuchung nach der klinischen Frage. Vorbefunde nutzen, unnötige Wiederholungen vermeiden; Sonografie und Echokardiografie können ohne ionisierende Strahlung wichtige Zusatzinformationen liefern: die Lungensonografie etwa Erguss, Pneumothorax oder Konsolidierungen, die Echokardiografie Pumpfunktion und Rechtsherzbelastung. Die Röntgen-Thoraxaufnahme am Bett zeigt beidseitige Verschattungen und die Lage von Tubus und Kathetern; zur Orientierung nennt das Bundesamt für Strahlenschutz für eine Thoraxaufnahme etwa 0,04 mSv, für ein CT des Thorax etwa 5 mSv. Ein CT ist keine Routinekontrolle jeder Sättigungsänderung. Wenn ein CT eine relevante Alternative wie Embolie klären soll, müssen erwarteter Nutzen, Transportstabilität und besondere Umstände wie mögliche Schwangerschaft berücksichtigt werden. Lebensrettende Diagnostik wird nicht pauschal wegen Strahlung verworfen.

Die Auswahl der Bildgebung folgt der klinischen Frage und den Bedingungen der Untersuchung.

UntersuchungBei der Auswahl beachten
VorbefundeNutzen und unnötige Wiederholungen vermeiden.
Sonografie / EchokardiografieZusatzinformationen ohne ionisierende Strahlung.
CT, etwa bei EmboliefrageNutzen, Transportstabilität und mögliche Schwangerschaft berücksichtigen.

Von oben nach unten: 1 Vorbefunde prüfen und nur bei neuer Frage wiederholen; 2a Lungensonografie für Erguss, Pneumothorax, Konsolidierung und B-Linien sowie 2b Echokardiografie für Pumpfunktion und Rechtsherzbelastung, beide ohne Strahlung; 3 Röntgen-Thorax am Bett mit etwa 0,04 mSv; bei Frage nach Embolie oder Abszess 4 CT oder CT-Angiografie mit etwa 5 mSv, Kontrastmittel und Transport. Bei lebenswichtiger Frage wird das CT durchgeführt, als Routinekontrolle nicht.

Abbildung: Die klinische Frage bestimmt die Untersuchung: erst ohne Strahlung am Bett, CT nur, wenn es eine Entscheidung trägt. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Berechnen und einordnen

Aufgabe

Bei invasiver Beatmung: PaO₂ 90 mmHg, FiO₂ 0,50, PEEP 8 cmH₂O. Pneumonie seit drei Tagen, beidseitige Verschattungen laut radiologischem Befund; das Versagen ist nicht vollständig kardial erklärt. Berechne den Quotienten und ordne ihn nach Berlin ein.

Die Tabelle ordnet die vorgegebenen Messwerte und Befunde.

MerkmalAngabe
BeatmungInvasiv
PaO₂90 mmHg
FiO₂0,50
PEEP8 cmH₂O
ZeitverlaufPneumonie seit drei Tagen
BildgebungBeidseitige Verschattungen laut radiologischem Befund
UrsacheVersagen nicht vollständig kardial erklärt

Röntgen-Thorax im Liegen bei einem intubierten Patienten: Tubus in der Trachea, mehrere Überwachungskabel; in beiden Lungen ausgedehnte, fleckig bis flächig zusammenfließende Verschattungen bis in die Unterfelder.

Abbildung: Liegendaufnahme unter invasiver Beatmung mit beidseitigen Verschattungen – so kann der im Fall genannte radiologische Befund aussehen. Quelle: Prekker ME, Smith SW, Clin Pract Cases Emerg Med 2017;1(2):136–139, Abb. 1, CC BY 4.0, Beschriftung entfernt, zugeschnitten.

In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Weniger Atemzüge: Besserung?

Aufgabe

Ein Patient unter HFNC atmete zuvor 36/min. Jetzt atmet er 18/min, sehr flach, öffnet die Augen erst auf Ansprache, benötigt mehr O₂ und hat einen steigenden PaCO₂. Deute diese Veränderung und begründe die nächste Priorität.

Die Tabelle bündelt die Veränderungen unter HFNC.

MerkmalBeobachtung
AtemfrequenzZuvor 36/min; jetzt 18/min
AtemtiefeSehr flach
WachheitAugenöffnung erst auf Ansprache
O₂-BedarfNimmt zu
PaCO₂Steigt

Liegender Patient mit breiter, an den Wangen fixierter Nasenkanüle; ein gerippter Schlauch führt zum Flowgerät im Hintergrund; zwei Hände halten die Fixierung; die Augenpartie ist bereits in der Originalabbildung unkenntlich gemacht.

Abbildung: Nasale High-Flow-Sauerstofftherapie (HFNC) – breite Nasenkanüle mit beheiztem Schlauchsystem und Flowgerät. Quelle: Ma B et al., BMC Anesthesiol 2022;22:81, Abb. 1A, CC BY 4.0, Teilbild A, zugeschnitten.

In der App sprechen üben →

Beatmungsverlauf sichern

Lernziel: Du kannst Beatmungskomplikationen erkennen und die Entwöhnung mitbeurteilen.

Plötzlich schlechter: zuerst zum Patienten

Ein Alarm kann eine technische Störung oder eine gefährliche Patientenveränderung anzeigen. Bei plötzlicher Entsättigung unter Beatmung alarmierst du Hilfe und prüfst gleichzeitig Patient und System: Bewusstsein, Kreislauf, Thoraxbewegung, Atemgeräusche, Tubuslage/-durchgängigkeit, Verbindungen und Gasversorgung. Ein plausibler SpO₂-Abfall wird behandelt; die Signalprüfung läuft parallel. Alarme werden nicht bloß stummgeschaltet. Eine verbreitete Merkhilfe für die Ursachen ist DOPES: Dislokation, Obstruktion, Pneumothorax, Equipment (Gerät) und Stacking (Überblähung). Die FiO₂ wird dabei vorübergehend auf 1,0 erhöht; fehlt in der Kapnografie die CO₂-Kurve, gilt der Tubus als fehlplatziert, bis das Gegenteil gezeigt ist.

Ausgang in Dunkelrot: plötzliche Entsättigung unter Beatmung, SpO₂ fällt, Alarm, Druck oder Volumen auffällig. Schritt 1 Sofort, parallel und nicht nacheinander: Hilfe rufen und Alarm nicht nur stummschalten, FiO₂ vorübergehend auf 1,0, Bewusstsein, Puls und Blutdruck. Schritt 2 Patient am Bett: hebt sich der Thorax beidseits, ist das Atemgeräusch seitengleich, ist in der Kapnografie die CO₂-Kurve noch da; Hinweis: keine CO₂-Kurve bedeutet Tubus fehlplatziert, bis widerlegt. Nebeneinander Schritt 3 Tubus: Tiefe an der Zahnreihe unverändert, Knick, Biss oder Sekret, Absaugkatheter passierbar; Schritt 4 Schlauch und Gerät: Diskonnektion, Leck, Gasversorgung; bei Verdacht vom Gerät trennen und mit Beutel und 100 % O₂ beatmen, dabei Ausatemzeit lassen. Schritt 5 Ursachen nach DOPES: Dislokation, Obstruktion, Pneumothorax, Equipment, Stacking. Drei Ergebnisse: Schock und einseitig leises Atemgeräusch – an Spannungspneumothorax denken, sofort entlasten, nicht auf Röntgen warten; hohe Drücke und lange Ausatmung – Obstruktion oder Überblähung, Fachteam; mit Beutel besser – Gerät oder Schlauchsystem als Ursache.

Abbildung: Hilfe, Oxygenierung und Kreislauf kommen zuerst; Patient, Tubus und System werden parallel geprüft, DOPES ordnet die Ursachen. Quelle: eigene Darstellung.

UrsacheHinweis und Konsequenz
Tubus disloziert, geknickt oder verlegtGeänderte Thoraxbewegung, Sekret, Druck-/Volumenalarm; Atemweg umgehend prüfen.
Schlauch getrennt oder Gerät/Gasversorgung gestörtVerbindungs-/Systemkontrolle; erfahrenes Team sichert eine alternative wirksame Ventilation.
Pneumothorax, besonders mit SpannungPlötzliche Verschlechterung, eventuell einseitig schwaches Atemgeräusch und Schock; sofortige Notfallbeurteilung.
Bronchospasmus, Sekret, dynamische ÜberblähungAusatmung erschwert, hohe Drücke; Ursache und Beatmung durch Fachteam prüfen.

Bei volumenkontrollierter Beatmung hilft ein kurzer inspiratorischer Halt: Steigt nur der Spitzendruck (Abstand zum Plateaudruck mehr als etwa 5 cmH₂O), spricht das für einen erhöhten Widerstand wie Knick, Sekret oder Bronchospasmus; steigen Spitzen- und Plateaudruck, eher für eine steifere Lunge oder Thoraxwand, etwa bei Pneumothorax, einseitiger Intubation oder Überblähung. Bei druckkontrollierter Beatmung zeigt sich dasselbe Problem als sinkendes Tidalvolumen.

Ausgang: Druckalarm bei volumenkontrollierter Beatmung; bei druckkontrollierter Beatmung sinkt stattdessen das Tidalvolumen. Schritt 1: kurzen inspiratorischen Halt messen; der Spitzendruck enthält Atemwegswiderstand und Dehnung, der Plateaudruck ohne Fluss nur die Dehnung; den Abstand vergleichen. Steigt nur die Spitze, führt der linke Pfeil zu 2a Widerstand erhöht: Abstand größer als etwa 5 cmH₂O, Tubus geknickt oder Biss, Sekret oder Schleimpfropf, Bronchospasmus; dann 3a: Tubus prüfen, absaugen, Bronchodilatation mit dem Team. Steigen Spitze und Plateau, führt der rechte Pfeil zu 2b Lunge oder Thorax steifer: Pneumothorax, einseitige Intubation, Atelektase oder Lungenödem, Überblähung mit Auto-PEEP; dann 3b: Atemgeräusch und Tubustiefe, Sonografie oder Röntgen wenn stabil, bei Spannung sofort entlasten. Beide Wege münden in den roten Kasten: Plateau über 30 cmH₂O – Überdehnung droht, Ursache klären und Einstellung mit dem Team anpassen.

Abbildung: Der Vergleich von Spitzen- und Plateaudruck trennt ein Widerstandsproblem von einer steiferen Lunge oder Thoraxwand. Quelle: eigene Darstellung.

Bei Verdacht auf Spannungspneumothorax mit lebensbedrohlicher Instabilität darf eine notwendige Notfallentlastung durch geschultes Personal nicht auf ein Röntgenbild warten. Eine manuelle Ventilation über einen gesicherten Atemweg kann bei Geräteproblem eine Brücke sein; auch dabei sind Druck, Ausatmungszeit und klinische Wirkung zu beachten. Unkritisches schnelles Beuteln kann die Überblähung verschlimmern.

Thoraxröntgen einer invasiv beatmeten Patientin mit Tubus und Leitungen: Die rechte Lunge (im Bild links) ist zum Hilus hin zusammengefallen; außen davon liegt ein dunkler Saum ohne Lungengefäßzeichnung. Die linke Lunge ist dicht verschattet.

Abbildung: Pneumothorax rechts, aufgetreten am Tag des Beatmungsbeginns. Achte auf die Lungengrenze und den gefäßfreien Raum außen davon (im Bild links). Das Bild zeigt den Luftaustritt, nicht die Spannung: Ob ein Spannungspneumothorax vorliegt, entscheidest du am Bett an Schock, Entsättigung und einseitigem Atemgeräusch – bei Instabilität wird nicht auf das Bild gewartet. Quelle: Mudhar O, Goswami SK, DeMellow J, Cureus 2022;14(10):e30233, DOI 10.7759/cureus.30233, Abb. 1, CC BY 4.0; in Graustufen gespeichert.

Wie Beatmung selbst schaden kann

Volutrauma entsteht durch Überdehnung; Barotrauma bezeichnet druckassoziierte Schäden bis hin zum Luftaustritt. Wiederholtes Öffnen und Kollabieren instabiler Alveolen kann ebenfalls schädigen. Das Bündel beatmungsassoziierter Lungenschäden wird als VILI bezeichnet. Lungenprotektion und Verlaufskontrolle verringern diese Risiken. Die Schädigung durch wiederholtes Öffnen und Kollabieren heißt Atelektrauma; die dadurch ausgelöste Entzündung, die auch andere Organe treffen kann, Biotrauma. In Zahlen bedeutet Lungenprotektion: Tidalvolumen bei ARDS um 6 ml/kg vorhergesagtes Körpergewicht, Plateaudruck höchstens 30 cmH₂O und nach der S3-Leitlinie von 2025 eine inspiratorische Druckdifferenz (Plateau minus PEEP) von höchstens 15 cmH₂O, bei ARDS 14 cmH₂O.

Oben: wie Beatmung die Lunge schädigen kann. Drei rote Kästen nebeneinander: Volutrauma – Überdehnung durch zu großes Volumen für die belüftete Lunge, Schutz Tidalvolumen etwa 6 ml/kg; Barotrauma – hoher Druck mit Luftaustritt als Pneumothorax, Mediastinal- oder Hautemphysem, Schutz Plateau höchstens 30; Atelektrauma – Alveolen öffnen und kollabieren, Scherkräfte, Schutz PEEP hält offen. Alle drei münden in Biotrauma: mechanische Belastung löst Entzündung aus, Mediatoren schaden auch anderen Organen. Darunter grün: lungenprotektiv beatmen – Tidalvolumen bei ARDS um 6 ml/kg vorhergesagtes Körpergewicht, Plateaudruck höchstens 30 cmH₂O, Druckdifferenz Plateau minus PEEP höchstens 15 cmH₂O, bei ARDS höchstens 14, Werte und Verlauf täglich prüfen. Außerdem zu beachten: Kreislauf – Überdruck senkt den venösen Rückstrom und den Blutdruck; Obstruktion – Luft bleibt gefangen, Auto-PEEP.

Abbildung: Volutrauma, Barotrauma und Atelektrauma lösen gemeinsam das Biotrauma aus; die Grenzwerte der lungenprotektiven Beatmung setzen genau dort an. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxröntgen bei beidseitiger Pneumonie mit fleckigen Verschattungen. Rote Pfeile an beiden seitlichen Brustwänden zeigen streifige Luft in den Weichteilen; weiße Pfeile neben dem Mediastinum zeigen Luft entlang des Mittelfells.

Abbildung: Luftaustritt nach nichtinvasiver Beatmung bei schwerer COVID-19-Pneumonie. Rote Pfeile: Hautemphysem – Luft fiedert die Brustmuskulatur streifig auf. Weiße Pfeile: Pneumomediastinum – Luftsaum entlang des Mediastinums. Auch Überdruck über eine Maske kann so einen Luftaustritt begleiten; der Zusammenhang wird im Einzelfall klinisch beurteilt. Quelle: Tata R, Bingi TC, Maurya AK, Kalakuntla H, Gangishetti S, Cureus 2021;13(6):e16051, DOI 10.7759/cureus.16051, Abb. 1, CC BY 4.0; Aufnahmebeschriftung entfernt.

Positiver intrathorakaler Druck kann den venösen Rückstrom zum Herzen vermindern und den Blutdruck senken. Bei Obstruktion kann unvollständige Ausatmung Luft einschließen: dynamische Überblähung mit intrinsischem PEEP. Das erschwert neue Atemzüge und kann den Kreislauf beeinträchtigen. Hoher Beatmungsdruck bedeutet daher nicht automatisch, dass nur „mehr Kraft“ am Gerät eingestellt werden sollte. Hinweise am Gerät sind eine Flusskurve, die vor dem nächsten Atemzug nicht auf null zurückkehrt, und ein endexspiratorischer Halt, der einen höheren Gesamt-PEEP als eingestellt zeigt. Bricht der Kreislauf durch Überblähung zusammen, kann das Team die Beatmung kurz diskonnektieren, damit die eingeschlossene Luft entweicht, und danach mit niedrigerer Frequenz weiterbeatmen.

Ausgang: dynamische Überblähung mit Auto-PEEP. Schritt 1 Ausgangslage: Obstruktion bei COPD, Asthma oder Sekret; hohe Atemfrequenz bedeutet kurze Ausatemzeit. Schritt 2 Mechanismus: die Ausatmung endet, bevor die Lunge leer ist; Luft bleibt als intrinsischer PEEP; jeder Atemzug stapelt weiter. Schritt 3 Erkennen: die Flusskurve erreicht vor dem nächsten Atemzug nicht null; im endexspiratorischen Halt ist der Gesamt-PEEP höher als der eingestellte PEEP; Plateau steigt, Hypotonie, Triggern fällt schwer. Nebeneinander Schritt 4 am Gerät durch das Fachteam: Atemfrequenz senken, Ausatemzeit verlängern, nicht reflexhaft mehr Druck; Schritt 5 Ursache behandeln: Bronchodilatation, Sekret absaugen, Tubus prüfen. Unten dunkelrot: Kreislaufkollaps durch Überblähung – kurz diskonnektieren, Luft entweichen lassen, dann langsamer beatmen.

Abbildung: Die unvollständige Ausatmung verbindet Obstruktion, intrinsischen PEEP und Kreislaufgefahr; am Gerät hilft mehr Ausatemzeit, nicht mehr Druck. Quelle: eigene Darstellung.

Im weiteren VerlaufÜberwachung und Vorbeugung
Maskendruckstellen, Leckage, trockene SchleimhäuteHaut/Interface prüfen, Sitz und Befeuchtung bedarfsgerecht anpassen.
Aspirations- und InfektionsrisikoHändehygiene, Mundpflege, Sekretmanagement, sichere Lagerung und lokale Präventionsstandards.
Sedierungsfolgen, Delir, MuskelschwächeSedierung bedarfsgerecht, Mobilisation und tägliche Neubewertung.
Zu lange oder zu kurze UnterstützungUrsachenverlauf, Atemkraft, Schutzreflexe und Entwöhnungsbereitschaft regelmäßig prüfen.

Konkrete Standards sind etwa eine Oberkörperhochlagerung von mindestens 40° (Kreislauf und Druckstellen abwägen), ein Cuffdruck von 20–30 cmH₂O, eine subglottische Absaugung bei erwarteter Beatmung über 48 Stunden, ein Sedierungsziel von RASS 0 bis −1 und ein Aufwachversuch, der mit dem Spontanatmungsversuch verknüpft wird.

Oben: jeden Tag unter invasiver Beatmung. Vier Kästen: 1 Atemweg und Lagerung – Oberkörper mindestens 40°, Kreislauf und Druckstellen abwägen; Cuffdruck regelmäßig messen, Zielbereich 20–30 cmH₂O; subglottische Absaugung, wenn Beatmung über 48 Stunden erwartet. 2 Hygiene – Händehygiene vor und nach Kontakt, Mundpflege mit Zahnreinigung, Sekretmanagement. 3 Sedierung und Delir – Ziel wach, ruhig, kooperativ mit RASS 0 bis minus 1; Schmerz, Sedierung und Delir je Schicht erfassen; Aufwachversuch mit Spontanatmungsversuch koppeln. 4 Muskeln und Haut – Frühmobilisation ohne Ausschlussgrund, auf der Intensivstation erworbene Muskelschwäche gezielt suchen, Druckstellen durch Maske oder Tubus prüfen. Ergebnisse: täglich fragen, ob Weaning-Bereitschaft besteht, dann Spontanatmungsversuch; Ziel weniger Pneumonie, Delir und Beatmungstage.

Abbildung: Vier tägliche Bausteine senken Pneumonie-, Delir- und Schwächerisiko und führen jeden Tag zur Frage nach der Weaning-Bereitschaft. Quelle: eigene Darstellung.

Von der Beatmung wegkommen

Weaning ist die Entwöhnung von der Beatmung. Es beginnt mit der wiederholten Frage, ob die Ursache gebessert ist und genügend eigene Atemleistung möglich wird. Dazu gehören geeignete Oxygenierung bei vertretbarer Unterstützung, Kreislaufstabilität, angemessene Wachheit und behandelbare Belastungsfaktoren. Beim Spontanatmungsversuch wird unter kontrollierten Bedingungen geprüft, ob der Patient mit reduzierter Unterstützung ausreichend atmet. Dyspnoe, zunehmende Atemarbeit, Kreislaufstörung oder schlechtere Gaswerte können einen Abbruch erfordern. Orientierende Bereitschaftskriterien sind ein PaO₂/FiO₂ von mindestens 150–200 bei PEEP ≤ 8 cmH₂O, keine oder nur geringe Katecholamine und eine Temperatur ≤ 38 °C. Der Versuch dauert meist 30–120 Minuten mit T-Stück oder niedriger Druckunterstützung (5–8 cmH₂O); ein Quotient aus Atemfrequenz und Tidalvolumen (f/VT) unter 105/min/l spricht für Erfolg. Abbruchzeichen sind etwa Atemfrequenz > 35/min, SpO₂ < 90 %, Herzfrequenz > 140/min oder systolischer Blutdruck > 180 bzw. < 90 mmHg. Auch eine anhaltende Änderung der Herzfrequenz um mehr als 20 % gegenüber dem Ausgangswert spricht für einen Abbruch.

Ein bestandener Spontanatmungsversuch allein bedeutet noch nicht, dass der Tubus sicher entfernt werden kann: Husten, Sekretmenge, Schutzreflexe und obere Atemwege müssen ebenfalls passen. Für Risikopatienten kann ein geplanter nichtinvasiver Anschluss Teil des Extubationskonzepts sein. Nach Extubation sind Stridor, zunehmende Atemarbeit und Verschlechterung des Gasaustauschs Warnzeichen. Die Intensiv- und Atemwegsteams planen das Vorgehen gemeinsam. Ein Hustenspitzenfluss von höchstens 60 l/min spricht für eine schwache Hustenkraft und verlangt ein intensives Sekretmanagement; fehlt beim Cuff-Leak-Test das Leck, ist das Risiko für einen Stridor nach Extubation erhöht und die Extubation wird neu bewertet.

Nach bestandenem Spontanatmungsversuch werden Husten, Sekretmenge, Schutzreflexe, Wachheit und obere Atemwege getrennt geprüft. Bei unzureichendem Schutz, etwa kaum wacher Person mit nicht abhustbarem Sekret, führt der rote Weg zur Neubewertung der Extubation. Ein Hustenspitzenfluss von höchstens 60 l/min weist auf schwache Hustenkraft hin und verlangt intensives Sekretmanagement. Bei passendem Schutz folgt die Prüfung der oberen Atemwege: fehlendes Leck im Cuff-Leak-Test erhöht das Stridorrisiko und führt ebenfalls zur Neubewertung. Passen die Bedingungen, planen Intensiv- und Atemwegsteam den Anschluss, bei Risikopatienten gegebenenfalls nichtinvasiv, und die Überwachung auf Stridor, zunehmende Atemarbeit und schlechteren Gasaustausch.

Abbildung: Ein bestandener Spontanatmungsversuch ersetzt den Atemwegsschutz nicht; unzureichende Schutzfunktion und fehlendes Leck führen zur erneuten Extubationsbeurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgang: täglich prüfen, ob ein Spontanatmungsversuch möglich ist. Schritt 1 Bereitschaft: Ursache gebessert, wach, hustet; PaO₂/FiO₂ mindestens 150–200 bei PEEP höchstens 8 cmH₂O; keine oder geringe Katecholamine, Temperatur höchstens 38 °C. Wenn erfüllt, Schritt 2 Spontanatmungsversuch: 30–120 Minuten, T-Stück oder Druckunterstützung 5–8 cmH₂O, ein f/VT unter 105 pro Minute und Liter spricht für Erfolg. Bei Belastung links „Abbruch, wenn“: Atemfrequenz über 35/min, SpO₂ unter 90 %, Herzfrequenz über 140/min oder Änderung um 20 %, systolischer Blutdruck über 180 oder unter 90 mmHg, Schwitzen, Unruhe, Schaukelatmung; Ergebnis: zurück zur Unterstützung, Ursache suchen, am nächsten Tag erneut. Wenn toleriert, rechts Schritt 3 Atemweg geschützt: wach und befolgt Aufforderungen, kräftiger Husten mit Peak-Flow über 60 l/min, Sekret beherrschbar, Leck im Cuff-Leak-Test vorhanden. Ergebnisse: Risikopatient – extubieren mit geplanter NIV; alles passt – extubieren und danach eng überwachen.

Abbildung: Ein bestandener Spontanatmungsversuch ersetzt die gesonderte Prüfung des Atemwegsschutzes nicht; die Zahlen sind Orientierungswerte, keine starren Grenzen. Quelle: eigene Darstellung.

Nach dem Verlauf ab dem ersten Spontanatmungsversuch unterscheidet man einfaches (erster Versuch erfolgreich), schwieriges (bis zu drei Versuche oder bis zu 7 Tage) und prolongiertes Weaning (mehr als drei Versuche oder länger als 7 Tage); prolongiertes Weaning gehört oft in ein spezialisiertes Weaningzentrum. Als Extubationsversagen gilt meist eine Reintubation innerhalb von 48 Stunden.

Weaning nach Verlauf, gezählt ab dem ersten Spontanatmungsversuch, auf einer Zeitachse bis Tag 7 und später: einfach – der erste Versuch gelingt; schwierig – bis zu drei Versuche oder bis zu 7 Tage; prolongiert – mehr als drei Versuche oder mehr als 7 Tage. Darunter: einfach und schwierig auf der Intensivstation mit Weaning-Protokoll; prolongiert oft im spezialisierten Weaningzentrum, mit drei Ergebnissen: 3a entwöhnt ohne NIV, 3b entwöhnt mit NIV, gegebenenfalls zu Hause weiter, 3c nicht entwöhnt mit invasiver Beatmung zu Hause oder Tod; 3a und 3b grün, 3c rot. Unten blau: nach jeder Extubation gilt eine Reintubation innerhalb von 48 Stunden als Extubationsversagen; Warnzeichen sind Stridor, steigende Atemarbeit und schlechterer Gasaustausch.

Abbildung: Die Weaning-Kategorie ergibt sich aus der Zahl der Versuche und der Zeit seit dem ersten Spontanatmungsversuch. Quelle: eigene Darstellung.

Nach schwerer Erkrankung können reduzierte Belastbarkeit, Muskelschwäche, Schlafprobleme und psychische Belastung fortbestehen. Verlaufskontrollen, Rehabilitation, Bewegung und ursachenbezogene Prävention sind Teil der Behandlung. Der langfristige Sauerstoff- oder Beatmungsbedarf wird nach Stabilisierung erneut bewertet; eine akute Verordnung ist nicht automatisch eine Dauertherapie. Diese Langzeitfolgen werden auch als Post-Intensive-Care-Syndrom zusammengefasst; Patient und Angehörige werden vor der Verlegung darüber aufgeklärt. Über eine Langzeit-Sauerstofftherapie wird nicht anhand von Blutgasen aus der Akutphase entschieden: Die Reevaluation erfolgt wenige Wochen nach Beginn, spätestens nach 12 Wochen; Richtwert für die Indikation ist ein PaO₂ ≤ 55 mmHg in Ruhe in stabiler Phase. In Kohortenstudien erfüllten 21–33 % der stationär begonnenen Sauerstoffverordnungen die Kriterien später nicht mehr.

Oben: nach Intensivstation und Beatmung. Drei Bereiche möglicher Langzeitfolgen: Körper – Muskelschwäche, geringere Belastbarkeit, gestörter Schlaf; Denken – Gedächtnis, Konzentration; Psyche – Angst, Depression, posttraumatische Belastung. Schritt 1 vor der Verlegung: Patient und Angehörige über Langzeitfolgen aufklären, Reha, Bewegung und Nachsorge planen, bei bleibenden Beschwerden spezialisierte Nachsorge. Schritt 2 Sauerstoff und Beatmung neu bewerten: nicht nach Blutgasen aus der Akutphase entscheiden, Kontrolle nach wenigen Wochen, spätestens nach 12 Wochen, Richtwert für Langzeit-Sauerstoff PaO₂ höchstens 55 mmHg in Ruhe in stabiler Phase; 21–33 % erfüllen die Kriterien später nicht mehr. Drei Ergebnisse: Werte normal – Sauerstoff beenden; Hypoxämie bleibt – Langzeit-Sauerstoff prüfen; Hyperkapnie bleibt – außerklinische NIV prüfen.

Abbildung: Langzeitfolgen betreffen Körper, Denken und Psyche; der Sauerstoff- und Beatmungsbedarf wird erst in stabiler Phase neu entschieden. Quelle: eigene Darstellung.

Nach Stabilisierung werden fortbestehende Belastungen und der weitere Unterstützungsbedarf erneut beurteilt.

Weiterer VerlaufNachsorge
Belastbarkeit, Muskelschwäche, Schlafprobleme oder psychische BelastungVerlaufskontrollen, Rehabilitation, Bewegung und ursachenbezogene Prävention.
O₂- oder BeatmungsbedarfNach Stabilisierung neu bewerten; akute Verordnung bedeutet keine automatische Dauertherapie.

Säure-Basen-Verlauf ohne falsches Geräte-Rezept

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein chronisch hyperkapnischer Patient hat vor Behandlung PaCO₂ 60 mmHg, HCO₃⁻ 32 mmol/l, pH 7,35. Nach sehr rascher CO₂-Absenkung bleibt HCO₃⁻ zunächst bei 32 mmol/l, PaCO₂ liegt bei 40 mmHg, pH bei etwa 7,53. Das kann eine posthyperkapnische Alkalämie zeigen: Die renale Anpassung verschwindet nicht sofort. Medikamente, Volumen-/Elektrolythaushalt und andere Beiträge werden mitgeprüft. Die renale HCO₃⁻-Anpassung baut sich über Tage auf (voll ausgebildet nach etwa 3–5 Tagen) und bildet sich nach der CO₂-Absenkung ebenso langsam zurück, bei Chlorid-, Kalium- oder Volumenmangel noch langsamer.

Die nötige Konsequenz ist eine klinisch begründete gemeinsame Neubewertung. Du leitest aus einer Kompensationsformel weder eine fixe Atemfrequenz noch ein Tidalvolumen ab. Die systematische Prüfung von Mischstörungen und erwarteter Kompensation wird im G-Lernweg vertieft. Für die unmittelbare Sicherheit genügen hier: Probenkontext, Verlauf, pH/CO₂ und klinische Wirkung zusammen ansehen.

Oben: CO₂ fällt schneller, als die Niere folgt. Links vorher bei chronischer Hyperkapnie: PaCO₂ 60 mmHg, HCO₃⁻ 32 mmol/l, pH 7,35. Ein Pfeil mit der Angabe Stunden führt nach rechts zu „nach rascher Senkung“: PaCO₂ 40 mmHg, HCO₃⁻ noch 32 mmol/l, pH etwa 7,53. Darunter „Warum?“: die Niere baut HCO₃⁻ über Tage auf, voll ausgebildet nach etwa 3–5 Tagen, und gibt es ebenso langsam wieder ab, noch langsamer bei Chlorid-, Kalium- oder Volumenmangel. „Mitprüfen“: Medikamente wie Diuretika, Kalium und Chlorid, Volumenstatus, Probenkontext. Zwei Ergebnisse: gemeinsam neu bewerten – Verlauf, pH/CO₂ und Klinik zusammen ansehen; kein Geräte-Rezept – aus der Formel weder Atemfrequenz noch Tidalvolumen ableiten.

Abbildung: Der zeitliche Unterschied zwischen CO₂-Absenkung und renaler Anpassung erklärt den Alkalämieverdacht. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Alarm mit Hypotonie

Aufgabe

Ein invasiv beatmeter Patient entsättigt abrupt, der Blutdruck fällt, rechts ist das Atemgeräusch deutlich schwächer. Nenne eine gefährliche Ursache und die unmittelbare Handlungsebene.

Die Tabelle zeigt die aktuellen Beobachtungen am Patienten.

MerkmalBeobachtung
BeatmungInvasiv
SättigungAbrupte Entsättigung
BlutdruckFällt
AtemgeräuschRechts deutlich schwächer
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Kann der Tubus heraus?

Aufgabe

Eine Patientin hat einen Spontanatmungsversuch bestanden, ist aber kaum wach und kann große Sekretmengen nicht abhusten. Welche Aussage passt?

Die Tabelle fasst die Angaben zur Patientin zusammen.

MerkmalBefund
SpontanatmungsversuchBestanden
WachheitKaum wach
SekretmengeGroß
HustenKann Sekret nicht abhusten
  1. a)Ein bestandener Versuch ersetzt die Prüfung des Atemwegsschutzes.
  2. b)Der Atemwegsschutz ist zusätzlich gefährdet; Extubationsbereitschaft muss neu beurteilt werden.
  3. c)Die Sekretmenge betrifft nur die Oxygenierung und ist für die Extubation belanglos.
Lösung in der App →

Schlafatmung verstehen

Lernziel: Du kannst OSA und OHS unterscheiden und Diagnostik sowie PAP begründen.

Obstruktion im Schlaf

Bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) kollabiert der obere Atemweg wiederholt im Schlaf, während Atemanstrengungen fortbestehen. Die Luftzufuhr setzt aus oder nimmt stark ab; Sauerstoff fällt und kurze Weckreaktionen fragmentieren den Schlaf. Eine Apnoe ist bei Erwachsenen ein nahezu vollständiger Atemflussausfall über mindestens zehn Sekunden. Hypopnoen sind relevante Verminderungen des Atemflusses mit den nach Messstandard erforderlichen Begleitzeichen. Die Auswertung gehört zur qualifizierten Schlafdiagnostik.

Nach dem Auswertungsmanual der American Academy of Sleep Medicine (AASM) gilt beim Erwachsenen eine Minderung des Atemflusses um ≥90 % über ≥10 Sekunden als Apnoe, eine Minderung um ≥30 % über ≥10 Sekunden mit Sättigungsabfall um ≥3 % oder Arousal als Hypopnoe.

Zyklus eines obstruktiven Ereignisses in fünf Schritten: Einschlafen mit sinkendem Rachentonus, Kollaps des oberen Atemwegs bei weiterlaufender Atemanstrengung, Wertung als Apnoe (Fluss minus mindestens 90 Prozent, mindestens 10 Sekunden) oder Hypopnoe (minus mindestens 30 Prozent, mindestens 10 Sekunden, mit Sättigungsabfall um mindestens 3 Prozent oder Arousal), Folgen mit Sättigungsabfall und Weckreaktion, Öffnen des Atemwegs und Rückkehr zu Schritt 1. Unten unter der Überschrift Abgrenzung: obstruktive Apnoe mit fehlendem Fluss bei weiterlaufender Anstrengung gegenüber zentraler Apnoe, bei der auch die Anstrengung fehlt.

Abbildung: Ein obstruktives Ereignis läuft als Zyklus ab und wiederholt sich viele Male pro Nacht. Die Wertungsgrenzen gelten für Erwachsene. Entscheidend für die Unterscheidung von der zentralen Apnoe ist, ob die Atemanstrengung weiterläuft. Quelle: eigene Darstellung.

Ausschnitt einer respiratorischen Polygraphie über etwa zweieinhalb Minuten mit den Kanälen nasaler Atemfluss, SpO₂, Thorax- und Abdomenbewegung. In blau und orange markierten Abschnitten ist der Atemfluss stark vermindert oder aufgehoben, während Thorax- und Abdomenkurve weiterlaufen; anschließend fällt die Sättigung ab.

Abbildung: Respiratorische Polygraphie, Ausschnitt von etwa 2,5 Minuten. Achte auf den Vergleich der Kanäle: In den blauen Abschnitten ist der Atemfluss deutlich vermindert (Hypopnoe), in den orangen fehlt er nahezu ganz (Apnoe). Thorax und Abdomen bewegen sich dabei weiter – die Atemanstrengung bleibt, der Atemweg ist verlegt: obstruktive Ereignisse. Die Sättigung fällt mit kurzer Verzögerung ab (grüne Felder) und steigt nach den kräftigen Atemzügen am Ereignisende wieder an. Bei einer zentralen Apnoe wären auch Thorax- und Abdomenkurve flach. Die Aufzeichnung stammt von einem 9-jährigen Jungen mit Adipositas; das Muster entspricht dem bei Erwachsenen, für den Schweregrad gelten bei Kindern aber andere Grenzwerte. Quelle: Borrelli M. et al., Children 2023;10(8):1331, Abb. 3, CC BY 4.0; Ausschnitt, englische Beschriftungen entfernt bzw. durch deutsche ersetzt.

Bei einer zentralen Apnoe fehlt demgegenüber vorübergehend auch der Atemantrieb beziehungsweise die Atemanstrengung. Nicht jede nächtliche Atemstörung ist daher eine mechanische Obstruktion. Adipositas, anatomische Enge, zunehmendes Alter, Alkohol und sedierende Substanzen können obstruktive Ereignisse begünstigen; auch nicht adipöse Menschen können OSA haben.

Gegenüberstellung von OSA und OHS in vier Zeilen: Kern der Störung, Kriterien (OSA: AHI mindestens 5 pro Stunde mit Symptomen oder Begleiterkrankung oder mindestens 15 pro Stunde; OHS: BMI mindestens 30, wacher PaCO₂ mindestens 45 mmHg, Schlafatmungsstörung, andere Ursache ausgeschlossen), Befund im Wachzustand und Aufgabe der PAP-Therapie. Unten der Hinweis, dass etwa 90 Prozent mit OHS auch eine OSA haben.

Abbildung: OSA und OHS im direkten Vergleich. OHS erfordert zusätzlich den Ausschluss anderer maßgeblicher Hypoventilationsursachen; OSA und OHS können gemeinsam vorliegen – bei OSA mit wacher Hyperkapnie an OHS denken. Quelle: eigene Darstellung.

HinweisBedeutung für das Gespräch
Lautes Schnarchen, beobachtete AtempausenNach Häufigkeit und Fremdbeobachtung fragen; Schnarchen allein ist keine Diagnose.
Tagesmüdigkeit, SekundenschlafFunktion und Sicherheit im Alltag konkret ansprechen.
Nicht erholsamer Schlaf, morgendlicher KopfschmerzSchlafatmungsstörung erwägen; andere Ursachen bleiben möglich.
Hypertonie, Herzrhythmusstörung, AdipositasRelevante Begleiterkrankungen und Risiken mitbeurteilen.

OSA kann Lebensqualität, Aufmerksamkeit und kardiovaskuläre Gesundheit beeinträchtigen. Bei Einschlafneigung am Steuer darf der Betroffene nicht einfach weiterfahren; zeitnahe Abklärung, Behandlung und individuell dokumentierte Sicherheitsberatung sind nötig. Daraus wird hier keine pauschale rechtliche Fahrerlaubnisentscheidung abgeleitet.

Von Hinweisen auf Schlafatmungsstörungen mit Schnarchen und Atempausen zu Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf. Einschlafneigung am Steuer führt zum roten Zweig: nicht einfach weiterfahren und zeitnah Abklärung und Behandlung organisieren. Die diagnostische Abklärung bleibt bei Verdacht auch ohne berichtetes Fahrereignis erforderlich: Fragebögen allein stellen keine Diagnose; Polygraphie oder bei unklarem, negativem oder komplexem Befund Polysomnografie. Die Ergebnisse verbinden zeitnahe Abklärung und Behandlung mit individuell dokumentierter Sicherheitsberatung, ohne pauschale Fahrerlaubnisentscheidung.

Abbildung: Einschlafneigung am Steuer verlangt eine unmittelbare Sicherheitsreaktion; diagnostische Abklärung und individuell dokumentierte Beratung gehören zusammen. Quelle: eigene Darstellung.

Vom Verdacht zur Messung

Anamnese, Untersuchung des oberen Atemwegs, Blutdruck, BMI und Begleiterkrankungen begründen den Verdacht. Fragebögen wie STOP-Bang erfassen Risiko, die Epworth-Skala subjektive Schläfrigkeit. Sie bestätigen oder verwerfen die Diagnose nicht allein.

Beim STOP-Bang (0–8 Punkte) sprechen 3–4 Punkte für ein mittleres und 5–8 Punkte für ein hohes OSA-Risiko; ein Epworth-Wert über 10 (Maximum 24) weist auf vermehrte Tagesschläfrigkeit hin.

Eine respiratorische Polygraphie zeichnet beispielsweise Atemfluss, Atemanstrengung und Sättigung auf. Die Polysomnografie (PSG) ergänzt unter anderem die Schlafstadien und ist die umfassendere Untersuchung im Schlaflabor. Bei unklarer oder negativer Polygraphie trotz anhaltenden Verdachts sowie bei komplexen Störungen oder Hypoventilationsverdacht wird die PSG wichtig. Die reine nächtliche Pulsoxymetrie erfasst weder alle obstruktiven Ereignisse noch CO₂-Retention zuverlässig.

Die Polygraphie erfasst meist zusätzlich Schnarchen und Körperlage; die PSG ergänzt EEG, EOG und EMG und bei Hypoventilationsverdacht in der Regel eine transkutane CO₂-Messung.

Ablauf vom Verdacht zur Diagnose in fünf Schritten: Klinik und Fragebögen (STOP-Bang 3 bis 4 mittleres, 5 bis 8 hohes Risiko; Epworth über 10), ambulante Polygraphie, PSG bei unklarer oder negativer Polygraphie trotz Verdacht, komplexer Störung oder CO₂-Verdacht, AHI-Berechnung und Diagnosekriterium AHI mindestens 5 pro Stunde mit Symptomen oder mindestens 15 pro Stunde mit den drei Schweregraden. Unten: nächtliche Oximetrie allein reicht nicht.

Abbildung: Fragebögen schätzen das Risiko, die Messung sichert die Diagnose. Bei eindeutiger Polygraphie geht es direkt zur Auswertung; bei unklarem, negativem oder komplexem Befund folgt die PSG. Die nächtliche Oximetrie allein erfasst weder alle Ereignisse noch das CO₂. Quelle: eigene Darstellung.

Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zählt Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf. Bei Untersuchungen ohne sichere Schlafzeitbestimmung kann ein auf Aufzeichnungszeit bezogener Index die Häufigkeit anders abbilden. Zahlen müssen daher mit Messmethode, Symptomen und Begleiterkrankungen gelesen werden. Typischerweise wird OSA bei ≥5 Ereignissen/h zusammen mit passenden Symptomen/Begleiterkrankungen oder bei ≥15/h auch ohne solche Beschwerden diagnostisch erwogen und im qualifizierten Befund bestätigt.

AHI bei ErwachsenenSchweregradeinteilung
5 bis <15/hLeicht.
15 bis <30/hMittelgradig.
≥30/hSchwer.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Patientin schnarcht, ihr Partner beobachtet Atempausen und sie schläft tagsüber unbeabsichtigt ein. In der PSG werden 120 als obstruktiv gewertete Apnoen/Hypopnoen in sechs Stunden Schlaf registriert. 120 ÷ 6 = 20/h, also eine mittelgradige OSA im passenden klinischen Kontext. Der Schweregrad erklärt nicht allein alle Beschwerden; zum Beispiel Medikamente und Schlafdauer werden ebenfalls geprüft.

Warum CPAP hilft

PAP ist der Oberbegriff für Behandlung mit positivem Atemwegsdruck. CPAP wirkt bei OSA als pneumatische Schiene: Es verhindert den Kollaps, solange es angewendet wird. Die Person atmet weiterhin selbst. Bei mittelgradiger/schwerer oder klinisch belastender OSA ist PAP ein zentraler Behandlungsweg; Druck und Maske werden individuell angepasst. Gewichtsmanagement, Alkoholreduktion vor dem Schlafen und die Überprüfung sedierender Medikamente ergänzen die Behandlung. Je nach Befund kommen Unterkieferprotrusionsschienen, bei lageabhängiger OSA Positionstherapie oder ausgewählte operative Verfahren infrage; sie erfordern passende Auswahl und Wirkungskontrolle.

CPAP-Gerät für zu Hause mit Faltenschlauch und Nasenmaske mit Kopfband; eine Brille daneben dient als Größenvergleich.

Abbildung: CPAP-Ausrüstung für die Heimtherapie: kleines Gerät, Atemschlauch und Nasenmaske mit Kopfband. Das Gerät liefert einen positiven Druck, der den oberen Atemweg im Schlaf offen hält; die Person atmet selbst. Maskenform und Sitz entscheiden wesentlich darüber, ob Leckagen, Druckstellen oder trockene Schleimhäute die Nutzung stören – deshalb wird die Maske individuell angepasst. Quelle: DL5MDA, Wikimedia Commons, gemeinfrei; Herstellerschriftzug entfernt, zugeschnitten, verkleinert.

Der wirksame Druck wird im Schlaflabor titriert oder vom Gerät automatisch angepasst (APAP) und liegt meist zwischen 4 und 20 cmH₂O.

Vergleich ohne und mit CPAP: Ohne CPAP kollabiert der Rachen im Schlaf durch sinkenden Tonus und Sog beim Einatmen; mit CPAP gelangt Überdruck über die Maske in den Rachen und hält ihn offen. Darunter: Druck im Schlaflabor oder automatisch eingestellt, meist 4 bis 20 cmH₂O, Maskenformen. Unten: Gerät läuft – Atemweg offen; Gerät aus – Kollaps kehrt zurück.

Abbildung: CPAP wirkt als pneumatische Schiene: Der Überdruck hält den Rachen offen, die Person atmet selbst. Die Wirkung besteht nur, solange das Gerät läuft; Druck und Maske werden individuell angepasst. Quelle: eigene Darstellung.

Die ergänzenden oder alternativen Maßnahmen richten sich nach dem individuellen Befund.

MaßnahmeEinordnung
Gewichtsmanagement, Alkoholreduktion vor dem SchlafenErgänzen die Behandlung.
Sedierende Medikamente überprüfenErgänzender Behandlungsansatz.
Unterkieferprotrusionsschiene oder ausgewähltes operatives VerfahrenPassende Auswahl und Wirkungskontrolle nötig.
PositionstherapieBei lageabhängiger OSA; Wirkung kontrollieren.

Unterkieferprotrusionsschienen gelten bei leichter bis mittelgradiger OSA als gleichwertige Alternative zu CPAP, bei schwerer OSA meist erst bei CPAP-Unverträglichkeit; eine Hypoglossusstimulation kommt nur bei CPAP-Unverträglichkeit, AHI 15–65/h und BMI <35 kg/m² infrage.

Behandlung der OSA in drei Ebenen: Basis für alle (Gewicht, kein Alkohol vor dem Schlafen, sedierende Medikamente prüfen); Gerät oder Schiene (CPAP als erste Wahl bei mittelgradiger oder schwerer OSA, Unterkieferschiene bei leichter bis mittelgradiger OSA gleichwertig, bei schwerer nur bei CPAP-Unverträglichkeit); ausgewählte Situationen (Positionstherapie bei lageabhängiger OSA, Hypoglossusstimulation bei CPAP-Unverträglichkeit, AHI 15 bis 65 pro Stunde, BMI unter 35). Unten: Wirkung jeder Option kontrollieren.

Abbildung: Die Basismaßnahmen gelten für alle; Gerät, Schiene oder Verfahren richten sich nach Schweregrad, Beschwerden, Lageabhängigkeit und Anatomie. Jede Option braucht eine Wirkungskontrolle. Quelle: eigene Darstellung.

Im Verlauf werden Nutzungsdauer, Maskensitz, Restereignisse, Müdigkeit und Lebensqualität geprüft. Trockene Schleimhäute, Leckagen oder Druckstellen sind behandelbare Gründe für geringe Nutzung. Eine bloße Verordnung ohne Nachbetreuung genügt nicht. CPAP kann Beschwerden und Atmungsereignisse deutlich verbessern; ein garantiertes Verschwinden aller kardiovaskulären Risiken wird nicht versprochen.

Als Mindestnutzung gilt meist ≥4 Stunden pro Nacht an ≥70 % der Nächte; gegen trockene Schleimhäute hilft oft ein Befeuchter, gegen Leckagen und Druckstellen eine andere Maskengröße oder -form.

Nachbetreuung der PAP-Therapie: Gerätedaten auslesen (Nutzung mindestens 4 Stunden pro Nacht an mindestens 70 Prozent der Nächte, Restereignisse, Leckage), Befinden erfragen, dann Verzweigung: Nutzung zu gering mit behandelbaren Ursachen und Abhilfen oder Nutzung gut mit Prüfung von Restmüdigkeit. Ergebnisse: anpassen und erneut auslesen oder weiter nutzen; bei bleibender Unverträglichkeit Alternative prüfen.

Abbildung: Gerätedaten und Befinden werden gemeinsam beurteilt. Geringe Nutzung hat oft behandelbare Gründe; bei guter Nutzung und anhaltender Müdigkeit werden Schlafdauer, Medikamente und andere Ursachen geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

OHS ist mehr als Schlafapnoe

Beim Adipositas-Hypoventilationssyndrom (OHS) bestehen Adipositas, eine schlafbezogene Atmungsstörung und eine unzureichende alveoläre Ventilation mit PaCO₂ ≥45 mmHg im wachen Tageszustand, ohne dass eine andere Erkrankung die Hypoventilation maßgeblich erklärt. Für die Definition verwenden wir einen BMI ≥30 kg/m². Entscheidend ist die ganze Konstellation; Übergewicht allein belegt kein OHS. BMI ist Körpermasse in kg geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern.

Die zusätzliche Last auf Brustkorb und Atmung sowie Veränderungen der Atemregulation können zur Hypoventilation beitragen. Viele Betroffene haben gleichzeitig OSA. Wiederholte Hyperkapnie, Ödeme oder Zeichen pulmonaler Hypertonie erhöhen den Verdacht. Ein normaler Tages-SpO₂-Wert schließt OHS nicht aus.

Nach der ATS-Leitlinie 2019 haben etwa 90 % der Menschen mit OHS zusätzlich eine OSA, rund 70 % eine schwere OSA (AHI ≥30/h).

Die Abklärung umfasst Tages-BGA, Schlafuntersuchung gegebenenfalls mit CO₂-Messung und die Suche nach Alternativen, etwa relevanter COPD, neuromuskulärer Erkrankung, Thoraxdeformität, schwerer Hypothyreose oder atemdämpfenden Substanzen. Erhöhtes Bikarbonat kann ein Hinweis auf länger bestehende CO₂-Retention sein, beweist OHS aber nicht. Bei akuter Schläfrigkeit oder Azidämie wird zuerst die respiratorische Gefährdung behandelt, nicht auf eine spätere Schlaflaboruntersuchung gewartet.

Bei geringer bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit macht ein Serumbikarbonat <27 mmol/l ein OHS sehr unwahrscheinlich; ab 27 mmol/l und bei hohem Verdacht wird eine arterielle BGA im wachen Ruhezustand bestimmt.

Abklärung des OHS: zuerst akute Gefährdung prüfen (schläfrig oder pH unter 7,35: Atemsicherheit vor Schlaflabor). Dann Verdacht, Serumbikarbonat bei geringem oder mittlerem Verdacht (unter 27 mmol/l OHS sehr unwahrscheinlich, ab 27 mmol/l arterielle BGA), wache BGA mit PaCO₂ mindestens 45 mmHg, Schlafuntersuchung mit nächtlicher CO₂-Messung und Ausschluss anderer Ursachen. Ergebnis: OHS oder andere führende Ursache.

Abbildung: Akute Gefährdung hat Vorrang. Danach führt der Weg über Bikarbonat und wache BGA zur Schlafuntersuchung und zum Ausschluss anderer Hypoventilationsursachen; erst die gesamte Konstellation sichert das OHS. Quelle: eigene Darstellung.

BefundkonstellationPrinzip der Behandlung
OSA ohne wache HyperkapnieObstruktion behandeln, häufig mit CPAP.
Stabiles OHS mit schwerer OSA (AHI ≥30/h)CPAP kann die erste PAP-Option sein; Blutgase und Wirkung nachprüfen.
OHS ohne relevante OSA oder anhaltende Hypoventilation trotz wirksamer CPAP-AnwendungVentilationsunterstützung durch NIV prüfen.
Akut dekompensiertes OHSAkute Atemsicherheit, kontrollierte O₂-Gabe und passende Ventilationsunterstützung.

Sauerstoff allein beseitigt die Hypoventilation nicht und kann CO₂-Retention verstärken. Notwendiger O₂ wird kontrolliert zur ausreichend wirksamen Atemunterstützung ergänzt. Nachhaltiges Gewichtsmanagement, bei geeigneter Indikation auch bariatrische Behandlung, greift die Ursache an; es ersetzt keine jetzt erforderliche Ventilationsbehandlung. Nach stationärer Dekompensation wird vor Entlassung ein tragfähiger Unterstützungs- und zeitnaher schlafmedizinischer Kontrollplan benötigt.

Bei akuter hyperkapnischer Dekompensation mit pH <7,35 kommt NIV unter enger Überwachung in Betracht; O₂ wird dabei auf SpO₂ 88–92 % titriert.

Wer mit NIV entlassen wird, sollte möglichst innerhalb von drei Monaten im Schlaflabor untersucht und eingestellt werden; als Gewichtsziel nennt die ATS-Leitlinie eine anhaltende Abnahme um 25–30 %.

Behandlung des OHS in zwei Spalten: stabil ambulant (AHI mindestens 30 pro Stunde, etwa 70 Prozent: CPAP zuerst, Blutgase nachprüfen; sonst NIV bei AHI unter 30 oder weiter PaCO₂ mindestens 45 mmHg unter CPAP) und akut dekompensiert (pH unter 7,35: NIV unter enger Überwachung, SpO₂ 88 bis 92 Prozent; Entlassung mit NIV und Schlaflabor möglichst innerhalb von 3 Monaten). Darunter: Gewichtsabnahme um 25 bis 30 Prozent, Sauerstoff nur ergänzend. Ergebnis: wacher PaCO₂ unter 45 mmHg oder Nutzung, Druck und Modus prüfen.

Abbildung: Die PAP-Art richtet sich nach Obstruktion und Hyperkapnie; Sauerstoff ergänzt die Atemunterstützung nur. Gewichtsabnahme behandelt die Ursache, ersetzt aber keine jetzt nötige Ventilationsunterstützung. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Rechnen ist nur ein Teil

Aufgabe

In einer PSG werden 180 als obstruktiv gewertete Apnoen/Hypopnoen in fünf Stunden Schlaf registriert. Berechne den AHI und nenne eine Information, die neben diesem Index für die Beratung wichtig bleibt.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeVorliegender Befund
UntersuchungPSG
Obstruktiv gewertete Apnoen/Hypopnoen180
Erfasste Schlafzeit5 Stunden

Oberkörper eines Mannes mit angelegter Polysomnographie-Verkabelung: Brust- und Bauchgurt, Elektroden auf Brust und Schultern, ein Sensor am Hals und ein umgehängtes Aufzeichnungsgerät, in dem alle Kabel zusammenlaufen.

Abbildung: Angelegte PSG-Sensoren am Oberkörper – Gurte erfassen die Atembewegung, Elektroden und Sensoren laufen in einem tragbaren Aufzeichnungsgerät zusammen. Quelle: malekhin, Wikimedia Commons, CC BY 4.0, zugeschnitten (Gesicht und Herstellerschrift entfernt).

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

OSA oder OHS?

Aufgabe

Ein Patient mit BMI 39 kg/m² und bestätigter OSA hat tagsüber im wachen, stabilen Zustand PaCO₂ 52 mmHg. Andere führende Hypoventilationsursachen wurden noch nicht ausgeschlossen. Welche Aussage ist am besten?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeVorliegender Befund
BMI39 kg/m²
SchlafbefundOSA bestätigt
TagesbefundWach und stabil; PaCO₂ 52 mmHg
Andere führende HypoventilationsursachenNoch nicht ausgeschlossen
  1. a)Die bekannte OSA erklärt die Tageshyperkapnie sicher; weitere Abklärung ist unnötig.
  2. b)OHS ist verdächtig; die Diagnose braucht Tagesbefund und Ausschluss relevanter anderer Ursachen.
  3. c)Sauerstoff allein ist die geeignete Dauertherapie der vermuteten Hypoventilation.
Lösung in der App →

Perioperative Atemsicherheit

Lernziel: Du kannst bei OSA/OHS perioperative Risiken und Überwachung begründen.

Risiko vorher sichtbar machen

Anästhesie, Sedativa und Opioide können Atemantrieb und Tonus der oberen Atemwege vermindern. Nach einer Operation kommen Schmerzen, Immobilität und Restwirkungen der Medikamente hinzu. Bei OSA kann der Atemweg leichter kollabieren; bei OHS ist zusätzlich die Ventilation bereits eingeschränkt. Eine übliche Sauerstoffgabe kann eine gute Sättigung erzeugen, obwohl Atempausen und CO₂-Retention fortbestehen.

Atemstörungen im Schlaf können nach der Operation zunächst noch zunehmen; in einer Studie waren sie um die dritte postoperative Nacht am stärksten. Die PAP wird deshalb auch in den Folgenächten konsequent genutzt.

Von oben nach unten: Narkose, Sedativa und Opioide, dazu Schmerz, Immobilität und Restwirkung. Schritt 1 Atemweg: Tonus der Rachenmuskulatur sinkt, in Rückenlage fällt die Zunge zurück, Schnarchen und Apnoen (Obstruktion). Schritt 2 Atemantrieb: Atemfrequenz sinkt, Atmung flach, CO₂-Antwort und Weckreaktion gedämpft (Hypoventilation). Schritt 3 nebeneinander: bei OSA Kollaps im Schlaf, Apnoe als Flussausfall ≥ 10 s, nach der OP stärker mit Gipfel um Nacht 3; bei OHS schon wach PaCO₂ ≥ 45 mmHg bei BMI ≥ 30, kaum Reserve, CO₂ steigt rasch. Schritt 4: Sauerstoff verdeckt die Gefahr – SpO₂ unter O₂ lange normal, Apnoen und CO₂-Anstieg laufen weiter, spät Somnolenz und Atemstillstand. Ergebnisreihe: Atemfrequenz zählen, unter 8/min Warnzeichen; Kapnografie zeigt jede Apnoe; BGA bei Verdacht auf PaCO₂ über 45 mmHg.

Abbildung: Folge beiden Wegen – Atemweg und Atemantrieb – bis zu Schritt 4: Unter Sauerstoff bleibt die Sättigung lange gut, obwohl Apnoen und CO₂-Anstieg weiterlaufen. Deshalb wird die Ventilation selbst geprüft: Atemfrequenz, Kapnografie, bei Verdacht BGA. Quelle: eigene Darstellung.

Perioperativer Pfad bei bekannter oder vermuteter OSA/OHS in vier Schritten. 1 Vor der OP erheben: STOP-Bang 0–2, 3–4 oder 5–8 Punkte; HCO₃⁻ ≥ 27 mmol/l führt zur arteriellen BGA; eigenes PAP mit Gerät, Maske und Einstellungen; Anästhesieteam früh informieren. 2 Narkose und Schmerztherapie: Regional-/Lokalverfahren und Nicht-Opioide, PCA ohne Opioid-Basalrate, Benzodiazepine zurückhaltend, wach extubieren und nicht flach auf dem Rücken. 3 Aufwachraum: Atemfrequenz, Atempausen, Wachheit und SpO₂; Kapnografie bei Sedierung; Ereignisse sind Apnoe ≥ 10 s, AF < 8/min und SpO₂ < 90 %; PAP wieder anlegen. 4 Station und erste Nächte: PAP bei jedem Schlaf, O₂ titriert bis zur Ausgangs-SpO₂ unter Raumluft, Atemstörungen um Nacht 3 am stärksten. Ergebnis: ohne Atemereignisse Normalstation mit Plan; bei wiederholten Ereignissen kontinuierliche Überwachung mit sofort verfügbarer Hilfe.

Abbildung: Der ganze perioperative Weg auf einen Blick. Die vier Schritte werden in dieser Einheit einzeln erklärt: Risiko erkennen, Atemdepression vermeiden, Ventilation überwachen, Versorgungsort nach dem beobachteten Verlauf wählen. Quelle: eigene Darstellung.

Vor dem Eingriff erhebenWarum es wichtig ist
OSA/OHS, frühere Atemprobleme, TageshyperkapnieAnästhesie- und Überwachungsplan beeinflussen.
PAP-Gerät, Einstellungen, Nutzung und WirkungBewährte Behandlung verfügbar halten; keine Einstellung raten.
Medikamente, Alkohol, OpioidbedarfZusätzliche Atemdepression erkennen und vermeiden.
Eingriff, Dringlichkeit und BegleiterkrankungenIndividuelles Risiko statt pauschaler Absage bestimmen.

Zur Risikoeinschätzung vor elektiven Eingriffen dient z. B. der STOP-Bang-Fragebogen: 0–2 Punkte bedeuten ein niedriges, 3–4 ein mittleres und 5–8 ein hohes OSA-Risiko. Ein Serumbikarbonat ≥ 27 mmol/l kann auf eine chronische Hyperkapnie hinweisen und wird mit einer arteriellen BGA abgeklärt. Verschoben wird eine elektive Operation vor allem dann, wenn zusätzlich eine unkontrollierte Hypoventilation, eine schwere pulmonale Hypertonie oder eine Ruhe-Hypoxämie besteht.

Vor elektiver OP das OSA-Risiko erfassen. Schritt 1 STOP-Bang, je Ja ein Punkt: S lautes Schnarchen, T Tagesmüdigkeit, O beobachtete Atempausen, P Bluthochdruck, B BMI über 35 kg/m², A Alter über 50 Jahre, N Halsumfang über 40 cm, G männlich. Ergebnisreihe: 0–2 Punkte niedriges, 3–4 mittleres, 5–8 hohes OSA-Risiko. Schritt 2 Hinweis auf Hypoventilation: Serum-HCO₃⁻ ≥ 27 mmol/l führt zur arteriellen BGA; wach PaCO₂ ≥ 45 mmHg plus BMI ≥ 30 macht OHS möglich; Ruhe-Hypoxämie oder pulmonale Hypertonie erfragen. Schritt 3 operieren oder erst abklären: elektiv mit unkontrollierter Hypoventilation, schwerer pulmonaler Hypertonie oder Ruhe-Hypoxämie erst abklären und optimieren; sonst wie bei gesicherter OSA mit Schutzplan aus PAP, Analgesie und Überwachung operieren; dringliche Eingriffe nicht verzögern.

Abbildung: Lies von oben nach unten: STOP-Bang schätzt das OSA-Risiko, das Bikarbonat lenkt den Blick auf eine mögliche Hypoventilation. Verschoben wird eine elektive Operation nur, wenn zusätzlich ein unkontrolliertes Ventilations- oder Gasaustauschproblem besteht – sonst gilt der Schutzplan. Quelle: eigene Darstellung.

Bei bekanntem oder stark vermutetem Risiko wird das Anästhesieteam früh informiert. Das eigene PAP-Gerät soll nach Absprache verfügbar sein; Krankenhausanschluss und sichere Anwendung werden geprüft. Opioidsparende Analgesie und geeignete regionale/lokale Verfahren können helfen. Die Auswahl bleibt vom Eingriff und den konkreten Risiken abhängig. Eine dringliche Operation wird nicht allein zur Durchführung eines OSA-Screenings verzögert; das vermutete Risiko wird im perioperativen Plan berücksichtigt.

Häusliches PAP-Gerät mit aufgestecktem Befeuchter, weißem Atemschlauch, transparenter Maske mit grauem Kopfband und separatem Netzteil auf einem Bettlaken.

Abbildung: Häusliches PAP-Gerät (CPAP/APAP) mit Befeuchter, Atemschlauch, Maske mit Kopfband und Netzteil. Zur Operation gehört nach Absprache das vollständige eigene Set mit der gewohnten, passenden Maske; die bekannten Einstellungen werden übernommen, nicht geraten. Quelle: Mnalis, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten, Herstellerschriftzüge entfernt.

Dazu gehören Nicht-Opioid-Analgetika wie Paracetamol, Metamizol oder NSAR (Kontraindikationen beachten) und Regionalverfahren; bei einer opioidhaltigen PCA wird auf eine kontinuierliche Basalrate verzichtet. Benzodiazepine verstärken zusammen mit Opioiden Atemdepression und Obstruktion und werden zurückhaltend eingesetzt. Auch rückenmarknah gegebene Opioide können die Atmung verzögert dämpfen. Wenn möglich wird wach extubiert und in Seitenlage oder mit erhöhtem Oberkörper überwacht.

Weniger Atemdepression durch den Plan, Auswahl nach Eingriff und Kontraindikationen. Schritt 1 bevorzugen: Regional- oder Lokalverfahren; Paracetamol, Metamizol, NSAR nach Prüfung der Kontraindikationen; Opioide sparsam und titriert; wach extubieren, Seitenlage oder Oberkörper hoch. Schritt 2 meiden oder Vorsicht: PCA mit Opioid-Basalrate, Benzodiazepine zusätzlich zu Opioiden, Opioid ohne Atemüberwachung, flache Rückenlage. Schritt 3 eigenes PAP mit gewohnter Maske ab dem Aufwachraum, Einstellungen übernehmen, nicht raten. Schritt 4 rückenmarknah mit Opioid: weniger systemisches Opioid, aber verzögerte Atemdepression möglich, Überwachung planen. Ergebnis: weniger Opioid und Sedativa, weniger Apnoen und CO₂-Retention.

Abbildung: Links steht, was die Atmung schont, rechts, was sie zusätzlich dämpft. Auch ein gutes Regionalverfahren mit Opioid braucht einen Überwachungsplan. Quelle: eigene Darstellung.

Im Aufwachraum nicht nur auf SpO₂ schauen

Beobachtet werden Atemfrequenz und -tiefe, Atempausen, Schnarchen/Obstruktion, Wachheit, Kreislauf und Sättigung. Bei Sedierung ist die Überwachung der Ventilation, etwa mittels Kapnografie (Darstellung des CO₂ in der Ausatemluft), besonders wichtig. Eine Kapnografiekurve hilft Atempausen zu erkennen; der endtidale CO₂-Wert ist je nach Ventilations-Perfusions-Verhältnis kein exakter Ersatz für PaCO₂. Bei Verdacht auf Hyperkapnie werden geeignete Blutgase ergänzt.

Als Atemereignisse im Aufwachraum gelten z. B. eine Apnoe ≥ 10 s, wiederholt eine Atemfrequenz < 8/min oder eine SpO₂ < 90 % sowie eine starke Sedierung trotz starker Schmerzen. Eine Atemfrequenz unter 8/min ist auch bei normaler Sättigung ein Warnzeichen.

Im Aufwachraum die Ventilation prüfen. Schritt 1 klinisch beobachten: Atemfrequenz zählen, unter 8/min Warnzeichen; Atempausen ≥ 10 s, Schnarchen, Einziehungen; Wachheit, Schmerz, Kreislauf. Dann nebeneinander: Schritt 2 Kapnografie bei Sedierung – jede Welle ein Atemzug, flache Linie bedeutet Apnoe oder Verlegung, etCO₂ meist niedriger als PaCO₂, Kurve und Trend zählen; Schritt 3 Blutgasanalyse bei Hyperkapnieverdacht – PaCO₂ über 45 mmHg ist Hyperkapnie, pH unter 7,35 bei CO₂-Anstieg zeigt eine akute Entgleisung, möglichst arteriell. Schritt 4 Pulsoxymetrie einordnen: zeigt Oxygenierung, nicht Ventilation; unter O₂ fällt SpO₂ erst spät; SpO₂ unter 90 % zählt als Atemereignis. Ergebnis: Sättigung und Ventilation gemeinsam beurteilen.

Abbildung: Klinik zuerst, dann zwei Messwege für die Ventilation: Die Kapnografie zeigt jede Atempause sofort, die BGA misst den PaCO₂. Die Pulsoxymetrie ergänzt nur die Oxygenierung. Quelle: eigene Darstellung.

Kapnografiemonitor bei Sedierung: oben eine CO₂-Kurve mit regelmäßigen Ausatemwellen, rechts daneben endtidales CO₂ 40 mmHg und Atemfrequenz 23 pro Minute, darunter SpO₂ 98 % und Puls 92 pro Minute.

Abbildung: Kapnografiemonitor während einer Sedierung; das CO₂ wird über eine Nasen-Mund-Brille aus der Ausatemluft angesaugt. Oben die CO₂-Kurve: Jede Welle ist ein Atemzug. Rechts daneben das endtidale CO₂ (40 mmHg) und die aus der Kurve gezählte Atemfrequenz (23/min), unten SpO₂ 98 % und Puls 92/min. Bleiben die Wellen aus, liegt eine Atempause vor – auch wenn die Sättigung noch normal ist. Quelle: Brady P, Iohom G, O'Halloran KD, McCreary C, Cronin M, BDJ Open 2017, doi:10.1038/bdjopen.2017.19 (Abb. 1, rechtes Teilbild), CC BY 4.0; Ausschnitt, Herstellerschriftzüge entfernt, vergrößert.

Aufgezeichnete CO₂-Kurve über etwa 80 Sekunden: zuerst eine flache Linie als Apnoe, dann sechs Atemwellen; ein Pfeil über der sechsten Welle markiert den Abfall der SpO₂ unter 90 %, rechts daneben ein schmaler senkrechter Ausschlag als Messartefakt. Danach folgt erneut eine flache Linie als Apnoe und wieder einsetzende Atemwellen. Zeitmaßstab 10 Sekunden.

Abbildung: Echte CO₂-Kurve während einer Sedierung mit Propofol und Fentanyl. In der Atempause bleibt die Kurve flach (Apnoe) – die Kapnografie zeigt das sofort. Die Sättigung fiel erst später unter 90 %, als die Atmung bereits wieder eingesetzt hatte. Nach der zweiten Atempause blieb die SpO₂ über 90 %: Eine normale Sättigung schließt eine Atempause nicht aus. Der schmale senkrechte Ausschlag rechts neben dem Pfeil ist ein Messartefakt, keine Atemwelle. Quelle: Nagashima H, Mikata R, Isono S et al., Scientific Reports 2023, doi:10.1038/s41598-023-28213-y (Abb. 2, oberes Teilbild, nur Kapnografiekurve), CC BY 4.0; Ausschnitt, englische Beschriftung durch deutsche ersetzt, Patientennummer entfernt, Pfeil und Zeitmaßstab neu gezeichnet.

BeobachtungKonsequenz
Wach, stabile Atmung, verordnete PAP wirksamGeplante überwachte Weiterbehandlung fortführen.
Obstruktion/Atempausen unter O₂Atemweg, Lagerung und PAP-/Unterstützungsbedarf sofort prüfen.
Schläfriger, flacher atmend nach OpioidAtemdepression möglich; Akutbeurteilung und Hilfe.
Risikosituation hält anKein Wechsel in einen unüberwachten Bereich allein wegen normaler SpO₂.

Bei opioidbedingter Atemdepression wird der Patient geweckt, Hilfe gerufen, die Opioidzufuhr gestoppt und Atemweg sowie Beatmung gesichert. Naloxon wird titriert: laut Fachinformation 0,1–0,2 mg i. v., bei Bedarf weitere 0,1 mg alle 2 Minuten, bis Atmung und Wachheit ausreichen. Eine erneute Gabe kann nach 1–2 Stunden nötig werden. Weil manche Opioide länger wirken als Naloxon, bleibt der Patient überwacht; ohne Wirkung wird nach anderen Ursachen gesucht.

Nach Opioid schwer weckbar, Atemfrequenz unter 8/min; SpO₂ unter O₂ kann noch normal sein. Schritt 1 sofort: laut ansprechen, Schmerzreiz, Team oder Notfallhilfe alarmieren, Opioidzufuhr über PCA oder Perfusor stoppen. Schritt 2 Atemweg und Beatmung sichern: Esmarch-Handgriff, Oberkörper hoch oder Seitenlage, Beutel-Masken-Beatmung bei Apnoe, Monitor mit SpO₂, Atemfrequenz und Kapnografie. Schritt 3 Naloxon titrieren: 0,1–0,2 mg i.v., bei Bedarf weiter 0,1 mg alle 2 Minuten; Ziel ausreichende Atmung und Wachheit; zu viel führt zu Schmerz, Erregung und Blutdruckanstieg. Schritt 4 bei besserer Atmung weiter wachsam: Naloxon wirkt oft kürzer als das Opioid, erneute Gabe nach 1–2 Stunden möglich, nicht unüberwacht lassen. Ohne Effekt: andere Ursache suchen wie Sedativa, CO₂-Retention oder Hypoglykämie; BGA, Blutzucker, Beatmung fortführen.

Abbildung: Die Reihenfolge zählt: erst wecken, Hilfe rufen und die Atmung sichern, dann Naloxon in kleinen Schritten. Weil Naloxon kürzer wirken kann als das Opioid, endet die Überwachung nicht mit der ersten Besserung. Quelle: eigene Darstellung.

Bestehende PAP-Therapie wird weitergeführt, soweit Eingriff und klinische Situation dies erlauben. Bei höherem Risiko oder wiederholten Ereignissen ist ein Ort nötig, an dem ausreichende Atemüberwachung und Hilfe verfügbar sind. Die Entscheidung zur Verlegung oder Entlassung berücksichtigt Verlauf, Unterstützungsbedarf, Medikamentenwirkung und die Möglichkeit einer sicheren Betreuung. Sie wird nicht durch eine einzelne Sättigungszahl oder eine starre Wartezeit ersetzt.

Wiederholte Atemereignisse sprechen für eine kontinuierliche Überwachung nach dem Aufwachraum. Vor einer Verlegung wird möglichst ohne Weckreize, am besten im Schlaf, geprüft, ob die Ausgangssättigung unter Raumluft gehalten wird; bis dahin wird Sauerstoff titriert gegeben und die Ventilation weiter überwacht.

Vor Verlegung oder Entlassung. Schritt 1 in Ruhe beobachten: ohne Weckreize, möglichst im Schlaf; unter Raumluft prüfen, ob die Ausgangs-SpO₂ gehalten wird; PAP angelegt und wirksam? Schritt 2 wiederholte Atemereignisse: Apnoe ≥ 10 s, mehrfach Atemfrequenz unter 8/min oder SpO₂ unter 90 %, stark sediert trotz starker Schmerzen. Nein: Normalstation mit Plan – PAP bei jedem Schlaf, Nicht-Opioide und wenig Sedativa, Pulsoxymetrie nach Risiko. Ja: kontinuierlich überwachen – Überwachungsbett, z. B. IMC, SpO₂ kontinuierlich, ggf. Kapnografie, Hilfe sofort verfügbar, ambulant nicht nach Hause. Hinweise unten: keine starre Wartezeit; nie allein wegen normaler SpO₂.

Abbildung: Entscheidend ist Schritt 2: Wiederholen sich Atemereignisse, braucht der Patient einen Ort mit kontinuierlicher Überwachung – unabhängig von einer einzelnen normalen Sättigung oder einer abgelaufenen Wartezeit. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Patientenerklärung vorbereiten

Ausgearbeitetes Beispiel

„Während Sie schlafen, kann sich Ihr Atemweg verengen. Narkose- und Schmerzmittel können das verstärken. Deshalb möchten wir wissen, welches Atemgerät Sie zu Hause verwenden, und Ihre Atmung nach der Operation besonders beobachten. Die Sauerstoffzahl am Finger zeigt uns nicht allein, wie gut Sie ausatmen. Was haben Sie von diesem Plan verstanden, und was macht Ihnen daran Sorgen?“

Die Erklärung benennt Problem, Maßnahme und Grund; die Rückfrage prüft Verständnis und lädt zu Bedenken ein. Sie verspricht weder eine komplikationsfreie Narkose noch eine bestimmte Aufenthaltsdauer.

Die Erklärung verbindet das Atemproblem mit dem konkreten Plan und einer Rückfrage.

GesprächsschrittInhalt
Problem und GrundAtemwegsverengung im Schlaf; Narkose- und Schmerzmittel können sie verstärken.
Konkreter PlanHäusliches Atemgerät erfragen und Atmung nach der Operation beobachten.
Verständnis und Bedenken„Was haben Sie von diesem Plan verstanden, und was macht Ihnen daran Sorgen?“

Freie Antwort

Plan für den nächsten Morgen

Aufgabe

Eine Patientin mit schwerer OSA und regelmäßigem CPAP soll morgen elektiv operiert werden. Sie fragt, ob sie das Gerät zu Hause lassen kann. Formuliere zwei konkrete Vorbereitungsschritte und erkläre den Nutzen in einem Satz.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeVorliegender Befund
AnlassElektive Operation am nächsten Morgen
Bekannter BefundSchwere OSA
Bisherige BehandlungCPAP regelmäßig
Frage der PatientinKann das Gerät zu Hause bleiben?

Heim-CPAP-Gerät auf einem Tisch, dahinter ein Puppenkopf mit aufgesetzter Nasenmaske und Kopfbändern; daneben liegt eine weitere Maske.

Abbildung: CPAP-Gerät mit Nasenmaske, wie es die Patientin zu Hause nutzt. Quelle: John Ramspott, Wikimedia Commons, CC BY 2.0,.jpg; Herstellerschriftzüge entfernt, zugeschnitten.

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Die Sättigung täuscht Sicherheit vor

Aufgabe

Nach einer Operation ist ein adipöser Patient unter O₂ bei SpO₂ 96 %, atmet aber 7/min und wird nach Opioidgabe schwer weckbar. Was ist die nächste Priorität?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeVorliegender Befund
SituationNach Operation; adipöser Patient
Sauerstoffgabe und SpO₂Unter O₂: 96 %
Atemfrequenz7/min
Verlauf nach OpioidgabeSchwer weckbar

Handpulsoxymeter mit Farbdisplay: SpO₂ 96 %, Pulsfrequenz 72 pro Minute, darunter eine Pulskurve; unter dem Display Bedientasten.

Abbildung: Pulsoxymeter mit 96 % – dieselbe Zahl wie beim Patienten im Fall. Quelle: Catrin Hird, Wikimedia Commons, gemeinfrei, Herstellerlogo und Modellbezeichnung entfernt, zugeschnitten.

  1. a)Nur die Sauerstoffsättigung weiter beobachten.
  2. b)Mit unverändertem Plan in ein unüberwachtes Zimmer verlegen.
  3. c)Atemweg und Ventilation sofort beurteilen, Hilfe rufen und atemdepressive Ursachen behandeln lassen.
Lösung in der App →

Klinischer Transfer

Lernziel: Du kannst Atembefunde priorisieren, erklären und im Verlauf berichten.

Befund, Deutung und Plan auseinanderhalten

Eine klinische Übergabe macht die Entscheidung nachvollziehbar: Anlass und Zeitverlauf, verlässliche Messwerte mit O₂-/Probenkontext, führendes Problem, gefährliche Alternative, tatsächlich erfolgte Behandlung und beobachtete Wirkung. Danach folgt, was geplant ist und bei welchem Zeichen neu entschieden werden muss. Vermutungen werden als Vermutungen bezeichnet; geplante Handlungen werden nicht rückwirkend als erfolgt dokumentiert.

Ein verbreitetes Gerüst dafür ist ISBAR: Identifikation, Situation, Hintergrund (Background), Einschätzung (Assessment) und Empfehlung (Recommendation). Zum Schluss fasst die übernehmende Person Plan und Warnzeichen kurz zusammen.

Übergabe nach ISBAR von oben nach unten am Beispiel einer COPD-Exazerbation unter NIV: I Identifikation mit Patient, 68 Jahre, und wer an wen übergibt; S Situation mit akut hyperkapnischer Insuffizienz, hoher Atemarbeit und NIV seit 45 Minuten; B Hintergrund mit Ausgangszustand, Heim-Sauerstoff oder -NIV und Therapieziel; A Einschätzung mit arteriellen Werten vorher pH 7,27 und PaCO₂ 65 mmHg, unter NIV pH 7,32 und PaCO₂ 58 mmHg, führendem Problem und gefährlicher Alternative, Etiketten Probenart, O₂-System und Uhrzeit. R Empfehlung teilt sich in Erfolgt plus Wirkung und Geplant mit Bewertung nach 1 bis 2 Stunden, weiterer BGA nach etwa 4 Stunden und Ziel-SpO₂ 88 bis 92 Prozent. Darunter roter Kasten: sofort neu entscheiden bei Somnolenz, mehr Unterstützungsbedarf oder Kreislaufinstabilität. Abschluss mit Read-back, klarer Zuständigkeit und Klärung offener Fragen.

Abbildung: ISBAR ordnet die Übergabe; im R-Teil stehen Erfolgtes und Geplantes getrennt, und die Warnzeichen für eine sofortige Neubewertung werden ausdrücklich genannt. Quelle: eigene Darstellung.

AussageSaubere Formulierung
Messung„Arteriell unter FiO₂ 0,40: PaO₂ 64 mmHg.“
Deutung„Oxygenierung trotz O₂-Zufuhr deutlich beeinträchtigt.“
Geschehen„Das Team wurde um 14:10 Uhr hinzugezogen.“ Nur schreiben, wenn erfolgt.
Planung„Eine erneute BGA nach der Änderung ist vorgesehen.“

Ein Plan nennt einen Zeitpunkt, etwa die Kontroll-BGA 30–60 Minuten nach einer Änderung von O₂ oder Beatmung bei Hyperkapnierisiko.

Oben: Jeder Satz gehört in eine Kategorie. Nebeneinander 1 Messung mit dem Beispiel arteriell unter FiO₂ 0,40 PaO₂ 64 mmHg, dazu Probe, O₂ und Uhrzeit, Etikett Zahl plus Kontext, und 2 Deutung mit dem Beispiel Oxygenierung trotz O₂ beeinträchtigt, Vermutungen markiert mit V. a. oder vereinbar mit. Darunter die Frage 3: Ist die Handlung schon erfolgt? Bei ja links Geschehen mit dem Beispiel Team um 14:10 Uhr hinzugezogen, wer, wann, Wirkung, Formulierung wurde; bei nein rechts Planung mit dem Beispiel erneute BGA nach Änderung vorgesehen, mit Zeitpunkt, etwa in 30 bis 60 Minuten, Formulierung ist vorgesehen. Ergebnisse: belegt, nur Erfolgtes dokumentieren, und Plan bleibt Plan, nie rückwirkend als erfolgt.

Abbildung: Erst die Kategorie, dann die Formulierung – Messung mit Kontext, Deutung als Deutung, Geschehenes nur wenn erfolgt, Geplantes mit Zeitpunkt. Quelle: eigene Darstellung.

Muster für Bericht und bedingte Prognose

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ich stelle einen 68-jährigen Patienten mit akuter hyperkapnischer Insuffizienz bei COPD-Exazerbation vor. Vor NIV bestanden hohe Atemarbeit, pH 7,27 und PaCO₂ 65 mmHg. Nach 45 Minuten unter NIV ist er wach, die Atemarbeit ist geringer; pH beträgt 7,32, PaCO₂ 58 mmHg. Das spricht für ein frühes Ansprechen. Die Behandlung und Überwachung werden fortgesetzt. Falls die Entlastung anhält und der Auslöser kontrolliert wird, ist eine weitere Besserung möglich. Neue Somnolenz, steigender Unterstützungsbedarf oder Kreislaufinstabilität erfordern sofortige Neubewertung.“

Nach 1–2 Stunden wird die Wirksamkeit erneut bewertet, eine weitere BGA folgt nach etwa 4 Stunden; ein pH, der unter 7,25 bleibt, oder eine anhaltende Atemfrequenz über 25/min sind weitere Warnzeichen.

Verlauf von oben nach unten für einen 68-jährigen Patienten mit COPD-Exazerbation: 1 vor NIV hohe Atemarbeit, pH 7,27 und PaCO₂ 65 mmHg; 2 NIV begonnen, Auslöser parallel behandeln, Ziel-SpO₂ 88 bis 92 Prozent; 3 nach 45 Minuten wach, weniger Atemarbeit, pH 7,32 und PaCO₂ 58 mmHg, Etiketten pH plus 0,05 und PaCO₂ minus 7 mmHg; 4 Deutung: frühes Ansprechen, Prognose nur mit Bedingung. Links: Besserung möglich, wenn die Entlastung anhält und der Auslöser kontrolliert ist, Bewertung nach 1 bis 2 Stunden, BGA nach etwa 4 Stunden, Ergebnis weiterführen. Rechts: sofort neu bewerten bei neuer Somnolenz, mehr Unterstützung, Kreislaufinstabilität, pH bleibt unter 7,25 oder Atemfrequenz anhaltend über 25 pro Minute, Ergebnis Eskalation prüfen ohne Wartezeit.

Abbildung: Das Beispiel als Verlauf – erst Ausgangswerte, dann erfolgte Maßnahme und gemessene Wirkung; die Prognose nennt ihre Bedingung und die Zeichen für eine sofortige Neubewertung. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Epikrise ordnet den tatsächlich beobachteten Verlauf am Ende einer Behandlungsphase ein. Am Beginn kannst du lediglich eine vorläufige Einschätzung geben. Prognose hängt unter anderem von Ursache, Organreserven, Begleiterkrankungen, Komplikationen und Ansprechen ab. Nach ARDS kann der Sauerstoffbedarf abnehmen, während körperliche Leistungsfähigkeit und Alltag noch Rehabilitation benötigen.

In einer kanadischen Kohorte betrug die 6-Minuten-Gehstrecke ein Jahr nach ARDS im Median 422 m, etwa 66 % des Sollwerts; 49 % arbeiteten wieder.

Prognose im Zeitverlauf von oben nach unten: 1 Beginn mit vorläufiger Einschätzung – Ursache behandelbar, Organreserven und Begleiterkrankungen, Therapieziel und Patientenwille, Formulierungen vorläufig und falls. 2 Verlauf: Ansprechen prüfen an Atemarbeit, Bewusstsein, O₂-Bedarf und BGA sowie Komplikationen wie Kreislauf, Infektion, Sekret, Delir und Muskelkraft. Daraus drei Tendenzen: günstiger bei kontrolliertem Auslöser und raschem Ansprechen, offen bei langsamem Ansprechen oder Komplikationen, ungünstiger bei Organversagen oder geringen Reserven. 3 Ende der Phase: Epikrise ordnet den beobachteten Verlauf mit Werten und Daten ein. 4 Nach der Akutphase: Rehabilitation, PAP oder Heimbeatmung und O₂-Bedarf neu prüfen; nach ARDS nach 12 Monaten 6-Minuten-Gehstrecke median 422 m, etwa 66 Prozent des Sollwerts, nur 49 Prozent wieder berufstätig; Etikett: weniger O₂-Bedarf heißt nicht normale Belastbarkeit.

Abbildung: Was am Anfang nur vorläufig gesagt werden kann, wird im Verlauf geprüft und erst in der Epikrise als beobachteter Verlauf festgehalten; auch nach Entlassung bleibt die Belastbarkeit oft eingeschränkt. Quelle: eigene Darstellung; Zahlen nach Herridge et al., N Engl J Med 2003;348:683–693.

Für die Prognose relevantWas im Verlauf geprüft wird
Auslöser behandelbar?Infektions-/Ursachenkontrolle und Organfunktion.
Unterstützung wirkt?Atemarbeit, Bewusstsein, O₂-Bedarf und Blutgase.
Komplikationen?Kreislauf, Infektion, Sekret, Delir und Muskelkraft.
Versorgung nach Akutphase?Rehabilitation, PAP/Beatmung, Kontrollen und Alltagssicherheit.

Freie Antwort

Zwei Befunde, zwei Prioritäten

Aufgabe

Fall A: wache 57-jährige Patientin mit Pneumonie, arteriell unter Raumluft PaO₂ 53 mmHg, PaCO₂ 30 mmHg, Atemfrequenz 31/min, Blutdruck stabil.

Fall B: 74-jähriger Patient mit bekannter chronischer Hyperkapnie, unter O₂ SpO₂ 95 %, zunehmend schläfrig und flach atmend; arteriell PaCO₂ 80 mmHg, HCO₃⁻ 34 mmol/l, pH 7,25.

Vergleiche führendes Problem, nächste Beurteilung und Überwachungsbedarf. Lege dich nicht allein anhand der Zahlen auf ein bestimmtes Gerät fest.

Röntgen-Thorax im Stehen von vorn: fleckige, teils zusammenfließende Verdichtungen vor allem im rechten Ober- und Mittelfeld (im Bild links); die linke Lunge ist weitgehend frei.

Abbildung: Beispielaufnahme zu Fall A – fleckige, einseitig betonte Verdichtungen bei einer Pneumonie. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0, Seitenmarker entfernt, verkleinert.

In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Patientengespräch nach eigener Vorlage

Aufgabe

Ein wacher Patient mit hyperkapnischer Insuffizienz sagt: „Warum soll ich diese enge Maske tragen? Sauerstoff bekomme ich doch schon.“ Erkläre vermutetes Problem, Ziel und Überwachung in vier bis fünf verständlichen Sätzen und prüfe sein Verständnis.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

AngabeVorliegender Befund
AusgangslageWacher Patient mit hyperkapnischer Insuffizienz
Bisherige UnterstützungSauerstoffgabe
Frage des Patienten„Warum soll ich diese enge Maske tragen? Sauerstoff bekomme ich doch schon.“

Übungspuppe in Rückenlage mit dicht sitzender Mund-Nasen-Maske, die mit mehreren Gummibändern am Kopf fixiert ist; auf der Maske ein Ventilaufsatz, seitlich Schläuche.

Abbildung: Dicht sitzende Gesichtsmaske mit Kopfbändern an einer Übungspuppe – eine solche Maske empfindet der Patient als eng. Quelle: Pöllö, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, zugeschnitten.

In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Ein Bericht ohne erfundenen Verlauf

Aufgabe

Eine Patientin hat seit vier Tagen Pneumonie. Unter invasiver Beatmung mit PEEP 8 cmH₂O und FiO₂ 0,60 beträgt PaO₂ 72 mmHg. Beidseitige Verschattungen sind befundet; das Versagen ist nicht vollständig kardial erklärt. Lungenprotektive Beatmung läuft, Bauchlagerung wird mit dem Intensivteam geplant. Es liegen noch keine Werte nach einer Lagerungsänderung vor. Schreibe eine kurze Befundzusammenfassung mit bedingter Prognose und Kontrolle.

Röntgen-Thorax im Halbsitzen: in beiden Lungen diffuse, fleckig-netzartige Verschattungen in allen Feldern; Herzrand teilweise unscharf; EKG-Elektroden auf Brust und Schultern.

Abbildung: Röntgen-Thorax mit beidseitigen, diffusen Verschattungen – ein Beispiel für den im Fall befundeten Bildbefund. Quelle: Ngu S, Pervaiz S, Avula A, Chalhoub M, Cureus 2019;11(2):e3997, Abb. 2, CC BY 3.0, Datum und Beschriftung entfernt, zugeschnitten.

In der App sprechen üben →

On this page

Gasaustausch einordnenWas fehlt, was bleibt zurück?Mechanismus und ZeitverlaufEine Zahl genügt nichtChronisch heißt nicht stabilSauerstofftherapieSättigung ist nicht SauerstoffangebotZielbereich, System und KontrolleEine Verordnung vervollständigenWas bedeutet 99 Prozent?BGA sicher einordnenArteriell und venös beantworten verschiedene FragenPräanalytik und PunktionssicherheitEin scheinbar schwerer SauerstoffmangelWelcher Befund trägt die Entscheidung?Ein unplausibler VerlaufAtemhilfen auswählenVerschiedene Werkzeuge für verschiedene ProblemeIndikation und Sicherheit zusammen prüfenEinwilligung und praktische AnwendungDruck oder Sauerstoff?Wann ist die Maske nicht der nächste Versuch?Wirkung und EskalationErfolg ist mehr als eine gute SättigungAbbruchsignale erkennenZwei verschiedene VerläufeDen nächsten Schritt begründenEine kurze NIV-ÜbergabeARDS erkennenWarum die Lunge Sauerstoff nicht mehr gut aufnimmtOxygenierungsquotient verstehenLunge schützen und rechtzeitig eskalierenBerechnen und einordnenWeniger Atemzüge: Besserung?Beatmungsverlauf sichernPlötzlich schlechter: zuerst zum PatientenWie Beatmung selbst schaden kannVon der Beatmung wegkommenSäure-Basen-Verlauf ohne falsches Geräte-RezeptAlarm mit HypotonieKann der Tubus heraus?Schlafatmung verstehenObstruktion im SchlafVom Verdacht zur MessungWarum CPAP hilftOHS ist mehr als SchlafapnoeRechnen ist nur ein TeilOSA oder OHS?Perioperative AtemsicherheitRisiko vorher sichtbar machenIm Aufwachraum nicht nur auf SpO₂ schauenEine Patientenerklärung vorbereitenPlan für den nächsten MorgenDie Sättigung täuscht Sicherheit vorKlinischer TransferBefund, Deutung und Plan auseinanderhaltenMuster für Bericht und bedingte PrognoseZwei Befunde, zwei PrioritätenPatientengespräch nach eigener VorlageEin Bericht ohne erfundenen Verlauf

Wofür lernst du?

Wir zeigen dir nur die Inhalte, die für deine Prüfung gelten. Du kannst das jederzeit in der Seitenleiste anpassen.