Rhythmusstörungen & Synkope
Lernziel: Du kannst Rhythmusstörungen und Synkopen einordnen und behandeln.
Rhythmus & Palpitationen
Lernziel: Du kannst Palpitationen strukturiert abklären und Extrasystolen einordnen.
Wann wird ein veränderter Herzrhythmus für den Patienten gefährlich? Diese Frage begleitet dich durch das ganze Kapitel. Du beantwortest sie immer in drei Schritten: Rhythmus verstehen → Stabilität beurteilen → Behandlung abwägen.
Am Ende des Kapitels kannst du eine Rhythmusstörung oder Synkope anhand von EKG und Kreislaufstatus einordnen und die Akutmaßnahme, die weitere Abklärung sowie den Präventionsbedarf begründen.
So arbeitest du mit diesem Kapitel. Die Einheiten bauen aufeinander auf: Einheit 1 legt die Rhythmusanalyse fest, die du in allen folgenden Einheiten nutzt. Jede Einheit endet mit einer Selbsteinschätzung und zusätzlichen Wiederholungsaufgaben. Alle EKGs sind echte Aufnahmen aus offenen Datenbanken, die Schemata sind eigene Darstellungen; unter jedem Bild stehen Bildunterschrift und Quelle. Nach Einheit 9 verbinden drei Abschlussfälle das ganze Kapitel, danach folgt der EKG-Übungspool zum freien Üben.
Diese Einheit legt die Grundlage für das ganze Kapitel. Die sechs Fragen der Rhythmusanalyse aus Schritt 4 nutzt du in allen folgenden Einheiten wieder.
Wann wird ein veränderter Herzrhythmus gefährlich?
Ein „Rhythmus“ beschreibt, wo die Erregung des Herzens entsteht, wie schnell sie sich wiederholt und wie regelmäßig sie abläuft. Normal ist der Sinusrhythmus: Die Erregung beginnt im Sinusknoten, jede Vorhoferregung (P-Welle) wird auf die Kammern übergeleitet (QRS-Komplex), die Frequenz liegt in Ruhe etwa zwischen 60 und 100/min.
Eine Herzrhythmusstörung ist jeder Erregungsablauf, der davon abweicht. Zwei Grundbegriffe brauchst du ab sofort:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Bradykardie | Herzfrequenz < 60/min |
| Tachykardie | Herzfrequenz > 100/min |
Eine Pause ohne Herzaktion von mehr als 3 Sekunden wird als Asystolie bezeichnet.
Viele Rhythmusstörungen sind harmlos. Gefährlich wird ein Rhythmus, wenn er das Herzzeitvolumen so stark senkt, dass Gehirn, Herz oder Kreislauf nicht mehr ausreichend versorgt werden – oder wenn er in einen lebensbedrohlichen Rhythmus übergehen kann. Ob das der Fall ist, hängt nicht nur vom EKG ab, sondern auch vom Herzen, in dem der Rhythmus auftritt: Ein junger, herzgesunder Mensch toleriert eine Frequenz von 160/min oft gut, ein Patient mit schwerer Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit kann bei derselben Frequenz Angina pectoris bekommen oder kollabieren.
Deshalb gehst du bei jeder Rhythmusstörung in drei Schritten vor:
Der Dreischritt des Kapitels: erst das EKG verstehen, dann am Patienten nach den vier Instabilitätszeichen suchen. Schon ein Zeichen macht den Rhythmus zum Notfall; sonst bleibt Zeit für Diagnostik, bevor du die Behandlung abwägst.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-7.2; Herold Innere Medizin 2024, S. 262; ERC-Leitlinien 2025, Erweiterte lebensrettende Maßnahmen (Peri-Arrest-Arrhythmien).
- Rhythmus verstehen: Was zeigt das EKG? Dafür lernst du in Schritt 4 sechs feste Fragen.
- Stabilität beurteilen: Hat der Patient Zeichen der Instabilität? Im ganzen Kapitel gelten vier Instabilitätszeichen: Schock, Synkope, Myokardischämie, schwere Herzinsuffizienz. Einen Schock erkennst du z. B. an einem systolischen Blutdruck unter 90 mmHg mit blasser, kaltschweißiger Haut. Wie du diese Zeichen am Patienten erkennst und was dann sofort zu tun ist, lernst du ausführlich in Einheit 6.
- Behandlung abwägen: Akutmaßnahme, weitere Abklärung und Prävention – abhängig von Rhythmus, Stabilität und Grunderkrankung.
In dieser ersten Einheit arbeitest du vor allem an Schritt 1 und an der Abklärung von Patienten, die mit Palpitationen kommen – dem häufigsten Leitsymptom bei Rhythmusstörungen.
Wie das Herz seinen Rhythmus bildet und leitet
Erregungsbildung. Einige Herzzellen können sich spontan depolarisieren. Diese Eigenschaft heißt Automatie. Am schnellsten tun das die Zellen des Sinusknotens im rechten Vorhof; deshalb bestimmt er normalerweise den Rhythmus (primärer Schrittmacher).
Erregungsleitung. Vom Sinusknoten breitet sich die Erregung über die Vorhöfe aus (P-Welle), erreicht den AV-Knoten, der die Überleitung kurz verzögert, und läuft dann über His-Bündel, rechten und linken Tawara-Schenkel und Purkinje-Fasern schnell in beide Kammern (QRS-Komplex).
Ersatzzentren. Fällt der Sinusknoten aus oder wird die Leitung unterbrochen, springen tiefer gelegene Zentren mit langsamerer Eigenfrequenz ein:
Erregungsleitung von oben nach unten. Achte in jedem Kasten auf zwei Angaben: Eigenfrequenz und QRS-Breite. Je tiefer das Ersatzzentrum, desto langsamer – und unterhalb der Schenkelaufteilung wird der QRS-Komplex breit.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-1.2.5; Herold Innere Medizin 2024, S. 275.
| Zentrum | Eigenfrequenz (Richtwert) | QRS im EKG |
|---|---|---|
| Sinusknoten | 60–80/min | schmal |
| AV-junktional | 40–60/min | schmal |
| ventrikulär | 20–40/min | breit |
Die Zahlen sind Richtwerte; Lehrbücher geben leicht unterschiedliche Spannen an. Wichtig ist die Reihenfolge: Ein ventrikulärer Ersatzrhythmus ist langsam, breit und hämodynamisch meist nur kurz tolerabel. Bradykardien und Ersatzrhythmen vertiefst du in Einheit 2.
Drei Mechanismen schneller Rhythmusstörungen – kurz, damit du die Begriffe später einordnen kannst:
- Gesteigerte oder abnorme Automatie: Ein Zentrum depolarisiert schneller als normal, z. B. bei Sympathikusaktivierung, Ischämie oder Elektrolytstörung.
- Getriggerte Aktivität: Nachdepolarisationen während oder kurz nach der Repolarisation lösen zusätzliche Erregungen aus, z. B. bei Torsade de pointes (Einheit 5).
- Kreiserregung (Reentry): Eine Erregungsfront läuft über eine Bahn mit Einbahnleitung im Kreis und erregt das Herz immer wieder; typische Substrate sind Infarktnarben und zusätzliche Leitungsbahnen. Details folgen in Einheit 4 und 5.
Die drei Mechanismen nebeneinander. Das gelbe Merkmal hilft später in Anamnese und EKG: Ein allmählicher Beginn passt zur Automatie, ein Beginn „wie ein Schalter“ zur Kreiserregung.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024, S. 262; Kapiteltext Einheit 4, 5 und 7.
Multiple Choice
Bei einem Patienten ist die Erregungsleitung zwischen Vorhöfen und Kammern vollständig unterbrochen. Das EKG zeigt breite QRS-Komplexe mit einer Frequenz von 32/min, die unabhängig von den P-Wellen auftreten. Wo entsteht die Kammererregung am wahrscheinlichsten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| AV-Leitung | Vollständig unterbrochen |
| Kammerfrequenz | 32/min |
| QRS-Komplexe | Breit; unabhängig von den P-Wellen |
- a)im Sinusknoten
- b)in einem ventrikulären Ersatzzentrum
- c)in einem AV-junktionalen Ersatzzentrum
Lesetext (Brücke zur EKG-Grundlage): Frequenz, Zeiten und Lagetyp messen
Diese kurze Wiederholung gehört inhaltlich zur EKG-Grundlage des Kapitels C02. Sie ist hier so zusammengefasst, dass du die Messungen dieses Kapitels sicher durchführen kannst.
Papier und Raster. Bei 25 mm/s entspricht ein kleines Kästchen (1 mm) 40 ms, ein großes Kästchen (5 mm) 200 ms. Fünf große Kästchen sind eine Sekunde. Alle EKGs in diesem Kapitel sind mit 25 mm/s und 10 mm/mV dargestellt; ein Ausschnitt von 10 Sekunden ist die Rhythmusableitung II unten.
Frequenz – zwei Methoden
| Methode | So geht es | Wann |
|---|---|---|
| 300-Regel | 300 ÷ Zahl der großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken | regelmäßiger Rhythmus |
| 10-s-Methode | QRS-Komplexe im 10-s-Streifen zählen × 6 | unregelmäßiger Rhythmus, Kontrolle |
Beispiel: Zwei R-Zacken liegen 4 große Kästchen auseinander → 300 ÷ 4 = 75/min. Liegen im 10-s-Streifen 13 QRS-Komplexe, beträgt die mittlere Frequenz 13 × 6 = 78/min.

Abbildung: Wähle den Rechenweg nach der Regelmäßigkeit und verfolge das Zahlenbeispiel bis zum Ergebnis. Quelle: eigene Darstellung.
Normwerte der Zeiten (Erwachsene, Sinusrhythmus)
| Messgröße | Was sie zeigt | Norm |
|---|---|---|
| PQ-Zeit | Vorhof bis Kammer, v. a. AV-Knoten | 120–200 ms |
| QRS-Dauer | Kammererregung | < 120 ms (meist ≤ 100 ms) |
| QT-Zeit | Kammererregung und -rückbildung | frequenzabhängig |
In Kästchen ausgedrückt: Eine PQ-Zeit von 120–200 ms entspricht 3–5 kleinen Kästchen, ein QRS-Komplex unter 120 ms ist schmaler als 3 kleine Kästchen.
Die QT-Zeit wird kürzer, wenn die Frequenz steigt. Deshalb wird sie frequenzkorrigiert (QTc). Die gebräuchliche Bazett-Formel lautet QTc = QT ÷ √RR (RR in Sekunden). Orientierend gilt eine QTc bis etwa 450 ms (Männer) bzw. 460 ms (Frauen) als normal. Bei hoher Frequenz überschätzt Bazett die QTc; dann rechnet man zusätzlich nach Fridericia (QT ÷ ∛RR). Grenzwerte, Risiken und Vorgehen bei verlängerter QTc lernst du in Einheit 7.
Bei 25 mm/s wird jede Zeit zu Kästchen; die Balken stehen im selben Maßstab wie das Raster. Unten siehst du, wohin eine Abweichung führt.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Kapiteltext dieses Schritts (Normwerte); Einheit 2 (AV-Block I°) und Einheit 7 (QTc).
Lagetyp (Hauptvektor in der Frontalebene)
| Lagetyp | Winkel |
|---|---|
| überdrehter Linkstyp | < −30° |
| Linkstyp | −30° bis +30° |
| Normaltyp | +30° bis +60° |
| Steiltyp | +60° bis +90° |
| Rechtstyp | +90° bis +120° |
Einheitliche Befundreihenfolge im Kapitel: Rhythmus · Frequenz · Lagetyp · PQ · QRS · QT/QTc · ST/T · Beurteilung · Konsequenz.
Multiple Choice
In einem regelmäßigen Rhythmusstreifen liegen zwei R-Zacken genau 3 große Kästchen auseinander (25 mm/s). Wie hoch ist die Herzfrequenz?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Rhythmus | Regelmäßig |
| Abstand zweier R-Zacken | 3 große Kästchen |
| Schreibgeschwindigkeit | 25 mm/s |
- a)150/min
- b)75/min
- c)100/min
Die sechs Fragen der Rhythmusanalyse
Damit du keinen Schritt vergisst, beantwortest du bei jedem Rhythmus-EKG immer dieselben sechs Fragen – in dieser Reihenfolge. Die Fragen 1–5 beschreiben das EKG, Frage 6 verbindet es mit dem Patienten.
Die sechs Fragen mit den Grenzwerten, die du dafür brauchst. Die Fragen 1–5 beschreiben das EKG, Frage 6 den Patienten – sie entscheidet, ob du sofort handelst.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-7.3.2; Herold Innere Medizin 2024, S. 262; ERC-Leitlinien 2025 (Instabilitätszeichen).
Beispiel. Eine 34-jährige Patientin kommt zur Vorsorge. Sie ist beschwerdefrei, Blutdruck 118/76 mmHg.
12-Kanal-EKG der Patientin aus dem Beispiel.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1487, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Frage | Beobachtung im EKG | Schluss |
|---|---|---|
| 1 Frequenz? | 11 QRS im 10-s-Streifen; RR gut 4 große Kästchen | ca. 68/min |
| 2 Regelmäßig? | RR-Abstände 0,80–0,91 s, kein vorzeitiger Schlag | regelmäßig |
| 3 QRS? | ca. 80 ms | schmal |
| 4 P-Wellen? | vor jedem QRS, gleich geformt, positiv in I, II, aVF | Sinus-P |
| 5 P zu QRS? | auf jedes P ein QRS, PQ konstant ca. 120 ms | 1 : 1-Überleitung |
| 6 Kreislauf? | beschwerdefrei, RR 118/76 mmHg | stabil |
Befund: Sinusrhythmus, 68/min, Steiltyp, PQ ca. 120 ms, QRS ca. 80 ms, QT ca. 370 ms (QTc nach Bazett ca. 395 ms), keine ST-Strecken- oder T-Wellen-Veränderungen. Beurteilung: normales EKG. Konsequenz: keine.
Warum diese Reihenfolge? Frequenz und Regelmäßigkeit trennen schon grob (zu langsam, zu schnell, unregelmäßig). Die QRS-Breite sagt, ob die Kammern über das normale Leitungssystem erregt werden. P-Wellen und ihre Beziehung zum QRS zeigen, wo der Rhythmus entsteht und ob die Überleitung funktioniert. Frage 6 entscheidet über die Dringlichkeit – denselben Rhythmus behandelst du bei einem stabilen und einem instabilen Patienten unterschiedlich.
Ausgearbeitetes Beispiel und geführte Übung: Sinustachykardie und Sinusarrhythmie
Sinustachykardie bedeutet: Sinusrhythmus mit einer Frequenz > 100/min. Sie ist fast immer eine Reaktion des Körpers – also ein Leitsymptom, kein eigenständiges Problem. Die Frage lautet nicht „Wie senke ich die Frequenz?“, sondern „Warum ist der Puls schnell?“.
Beispiel. Ein 49-jähriger Mann wird mit einem Ruhepuls von über 100/min vorgestellt.
12-Kanal-EKG des 49-jährigen Patienten.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 15540, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Frequenz: 18 QRS in 10 s, RR knapp 3 große Kästchen → ca. 106/min.
- Regelmäßig: ja (RR 0,56–0,58 s).
- QRS: schmal, ca. 80–90 ms.
- P-Wellen: vor jedem QRS, positiv in II, gleich geformt.
- P zu QRS: 1 : 1, PQ ca. 160 ms.
- Kreislauf: muss am Patienten erhoben werden (siehe Ursachenliste).
Befund: Sinustachykardie, 106/min, Linkstyp, PQ ca. 160 ms, QRS ca. 85 ms, QT ca. 330 ms (QTc nach Bazett ca. 440 ms, nach Fridericia ca. 400 ms), ST/T unauffällig.
Ursachen suchen – Sinustachykardie als Leitsymptom:
| Ursache | Typischer Hinweis |
|---|---|
| Fieber, Infektion, Sepsis | Temperatur, Entzündungszeichen |
| Volumenmangel, Blutung | niedriger Blutdruck, Hb-Abfall |
| Anämie | Blässe, niedriger Hb |
| Hyperthyreose | Gewichtsverlust, Wärmeintoleranz, TSH ↓ |
| Schmerz, Angst | Anamnese, Situation |
| Hypoxie, Lungenembolie | Dyspnoe, niedrige Sauerstoffsättigung |
| Herzinsuffizienz | Ödeme, Rasselgeräusche |
| Substanzen und Medikamente | Koffein, Nikotin, Alkohol oder Alkoholentzug, Drogen, Beta-Sympathomimetika, Schilddrüsenhormone |
Konsequenz: Die Ursache wird behandelt. Ein frequenzsenkendes Medikament ist bei Sinustachykardie meist nicht der erste Schritt, weil die hohe Frequenz oft das Herzzeitvolumen aufrechterhält (z. B. bei Blutung oder Sepsis).
Alle Ursachen aus der Tabelle in vier Gruppen, jede mit einem schnellen Prüfhinweis. Behandelt wird die gefundene Ursache, nicht die Frequenz.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-7.3; Herold Innere Medizin 2024, S. 262.
Sinusarrhythmie. Bei vielen Gesunden, besonders bei jungen Menschen, schwankt die Sinusfrequenz mit der Atmung: Beim Einatmen wird sie schneller, beim Ausatmen langsamer (respiratorische Sinusarrhythmie). Die P-Wellen bleiben gleich geformt, die PQ-Zeit bleibt konstant, nur die Abstände ändern sich – und zwar allmählich, nicht sprunghaft. Eine Sinusarrhythmie ohne Bezug zur Atmung, vor allem bei älteren Menschen, kann dagegen auf eine Sinusknotenerkrankung hinweisen (Einheit 2).
Die Tabelle vergleicht die atemabhängige Sinusarrhythmie mit einem möglichen Hinweis auf eine Sinusknotenerkrankung.
| Merkmal | Respiratorische Sinusarrhythmie | Ohne Atembezug |
|---|---|---|
| Kontext | häufig bei jungen Gesunden | besonders bei älteren Menschen beachten |
| Verlauf | Einatmung schneller, Ausatmung langsamer | kein Bezug zur Atmung |
| Einordnung | P-Wellen gleich, PQ konstant; Abstände ändern sich allmählich | kann auf Sinusknotenerkrankung hinweisen |

Abbildung: P-Wellen und PQ lenken den ersten Schritt; erst bei allmählicher Änderung entscheidet der Atembezug über die weitere Einordnung. Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Aufgabe (geführt)
Eine 49-jährige Patientin, beschwerdefrei, Routine-EKG. Die Fragen 1, 3, 4 und 5 sind bereits beantwortet: mittlere Frequenz ca. 64/min; QRS schmal; P-Wellen vor jedem QRS, gleich geformt; PQ konstant ca. 180 ms. Beantworte nun Frage 2: Die RR-Abstände betragen nacheinander 0,91 – 0,89 – 0,84 – 0,82 – 0,82 – 0,86 – 1,17 – 1,03 – 1,00 – 0,98 s.
Routine-EKG der 49-jährigen Patientin.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 15057, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Welche Einordnung passt am besten?
- a)Vorhofflimmern
- b)supraventrikuläre Extrasystolen
- c)Sinusarrhythmie
Palpitationen strukturiert abklären
Palpitationen sind die unangenehme Wahrnehmung des eigenen Herzschlags: als Herzstolpern, Aussetzer, kräftiges Herzklopfen oder Herzrasen. Sie sind sehr häufig und meist harmlos. Hinter ihnen können aber auch relevante Rhythmusstörungen oder eine Herzerkrankung stehen. Deine Aufgabe ist, die gefährlichen Fälle sicher zu erkennen und bei den übrigen die Beschwerden einem Rhythmus zuzuordnen (Symptom-Rhythmus-Korrelation).
Abklärungspfad mit den Nummern dieses Schritts. Instabilität und Warnzeichen bestimmen das Tempo; am Ende zählt, ob Beschwerde und Rhythmus zur selben Zeit dokumentiert sind.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: EHRA-Positionspapier „Management of patients with palpitations“ (Raviele et al., Europace 2011); Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-7.3; Herold Innere Medizin 2024, S. 262.
1 · Ist der Patient jetzt instabil? Bei Schock, Synkope, Myokardischämie oder schwerer Herzinsuffizienz geht die Notfallversorgung vor (Einheit 6).
2 · Anamnese – jede Frage hat einen Zweck:
| Frage | Was sie verrät |
|---|---|
| Beginn und Ende: schlagartig oder allmählich? | schlagartig „wie ein Schalter“: an Reentry-Tachykardie denken; allmählich: eher Sinustachykardie |
| Rhythmus: Patient klopft ihn auf den Tisch | einzelne Aussetzer (Extrasystolen), schnell-regelmäßig, völlig unregelmäßig |
| Frequenz, Dauer, Häufigkeit | Auswahl der Rhythmusdokumentation |
| Auslöser: Belastung, Lagewechsel, Ruhe, Koffein, Alkohol | Belastung als Auslöser ist ein Warnzeichen |
| Begleitsymptome: Schwindel, Synkope, Brustschmerz, Atemnot | Hinweis auf hämodynamische Wirkung |
| Vermehrtes Wasserlassen nach dem Anfall | typisch nach supraventrikulärer Tachykardie |
| Medikamente, Drogen, Genussmittel | Sympathomimetika, Schilddrüsenhormone, QT-verlängernde Mittel |
| Vorerkrankungen: Herz, Schilddrüse | strukturelle Herzerkrankung, Hyperthyreose |
| Familie: plötzlicher Herztod in jungen Jahren | Hinweis auf erbliche Herzerkrankung |
Was der Patient beschreibt, lenkt den Verdacht. Die rote Zeile ist ein Warnzeichen; gesichert wird jede Vermutung erst mit einem EKG während der Beschwerden.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: EHRA-Positionspapier „Management of patients with palpitations“ (Raviele et al., Europace 2011); Herold Innere Medizin 2024, S. 262.
3 · Untersuchung. Zähle Puls und Herzfrequenz mindestens eine Minute lang. Palpiere den Puls und auskultiere gleichzeitig das Herz: Hörst du mehr Herzschläge, als du tastest, besteht ein Pulsdefizit – zu frühe Schläge füllen die Kammer kaum und erzeugen keine tastbare Pulswelle. Suche nach Zeichen einer Herzerkrankung (Herzgeräusch, Herzinsuffizienzzeichen), messe den Blutdruck und achte auf Zeichen einer Hyperthyreose oder Anämie.
Radialispuls tasten: Zeige- und Mittelfinger liegen locker über der A. radialis. Für das Pulsdefizit tastest du so und auskultierst gleichzeitig das Herz – zählst du am Handgelenk weniger Schläge als über dem Herzen, liegt ein Pulsdefizit vor.
Quelle: Wikimedia Commons, „Pulse2.jpg“, Benutzer Mnokel, gemeinfrei (PD-self); Commons-Vorschau 960 px, als WebP gespeichert.
4 · Basisdiagnostik
- 12-Kanal-EKG: in Ruhe immer; am wertvollsten ist ein EKG während der Beschwerden. Auch ein Ruhe-EKG ohne Beschwerden kann Hinweise geben (z. B. Präexzitation, langes QT, Schenkelblock, Infarktzeichen).
- Labor: Kalium, Magnesium, TSH, Blutbild; je nach Situation Nierenwerte, Glukose, Drogenscreening.
- Echokardiografie: wenn eine strukturelle Herzerkrankung vermutet wird, bei Warnzeichen und bei häufigen Extrasystolen.
5 · Rhythmusdokumentation – die Methode richtet sich nach der Häufigkeit der Beschwerden:
| Methode | Wann sinnvoll |
|---|---|
| Langzeit-EKG (24–48 h, ggf. länger) | Beschwerden täglich oder fast täglich; Extrasystolen zählen |
| externer Event- oder Loop-Recorder (Wochen) | Beschwerden etwa wöchentlich bis monatlich |
| implantierbarer Loop-Recorder (bis zu mehreren Jahren) | seltene, aber ausgeprägte Episoden, wenn andere Methoden nichts ergeben haben |
| Smartwatch oder Gerät mit EKG-Funktion | Patient zeichnet selbst im Anfall auf; Alarme ohne EKG-Kurve sind nur ein Hinweis, die Diagnose braucht eine EKG-Dokumentation |
Lies von links nach rechts: Je seltener die Beschwerden, desto länger muss aufgezeichnet werden. Ohne Symptomtagebuch bleibt jede Aufzeichnung unvollständig.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: EHRA-Positionspapier „Management of patients with palpitations“ (Raviele et al., Europace 2011); ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Rhythmusmonitoring).
Langzeit-EKG: Ein kleiner Rekorder speichert über drei Klebeelektroden ununterbrochen den Herzrhythmus. Der Patient trägt ihn 24–48 Stunden im Alltag und notiert seine Beschwerden im Tagebuch.
Quelle: Wikimedia Commons, „Holter Akku 4 mounted.jpg“, Benutzer Sarang, gemeinfrei (PD-self); auf 960 px Breite verkleinert, als WebP gespeichert.
Implantierbarer Loop-Recorder: nur wenige Zentimeter lang. Er wird in örtlicher Betäubung über einen kleinen Hautschnitt unter die Haut der linken Brustwand geschoben (rechts das Einführbesteck) und speichert Episoden automatisch oder wenn der Patient sie auslöst.
Quelle: Fareh S et al., J Interv Card Electrophysiol 2024;67:2117, doi:10.1007/s10840-024-01821-y, Abb. 1 (Ausschnitt), CC BY 4.0; Beschriftungen und App-Abbildungen entfernt, zwei Bildfelder nebeneinandergesetzt.
Wichtig für jede Methode: Der Patient führt ein Symptomtagebuch. Erst wenn Beschwerde und Rhythmus zeitlich zusammenpassen, ist die Ursache belegt. Ein unauffälliger Rhythmus während typischer Beschwerden ist ebenfalls ein wertvolles Ergebnis.
6 · Warnzeichen – sie verlangen eine zügige kardiologische Abklärung:
| Warnzeichen | Warum es zählt |
|---|---|
| Synkope oder Beinahe-Synkope | Rhythmus hat das Gehirn unterversorgt |
| Brustschmerz, Atemnot | Myokardischämie oder Herzinsuffizienz möglich |
| Palpitationen bei Belastung | belastungsabhängige, teils ventrikuläre Rhythmusstörung möglich |
| bekannte strukturelle Herzerkrankung | höheres Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen |
| auffälliges Ruhe-EKG | z. B. Präexzitation, langes QT, Brugada-Muster |
| plötzlicher Herztod in der Familie | erbliche Herzerkrankung möglich |
Multiple Choice
Eine Patientin beschreibt Anfälle von Herzrasen. Welche Angabe spricht am stärksten für eine paroxysmale Reentry-Tachykardie?
Die Tabelle stellt die Antwortmöglichkeiten ohne Bewertung gegenüber.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Verlauf 1 | Schlagartiger Beginn und abruptes Ende |
| Verlauf 2 | Allmählicher Beginn beim Treppensteigen; langsames Abklingen in Ruhe |
| Verlauf 3 | Einzelne Aussetzer abends in Ruhe; danach kräftiger Schlag |
- a)Das Herzrasen beginnt und endet schlagartig, „wie ein Schalter“.
- b)Das Herzklopfen setzt beim Treppensteigen allmählich ein und klingt in Ruhe langsam ab.
- c)Abends in Ruhe spürt sie einzelne Aussetzer, danach einen kräftigen Schlag.
Multiple Choice
Ein 52-jähriger Mann ohne Herzerkrankung hat etwa alle zwei bis drei Wochen für 10–15 Minuten Herzrasen. Synkopen, Brustschmerz und Atemnot hatte er nie; Ruhe-EKG und Labor sind unauffällig. Welche Rhythmusdokumentation ist als Nächstes am sinnvollsten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 52 Jahre; keine Herzerkrankung |
| Herzrasen | Alle 2–3 Wochen für 10–15 Minuten |
| Begleitbeschwerden | Keine Synkope, kein Brustschmerz, keine Atemnot |
| Bisherige Befunde | Ruhe-EKG und Labor unauffällig |
- a)implantierbarer Loop-Recorder
- b)externer Event- oder Loop-Recorder über mehrere Wochen
- c)24-Stunden-Langzeit-EKG
SVES und VES unterscheiden
Eine Extrasystole ist ein vorzeitiger Schlag, der außerhalb des Sinusknotens entsteht. Je nach Ursprung unterscheidest du:
- supraventrikuläre Extrasystole (SVES): Ursprung in den Vorhöfen oder in der AV-junktionalen Region;
- ventrikuläre Extrasystole (VES): Ursprung in den Kammern, unterhalb der Aufteilung des His-Bündels.
Extrasystolen sind sehr häufig, auch bei Herzgesunden. Viele Menschen spüren sie als Stolpern oder Aussetzer – meist nicht den vorzeitigen Schlag selbst, sondern die Pause danach und den kräftigen Schlag nach der Pause.
| Merkmal | SVES | VES |
|---|---|---|
| vorzeitig? | ja | ja |
| P-Welle davor | ja, aber anders geformt (P′); oft in der vorangehenden T-Welle versteckt | keine vorangehende P-Welle |
| QRS | schmal, wie im Grundrhythmus | breit (meist ≥ 120 ms), deformiert |
| T-Welle | wie im Grundrhythmus | meist entgegengesetzt zum QRS (diskordant) |
| Pause danach | meist nicht kompensatorisch | meist kompensatorisch |
Warum unterscheiden sich die Pausen? Eine SVES erregt die Vorhöfe und damit auch den Sinusknoten. Der Sinusknoten beginnt seinen Zyklus neu („wird zurückgesetzt“). Der Abstand vom Schlag vor bis zum Schlag nach der SVES ist deshalb kürzer als zwei normale RR-Abstände (nicht kompensatorische Pause). Eine VES erreicht den Sinusknoten meist nicht. Er feuert pünktlich weiter; der nächste Sinusimpuls trifft aber auf noch refraktäre Kammern und wird nicht übergeleitet. Erst der übernächste Sinusimpuls erregt die Kammern wieder. Der Abstand vor bis nach der VES beträgt dann genau zwei RR-Abstände (kompensatorische Pause). Ist der Sinusrhythmus langsam, können die Kammern beim nächsten Sinusimpuls schon wieder erregbar sein: Die VES liegt dann ohne Pause zwischen zwei Sinusschlägen (interponierte VES).
RR-Zeitachse als Balkendarstellung (keine EKG-Kurve): N = Sinusschlag, S = SVES, V = VES. Die Klammer misst vom Schlag vor bis zum Schlag nach der Extrasystole; darunter steht der Rechenweg wie in den Beispielen.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024, S. 276–277; Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-7.6.1 und A-7.7.1.
Wichtig: Die Pause ist ein Hilfskriterium. Bei Sinusarrhythmie oder bei SVES, die den Sinusknoten nicht erreichen, kann sie täuschen. Entscheidend sind P′ und QRS-Form. Eine sehr früh einfallende SVES kann außerdem mit Schenkelblockbild übergeleitet werden (aberrante Leitung) und dann breit aussehen; du erkennst sie an der vorangehenden P′-Welle.
Bei jedem vorzeitigen Schlag gilt die erste Frage der P′-Welle. QRS-Form und Pause bestätigen; ein breiter Schlag mit P′ davor ist eine aberrant geleitete SVES.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024, S. 276–277; Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. A-7.6.1 und A-7.7.1.
Beispiel 1 · 71-jährige Patientin, gelegentliches Herzstolpern, sonst gesund.
EKG von Beispiel 1. Achte im Rhythmusstreifen auf die Schläge bei etwa 0,6 s, 5,8 s und 9,2 s.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2551, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Frequenz: 12 QRS in 10 s → ca. 72/min (Grundrhythmus ca. 69/min, RR ca. 0,87 s).
- Regelmäßig? Nein – drei Schläge fallen vorzeitig ein (Kopplungsintervall ca. 0,52–0,55 s).
- QRS: Die vorzeitigen QRS-Komplexe sind schmal und gleichen den Sinusschlägen.
- P-Wellen: Vor den vorzeitigen Schlägen sitzt eine früh einfallende, anders geformte P′-Welle am Ende der vorangehenden T-Welle.
- P zu QRS: Die P′-Welle wird übergeleitet.
- Pause: 0,52 s + 1,12 s = 1,64 s < 2 × 0,87 s = 1,74 s → nicht kompensatorisch.
Befund: Sinusrhythmus, ca. 69/min, mit drei supraventrikulären Extrasystolen; Normaltyp, PQ ca. 170 ms, QRS ca. 75 ms, QT ca. 370 ms (QTc ca. 395 ms), ST/T unauffällig. Beurteilung: vereinzelte SVES. Konsequenz: bei Herzgesunden ohne Warnzeichen keine Therapie; Auslöser besprechen.
Beispiel 2 · 42-jährige Patientin, gelegentlich „ein Aussetzer, dann ein harter Schlag“.
EKG von Beispiel 2. Achte im Rhythmusstreifen auf den Schlag bei etwa 3,2 s.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 985, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Frequenz: 13 QRS in 10 s → ca. 78/min.
- Regelmäßig? Nein – ein Schlag fällt vorzeitig ein (Kopplungsintervall ca. 0,52 s).
- QRS: Der vorzeitige Komplex ist breit (ca. 120–140 ms), plump und hoch in II, III und aVF; die T-Welle danach ist negativ (diskordant).
- P-Wellen: Vor dem vorzeitigen Komplex steht keine P-Welle.
- P zu QRS: Für den vorzeitigen Schlag keine Beziehung; alle anderen Schläge 1 : 1 mit PQ ca. 160 ms.
- Pause: 0,52 s + 1,09 s = 1,61 s ≈ 2 × 0,78 s = 1,56 s → kompensatorisch (kleine Abweichung durch leichte Sinusarrhythmie).
Befund: Sinusrhythmus, ca. 78/min, mit einer monomorphen ventrikulären Extrasystole; Normaltyp, PQ ca. 160 ms, QRS ca. 75 ms, QT ca. 350 ms (QTc ca. 400 ms), ST/T in den Sinusschlägen unauffällig. Beurteilung: einzelne VES. Konsequenz: bei Herzgesunden ohne Warnzeichen meist harmlos; weitere Abklärung nach den Kriterien in Schritt 10.
Begriffe für gehäufte Extrasystolen
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| monomorph | alle Extrasystolen gleich geformt (ein Ursprungsort) |
| polymorph (multiform) | verschiedene Formen (meist mehrere Ursprungsorte) |
| Bigeminus | auf jeden Normalschlag folgt eine Extrasystole |
| Trigeminus | auf je zwei Normalschläge folgt eine Extrasystole |
| Couplet | zwei Extrasystolen direkt hintereinander |
| Salve (Triplet und mehr) | drei oder mehr Extrasystolen hintereinander |
Bei VES sind Salven besonders wichtig: Drei oder mehr aufeinanderfolgende ventrikuläre Schläge mit einer Frequenz über 100/min, die kürzer als 30 Sekunden anhalten, heißen nicht anhaltende ventrikuläre Tachykardie (NSVT). Hält eine VT 30 Sekunden oder länger an oder muss sie wegen Instabilität früher beendet werden, ist sie anhaltend (Einheit 5).
Hinweis zur Benennung: Trigeminus bedeutet: zwei Normalschläge, dann eine Extrasystole – also eine Extrasystole als jeder dritte Schlag.
Jede Zeile zeigt ein Muster als Schlagfolge (keine EKG-Kurve). Zähle die roten Balken: zwei hintereinander sind ein Couplet, ab drei ventrikulären Schlägen mit über 100/min beginnt die NSVT.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Kapiteltext dieses Schritts; ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien und Prävention des plötzlichen Herztodes 2022 (NSVT-Definition).
Geführte Übung: Bigeminus
Freie Antwort
Aufgabe (geführt)
Ein 81-jähriger Mann merkt seit Tagen einen „holprigen“ Puls. Der Rhythmusstreifen zeigt Schläge, die paarweise auftreten: kurzer Abstand (ca. 0,81 s), dann langer Abstand (ca. 1,26 s). Schritte 1 bis 3 sind gelöst: Frequenz 10 QRS in 10 s → ca. 60/min; nicht regelmäßig, sondern paarweise; alle QRS-Komplexe schmal und gleich geformt.
EKG des 81-jährigen Patienten.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1381, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Ergänze die Schritte 4 und 5: Vergleiche in V1 und V2 die P-Welle vor dem Schlag nach der langen Pause mit der P-Welle vor dem Schlag nach dem kurzen Abstand. Benenne dann den Rhythmus.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Ein 69-jähriger Mann, Kontroll-EKG vor einer Operation. Im Rhythmusstreifen wechseln sich in der ersten Hälfte schmale und breite Komplexe ab; in der Mitte folgen drei schmale Komplexe hintereinander. Die breiten Komplexe sind in II tief negativ und breit, haben keine vorangehende P-Welle, und nach jedem breiten Komplex folgt eine lange Pause. Welche Einordnung trifft zu?
Kontroll-EKG des 69-jährigen Patienten.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 4079, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- a)supraventrikulärer Bigeminus mit aberranter Leitung
- b)intermittierender Schenkelblock ohne Extrasystolen
- c)ventrikulärer Bigeminus, phasenweise
Selbstständige Übung: vier EKGs befunden
Befunde jedes EKG mit den sechs Fragen und benenne die Extrasystolie. Schreibe den Befund in der Reihenfolge Rhythmus · Frequenz · Lagetyp · PQ · QRS · QT/QTc · ST/T · Beurteilung.
Freie Antwort
28-jährige Studentin, „Stolpern“ beim Lernen am Abend, keine weiteren Beschwerden.
EKG der 28-jährigen Studentin.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 15588, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Freie Antwort
73-jährige Patientin, Hausarzt-EKG bei Bluthochdruck-Kontrolle.
Kontroll-EKG der 73-jährigen Patientin.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1152, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Multiple Choice
63-jährige Patientin mit Herzklopfen bei Aufregung.
EKG der 63-jährigen Patientin.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 4126, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Welche Beschreibung des Rhythmusstreifens ist richtig?
- a)In der ersten Streifenhälfte folgt auf je zwei Sinusschläge eine VES (Trigeminus); später tritt nur noch eine einzelne VES auf.
- b)Auf jeden Sinusschlag folgt eine VES (Bigeminus) über den ganzen Streifen.
- c)Die breiten Komplexe sind aberrant geleitete SVES, weil sie in II positiv sind.
Freie Antwort
66-jähriger Mann, beim Pulstasten fällt ein Puls von „etwa 35/min“ auf.
EKG des 66-jährigen Patienten.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16162, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG und erkläre, warum der getastete Puls so niedrig ist.
In der App sprechen üben →Lesetext und Vertiefung: Wann ist Ektopie bedenklich?
Die meisten Extrasystolen sind harmlos. Bedenklich werden sie, wenn sie auf eine Herzerkrankung hinweisen, wenn sie selbst das Herz schädigen oder wenn sie Vorboten gefährlicher Rhythmen sein können. Die alte Lown-Klassifikation wird dafür nicht mehr verwendet; entscheidend sind die genaue Beschreibung (Anzahl, Form, Salven) und der klinische Kontext.
| Befund | Bedeutung |
|---|---|
| Herzgesund, einzelne monomorphe VES oder SVES, unter Belastung seltener | meist harmlos |
| bekannte strukturelle Herzerkrankung (z. B. nach Infarkt, Kardiomyopathie, reduzierte LVEF) | VES und NSVT gehen mit höherem Risiko einher |
| hohe VES-Last (z. B. ≥ 10 % aller Schläge im Langzeit-EKG) | kann eine VES-bedingte Kardiomyopathie verursachen oder verstärken |
| polymorphe VES, Couplets, NSVT | „komplexe“ Ektopie: weitere Abklärung |
| Zunahme unter Belastung, Synkope, plötzlicher Herztod in der Familie | Warnzeichen |
Abklärung bei bedenklicher Ektopie
- 12-Kanal-EKG: Form der Extrasystolen, Hinweise auf Infarkt, Schenkelblock, langes QT.
- Langzeit-EKG: VES-Last in Prozent, Couplets, Salven, NSVT.
- Echokardiografie: Herzstruktur und linksventrikuläre Funktion.
- Kardio-MRT: wenn die Echokardiografie eine Herzerkrankung vermuten lässt, bei Verdacht auf VES-bedingte Kardiomyopathie oder wenn das Bild nicht zu harmlosen Extrasystolen passt.
- Belastungstest, Elektrolyte (Kalium, Magnesium), TSH, Medikamentenliste.
Behandlungsprinzipien: Bei Herzgesunden steht die Aufklärung im Vordergrund, dazu das Meiden von Auslösern. Nur bei deutlichen Beschwerden oder hoher VES-Last werden Medikamente (z. B. Betablocker) oder eine Katheterablation erwogen; Substanzwahl und Sicherheit lernst du in Einheit 7. Bei struktureller Herzerkrankung wird zuerst die Grunderkrankung behandelt; ob ein ICD nötig ist, entscheidet sich nach Einheit 8.
Erst den Befund einordnen, dann die passende Abklärung wählen. Die untere Zeile zeigt, wann eine Therapie infrage kommt und wohin sie im Kapitel führt.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien und Prävention des plötzlichen Herztodes 2022; Herold Innere Medizin 2024, S. 276–277.
Ausgearbeitetes Beispiel: komplexe ventrikuläre Ektopie
Eine 86-jährige Patientin mit Belastungsdyspnoe wird vom Hausarzt geschickt.
EKG der 86-jährigen Patientin. Achte im Rhythmusstreifen auf die Form der breiten Komplexe bei etwa 1,1 s, 2,6 s, 5,7 s und 7,2 s.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 10360, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Frequenz: 14 QRS-Komplexe in 10 s → ca. 84/min gesamt.
- Regelmäßig? Nein; Sinusschläge und vorzeitige Komplexe wechseln sich über weite Strecken ab (Bigeminus).
- QRS: Schon die Sinusschläge sind breit (ca. 130 ms) mit rSR′-Form in V1 – ein Rechtsschenkelblock. Die vorzeitigen Komplexe sind breit, ohne P-Welle und haben zwei verschiedene Formen: Typ A ist in II positiv (bei ca. 1,1 s und 7,2 s), Typ B in II negativ und in V1 positiv (bei ca. 2,6 s und 5,7 s).
- P-Wellen: vor den Sinusschlägen vorhanden.
- P zu QRS: Sinusschläge 1 : 1, PQ ca. 200 ms.
- Kreislauf: Belastungsdyspnoe – Hinweis auf eine mögliche Herzinsuffizienz.
Befund: Sinusrhythmus mit Rechtsschenkelblock und polymorphen (multiformen) ventrikulären Extrasystolen, phasenweise im Bigeminus; Kammerfrequenz gesamt ca. 84/min, PQ ca. 200 ms, QRS der Sinusschläge ca. 130 ms; Lagetyp und QT bei wenigen ungestörten Sinusschlägen nicht sicher bestimmbar. Einzelne weitere vorzeitige Schläge sind in diesem kurzen Streifen nicht sicher zuzuordnen. Beurteilung: komplexe ventrikuläre Ektopie bei älterer Patientin mit Dyspnoe und Leitungsstörung. Konsequenz: Echokardiografie, Langzeit-EKG (VES-Last, Couplets, NSVT), Elektrolyte und Medikamentenliste prüfen; kardiologische Abklärung einer strukturellen Herzerkrankung.
Freie Antwort
Aufgabe (Vertiefung)
38-jährige Patientin, Herzrasen „für ein paar Sekunden“ und Stolpern. In der Notaufnahme wurde dieses EKG aufgezeichnet; sie ist wach, Blutdruck 126/80 mmHg.
EKG der 38-jährigen Patientin.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 12537, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Beschreibe den Rhythmusstreifen von links nach rechts. Welche Befunde sind „komplexe“ Ektopie? Liegt eine NSVT vor?
In der App sprechen üben →Fall: 34-jährige Patientin mit Herzstolpern
Frau K., 34 Jahre, Grundschullehrerin, kommt in die Notaufnahme, weil sie seit drei Wochen abends auf dem Sofa ein „Stolpern“ spürt: ein kurzer Aussetzer, dann ein kräftiger Schlag, manchmal mehrmals pro Stunde. Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht, Brustschmerz oder Atemnot hatte sie nie. Seit Beginn der Zeugnisphase schläft sie schlecht und trinkt fünf bis sechs Tassen Kaffee am Tag. Keine Medikamente, kein Alkohol, keine Drogen. Keine Vorerkrankungen; in der Familie ist kein plötzlicher Herztod bekannt. Untersuchung: wach, beschwerdefrei, Blutdruck 124/78 mmHg, Puls 96/min mit einzelnen Aussetzern, Herzgeräusche keine, keine Ödeme, Schilddrüse unauffällig. Labor: Kalium 4,1 mmol/l, Magnesium 0,85 mmol/l, TSH 1,6 mU/l, Hämoglobin 13,4 g/dl.
EKG von Frau K. in der Notaufnahme.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14549, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Multiple Choice
Befunde das EKG kurz und wähle das sinnvollste weitere Vorgehen.
Die Tabelle bündelt Angaben aus dem Fall von Frau K.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | Frau K., 34 Jahre |
| Beschwerden | Seit 3 Wochen abendliches Stolpern; mehrmals pro Stunde |
| Untersuchung | RR 124/78 mmHg; Puls 96/min mit einzelnen Aussetzern |
| Labor | Kalium 4,1 mmol/l; Magnesium 0,85 mmol/l; TSH 1,6 mU/l |
- a)stationäre Aufnahme mit Monitorüberwachung und Echokardiografie noch heute
- b)Implantation eines Loop-Recorders
- c)Aufklärung, Koffein reduzieren und ein Langzeit-EKG mit Symptomtagebuch; Wiedervorstellung mit Befund
Freie Antwort
Patientenvorstellung
Stelle Frau K. der Oberärztin in fünf bis sechs Sätzen vor. Nutze die Struktur: Anlass – Relevantes – Verdachtsdiagnose mit Begründung – gefährliche Alternative – nächster Schritt – Dringlichkeit.
Die Tabelle bündelt Angaben aus dem Fall von Frau K.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Anlass | Seit 3 Wochen Herzstolpern, abends auf dem Sofa |
| Alltag | Zeugnisphase; schlechter Schlaf; 5–6 Tassen Kaffee/Tag |
| Verneinte Beschwerden | Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht, Brustschmerz, Atemnot |
| Anamnese | Keine Medikamente/Vorerkrankungen; familiär kein plötzlicher Herztod |
Freie Antwort
Patientenerklärung
Frau K. fragt: „Ist mein Herz krank? Kann ich daran sterben?“ Erkläre ihr in einfachen Worten, was du vermutest, was du vorschlägst und wann sie sofort wiederkommen soll. Prüfe am Ende, ob sie dich verstanden hat.
Die Tabelle bündelt Angaben aus dem Fall von Frau K.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Frage der Patientin | „Ist mein Herz krank? Kann ich daran sterben?“ |
| Beschwerden | Kurzer Aussetzer, danach kräftiger Schlag |
| Aktueller Zustand | Wach und beschwerdefrei; RR 124/78 mmHg |
| Belastungen im Alltag | Schlechter Schlaf; 5–6 Tassen Kaffee/Tag |
Selbsteinschätzung
Prüfe ehrlich, ob du Folgendes kannst. Wenn nicht, gehe zum genannten Schritt zurück.
- Ich kann den Dreischritt „Rhythmus verstehen – Stabilität beurteilen – Behandlung abwägen“ erklären und die vier Instabilitätszeichen nennen. (S01)
- Ich kann die Eigenfrequenzen von Sinusknoten, junktionalem und ventrikulärem Ersatzzentrum zuordnen. (S02)
- Ich kann die Frequenz mit der 300-Regel und der 10-s-Methode bestimmen und PQ, QRS und QT einordnen. (S03)
- Ich kann ein Rhythmus-EKG mit den sechs Fragen befunden. (S04)
- Ich kann bei Sinustachykardie die wichtigsten Ursachen gezielt suchen. (S05)
- Ich kann bei Palpitationen Anamnese, Untersuchung, Basisdiagnostik und Rhythmusdokumentation begründet planen und Warnzeichen erkennen. (S06)
- Ich kann SVES und VES anhand von P′, QRS und Pause unterscheiden und Bigeminus, Trigeminus, Couplet und NSVT definieren. (S07–S09)
- Ich kann begründen, wann Extrasystolen weiter abgeklärt werden müssen. (S10)
- Ich kann einen Patienten mit Palpitationen vorstellen und ihm die Situation verständlich erklären. (S11)
Bradykardien
Lernziel: Du kannst Bradykardien lokalisieren, Risiken erkennen und akut behandeln.
Ein langsamer Puls ist manchmal ein Zeichen guter Fitness und manchmal der letzte Schritt vor einer Asystolie. In dieser Einheit lernst du, eine Bradykardie im EKG zu lokalisieren (Sinusknoten, AV-Knoten oder darunter), daraus das Risiko abzuleiten und eine instabile Bradykardie nach den ERC/GRC-Leitlinien 2025 akut zu behandeln. Du arbeitest dabei mit echten EKGs; die Kreislaufdaten in den Fällen sind erfunden.
Für die Rhythmusanalyse nutzt du die sechs Fragen aus Einheit 1: Frequenz? Regelmäßig? QRS schmal oder breit? P-Wellen vorhanden? Beziehung von P zu QRS? Kreislauf und Symptome?
Wann ist ein langsamer Herzschlag ein Problem?
Definition. Eine Bradykardie ist eine Herzfrequenz unter 60/min. Die ESC-Leitlinie zur Schrittmachertherapie (2021) setzt die Grenze für eine relevante Bradykardie bei unter 50/min. Wichtiger als die Zahl ist die Frage: Reicht das Herzzeitvolumen? Herzzeitvolumen = Schlagvolumen × Herzfrequenz. Ein trainiertes Herz gleicht eine niedrige Frequenz mit einem großen Schlagvolumen aus, ein krankes Herz kann das nicht.
Typische Beschwerden entstehen, weil Gehirn und Muskulatur zu wenig Blut bekommen:
- Leistungsminderung, rasche Erschöpfung, Belastungsdyspnoe, Zeichen der Herzinsuffizienz
- Schwindel, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit (besonders bei älteren Patienten)
- Präsynkope und Synkope: Setzt die Kammeraktion plötzlich für mehrere Sekunden aus, wird der Patient bewusstlos. Diese bradykarde Synkope heißt Morgagni-Adams-Stokes-Anfall (MAS-Anfall). Hält die Pause länger an, können Krampfanfälle folgen – Verwechslungsgefahr mit Epilepsie.
Physiologisch oder pathologisch?
| Eher physiologisch | Eher pathologisch |
|---|---|
| Ausdauersportler, junge Menschen, Schlaf | Beschwerden, die zur Bradykardie passen |
| Frequenz steigt bei Belastung normal an | kein ausreichender Frequenzanstieg bei Belastung |
| AV-Block I° oder Wenckebach nur nachts, verschwindet bei Belastung | Pausen am Tag, Mobitz II, AV-Block III° |
| schmaler QRS-Komplex | breiter QRS-Komplex, Schenkelblock |
Erst nach reversiblen Ursachen suchen. Viele Bradykardien sind die Folge eines Medikaments oder einer anderen Erkrankung. Diese Ursachen behandelst du, bevor du über einen dauerhaften Schrittmacher nachdenkst.
Die Frequenz allein legt die Therapie nicht fest: Erst Beschwerden und Warnzeichen einordnen, dann reversible Ursachen suchen – ein Schrittmacher kommt erst danach in Frage.
Quelle: eigene Darstellung.
| Ursache | Typischer Hinweis | Was du tust |
|---|---|---|
| Betablocker, Verapamil/Diltiazem | Medikamentenliste, Dosiserhöhung, Kombination beider Gruppen | Pausieren, Dosis anpassen; bei Intoxikation Expertenhilfe |
| Digoxin | Übelkeit, Sehstörungen, Niereninsuffizienz | Spiegel, Kalium, Nierenfunktion; Details Einheit 7 |
| Amiodaron, Ivabradin, Clonidin | neu angesetzt oder kombiniert | Indikation prüfen, Dosis reduzieren oder absetzen |
| Hyperkaliämie | Niereninsuffizienz, ACE-Hemmer, Spironolacton; hohe T-Wellen, breiter QRS | Kalium sofort bestimmen und behandeln (Elektrolytlehre: E04) |
| Hypothyreose | Müdigkeit, Kälteintoleranz, Gewichtszunahme | TSH |
| Hypothermie | Unterkühlung, Bewusstseinsstörung | Wiedererwärmen |
| Inferiorer Myokardinfarkt | Brustschmerz, ST-Hebung in II, III, aVF | Akutes Koronarsyndrom versorgen (C03); Block oft rückläufig |
| Erhöhter Hirndruck | Kopfschmerz, Bewusstseinsminderung, Hypertonie | Bildgebung, Neurochirurgie |
| Schlafapnoe | Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Pausen nur nachts | Schlafmedizinische Abklärung |
| Lyme-Karditis | Zeckenstich, Erythema migrans, junger Patient, wechselnder AV-Block | Borrelienserologie, Antibiotikatherapie |
| Vagale Reaktion | Schmerz, Erbrechen, Blutentnahme | Lagerung, meist selbstlimitierend |
Erythema migrans am Oberarm: An der Stichstelle breitet sich die Rötung ringförmig aus, oft mit hellerer Zone und rotem Rand. Bei einem jüngeren Patienten mit neuem oder wechselndem AV-Block gezielt nach Zeckenstich und solchem Hautausschlag in den letzten Wochen fragen – bei Beginn der Karditis kann die Rötung schon abgeblasst sein.
Quelle: CDC/James Gathany, CDC Public Health Image Library (PHIL 9875), via Wikimedia Commons (File:Erythema migrans - erythematous rash in Lyme disease - PHIL 9875.jpg), gemeinfrei (Public Domain); verkleinert, sonst unverändert.
Kurz zur Hyperkaliämie (Brücke zu E04): Ein hoher Kaliumspiegel macht die Zellmembran weniger erregbar und verlangsamt die Leitung im Sinusknoten, im AV-Knoten und in den Kammern. Deshalb gehört Kalium zu jeder Bradykardie-Abklärung. Die vollständige Behandlung der Hyperkaliämie lernst du in E04.
Multiple Choice
Ein 71-jähriger Patient kommt mit Schwindel. Herzfrequenz 42/min, RR 128/76 mmHg. Er nimmt seit einer Woche zusätzlich zu Metoprolol 2 × 95 mg auch Verapamil 3 × 80 mg wegen „Herzrasen“. Kreatinin normal. Was ist der wichtigste erste Schritt zur Ursache?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient / Symptom | 71 Jahre; Schwindel |
| Kreislauf | Herzfrequenz 42/min; RR 128/76 mmHg |
| Metoprolol | 2 × 95 mg |
| Verapamil | Seit 1 Woche zusätzlich 3 × 80 mg |
| Kreatinin | Normal |
- a)Sofortige Überweisung zur Schrittmacherimplantation
- b)Medikamentenliste prüfen und die Kombination aus Betablocker und Verapamil beenden
- c)Langzeit-EKG in vier Wochen ohne Änderung der Medikation
Sinusbradykardie
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 11055, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Schritt für Schritt mit den sechs Fragen:
- Frequenz: Im 10-s-Rhythmusstreifen zählst du 8 QRS-Komplexe → etwa 48–53/min. Genauer: Der RR-Abstand beträgt etwa 5,7 große Kästchen (1,13 s) → 60 : 1,13 ≈ 53/min.
- Regelmäßig? Ja, die RR-Abstände sind gleich.
- QRS: schmal (etwa 0,08 s).
- P-Wellen: vor jedem QRS eine positive P-Welle in II.
- Beziehung P–QRS: jede P-Welle wird übergeleitet, PQ etwa 0,15 s und konstant.
- Kreislauf: muss klinisch geprüft werden – das EKG allein sagt nicht, ob der Patient Beschwerden hat.
Befund: Sinusrhythmus 53/min (Sinusbradykardie) · Lagetyp: Indifferenz- bis Linkstyp (I und II positiv, III überwiegend negativ, aVF klein positiv) · PQ 0,15 s · QRS 0,08 s · QT etwa 0,41 s, QTc normal · ST/T unauffällig.
Bewertung: Eine isolierte Sinusbradykardie mit normalem PQ und schmalem QRS ist bei einem beschwerdefreien Menschen kein Befund, der behandelt werden muss. Entscheidend sind Beschwerden, Medikamente und der Frequenzanstieg bei Belastung.
Sinusknotenerkrankung
Normal: Der Sinusknoten bildet regelmäßig Impulse; jeder Impuls erreicht den Vorhof und erzeugt eine P-Welle. Bei einer Sinusknotenerkrankung (Sick-Sinus-Syndrom, Sinusknotendysfunktion) ist entweder die Impulsbildung oder die Weiterleitung vom Sinusknoten auf den Vorhof gestört. Ursachen sind vor allem die altersbedingte Fibrose des Vorhofs, KHK, Kardiomyopathien und Medikamente.
| Form | Was im EKG passiert |
|---|---|
| Inadäquate Sinusbradykardie | dauerhaft langsamer Sinusrhythmus mit Beschwerden |
| SA-Block I° | verzögerte Leitung Sinusknoten → Vorhof; im Oberflächen-EKG nicht sichtbar |
| SA-Block II° Typ Mobitz | eine P-Welle fällt aus; die Pause entspricht genau dem Doppelten (oder Mehrfachen) des PP-Abstands |
| SA-Block II° Typ Wenckebach | PP-Abstände werden kürzer, dann Pause kürzer als 2 × PP (selten, schwer von Sinusarrhythmie zu trennen) |
| Sinusarrest (Sinusknotenstillstand) | der Sinusknoten bildet keinen Impuls; die Pause hat keinen festen Bezug zum PP-Abstand |
| SA-Block III° | kein Impuls erreicht den Vorhof; im EKG nicht vom Sinusarrest zu unterscheiden |
| Bradykardie-Tachykardie-Syndrom | Wechsel von Vorhofflimmern/-flattern und Bradykardie; typisch ist eine lange Pause, wenn das Vorhofflimmern endet |
| Chronotrope Inkompetenz | Frequenz steigt bei Belastung nicht ausreichend an (z. B. unter 80 % der altersentsprechenden Maximalfrequenz) |
Warum das Vielfache wichtig ist: Beim SA-Block wird der Sinusknoten weiter im Takt tätig – nur ein Impuls kommt nicht an. Deshalb „passt“ die Pause genau in das Raster der vorherigen PP-Abstände. Beim Sinusarrest steht der Taktgeber selbst; wann er wieder anspringt, ist zufällig.
Leiterdiagramm: Beim SA-Block II° (oben) entsteht der Impuls, wird aber nicht weitergeleitet; beim Sinusarrest (unten) entsteht kein Impuls. Schematische Darstellung, Zeitachse nicht maßstabsgetreu.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024, Reizleitungsstörungen (SA-Block); Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. 7.4.1.
Eine Sinuspause am Monitor. Der folgende Ausschnitt stammt aus einer Monitorableitung (II, V1, III). Die Pfeile des Autors markieren die P-Wellen.
Monitorstreifen (II, V1, III); Papiervorschub und Verstärkung sind in der Vorlage nicht angegeben. Die Pfeile stammen vom Autor der Originalabbildung.
Quelle: Gregory Marcus, MD, Google Knol „Pacemakers“ (2008), via Wikimedia Commons (File:Sinus_pause.PNG), CC BY 3.0; zugeschnitten (Bildüberschrift entfernt), sonst unverändert.
Was du siehst: Nach drei normalen Herzaktionen fehlt die nächste P-Welle, und es folgt eine lange Pause ohne jede Vorhof- oder Kammeraktion. Die erste Aktion nach der Pause hat eine andere, sehr früh vor dem QRS stehende P-Welle (gestrichelter Pfeil): Hier hat nicht der Sinusknoten, sondern ein tiefer gelegenes Vorhofzentrum die Führung übernommen – ein Ersatzschlag. Ob ein Sinusarrest oder ein SA-Block vorliegt, lässt sich ohne kalibrierte Zeitachse nicht sicher sagen; entscheidend ist: Der Sinusknoten hat versagt, ein Ersatzzentrum ist eingesprungen.
Ausgearbeitetes Beispiel: Pause als Vielfaches des PP-Abstands
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS11537, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Grundrhythmus: Vor jedem QRS steht eine positive P-Welle in II → Sinusrhythmus. PP-Abstand vor der ersten Pause etwa 0,87 s (≈ 69/min).
- Die Pause: Nach dem siebten QRS folgt eine Pause. Der Abstand zwischen der letzten P-Welle vor und der ersten P-Welle nach der Pause beträgt etwa 1,78 s. In der Pause ist keine P-Welle zu sehen.
- Rechnung: 1,78 : 0,87 ≈ 2,0 → die Pause entspricht dem doppelten PP-Abstand. Eine Sinusaktion ist „ausgefallen“, der Takt läuft weiter.
- Zweite Pause: Die folgende Pause (etwa 1,46 s) ist kein sauberes Vielfaches. Auch bei einer Sinusknotenerkrankung schwankt der Sinusrhythmus; nicht jede Pause lässt sich exakt typisieren.
- Weitere Befunde: PQ etwa 0,22 s (AV-Block I°) · QRS schmal · Lagetyp: Linkstyp · hohe R-Zacken links und T-Negativierungen in V4–V6 (Repolarisationsstörung, weiter abklären).
Befund: Sinusrhythmus, mittlere Frequenz um 55/min, SA-Block II° Typ Mobitz (Pause = 2 × PP) und AV-Block I°. Konsequenz: Hinweis auf eine Erkrankung von Sinusknoten und AV-Leitung. Nach Symptomen fragen (Schwindel? Synkope?), reversible Ursachen prüfen, Langzeit-EKG. Ein Schrittmacher ist bei einer Sinusknotenerkrankung nur bei Beschwerden angezeigt, die der Bradykardie zugeordnet werden können (Einheit 8).

Abbildung: Die Schrittmacherfrage folgt erst auf die Zuordnung der Beschwerden und die Prüfung reversibler Ursachen. Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Aufgabe (geführt)
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. In V1 ist im mittleren Abschnitt ein Bewegungsartefakt sichtbar.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12470, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Eine 82-jährige Patientin berichtet über kurze Schwindelattacken. Die ersten Schritte sind schon erledigt:
- Die P-Wellen sind klein, aber vor jedem QRS in II vorhanden; PQ konstant → Sinusrhythmus.
- Der normale PP-Abstand beträgt etwa 0,74 s.
- Die beiden Pausen dauern jeweils etwa 1,33 s; in den Pausen ist keine P-Welle erkennbar.
Ergänze den letzten Schritt: Welche Einordnung passt am besten?
- a)AV-Block II° Typ Mobitz II, weil eine Kammeraktion ausfällt
- b)Ausfall einer Sinusaktion; die Pause beträgt knapp das Doppelte des PP-Abstands und passt am ehesten zu einem SA-Block II°
- c)Normale Sinusarrhythmie, weil die Pausen kürzer als 2 Sekunden sind
Lesetext und Beispiele: Ersatzrhythmen
Prinzip. Fällt der Sinusknoten aus oder wird seine Erregung blockiert, springen tiefer gelegene Zentren ein. Sie haben eine niedrigere Eigenfrequenz und kommen deshalb normalerweise nicht zum Zug. Ein Ersatzrhythmus ist eine Rettung, kein Problem an sich – du darfst ihn nie mit Antiarrhythmika „wegbehandeln“.
| Ersatzzentrum | Frequenz | QRS und P-Welle |
|---|---|---|
| AV-junktional (AV-Knoten, His-Bündel) | etwa 40–60/min | schmal; P fehlt, liegt im QRS oder folgt ihm (retrograd) |
| Ventrikulär (Kammermyokard) | etwa 20–40/min | breit, schenkelblockartig; springt oft erst nach langer Pause an |
Zum Vergleich: Der Sinusknoten gibt in Ruhe etwa 60–100/min vor. Je tiefer das Ersatzzentrum, desto langsamer und unzuverlässiger ist es. Ein ventrikulärer Ersatzrhythmus kann jederzeit versagen → Asystoliegefahr.
Je tiefer das einspringende Zentrum, desto langsamer und unzuverlässiger der Rhythmus; die QRS-Breite verrät die Höhe.
Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel: schmaler Ersatzrhythmus ohne P-Wellen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22341, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Frequenz: RR etwa 1,57 s → 38/min, streng regelmäßig.
- QRS: schmal (etwa 0,08 s) → die Kammern werden über das normale His-Purkinje-System erregt; der Ursprung liegt also oberhalb der Schenkel.
- P-Wellen: In keiner Ableitung ist vor oder nach dem QRS eine P-Welle zu erkennen.
- Lagetyp: Steiltyp · QT etwa 0,45 s (bei 38/min, QTc normal) · ST/T unauffällig.
Befund: Fehlende Vorhofaktion (Sinusarrest oder SA-Block III°) mit junktionalem Ersatzrhythmus 38/min. Die Frequenz liegt etwas unter dem typischen junktionalen Bereich; der schmale QRS spricht trotzdem für einen Ursprung im AV-Knoten oder His-Bündel. Konsequenz: Kreislauf prüfen, Medikamente (Betablocker, Verapamil, Digoxin) und Kalium kontrollieren. Bei Beschwerden und ohne reversible Ursache Schrittmacherindikation prüfen (Einheit 8).
Ausgearbeitetes Beispiel: Ersatzrhythmus im Rahmen eines Hinterwandinfarkts
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 17091, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Klinischer Kontext (erfunden): 73-jährige Patientin, bekannter Hinterwandinfarkt vor drei Wochen, jetzt Müdigkeit, RR 112/70 mmHg.
- Frequenz: RR etwa 1,7 s → 35/min, regelmäßig.
- QRS: schmal; P-Wellen nicht abgrenzbar (die Grundlinie ist leicht verrauscht, vor den QRS-Komplexen findet sich keine reproduzierbare P-Welle).
- Lagetyp: Linkstyp · kleines Q und negatives T in III (passend zu einer abgelaufenen inferioren Schädigung, Infarkt-EKG: C03).
Befund: Junktionaler Ersatzrhythmus etwa 35/min. Warum der Kontext zählt: Die rechte Koronararterie versorgt bei den meisten Menschen den Sinus- und den AV-Knoten. Ischämie in diesem Gebiet stört deshalb Impulsbildung und AV-Leitung. Solche Störungen beim Hinterwandinfarkt liegen meist im AV-Knoten und bilden sich oft zurück – bei einem Vorderwandinfarkt mit Leitungsstörung ist das Septum mit den Tawara-Schenkeln betroffen, die Prognose ist deutlich schlechter. Bildet sich ein höhergradiger AV-Block nach einem Infarkt innerhalb von mindestens 5 Tagen nicht zurück, ist ein dauerhafter Schrittmacher angezeigt (ESC 2021).
Der Infarktort zeigt die Blockebene: inferior meist nodal und rückläufig, anterior infranodal mit schlechterer Prognose; über einen dauerhaften Schrittmacher wird frühestens nach 5 Tagen entschieden.
Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22433, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Routine-EKG einer beschwerdefreien 71-jährigen Patientin vor einer Operation. Frequenz etwa 62/min, regelmäßig, QRS schmal, in keiner Ableitung P-Wellen. Wo entsteht dieser Rhythmus am wahrscheinlichsten?
- a)Im Kammermyokard
- b)Im Sinusknoten
- c)Im AV-Knoten bzw. His-Bündel
AV-Blockierungen und die Frage „Wo liegt der Block?“
Normal: Jede Vorhoferregung (P-Welle) wird nach 0,12–0,20 s über AV-Knoten, His-Bündel und Tawara-Schenkel auf die Kammern übergeleitet. Die PQ-Zeit spiegelt vor allem die Verzögerung im AV-Knoten.
Die Grade:
- AV-Block I°: jede P-Welle wird übergeleitet, aber verzögert – PQ > 0,20 s.
- AV-Block II° Typ Wenckebach (Mobitz I): die PQ-Zeit wird von Schlag zu Schlag länger, bis eine P-Welle nicht übergeleitet wird. Nach der Pause ist die PQ-Zeit wieder am kürzesten. Die Pause ist kürzer als zwei PP-Abstände. Der Block sitzt meist im AV-Knoten.
- AV-Block II° Typ Mobitz II: konstante PQ-Zeit (normal oder verlängert), dann plötzlich eine P-Welle ohne QRS. Der Block sitzt meist im oder unterhalb des His-Bündels.
- 2:1-Block: jede zweite P-Welle wird blockiert. Weil es keine zwei aufeinanderfolgenden übergeleiteten Schläge gibt, lässt sich nicht erkennen, ob sich die PQ-Zeit verlängern würde → Typ I oder II ist nicht sicher bestimmbar.
- Höhergradiger AV-Block: zwei oder mehr aufeinanderfolgende P-Wellen werden blockiert (z. B. 3:1), einzelne werden noch übergeleitet.
- AV-Block III° (totaler AV-Block): keine P-Welle wird übergeleitet. Vorhöfe und Kammern schlagen unabhängig (AV-Dissoziation); die Kammern folgen einem Ersatzrhythmus.
Leiterdiagramme AV-Block I°, Wenckebach und Mobitz II. Die PQ-Werte sind Beispielzahlen; schematische Darstellung.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. 7.4.2; Herold Innere Medizin 2024, AV-Block.
Leiterdiagramme 2:1-Block, höhergradiger Block und AV-Block III° mit junktionalem bzw. ventrikulärem Ersatzrhythmus; schematische Darstellung.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024, AV-Block; Duale Reihe Innere Medizin, 4. Aufl. 2018, Kap. 7.4.2.
Wo liegt der Block? Die Lokalisation entscheidet über Risiko und Therapie.
| Merkmal | Nodal (im AV-Knoten) | Infranodal (His-Bündel, Schenkel) |
|---|---|---|
| Typische Formen | AV-Block I°, Wenckebach | Mobitz II, höhergradiger Block, AV-Block III° mit breitem QRS |
| QRS | meist schmal | oft breit oder Schenkelblock |
| Ersatzrhythmus | junktional, schmal, 40–60/min | ventrikulär, breit, 20–40/min, setzt spät ein |
| Atropin oder Belastung | Überleitung wird besser | kaum Wirkung; der Block kann sich sogar verstärken |
| Typische Ursachen | hoher Vagotonus, Medikamente, Hinterwandinfarkt | Degeneration des Leitungssystems, Vorderwandinfarkt, nach Klappeneingriff |
| Risiko | meist gutartig, oft reversibel | Asystolie und MAS-Anfall drohen |
Warum Atropin infranodal kaum hilft: Atropin hebt den Vaguseinfluss auf. Der Vagus wirkt auf Sinusknoten, Vorhof und AV-Knoten – nicht auf His-Bündel und Schenkel. Bei einem Block unterhalb des AV-Knotens steigt nach Atropin zwar die Vorhoffrequenz, es kommen aber nicht mehr Erregungen bei der Kammer an; manchmal werden es sogar weniger.
Drei Fragen ordnen jede Pause ein: P-Welle in der Pause? PQ vor gegen nach dem Ausfall? QRS schmal oder breit?
Quelle: eigene Darstellung.
AV-Block I°
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 9108, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Rhythmus: Sinusrhythmus, regelmäßig, 55/min.
- PQ: Vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS etwa 5,5–6 kleine Kästchen → etwa 0,23 s, bei allen Schlägen gleich. Jede P-Welle wird übergeleitet.
- QRS: schmal (etwa 0,08 s) · Lagetyp: Indifferenz- bis Linkstyp · periphere Niedervoltage · QT etwa 0,44 s, QTc normal · ST/T unauffällig.
Befund: Sinusbradykardie mit AV-Block I°. Konsequenz: Ein isolierter AV-Block I° bei schmalem QRS ist meist harmlos. Prüfe AV-blockierende Medikamente. Nur bei sehr langer PQ-Zeit mit Beschwerden oder zusammen mit einem Schenkelblock wird er relevant.
Wenckebach: PQ Schlag für Schlag messen
Alle 12 Ableitungen untereinander, je 10 s, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die P-Wellen sind in III und aVF am besten zu sehen.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 1222, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
1. Das Muster erkennen. Die QRS-Komplexe kommen in Gruppen zu drei, getrennt durch Pausen („gruppierte Herzschläge“). Das ist ein starker Hinweis auf eine Wenckebach-Periodik.
2. Die P-Wellen markieren. In III laufen die P-Wellen regelmäßig durch, PP etwa 1,05 s (≈ 57/min). In jeder Pause steht eine P-Welle ohne folgenden QRS-Komplex.
3. PQ Schlag für Schlag (Ableitung III, gerundet):
| Schlag in der Gruppe | PQ-Zeit |
|---|---|
| 1. Schlag (nach der Pause) | etwa 0,24 s |
| 2. Schlag | etwa 0,32 s |
| 3. Schlag | etwa 0,35 s |
| nächste P-Welle | nicht übergeleitet |
| 1. Schlag der neuen Gruppe | wieder etwa 0,24 s |
4. Einordnen. Die PQ-Zeit wird länger, bis eine P-Welle blockiert wird; danach ist sie wieder am kürzesten. Vier P-Wellen, drei QRS-Komplexe → 4:3-Wenckebach. Die Pause ist kürzer als zwei PP-Abstände.
Befund: Sinusrhythmus (Vorhof etwa 57/min, Kammer im Mittel etwa 45/min), AV-Block II° Typ Wenckebach 4:3 · QRS schmal · Lagetyp: Indifferenztyp · ST/T unauffällig. Konsequenz: Bei schmalem QRS liegt der Block fast immer im AV-Knoten. Ohne Beschwerden keine Schrittmacherindikation; nach Medikamenten und Vagotonus fragen.
Typische Falle: Der größte PQ-Zuwachs liegt meist zwischen dem ersten und dem zweiten Schlag; danach wird der Zuwachs kleiner. Deshalb können die RR-Abstände innerhalb einer Gruppe sogar kürzer werden.
Geführte Übung: Mobitz I – der Vergleich vor und nach der Pause
Multiple Choice
Aufgabe (geführt)
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12427, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Ein 42-jähriger Patient erhält ein Kontroll-EKG. Die PQ-Zeiten im Rhythmusstreifen sind bereits gemessen (gerundet):
| Schlag | PQ |
|---|---|
| 1 | 0,19 s |
| 2 | 0,18 s |
| 3 | 0,25 s |
| 4 | 0,21 s |
| 5 | 0,29 s |
| P ohne QRS | – |
| 6 | 0,19 s |
Die PQ-Zeit nimmt hier nicht gleichmäßig zu. Welcher Vergleich entscheidet über den Typ des AV-Blocks II°?
- a)Die PQ-Zeit unmittelbar vor der blockierten P-Welle (0,29 s) mit der PQ-Zeit unmittelbar danach (0,19 s): Sie ist danach deutlich kürzer → Wenckebach
- b)Die mittlere PQ-Zeit aller Schläge: Sie liegt über 0,20 s → Mobitz II
- c)Die Dauer der Pause: Sie ist länger als 1,5 s → Mobitz II
2:1-Block und höhergradiger AV-Block
Erinnerung an Mobitz II (Leiterdiagramm in S05): konstante PQ-Zeit vor und nach dem Ausfall, häufig zusammen mit einem Schenkelblock. Ein echtes EKG mit Mobitz II° und Linksschenkelblock befundest du in Einheit 9 (C05-U09-S05, Ausgearbeitetes Beispiel 2) im Zusammenhang mit einer Synkope. Jetzt geht es um Blockierungen, bei denen regelmäßig mehrere P-Wellen auf einen QRS-Komplex kommen.
Ausgearbeitetes Beispiel: 2:1-Überleitung
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 15477, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Kammerfrequenz: RR etwa 1,39 s → 43/min, regelmäßig, QRS schmal.
- Suche nach versteckten P-Wellen: Vor jedem QRS steht eine P-Welle (PQ etwa 0,16 s). Zusätzlich folgt kurz nach jeder T-Welle eine zweite kleine Welle gleicher Form – in V1 besonders deutlich. Diese Welle liegt genau in der Mitte zwischen zwei übergeleiteten P-Wellen.
- Vorhofrhythmus: PP etwa 0,69 s → Vorhoffrequenz etwa 87/min – doppelt so hoch wie die Kammerfrequenz.
- Einordnung: Jede zweite P-Welle wird nicht übergeleitet → AV-Block II° mit 2:1-Überleitung. Ob Typ I oder II, lässt sich nicht sicher sagen. Schmaler QRS und normale PQ-Zeit der übergeleiteten Schläge sprechen eher für einen Block im AV-Knoten.
- Weitere Befunde: Lagetyp: Linkstyp · QT etwa 0,43 s, QTc normal · auffallend hohe, spitze T-Wellen in V2–V4.
Konsequenz: Kalium bestimmen – eine Hyperkaliämie kann AV-Blockierungen verursachen und erhöht die T-Wellen; ob sie hier vorliegt, sagt das EKG allein nicht. Ein 2:1-Block wird überwacht, bis klar ist, ob er nodal oder infranodal liegt (Langzeit-EKG, Verhalten bei Belastung, ggf. elektrophysiologische Untersuchung). Liegt er unterhalb des AV-Knotens, ist wie beim Mobitz II ein Schrittmacher auch ohne Beschwerden angezeigt (ESC 2021).
Lernpunkt: Eine scheinbare Sinusbradykardie kann ein 2:1-Block sein. Suche bei jeder Bradykardie nach P-Wellen in und nach der T-Welle.
P-Wellen und QRS getrennt zählen: Ein 2:1-Block lässt sich nicht als Mobitz I oder II typisieren – entscheidend ist, ob er nodal oder infranodal liegt.
Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel: 3:1-Überleitung
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 8048, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Vorhof: Im Rhythmusstreifen II laufen regelmäßige P-Wellen durch, PP etwa 0,54 s → etwa 111/min. Eine P-Welle pro Zyklus versteckt sich in der hohen T-Welle.
- Kammer: RR etwa 1,6 s → 37/min, regelmäßig.
- Verhältnis: Auf jeden QRS kommen drei P-Wellen; nur die letzte vor dem QRS wird übergeleitet (PQ etwa 0,20 s, konstant) → höhergradiger AV-Block 3:1.
- QRS: etwa 0,11 s (intraventrikuläre Leitungsverzögerung) · Lagetyp: Rechtstyp (I negativ, aVF positiv) · QT nicht sicher messbar, weil P-Wellen auf der T-Welle liegen.
Konsequenz: Ein höhergradiger AV-Block ist ein Hochrisikobefund: Monitorüberwachung, Defibrillator mit Pacing-Funktion bereithalten, reversible Ursachen prüfen. Bleibt er bestehen, ist ein Schrittmacher auch ohne Beschwerden angezeigt (Einheit 8).
Freie Antwort
Aufgabe (geführt)
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 10300, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Eine 85-jährige Frau ist zweimal gestürzt. Gegeben: Kammerfrequenz 36/min, regelmäßig; Vorhofwellen in Abständen von etwa 0,56 s; QRS in V1 rSR′-förmig.
Aufgabe: Bestimme das Überleitungsverhältnis, ordne den Block ein und begründe, ob er eher nodal oder infranodal liegt.
In der App sprechen üben →AV-Block III°: junktionaler oder ventrikulärer Ersatzrhythmus?
So erkennst du die AV-Dissoziation: Markiere die P-Wellen mit einem Stift oder Zirkel – sie laufen in festem Abstand durch. Markiere dann die QRS-Komplexe – auch sie sind regelmäßig, aber langsamer. Die PQ-Zeit wechselt ständig, manche P-Wellen fallen in den QRS oder in die T-Welle. Keine P-Welle steht in fester Beziehung zum QRS.
Ausgearbeitetes Beispiel: AV-Block III° mit schmalem Ersatzrhythmus
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 20 mm/mV (doppelte Verstärkung, weil die Ausschläge sehr klein sind).
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 8911, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet, Verstärkung 20 mm/mV.
- Vorhof: P-Wellen regelmäßig, PP etwa 0,7 s → etwa 85/min; in V1 besonders gut zu sehen.
- Kammer: RR etwa 1,57 s → 38/min, regelmäßig.
- Beziehung: Die PQ-Zeit wechselt von Schlag zu Schlag; eine P-Welle steht direkt vor einem QRS, ohne ihn auszulösen → AV-Dissoziation.
- QRS: schmal (etwa 0,08 s) · Lagetyp: Rechtstyp · Niedervoltage in den Extremitätenableitungen · ST/T unspezifisch abgeflacht.
Befund: AV-Block III° mit junktionalem Ersatzrhythmus 38/min. Konsequenz: Der schmale Ersatzrhythmus ist stabiler als ein ventrikulärer, aber ein AV-Block III° bleibt ein Notfall: Monitor, Pacing-Bereitschaft, reversible Ursachen (Medikamente, Kalium, Ischämie). Ohne reversible Ursache: Schrittmacher (Einheit 8).
Ausgearbeitetes Beispiel: AV-Block III° mit breitem Ersatzrhythmus
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 21533, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Vorhof: P-Wellen regelmäßig, etwa 78/min (im Rhythmusstreifen II gut verfolgbar).
- Kammer: RR etwa 1,73 s → 35/min, regelmäßig.
- Beziehung: wechselnde PQ-Zeit, eine P-Welle fällt fast mit dem QRS zusammen → AV-Dissoziation.
- QRS: breit, etwa 0,16 s, linksschenkelblockartig (tiefe S-Zacke in V1–V3, breites, gekerbtes R in V5/V6) · Lagetyp: Linkstyp · ST/T diskordant zum QRS (sekundäre Repolarisationsstörung).
Befund: AV-Block III° mit breitem Ersatzrhythmus 35/min – am ehesten ventrikulärer Ersatzrhythmus. Ohne Vor-EKG ist ein junktionaler Rhythmus mit vorbestehendem Linksschenkelblock nicht sicher auszuschließen; die Konsequenz ist dieselbe. Konsequenz: Hohes Asystolierisiko (AV-Block III° mit breitem QRS). Bei diesem höhergradigen AV-Block mit breitem QRS kein Atropin geben; Katecholamin-Infusion und transkutanes Pacing bereithalten, Expertenhilfe und transvenöses Pacing veranlassen (S11).
| Merkmal | Junktionaler Ersatzrhythmus | Ventrikulärer Ersatzrhythmus |
|---|---|---|
| QRS | schmal | breit |
| Frequenz | meist 40–60/min | meist 20–40/min |
| Zuverlässigkeit | relativ stabil | kann jederzeit ausfallen |
| Atropin | Wirkung möglich | bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS nicht geben |
Konstante PQ-Zeit bedeutet Überleitung (2:1, 3:1), wechselnde PQ-Zeit bedeutet AV-Dissoziation; beim AV-Block III° bestimmt die QRS-Breite das Risiko.
Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Aufgabe (geführt)
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die Extremitätenableitungen sind durch Wechselstromstörungen überlagert; nutze V1 und V2.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12519, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Ein 83-jähriger Mann wird nach einer Synkope aufgenommen. Bereits bestimmt: Kammerfrequenz 46/min regelmäßig; P-Wellen in V1 regelmäßig, etwa 93/min, mit wechselndem Abstand zum QRS; QRS etwa 0,14 s. Welche Einordnung ist richtig?
- a)AV-Block II° mit 2:1-Überleitung, weil die Vorhoffrequenz etwa doppelt so hoch ist
- b)Sinusrhythmus mit Rechtsschenkelblock
- c)AV-Block III° mit breitem Ersatzrhythmus
Vertiefung: Langsames Vorhofflimmern – und wann es ein AV-Block III° ist
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 6718, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Freie Antwort
Eine 81-jährige Patientin mit bekanntem Vorhofflimmern nimmt Digoxin und Bisoprolol. Sie klagt über Müdigkeit. Befunde das EKG und erkläre, was sich an deiner Einordnung ändern würde, wenn die RR-Abstände absolut regelmäßig wären.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | 81 Jahre; bekanntes Vorhofflimmern |
| Medikamente | Digoxin und Bisoprolol |
| Beschwerden | Müdigkeit |
| Gedanklicher Vergleich | RR-Abstände absolut regelmäßig |
Akuttherapie der Bradykardie nach ERC/GRC 2025
1. Erstbeurteilung. ABCDE, Monitor mit EKG, SpO₂ und Blutdruck, i.v.-Zugang, Sauerstoff nur bei SpO₂ unter 94 %, 12-Kanal-EKG, Blut für Elektrolyte (Kalium!) und weitere Laborwerte. Reversible Ursachen suchen und behandeln (Tabelle in S01).
2. Zeichen für Lebensgefahr? Es sind dieselben vier Instabilitätszeichen wie bei der Tachykardie (Einheit 6): Schock, Synkope, myokardiale Ischämie, ausgeprägte Herzinsuffizienz. Eine Bradykardie unmittelbar nach Wiederkehr des Spontankreislaufs wird ebenso behandelt.
3. Bei Lebensgefahr: Atropin. 0,5 mg i.v. als Bolus; bei unzureichendem Ansprechen wiederholt alle 3–5 Minuten bis maximal 3 mg. Atropin blockiert den Vagus am Sinus- und AV-Knoten. Es wirkt deshalb bei Sinusbradykardie, SA-Block und nodalem AV-Block. Bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS kein Atropin geben: Es ist unwirksam und kann den Block verschlimmern; direkt die nächsten Schritte einleiten. Auch nach Herztransplantation kein Atropin geben; früh Expertenhilfe holen.
4. Kein ausreichendes Ansprechen – Sofortmaßnahmen erwägen:
| Maßnahme | Dosis / Durchführung |
|---|---|
| Isoprenalin-Infusion | 5 µg/min i.v. |
| Adrenalin-Infusion | 2–10 µg/min i.v. |
| Alternativen | Aminophyllin, Dopamin, Glycopyrronium (Glycopyrrolat, statt Atropin); Glucagon bei Bradykardie durch Betablocker oder Kalziumantagonisten |
| Transkutanes Pacing | als Brücke, wenn Medikamente nicht reichen oder voraussichtlich nicht wirken; Durchführung in Einheit 6 |
Danach: Expertenhilfe anfordern und ein transvenöses Pacing veranlassen.
5. Keine Lebensgefahr – trotzdem Asystolierisiko? Auch bei einem stabilen Patienten erwägst du die Sofortmaßnahmen aus Schritt 4 und forderst Expertenhilfe für ein transvenöses Pacing an, wenn eines dieser Merkmale vorliegt (dasselbe gilt, wenn Atropin zunächst gewirkt hat):
- kürzlich aufgetretene Asystolie
- AV-Block II° Typ Mobitz II
- AV-Block III° mit breitem QRS
- Kammerpause über 3 Sekunden
Liegt keines vor: Beobachtung, Ursache klären.
Akuttherapie der Bradykardie beim Erwachsenen, vereinfacht: kein Atropin bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS oder nach Herztransplantation; bei Asystolierisiko auch ohne Lebensgefahr Expertenhilfe und transvenöses Pacing.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC/GRC-Leitlinien 2025, Algorithmus „Bradykardie bei Erwachsenen“ (Deutscher Rat für Wiederbelebung).
6. Und danach? Jede behandlungsbedürftige Bradykardie wird stationär weiter abgeklärt. Prinzip der Schrittmacherindikation: Ein dauerhafter Schrittmacher kommt erst in Frage, wenn reversible Ursachen ausgeschlossen oder behoben sind. Bei AV-Block III°, Mobitz II und höhergradigem AV-Block ist er auch ohne Beschwerden angezeigt; bei einer Sinusknotenerkrankung nur, wenn die Beschwerden der Bradykardie zugeordnet werden können. Indikationen und Schrittmachertypen lernst du in Einheit 8.
Multiple Choice
Ein 67-jähriger Mann ist kaltschweißig, RR 72/40 mmHg, Herzfrequenz 34/min. Das 12-Kanal-EKG zeigt einen Sinusrhythmus mit 34/min, schmalen QRS-Komplexen und normaler PQ-Zeit. Monitor und Zugang sind gelegt. Was ist die nächste Maßnahme?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 67 Jahre; kaltschweißig |
| Kreislauf | RR 72/40 mmHg; Herzfrequenz 34/min |
| 12-Kanal-EKG | Sinusrhythmus 34/min; schmale QRS; normale PQ-Zeit |
| Vorbereitung | Monitor und Zugang gelegt |
- a)Atropin 0,5 mg i.v.
- b)Amiodaron 300 mg i.v.
- c)Abwarten, bis das Kalium bestimmt ist
Multiple Choice
Eine Patientin mit instabiler Sinusbradykardie hat bereits dreimal Atropin 0,5 mg i.v. erhalten; die Frequenz steigt nur kurz an. Wie viel Atropin darf sie nach ERC/GRC 2025 höchstens noch erhalten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Ausgangslage | Instabile Sinusbradykardie |
| Bisherige Gaben | 3-mal Atropin 0,5 mg i.v. |
| Reaktion | Frequenz steigt nur kurz an |
- a)0,5 mg
- b)1,5 mg
- c)3 mg
Multiple Choice
Ein 80-jähriger Patient hat einen AV-Block III° mit breitem Ersatzrhythmus 28/min. Er ist wach, RR 118/70 mmHg, keine Brustschmerzen, keine Dyspnoe, keine Synkope. Wie gehst du vor?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 80 Jahre; wach |
| EKG | AV-Block III°; breiter Ersatzrhythmus 28/min |
| Blutdruck | 118/70 mmHg |
| Verneinte Beschwerden | Brustschmerzen, Dyspnoe, Synkope |
- a)Keine Lebensgefahr, daher Beobachtung auf Normalstation und Langzeit-EKG
- b)Asystolierisiko: Monitor, Pads kleben, Sofortmaßnahmen (Medikamente, transkutanes Pacing) erwägen und bereithalten, Expertenhilfe und transvenöses Pacing veranlassen
- c)Zuerst ein 24-Stunden-Langzeit-EKG, um die Diagnose zu sichern, danach Entscheidung über das weitere Vorgehen
Fälle
Freie Antwort
78-jähriger Mann mit AV-Block III° – stabil oder instabil?
Herr K., 78 Jahre, kommt wegen Schwindel seit zwei Tagen. 12-Kanal-EKG: AV-Block III° mit schmalem Ersatzrhythmus 42/min. Kalium 4,3 mmol/l, keine neuen Medikamente.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Beginn | Schwindel seit 2 Tagen; schmaler Ersatzrhythmus 42/min |
| Labor / Medikamente | Kalium 4,3 mmol/l; keine neuen Medikamente |
| Variante 1 | Wach, orientiert; RR 132/74 mmHg; SpO₂ 97 %; kein Brustschmerz |
| Variante 2, 1 Stunde später | Kurze Bewusstlosigkeit; RR 82/48 mmHg; kaltschweißig; breite Komplexe 30/min |
- Variante 1: wach, orientiert, RR 132/74 mmHg, SpO₂ 97 %, keine Brustschmerzen.
- Variante 2: Eine Stunde später wird er auf dem Weg zur Toilette kurz bewusstlos. Danach RR 82/48 mmHg, kaltschweißig, Monitor 30/min mit breiten Kammerkomplexen.
Aufgabe: Stelle Herrn K. in Variante 2 in der Übergabe kurz vor (Vorstellungsschema unten) und begründe die Dringlichkeit und die nächsten Schritte im Vergleich zu Variante 1.
Ich stelle ... vor. Anlass der Vorstellung ist ...
Besonders relevant sind ...
Meine führende Verdachtsdiagnose ist ..., weil ...
Eine gefährliche Alternative ist ...; dafür/dagegen spricht ...
Als Nächstes würde ich ..., um ...
Die Dringlichkeit ergibt sich aus ...
In der App sprechen üben →Freie Antwort
61-jährige Patientin unter Verapamil und Metoprolol
Frau S., 61 Jahre, hat Vorhofflimmern. Vor fünf Tagen wurde zu Metoprolol 2 × 95 mg zusätzlich Verapamil 3 × 80 mg angesetzt. Jetzt Müdigkeit und Schwindel beim Gehen. Puls 44/min, RR 118/72 mmHg, keine Synkope, keine Dyspnoe. EKG: Vorhofflimmern mit langsamer, unregelmäßiger Kammeraktion um 44/min, QRS schmal. Kalium 4,1 mmol/l, TSH normal.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | Frau S., 61 Jahre; Vorhofflimmern |
| Medikation | Metoprolol 2 × 95 mg; seit 5 Tagen Verapamil 3 × 80 mg |
| Beschwerden | Müdigkeit und Schwindel beim Gehen; keine Synkope/Dyspnoe |
| Kreislauf / EKG | RR 118/72 mmHg; unregelmäßig 44/min; QRS schmal |
| Labor | Kalium 4,1 mmol/l; TSH normal |
Aufgabe: Erkläre Frau S. in einfachen Worten, was die Ursache sein könnte, was du vorschlägst und warum. Gehe auf ihre Frage ein: „Brauche ich jetzt einen Herzschrittmacher?“
In der App sprechen üben →Freie Antwort
24-jähriger Ausdauersportler mit nächtlichem Wenckebach
Herr T., 24 Jahre, Triathlet, war beim Hausarzt zur Sporttauglichkeit. Ruhe-EKG: Sinusbradykardie 46/min, PQ 0,22 s, QRS schmal. Im Langzeit-EKG nachts zwischen 2 und 5 Uhr mehrfach AV-Block II° Typ Wenckebach, längste Pause 2,1 s. Tagsüber und unter Belastung Sinusrhythmus bis 182/min mit PQ 0,14 s. Er hatte nie Schwindel oder Synkopen. Er fragt: „Darf ich weiter trainieren?“
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | Herr T., 24 Jahre; Triathlet; nie Schwindel/Synkopen |
| Ruhe-EKG | Sinusbradykardie 46/min; PQ 0,22 s; QRS schmal |
| Nachts 2–5 Uhr | Wenckebach; längste Pause 2,1 s |
| Tagsüber / unter Belastung | Sinusrhythmus bis 182/min; PQ 0,14 s |
Aufgabe: Ordne den Befund ein und berate Herrn T. Nenne auch, wann du ihn erneut sehen möchtest.
In der App sprechen üben →Selbsteinschätzung
Prüfe ehrlich, ob du Folgendes kannst. Wenn nicht, gehe zum genannten Schritt zurück.
- Ich kann bei einer Bradykardie gezielt nach reversiblen Ursachen fragen und Kalium als Pflichtlaborwert nennen. (S01)
- Ich erkenne, ob in einer Pause eine P-Welle steht, und unterscheide so Sinusknotenstörung und AV-Block. (S03, Q02)
- Ich ordne einen Ersatzrhythmus nach QRS-Breite und Frequenz als junktional oder ventrikulär ein. (S04)
- Ich unterscheide Wenckebach und Mobitz II am Vergleich der PQ-Zeit vor und nach dem Ausfall. (S06, Q04)
- Ich weiß, warum ein 2:1-Block nicht sicher typisierbar ist, und suche P-Wellen in der T-Welle. (S08)
- Ich erkenne eine AV-Dissoziation an der wechselnden PQ-Zeit. (S09)
- Ich kenne den Bradykardie-Algorithmus nach ERC/GRC 2025 mit Atropin-, Isoprenalin- und Adrenalindosis und die vier Asystolie-Risikomerkmale. (S11)
Vorhofflimmern & -flattern
Lernziel: Du kannst VHF/Vorhofflattern einordnen und Antikoagulation begründen.
Was du aus Einheit 1 brauchst (wieder): die sechs Fragen der Rhythmusanalyse (Frequenz? regelmäßig? QRS schmal oder breit? P-Wellen? Beziehung P zu QRS? Kreislauf?) und die 10-Sekunden-Methode: Bei unregelmäßigem Rhythmus zählst du alle QRS-Komplexe im 10-s-Streifen und multiplizierst mit 6. Die 300-Regel funktioniert nur bei regelmäßigem Rhythmus.
Flimmern, Flattern und der AV-Knoten als Filter
Leitfrage: Warum schlägt das Herz bei Vorhofflimmern völlig unregelmäßig, bei Vorhofflattern aber oft genau 150-mal pro Minute?
Normalzustand. Im Sinusrhythmus erregt der Sinusknoten die Vorhöfe geordnet, 60- bis 100-mal pro Minute. Jede Vorhoferregung erzeugt eine P-Welle, zieht sich der Vorhof zusammen und füllt die Kammer am Ende der Diastole nach. Danach leitet der AV-Knoten die Erregung verzögert auf die Kammern weiter.
Vorhofflimmern (VHF). Meist feuern Zellen an den Mündungen der Lungenvenen im linken Vorhof wiederholt (Trigger). Daraus entstehen viele kleine, ungeordnete Erregungsfronten, die ständig ihren Weg ändern. Die Vorhöfe werden 350- bis 600-mal pro Minute „erregt“, ziehen sich aber nicht mehr wirksam zusammen. Im EKG gibt es deshalb keine P-Wellen, nur eine unruhige Grundlinie (Flimmerwellen, oft am besten in V1 zu sehen).
Vorhofflattern. Beim typischen Flattern kreist eine einzige große Erregung im rechten Vorhof um die Trikuspidalklappe (Makro-Reentry). Die Kreisbahn muss durch eine schmale Gewebebrücke zwischen Trikuspidalklappe und unterer Hohlvene, den cavotrikuspidalen Isthmus (CTI). Weil der Kreis immer gleich läuft, entstehen regelmäßige, gleichförmige Flatterwellen mit ca. 250–350/min. Beim typischen Flattern sind sie in II, III und aVF negativ und bilden ein Sägezahnmuster ohne isoelektrische Linie dazwischen.
Der AV-Knoten als Filter. Der AV-Knoten kann nicht jede Vorhoferregung weiterleiten – nach jeder Überleitung ist er kurz refraktär. Das schützt die Kammern:
- Bei VHF treffen die Erregungen zu zufälligen Zeitpunkten ein. Welche durchkommt, ist zufällig. Ergebnis: völlig unregelmäßige Kammeraktion („absolute Arrhythmie“).
- Bei Flattern treffen die Erregungen regelmäßig ein. Der AV-Knoten leitet in einem festen Verhältnis, am häufigsten 2:1. Bei einer Flatterfrequenz um 300/min ergibt das eine regelmäßige Kammerfrequenz um 150/min. Wechselt das Verhältnis (z. B. 2:1 und 4:1), wird der Rhythmus unregelmäßig – aber meist in wiederkehrenden Mustern.
Vorhofflimmern und Vorhofflattern im Vergleich: Wo entsteht die Erregung, wie filtert der AV-Knoten, was sieht man im EKG? Schematische Darstellung, nicht maßstabsgerecht.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI, aus Code gezeichnet); inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024, Herold 2024, Duale Reihe Innere Medizin 2018.
Warum ist das für den Patienten wichtig? Drei Folgen solltest du immer mitdenken:
| Folge | Mechanismus | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Vorhofkontraktion fehlt | späte Kammerfüllung entfällt, Füllungszeit schwankt | HZV sinkt; bei Herzinsuffizienz oder hoher Frequenz Dekompensation |
| Thrombus im linken Vorhofohr | Blut steht im nicht kontrahierenden Vorhofohr | arterielle Embolie, vor allem ischämischer Schlaganfall |
| Dauerhaft hohe Kammerfrequenz | Myokard ermüdet über Wochen | Tachykardiomyopathie (LVEF sinkt, nach Frequenz- oder Rhythmuskontrolle oft reversibel) |
Weil die Schlagvolumina bei VHF von Schlag zu Schlag schwanken, erzeugen kurze Zyklen oft keinen tastbaren Puls: Die auskultierte Herzfrequenz ist höher als der Radialispuls (Pulsdefizit).
Multiple Choice
Warum ist die Kammeraktion bei Vorhofflimmern unregelmäßig?
Die Tabelle stellt die Antwortmöglichkeiten ohne Bewertung gegenüber.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Erklärung 1 | Der Sinusknoten feuert unregelmäßig. |
| Erklärung 2 | Die Kammern selbst flimmern ungeordnet. |
| Erklärung 3 | Ungeordnete Vorhoferregungen treffen zufällig am AV-Knoten ein; nur ein Teil wird übergeleitet. |
- a)Weil der Sinusknoten unregelmäßig feuert.
- b)Weil die Kammern selbst ungeordnet flimmern.
- c)Weil ungeordnete Vorhoferregungen zu zufälligen Zeitpunkten am AV-Knoten eintreffen und nur ein Teil davon übergeleitet wird.
Vorhofflimmern im EKG
So gehst du vor: Du nutzt die sechs Fragen aus Einheit 1 und achtest besonders auf drei Merkmale: (1) RR-Abstände ohne Muster, (2) keine P-Wellen, (3) Flimmerwellen. Die Frequenz bestimmst du mit der 10-Sekunden-Methode im Rhythmusstreifen.
Beispiel 1 – 83-jährige Patientin, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, unten Rhythmusstreifen II über 10 s.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14221, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Befund | Begründung |
|---|---|---|
| Rhythmus | unregelmäßig, ohne Muster | RR-Abstände im Streifen II zwischen ca. 0,78 und 1,18 s, kein Wiederholungsmuster |
| P-Wellen | keine | vor den QRS-Komplexen keine gleichförmige P-Welle; in V1 feine, unregelmäßige Flimmerwellen |
| Frequenz | ca. 66/min | 11 QRS-Komplexe im 10-s-Streifen × 6 |
| Lagetyp | Indifferenztyp | I, II und III positiv, II am größten |
| PQ | entfällt | ohne P-Welle keine PQ-Zeit |
| QRS | schmal, ca. 80 ms | supraventrikuläre Erregung, normale Kammerleitung |
| QT/QTc | QT ca. 0,38 s; QTc (Bazett) ca. 0,40 s | gemessen in V4 bei RR ca. 0,89 s; bei absoluter Arrhythmie nur orientierend (mehrere Schläge mitteln) |
| ST/T | keine relevanten ST-Veränderungen | T positiv in I, II, V4–V6 |
Beurteilung: Vorhofflimmern mit normofrequenter Kammeraktion (ca. 66/min), schmale QRS-Komplexe. Konsequenz: Die Frequenz ist kontrolliert; offen sind die Fragen, die bei jedem VHF folgen: Wie hoch ist das Schlaganfallrisiko (CHA₂DS₂-VA, S07)? Welche Ursache und welche Begleiterkrankungen liegen vor (S06)? Bei einer 83-Jährigen ergibt allein das Alter 2 Punkte.
Beispiel 2 – 86-jährige Patientin mit Herzrasen und Luftnot
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 963, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Befund | Begründung |
|---|---|---|
| Rhythmus | unregelmäßig, ohne Muster | RR-Abstände wechseln ständig (ca. 0,39–0,66 s) |
| P-Wellen | keine | Grundlinie zwischen den Komplexen ohne gleichförmige P-Wellen |
| Frequenz | ca. 120/min | 20 QRS-Komplexe im 10-s-Streifen × 6 |
| Lagetyp | Indifferenztyp | I, II, III und aVF positiv |
| PQ | entfällt | – |
| QRS | schmal | normale Kammerleitung; niedrige Amplituden in den Extremitätenableitungen |
| QT/QTc | bei dieser Frequenz und Arrhythmie nicht zuverlässig korrigierbar | QTc-Formeln sind bei hoher, wechselnder Frequenz ungenau |
| ST/T | flache T-Wellen, keine ST-Hebung | unspezifisch; bei Tachykardie nicht überbewerten |
Beurteilung: Tachykardes Vorhofflimmern (Tachyarrhythmia absoluta) mit ca. 120/min, schmale QRS-Komplexe, Niedervoltage in den Extremitätenableitungen. Konsequenz: Zuerst Kreislauf prüfen: Ist die Patientin instabil (Schock, Synkope, Myokardischämie, schwere Herzinsuffizienz)? Dann sofortige elektrische Kardioversion (Einheit 6). Ist sie stabil: Frequenzkontrolle (S09), Ursachensuche (Infekt, Volumenmangel, Hyperthyreose, Herzinsuffizienz) und Antikoagulationsentscheidung.
Merke: Unregelmäßig + keine P-Wellen + schmaler QRS = Vorhofflimmern, bis das Gegenteil bewiesen ist. Die Frequenz bestimmst du bei VHF immer mit der 10-s-Methode, nicht aus einem einzelnen RR-Abstand.
Vorhofflattern im EKG
So gehst du vor: Suche Flatterwellen in II, III, aVF und V1. Zähle die Vorhofwellen und die QRS-Komplexe getrennt und bilde das Verhältnis. Faustregel: Eine regelmäßige Schmalkomplextachykardie um 150/min ist Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung, bis das Gegenteil bewiesen ist – eine Flatterwelle versteckt sich dabei oft im QRS-Komplex oder in der T-Welle.
Beispiel 3 – 75-jährige Patientin mit Herzklopfen
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 3306, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Befund | Begründung |
|---|---|---|
| Rhythmus | regelmäßig | RR-Abstände fast gleich (ca. 0,40–0,45 s) |
| Kammerfrequenz | ca. 140/min | 23 QRS-Komplexe im 10-s-Streifen × 6; RR ca. 0,425 s → 60 / 0,425 ≈ 141 |
| Vorhofaktivität | Sägezahn-Flatterwellen, negativ in II, III, aVF | zwischen zwei QRS liegt eine sichtbare Flatterwelle, die zweite fällt in das Ende des QRS/den Beginn der T-Welle; keine isoelektrische Linie |
| Vorhoffrequenz | ca. 280/min | Flatterwellen im Abstand von ca. 0,21 s |
| Überleitung | 2:1 | 2 Flatterwellen pro QRS |
| Lagetyp | Indifferenztyp | I, II, III, aVF positiv |
| QRS | schmal | normale Kammerleitung |
| QT/QTc | nicht sicher messbar | Flatterwellen überlagern die T-Welle |
| ST/T | durch Flatterwellen verformt, nicht beurteilbar | – |
Beurteilung: Typisches Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung, Kammerfrequenz ca. 140/min. Konsequenz: Frequenzkontrolle ist bei Flattern oft schwierig, weil der AV-Knoten zwischen 2:1 und 1:1 „springen“ kann. Häufig ist eine Rhythmuskontrolle (elektrische Kardioversion, später CTI-Ablation) sinnvoller (S09). Antikoagulation wie bei VHF.
Beispiel 4 – 77-jähriger Patient, Kontrolle nach Schwindel
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 6179, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Befund | Begründung |
|---|---|---|
| Rhythmus | unregelmäßig, aber mit Muster | lange und kurze RR-Abstände wiederholen sich (ca. 0,68 s – 0,48 s – 0,48 s …) |
| Kammerfrequenz | ca. 108/min | 18 QRS-Komplexe im 10-s-Streifen × 6 |
| Vorhofaktivität | in V1 gleichförmige, spitze Vorhofwellen in festem Abstand | Abstand ca. 0,24 s → ca. 250/min; in II nur undeutlich (unruhige Grundlinie) |
| Überleitung | wechselnd (2:1 und 3:1) | kurze RR ≈ 2 Vorhofzyklen (ca. 0,48 s), lange RR ≈ 3 Vorhofzyklen (ca. 0,68–0,71 s) |
| Lagetyp | Indifferenztyp | I, II, aVF positiv |
| QRS | schmal | – |
| QT/QTc | nicht sicher messbar | Vorhofwellen überlagern T |
| ST/T | keine eindeutige ST-Hebung oder -Senkung | – |
Beurteilung: Vorhofflattern mit wechselnder (2:1/3:1) Überleitung, mittlere Kammerfrequenz ca. 108/min. Lehrpunkt: Nicht jeder unregelmäßige Rhythmus ist VHF. Wiederholen sich die RR-Abstände als Vielfache eines festen Vorhofzyklus, spricht das für Flattern mit wechselnder Überleitung. Flatterwellen sind manchmal nur in V1 gut erkennbar.
| Merkmal | Vorhofflimmern | Vorhofflattern |
|---|---|---|
| Vorhofaktivität | Flimmerwellen, ungeordnet | gleichförmige Flatterwellen, oft Sägezahn |
| Vorhoffrequenz | 350–600/min, nicht messbar | ca. 250–350/min, messbar |
| RR-Abstände | ohne jedes Muster | regelmäßig (festes Verhältnis) oder Vielfache des Flatterzyklus |
| Typische Kammerfrequenz unbehandelt | wechselnd, oft > 110/min | bei 2:1 um 150/min |
Der Weg vom Rhythmusstreifen zur Diagnose auf einen Blick:
Schmale QRS-Komplexe mit hoher oder wechselnder Frequenz: Erst die RR-Abstände, dann die Vorhofaktivität entscheiden zwischen Vorhofflimmern und Vorhofflattern.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S02/S03; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414); Herold Innere Medizin 2024.
Geführte Übung: EKGs mit Hilfestellung
Freie Antwort
81-jähriger Patient, Routine-EKG
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1889, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Der Rhythmus ist bereits beurteilt: unregelmäßig, ohne erkennbares Muster, keine P-Wellen, schmale QRS-Komplexe. Bestimme die Kammerfrequenz mit der 10-s-Methode und den Lagetyp und formuliere die Beurteilung in einem Satz.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
83-jährige Patientin, Müdigkeit und Schwindel
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 12542, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Hilfe: Zähle die QRS-Komplexe im Rhythmusstreifen und prüfe, ob vor den Komplexen P-Wellen stehen. Welche Beurteilung trifft zu?
- a)Sinusbradykardie mit ca. 48/min
- b)Vorhofflimmern mit bradykarder Kammeraktion, ca. 48/min
- c)AV-Block III. Grades mit Kammerersatzrhythmus, ca. 30/min
Freie Antwort
77-jähriger Patient, Leistungsknick
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2430, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Hilfe: Schau dir die Grundlinie in III und aVF zwischen den QRS-Komplexen genau an. Bestimme Kammerfrequenz und Vorhoffrequenz, schätze das Überleitungsverhältnis und benenne den Rhythmus.
In der App sprechen üben →Selbstständige Übung: EKGs ohne Hilfestellung
Freie Antwort
68-jähriger Patient, Herzklopfen seit Tagen
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 3835, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Welche gefährliche Differenzialdiagnose eines unregelmäßigen Rhythmus mit breiten QRS-Komplexen musst du nennen, und warum ändert sie die Therapie?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
65-jähriger Patient, Zufallsbefund
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1773, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die Diagnose. Begründe, warum es kein Vorhofflimmern ist.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
85-jährige Patientin, Atemnot seit gestern
12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 4202, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Die Patientin ist wach, Blutdruck 128/74 mmHg, SpO₂ 93 %, keine Thoraxschmerzen (Fallangaben erfunden, EKG echt). Welche Beurteilung und welcher nächste Schritt passen?
- a)Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung; sofortige elektrische Kardioversion
- b)Sinustachykardie; Volumengabe und Fiebersenkung genügen
- c)Tachykardes Vorhofflimmern mit ca. 150/min; Frequenzkontrolle einleiten, Ursachen suchen, Antikoagulation klären
Einteilung, Diagnostik und der AF-CARE-Pfad
Diagnose sichern. VHF wird nur mit EKG-Dokumentation diagnostiziert: ein 12-Kanal-EKG oder eine Ein-/Mehrkanalableitung (z. B. Event-Recorder, Smartwatch-EKG) mit mindestens 30 Sekunden VHF. Ein unregelmäßiger Puls oder ein Smartwatch-Alarm allein ist ein Verdacht, keine Diagnose.
Einteilung nach dem Verlauf (ESC 2024)
| Form | Definition |
|---|---|
| erstdiagnostiziert | bisher nicht bekanntes VHF, unabhängig von Dauer und Symptomen |
| paroxysmal | endet spontan oder durch Intervention innerhalb von 7 Tagen (meist < 48 h) |
| persistierend | endet nicht von selbst; dauert länger als 7 Tage |
| lang anhaltend persistierend | ununterbrochen ≥ 12 Monate, Rhythmuskontrolle wird noch angestrebt |
| permanent | Patient und Ärztin haben gemeinsam entschieden, keinen Sinusrhythmus mehr anzustreben |
Wichtig: Die Verlaufsform entscheidet nicht über die Antikoagulation. Auch paroxysmales VHF verursacht Schlaganfälle.
Symptome und Symptomlast. Typisch sind Herzklopfen/-stolpern, Leistungsknick, Luftnot, Schwindel, thorakales Druckgefühl, Angst und Polyurie (Freisetzung von natriuretischem Peptid aus dem gedehnten Vorhof). Viele Patienten haben keine Beschwerden; dann ist der Schlaganfall manchmal die Erstmanifestation. Die Symptomlast wird mit dem modifizierten EHRA-Score beschrieben (1 = keine, 2a/2b = leichte/mäßige, 3 = schwere, 4 = behindernde Beschwerden). Sie hilft bei der Entscheidung für eine Rhythmuskontrolle.
So wird der modifizierte EHRA-Score abgestuft (ESC 2024):
| EHRA | Beschwerden | Normale Alltagsaktivität |
|---|---|---|
| 1 | keine | – |
| 2a | leicht | nicht beeinträchtigt |
| 2b | mäßig | nicht beeinträchtigt, aber der Patient leidet unter den Beschwerden |
| 3 | schwer | beeinträchtigt |
| 4 | behindernd | aufgegeben |
Basisdiagnostik bei neuem VHF
| Untersuchung | Wozu? |
|---|---|
| Anamnese und Untersuchung | Beginn (für Kardioversion!), Symptome, Auslöser (Alkohol, Infekt, Operation), Risikofaktoren, Blutungsanamnese, Medikamente |
| 12-Kanal-EKG | Diagnose, Frequenz, Hinweise auf Ischämie, Hypertrophie, Schenkelblock, Präexzitation |
| Labor: Blutbild, Kreatinin (eGFR/Kreatinin-Clearance), Elektrolyte (K, Mg), Leberwerte, Glukose/HbA1c, TSH | Auslöser (Hyperthyreose, Elektrolyte), Blutungsrisiko (Anämie), Dosis der Antikoagulation (Niere, Leber) |
| transthorakale Echokardiografie (TTE) | LVEF (Medikamentenwahl!), Klappenvitien (Mitralstenose?), Vorhofgröße, Hypertrophie |
| bei Bedarf | Langzeit-EKG (Frequenzkontrolle, Last), TEE (Thrombus vor Kardioversion), Ischämiediagnostik, Schlafapnoe-Screening |
Vom Verdacht zur gesicherten Diagnose: dokumentieren, Verlaufsform einordnen, Basisdiagnostik – die Antikoagulation hängt nicht von der Verlaufsform ab.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S06; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
AF-CARE: der Behandlungspfad nach ESC 2024. Die ESC fasst die Versorgung in vier Bausteinen zusammen. Sie gelten für jeden Patienten mit VHF und werden bei jeder Kontrolle erneut durchlaufen.
AF-CARE-Pfad: C – Comorbiditäten und Risikofaktoren, A – Avoid stroke (Schlaganfall und Thromboembolie vermeiden), R – Reduce symptoms (Frequenz- und Rhythmuskontrolle), E – Evaluation und dynamische Neubewertung; unten typische Anlässe, den Pfad bei einer Kontrolle erneut zu durchlaufen.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
- C: Hypertonie, Herzinsuffizienz, Diabetes, Übergewicht, Schlafapnoe, Alkohol und Bewegungsmangel fördern VHF. Ihre Behandlung senkt Rezidive und Symptome – sie ist Therapie, kein Beiwerk. Konkrete Ziele nach ESC 2024: systolischer Blutdruck 120–129 mmHg, bei Übergewicht mindestens 10 % Gewichtsabnahme und höchstens 3 Standardgetränke (≤ 30 g) Alkohol pro Woche.
- A: Schlaganfallrisiko mit CHA₂DS₂-VA einschätzen und antikoagulieren (S07).
- R: Frequenz kontrollieren und – je nach Symptomen und Situation – den Sinusrhythmus wiederherstellen und erhalten (S09).
- E: Ursachen abklären, Nierenfunktion und Dosis, Blutungsrisiken und Symptome regelmäßig neu prüfen.
Multiple Choice
Ein 64-jähriger Patient legt seiner Hausärztin eine Smartwatch-Meldung „Vorhofflimmern möglich“ vor. Im Praxis-EKG besteht Sinusrhythmus. Was ist der richtige nächste Schritt?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 64 Jahre |
| Smartwatch | „Vorhofflimmern möglich“ |
| Praxis-EKG | Sinusrhythmus |
Eine Smartwatch am Handgelenk: Solche Uhren werten fortlaufend den Puls aus und melden Auffälligkeiten des Rhythmus.
Quelle: Crew (Unsplash, über Pixabay und Wikimedia Commons), CC0
- a)Rhythmusdokumentation anstreben, z. B. Langzeit-EKG oder Event-Recorder; erst ein dokumentiertes EKG mit ≥ 30 s VHF sichert die Diagnose
- b)Diagnose VHF stellen und sofort antikoagulieren
- c)Smartwatch-Meldungen ignorieren, da sie nicht verwertbar sind
1. Wie hoch ist das Schlaganfallrisiko? CHA₂DS₂-VA
Seit der ESC-Leitlinie 2024 wird der CHA₂DS₂-VA-Score verwendet. Gegenüber dem früheren CHA₂DS₂-VASc fehlt das „Sc“ (sex category): Das weibliche Geschlecht gibt keinen Punkt mehr. So gelten für Frauen und Männer dieselben Schwellen.
| Buchstabe | Kriterium | Punkte |
|---|---|---|
| C | Herzinsuffizienz (Symptome/Zeichen, unabhängig von der LVEF – also auch HFpEF) oder asymptomatische LVEF ≤ 40 % | 1 |
| H | Hypertonie (Ruhe-RR > 140/90 mmHg mehrfach oder antihypertensive Behandlung) | 1 |
| A₂ | Alter ≥ 75 Jahre | 2 |
| D | Diabetes mellitus | 1 |
| S₂ | Schlaganfall, TIA oder arterielle Thromboembolie in der Vorgeschichte | 2 |
| V | Gefäßerkrankung: KHK (Infarkt, Angina, Revaskularisation, relevante Stenosen) oder pAVK, komplexe Aortenplaques | 1 |
| A | Alter 65–74 Jahre | 1 |
Wann antikoagulieren? (ESC 2024)
| CHA₂DS₂-VA | Empfehlung |
|---|---|
| ≥ 2 | orale Antikoagulation (OAK) empfohlen |
| 1 | OAK erwägen (gemeinsame Entscheidung mit dem Patienten) |
| 0 | keine OAK zur Schlaganfallprävention |
| unabhängig vom Score | OAK bei hypertropher Kardiomyopathie oder kardialer Amyloidose |
Das Risiko ist dynamisch: Mit dem 65. und 75. Geburtstag oder einer neuen Diagnose ändert sich der Score. Deshalb gehört er in jede Kontrolle (AF-CARE „E“).
Erst die scoreunabhängigen Ausnahmen prüfen, dann die Punkte zählen: Die Schwelle 2 Punkte gilt für Frauen und Männer gleich.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S07; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
2. Womit antikoagulieren? DOAK vor VKA
Brücke zu Hämostase und Antikoagulanzien (Kurzfassung, ausführlich in den Kapiteln zur Gerinnung):
- Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) hemmen einen einzelnen Gerinnungsfaktor direkt: Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban hemmen Faktor Xa, Dabigatran hemmt Thrombin (Faktor IIa). Sie wirken nach wenigen Stunden, brauchen keine INR-Kontrolle und werden – unterschiedlich stark – über die Niere ausgeschieden (Dabigatran am stärksten). Deshalb hängt die Dosis von der Nierenfunktion ab.
- Vitamin-K-Antagonisten (VKA, in Deutschland meist Phenprocoumon) senken die Bildung mehrerer Gerinnungsfaktoren; Ziel-INR 2,0–3,0, viele Interaktionen.
- Bei Blutung unter OAK: Antikoagulans pausieren, Blutungsquelle suchen und behandeln. Bei lebensbedrohlicher Blutung oder Blutung an kritischer Stelle: unter VKA Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) plus Vitamin K; unter DOAK ein spezifisches Antidot (Idarucizumab für Dabigatran; Andexanet alfa für Apixaban oder Rivaroxaban; bei Faktor-Xa-Hemmern alternativ PPSB nach lokalem Protokoll). Idarucizumab wird laut Fachinformation als 5 g i.v. gegeben.
Regel: Die Überschrift „DOAK vor VKA“ beschreibt die ESC-Empfehlung. Die deutsche S3-Leitlinie 2025 sieht keinen generellen Vorrang vor Phenprocoumon; die Wahl erfolgt gemeinsam mit dem Patienten. Nur VKA infrage kommen bei mechanischer Herzklappe und mittel- bis hochgradiger Mitralstenose. Biologische Klappen sind keine Ausnahme.
Keine Alternative: ASS oder Clopidogrel ersetzen die OAK nicht. Sie schützen kaum vor kardioembolischen Schlaganfällen, verursachen aber relevante Blutungen.
Welches Antikoagulans? Zuerst die beiden VKA-Pflichtsituationen ausschließen, dann gemeinsam wählen; bei Blutung richtet sich das Gegenmittel nach dem Wirkstoff.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S07; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414); S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025; Fachinformation Praxbind (Idarucizumab).
3. Welche Dosis? Volle Dosis – reduzieren nur nach Kriterien
Eine Unterdosierung ist ein häufiger Fehler: Sie erhöht das Schlaganfallrisiko, ohne Blutungen sicher zu verhindern. Die Dosis wird nur reduziert, wenn die Kriterien der Fachinformation erfüllt sind (ESC 2024, Tabelle 11; Fachinformationen).
| DOAK | Standarddosis | Reduktion (nur wenn Kriterien erfüllt) |
|---|---|---|
| Apixaban | 5 mg 2 × täglich | 2,5 mg 2 × täglich, wenn 2 von 3 zutreffen: Alter ≥ 80 J., Gewicht ≤ 60 kg, Serumkreatinin ≥ 1,5 mg/dl (133 µmol/l); außerdem bei Kreatinin-Clearance 15–29 ml/min |
| Rivaroxaban | 20 mg 1 × täglich (zur Mahlzeit) | 15 mg 1 × täglich bei Kreatinin-Clearance 15–49 ml/min |
| Edoxaban | 60 mg 1 × täglich | 30 mg 1 × täglich, wenn eines zutrifft: Kreatinin-Clearance 15–50 ml/min, Gewicht ≤ 60 kg, bestimmte P-gp-Hemmer (Ciclosporin, Dronedaron, Erythromycin, Ketoconazol) |
| Dabigatran | 150 mg 2 × täglich | 110 mg 2 × täglich bei Alter ≥ 80 J. oder gleichzeitiger Verapamil-Gabe; individuell erwägen bei 75–80 J., Kreatinin-Clearance 30–50 ml/min, Gastritis/Ösophagitis/Reflux oder erhöhtem Blutungsrisiko; kontraindiziert bei Kreatinin-Clearance < 30 ml/min |
Bei Kreatinin-Clearance < 15 ml/min oder Dialyse sind die DOAK nicht für diese Indikation vorgesehen – hier entscheidet die Fachabteilung. Vor jeder Verordnung gilt: aktuelle Fachinformation und Interaktionen prüfen.
Brücke: Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault berechnen. Die Dosisgrenzen der DOAK beziehen sich auf die Kreatinin-Clearance (CrCl) nach Cockcroft-Gault, nicht auf die eGFR aus dem Laborbericht.
CrCl (ml/min) = (140 − Alter in Jahren) × Körpergewicht in kg ÷ (72 × Serumkreatinin in mg/dl); bei Frauen × 0,85
Umrechnung: Kreatinin in µmol/l ÷ 88,4 = mg/dl. Die Formel schätzt; bei sehr niedrigem oder sehr hohem Gewicht und instabiler Nierenfunktion ist sie ungenau.
Die Clearance ist ein Zwischenschritt: Erst die Kriterien des gewählten DOAK legen die Dosis fest.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S07; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414), Tabelle 11; Fachinformationen der DOAK.
Ausgearbeitetes Beispiel 5 – Dosis für eine 78-jährige Patientin
Eine 78-jährige Patientin (62 kg, Serumkreatinin 1,3 mg/dl) mit neu diagnostiziertem VHF, Hypertonie und Diabetes soll ein DOAK erhalten.
- CHA₂DS₂-VA: Alter ≥ 75 (2) + Hypertonie (1) + Diabetes (1) = 4 Punkte → OAK empfohlen.
- CrCl: (140 − 78) × 62 ÷ (72 × 1,3) = 3844 ÷ 93,6 = 41,1 → × 0,85 (Frau) = ca. 35 ml/min.
- Dosis je nach Wirkstoff:
- Apixaban: Alter < 80, Gewicht > 60 kg, Kreatinin < 1,5 mg/dl → kein Kriterium erfüllt → 5 mg 2 × täglich (CrCl 35 ist kein Reduktionskriterium für Apixaban).
- Rivaroxaban: CrCl 15–49 → 15 mg 1 × täglich.
- Edoxaban: CrCl 15–50 → 30 mg 1 × täglich.
- Dabigatran: Alter 75–80 und CrCl 30–50 → 110 mg 2 × täglich erwägen; wegen der starken renalen Elimination oft nicht erste Wahl.
- Lehrpunkt: Dieselbe Patientin bekommt je nach Wirkstoff eine Standard- oder eine reduzierte Dosis. Prüfe deshalb immer die Kriterien des gewählten Wirkstoffs.
4. Blutungsrisiko: behandeln statt verweigern
Blutungsrisiko-Scores (z. B. HAS-BLED) sollen nicht darüber entscheiden, ob eine OAK begonnen oder abgesetzt wird – das führt zu Unterversorgung (ESC 2024). Stattdessen werden die veränderbaren Blutungsrisiken gesucht und behandelt:
| Veränderbarer Faktor | Maßnahme |
|---|---|
| unkontrollierte Hypertonie | Blutdruck einstellen |
| NSAR, unnötige Thrombozytenhemmer | absetzen bzw. Indikation prüfen |
| übermäßiger Alkoholkonsum | Reduktion besprechen |
| falsche Dosis, Interaktionen, schwankende INR | Dosis nach Kriterien, Interaktionen prüfen, ggf. VKA → DOAK |
| Anämie, Blutungsquelle (z. B. Ulkus) | abklären und behandeln |
Für Blutdruck und Alkohol gelten dieselben Ziele wie im AF-CARE-Baustein C: systolisch 120–129 mmHg und höchstens 3 Standardgetränke pro Woche.
Absolute Kontraindikationen sind selten (z. B. aktive schwere Blutung). Nicht veränderbare Risiken (hohes Alter, frühere Blutung) bedeuten engere Kontrollen, nicht automatisch Verzicht.
Wenn eine OAK dauerhaft nicht möglich ist: Ein interventioneller Verschluss des linken Vorhofohrs (LAA-Verschluss) kann erwogen werden (Referenzwissen; Entscheidung im Herzteam).
So sitzt ein solcher Verschluss im Herzen:
Herzmodell mit Vorhofohr-Okkluder: Das Implantat verschließt das linke Vorhofohr, in dem sich bei VHF die meisten Thromben bilden. Es wird per Katheter über die Leistenvene und das Vorhofseptum eingesetzt.
Quelle: MacWal02, Wikimedia Commons (File:Left Atrial Appendage Occlusion Device.jpg), CC0 1.0; auf das Herzmodell zugeschnitten.
Blutungsrisiko: behandeln statt verweigern – erst die veränderbaren Faktoren, dann engere Kontrollen; der Vorhofohrverschluss bleibt die Ausnahme.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S07; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
Merke für die Prüfung: CHA₂DS₂-VA ≥ 2 → OAK; DOAK in voller Dosis (Reduktion nur nach Kriterien); DOAK oder Phenprocoumon gemeinsam auswählen; bei mechanischer Klappe oder mittel-/hochgradiger Mitralstenose nur VKA; ASS ist kein Ersatz; Blutungsrisiko behandeln, nicht als Ausrede nutzen.
Übungen: CHA₂DS₂-VA und DOAK-Dosis
Multiple Choice
geführt
Eine 67-jährige Frau hat ein erstdiagnostiziertes paroxysmales VHF. Sie hat keine Vorerkrankungen und nimmt keine Medikamente. Wie viele Punkte hat sie im CHA₂DS₂-VA-Score? (Hilfe: Gehe die Buchstaben der Reihe nach durch.)
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | 67 Jahre |
| Rhythmusanamnese | Erstdiagnostiziertes paroxysmales VHF |
| Vorerkrankungen / Medikamente | Keine |
- a)2 Punkte
- b)0 Punkte
- c)1 Punkt
Multiple Choice
selbstständig
Ein 58-jähriger Mann mit VHF hat eine medikamentös behandelte Hypertonie und einen Typ-2-Diabetes. Welche Aussage trifft zu?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 58 Jahre; VHF |
| Vorerkrankung 1 | Medikamentös behandelte Hypertonie |
| Vorerkrankung 2 | Typ-2-Diabetes |
- a)CHA₂DS₂-VA 2 Punkte; OAK ist empfohlen, z. B. ein DOAK in Standarddosis.
- b)CHA₂DS₂-VA 2 Punkte; ASS 100 mg reicht bei einem so jungen Patienten aus.
- c)CHA₂DS₂-VA 1 Punkt; OAK nur, wenn das VHF permanent ist.
Multiple Choice
selbstständig
Eine 77-jährige Frau mit VHF hatte vor zwei Jahren eine TIA. Sie hat eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (LVEF 58 %). Sonst keine Erkrankungen. Wie hoch ist ihr CHA₂DS₂-VA-Score?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | 77 Jahre; VHF |
| Vorgeschichte | TIA vor 2 Jahren |
| Herzinsuffizienz | Erhaltene Ejektionsfraktion; LVEF 58 % |
| Weitere Erkrankungen | Keine |
- a)4 Punkte
- b)5 Punkte
- c)6 Punkte
Multiple Choice
Dosis mit Kreatinin-Clearance
Ein 80-jähriger Mann (70 kg, Serumkreatinin 1,6 mg/dl) mit VHF und CHA₂DS₂-VA 3 soll Rivaroxaban erhalten. Berechne die Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault und wähle die passende Dosis.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Alter / Geschlecht | 80 Jahre; männlich |
| Gewicht | 70 kg |
| Serumkreatinin | 1,6 mg/dl |
| Ausgangslage | VHF; CHA₂DS₂-VA 3; Rivaroxaban geplant |
- a)Rivaroxaban 20 mg einmal täglich zur Mahlzeit
- b)Rivaroxaban 10 mg einmal täglich
- c)Rivaroxaban 15 mg einmal täglich zur Mahlzeit
- d)Rivaroxaban ist kontraindiziert; Umstellung auf Dabigatran
Frequenz- oder Rhythmuskontrolle
Zwei Ziele, die sich ergänzen. Die Frequenzkontrolle lässt das VHF bestehen und bremst die Überleitung im AV-Knoten. Die Rhythmuskontrolle stellt den Sinusrhythmus wieder her und versucht, ihn zu erhalten. Fast jeder Patient mit hoher Frequenz braucht zunächst eine Frequenzkontrolle; ob zusätzlich eine Rhythmuskontrolle sinnvoll ist, hängt von Symptomen, Herzfunktion, Dauer des VHF und dem Wunsch des Patienten ab. Die Antikoagulation richtet sich nur nach dem Schlaganfallrisiko – nicht danach, ob der Sinusrhythmus erreicht wird.
Die Tabelle trennt die beiden Behandlungsziele und die gemeinsame Entscheidung über die dauerhafte Antikoagulation.
| Ziel | Wirkung auf den Rhythmus | Dauer-Antikoagulation |
|---|---|---|
| Frequenzkontrolle | VHF bleibt; AV-Überleitung wird gebremst | nach Schlaganfallrisiko |
| Rhythmuskontrolle | Sinusrhythmus wiederherstellen und erhalten | nach Schlaganfallrisiko, unabhängig vom Erfolg |
Instabil? Ein Patient mit VHF und Schock, Synkope, Myokardischämie oder schwerer Herzinsuffizienz wird sofort elektrisch kardiovertiert (Durchführung und Energie: Einheit 6). Die Antikoagulation wird dann so früh wie möglich begonnen.
Entscheidungsweg Frequenz- vs. Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern: Die Dauer-Antikoagulation steht neben jeder Strategie.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414), Empfehlungstabellen 14, 15, 17.
1. Frequenzkontrolle
Ziel: zunächst eine Ruhefrequenz < 110/min („lenient“). Strengere Ziele, wenn trotzdem Beschwerden bestehen oder eine Tachykardiomyopathie vermutet wird. Vor oder parallel zur Medikation: Auslöser behandeln (Sepsis, Volumenmangel oder -überladung, Hyperthyreose, Schmerz, Anämie) – sonst bleibt jede Frequenzkontrolle unzureichend.
Medikamentenwahl nach der LVEF:
- LVEF > 40 %: Betablocker, Diltiazem oder Verapamil, oder Digoxin.
- LVEF ≤ 40 %: Betablocker und/oder Digoxin. Diltiazem und Verapamil sind kontraindiziert, weil sie die Kontraktionskraft senken.
- Bei hämodynamischer Instabilität oder stark eingeschränkter LVEF kann Amiodaron i.v. (oder Digoxin, Esmolol, Landiolol) zur akuten Frequenzsenkung erwogen werden. Die ESC-Herzinsuffizienz-Leitlinie 2026 bestätigt Amiodaron oder Digoxin i.v. für instabile Patienten mit HFrEF und VHF.
| Substanz | Akut (Beispiele nach ESC 2024) | Beachte |
|---|---|---|
| Metoprolol | 2,5–5 mg i.v. über 2 min, wiederholbar bis max. 15 mg | nicht bei akuter dekompensierter Herzinsuffizienz, schwerem Bronchospasmus |
| Bisoprolol (Dauer) | oral 1,25–20 mg 1 × täglich | häufige Dauertherapie |
| Diltiazem | 0,25 mg/kg i.v. über 2 min, dann 5–15 mg/h | nur LVEF > 40 %; Hypotonie; passendes i.v.-Präparat muss vor Ort verfügbar sein |
| Verapamil | 2,5–10 mg i.v. über 5 min | nur LVEF > 40 %; Verapamil i.v. nicht bei laufender Betablockertherapie (Ausnahme: Intensivmedizin) |
| Digoxin | 0,5 mg i.v. als Bolus (0,75–1,5 mg über 24 h in Teildosen) | wirkt langsamer; Niere, Kalium und Spiegel beachten (Toxizität: Einheit 7) |
| Amiodaron | 300 mg i.v. über 30–60 min, dann 900–1200 mg über 24 h (zentraler Zugang bevorzugt) | Reservemittel; kann den Sinusrhythmus wiederherstellen → Antikoagulation bedenken |
Achtung: Bei unregelmäßiger Breitkomplextachykardie mit Verdacht auf präexzitiertes VHF (WPW) keine AV-Knoten-bremsenden Medikamente (Betablocker, Verapamil/Diltiazem, Digoxin, Amiodaron i.v.) – siehe Einheit 4.
Reicht die Medikation dauerhaft nicht, kann eine AV-Knoten-Ablation mit Schrittmacher („Ablate and Pace“, ggf. mit CRT) erwogen werden (Referenz; Einheit 8).
Frequenzkontrolle akut: erst die Präexzitation ausschließen, dann nach LVEF wählen; die Dosen entsprechen der Tabelle oben.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S09; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
2. Rhythmuskontrolle
Wann? Bei Symptomen trotz Frequenzkontrolle, Verdacht auf Tachykardiomyopathie, kurzer VHF-Vorgeschichte, nicht vergrößertem Vorhof und auf Wunsch des Patienten. Die ESC 2024 empfiehlt, bei geeigneten Patienten mit Risikofaktoren eine Rhythmuskontrolle innerhalb von 12 Monaten nach Diagnose zu erwägen (frühe Rhythmuskontrolle).
Abwarten ist erlaubt: Neu aufgetretenes, symptomatisches VHF endet bei vielen Patienten innerhalb von 48 h von selbst. Bei stabilen Patienten kann man unter Frequenzkontrolle und Antikoagulation abwarten („wait and see“) und nur bei Fortbestehen kardiovertieren.
Elektrische Kardioversion: R-Zacken-synchronisierter Schock in Kurznarkose; wirksamer als Medikamente und auch bei struktureller Herzerkrankung geeignet. Energiewahl, Pads und Sicherheit: Einheit 6.
Pharmakologische Kardioversion – die Wahl richtet sich nach der Herzerkrankung:
| Situation | Medikament (Dosis nach ESC 2024) | Wichtigste Gegenanzeigen |
|---|---|---|
| keine strukturelle Herzerkrankung | Flecainid 1–2 mg/kg i.v. über 10 min oder 200–300 mg oral | schwere LVH, HFrEF, KHK, Brugada-Syndrom, schwere Niereninsuffizienz; nicht zur Konversion von Vorhofflattern |
| keine strukturelle Herzerkrankung | Propafenon 1,5–2 mg/kg i.v. über 10 min oder 450–600 mg oral | wie Flecainid |
| kein akutes Koronarsyndrom, keine HFrEF | Vernakalant 3 mg/kg i.v. über 10 min (max. 339 mg), ggf. nach 10–15 min 2 mg/kg (max. 226 mg) | ACS < 1 Monat, NYHA III/IV bzw. HFrEF, schwere Aortenstenose, RR systolisch < 100 mmHg, QT-Verlängerung |
| schwere LVH, HFrEF oder KHK | Amiodaron 300 mg i.v. über 30–60 min, dann 900–1200 mg über 24 h | wirkt verzögert (Stunden); Hypotonie, Bradykardie, QT-Verlängerung, Schilddrüse |
Pill-in-the-pocket: Ausgewählte Patienten ohne strukturelle Herzerkrankung mit seltenen Episoden können nach einer stationär getesteten ersten Gabe eine Einzeldosis Flecainid oder Propafenon selbst einnehmen.
Ic-Antiarrhythmika (Flecainid, Propafenon) immer mit einem AV-Knoten-Blocker kombinieren: Sie können VHF in ein langsameres Vorhofflattern umwandeln (z. B. 200/min statt 300/min). Dann kann der AV-Knoten 1:1 überleiten – die Kammerfrequenz springt auf 200/min, oft mit breiten QRS-Komplexen. Ein Betablocker oder Verapamil/Diltiazem verhindert das.
Achte auf den scheinbaren Widerspruch: Langsamere Vorhofaktivität kann eine schnellere Kammeraktion ermöglichen – die AV-Knoten-Bremse verhindert die 1:1-Überleitung.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S09; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
Sinusrhythmus erhalten: Antiarrhythmika (Auswahl nach Herzerkrankung; Profile und Sicherheit: Einheit 7) oder Katheterablation. Die Pulmonalvenenisolation (PVI) isoliert die Trigger an den Lungenvenen elektrisch; sie ist bei paroxysmalem VHF auch als Erstlinientherapie möglich und bei Patienten mit HFrEF und vermuteter Tachykardiomyopathie besonders wirksam (Referenzwissen; Technik ist Facharztthema).
Rhythmuskontrolle Schritt für Schritt: abwarten, Antikoagulation klären, Kardioversionsweg nach Herzerkrankung wählen, Sinusrhythmus erhalten.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S09; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414); S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025 (4 Wochen OAK nach Kardioversion).
3. Antikoagulation rund um die Kardioversion
Nach einer Kardioversion – egal ob elektrisch, medikamentös oder spontan – ist das Thromboembolierisiko vorübergehend erhöht: Ein bereits vorhandener Thrombus kann sich lösen, und der Vorhof kontrahiert in den ersten Tagen bis Wochen noch schlecht („atrial stunning“). Die ESC hat 2024 die zeitliche Grenze von 48 h auf 24 h gesenkt.
Antikoagulation rund um die Kardioversion bei Vorhofflimmern und Vorhofflattern nach ESC 2024.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI, aus Code gezeichnet); inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024, Empfehlungstabelle 15 und Abbildung 12.
- VHF-Beginn sicher < 24 h: Kardioversion möglich; OAK so früh wie möglich beginnen.
- VHF ≥ 24 h oder Beginn unklar: mindestens 3 Wochen therapeutische OAK (DOAK zuverlässig eingenommen oder INR ≥ 2) oder ein TEE ohne Thrombus im linken Vorhof/Vorhofohr vor der Kardioversion. Eine frühe Kardioversion ohne eines von beiden ist nicht erlaubt.
- Nach elektrischer Kardioversion: nach deutscher S3-Leitlinie 2025 mindestens 4 Wochen OAK, unabhängig vom Risikoprofil. Nach medikamentöser Kardioversion kann bei sicherem Beginn < 24 h und fehlenden Risikofaktoren auf OAK verzichtet werden.
- Danach: Dauer-OAK nach CHA₂DS₂-VA – unabhängig davon, ob der Sinusrhythmus erhalten bleibt.
- Thrombus im TEE: keine Kardioversion; mindestens 4 Wochen OAK, dann erneutes TEE.
So sieht der Befund aus, den das TEE vor einer frühen Kardioversion ausschließen muss:
TEE bei einem Patienten mit permanentem Vorhofflimmern: Der rote Pfeil zeigt einen etwa 2,5 cm großen Thrombus im linken Vorhofohr. Mit diesem Befund wird nicht kardiovertiert.
Quelle: Douedi S, Odak M, Sliem A et al. COVID-19-Induced Left Atrial Appendage Thrombus. Cureus 2025;17(10):e95303, doi:10.7759/cureus.95303, Abb. 2; CC BY 4.0; Ränder mit Geräteeinblendungen zugeschnitten.
Klinischer Tipp: „Seit wann genau?“ ist bei VHF eine therapieentscheidende Frage. „Seit heute Morgen beim Aufwachen“ heißt: Beginn unbekannt, möglicherweise schon in der Nacht. Dokumentiere die Angabe wörtlich.
4. Besonderheiten beim Vorhofflattern
- Antikoagulation: wie bei VHF (CHA₂DS₂-VA, Kardioversionsregeln).
- Frequenzkontrolle ist oft schwierig (2:1-Überleitung bleibt trotz Medikamenten oder springt).
- Elektrische Kardioversion ist sehr wirksam; Flecainid ist zur Konversion von Flattern nicht geeignet (Gefahr der 1:1-Überleitung).
- Katheterablation des cavotrikuspidalen Isthmus (CTI-Ablation): Eine Ablationslinie durch den Isthmus unterbricht die Kreisbahn dauerhaft; Erfolgsrate > 95 %. Sie ist beim typischen Flattern die Therapie der Wahl für rezidivierende Episoden (Referenzwissen zur Technik). Viele Patienten entwickeln später dennoch VHF – deshalb weiter nach AF-CARE kontrollieren.
Akuter Rhythmuserfolg beendet die weitere Kontrolle und die risikobezogene Antikoagulationsentscheidung nicht.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesefassung C05-U03-S09; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Van Gelder et al., Eur Heart J 2024;45:3314–3414).
Multiple Choice
Ein 66-jähriger Mann mit ischämischer Kardiomyopathie (LVEF 30 %) kommt mit VHF, Frequenz 138/min, RR 118/76 mmHg, wach, keine Ruhedyspnoe. Welches Medikament ist zur Frequenzkontrolle kontraindiziert?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 66 Jahre; VHF 138/min |
| Vorerkrankung | Ischämische Kardiomyopathie; LVEF 30 % |
| Kreislauf | RR 118/76 mmHg; wach; keine Ruhedyspnoe |
- a)Metoprolol i.v. in kleinen Schritten
- b)Diltiazem i.v.
- c)Digoxin i.v.
Multiple Choice
Eine 70-jährige Frau mit KHK (Stent vor 3 Jahren, LVEF 50 %) hat seit 6 Stunden symptomatisches VHF und ist stabil. Sie wünscht eine medikamentöse Kardioversion. Die OAK wurde begonnen. Welches Medikament passt?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | 70 Jahre; KHK |
| Herzbefund | Stent vor 3 Jahren; LVEF 50 % |
| Aktuell | Seit 6 Stunden symptomatisches VHF; stabil |
| Behandlungswunsch | Medikamentöse Kardioversion; OAK bereits begonnen |
- a)Flecainid 2 mg/kg i.v.
- b)Propafenon 600 mg oral
- c)Amiodaron i.v.
Multiple Choice
Ein 61-jähriger Patient hat seit ca. 30 Stunden VHF, ist stabil und möchte heute kardiovertiert werden. Er nimmt bisher keine Antikoagulanzien. Was ist korrekt?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 61 Jahre; stabil |
| VHF-Dauer | Etwa 30 Stunden |
| Bisherige Antikoagulation | Keine |
| Wunsch | Kardioversion heute |
- a)OAK beginnen, TEE zum Thrombusausschluss, dann Kardioversion; danach mindestens 4 Wochen OAK
- b)Sofort elektrisch kardiovertieren, weil er stabil ist
- c)Eine Kardioversion ist erst nach 3 Monaten OAK erlaubt
Freie Antwort
Ein Patient mit paroxysmalem VHF erhält Flecainid zur Rezidivprophylaxe, aber keinen AV-Knoten-Blocker. Er stellt sich mit Herzrasen und einer regelmäßigen Breitkomplextachykardie mit 210/min vor. Erkläre in drei Sätzen den wahrscheinlichen Mechanismus und wie man ihn hätte verhindern können.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Vorerkrankung | Paroxysmales VHF |
| Medikation | Flecainid zur Rezidivprophylaxe; kein AV-Knoten-Blocker |
| Aktuell | Herzrasen; regelmäßige Breitkomplextachykardie 210/min |
Fälle
Freie Antwort
Fall – 72-jährige Frau mit Herzrasen
Eine 72-jährige Frau kommt in die Notaufnahme, weil sie seit „ein paar Tagen“ Herzklopfen und Belastungsdyspnoe hat. Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (letzte Echo-LVEF 55 %). RR 142/88 mmHg, Puls unregelmäßig 128/min, SpO₂ 95 %, keine Ruhedyspnoe, keine Thoraxschmerzen. EKG: Vorhofflimmern 128/min, schmale QRS. Kreatinin 0,9 mg/dl, Gewicht 74 kg, TSH normal (Fall erfunden).
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin / Beginn | 72 Jahre; Herzklopfen und Belastungsdyspnoe seit „ein paar Tagen“ |
| Vorerkrankungen | Hypertonie; Herzinsuffizienz; letzte LVEF 55 % |
| Kreislauf | RR 142/88 mmHg; Puls 128/min unregelmäßig; SpO₂ 95 % |
| Symptome / EKG | Keine Ruhedyspnoe/Thoraxschmerzen; VHF 128/min; QRS schmal |
| Weitere Daten | Kreatinin 0,9 mg/dl; Gewicht 74 kg; TSH normal |
Aufgabe a: Stelle die Patientin in der Übergabe vor (Patientenvorstellung: Anlass, Relevantes, Verdachtsdiagnose, gefährliche Alternative, nächste Schritte, Dringlichkeit). Nenne den CHA₂DS₂-VA-Score und begründe Frequenzkontrolle, Antikoagulation und warum heute nicht kardiovertiert wird.
Aufgabe b (Patientenerklärung): Die Patientin fragt: „Warum soll ich jetzt jeden Tag Blutverdünner nehmen? Ich habe doch nur Herzklopfen.“ Erkläre ihr in einfachen Worten, warum du eine Antikoagulation vorschlägst, gehe auf ihre Sorge vor Blutungen ein und prüfe, was sie verstanden hat.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Fall – 58-jähriger Mann, VHF seit 10 Stunden
Ein 58-jähriger Mann bemerkt gestern um 20 Uhr beim Abendessen plötzlich Herzrasen; jetzt ist es 6 Uhr morgens. Er ist beschwerdearm, RR 136/84 mmHg, Frequenz 132/min. Vorerkrankung: medikamentös gut eingestellte Hypertonie. Keine KHK bekannt, Bedside-Echo: normale LVEF, keine Hypertrophie. EKG: VHF ohne Präexzitation (Fall erfunden).
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient / Beginn | 58 Jahre; Beginn gestern 20 Uhr, jetzt 6 Uhr |
| Kreislauf | RR 136/84 mmHg; Frequenz 132/min; beschwerdearm |
| Vorerkrankung | Medikamentös gut eingestellte Hypertonie; keine KHK bekannt |
| Echo / EKG | Normale LVEF; keine Hypertrophie; VHF ohne Präexzitation |
Aufgabe a: Welches Vorgehen ist leitliniengerecht?
Antwortmöglichkeiten
- Kardioversion nur nach 3 Wochen OAK oder TEE, da die Dauer unklar ist
- Sofortige elektrische Kardioversion ohne Antikoagulation, weil das VHF kürzer als 48 h besteht
- Frequenzkontrolle und sofortiger OAK-Beginn; dann entweder bis zu 48 h abwarten oder heute kardiovertieren (z. B. Flecainid oder elektrisch); nach der Kardioversion mindestens 4 Wochen OAK
Aufgabe b: Begründe, ob der Patient nach erfolgreicher Kardioversion langfristig antikoaguliert werden soll.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Fall – 84-jährige Patientin, DOAK-Dosis
Eine 84-jährige Patientin (58 kg) mit permanentem VHF und Hypertonie soll Apixaban erhalten. Serumkreatinin 1,4 mg/dl (124 µmol/l). Weitere Medikamente: Ramipril, Torasemid (Fall erfunden).
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | 84 Jahre; 58 kg |
| Vorerkrankungen | Permanentes VHF; Hypertonie |
| Serumkreatinin | 1,4 mg/dl (124 µmol/l) |
| Medikation | Ramipril, Torasemid; Apixaban geplant |
Aufgabe a: Welche Apixaban-Dosis ist richtig?
Antwortmöglichkeiten
- 2,5 mg zweimal täglich
- 5 mg zweimal täglich
- keine OAK, da das Blutungsrisiko im Alter zu hoch ist
Aufgabe b: Berechne die Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault und bewerte, ob Dabigatran eine Alternative wäre.
In der App sprechen üben →Selbsteinschätzung
Prüfe ehrlich, ob du Folgendes kannst. Wenn nicht: Gehe zum angegebenen Schritt zurück.
- Ich kann Vorhofflimmern und Vorhofflattern im EKG unterscheiden und die Kammerfrequenz mit der 10-s-Methode bestimmen. (S02–S05)
- Ich denke bei einer regelmäßigen Schmalkomplextachykardie um 150/min an Flattern mit 2:1-Überleitung. (S03)
- Ich kann die Verlaufsformen benennen und die Basisdiagnostik bei neuem VHF begründen. (S06)
- Ich kann den CHA₂DS₂-VA-Score berechnen und daraus die OAK-Empfehlung ableiten. (S07, S08)
- Ich wähle ein DOAK in der richtigen Dosis und berechne dafür die Kreatinin-Clearance. (S07, S08)
- Ich erkläre, warum Blutungsscores und ASS keine Gründe gegen bzw. kein Ersatz für eine OAK sind. (S07)
- Ich wähle Medikamente zur Frequenzkontrolle passend zur LVEF. (S09)
- Ich kann die Antikoagulation vor und nach einer Kardioversion (24-h-Grenze, 3 Wochen oder TEE, ≥ 4 Wochen danach) erklären. (S09)
- Ich weiß, warum Ic-Antiarrhythmika einen AV-Knoten-Blocker brauchen und welche Rolle die CTI-Ablation beim Flattern spielt. (S09)
Schmalkomplextachykardien
Lernziel: Du kannst Schmalkomplextachykardien unterscheiden und akut behandeln.
Eine junge Frau sitzt in der Notaufnahme, die Hand auf der Brust: „Es hat plötzlich angefangen, wie ein Schalter.“ Der Monitor zeigt eine regelmäßige Tachykardie mit schmalen QRS-Komplexen. In dieser Einheit lernst du, solche Tachykardien zu ordnen: Wo entsteht die Rhythmusstörung? Braucht sie den AV-Knoten? Wo liegt die P-Welle? Danach behandelst du Schritt für Schritt – vom Vagusmanöver über Adenosin bis zur Kardioversion – und erkennst die eine Situation, in der die üblichen Medikamente gefährlich werden: das Vorhofflimmern bei Präexzitation (WPW).
Du brauchst dafür aus den vorigen Einheiten: die sechs Fragen der Rhythmusanalyse und die Frequenzbestimmung (Einheit 1), die Sinustachykardie (Einheit 1) sowie Vorhofflimmern und Vorhofflattern (Einheit 3). Wie du eine synchronisierte Kardioversion durchführst und welche Energie du wählst, lernst du in Einheit 6. Antiarrhythmika im Detail folgen in Einheit 7, die Fahreignung in Einheit 9.
Schmalkomplextachykardien ordnen
Definition: Eine Schmalkomplextachykardie ist eine Tachykardie mit einer Kammerfrequenz über 100/min und einer QRS-Dauer unter 120 ms. Ein schmaler QRS bedeutet: Die Kammern werden über das normale His-Purkinje-System erregt. Der Ursprung liegt also oberhalb der Kammern – im Vorhof oder im AV-Knoten. Deshalb heißen diese Rhythmen auch supraventrikuläre Tachykardien (SVT).
Erste Frage: regelmäßig oder unregelmäßig? Lege ein Papier an die R-Zacken des Rhythmusstreifens oder miss mehrere RR-Abstände.
| Befund | Häufige Ursachen | Wo gelernt? |
|---|---|---|
| unregelmäßig | Vorhofflimmern, Vorhofflattern mit wechselnder Überleitung, multifokale atriale Tachykardie | Einheit 3 |
| regelmäßig | Sinustachykardie, Vorhofflattern mit fester Überleitung (oft 2:1), fokale atriale Tachykardie, AVNRT, AVRT, junktionale Tachykardie | Einheit 1, 3 und diese Einheit |

Erst die RR-Abstände, dann die Frage nach dem AV-Knoten: So ordnest du jede Schmalkomplextachykardie in drei Gruppen. Achte auf die unterste Zeile – der Beginn verrät oft schon den Mechanismus. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Herold Innere Medizin 2024; Duale Reihe Innere Medizin 2018.
Diese Einheit behandelt vor allem die regelmäßigen Schmalkomplextachykardien. Drei davon werden dir in der Notaufnahme am häufigsten begegnen:
1. AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT). Der AV-Knoten hat bei manchen Menschen zwei Leitungswege: eine langsame und eine schnelle Bahn. Eine vorzeitige Vorhoferregung (Extrasystole) kann einen Kreis zünden: hin über die langsame, zurück über die schnelle Bahn. Der Kreis liegt im AV-Knoten selbst. Vorhof und Kammer werden fast gleichzeitig erregt. Die AVNRT ist die häufigste paroxysmale SVT; sie betrifft oft jüngere, herzgesunde Menschen, Frauen häufiger als Männer.
2. Atrioventrikuläre Reentry-Tachykardie (AVRT). Hier gibt es neben dem AV-Knoten eine angeborene akzessorische Leitungsbahn – eine Muskelbrücke zwischen Vorhof und Kammer am Klappenring. Der Kreis ist groß: Vorhof → AV-Knoten → Kammer → akzessorische Bahn → zurück in den Vorhof. Läuft der Kreis so herum, ist der QRS schmal (orthodrome AVRT). Der Vorhof wird erst nach der Kammer erregt.
3. Fokale atriale Tachykardie (AT). Ein einzelner Herd (Fokus) im Vorhof feuert schnell. Der AV-Knoten ist für die Tachykardie nicht nötig; er leitet nur weiter, was der Vorhof vorgibt.

Die beiden häufigsten Reentry-Kreise im Vergleich (eigene Darstellung, nicht maßstabsgerecht). Bei der AVNRT liegt der Kreis im AV-Knoten, bei der AVRT läuft er durch die Kammer und über die akzessorische Bahn zurück. Beide brauchen den AV-Knoten – deshalb beenden Vagusmanöver und Adenosin beide. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Herold Innere Medizin 2024; Duale Reihe Innere Medizin 2018.
Warum diese Unterscheidung für die Therapie zählt: AVNRT und AVRT brauchen den AV-Knoten als Teil ihres Kreises. Wird der AV-Knoten kurz blockiert (Vagusmanöver, Adenosin), bricht der Kreis zusammen und die Tachykardie endet schlagartig. Eine fokale AT oder ein Vorhofflattern läuft im Vorhof weiter; eine kurze AV-Blockade verlangsamt nur die Kammerfrequenz und macht die Vorhofaktivität sichtbar.
| Rhythmus | Ursprung · AV-Knoten im Kreis? | Beginn und Ende |
|---|---|---|
| Sinustachykardie | Sinusknoten · nein | allmählich |
| Fokale AT | Vorhoffokus · nein | oft allmählich („Warm-up“) |
| Vorhofflattern | Kreis im rechten Vorhof · nein | plötzlich |
| AVNRT | Kreis im AV-Knoten · ja | schlagartig |
| Orthodrome AVRT | Kreis über akzessorische Bahn · ja | schlagartig |
| Junktionale Tachykardie | Fokus im AV-Knoten-Bereich · Fokus liegt dort | meist allmählich |
Klinik der paroxysmalen SVT: plötzliches Herzrasen „wie ein Schalter“, regelmäßig, oft 150–220/min, Minuten bis Stunden. Viele Patienten kennen Tricks, die den Anfall beenden (Pressen, kaltes Wasser trinken). Nach dem Anfall berichten manche über vermehrtes Wasserlassen. Herzgesunde tolerieren die Tachykardie meist gut; bei koronarer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz können Angina pectoris, Hypotonie oder Synkope auftreten. Ob ein Patient instabil ist, prüfst du immer zuerst (Einheit 6).
Das RP-Intervall: wo liegt die P-Welle?
Bei einer regelmäßigen SVT suchst du die Vorhoferregung. Sie ist bei AVNRT und AVRT retrograd: Der Vorhof wird von unten nach oben erregt. Die P-Welle ist dann in II, III und aVF negativ.
- RP-Intervall: Zeit vom Beginn des QRS bis zum Beginn der folgenden P-Welle.
- PR-Intervall: Zeit von dieser P-Welle bis zum nächsten QRS.
- Kurzes RP (RP kürzer als PR): Die P-Welle liegt im QRS, an seinem Ende oder kurz dahinter.
- Langes RP (RP länger als PR): Die P-Welle liegt näher am nächsten QRS als am vorherigen.

Leiterdiagramm (eigene Darstellung, nicht maßstabsgerecht). Jede schräge Linie ist ein Erregungsweg. Oben: Bei der AVNRT läuft die Erregung langsam zur Kammer und schnell zurück zum Vorhof – deshalb liegt das P direkt hinter dem QRS. Unten: Bei der fokalen AT feuert der Vorhof selbst; das P steht vor dem QRS. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019, Duale Reihe Innere Medizin 2018 (Abb. A-7.21).
| RP | Typische Rhythmen | EKG-Hinweis |
|---|---|---|
| sehr kurz (P im QRS oder direkt am Ende, unter etwa 70 ms) | typische AVNRT | P unsichtbar oder als Pseudo-S in II, III, aVF und Pseudo-r′ in V1 |
| kurz, aber P klar abgesetzt (über etwa 70 ms) | orthodrome AVRT | negatives P in der ST-Strecke von II, III, aVF |
| lang | fokale AT, Sinustachykardie, selten atypische AVNRT oder PJRT* | P vor dem QRS, Form je nach Ursprung |
*PJRT = permanente junktionale Reentry-Tachykardie, eine seltene AVRT über eine sehr langsam leitende Bahn.
Wichtig für die Praxis: Das Oberflächen-EKG trennt AVNRT und AVRT oft nicht sicher. Beide sind regelmäßig, schmal und enden auf Adenosin. Für die Akuttherapie ist das zweitrangig. Den genauen Mechanismus klärt bei Bedarf eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU).
Multiple Choice
Bei einem Patienten mit regelmäßiger Schmalkomplextachykardie (160/min) gibst du Adenosin. Für 4 Sekunden fallen die QRS-Komplexe aus; in dieser Pause siehst du regelmäßige Vorhofwellen mit etwa 320/min. Danach läuft die Tachykardie mit 160/min weiter. Was ist die wahrscheinlichste Diagnose?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Vor Adenosin | Regelmäßige Schmalkomplextachykardie 160/min |
| Während 4 Sekunden | Keine QRS-Komplexe; regelmäßige Vorhofwellen 320/min |
| Danach | Tachykardie wieder 160/min |
- a)AV-Knoten-Reentry-Tachykardie
- b)Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung
- c)Orthodrome AVRT
Multiple Choice
Bei einer regelmäßigen Tachykardie mit 150/min (RR-Abstand 400 ms) beginnt die P-Welle 260 ms nach dem Beginn des vorangehenden QRS. Ordne ein.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Rhythmus / Frequenz | Regelmäßig; 150/min |
| RR-Abstand | 400 ms |
| P-Beginn | 260 ms nach Beginn des vorangehenden QRS |
- a)Kurzes RP – typisch für AVNRT
- b)Das RP lässt sich ohne Vor-EKG nicht beurteilen.
- c)Langes RP – passt z. B. zu einer fokalen atrialen Tachykardie
typische AVNRT
Eine 37-jährige Frau kommt mit Herzrasen seit 45 Minuten. Es begann schlagartig beim Bücken. Sie ist wach, RR 120/75 mmHg, keine Brustschmerzen, keine Luftnot.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 37-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10406, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Schritt für Schritt:
| Frage | Befund und Begründung |
|---|---|
| Kreislauf | stabil (wach, RR normal, keine Ischämiezeichen) – Zeit für ein 12-Kanal-EKG |
| Frequenz | 31 QRS-Komplexe in 10 s → etwa 186/min; RR-Abstand etwa 1,6 große Kästchen (320 ms) |
| Regelmäßig? | ja, RR-Abstände gleich |
| QRS | schmal, etwa 70 ms |
| P-Wellen | keine P-Welle vor dem QRS; am Ende des QRS eine kleine negative Zacke in II, III und aVF (Pseudo-S) und eine kleine positive Zacke nach dem QRS in V1 (Pseudo-r′) |
| RP | sehr kurz: Die retrograde P-Welle beginnt etwa 60–70 ms nach QRS-Beginn, also am QRS-Ende |
| Lagetyp | Steiltyp (I klein positiv, II, III und aVF deutlich positiv) |
| QT | etwa 230 ms; QTc nach Bazett etwa 400 ms, nach Fridericia etwa 335 ms (bei hoher Frequenz ist Fridericia verlässlicher) |
| ST/T | unauffällig für diese Frequenz |
Beurteilung: Regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit etwa 186/min ohne vorausgehende P-Welle; retrograde P-Welle am QRS-Ende (Pseudo-S, Pseudo-r′). Das passt am besten zu einer typischen AVNRT. In der Quelldatenbank ist dieses EKG ärztlich als AVNRT befundet.
Warum Pseudo-S und Pseudo-r′? Bei der typischen AVNRT wird der Vorhof über die schnelle Bahn fast gleichzeitig mit der Kammer erregt. Die kleine negative P-Welle verschmilzt mit dem Ende des QRS und sieht in II, III, aVF wie eine S-Zacke aus. In V1 erscheint dieselbe Vorhoferregung als kleine positive Zacke. Ein Vergleich mit dem EKG nach Ende der Tachykardie zeigt: Dann sind diese Zacken verschwunden.
Konsequenz: stabile Patientin → Vagusmanöver, bei fehlendem Erfolg Adenosin (S06). Nach Ende der Tachykardie: 12-Kanal-EKG im Sinusrhythmus (Präexzitation?), Elektrolyte, TSH; Aufklärung über Wiederholungsanfälle und über die Ablation als Heilungsoption.
Regelmäßig um 150/min: die wichtigste Differenzialdiagnose
Eine regelmäßige Schmalkomplextachykardie um 150/min ist der klassische Fallstrick. Vier Rhythmen sehen auf dem Monitor ähnlich aus:
| Rhythmus | Woran du ihn erkennst | Was Vagusmanöver/Adenosin bewirkt |
|---|---|---|
| Sinustachykardie | P vor jedem QRS, normal geformt (positiv in II); Beginn und Ende allmählich; Ursache suchen (Fieber, Volumenmangel, Schmerz, Lungenembolie …) | Frequenz sinkt kurz, steigt wieder an |
| Vorhofflattern 2:1 | Sägezahnwellen in II, III, aVF mit etwa 300/min; eine Flatterwelle versteckt sich oft im QRS oder in der T-Welle | AV-Block demaskiert die Flatterwellen; Flattern läuft weiter |
| Fokale AT | P vor dem QRS, aber andere Form als im Sinusrhythmus; isoelektrische Linie zwischen den P-Wellen | P-Wellen laufen weiter, Kammerfrequenz sinkt kurz |
| AVNRT/AVRT | kein P vor dem QRS; P im QRS oder knapp dahinter; schlagartiger Beginn | Tachykardie endet schlagartig |
Merke: Bei einer regelmäßigen Tachykardie um 150/min immer an Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung denken. Sinustachykardie und Flattern 2:1 hast du in Einheit 1 und 3 als EKG gesehen. Hier übst du an zwei Reentry-Tachykardien, wie du die Alternativen ausschließt.

Um 150/min entscheidet die Reaktion auf die kurze AV-Blockade. Jede Farbe oben ist die Beobachtung am Streifen, darunter steht die Diagnose, zu der sie führt. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Herold Innere Medizin 2024.
Ausgearbeitetes Beispiel: 146/min – Flattern, Sinus oder Reentry?
Ein 62-jähriger Mann bemerkt seit einer Stunde plötzliches Herzrasen. RR 135/85 mmHg, wach, keine Brustschmerzen.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 62-jähriger Mann (größerer Zeilenabstand, damit sich die hohen Brustwandausschläge nicht überlagern). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10214, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Frage | Befund und Begründung |
|---|---|
| Frequenz, Regelmäßigkeit | etwa 146/min (RR etwa 410 ms), streng regelmäßig |
| QRS | schmal, etwa 70 ms; Lagetyp Steiltyp |
| Sinustachykardie? | nein: vor dem QRS keine P-Welle; die Linie vor jedem QRS ist flach |
| Vorhofflattern 2:1? | unwahrscheinlich: in II, III und aVF keine Sägezahnwellen, die Grundlinie zwischen T-Welle und nächstem QRS ist flach |
| Wo ist das P? | in V1 eine kleine positive Welle, die etwa 90 ms nach QRS-Beginn beginnt; in II und aVF kurz davor eine leichte Einsenkung → retrograde P-Welle mit kurzem RP (etwa 90 ms, PR etwa 320 ms) |
| QT, ST/T | QT etwa 255 ms, QTc nach Fridericia etwa 345 ms; leichte ST-Senkung in II und aVF, bei dieser Frequenz unspezifisch |
Beurteilung: Regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit retrograder P-Welle bei kurzem RP über 70 ms – das spricht eher für eine orthodrome AVRT (verborgene oder bekannte akzessorische Bahn). Die Quelldatenbank befundet AVRT. Flattern ist nicht vollständig ausgeschlossen, bis ein Vagusmanöver oder Adenosin die Situation klärt.
Konsequenz: gleiches Vorgehen wie bei der AVNRT: Vagusmanöver, dann Adenosin mit laufendem Streifen. Der Streifen ist hier Therapie und Diagnostik.
Multiple Choice
Ein 73-jähriger Mann hat seit dem Vormittag Herzklopfen. RR 140/80 mmHg, keine Beschwerden in Ruhe. Befunde das EKG Schritt für Schritt und entscheide, was den Rhythmus am sichersten klärt.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 73-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 10306, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Vorgegeben sind: Frequenz etwa 152/min, regelmäßig; QRS schmal (etwa 70 ms). Ergänze die P-Wellen-Suche und wähle den nächsten diagnostischen Schritt.
- a)Keine P-Welle vor dem QRS, keine sicheren Sägezahnwellen; Vorhofflattern 2:1 ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Vagusmanöver und – wenn nötig – Adenosin mit laufendem Rhythmusstreifen.
- b)Sinustachykardie; Ursachensuche, keine weitere Rhythmusdiagnostik.
- c)Vorhofflattern 2:1 ist sicher; sofort Antikoagulation und Kardioversion planen.
Präexzitation und WPW-Syndrom
Präexzitation bedeutet „Vorerregung“: Eine akzessorische Bahn leitet die Erregung vom Vorhof zur Kammer, und zwar schneller als der AV-Knoten, weil sie keine physiologische Verzögerung hat. Ein Teil der Kammer wird deshalb zu früh und langsam von Muskelzelle zu Muskelzelle erregt. Der Rest folgt kurz danach über das normale Leitungssystem. Der QRS ist eine Mischung aus beiden Wegen.
Die vier EKG-Zeichen im Sinusrhythmus:
| Zeichen | Was du siehst | Warum |
|---|---|---|
| kurzes PQ | meist unter 120 ms; P geht fast direkt in den QRS über | Die Bahn umgeht die AV-Verzögerung. |
| Delta-Welle | träger, „verschliffener“ Anstieg am QRS-Beginn | Frühe, langsame Erregung über die Bahn |
| breiterer QRS | oft über 110–120 ms | Mischung aus zwei Erregungswegen |
| sekundäre Repolarisationsstörung | ST/T oft gegensinnig zur Delta-Welle | Die veränderte Depolarisation verändert auch die Repolarisation. |

Normaler Schlag und präexzitierter Schlag nebeneinander (schematisch, keine echte Ableitung; Zeitachse wie bei 25 mm/s). Vergleiche zuerst den QRS-Beginn, dann PQ und QRS-Dauer. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Herold Innere Medizin 2024; Duale Reihe Innere Medizin 2018.
Achtung: Das PQ ist nicht immer kurz. Liegt die Bahn weit vom Sinusknoten entfernt oder leitet der AV-Knoten sehr schnell, kann das PQ normal sein – die Delta-Welle ist dann das entscheidende Zeichen. Eine negative Delta-Welle in II, III und aVF kann wie eine Q-Zacke eines Hinterwandinfarkts aussehen (Pseudoinfarkt).
Die Polarität der Delta-Welle hängt von der Lage der Bahn ab: Eine linksseitige Bahn ergibt meist eine positive Delta-Welle in V1 (hohes R in V1) und eine negative in I und aVL; eine rechtsseitige Bahn eine negative in V1 und eine positive in I und aVL. Die genaue Lokalisation ist Aufgabe der Elektrophysiologie; für dich reicht das Erkennen.
Muster und Syndrom:
- WPW-Muster (Präexzitation): Delta-Welle im EKG, aber keine Tachykardien. Häufig ein Zufallsbefund.
- WPW-Syndrom: Präexzitation plus symptomatische Tachykardien.
- Verborgene Bahn: Die Bahn leitet nur rückwärts (Kammer → Vorhof). Im Sinusrhythmus ist das EKG normal, trotzdem kann eine orthodrome AVRT entstehen.
Die klinische Einordnung unterscheidet Muster, Syndrom und verborgene Bahn.
| Begriff | Sinusrhythmus-EKG | Tachykardie |
|---|---|---|
| WPW-Muster | Delta-Welle | Keine Tachykardien |
| WPW-Syndrom | Präexzitation | Symptomatische Tachykardien |
| Verborgene Bahn | Normal; Bahn leitet nur retrograd | Orthodrome AVRT möglich |
Was über eine akzessorische Bahn passieren kann:

Leitungswege über AV-Knoten und akzessorische Bahn (eigene Darstellung, nicht maßstabsgerecht). Beim präexzitierten Vorhofflimmern bremst der AV-Knoten wie ein Filter (rotes Kreuz), die akzessorische Bahn aber nicht. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Herold Innere Medizin 2024; Duale Reihe Innere Medizin 2018.
| Situation | Weg der Erregung | EKG |
|---|---|---|
| Orthodrome AVRT (häufig) | hin über AV-Knoten, zurück über die Bahn | schmaler QRS ohne Delta-Welle, retrogrades P nach dem QRS |
| Antidrome AVRT (selten) | hin über die Bahn, zurück über AV-Knoten | regelmäßige, maximal breite QRS-Komplexe – sieht aus wie eine VT (Einheit 5) |
| Präexzitiertes Vorhofflimmern | Flimmerimpulse laufen ungebremst über die Bahn | unregelmäßig, breit, sehr schnell, QRS-Breite wechselt von Schlag zu Schlag |
Warum das präexzitierte Vorhofflimmern gefährlich ist: Beim normalen Vorhofflimmern schützt der AV-Knoten die Kammer, weil er nur einen Teil der Impulse durchlässt (Einheit 3). Eine akzessorische Bahn mit kurzer Refraktärzeit (sie ist nach jeder Erregung nur sehr kurz unerregbar) hat diesen Filter nicht. Die Kammer kann mit über 250/min erregt werden; das kann in Kammerflimmern übergehen. Deshalb gilt: Medikamente, die nur den AV-Knoten bremsen, sind hier verboten (S06).
Ausgearbeitetes Beispiel: Präexzitation im Sinusrhythmus
Eine 27-jährige Frau stellt sich zur Abklärung von gelegentlichem Herzrasen vor. Heute ist sie beschwerdefrei.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 27-jährige Frau. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 10053, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Frage | Befund und Begründung |
|---|---|
| Rhythmus, Frequenz | Sinusrhythmus, etwa 50/min (P vor jedem QRS, positiv in I und II) |
| PQ | kurz, etwa 85 ms: Die kleine P-Welle geht ohne flache Strecke in den QRS über |
| QRS-Beginn | Delta-Welle: In I und aVL steigt das R zuerst langsam an (verschliffen), dann steil; in III und aVF beginnt der QRS mit einem trägen, negativen Abschnitt |
| QRS-Dauer | etwa 120 ms |
| Lagetyp | Linkstyp an der Grenze zum überdrehten Linkstyp (I stark positiv, II etwa isoelektrisch, III negativ) – durch die Delta-Welle verändert |
| V1 | überwiegend negativ (rS) → eher rechtsseitige Bahn |
| ST/T | T in I und aVL negativ, in III positiv: gegensinnig zur Delta-Welle = sekundäre Repolarisationsstörung |
| QT | etwa 435 ms, QTc nach Bazett etwa 400 ms (bei Präexzitation nur eingeschränkt beurteilbar) |
Beurteilung: Sinusrhythmus mit ventrikulärer Präexzitation (kurzes PQ, Delta-Welle, verbreiterter QRS, sekundäre ST/T-Veränderungen). Zusammen mit dem anamnestischen Herzrasen ist ein WPW-Syndrom wahrscheinlich.
Konsequenz: Die Patientin hat Symptome. Sie gehört zur Rhythmologie: Die Katheterablation der Bahn ist die Therapie der Wahl (S09). Bis dahin: Sie soll bei Herzrasen sofort ein EKG schreiben lassen; Medikamente nur nach kardiologischer Festlegung.
Multiple Choice
Ein 63-jähriger Mann, Kontroll-EKG vor einer Knieoperation. Ergänze die Tabelle: Ist hier eine Präexzitation zu sehen?

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 63-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 12559, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Vorgegeben: Sinusrhythmus etwa 70/min, leicht unregelmäßig; PQ etwa 125 ms. Was ist richtig?
- a)Ein PQ über 120 ms schließt eine Präexzitation aus; das EKG ist unauffällig.
- b)Trotz PQ an der oberen Grenze des „Kurzen“ spricht der verschliffene QRS-Beginn in V2–V4 und I bei breitem QRS und gegensinnigen T-Wellen für eine Präexzitation.
- c)Der träge QRS-Beginn ist ein Linksschenkelblock; mit Präexzitation hat das nichts zu tun.
Multiple Choice
Eine 55-jährige Frau kommt mit einem auswärtigen EKG. Beschreibe in einem Satz die entscheidenden Zeichen und benenne den Befund.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 55-jährige Frau. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2145, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- a)Sinusrhythmus mit kurzem PQ und Delta-Welle (I, aVL, V2–V4): ventrikuläre Präexzitation
- b)Sinusrhythmus mit AV-Block I. Grades
- c)Sinusrhythmus mit inferiorem Infarkt (tiefes Q in III)
Freie Antwort
Aufgabe (Vertiefung)
Routine-EKG einer jungen Patientin ohne Beschwerden. Sieh dir im Rhythmusstreifen (II) und in V1–V3 die einzelnen Schläge an. Was fällt auf, und was bedeutet es?

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, Jugendliche. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14653, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe (freie Antwort, Selbstkontrolle): Beschreibe den Wechsel der Schlagform und erkläre, welche Bedeutung er für das Risiko hat.
In der App sprechen üben →Geführte Übung: AVRT – wo ist die retrograde P-Welle?
Bei der orthodromen AVRT muss die Erregung erst durch die Kammer und dann über die Bahn zurück zum Vorhof. Das kostet Zeit. Die retrograde P-Welle liegt deshalb meist deutlich hinter dem QRS in der ST-Strecke (RP über etwa 70 ms, aber kürzer als PR). Oft ist sie aber in der ST-Strecke oder T-Welle versteckt.

So misst du das RP in drei Schritten (schematisches Beispiel, keine echte Ableitung). Nutze diese Reihenfolge in den beiden folgenden Aufgaben. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Duale Reihe Innere Medizin 2018 (Abb. A-7.21).
Multiple Choice
Ein 48-jähriger Mann hat seit zwei Stunden Herzrasen. Er kennt solche Anfälle seit Jahren. RR 125/80 mmHg.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 48-jähriger Mann. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10361, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Vorgegeben: Frequenz etwa 176/min, regelmäßig, QRS schmal (etwa 70 ms), Lagetyp Linkstyp. Suche die retrograde P-Welle in II und V1. Welche Aussage trifft zu?
- a)Eine klar abgesetzte retrograde P-Welle ist nicht sicher zu sehen; AVNRT und AVRT lassen sich hier am Oberflächen-EKG nicht unterscheiden – die Akuttherapie ist dieselbe.
- b)Man sieht ein positives P vor jedem QRS: Sinustachykardie.
- c)Ohne sichtbare P-Welle muss es eine ventrikuläre Tachykardie sein.
Multiple Choice
Eine 73-jährige Frau, Herzrasen seit dem Morgen. RR 130/80 mmHg. Miss das RP-Intervall.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 73-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10449, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Vorgegeben: Frequenz etwa 146/min (RR etwa 410 ms), QRS etwa 65 ms, Lagetyp Indifferenztyp. In V1 siehst du nach jedem QRS eine kleine positive Welle, in II eine flache Einsenkung an derselben Stelle. Sie beginnt etwa 2,5 kleine Kästchen nach QRS-Beginn. Was ist richtig?
- a)RP etwa 310 ms: langes RP – fokale atriale Tachykardie.
- b)RP etwa 40 ms; das P liegt im QRS – typische AVNRT.
- c)RP etwa 100 ms, PR etwa 310 ms: kurzes RP mit klar abgesetztem retrogradem P – passt am besten zu einer orthodromen AVRT.
Akuttherapie der regelmäßigen Schmalkomplextachykardie
Die Reihenfolge ist einfach, die Details entscheiden über Sicherheit. Vorher: Monitor, i.v.-Zugang, 12-Kanal-EKG während der Tachykardie (wenn der Zustand es erlaubt) und Defibrillator in Reichweite.

Algorithmus für die regelmäßige Schmalkomplextachykardie bei Erwachsenen. Die Bedingung steht am Pfeil; nach jeder Stufe entscheidet der Rhythmusstreifen über den nächsten Schritt. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); ERC-Leitlinien 2025 Erweiterte lebensrettende Maßnahmen; Appelboam A et al., Lancet 2015;386:1747–53 (REVERT).
Schritt 0 – instabil? Schock, Synkope, Myokardischämie oder schwere Herzinsuffizienz durch die Tachykardie: sofortige synchronisierte Kardioversion unter Analgosedierung. Durchführung und Energie: Einheit 6.
Schritt 1 – Vagusmanöver. Sie erhöhen den Vagotonus und verlangsamen kurz die Leitung im AV-Knoten. Erfolg je nach Studie etwa 20–50 %; das modifizierte Valsalva-Manöver ist deutlich wirksamer als das klassische. In der REVERT-Studie (Pressen mit etwa 40 mmHg für 15 s) hatten nach 1 Minute 43 % gegenüber 17 % wieder einen Sinusrhythmus.
| Modifiziertes Valsalva-Manöver | Ablauf |
|---|---|
| 1. Lagerung | Patient halbsitzend (etwa 45°) auf der Liege, Monitor läuft |
| 2. Pressen | etwa 15 s kräftig gegen Widerstand pressen, z. B. in eine 10-ml-Spritze blasen, bis sich der Kolben bewegt |
| 3. Sofort flach | direkt nach dem Pressen flach hinlegen und die Beine passiv anheben (etwa 45°), etwa 15 s halten |
| 4. Beurteilen | Rhythmusstreifen ansehen; bei Bedarf einmal wiederholen |

Pressen und sofortiges Umlagern bilden eine feste zeitliche Folge. Die Erfolgsangabe stammt aus der REVERT-Studie. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: Appelboam A et al., Lancet 2015;386:1747–53 (REVERT); ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720).
Die Karotissinusmassage ist eine Alternative: nur einseitig, höchstens 5 Sekunden, unter Monitor. Nicht bei früherem Schlaganfall oder TIA und nicht bei Strömungsgeräusch über der Karotis. Druck auf die Augäpfel ist obsolet.

Wo massiert wird: Der Karotissinus liegt an der Karotisgabel, meist in Höhe des Schildknorpel-Oberrands unterhalb des Kieferwinkels. Dort tastest du am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus den Karotispuls und massierst nur auf einer Seite. Historische anatomische Zeichnung mit englischer Originalbeschriftung; die deutschen Markierungen sind ergänzt. Quelle: Henry Vandyke Carter, Gray's Anatomy of the Human Body (1918), Abb. 513, Wikimedia Commons (File:Gray513.png), gemeinfrei; Ausschnitt vergrößert, deutsche Beschriftung ergänzt.
Schritt 2 – Adenosin. Adenosin blockiert den AV-Knoten für wenige Sekunden. Die Halbwertszeit im Blut liegt unter 10 Sekunden – deshalb muss es schnell zum Herzen.
| Adenosin | Praxis |
|---|---|
| Dosis (Erwachsene) | Lehralgorithmus nach GRC/ERC 2025: 6 mg als schneller i.v.-Bolus; ohne Erfolg nach 1–2 min 12 mg, bei erneutem Misserfolg 18 mg. Abweichend nennt z. B. die Fachinformation Adenosin Hikma 3 → 6 → 12 mg; die Anwendung des Leitlinienregimes muss zur lokalen ärztlichen Vorgabe passen. |
| Technik | großlumiger Zugang möglichst in der Ellenbeuge, Adenosin in 1–2 s injizieren, sofort 10–20 ml NaCl 0,9 % hinterherspülen (Zwei-Spritzen-Technik oder Dreiwegehahn), Arm anheben |
| Monitoring | laufender Rhythmusstreifen (am besten mehrere Ableitungen) während der Gabe; Defibrillator bereit |
| Patient vorwarnen | „Gleich fühlen Sie für einige Sekunden ein starkes Druckgefühl, Hitze im Gesicht oder Luftnot, manchmal ein Gefühl, als ob das Herz stehen bleibt. Das geht schnell vorbei.“ |
| Diagnostischer Nutzen | Endet die Tachykardie schlagartig → AV-Knoten beteiligt (AVNRT/AVRT). Werden nur Vorhofwellen sichtbar → Flattern oder AT (Therapie dann wie in Einheit 3 bzw. Frequenzkontrolle). |
| Gegenanzeigen laut Fachinformation | AV-Block II./III. Grades oder Sinusknotenerkrankung ohne funktionierenden Schrittmacher, Asthma bronchiale bzw. obstruktive Lungenerkrankung mit Bronchospasmus, langes QT, schwere Hypotonie, dekompensierte Herzinsuffizienz |
| Wechselwirkungen | Dipyridamol verstärkt die Wirkung stark (möglichst kein Adenosin oder deutlich niedrigere Dosis); Theophyllin und Koffein schwächen sie ab; nach Herztransplantation (unter 1 Jahr) ist das Herz empfindlicher |
| Vorsicht | Vorhofflimmern/-flattern mit akzessorischer Bahn; Adenosin kann Vorhofflimmern auslösen – daher Defibrillator bereit |
Zum Asthma: Die Fachinformation nennt es als Gegenanzeige. Die ESC-Leitlinie hält Adenosin bei Asthma für vorsichtig einsetzbar, bevorzugt aber bei schwerem Asthma Verapamil. In der Prüfung und im Zweifel: bei Asthma Verapamil statt Adenosin.

Adenosin wirkt nur, wenn es als Bolus schnell das Herz erreicht. Die Dosisleiter folgt dem Lehralgorithmus nach GRC/ERC 2025; die Fachinformation nennt 3 → 6 → 12 mg. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); ERC-Leitlinien 2025; Fachinformation Adenosin.
Schritt 3 – Verapamil oder Diltiazem i.v., alternativ Betablocker i.v. – wenn Vagusmanöver und Adenosin versagen oder Adenosin nicht gegeben werden darf.
| Substanz | Dosis (Erwachsene) | Nicht geben bei |
|---|---|---|
| Verapamil | 5 mg langsam i.v. (über mindestens 2 min) unter Monitor; ggf. nach 5–10 min weitere 5 mg (ESC: 0,075–0,15 mg/kg) | Hypotonie, Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (LVEF ≤ 40 %), Verdacht auf VT oder unklare Breitkomplextachykardie, präexzitiertem Vorhofflimmern, Sinusknotenerkrankung, AV-Block, laufender Betablockertherapie (i.v.-Verapamil nur als intensivmedizinische Ausnahme) |
| Diltiazem | 0,25 mg/kg i.v. über 2 min (ESC/S3) | wie Verapamil; nur bei verfügbarer i.v.-Zubereitung |
| Metoprolol | 2,5–5 mg langsam i.v., wiederholbar bis insgesamt höchstens 15 mg (ESC) | dekompensierte Herzinsuffizienz, Hypotonie, AV-Block, schweres Asthma |
| Esmolol | 0,5 mg/kg i.v. als Bolus, dann Infusion (ESC) | wie Metoprolol |
Betablocker senken eher die Frequenz, als dass sie die Tachykardie beenden. Verapamil i.v. darf bei laufender Betablockertherapie laut Fachinformation nicht gegeben werden (Ausnahme: Intensivmedizin), da Bradykardie, AV-Block und Hypotonie drohen.

Die Begleiterkrankung entscheidet, welche Substanz du nach erfolglosem Vagusmanöver gibst. Links steht die Situation, rechts das Vorgehen. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Fachinformationen Adenosin und Verapamil i.v..
Schritt 4 – Versagen der Medikamente: synchronisierte Kardioversion unter Analgosedierung (Einheit 6).
Sonderfall: präexzitiertes Vorhofflimmern
Unregelmäßige, sehr schnelle Tachykardie mit breiten, von Schlag zu Schlag unterschiedlich breiten QRS-Komplexen bei einem jungen Patienten – denke an Vorhofflimmern über eine akzessorische Bahn.
- Instabil: sofortige synchronisierte Kardioversion. Auch beim stabilen Patienten ist die Schwelle zur elektrischen Kardioversion niedrig.
- Verboten: alle Medikamente, die nur den AV-Knoten bremsen – Adenosin, Verapamil, Diltiazem, Betablocker, Digitalis. Sie verschieben die Überleitung zur Bahn hin und können Kammerflimmern auslösen. Auch Amiodaron i.v. soll laut ESC-Leitlinie hier nicht gegeben werden.
- Stabil, medikamentös: nur Substanzen, die die Bahn bremsen. Die ESC-Leitlinie nennt Ibutilid und Procainamid, mit Einschränkung Flecainid und Propafenon. In Deutschland kommt – kardiologisch begleitet – auch Ajmalin i.v. in Betracht, das laut Fachinformation u. a. für Tachykardien bei WPW-Syndrom zugelassen ist. Im Zweifel: elektrische Kardioversion.
- Danach: Katheterablation der Bahn (S09).

Beim präexzitierten Vorhofflimmern gilt: entweder elektrisch kardiovertieren oder die Bahn bremsen – nie nur den AV-Knoten. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Fachinformation Ajmalin (Gilurytmal).
Multiple Choice
Du gibst einer 30-jährigen Patientin mit stabiler regelmäßiger Schmalkomplextachykardie 6 mg Adenosin über einen dünnen Zugang am Handrücken, ohne nachzuspülen. Nichts passiert. Was ist die beste Erklärung und der nächste Schritt?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | 30 Jahre; stabile regelmäßige Schmalkomplextachykardie |
| Gabe | Adenosin 6 mg |
| Zugang / Spülung | Dünner Zugang am Handrücken; keine Nachspülung |
| Reaktion | Keine Veränderung |
- a)Adenosin wirkt bei dieser Tachykardie nicht; jetzt Verapamil.
- b)Das Adenosin wurde vermutlich abgebaut, bevor es das Herz erreichte; nächste Gabe 12 mg über einen großlumigen, herznahen Zugang mit sofortiger Spülung.
- c)Die Dosis war richtig; jetzt dieselben 6 mg langsam über eine Minute.
Multiple Choice
Ein 22-jähriger Mann mit bekanntem WPW-Muster kommt mit Herzrasen. Monitor: unregelmäßige Tachykardie mit etwa 230/min, die QRS-Komplexe sind breit und wechseln in ihrer Breite. RR 110/70 mmHg, wach. Welche Maßnahme ist falsch?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient | 22 Jahre; bekanntes WPW-Muster |
| Monitor | Unregelmäßig etwa 230/min; breite QRS mit wechselnder Breite |
| Kreislauf | RR 110/70 mmHg; wach |
- a)Pads aufkleben und eine synchronisierte Kardioversion unter Analgosedierung vorbereiten
- b)Rhythmologie verständigen und ein 12-Kanal-EKG der Tachykardie schreiben
- c)Verapamil 5 mg i.v. zur Frequenzsenkung
Freie Antwort
Aufgabe (freie Antwort, Selbstkontrolle): Du hast bei einer stabilen Patientin mit AVNRT ein modifiziertes Valsalva-Manöver erfolglos durchgeführt. Beschreibe in 4–5 Sätzen, wie du Adenosin vorbereitest und gibst – einschließlich dessen, was du der Patientin vorher sagst.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Ausgangslage | Stabile Patientin mit AVNRT |
| Bisheriger Versuch | Modifiziertes Valsalva-Manöver erfolglos |
| Geforderte Beschreibung | Adenosin vorbereiten und geben; Patientin vorher informieren |
Selbstständige Übung: vier Patienten mit regelmäßiger Schmalkomplextachykardie
Hier entscheidest du selbst: Befund und nächster Schritt. Achte auf Kreislauf und Begleiterkrankungen.
Freie Antwort
Eine 60-jährige Frau mit Asthma bronchiale (mehrere Anfälle pro Woche) hat seit 30 Minuten Herzrasen. RR 130/80 mmHg, keine Luftnot, keine Brustschmerzen. Das modifizierte Valsalva-Manöver war erfolglos.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 60-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10189, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe (freie Antwort, Selbstkontrolle): Befunde das EKG systematisch und begründe den nächsten Behandlungsschritt.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Eine 29-jährige Frau, Herzrasen seit einer Stunde, RR 110/70 mmHg, sonst gesund. Das Valsalva-Manöver war erfolglos.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 29-jährige Frau. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14286, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Welcher Befund und welcher nächste Schritt passen?
- a)Sinustachykardie etwa 200/min; Volumengabe und Schmerztherapie
- b)Regelmäßige Schmalkomplextachykardie etwa 200/min ohne P vor dem QRS; Adenosin 6 mg als schneller Bolus mit Spülung, laufender Streifen
- c)Vorhofflimmern mit schneller Überleitung; Antikoagulation beginnen
Multiple Choice
Eine 79-jährige Frau mit koronarer Herzkrankheit hat seit zwei Stunden Herzrasen und jetzt ein Druckgefühl in der Brust. RR 85/50 mmHg, sie ist kaltschweißig und unruhig.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 79-jährige Frau. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16229, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- a)Metoprolol 5 mg i.v. gegen die Ischämie
- b)Zuerst ein modifiziertes Valsalva-Manöver, dann Adenosin
- c)Sofortige synchronisierte Kardioversion unter Analgosedierung
Multiple Choice
Eine 63-jährige Frau mit bekannter Herzinsuffizienz (LVEF 30 %, derzeit kompensiert) hat Herzrasen. RR 120/75 mmHg. Valsalva-Manöver und Adenosin 6 mg und 12 mg waren erfolglos.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 63-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10481, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde kurz und entscheide: Welches Medikament gibst du jetzt nicht?
- a)Verapamil i.v.
- b)Metoprolol i.v. in kleinen Schritten unter Monitor
- c)Keines – eine synchronisierte Kardioversion in Analgosedierung ist ebenfalls vertretbar.
Lesetext und Beispiele: junktionale Rhythmen und Tachykardien
Junktional heißt: Die Erregung entsteht im Übergangsbereich zwischen Vorhof und Kammer (AV-Knoten und His-Bündel). Der Mechanismus ist meist eine gesteigerte Automatie, kein Reentry. Der QRS ist schmal (sofern kein Schenkelblock besteht).
| Rhythmus | Frequenz | Bedeutung |
|---|---|---|
| junktionaler Ersatzrhythmus | etwa 40–60/min | Schutzrhythmus, wenn der Sinusknoten ausfällt (Einheit 2) |
| akzelerierter junktionaler Rhythmus | etwa 60–100/min | gesteigerte Automatie; oft Hinweis auf eine Ursache |
| junktionale (ektope) Tachykardie | über 100/min | gesteigerte Automatie; bei Erwachsenen selten, häufiger nach Herzoperation (besonders bei Kindern) |
Wo liegt die P-Welle? Der Vorhof wird – wenn überhaupt – retrograd erregt: P negativ in II, III und aVF. Je nachdem, ob Vorhof oder Kammer zuerst erreicht wird, liegt das P kurz vor dem QRS (PQ dann kurz, unter 120 ms), im QRS (unsichtbar) oder kurz danach. Erreicht die Erregung den Vorhof nicht, schlägt der Sinusknoten unabhängig weiter (AV-Dissoziation).
Ursachen eines akzelerierten junktionalen Rhythmus oder einer junktionalen Tachykardie:
- Digitalis-Intoxikation (klassisch: Vorhofflimmern wird unter Digitalis plötzlich regelmäßig → junktionaler Rhythmus); Spiegel, Kalium und Nierenfunktion prüfen (Einheit 7)
- nach Herzoperationen
- Myokardischämie, besonders inferiorer Infarkt
- Katecholamine und Sympathomimetika (z. B. Dobutamin, Kokain, Amphetamine)
- Myokarditis, Elektrolytstörungen
Therapie: Die Ursache behandeln. Da der Mechanismus kein Reentry ist, beendet Adenosin eine junktionale Tachykardie meist nicht; Kardioversion ist wenig wirksam. Bei relevanter Kreislaufwirkung medikamentöse Therapie nach kardiologischer Rücksprache (z. B. Amiodaron); Digitalis bei Verdacht auf Intoxikation absetzen.

Frequenz, Lage der retrograden P-Welle und Ursache: Bei junktionalen Rhythmen bestimmt die Ursache die Therapie, weil eine AV-Blockade hier meist keinen Reentry-Kreis unterbricht. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024; Duale Reihe Innere Medizin 2018; ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720).
Ausgearbeitetes Beispiel: junktionale Tachykardie
Ein 86-jähriger Mann, am zweiten Tag nach einer Bypass-Operation; Monitoralarm wegen Frequenz 136/min. RR 115/65 mmHg, keine Beschwerden.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 86-jähriger Mann. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22446, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Frage | Befund und Begründung |
|---|---|
| Frequenz, Regelmäßigkeit | etwa 136/min, regelmäßig |
| QRS, Lagetyp | schmal (etwa 70 ms), Indifferenztyp |
| P-Wellen | vor jedem QRS eine negative P-Welle in II, III und aVF (positiv in aVR), kurz vor dem QRS |
| PQ | kurz, etwa 85 ms |
| QT | etwa 265 ms, QTc nach Fridericia etwa 350 ms |
| ST/T | unauffällig; Grundlinie in den Extremitätenableitungen unruhig (Muskelartefakte) |
Beurteilung: Regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit negativem P vor dem QRS und kurzem PQ: junktionale Tachykardie mit retrograder Vorhoferregung (Quelldatenbank: junktionale Tachykardie). Differenzialdiagnose: tiefe (inferiore) fokale atriale Tachykardie – auch dort ist das P in II, III, aVF negativ, das PQ aber meist länger. Bei einem frisch herzoperierten Patienten passt die junktionale Tachykardie gut. Konsequenz: Elektrolyte (K, Mg), Medikamente (Katecholamine, Digitalis) und Ischämie prüfen; kardiochirurgisch/kardiologisch besprechen; Frequenz und Kreislauf überwachen.
Multiple Choice
Ein 22-jähriger Mann kommt nachts mit Herzklopfen und Unruhe; er gibt Kokainkonsum vor drei Stunden an. RR 150/90 mmHg.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 22-jähriger Mann. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22132, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Vorgegeben: Frequenz etwa 102/min, regelmäßig; Lagetyp überdrehter Linkstyp; in V1 rsR′ (inkompletter Rechtsschenkelblock), QRS etwa 100 ms. Ergänze: Wo ist die P-Welle, und was ist die Diagnose?
- a)Positives P vor jedem QRS mit PQ 160 ms: Sinustachykardie
- b)Vorhofflattern mit 3:1-Überleitung
- c)Keine P-Welle vor dem QRS; kleine negative Kerbe nach dem QRS in II, III und aVF: junktionaler Rhythmus mit etwa 100/min (akzeleriert, an der Grenze zur junktionalen Tachykardie), passend zu Katecholaminwirkung
Langzeittherapie und asymptomatische Präexzitation
Dieser Abschnitt dient der Orientierung. Die Ablation selbst führt die Rhythmologie durch.
Katheterablation. Bei einer elektrophysiologischen Untersuchung wird der Mechanismus bestimmt und das Substrat mit Hochfrequenzstrom (oder Kälte) verödet: bei der AVNRT die langsame Bahn, bei der AVRT die akzessorische Bahn, bei der fokalen AT der Fokus. Die akute Erfolgsrate liegt nach ESC-Leitlinie bei der AVNRT um 97 %, bei der AVRT um 92 % und bei der fokalen AT um 85 %. Das wichtigste Risiko bei der AVNRT-Ablation ist ein kompletter AV-Block mit Schrittmacherpflicht (unter 1 %).
| Situation | Langfristiges Vorgehen |
|---|---|
| wiederkehrende, symptomatische AVNRT oder AVRT | Katheterablation als Therapie der ersten Wahl anbieten |
| präexzitiertes Vorhofflimmern | Katheterablation der Bahn |
| seltene, kurze, gut tolerierte Episoden ohne Präexzitation | Beobachtung, Vagusmanöver selbst anwenden; Ablation anbieten |
| Patient lehnt Ablation ab | medikamentöse Dauertherapie nach kardiologischer Festlegung (Wirksamkeit begrenzt) |
Pill-in-the-pocket: Für seltene, länger anhaltende, gut tolerierte Episoden kann die Kardiologie eine einmalige orale Medikamenteneinnahme im Anfall festlegen (z. B. Diltiazem plus Propranolol oder Flecainid bei Herzgesunden). Voraussetzung: gesicherte Diagnose und kardiologische Festlegung; bei Präexzitation keine reinen AV-Knoten-Blocker, Flecainid nur ohne strukturelle Herzerkrankung.

Was bei der Ablation verödet wird und welche Langzeitstrategie zu welchem Patienten passt. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720); Herold Innere Medizin 2024.
Asymptomatische Präexzitation. Ein WPW-Muster ohne jede Tachykardie ist ein häufiger Zufallsbefund; es findet sich bei etwa 0,15–0,25 % der Bevölkerung. Etwa jeder fünfte Betroffene entwickelt im Verlauf eine Rhythmusstörung über die Bahn; selten ist das erste Ereignis ein präexzitiertes Vorhofflimmern mit plötzlichem Herztod. Die ESC-Leitlinie 2019 empfiehlt deshalb eine Risikostratifizierung:
| Merkmal | Bedeutung |
|---|---|
| Hochrisikoberuf (z. B. Pilot, Berufskraftfahrer) oder Wettkampfsport | EPU zur Risikostratifizierung empfohlen |
| In der EPU: kürzestes präexzitiertes RR-Intervall bei Vorhofflimmern ≤ 250 ms, Refraktärzeit der Bahn ≤ 250 ms, mehrere Bahnen, auslösbare Tachykardie | hohes Risiko → Katheterablation empfohlen |
| plötzliches, vollständiges Verschwinden der Delta-Welle unter Belastung oder intermittierende Präexzitation im Ruhe-/Langzeit-EKG | Hinweis auf niedriges Risiko, aber kein sicherer Beweis |
| übrige Patienten ohne Hochrisikomerkmale | nichtinvasive Abklärung möglich; Ablation kann nach Aufklärung angeboten werden |

Beruf und Sport entscheiden über die EPU, die Bahnparameter in der EPU über die Ablation. Bedingungen stehen an den Pfeilen. Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019 (Brugada J et al., Eur Heart J 2020;41:655–720).
Für Fragen der Fahreignung bei Rhythmusstörungen siehe Einheit 9.
Fälle
Freie Antwort
Fall: 27-jährige Frau mit Herzrasen
Eine 27-jährige Lehrerin kommt mit Herzrasen seit 40 Minuten in die Notaufnahme. „Es fing plötzlich an, als ich mich gebückt habe.“ Solche Anfälle hatte sie schon dreimal; sie hörten bisher nach einigen Minuten von selbst auf. Vorerkrankungen: keine; Medikamente: Pille. Puls 180/min, RR 115/75 mmHg, SpO₂ 98 %, sie ist wach und ängstlich, keine Brustschmerzen, keine Luftnot.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 27-jährige Frau (größerer Zeilenabstand wegen hoher Brustwandausschläge). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10382, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe a (freie Antwort, Selbstkontrolle): Stelle die Patientin in 5–6 Sätzen der Oberärztin vor (Befund, Verdachtsdiagnose, Dringlichkeit, Plan).
Aufgabe b (freie Antwort, Selbstkontrolle): Das Valsalva-Manöver war erfolglos. Erkläre der Patientin, warum du Adenosin geben möchtest und was sie dabei spüren wird. Gehe auf ihre Frage ein: „Bleibt mein Herz dann wirklich stehen?“
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Fall: Präexzitation als Zufallsbefund
Ein 34-jähriger Mann, Busfahrer im Linienverkehr, möchte an einem Triathlon teilnehmen. Bei der sportmedizinischen Untersuchung fällt dieses EKG auf. Er hatte nie Herzrasen, nie Synkopen.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 34-jähriger Mann (größerer Zeilenabstand wegen hoher Brustwandausschläge). Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 5303, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe a: Welcher Befund liegt vor?
Antwortmöglichkeiten
- Sinusrhythmus mit Präexzitation (kurzes PQ, Delta-Welle mit positivem Beginn in V1–V3), WPW-Muster ohne Tachykardien
- Sinusrhythmus mit kompletten Rechtsschenkelblock, sonst unauffällig
- WPW-Syndrom, da eine Delta-Welle vorliegt
Aufgabe b (freie Antwort, Selbstkontrolle): Erkläre dem Patienten in 4–5 Sätzen, was das bedeutet und welche Untersuchung du empfiehlst.
In der App sprechen üben →Selbsteinschätzung
- Ich kann eine Schmalkomplextachykardie als regelmäßig oder unregelmäßig einordnen und die häufigsten Ursachen nennen.
- Ich kann AVNRT, AVRT und fokale atriale Tachykardie nach dem Ort ihres Ursprungs erklären.
- Ich kann RP und PR messen und kurzes von langem RP unterscheiden.
- Ich kann bei 150/min gezielt nach Vorhofflattern 2:1 suchen.
- Ich erkenne eine Präexzitation an kurzem PQ, Delta-Welle, breiterem QRS und sekundären ST/T-Veränderungen.
- Ich kann ein modifiziertes Valsalva-Manöver anleiten und Adenosin sicher geben.
- Ich kenne die Gegenanzeigen von Adenosin, Verapamil und Betablockern.
- Ich erkenne das präexzitierte Vorhofflimmern und weiß, welche Medikamente verboten sind.
- Ich kann junktionale Rhythmen einordnen und ihre Ursachen nennen.
- Ich kann einem Patienten die Adenosingabe und den Befund einer Präexzitation erklären.
Breitkomplextachykardie
Lernziel: Du kannst Breitkomplextachykardien einordnen und sicher erstversorgen.
In dieser Einheit lernst du, eine Tachykardie mit breiten QRS-Komplexen strukturiert einzuordnen: Woher kommt die Breite? Welche EKG-Zeichen beweisen eine ventrikuläre Tachykardie (VT)? Wann ist eine supraventrikuläre Tachykardie (SVT) mit Schenkelblock wahrscheinlich – und warum behandelst du im Zweifel trotzdem wie eine VT? Am Ende steht die Erstversorgung der stabilen VT und der Torsade de pointes.
Du brauchst dafür aus den vorigen Einheiten: die sechs Fragen der Rhythmusanalyse und die Definition von Salve und nicht anhaltender VT (Einheit 1), das Prinzip der Schmalkomplextachykardien, vagale Manöver, Adenosin und die Präexzitation (Einheit 4). Die elektrische Behandlung des instabilen Patienten (Energie, Durchführung) lernst du in Einheit 6, Antiarrhythmika und QT-Risiko im Detail in Einheit 7, den ICD in Einheit 8.
Was ist eine Breitkomplextachykardie?
Definition: Eine Breitkomplextachykardie ist eine Tachykardie mit einer Kammerfrequenz über 100/min und einer QRS-Dauer von mindestens 120 ms (drei kleine Kästchen bei 25 mm/s).
Warum wird der QRS-Komplex breit? Normalerweise erreicht die Erregung beide Kammern gleichzeitig über das schnelle His-Purkinje-System. Der QRS-Komplex ist dann schmal. Breit wird er, wenn die Kammern ganz oder teilweise langsam von Muskelzelle zu Muskelzelle erregt werden. Das passiert aus mehreren Gründen:
| Ursache | Was passiert? |
|---|---|
| Ventrikuläre Tachykardie (VT) | Der Impuls entsteht in der Kammer selbst. |
| SVT mit vorbestehendem Schenkelblock | Ein Tawara-Schenkel leitet schon im Sinusrhythmus nicht. |
| SVT mit frequenzabhängigem Schenkelblock (Aberranz) | Bei hoher Frequenz ist ein Schenkel noch refraktär. |
| Präexzitierte Tachykardie | Die Kammer wird über eine akzessorische Bahn erregt (Einheit 4). |
| Schrittmacherstimulation | Die Elektrode erregt die Kammer direkt (Einheit 8). |
| Hyperkaliämie, Natriumkanalblocker | Die Erregungsleitung im Myokard ist verlangsamt (Einheit 7, E04). |

Abbildung: Der breite QRS beschreibt den Erregungsweg, nicht den Ursprung. Die Kammer selbst ist der häufigste Ausgangspunkt; die Therapieentscheidung beginnt trotzdem mit dem Kreislauf. Quelle: eigene Darstellung.
Die häufigste und gefährlichste Ursache ist die VT. Rund 80 % aller Breitkomplextachykardien sind VT, nach einem Herzinfarkt über 90 %. Nach einem Herzinfarkt oder bei bekannter struktureller Herzerkrankung ist eine Breitkomplextachykardie fast immer eine VT. Eine VT kann jederzeit in Kammerflimmern übergehen.
Drei Regeln, die du dir sofort merkst:
- Instabil heißt sofort handeln. Bei Schock, Synkope, Myokardischämie oder schwerer Herzinsuffizienz (Lungenödem) folgt die sofortige synchronisierte Kardioversion; ohne Puls gilt der Reanimationsalgorithmus. Wie das geht, lernst du in Einheit 6.
- Stabil heißt nicht „harmlos" und nicht „SVT". Viele Patienten tolerieren eine VT anfangs gut, sind wach und haben einen normalen Blutdruck. Ein stabiler Kreislauf gibt dir nur Zeit: für ein 12-Kanal-EKG, ein Vor-EKG und eine geplante Therapie.
- Im Zweifel VT. Jede Breitkomplextachykardie, deren Mechanismus du nicht sicher kennst, behandelst du wie eine VT.
Anamnese – die stärksten Hinweise in einer Minute:
| Frage | Bedeutung |
|---|---|
| Früherer Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie? | spricht stark für VT |
| ICD oder Schrittmacher? | VT in der Vorgeschichte möglich; Stimulation als Ursache |
| Bekannter Schenkelblock oder WPW? | alte EKGs anfordern und vergleichen |
| Medikamente (Antiarrhythmika, Digitalis, QT-verlängernde Mittel, Diuretika)? | Proarrhythmie, Elektrolytstörung |
| Niereninsuffizienz, Dialyse? | Hyperkaliämie bedenken |
Multiple Choice
Ein 62-jähriger Mann mit Vorderwandinfarkt vor drei Jahren kommt mit Herzrasen seit 40 Minuten. Monitor: regelmäßige Breitkomplextachykardie, 170/min. Er ist wach und orientiert, RR 125/80 mmHg, keine Brustschmerzen, keine Luftnot. Welche Aussage trifft zu?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient / Vorgeschichte | 62 Jahre; Vorderwandinfarkt vor 3 Jahren |
| Aktuell | Seit 40 Minuten Herzrasen; regelmäßige Breitkomplextachykardie 170/min |
| Kreislauf | Wach, orientiert; RR 125/80 mmHg |
| Beschwerden | Keine Brustschmerzen; keine Luftnot |
- a)Der stabile Kreislauf spricht für eine SVT; Verapamil i.v. ist der nächste Schritt.
- b)Wahrscheinlich liegt eine VT vor; der stabile Kreislauf gibt Zeit für 12-Kanal-EKG, Vor-EKG und eine geplante Therapie.
- c)Erst wenn das Troponin vorliegt, kann man über die Therapie entscheiden.
Breite Komplexe, aber Sinusrhythmus
Nicht jede schnelle Kurve mit breiten QRS-Komplexen ist eine Rhythmusstörung der Kammer. Bei einem bekannten Schenkelblock bleibt der QRS-Komplex auch bei einer Sinustachykardie breit. Der Schlüssel sind die P-Wellen.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 55-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 4893, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Schritt für Schritt:
| Frage | Befund |
|---|---|
| Frequenz | etwa 120/min, regelmäßig |
| P-Wellen? | ja: kleine, positive P-Welle vor jedem QRS, am besten in I und II |
| P-QRS-Beziehung | jede P-Welle wird übergeleitet, PQ konstant |
| Lagetyp | Linkstyp (I positiv, III negativ) |
| QRS | breit, etwa 150 ms; V1–V3 tiefe QS-Komplexe mit steilem Abstrich; I, V5, V6 breite, gekerbte R-Zacken ohne Q |
| ST/T | diskordant zum QRS (ST-Hebung V1–V3, T negativ in I, V5, V6): sekundäre Erregungsrückbildungsstörung beim Schenkelblock |
| QT | bei Schenkelblock und Tachykardie nicht sinnvoll beurteilbar |
Beurteilung: Sinustachykardie mit komplettem Linksschenkelblock (LSB).
Konsequenz: Hier wird nicht der Rhythmus „behandelt", sondern die Ursache der Sinustachykardie gesucht (Fieber, Volumenmangel, Anämie, Schmerz, Lungenembolie, Hyperthyreose; siehe Einheit 1). Antiarrhythmika oder eine Kardioversion wären falsch. Ein Vor-EKG zeigt, ob der LSB bekannt ist; ein neuer LSB braucht eine eigene Abklärung (u. a. Ischämie → C03).
Merke: Ein typischer LSB hat in V1 einen schmalen oder fehlenden r und einen steilen, glatten S-Abstrich; in V6 eine breite R-Zacke ohne Q-Zacke. Dieses Bild brauchst du gleich als Vergleich.
Kriterien für eine VT
Wenn keine P-Welle vor jedem QRS steht, prüfst du gezielt Zeichen, die für eine VT sprechen. Einige Zeichen beweisen die VT, andere sind nur hinweisend. Wichtig: Die Kriterien sind spezifisch, aber nicht empfindlich. Fehlen sie, ist das kein Beweis für eine SVT.
| Kriterium | Was du siehst | Wertigkeit |
|---|---|---|
| AV-Dissoziation | P-Wellen laufen ohne festen Bezug durch; weniger P-Wellen als QRS | beweisend |
| Capture-Schlag | einzelner schmaler QRS mitten in der Tachykardie | beweisend |
| Fusionsschlag | einzelner QRS mit Mischform zwischen schmal und breit | beweisend |
| Konkordanz V1–V6 | alle Brustwandableitungen nur positiv oder nur negativ | stark hinweisend |
| Extreme Achse | Nordwest-Achse (I und aVF negativ); dominantes R in aVR | hinweisend |
| RS-Intervall | Beginn R bis tiefster Punkt S > 100 ms in einer Brustwandableitung | hinweisend |
| Sehr breiter QRS | RSB-Bild > 140 ms, LSB-Bild > 160 ms | schwach (auch durch Medikamente) |
| Vor-EKG | QRS-Form im Sinusrhythmus anders als in der Tachykardie | hinweisend |
Morphologie in V1 und V6 – der Vergleich mit dem typischen Schenkelblock:
| Bild | Spricht eher für SVT mit Schenkelblock | Spricht eher für VT |
|---|---|---|
| RSB-artig (V1 positiv) | V1 dreiphasig rsR′; V6 R/S > 1 | V1 monophasisches R oder höherer linker Gipfel; V6 R/S < 1 |
| LSB-artig (V1 negativ) | V1 steiler, glatter S-Abstrich; V6 ohne Q | V1 Kerbe im S-Abstrich; V6 Q-Zacke |
Die Skizzen zeigen dir dieselben Formen nebeneinander:

Abbildung: Links die Lehrbuch-Schenkelblöcke, rechts die VT-typischen Abweichungen (schematische QRS-Formen). Eine typische Form macht eine SVT nur wahrscheinlich; beweisend ist ein Vor-EKG mit gleichem QRS. Quelle: eigene Darstellung.
Wie entstehen AV-Dissoziation, Capture und Fusion? Bei einer VT schlägt die Kammer in ihrem eigenen, schnellen Rhythmus. Der Sinusknoten feuert unabhängig davon weiter. Die meisten Sinusimpulse treffen auf einen AV-Knoten oder eine Kammer, die gerade refraktär ist, und bleiben stecken. Trifft ein Sinusimpuls zufällig auf eine erregbare Kammer, erregt er sie über das normale Leitungssystem: Es entsteht ein schmaler Capture-Schlag. Treffen übergeleitete und ventrikuläre Erregung gleichzeitig ein, verschmelzen sie zu einem Fusionsschlag. Beides geht nur, wenn Vorhof und Kammer unabhängig schlagen – deshalb beweisen beide Zeichen die VT.

Leiterdiagramm (schematisch, nicht maßstabsgerecht): Die Sinusimpulse (blau) laufen regelmäßig und werden meist im AV-Knoten blockiert. Der Kammerfokus (rot) schlägt schneller und erzeugt breite QRS-Komplexe. Ein Sinusimpuls erreicht eine erregbare Kammer: schmaler Capture-Schlag (grün). Ein weiterer trifft gleichzeitig mit einem Kammerschlag ein: Fusionsschlag (violett). Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024, S. 292; ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022.
So suchst du die AV-Dissoziation: Schau im Rhythmusstreifen (II) und in V1 nach kleinen Kerben oder Buckeln, die an wechselnden Stellen im QRS-Komplex, in der ST-Strecke oder in der T-Welle auftauchen. Wenn du mit dem Abstand einer gefundenen P-Welle weitermisst und an den erwarteten Stellen wieder etwas findest, laufen die P-Wellen unabhängig durch. Bei schnellen VT ist das oft unmöglich – dann hilft dir nur der Rest der Kriterien und die Regel „im Zweifel VT".
Vom Befund zur Entscheidung – der Algorithmus, den du in den folgenden Beispielen anwendest:

Vorgehen bei Breitkomplextachykardie: Erst Puls und Kreislauf, dann EKG-Analyse. Polymorphe und unregelmäßige Breitkomplextachykardien haben eigene Wege. Bei VT-Zeichen oder unklarem Mechanismus wird wie bei einer VT behandelt; nur ein Vor-EKG mit gleichem QRS und ein begründeter SVT-Verdacht öffnen den Weg zu vagalen Manövern und Adenosin. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: GRC/ERC-Algorithmus Peri-Arrest-Tachykardien 2025; ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022; ESC-Leitlinie SVT 2019.
Multiple Choice
Im Langzeit-EKG eines Patienten mit regelmäßiger Breitkomplextachykardie (QRS 160 ms) fällt mitten in der Tachykardie ein einzelner Schlag mit schmalem QRS (80 ms) auf, danach geht die Tachykardie unverändert weiter. Was bedeutet dieser Schlag?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Grundbefund | Regelmäßige Breitkomplextachykardie; QRS 160 ms |
| Einzelner Schlag | Schmaler QRS: 80 ms |
| Danach | Tachykardie läuft unverändert weiter |
- a)Ein Capture-Schlag: Ein Sinusimpuls wurde übergeleitet; das beweist eine VT.
- b)Eine supraventrikuläre Extrasystole; sie spricht für eine SVT mit Aberranz.
- c)Ein Artefakt; schmale Einzelschläge haben keine Bedeutung.
VT mit Capture- und Fusionsschlag
Ein Patient wird mit anhaltendem Herzrasen gebracht. Er ist wach, der Blutdruck ist messbar. Das 12-Kanal-EKG:

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV; unten Rhythmusstreifen II über 10 s. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45523, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Du gehst in fünf festen Schritten vor; dieselbe Reihenfolge gilt für alle folgenden Übungen:

Abbildung: Erst der Kreislauf, dann diese fünf Schritte. Beweisend für die VT sind nur AV-Dissoziation, Capture- und Fusionsschläge; alles Unklare wird wie eine VT behandelt. Quelle: eigene Darstellung.
Schritt 1 – Frequenz und Regelmäßigkeit: Im Rhythmusstreifen etwa 29–30 Schläge in 10 s → rund 175/min, regelmäßig.
Schritt 2 – QRS-Breite: In II und V1–V3 deutlich breiter als drei kleine Kästchen, etwa 160 ms. → Breitkomplextachykardie.
Schritt 3 – P-Wellen: Vor den QRS-Komplexen sind keine P-Wellen sicher abgrenzbar.
Schritt 4 – Morphologie und Achse: V1 überwiegend positiv (RSB-artig) mit gekerbtem, breitem R. In V4–V6 sind die S-Zacken tiefer als die R-Zacken (R/S < 1). II, III und aVF sind überwiegend negativ → überdrehte Achse. Diese Kombination passt nicht zu einem typischen Rechtsschenkelblock.
Schritt 5 – der Beweis: Schau in den Rhythmusstreifen zwischen 5 und 6 Sekunden: Dort steht ein schmaler Schlag ohne den tiefen, breiten Ausschlag der übrigen Komplexe. In V1–V3 (gleicher Zeitpunkt, Anfang der dritten Spalte) erkennst du ihn als schmalen, hohen Ausschlag. Das ist ein Capture-Schlag. Der Schlag direkt davor hat eine Zwischenform: in II kleiner, in V2 schmaler als die anderen VT-Schläge – passend zu einem Fusionsschlag. Danach läuft die breite Tachykardie unverändert weiter.
Beurteilung: Monomorphe ventrikuläre Tachykardie, etwa 175/min, bewiesen durch Capture- und Fusionsschlag.
Konsequenz: VT bei (noch) stabilem Kreislauf → Monitoring, Defibrillator-Pads aufkleben, i.v. Zugang, Kalium und Magnesium bestimmen und eine Terminierung planen (Schritt 9). Bei jeder Verschlechterung sofortige synchronisierte Kardioversion.
Merke (AV-Dissoziation): Die unabhängig durchlaufenden P-Wellen sind im Oberflächen-EKG oft in den breiten QRS-Komplexen und T-Wellen verborgen. Capture- und Fusionsschläge wie in diesem Beispiel sind dann der leichter erkennbare Beweis; das Prinzip zeigt dir das Leiterdiagramm in Schritt 3.
Ausgearbeitete Beispiele: SVT mit Schenkelblock
Jetzt die Gegenseite: zwei Breitkomplextachykardien, bei denen in der ursprünglichen ärztlichen Auswertung eine SVT mit Schenkelblock befundet wurde. Achte darauf, wie „typisch" die Schenkelblockform ist.
Beispiel A – LSB-Bild

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 71-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 7296, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Frage | Befund |
|---|---|
| Frequenz, Rhythmus | etwa 150/min, regelmäßig |
| P-Wellen | nicht sicher abgrenzbar |
| QRS | etwa 140 ms; V1–V3 rS/QS mit steilem, glattem S-Abstrich; I, V5, V6 breite, gekerbte R-Zacken ohne Q |
| Achse | Linkstyp |
| ST/T | diskordant, sekundär |
Beurteilung: Das QRS-Bild entspricht einem typischen Linksschenkelblock; es gibt kein VT-Kriterium. Das macht eine SVT mit LSB wahrscheinlich. Bei genau 150/min denkst du zusätzlich an ein Vorhofflattern mit 2:1-Überleitung (Einheit 3).
Aber: Die typische Form macht die SVT wahrscheinlich, sie beweist sie nicht. Den stärksten Beleg liefert ein Vor-EKG mit identischem QRS im Sinusrhythmus.
Beispiel B – RSB-Bild

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 77-jährige Frau. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 15526, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Frage | Befund |
|---|---|
| Frequenz, Rhythmus | etwa 155/min, regelmäßig |
| P-Wellen | nicht sicher abgrenzbar |
| QRS | etwa 130 ms; V1 und V2 dreiphasisch rsR′ („M-Form"); I und V6 breite, plumpe S-Zacke; V6 R/S > 1 |
| Achse | überdrehter Linkstyp (II, III, aVF überwiegend negativ) |
| ST/T | T negativ in V1–V3 (sekundär) |
Beurteilung: Typisches Bild eines Rechtsschenkelblocks mit überdrehtem Linkstyp (bifaszikulärer Block); kein VT-Kriterium → SVT mit RSB wahrscheinlich.
Was lernst du aus beiden Beispielen? Bei einer SVT mit Schenkelblock sieht der QRS aus wie ein „Lehrbuch-Schenkelblock". Bei einer VT passt die Form meist nicht ganz: zu breit, merkwürdige Achse, R/S-Verhältnis in V6 falsch, Kerben an untypischer Stelle. Wenn du dir nicht sicher bist, gilt weiter: wie VT behandeln.
Geführte Übung: Du ergänzt den nächsten Schritt
Freie Antwort
Ein 51-jähriger Mann klagt über Herzrasen und Schwindel. Ergänze die Analyse: Die ersten beiden Schritte sind vorgegeben.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45530, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Schritt 1 (vorgegeben): Rhythmusstreifen: etwa 39 Komplexe in 10 s → etwa 235/min, regelmäßig.
- Schritt 2 (vorgegeben): In V4–V6 sind die Komplexe deutlich breiter als 120 ms; die Extremitätenableitungen sind niedrig und verrauscht.
- Deine Aufgabe: Benenne den Rhythmus als Arbeitsdiagnose und begründe den nächsten Schritt, bevor du an Medikamente denkst.
Multiple Choice
Eine 83-jährige Frau hat seit zwei Stunden Herzklopfen. RR 130/75 mmHg, wach, kein Brustschmerz. Ein Vor-EKG liegt noch nicht vor.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 7960, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Vorgegebene Befunde: regelmäßig, etwa 155/min, keine P-Wellen erkennbar, QRS etwa 140 ms. V1–V3 tiefe S-Zacken mit glattem Abstrich, I und aVL hohe, breite R-Zacken, V6 positiv ohne Q-Zacke, überdrehter Linkstyp. Welche Einordnung und welcher nächste Schritt passen am besten?
- a)Typisches LSB-Bild, also sicher SVT; Verapamil i.v. ist sicher.
- b)LSB-artige Breitkomplextachykardie, SVT mit LSB wahrscheinlich, aber nicht bewiesen; Vor-EKG beschaffen, Monitoring und Pads, bis zur Klärung wie VT behandeln.
- c)Wegen der fehlenden P-Wellen sicher VT; sofortige Defibrillation ohne Synchronisation.
Freie Antwort
Ein 48-jähriger Mann wird mit Herzrasen eingeliefert. Ergänze den Befund in den markierten Punkten.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45536, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Frequenz: ……
- Lassen sich QRS-Komplex und T-Welle voneinander trennen? ……
- Arbeitsdiagnose und erste Handlung: ……
Selbstständige Übung: Befunde selbst
Freie Antwort
Ein 63-jähriger Mann ist wach, RR 115/70 mmHg. Befunde das EKG systematisch und begründe, wie du die Tachykardie einordnest und behandelst.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV (erhöhte Zeilenhöhe). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45538, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Ein 81-jähriger Mann fühlt sich seit dem Morgen schwach. Monitor: Tachykardie um 125/min. Finde im EKG den Beweis für den Mechanismus.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45532, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Eine über 90-jährige Patientin hat seit Tagen Luftnot bei Belastung. Puls unregelmäßig. Befunde das EKG und entscheide, welche der beiden Differenzialdiagnosen wahrscheinlicher ist: Vorhofflimmern mit Linksschenkelblock oder präexzitiertes Vorhofflimmern.

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 5 mm/mV (halbe Verstärkung wegen hoher Ausschläge). Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14887, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Polymorphe VT, Torsade de pointes und Kammerflimmern
Polymorphe VT bedeutet: Die QRS-Komplexe ändern ihre Form von Schlag zu Schlag. Polymorphe VT werden oft schnell instabil und können in Kammerflimmern übergehen. Zwei Situationen musst du unterscheiden:
| Situation | Typische Ursache | Vorgehen |
|---|---|---|
| Polymorphe VT bei normalem QT | akute Myokardischämie | Ischämie behandeln (C03), Elektrotherapie nach Kreislauf |
| Polymorphe VT bei langem QT = Torsade de pointes | Medikamente, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Bradykardie, angeborenes Long-QT | Magnesium, Auslöser stoppen, Frequenz anheben |
Torsade de pointes (TdP) heißt „Spitzenumkehr": Die QRS-Ausschläge schwellen spindelförmig an und ab und scheinen sich um die Nulllinie zu drehen. Die Episoden sind oft kurz und hören von selbst auf – dann erlebt der Patient Schwindel oder eine Synkope. Eine anhaltende TdP kann in Kammerflimmern übergehen. Typisch beginnt sie nach einer Sequenz aus kurzem, langem und wieder kurzem Schlagabstand; Bradykardie und Pausen begünstigen sie.

Monitor-Ausdruck, Ableitung II, 25 mm/s, doppelte Verstärkung („X2"). Die blaue Hüllkurve wurde vom Urheber nachträglich eingezeichnet. Die Frequenzanzeige des Monitors („HR") ist während der Rhythmusstörung nicht verlässlich. Quelle: Panthro (en.wikipedia), Wikimedia Commons (File:Tosadesdepointes.jpg), gemeinfrei (Public Domain); unverändert übernommen, als verlustfreies WebP gespeichert.
Was siehst du? Sehr schnelle, breite Ausschläge, deren Höhe sich periodisch ändert: erst groß, dann klein, dann wieder groß. Die Spitzen zeigen mal nach oben, mal nach unten. Das ist das Bild der Torsade de pointes.
Akuttherapie der Torsade de pointes:
- Kein Puls oder instabil: Defibrillation (biphasisch mindestens 150 J) bzw. Reanimation (Einheit 6). Bei polymorpher VT ist eine Synchronisation auf die R-Zacke nicht zuverlässig möglich.
- Magnesium i.v. – auch bei normalem Magnesiumspiegel wirksam: Magnesium 8 mmol i.v. über 10 Minuten (entspricht etwa 2 g Magnesiumsulfat).
- Auslöser stoppen: alle QT-verlängernden Medikamente absetzen (welche das sind, lernst du in Einheit 7).
- Kalium hochnormal ausgleichen (Ziel 4,5–5,0 mmol/l), Magnesium und weitere Elektrolyte kontrollieren.
- Herzfrequenz anheben, wenn TdP trotz Magnesium wiederkehrt: Isoprenalin oder temporärer Schrittmacher (Overdrive-Stimulation). Eine höhere Frequenz verkürzt das QT und verhindert Pausen; Ziel ist eine Herzfrequenz von etwa 90–110/min.
- Kein Amiodaron: Es verlängert das QT zusätzlich.

Abbildung: Puls und Kreislauf bestimmen die sofortige Elektrotherapie; Magnesium kommt sofort, Auslöser und Elektrolyte werden gleichzeitig korrigiert, bei Rezidiven wird die Frequenz angehoben. Quelle: eigene Darstellung.
Kammerflimmern (VF) ist keine „schnelle Tachykardie" mehr: Die Kammern werden völlig ungeordnet erregt, es gibt keine abgrenzbaren QRS-Komplexe und keinen Auswurf. Im EKG siehst du unregelmäßige, wechselnd hohe Flimmerwellen (anfangs grob, später fein). Der Patient ist innerhalb von Sekunden bewusstlos und pulslos. Einzige wirksame Therapie ist die sofortige Defibrillation im Rahmen der Reanimation (Einheit 6). Kammerflattern ist der Übergang dazwischen: sehr schnell (über 250/min), regelmäßig, ohne Trennung von QRS und T.
Die vier Kammerrhythmen im Vergleich – und welche Elektrotherapie zu welchem gehört:

Abbildung: Je ungeordneter die Kammererregung, desto geringer der Auswurf. Mit Puls und monomorphem Bild wird synchronisiert, polymorph-instabil und pulslos wird unsynchronisiert defibrilliert (Energien: Einheit 6). Quelle: eigene Darstellung.
Merke (Kammerflimmern): Keine abgrenzbaren QRS-Komplexe am Monitor, der Patient bewusstlos und pulslos → sofort Reanimation und Defibrillation (Einheit 6). Ist der Patient dagegen wach und hat einen Puls, prüfe zuerst Elektroden und Kabel: Bewegungs- und Wackelartefakte können Flimmern vortäuschen.
Multiple Choice
Eine 74-jährige Patientin unter einem QT-verlängernden Medikament hat am Monitor wiederholt kurze Salven einer polymorphen Tachykardie mit spindelförmig wechselnder Amplitude. Zwischen den Salven ist sie wach, RR 120/70 mmHg, QTc 560 ms, Kalium 3,2 mmol/l. Welche Maßnahme kommt zuerst?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin / Medikation | 74 Jahre; QT-verlängerndes Medikament |
| Monitor | Kurze polymorphe Salven; spindelförmig wechselnde Amplitude |
| Zwischen den Salven | Wach; RR 120/70 mmHg |
| Messwerte | QTc 560 ms; Kalium 3,2 mmol/l |
- a)Amiodaron 300 mg i.v., um weitere Salven zu verhindern
- b)Magnesium 8 mmol i.v. über 10 Minuten, QT-verlängerndes Medikament absetzen, Kalium ausgleichen
- c)Adenosin 6 mg als schneller Bolus zur Diagnose
Stabile monomorphe VT behandeln und Ursachen suchen
Vor der Therapie: Monitoring, Defibrillator-Pads aufkleben, i.v. Zugang, 12-Kanal-EKG der Tachykardie dokumentieren (es ist später für Diagnose, Ablation und ICD-Entscheidung wertvoll), Blut für Kalium, Magnesium, Troponin, Nierenwerte und Blutgasanalyse.
Terminierung der stabilen, monomorphen VT:
| Option | Wann? | Wichtig |
|---|---|---|
| Synchronisierte elektrische Kardioversion | erste Wahl, wenn das Analgosedierungsrisiko vertretbar ist | Durchführung und Energie: Einheit 6 |
| Amiodaron i.v. | wenn das Sedierungsrisiko hoch ist oder als Alternative | 300 mg über 10–60 min, dann 900 mg über 24 h; wirkt langsamer |
| Procainamid i.v. | in den europäischen Algorithmen bevorzugtes Medikament | in Deutschland nicht zugelassen und meist nicht verfügbar |
| Ajmalin i.v. | Option bei VT ohne relevante strukturelle Herzerkrankung; höchstens 50 mg als Einzeldosis, nicht schneller als 10 mg/min | nur unter Monitoring und Defibrillationsbereitschaft, meist durch Kardiologie |
Die synchronisierte Kardioversion der monomorphen VT beginnt biphasisch mit 120–150 J und wird bei Erfolglosigkeit gesteigert (Einheit 6).

Abbildung: Das Sedierungsrisiko bestimmt die Wahl zwischen elektrischer Terminierung und Amiodaron; Ajmalin bleibt eine kardiologische Option ohne strukturelle Herzerkrankung. Quelle: eigene Darstellung.
Medikamente, die du bei unklarer Breitkomplextachykardie nicht gibst:
- Verapamil (und Diltiazem): Bei einer VT führen sie durch die negative Inotropie zu Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps oder Kammerflimmern. Ausnahme ist nur eine vom Kardiologen gesicherte seltene VT-Form.
- Adenosin nur, wenn die Breitkomplextachykardie regelmäßig und monomorph ist, der Verdacht auf eine SVT mit Schenkelblock begründet ist und keine Präexzitation bekannt ist – unter laufendem Rhythmusstreifen und mit Defibrillationsbereitschaft, dosiert wie in Einheit 4 (6 mg, bei Bedarf 12 mg, dann 18 mg). Endet die Tachykardie, spricht das für eine AV-Knoten-abhängige SVT. Bei unregelmäßiger oder polymorpher Breitkomplextachykardie kein Adenosin.
Die Medikamentenwahl hängt bei breiten Komplexen von der gesicherten Rhythmuseinordnung ab.
| Substanz | Bedingung | Gefahr / Grenze |
|---|---|---|
| Verapamil / Diltiazem | Nicht bei unklarer Breitkomplextachykardie | Bei VT Kollaps oder Kammerflimmern |
| Adenosin | Regelmäßig, monomorph; begründeter SVT-Verdacht; keine Präexzitation | Nicht bei unregelmäßiger oder polymorpher Tachykardie |
| Adenosin-Gabe | Rhythmusstreifen und Defibrillationsbereitschaft | Abruptes Ende spricht für AV-Knoten-abhängige SVT |
Nach der Terminierung – warum hatte der Patient eine VT?
| Frage | Untersuchung |
|---|---|
| Akute Ischämie? | Troponin, 12-Kanal-EKG im Sinusrhythmus; Koronardiagnostik, bei akutem Koronarsyndrom nach C03 |
| Narbe, Pumpfunktion, Klappen? | Echokardiographie (LVEF) |
| Kardiomyopathie, Myokarditis? | kardiale MRT, wenn Echo und Koronarien die Ursache nicht klären |
| Elektrolyte, Medikamente? | Kalium, Magnesium; Antiarrhythmika, Digitalis, QT-verlängernde Mittel (Einheit 7) |
Wie geht es weiter? Eine anhaltende VT ohne vorübergehende, behebbare Ursache ist meist eine Indikation für einen ICD zur Sekundärprävention (Einheit 8). Bei strukturell kranken Herzen kommen Betablocker dazu. Bei wiederkehrender VT ist die Katheterablation eine wichtige Option (Referenz: Sie wird in spezialisierten Zentren durchgeführt; Details sind nicht Teil dieser Einheit). Idiopathische VT ohne Herzerkrankung haben eine gute Prognose und lassen sich häufig durch Ablation heilen. Bei koronarer Herzkrankheit, gut tolerierter monomorpher VT und LVEF ≥ 40 % kann eine erfolgreiche Ablation in einem erfahrenen Zentrum statt eines ICD erwogen werden (ESC 2022).

Abbildung: Die Frage nach einer vorübergehenden, behebbaren Ursache verbindet die Diagnostik mit der ICD-Entscheidung. Quelle: eigene Darstellung.
Nicht anhaltende VT (NSVT): Salven von drei oder mehr ventrikulären Schlägen, die nach weniger als 30 Sekunden von selbst enden (Definition in Einheit 1). Beim Herzgesunden oft harmlos, bei struktureller Herzerkrankung ein Risikomarker – sie führt zur Echokardiographie und zur Suche nach einer Herzerkrankung.
Multiple Choice
Welche Kombination aus Erstmaßnahme und Ursachensuche passt zu einer stabilen monomorphen VT bei einem Patienten mit bekannter ischämischer Kardiomyopathie und niedrigem Sedierungsrisiko?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Rhythmus | Stabile monomorphe VT |
| Vorerkrankung | Bekannte ischämische Kardiomyopathie |
| Sedierungsrisiko | Niedrig |
- a)Synchronisierte Kardioversion in Analgosedierung; danach Troponin, Elektrolyte, Echo und Koronardiagnostik
- b)Verapamil 5 mg i.v.; bei Erfolg ambulante Kontrolle
- c)Abwarten, bis die VT von selbst endet; dann Langzeit-EKG
Fälle
Freie Antwort
Fall 1 – Aufgabe (Patientenvorstellung)
Herr K., 67 Jahre, hatte vor vier Jahren einen Vorderwandinfarkt. Seit 90 Minuten hat er Herzrasen und leichten Druck auf der Brust, der beim Eintreffen verschwunden ist. Er ist wach und orientiert, RR 110/70 mmHg, SpO₂ 96 %, keine Rasselgeräusche. Monitor: regelmäßige Breitkomplextachykardie 180/min, im 12-Kanal-EKG RSB-artige Form mit überdrehter Achse, ein einzelner schmaler Schlag im Rhythmusstreifen. Kalium 3,6 mmol/l.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patient / Vorgeschichte | Herr K., 67 Jahre; Vorderwandinfarkt vor 4 Jahren |
| Beschwerden | Seit 90 Minuten Herzrasen; Brustdruck bei Eintreffen verschwunden |
| Kreislauf | Wach, orientiert; RR 110/70 mmHg; SpO₂ 96 %; keine Rasselgeräusche |
| Monitor / EKG | Regelmäßig 180/min; breit; RSB-artige Form; überdrehte Achse; einzelner schmaler Schlag |
| Kalium | 3,6 mmol/l |
Aufgabe: Stelle den Patienten deiner Oberärztin in vier bis sechs Sätzen vor: Verdachtsdiagnose mit Begründung, gefährliche Alternative, Dringlichkeit und nächster Schritt.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Fall 2 – Aufgabe
Frau B., 54 Jahre, mit bekanntem Linksschenkelblock, kommt mit plötzlich begonnenem Herzrasen. RR 135/85 mmHg, wach, keine Luftnot. Das aktuelle EKG zeigt eine regelmäßige Breitkomplextachykardie mit 160/min. Im Vor-EKG vom letzten Jahr (Sinusrhythmus, 70/min) ist der QRS-Komplex in allen zwölf Ableitungen gleich geformt wie jetzt. Bei der Frau ist keine strukturelle Herzerkrankung bekannt; die letzte Echokardiographie war normal.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin | Frau B., 54 Jahre; bekannter Linksschenkelblock |
| Aktuell | Plötzliches Herzrasen; regelmäßige Breitkomplextachykardie 160/min |
| Kreislauf | RR 135/85 mmHg; wach; keine Luftnot |
| Vor-EKG | Vorjahr: Sinusrhythmus 70/min; QRS in allen 12 Ableitungen gleich geformt |
| Herzstruktur | Keine strukturelle Herzerkrankung bekannt; letztes Echo normal |
Was ist der beste nächste Schritt?
- a)Vagale Manöver; wenn erfolglos Adenosin unter Monitoring und Defibrillationsbereitschaft
- b)Sofortige unsynchronisierte Defibrillation
- c)Verapamil i.v. ohne Monitoring, da die SVT gesichert ist
Freie Antwort
Fall 3 – Aufgabe
Frau S., 72 Jahre, nimmt Sotalol wegen Vorhofflimmerns und hat vor drei Tagen zusätzlich Clarithromycin wegen einer Bronchitis erhalten. Sie hat Durchfall. Heute zweimal kurz „schwarz vor Augen". Am Monitor: Sinusbradykardie 52/min, QTc 580 ms, wiederholt Salven von 4–8 s Dauer mit schnellen, breiten, spindelförmig wechselnden Ausschlägen. Kalium 3,1 mmol/l, Magnesium 0,6 mmol/l.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Patientin / Medikamente | 72 Jahre; Sotalol bei VHF; seit 3 Tagen Clarithromycin |
| Beschwerden | Durchfall; heute zweimal kurz „schwarz vor Augen“ |
| Monitor | Sinusbradykardie 52/min; QTc 580 ms |
| Salven | 4–8 s; schnell, breit, spindelförmig wechselnde Ausschläge |
| Labor | Kalium 3,1 mmol/l; Magnesium 0,6 mmol/l |
Aufgabe: Benenne die Rhythmusstörung, die wahrscheinlichen Auslöser und deine Akutmaßnahmen in sinnvoller Reihenfolge.
In der App sprechen üben →Selbsteinschätzung
- Ich kann eine Breitkomplextachykardie definieren und ihre Ursachen nennen.
- Ich beurteile zuerst Puls und Kreislauf und weiß, dass ein stabiler Patient eine VT haben kann.
- Ich kann Capture- und Fusionsschläge erklären und im EKG suchen.
- Ich kenne die VT-Kriterien und weiß, dass ihr Fehlen keine SVT beweist.
- Ich erkenne ein typisches Schenkelblockbild und weiß, wann ein Vor-EKG die SVT belegt.
- Ich kann VHF mit Schenkelblock von präexzitiertem VHF unterscheiden.
- Ich kenne die Akuttherapie der stabilen VT und die Gründe gegen Verapamil.
- Ich erkenne Torsade de pointes und kenne Magnesium, Auslöserstopp, Kaliumausgleich und Frequenzanhebung als Therapie.
Instabilität & Elektrotherapie
Lernziel: Du kannst Instabilität erkennen und Kardioversion von Defibrillation abgrenzen.
In den Einheiten 2 bis 5 hast du Rhythmen erkannt und eingeordnet. Diese Einheit beantwortet die Frage, die am Krankenbett zuerst kommt: Ist der Kreislauf durch den Rhythmus gefährdet – und wenn ja, welcher Strom hilft jetzt? Du lernst, Instabilitätszeichen sicher zu erkennen, die synchronisierte Kardioversion von der Defibrillation zu unterscheiden, beide sicher vorzubereiten und eine instabile Bradykardie mit transkutanem Pacing zu überbrücken.
Rhythmus + Kreislauf = Entscheidung
Erst der Patient, dann der Streifen. Eine Herzrhythmusstörung ist für den Patienten so gefährlich, wie sie seinen Kreislauf beeinträchtigt. Dieselbe Herzfrequenz kann ein junger Mensch kaum spüren, während ein älterer Patient mit eingeschränkter Pumpfunktion dabei in den Schock gerät. Deshalb beginnst du nicht mit der EKG-Diagnose, sondern mit der strukturierten Erstuntersuchung.
ABCDE in Kürze (Brücke zu A05):
| Schritt | Was du prüfst | Bezug zur Rhythmusstörung |
|---|---|---|
| A – Atemweg | frei, gefährdet? | Bewusstseinsstörung durch Minderperfusion |
| B – Atmung | Atemfrequenz, SpO₂, Rasselgeräusche | Lungenödem bei Herzinsuffizienz |
| C – Kreislauf | Puls (Frequenz, Rhythmus), Blutdruck, Rekapillarisierung, Haut | Schockzeichen |
| D – Neurologie | Bewusstsein, Orientierung | zerebrale Minderperfusion, Synkope |
| E – Erweitert | Brustschmerz, Medikamente, Ödeme | Ischämie, Auslöser |
Parallel dazu: Monitor-EKG und Defibrillator-Pads, i.v.-Zugang, Sauerstoff nach SpO₂ (Ziel 94–98 %), Blutentnahme (Elektrolyte mit Kalium und Magnesium, Blutbild, Troponin, ggf. Blutgasanalyse). Ein 12-Kanal-EKG schreibst du immer dann, wenn es die Behandlung nicht verzögert: Bei stabilen Patienten ist es Pflicht, bei instabilen kommt es nach der Akutmaßnahme – der Monitorstreifen vor und nach dem Schock wird dokumentiert.
Abbildung: ABCDE in fünf Schritten. Rot markiert ist der Kreislauf, weil hier die Schockgrenze liegt. Der Zustand des Patienten entscheidet, ob das 12-Kanal-EKG vor oder nach der Akutmaßnahme kommt.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC/GRC-Leitlinien 2025, Erweiterte lebensrettende Maßnahmen für Erwachsene.
Die vier Instabilitätszeichen (ERC/GRC-Leitlinien 2025). Ein Patient mit Tachy- oder Bradykardie gilt als instabil, wenn mindestens eines dieser Zeichen vorliegt und durch die Rhythmusstörung erklärt ist:
| Instabilitätszeichen | Woran du es erkennst |
|---|---|
| Schock | Hypotonie (z. B. systolisch < 90 mmHg), blasse, kaltschweißige Haut, verlängerte Rekapillarisierung, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung |
| Synkope | kurzer Bewusstseinsverlust durch zerebrale Minderdurchblutung |
| Myokardischämie | Brustschmerz (Angina pectoris) oder Ischämiezeichen im 12-Kanal-EKG |
| Herzinsuffizienz | Lungenödem (Dyspnoe, Rasselgeräusche, SpO₂-Abfall), gestaute Halsvenen |
Zwei Ergänzungen, die Fehler verhindern:
- Eine hohe Frequenz allein ist kein Instabilitätszeichen. 170/min bei einem wachen Patienten mit RR 135/80 ist eine stabile Tachykardie. Entscheidend ist die Wirkung auf Kreislauf und Organe.
- Ursache und Folge trennen. Eine Sinustachykardie bei Blutung oder Sepsis ist die Antwort auf den Schock, nicht seine Ursache. Hier behandelst du die Grundkrankheit – ein Schock mit dem Defibrillator würde schaden. Die Elektrotherapie dieser Einheit gilt für Rhythmen, die selbst den Kreislauf gefährden (VHF, Vorhofflattern, SVT, VT, schwere Bradykardie).
Kein Puls = andere Situation. Tastest du keinen Puls bei einem reaktionslosen Patienten, liegt ein Kreislaufstillstand vor: Dann gilt der Reanimationsalgorithmus (Schritt S06), nicht die Instabilitätsprüfung.
Entscheidungsweg bei Tachy- und Bradykardie: Erst Puls, dann Instabilitätszeichen, dann die passende Maßnahme. Achte auf die Ausnahme im mittleren Weg: Bei AV-Block III° mit breitem QRS kein Atropin. Startenergien in Schritt S03, die Bradykardie-Stufen in Schritt S07.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC/GRC-Leitlinien 2025, Erweiterte lebensrettende Maßnahmen für Erwachsene (Periarrest-Arrhythmien).
Multiple Choice
Vier Patienten auf der Aufnahmestation haben eine Tachykardie. Welcher Patient ist nach den Instabilitätszeichen instabil?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Patient | Rhythmus / Alter | Klinische Angaben |
|---|---|---|
| A | 29 Jahre; regelmäßig 190/min | RR 118/76; wach; Herzklopfen, keine Dyspnoe |
| B | 74 Jahre; VHF 150/min | RR 104/68; AF 30/min; feuchte Rasselgeräusche, SpO₂ 86 % |
| C | 45 Jahre; Sinustachykardie 125/min | RR 122/70; 39,4 °C; wach und orientiert |
| D | 66 Jahre; Vorhofflattern 140/min | RR 128/80; leichtes Unwohlsein, keine Brustschmerzen |
- a)29-jährige Patientin, regelmäßige Tachykardie 190/min, wach, RR 118/76, Herzklopfen, keine Dyspnoe
- b)74-jähriger Patient, Vorhofflimmern 150/min, RR 104/68, Atemfrequenz 30/min, feuchte Rasselgeräusche beidseits, SpO₂ 86 %
- c)45-jähriger Patient mit Fieber 39,4 °C, Sinustachykardie 125/min, RR 122/70, wach und orientiert
- d)66-jährige Patientin, Vorhofflattern 140/min, RR 128/80, leichtes Unwohlsein, keine Brustschmerzen
Zwei Patienten, derselbe Rhythmus
Die Leitfrage dieses Kapitels lautet: Wann wird ein veränderter Herzrhythmus für den Patienten gefährlich? Hier siehst du die Antwort an zwei Patienten, deren Monitor das gleiche Bild zeigt.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Für das Beispiel nehmen wir an, dass beide Patienten dieses EKG haben.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14102, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Schritt 1 – Rhythmus verstehen.
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Rhythmus | unregelmäßig (RR-Abstände wechseln ohne Muster), keine P-Wellen, unruhige Grundlinie (z. B. V1) |
| Frequenz | ca. 170/min (28 QRS-Komplexe in 10 s) |
| Lagetyp | Indifferenz- bis Linkstyp |
| PQ | entfällt (keine P-Wellen) |
| QRS | schmal (< 120 ms) |
| QT/QTc | bei dieser Frequenz nicht sinnvoll beurteilbar |
| ST/T | unspezifische ST-T-Veränderungen, bei hoher Frequenz nur im Verlauf beurteilbar |
| Beurteilung | Vorhofflimmern mit schneller Kammerüberleitung (Tachyarrhythmia absoluta) |
Schritt 2 – Kreislauf beurteilen.
| Merkmal | Patient A | Patient B |
|---|---|---|
| Person | 67-jähriger Mann, Herzrasen seit 6 Stunden | 71-jährige Frau, Herzrasen seit dem Vormittag |
| Bewusstsein | wach, orientiert | verwirrt, schläfrig |
| Blutdruck | 135/80 mmHg | 75/40 mmHg |
| Haut | warm, rosig | blass, kaltschweißig, marmoriert |
| Atmung | 16/min, SpO₂ 97 % | 24/min, SpO₂ 93 % |
| Brustschmerz | nein | nein |
| Instabilitätszeichen | keines | Schock (Hypotonie, Zentralisation, Bewusstseinsstörung) |
Schritt 3 – Behandlung abwägen und Prioritäten begründen.
Patient A – stabil. Er ist nicht unmittelbar gefährdet; du hast Zeit für eine geordnete Diagnostik:
- Monitor, Zugang, Labor (Kalium, Magnesium, TSH, Kreatinin, Blutbild), 12-Kanal-EKG archivieren, Echokardiografie planen.
- Auslöser suchen (Infekt, Hyperthyreose, Alkohol, Herzinsuffizienz, Elektrolyte).
- Frequenzkontrolle medikamentös – Substanzwahl und Dosierung in Einheit 3.
- Antikoagulationsfrage stellen: Schlaganfallrisiko (CHA₂DS₂-VA), Blutungsrisiko und – falls eine Rhythmuskontrolle erwogen wird – die Dauer des Vorhofflimmerns. Eine elektive Kardioversion setzt einen Antikoagulationsplan voraus (Einheit 3).
Patientin B – instabil. Der Schock entsteht durch die schnelle, unkoordinierte Kammeraktion. Medikamente wirken zu langsam und senken oft zusätzlich den Blutdruck. Deshalb:
- Hilfe rufen (Anästhesie/Intensiv), Pads kleben, Sauerstoff nach SpO₂, Atemwegsmaterial bereitlegen.
- Sofortige synchronisierte elektrische Kardioversion in kurzer Analgosedierung. Bei Vorhofflimmern empfiehlt die ERC-Leitlinie 2025 einen ersten Schock mit der maximalen Energie des Geräts.
- Die Antikoagulation wird so früh wie möglich begonnen, darf die Notfall-Kardioversion aber nicht verzögern (Einzelheiten: Einheit 3).
- Nach dem Schock: Puls, Blutdruck, Bewusstsein, 12-Kanal-EKG, Ursachen behandeln, Überwachung auf der Intensiv- oder Überwachungsstation.
Merksatz: Gleicher Rhythmus, andere Entscheidung – der Kreislaufstatus legt die Dringlichkeit und die Methode fest.
Abbildung: Dasselbe EKG, zwei Wege. Lies die Spalten von oben nach unten: Die Kreislaufbefunde in der ersten Zeile entscheiden, welche Spalte gilt.
Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
Ein dritter Patient, 59 Jahre, hat ebenfalls dieses EKG. Er ist wach, RR 112/70 mmHg, klagt aber seit 20 Minuten über drückenden retrosternalen Schmerz; im 12-Kanal-EKG finden sich neue ST-Senkungen. Ordne den Patienten als stabil oder instabil ein und begründe deine erste Maßnahme in zwei bis drei Sätzen.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Person | 59 Jahre; wach |
| Kreislauf | RR 112/70 mmHg |
| Beschwerden | Seit 20 Minuten drückender retrosternaler Schmerz |
| EKG | Neue ST-Senkungen |
Synchronisierte Kardioversion und Defibrillation
Was der Strom macht. Ein kurzer, starker Gleichstromimpuls über die Thoraxwand depolarisiert gleichzeitig einen Großteil der Herzmuskelzellen. Kreisende Erregungen (Reentry) verlieren damit ihre erregbare Lücke und erlöschen. Nach der „elektrischen Stille“ übernimmt normalerweise der Sinusknoten als schnellstes Zentrum wieder die Führung. Ist der Sinusknoten krank, springt ein langsameres Ersatzzentrum ein (junktional etwa 40–60/min, ventrikulär 20–40/min, Einheit 1) – oder es folgt eine Asystolie.
Abbildung: Der Schock beendet die kreisende Erregung, ersetzt aber keinen Taktgeber. Deshalb hältst du nach jeder Kardioversion Atropin und Pacing bereit.
Quelle: eigene Darstellung.
Das Problem der vulnerablen Phase. Während der Repolarisation – im Bereich des aufsteigenden Schenkels und Gipfels der T-Welle – ist ein Teil der Zellen schon wieder erregbar, ein anderer noch nicht. Ein Stromstoß genau in dieser Phase kann Kammerflimmern auslösen. Deshalb unterscheidet man zwei Arten, den Schock abzugeben:
| Merkmal | Synchronisierte Kardioversion | Defibrillation |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Gerät erkennt die R-Zacke und gibt den Schock unmittelbar danach ab | sofort, ohne Bezug zum EKG |
| Wofür | Tachykardien mit Puls und erkennbaren QRS-Komplexen: VHF, Vorhofflattern, SVT, monomorphe VT | Kammerflimmern und pulslose VT (Kreislaufstillstand) |
| Patient | meist wach → Analgosedierung | bewusstlos, unter Reanimation |
| Taste | „SYNC“ einschalten und Markierungen prüfen | SYNC aus (bei den meisten Geräten Grundeinstellung) |
Schockzeitpunkt: Beim synchronisierten Schock wartet das Gerät auf die R-Zacke und gibt den Strom kurz danach ab; die vulnerable Phase wird vermieden. Blockdarstellung, keine EKG-Kurve, Zeitachse nicht maßstäblich.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024 (Elektrotherapie) und ERC/GRC-Leitlinien 2025.
Warum nicht bei Kammerflimmern synchronisieren? Beim Kammerflimmern gibt es keine R-Zacken, auf die das Gerät warten könnte – der Schock würde nie ausgelöst. Auch bei polymorpher VT wechseln die Komplexe so stark, dass die Synchronisation unzuverlässig ist; ist der Patient instabil, wird sie wie Kammerflimmern unsynchronisiert mit Defibrillationsenergie behandelt.
Energie (biphasische Geräte, Startwerte nach ERC/GRC 2025). Die genaue Energie hängt vom Gerät ab (Impulsform); maßgeblich ist die Herstellerangabe deines Geräts. Kenne die Einstellung an deinem Arbeitsplatz, bevor du sie brauchst. Kennst du bei der Defibrillation die Herstellerangabe nicht, wählst du bei Erwachsenen die höchste Energiestufe (ERC/GRC 2025).
| Rhythmus | Modus | Erster Schock |
|---|---|---|
| Vorhofflimmern | synchronisiert | maximale Energie des Geräts (kein schrittweises Steigern) |
| Vorhofflattern, paroxysmale SVT | synchronisiert | 70–120 J, bei Erfolglosigkeit steigern |
| monomorphe VT mit Puls | synchronisiert | 120–150 J, bei Erfolglosigkeit steigern |
| Kammerflimmern, pulslose VT (und instabile polymorphe VT) | unsynchronisiert | biphasisch mindestens 150 J (gepulst biphasisch 130–150 J) bzw. nach Herstellerangabe |
Abbildung: Zuerst den Modus festlegen, dann die rhythmusspezifische Energie am eigenen Gerät wählen. Die Kästen innerhalb eines Astes sind Alternativen, keine Reihenfolge.
Quelle: eigene Darstellung.
Bleibt der Patient nach den Kardioversionsversuchen instabil, empfiehlt die ERC-Leitlinie Amiodaron 300 mg i.v. über 10–20 Minuten und dann einen erneuten Kardioversionsversuch.
Durchführung der synchronisierten Kardioversion – Schritt für Schritt
| Schritt | Begründung |
|---|---|
| 1. Hilfe holen, Defibrillator, Monitor, Sauerstoff, Absaugung, Atemwegsmaterial bereit | Sedierung kann Atmung und Kreislauf dämpfen |
| 2. Kurz aufklären, wenn der Zustand es erlaubt; sonst mutmaßlicher Wille | Einwilligung auch im Notfall so weit wie möglich |
| 3. Pads auf trockene Haut: anterolateral (rechts unter dem Schlüsselbein, links in der mittleren Axillarlinie unter der Achsel) oder anterior-posterior | guter Kontakt, Strom fließt durch das Herz |
| 4. Bei Schrittmacher/ICD: Pad mehr als 8 cm vom Aggregat entfernt oder andere Position | schützt das Gerät und verbessert den Stromfluss |
| 5. SYNC einschalten und prüfen, ob jede R-Zacke markiert ist (nicht die T-Welle); sonst Ableitung oder Amplitude wechseln | Fehlsynchronisation auf die T-Welle kann Kammerflimmern auslösen |
| 6. Energie wählen | siehe Tabelle |
| 7. Analgosedierung (z. B. Propofol, titriert, nach lokalem Standard) | Schock ist sehr schmerzhaft |
| 8. Sauerstoffmaske mindestens 1 m vom Thorax entfernen | Brandgefahr |
| 9. „Achtung, Schock – alle weg!“, Sichtkontrolle, laden, Schocktaste gedrückt halten, bis der Schock fällt | Der Schock wird erst mit der nächsten R-Zacke abgegeben |
| 10. Sofort Rhythmus, Puls und Blutdruck prüfen | Erfolg? Asystolie, Bradykardie oder Kammerflimmern? |
| 11. Vor jedem weiteren Schock SYNC erneut prüfen | viele Geräte schalten nach einem Schock auf unsynchronisiert zurück |
| 12. Überwachen bis wach; 12-Kanal-EKG; Dokumentation | Rhythmus vor/nach, Energie, Zahl der Schocks, Medikamente, Komplikationen |
Abbildung: Die zwölf Tabellenschritte, zu fünf Stationen gebündelt. Die Ergebniszeile zeigt, was du nach dem Schock für jedes der vier möglichen Monitorbilder tust.
Quelle: eigene Darstellung.
Bedienfeld eines Monitor-Defibrillators: Mit SYNC schaltest du die Synchronisation auf die R-Zacke ein, mit ENERGIEWAHL stellst du die Energie ein, mit LADEN lädst du, und die runde Blitztaste gibt den Schock ab. Das grüne Feld darunter (STIMUL, FREQUENZ, STROM, PAUSE) steuert das transkutane Pacing (Schritt S07). Lage und Namen der Tasten unterscheiden sich je nach Hersteller – präge sie dir an deinem Gerät ein.
Quelle: Bernhard Wintersperger, Wikimedia Commons (File:Lifepak 15 (14022035345).jpg, ursprünglich Flickr), CC BY 2.0; auf das Tastenfeld zugeschnitten, als WebP gespeichert.
Komplikationen und Grenzen
- Hautrötung oder Verbrennung unter den Pads.
- Bradykardie oder Asystolie direkt nach der Konversion (bei Sinusknotenerkrankung) → Atropin oder Pacing bereithalten.
- Kammerflimmern bei falscher Synchronisation → sofort unsynchronisiert defibrillieren.
- Thromboembolie nach Kardioversion von VHF oder Vorhofflattern → Antikoagulationsplan (Einheit 3).
- Atemdepression, Aspiration oder Blutdruckabfall durch die Sedierung.
- Funktionsstörung eines Schrittmachers oder ICD → Gerät danach kontrollieren lassen (Einheit 8).
- Bei nicht lebensbedrohlichen Tachykardien unter Digitalis-Intoxikation ist die Kardioversion kontraindiziert (Gefahr schwer behandelbarer Kammerarrhythmien).
Die Tabelle verbindet wichtige Komplikationen mit ihrer unmittelbaren Konsequenz.
| Komplikation | Konsequenz |
|---|---|
| Bradykardie / Asystolie | Atropin oder Pacing bereithalten |
| Kammerflimmern bei Fehlsynchronisation | Sofort unsynchronisiert defibrillieren |
| Thromboembolie bei VHF / Flattern | Antikoagulationsplan beachten |
| Schrittmacher-/ICD-Funktionsstörung | Gerät nach dem Schock kontrollieren lassen |
Multiple Choice
Warum wird eine Tachykardie mit Puls synchronisiert kardiovertiert und nicht einfach defibrilliert?
Die Tabelle stellt die Ausgangslage und die zu vergleichenden Verfahren zusammen.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Ausgangslage | Tachykardie mit Puls |
| Verfahren 1 | Synchronisierte Kardioversion |
| Verfahren 2 | Defibrillation |
- a)Weil der synchronisierte Schock weniger Energie braucht und deshalb keine Sedierung nötig ist.
- b)Weil der Schock dann nicht in die vulnerable Phase der T-Welle fällt und kein Kammerflimmern auslöst.
- c)Weil nur der synchronisierte Schock die Erregung des Sinusknotens erhält.
Multiple Choice
Du hast eine Patientin mit instabilem Vorhofflattern synchronisiert kardiovertiert. Der Rhythmus ist unverändert, die Patientin bleibt hypoton. Du willst einen zweiten Schock mit höherer Energie geben. Was prüfst du vor dem Laden unbedingt?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vor dem ersten Schock | Instabiles Vorhofflattern |
| Erster Schock | Synchronisierte Kardioversion |
| Danach | Rhythmus unverändert; Patientin bleibt hypoton |
| Geplant | Zweiter Schock mit höherer Energie |
- a)Ob der SYNC-Modus noch aktiv ist und jede R-Zacke markiert wird.
- b)Ob seit dem ersten Schock mindestens 2 Minuten vergangen sind.
- c)Ob die Pads in die anterior-posteriore Position umgeklebt wurden.
Geführte Übung: Modus und Energie wählen
Bei den folgenden Patienten ist die Instabilität schon festgestellt. Deine Aufgabe ist der nächste Schritt: Rhythmus einordnen, Modus und Energie wählen.
Multiple Choice
78-jähriger Mann, seit zwei Stunden Herzrasen und Luftnot. RR 82/50 mmHg, kaltschweißig, SpO₂ 89 %, feuchte Rasselgeräusche basal. Das 12-Kanal-EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 8683, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Hilfestellung: Die Kammerfrequenz ist streng regelmäßig und liegt bei ca. 155/min. Achte in II, III und aVF auf die Wellen zwischen den QRS-Komplexen. Welche Maßnahme passt?
- a)Unsynchronisierte Defibrillation mit 150 J
- b)Synchronisierte Kardioversion, Start mit 70–120 J, in Analgosedierung
- c)Synchronisierte Kardioversion, nur möglich nach 3 Wochen Antikoagulation
Freie Antwort
52-jährige Patientin, plötzlich einsetzendes Herzrasen vor 40 Minuten, jetzt kurz bewusstlos auf der Toilette, beim Eintreffen wieder wach, aber blass, RR 78/50 mmHg. Das 12-Kanal-EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1919, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Die ersten zwei Schritte sind schon ausgefüllt. Ergänze Schritt 3 bis 5.
- Rhythmus: regelmäßige Schmalkomplextachykardie, ca. 170/min, keine P-Wellen erkennbar.
- Kreislauf: Synkope und Hypotonie → instabil.
- Maßnahme und Modus: …
- Energie: …
- Vorbereitung und Sicherheit (drei Punkte): …
Selbstständige Anwendung: VT mit und ohne Puls
Freie Antwort
63-jähriger Mann, Z. n. Vorderwandinfarkt vor 4 Jahren, seit einer Stunde Herzrasen und Brustdruck. Er ist wach, ansprechbar, Puls tastbar, RR 84/56 mmHg, kaltschweißig. Das 12-Kanal-EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45541, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG kurz, beurteile den Kreislauf und beschreibe dein Vorgehen bis nach dem ersten Schock.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Auf der Intensivstation wird ein 70-jähriger Patient plötzlich bewusstlos. Er atmet nicht normal, ein Puls ist nicht tastbar. Der Monitor zeigt:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Für die Aufgabe als Monitorbild verwendet.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45539, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Der Defibrillator ist am Bett angeschlossen, der Beginn wurde am Monitor beobachtet. Was ist der nächste Schritt?
- a)SYNC einschalten, Propofol geben und synchronisiert mit 150 J kardiovertieren
- b)Amiodaron 300 mg i.v. geben und den Effekt abwarten
- c)Sofort unsynchronisiert defibrillieren; bei beobachtetem Beginn mit sofort verfügbarem Defibrillator bis zu drei Schocks in Folge erwägen, dann CPR
Defibrillation im Kreislaufstillstand (Brücke zu B01)
Die vollständige Reanimation lernst du in Kapitel B01. Hier geht es nur um die Verbindung zur Rhythmusstörung: Welche Rhythmen werden geschockt, und wann kommen Adrenalin und Amiodaron?
| Gruppe | Rhythmen | Konsequenz |
|---|---|---|
| schockbar | Kammerflimmern (VF), pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT) | Defibrillation, so früh wie möglich |
| nicht schockbar | pulslose elektrische Aktivität (PEA), Asystolie | kein Schock; CPR und Adrenalin so früh wie möglich |
Ablauf bei schockbarem Rhythmus (ERC/GRC 2025):
- Ein Schock, dann sofort 2 Minuten Herzdruckmassage ohne Pulskontrolle; danach neue Rhythmusanalyse.
- Während das Gerät lädt, wird weiter gedrückt; die Pause für den Schock bleibt so kurz wie möglich.
- Erste Pad-Position: anterolateral. Nach drei erfolglosen Schocks kann ein Wechsel auf anterior-posterior erwogen werden.
- Nach dem 3. Schock: Adrenalin 1 mg i.v./i.o. und Amiodaron 300 mg i.v./i.o.
- Adrenalin alle 3–5 Minuten wiederholen.
- Nach dem 5. Schock: Amiodaron 150 mg. (Alternative, wenn Amiodaron nicht verfügbar: Lidocain 100 mg, nach dem 5. Schock 50 mg.)
Bei nicht schockbarem Rhythmus: Adrenalin 1 mg so früh wie möglich, dann alle 3–5 Minuten; bei jeder Rhythmusanalyse prüfen, ob inzwischen ein schockbarer Rhythmus vorliegt. Transkutanes Pacing ist bei Asystolie keine Routinemaßnahme.
Immer parallel: reversible Ursachen suchen – 4 H (Hypoxie, Hypovolämie, Hypo-/Hyperkaliämie und andere metabolische Störungen, Hypothermie) und HITS (Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thrombose koronar oder pulmonal, Spannungspneumothorax).
ALS-Kurzschema für die Rhythmusentscheidung. Vereinfacht: Atemwegssicherung, Kapnografie und Post-Reanimationsbehandlung lernst du in Kapitel B01.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC/GRC-Leitlinien 2025, Erweiterte lebensrettende Maßnahmen für Erwachsene.
Ausgearbeitetes Beispiel: Ein echter Monitorstreifen mit Schock
Monitorstreifen, eine Ableitung (laut Originalbeschreibung Ableitung II). Papiervorschub und Kalibrierung sind auf dem Ausschnitt nicht angegeben.
Quelle: Displaced, Wikimedia Commons (File:Torsades_converted_by_AICD_ECG_strip_Lead_II.JPG), gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten (Gerätetext oben und unten entfernt), verlustfrei als WebP gespeichert.
So liest du den Streifen:
- Links: sehr schnelle, breite Kammerkomplexe, deren Amplitude sich spindelförmig an- und abschwellend verändert – eine polymorphe VT. Das Bild passt zu einer Torsade de pointes; diese Diagnose setzt aber ein langes QT vor dem Ereignis voraus, das auf dem Ausschnitt nicht zu sehen ist (Einheit 5 und 7).
- Rechts: ein senkrechter Ausschlag mit anschließendem großem Abfall der Grundlinie – ein Schockartefakt.
- Danach: langsame, wieder geordnete Eigenaktionen.
Ehrlich bleiben: Nach der Beschreibung des Urhebers hat ein implantierter Defibrillator (ICD) den Schock abgegeben; der Streifen wurde über Klebe-Pads eines externen Monitors aufgezeichnet. Ob der Schock vom ICD oder von außen kam, lässt sich am Bild selbst nicht prüfen. Für die Lehre zählt: Eine polymorphe Kammertachykardie mit Kreislaufstillstand wird unsynchronisiert geschockt – vom ICD automatisch oder von dir mit dem Defibrillator. Nach dem Schock prüfst du Puls und Kreislauf; ohne Puls trotz geordneter Komplexe läge eine PEA vor.
Multiple Choice
Reanimation bei Kammerflimmern. Der dritte Schock ist gerade abgegeben, die Herzdruckmassage läuft wieder. Ein i.v.-Zugang liegt. Welche Medikamente gibst du jetzt?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Rhythmus | Kammerflimmern |
| Bisher | Dritter Schock gerade abgegeben |
| Aktuell | Herzdruckmassage läuft wieder |
| Zugang | i.v.-Zugang vorhanden |
- a)Noch keine; Adrenalin erst nach dem fünften Schock
- b)Adrenalin 1 mg und Amiodaron 300 mg
- c)Amiodaron 150 mg und Atropin 0,5 mg
Lesetext und Beispiele: Instabile Bradykardie und transkutanes Pacing
Ausgangslage. Eine Bradykardie wird gefährlich, wenn das Herzzeitvolumen nicht mehr reicht: Schock, Synkope, Myokardischämie oder Herzinsuffizienz – dieselben vier Zeichen wie bei der Tachykardie. Die medikamentöse Stufe (Atropin, bei Bedarf Adrenalin- oder Isoprenalin-Infusion) und die reversiblen Ursachen (Medikamente, Hyperkaliämie, inferiorer Infarkt, Hypothermie) hast du in Einheit 2 gelernt. Hier geht es um die elektrische Überbrückung, wenn Medikamente nicht reichen oder voraussichtlich nicht wirken – etwa bei einem AV-Block III. Grades mit breitem, langsamem Ersatzrhythmus. Zur Erinnerung (ERC/GRC 2025): Atropin 0,5 mg i.v., bei Bedarf alle 3–5 Minuten bis maximal 3 mg, danach Adrenalin 2–10 µg/min oder Isoprenalin 5 µg/min als Infusion – bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS und nach Herztransplantation kein Atropin.
Abbildung: Die Stufen der instabilen Bradykardie. Der rote Weg zeigt, wann du Atropin überspringst und direkt überbrückst.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC/GRC-Leitlinien 2025, Erweiterte lebensrettende Maßnahmen für Erwachsene.
Prinzip. Zwei großflächige Klebeelektroden leiten Stromimpulse durch den Thorax. Überschreitet der Impuls die Reizschwelle des Myokards, folgt auf jeden Stimulationsimpuls eine Kammererregung. Das transkutane Pacing ist schnell verfügbar (jeder moderne Defibrillator hat es), aber schmerzhaft und unzuverlässig – es ist eine Brücke zum transvenösen Schrittmacher und zur Ursachenbehandlung.
Durchführung – Schritt für Schritt
| Schritt | Begründung |
|---|---|
| 1. Patient aufklären, soweit möglich; Monitor-EKG-Kabel des Defibrillators zusätzlich anlegen | Das Gerät braucht ein eigenes EKG, um im Demand-Modus Eigenschläge zu erkennen |
| 2. Pads anterior-posterior (links präkordial über der Herzspitze und Rücken links zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule) oder anterolateral, nach Herstellerangabe | Stromfluss durch das Herz; anterior-posterior oft niedrigere Schwelle |
| 3. Demand-Modus (Bedarfsmodus) wählen | Der Schrittmacher stimuliert nur, wenn kein Eigenschlag kommt – kein Impuls in die vulnerable Phase |
| 4. Frequenz einstellen, meist 60–80/min | genug für ein ausreichendes Herzzeitvolumen |
| 5. Stromstärke von niedrig aus steigern, bis elektrisches Capture sichtbar ist: nach jedem Stimulationsimpuls ein breiter QRS-Komplex mit T-Welle; dann etwas darüber einstellen (häufig 5–10 mA über der Schwelle) | Schwellen liegen oft zwischen 40 und 80 mA, mit großer Streuung |
| 6. Mechanisches Capture prüfen: Femoralispuls (oder arterielle Druckkurve, Pulsoxymetriekurve) mit der eingestellten Frequenz, Blutdruck steigt | Am Hals täuschen Muskelzuckungen einen Karotispuls vor |
| 7. Analgosedierung titriert nach lokalem Standard | Muskelkontraktionen der Thoraxwand sind sehr schmerzhaft |
| 8. Transvenösen Schrittmacher und Ursachenbehandlung organisieren, Intensivüberwachung | transkutan nur zur Überbrückung |
| 9. Dokumentieren: Indikation, Modus, Frequenz, Stromstärke, Capture, Medikamente | Nachvollziehbarkeit, Übergabe |
Abbildung: Ein breiter stimulierter QRS beweist noch keinen wirksamen Kreislauf. Erst der Femoralispuls entscheidet, welcher der drei Wege gilt.
Quelle: eigene Darstellung.
Bedienfeld eines anderen Herstellers: Für das transkutane Pacing stellst du den Drehschalter auf SCHRITTM. (Schrittmacher). An den beiden Reglern darunter wählst du die FREQUENZ (ppm = Impulse pro Minute) und steigerst den STROM (mA) bis zum Capture. Solange du die Taste 4:1 gedrückt hältst, gibt das Gerät nur ein Viertel der Impulse ab – so wird der Eigenrhythmus kurz sichtbar.
Quelle: Bernhard Wintersperger, Wikimedia Commons (File:Zoll (14021999475).jpg, ursprünglich Flickr), CC BY 2.0; auf das Bedienfeld zugeschnitten (Bildschirm mit Kurven entfernt), als WebP gespeichert.
Grenzen und Fallstricke
- Elektrisches Capture ohne Puls bedeutet keinen Kreislauf: Fehlt der Femoralispuls trotz Capture, liegt eine pulslose elektrische Aktivität vor → Reanimation.
- Große Stimulationsartefakte können Eigenkomplexe oder Kammerflimmern auf dem Monitor verdecken; im Zweifel kurz pausieren oder den Patienten klinisch beurteilen.
- Adipositas, Emphysem, Pleuraerguss, schlechter Pad-Kontakt erhöhen die Reizschwelle; manchmal gelingt kein Capture.
- Bei Asystolie im Kreislaufstillstand ist Pacing keine Routinemaßnahme.
- Bis das Gerät bereit ist, kann nach ERC 2025 eine „Faustschlag-Stimulation“ (rhythmische Faustschläge auf das untere Sternum) versucht werden; sie ersetzt das Pacing nicht.
Elektrisches und mechanisches Capture prüfst du getrennt:
| Merkmal | Elektrisches Capture | Mechanisches Capture |
|---|---|---|
| Wo du es siehst | Monitor: nach jedem Impuls breiter QRS mit T-Welle | Femoralispuls, Blutdruck, Pulsoxymetriekurve |
| Was es beweist | Die Kammer wird erregt | Die Kammer wirft aus |
| Wenn es fehlt | Strom steigern, Pad-Kontakt und Position prüfen | Kein Puls trotz Capture = PEA → Reanimation |
Ausgearbeitetes Beispiel: Bradykardie mit Schock
81-jährige Frau, seit dem Morgen „schwach und schwindlig“, jetzt somnolent. RR 72/40 mmHg, kalte Extremitäten, SpO₂ 93 %. Das 12-Kanal-EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12521, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Rhythmus | P-Wellen regelmäßig, ca. 115/min; QRS-Komplexe regelmäßig, ca. 33/min; keine feste Beziehung zwischen P und QRS (PQ wechselt ständig) |
| Frequenz | Vorhof ca. 115/min, Kammer ca. 33/min |
| Lagetyp | in den flachen Extremitätenableitungen nicht sicher bestimmbar |
| PQ | wechselnd – keine Überleitung |
| QRS | eher schmal (um 90 ms) → Ersatzzentrum wahrscheinlich hoch (junktional) |
| QT | ca. 470 ms; bei so langsamer Frequenz nicht sinnvoll korrigierbar |
| ST/T | auffallend hohe, spitze T-Wellen in V2–V4 |
| Beurteilung | AV-Block III. Grades mit langsamem Ersatzrhythmus |
Entscheidung:
- Instabil (Schock, Bewusstseinsstörung) – Pads kleben, Zugang, Monitor.
- Kalium sofort bestimmen (Blutgasanalyse): Die hohen T-Wellen sind kein Beweis, aber ein Grund, eine Hyperkaliämie als reversible Ursache auszuschließen. Medikamentenliste prüfen (Betablocker, Digitalis, Verapamil).
- Atropin als erster medikamentöser Schritt (Dosis und Wiederholung: Einheit 2). Bei schmalem Ersatzrhythmus ist ein Effekt möglich.
- Bleibt sie instabil: transkutanes Pacing im Demand-Modus, Frequenz z. B. 70/min, Strom steigern bis elektrisches Capture, dann Femoralispuls und Blutdruck prüfen; Analgosedierung vorsichtig titrieren, weil sie hypoton ist.
- Parallel transvenösen Schrittmacher organisieren; die Indikation für einen permanenten Schrittmacher wird nach Ausschluss reversibler Ursachen gestellt (Einheit 8).
Freie Antwort
geführt
76-jähriger Mann, im Bad kollabiert, jetzt wach, aber blass, RR 70/45 mmHg. Zwei Gaben Atropin haben die Kammerfrequenz nicht verändert. Das 12-Kanal-EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12525, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Teil 1 ist vorgegeben: Rhythmus: P-Wellen regelmäßig ca. 115/min, nur drei Kammerkomplexe in 10 s (ca. 22/min), keine Beziehung zwischen P und QRS → AV-Block III. Grades mit sehr langsamem Ersatzrhythmus.
Ergänze Teil 2: Stelle das transkutane Pacing ein (Modus, Frequenz, Stromstärke) und nenne, wie du den Erfolg überprüfst.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
selbstständig
68-jährige Patientin auf der Normalstation, Pflegekraft ruft: „Sie ist eben weggesackt und jetzt ganz grau.“ Die Patientin reagiert verzögert auf Ansprache, Puls kaum tastbar, RR 65/40 mmHg. Das sofort geschriebene EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22247, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG systematisch und beschreibe die nächsten Schritte bis zur stabilen Überbrückung.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Unter transkutanem Pacing zeigt der Monitor nach jedem Stimulationsimpuls einen breiten Kammerkomplex. Am Hals spürst du kräftige rhythmische Bewegungen. Wie prüfst du, ob tatsächlich ein Kreislauf erzeugt wird?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Behandlung | Transkutanes Pacing |
| Monitor | Nach jedem Stimulationsimpuls ein breiter Kammerkomplex |
| Am Hals | Kräftige rhythmische Bewegungen |
- a)Femoralispuls tasten und Blutdruck bzw. Pulsoxymetriekurve kontrollieren
- b)Karotispuls tasten – er ist bei Pacing am zuverlässigsten
- c)Keine weitere Prüfung nötig, das elektrische Capture beweist die Kammerkontraktion
Kurzfälle: Vorstellung und Dringlichkeit
Bei den folgenden Fällen gibt es kein neues EKG-Bild; der Monitorbefund ist beschrieben. Nutze die Vorlage für die Patientenvorstellung:
Ich stelle ... vor. Anlass der Vorstellung ist ...
Besonders relevant sind ...
Meine führende Verdachtsdiagnose ist ..., weil ...
Eine gefährliche Alternative ist ...; dafür/dagegen spricht ...
Als Nächstes würde ich ..., um ...
Die Dringlichkeit ergibt sich aus ...
Freie Antwort
Fall 1
73-jährige Patientin mit bekannter Herzinsuffizienz, seit 3 Stunden zunehmende Luftnot. Monitor: absolut unregelmäßige Schmalkomplextachykardie, 160/min, keine P-Wellen. RR 92/60 mmHg, Atemfrequenz 30/min, SpO₂ 85 % unter 4 l O₂, feuchte Rasselgeräusche bis über die Skapulaspitzen, wach und orientiert. Stelle die Patientin dem Oberarzt telefonisch vor und erkläre ihr anschließend in zwei bis drei Sätzen die geplante Maßnahme.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte / Verlauf | 73 Jahre; Herzinsuffizienz; seit 3 Stunden zunehmende Luftnot |
| Monitor | Absolut unregelmäßig; schmale QRS; 160/min; keine P-Wellen |
| Kreislauf / Bewusstsein | RR 92/60 mmHg; wach und orientiert |
| Atmung | AF 30/min; SpO₂ 85 % unter 4 l O₂; Rasselgeräusche bis über die Skapulaspitzen |
Multiple Choice
Fall 2
58-jähriger Mann, Herzrasen seit 30 Minuten, schlagartig begonnen. Monitor: regelmäßige Schmalkomplextachykardie 190/min. RR 128/84 mmHg, wach, kein Brustschmerz, keine Dyspnoe, SpO₂ 98 %. Was ist die richtige Einordnung und nächste Maßnahme?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Verlauf | 58 Jahre; Herzrasen seit 30 Minuten, schlagartiger Beginn |
| Monitor | Regelmäßige Schmalkomplextachykardie 190/min |
| Kreislauf | RR 128/84 mmHg; wach |
| Atmung / Beschwerden | SpO₂ 98 %; kein Brustschmerz, keine Dyspnoe |
- a)Instabil wegen der Frequenz über 150/min – sofortige synchronisierte Kardioversion
- b)Stabil – 12-Kanal-EKG, dann vagales Manöver und bei Bedarf Adenosin (Einheit 4)
- c)Stabil – unsynchronisierte Defibrillation mit 120 J in Analgosedierung
Freie Antwort
Fall 3
84-jähriger Mann aus dem Pflegeheim, seit gestern zunehmend verwirrt und zweimal gestürzt. Monitor: P-Wellen ca. 90/min ohne Beziehung zu breiten Kammerkomplexen mit 28/min. RR 74/42 mmHg, somnolent. Kalium 4,6 mmol/l, keine bradykardisierenden Medikamente. Atropin ohne Wirkung. Transkutanes Pacing mit 70/min und 75 mA: Capture, Femoralispuls tastbar, RR 102/60 mmHg, der Patient wird wacher. Der transvenöse Schrittmacher ist in 45 Minuten möglich.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vor Pacing | P ca. 90/min ohne QRS-Bezug; breite Kammerkomplexe 28/min; RR 74/42 mmHg, somnolent |
| Zusatzangaben | Kalium 4,6 mmol/l; keine bremsenden Medikamente; Atropin ohne Wirkung |
| Unter Pacing | 70/min, 75 mA; Capture; Femoralispuls tastbar; RR 102/60 mmHg, wacher |
| Weiterer Zeitplan | Transvenöser Schrittmacher in 45 Minuten möglich |
Stelle den Patienten kurz vor (Dringlichkeit) und formuliere eine bedingte Prognose für die nächsten Stunden.
In der App sprechen üben →Selbsteinschätzung
Kreuze für dich an, was du sicher kannst:
- Ich kann die vier Instabilitätszeichen nennen und am Patienten prüfen.
- Ich kann erklären, warum eine hohe Frequenz allein kein Instabilitätszeichen ist.
- Ich kann begründen, warum eine Tachykardie mit Puls synchronisiert und Kammerflimmern unsynchronisiert geschockt wird.
- Ich kenne die Startenergien für VHF, Vorhofflattern/SVT und VT mit Puls und weiß, dass die Herstellerangabe gilt.
- Ich kann eine synchronisierte Kardioversion sicher vorbereiten (SYNC-Kontrolle, Sedierung, Sauerstoff, Abstand zum Aggregat).
- Ich kenne die Zeitpunkte für Adrenalin und Amiodaron bei schockbarem Rhythmus.
- Ich kann transkutanes Pacing einstellen und elektrisches von mechanischem Capture unterscheiden.
Antiarrhythmika & QT-Risiko
Lernziel: Du kannst Antiarrhythmika sicher einsetzen und Proarrhythmie-Risiken erkennen.
In den Einheiten 2 bis 6 hast du Medikamente immer im Zusammenhang mit einem bestimmten Rhythmus kennengelernt: Atropin bei Bradykardie, Betablocker und Digoxin zur Frequenzkontrolle, Flecainid und Amiodaron zur Kardioversion, Adenosin bei der AVNRT, Magnesium bei Torsade de pointes. Diese Einheit ordnet die Antiarrhythmika nach ihrem Wirkprinzip, zeigt dir, wann dieselben Medikamente selbst Rhythmusstörungen auslösen, und übt das, was du auf jeder Station brauchst: QT-Zeit messen, QTc berechnen, QT-Risiko bei der Verordnung erkennen, Digitalis-Toxizität erkennen und Kalium/Magnesium richtig einordnen.
Du brauchst dafür: die Frequenzbestimmung und die QTc-Formel aus Einheit 1, Vorhofflimmern und seine Frequenz- und Rhythmuskontrolle aus Einheit 3, die Schmalkomplextachykardien aus Einheit 4 und die Torsade-de-pointes-Tachykardie aus Einheit 5. Akutdosierungen (z. B. Adenosin, Amiodaron i.v., Flecainid zur Kardioversion, Magnesium bei Torsade de pointes) findest du in diesen Einheiten; hier werden sie nicht neu festgelegt.
Aktionspotenzial, Ionenströme und die vier Klassen
Warum ein Medikament den Rhythmus verändert. Jede Herzmuskelzelle durchläuft bei jedem Schlag ein Aktionspotenzial – eine kurze elektrische Umpolung der Zellmembran. Antiarrhythmika greifen an den Ionenkanälen an, die dieses Aktionspotenzial formen. Wenn du weißt, welcher Kanal in welcher Phase arbeitet, kannst du vorhersagen, was ein Medikament im EKG verändert – und welche Gefahr es mit sich bringt.
| Phase | Was passiert? | Im Oberflächen-EKG |
|---|---|---|
| 0 – Aufstrich | Schneller Natrium-Einstrom depolarisiert die Zelle | QRS-Komplex (Erregungsausbreitung in den Kammern) |
| 1 und 2 – Plateau | Kalzium-Einstrom hält die Zelle depolarisiert; Kalzium löst die Kontraktion aus | ST-Strecke |
| 3 – Repolarisation | Kalium-Ausstrom bringt das Membranpotenzial zurück | T-Welle |
| 4 – Ruhe | Ruhepotenzial um −90 mV; im Sinus- und AV-Knoten steigt es langsam an (Automatie) | isoelektrische Strecke |
Daraus folgt die wichtigste Brücke zwischen Zelle und EKG: Die QT-Zeit entspricht ungefähr der Dauer des Kammer-Aktionspotenzials. Wird die Repolarisation (Phase 3) verlängert, wird die QT-Zeit länger. Wird der Natrium-Einstrom (Phase 0) gebremst, läuft die Erregung langsamer durch die Kammer – der QRS-Komplex wird breiter.
Sinus- und AV-Knoten funktionieren anders als das Arbeitsmyokard: Ihr Aufstrich hängt vor allem vom Kalzium-Einstrom ab, und sie werden stark vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Deshalb bremsen Betablocker und Kalziumantagonisten vor allem die Frequenz und die AV-Überleitung.
Aktionspotenzial der Kammermuskelzelle und Angriffspunkte der vier Antiarrhythmika-Klassen. Die gestrichelte Kurve zeigt, warum Klasse-III-Substanzen die QT-Zeit verlängern. Vereinfachte Lehrdarstellung, Zeitachse nicht maßstabsgerecht.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024 (Antiarrhythmika), Duale Reihe Innere Medizin 2018 (Tab. A-7.7).
Die Einteilung nach Vaughan Williams. Sie ist alt und unvollständig, aber im klinischen Alltag und in der Prüfung weiterhin die gemeinsame Sprache:
| Klasse | Beispiele | Hauptwirkung → EKG |
|---|---|---|
| I – Natriumkanal-Blocker | Ia: Ajmalin · Ib: Lidocain · Ic: Flecainid, Propafenon | langsamere Leitung im Myokard → QRS breiter (Ia zusätzlich QT länger) |
| II – Betablocker | Metoprolol, Bisoprolol, Esmolol, Landiolol | Sympathikus gebremst → Frequenz ↓, PQ länger |
| III – Kaliumkanal-Blocker | Amiodaron, Sotalol, Dronedaron | Repolarisation verlängert → QT länger, längere Refraktärzeit |
| IV – Kalziumantagonisten (Nicht-Dihydropyridine) | Verapamil, Diltiazem | AV-Knoten gebremst → Frequenz ↓, PQ länger |
| außerhalb der Klassen | Adenosin, Digoxin/Digitoxin, Atropin | Adenosin: AV-Block für Sekunden · Digitalis: Vagus ↑, AV-Leitung ↓ · Atropin: Vagus ↓ |
Drei Feinheiten, die du brauchst:
- Amiodaron ist offiziell Klasse III, blockiert aber auch Natrium- und Kalziumkanäle und Betarezeptoren. Deshalb senkt es die Frequenz, verlängert QT und PQ und kann den QRS leicht verbreitern.
- Sotalol ist ein Betablocker (Klasse II) mit zusätzlicher Klasse-III-Wirkung. Im Alltag zählt vor allem die QT-Verlängerung.
- Ib (Lidocain) wirkt fast nur auf krankes, ischämisches Kammermyokard; auf die Vorhöfe hat es kaum Wirkung. Deshalb ist Lidocain kein Vorhofflimmern-Medikament.
Merksatz: Klasse I macht den QRS breit, Klasse III macht das QT lang, Klasse II und IV bremsen Sinus- und AV-Knoten. Genau an diesen drei Stellen kontrollierst du später auch die Nebenwirkungen im EKG.
Multiple Choice
Ein Patient erhält neu ein Antiarrhythmikum. Im Kontroll-EKG nach einer Woche ist die QRS-Dauer unverändert, die QT-Zeit aber deutlich länger als vorher. Zu welcher Klasse passt diese EKG-Veränderung am besten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Medikation | Antiarrhythmikum neu begonnen |
| Zeitpunkt | Kontroll-EKG nach einer Woche |
| QRS-Dauer | Unverändert |
| QT-Zeit | Deutlich länger als vorher |
- a)Klasse Ic (z. B. Flecainid)
- b)Klasse III (z. B. Sotalol)
- c)Klasse IV (z. B. Verapamil)
Substanzprofile – wofür, wogegen, was kontrollieren?
Antiarrhythmika verbessern – mit Ausnahme der Betablocker – die Lebenserwartung nicht; sie lindern Beschwerden und verhindern Rückfälle. Gleichzeitig haben sie eine geringe therapeutische Breite. Die ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 formuliert es klar: Die Sicherheit, nicht die Wirksamkeit, bestimmt die Wahl des Medikaments. Deshalb lernst du jede Substanz in drei Fragen: Wofür? Wann nicht? Was kontrolliere ich?
Bremsen für Sinus- und AV-Knoten
| Substanz | Wofür? | Wann nicht? · Was kontrollieren? |
|---|---|---|
| Betablocker (Metoprolol, Bisoprolol) | Frequenzkontrolle bei VHF, Rezidivschutz bei SVT, VES-Beschwerden, nach Infarkt und bei HFrEF prognoseverbessernd | nicht bei Bradykardie, AV-Block > I° ohne Schrittmacher, dekompensierter Herzinsuffizienz, Asthma (COPD ist keine KI) · Puls, RR, PQ |
| Verapamil, Diltiazem | Frequenzkontrolle bei VHF (LVEF > 40 %), AVNRT-Rezidivschutz | nicht bei LVEF ≤ 40 %, Präexzitation mit VHF, unklarer Breitkomplextachykardie, AV-Block; Verapamil i.v. nicht bei laufender Betablockertherapie (Ausnahme: Intensivmedizin) · Puls, PQ; Verapamil erhöht den Digoxin-Spiegel |
| Digoxin / Digitoxin | Frequenzkontrolle bei VHF, auch bei LVEF ≤ 40 % (allein oder mit Betablocker) | nicht bei AV-Block, Bradykardie, Präexzitation, Hypokaliämie, Hyperkalzämie · Nierenfunktion, Kalium, ggf. Spiegel (Schritt S03) |
Rhythmuskontrolle (Sinusrhythmus erhalten)
| Substanz | Wofür? | Wann nicht? · Was kontrollieren? |
|---|---|---|
| Flecainid, Propafenon (Ic) | VHF-Rezidivschutz und „pill in the pocket“ bei Herzgesunden | nicht bei KHK, eingeschränkter LVEF, schwerer LV-Hypertrophie, Brugada-Syndrom, schwerer Niereninsuffizienz (Flecainid); immer mit AV-Knoten-Bremse · QRS: Absetzen bei Verbreiterung > 25 % oder neuem Schenkelblock |
| Dronedaron (III) | VHF-Rezidivschutz, auch bei KHK | nicht bei permanentem VHF, bestehender oder früherer Herzinsuffizienz, linksventrikulärer systolischer Dysfunktion oder instabiler Hämodynamik, QTc ≥ 500 ms, CrCl < 30 ml/min, mit Dabigatran · Leberwerte, Kreatinin, EKG |
| Sotalol (II + III) | VHF-Rezidivschutz bei normaler LVEF oder KHK (nur noch Reserve) | nicht bei langem QT, Bradykardie, CrCl < 30 ml/min, Hypokaliämie · QTc, Kalium, Magnesium, Nierenfunktion; Beginn unter Monitorüberwachung |
| Amiodaron (III, „alle Klassen“) | VHF bei HFrEF, ventrikuläre Tachykardien, Notfall (Einheiten 3, 5, 6) | Jodallergie, Schilddrüsenerkrankung (v. a. Hyperthyreose); viele Wechselwirkungen · TSH/fT4, Leberwerte, Lunge, Augen, QTc |
Akut- und Spezialsubstanzen
| Substanz | Wofür? | Wann nicht? · Was beachten? |
|---|---|---|
| Adenosin | Terminierung regelmäßiger Schmalkomplextachykardien (Einheit 4) | Asthma, präexzitiertes VHF, AV-Block, langes QT · nur unter laufender EKG-Aufzeichnung |
| Vernakalant | medikamentöse Kardioversion von kurz bestehendem VHF (Einheit 3) | RR systolisch < 100 mmHg, ACS < 1 Monat, Herzinsuffizienz NYHA III/IV, schwere Aortenstenose, QT-Verlängerung |
| Lidocain (Ib) | ventrikuläre Tachykardie bei Ischämie, Reserve beim „electrical storm“, Alternative zu Amiodaron in der Reanimation (Einheit 6) | ZNS-Nebenwirkungen (Verwirrtheit, Krampfanfälle) bei Überdosierung |
| Ajmalin (Ia) | in Deutschland Akuttherapie regelmäßiger Breitkomplextachykardien ohne strukturelle Herzerkrankung (Einheit 5); Ajmalin-Test zur Demaskierung eines Brugada-Syndroms | nur unter Monitoring und Defibrillationsbereitschaft; Test nur in erfahrenen Zentren; Abbruch bei QRS-Verbreiterung oder Rhythmusstörung |
Übliche orale Dauerdosen (Orientierung nach ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 und deutscher Fachinformation; Dosisanpassung an Niere, Leber und Alter immer nach Fachinformation):
| Substanz | Dauertherapie |
|---|---|
| Flecainid | 50–150 mg zweimal täglich |
| Propafenon | 150–300 mg dreimal täglich |
| Dronedaron | 400 mg zweimal täglich |
| Sotalol | 80–160 mg zweimal täglich |
| Amiodaron | Aufsättigung nach deutscher Fachinformation z. B. 600 mg täglich für 8–10 Tage; anschließend meist 200 mg an 5 Tagen pro Woche, niedrigste wirksame Dosis |
| Digoxin | 0,0625–0,25 mg einmal täglich (Niere!) |
| Digitoxin | 0,05–0,1 mg einmal täglich |
Amiodaron genauer – das „Reservemittel mit den meisten Fallstricken“. Amiodaron ist stark fettlöslich und reichert sich im Gewebe an; die Halbwertszeit beträgt Wochen bis Monate. Wirkung und Nebenwirkungen halten deshalb lange nach dem Absetzen an. Wichtige Organschäden: Schilddrüse (Hypo- und Hyperthyreose durch den hohen Jodgehalt), Lunge (Pneumonitis, Fibrose), Leber, Hornhautablagerungen, Lichtempfindlichkeit der Haut, Neuropathie. Daraus folgt: Vor Beginn Schilddrüsenwerte, Leberwerte und eine Ausgangsbeurteilung der Lunge, danach regelmäßige Kontrollen. Nach dem Praxisleitfaden der Heart Rhythm Society werden TSH und Leberwerte etwa alle 6 Monate kontrolliert, die Lunge jährlich (Röntgen-Thorax) und bei neuem Husten oder neuer Atemnot sofort. Wechselwirkungen: Amiodaron erhöht den Digoxin-Spiegel (Digoxin-Dosis meist halbieren), verstärkt die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten (INR engmaschig kontrollieren) und erhöht das Myopathierisiko einiger Statine.
Die Tabelle verknüpft zwei wichtige Amiodaron-Wechselwirkungen mit der Kontrolle.
| Begleitmedikament | Wirkung von Amiodaron | Konsequenz |
|---|---|---|
| Digoxin | Spiegel steigt | Dosis meist halbieren |
| Vitamin-K-Antagonist | Gerinnungshemmung verstärkt | INR engmaschig kontrollieren |

Abbildung: Links stehen die Organkontrollen, rechts die Wechselwirkungen; wegen der langen Halbwertszeit wirken beide noch lange nach dem Absetzen nach. Quelle: eigene Darstellung; Kontrollintervalle nach HRS-Praxisleitfaden (Goldschlager et al., Heart Rhythm 2007).
Dronedaron ist ein jodfreier Verwandter des Amiodarons. Es ist weniger wirksam, hat aber weniger Organtoxizität. In einer Studie bei permanentem VHF stiegen unter Dronedaron Herzinsuffizienz, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod – deshalb ist es bei permanentem VHF sowie laut Fachinformation bei jeder bestehenden oder früheren Herzinsuffizienz und bei linksventrikulärer systolischer Dysfunktion kontraindiziert. Laut Fachinformation erhöht es das Kreatinin leicht (ohne echte Nierenschädigung) und den Digoxin-Spiegel (Digoxin halbieren). Leitlinien nennen Dronedaron teils auch bei stabiler Herzinsuffizienz; für die hier gelehrte Anwendung in Deutschland gilt jedoch die Fachinformation: kein Dronedaron bei bestehender oder früherer Herzinsuffizienz.
Merksatz für die Auswahl beim Erhalt des Sinusrhythmus: Herz gesund → Flecainid oder Propafenon (plus AV-Knoten-Bremse). KHK ohne Herzinsuffizienz → Dronedaron (Sotalol als Reserve). Herzinsuffizienz → kein Dronedaron; bei HFrEF Amiodaron. Bei jedem Patienten parallel prüfen, ob eine Katheterablation besser geeignet ist (Einheit 3).

Abbildung: Die Herzerkrankung bestimmt den Ast; in jedem Kasten stehen Dauerdosis, wichtigste Grenze und Kontrolle. Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Ein 68-jähriger Patient mit ischämischer Kardiomyopathie (LVEF 30 %) hat trotz Betablocker immer wieder symptomatisches paroxysmales Vorhofflimmern. Eine Ablation lehnt er derzeit ab. Welches Antiarrhythmikum ist für den Erhalt des Sinusrhythmus geeignet?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Patient | 68 Jahre; ischämische Kardiomyopathie |
| Pumpfunktion | LVEF 30 % |
| Rhythmus / Therapie | Wiederholt symptomatisches paroxysmales VHF trotz Betablocker |
| Präferenz | Ablation derzeit abgelehnt |
- a)Flecainid
- b)Dronedaron
- c)Amiodaron
Freie Antwort
Eine 72-jährige Patientin mit VHF und HFrEF soll auf Amiodaron eingestellt werden. Sie nimmt außerdem Digoxin 0,125 mg täglich und Phenprocoumon. Welche Ausgangsuntersuchungen veranlasst du, und welche zwei Wechselwirkungen besprichst du mit dem Team?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Patientin | 72 Jahre; VHF und HFrEF |
| Geplant | Beginn von Amiodaron |
| Bisher | Digoxin 0,125 mg täglich; Phenprocoumon |
Lesetext und Ausgearbeitetes Beispiel: Proarrhythmie und Digitalis
Proarrhythmie bedeutet: Ein Medikament, das Rhythmusstörungen verhindern soll, löst selbst eine neue oder schlimmere Rhythmusstörung aus. Das ist kein seltener Zufall, sondern folgt vorhersagbar aus dem Wirkmechanismus.
| Mechanismus | Typische Substanzen | Was passiert? |
|---|---|---|
| Leitungsverlangsamung im kranken Myokard | Klasse I, v. a. Ic (Flecainid, Propafenon) | Narbengewebe nach Infarkt + verlangsamte Leitung = ideale Bedingungen für Reentry-VT und Kammerflimmern |
| Vorhofflimmern wird zu langsamem Vorhofflattern | Ic | Vorhof ca. 200/min statt 300/min → AV-Knoten kann 1:1 überleiten → Kammer 200/min, oft breite QRS |
| Repolarisation verlängert | Klasse III (Sotalol, Amiodaron, Dronedaron), Ia, viele Nicht-Herzmedikamente | langes QT → Torsade de pointes (Schritt S04/S05) |
| Sinus- und AV-Knoten gebremst | Betablocker, Verapamil/Diltiazem, Digitalis, Amiodaron | Bradykardie, AV-Block, Pausen – besonders in Kombination |
| gesteigerte Erregbarkeit durch Kalzium-Überladung | Digitalis | VES, Bigeminus, atriale Tachykardie mit Block, junktionaler Rhythmus, bidirektionale VT |
Warum Ic-Antiarrhythmika nach Herzinfarkt verboten sind. In der CAST-Studie (1989) sollten Flecainid und ein verwandtes Ic-Präparat bei Patienten nach Infarkt die Extrasystolen unterdrücken – das gelang, aber die Sterblichkeit stieg deutlich. Seitdem gilt: Ic-Antiarrhythmika nur bei strukturell gesundem Herzen. Und: Extrasystolen werden nicht „kosmetisch“ behandelt, wenn das EKG-Bild besser, die Prognose aber schlechter wird. Mit AV-Knoten-Bremse wird ein solches Ic-Flattern z. B. 2:1 übergeleitet – die Kammer schlägt dann nur etwa 100/min.

Abbildung: Links die Falle im kranken Herzen, rechts die Falle ohne AV-Knoten-Bremse; die QRS-Kontrolle entscheidet über das Weitergeben. Quelle: eigene Darstellung.
Allgemeine Sicherheitsregeln für jede antiarrhythmische Therapie
- Ausgangs-EKG (Frequenz, PQ, QRS, QTc) und Kalium, Magnesium, Nierenfunktion vor Beginn.
- EKG-Kontrollen nach Beginn und nach jeder Dosissteigerung: QRS (Klasse I), QTc (Klasse III), Frequenz und PQ (Klasse II, IV, Digitalis).
- Absetzen oder ändern, wenn die QRS-Dauer um mehr als 25 % zunimmt oder ein Schenkelblock neu auftritt (Klasse I) bzw. wenn die QTc 500 ms erreicht oder deutlich ansteigt (Klasse III; Grenzwerte in S04).
- Keine Kombination zweier Antiarrhythmika ohne kardiologische Begründung und Überwachung.
- Bei Sinusknotenerkrankung oder AV-Block > I° ohne Schrittmacher sind die meisten Antiarrhythmika kontraindiziert.

Abbildung: Jede Klasse hat ihre eigene EKG-Messgröße; die Zahlen am Kasten sind die Grenzen zum Reduzieren oder Absetzen. Quelle: eigene Darstellung.
Digitalis: Wirkung und Vergiftung
Herzglykoside (in Deutschland Digoxin und Digitoxin) hemmen die Na⁺/K⁺-ATPase. In der Zelle steigt Natrium, darüber auch Kalzium – das steigert die Kontraktionskraft, verstärkt den Vagotonus und verlangsamt die AV-Überleitung. Zu viel Hemmung macht die Zellen übererregbar: Es entstehen Extrasystolen und getriggerte Tachykardien, während gleichzeitig die AV-Leitung blockiert ist. Diese Kombination aus „gesteigerter Erregbarkeit + Block“ ist der Schlüssel zur Digitalis-Toxizität.

Abbildung: Verfolge die zwei Wirkungen parallel: Eine schnelle Erregungsbildung kann gleichzeitig mit verlangsamter Überleitung auftreten. Quelle: eigene Darstellung.
Die therapeutische Breite ist gering. Toxizität begünstigen: Niereninsuffizienz (Digoxin wird renal ausgeschieden; Digitoxin überwiegend hepatisch – deshalb wird es bei eingeschränkter Niere bevorzugt), hohes Alter, geringes Gewicht, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hyperkalzämie, Hypothyreose und Wechselwirkungen (Amiodaron, Dronedaron, Verapamil, Clarithromycin erhöhen den Digoxin-Spiegel). Als therapeutischer Digoxin-Spiegel gilt etwa 0,5–0,9 ng/ml; höhere Spiegel sind mit mehr Nebenwirkungen verbunden. Blut für den Spiegel frühestens 6 Stunden nach der letzten Einnahme abnehmen, am besten vor der nächsten Dosis.
| Merkmal | Digitaliswirkung (therapeutisch, harmlos) | Digitalis-Toxizität (gefährlich) |
|---|---|---|
| Klinik | keine Beschwerden | Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verwirrtheit, Farbsehstörungen (Gelb-/Grünstich), Flimmern vor den Augen |
| EKG | muldenförmige ST-Senkung (v. a. V4–V6), flaches T, kurze QT-Zeit, leicht verlängertes PQ | VES, Bigeminus, atriale Tachykardie mit 2:1-Block, junktionaler Rhythmus (VHF wird plötzlich regelmäßig), AV-Block, ausgeprägte Bradykardie, bidirektionale VT, Kammerflimmern |
| Konsequenz | keine Therapieänderung allein wegen der ST-Senkung | Digitalis pausieren, Spiegel, Kalium, Magnesium, Kreatinin; Monitor |
Wichtig: Die muldenförmige ST-Senkung zeigt nur, dass der Patient Digitalis nimmt – nicht, dass er vergiftet ist. Die Vergiftung erkennst du an Rhythmusstörungen und Klinik, bestätigt durch den Spiegel.
Behandlung der Digitalis-Toxizität (Prinzipien):
- Digitalis absetzen, Monitor, Zugang; Spiegel, Kalium, Magnesium, Kreatinin, Kalzium bestimmen; Wechselwirkungen suchen.
- Hypokaliämie und Hypomagnesiämie vorsichtig ausgleichen – niedriges Kalium verstärkt die Toxizität. Bei schwerer akuter Vergiftung ist das Kalium dagegen oft hoch (die blockierte Na⁺/K⁺-ATPase lässt Kalium aus den Zellen): dann kein Kalium geben.
- Bradykardie: Atropin, ggf. passagerer Schrittmacher (Einheiten 2 und 6).
- Bei lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen, ausgeprägter Hyperkaliämie oder schwerer Vergiftung: Digitalis-Antidot (Fab-Antikörperfragmente) – Indikation und Dosis mit Giftnotruf und Fachinformation. Laut Fachinformation (DigiFab) sprechen u. a. ein Kalium über 5,5 mmol/l bei rasch fortschreitender Vergiftung oder ein Digoxin-Spiegel über 6 ng/ml bei chronischer Einnahme für das Antidot; danach kann das Kalium rasch fallen.
- Elektrische Kardioversion vermeiden, solange die Rhythmusstörung nicht lebensbedrohlich ist – unter Digitalis-Toxizität kann ein Schock schwer behandelbare Kammerarrhythmien auslösen (Einheit 6). Vorsicht mit Kalzium i.v.

Abbildung: Das gemessene Kalium entscheidet über Ausgleich oder Antidot; nach dem Antidot das Kalium engmaschig kontrollieren. Quelle: eigene Darstellung; Antidot-Kriterien nach Fachinformation DigiFab.
Ausgearbeitetes Beispiel: Muldenförmige ST-Senkung bei Sinusrhythmus
Eine 77-jährige Patientin wird wegen Belastungsdyspnoe aufgenommen. In der Medikamentenliste steht Digoxin. Sie hat keine Übelkeit und keine Sehstörungen.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die feine Unruhe in den Extremitätenableitungen ist Muskelzittern.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2011, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Schritt 1 – Rhythmus und Zeiten.
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Rhythmus | regelmäßig, P-Wellen vor jedem QRS (in V1–V2 am besten zu sehen) → Sinusrhythmus |
| Frequenz | ca. 70/min (12 QRS-Komplexe in 10 s) |
| Lagetyp | I und II positiv, III klein negativ → Indifferenztyp (Normaltyp) |
| PQ | ca. 0,17 s – normal |
| QRS | schmal, ca. 0,08 s |
| QT/QTc | QT ca. 0,37 s, RR ca. 0,85 s → QTc nach Bazett ca. 400 ms – eher kurz-normal |
Schritt 2 – ST/T genau ansehen. In V4–V6 sinkt die ST-Strecke direkt nach dem QRS bogenförmig ab und steigt dann langsam wieder an – sie „hängt durch“ wie eine Mulde (Tiefpunkt ca. 1–1,5 mm unter der Grundlinie). Danach folgt nur ein kleines, flaches T. Eine ischämische ST-Senkung verläuft dagegen typischerweise gerade horizontal oder deszendierend.
Schritt 3 – Einordnen. Muldenförmige ST-Senkung + kurze QT-Zeit + Digoxin in der Medikation → vereinbar mit Digitaliswirkung. Hinweise auf eine Vergiftung (Rhythmusstörung, Bradykardie, Klinik) fehlen.
Schritt 4 – Konsequenz. Kein Grund, das Digoxin allein wegen des EKG abzusetzen. Sinnvoll sind trotzdem: Nierenfunktion und Kalium prüfen (Niere und Kalium entscheiden über die Toxizität), Indikation und Dosis überprüfen und bei passender Klinik (Angina, Troponin) an Ischämie denken – das EKG-Zeichen ist unspezifisch und beweist für sich weder Digitalis noch schließt es eine Ischämie aus.
Dasselbe Zeichen bei Vorhofflimmern. Digoxin wird meist zur Frequenzkontrolle bei VHF gegeben. Vergleiche:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 18273, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befund: absolute Arrhythmie ohne P-Wellen → Vorhofflimmern, mittlere Kammerfrequenz ca. 55/min (9 QRS in 10 s), Linkstyp (I positiv, II klein, III negativ), QRS schmal, QT ca. 0,36 s (wegen der wechselnden RR-Abstände nicht sinnvoll korrigierbar, aber auffällig kurz), deutliche muldenförmige ST-Senkung in V4–V6 (bis ca. 2 mm) sowie in I und II. Beurteilung: VHF mit langsamer Kammerfrequenz und ST-Veränderungen, die zu einer Digitaliswirkung passen.
Die entscheidende Zusatzfrage lautet hier: Ist die Frequenz für diese Patientin zu langsam? 55/min in Ruhe ist bei VHF unter Digoxin akzeptabel, wenn die Patientin beschwerdefrei ist und unter Belastung ansteigt. Schwindel, Synkope, Pausen oder ein plötzlich regelmäßiger langsamer Rhythmus wären Warnzeichen einer Überdosierung.
Freie Antwort
geführt
Eine 70-jährige Patientin mit bekanntem Vorhofflimmern nimmt Digoxin. Sie fühlt sich seit einigen Tagen schlapp und hat keinen Appetit.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 18945, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Der Befund ist begonnen: Frequenz ca. 48/min (8 QRS in 10 s), QRS schmal, Lagetyp Indifferenztyp, QT ca. 0,45 s. Ergänze Rhythmus und P-Wellen-Befund, ordne den Rhythmus ein und begründe, warum er bei dieser Patientin alarmierend ist.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Eine über 90-jährige Patientin nimmt seit Jahren Digoxin. Sie kommt mit Übelkeit; der Puls ist regelmäßig und schnell.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Achte besonders auf die Vorhofaktivität in V1.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 9136, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Welche Beurteilung passt zu diesem EKG?
- a)Sinustachykardie 106/min mit unspezifischen ST-Senkungen
- b)Atriale Tachykardie mit 2:1-Überleitung – verdächtig auf Digitalis-Toxizität
- c)Vorhofflimmern mit schneller Überleitung
Multiple Choice
Ein 54-jähriger Patient ohne Herzerkrankung nimmt wegen paroxysmalen Vorhofflimmerns Flecainid 100 mg zweimal täglich, ohne Betablocker. Er kommt mit Herzrasen und Schwindel: regelmäßige Tachykardie 210/min mit breiten QRS-Komplexen, RR 95/60 mmHg. Welcher Mechanismus erklärt das am wahrscheinlichsten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Ausgangslage | 54 Jahre; keine Herzerkrankung; paroxysmales VHF |
| Medikation | Flecainid 100 mg zweimal täglich; kein Betablocker |
| Beschwerden / Kreislauf | Herzrasen und Schwindel; RR 95/60 mmHg |
| EKG | Regelmäßig 210/min; breite QRS-Komplexe |
- a)Flecainid hat das VHF in langsameres Vorhofflattern umgewandelt, das 1:1 übergeleitet wird; die breiten QRS entstehen durch die Natriumkanal-Blockade bei hoher Frequenz
- b)Flecainid hat die QT-Zeit verlängert und eine Torsade de pointes ausgelöst
- c)Flecainid hat einen AV-Block III° mit schnellem Kammerersatzrhythmus verursacht
QT-Zeit messen und QTc berechnen
Warum die QT-Zeit so wichtig ist. Eine verlängerte Repolarisation macht die Kammer anfällig für frühe Nachdepolarisationen. Treffen sie auf eine ungleichmäßig repolarisierte Kammer, entsteht die Torsade de pointes – eine polymorphe VT, die in Kammerflimmern übergehen kann (Erkennung und Akuttherapie: Einheit 5). Die QT-Zeit ist das einzige Warnsignal, das du vorher im Ruhe-EKG sehen kannst.
So misst du die QT-Zeit
- Ableitung wählen: die Ableitung mit dem deutlichsten T-Ende, meist II oder V5; die längste QT findet sich oft in V2–V3. Miss möglichst in mehreren Ableitungen und nimm die längste sicher abgrenzbare.
- Beginn: Anfang des QRS-Komplexes (erste Q- oder R-Zacke).
- Ende: Ende der T-Welle. Am zuverlässigsten mit der Tangentenmethode: Lege eine Tangente an den steilsten absteigenden Schenkel der T-Welle; wo sie die Grundlinie schneidet, endet das T.
- U-Welle: Eine deutlich getrennte U-Welle wird nicht mitgemessen. Verschmelzen T und U (TU-Verschmelzung), notierst du das und misst vorsichtig – häufig ein Hinweis auf Hypokaliämie.
- Mitteln: über drei Herzschläge; bei Vorhofflimmern über mehrere Schläge mit mittlerem RR (die QTc ist dann nur orientierend).
- Breiter QRS (Schenkelblock, Schrittmacher): Die QT-Zeit ist dann durch die verlängerte Depolarisation verlängert und überschätzt das Repolarisationsrisiko – Kardiologie fragen, nicht vorschnell „langes QT“ diagnostizieren.

Abbildung: Schematische Herzschläge, keine Patientenaufzeichnung: Die Tangente legt das T-Ende fest; endet das T vor der halben RR-Strecke, ist die QT meist normal. Quelle: eigene Darstellung.
Frequenzkorrektur. Die QT-Zeit wird bei schneller Frequenz kürzer. Um EKGs mit verschiedener Frequenz vergleichen zu können, rechnest du sie auf eine Frequenz von 60/min um (RR = 1 s). RR und QT werden dafür in Sekunden eingesetzt:
| Formel | Rechnung | Wann? |
|---|---|---|
| Bazett | QTc = QT ÷ √RR | Standard; überschätzt bei Frequenz > 90/min, unterschätzt bei < 60/min |
| Fridericia | QTc = QT ÷ ∛RR (Kubikwurzel) | zusätzlich bei Frequenz > 90/min (und < 60/min) |
Schnellcheck ohne Rechnen: Bei normaler Frequenz (60–100/min) ist die QT-Zeit normalerweise kürzer als die Hälfte des RR-Abstands. Endet die T-Welle erst nach der Mitte zwischen zwei R-Zacken, misst und rechnest du genau.
Grenzwerte – was bedeutet die Zahl?
| QTc | Bedeutung |
|---|---|
| bis ca. 450 ms (Männer) bzw. 460 ms (Frauen) | normal (Orientierung; Lehrbücher nennen Grenzen zwischen 440 und 470 ms) |
| darüber bis < 500 ms | verlängert → Ursachen suchen (Medikamente, Elektrolyte, Bradykardie), keine weiteren QT-verlängernden Mittel |
| ≥ 480 ms in wiederholten EKGs | Long-QT-Syndrom möglich (ESC 2022: Diagnose bei QTc ≥ 480 ms oder passendem Punkte-Score); Abklärung |
| ≥ 500 ms oder Anstieg ≥ 60 ms unter einem Medikament | deutlich erhöhtes Risiko für Torsade de pointes → Medikament absetzen oder ersetzen, Monitor, Elektrolyte |
| auffällig kurz (unter ca. 350 ms) | Digitalis, Hyperkalzämie; selten angeborenes Short-QT-Syndrom (Referenz) |
Tritt eine Torsade de pointes auf, gilt das Akutvorgehen aus Einheit 5 (Magnesium 8 mmol i.v. über 10 Minuten).

Abbildung: Vorgehen bei verlängerter QTc; die Torsade-de-pointes-Therapie im Detail steht in Einheit 5. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022; AHA/ACCF Scientific Statement (Drew et al., Circulation 2010).
Ausgearbeitetes Beispiel: QTc Schritt für Schritt
Eine 79-jährige Patientin erhält vor einer geplanten Antibiotikatherapie ein Kontroll-EKG.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. 1 kleines Kästchen = 0,04 s.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 10109, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Schritt 1 – Rhythmus und Frequenz. Regelmäßig, vor jedem QRS eine P-Welle → Sinusrhythmus. RR-Abstand ca. 20 kleine Kästchen = 0,79 s → Frequenz 60 ÷ 0,79 ≈ 76/min. Lagetyp: I, II und aVF positiv, III biphasisch → Indifferenztyp. PQ ca. 0,16 s, QRS schmal (ca. 0,08 s), hohe R-Zacken in V4–V5.
Schritt 2 – QT messen. In II und V2 beginnt der QRS-Komplex und endet die flache, breite T-Welle nach etwa 13 kleinen Kästchen: QT ≈ 0,52 s. Schnellcheck: Die halbe RR-Dauer beträgt 0,40 s – das T endet deutlich später. Die QT ist also schon ohne Rechnung verdächtig lang.
Schritt 3 – Bazett. √0,79 ≈ 0,89 → QTc = 0,52 ÷ 0,89 ≈ 0,585 s = 585 ms.
Schritt 4 – Kontrolle mit Fridericia. Die Frequenz liegt unter 90/min, Bazett ist hier verlässlich. Zum Vergleich: ∛0,79 ≈ 0,92 → QTc = 0,52 ÷ 0,92 ≈ 563 ms. Beide Werte liegen klar über 500 ms.

Abbildung: Setze QT und RR in Sekunden ein und wandle das Ergebnis anschließend in Millisekunden um; bei 76/min ist Bazett verlässlich. Quelle: eigene Darstellung.
Schritt 5 – Bedeutung. Deutlich verlängerte QTc (> 500 ms) mit flachen, breiten T-Wellen; ST-Strecken ohne Hebung. Das Torsade-de-pointes-Risiko ist hoch.
Schritt 6 – Konsequenz. Kein QT-verlängerndes Antibiotikum (z. B. kein Makrolid, kein Fluorchinolon) – eine Alternative wählen. Ursachen suchen: Medikamentenliste (Antiarrhythmika, Psychopharmaka, Antiemetika), Kalium, Magnesium, Kalzium, Nierenfunktion; flache breite T-Wellen sind mit einer Hypokaliämie vereinbar, beweisen sie aber nicht. Elektrolyte ausgleichen, EKG-Kontrolle, bei weiterem Anstieg oder Synkopen Monitorüberwachung.
Vertiefung (Referenz): Angeborenes Long-QT-Syndrom
Nicht jede lange QT-Zeit kommt von Medikamenten. Beim angeborenen Long-QT-Syndrom (LQTS) verändern Mutationen in Kalium- oder Natriumkanälen die Repolarisation. Typisch sind Synkopen oder Krampfanfälle bei jungen Menschen, oft durch typische Auslöser – bei LQT1 körperliche Belastung (v. a. Schwimmen), bei LQT2 plötzliche laute Geräusche (Wecker) oder die Zeit nach der Entbindung, bei LQT3 Ruhe und Schlaf. Hinweise in der Familie: plötzlicher Herztod, ungeklärtes Ertrinken oder ein tödlicher Verkehrsunfall in jungen Jahren.
Nach der ESC-Leitlinie 2022 wird ein LQTS bei einer QTc ≥ 480 ms in wiederholten EKGs oder anhand eines Punkte-Scores diagnostiziert, außerdem bei Nachweis einer krankheitsverursachenden Mutation. Was der Erstbehandler tun muss: QT-verlängernde Medikamente meiden (Liste mitgeben), Kalium und Magnesium normal halten, an die Kardiologie bzw. eine Spezialambulanz überweisen. Dort folgen in der Regel ein nicht-selektiver Betablocker (Nadolol oder Propranolol), genetische Diagnostik mit Familienuntersuchung und bei Synkopen trotz Betablocker oder nach Herzstillstand ein ICD (Einheit 8). Fahreignung und Sport werden individuell beraten (Einheit 9).
Ein diagnostischer LQTS-Score muss >3 Punkte betragen; vor der klinischen Diagnose sind sekundäre Ursachen wie QT-verlängernde Medikamente oder Elektrolytstörungen auszuschließen.

Abbildung: Zuerst Beschwerden, Familie und Auslöser verbinden; die unteren Äste trennen die ICD-Indikation von der Beratung für alle Betroffenen. Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
geführt
Ein 79-jähriger Patient soll wegen einer Depression Citalopram erhalten. Das Ausgangs-EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS06945, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Gegeben: Sinusrhythmus, RR ca. 1,07 s, QT (V5) ca. 0,54 s. Berechne die QTc nach Bazett und nach Fridericia (√1,07 ≈ 1,03; ∛1,07 ≈ 1,02), bewerte das Ergebnis und entscheide, ob du Citalopram ohne Weiteres beginnen würdest.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Ein 56-jähriger Patient wird zur Abklärung von Schwindel aufgenommen.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 39, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG systematisch, miss die QT-Zeit, berechne die QTc mit beiden Formeln und erkläre, welche Formel du bei dieser Frequenz bevorzugst.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Eine 23-jährige Patientin stellt sich nach einer kurzen Bewusstlosigkeit vor, die sie beim Klingeln des Weckers hatte. Sie nimmt keine Medikamente.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 18093, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG (mit QTc), nenne die führende Verdachtsdiagnose und beschreibe die nächsten drei Schritte.
In der App sprechen üben →QT-verlängernde Medikamente und sichere Verordnung
Viele häufig verordnete Medikamente verlängern die QT-Zeit, die meisten über eine Hemmung desselben Kaliumkanals (hERG). Allein ist das Risiko meist klein – gefährlich wird die Summe: zwei QT-Mittel, eine Hypokaliämie nach Diuretika oder Durchfall, eine Bradykardie, eine Niereninsuffizienz. Eine aktuelle, nach Risiko eingeteilte Liste bietet CredibleMeds (crediblemeds.org; Kategorien „bekanntes“, „mögliches“ und „bedingtes“ Risiko).

Abbildung: Beginne oben mit den drei Ursachenwegen; besonders gefährlich ist ihr Zusammentreffen. Quelle: eigene Darstellung.
| Gruppe | Häufige Beispiele |
|---|---|
| Antiarrhythmika | Sotalol, Amiodaron, Dronedaron, Ajmalin |
| Antibiotika, Antimykotika | Makrolide (Clarithromycin, Erythromycin, Azithromycin), Fluorchinolone (Levofloxacin, Moxifloxacin, Ciprofloxacin), Fluconazol |
| Psychopharmaka | Haloperidol (v. a. i.v.), Citalopram und Escitalopram, trizyklische Antidepressiva, viele Antipsychotika |
| Antiemetika, Prokinetika | Ondansetron, Domperidon |
| Weitere | Methadon, Hydroxychloroquin, Chinin |
| indirekt über Elektrolyte | Schleifen- und Thiaziddiuretika (K⁺ ↓, Mg²⁺ ↓), Laxanzienabusus, Protonenpumpenhemmer bei Langzeiteinnahme (Mg²⁺ ↓) |
| indirekt über Spiegelanstieg | CYP3A4-Hemmer (z. B. Clarithromycin, Azol-Antimykotika, Ritonavir) erhöhen den Spiegel anderer QT-Mittel |
Risikofaktoren für eine Torsade de pointes
| Patient | Situation |
|---|---|
| weibliches Geschlecht, höheres Alter | Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypokalzämie |
| strukturelle Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, LV-Hypertrophie | Bradykardie, AV-Block, Pausen |
| angeborenes (auch unerkanntes) LQTS | zwei oder mehr QT-Mittel, hohe Dosis, rasche i.v.-Gabe |
| Nieren- oder Leberinsuffizienz (Kumulation) | Erbrechen, Durchfall, Diuretika, Hungern |
Sichere Verordnung in sieben Schritten
- Indikation prüfen – gibt es eine gleichwertige Alternative ohne QT-Risiko?
- Ausgangs-EKG mit QTc (bei relevanten Risikofaktoren oder hochriskanten Substanzen immer).
- Kalium, Magnesium (ggf. Kalzium), Nieren- und Leberfunktion.
- Medikamentenliste auf weitere QT-Mittel und CYP3A4-Hemmer durchsehen.
- Entscheiden: QTc ≥ 500 ms → nicht beginnen (Alternative oder Facharzt); QTc verlängert, aber < 500 ms → Nutzen gegen Risiko abwägen, Risikofaktoren beseitigen, engmaschig kontrollieren.
- Kontroll-EKG nach Beginn und nach jeder Dosissteigerung (ESC 2022: z. B. am Folgetag bzw. nach 1–2 Wochen); bei QTc ≥ 500 ms oder Anstieg ≥ 60 ms absetzen bzw. reduzieren.
- Patienten aufklären: Herzrasen, Schwindel oder Bewusstlosigkeit sofort melden; bei Erbrechen/Durchfall Elektrolyte kontrollieren; neue Medikamente immer mit dem Hinweis „QT-Risiko“ verordnen lassen.

Abbildung: Die sieben Schritte als Ablauf; die QTc vor Beginn bestimmt den Ast. Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Vier Patienten auf deiner Station sollen ein neues Medikament erhalten. Bei wem ist das Risiko einer Torsade de pointes am höchsten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Patient | Messwerte | Medikation |
|---|---|---|
| A | 35 Jahre; Mann; QTc 420 ms; Kalium 4,3 mmol/l | Ondansetron oral, einmalig |
| B | 58 Jahre; Mann; QTc 440 ms | Bisoprolol; neu Amoxicillin |
| C | 81 Jahre; Frau; QTc 490 ms; 52/min; Kalium 3,2 mmol/l | Torasemid, Citalopram; neu Clarithromycin |
- a)35-jähriger Mann, QTc 420 ms, Kalium 4,3 mmol/l, erhält einmalig Ondansetron oral
- b)58-jähriger Mann, QTc 440 ms, nimmt Bisoprolol, erhält Amoxicillin
- c)81-jährige Frau, QTc 490 ms, Herzfrequenz 52/min, Kalium 3,2 mmol/l unter Torasemid, nimmt Citalopram und soll Clarithromycin erhalten
Freie Antwort
Ein 64-jähriger Patient mit Pneumonie soll Levofloxacin erhalten. Er nimmt Escitalopram und Hydrochlorothiazid. Die QTc beträgt 476 ms, Kalium 3,4 mmol/l. Wie gehst du vor? Nenne drei konkrete Maßnahmen.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Patient / Anlass | 64 Jahre; Pneumonie |
| Geplant | Levofloxacin |
| Bisherige Medikamente | Escitalopram und Hydrochlorothiazid |
| Messwerte | QTc 476 ms; Kalium 3,4 mmol/l |
Kalium und Magnesium bei Rhythmusstörungen (Brücke zu E04)
Kurze Brücke: Die vollständige Elektrolytlehre (Ursachen, Gesamtkörperbestand, Behandlung) gehört in das Kapitel Elektrolyte (E04). Hier lernst du nur, was du bei Rhythmusstörungen sicher brauchst.
Warum Kalium den Rhythmus bestimmt. Etwa 98 % des Kaliums liegen in den Zellen. Das Verhältnis von intra- zu extrazellulärem Kalium legt das Ruhemembranpotenzial fest, und Kaliumkanäle beenden das Aktionspotenzial (Phase 3).
- Hypokaliämie: Die Repolarisation verzögert sich und wird ungleichmäßig. Die Erregbarkeit steigt → Extrasystolen, Vorhofflimmern, Torsade de pointes, Kammerflimmern. Sie verstärkt die Digitalis-Toxizität und das Risiko jedes QT-verlängernden Medikaments.
- Hyperkaliämie: Das Ruhepotenzial wird weniger negativ, Natriumkanäle sind teilweise inaktiviert → die Leitung verlangsamt sich: Bradykardie, AV-Block, breiter QRS bis zur Sinuswellen-Form, Kammerflimmern oder Asystolie.
- Magnesium ist Kofaktor der Na⁺/K⁺-ATPase. Magnesiummangel führt zu Kaliumverlust aus den Zellen; eine Hypokaliämie lässt sich dann erst nach Magnesiumausgleich dauerhaft korrigieren. Magnesium i.v. unterdrückt Torsade de pointes auch bei normalem Spiegel (Einheit 5).

Abbildung: Folge jeder Spalte vom Elektrolyt zum Mechanismus; ein ähnlicher EKG-Befund ersetzt keinen gemessenen Kaliumwert. Quelle: eigene Darstellung.
Zielwerte bei Patienten mit Rhythmusstörungen (VHF, Extrasystolie, VT, Herzinsuffizienz, Digitalis- oder QT-Risiko):
| Elektrolyt | Referenzbereich (Serum, Erwachsene) | Ziel bei Rhythmusrisiko |
|---|---|---|
| Kalium | 3,6–5,0 mmol/l | hochnormal, etwa 4,5–5,0 mmol/l |
| Magnesium | 0,75–1,05 mmol/l | im (oberen) Normbereich; Mangel immer ausgleichen |
Das Anheben auf hochnormale Werte kann Extrasystolen vermindern und verbessert die Digitalis-Verträglichkeit. Bei Patienten mit QT-Risiko empfiehlt das AHA-Statement 2010, Kalium und Magnesium konsequent normal zu halten; 4,5–5,0 mmol/l Kalium „kann erwogen werden“ (schwache Evidenz). Eine Hyperkaliämie ist ebenso gefährlich wie eine Hypokaliämie – deshalb nie „auf Verdacht“ Kalium geben.
Sicherer Ausgleich – die wichtigsten Regeln:
- Oral, wenn nicht dringlich; i.v. nur mit Laborkontrollen, bei schneller Gabe unter Monitor.
- Kalium i.v. ohne Monitoring nicht schneller als 20 mmol/h (Herold 2024), ausreichend verdünnt (venenreizend). Bei Niereninsuffizienz vorsichtig dosieren.
- Bei hartnäckiger Hypokaliämie Magnesium mitbestimmen und ausgleichen.
- Bei schwerer akuter Digitalisvergiftung kein Kalium ohne gemessenen Wert – oft besteht eine Hyperkaliämie.
- Akuttherapie der Hyperkaliämie (Membranschutz mit Kalzium, Verschiebung in die Zellen mit Insulin-Glukose und β₂-Agonisten, Elimination): Kapitel E04; in diesem Kapitel nur als Prinzip.

Abbildung: Erst der Laborwert, dann der Ast: Bei Rhythmusrisiko liegt das Kaliumziel bei 4,5–5,0 mmol/l. Quelle: eigene Darstellung.
EKG-Zeichen von Kaliumstörungen
| Merkmal | Hypokaliämie | Hyperkaliämie |
|---|---|---|
| T-Welle | flach, evtl. negativ | hoch, schmal, spitz („zeltförmig“) |
| ST-Strecke | Senkung | meist unauffällig |
| U-Welle | prominent, TU-Verschmelzung | – |
| P-Welle, PQ | – | P flach bis verschwunden, PQ länger |
| QRS | normal | verbreitert (schenkelblockartig), später Sinuswelle |
| QT | scheinbar verlängert (eigentlich QU) | eher kurz |
| Rhythmus | VES, VHF, Torsade de pointes, Kammerflimmern | Bradykardie, AV-Block, Ersatzrhythmen, Kammerflimmern, Asystolie |
Weitere Elektrolyte in Kürze: Hypomagnesiämie ähnelt der Hypokaliämie und verlängert die QT-Zeit; Hypokalzämie verlängert die ST-Strecke und damit die QT-Zeit; Hyperkalzämie verkürzt die QT-Zeit.
Typische EKG-Zeichen von Kaliumstörungen als schematische Einzelschläge, keine Patientenaufzeichnung. Die Reihenfolge der Hyperkaliämie-Zeichen ist typisch, passt aber nur grob zum gemessenen Kaliumwert.
Quelle: eigene Darstellung.
Merksatz: Das EKG ist kein Kaliumwert. Bei chronischen Kaliumstörungen kann das EKG fast normal sein, und eine schwere Hyperkaliämie kann ohne typische T-Wellen auftreten. Umgekehrt haben flache T-Wellen viele Ursachen. Entscheidend ist immer die Laborkontrolle.
Multiple Choice
Beispiel und Aufgabe
Eine 44-jährige Patientin kommt mit Müdigkeit und Muskelschwäche. Laborwerte liegen noch nicht vor.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 13096, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befund: Sinusrhythmus, ca. 89/min, Linkstyp, PQ ca. 0,14 s, QRS schmal. Die T-Wellen sind in fast allen Ableitungen sehr flach, das T-Ende ist unscharf; leichte ST-Senkung (≤ 1 mm) in II und V4–V5. Die QT-Zeit ist wegen des unscharfen T-Endes nicht sicher messbar (orientierend um 0,40 s; die QTc läge damit nach Bazett knapp unter 500 ms, nach Fridericia um 460 ms).
Welche Schlussfolgerung ist richtig?
- a)Der Repolarisationsbefund ist mit einer Elektrolytstörung vereinbar, beweist aber keine; Kalium, Magnesium und Kalzium bestimmen und die Medikamente prüfen, bevor behandelt wird
- b)Das EKG beweist eine Hypokaliämie; Kalium sofort i.v. geben, noch bevor der Laborwert vorliegt
- c)Ohne ST-Hebung und mit normalem Rhythmus ist das EKG unauffällig; keine weitere Abklärung nötig
Freie Antwort
Eine 70-jährige Patientin unter Diuretikatherapie wird zur Medikamentenanpassung aufgenommen.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2221, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG einschließlich QTc. Nenne drei mögliche Ursachen des Repolarisationsbefundes und erkläre, was du veranlasst, bevor du ihn einer Elektrolytstörung zuschreibst.
In der App sprechen üben →Fall 1 – Sotalol, Diuretikum und Durchfall
Frau B., 79 Jahre, nimmt seit einem Jahr Sotalol 80 mg zweimal täglich zur Rezidivprophylaxe von Vorhofflimmern und seit einem Monat Torasemid wegen Beinödemen. Letzte Woche hatte sie drei Tage Durchfall. Seit zwei Tagen ist ihr schwindelig, heute war sie beim Aufstehen „kurz weg“. Puls 46/min, RR 118/70 mmHg, wach und orientiert. Labor: Kalium 3,0 mmol/l, Magnesium 0,62 mmol/l, Kreatinin 1,6 mg/dl (vor drei Monaten 1,0 mg/dl), Troponin ausstehend.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Für den Fall nehmen wir an, dass dies das Aufnahme-EKG von Frau B. ist.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS01810, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Freie Antwort
Befunde das EKG mit QTc und stelle Frau B. der Oberärztin mit dem Schema der Patientenvorstellung vor (Anlass – relevante Befunde – Verdachtsdiagnose mit Begründung – gefährliche Alternative – nächste Schritte – Dringlichkeit).
Die Tabelle bündelt die zuvor genannten Falldaten von Frau B.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Medikation | Sotalol 80 mg zweimal täglich; Torasemid seit einem Monat |
| Verlauf | Drei Tage Durchfall; seit zwei Tagen Schwindel, heute kurz bewusstlos |
| Kreislauf | Puls 46/min; RR 118/70 mmHg; wach und orientiert |
| Labor | Kalium 3,0 mmol/l; Magnesium 0,62 mmol/l; Kreatinin 1,6 mg/dl, zuvor 1,0 mg/dl |
Multiple Choice
Frau B. ist am Monitor. Welches Maßnahmenpaket ist jetzt richtig?
Die Tabelle bündelt die zuvor genannten Falldaten von Frau B.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Medikation | Sotalol 80 mg zweimal täglich; Torasemid seit einem Monat |
| Verlauf | Drei Tage Durchfall; seit zwei Tagen Schwindel, heute kurz bewusstlos |
| Kreislauf | Puls 46/min; RR 118/70 mmHg; wach und orientiert |
| Labor | Kalium 3,0 mmol/l; Magnesium 0,62 mmol/l; Kreatinin 1,6 mg/dl, zuvor 1,0 mg/dl |
- a)Sotalol weitergeben, Kalium oral ersetzen und das EKG in einer Woche kontrollieren
- b)Sotalol durch Amiodaron i.v. ersetzen, damit das Vorhofflimmern-Rezidiv verhindert wird
- c)Sotalol absetzen, Kalium (Ziel hochnormal) und Magnesium i.v. ausgleichen, keine weiteren QT-Mittel, Torasemid überprüfen; Pads kleben; bei Torsade de pointes Vorgehen nach Einheit 5
Fall 2 – Digoxin und eine verschlechterte Niere
Frau K., 77 Jahre, nimmt seit Jahren Digoxin 0,25 mg täglich wegen permanenten Vorhofflimmerns. Vor fünf Tagen bekam sie wegen einer Bronchitis Clarithromycin. Sie hat wenig getrunken, seit zwei Tagen Übelkeit und Erbrechen und sagt: „Alles sieht so gelblich aus.“ Puls unregelmäßig um 50/min, RR 112/64 mmHg. Labor: Kreatinin 2,1 mg/dl (vorher 1,2), Kalium 5,4 mmol/l, Magnesium 0,78 mmol/l, Digoxin-Spiegel 2,8 ng/ml.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Für den Fall nehmen wir an, dass dies das Aufnahme-EKG von Frau K. ist.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1962, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Freie Antwort
Befunde das EKG, ordne den Fall ein und nenne die Behandlungsschritte in sinnvoller Reihenfolge. Erkläre, warum du hier kein Kalium gibst.
Die Tabelle bündelt die zuvor genannten Falldaten von Frau K.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Bisherige Medikamente | Digoxin 0,25 mg täglich; Clarithromycin seit fünf Tagen |
| Beschwerden | Wenig getrunken; seit zwei Tagen Übelkeit und Erbrechen; gelbliche Sicht |
| Kreislauf | Unregelmäßiger Puls um 50/min; RR 112/64 mmHg |
| Labor | Kreatinin 2,1 mg/dl, zuvor 1,2 mg/dl; Kalium 5,4 mmol/l; Magnesium 0,78 mmol/l; Digoxin 2,8 ng/ml |
Freie Antwort
Patientenerklärung
Frau K. fragt: „Ich nehme die Tablette doch seit Jahren. Warum ist sie plötzlich giftig?“ Erkläre es ihr in drei bis fünf verständlichen Sätzen und prüfe, was sie verstanden hat.
Die Tabelle stellt die zeitlichen Veränderungen aus Frau K.s Fall zusammen.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Langzeitmedikation | Digoxin 0,25 mg täglich seit Jahren |
| Neue Medikation | Clarithromycin seit fünf Tagen |
| Verlauf | Wenig getrunken; Übelkeit, Erbrechen und gelbliche Sicht |
| Messwerte | Kreatinin 2,1 mg/dl, zuvor 1,2 mg/dl; Digoxin-Spiegel 2,8 ng/ml |
Fall 3 – Ein Rezept mit Folgen
Herr D., 63 Jahre, hatte vor zwei Jahren einen Vorderwandinfarkt (LVEF jetzt 40 %). Wegen symptomatischen paroxysmalen Vorhofflimmerns hat ihm eine Vertretungsärztin vor einer Woche Flecainid 100 mg zweimal täglich verordnet; seinen Betablocker hat er wegen Müdigkeit selbst abgesetzt. Er kommt zur Kontrolle, beschwerdefrei, Sinusrhythmus 72/min, QRS 0,13 s (vorher 0,10 s).
Die Tabelle ordnet die zeitlichen Veränderungen im Fall von Herrn D.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 63 Jahre; Vorderwandinfarkt vor zwei Jahren; LVEF 40 % |
| Neue Medikation | Flecainid 100 mg zweimal täglich seit einer Woche |
| Weitere Änderung | Betablocker wegen Müdigkeit selbst abgesetzt |
| Kontrolle | Beschwerdefrei; Sinusrhythmus 72/min; QRS 0,13 s, zuvor 0,10 s |
Multiple Choice
Wie bewertest du die Verordnung?
Die Tabelle bündelt die zuvor genannten Falldaten von Herrn D.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 63 Jahre; Vorderwandinfarkt vor zwei Jahren; LVEF 40 % |
| Neue Medikation | Flecainid 100 mg zweimal täglich seit einer Woche |
| Weitere Änderung | Betablocker wegen Müdigkeit selbst abgesetzt |
| Kontrolle | Beschwerdefrei; Sinusrhythmus 72/min; QRS 0,13 s, zuvor 0,10 s |
- a)Flecainid ist bei Z. n. Infarkt kontraindiziert; der QRS hat um 30 % zugenommen – Flecainid sofort absetzen, Betablocker wieder ansetzen, Rhythmuskontrolle neu planen (z. B. Amiodaron oder Ablation)
- b)Flecainid ist vertretbar, weil die LVEF nur leicht eingeschränkt ist und der Patient beschwerdefrei ist
- c)Flecainid ist in Ordnung, wenn zusätzlich Verapamil gegeben wird
Freie Antwort
Kurzbericht
Formuliere zwei bis drei Sätze für den Brief an den Hausarzt, in denen du die Therapieänderung bei Herrn D. begründest.
Die Tabelle bündelt die zuvor genannten Falldaten von Herrn D.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 63 Jahre; Vorderwandinfarkt vor zwei Jahren; LVEF 40 % |
| Neue Medikation | Flecainid 100 mg zweimal täglich seit einer Woche |
| Weitere Änderung | Betablocker wegen Müdigkeit selbst abgesetzt |
| Kontrolle | Beschwerdefrei; Sinusrhythmus 72/min; QRS 0,13 s, zuvor 0,10 s |
Selbsteinschätzung
Kreuze für dich an, was du sicher kannst:
- Ich kann die vier Antiarrhythmika-Klassen ihrem Ionenkanal und ihrer EKG-Wirkung (QRS, QT, PQ/Frequenz) zuordnen.
- Ich kann für Flecainid/Propafenon, Dronedaron, Sotalol und Amiodaron Einsatz, Kontraindikationen und Kontrollen nennen.
- Ich kann erklären, warum Ic-Antiarrhythmika bei KHK verboten sind und warum sie immer mit einer AV-Knoten-Bremse kombiniert werden.
- Ich kann Digitaliswirkung von Digitalis-Toxizität unterscheiden und die Toxizität behandeln.
- Ich kann die QT-Zeit messen, die QTc nach Bazett und Fridericia berechnen und das Ergebnis bewerten.
- Ich kann vor der Verordnung eines QT-verlängernden Medikaments das Risiko einschätzen und weiß, wann ich es nicht beginne.
- Ich kenne die Kalium- und Magnesium-Ziele bei Rhythmusstörungen und weiß, dass das EKG keinen Laborwert ersetzt.
Schrittmacher, ICD & CRT
Lernziel: Du kannst Schrittmacher, ICD und CRT nach Funktion und Indikation unterscheiden.
In Einheit 2 hast du Bradykardien und AV-Blockierungen erkannt und akut behandelt, in Einheit 5 die ventrikuläre Tachykardie, in Einheit 6 das transkutane Pacing. Diese Einheit beantwortet die Frage danach: Welcher Patient braucht dauerhaft ein implantiertes Gerät – und welches? Du lernst, wie Schrittmacher, ICD und CRT arbeiten, wie ein Schrittmacher-EKG systematisch gelesen wird, wann ein Gerät indiziert ist und was du bei Geräteträgern in der Notaufnahme, vor einer MRT oder bei einem ICD-Schock tun musst. Programmierung, Implantationstechnik und Ablation bleiben Referenzwissen für die Kardiologie.
Wie ein Schrittmacher arbeitet
Drei Grundbegriffe. Jedes antibradykarde Gerät erfüllt drei Aufgaben. Wenn du diese drei Wörter verstehst, kannst du später jedes Schrittmacher-EKG und jede Fehlfunktion einordnen.
| Begriff | Bedeutung | Was du im EKG siehst |
|---|---|---|
| Sensing (Wahrnehmung) | Die Elektrode registriert die Eigenaktion des Herzens in Vorhof oder Kammer. | Nach einem Eigenschlag gibt das Gerät keinen unnötigen Impuls ab. |
| Pacing (Stimulation) | Das Gerät gibt einen kurzen Stromimpuls ab. | eine schmale, senkrechte Linie: der Spike (Stimulationsartefakt) |
| Capture (Reizbeantwortung) | Der Impuls erregt das Myokard tatsächlich. | Auf den Vorhofspike folgt eine P-Welle, auf den Kammerspike ein breiter QRS-Komplex. |
Das Demand-Prinzip. Heutige Schrittmacher stimulieren nur bei Bedarf. Programmiert ist eine Grundfrequenz (untere Grenzfrequenz, z. B. 60/min, also 1,0 s). Kommt innerhalb dieses Intervalls ein Eigenschlag, wird der Impuls unterdrückt (inhibiert) und das Intervall beginnt neu. Bleibt der Eigenschlag aus, stimuliert das Gerät. Ein Schrittmacher kann also eine Bradykardie verhindern; eine Tachykardie verlangsamen kann er nicht.
Warum der stimulierte QRS-Komplex breit ist. Die Kammerelektrode liegt meist in der Spitze oder am Septum des rechten Ventrikels. Die Erregung läuft von dort langsam durch das Arbeitsmyokard zum linken Ventrikel – nicht über das schnelle Reizleitungssystem. Das Ergebnis ist ein breiter, linksschenkelblockartiger QRS-Komplex, bei Stimulation von der Spitze meist mit nach oben gerichteter Achse (II, III, aVF negativ). ST-Strecke und T-Welle sind sekundär verändert (meist der Hauptrichtung des QRS entgegengesetzt). Deshalb kannst du bei Kammerstimulation Ischämiezeichen und Infarktnarben nur eingeschränkt beurteilen.
Demand-Prinzip bei einer Grundfrequenz von 60/min: Jeder wahrgenommene Eigenschlag startet das 1,0-s-Intervall neu; nur wenn es ohne Eigenschlag abläuft, folgt ein Spike.
Quelle: eigene Darstellung.
Bauarten. Wie viele Elektroden ein System hat, bestimmt, was es kann:
Elektrodenlage bei Einkammer-, Zweikammer-, CRT- und ICD-System und das Problem, das jedes Gerät löst. Die Herzhöhlen sind als Blöcke dargestellt (vereinfacht, nicht anatomisch).
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024 (Elektrotherapie), Duale Reihe Innere Medizin 2018 (Herzschrittmacher), ESC-Leitlinie Pacing/CRT 2021.
- Einkammersystem: eine Elektrode, entweder im rechten Ventrikel (VVI) oder – selten – im rechten Vorhof (AAI).
- Zweikammersystem: je eine Elektrode im rechten Vorhof und im rechten Ventrikel (DDD). Das Gerät kann Vorhof und Kammer nacheinander stimulieren (AV-sequenziell) oder die Kammer im Takt des Sinusknotens stimulieren.
- CRT (kardiale Resynchronisationstherapie): zusätzlich eine Elektrode über die Koronarsinusvene an der Außenseite des linken Ventrikels. Beide Ventrikel werden fast gleichzeitig stimuliert (S08).
- ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator): Gerät mit Schockelektrode, das zusätzlich alle Schrittmacherfunktionen besitzt (S07).
So sieht ein Zweikammersystem im Röntgen-Thorax aus:
Zweikammerschrittmacher im Röntgen-Thorax, oben p.-a., unten seitlich. Aggregat links infraklavikulär. Schwarzer Pfeil: Vorhofsonde, die in einem J-Bogen im rechten Herzohr endet. Roter Pfeil: Kammersonde, deren Spitze zur Spitze des rechten Ventrikels zeigt. Weißer Pfeil: zusätzlich implantierter Loop-Recorder unter der Haut (Einheit 1) – er gehört nicht zum Schrittmacher.
Quelle: Tun KS, Reidy D, Buckley U. How to: a practical guide to cardiac conduction devices on chest radiograph. Eur Heart J Imaging Methods Pract 2023;1(1):qyad009, doi:10.1093/ehjimp/qyad009, Abb. 3; CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/); Panelbuchstaben, Abbildungsnummer und Seitenmarker abgeschnitten, beide Panels vergrößert und untereinander neu montiert, als WebP gespeichert.
Referenz – nicht prüfungsentscheidend: Kabellose Schrittmacher („leadless“, Kapselschrittmacher) werden über die V. femoralis direkt in den rechten Ventrikel eingesetzt; sie eignen sich v. a. bei fehlendem venösem Zugang oder hohem Infektionsrisiko. Conduction System Pacing (His-Bündel- oder Linksschenkelstimulation) nutzt das körpereigene Reizleitungssystem und erzeugt einen schmaleren, physiologischeren QRS-Komplex; ob es die konventionelle Stimulation oder die CRT ersetzen kann, wird noch untersucht.
Der Schrittmachercode (NBG-Code)
Ein Buchstabencode beschreibt die Betriebsart. Für die Praxis brauchst du die ersten drei Buchstaben und das „R“:
| Position | Bedeutung | Mögliche Buchstaben |
|---|---|---|
| 1 | Ort der Stimulation | A = Atrium, V = Ventrikel, D = beide, 0 = keine |
| 2 | Ort der Wahrnehmung | A, V, D, 0 |
| 3 | Antwort auf eine wahrgenommene Eigenaktion | I = Inhibition, T = Triggerung, D = beides, 0 = keine |
| 4 | Frequenzanpassung | R = Sensor hebt die Frequenz bei Belastung an |
| 5 | Stimulation an mehreren Orten | heute selten benutzt; man spricht stattdessen von CRT |
Lies den Code wie einen Satz: „VVI“ heißt „stimuliert im Ventrikel, nimmt im Ventrikel wahr und wird durch eine Eigenaktion inhibiert“. Bei „DDD“ wird ein wahrgenommener Vorhofschlag zusätzlich zum Auslöser (Triggerung) einer Kammerstimulation nach einer programmierten AV-Zeit, falls keine eigene Überleitung kommt.
Die häufigen Betriebsarten
| Modus | Arbeitsweise | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| AAI(R) | stimuliert und hemmt nur im Vorhof; QRS über die eigene AV-Leitung | Sinusknotenerkrankung mit sicher intakter AV-Leitung (heute selten, weil später ein AV-Block hinzukommen kann) |
| VVI(R) | stimuliert und hemmt nur in der Kammer; keine Abstimmung mit dem Vorhof | Bradykardie bei permanentem Vorhofflimmern |
| DDD(R) | nimmt in Vorhof und Kammer wahr, stimuliert beide; Kammerstimulation folgt dem Vorhof | AV-Block bei Sinusrhythmus; Sinusknotenerkrankung (mit Programmierung, die unnötige Kammerstimulation vermeidet) |
| VDD | eine Elektrode: nimmt im Vorhof wahr, stimuliert nur die Kammer | AV-Block bei normal arbeitendem Sinusknoten |
Das „R“ (Frequenzadaptation) brauchen Patienten, deren Herzfrequenz unter Belastung nicht ausreichend ansteigt (chronotrope Inkompetenz, Einheit 2).

Beginne beim Ausgangsrhythmus und lies den passenden Modus darunter; die untere Zeile zeigt, wann ein anderes System besser passt. Quelle: eigene Darstellung.
Zwei Nachteile der reinen Kammerstimulation:
- Schrittmachersyndrom: Bei VVI und erhaltenem Sinusrhythmus kontrahieren Vorhof und Kammer unabhängig voneinander. Schlägt der Vorhof gegen die geschlossene AV-Klappe, entstehen Halsvenenpulsationen („Pfropfungen“), Schwindel und Blutdruckabfall. Abhilfe: Zweikammersystem.
- Schrittmacherinduzierte Kardiomyopathie: Ein hoher Anteil rechtsventrikulärer Stimulation (häufig ab etwa 20 %) kann die linksventrikuläre Funktion verschlechtern. Deshalb wird unnötige Kammerstimulation vermieden; bei eingeschränkter Pumpfunktion kommt CRT in Frage (S08).
Multiple Choice
Im Implantationsausweis eines Patienten steht „Modus DDD“. Was bedeutet das?
Die Tabelle zerlegt die Angabe aus dem Implantationsausweis.
| Position im angegebenen Modus | Zeichen |
|---|---|
| 1 | D |
| 2 | D |
| 3 | D |
- a)Das Gerät stimuliert nur die Kammer und wird durch Kammereigenaktionen gehemmt.
- b)Das Gerät nimmt in Vorhof und Kammer wahr, kann beide stimulieren und stimuliert die Kammer nach einem wahrgenommenen Vorhofschlag, wenn keine eigene Überleitung folgt.
- c)Das Gerät stimuliert Vorhof und Kammer immer mit fester Frequenz, unabhängig vom Eigenrhythmus.
- d)Das Gerät ist ein Defibrillator, der Kammertachykardien mit einem Schock beendet.
Multiple Choice
Eine 79-jährige Patientin hat permanentes Vorhofflimmern mit symptomatischen Pausen von über 4 Sekunden. Welcher Schrittmachermodus passt am besten?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Patientin | 79 Jahre |
| Rhythmus | Permanentes Vorhofflimmern |
| Pausen | Über 4 Sekunden; symptomatisch |
- a)AAI
- b)DDD
- c)VVIR
Ausgearbeitete Beispiele: Drei Modi im EKG
So liest du ein Schrittmacher-EKG. Beginne wie immer mit den sechs Fragen der Rhythmusanalyse (Einheit 1) und ergänze vier Fragen:
- Gibt es Spikes – und wo? Nur vor der P-Welle (Vorhofstimulation), nur vor dem QRS (Kammerstimulation) oder zwei Spikes hintereinander (AV-sequenziell)?
- Folgt auf jeden Spike eine Erregung? Das ist Capture.
- Wird die Eigenaktion respektiert? Nach einem Eigenschlag darf kein Spike zur falschen Zeit kommen – das ist Sensing.
- Welche Intervalle? Abstand der stimulierten Schläge (Grundfrequenz), bei Zweikammersystemen der Abstand Vorhof- zu Kammerspike (AV-Zeit).
Spikes sind unterschiedlich groß. Große Spikes entstehen v. a. bei unipolarer Stimulation, bei bipolarer Stimulation sind sie oft winzig und in manchen Ableitungen kaum sichtbar. Suche sie deshalb in allen zwölf Ableitungen.
Die vier Zusatzfragen zum Schrittmacher-EKG und die vier Spike-Muster, die du in den folgenden Beispielen wiederfindest.
Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel 1 – 51-jährige Patientin, Kontrolle nach Schrittmacherimplantation
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 20886, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Spikes | ein Spike je Herzzyklus, am deutlichsten in I und II, jeweils vor der P-Welle | Vorhofstimulation |
| Capture | nach jedem Spike folgen eine kleine P-Welle und danach der QRS-Komplex | Vorhof wird erregt |
| QRS | schmal, normale Form | Kammer wird über den eigenen AV-Knoten erregt, nicht stimuliert |
| Intervalle | Abstand der Spikes ca. 21–22 mm = 0,86 s → ca. 70/min; Spike bis QRS ca. 0,18 s | Grundfrequenz 70/min; AV-Leitung normal |
| Lagetyp, ST/T | I und II positiv, III klein negativ → Linkstyp; ST/T unauffällig | – |
Beurteilung: regelrechte Vorhofstimulation (AAI-Funktion) mit 70/min, Capture bei jedem Impuls, eigene AV-Überleitung mit schmalem QRS. Passend zu einer Sinusknotenerkrankung mit intakter AV-Leitung.
Ausgearbeitetes Beispiel 2 – 79-jähriger Mann, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 13507, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Spikes | zwei Spikes je Zyklus, ca. 4–5 mm auseinander | erster Spike: Vorhof, zweiter: Kammer |
| Capture | nach dem 2. Spike jeweils ein breiter QRS-Komplex | Kammer wird stimuliert |
| QRS | breit, in II, III und aVF negativ, in V1–V3 tief negativ (linksschenkelblockartig) | typische rechtsventrikuläre Stimulation |
| Intervalle | Abstand der Spike-Paare ca. 0,86 s → ca. 70/min; AV-Zeit ca. 0,18 s | Grundfrequenz, programmierte AV-Zeit |
| ST/T | sekundär, gegen die QRS-Hauptrichtung | bei Stimulation erwartbar, nicht als Ischämie werten |
Beurteilung: AV-sequenzielle Stimulation (DDD) mit 70/min, Capture in Vorhof und Kammer. Das Gerät stimuliert zuerst den Vorhof und – weil innerhalb der AV-Zeit keine eigene Überleitung kommt – danach die Kammer.
Ausgearbeitetes Beispiel 3 – 78-jährige Patientin, präoperatives EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 1674, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Schritt | Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Spikes | ein kleiner Spike direkt vor jedem QRS, kein Spike vor einer P-Welle | Kammerstimulation |
| Capture | jedem Spike folgt ein breiter QRS-Komplex | Capture vorhanden |
| QRS | deutlich verbreitert (ca. 0,14–0,16 s), II, III, aVF negativ, aVR positiv; V-Ableitungen überwiegend negativ | Stimulation aus dem rechten Ventrikel, Achse nach oben |
| Intervalle | Abstand ca. 21 mm = 0,86 s → ca. 70/min, streng regelmäßig | Grundfrequenz 70/min |
| Vorhof | keine Vorhofspikes; keine feste Beziehung zwischen Vorhofaktivität und Spikes erkennbar | keine Vorhofsteuerung |
Beurteilung: regelmäßige Kammerstimulation mit 70/min (VVI-Funktion), Capture bei jedem Impuls. Ob ein VVI-System implantiert ist oder ein Zweikammersystem gerade nur die Kammer stimuliert, klärt der Implantationsausweis oder die Geräteabfrage.
Merke: Im EKG erkennst du die aktuelle Arbeitsweise, nicht sicher das Gerät. Gerätetyp, Hersteller und Programmierung stehen im Schrittmacherausweis, den Patienten bei sich tragen sollen.
Geführte Übung: Modus erkennen
Freie Antwort
geführt
79-jährige Patientin, Kontroll-EKG. Die ersten Schritte sind gelöst: Der Rhythmus ist regelmäßig, die Frequenz beträgt ca. 94/min, die QRS-Komplexe sind breit, vor jedem QRS steht ein Kammerspike. Ergänze: Was steht vor jedem Kammerspike, welche Beziehung besteht – und welche Arbeitsweise liegt vor?
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 11080, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Multiple Choice
49-jährige Patientin, Kontroll-EKG. Welche Beschreibung trifft zu?
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 5445, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- a)Kammerstimulation mit 60/min; die kleinen Ausschläge vor dem QRS sind Artefakte.
- b)AV-sequenzielle Stimulation mit ca. 60/min und relativ langer AV-Zeit von ca. 0,23 s; danach Kammerstimulation mit breitem QRS.
- c)Vorhofstimulation mit 60/min und eigener Überleitung auf die Kammer.
Multiple Choice
77-jähriger Mann mit Herzinsuffizienz. Das EKG stammt von einem anderen Gerät (andere Darstellung, keine Rhythmusstreifen). Achte in Ableitung II auf die kleinen Spikes. Welche Arbeitsweise liegt vor?
Originaldarstellung des Urhebers (3 × 4 Ableitungen), unverändert übernommen.
Quelle: Jmarchn, Wikimedia Commons (File:DualChamberPacemaker_ECG_3x4.jpg), CC0 1.0; unverändert übernommen, verlustfrei als WebP gespeichert.
- a)Vorhofstimulation (AAI)
- b)Kammerstimulation ohne Vorhofbezug (VVI)
- c)AV-sequenzielle Stimulation (DDD)
Selbstständige Anwendung: Demand-Funktion und Eigenschläge
Freie Antwort
Über 89-jährige Patientin, Kontroll-EKG. Befunde das EKG. Erkläre anhand der Schläge ohne Spike, wie das Gerät arbeitet.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 2486, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Freie Antwort
81-jähriger Mann, EKG am Aufnahmetag. Befunde das EKG und erkläre den schmalen Schlag in der zweiten Hälfte des Rhythmusstreifens.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16076, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Freie Antwort
58-jähriger Mann mit bekanntem Herzschrittmacher. Befunde das EKG: Welcher Grundrhythmus liegt vor, und wann stimuliert das Gerät?
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Der Ausschlag zu Beginn von V6 ist ein Artefakt.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 11479, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Multiple Choice
Über 89-jährige Patientin, Aufnahme wegen einer Pneumonie. Sie fragt, ob ihr „eigenes Herz überhaupt noch schlägt“. Welche Aussage zum EKG ist richtig?
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 16050, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- a)Es liegt eine durchgehende Kammerstimulation mit 70/min vor; der Eigenrhythmus ist aus diesem EKG nicht beurteilbar.
- b)Das EKG beweist, dass kein Eigenrhythmus vorhanden ist.
- c)Mit einem aufgelegten Magneten lässt sich der Eigenrhythmus sicher beurteilen.
Wann braucht ein Patient einen Schrittmacher?
Der Grundgedanke. Ein Schrittmacher behandelt Symptome einer Bradykardie (Schwindel, Synkope, Belastungsschwäche, Herzinsuffizienz) und schützt bei bestimmten Leitungsstörungen vor einer plötzlichen Asystolie. Daraus folgen zwei Fragen: Ist die Störung dauerhaft? und Wie gefährlich ist sie – oder passen die Beschwerden wirklich zur Bradykardie?
Entscheidungsweg zur Schrittmacherindikation bei Bradykardie (vereinfacht). Weitere Sonderfälle wie die Reflexsynkope findest du in der Tabelle darunter.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Pacing/CRT 2021, Herold Innere Medizin 2024, Duale Reihe Innere Medizin 2018.
Schritt 1 – reversible Ursachen ausschließen (wieder, Einheit 2): bradykardisierende Medikamente (Betablocker, Verapamil/Diltiazem, Digoxin, Amiodaron, Ivabradin), Hyperkaliämie, Hypothyreose, akuter Infarkt (v. a. Hinterwand), Lyme-Karditis, Hypothermie. Erst wenn die Bradykardie nach Behandlung der Ursache bleibt, stellt sich die Frage nach einem Dauerschrittmacher. Ausnahme: Ist ein bremsendes Medikament unverzichtbar (z. B. Betablocker bei Tachy-Brady-Syndrom oder nach Infarkt), kann trotzdem ein Schrittmacher nötig sein.
Schritt 2 – Störung einordnen:
| Situation | Empfehlung (ESC 2021) |
|---|---|
| AV-Block III°, Mobitz II, höhergradiger AV-Block, 2:1-Block unterhalb des AV-Knotens (breiter QRS) – dauerhaft oder anfallsweise, ohne reversible Ursache | Schrittmacher, auch ohne Symptome (Asystolie-Risiko) |
| AV-Block nach akutem Infarkt | bei persistierendem höhergradigem AV-Block Schrittmacher nach einer Wartezeit von mindestens 5 Tagen; Zeitpunkt nach Verlauf und Reperfusion festlegen |
| Sinusknotenerkrankung (Sinusbradykardie, SA-Block, Sinusarrest) | Schrittmacher, wenn Symptome eindeutig der Bradykardie zugeordnet sind (Symptom-Rhythmus-Korrelation) |
| Bradykardie-Tachykardie-Syndrom | Schrittmacher bei symptomatischen Pausen oder wenn sonst keine frequenzsenkende Therapie möglich ist; alternativ Ablation des Vorhofflimmerns (Referenz) |
| Bradykardes permanentes Vorhofflimmern | Schrittmacher bei Symptomen durch langsame Kammerfrequenz oder Pausen (VVIR) |
| AV-Block I°, Wenckebach | meist kein Schrittmacher; nur bei eindeutig zugeordneten Symptomen oder Block unterhalb des AV-Knotens |
| Unklare Synkope + Schenkelblock | weitere Diagnostik: elektrophysiologische Untersuchung (HV-Zeit ≥ 70 ms oder Block unterhalb des His-Bündels → Schrittmacher) oder implantierbarer Loop-Recorder |
| Alternierender Schenkelblock (z. B. Wechsel zwischen RSB und LSB) | Schrittmacher, auch ohne Symptome |
| Schwere, wiederkehrende Reflexsynkopen ohne Vorwarnzeichen, Alter > 40 Jahre, dokumentierte asystolische Pause | Zweikammerschrittmacher bei ausgewählten Patienten (Einheit 9) |
| Asymptomatische Sinusbradykardie, z. B. bei Ausdauersportlern; nächtlicher Wenckebach | kein Schrittmacher |
Symptom-Rhythmus-Korrelation heißt: Die Beschwerden treten gleichzeitig mit der dokumentierten Bradykardie oder Pause auf (Langzeit-EKG, Event-Recorder, implantierbarer Loop-Recorder). Eine Pause im Langzeit-EKG ohne Beschwerden und Schwindel an anderen Tagen sind noch kein Beleg.
Schritt 3 – System wählen:
| Ausgangslage | Übliches System |
|---|---|
| AV-Block bei Sinusrhythmus | DDD (alternativ VDD) |
| Sinusknotenerkrankung | DDD(R) mit Programmierung, die unnötige Kammerstimulation vermeidet |
| Permanentes Vorhofflimmern mit Bradykardie | VVI(R) |
| Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion und Bedarf an Kammerstimulation | CRT erwägen (S08) |
Akut ist nicht dauerhaft. Atropin, Katecholamine und transkutanes oder transvenöses Pacing (Einheiten 2 und 6) überbrücken. Die Entscheidung über einen Dauerschrittmacher fällt erst, wenn die Ursache geklärt und der Patient stabil ist.
Multiple Choice
Transfer aus Einheit 2
Ein 24-jähriger Ausdauersportler hat im Langzeit-EKG nachts einen AV-Block II° Typ Wenckebach mit schmalen QRS-Komplexen und Pausen bis 2,2 s. Tagsüber und unter Belastung: Sinusrhythmus, normale Überleitung. Er hat keine Beschwerden. Wie gehst du vor?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Person | 24 Jahre; Ausdauersportler; keine Beschwerden |
| Nachts | AV-Block II° Typ Wenckebach; schmale QRS; Pausen bis 2,2 s |
| Tagsüber / Belastung | Sinusrhythmus; normale Überleitung |
- a)Zweikammerschrittmacher, weil jede AV-Blockierung II. Grades eine Indikation ist.
- b)Kein Schrittmacher; Aufklärung, dass es sich um eine vagal bedingte, gutartige Leitungsverzögerung handelt, und Wiedervorstellung bei Beschwerden.
- c)Elektrophysiologische Untersuchung, um die HV-Zeit zu bestimmen, bevor er weiter trainieren darf.
Multiple Choice
Transfer aus Einheit 2
Eine 61-jährige Patientin nimmt wegen Hypertonie Metoprolol und seit zwei Wochen zusätzlich Verapamil. Sie wird wegen Schwindel vorgestellt: Sinusbradykardie 38/min mit AV-Block I°, RR 112/70 mmHg, wach, keine Synkope, Kalium 4,3 mmol/l. Was ist der nächste Schritt hinsichtlich eines Schrittmachers?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Person / Verlauf | 61 Jahre; Hypertonie; Schwindel |
| Medikation | Metoprolol; Verapamil zusätzlich seit zwei Wochen |
| EKG | Sinusbradykardie 38/min; AV-Block I° |
| Klinik / Labor | RR 112/70 mmHg; wach; keine Synkope; Kalium 4,3 mmol/l |
- a)Die bremsenden Medikamente absetzen, am Monitor überwachen und neu beurteilen; zunächst kein Dauerschrittmacher.
- b)Sofort einen Zweikammerschrittmacher implantieren, weil die Frequenz unter 40/min liegt.
- c)Einen VVI-Schrittmacher implantieren und die Medikamente weitergeben.
Freie Antwort
Ein 78-jähriger Mann hat seit Tagen Schwindel. EKG: Sinusrhythmus 76/min, AV-Block III° mit breitem Ersatzrhythmus 34/min. RR 118/64 mmHg, wach, orientiert. Kalium normal, keine bremsenden Medikamente, Troponin negativ, TSH normal. Begründe die Schrittmacherindikation und schlage ein System vor.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Person / Beschwerden | 78 Jahre; seit Tagen Schwindel |
| EKG | Sinusrhythmus 76/min; AV-Block III°; breiter Ersatzrhythmus 34/min |
| Kreislauf | RR 118/64 mmHg; wach und orientiert |
| Zusatzbefunde | Kalium und TSH normal; Troponin negativ; keine bremsenden Medikamente |
Fehlfunktionen erkennen
Verdacht auf eine Fehlfunktion besteht bei Schwindel, Synkope, Palpitationen, neuer Dyspnoe oder Beschwerden an der Aggregattasche. Ordne das EKG mit den drei Grundbegriffen ein:
| Problem | Was du im EKG siehst | Häufige Ursachen |
|---|---|---|
| Capture-Verlust (Exitblock) | Spike ohne folgende P-Welle bzw. ohne QRS | Sondendislokation (v. a. in den ersten Wochen), Anstieg der Reizschwelle (Hyperkaliämie, Antiarrhythmika, Ischämie), Sondenbruch, Batterieerschöpfung |
| Undersensing | Spike trotz vorhandener Eigenaktion, z. B. mitten im QRS oder in der T-Welle | zu niedrige Empfindlichkeit, Sondenproblem, kleine Eigensignale |
| Oversensing | Pause ohne Spike, obwohl die Grundfrequenz unterschritten ist: Das Gerät „sieht“ Signale, die keine Herzaktion sind | Muskelpotenziale, Isolationsdefekt oder Bruch der Sonde, elektromagnetische Störquellen |
| Fehlende Stimulation insgesamt | Bradykardie ohne jeden Spike | Batterieerschöpfung, Sondenbruch, ausgeprägtes Oversensing |
Ein Spike, der durch Undersensing in die T-Welle fällt, kann theoretisch eine Kammertachykardie auslösen (R-auf-T). Bei jeder vermuteten Fehlfunktion gilt: Monitor, Elektrolyte, Röntgen-Thorax zur Sondenlage und zeitnahe Geräteabfrage durch die Kardiologie. Bei relevanter Bradykardie überbrückst du wie in Einheit 6 (transkutanes Pacing).
Normal und nicht verwechseln: Ein Fusionsschlag (Eigen- und Schrittmachererregung treffen sich, Aufgabe C05-U08-Q07) und fehlende Spikes bei ausreichender Eigenfrequenz (Inhibition) sind keine Fehlfunktion.
Vom Monitorbild zur Fehlfunktion: Ordne zuerst Spike und Antwort ein, dann klären Labor, Röntgen und Geräteabfrage die Ursache.
Quelle: eigene Darstellung.
Der Magnet
Ein Notfallmagnet gehört in jeden Notarzt- und Rettungswagen. Seine Wirkung hängt vom Gerät ab:
| Gerät | Wirkung, solange der Magnet aufliegt | Wann nützlich? |
|---|---|---|
| Schrittmacher | starre, asynchrone Stimulation (AOO, VOO oder DOO) mit einer Magnetfrequenz; Eigenaktionen werden ignoriert | Oversensing unterdrückt eine nötige Stimulation; Operation mit elektrischem Messer bei schrittmacherabhängigem Patienten; schrittmachervermittelte Tachykardie |
| ICD | antitachykarde Therapie (ATP und Schock) ausgeschaltet; die Schrittmacherfunktion bleibt in der Regel unverändert | wiederholte Schocks ohne Kammertachykardie (z. B. Sondenbruch, schnell übergeleitetes Vorhofflimmern) |
Nach Entfernen des Magneten kehrt das Gerät meist zur Programmierung zurück; einzelne Geräte reagieren anders – deshalb nur mit Monitor und Defibrillator in Reichweite. Bei abgeschalteter ICD-Therapie musst du eine Kammertachykardie selbst behandeln.

Die beiden Magnetwirkungen unterscheiden sich: Bei ausgeschalteter ICD-Therapie musst du eine VT extern behandeln. Quelle: eigene Darstellung.
Notfallmagnet für Schrittmacher und ICD, daneben ein Kugelschreiber zum Größenvergleich. Der Magnet wird direkt über das Aggregat auf die Haut gelegt und wirkt nur, solange er dort liegt.
Quelle: Stefan Bellini, Wikimedia Commons (File:Pacemaker_magnet.JPG), CC0 1.0 (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/); Commons-Vorschau mit 1280 px Breite, ohne Zuschnitt, als WebP gespeichert.
Schrittmachervermittelte Tachykardie (kurz)
Bei Zweikammersystemen kann eine stimulierte Kammererregung rückwärts auf den Vorhof geleitet werden. Das Gerät nimmt diese Vorhoferregung wahr und stimuliert erneut die Kammer – ein Kreislauf entsteht. Im EKG: regelmäßige, stimulierte Breitkomplextachykardie an der oberen Frequenzgrenze des Geräts. Ein Magnet beendet sie (asynchrone Stimulation nimmt keine Vorhofsignale wahr); danach Umprogrammierung durch die Kardiologie.
Kardioversion und Defibrillation bei Geräteträgern (wieder, Einheit 6)
Ein Schrittmacher oder ICD ist keine Kontraindikation für einen Schock. Klebe die Pads mehr als 8 cm vom Aggregat entfernt oder in anterior-posteriorer Position. Danach das Gerät kontrollieren lassen (Reizschwelle, Programmierung).
Bildgebung und Strahlenschutz bei Geräten (Brücke zu A09)
- Röntgen-Thorax nach Implantation: in zwei Ebenen. Du beurteilst die Lage der Sonden (Vorhofsonde im rechten Herzohr, Kammersonde in Spitze oder Septum des rechten Ventrikels, CRT-Sonde in einer Vene an der Seitenwand des linken Ventrikels), ein Pneumothorax nach Subclaviapunktion und Sondenbruch oder -dislokation bei späterer Fehlfunktion. Wie bei jeder Röntgenaufnahme gilt die rechtfertigende Indikation: Röntgen nur, wenn das Ergebnis eine Entscheidung beeinflusst.
- MRT: Viele neuere Systeme sind MR-konditional – aber nur als Kombination aus Aggregat und Sonden und nur unter den Bedingungen des Herstellers. Ablauf: Gerät vorher in einen MRT-Modus programmieren (bei schrittmacherabhängigen Patienten asynchrone Stimulation, beim ICD Therapie aus), während der Untersuchung EKG- und Sättigungsmonitoring, Defibrillator außerhalb des Magnetraums bereit, danach Rückprogrammierung. Bei nicht MR-konditionalen Systemen, stillgelegten Sondenresten, epikardialen Sonden oder Sondenadaptern wird eine MRT nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in erfahrenen Zentren durchgeführt.
- Strahlentherapie in der Nähe des Aggregats kann die Elektronik schädigen: vorher Kardiologie einbeziehen, Gerät vor und nach der Behandlung kontrollieren.
Ablauf einer MRT bei Geräteträgern: Entscheidend ist der MR-Status des ganzen Systems, nicht nur des Aggregats.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Pacing/CRT 2021.
Die Tabelle bündelt die Gerätevorbereitung für Schock und Bildgebung.
| Situation | Vorher / dabei | Danach / Ziel |
|---|---|---|
| Kardioversion oder Defibrillation | Pads > 8 cm vom Aggregat oder anterior-posterior | Gerätefunktion kontrollieren |
| MRT | MR-Status von Aggregat + Sonden prüfen; MRT-Modus, EKG/SpO₂ | Rückprogrammieren |
| Röntgen-Thorax nach Implantation | Zwei Ebenen bei rechtfertigender Indikation | Sondenlage und Pneumothorax prüfen |
Multiple Choice
Eine 88-jährige Patientin hat seit zwei Jahren einen Schrittmacher wegen AV-Block III°. Sie soll eine MRT der Lendenwirbelsäule erhalten. Ihr aktuelles EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12514, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Welche Aussage ist richtig?
- a)Das EKG zeigt einen normalen Sinusrhythmus; für die MRT ist nichts zu beachten.
- b)Jeder Schlag ist kammerstimuliert (60/min). Bei AV-Block III° muss mit Schrittmacherabhängigkeit gerechnet werden; die MRT ist nur möglich, wenn das System MR-konditional ist, und erfordert Umprogrammierung, Monitoring und Kardiologie.
- c)Für die Dauer der MRT legt man einfach einen Magneten auf das Aggregat.
Multiple Choice
Ein 67-jähriger ICD-Träger erhält in der Notaufnahme innerhalb von 20 Minuten drei Schocks. Er ist wach, RR 128/80 mmHg. Der Monitor zeigt während der Schocks Sinusrhythmus mit 80/min und grobe Störsignale bei Armbewegung. Was tust du zuerst?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Gerät / Ereignisse | 67 Jahre; ICD; drei Schocks in 20 Minuten |
| Kreislauf | Wach; RR 128/80 mmHg |
| Monitor während der Schocks | Sinusrhythmus 80/min |
| Zusätzliche Signale | Grobe Störsignale bei Armbewegung |
- a)Amiodaron i.v. geben, weil wiederholte Schocks immer eine Kammertachykardie bedeuten.
- b)Magnet auf das ICD-Aggregat legen, Monitor und externen Defibrillator bereithalten, Kardiologie zur Geräteabfrage rufen.
- c)Abwarten, bis der ICD von selbst aufhört.
Der ICD – Funktion und Indikation
Was ein ICD kann. Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator überwacht ständig die Kammerfrequenz und behandelt lebensbedrohliche Kammertachykardien selbst. Zusätzlich besitzt jeder ICD die Funktionen eines Schrittmachers.
Ablauf der ICD-Therapie (vereinfacht). Frequenzgrenzen und Zeiten werden individuell programmiert; die Zahlen im Schritt 1 gelten für primärpräventive Geräte.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Herold Innere Medizin 2024 (Antitachykarde Systeme), HRS/EHRA/APHRS/SOLAECE-Konsensus zur ICD-Programmierung 2015 mit Update 2019, ESC-Leitlinie Herzinsuffizienz 2026 (Abschnitt Geräteprogrammierung).
- Detektion: Liegt die Kammerfrequenz für eine programmierte Dauer über einer Grenze, ordnet das Gerät sie einer Zone zu. Hohe Grenzfrequenzen und längere Erkennungszeiten vermindern unnötige Therapien. Bei primärpräventiven Geräten empfiehlt der internationale Programmierkonsens eine unterste Therapiezone von etwa 185–200/min und eine Erkennungsdauer von 6–12 s (bzw. 30 Intervallen).
- Antitachykardes Pacing (ATP): In der VT-Zone gibt das Gerät zuerst eine kurze Impulsserie ab, etwas schneller als die VT. Viele monomorphe VT werden so schmerzlos beendet.
- Schock: Bleibt ATP erfolglos oder liegt die Frequenz in der VF-Zone (sehr schnelle VT, Kammerflimmern), gibt der ICD einen internen Schock ab (bei transvenösen Systemen je nach Gerät bis etwa 40–45 J) und wiederholt ihn bei Bedarf.
Bauarten:
| System | Besonderheit |
|---|---|
| Transvenöser ICD (Ein- oder Zweikammer) | Schock, ATP und Schrittmacherfunktion |
| CRT-D | CRT-System mit Defibrillatorfunktion |
| Subkutaner ICD (S-ICD) | Elektrode unter der Haut neben dem Brustbein, keine Sonde im Gefäß; kein ATP und keine dauerhafte Schrittmacherfunktion (Referenz) |
| Tragbarer Defibrillator (Weste, WCD) | zeitlich begrenzte Überbrückung, z. B. nach Explantation eines infizierten Systems oder bis zur endgültigen ICD-Entscheidung; Nutzen auf das Überleben in Studien nicht belegt (Referenz) |
Im Röntgen-Thorax erkennst du einen transvenösen ICD an der Schockwendel:
Transvenöser ICD im Röntgen-Thorax (p.-a.). Aggregat links infraklavikulär, eine Sonde mit der Spitze im rechten Ventrikel. Der dicke, besonders röntgendichte Abschnitt kurz vor der Sondenspitze ist die Schockwendel (Coil): Daran unterscheidest du eine ICD-Sonde von einer reinen Schrittmachersonde.
Quelle: Sunzi99, Wikimedia Commons (File:Herzschrittmacher_auf_Roentgenbild.jpg), CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/); Commons-Vorschau mit 1280 px Breite, Bildränder mit Seitenmarker und Dosisangabe abgeschnitten, als WebP gespeichert.
Wer bekommt einen ICD?
Man unterscheidet Sekundärprävention (der Patient hat eine lebensbedrohliche Kammerrhythmusstörung bereits überlebt) und Primärprävention (hohes Risiko, aber noch kein Ereignis). Voraussetzung ist immer eine erwartete Lebenszeit von mehr als einem Jahr bei gutem Funktionszustand – ein ICD verhindert den plötzlichen Herztod, nicht das Fortschreiten schwerer Begleiterkrankungen.
| Situation | Empfehlung (ESC 2022 VA, ESC 2026 Herzinsuffizienz) |
|---|---|
| Überlebtes Kammerflimmern oder hämodynamisch nicht tolerierte VT, ohne reversible Ursache und nicht innerhalb von 48 h nach einem Infarkt | ICD empfohlen (Sekundärprävention) |
| Symptomatische HFrEF (NYHA II–III), ischämische Ursache, LVEF ≤ 35 % trotz ≥ 3 Monaten optimaler Therapie | ICD empfohlen (Primärprävention) |
| Wie oben, aber nicht-ischämische Ursache (z. B. dilatative Kardiomyopathie) | ICD sollte erwogen werden (geringerer Nutzen, individuelle Entscheidung) |
| Innerhalb von 40 Tagen nach Myokardinfarkt | kein ICD zur Primärprävention (verbessert die Prognose nicht); LVEF nach Optimierung der Therapie neu messen |
| NYHA IV trotz Therapie, keine Option für CRT, Herzunterstützungssystem oder Transplantation | kein ICD |
| Erbliche Rhythmuserkrankungen (z. B. Long-QT-Syndrom mit Synkope trotz Betablocker, Brugada-Syndrom mit arrhythmogener Synkope, hypertrophe Kardiomyopathie mit hohem Risiko) | spezialisierte Einzelfallentscheidung (Referenz) |
„Optimale Therapie“ meint die leitliniengerechte medikamentöse Herzinsuffizienztherapie (C04) – erst danach wird die LVEF erneut gemessen. Viele Patienten verbessern sich in diesen Monaten so weit, dass kein ICD mehr nötig ist. Die Wartezeit nach Infarkt schützt deshalb vor überflüssigen Implantationen; ein tragbarer Defibrillator kann im Einzelfall die Zeit überbrücken.

Erst Ausschlüsse prüfen, dann Sekundär- und Primärprävention trennen; in der Primärprävention entscheidet zusätzlich die Ursache der Herzinsuffizienz. Quelle: eigene Darstellung.
Gut tolerierte anhaltende VT bei struktureller Herzerkrankung (z. B. Infarktnarbe): Ob ICD, Katheterablation oder beides, entscheidet die Rhythmologie individuell (Referenz).
Ausgearbeitetes Beispiel – 46-jähriger Mann nach anhaltender VT
46-jähriger Mann, Vorderwandinfarkt vor zehn Jahren und Hinterwandinfarkt vor zwanzig Jahren. Vor einer Woche wurde er mit einer anhaltenden monomorphen VT und Präsynkope eingeliefert und elektrisch kardiovertiert; Troponinverlauf, Elektrolyte und Medikamente erklären die VT nicht. Jetzt das Ruhe-EKG:
12-Kanal-EKG in Ruhe, 10-s-Ausschnitt (Sekunde 20–30 der Aufzeichnung), Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die VT ist in diesem EKG nicht zu sehen; sie ist nur aus der Vorgeschichte bekannt.
Quelle: PTB Diagnostic ECG Database (Bousseljot et al.), patient141/s0307lre, Ausschnitt 20–30 s, ODC-By 1.0; Kurven unverändert neu gezeichnet. Contains information from the PTB Diagnostic ECG Database (https://physionet.org/content/ptbdb/1.0.0/) which is made available under the ODC Attribution License (https://opendatacommons.org/licenses/by/1-0/).
| Schritt | Befund |
|---|---|
| Rhythmus, Frequenz | Sinusrhythmus, regelmäßig, ca. 80/min (RR ca. 0,74 s) |
| Lagetyp | I positiv, III negativ, II überwiegend negativ → Linkstyp bis überdrehter Linkstyp (bei inferiorer Narbe eingeschränkt beurteilbar) |
| PQ, QRS | PQ normal; QRS schmal (< 0,12 s), niedrige Amplituden in den Extremitätenableitungen |
| Q-Zacken, R-Progression | Q-Zacken in III und aVF (Komplex dort überwiegend negativ); in V1–V3 nur sehr kleine r-Zacken mit tiefem S (rS) → verzögerte R-Progression |
| ST/T | keine ST-Hebung, T-Wellen flach |
| Beurteilung | Sinusrhythmus; Q-Zacken inferior als Zeichen des alten Hinterwandinfarkts; verzögerte R-Progression, passend zum bekannten alten Vorderwandinfarkt (allein nicht beweisend); keine akute Ischämie |
Entscheidung: Der Patient hat eine anhaltende VT mit Präsynkope – also eine hämodynamisch relevante Kammertachykardie – auf dem Boden alter Infarktnarben ohne reversible Ursache überlebt. Das ist eine Indikation zum ICD zur Sekundärprävention, unabhängig von der LVEF. Das Ruhe-EKG beweist die VT nicht; es zeigt Hinweise auf das Substrat (Narben). Ergänzend: Betablocker, optimale KHK-Therapie, ggf. Ablation bei wiederholten VT (Referenz).
Freie Antwort
57-jährige Patientin, anterolateraler Infarkt vor sieben Monaten, seitdem ischämische Kardiomyopathie. In den letzten Monaten mehrfach anhaltende VT mit Schwindel, zweimal elektrisch kardiovertiert. Echokardiographie (ergänzte Fallangabe): LVEF 30 % trotz optimaler Therapie, NYHA II. Ruhe-EKG:
12-Kanal-EKG in Ruhe, 10-s-Ausschnitt (Sekunde 20–30 der Aufzeichnung), Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die VT sind nur aus der Vorgeschichte bekannt.
Quelle: PTB Diagnostic ECG Database (Bousseljot et al.), patient183/s0175_re, Ausschnitt 20–30 s, ODC-By 1.0; Kurven unverändert neu gezeichnet. Contains information from the PTB Diagnostic ECG Database (https://physionet.org/content/ptbdb/1.0.0/) which is made available under the ODC Attribution License (https://opendatacommons.org/licenses/by/1-0/).
Befunde das EKG. Braucht die Patientin einen ICD, und erfüllt sie die Kriterien für eine CRT? (Die CRT-Kriterien findest du in S08; löse den ICD-Teil jetzt und den CRT-Teil nach S08, falls du unsicher bist.)
In der App sprechen üben →CRT – beide Kammern im Takt
Das Problem. Bei einem Linksschenkelblock wird der linke Ventrikel verspätet und ungleichmäßig erregt: Das Septum kontrahiert früh, die Seitenwand spät. Ein Teil der Kontraktion verpufft, die Pumpfunktion sinkt weiter. Diese mechanische Dyssynchronie verschlechtert eine bestehende Herzinsuffizienz.
Das Prinzip. Die CRT stimuliert über die Koronarsinussonde die Seitenwand des linken Ventrikels und über die rechtsventrikuläre Sonde das Septum nahezu gleichzeitig. Die Kammern ziehen sich wieder koordiniert zusammen. Bei passenden Patienten bessern sich Beschwerden und Pumpfunktion, Krankenhausaufnahmen und Sterblichkeit sinken. Damit das gelingt, muss das Gerät möglichst jeden Schlag biventrikulär stimulieren.
Mechanismus der CRT: Sie behebt die Dyssynchronie beim Linksschenkelblock – deshalb hängt ihr Nutzen von QRS-Form und -Dauer ab.
Quelle: eigene Darstellung.
CRT-P oder CRT-D? CRT-P ist ein reines Resynchronisationssystem (Schrittmacher), CRT-D besitzt zusätzlich die Defibrillatorfunktion. Ob ein „D“ dazukommt, folgt aus der ICD-Indikation (S07), dem Alter, den Begleiterkrankungen und dem Wunsch des Patienten.
So sehen die drei Sonden eines CRT-D im Röntgenbild aus:
CRT-D im Röntgenbild (Durchleuchtung). Schwarzer Pfeil: Vorhofsonde im rechten Vorhof. Gestrichelter Pfeil: rechtsventrikuläre Sonde; ihre zwei dicken Abschnitte sind Schockwendeln – deshalb handelt es sich um ein CRT-D. Roter Pfeil: Sonde in einer Koronarsinusvene an der Seitenwand des linken Ventrikels. Das Aggregat liegt links infraklavikulär (im Bild oben rechts).
Quelle: Gregory Marcus, Wikimedia Commons (File:Cardiac_resynchronisation_therapy.png), CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/); schmale Bildränder abgeschnitten, als WebP gespeichert.
Wann CRT? (ESC-Leitlinie Herzinsuffizienz 2026) Voraussetzung ist eine symptomatische HFrEF mit LVEF ≤ 35 % trotz optimaler medikamentöser Therapie. Dann entscheiden QRS-Form und -Dauer:
| QRS bei Sinusrhythmus | Empfehlung |
|---|---|
| LSB und QRS ≥ 150 ms | CRT empfohlen – stärkste Empfehlung |
| LSB und QRS 130–149 ms | CRT sollte erwogen werden |
| Kein LSB und QRS ≥ 150 ms | CRT sollte erwogen werden |
| Kein LSB und QRS 130–149 ms | CRT kann erwogen werden |
| QRS < 130 ms | keine CRT (Ausnahme: Bedarf an Kammerstimulation wegen höhergradigem AV-Block) |
Weitere Situationen:
- Patient mit Herzinsuffizienz und reduzierter Pumpfunktion, der wegen höhergradigem AV-Block eine Kammerstimulation braucht: CRT statt rein rechtsventrikulärer Stimulation sollte erwogen werden – unabhängig von NYHA-Klasse und QRS-Breite. Beachte: Die Leitlinie 2026 fasst unter HFrEF jetzt alle Patienten mit LVEF < 50 % zusammen.
- Upgrade: Verschlechtert sich die Herzinsuffizienz bei LVEF ≤ 35 % unter häufiger rechtsventrikulärer Stimulation, sollte ein Upgrade auf CRT erwogen werden.
- Permanentes Vorhofflimmern mit schweren Symptomen und schlecht kontrollierter Frequenz trotz Therapie: AV-Knoten-Ablation plus CRT („Ablate and Pace“) kann erwogen werden (Referenz; Einheit 3).

Lies jede Spalte getrennt von oben nach unten: Die beiden Indikationswege haben unterschiedliche Voraussetzungen; danach folgt die Wahl zwischen CRT-P und CRT-D. Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
79-jähriger Mann, ischämische Kardiomyopathie, Belastungsdyspnoe NYHA III. Echokardiographie (ergänzte Fallangabe): LVEF 30 % nach vier Monaten optimaler Herzinsuffizienztherapie. Kein Vorhofflimmern bekannt. EKG:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 10130, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG mit Blick auf die CRT-Kriterien. Miss die QRS-Dauer. Welche Geräteempfehlung leitest du ab?
In der App sprechen üben →Fälle
Freie Antwort
Fall 1: Synkope und Mobitz II
Eine 81-jährige Patientin ist beim Einkaufen plötzlich ohne Vorwarnzeichen gestürzt und war kurz bewusstlos. In der Notaufnahme: wach, RR 136/72 mmHg. EKG: Sinusrhythmus 72/min, konstantes PQ 0,18 s, einzelne P-Wellen ohne folgenden QRS (AV-Block II° Typ Mobitz II), Kammerfrequenz 48–60/min, QRS 0,14 s mit Rechtsschenkelblock. Kalium 4,5 mmol/l, keine bremsenden Medikamente, Troponin negativ. Den EKG-Befund Mobitz II hast du in Einheit 2 gelernt.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Ereignis | 81 Jahre; plötzlicher Sturz ohne Vorwarnung; kurz bewusstlos |
| Kreislauf | Wach; RR 136/72 mmHg |
| EKG | Sinusrhythmus 72/min; PQ 0,18 s konstant; einzelne P ohne QRS; Kammer 48–60/min; QRS 0,14 s mit RSB |
| Zusatzbefunde | Kalium 4,5 mmol/l; Troponin negativ; keine bremsenden Medikamente |
Stelle die Patientin der Oberärztin vor. Begründe die Indikation, das Schrittmachersystem und die Überwachung bis zur Implantation.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Fall 2: Nach dem Vorderwandinfarkt
Ein 63-jähriger Mann hatte vor drei Monaten einen Vorderwandinfarkt mit Stent in den RIVA. Seitdem erhält er eine leitliniengerechte Herzinsuffizienztherapie in Zieldosis. Jetzt: NYHA II, LVEF 30 % in der Kontrollechokardiographie, Sinusrhythmus, QRS 98 ms ohne Schenkelblock. Welche Geräteempfehlung ist richtig?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 63 Jahre; Vorderwandinfarkt vor drei Monaten; RIVA-Stent |
| Therapie | Leitliniengerechte Herzinsuffizienztherapie in Zieldosis |
| Klinik / Echo | NYHA II; LVEF 30 % |
| EKG | Sinusrhythmus; QRS 98 ms; kein Schenkelblock |
- a)Kein Gerät, weil er noch keine VT hatte.
- b)ICD zur Primärprävention; keine CRT.
- c)CRT-D, weil die LVEF unter 35 % liegt.
- d)Tragbarer Defibrillator auf Dauer statt ICD.
Freie Antwort
Fall 3: ICD-Schock in der Notaufnahme
Ein 70-jähriger Mann mit ICD (ischämische Kardiomyopathie) kommt mit seiner Frau. Vor einer Stunde spürte er Herzrasen, dann einen „Schlag in die Brust“, seitdem geht es ihm gut. Jetzt: wach, RR 124/76 mmHg, Sinusrhythmus 72/min am Monitor, keine Brustschmerzen. Er hat zum ersten Mal einen Schock erlebt und ist verängstigt.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 70 Jahre; ICD bei ischämischer Kardiomyopathie |
| Vor einer Stunde | Herzrasen, dann erstmals ein Schlag in die Brust |
| Aktuell | Wach; RR 124/76 mmHg; Sinusrhythmus 72/min |
| Beschwerden | Keine Brustschmerzen; verängstigt |
Beschreibe dein Vorgehen in der Notaufnahme und was du ihm erklärst.
Aggregat eines implantierbaren Defibrillators neben einem Maßband (Zoll-Skala). Es liegt unter der Haut unterhalb des linken Schlüsselbeins und ist etwas größer als ein Schrittmacher.
Quelle: n28ive1 (Flickr, über Wikimedia Commons), CC BY 2.0
Freie Antwort
Fall 4: Patientenerklärung
Die 81-jährige Patientin aus Fall 1 fragt: „Brauche ich jetzt wirklich so ein Gerät? Was macht das, und darf ich danach noch alles?“
Die Tabelle erinnert an die bereits genannten Daten der Patientin aus Fall 1.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Ereignis | 81 Jahre; plötzlicher Sturz ohne Vorwarnung; kurz bewusstlos |
| Kreislauf | Wach; RR 136/72 mmHg |
| EKG | Sinusrhythmus 72/min; PQ 0,18 s konstant; einzelne P ohne QRS; Kammer 48–60/min; QRS 0,14 s mit RSB |
| Zusatzbefunde | Kalium 4,5 mmol/l; Troponin negativ; keine bremsenden Medikamente |
Erkläre ihr in einfachen Worten, warum du den Schrittmacher empfiehlst, was er tut und was nach der Implantation wichtig ist. Prüfe am Ende, was sie verstanden hat.
Herzschrittmacher in der Hand: ein kleines Gehäuse mit Batterie und Elektronik und eine dünne Sonde, die über eine Vene ins Herz geführt wird. So kannst du Größe und Aufbau anschaulich erklären.
Quelle: Steven Fruitsmaak (Wikimedia Commons), CC BY 3.0
Selbsteinschätzung
Prüfe ehrlich, was du jetzt kannst. Wenn ein Punkt unsicher ist, gehe zum genannten Abschnitt zurück.
- Ich kann Sensing, Pacing und Capture erklären und im EKG zeigen. (S01, S02)
- Ich kann den NBG-Code lesen und AAI, VVI, DDD und VDD im EKG unterscheiden. (S01–S03)
- Ich erkenne die Demand-Funktion an Eigenschlägen ohne Spike. (S04)
- Ich kann begründen, wann eine Bradykardie einen Schrittmacher braucht – und wann nicht. (S05)
- Ich kann Capture-Verlust, Undersensing und Oversensing an ihren EKG-Zeichen unterscheiden und weiß, was ein Magnet bei Schrittmacher und ICD bewirkt. (S06)
- Ich kann ICD-Indikationen zur Sekundär- und Primärprävention nennen, einschließlich LVEF-Grenze, Therapiedauer und Wartezeit nach Infarkt. (S07)
- Ich kann die CRT-Kriterien anwenden und CRT-P von CRT-D abgrenzen. (S08)
- Ich kann einen Patienten mit Schrittmacherindikation vorstellen und ihm das Gerät verständlich erklären. (S09)
Synkope & Fahreignung
Lernziel: Du kannst Synkopen risikobewerten und zur Fahreignung beraten.
Ein kurzer Bewusstseinsverlust gehört zu den häufigsten Gründen für eine Vorstellung in der Notaufnahme. Meist steckt eine harmlose Reflexsynkope dahinter – selten aber eine Rhythmusstörung, die beim nächsten Mal tödlich sein kann. In dieser Einheit lernst du, einen Bewusstseinsverlust als Synkope einzuordnen, die drei Ursachengruppen zu unterscheiden, mit Anamnese, Stehtest und 12-Kanal-EKG das Risiko zu beurteilen und daraus Entlassung, Beobachtung oder Aufnahme abzuleiten. Im zweiten Teil berätst du Patienten nach Synkope oder Rhythmusereignis zur Fahreignung und dokumentierst das Gespräch. Am Ende steht der Kapitelabschluss mit drei Fällen, die das ganze Kapitel verbinden.
Du brauchst dafür aus den vorigen Einheiten: die Befundreihenfolge im EKG und die QTc-Rechnung (Einheit 1), AV-Blockierungen (Einheit 2), Präexzitation (Einheit 4), Kammertachykardien (Einheit 5), die vier Instabilitätszeichen (Einheit 6) sowie Schrittmacher und ICD (Einheit 8).
Vom Bewusstseinsverlust zur Synkope
Erst der Oberbegriff. Ein vorübergehender Bewusstseinsverlust (englisch transient loss of consciousness, TLOC) ist ein echter oder scheinbarer Bewusstseinsverlust mit Erinnerungslücke für die Episode, fehlender Reaktion auf Ansprache, gestörter Motorik (Sturz, Erschlaffen oder Zuckungen) und kurzer Dauer. TLOC beschreibt zunächst nur, was passiert ist – nicht warum.
Synkope nennt man einen TLOC, der durch eine vorübergehende globale Minderdurchblutung des Gehirns entsteht. Vier Merkmale gehören dazu:
| Merkmal | Was du erfragst |
|---|---|
| rascher Beginn | „Wie schnell ging es?“ – Sekunden, nicht Minuten |
| kurze Dauer | meist unter einer Minute |
| spontane Erholung | ohne Behandlung wieder wach |
| vollständige Erholung | rasch wieder orientiert, keine anhaltenden neurologischen Ausfälle |
Warum reicht eine kurze Minderdurchblutung? Das Gehirn hat kaum Energiereserven. Fällt die Durchblutung für wenige Sekunden stark ab, geht das Bewusstsein verloren; der Haltetonus erlischt, der Patient stürzt. Im Liegen fließt das Blut wieder zum Kopf – deshalb erholen sich Patienten mit Synkope meist rasch und spontan.
Was keine Synkope ist. Mehrere Zustände sehen ähnlich aus, haben aber eine andere Ursache und brauchen eine andere Abklärung:
| Zustand | Was dafür spricht |
|---|---|
| epileptischer Anfall | lateraler Zungenbiss, Kopfwendung, tonisch-klonische Krämpfe ab Beginn, längere Verwirrtheit danach (postiktale Phase) |
| psychogene Pseudosynkope | häufige, längere Episoden, Augen während des Ereignisses geschlossen, keine Verletzungen; Bewusstseinsverlust nur scheinbar |
| Sturz ohne Bewusstseinsverlust | Patient erinnert sich an den Aufprall |
| Hypoglykämie, Hypoxie, Intoxikation | Bewusstseinsstörung länger und nicht spontan rückläufig; Blutzucker messen |
| TIA | neurologische Herdsymptome (z. B. Lähmung, Sprachstörung); eine TIA der Karotisstrombahn führt in aller Regel nicht zum Bewusstseinsverlust |
Achtung bei Zuckungen: Auch bei einer Synkope kommt es oft zu kurzen, unregelmäßigen Myoklonien – nachdem der Patient zusammengesackt ist und nur für wenige Sekunden. Zuckungen allein beweisen keinen epileptischen Anfall. Entscheidend sind Zeitpunkt, Dauer und die Phase danach.
Einteilung des vorübergehenden Bewusstseinsverlusts: Nur bei globaler zerebraler Minderdurchblutung spricht man von Synkope; die kardiale Gruppe entscheidet über das Risiko.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Zuckungen allein beweisen keinen Anfall: Zeitpunkt der Zuckungen, Dauer und die Phase danach trennen Synkope, epileptischen Anfall und psychogene Pseudosynkope.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Multiple Choice
Vier Patienten werden nach einem „Kollaps“ vorgestellt. Bei welchem Patienten liegt am ehesten eine Synkope vor?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Patient | Situation | Verlauf / Befunde |
|---|---|---|
| A | 58 Jahre; Insulin | Seit 20 Minuten verwirrt und schweißig; Blutzucker 38 mg/dl |
| B | 31 Jahre; Blutspende | Etwa 20 s bewusstlos; vorher Übelkeit und Schwitzen; nach 1 min orientiert |
| C | 72 Jahre; Stolpern | Teppichkante; erinnert sich an den Aufprall |
| D | 24 Jahre; Krämpfe | Tonisch-klonisch ab Beginn; lateraler Zungenbiss; danach 30 min verwirrt |
- a)58-jähriger Diabetiker unter Insulin, seit 20 Minuten verwirrt und schweißig, Blutzucker 38 mg/dl
- b)31-jährige Frau, beim Blutspenden für etwa 20 Sekunden bewusstlos, zuvor Übelkeit und Schwitzen, nach einer Minute wieder orientiert
- c)72-jährige Frau, beim Gehen über eine Teppichkante gestolpert, erinnert sich an den Aufprall
- d)24-jähriger Mann, tonisch-klonische Krämpfe ab Beginn, lateraler Zungenbiss, danach 30 Minuten verwirrt
Drei Ursachengruppen – reflexvermittelt, orthostatisch, kardial
Alle Synkopen haben dieselbe Endstrecke: Der Blutdruck fällt so weit, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Der Blutdruck ergibt sich aus Herzzeitvolumen × peripherem Widerstand. Jede Ursachengruppe greift an einer anderen Stelle dieser Gleichung an.
1. Reflexvermittelte (nerval vermittelte) Synkope. Ein Reflex schaltet für kurze Zeit den Sympathikus ab und den Vagus an. Folge: Gefäßerweiterung (vasodepressorisch), Verlangsamung des Herzschlags bis zur Pause (kardioinhibitorisch) oder beides.
- vasovagal: ausgelöst durch Schmerz, Angst, Anblick von Blut oder langes Stehen in warmer, voller Umgebung; typische Vorboten: Übelkeit, Schwitzen, Wärmegefühl, Blässe, „Schwarzwerden vor Augen“
- situativ: beim Husten, Niesen, Wasserlassen, Stuhlgang, nach körperlicher Belastung oder nach dem Essen
- Karotissinussyndrom: überempfindliche Barorezeptoren im Karotissinus; Synkope bei Kopfdrehung, engem Kragen, Rasieren – meist bei älteren Männern
2. Synkope durch orthostatische Hypotonie. Beim Aufstehen versacken etwa 500–800 ml Blut in Beinen und Bauch. Normalerweise gleicht der Sympathikus das in Sekunden aus (Gefäßverengung, leichter Frequenzanstieg). Gelingt das nicht, fällt der Blutdruck im Stehen ab. Ursachen:
- Medikamente (häufigste Ursache): Diuretika, Alphablocker, andere Antihypertensiva, Nitrate, Antidepressiva, Neuroleptika, Levodopa
- Volumenmangel: Blutung, Erbrechen, Durchfall, zu geringe Trinkmenge
- autonome Störung: diabetische Neuropathie, Morbus Parkinson, Multisystematrophie
Drei zeitliche Formen unterscheidet die ESC-Leitlinie: die initiale orthostatische Hypotonie (kräftiger Druckabfall in den ersten 15 Sekunden nach dem Aufstehen, nur mit Schlag-zu-Schlag-Messung erfassbar), die klassische (innerhalb von 3 Minuten) und die verzögerte (nach mehr als 3 Minuten, oft bei älteren Menschen).
3. Kardiale (kardiovaskuläre) Synkope. Das Herz kann das Herzzeitvolumen nicht halten.
- Arrhythmie: Bradykardie (Sinusknotenerkrankung, AV-Block, Schrittmacherfehlfunktion) oder Tachykardie (SVT, VT); auch medikamentös ausgelöst. Eine Synkope durch plötzliche Asystolie heißt Adams-Stokes-Anfall (Einheit 2).
- strukturelle Erkrankung: Aortenklappenstenose, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie, akuter Infarkt, Perikardtamponade; außerhalb des Herzens Lungenembolie und Aortendissektion.
Die kardiale Synkope ist seltener, aber sie entscheidet über die Prognose: Sie kann der Vorbote eines plötzlichen Herztodes sein. Deshalb ist die wichtigste Frage der Erstbeurteilung nicht „Welche Synkope?“, sondern „Ist es möglicherweise eine kardiale Synkope?“
Jede Ursachengruppe greift an einer anderen Stelle von Herzzeitvolumen × Widerstand an; die gemeinsame Folge ist die Minderdurchblutung des Gehirns.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Anamnesehinweis → wahrscheinlicher Mechanismus
| Anamnesehinweis | Spricht eher für |
|---|---|
| Schmerz, Angst, Blutentnahme, langes Stehen; Übelkeit und Schwitzen vorher | reflexvermittelt (vasovagal) |
| beim Husten, Wasserlassen, nach dem Essen | reflexvermittelt (situativ) |
| bei Kopfdrehung, engem Kragen, Rasieren | Karotissinussyndrom |
| unmittelbar nach dem Aufstehen; neues oder höher dosiertes blutdrucksenkendes Medikament | orthostatische Hypotonie |
| Durchfall, Erbrechen, Blutung, wenig getrunken | orthostatische Hypotonie (Volumenmangel) |
| während körperlicher Belastung oder im Liegen | kardial |
| plötzliches Herzrasen, unmittelbar danach Synkope | kardial (Tachyarrhythmie) |
| keine oder nur sekundenlange Vorboten, Verletzung durch ungebremsten Sturz | verdächtig auf kardial |
| bekannte Herzerkrankung, plötzlicher Herztod junger Angehöriger | kardial |
Multiple Choice
Ein 66-jähriger Mann mit Zustand nach Vorderwandinfarkt sitzt am Schreibtisch, bemerkt plötzliches Herzrasen und ist wenige Sekunden später bewusstlos. Er hat sich beim Sturz eine Platzwunde zugezogen. Welcher Mechanismus ist am wahrscheinlichsten und muss zuerst abgeklärt werden?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 66 Jahre; Zustand nach Vorderwandinfarkt |
| Situation | Sitzend am Schreibtisch |
| Verlauf | Plötzliches Herzrasen; wenige Sekunden später bewusstlos |
| Folge | Platzwunde beim Sturz |
- a)orthostatische Hypotonie
- b)vasovagale Reflexsynkope
- c)arrhythmogene kardiale Synkope, z. B. Kammertachykardie
Freie Antwort
Ordne jede Kurzschilderung einer Ursachengruppe zu und nenne den entscheidenden Hinweis:
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Fall | Person | Situation / Befund |
|---|---|---|
| 1 | 81-jähriger Mann | Nachts beim Wasserlassen im Stehen bewusstlos |
| 2 | 74-jährige Frau | Doxazosin neu seit einer Woche; Synkope 30 s nach dem Aufstehen |
| 3 | 77-jährige Frau | Lautes Systolikum über der Aortenklappe; Synkope beim Treppensteigen |
- 81-jähriger Mann, wird beim nächtlichen Wasserlassen im Stehen bewusstlos.
- 74-jährige Frau, seit einer Woche zusätzlich Doxazosin; Synkope 30 Sekunden nach dem Aufstehen aus dem Sessel.
- 77-jährige Frau mit lautem Systolikum über der Aortenklappe; Synkope beim Treppensteigen.
Lesetext und Ausgearbeitetes Beispiel: Die Erstbeurteilung
Die Erstbeurteilung hat drei Bausteine: Anamnese, körperliche Untersuchung mit Blutdruck im Liegen und Stehen, 12-Kanal-EKG. Damit lässt sich bei vielen Patienten die Ursache bereits wahrscheinlich machen – und vor allem das Risiko einschätzen.
Anamnese – vorher, währenddessen, danach. Frage den Patienten und die Augenzeugen. Der Patient erinnert sich an die Bewusstlosigkeit selbst nicht.
| Phase | Fragen |
|---|---|
| vorher | Körperlage (liegend, sitzend, stehend)? Tätigkeit (Belastung, Aufstehen, Wasserlassen, Essen)? Auslöser (Schmerz, Blut, Wärme)? Vorboten (Übelkeit, Schwitzen, Herzrasen, Brustschmerz)? |
| währenddessen (Augenzeuge) | Wie lange bewusstlos? Gesichtsfarbe? Zuckungen – wann und wie lange? Puls getastet? |
| danach | Wie schnell wieder orientiert? Zungenbiss, Einnässen, Verletzungen? Brustschmerz, Atemnot? |
| Vorgeschichte | frühere Synkopen (seit wann, wie oft)? Herzerkrankung? Medikamente (neu, Dosisänderung, QT-verlängernd)? plötzlicher Herztod in der Familie? |
Körperliche Untersuchung. Vitalzeichen, Herzrhythmus und Herzfrequenz, Herzgeräusche (Aortenstenose, HOCM), Zeichen der Herzinsuffizienz, Hinweise auf Blutung oder Volumenmangel, neurologischer Status, Verletzungen. Ein Blutzucker gehört zur Basis, wenn die Bewusstseinslage nicht sofort wieder normal ist oder ein Diabetes bekannt ist. Weitere Laborwerte nur gezielt: Hämoglobin bei Blutungsverdacht, Troponin bei Verdacht auf akutes Koronarsyndrom, Elektrolyte bei Medikamenten- oder Volumenfragen.
Stehtest (aktives Aufstehen, im deutschen Sprachgebrauch oft Schellong-Test).
- Der Patient liegt einige Minuten ruhig (im klassischen Schellong-Test 10 Minuten); Blutdruck und Puls werden mehrmals gemessen.
- Er steht aktiv auf. Blutdruck und Puls werden in jeder Minute gemessen – mindestens 3 Minuten lang, bei Verdacht auf verzögerte orthostatische Hypotonie oder posturales Tachykardiesyndrom bis 10 Minuten.
- Symptome während des Stehens werden dokumentiert.
| Ergebnis im Stehtest | Bewertung (ESC 2018) |
|---|---|
| anhaltender Abfall systolisch ≥ 20 mmHg oder diastolisch ≥ 10 mmHg oder systolisch < 90 mmHg innerhalb von 3 Minuten | klassische orthostatische Hypotonie |
| derselbe Abfall erst nach mehr als 3 Minuten | verzögerte orthostatische Hypotonie |
| Abfall systolisch > 40 mmHg und/oder diastolisch > 20 mmHg in den ersten 15 Sekunden, rasche Erholung | initiale orthostatische Hypotonie (nur mit Schlag-zu-Schlag-Messung sicher) |
| Pulsanstieg > 30/min (oder auf > 120/min) innerhalb von 10 Minuten ohne orthostatische Hypotonie | posturales Tachykardiesyndrom (POTS) |
Ein auffälliger Stehtest ist erst dann die Erklärung der Synkope, wenn er die Beschwerden des Patienten nachvollziehbar macht – idealerweise treten dabei die bekannten Vorboten auf.
Stehtest: erst sauber messen, dann das Zeitfenster und die passenden Druck- oder Pulskriterien zuordnen; erklärend ist der Befund erst, wenn er die Beschwerden reproduziert.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Ausgearbeitetes Beispiel: Den Stehtest auswerten
Eine 71-jährige Patientin wird nach einer Synkope beim Aufstehen vom Esstisch vorgestellt. Die Werte des Stehtests:
Stehtest mit erfundenen Beispielwerten: oben Blutdruck, unten Herzfrequenz; senkrechte Linie = Aufstehen.
Quelle: eigene Darstellung (medeKI), aus Code gezeichnet, Beispielwerte erfunden; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Kriterien der orthostatischen Hypotonie).
Schritt 1 – Ausgangswerte im Liegen: systolisch etwa 140 mmHg, diastolisch etwa 80 mmHg, Herzfrequenz etwa 70/min.
Schritt 2 – Werte im Stehen: Nach 1 Minute systolisch 112 mmHg, nach 3 Minuten 108 mmHg; diastolisch 72 bzw. 68 mmHg. Der Abfall bleibt bis zur 10. Minute bestehen.
Schritt 3 – rechnen: systolisch 140 − 108 = 32 mmHg (≥ 20 mmHg erfüllt); diastolisch 80 − 68 = 12 mmHg (≥ 10 mmHg ebenfalls erfüllt). Der Abfall tritt innerhalb von 3 Minuten auf und hält an.
Schritt 4 – Herzfrequenz: Anstieg um etwa 14–15/min, kein Anstieg über 30/min → kein POTS.
Ergebnis: klassische orthostatische Hypotonie. Als Nächstes suchst du die Ursache: Medikamentenliste, Trinkmenge, Volumenstatus, Hinweise auf eine autonome Störung. Passt die Anamnese (Synkope beim Aufstehen) und fehlen Risikomerkmale (S04), ist das die wahrscheinliche Erklärung.
Ausgearbeitetes Beispiel: Das 12-Kanal-EKG nach einer typischen vasovagalen Synkope
Eine 28-jährige Frau wurde bei einer Impfung für etwa 15 Sekunden bewusstlos. Vorher wurde ihr übel und warm, sie war blass und schweißig. Nach einer Minute war sie wieder vollständig orientiert. Keine Vorerkrankungen, keine Medikamente, kein plötzlicher Herztod in der Familie. Untersuchung unauffällig, Stehtest normal. Das EKG wird jetzt systematisch befundet – auch bei typischer Anamnese, weil nur das EKG eine verborgene elektrische Herzerkrankung zeigen kann.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1885, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
| Merkmal | Befund | Bedeutung für die Synkope |
|---|---|---|
| Rhythmus | regelmäßig, vor jedem QRS eine positive P-Welle in II → Sinusrhythmus | keine Rhythmusstörung in diesen 10 s |
| Frequenz | ca. 70/min (12 Komplexe in 10 s) | keine Bradykardie |
| Lagetyp | Normaltyp (I, II, III positiv, II am größten) | unauffällig |
| PQ | ca. 130 ms | kein AV-Block; nicht verkürzt (keine Präexzitation) |
| QRS | ca. 90 ms, keine Delta-Welle | kein Schenkelblock |
| QT/QTc | QT ca. 380 ms, RR ca. 0,85 s → QTc (Bazett) ≈ 380 ÷ 0,92 ≈ 410 ms | normal, weder lang noch kurz |
| ST/T | keine ST-Hebung in V1–V2, T-Wellen unauffällig | kein Brugada-Muster, kein Ischämiezeichen |
| Beurteilung | normales EKG | Niedrigrisiko-Merkmal |
Konsequenz: Typische Auslöser, typische Vorboten, junge herzgesunde Patientin, normale Untersuchung und normales EKG – das sind ausschließlich Niedrigrisiko-Merkmale (S04). Diagnose: vasovagale Synkope. Sie wird aufgeklärt (gutartige Ursache, Vorboten erkennen, Gegendruckmanöver, ausreichend trinken) und entlassen; eine weitere Diagnostik ist nicht nötig.
Multiple Choice
Ein 79-jähriger Mann nimmt seit Kurzem Tamsulosin. Stehtest: liegend 128/76 mmHg, Puls 72/min; nach 1 Minute Stehen 112/70 mmHg, nach 3 Minuten 104/68 mmHg, Puls 80/min; er klagt über Schwindel wie vor seiner Synkope. Wie wertest du den Test?
Die Tabelle ordnet die angegebenen Messwerte des Stehtests.
| Zeitpunkt | Blutdruck | Puls |
|---|---|---|
| Liegend | 128/76 mmHg | 72/min |
| Nach 1 min Stehen | 112/70 mmHg | — |
| Nach 3 min Stehen | 104/68 mmHg | 80/min |
- a)normal, weil der systolische Druck über 90 mmHg bleibt
- b)klassische orthostatische Hypotonie, weil der systolische Druck innerhalb von 3 Minuten um 24 mmHg fällt
- c)posturales Tachykardiesyndrom, weil der Puls ansteigt
Risikostratifizierung – wer darf nach Hause?
Nach der Erstbeurteilung sortierst du jeden Patienten nach den Merkmalen der ESC-Leitlinie 2018. Die Hochrisiko-Merkmale deuten auf eine kardiale Ursache und damit auf eine Gefahr für das Leben hin; die Niedrigrisiko-Merkmale sprechen für eine gutartige Reflex- oder Orthostase-Synkope.
Niedrigrisiko-Merkmale
| Bereich | Merkmal |
|---|---|
| Ereignis | typische Vorboten einer Reflexsynkope (Benommenheit, Wärmegefühl, Schwitzen, Übelkeit) |
| Ereignis | nach plötzlichem unangenehmem Sinneseindruck (Anblick, Geräusch, Geruch, Schmerz) |
| Ereignis | nach langem Stehen, in voller oder heißer Umgebung, beim oder nach dem Essen |
| Ereignis | ausgelöst durch Husten, Stuhlgang oder Wasserlassen |
| Ereignis | bei Kopfdrehung oder Druck auf den Karotissinus |
| Ereignis | beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen |
| Vorgeschichte | lange Vorgeschichte (Jahre) gleichartiger, gutartiger Synkopen; keine strukturelle Herzerkrankung |
| Untersuchung | unauffälliger Befund |
| EKG | normales EKG |
Hochrisiko-Merkmale – „major“ (immer Hochrisiko)
| Bereich | Merkmal |
|---|---|
| Ereignis | neu aufgetretener Brustschmerz, Atemnot, Bauch- oder Kopfschmerz |
| Ereignis | Synkope während Belastung oder im Liegen |
| Ereignis | plötzliches Herzklopfen, unmittelbar gefolgt von der Synkope |
| Vorgeschichte | schwere strukturelle oder koronare Herzerkrankung (Herzinsuffizienz, eingeschränkte LVEF, früherer Infarkt) |
| Untersuchung | unerklärter systolischer Blutdruck < 90 mmHg in der Notaufnahme |
| Untersuchung | Verdacht auf gastrointestinale Blutung (rektale Untersuchung) |
| Untersuchung | anhaltende Bradykardie < 40/min im Wachzustand ohne körperliches Training |
| Untersuchung | bisher unbekanntes Systolikum |
| EKG | Zeichen einer akuten Ischämie |
| EKG | AV-Block II° Typ Mobitz II, AV-Block III° |
| EKG | langsames Vorhofflimmern < 40/min |
| EKG | anhaltende Sinusbradykardie < 40/min, wiederholte SA-Blockierungen oder Sinuspausen > 3 s im Wachzustand ohne körperliches Training |
| EKG | Schenkelblock, intraventrikuläre Leitungsstörung, Hypertrophiezeichen oder Q-Zacken als Hinweis auf eine Herzerkrankung |
| EKG | anhaltende oder nicht anhaltende Kammertachykardie |
| EKG | Fehlfunktion eines implantierten Geräts (Schrittmacher, ICD) |
| EKG | Brugada-Muster Typ 1 |
| EKG | QTc > 460 ms in wiederholten 12-Kanal-EKGs (Hinweis auf Long-QT-Syndrom) |
Hochrisiko-Merkmale – „minor“ (nur dann Hochrisiko, wenn die Anamnese zu einer arrhythmogenen Synkope passt; beim Ereignis: wenn zusätzlich eine strukturelle Herzerkrankung oder ein auffälliges EKG vorliegt)
| Bereich | Merkmal |
|---|---|
| Ereignis | keine oder nur sehr kurze Vorboten (unter etwa 10 s) |
| Ereignis | plötzlicher Herztod in jungem Alter in der Familie |
| Ereignis | Synkope im Sitzen |
| EKG | AV-Block II° Typ Mobitz I (Wenckebach), AV-Block I° mit deutlich verlängerter PQ-Zeit |
| EKG | asymptomatische, unangemessene leichte Sinusbradykardie (40–50/min) oder langsames Vorhofflimmern (40–50/min) ohne frequenzsenkende Medikamente |
| EKG | paroxysmale SVT oder paroxysmales Vorhofflimmern |
| EKG | Präexzitation |
| EKG | kurze QTc (≤ 340 ms) |
| EKG | atypische Brugada-Muster |
| EKG | negative T-Wellen rechtspräkordial oder Epsilon-Wellen (Hinweis auf arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie) |
Major-Merkmale machen den Patienten immer zum Hochrisiko-Patienten, minor-Merkmale nur im Zusammenhang mit arrhythmogener Anamnese, Herzerkrankung oder auffälligem EKG.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Was folgt daraus?
| Risikoprofil | Vorgehen in der Notaufnahme |
|---|---|
| nur Niedrigrisiko-Merkmale | keine weitere Diagnostik in der Notaufnahme nötig; Aufklärung, Entlassung, bei Bedarf ambulante Abklärung |
| mindestens ein Hochrisiko-Merkmal | frühe, intensive Abklärung: sofort Monitor-EKG an einem Ort mit Reanimationsmöglichkeit (in Studien bis 6 Stunden in der Notaufnahme, bis 24 Stunden stationär), Echokardiografie, gezielte Diagnostik; Aufnahme, wenn die Ursache nicht rasch geklärt und behandelt werden kann |
| weder eindeutig niedrig noch hoch | Beobachtung in der Notaufnahme oder einer Synkopen-Einheit; Expertenbeurteilung, häufig ambulant möglich |
Behandelst du eine Ursache, die bereits gefunden ist (zum Beispiel einen AV-Block III° oder eine Blutung), richtet sich das Vorgehen nach dieser Ursache – nicht nach der Tabelle.
Notaufnahme-Pfad bei Synkope: erst klären, ob es eine Synkope war, dann Erstbeurteilung und Risikostratifizierung mit drei Ausgängen.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Multiple Choice
Eine 45-jährige Lehrerin wurde während einer langen Schulfeier in der heißen Aula nach Übelkeit und Schwitzen kurz bewusstlos. Seit dem 16. Lebensjahr hatte sie drei ähnliche Episoden. Untersuchung und Stehtest unauffällig. Im EKG: Sinusrhythmus 72/min, PQ 160 ms, QRS 90 ms, QTc 490 ms; ein Kontroll-EKG nach zwei Stunden zeigt erneut eine QTc von 485 ms. Sie nimmt keine Medikamente. Wie ordnest du das Risiko ein?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Auslöser / Vorgeschichte | Lange Schulfeier in heißer Aula; Übelkeit und Schwitzen; drei ähnliche Episoden seit dem 16. Lebensjahr |
| Erstuntersuchung | Untersuchung und Stehtest unauffällig; keine Medikamente |
| Erstes EKG | Sinusrhythmus 72/min; PQ 160 ms; QRS 90 ms; QTc 490 ms |
| Nach 2 Stunden | QTc erneut 485 ms |
- a)Hochrisiko, weil die QTc in wiederholten EKGs über 460 ms liegt
- b)niedriges Risiko, weil Auslöser, Vorboten und lange Vorgeschichte typisch für eine Reflexsynkope sind
- c)mittleres Risiko, weil nur ein einzelnes Merkmal auffällig ist
Freie Antwort
Entscheide für jeden Patienten: Entlassung, Beobachtung oder frühe intensive Abklärung? Begründe mit dem entscheidenden Merkmal.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Fall | Situation | Weitere Angaben |
|---|---|---|
| 1 | 19 Jahre; Spritze gesehen | Typische Vorboten; normales EKG; keine Vorerkrankungen |
| 2 | 70 Jahre; Fernsehen im Sitzen | Ischämische Kardiomyopathie; LVEF 30 % |
| 3 | 52 Jahre; erstes Ereignis | Kein Auslöser, keine Vorboten; Untersuchung und EKG unauffällig; keine Herzerkrankung bekannt |
- 19-jähriger Mann, Synkope beim Anblick einer Spritze, typische Vorboten, normales EKG, keine Vorerkrankungen.
- 70-jährige Frau mit bekannter ischämischer Kardiomyopathie (LVEF 30 %), Synkope beim Fernsehen im Sitzen.
- 52-jähriger Mann, erste Synkope ohne erkennbaren Auslöser und ohne Vorboten, Untersuchung und EKG unauffällig, keine Herzerkrankung bekannt.
Grundlage: Schenkelblöcke und Hemiblöcke in Kürze (Brücke zu C02)
Viele Hochrisiko-EKGs nach Synkope zeigen Störungen der Erregungsleitung unterhalb des AV-Knotens. Das His-Bündel teilt sich in den rechten Tawara-Schenkel und den linken Schenkel, der sich in einen linksanterioren und einen linksposterioren Faszikel aufzweigt. Fällt ein Teil aus, erreicht die Erregung den betroffenen Bereich verspätet über die Muskulatur – der QRS-Komplex wird breiter oder seine Achse dreht.
| Leitungsstörung | EKG-Kriterien |
|---|---|
| Rechtsschenkelblock (RSB) | QRS ≥ 120 ms; in V1 rsR′ („M-Form“) oder breites R; breite, plumpe S-Zacke in I und V6; T in V1–V3 oft negativ (sekundär) |
| Linksschenkelblock (LSB) | QRS ≥ 120 ms; in V1 QS oder rS; breites, oft gekerbtes R in I, aVL, V5–V6 ohne Q; ST/T gegensinnig zum QRS |
| linksanteriorer Hemiblock (LAHB) | überdrehter Linkstyp (< −30°): I positiv, II, III und aVF überwiegend negativ (rS); QRS allein nicht verbreitert |
| bifaszikulärer Block | RSB + LAHB (häufig) oder RSB + linksposteriorer Hemiblock; auch ein LSB betrifft beide linken Faszikel |
Warum ist das bei Synkope wichtig? Beim bifaszikulären Block hängt die Überleitung zur Kammer nur noch an einem Faszikel. Fällt auch dieser zeitweise aus, entsteht ein plötzlicher AV-Block III° mit Pause – eine Synkope ohne Vorboten. Das Ruhe-EKG zeigt dann nur den „gefährdeten Unterbau“, nicht den Anfall selbst.
Bifaszikulärer Block: Die Überleitung hängt an einem einzigen Faszikel – fällt er aus, folgt die Pause ohne Vorboten.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948) und ESC-Leitlinie Schrittmacher 2021.
Ausgearbeitetes Beispiel 1: Bifaszikulärer Block
Eine 81-jährige Frau ist beim Zeitunglesen im Sitzen ohne Vorboten zusammengesackt und war etwa 20 Sekunden bewusstlos. Jetzt fühlt sie sich wohl; RR 138/80 mmHg.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 13813, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Rhythmus: regelmäßig, P vor jedem QRS → Sinusrhythmus.
- Frequenz: ca. 75/min (RR ca. 0,79 s).
- Lagetyp: I positiv, II überwiegend negativ, III und aVF tief negativ (rS), aVL hohes R → überdrehter Linkstyp.
- PQ: ca. 150 ms, konstant → kein AV-Block I°.
- QRS: ca. 130 ms; in V1 kleine, mehrgipflige Komplexe mit spätem positivem Anteil (rsR′), breite S-Zacken in I und V5–V6 → Rechtsschenkelblock.
- QT/QTc: QT ca. 390 ms → QTc ≈ 390 ÷ 0,89 ≈ 435 ms (bei breitem QRS nur eingeschränkt beurteilbar).
- ST/T: T-Negativierung in V1 sekundär zum RSB; keine ischämietypischen ST-Hebungen.
Beurteilung: Sinusrhythmus mit bifaszikulärem Block (RSB + LAHB). Konsequenz: Synkope im Sitzen ohne Vorboten + Schenkelblock = Hochrisiko (Schenkelblock ist ein „major“-EKG-Merkmal). Monitor-EKG, Aufnahme, Echokardiografie; zur Klärung eines intermittierenden höhergradigen AV-Blocks eine elektrophysiologische Untersuchung (S07) oder ein Ereignisrekorder.
Ausgearbeitetes Beispiel 2: Eine fehlende Kammeraktion
Ein 81-jähriger Mann hatte eine Synkope beim Einkaufen, ohne Vorboten. Im Monitor fallen „Aussetzer“ auf. Dieses EKG ist mit halber Verstärkung (5 mm/mV) geschrieben, damit sich die großen Ausschläge nicht überlagern.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 5 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12438, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
- Rhythmus: regelmäßige Kammeraktion mit einer Pause, die genau doppelt so lang ist wie ein normales RR-Intervall (ca. 1,30 s statt 0,65 s).
- Vorhofaktion: Die P-Wellen folgen in gleichem Abstand (ca. 0,65 s, also ca. 92/min) – auch in der Pause steht eine P-Welle zur erwarteten Zeit, auf die kein QRS folgt.
- PQ: vor und nach der blockierten P-Welle gleich lang (ca. 180–190 ms) – keine zunehmende Verlängerung.
- Frequenz: Kammer im Mittel ca. 85/min.
- Lagetyp: I positiv, II und III negativ → überdrehter Linkstyp.
- QRS: breit (ca. 140 ms); V1 tief negativ (QS), I, V5 und V6 breit und positiv ohne Q → Linksschenkelblock.
- ST/T: gegensinnig zum QRS (sekundär beim LSB).
Beurteilung: Sinusrhythmus mit AV-Block II° Typ Mobitz II (plötzlich blockierte P-Welle bei konstanter PQ-Zeit) und Linksschenkelblock. Konsequenz: Mobitz II mit breitem QRS bedeutet einen Block unterhalb des AV-Knotens mit Risiko eines plötzlichen AV-Blocks III° – Hochrisiko („major“). Monitor, Pads bereit, Aufnahme; bei diesem höhergradigen AV-Block mit breitem QRS kein Atropin (Einheit 2); Schrittmacherindikation (Einheit 8).
Freie Antwort
geführt
Eine 82-jährige Patientin hatte zweimal in drei Monaten eine Synkope „aus heiterem Himmel“. Lagetyp (überdrehter Linkstyp) und QRS-Form (Rechtsschenkelblock) sind bereits bestimmt. Bestimme Rhythmus, Frequenz und die PQ-Zeit im Rhythmusstreifen und fasse den Befund in einem Satz zusammen.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16206, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Multiple Choice
Warum ist im Beispiel 2 der Mobitz-II-Block und nicht ein Wenckebach-Block die richtige Einordnung?
Die Tabelle fasst die zuvor angegebenen Messbefunde aus Beispiel 2 zusammen.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| RR-Intervalle | Meist ca. 0,65 s; Pause ca. 1,30 s |
| Vorhofaktion | P-Wellen auch während der Pause regelmäßig |
| PQ | Vor und nach der blockierten P-Welle ca. 180–190 ms |
| Kammer | Im Mittel ca. 85/min; QRS ca. 140 ms |
- a)Weil die PQ-Zeit vor der blockierten P-Welle nicht zunimmt und die Pause genau zwei RR-Intervallen entspricht
- b)Weil der QRS-Komplex breit ist; ein breiter QRS beweist allein schon einen Mobitz-II-Block
- c)Weil die Kammerfrequenz über 60/min liegt
Freie Antwort
selbstständig
Ein 42-jähriger Mann wird nach zwei Synkopen am selben Tag gebracht. Er war vor sechs Wochen nach einem Zeckenstich wegen einer Hautrötung beim Hausarzt. Jetzt wach, RR 112/64 mmHg, keine Brustschmerzen. Befunde das EKG vollständig und begründe Risikoeinstufung und nächste Schritte.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12522, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Beispielfoto: großflächige, ringförmige Rötung mit hellerer Mitte am Oberschenkel, wie sie Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich auftreten kann.
Quelle: Mikael Häggström (Wikimedia Commons), CC0
Geführte und selbstständige Übung: Was das Ruhe-EKG sonst verraten kann
Einige seltene, angeborene oder erworbene Erkrankungen fallen bei einem jungen Menschen mit Synkope fast nur im Ruhe-EKG auf. Sie sind selten, aber gefährlich: Die Synkope kann eine selbstlimitierende Kammertachykardie gewesen sein.
| EKG-Befund | Woran du ihn erkennst | Wo vertieft |
|---|---|---|
| Präexzitation (WPW-Muster) | PQ < 120 ms, Delta-Welle, verbreiterter QRS | Einheit 4 |
| langes QT | QTc > 460 ms in wiederholten EKGs (Hochrisiko-Merkmal nach Synkope) | Einheiten 5 und 7 |
| kurzes QT | QTc ≤ 340 ms | – |
| Brugada-Muster Typ 1 | in V1 und/oder V2 schulterförmige („coved“) ST-Hebung ≥ 2 mm, die in eine negative T-Welle übergeht | dieser Schritt |
| arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie | negative T-Wellen in V1–V3, Epsilon-Welle | – |
Brugada-Muster. Beim Brugada-Syndrom ist ein Natriumkanal des Herzens gestört. Im EKG steigt die ST-Strecke in V1–V2 direkt aus dem QRS-Ende hoch an und fällt schulter- oder „gewölbeartig“ in eine negative T-Welle ab (Typ 1). Nur dieses Muster ist diagnostisch, wenn es spontan oder nach Gabe eines Natriumkanalblockers auftritt. Die „Sattel“-Form (Typ 2) mit positivem T ist allein nicht beweisend. Fieber und bestimmte Medikamente können das Muster demaskieren und Rhythmusstörungen auslösen.
Abgrenzung: Sportler und frühe Repolarisation. Ein trainierter junger Mensch hat oft eine Sinusbradykardie (ESC: als Hochrisiko-Merkmal zählt die Bradykardie nur ohne körperliches Training) und eine konkave ST-Hebung in V2–V4 mit positiver T-Welle – eine Normvariante.
ST-Hebung in V1–V2 nach Synkope: Form der ST-Strecke und Richtung der T-Welle trennen das Brugada-Muster Typ 1 von Typ 2 und von der frühen Repolarisation.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948) und ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022.
Multiple Choice
geführt
Ein 33-jähriger Mann hatte nachts im Bett eine Synkope; sein Vater starb mit 41 Jahren plötzlich im Schlaf. Der Ausschnitt zeigt seine Ableitungen V1–V3. Welche Beschreibung trifft zu?
Ausschnitt V1–V3 aus einer Zeitschriftenabbildung; ohne Zeitachse und ohne Kalibrierung, daher keine Messung in Millimetern möglich.
Quelle: Napolitano C, Priori SG. Brugada syndrome. Orphanet J Rare Dis 2006;1:35, Abb. 1; via Wikimedia Commons (File:Brugada.jpg), CC BY 2.0; zugeschnitten (nur linkes Teilbild, Bildüberschrift entfernt).
- a)konkave ST-Hebung mit positiver T-Welle in V2–V3 – frühe Repolarisation
- b)schulterförmige ST-Hebung, die in V1–V2 in eine negative T-Welle übergeht – Brugada-Muster Typ 1
- c)breites R in V1 mit plumper S-Zacke – kompletter Rechtsschenkelblock ohne ST-Veränderung
Freie Antwort
selbstständig
Ein 34-jähriger Ruderer (ambitionierter Ausdauersportler) wurde nach 40 Minuten Stehen in einer warmen Kirche nach Wärmegefühl und Schwitzen kurz bewusstlos. Keine Herzerkrankung, kein plötzlicher Herztod in der Familie, Untersuchung unauffällig. Befunde sein EKG und entscheide, ob es ein Hochrisiko-Merkmal enthält.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 12253, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Weitere Diagnostik und Therapieprinzipien
Weitere Diagnostik – nur mit Fragestellung. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt vom Verdacht nach der Erstbeurteilung ab.
| Untersuchung | Wann sinnvoll? |
|---|---|
| Monitor-EKG (Notaufnahme, Station) | Hochrisiko-Patienten, sofort |
| Langzeit-EKG (24 h bis einige Tage) | häufige Synkopen oder Beschwerden (fast täglich bis wöchentlich) |
| externer Ereignisrekorder | Beschwerden etwa alle paar Wochen |
| implantierbarer Ereignisrekorder (Loop-Rekorder) | seltene, unklare Synkopen mit Verdacht auf Arrhythmie; zeichnet über Jahre auf, auch automatisch bei Pausen |
| Echokardiografie | bekannte oder vermutete Herzerkrankung, neues Herzgeräusch, auffälliges EKG |
| Belastungs-EKG | Synkope während oder kurz nach Belastung (nicht bei Verdacht auf schwere Aortenstenose oder HOCM vor der Echokardiografie) |
| Kipptischuntersuchung | Verdacht auf Reflexsynkope oder orthostatische Hypotonie, wenn die Anamnese nicht eindeutig ist |
| Karotissinusmassage | Alter > 40 Jahre und unklare Synkope; unter EKG- und Blutdruckmonitoring 5–10 s je Seite massieren |
| elektrophysiologische Untersuchung (EPU) | unklare Synkope bei bifaszikulärem Block oder bei Zustand nach Infarkt |
Kipptischuntersuchung – der Aufbau. Der Patient liegt angeschnallt auf einem Tisch mit Fußstütze und wird nach einer Ruhephase im Liegen passiv auf 60–70° aufgerichtet; EKG und Blutdruck laufen dabei fortlaufend mit.
Kipptischuntersuchung: Die Fingermanschette misst den Blutdruck Schlag für Schlag, ein plötzlicher Abfall wird sofort sichtbar. Positiv ist der Test, wenn die spontanen Beschwerden mit Blutdruckabfall und/oder Bradykardie bis Asystolie wieder auftreten (Reflexsynkope) oder der Blutdruck in aufrechter Lage anhaltend abfällt (orthostatische Hypotonie). Gurte und Fußstütze sichern den Patienten, falls er bewusstlos wird.
Quelle: Shekhawat P, Varma-Doyle A, Farhad K, Robbins NM, Novak P. How to Interpret the Head-Up Tilt Table Test. Neurol Educ 2026;5(2):e200315, doi:10.1212/NE9.0000000000200315, Abb. 1 (Ausschnitt); CC BY 4.0; Textkästen entfernt, Beschriftungen ins Deutsche übertragen, Bildteile neu angeordnet.
Karotissinusmassage – Kriterien. Eine ventrikuläre Pause > 3 s und/oder ein systolischer Blutdruckabfall > 50 mmHg bedeuten eine Karotissinus-Überempfindlichkeit. Von einem Karotissinussyndrom spricht man erst, wenn dabei die spontanen Beschwerden reproduziert werden – denn viele ältere Menschen reagieren auffällig, ohne je eine Synkope zu haben. Vorher beide Karotiden auskultieren; bei Strömungsgeräusch, bekannter relevanter Karotisstenose oder kürzlich durchgemachter TIA bzw. Schlaganfall nicht massieren. Als „kürzlich“ gelten dabei die letzten 3 Monate.
Karotissinusmassage: Erst die Gegenanzeigen, dann die Messung – und ein Syndrom erst, wenn die spontanen Beschwerden wieder auftreten.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
EPU bei bifaszikulärem Block. Eine HV-Zeit (Leitungszeit vom His-Bündel zur Kammer) ≥ 70 ms oder ein bei Stimulation ausgelöster höhergradiger AV-Block zeigt das hohe Risiko eines AV-Blocks III° → Schrittmacher (Einheit 8).
Die Tabelle verbindet gezielte Provokationstests mit ihrer diagnostischen Konsequenz.
| Untersuchung | Positiver Befund | Konsequenz |
|---|---|---|
| Karotissinusmassage | Pause > 3 s und/oder systolischer Abfall > 50 mmHg | Syndrom erst bei reproduzierten Beschwerden |
| EPU bei bifaszikulärem Block | HV ≥ 70 ms oder ausgelöster höhergradiger AV-Block | Hohes AV-Block-III°-Risiko → Schrittmacher |
Was eine Arrhythmie als Ursache beweist. Zeichnet das Monitoring während einer Synkope eine Asystolie ≥ 3 s, eine sehr schnelle SVT oder eine Kammertachykardie auf, ist die Ursache gefunden. Ein normaler Sinusrhythmus während einer typischen Synkope schließt eine Arrhythmie als Ursache aus. Ungezielt eingesetzt findet ein Langzeit-EKG nur bei etwa 1–2 % der Patienten mit Synkope die Ursache; es lohnt sich vor allem bei häufigen Beschwerden.
Rhythmusdiagnostik: Die Aufzeichnungsdauer richtet sich nach der Häufigkeit; entscheidend ist der Rhythmus während der Synkope.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Nicht routinemäßig: cCT oder MRT des Schädels, EEG und Duplexsonografie der Halsgefäße helfen bei der typischen Synkope nicht weiter. Sie sind nur bei konkretem Verdacht angezeigt (z. B. neurologische Ausfälle, Kopfverletzung mit Blutungsverdacht, Verdacht auf Epilepsie).
Therapieprinzipien
| Ursache | Behandlung |
|---|---|
| Reflexsynkope | Aufklärung über die gutartige Natur; Auslöser meiden; Vorboten erkennen und sich sofort hinsetzen oder hinlegen; Gegendruckmanöver (Beine überkreuzen und anspannen, Hände verhaken und kräftig auseinanderziehen); ausreichend trinken und salzen; blutdrucksenkende Medikamente bei älteren Hypertonikern reduzieren (Ziel systolisch etwa 140 mmHg); bei jungen Patienten mit niedrigem Blutdruck im Einzelfall Midodrin oder Fludrocortison; Schrittmacher nur bei ausgewählten Patienten mit dokumentierter Asystolie (Einheit 8) |
| orthostatische Hypotonie | auslösende Medikamente absetzen oder reduzieren; 2–3 l Flüssigkeit pro Tag und mehr Kochsalz (nicht bei Herzinsuffizienz); langsam aufstehen; Kompressionsstrümpfe oder Bauchbinde; Schlafen mit erhöhtem Oberkörper; Gegendruckmanöver; bei Beschwerden trotz dieser Maßnahmen Midodrin oder Fludrocortison |
| kardiale Synkope | Ursache behandeln: Bradykardie und AV-Block (Einheiten 2 und 8), Tachykardien (Einheiten 3–5), Akutsituation (Einheit 6), Medikamente und QT (Einheit 7), ICD (Einheit 8); strukturelle Ursachen wie Aortenstenose kardiologisch bzw. herzchirurgisch |
Konkrete Zahlen nach ESC 2018: Bei orthostatischer Hypotonie etwa 2–3 l Flüssigkeit und 10 g Kochsalz pro Tag, Kopfteil des Bettes um mehr als 10° hochstellen; Midodrin 2,5–10 mg dreimal täglich, Fludrocortison 0,1–0,3 mg einmal täglich.
Nicht kardiale Synkope: Aufklärung und physikalische Maßnahmen kommen vor Medikamenten; die kardiale Synkope wird über ihre Ursache behandelt.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Synkope 2018 (Brignole et al., Eur Heart J 2018;39:1883–1948).
Multiple Choice
Ein 68-jähriger Mann hatte in einem Jahr drei Synkopen ohne Vorboten, jeweils mit Verletzung. Untersuchung, Echokardiografie, Stehtest, EKG und zwei Langzeit-EKGs sind unauffällig. Welche Untersuchung bringt jetzt am ehesten die Klärung?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Verlauf | 68 Jahre; drei Synkopen in einem Jahr |
| Ereignisse | Ohne Vorboten; jeweils mit Verletzung |
| Bisherige Diagnostik | Untersuchung, Echo, Stehtest, EKG und zwei Langzeit-EKGs unauffällig |
- a)cCT des Schädels
- b)implantierbarer Ereignisrekorder
- c)erneutes 24-Stunden-Langzeit-EKG
Multiple Choice
Bei einem 74-jährigen Mann mit Synkopen beim Rasieren wird eine Karotissinusmassage rechts durchgeführt. Unter EKG-Monitoring tritt eine Pause von 4,5 Sekunden auf; er berichtet, dass sich das „genauso wie beim Rasieren“ anfühle. Wie ist das Ergebnis einzuordnen?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 74 Jahre; Synkopen beim Rasieren |
| Untersuchung | Karotissinusmassage rechts unter EKG-Monitoring |
| Monitor | Pause 4,5 Sekunden |
| Empfindung | Genauso wie beim Rasieren |
- a)Karotissinussyndrom: Pause > 3 s mit Reproduktion der Beschwerden
- b)normale Reaktion, weil Pausen bis 5 s physiologisch sind
- c)Hinweis auf eine Karotisstenose; als Nächstes Duplexsonografie zur Erklärung der Synkope
Fälle: Synkope einordnen, erklären und vorstellen
Freie Antwort
Fall 1: Patientenerklärung
Frau L., 22 Jahre, Studentin, wurde bei einer Blutentnahme für etwa 10 Sekunden bewusstlos. Vorher wurde ihr übel, sie schwitzte und sah „schwarz“. Sie war nach einer Minute wieder vollständig klar. Untersuchung, Stehtest und EKG sind unauffällig. Sie fragt besorgt: „Habe ich etwas am Herzen? Muss ich jetzt öfter mit so etwas rechnen?“ Erkläre ihr in einfachen Worten, was passiert ist, beantworte ihre Fragen und gib ihr zwei konkrete Verhaltenstipps.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Situation | 22 Jahre; Blutentnahme |
| Vorher | Übelkeit, Schwitzen, Schwarzsehen |
| Ereignis / Erholung | Etwa 10 s bewusstlos; nach 1 min vollständig klar |
| Erstuntersuchung | Untersuchung, Stehtest und EKG unauffällig |
Freie Antwort
Fall 2: Patientenvorstellung
Frau B., 75 Jahre, ist beim Fernsehen im Sitzen ohne jede Vorwarnung zusammengesackt; ihr Mann sah sie für etwa 30 Sekunden bewusstlos, danach war sie sofort wieder klar. Sie hat eine Prellung an der Stirn. Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie. RR 142/84 mmHg, Puls 76/min regelmäßig, kein Herzgeräusch.
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16389, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Befunde das EKG und stelle Frau B. der Oberärztin vor (Verdacht, Risiko, nächste Schritte). Nutze die Gliederung: Anlass – relevante Befunde – führende Verdachtsdiagnose – gefährliche Alternative – nächste Schritte – Dringlichkeit.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Fall 3: Ursache und Therapie
Frau K., 68 Jahre, hat eine arterielle Hypertonie. Sie nimmt Hydrochlorothiazid 25 mg; vor drei Wochen kam wegen hoher Werte der Alphablocker Doxazosin hinzu. Sie wurde heute Morgen beim Aufstehen aus dem Bett bewusstlos, war nach Sekunden wieder klar. Es ist ein heißer Sommer, und sie trinkt nach eigener Angabe „höchstens einen Liter“ am Tag. Stehtest: liegend 136/78 mmHg, Puls 70/min; nach 2 Minuten Stehen 102/64 mmHg, Puls 86/min, Schwindel wie heute Morgen. EKG: Sinusrhythmus, unauffällig. Keine Herzerkrankung. Welche Diagnose stellst du, welche Ursachen wirken zusammen, und wie behandelst du?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Medikation / Trinken | Hydrochlorothiazid 25 mg; Doxazosin neu seit 3 Wochen; höchstens 1 l/Tag |
| Liegend | RR 136/78 mmHg; Puls 70/min |
| Nach 2 min Stehen | RR 102/64 mmHg; Puls 86/min; bekannter Schwindel |
| Weitere Angaben | Heißer Sommer; Synkope beim Aufstehen; EKG unauffällig; keine Herzerkrankung |
Fahreignung und Fahrtüchtigkeit – der rechtliche Rahmen (Brücke zu O05)
Nach jeder Synkope und jedem relevanten Rhythmusereignis fragt der Patient – oder er fragt nicht und fährt nach Hause. Die Beratung zum Autofahren gehört deshalb zu jeder Entlassung nach Synkope.
Zwei Begriffe, zwei Fragen.
| Begriff | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Fahrtüchtigkeit | Kann der Patient jetzt, heute sicher fahren? | direkt nach einer Synkope, nach Sedierung für eine Kardioversion, unter frisch begonnenen sedierenden Medikamenten: nicht fahrtüchtig |
| Fahreignung | Erfüllt der Patient dauerhaft die körperlichen und geistigen Voraussetzungen zum Führen eines Kraftfahrzeugs? | wiederholte unklare Synkopen, unbehandelter AV-Block III°: nicht fahrgeeignet, bis die Ursache behandelt ist |
Wo stehen die Regeln?
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 4: Liste häufiger Erkrankungen mit der Bewertung „Eignung ja/nein“ für den Regelfall. Unter Nr. 4.1 heißt es sinngemäß: Herzrhythmusstörungen mit anfallsweiser Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit schließen die Eignung aus; nach erfolgreicher Behandlung durch Arzneimittel oder Herzschrittmacher ist die Eignung wieder gegeben – nach kardiologischer Untersuchung und mit Kontrollen gemäß den Begutachtungsleitlinien. Eine Hypotonie hat in der Regel keinen Krankheitswert. Die Anlage betont: Die Bewertungen gelten für den Regelfall, Abweichungen im Einzelfall sind möglich.
- Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt): konkretisieren die Anlage 4, auch mit Fristen. Sie werden kapitelweise aktualisiert; maßgeblich ist immer der aktuelle „Stand“ (zuletzt veröffentlichte Gesamtfassung: Stand 19.08.2026).
- Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) „Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen“ (Version 2023): fasst die Vorgaben für Kardiologen in Tabellen zusammen.
Gruppe 1 und Gruppe 2. Die Vorgaben unterscheiden zwei Gruppen von Fahrerlaubnisklassen:
| Gruppe | Klassen | Beispiele |
|---|---|---|
| Gruppe 1 | A, A1, A2, B, BE, AM, L, T | Motorrad, Pkw, Traktor |
| Gruppe 2 | C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E und Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung | Lkw, Bus, Taxi, Krankenwagen |
Für Gruppe 2 gelten deutlich strengere Maßstäbe: längere Fahrzeiten, größere und schwerere Fahrzeuge, oft Fahrgäste – ein plötzlicher Kontrollverlust hätte schwerere Folgen.
Die ärztlichen Pflichten.
- Aufklären: Der Arzt muss den Patienten über die Gefährdung im Straßenverkehr und die geltenden Vorgaben informieren („Sicherungsaufklärung“, §§ 630c Abs. 2 und 630e BGB) – unabhängig davon, ob er weiß, dass der Patient fährt. Ein ärztliches „Fahrverbot“ ist rechtlich nicht bindend; wer trotzdem fährt und einen Unfall verursacht, riskiert aber seinen Versicherungsschutz und strafrechtliche Folgen.
- Dokumentieren: Inhalt, Datum, Fahrerlaubnisgruppe, empfohlene Frist bzw. Bedingungen und die Reaktion des Patienten gehören in die Akte (§ 630f BGB) – auch zum Schutz des Arztes.
- Schweigen: Die ärztliche Schweigepflicht (§ 203 StGB, § 9 Berufsordnung) gilt auch hier. Es gibt keine Meldepflicht an die Fahrerlaubnisbehörde.
- Ausnahme: Fährt ein Patient trotz Aufklärung erkennbar weiter, obwohl er nicht fahrgeeignet ist, und droht dadurch eine konkrete Gefahr für Leib und Leben anderer, darf der Arzt nach sorgfältiger Abwägung die Fahrerlaubnisbehörde informieren (rechtfertigender Notstand, § 34 StGB). Mitgeteilt wird nur das Nötigste (z. B. dass wegen einer Erkrankung Zweifel an der Fahreignung bestehen), nicht die ganze Krankengeschichte. Vorher: erneut aufklären, Angehörige mit Einverständnis einbeziehen, dokumentieren.
Beratungsablauf zur Fahreignung nach Synkope oder Rhythmusereignis; die Mitteilung an die Behörde ist die Ausnahme, nicht der Regelfall.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: FeV Anlage 4, BASt-Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, Halbe B. Dtsch Arztebl 2018 (38).
Multiple Choice
Ein 54-jähriger Patient mit gut behandeltem Vorhofflimmern ohne Synkopen erhält heute eine elektive Kardioversion in Analgosedierung; er möchte danach mit dem eigenen Auto nach Hause fahren. Welche Aussage trifft zu?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Vorgeschichte | 54 Jahre; gut behandeltes VHF; keine Synkopen |
| Heute | Elektive Kardioversion in Analgosedierung |
| Wunsch | Mit dem eigenen Auto nach Hause fahren |
- a)Er ist fahrgeeignet, aber heute nicht fahrtüchtig – er darf heute nicht selbst fahren.
- b)Er ist dauerhaft nicht fahrgeeignet, weil er Vorhofflimmern hat.
- c)Er darf fahren, weil Vorhofflimmern ohne Bewusstseinsstörung keine Einschränkung bedeutet.
Multiple Choice
Ein 47-jähriger Busfahrer mit unbehandelten, wiederholten Synkopen verweigert die stationäre Abklärung und sagt, er fahre morgen wie gewohnt seine Schulbuslinie. Was ist das richtige Vorgehen?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Beruf | 47 Jahre; Busfahrer |
| Verlauf | Wiederholte unbehandelte Synkopen |
| Reaktion | Stationäre Abklärung verweigert |
| Absicht | Morgen die Schulbuslinie wie gewohnt fahren |
- a)Sofort ohne weiteres Gespräch die Polizei informieren, weil eine Meldepflicht besteht
- b)Nichts weiter unternehmen, weil die Schweigepflicht jede Mitteilung verbietet
- c)Erneut eindringlich aufklären und dokumentieren; bleibt er dabei und droht eine konkrete Gefahr, nach Abwägung die Fahrerlaubnisbehörde mit den nötigsten Angaben informieren
Konkrete Vorgaben nach Ereignis
Die folgende Tabelle fasst die direkt geprüften Empfehlungen der DGK-Pocket-Leitlinie 2023 (Tabellen 2, 3 und 5–8) und die FeV Anlage 4 zusammen. Sie unterscheidet Gruppe 1 und Gruppe 2. Die BASt-Gesamtfassung hat den Stand 19.08.2026; ihre aktuelle Fassung ist bei der individuellen Begutachtung maßgeblich. Eine einheitliche Sperrfrist für „alle Synkopen“ gibt es nicht.
| Ereignis | Gruppe 1 (z. B. Pkw) | Gruppe 2 (z. B. Lkw, Bus, Taxi) |
|---|---|---|
| erste Synkope, Reflexsynkope | im Allgemeinen keine Einschränkung, sofern kein sehr hohes Rezidivrisiko besteht | ohne sehr hohes Rezidivrisiko keine Einschränkung |
| wiederholte, ungeklärte Synkopen | erneute Diagnostik; Fahreignung in der Regel frühestens nach 6 Monaten erwägen, Einzelfallbeurteilung | in der Regel nicht fahrgeeignet; Ausnahme bei geringem Risiko am Steuer oder sicher verhinderter Wiederholung, Einzelfallbeurteilung |
| Hinweis auf sehr hohes Rezidivrisiko (z. B. arrhythmogene Synkope) | keine Fahreignung bis zur definitiven Therapie der Ursache | keine Fahreignung bis zur effektiven Behandlung; danach gelten die Vorgaben der ursächlichen Arrhythmie bzw. des implantierten Geräts |
| Bradykardie mit Synkope, noch nicht behandelt | keine Fahreignung | keine Fahreignung (FeV 4.1.1) |
| erworbener AV-Block III° | keine Fahreignung, auch wenn asymptomatisch, bis zur Behandlung | bis zur wirksamen Behandlung nicht fahrgeeignet; danach kardiologische Nachuntersuchung und Schrittmacher-Vorgaben |
| nach Schrittmacherimplantation oder -wechsel | Fahreignung, sobald die regelrechte Funktion überprüft und die Wunde verheilt ist | grundsätzlich nach 1 Woche; bei Synkope in der Anamnese, Schrittmacherabhängigkeit oder Elektrodenwechsel nach 4 Wochen; kardiologisch bestätigte Funktion und Wundheilung, regelmäßige Kontrollen |
| SVT oder Vorhofflimmern ohne Synkope/Präsynkope | Fahreignung gegeben | Fahreignung gegeben |
| SVT oder Vorhofflimmern mit Synkope/Präsynkope, unbehandelt | keine Fahreignung | keine Fahreignung (FeV 4.1.1) |
| nicht anhaltende VT ohne Symptome | keine Einschränkung; bei ICD-Indikation gelten die ICD-Vorgaben | monomorph in der Regel fahrgeeignet; polymorph kardiologische Einzelfallentscheidung; bei ICD-Indikation gelten die ICD-Vorgaben |
| anhaltende VT | Fahreignung nur, wenn die Arrhythmie effektiv behandelt ist; kardiologische Nachuntersuchung, bei ICD-Indikation ICD-Vorgaben | nach DGK frühestens 3 Monate nach wirksamer Arrhythmiekontrolle erwägbar, abhängig von Ursache und Herzerkrankung; kardiologische Nachuntersuchung; bei ICD-Indikation gelten die ICD-Vorgaben |
| ICD primärpräventiv | Fahreignung nach 1–2 Wochen | in der Regel nicht fahrgeeignet |
| ICD sekundärpräventiv (nach VT/Kammerflimmern) | bei adäquater ICD-Funktion frühestens 3 Monate nach dem Ereignis | in der Regel nicht fahrgeeignet |
| nach adäquatem ICD-Schock | frühestens nach 3 Monaten | in der Regel nicht fahrgeeignet |
| nach inadäquatem ICD-Schock | wenn die Ursache erkannt und beseitigt ist | in der Regel nicht fahrgeeignet |
| routinemäßiger ICD-Aggregat- oder Sondenwechsel | nach 1–2 Wochen | in der Regel nicht fahrgeeignet |
| Long-QT-Syndrom | asymptomatisch in der Regel fahrgeeignet; nicht bei Synkope, Torsade de pointes oder QTc > 500 ms; nach erfolgreicher Therapie kardiologische Neubewertung | nur asymptomatisch und ohne jemals dokumentierte QTc > 500 ms fahrgeeignet; bei Synkope oder Torsade de pointes in der Anamnese keine Fahreignung; bei ICD gelten die ICD-Vorgaben |
| Brugada-Syndrom | asymptomatisch fahrgeeignet; nach Synkope gelten die Synkopen-Vorgaben; nach überlebtem plötzlichem Herztod vor ICD-Versorgung keine Fahreignung, danach ICD-Vorgaben | asymptomatisch fahrgeeignet; nach Synkope oder überlebtem plötzlichem Herztod in der Regel keine Fahreignung, Einzelfallbeurteilung; bei ICD gelten die ICD-Vorgaben |
So arbeitest du mit der Tabelle: Sie zeigt die Logik – unbehandelte Ursache eines Bewusstseinsverlusts = keine Fahreignung; nach wirksamer Behandlung = Eignung, oft nach einer Frist und mit Kontrollen. Die DGK sieht eine individuelle Festlegung der Fristen nach Schrittmacherimplantation, primärpräventivem ICD, Aggregat-/Sondenwechsel sowie bei wiederholter unklarer Synkope vor. Vor jeder konkreten Beratung prüfst du den aktuellen Stand der BASt-Begutachtungsleitlinien und der DGK-Pocket-Leitlinie, besonders bei Berufskraftfahrern.
Nach Synkope bestimmen Ursache und Behandlung die Fahreignung; nach Schrittmacherimplantation gelten getrennte Fristen für Gruppe 1 und 2.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK-Pocket-Leitlinie Fahreignung 2023, FeV Anlage 4.
ICD und Fahreignung: zuerst die Fahrergruppe bestimmen; die Fristen der Gruppe 1 werden nicht auf Gruppe 2 übertragen.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK-Pocket-Leitlinie Fahreignung 2023, FeV Anlage 4.
Multiple Choice
Ein 58-jähriger Pkw-Fahrer hat vor vier Wochen eine anhaltende Kammertachykardie mit Synkope überlebt und einen sekundärpräventiven ICD erhalten; das Gerät funktioniert regelrecht, seitdem keine Therapieabgabe. Er fragt, ob er wieder fahren darf. Welche Antwort entspricht den in dieser Einheit geprüften Vorgaben?
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Person | 58 Jahre; Pkw-Fahrer |
| Vor vier Wochen | Anhaltende VT mit Synkope überlebt; sekundärpräventiver ICD |
| Gerätekontrolle | Regelrechte Funktion |
| Seither | Keine Therapieabgabe |
Röntgen-Thorax nach Implantation eines ICD: Aggregat links unter dem Schlüsselbein, Sonde in der rechten Kammer. Die dicken, dichten Abschnitte sind die Schockwendeln – an ihnen unterscheidest du im Röntgenbild einen ICD von einem Schrittmacher.
Quelle: Gregory Marcus (Wikimedia Commons, ursprünglich Google Knol), CC BY 3.0
- a)Ja, eine Woche nach ICD-Implantation ist die Fahreignung gegeben.
- b)Nein, frühestens drei Monate nach dem Ereignis, bei regelrechter ICD-Funktion.
- c)Nein, mit einem ICD darf man grundsätzlich nie wieder Pkw fahren.
Fälle: Beratungsgespräch und Dokumentation
Jeder Fall hat dieselbe Struktur wie das Diagramm: Fahrtüchtigkeit heute → Gruppe → Vorgabe → Aufklärung → Dokumentation.
Freie Antwort
Fall 1: Berufskraftfahrer nach Schrittmacher
Herr S., 59 Jahre, fährt beruflich Lkw (Klasse CE). Er hatte am Steuer eines stehenden Lkw eine Synkope; im EKG zeigte sich ein AV-Block III°. Vor zwei Tagen erhielt er einen Zweikammerschrittmacher; die Kontrolle ist regelrecht, die Wunde reizlos. Er fragt: „Wann kann ich wieder arbeiten?“ Führe das Beratungsgespräch (Kernaussagen) und formuliere einen Dokumentationssatz.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Beruf | 59 Jahre; Lkw-Fahrer, Klasse CE |
| Ereignis | Synkope am Steuer eines stehenden Lkw; AV-Block III° |
| Vor zwei Tagen | Zweikammerschrittmacher implantiert |
| Kontrolle | Regelrecht; Wunde reizlos |
Frische Wunde nach Schrittmacherimplantation, mit Klammern verschlossen: Die Ränder liegen aneinander, es gibt keine Rötung, keine Schwellung und kein Sekret – so sieht eine reizlose Wunde aus.
Quelle: KVDP (Wikimedia Commons), gemeinfrei
Freie Antwort
Fall 2: Kammertachykardie und ICD
Herr P., 51 Jahre, Vorderwandinfarkt vor vier Tagen, früherer Hinterwandinfarkt. Seitdem wiederholte anhaltende Kammertachykardien, eine davon mit Synkope; die Rhythmologie empfiehlt einen sekundärpräventiven ICD (Indikation: Einheit 8). Er fährt privat Pkw und fragt nach dem Autofahren. Dies ist sein Ruhe-EKG während des Aufenthalts:
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV; Ausschnitt 0–10 s einer längeren Aufzeichnung.
Quelle: PTB Diagnostic ECG Database (Bousseljot et al., PhysioNet), patient197/s0350lre, Ausschnitt 0–10 s, ODC-By 1.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
a) Befunde das EKG kurz. b) Was sagt das Ruhe-EKG über das Rhythmusrisiko? c) Führe die Beratung zur Fahreignung und formuliere einen Dokumentationssatz.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Fall 3: Einmalige vasovagale Synkope
Frau D., 36 Jahre, Pkw-Fahrerin, hatte erstmals eine Synkope nach langem Stehen bei einer Hochzeit; vorher wurde ihr heiß und übel. Untersuchung, Stehtest und EKG sind unauffällig. Sie fragt, ob sie ihren Führerschein abgeben müsse. Beantworte ihre Frage, gib einen Verhaltenshinweis für das Fahren und formuliere den Dokumentationssatz.
Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Daten |
|---|---|
| Person | 36 Jahre; Pkw-Fahrerin |
| Situation | Erste Synkope nach langem Stehen bei einer Hochzeit |
| Vorboten | Hitzegefühl und Übelkeit |
| Befunde | Untersuchung, Stehtest und EKG unauffällig |
Selbsteinschätzung
Kreuze für dich an, was du sicher kannst:
- Ich kann eine Synkope von anderen Formen des Bewusstseinsverlusts abgrenzen.
- Ich kann reflexvermittelte, orthostatische und kardiale Synkopen anhand der Anamnese unterscheiden.
- Ich kann einen Stehtest durchführen und nach den ESC-Kriterien auswerten.
- Ich kann die Hoch- und Niedrigrisiko-Merkmale nennen und daraus Entlassung, Beobachtung oder intensive Abklärung ableiten.
- Ich erkenne im EKG bifaszikulären Block, Mobitz II, AV-Block III°, Brugada-Muster Typ 1 und lange QTc als Warnzeichen.
- Ich kann begründen, welche weitere Diagnostik (Monitoring, Rekorder, Echo, Kipptisch, Karotissinusmassage, EPU) wann sinnvoll ist.
- Ich kann Fahreignung und Fahrtüchtigkeit unterscheiden, die Fahrerlaubnisgruppe bestimmen, aufklären und dokumentieren.
- Ich weiß, wann die Schweigepflicht nach Abwägung durchbrochen werden darf.
Kapitelabschluss
Lernziel: Du kannst Rhythmusfälle von der Akutlage bis zur Beratung lösen.
Freie Antwort
Die folgenden drei Fälle verbinden die Einheiten des Kapitels. Sie verwenden nur Wissen, das du in den Einheiten 1–9 gelernt hast. Dosierungen und Energien schlägst du – wenn du unsicher bist – in der jeweils genannten Einheit nach. Leitfrage bleibt: Wann wird ein veränderter Herzrhythmus für den Patienten gefährlich? – Rhythmus verstehen → Stabilität beurteilen → Behandlung abwägen.
Fall – Synkope, AV-Block, Schrittmacher, Fahreignung
Herr G., 78 Jahre, Rentner, Pkw-Fahrer. Beim Ausparken wurde er kurz bewusstlos und rollte gegen einen Pfosten; er ist unverletzt. In der Notaufnahme: wach, orientiert, RR 104/62 mmHg, keine Brustschmerzen, keine Dyspnoe. EKG: P-Wellen regelmäßig ca. 88/min, QRS-Komplexe regelmäßig ca. 36/min, breit (ca. 150 ms), keinerlei feste Beziehung zwischen P und QRS. Medikamente: Amlodipin.
Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.
| Angabe | Fallinformation |
|---|---|
| Person und Anlass | Herr G., 78 Jahre; Rentner, Pkw-Fahrer; kurz bewusstlos beim Ausparken |
| Aktueller Zustand | wach, orientiert, unverletzt; keine Brustschmerzen, keine Dyspnoe |
| Blutdruck | 104/62 mmHg |
| Vorhof / Kammer | P regelmäßig ca. 88/min; QRS regelmäßig ca. 36/min |
| EKG-Beziehung | QRS ca. 150 ms; keine feste Beziehung zwischen P und QRS |
| Medikation | Amlodipin |
- Ordne Ereignis und EKG ein und bestimme das Risiko.
- Ist Herr G. instabil? Was bereitest du vor, und welche Akutmedikation wirkt hier wahrscheinlich kaum?
- Welche definitive Behandlung folgt, und mit welchem Schrittmachermodus (grundsätzlich)?
- Berate ihn zur Fahreignung und dokumentiere in einem Satz.
Freie Antwort
Fall – Palpitationen, Vorhofflimmern, Antikoagulation, Rhythmuskontrolle
Frau H., 69 Jahre, hat seit drei Tagen unregelmäßiges Herzklopfen und leichte Belastungsdyspnoe. Vorerkrankungen: Hypertonie, Typ-2-Diabetes. RR 132/80 mmHg, SpO₂ 96 %, keine Brustschmerzen, wach. EKG: absolut unregelmäßige Kammeraktion ca. 125/min, keine P-Wellen, schmale QRS-Komplexe. Echokardiografie: LVEF 55 %. Keine Synkope.
Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.
| Angabe | Fallinformation |
|---|---|
| Person / Verlauf | Frau H., 69 Jahre; seit 3 Tagen Herzklopfen und leichte Belastungsdyspnoe |
| Vorerkrankungen | Hypertonie; Typ-2-Diabetes |
| Kreislauf | RR 132/80 mmHg; SpO₂ 96 %; wach |
| Weitere Angaben | keine Brustschmerzen; keine Synkope |
| EKG | absolut unregelmäßig ca. 125/min; keine P-Wellen; QRS schmal |
| Echokardiografie | LVEF 55 % |
- Befunde den Rhythmus und beurteile die Stabilität.
- Berechne den CHA₂DS₂-VA-Score und leite die Empfehlung ab.
- Sie wünscht sich „möglichst schnell wieder einen normalen Herzschlag“. Was ist vor einer elektiven Kardioversion zu beachten?
- Darf sie Auto fahren?
Freie Antwort
Fall – Breitkomplextachykardie nach Infarkt, Akutversorgung, ICD, Fahreignung
Herr N., 63 Jahre, Taxifahrer, Vorderwandinfarkt vor zwei Jahren, LVEF 30 %. Seit 30 Minuten Herzrasen; jetzt verwirrt, kaltschweißig, RR 78/50 mmHg, tastbarer Puls. Monitor: regelmäßige Breitkomplextachykardie ca. 190/min.
Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.
| Angabe | Fallinformation |
|---|---|
| Person / Beruf | Herr N., 63 Jahre; Taxifahrer |
| Vorgeschichte | Vorderwandinfarkt vor 2 Jahren; LVEF 30 % |
| Verlauf | Herzrasen seit 30 Minuten |
| Aktueller Zustand | verwirrt; kaltschweißig; Puls tastbar |
| Blutdruck | 78/50 mmHg |
| Monitor | regelmäßige Breitkomplextachykardie ca. 190/min |
- Wie ordnest du den Rhythmus ein, und warum?
- Ist der Patient stabil? Was ist die sofortige Maßnahme?
- Nach erfolgreicher Behandlung: Welche Ursachen und Folgen klärst du, und welche Geräteversorgung steht im Raum?
- Er fragt, wann er wieder Taxi fahren darf. Was antwortest du?
Kapitel-Selbsteinschätzung: Das kann ich jetzt

Abbildung: Das Kapitel auf einen Blick – erst die Stabilität, dann je nach Rhythmus derselbe Dreischritt mit den wichtigsten Zahlen. Quelle: eigene Darstellung.
| Unterthema | Ich kann … |
|---|---|
| T01 Bradykardie, AV-Block, Sinusknoten | … Sinusbradykardie, SA-Block, Sinusarrest und AV-Blöcke I°–III° im EKG unterscheiden, reversible Ursachen suchen und eine instabile Bradykardie akut behandeln (Einheit 2). |
| T02 Vorhofflimmern und -flattern | … VHF und Vorhofflattern erkennen, Frequenz- und Rhythmuskontrolle abwägen, den CHA₂DS₂-VA-Score berechnen und die Antikoagulation rund um eine Kardioversion planen (Einheit 3). |
| T03 SVT und Breitkomplextachykardie | … Extrasystolen und Palpitationen einordnen, AVNRT, AVRT/WPW und atriale Tachykardien unterscheiden und behandeln sowie eine Breitkomplextachykardie als VT einordnen (Einheiten 1, 4, 5). |
| T04 Instabilität, Kardioversion, Defibrillation | … die vier Instabilitätszeichen prüfen und synchronisierte Kardioversion, Defibrillation und transkutanes Pacing richtig einsetzen (Einheit 6). |
| T05 Antiarrhythmika, Elektrolyte, Geräte | … Antiarrhythmika sicher auswählen und überwachen, QTc und Elektrolyte bewerten sowie Schrittmacher, ICD und CRT nach Funktion und Indikation unterscheiden (Einheiten 7, 8). |
| T06 Synkope und Risikobeurteilung | … eine Synkope einordnen, den Stehtest auswerten, das Risiko nach ESC bestimmen und die weitere Diagnostik begründen (Einheit 9). |
| T07 Fahreignung | … Fahreignung und Fahrtüchtigkeit unterscheiden, die aktuelle Vorgabe für die richtige Gruppe prüfen, aufklären und dokumentieren (Einheit 9). |
EKG-Pool: Bradykardie
Lernziel: Du kannst echte EKGs mit Bradykardie selbstständig befunden.
Freie Antwort
EKG-Übungspool
Im Übungspool befundest du echte EKGs selbstständig, geordnet nach den Unterthemen des Kapitels (C05-T01 bis C05-T07). Bearbeite jede Aufgabe zuerst ohne Lösung: Befunde in der festen Reihenfolge Rhythmus, Frequenz, Lagetyp, PQ, QRS, QT/QTc und ST/T, nenne dann die führende Diagnose und die Konsequenz. Neues Wissen kommt hier nicht hinzu; alles stammt aus den Einheiten 1–9.
Alle Aufnahmen sind echte EKGs aus offenen Datenbanken. Alter und Geschlecht stammen aus dem Datensatz; der kurze klinische Anlass und ergänzte Kreislaufdaten sind erfunden. Die Bilder zeigen – wenn nicht anders angegeben – zwölf Ableitungen in 3×4-Anordnung mit 25 mm/s und 10 mm/mV: Die vier Spalten sind zeitlich aufeinanderfolgende Abschnitte von je 2,5 s, der Rhythmusstreifen II darunter läuft über die vollen 10 s. Messwerte in den Lösungen sind gerundete Handmessungen („ca.“); kleine Abweichungen deiner eigenen Messung sind normal.
Echte EKGs zu Sinusrhythmus-Varianten, Sinusknoten, AV-Überleitung und Ersatzrhythmen (Wissen aus den Einheiten 1 und 2).
Sinusvarianten
Normvarianten des Sinusrhythmus (Einheit 1, S05).
EKG 1 – 35-jährige Patientin, Check-up
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1197, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 2 – 35-jährige Patientin, Betriebsarzt
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 9127, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Miss dazu im Rhythmusstreifen den kürzesten und den längsten RR-Abstand.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 3 – 74-jähriger Patient, Schwindel beim Gehen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 11864, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Warum ordnest du den Rhythmusbefund bei diesem Patienten anders ein als bei einer jungen Frau?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Bradykardien und AV-Blockierungen
Sinusbradykardie, SA- und AV-Blockierungen, Ersatzrhythmen (Einheit 2). Bestimme bei jeder Bradykardie Vorhof- und Kammerfrequenz getrennt und prüfe die Beziehung von P zu QRS. Grenzwerte zur Orientierung (Einheit 1 und 2): AV-Block I° bei PQ über 0,20 s, junktionaler Ersatzrhythmus etwa 40–60/min mit schmalem QRS, ventrikulärer etwa 20–40/min mit breitem QRS (ab 0,12 s).
Befundweg für jedes langsame EKG: erst P und QRS getrennt zählen, dann ihre Beziehung prüfen, die QRS-Breite zeigt die Ebene – die Konsequenz bestimmen Beschwerden und Ursachen.
Quelle: eigene Darstellung
EKG 4 – 75-jähriger Mann, Gesundheits-Check-up
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 7161, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Was fragst du den Patienten?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 5 – 57-jährige Frau, präoperatives EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 10804, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Spricht etwas gegen die geplante Operation?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 6 – 48-jähriger Mann, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 4387, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 7 – 28-jährige Frau, Routine-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 6727, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Wie erklärst du den Befund der Patientin in einem Satz?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 8 – 79-jähriger Mann, Schwindel beim Treppensteigen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die P-Wellen sind klein; verfolge sie im Rhythmusstreifen II.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12426, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Miss die PQ-Zeit der Schläge vor und nach der Pause und nenne die führende Diagnose.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 9 – 89-jähriger Mann, zunehmende Müdigkeit
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS09577, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 10 – 63-jährige Frau, Zufallsbefund im Routine-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22383, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 11 – 71-jährige Frau, Schwäche und Brustdruck seit gestern
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22348, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Welche zusätzliche Abklärung ist wegen der Repolarisation dringend?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 12 – 68-jährige Frau, kurze Schwindelattacken
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12467, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Prüfe für jede Pause, ob sie ein Vielfaches des PP-Abstands ist und ob der Schlag nach der Pause eine P-Welle hat.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 13 – 39-jährige Frau, Leistungsknick seit zwei Wochen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Leichte Grundlinienschwankung.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12508, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. An welche Ursachen denkst du bei einer jungen Patientin?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 14 – 80-jähriger Mann, zwei Synkopen in einer Woche
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Georgia 12-lead ECG Challenge Database, E09423, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Wie hoch schätzt du das Risiko ein, und was veranlasst du?
In der App sprechen üben →EKG-Pool: VHF und Flattern
Lernziel: Du kannst VHF und Vorhofflattern in echten EKGs befunden.
Freie Antwort
Echte EKGs zu Vorhofflimmern und Vorhofflattern (Wissen aus Einheit 3). Bestimme die Frequenz bei unregelmäßigem Rhythmus mit der 10-s-Methode. Einige Aufgaben fragen zusätzlich nach dem CHA₂DS₂-VA-Score und der Antikoagulation. Ordne die Kammerfrequenz danach ein: unter 60/min bradykard, 60–100/min normofrequent, über 100/min tachykard.
Bei absoluter Arrhythmie zählst du alle QRS-Komplexe im 10-s-Streifen; ein einzelner RR-Abstand führt je nach Schlag zu einer ganz anderen Frequenz.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 1 (Frequenzgrenzen, 10-s-Methode) und Einheit 3 dieses Kapitels.
So gehst du jedes EKG dieses Pools durch: bei VHF entfällt die PQ-Zeit, die QTc ist nur gemittelt beurteilbar, beim Flattern zählst du Vorhof- und Kammerfrequenz getrennt.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 1 (Normwerte, Lagetyp) und Einheit 3 dieses Kapitels (EKG bei VHF und Flattern).
EKG 15 – 58-jähriger Patient, Vorsorgeuntersuchung
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 20406, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Der Patient hat eine behandelte Hypertonie, sonst keine Erkrankungen: Wie hoch ist sein CHA₂DS₂-VA-Score, und was folgt daraus?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 16 – 82-jährige Patientin, Hausbesuch wegen Müdigkeit
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 15834, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die Diagnose. Die Patientin wiegt 64 kg, Kreatinin 1,0 mg/dl, keine Vorerkrankungen. Welche Apixaban-Dosis ist richtig?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 17 – 79-jähriger Patient mit langjähriger Hypertonie
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 13832, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Welcher Zusatzbefund fällt in den Brustwandableitungen auf, und welche Untersuchung veranlasst du deshalb?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 18 – 78-jährige Patientin mit Atemnot, bekannte LVEF 35 %
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1026, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die Diagnose. Die Patientin ist stabil (RR 124/78 mmHg). Welche Medikamente kommen zur Frequenzkontrolle infrage, welches ist kontraindiziert?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 19 – 86-jährige Patientin mit Schwindel, nimmt Bisoprolol 10 mg und Digoxin
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2078, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Wie bewertest du die Frequenz im Zusammenhang mit Schwindel und Medikation?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 20 – 88-jähriger Patient, präoperatives EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2153, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne alle Diagnosen.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 21 – 64-jähriger Patient mit gelegentlichem Herzstolpern
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 866, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Der Patient hat keine Vorerkrankungen, Echokardiografie normal. Braucht er eine OAK?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 22 – 60-jähriger Patient mit Herzrasen seit dem Vortag
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 12986, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die Diagnose. Der Patient ist stabil und möchte heute „wieder normalen Rhythmus“. Was ist vor einer Kardioversion zu klären?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 23 – 78-jährige Patientin, Kontroll-EKG nach früherem Herzinfarkt
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 706, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die Rhythmusdiagnose. Braucht die Patientin eine Antikoagulation, obwohl es „nur Flattern“ ist?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 24 – 85-jährige Patientin (55 kg) mit Herzklopfen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16929, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die Diagnose. Die Patientin soll Edoxaban erhalten; Kreatinin-Clearance 58 ml/min. Welche Dosis?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 25 – 73-jährige Patientin unter Diuretikum, Muskelschwäche
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 3433, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Welcher Befund der Repolarisation fällt auf, und welche Laborwerte bestimmst du?
In der App sprechen üben →EKG-Pool: Tachykardien
Lernziel: Du kannst Extrasystolen und Tachykardien in echten EKGs befunden.
Freie Antwort
Echte EKGs zu Sinustachykardie, Extrasystolen, Schmal- und Breitkomplextachykardien (Wissen aus den Einheiten 1, 4 und 5).
Sinustachykardie und Extrasystolen
Ursachen der Sinustachykardie, SVES und VES, Bigeminus und Pausen (Einheit 1). Zur Pause: Kopplungsintervall plus Pause ergibt bei einer kompensatorischen Pause etwa zwei Sinus-RR-Abstände, bei einer nicht kompensatorischen Pause weniger.
Erst den Grundrhythmus messen, dann den vorzeitigen Schlag beschreiben und die Pause rechnen; die Zahlen sind ein Rechenbeispiel.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 1 dieses Kapitels (SVES/VES, Pausen, Muster, VES-Last); ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022.
EKG 26 – 64-jähriger Patient, Ruhe-EKG beim Hausarzt
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 698, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Welche drei Ursachen würdest du klinisch zuerst prüfen?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 27 – 56-jährige Patientin, Aufnahme-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 9133, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Was fällt an den Amplituden in den Extremitätenableitungen auf?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 28 – 76-jährige Patientin mit „Stolpern“
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 6075, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und ordne die vorzeitigen Schläge ein.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 29 – 64-jähriger Patient, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1321, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Achte bei den breiten Komplexen darauf, ob danach eine Pause folgt.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 30 – 70-jährige Patientin, Routine-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 4123, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Finde den abweichenden Schlag im Rhythmusstreifen und begründe seinen Ursprung mit drei Merkmalen.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 31 – 52-jähriger Patient, Vorsorgeuntersuchung
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 746, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und benenne das Muster der Extrasystolen.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 32 – 59-jährige Patientin mit Herzstolpern
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14501, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Wie ändert sich das Muster im Verlauf des Rhythmusstreifens?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 33 – 69-jähriger Patient, „Puls unregelmäßig“
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 13841, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und erkläre, welche Pulsfrequenz du am Handgelenk wahrscheinlich tastest.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 34 – 73-jähriger Patient, präoperatives EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1993, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und prüfe die Pause nach dem abweichenden Schlag rechnerisch.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Schmalkomplextachykardien und Präexzitation
Arbeitsweise aus Einheit 4: erst Kreislauf, dann Frequenz, Regelmäßigkeit, QRS-Breite, P-Wellen (vor, im oder nach dem QRS?), RP-Intervall und Lagetyp; bei Sinusrhythmus gezielt auf PQ und QRS-Beginn (Delta-Welle) achten. Viele regelmäßige Schmalkomplextachykardien sehen sich ähnlich – entscheidend ist, die Zeichen zu benennen, die du wirklich siehst, und offen zu sagen, wenn das Oberflächen-EKG AVNRT und AVRT nicht trennt. Als Faustregel gilt: RP unter etwa 70 ms spricht für eine typische AVNRT, eine klar abgesetzte P-Welle mit RP über 70 ms eher für eine orthodrome AVRT.
Die Lage der P-Welle zum QRS ordnet die regelmäßige Schmalkomplextachykardie; die Reaktion auf Vagusmanöver und Adenosin hilft zusätzlich bei der Einordnung.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 4 und 6 dieses Kapitels; ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019; ERC/GRC-Leitlinien 2025.
EKG 35 – 40-jährige Frau, Herzrasen seit dem Nachmittag

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 40-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS22441, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose. Wo liegt die Vorhoferregung?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 36 – 65-jährige Frau, plötzliches Herzrasen beim Treppensteigen

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 65-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10099, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Wie bewertest du die ST-Strecken?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 37 – 69-jähriger Mann, Herzrasen, unruhig und zitternd

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 69-jähriger Mann. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10501, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Achte auf das Ende des QRS in II, III und aVF.
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EKG 38 – 64-jährige Frau, Herzrasen seit einer Stunde

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 64-jährige Frau (größerer Zeilenabstand wegen hoher Brustwandausschläge). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10399, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und begründe, warum Vorhofflattern unwahrscheinlich ist.
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EKG 39 – 28-jährige Frau, wiederholtes „Herzjagen“

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 28-jährige Frau. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10554, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Welche Frage stellst du der Patientin, die für die Langzeittherapie wichtig ist?
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EKG 40 – 25-jähriger Mann, Herzrasen beim Fußball, jetzt leicht schwindelig

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 25-jähriger Mann (größerer Zeilenabstand wegen hoher Ausschläge). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10332, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. RR 105/70 mmHg, er ist wach und orientiert. Wie gehst du vor, und was suchst du nach Ende der Tachykardie?
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EKG 41 – 47-jähriger Mann, Herzrasen seit drei Stunden

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 47-jähriger Mann. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS10306, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Achte auf V1 zwischen den QRS-Komplexen.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 42 – 80-jähriger Mann, Herzklopfen seit dem Morgen, keine Brustschmerzen

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 80-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 3267, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne zwei Differenzialdiagnosen, die du bei diesem Patienten aktiv ausschließen musst.
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EKG 43 – 78-jährige Frau, Palpitationen und Abgeschlagenheit

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 78-jährige Frau. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 9866, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. RR 145/85 mmHg. Die Patientin nimmt Bisoprolol. Welche Therapiestufe kommt nach erfolglosem Vagusmanöver und Adenosin – und welche nicht?
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EKG 44 – 21-jähriger Mann, Musterungs-EKG, beschwerdefrei

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 21-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 13415, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Erkläre, warum der Lagetyp hier mit Vorsicht zu deuten ist.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 45 – 55-jähriger Mann, präoperatives EKG, „Linksschenkelblock?“

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV, 55-jähriger Mann. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 11889, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Der Anästhesist fragt, ob ein Linksschenkelblock vorliegt. Befunde das EKG systematisch und beantworte die Frage.
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Breitkomplextachykardien
Arbeitsweise aus Einheit 5: erst Kreislauf, dann Frequenz, Regelmäßigkeit, QRS-Breite, P-Wellen, Achse, Brustwandmorphologie und VT-Kriterien. Wo der Mechanismus nicht sicher ist, gilt „im Zweifel VT“. Für eine VT sprechen besonders AV-Dissoziation, Capture- und Fusionsschläge, eine Konkordanz in V1–V6 und ein QRS über 140 ms bei RSB-Bild bzw. über 160 ms bei LSB-Bild.
Befundweg bei regelmäßiger Breitkomplextachykardie: Fehlen VT-Zeichen, bleibt die Arbeitsdiagnose „wie VT behandeln“.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 5 und 6 dieses Kapitels; ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022; ESC-Leitlinie supraventrikuläre Tachykardien 2019.
EKG 46 – Patientin, Notaufnahme, Herzrasen seit einer Stunde

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45510, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und nenne die führende Diagnose.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 47 – 37-jähriger Mann, Herzrasen, Monitor im Schockraum

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 5 mm/mV (halbe Verstärkung). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45545, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch, nenne die Arbeitsdiagnose und begründe, warum du kein Verapamil gibst.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 48 – 41-jährige Frau, Palpitationen und Schwindel

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45533, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG und nenne das Kriterium aus den Extremitätenableitungen, das für eine VT spricht.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 49 – Patientin mit Herzrasen beim Treppensteigen

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45529, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Spricht das Bild für eine SVT mit typischem Linksschenkelblock? Begründe.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 50 – Patient mit Herzrasen, Befund für die Übergabe

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 5 mm/mV (halbe Verstärkung). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45546, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG und formuliere einen Satz für die Übergabe an die Kardiologie.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 51 – Patient mit Herzrasen und Druck im Hals

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 5 mm/mV (halbe Verstärkung). Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45527, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Der Patient ist wach, RR 105/65 mmHg. Welche Therapie wählst du als erste, wenn das Sedierungsrisiko vertretbar ist?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 52 – Über 90-jährige Patientin mit Fieber

12-Kanal-EKG, 25 mm/s, 10 mm/mV. Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 9562, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Braucht die Patientin ein Antiarrhythmikum?
In der App sprechen üben →EKG-Pool: Instabilität
Lernziel: Du kannst EKG und Kreislauf zur Akutentscheidung verbinden.
Freie Antwort
Jede Aufgabe kombiniert ein echtes EKG mit erfundenen, aber stimmigen Kreislaufdaten. Befunde zuerst das EKG, entscheide dann über Stabilität und nächste Maßnahme (Einheit 6). Die Kreislaufdaten gehören nicht zum Originaldatensatz. Eine Tachyarrhythmie verursacht Instabilitätszeichen meist erst ab etwa 150/min – bei eingeschränkter Pumpfunktion auch früher; darunter suchst du zuerst eine andere Ursache wie Sepsis, Blutung oder Hypoxie (AHA 2025).
So gehst du jede Aufgabe dieses Pools an: erst das EKG, dann der Puls, dann die vier Instabilitätszeichen. Erst wenn ein Zeichen durch den Rhythmus erklärt ist, kommt die Akutmaßnahme vor dem 12-Kanal-EKG.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 1 (QRS-Grenze, 10-s-Methode, Asystolie) und Einheit 6 dieses Kapitels (ERC/GRC-Leitlinien 2025, Instabilitätszeichen).
Ursache oder Folge: Eine Tachyarrhythmie unter etwa 150/min erklärt einen Schock selten allein. Findest du eine andere Schockursache, behandelst du zuerst sie und beurteilst den Rhythmus danach neu.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 1 (Ersatzzentren, Asystolie), Einheit 6 dieses Kapitels (Ursache und Folge trennen) und American Heart Association, Adult Tachyarrhythmia With a Pulse Algorithm 2025.
EKG 53 – 34-jährige Patientin, Herzrasen seit 25 Minuten
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16753, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Kreislauf: wach und orientiert, RR 124/78 mmHg, SpO₂ 99 %, kein Brustschmerz, keine Dyspnoe, Herzrasen schlagartig begonnen.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch, ordne die Patientin als stabil oder instabil ein. Was tust du jetzt?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 54 – 81-jähriger Mann mit Fieber und Husten
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 3440, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Kreislauf: Temperatur 39,2 °C, RR 88/50 mmHg, Atemfrequenz 26/min, SpO₂ 90 %, Rasselgeräusche rechts basal, Haut warm, Laktat 3,8 mmol/l, bekanntes Vorhofflimmern unter Antikoagulation.
Aufgabe: Befunde das EKG. Ist die Rhythmusstörung die Ursache der Hypotonie? Was tust du jetzt?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 55 – 77-jährige Frau, auf dem Flur zusammengebrochen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS24154, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Kreislauf: somnolent, reagiert nur auf Schmerzreiz, Puls femoral schwach tastbar, RR 60/35 mmHg, Atmung vorhanden, SpO₂ nicht ableitbar.
Aufgabe: Befunde das EKG. Was tust du in den nächsten Minuten?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 56 – 55-jähriger Mann, Herzrasen und Verwirrtheit
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 5 mm/mV (halbe Verstärkung, damit die großen Ausschläge nicht überlappen).
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45526, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Kreislauf: Puls tastbar, schwach, RR 70/40 mmHg, kaltschweißig, verwirrt, Atemfrequenz 24/min.
Aufgabe: Befunde das EKG. Welche Maßnahme mit welchem Modus und welcher Startenergie wählst du?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 57 – 61-jähriger Mann, Herzklopfen seit einer Stunde
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS45371, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Kreislauf: wach, orientiert, RR 132/84 mmHg, kein Brustschmerz, keine Dyspnoe, SpO₂ 97 %, Haut warm.
Aufgabe: Befunde das EKG. Ist ein sofortiger Schock nötig? Was tust du jetzt?
In der App sprechen üben →EKG-Pool: Medikamente, Geräte
Lernziel: Du kannst QT, Medikamenteneffekte und Schrittmacher-EKGs befunden.
Freie Antwort
Echte EKGs zu Antiarrhythmika, QT-Zeit, Digitalis und Elektrolyten (Einheit 7) sowie zu Schrittmacher und ICD (Einheit 8). Die Fallangaben sind ergänzt.
Medikamente, QT und Elektrolyte
Befunde jedes EKG systematisch, berechne die QTc, wo sie sinnvoll ist, und beantworte die Verordnungs- oder Sicherheitsfrage (Einheit 7). Grenzwerte zur Orientierung (Einheit 7): QTc normal bis etwa 450 ms (Männer) bzw. 460 ms (Frauen), ab 500 ms oder bei einem Anstieg um 60 ms deutlich erhöhtes Torsade-de-pointes-Risiko; über 90/min und unter 60/min rechnest du zusätzlich nach Fridericia.
Befundweg für jedes EKG dieses Abschnitts: erst Rhythmus und Frequenz, dann die QTc mit der passenden Formel, dazu Digitalis- und Elektrolytzeichen – die Verordnung entscheidet die eingeordnete QTc.
Quelle: eigene Darstellung
EKG 58 – 59-jähriger Mann, EKG vor Beginn eines Antipsychotikums
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 8032, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch mit QTc. Darf das geplante Antipsychotikum mit bekanntem QT-Risiko ohne Weiteres begonnen werden?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 59 – 79-jähriger Mann mit nächtlicher Unruhe, Haloperidol i.v. geplant
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die Extremitätenableitungen sind leicht verrauscht.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Chapman University/Shaoxing People's Hospital, JS08102, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG mit QTc. Ist Haloperidol i.v. hier vertretbar?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 60 – 74-jährige Patientin mit Vorhofflimmern unter Digoxin, Routinekontrolle
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16591, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Die Patientin ist beschwerdefrei, Kreatinin und Kalium sind normal.
Aufgabe: Befunde das EKG. Spricht es für eine Digitalis-Toxizität?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 61 – 74-jährige Patientin mit Vorhofflimmern, Frage nach ausreichender Frequenzkontrolle
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 6086, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Sie nimmt Bisoprolol und Digoxin, hat eine eGFR von 38 ml/min und bekommt neu Verapamil vom Hausarzt „gegen das Herzklopfen“.
Aufgabe: Befunde das EKG. Was hältst du von der zusätzlichen Verapamil-Verordnung?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 62 – 76-jährige Patientin nach Brechdurchfall, unter Hydrochlorothiazid
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 16776, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG mit QTc. Welche Laborwerte bestimmst du, und was folgt für eine geplante Ondansetron-Gabe?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Schrittmacher und ICD
Bei Schrittmacher-EKGs gehören vier Zusatzfragen dazu: Spikes wo? Capture? Sensing? Intervalle? Bei stimulierten Kammerkomplexen sind QT-Zeit und ST/T sekundär verändert und werden nicht wie im Eigenrhythmus beurteilt (Einheit 8). Die Grundfrequenz berechnest du aus dem Abstand zweier Spikes (300 : große Kästchen, z. B. 25 mm = 1,0 s → 60/min).
Die vier Zusatzfragen in fester Reihenfolge: Wo sitzen die Spikes, folgt auf jeden eine Erregung, wird die Eigenaktion respektiert, welche Intervalle misst du?
Quelle: eigene Darstellung
EKG 63 – 70-jährige Patientin, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 3723, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch. Welche Arbeitsweise liegt vor, und funktioniert die Stimulation?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 64 – 83-jährige Patientin, Schrittmacherkontrolle
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 7866, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Erkläre, warum die QRS-Komplexe in II, III und aVF negativ sind.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 65 – 83-jährige Patientin, Aufnahme wegen Sturz
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 11982, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Spricht es für eine Schrittmacherfehlfunktion als Sturzursache?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 66 – 87-jähriger Mann, präoperatives EKG vor Hüftoperation
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 2828, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Was muss vor der Operation geklärt werden, wenn monopolar koaguliert werden soll?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 67 – über 89-jähriger Mann, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 10706, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. In welchen Ableitungen findest du die Spikes am besten?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 68 – 73-jähriger Mann, Aufnahme wegen Dyspnoe
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Georgia 12-lead ECG Challenge Database, E03089, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Die Echokardiographie zeigt eine neu auf 35 % reduzierte LVEF; laut Geräteabfrage wird die Kammer zu fast 100 % stimuliert. Woran denkst du?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 69 – 53-jähriger Mann, Kontroll-EKG
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 17093, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Miss die AV-Zeit und nenne den Modus.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 70 – 59-jähriger Mann, ambulante Kontrolle
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die sehr hohen Spikes überlagern teilweise die benachbarten Ableitungen.
Quelle: PTB-XL, Auswahl über PTB-XL+ (Strodthoff et al.), ecg_id 20777, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Befunde das EKG. Warum sind die Spikes so hoch?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 71 – 61-jähriger Mann, ein Jahr nach Hinterwandinfarkt, nach Reanimation
12-Kanal-EKG in Ruhe, 10-s-Ausschnitt (Sekunde 20–30 der Aufzeichnung), Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Das Kammerflimmern ist nur aus der Vorgeschichte bekannt.
Quelle: PTB Diagnostic ECG Database (Bousseljot et al.), patient189/s0309lre, Ausschnitt 20–30 s, ODC-By 1.0; Kurven unverändert neu gezeichnet. Contains information from the PTB Diagnostic ECG Database (https://physionet.org/content/ptbdb/1.0.0/) which is made available under the ODC Attribution License (https://opendatacommons.org/licenses/by/1-0/).
Fallangabe: Der Patient wurde vor drei Wochen nach beobachtetem Kollaps wegen Kammerflimmern erfolgreich defibrilliert. Ein akuter Infarkt wurde ausgeschlossen; Elektrolyte und Medikamente erklären das Ereignis nicht.
Aufgabe: Befunde das Ruhe-EKG. Welche Geräteempfehlung gibst du?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 72 – 52-jähriger Mann nach Vorderwandinfarkt und Bypassoperation
12-Kanal-EKG in Ruhe, 10-s-Ausschnitt (Sekunde 20–30 der Aufzeichnung), Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV. Die Kammertachykardien sind nur aus der Vorgeschichte bekannt.
Quelle: PTB Diagnostic ECG Database (Bousseljot et al.), patient103/s0332lre, Ausschnitt 20–30 s, ODC-By 1.0; Kurven unverändert neu gezeichnet. Contains information from the PTB Diagnostic ECG Database (https://physionet.org/content/ptbdb/1.0.0/) which is made available under the ODC Attribution License (https://opendatacommons.org/licenses/by/1-0/).
Fallangabe: Bekannte rezidivierende anhaltende Kammertachykardien bei Infarktnarbe; er nimmt einen Betablocker.
Aufgabe: Befunde das Ruhe-EKG. Ist die langsame Frequenz ein Grund für einen Schrittmacher?
In der App sprechen üben →EKG-Pool: Synkope
Lernziel: Du kannst Hochrisiko-EKGs nach einer Synkope erkennen.
Freie Antwort
Jede Aufgabe kombiniert ein echtes EKG mit einer ergänzten, erfundenen Fallangabe. Befunde zuerst das EKG in der gewohnten Reihenfolge und entscheide dann über das Risiko nach ESC 2018 (Einheit 9, S04). Die Fallangaben gehören nicht zum Originaldatensatz. Die wichtigsten EKG-Schwellen aus Einheit 9: Bradykardie oder langsames Vorhofflimmern unter 40/min, Pausen über 3 s, QRS ab 120 ms (Schenkelblock) und QTc über 460 ms in wiederholten EKGs zählen als „major“; Sinusbradykardie 40–50/min, Präexzitation und QTc ≤ 340 ms nur als „minor“.
Befundweg für jede Aufgabe dieses Pools: Du befundest in der gewohnten Reihenfolge und markierst an jedem Schritt, ob ein „major“- oder „minor“-Merkmal vorliegt. Ein „major“-Merkmal macht allein Hochrisiko, ein „minor“-Merkmal nur zusammen mit einer passenden Anamnese.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 9 dieses Kapitels (S04 Risikostratifizierung, S05 Schenkel- und Hemiblöcke) nach ESC-Leitlinie Synkope 2018.
Bei jungen Patienten prüfst du gezielt diese fünf Warnzeichen. Nur wenn alle fünf ausgeschlossen sind und Anamnese und Auslöser typisch sind, bleibt es bei einer gutartigen Reflexsynkope.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 9 dieses Kapitels (S04 und S06) nach ESC-Leitlinie Synkope 2018.
EKG 73 – 78-jähriger Mann, Synkope beim Spaziergang
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 424, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: plötzlich ohne Vorboten zusammengesackt, etwa 15 Sekunden bewusstlos, Schürfwunde am Knie; jetzt beschwerdefrei, RR 146/82 mmHg.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch und ordne das Risiko ein. Wie geht es weiter?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 74 – 81-jährige Frau, präoperatives EKG vor Katarakt-Operation
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 5003, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: keine Synkopen, kein Schwindel, gut belastbar; keine frequenzsenkenden Medikamente.
Aufgabe: Befunde das EKG. Welche Frage stellst du der Patientin, und welche Konsequenz hat der Befund ohne Beschwerden?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 75 – 56-jähriger Mann, Synkope beim Treppensteigen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 14932, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: Synkope im zweiten Stock beim Treppensteigen; in der Untersuchung kein Herzgeräusch.
Aufgabe: Befunde das EKG und nenne alle Hochrisiko-Merkmale dieses Patienten.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 76 – 21-jähriger Student, Synkope bei der Blutentnahme
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 1946, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: vorher Übelkeit und Schwitzen, nach 30 Sekunden wieder klar; keine Vorerkrankungen, kein plötzlicher Herztod in der Familie.
Aufgabe: Befunde das EKG und prüfe es gezielt auf die Warnzeichen aus Einheit 9, S06. Wie ist das Risiko?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 77 – 26-jährige Frau, Synkope im überfüllten Bus
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PTB-XL (Wagner et al., PhysioNet), ecg_id 2613, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: nach 20 Minuten Stehen bei Hitze schwarz vor Augen, dann kurz bewusstlos; zweite derartige Episode seit der Jugend. Sie fährt täglich Pkw zur Arbeit.
Aufgabe: Befunde das EKG. Ordne das Risiko ein und beantworte ihre Frage, ob sie weiter Auto fahren darf.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 78 – 39-jährige Frau, Synkope beim Einkaufen
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV.
Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 (Reyna et al.), Ningbo First Hospital, JS12509, CC BY 4.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: ohne Vorboten bewusstlos; jetzt wach, RR 118/70 mmHg, keine Brustschmerzen, keine Dyspnoe.
Aufgabe: Befunde das EKG systematisch, achte besonders auf die Beziehung zwischen P und QRS. Was folgt?
In der App sprechen üben →EKG-Pool: Fahreignung
Lernziel: Du kannst nach einem Rhythmusereignis zur Fahreignung beraten.
Freie Antwort
Die EKGs sind echt, die Fallangaben ergänzt. Fristen werden nur so weit genannt, wie sie in Einheit 9 (S10) geprüft wurden.
So gehst du jede Aufgabe dieses Pools an: Das Ruhe-EKG beantwortet die Befundfrage, die Fahreignung hängt am Ereignis, an der Gruppe und an der Frist.
Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Einheit 9 dieses Kapitels (S09 und S10: FeV Anlage 4, BASt-Begutachtungsleitlinien, DGK-Pocket-Leitlinie Fahreignung 2023).
EKG 79 – 67-jähriger Mann, Zustand nach Kammertachykardien
12-Kanal-EKG mit Rhythmusstreifen II, 25 mm/s, 10 mm/mV; Ausschnitt 0–10 s einer längeren Aufzeichnung.
Quelle: PTB Diagnostic ECG Database (Bousseljot et al., PhysioNet), patient280/s0535_re, Ausschnitt 0–10 s, ODC-By 1.0; Kurven unverändert neu gezeichnet.
Fallangabe: alter inferolateraler Infarkt; vor sechs Wochen anhaltende Kammertachykardie mit Synkope, seitdem sekundärpräventiver ICD mit regelrechter Funktion, keine Schockabgabe. Er fährt privat Pkw und möchte nächste Woche wieder selbst fahren.
Aufgabe: Befunde das EKG. Darf er nächste Woche fahren? Formuliere die Beratung in zwei Sätzen und einen Dokumentationssatz.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Zusatzfrage zu EKG 78 (Fahreignung)
Die 39-jährige Patientin aus C05-U16-Q06 (EKG 78) arbeitet als Busfahrerin im Linienverkehr. Sie hat inzwischen einen Zweikammerschrittmacher erhalten; Funktion regelrecht, Wunde reizlos.
Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.
| Angabe | Fallinformation |
|---|---|
| Person / Tätigkeit | 39-jährige Patientin; Busfahrerin im Linienverkehr |
| Vorheriger Fall | C05-U16-Q06, EKG 78 |
| Gerät | inzwischen Zweikammerschrittmacher erhalten |
| Aktueller Befund | Funktion regelrecht; Wunde reizlos |
Aufgabe: Welche Fahrerlaubnisgruppe betrifft sie, was sagt die FeV grundsätzlich, und was musst du vor einer Fristangabe tun?
Röntgen-Thorax kurz nach Implantation eines Zweikammerschrittmachers: Aggregat links unter dem Schlüsselbein, eine Sonde endet im rechten Vorhof, die zweite in der rechten Kammer. Die Knöpfe und Kabel auf der Brust gehören zu den Monitor-Elektroden.
Quelle: Patel ZK, Shah MS, Bharucha R, Benz M (Cureus 2022;14(1):e21737, Abb. 1), CC BY
