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Lernpfade

Asthma und COPD

Lernziel: Du kannst Asthma und COPD unterscheiden und einen Dauer- und Akutplan begründen.

Obstruktion verstehen

Lernziel: Du kannst Verengung, Überblähung und gestörten Gasaustausch verbinden.

Du lernst, eine Atemwegsverengung zu erklären, Asthma und COPD begründet zu unterscheiden und einen sicheren Dauer- und Akutplan zu entwickeln. Alle Patientenbeispiele sind fiktiv und beziehen sich auf Erwachsene. Die praktischen Übungen erfolgen mit einem Demonstrationsgerät unter fachkundiger Beobachtung.

Lernweg: Atemmechanik → Funktionsdiagnostik → Asthma- und COPD-Dauertherapie → Inhalation → akute Verschlechterung → Bronchiektasen und Husten → Prävention → klinischer Transfer → Wiederholung.

Luft hinein ist nicht Luft hinaus

Die großen Bronchien leiten Luft weiter; kleine Bronchien und Bronchiolen verteilen sie bis zu den Alveolen. An den dünnen Alveolarwänden wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid aus dem Blut abgegeben. Beim ruhigen Einatmen erweitert die Atemmuskulatur den Brustkorb. Beim Ausatmen helfen die elastischen Rückstellkräfte der Lunge. Bis zu den Alveolen teilen sich die Atemwege etwa 23-mal; Atemwege unter 2 mm Durchmesser gelten als kleine Atemwege, und rund 300–500 Millionen Alveolen bieten etwa 100 m² Austauschfläche.

Drei nummerierte Abschnitte untereinander: Leiten in Trachea und Bronchien bis Generation 16, Verteilen in kleinen Atemwegen unter 2 mm ohne Knorpel, Austauschen in den Alveolen ab Generation 17 mit etwa 300 bis 500 Millionen Alveolen und rund 100 Quadratmetern. Darunter nebeneinander: Einatmen aktiv über das Zwerchfell, etwa ein Drittel des Atemzugs; Ausatmen passiv über die elastische Rückstellkraft, etwa zwei Drittel. Rote Ergebniszeile: Fehlen Querschnitt oder Rückstellkraft, wird die Ausatmung zum Engpass.

Abbildung: Verfolge den Luftweg von der Leitung bis zum Gasaustausch. Die Ausatmung in Ruhe arbeitet ohne Muskelkraft – genau deshalb wird sie zum Engpass, wenn Querschnitt oder Rückstellkraft fehlen. Quelle: eigene Darstellung.

Bei einer Obstruktion steigt der Widerstand gegen den Luftstrom. Eine entzündlich verdickte Schleimhaut, zäher Schleim und angespannte glatte Bronchialmuskulatur verkleinern den freien Querschnitt. Der Widerstand steigt dabei etwa mit der vierten Potenz der Radiusabnahme: Halbiert sich der Radius, steigt er auf rund das 16-Fache. Besonders das Ausatmen dauert länger. Beim Emphysem sind Alveolarwände und elastische Rückstellkräfte vermindert; kleine Atemwege werden beim Ausatmen weniger offengehalten. Asthma und COPD können deshalb ein ähnliches Strömungsproblem erzeugen, obwohl die zugrunde liegenden Prozesse verschieden sind.

Oben zwei Röhren: Bei halbiertem Radius steigt der Widerstand etwa auf das 16-Fache. Darunter drei Ursachen nebeneinander: Muskel mit Bronchospasmus, rasch veränderlich, vor allem Asthma; Schleimhaut mit Entzündung, verdickter Wand und zähem Schleim, Asthma und COPD; Emphysem mit zerstörten Alveolarwänden, weniger Rückstellkraft und kollabierenden kleinen Atemwegen, COPD. Alle drei münden in eine länger dauernde, erschwerte Ausatmung; darunter Asthma mit oft wechselnder Engstellung und COPD mit persistierender Obstruktion.

Abbildung: Schon eine kleine Verengung erhöht den Widerstand stark. Vergleiche die drei Mechanismen und ihre gemeinsame Folge für die Ausatmung. Quelle: eigene Darstellung.

VeränderungFolge für die Atmung
Bronchialmuskel zieht sich zusammenRasch veränderliche Engstellung
Schleimhaut schwillt an, Sekret sammelt sichWeniger freier Querschnitt
Elastische Rückstellung nimmt abKleine Atemwege kollabieren leichter

Fünf nummerierte, durch Pfeile verbundene Schritte, daneben jeweils ein gelbes Feld mit dem erkennbaren Befund: 1 Atemwege verengt – Giemen, Brummen; 2 Widerstand steigt, halber Radius etwa 16-facher Widerstand – Luftnot bei Belastung; 3 Ausatmung dauert länger – verlängertes Exspirium; 4 Luft bleibt zurück, Air Trapping – mehr Restluft; 5 Lunge überbläht – im Röntgen tiefes, flaches Zwerchfell, Fassthorax. Rote Ergebniszeile: Atemarbeit steigt, Luftnot zuerst bei Belastung, später auch in Ruhe.

Abbildung: Verfolge die Kette von der Verengung bis zur Überblähung und ordne jedem Schritt den Befund zu, an dem du ihn erkennst. Das Diagramm zeigt Zusammenhänge, keine anatomische Aufnahme. Quelle: eigene Darstellung.

Schnittfläche einer fixierten Raucherlunge mit zahlreichen kleinen, schwarz ausgekleideten Hohlräumen zwischen erhaltenem Lungengewebe.

Abbildung: Zentrilobuläres Emphysem bei einem Raucher, Schnittfläche einer fixierten Lunge. Wo Alveolarwände zugrunde gegangen sind, bleiben Hohlräume zurück; die schwarze Auskleidung ist eingelagertes Kohlenstaubpigment. Quelle: Dr. Edwin P. Ewing, Jr., CDC Public Health Image Library (PHIL #865), über Wikimedia Commons; gemeinfrei (Public Domain); Maßstab mit Präparatenummer weggeschnitten.

Axiale CT des Thorax im Lungenfenster mit großflächig dunklen, gefäßarmen Arealen und dünnen Restsepten in beiden Lungen.

Abbildung: Fortgeschrittenes Emphysem in der CT. Statt feiner Lungenstruktur sieht man großflächige, luftgefüllte Räume mit wenigen Gefäßen: Der Verlust von Alveolarwänden wird sichtbar. Quelle: PLoS Medicine 2004;1(1):e25 (doi:10.1371/journal.pmed.0010025), über Wikimedia Commons; CC BY 3.0; als WebP gespeichert.

Warum schnelles Atmen die Luftnot verstärken kann

Beginnt der nächste Atemzug, bevor genügend Luft ausgeatmet wurde, bleibt zusätzliches Gas in der Lunge: Air Trapping. Bei Belastung oder einer Exazerbation verkürzt die hohe Atemfrequenz die Ausatmungszeit weiter. Bei einem Verhältnis von Ein- zu Ausatmung von etwa 1 : 2 bleiben bei 15 Atemzügen pro Minute rund 2,7 s zum Ausatmen, bei 30 pro Minute nur noch etwa 1,3 s. Das endexspiratorische Lungenvolumen steigt; diese zeitabhängige Zunahme heißt dynamische Überblähung. Die Einatmung beginnt dann aus einer ungünstigeren Ausgangslage. Das Zwerchfell arbeitet weniger effizient, und die Atemarbeit steigt.

Zwei Volumen-Zeit-Kurven über 12 Sekunden. Oben in Ruhe mit 15 Atemzügen pro Minute: Ausatmung etwa 2,7 Sekunden, die Kurve kehrt fast zur Ruhe-Ausgangslage zurück. Unten bei Belastung mit 30 Atemzügen pro Minute: Ausatmung etwa 1,3 Sekunden, jeder Atemzug beginnt höher, das Volumen am Ende der Ausatmung steigt über die Ausgangslage. Darunter zwei Folgen: Einatmung startet höher mit flacherem Zwerchfell und weniger Raum zum Einatmen; Atemarbeit steigt mit zunehmender Luftnot und noch schnellerer Atmung.

Abbildung: Vergleiche die Ausatemzeit bei 15 und 30 Atemzügen pro Minute. Wird sie zu kurz, steigt das Volumen am Ende jeder Ausatmung – das ist dynamische Überblähung. Die Kurven sind schematisch, nicht gemessen. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxaufnahme von vorn bei COPD mit dunklen, vermehrt strahlentransparenten Lungen, tief stehenden, abgeflachten Zwerchfellkuppen und schmal wirkendem Herzschatten.

Abbildung: Überblähung im Röntgenbild eines Patienten mit COPD. Achte auf die tief stehenden, flachen Zwerchfellkuppen und die vermehrte Strahlentransparenz. Das Röntgenbild stützt den Befund, beweist aber keine Obstruktion; dafür braucht es die Lungenfunktion. Quelle: Mikael Häggström, M.D., über Wikimedia Commons; CC0 1.0; Seitenmarkierung weggeschnitten, verkleinert.

Seitliche Thoraxaufnahme desselben Patienten mit großem, dunklem Raum hinter dem Brustbein und flach verlaufendem Zwerchfell.

Abbildung: Dieselbe Lunge in der seitlichen Aufnahme. Der Raum hinter dem Brustbein ist vergrößert, das Zwerchfell verläuft flach: Es arbeitet aus einer ungünstigen Ausgangslage. Quelle: Mikael Häggström, M.D., über Wikimedia Commons; CC0 1.0; als WebP gespeichert.

Historische Seitenansicht eines sitzenden Mannes mit tiefem, fassförmig gerundetem Brustkorb und rundem Rücken; der Kopf ist weggeschnitten.

Abbildung: Fassthorax bei langjähriger Überblähung. Der Brustkorb ist von vorn nach hinten vergrößert und wirkt wie in Einatmungsstellung. Der Befund ist ein Hinweis, kein Beweis: Auch Alter und Kyphose verändern die Thoraxform. Quelle: R. C. Cabot, Physical Diagnosis, New York 1912; Internet Archive Book Images über Wikimedia Commons; gemeinfrei; Kopf und Rand weggeschnitten.

Die Ventilation beschreibt die Belüftung; die wirksame alveoläre Ventilation ermöglicht die CO₂-Abgabe. Perfusion ist die Durchblutung der Lungenkapillaren. Werden weiterhin durchblutete Bereiche schlecht belüftet, passt beides nicht mehr zusammen: Sauerstoffmangel kann entstehen. Bei Erschöpfung reicht auch die CO₂-Abgabe nicht mehr aus. Nicht jede obstruktive Erkrankung verursacht sofort eine Hyperkapnie. Normal liegt der arterielle pCO₂ bei etwa 35–45 mmHg; höhere Werte bedeuten Hyperkapnie, zusammen mit einem pH unter 7,35 eine respiratorische Azidose. Wird Sauerstoff gegeben, gilt meist eine Ziel-SpO₂ von 92–96 %, bei Risiko einer Hyperkapnie 88–92 %.

Zwei Spalten. Links: Genug Sauerstoff im Blut, Oxygenierung; Ursache schlecht belüftete, weiter durchblutete Bereiche, V/Q-Missverhältnis; Folge Hypoxämie; Messung Pulsoxymetrie, schätzt die Sättigung, misst kein CO₂; Ziel meist 92 bis 96 Prozent, bei Hyperkapnierisiko 88 bis 92 Prozent. Rechts: CO₂ abgeatmet, Ventilation; Ursache Erschöpfung, zu wenig wirksame alveoläre Ventilation; Folge Hyperkapnie; Messung Blutgasanalyse, pCO₂ über 45 mmHg, pH unter 7,35 Azidose; normal 35 bis 45 mmHg. Dunkelrote Warnzeile: Gute SpO₂ schließt einen CO₂-Anstieg nicht aus; vor allem unter Sauerstoff bei Erschöpfung oder Somnolenz die Blutgasanalyse prüfen.

Abbildung: Trenne die zwei Fragen: Sauerstoffaufnahme zeigt die SpO₂, die CO₂-Abgabe nur die Blutgasanalyse. Quelle: eigene Darstellung.

BeobachtungWas sie erklärt – und was nicht
Giemen, verlängertes ExspiriumHinweis auf Verengung; keine sichere Ätiologie
SpO₂ am FingerSchätzt die O₂-Sättigung; misst kein CO₂
pCO₂ in der BlutgasanalyseHilft, wirksame Ventilation zu beurteilen
Kaum Atemgeräusch trotz schwerer LuftnotKann extrem geringen Luftstrom anzeigen

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein Patient mit COPD wird beim Treppensteigen hektisch, atmet sehr schnell und kann kaum ausatmen. Der Zusammenhang lautet: hoher Atemwegswiderstand → langsame Entleerung → verkürzte Ausatmungszeit → zunehmendes Air Trapping → mehr Atemarbeit. Anhalten, abgestützte Position und eine angeleitete dosierte Lippenbremse können die Ausatmung erleichtern. Schwere oder neue Luftnot erfordert trotzdem medizinische Beurteilung; die Atemtechnik ersetzt keine Behandlung der Ursache.

Fünf nummerierte Schritte untereinander: 1 Belastung mit mehr Sauerstoffbedarf und Atemantrieb; 2 schneller atmen, Atemfrequenz zum Beispiel von 15 auf 30 pro Minute; 3 Ausatmung zu kurz, Ausatemzeit sinkt von etwa 2,7 auf 1,3 Sekunden, Lunge entleert sich nicht vollständig; 4 mehr Air Trapping; 5 mehr Atemarbeit und Luftnot, der Patient wird hektisch. Ein roter Pfeil führt von Schritt 5 zurück zu Schritt 2: verstärkt sich. Darunter grün: Kreis unterbrechen durch Anhalten, abgestützte Position wie Kutschersitz und angeleitet geübte Lippenbremse. Rot: Notfall, wenn nur einzelne Wörter möglich sind, bei Erschöpfung oder Somnolenz, leisem Atemgeräusch trotz schwerer Luftnot oder neuer schwerer Luftnot.

Abbildung: Finde die Stelle, an der sich der Kreis schließt, und die Punkte, an denen der Patient ihn unterbrechen kann. Die roten Zeichen verlangen sofortige ärztliche Beurteilung statt Atemtechnik. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Den entscheidenden Schritt ergänzen

Aufgabe

Eine Patientin mit obstruktiver Erkrankung atmet bei Belastung schneller. Ergänze: „Die nächste Einatmung beginnt zu früh. Dadurch …; die Atemmuskulatur muss …“

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe
AusgangslageObstruktive Erkrankung
SituationBelastung
AtmungSchneller als zuvor
Nächste EinatmungBeginnt zu früh
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Weniger Giemen beurteilen

Aufgabe

Ein akut dyspnoischer Patient wird erschöpft. Das zuvor laute Giemen ist kaum noch hörbar, er spricht nur einzelne Wörter. Welche Einordnung passt?

Die Tabelle stellt die beobachtete Veränderung zusammen.

BeobachtungAngabe
LuftnotAkut
Allgemeiner EindruckErschöpft
AtemgeräuschZuvor lautes Giemen, jetzt kaum hörbar
SprechenNur einzelne Wörter
  1. a)Die leisere Auskultation beweist eine erfolgreiche Bronchodilatation.
  2. b)Der Luftstrom kann kritisch abgenommen haben; sofortige Notfallbeurteilung ist nötig.
  3. c)Die fehlenden Geräusche beweisen eine ausschließlich psychische Ursache.
Lösung in der App →

Lungenfunktion einordnen

Lernziel: Du kannst Asthma und COPD mit Verlauf und Spirometrie abgrenzen.

Zuerst Qualität, dann Zahlen

Bei der Spirometrie atmet die untersuchte Person nach maximaler Einatmung möglichst kräftig und vollständig aus. FEV₁ ist das Volumen in der ersten Sekunde; FVC die gesamte forcierte Vitalkapazität. Beide werden in Litern angegeben. Das Verhältnis FEV₁/FVC zeigt, welcher Anteil der ausatembaren Luft in der ersten Sekunde die Lunge verlässt. Bei Obstruktion fällt dieser Anteil häufig ab.

Echte Spirometriekurven bei schwerer Obstruktion mit deutscher Achsenbeschriftung. Oben eine Fluss-Volumen-Kurve mit niedrigem Spitzenfluss und nach innen durchhängendem Ausatemschenkel, unten eine Volumen-Zeit-Kurve, die langsam ansteigt und erst nach mehreren Sekunden ein Plateau erreicht.

Abbildung: Originalkurven einer Spirometrie bei schwerer Obstruktion. In der Fluss-Volumen-Kurve (oben) hängt der Ausatemschenkel nach dem niedrigen Spitzenfluss konkav nach innen durch. In der Volumen-Zeit-Kurve (unten) markiert die waagrechte Linie bei 1 s die FEV₁, das Plateau die FVC. Laut Befund: FEV₁ 0,97 l, FVC 1,84 l, FEV₁/FVC 0,53. Quelle: Amalraj B, Marrero Castillo M, Gulati N. Cureus 2026;18(7):e112821 (doi:10.7759/cureus.112821), Abb. 3; CC BY 4.0; Teilbilder einzeln vergrößert, englische Beschriftung entfernt und deutsch neu beschriftet, als WebP gespeichert.

Die totale Lungenkapazität (TLC) ist das gesamte Gasvolumen nach maximaler Einatmung; sie wird mit zusätzlichen Verfahren bestimmt. Die Diffusionskapazität beschreibt die Fähigkeit zum Gasübertritt aus den Alveolen ins Blut und hängt unter anderem auch vom Hämoglobin ab.

Ein zu zögerlicher Start, Husten in der ersten Sekunde, undichter Mundschluss oder zu frühes Abbrechen können die Interpretation verfälschen. Mehrere akzeptable, ausreichend reproduzierbare Manöver und geeignete Referenzwerte sind nötig. Vor einer belastenden forcierten Messung werden akute Instabilität und relevante Kontraindikationen geprüft; ein schwerer Anfall wird zuerst behandelt.

Nach dem ATS/ERS-Standard sind mindestens drei akzeptable Manöver nötig; die beiden größten FVC- und FEV₁-Werte sollen sich um höchstens 150 ml unterscheiden. Relative Kontraindikationen sind etwa ein Herzinfarkt in der letzten Woche, ein Pneumothorax oder eine Thorax- bzw. Bauchoperation in den letzten vier Wochen.

Ausschnitt ohne Gesichter: Die Lippen eines Patienten umschließen das Mundstück eines Handspirometers dicht; die Hand der untersuchenden Person hält das Gerät.

Abbildung: Forciertes Manöver an einem Handspirometer. Die Lippen schließen das Mundstück dicht ab, die untersuchende Person leitet zu maximaler Einatmung und kräftiger, vollständiger Ausatmung an. Ein Nasenclip fehlt hier; üblicherweise wird er verwendet, damit keine Luft über die Nase entweicht. Quelle: Biswarup Ganguly, Wikimedia Commons; CC BY 3.0; auf Mund, Mundstück und Gerät zugeschnitten, Person im Hintergrund unkenntlich gemacht, als WebP gespeichert.

Ablauf von oben nach unten. Zuerst relative Kontraindikationen prüfen: schweren Anfall zuerst behandeln, Herzinfarkt unter 1 Woche, Pneumothorax, Thorax- oder Bauchoperation unter 4 Wochen, Augen-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohroperation unter 1 Woche. Dann jedes Manöver auf Akzeptanz prüfen: Rückextrapolation unter 5 Prozent der FVC oder 100 ml, kein Husten in der ersten Sekunde, dichter Mund mit Nasenclip, Plateau unter 25 ml in 1 Sekunde oder 15 Sekunden Ausatmung. Danach Reproduzierbarkeit: mindestens 3 akzeptable Manöver, die zwei besten FVC- und FEV₁-Werte höchstens 150 ml auseinander. Zuletzt Vergleich mit GLI-Sollwerten; erniedrigt heißt unter der LLN, der 5. Perzentile. Ergebnis: verwertbar, eingeschränkt oder nicht verwertbar.

Abbildung: Erst Sicherheit, dann Technik, dann Zahlen. Ausgewertet wird nur eine verwertbare Messung. Quelle: eigene Darstellung.

Als erniedrigt gilt ein Wert unter der unteren Normgrenze (LLN, 5. Perzentile der GLI-Referenzwerte). Die TLC wird meist bodyplethysmographisch gemessen: Liegt sie unter der LLN, ist eine Restriktion bestätigt; ein erhöhtes Verhältnis von Residualvolumen zu TLC spricht für Air Trapping.

Bei FVC unter der LLN und normalem FEV₁/FVC wird zuerst die Messung geprüft. Danach werden mit Bodyplethysmographie TLC, Residualvolumen und RV/TLC gemessen. Drei Äste: TLC unter der LLN bestätigt eine Restriktion, etwa bei Fibrose, Thoraxwand oder Adipositas; normale TLC mit erhöhtem RV/TLC spricht für Air Trapping bei Obstruktion; normale TLC und normales RV ergeben ein unspezifisches Muster. Die Diffusionskapazität wird auf das Hämoglobin korrigiert und ist etwa bei Emphysem oder Fibrose vermindert. Fazit: Niedrige FVC allein beweist keine Restriktion.

Abbildung: Erst die Messung, dann TLC und RV/TLC: Nur eine TLC unter der LLN bestätigt die Restriktion. Quelle: eigene Darstellung.

BefundAussage und Grenze
FEV₁/FVC erniedrigtObstruktives Muster bei verwertbarer Messung
FVC niedrigRestriktion möglich; auch Air Trapping oder Messfehler
Totale Lungenkapazität niedrigStützt eine Restriktion; zusätzliche Volumenmessung nötig
Diffusionskapazität vermindertKann etwa zu Emphysem passen; nicht allein diagnostisch

Ablauf: Messqualität mit mindestens drei akzeptablen Manövern, dann FEV₁/FVC vor Bronchodilatation. Unter 0,70 Obstruktion und Bronchodilatationstest; 0,70 bis 0,80 grenzwertig, nach Intervall wiederholen; ab 0,80 bei niedriger FVC die TLC messen, bei variabler Klinik Variabilität suchen. Bronchodilatationstest mit 400 µg Salbutamol, erneute Messung nach 10 bis 15 Minuten. Variabel heißt FEV₁-Anstieg um mindestens 12 Prozent und 200 ml und stützt Asthma; persistierend heißt FEV₁/FVC danach unter 0,70 und passt mit Exposition zu COPD. Zum Schluss mit Klinik und Verlauf zusammenführen; Ergebnis Asthma, COPD oder Alternativen prüfen.

Abbildung: Die Diagnose entsteht aus Messqualität, Funktionsbefund und klinischem Verlauf. Der Entscheidungsweg ersetzt keine Originalkurvenprüfung. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Krankheitsmuster unterscheiden

Asthma ist durch variable Beschwerden und variable exspiratorische Atemflusslimitation gekennzeichnet. Häufige Hinweise sind nächtliche oder frühmorgendliche Beschwerden, beschwerdefreie Intervalle und Auslösung durch Allergene, Infekte, Belastung oder kalte Luft. Eine allergische Vorgeschichte unterstützt den Verdacht, ist aber keine Voraussetzung. Bei Erwachsenen gehört die Frage nach Arbeitsplatz und Besserung an freien Tagen dazu.

COPD bedeutet eine chronische Erkrankung der Atemwege und/oder Alveolen mit anhaltender Atemflussbehinderung. Tabakrauch ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Risikofaktor; auch berufliche Stäube, Dämpfe und andere inhalative Expositionen zählen. Eine frühe Erkrankung, geringe Rauchbelastung oder familiäre Häufung lässt insbesondere an einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel denken. Eine entsprechende Testung gehört zur COPD-Abklärung.

COPD beginnt meist nach dem 40. Lebensjahr. Alpha-1-Antitrypsin wird zuerst im Serum bestimmt und bei erniedrigtem Wert genetisch abgeklärt.

MerkmalDiagnostische Bedeutung
Stark wechselnde SymptomeAsthma wahrscheinlich; objektiv bestätigen
Belastungsdyspnoe mit ExpositionsanamneseCOPD möglich; Spirometrie erforderlich
Beschwerden und Obstruktion trotz BehandlungBeide Diagnosen und Alternativen erneut prüfen
Reversibilität nach BronchodilatatorStützt Variabilität; trennt Asthma/COPD nicht allein

Gegenüberstellung von Asthma und COPD in fünf Zeilen: Beginn oft in Kindheit oder Jugend gegenüber meist nach dem 40. Lebensjahr; wechselnder Verlauf mit beschwerdefreien Intervallen gegenüber langsam zunehmender Belastungsdyspnoe; Auslöser wie Allergene, Infekte, Belastung, Kälte und Beruf gegenüber Tabakrauch, Stäuben, Dämpfen und Alpha-1-Antitrypsin-Mangel; FEV₁-Anstieg um mindestens 12 Prozent und 200 ml oder PEF-Schwankung über 10 Prozent gegenüber FEV₁/FVC unter 0,70 nach Bronchodilatator; FeNO und Eosinophile oft erhöht gegenüber meist normalem FeNO. Darunter: bei jeder COPD einmal Alpha-1-Antitrypsin bestimmen. Unten: Überlappung kommt vor, ein einzelner Test entscheidet nicht.

Abbildung: Kein einzelnes Merkmal entscheidet; erst das Muster aus Beginn, Verlauf, Exposition und Lungenfunktion trägt die Diagnose. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Die Tabelle stellt die Falldaten vor der Berechnung zusammen.

MerkmalAngabe
Patientin29 Jahre
BeschwerdenWechselnde pfeifende Atmung, nächtlicher Husten
FEV₁ vor Bronchodilatation2,00 l
FEV₁ nach Bronchodilatation2,35 l

Eine 29-Jährige hat wechselnde pfeifende Atmung und nächtlichen Husten. FEV₁ vor Bronchodilatation 2,00 l, danach 2,35 l: Zunahme 0,35 l = 350 ml; relativ zum Ausgangswert 0,35/2,00 × 100 = 17,5 %. Das erfüllt das hier verwendete GINA-Kriterium einer Zunahme um mindestens 12 % und mindestens 200 ml bei Erwachsenen. Zusammen mit der typischen Anamnese stützt dies Asthma. Eine einzelne negative Untersuchung außerhalb einer Beschwerdephase schließt es nicht aus.

Für den Test werden meist 400 µg Salbutamol (4 × 100 µg über einen Spacer) inhaliert; nach 10–15 Minuten wird erneut gemessen.

Bei unauffälliger Spirometrie kommen Wiederholung bei Beschwerden, ein korrekt geführtes Peak-Flow-Protokoll oder fachärztliche Provokationsdiagnostik infrage. PEF, der maximale Ausatemfluss, wird mit demselben Gerät morgens und abends dokumentiert; fehlende Techniktreue begrenzt die Aussage. FeNO bezeichnet die Konzentration des fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxids, meist in ppb angegeben. Ein erhöhter Wert oder vermehrte Eosinophile im Blut können eine Typ-2-Entzündung stützen, eine bestimmte immunologische Entzündungsform mit häufig eosinophiler Beteiligung. Beides beweist allein kein Asthma und wird durch Behandlung und weitere Faktoren beeinflusst. Eine notwendige Behandlung wird bei hoher Dringlichkeit nicht bis zum diagnostischen Idealzustand verzögert. Eine alleinige PEF-Messung genügt nicht zur Diagnosesicherung.

Als Orientierung nach GINA spricht eine mittlere tägliche PEF-Schwankung über 10 % in einem zweiwöchigen Protokoll für Variabilität. In der Methacholin-Provokation gilt ein FEV₁-Abfall um mindestens 20 % als positiv. FeNO ab 50 ppb gilt bei Erwachsenen als erhöht, unter 25 ppb als niedrig.

Zwei mechanische Peak-Flow-Meter mit Mundstück, Schleppzeiger und Skala in Litern pro Minute; an den Skalen sitzen verschiebbare farbige Markierungen.

Abbildung: Peak-Flow-Meter für die Selbstmessung. Nach maximaler Einatmung wird kurz und kräftig ausgeatmet; der Schleppzeiger bleibt beim maximalen Ausatemfluss in l/min stehen. Ins Protokoll kommt der beste von drei Versuchen, morgens und abends mit demselben Gerät. Quelle: Hosse (de.wikipedia), über Wikimedia Commons; gemeinfrei (Public Domain); Herstellernamen unkenntlich gemacht, als WebP gespeichert.

Für eine diagnostische Wiederholungsmessung werden Bronchodilatatoren nur bei klinischer Vertretbarkeit pausiert: SABA mindestens 4 Stunden, Formoterol oder Salmeterol mindestens 24 Stunden.

Normale Spirometrie bei wechselnden Beschwerden. Oben rot: bei hoher Dringlichkeit zuerst behandeln. Dann Wiederholung in der Beschwerdephase mit dem Kriterium FEV₁-Anstieg um mindestens 12 Prozent und 200 ml. Drei Wege nebeneinander: Peak-Flow-Protokoll über 2 Wochen morgens und abends mit mittlerer Tagesschwankung über 10 Prozent; fachärztliche Methacholin-Provokation, positiv bei FEV₁-Abfall um mindestens 20 Prozent; FeNO ab 50 ppb erhöht, unter 25 ppb niedrig, Eosinophile als Typ-2-Hinweis ohne Beweiskraft. Grenzen: PEF allein sichert nicht, ICS und Rauchen senken die Marker. Ergebnis: Variabilität belegt, unklar oder nichts belegt.

Abbildung: Ein normaler Einzeltest beendet die Abklärung bei typischer variabler Symptomatik nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei gebräuchliche Definitionen nicht verwechseln: Manche Laborberichte verwenden den ERS/ATS-Standard: (FEV₁ nachher − vorher) / FEV₁-Sollwert × 100. Dort gilt eine Änderung von mehr als 10 % des Sollwerts als relevante Bronchodilatatorantwort. Das ist eine andere Frage als das oben verwendete GINA-Asthma-Kriterium mit dem Ausgangswert im Nenner. Beispiel: 2,00 → 2,30 l bei Sollwert 3,50 l ergeben 300 ml und 15 % des Ausgangswerts, aber nur 8,6 % des Sollwerts. Die unterschiedlichen Bewertungen sind kein Rechenwiderspruch; Definition und klinische Frage müssen angegeben werden.

FEV₁ steigt von 2,00 auf 2,30 Liter, also um 300 ml. Links nach GINA mit dem Ausgangswert im Nenner 15 Prozent; mit 300 ml ist das Kriterium von mindestens 12 Prozent und 200 ml erfüllt. Rechts nach ERS/ATS mit dem Sollwert 3,50 Liter im Nenner 8,6 Prozent; die Grenze über 10 Prozent wird nicht erreicht. Unten: kein Rechenwiderspruch, Definition und Nenner im Befund nennen.

Abbildung: Vergleiche zuerst den Nenner und erst danach die jeweilige Entscheidungsgrenze. Quelle: eigene Darstellung.

Für COPD verlangt GOLD eine postbronchodilatatorische FEV₁/FVC unter 0,70 im passenden klinischen Kontext. Die feste Grenze kann im höheren Alter über- und bei jüngeren Menschen unterdiagnostizieren. Die altersbezogene untere Normgrenze, Verlauf und gegebenenfalls Wiederholungsmessung helfen bei Grenzfällen. Asthma kann im Verlauf ebenfalls eine persistierende Obstruktion entwickeln. Ein einzelner Test entscheidet deshalb nicht die gesamte Differenzialdiagnose.

Nach GOLD schließt ein Quotient ab 0,70 vor Bronchodilatation bei normalen FEV₁- und FVC-Werten eine COPD meist aus; liegt er zwischen 0,70 und 0,80, wird nach einem Intervall erneut gemessen.

Echte Fluss-Volumen-Kurve (oben) und Volumen-Zeit-Kurve (unten) vor und nach Bronchodilatator bei einem Patienten mit COPD, deutsch beschriftet. Nach dem Bronchodilatator sind Spitzenfluss und ausgeatmetes Volumen größer, und das Volumen steigt in der ersten Sekunde steiler an.

Abbildung: Vorher (blau) und nachher (rot) bei einem 58-jährigen Mann mit bekannter COPD. FEV₁ steigt von 1,45 auf 1,72 l: +270 ml, also 19 % des Ausgangswerts, aber nur 7,9 % des Sollwerts von 3,43 l. Das GINA-Kriterium ist erfüllt, die ERS/ATS-Grenze nicht. Nach Bronchodilatation liegt FEV₁/FVC mit 0,71 knapp über 0,70: Dieser eine Test allein belegt die persistierende Obstruktion nicht. Quelle: Amalraj B, Marrero Castillo M, Gulati N. Cureus 2026;18(7):e112821 (doi:10.7759/cureus.112821), Abb. 5; CC BY 4.0; Teilbilder einzeln vergrößert, englische Beschriftung entfernt und deutsch neu beschriftet, als WebP gespeichert.

Freie Antwort

Selbst rechnen

Aufgabe

Bei typischer wechselnder Symptomatik steigt FEV₁ von 2,40 l auf 2,76 l. Berechne absolute und relative Zunahme. Erfüllt das Ergebnis das oben gelehrte Asthma-Kriterium?

Die Tabelle enthält die Ausgangswerte für deine Rechnung.

MesszeitpunktFEV₁
Vorher2,40 l
Nachher2,76 l
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Ein neuer Funktionsbefund

Aufgabe

Ein 65-jähriger ehemaliger Raucher hat seit Jahren zunehmende Belastungsdyspnoe. Die wiederholt gute postbronchodilatatorische Messung zeigt FEV₁ 1,62 l und FVC 3,00 l. Welche Aussage ist am besten begründet?

Die Tabelle bündelt Anamnese und Messwerte des Falls.

MerkmalAngabe
Alter und Exposition65 Jahre, ehemaliger Raucher
BeschwerdenSeit Jahren zunehmende Belastungsdyspnoe
MessungWiederholt gute Qualität, nach Bronchodilatation
FEV₁1,62 l
FVC3,00 l

Ein Mann umschließt das weiße Mundstück eines Spirometers fest mit den Lippen und hält den Schlauch mit der Hand; Oberkörper in Arbeitskleidung, Augenpartie nicht im Bild.

Abbildung: Spirometrie in der Durchführung. Verwertbar sind die Werte nur bei dichtem Mundschluss, maximaler Einatmung und kräftiger, vollständiger Ausatmung; die Zahlen im Fall stammen aus wiederholt guten Manövern. Quelle: NIOSH, Public Domain (US-Regierungswerk),.jpg

  1. a)Das Verhältnis beträgt 0,54; der persistierende obstruktive Befund passt zur Anamnese einer COPD.
  2. b)Die FVC beweist unabhängig von weiteren Messungen eine Restriktion.
  3. c)Jede messbare Verbesserung nach Bronchodilatation würde COPD ausschließen.
Lösung in der App →

Asthma langfristig behandeln

Lernziel: Du kannst eine entzündungshemmende Asthmatherapie und Kontrolle erklären.

Öffnen und Entzündung behandeln

Ein Bronchodilatator entspannt glatte Atemwegsmuskulatur. Das kann die Luftnot rasch lindern, behandelt die zugrunde liegende Entzündung aber nicht ausreichend. ICS sind inhalative Corticosteroide: Sie vermindern die Entzündungsaktivität und senken das Risiko schwerer Anfälle. Bei Asthma gehört eine ICS-haltige Behandlung zum Sicherheitskonzept, auch bei seltenen Beschwerden. Nach GINA 2026 ist eine alleinige Behandlung mit einem kurz wirksamen Beta-2-Agonisten keine angemessene Dauerstrategie; dieser Lehrweg verwendet deshalb eine ICS-haltige Basis. Im Vergleich zu SABA allein senkt eine ICS-haltige Behandlung das Risiko schwerer Anfälle etwa um die Hälfte bis zwei Drittel.

GruppeWirkung und typische Beispiele
SABAKurz wirksamer Beta-2-Agonist, z. B. Salbutamol
LABALang wirksamer Beta-2-Agonist, z. B. Formoterol oder Salmeterol
ICSEntzündungshemmung, z. B. Budesonid oder Beclometason
LAMALang wirksames Antimuskarinikum, z. B. Tiotropium

Formoterol wirkt lang, setzt aber zugleich rasch ein. Deshalb eignen sich bestimmte ICS-Formoterol-Kombinationen sowohl für die Dauer- als auch für die Bedarfstherapie. Das gilt nicht pauschal für jedes ICS/LABA-Präparat. Salmeterol ist beispielsweise kein austauschbarer Akutwirkstoff. LABA ohne ICS ist bei Asthma zu vermeiden. Laut Fachinformation setzt Formoterol nach 1–3 Minuten ein und wirkt mindestens 12 Stunden, Salmeterol erst nach etwa 10–20 Minuten; Salbutamol wirkt nach wenigen Minuten für etwa 4–6 Stunden.

Oben stehen nebeneinander der Bronchodilatator, der die Bronchialmuskulatur entspannt und Luftnot rasch lindert, und das ICS, das die Entzündung senkt und das Risiko schwerer Anfälle gegenüber SABA allein etwa um die Hälfte bis zwei Drittel verringert. Ein roter Balken hält fest: LABA bei Asthma nur zusammen mit ICS, SABA allein ist keine Dauerstrategie. Darunter drei Wirkstoffe: Formoterol, LABA, Beginn nach 1–3 Minuten, Dauer mindestens 12 Stunden; Salmeterol, LABA, Beginn nach 10–20 Minuten, Dauer etwa 12 Stunden; Salbutamol, SABA, Beginn nach Minuten, Dauer 4–6 Stunden. Unten die Folgen: ICS-Formoterol für Erhaltung und Bedarf, nur bestimmte Präparate; ICS-Salmeterol nur zur Erhaltung mit eigenem Reliever; SABA allein ist keine Dauerstrategie.

Abbildung: Der konkrete Wirkstoff und das Kombinationspräparat bestimmen die Bedarfseignung: Nur der rasche Wirkbeginn von Formoterol erlaubt die Kombination aus Erhaltung und Bedarf. Quelle: eigene Darstellung.

Die Behandlung wird als Kreislauf geführt: GINA empfiehlt eine Kontrolle 1–3 Monate nach Therapiebeginn, danach alle 3–12 Monate und nach einer Exazerbation innerhalb einer Woche.

Vier nummerierte Schritte im Kreislauf. 1 Beurteilen: Symptomkontrolle der letzten 4 Wochen, Risiko aus Exazerbationen, FEV1 und SABA-Verbrauch, Lungenfunktion vor ICS-Start und nach 3–6 Monaten. 2 Vor jeder Steigerung prüfen: Inhalation vorführen lassen, tatsächliche Anwendung und Sorgen, Rauchen, Allergene, Betablocker, NSAR, Diagnose und Begleiterkrankungen. 3 Anpassen: ICS-haltige Basis bleibt, Stufe gemeinsam wählen, LABA nur mit ICS. 4 Überprüfen: 1–3 Monate nach Beginn, dann alle 3–12 Monate, nach Exazerbation innerhalb einer Woche; ein Pfeil führt zurück zu Schritt 1. Unten zwei Ergebnisse: gut kontrolliert über 2–3 Monate, dann ICS um 25–50 Prozent senken, nie ganz absetzen; trotz Stufe 4 nach 3–6 Monaten unkontrolliert, dann fachärztlich abklären.

Abbildung: Vor einer Intensivierung wird geklärt, ob die verordnete Behandlung tatsächlich und korrekt in der Lunge ankommt. Quelle: eigene Darstellung.

Einen Behandlungsweg auswählen

Im bevorzugten GINA-Behandlungsweg für Erwachsene kommt bei mildem Asthma niedrig dosiertes ICS-Formoterol bedarfsorientiert infrage. Bei häufigerem Bedarf und höherer Krankheitslast wird eine regelmäßige ICS-Formoterol-Therapie ergänzt, die zugleich zur Bedarfslinderung eingesetzt wird: MART, Maintenance and Reliever Therapy. Die höheren Stufen erfordern erneute Diagnostik und fachärztliche Mitbeurteilung. Mit Budesonid/Formoterol 160/4,5 µg bedeutet das nach GINA beispielsweise: Stufe 1–2 eine Inhalation bei Bedarf, Stufe 3 je eine morgens und abends, Stufe 4 je zwei morgens und abends, jeweils plus eine bei Beschwerden. Das Konzept ist von der jeweiligen nationalen Zulassung und dem konkreten Gerät zu unterscheiden.

Ein alternativer Weg verwendet eine regelmäßige ICS-haltige Erhaltungstherapie und einen geeigneten separaten Bedarfsinhalator. Seine Sicherheit hängt besonders davon ab, dass das ICS zuverlässig angewendet wird. Arzneimittel, Stärke, Hübe, Tageshöchstmenge und Vorgehen bei Überschreitung stehen in einem schriftlichen Plan; ein „blaues Spray nach Gefühl“ ist kein vollständiger Behandlungsplan. Für das MART-Beispiel 160/4,5 µg sind laut Fachinformation meist höchstens 8, kurzzeitig bis 12 Inhalationen pro Tag vorgesehen.

Zwei Spalten für Erwachsene, links Weg 1 bevorzugt mit ICS-Formoterol als Reliever, rechts Weg 2 als Alternative mit SABA oder ICS-SABA als Reliever; links die Stufen. Stufe 1–2: links ICS-Formoterol niedrig nur bei Bedarf, zum Beispiel 160/4,5 Mikrogramm eine Inhalation, mit dem Hinweis Zulassung prüfen; rechts Stufe 1 ICS bei jeder SABA-Gabe, Stufe 2 ICS niedrig täglich. Stufe 3: links MART niedrig mit einer Inhalation morgens und abends plus einer bei Beschwerden; rechts ICS-LABA niedrig täglich plus separater Reliever. Stufe 4: links MART mittel mit zwei Inhalationen morgens und abends plus einer bei Beschwerden; rechts ICS-LABA mittel, tägliches ICS nötig. Stufe 5: spezialisierte Abklärung mit Phänotyp, Begleiterkrankungen, Add-on wie LAMA und Biologika, hochdosiertes ICS-LABA möglichst nur 3–6 Monate. Unten der schriftliche Plan mit Präparat, Stärke, Hüben, Tageshöchstmenge und Vorgehen bei Überschreitung; für Budesonid/Formoterol 160/4,5 Mikrogramm als MART meist höchstens 8, kurzzeitig bis 12 Inhalationen pro Tag.

Abbildung: GINA-Stufen für Erwachsene in zwei Wegen. Unterscheide den Behandlungsweg von Zulassung, Gerät und persönlicher Verordnung: Die geprüfte deutsche Produktinformation dieses Beispiels enthält Erhaltung und MART, aber keine reine Bedarfstherapie (siehe U05). Quelle: eigene Darstellung.

Konkretes Gerätebeispiel: Budesonid/Formoterol mit abgegebener Dosis 160/4,5 µg pro Inhalation kann bei geeigneter Indikation als MART verordnet werden, etwa eine Inhalation morgens und abends plus eine bei Beschwerden. Dosisangaben beziehen sich hier auf die abgegebene Dosis; auf anderen Packungen können abgemessene Dosen stehen. Die vollständigen Grenzen dieses Beispiels werden in U05 vor der praktischen Anwendung erklärt.

Zwei Pulverinhalatoren mit Budesonid/Formoterol: links ein Gerät ohne Schutzkappe mit Mundstück, Dosisanzeige und rotem Drehgriff, rechts ein geschlossenes Gerät mit unkenntlich gemachtem Etikett.

Abbildung: Budesonid/Formoterol als Pulverinhalator, links ohne Schutzkappe mit Mundstück, Dosisanzeige und rotem Drehgriff. Achte bei der Verordnung auf die Angabeart: Manche Packungen nennen die abgemessene Dosis (z. B. 400/12 µg), andere die über das Mundstück abgegebene Dosis (dieselbe Stärke: 320/9 µg). Die hohe Stärke ist laut deutscher Fachinformation nur zur Erhaltungstherapie bestimmt, für MART dienen niedrigere Stärken wie 160/4,5 µg. Stärke und Angabeart deshalb immer auf Packung und Fachinformation abgleichen. Quelle: One Salient Oversight, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten, Produkt- und Etikettaufdrucke unkenntlich gemacht.

KontrollfrageKonsequenz
Beschwerden tagsüber, nachts oder bei Aktivität?Aktuelle Kontrolle beurteilen
Wiederholte Anfälle, viel Reliever, niedrige FEV₁?Zukünftiges Risiko auch bei wenig Beschwerden beachten
Falsche Technik oder ausgelassene Dosen?Ursache korrigieren, dann Wirksamkeit neu beurteilen
Gute Kontrolle über mehrere Monate?Vorsichtige Reduktion prüfen; ICS nicht einfach absetzen

GINA erfragt die Symptomkontrolle für die letzten vier Wochen: Beschwerden tagsüber mehr als zweimal pro Woche, nächtliches Erwachen, SABA-Bedarf mehr als zweimal pro Woche und Einschränkung der Aktivität; keines davon bedeutet gut kontrolliert, ein bis zwei teilweise, drei bis vier unkontrolliert. Ein erhöhtes Anfallsrisiko zeigen unter anderem eine schwere Exazerbation im Vorjahr, eine FEV₁ unter 60 % des Sollwerts und mindestens drei SABA-Dosieraerosole à 200 Hübe pro Jahr. Für eine Reduktion sollte die gute Kontrolle mindestens 2–3 Monate bestehen; die ICS-Dosis wird dann um 25–50 % gesenkt.

Drei Fragen untereinander. 1 Symptomkontrolle der letzten 4 Wochen mit vier Fragen: Beschwerden tagsüber mehr als zweimal pro Woche, nächtliches Erwachen, SABA-Reliever mehr als zweimal pro Woche ohne Gabe vor Sport, Aktivitätseinschränkung; darunter die Skala 0 gut, 1–2 teilweise, 3–4 unkontrolliert. 2 Risiko künftiger Anfälle: schwere Exazerbation im Vorjahr oder je Intubation oder Intensivstation, FEV1 unter 60 Prozent des Sollwerts, mindestens 3 SABA-Dosieraerosole à 200 Hübe pro Jahr, kein ICS oder schlechte Technik oder Adhärenz, Rauchen, Allergene, Adipositas, Schwangerschaft; zählt auch bei wenig Beschwerden. 3 Schwere rückblickend nach Monaten: leicht, wenn mit bedarfsweisem ICS-Formoterol oder täglich niedrig dosiertem ICS gut kontrolliert; schwer, wenn trotz Adhärenz unter optimiertem hochdosiertem ICS-LABA unkontrolliert oder nur damit kontrolliert. Unten drei Folgen: Reduktion prüfen bei guter Kontrolle über 2–3 Monate mit ICS minus 25–50 Prozent; zuerst Ursachen prüfen bei Beschwerden oder Risiko; bei schwerem Asthma Pneumologie und Phänotyp.

Abbildung: Kontrolle beschreibt die letzten Wochen, das Risiko die Zukunft und die Schwere den rückblickend nötigen Therapieaufwand. Jede Frage führt zu einer anderen Konsequenz. Quelle: eigene Darstellung.

Kontrolle ist der aktuelle Zustand. Asthmaschwere wird rückblickend daran beurteilt, welche Therapie zur Kontrolle nötig ist. Ein Patient mit wenig Beschwerden unter intensiver Behandlung hat daher nicht automatisch leichtes Asthma. Als leicht gilt Asthma, das mit bedarfsweisem ICS-Formoterol oder täglich niedrig dosiertem ICS gut kontrolliert ist; als schwer, wenn es trotz guter Adhärenz unter optimiertem hochdosiertem ICS-LABA unkontrolliert bleibt oder nur damit kontrolliert ist. Vor der Diagnose „schweres Asthma“ werden unter anderem Technik, Adhärenz, Exposition und Begleiterkrankungen geprüft. Biologika kommen nach spezialisierter Phänotypisierung infrage, etwa bei passender allergischer oder eosinophiler Entzündung; ihre Auswahl und Spezialprotokolle gehören in die pneumologische Versorgung. Bleibt Asthma nach 3–6 Monaten auf Stufe 4 unkontrolliert, folgt die fachärztliche Abklärung; hochdosiertes ICS-LABA wird möglichst auf 3–6 Monate begrenzt. Hinweise auf eine Typ-2-Entzündung unter hochdosiertem ICS sind etwa Bluteosinophile ≥ 150/µl oder FeNO ≥ 20 ppb; ein Biologikum wird mindestens vier Monate erprobt und dann nach dem Ansprechen beurteilt.

Ablauf von oben nach unten bei Asthma, das trotz ICS-Therapie unkontrolliert ist. 1 Technik und Adhärenz: Gerät vorführen lassen und mit Checkliste vergleichen, tatsächliche Anwendung und Sorgen besprechen. 2 Diagnose und Auslöser: normale Lungenfunktion bei Beschwerden lässt die Diagnose prüfen, Rauchen, Allergene, Arbeitsplatz, Betablocker, NSAR. 3 Begleiterkrankungen: Rhinosinusitis, Nasenpolypen, Adipositas, Reflux, Angst, Depression. 4 Optimieren: kurzfristig eine Stufe höher nach gemeinsamer Abwägung, Weg 1 mit ICS-Formoterol bevorzugen, Ansprechen nach 3–6 Monaten prüfen. 5 Weiter unkontrolliert auf Stufe 4: Pneumologie bestimmt den Phänotyp. Links Typ-2-Hinweise unter hochdosiertem ICS: Eosinophile mindestens 150 pro Mikroliter, FeNO mindestens 20 ppb, Sputum-Eosinophile mindestens 2 Prozent, allergengetrieben; ein Hinweis genügt. Rechts Biologika als Auswahl: Anti-IgE Omalizumab, Anti-IL-5 oder IL-5-Rezeptor Mepolizumab, Benralizumab, Reslizumab, Anti-IL-4-Rezeptor-alpha Dupilumab, Anti-TSLP Tezepelumab; Kriterien je Präparat. Darunter Biologikum-Versuch mindestens 4 Monate, dann bei gutem Ansprechen fortführen und zuerst orale Steroide reduzieren, bei fehlendem Ansprechen beenden oder Wirkprinzip wechseln.

Abbildung: Schweres Asthma ist eine Ausschlussdiagnose nach Prüfung behandelbarer Ursachen. Die Typ-2-Werte sind Phänotyp-Hinweise, keine Verordnungskriterien; diese legt jede Produktinformation selbst fest. Quelle: eigene Darstellung.

ICS können Heiserkeit und Mundsoor verursachen; Mundspülung nach der Anwendung, Ausspucken und gegebenenfalls ein passender Spacer reduzieren lokale Probleme. Beta-2-Agonisten können Tremor und Herzklopfen auslösen; hohe Akutdosen können Kalium senken. Nichtselektive Betablocker können eine Bronchokonstriktion auslösen. Notwendige kardiologische Therapie wird deshalb abgestimmt statt eigenmächtig abgesetzt. Bei bekannter Analgetikaintoleranz wird die Verträglichkeit von NSAR ausdrücklich geklärt. In der Schwangerschaft ist unkontrolliertes Asthma gefährlich; eine wirksame inhalative Therapie wird nicht aus Angst ohne ärztliche Abwägung beendet.

Die Tabelle verbindet wichtige Arzneimittelrisiken mit den im Text genannten Schutzmaßnahmen.

KonstellationRisikoHinweis zur Anwendung
ICSHeiserkeit, MundsoorMund spülen, ausspucken; ggf. passender Spacer
Beta-2-AgonistenTremor, HerzklopfenHohe Akutdosen können Kalium senken
Nichtselektive BetablockerBronchokonstriktionKardiologische Therapie abstimmen
Bekannte AnalgetikaintoleranzUnklare NSAR-VerträglichkeitVerträglichkeit ausdrücklich klären
SchwangerschaftGefahr durch unkontrolliertes AsthmaInhalative Therapie nicht ohne ärztliche Abwägung beenden

Geöffneter Mund mit weißlichen, fleckigen Belägen auf gerötetem hartem und weichem Gaumen sowie an den Gaumenbögen.

Abbildung: Mundsoor (pseudomembranöse orale Candidose) mit weißlichen Belägen auf gerötetem Gaumen. Die Aufnahme stammt von einem immungeschwächten Patienten; ein Soor unter ICS sieht ähnlich aus. Mund spülen und ausspucken nach jeder ICS-Anwendung beugt vor. Quelle: CDC/Sol Silverman Jr., DDS, Public Health Image Library (PHIL #6053), gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten.

Ausgearbeitetes Beispiel

Die Tabelle hält die Angaben und die vorgeführte Anwendung fest.

BereichAngabe
Patientin und Beschwerden38 Jahre, nächtlicher Husten
Verordnete TherapieICS/LABA
Vorgeführte TechnikPulvergerät erst nach dem Einatmen ausgelöst
Anwendung und SorgeNur einmal pro Woche; Angst vor „Cortison“

Eine 38-Jährige berichtet über nächtlichen Husten trotz verordneter ICS/LABA-Therapie. Sie zeigt, dass sie das Pulvergerät erst nach dem Einatmen auslöst und aus Angst vor „Cortison“ nur einmal pro Woche benutzt. Die nächste Entscheidung ist nicht automatisch eine höhere Dosis. Zunächst werden Technik und Sorgen angesprochen, die regelmäßige beziehungsweise planmäßige Anwendung geklärt und zeitnah kontrolliert. Bei anhaltender Symptomatik folgen erneute diagnostische und therapeutische Bewertung.

Freie Antwort

Eine Erklärung vervollständigen

Aufgabe

Vervollständige für die Patientin: „Der bronchienerweiternde Anteil hilft … Der entzündungshemmende Anteil ist wichtig, weil …“

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Den nächsten Schritt wählen

Aufgabe

Ein Patient verwendet häufig seinen Bedarfsinhalator. Die verordnete Dauertherapie und seine Anwendung sind unklar. Was ist der sinnvollste nächste Schritt?

Die Tabelle zeigt, was aus dem Fall bekannt und was noch unklar ist.

BereichAngabe
BedarfsinhalatorHäufig verwendet
Verordnete DauertherapieUnklar
Tatsächliche AnwendungUnklar

Eine Hand hält ein hellblaues Dosieraerosol mit dunkelblauem Mundstück vor grünem Laub; der Daumen liegt unter dem Mundstück, der Zeigefinger auf dem Wirkstoffbehälter.

Abbildung: Dosieraerosol, wie es häufig als Bedarfsinhalator verordnet wird. Der Daumen stützt das Mundstück, der Zeigefinger löst über den Wirkstoffbehälter einen Hub aus. Quelle: NIAID, CC BY 2.0,.jpg

  1. a)Einen LABA als Monotherapie ergänzen.
  2. b)Den Bedarf als zuverlässigen Beweis für biologikapflichtiges Asthma werten.
  3. c)Akute Gefährdung prüfen, danach Plan, tatsächliche Einnahme und Technik gemeinsam klären.
Lösung in der App →

COPD dauerhaft behandeln

Lernziel: Du kannst COPD-Therapie nach Beschwerden und Exazerbationen begründen.

Zwei Fragen statt einer Zahl

Bei COPD stehen inhalative Bronchodilatatoren im Zentrum der medikamentösen Symptomkontrolle. LAMA blockieren muskarinische Rezeptoren und vermindern den bronchokonstriktorischen Einfluss des Parasympathikus. LABA entspannen die glatte Muskulatur über Beta-2-Rezeptoren. Ihre Kombination kann wirksamer sein als ein einzelner Wirkmechanismus. Zusätzlich bestimmen Rauchstopp, Bewegung, Rehabilitation und Selbstmanagement den Verlauf mit.

Tiotropium, Umeclidinium und Glycopyrronium (LAMA) sowie Olodaterol, Indacaterol und Vilanterol (LABA) werden einmal täglich inhaliert; Aclidinium, Salmeterol und Formoterol zweimal täglich.

Vom Kopf „Bronchodilatation bei stabiler COPD“ verzweigen zwei grüne Kästen. LAMA blockieren muskarinische M3-Rezeptoren: Tiotropium, Umeclidinium und Glycopyrronium einmal täglich, Aclidinium zweimal täglich, Hinweis Mundtrockenheit. LABA stimulieren Beta-2-Rezeptoren: Olodaterol, Indacaterol und Vilanterol einmal täglich, Salmeterol und Formoterol zweimal täglich, Hinweis Tremor und Pulsanstieg. Beide münden in LABA plus LAMA, darunter Rauchstopp, Bewegung und Schulung und eine Zielreihe: weniger Dyspnoe, mehr Belastbarkeit, weniger Exazerbationen.

Abbildung: Verfolge beide Rezeptorwege bis zur Kombination. Die gelben Marken nennen die typische Nebenwirkung, die farbige Zeile unten die drei Therapieziele. Quelle: eigene Darstellung.

FEV₁ beschreibt die funktionelle Einschränkung, aber nicht sämtliche Beschwerden oder das Exazerbationsrisiko. Frage getrennt nach alltagsrelevanter Dyspnoe und nach Verschlechterungen im letzten Jahr. Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung, die über die übliche Tagesschwankung hinausgeht. Zur Vorgeschichte gehören zusätzliche Medikamente, Notfallkontakte und Krankenhausbehandlungen.

Die Atemnot wird mit mMRC (0–4) oder CAAT/CAT (0–40 Punkte) erfasst; ab mMRC 2 beziehungsweise 10 Punkten gilt die Symptomlast als hoch.

InformationBedeutung für den Plan
Beschwerden im AlltagBedarf an wirksamer Bronchodilatation
Frühere ExazerbationenRisiko und Bedarf an vorbeugender Intensivierung
Bluteosinophile und AsthmakomponenteErwartbarer Nutzen einer ICS-Ergänzung

Kontrolltermin bei gesicherter COPD: Zuerst Inhalationstechnik, Adhärenz, Rauchen, Exposition und Begleiterkrankungen prüfen. Dann zwei getrennte Fragen: Dyspnoe im Alltag mit mMRC 0 bis 4, ab 2 hoch, und CAAT/CAT 0 bis 40, ab 10 hoch; Exazerbationen im Vorjahr, moderat mit Steroid oder Antibiotikum, schwer mit Notaufnahme oder Krankenhaus, schon ein Ereignis zählt. Daraus folgen Bronchodilatation optimieren beziehungsweise Exazerbationen verhüten. Die unterste Reihe ordnet Bluteosinophile ein: unter 100 pro Mikroliter Nutzen gering, 100 bis 299 möglich, ab 300 am größten.

Abbildung: Luftnot und wiederkehrende Exazerbationen führen zu unterschiedlichen therapeutischen Fragen. Ein ICS wird bei COPD gezielt eingesetzt; die unterste Reihe ordnet die Bluteosinophilen ein. Quelle: eigene Darstellung.

Initialtherapie und Verlauf unterscheiden

GOLD 2026 verwendet für die Auswahl der Initialtherapie bei bisher ohne inhalative Erhaltungstherapie behandelten Patienten die Gruppen A, B und E. Bei keiner moderaten oder schweren Exazerbation im Vorjahr unterscheiden A und B die geringere von der höheren Symptomlast; hierfür werden standardisierte Instrumente genutzt: mMRC, die modifizierte Dyspnoeskala des Medical Research Council, beschreibt Einschränkung durch Atemnot auf einer Skala von 0 bis 4. Der CAAT, Chronic Airways Assessment Test, ist die erweiterte Bezeichnung des früheren COPD Assessment Test (CAT) und erfasst mit acht Fragen die Krankheitslast. Für eine höhere Symptomlast spricht mMRC ≥2 oder CAAT/CAT ≥10 Punkte; Gruppe A hat mMRC 0–1 und einen Score unter 10. Bereits eine moderate oder schwere Exazerbation im Vorjahr führt in Gruppe E. Eine moderate Exazerbation wird in dieser Vorgeschichte typischerweise durch eine notwendige Behandlung mit systemischem Steroid und/oder Antibiotikum erfasst; eine schwere durch eine Notfall- oder Krankenhausbehandlung. Diese Einteilung ersetzt die Beurteilung der aktuellen akuten Gefährdung nicht.

COPD ohne bisherige Erhaltungstherapie: Zuerst werden die Exazerbationen im Vorjahr gezählt, moderat mit systemischem Steroid und/oder Antibiotikum, schwer mit Notaufnahme oder Krankenhaus. Ohne solche Exazerbation wird die Symptomlast mit mMRC 0 bis 4 und CAAT/CAT 0 bis 40 gemessen: Gruppe A bei mMRC 0 bis 1 und CAAT unter 10 mit einem meist lang wirksamen Bronchodilatator, Gruppe B bei mMRC ab 2 oder CAAT ab 10 mit LABA plus LAMA. Ab einer moderaten oder schweren Exazerbation Gruppe E mit LABA plus LAMA, bei Eosinophilen ab 300 pro Mikroliter Tripletherapie erwägen. Unten: Bedarfs-Bronchodilatator für alle, im Verlauf Anpassung nach Dyspnoe oder Exazerbation statt nach Gruppe.

Abbildung: Zähle zuerst die behandelten Exazerbationen im Vorjahr und ordne danach die Symptomlast ein. Die farbige Zeile zeigt Schwellen und Startbehandlung je Gruppe (Eos = Bluteosinophile). Quelle: eigene Darstellung.

AnfangssituationGrundprinzip
A: wenig Symptome, keine entsprechenden ExazerbationenBronchodilatator, meist lang wirksam
B: mehr Symptome, keine entsprechenden ExazerbationenLABA plus LAMA
E: mindestens eine moderate/schwere ExazerbationLABA plus LAMA; gezielt Tripletherapie erwägen

Alle Patienten erhalten zusätzlich einen kurz wirksamen Bronchodilatator für den Bedarf; in Gruppe E kann bei Bluteosinophilen ≥300/µl direkt LABA/LAMA/ICS erwogen werden.

ICS bei COPD: Der Nutzen zur Exazerbationsverhütung nimmt tendenziell mit höheren Bluteosinophilen zu. Werte um mindestens 300/µl sprechen stärker für einen Nutzen; unter 100/µl ist er im Allgemeinen geringer. Das sind keine isolierten Ein-/Aus-Schalter. Exazerbationen, Verlauf, vorherige Therapie und Pneumonierisiko werden zusammen beurteilt. Bei gleichzeitigem Asthma ist eine ICS-haltige Behandlung notwendig. Eine alleinige ICS-Therapie ist keine COPD-Basistherapie. Wird bei COPD ein ICS benötigt, wird häufig LABA/LAMA/ICS als Tripletherapie gewählt.

Nach GOLD 2026 sprechen außerdem eine Krankenhausaufnahme wegen Exazerbation oder ≥2 moderate Exazerbationen pro Jahr trotz lang wirksamer Bronchodilatation für ein ICS; wiederholte Pneumonien und eine frühere Mykobakterieninfektion sprechen dagegen.

Frage: ICS zusätzlich zu LABA plus LAMA bei Exazerbationen trotz lang wirksamer Bronchodilatation? Drei Spalten: Stark dafür sprechen Klinikaufnahme wegen Exazerbation, mindestens zwei moderate Exazerbationen pro Jahr, Eosinophile ab 300 pro Mikroliter und Asthma, auch früher. Dafür sprechen eine moderate Exazerbation pro Jahr und Eosinophile 100 bis 299. Dagegen sprechen wiederholte Pneumonien, Eosinophile unter 100 und eine frühere Infektion mit Mykobakterien. Wenn ICS, dann als Tripletherapie möglichst in einem Inhalator, keine ICS-Monotherapie, Mund ausspülen. Deeskalation bei Pneumonie erwägen; ab 300 Eosinophilen steigen nach dem Absetzen die Exazerbationen. Unten die Eosinophilenskala als Kontinuum.

Abbildung: Die Eosinophilenzahl ist ein Nutzenhinweis und kein isolierter Ein- oder Ausschalter. Lies die drei Spalten zusammen: Exazerbationen, Asthma und Pneumonierisiko zählen mit. Quelle: eigene Darstellung.

Im Verlauf wird getrennt nach anhaltender Dyspnoe und weiteren Exazerbationen gehandelt. Vor jeder Eskalation: Diagnose, Technik, tatsächliche Anwendung, Exposition und Begleiterkrankungen prüfen. Bei Dyspnoe trotz Doppelbronchodilatation sind beispielsweise Herzinsuffizienz, Anämie und Dekonditionierung zu bedenken. Bei Exazerbationen trotz geeigneter Inhalationstherapie können spezialärztlich weitere Optionen erwogen werden; Langzeitantibiotika oder Roflumilast sind keine pauschale nächste Stufe für jeden Patienten.

Nach GOLD 2026 wird bei Exazerbationen unter LABA/LAMA ab etwa 100 Eosinophilen/µl ein ICS ergänzt. Bei weniger Eosinophilen oder trotz Tripletherapie kommen Roflumilast (FEV₁ <50 % mit chronischer Bronchitis) oder Azithromycin (eher bei ehemaligen Rauchern) infrage, bei ≥300 Eosinophilen/µl und weiteren Exazerbationen unter Tripletherapie ein Biologikum wie Dupilumab oder Mepolizumab.

COPD unter Erhaltungstherapie: fortführen, außer Dyspnoe oder Exazerbationen verlangen eine Anpassung. Zuerst Diagnose, Inhalationstechnik, Adhärenz, Rauchen, Exposition und Begleiterkrankungen prüfen. Linker Ast anhaltende Dyspnoe: von LABA oder LAMA auf LABA plus LAMA, Gerät oder Wirkstoff wechseln, Training ausbauen, Herzinsuffizienz, Anämie und Dekonditionierung suchen. Rechter Ast Exazerbation: LABA plus LAMA bei Eosinophilen unter 300 oder Triple ab 300; unter LABA plus LAMA ab 100 Eosinophilen ICS ergänzen; bei Pneumonie Deeskalation erwägen. Bei weiteren Exazerbationen spezialärztlich Roflumilast (FEV1 unter 50 Prozent, chronische Bronchitis), Azithromycin (eher Ex-Raucher) oder ein Biologikum (Eosinophile ab 300, unter Triple zwei moderate oder eine schwere Exazerbation; Dupilumab, Mepolizumab). Abschließend Wirkung und Nebenwirkungen erneut prüfen.

Abbildung: Im Verlauf entscheidet nicht mehr die Gruppe, sondern das aktuelle Problem. Verfolge zuerst die Vorprüfung, dann den passenden Ast; die grauen Optionen gehören in spezialärztliche Hand. Quelle: eigene Darstellung.

Konkretes LAMA-Beispiel: Spiriva Respimat gibt pro Hub 2,5 µg Tiotropium ab. Zwei Hübe einmal täglich ergeben 5 µg pro Tag. Das ist eine Erhaltungstherapie, kein rascher Ersatz für die Akutbehandlung. Bei einer Kreatinin-Clearance ≤50 ml/min verlangt die Produktinformation eine besondere Nutzen-Risiko-Abwägung und Kontrolle; daraus folgt weder automatisch eine andere Hubzahl noch eine pauschale absolute Gegenanzeige.

Das Tiotropium-Beispiel trennt Tagesdosis, Therapiezweck und die Bedingung bei eingeschränkter Nierenfunktion.

PrüfpunktSpiriva Respimat
Abgegebene Dosis2,5 µg Tiotropium pro Hub
Tagesdosis2 Hübe einmal täglich = 5 µg/Tag
TherapiezweckErhaltung; kein rascher Ersatz für Akutbehandlung
Kreatinin-Clearance ≤50 ml/minBesondere Nutzen-Risiko-Abwägung und Kontrolle; keine automatische Änderung der Hubzahl

Weißer Respimat-Inhalator mit aufgeklappter durchsichtiger Schutzkappe vor dunklem Hintergrund. Oben das Mundstück, seitlich die graue Auslösetaste, unten das durchsichtige Unterteil mit der eingesetzten Kartusche.

Abbildung: Respimat-Inhalator (Übungsgerät) mit geöffneter Kappe. Achte auf die graue Auslösetaste und das durchsichtige Unterteil mit der Kartusche: Vor jedem Hub wird bei geschlossener Kappe das Unterteil eine halbe Umdrehung gedreht; danach Kappe öffnen und die Taste während langsamer, tiefer Einatmung drücken. Bei Spiriva Respimat ergeben zwei solche Hübe die Tagesdosis. Quelle: Hira D, Koide H, Nakamura S et al., PLoS ONE 2018;13(2):e0193082, Abb. 2 (Teilbild i), CC BY 4.0; Ausschnitt ohne Beschriftung, Etikettaufdruck unkenntlich gemacht.

Antimuskarinika können Mundtrockenheit verursachen; bei Harnverhalt und Engwinkelglaukom ist besondere Vorsicht nötig, Aerosol darf nicht in die Augen gelangen. ICS erhöhen bei COPD unter anderem das Pneumonierisiko. Dauerhafte orale Steroide verursachen erhebliche Schäden und gehören nicht zur routinemäßigen stabilen COPD-Therapie.

Die Tabelle ordnet typische Risiken der Dauertherapie den praktischen Konsequenzen zu.

WirkstoffTypische RisikenPraktische Konsequenz
LAMAMundtrockenheit, Harnverhalt, EngwinkelglaukomAerosol nicht in die Augen; bei Prostatahyperplasie aufmerksam
LABATremor, Tachykardie, HypokaliämieBei Herzrhythmusstörungen aufmerksam
ICSPneumonie, Mundsoor, HeiserkeitMund ausspülen; bei Pneumonie Deeskalation erwägen
Orale Steroide dauerhaftOsteoporose, Diabetes, Myopathie, InfektionenKeine routinemäßige Erhaltungstherapie

Eine Langzeitsauerstofftherapie wird bei nachgewiesener schwerer chronischer Ruhehypoxämie nach stabiler Messung geprüft, nicht allein wegen subjektiver Luftnot. Rauchen an einer Sauerstoffquelle bedeutet erhebliche Brandgefahr. Nichtinvasive Heimbeatmung, Lungenvolumenreduktion und Transplantation benötigen spezialisierte Auswahl; eine akute Verschlechterung wird davon unabhängig sofort behandelt.

Nach GOLD gilt als Indikation ein PaO₂ ≤55 mmHg (SaO₂ ≤88 %) oder ein PaO₂ über 55 und unter 60 mmHg mit Cor pulmonale, Herzinsuffizienz oder Hämatokrit >55 %; Sauerstoff wird dann mindestens 15 Stunden täglich gegeben, auf SaO₂ ≥90 % titriert und nach 60–90 Tagen erneut geprüft. Eine Heim-NIV kommt nach der deutschen S3-Leitlinie bei stabiler chronischer Hyperkapnie in Betracht, etwa wenn der PaCO₂ mindestens 14 Tage nach akutem hyperkapnischem Versagen noch über 53 mmHg liegt. Ziel der Heim-NIV ist ein PaCO₂ unter 48 mmHg oder eine Senkung des Ausgangswerts um 20 %.

Schwere stabile COPD, Sauerstoff oder Heimbeatmung prüfen: zuerst arterielle Blutgasanalyse in Ruhe, außerhalb einer Exazerbation, wiederholt bestätigt; subjektive Luftnot allein reicht nicht. Linker Ast Hypoxämie: PaO2 bis 55 mmHg oder SaO2 bis 88 Prozent, oder PaO2 über 55 und unter 60 mmHg mit Cor pulmonale, Herzinsuffizienz oder Hämatokrit über 55 Prozent, dann Langzeitsauerstoff mindestens 15 Stunden täglich, Ziel SaO2 ab 90 Prozent, Kontrolle nach 60 bis 90 Tagen. Rechter Ast Hyperkapnie: ausgeprägte stabile Tageshyperkapnie oder PaCO2 über 53 mmHg noch mindestens 14 Tage nach akutem hyperkapnischem Versagen, dann Heim-NIV meist nachts mit Ziel PaCO2 unter 48 mmHg oder minus 20 Prozent. Darunter Spezialzentrum für Lungenvolumenreduktion und Transplantation sowie ein roter Sicherheitskasten: Brandgefahr durch Rauchen oder offenes Feuer, akute Verschlechterung sofort behandeln.

Abbildung: Sauerstoff behandelt die chronische Hypoxämie, die Heim-NIV die chronische Hyperkapnie. Prüfe beide Äste getrennt anhand der stabilen Blutgase. Quelle: eigene Darstellung.

Gezeichneter stationärer Sauerstoffkonzentrator auf Rollen. Im mittleren Fenster eine Befeuchterflasche mit grünem Deckel, oben rechts ein senkrechter Durchflussmesser mit Drehregler, daneben Bedienelemente.

Abbildung: Sauerstoffkonzentrator als Standgerät für die häusliche Langzeitsauerstofftherapie. Er reichert Sauerstoff aus der Raumluft an; oben rechts wird die verordnete Flussrate eingestellt, in der Mitte sitzt die Befeuchterflasche. Über Schlauch und Nasenbrille erreicht der Sauerstoff den Patienten – deshalb kein Rauchen und kein offenes Feuer in der Nähe. Quelle: Open Critical Care & World Health Organization, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten.

Ausgearbeitetes Beispiel

Die Tabelle stellt die Ausgangssituation des Beispiels zusammen.

BereichAngabe
DiagnoseGesicherte COPD
AlltagBeim Ankleiden und Gehen stark eingeschränkt
Letztes JahrKeine moderate oder schwere Exazerbation

Ein Patient mit gesicherter COPD ist beim Ankleiden und Gehen stark eingeschränkt, hatte aber im letzten Jahr keine moderate oder schwere Exazerbation. Die Hauptfrage ist wirksame Bronchodilatation und Rehabilitation. Ein ICS allein wegen der Dyspnoe wäre nicht der passende erste Schluss. Entstehen unter korrekt angewandter LABA/LAMA-Therapie weitere Exazerbationen, wird die Strategie einschließlich Eosinophilen erneut bewertet.

Freie Antwort

Den Unterschied erklären

Aufgabe

Formuliere zwei getrennte Fragen für das Kontrollgespräch: eine zur aktuellen Symptomlast und eine zum zukünftigen Exazerbationsrisiko.

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Eine einzelne Exazerbation berücksichtigen

Aufgabe

Eine Patientin mit erstmals gesicherter COPD hatte vor vier Monaten eine Verschlechterung, die mit systemischem Steroid behandelt wurde. Der aktuelle Zustand ist stabil. Wie wird diese Vorgeschichte in GOLD 2026 berücksichtigt?

Die Tabelle ordnet die Angaben nach ihrem Zeitpunkt.

ZeitpunktAngabe
DiagnoseCOPD erstmals gesichert
Vor vier MonatenVerschlechterung, mit systemischem Steroid behandelt
AktuellStabiler Zustand
  1. a)Eine moderate Exazerbation reicht für Gruppe E; aktuelle Symptome und individuelle Faktoren werden zusätzlich erfasst.
  2. b)Ohne zwei moderate Exazerbationen kann sie 2026 nicht in Gruppe E gehören.
  3. c)Gruppe E verlangt bei jeder Patientin sofort ein ICS unabhängig von weiteren Daten.
Lösung in der App →

Inhalieren können

Lernziel: Du kannst ein Inhalationsgerät auswählen und typische Fehler korrigieren.

Das Medikament muss ankommen

Die Auswahl eines Inhalators richtet sich nach Wirkstoff und Dosis, aber auch nach Handkraft, Koordination, inspiratorischem Fluss, Sehvermögen und Verständnis. Ein Patient kann seine Diagnose korrekt erklären und dennoch kaum Medikament inhalieren. Lasse ihn deshalb sein eigenes Gerät vorführen, statt nur zu fragen, ob er es bedienen kann. Vor einer Demonstration werden Zweck und Vorgehen erklärt und das Einverständnis eingeholt.

Als Orientierung brauchen die meisten Pulverinhalatoren einen inspiratorischen Fluss von mindestens etwa 30 l/min, optimal sind oft etwa 60 l/min; bei einer FEV1 unter 50 % des Sollwerts wird vor der Verordnung geprüft, ob der Patient diesen Fluss am verordneten Gerät erreicht.

Ablauf in fünf nummerierten Schritten: Verordnung mit Wirkstoff und Dosis, Prüfung von Handkraft, Koordination, inspiratorischem Fluss (Pulverinhalator meist mindestens 30 l/min, optimal etwa 60 l/min; bei FEV1 unter 50 % Soll Fluss am Gerät prüfen), Sehvermögen und Verständnis, Erklärung mit Einverständnis und Vorführung am eigenen Gerät. Danach Geräteoptionen nach Koordination und Fluss; bei unzureichendem Fluss kein Pulverinhalator. Die Rückdemonstration endet in drei Ergebnissen: gelingt, Fehler mit erneutem Vormachen oder trotz Training nicht, dann anderes Gerät.

Abbildung: Die Gerätewahl folgt Koordination und inspiratorischem Fluss; entschieden wird erst nach beobachteter Rückdemonstration. Ohne ausreichenden Fluss kommt kein Pulverinhalator infrage. Quelle: eigene Darstellung.

GerätEntscheidend für die Anwendung
Dosieraerosol, pMDILangsam und tief einatmen, Auslösung koordinieren
Pulverinhalator, DPIGerätespezifisch ausreichend kräftig und tief einatmen
VerneblerRuhige Atmung über dicht sitzendes Mundstück/Maske

Zwei Spalten für Dosieraerosol und Pulverinhalator mit gemeinsamen Schritten: Vorbereitung (Dosieraerosol: Suspension vor jedem Hub schütteln, Spacer möglich; Pulverinhalator: Dosis gerätespezifisch laden, kein Spacer), Ausatmen vom Gerät weg, Einatmung (Dosieraerosol langsam und koordiniert; Pulverinhalator kräftig, meist mindestens 30 l/min, optimal etwa 60 l/min), Atem bis etwa 10 Sekunden anhalten und nach ICS Mund ausspülen. Unten typische Fehler beider Gerätetypen.

Abbildung: Die Schrittfolge ist gleich, die Einatmung nicht: Dosieraerosol langsam und koordiniert, Pulverinhalator von Beginn an kräftig. Bei beiden wird vorher vom Mundstück weg ausgeatmet. Quelle: eigene Darstellung.

Erwachsene Person hält ein Dosieraerosol senkrecht, die Finger liegen oben auf dem Wirkstoffbehälter, die Lippen umschließen das Mundstück; die abgenommene Schutzkappe hängt an einem Band am Gehäuse.

Abbildung: Dosieraerosol ohne Spacer. Der Wirkstoffbehälter steckt oben im Gehäuse, die Lippen umschließen das Mundstück dicht. Auslösen und langsames, tiefes Einatmen müssen zusammenfallen; gelingt diese Koordination nicht, wird ein Spacer oder ein anderes Gerät erwogen. Quelle: NIAID, Wikimedia Commons, CC BY 2.0; zugeschnitten.

Zeigen, üben, zurückzeigen

Ausgearbeitetes Beispiel: Dosieraerosol mit Spacer

Prüfe Präparat, Restmenge, Mundstück und gerätespezifische Vorbereitung. Ein als Suspension formuliertes Dosieraerosol wird vor jedem Hub geschüttelt; andere Präparate können abweichende Vorbereitungsschritte haben. Atme zunächst vom Gerät weg aus. Umschließe das Spacer-Mundstück dicht. Löse einen Hub aus und atme unmittelbar langsam und tief ein. Halte den Atem, soweit möglich, einige Sekunden bis etwa zehn Sekunden an und atme dann langsam aus. Falls diese Einatmung wegen Dyspnoe nicht gelingt, kann nach Anleitung über den Spacer mit mehreren ruhigen Atemzügen inhaliert werden. Weitere Hübe werden einzeln vorbereitet und inhaliert.

Für die angeleitete Alternative sind meist vier bis fünf ruhige Atemzüge pro Hub üblich.

Fünf nummerierte Schritte für das Dosieraerosol mit Spacer: prüfen, vorbereiten mit Schütteln vor jedem Hub, vom Gerät weg ausatmen und dicht umschließen, genau einen Hub auslösen. Danach zwei Wege: tiefe Einatmung mit Atemanhalten bis etwa 10 Sekunden oder bei Dyspnoe meist 4–5 ruhige Atemzüge pro Hub. Weitere Hübe einzeln ab Schritt 2, nie mehrere Hübe auf einmal; unten drei Ergebnisse von gelungener Einatmung bis zunehmender Atemnot.

Abbildung: Pro Hub ein vollständiger Inhalationsvorgang. Gelingt die tiefe Einatmung wegen Dyspnoe nicht, wird angeleitet mit meist vier bis fünf ruhigen Atemzügen über den Spacer inhaliert; nimmt die Atemnot zu, gilt der Notfallplan. Quelle: eigene Darstellung.

Kind im Profil atmet über das Mundstück einer durchsichtigen Vorschaltkammer; am hinteren Ende steckt ein rotes Dosieraerosol, das das Kind mit der Hand hält.

Abbildung: Dosieraerosol mit Spacer (Vorschaltkammer). Das Dosieraerosol steckt am hinteren Ende, die Lippen umschließen das Mundstück dicht. Pro Auslösung ein Hub, danach unmittelbar einatmen. Der Spacer erleichtert die Koordination und verringert die Ablagerung im Mund-Rachen-Raum; das Prinzip gilt ebenso bei Erwachsenen. Quelle: U.S. Food and Drug Administration, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten, Produktaufdrucke unkenntlich gemacht.

Beim Pulverinhalator wird die Dosis entsprechend dem Gerät geladen. Vorher ausatmen, aber nicht in das Gerät: Feuchtigkeit schädigt die Pulverfreisetzung. Dann ausreichend kräftig und tief einatmen, Atem kurz anhalten und vom Gerät weg ausatmen. Ein Spacer gehört nicht an ein Pulvergerät. Im schweren Anfall kann der notwendige inspiratorische Fluss fehlen; dann wird eine geeignete Alternative verwendet.

Ein zu geringer Fluss ist besonders bei starker Überblähung, Schwäche der Atemmuskulatur oder Thoraxdeformität zu erwarten.

Runder violetter Pulverinhalator vom Diskus-Typ mit unkenntlich gemachtem Etikett, seitlicher Öffnung und kleinem Zählfenster, das die Zahl 7 zeigt.

Abbildung: Pulverinhalator vom Diskus-Typ. Das Zählfenster zeigt die verbleibenden Dosen. Bei diesem Gerätetyp wird die Dosis über einen Hebel geladen; andere Pulvergeräte werden gedreht, aufgeklappt oder mit einer Kapsel bestückt. Deshalb wird immer am eigenen Gerät des Patienten geübt. Quelle: Erik Bruchez, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten, Etikett mit Produktname und Chargennummer unkenntlich gemacht.

Prüfweg für den Pulverinhalator: Risiken für zu geringen Fluss (FEV1 unter 50 % Soll, starke Überblähung, Atemmuskelschwäche, Thoraxdeformität, akuter schwerer Anfall), dann Prüfung am verordneten Gerät mit Orientierungswerten mindestens etwa 30 l/min und optimal etwa 60 l/min. Bei ausreichendem Fluss Pulverinhalator weiter nutzen, bei unzureichendem Fluss Dosieraerosol mit Spacer, Sprühvernebler oder Vernebler. Für den schweren Anfall wird immer eine Alternative mit Notfallplan eingeplant.

Abbildung: Ob ein Pulverinhalator passt, entscheidet der am Gerät erreichbare Fluss. Die Zahlen sind Orientierungswerte; maßgeblich ist der gerätespezifische Mindestfluss laut Produktinformation. Quelle: eigene Darstellung.

Beobachteter FehlerKonkrete Korrektur
Mehrere Hübe auf einmal in den SpacerJeden Hub einzeln inhalieren
Langsames Ansaugen am DPI ohne ausreichenden FlussGerät/Fluss prüfen, Technik trainieren oder Gerät wechseln
Ausatmen in das PulvergerätVorher vom Mundstück weg ausatmen
ICS-Reste im MundDanach spülen und ausspucken

Reinigung, Trocknung und Wechselintervalle erfolgen nach Herstelleranweisung. Geräte werden nicht gemeinsam benutzt. Bei Verneblern sind hygienische Aufbereitung und geeignetes Inhalationsmaterial wichtig; selbst gemischte Lösungen sind keine sichere Alternative. Dokumentiere Gerät, beobachtete Fehler, Korrektur und ob die Rückdemonstration gelang. Die Digitallösung allein belegt keine praktische Fertigkeit.

Fehler werden durch Vormachen korrigiert; danach zeigt der Patient die Technik erneut, falls nötig zwei- bis dreimal.

Übungspuppe im Krankenbett mit durchsichtiger Gesichtsmaske über Mund und Nase, die ein Gummiband am Kopf hält; unterhalb der Maske hängt die Verneblerkammer.

Abbildung: Vernebler mit Gesichtsmaske an einer Übungspuppe. Die Maske sitzt dicht über Mund und Nase, die Verneblerkammer enthält die verordnete Inhalationslösung, und der Patient atmet ruhig. Kammer, Maske und Schlauch werden nach Herstellerangabe gereinigt, getrocknet und gewechselt. Quelle: British Columbia Institute of Technology (BCIT), „Clinical Procedures for Safer Patient Care“, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten.

Fünf nummerierte Schritte der Rückdemonstration: erklären und Einverständnis einholen, Patient zeigt sein Gerät anhand einer gerätespezifischen Checkliste, typische Fehler erkennen (Dosieraerosol/Spacer: mehrere Hübe, fehlende Koordination, nicht geschüttelt; Pulverinhalator: ins Gerät ausgeatmet, zu schwach angesaugt, Dosis nicht geladen), durch Vormachen korrigieren und erneut zurückzeigen lassen, falls nötig zwei- bis dreimal, dokumentieren. Drei Ergebnisse: gelingt, teilweise, gelingt nicht mit neuer Gerätewahl.

Abbildung: Die Technik wird beobachtet, gezielt korrigiert und erneut zurückgezeigt. Gelingt sie trotz Training nicht, wird das Gerät gewechselt, statt nur mangelnde Mitarbeit zu dokumentieren. Quelle: eigene Darstellung.

Dosis und Sicherheitsgrenze am Beispiel

Für das bereits eingeführte Symbicort Turbohaler 160/4,5 µg-Beispiel bei Erwachsenen mit geeigneter MART-Verordnung gilt: zwei tägliche Erhaltungsinhalationen können als eine morgens und eine abends angewendet werden; bei Beschwerden eine zusätzliche Inhalation, bei fortbestehenden Symptomen nach einigen Minuten eine weitere. Mehr als sechs Inhalationen bei einer einzelnen Anwendung sollen nicht genommen werden. Mehr als acht Gesamtinhalationen pro Tag sind normalerweise nicht nötig; für begrenzte Zeit sind bis zwölf möglich. Bei mehr als acht Gesamtinhalationen innerhalb von 24 Stunden ist dringend ärztlicher Rat zur Neubewertung einzuholen. Bei rascher Verschlechterung oder fehlender Wirkung wird sofort Hilfe geholt, auch bevor eine Höchstmenge erreicht ist. Erhaltungs- und Bedarfshübe werden zusammengezählt. Dies ist kein Schema für beliebige Wirkstoffstärken oder andere Kombinationsgeräte.

Vier nummerierte Schritte für Symbicort Turbohaler 160/4,5 Mikrogramm bei Erwachsenen mit MART: Voraussetzung mit Hinweisen auf Milcheiweißallergie und starke CYP3A4-Hemmer, Erhaltung 2 Inhalationen pro Tag, Bedarf 1 Inhalation und nach einigen Minuten 1 weitere, höchstens 6 pro Anwendung, dann alle Inhalationen zusammenzählen: 1 + 1 + 4 = 6, entsprechend 960 Mikrogramm Budesonid und 27 Mikrogramm Formoterol. Ergebniszeile: bis 8 pro Tag, mehr als 8 in 24 Stunden dringend ärztlicher Rat, rasche Verschlechterung oder fehlende Wirkung sofort Hilfe.

Abbildung: Erhaltungs- und Bedarfsinhalationen werden zusammengezählt. Die Grenzen gelten nur für dieses Erwachsenenbeispiel und ersetzen keine sofortige Hilfe bei Verschlechterung. Quelle: eigene Darstellung.

Rechenbeispiel: Eine Inhalation morgens, eine abends und vier zusätzliche Inhalationen ergeben sechs Gesamtinhalationen. Die abgegebene Tagesmenge beträgt 6 × 160 = 960 µg Budesonid und 6 × 4,5 = 27 µg Formoterol. Die Rechnung erklärt die Dokumentation; sie ist keine Aufforderung, die Dosis unabhängig vom persönlichen Plan zu erhöhen. Eine reine Bedarfstherapie ohne regelmäßige Erhaltungsdosis ist gesondert nach Strategie, Zulassung und Verordnung zu beurteilen. Die hier geprüfte deutsche Produktinformation enthält Erhaltungstherapie und MART, keine reine AIR-Verordnung; dieses Präparat ist dort nicht für die initiale Asthmabehandlung vorgesehen. Bei Milcheiweißallergie ist dieser lactosehaltige Pulverinhalator kontraindiziert. Starke CYP3A4-Hemmer, etwa bestimmte Antimykotika oder Ritonavir, können die Steroidexposition erhöhen; eine MART-Kombination wird dann anhand der Produktinformation vermieden beziehungsweise fachkundig neu geplant.

Die Tabelle fasst zusätzliche Grenzen des genannten Präparats zusammen.

KonstellationGrenze
MilcheiweißallergieDieser lactosehaltige Pulverinhalator ist kontraindiziert.
Starke CYP3A4-Hemmer, z. B. bestimmte Antimykotika oder RitonavirSteroidexposition kann steigen; MART anhand der Produktinformation vermeiden bzw. fachkundig neu planen.
Reine AIR ohne regelmäßige ErhaltungDie hier geprüfte deutsche Produktinformation enthält Erhaltung und MART, keine reine AIR-Verordnung.
Initiale AsthmabehandlungDieses Präparat ist in der hier geprüften deutschen Produktinformation dafür nicht vorgesehen.

Freie Antwort

Den Fehler sicher korrigieren

Aufgabe

Ein Patient schüttelt sein Pulvergerät, löst die Dosis aus, atmet kräftig hinein und saugt anschließend nur kurz. Welche zwei unmittelbar beobachtbaren Korrekturen sind besonders wichtig?

Die Tabelle ordnet die beobachteten Handlungen in ihrer Reihenfolge.

PhaseBeobachtung
VorbereitungPulvergerät wird geschüttelt; die Dosis wird ausgelöst.
AusatmungKräftig in das Gerät hinein.
EinatmungAnschließend nur kurzes Ansaugen.

Geöffneter weißer Pulverinhalator vor schwarzem Hintergrund: Schutzkappe und Mundstück sind hochgeklappt, darunter liegt die Kammer für eine Einzeldosis-Kapsel; Aufdrucke unkenntlich gemacht.

Abbildung: Geöffneter Pulverinhalator mit Kammer für eine Einzeldosis-Kapsel, Mundstück und Schutzkappe. Quelle: RonEJ, Public Domain,.png

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Freie Antwort

Praktische Rückdemonstration

Aufgabe

Bitte eine beobachtende Person um Rückmeldung. Erkläre einem fiktiven Patienten mit einem Demonstrations-Dosieraerosol und Spacer die Anwendung und lasse sie zurückzeigen. Benutze kein echtes Medikament für die Übung. Lege fest, was du dokumentierst und wann du das Gerät neu auswählst.

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Akuter Asthmaanfall

Lernziel: Du kannst einen Asthmaanfall erkennen, behandeln und rechtzeitig eskalieren.

Die gefährliche Verschlechterung erkennen

Ein Anfall kann durch einen viralen Infekt, Allergenexposition, Rauch, fehlende entzündungshemmende Behandlung oder bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Frage parallel zur Behandlung nach Beginn, Verlauf, bisheriger Bedarfsmedikation, früherer Intensivbehandlung und möglicher Anaphylaxie. Ein Ausschlag mit Kreislaufproblem oder Schwellung im Atemweg verändert den Notfallweg: Dann hat Adrenalin i.m. Vorrang vor der alleinigen Bronchodilatation: beim Erwachsenen 0,5 mg, entsprechend 0,5 ml der Lösung mit 1 mg/ml, anterolateral in den Oberschenkel. Bei fortbestehenden Atemwegs-, Atmungs- oder Kreislaufproblemen nach fünf Minuten wiederholen und sofort ein Notfallteam organisieren. Inhalative Bronchodilatatoren ersetzen Adrenalin nicht. Diese Dosis ist zur i.m.-Anwendung bestimmt; eine i.v.-Behandlung gehört in erfahrene Hände unter geeigneter Überwachung. Bestehen die Probleme trotz zweier korrekt gegebener i.m.-Dosen fort, gilt die Anaphylaxie als refraktär; dann ist frühzeitig eine Adrenalininfusion durch Erfahrene nötig.

Ablauf bei Atemnot mit Anaphylaxiezeichen: 1 Adrenalin 0,5 mg i.m. in den anterolateralen Oberschenkel; 2 parallel Notfallteam, inhalativer Bronchodilatator nur zusätzlich; 3 nach 5 Minuten neu beurteilen und bei fortbestehenden Problemen wiederholen; 4 nach zwei i.m.-Gaben ohne Besserung refraktäre Anaphylaxie mit Adrenalininfusion durch Erfahrene. Ergebniszeile: Besserung, fortbestehend, refraktär.

Abbildung: Bei Anaphylaxiezeichen kommt Adrenalin i.m. vor jeder alleinigen Bronchodilatation. Nach 5 Minuten wird neu beurteilt; bleibt die Lage trotz zweier i.m.-Gaben bedrohlich, gilt die Anaphylaxie als refraktär. Quelle: eigene Darstellung.

Zeichnung eines rechten Oberschenkels von vorn mit Becken und Knie: Trochanter major oben, Condylus lateralis unten; auf dem äußeren mittleren Drittel des M. vastus lateralis ist die Injektionsstelle als dunkles Oval markiert, ein zweites Oval liegt auf dem M. rectus femoris.

Abbildung: Injektionsort für Adrenalin i.m. Zwischen Trochanter major und Kniegelenk liegt im äußeren mittleren Drittel des Oberschenkels der M. vastus lateralis, also die anterolaterale Oberschenkelmitte. Die Markierung am M. rectus femoris zeigt eine weitere Injektionsstelle, die für Adrenalin hier nicht gemeint ist. Die Injektion ist durch Kleidung hindurch möglich und darf nicht verzögert werden. Quelle: British Columbia Institute of Technology (BCIT), Clinical Procedures for Safer Patient Care, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Beschriftung ins Deutsche übersetzt, vergrößert.

Beurteile sofort Atemweg, Atemarbeit, Sprechfähigkeit, Bewusstsein, Kreislauf und SpO₂. Zähle die Atemfrequenz und höre den Thorax ab. PEF ist hilfreich, wenn ohne Verzögerung und ohne Überforderung messbar. Für die Dringlichkeit zählt das schlechteste relevante Merkmal; ein vollständiger Messsatz wird nicht abgewartet. Beim leichten Anfall spricht die Person nach GINA 2026 noch in Sätzen (SpO₂ ≥ 94 %, PEF über 70 %), beim moderaten nur in Satzteilen mit AF bis 30/min, SpO₂ ≥ 92 % und PEF 50–70 %.

WarnzeichenKlinische Bedeutung
Einzelne Wörter, AF über 30/min, SpO₂ unter 92 % an RaumluftSchwerer Anfall möglich
PEF unter 50 % des persönlichen Bestwerts/SollwertsSchwere Obstruktion; klinisch einordnen
Somnolenz, Verwirrtheit, kaum Atemgeräusch, ErschöpfungUnmittelbare Lebensgefahr

Drei Spalten zur Schwere: leicht mit Sprechen in Sätzen, SpO2 mindestens 94 Prozent, PEF über 70 Prozent; moderat mit Satzteilen, AF bis 30 pro Minute, SpO2 mindestens 92 Prozent, PEF 50 bis 70 Prozent; schwer mit einzelnen Wörtern, AF über 30, SpO2 unter 92 Prozent, PEF unter 50 Prozent. Darunter die jeweilige Erstbehandlung und ein Alarmfeld für unmittelbar lebensbedrohliche Zeichen.

Abbildung: Das schlechteste Merkmal bestimmt die Schwere. Zeichen unmittelbarer Lebensgefahr führen unabhängig von den übrigen Werten sofort zu Notfallteam und Intensivversorgung. Quelle: eigene Darstellung.

Mechanisches Peak-Flow-Meter: weißes Mundstück, rote Manschette und durchsichtiges Gehäuse mit Schiebezeiger über einer gelben Skala in Liter pro Minute, beginnend bei 60.

Abbildung: Mechanisches Peak-Flow-Meter. Der Zeiger wird vor der Messung auf den Skalenanfang geschoben. Nach tiefer Einatmung umschließen die Lippen das Mundstück, dann folgt ein kurzer, maximal kräftiger Atemstoß. Der Wert in l/min wird mit dem persönlichen Bestwert oder Sollwert verglichen, unter 50 % spricht für eine schwere Obstruktion. Im schweren Anfall wird die Messung nicht erzwungen. Quelle: Tomhannen, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain); Rand beschnitten.

Bei schwerer Luftnot organisierst du sofort Hilfe und überwachte Versorgung. Aufrechte, abgestützte Position kann entlasten. Gib keine Sedierung zur vermeintlichen Beruhigung einer erschöpften Person. Ein normaler oder steigender pCO₂ bei einem schweren Anfall ist bedenklich, weil anfangs durch vermehrte Atmung oft ein niedriger pCO₂ vorliegt. Die Blutgasanalyse wird bei schwerem Verlauf oder unzureichendem Ansprechen eingesetzt; sie ist keine Voraussetzung für den Therapiebeginn. Zur Orientierung liegt der pCO₂ normal bei 35–45 mmHg; Werte über 45 mmHg (6 kPa) mit respiratorischer Azidose zeigen eine Erschöpfung an, ein pO₂ unter 60 mmHg (8 kPa) eine relevante Hypoxämie. Das Ansprechen auf die erste Behandlung wird spätestens nach einer Stunde erneut beurteilt, beim schweren Anfall kontinuierlich überwacht.

Blutgase im schweren Anfall: zuerst wann eine Blutgasanalyse sinnvoll ist, dann drei Stufen. 1 Hyperventilation mit pCO2 unter 35 mmHg; 2 Hypoxämie mit pO2 unter 60 mmHg, pCO2 noch niedrig oder schon normal, Normbereich 35 bis 45 mmHg; 3 Hyperkapnie mit pCO2 über 45 mmHg und respiratorischer Azidose. Ergebnis: niedriger pCO2 weiter behandeln, normaler oder steigender pCO2 Hilfe holen und Atemweg vorbereiten.

Abbildung: Im schweren Anfall ist ein niedriger pCO₂ zu erwarten. Ein normaler oder steigender pCO₂ zeigt die ermüdende Atemmuskulatur an, auch wenn die SpO₂ unter Sauerstoff gut aussieht. Quelle: eigene Darstellung.

Akuttherapie beim Erwachsenen in vier Schritten: 1 beurteilen und sofort behandeln, keine Sedierung; 2 Salbutamol über Dosieraerosol mit Spacer, leicht 4 Hübe, moderat 4 bis 6 Hübe alle 20 bis 30 Minuten bis dreimal oder Vernebler 2,5 mg, schwer 6 bis 10 Hübe oder Vernebler 5 mg; 3 Sauerstoff mit Ziel-SpO2 92 bis 95 Prozent, Ipratropium 4 Hübe à 20 µg, Prednisolon 40 bis 50 mg für 5 bis 7 Tage; 4 spätestens nach einer Stunde neu beurteilen. Ergebniszeile: Besserung, unzureichend, lebensbedrohlich.

Abbildung: Behandlung und erneute Beurteilung laufen eng zusammen. Die Salbutamoldosis richtet sich nach der Schwere; bei Lebensgefahr wird bereits während der ersten Therapie eskaliert. Quelle: eigene Darstellung.

Eine konsistente Akutstrategie

Die folgende Lehrstrategie verwendet GINA 2026 für Erwachsene. Bei Hypoxämie wird Sauerstoff kontrolliert titriert, Ziel-SpO₂ 92–95 %. In der deutschen NVL Asthma 5.0 wird 92–96 % genannt; bei Risiko einer hyperkapnischen Insuffizienz gilt eine gesonderte kontrollierte Zielsetzung, häufig 88–92 %, mit Blutgaskontrolle. Diese Bereiche werden nicht zu „möglichst 100 %“ zusammengeführt. Bei unmittelbar bedrohlicher Hypoxämie wird die Sauerstoffgabe nicht verzögert.

Die Sauerstoffziele bleiben an die jeweils genannte Strategie und Situation gebunden.

Strategie / SituationZiel-SpO₂Begleitende Einordnung
GINA 2026, Erwachsene92–95 %Bei Hypoxämie kontrolliert titrieren.
NVL Asthma 5.092–96 %Nicht zu „möglichst 100 %“ zusammenführen.
Risiko einer hyperkapnischen InsuffizienzHäufig 88–92 %Gesonderte kontrollierte Zielsetzung mit Blutgaskontrolle.
MaßnahmeErwachsenenbeispiel nach GINA 2026
Moderater Anfall: Salbutamol4–6 Hübe à 100 µg über pMDI/Spacer; ggf. alle 20–30 min, bis dreimal
Schwerer Anfall: Salbutamol6–10 Hübe à 100 µg; nach Bedarf alle 20–30 min unter Überwachung
Ipratropium bei entsprechender Schwere4 Hübe à 20 µg zusätzlich, mit SABA bis dreimal
Systemisches Steroid bei nicht nur mildem AnfallPrednisolon 40–50 mg oral morgens, 5–7 Tage

Jeder Hub wird einzeln über den Spacer gegeben. Alternativ können bei moderatem Anfall 2,5 mg, bei schwerem Anfall 5 mg Salbutamol vernebelt werden; die Applikationsform wird anhand der Fähigkeit des Patienten und der Versorgungssituation gewählt. Bei einem milden Anfall sieht das gewählte GINA-Schema vier Hübe Salbutamol vor, bei Bedarf einmalige Wiederholung nach 30–60 Minuten und erneute Beurteilung. Ein bereits vereinbarter ICS-Formoterol-Aktionsplan ist präparatespezifisch zu beachten; die gezeigten Akutdosen sind keine pauschale häusliche Selbstmedikation.

Prednisolon wirkt verzögert entzündungshemmend und ersetzt keinen Bronchodilatator. Oral ist bei sicherem Schlucken und ausreichender Resorption möglich; intravenös ist nicht automatisch wirksamer. Blutzucker, Infektrisiko und gegebenenfalls psychiatrische Nebenwirkungen werden berücksichtigt. Häufige Wiederholungskuren sind ein Anlass, den gesamten Asthmaplan zu überprüfen.

Bei unzureichendem Ansprechen: Unterstützung durch ein erfahrenes Notfall-/Intensivteam, erneute Ursachensuche und Atemwegssicherung vorbereiten. Bei ausgewählten schweren, initial nicht ausreichend ansprechenden Verläufen kann im überwachten Krankenhaussetting Magnesiumsulfat 2 g i.v. über 20 Minuten erwogen werden; diese Zusatzmaßnahme und Dosis folgt der NVL Asthma 5.0, Abbildung 8. Blutdruck und Nierenfunktion beachten; bei schwerer Nierenfunktionsstörung besteht Akkumulationsgefahr. NIV ist beim Asthmaanfall keine verpflichtende Zwischenstufe vor einer notwendigen Intubation. Drohende Erschöpfung, Bewusstseinsstörung oder fehlender Atemwegsschutz dürfen nicht durch einen Maskenversuch verzögert werden.

Unzureichendes Ansprechen trotz SABA, Ipratropium, Sauerstoff und Steroid: 1 sofort erfahrenes Notfall- oder Intensivteam, Atemwegssicherung vorbereiten; 2 Ursache erneut suchen, Röntgen gezielt. Dann nebeneinander: Zusatztherapie mit Magnesiumsulfat 2 g i.v. über 20 Minuten bei ausgewählten schweren Verläufen, Blutdruck und Niere beachten; Atemweg sichern bei Erschöpfung, Bewusstseinsstörung, fehlendem Atemwegsschutz oder normalem bis steigendem pCO2, NIV ist keine Pflichtstufe.

Abbildung: Zusatztherapie und Atemwegssicherung werden nach Schwere beurteilt; NIV ist keine verpflichtende Stufe vor notwendiger Intubation. Quelle: eigene Darstellung.

Antibiotika sind ohne Hinweis auf eine bakterielle Infektion nicht Routine. Ein Röntgenbild ist beim unkomplizierten Anfall ebenfalls nicht automatisch nötig; Verdacht auf Pneumothorax, Pneumonie oder ein anderer unerwarteter Verlauf begründet gezielte Bildgebung. Tachykardie, Kaliumabfall und gegebenenfalls Laktatanstieg können unter hohen Beta-2-Agonist-Dosen auftreten. Bei fortbestehender Tachypnoe wird daher nicht blind immer weiter bronchodilatiert, sondern erneut untersucht. Als andere oder zusätzliche Ursache nennt GINA 2026 unter anderem Pneumothorax, Anaphylaxie, induzierbare laryngeale Obstruktion, Pneumonie, akute Herzinsuffizienz und Lungenembolie. Kalium wird kontrolliert; unter 3,5 mmol/l liegt eine Hypokaliämie vor.

Anhaltende Tachypnoe: 1 erneut untersuchen; 2 nebeneinander andere Ursache wie Pneumothorax, Pneumonie, Anaphylaxie, induzierbare laryngeale Obstruktion, Herzinsuffizienz oder Lungenembolie mit gezielter Bildgebung, oder Wirkung hoher Beta-2-Dosen mit Tachykardie, Kalium unter 3,5 mmol/l und Laktatanstieg. Nicht routinemäßig: Röntgen beim unkomplizierten Anfall und Antibiotika. Ergebniszeile: erklärt, Beta-2-Effekt, unklar.

Abbildung: Bei anhaltender Tachypnoe wird erneut untersucht statt immer weiter bronchodilatiert. Röntgen und Antibiotika folgen einem konkreten Verdacht, nicht der Routine. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxröntgen im posterior-anterioren Strahlengang im Stehen: rechts lateral ein Saum ohne Lungengefäßzeichnung, ein Pfeil zeigt auf die feine Pleuralinie der kollabierten rechten Lunge; linke Lunge regelrecht entfaltet.

Abbildung: Rechtsseitiger Pneumothorax bei bekanntem Asthma im Thoraxröntgen p.a. im Stehen. Der Pfeil zeigt auf die viszerale Pleuralinie, lateral davon fehlt die Lungengefäßzeichnung. Plötzlicher einseitiger Thoraxschmerz, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch oder eine unerwartete Verschlechterung im Anfall begründen diese gezielte Bildgebung. Quelle: Kent M, Prajapati B, Isles C. Cureus 2025;17:e95725, Abbildung 1, CC BY 4.0; Seiten- und Projektionsbeschriftung entfernt, in Graustufen umgewandelt (Pfeil dadurch weiß), Rand beschnitten.

Ansprechen und Nachsorge

Ausgearbeitetes Beispiel

Die Tabelle zeigt die Ausgangsbefunde der Patientin.

AngabeAusgangsbefund
Alter32 Jahre
Atemfrequenz32/min
SpO₂89 % an Raumluft
SprechfähigkeitNur einzelne Wörter

Eine 32-Jährige hat AF 32/min, SpO₂ 89 % an Raumluft und kann nur einzelne Wörter sprechen. Sie benötigt sofortige überwachte Notfallbehandlung mit Sauerstoff, inhalativer Bronchodilatation, systemischem Steroid und frühzeitig organisierter Hilfe. Nach Beginn werden Sprechfähigkeit, Atemarbeit, Bewusstsein, Kreislauf, Sättigung und – soweit möglich – PEF erneut beurteilt. Eine einzelne bessere Sättigung genügt nicht als Entlassungskriterium.

Vor Entlassung müssen eine anhaltende klinische Besserung, geeignete häusliche Versorgung, eine ICS-haltige Weiterbehandlung, sichere Inhalationstechnik und ein verständlicher Aktionsplan vorliegen. Nach GINA 2026 erfüllt die Person dafür mindestens 1–2 Stunden nach der letzten Salbutamolgabe die Kriterien eines leichten Anfalls, mit SpO₂ ≥ 94 % an Raumluft und einem PEF über 70 % des Bestwerts oder Sollwerts. Nach einem Anfall wird eine frühe Kontrolle, bei Erwachsenen typischerweise innerhalb von 2–7 Tagen, organisiert. Auslöser und bisherige Kontrollprobleme werden aufgearbeitet.

Vom Ansprechen zur Entlassung: 1 erneut beurteilen; 2 Entlassung erst, wenn mindestens 1 bis 2 Stunden nach der letzten SABA-Gabe leicht, SpO2 mindestens 94 Prozent an Raumluft, PEF über 70 Prozent und häusliche Versorgung gesichert. Nicht erfüllt: weiter überwacht behandeln. Erfüllt: 3 ICS-haltige Weiterbehandlung, Prednisolon insgesamt 5 bis 7 Tage, Inhalationstechnik und Aktionsplan; 4 frühe Kontrolle in 2 bis 7 Tagen.

Abbildung: Eine bessere Sättigung allein reicht nicht. Entlassung, Weiterbehandlung und frühe Kontrolle folgen festen Kriterien und einem vollständigen Versorgungsplan. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Die Dosis nachvollziehen

Aufgabe

Für einen moderaten Anfall werden in diesem Schema sechs Hübe Salbutamol à 100 µg gegeben. Wie viel Wirkstoff entspricht das pro Gabe? Wie wird es über den Spacer angewendet?

Die Tabelle enthält die Angaben für deine Dosisberechnung.

RechengrößeVorgabe
SituationModerater Anfall.
WirkstoffSalbutamol.
Anzahl6 Hübe pro Gabe.
Menge pro Hub100 µg.
ApplikationÜber den Spacer.

Graublaues Dosieraerosol auf weißem Grund; die Schutzkappe ist abgezogen und hängt am Gehäuse, das Mundstück ist offen, oben steckt der Wirkstoffbehälter mit roter Kappe.

Abbildung: Dosieraerosol mit geöffnetem Mundstück, wie es für Salbutamol verwendet wird. Jeder Druck auf den Behälter setzt einen Hub mit festgelegter Wirkstoffmenge frei. Quelle: NIAID, CC BY 2.0,.jpg

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Nicht auf die Sättigung allein verlassen

Aufgabe

Trotz erster Behandlung wird ein Asthmapatient schläfrig; der Thorax ist fast stumm. Unter Sauerstoff liegt SpO₂ bei 94 %. Welche Entscheidung passt?

Die Tabelle stellt die Befunde nach der ersten Behandlung nebeneinander.

AngabeBeobachtung
VerlaufTrotz erster Behandlung schläfrig.
ThoraxFast stumm.
SpO₂94 % unter Sauerstoff.

Blaues Fingerclip-Pulsoxymeter an einem Finger; Anzeige und Herstellername sind unkenntlich gemacht.

Abbildung: Pulsoxymeter am Finger. Es zeigt die geschätzte Sauerstoffsättigung und die Pulsfrequenz; die Werte im Bild sind unkenntlich gemacht, maßgeblich sind die Angaben im Fall. Quelle: Stefan Bellini, CC0 1.0

  1. a)Wegen der Sättigung zunächst zwei Stunden abwarten.
  2. b)Sofort erfahrene Hilfe, Atemweg und Ventilation beurteilen und notwendige Eskalation vorbereiten.
  3. c)Vor jeder weiteren Entscheidung zwingend einen längeren NIV-Versuch durchführen.
Lösung in der App →

COPD-Exazerbation

Lernziel: Du kannst eine COPD-Exazerbation behandeln und Ventilationsversagen erkennen.

Verschlechterung ist nicht automatisch nur COPD

Mehr Atemnot, Husten oder Auswurf innerhalb weniger Tage kann eine COPD-Exazerbation anzeigen. Häufige Auslöser sind Infektionen und inhalative Belastungen. Gleichzeitig können Pneumonie, Lungenembolie, Pneumothorax, Herzinsuffizienz oder eine Arrhythmie ähnliche Beschwerden verursachen oder zusätzlich vorliegen. Nach GOLD verschlechtern sich bei einer Exazerbation Atemnot und/oder Husten mit Auswurf innerhalb von höchstens 14 Tagen. Suche nach Fieber, pleuritischem Schmerz, einseitigem Befund, Ödemen, Brustschmerz und Kreislaufstörung. Je nach Verdacht helfen Röntgen-Thorax, CRP, D-Dimer beziehungsweise CT-Angiografie, NT-proBNP, EKG und Troponin bei der Abgrenzung.

Start: mehr Atemnot, Husten oder Auswurf über höchstens 14 Tage. Schritt 1 rot: zuerst Stabilität prüfen – Atemarbeit, Sprechen, Bewusstsein, Kreislauf; Monitoring, SpO₂, Blutgasanalyse. Schritt 2: Exazerbation mit den häufigsten Auslösern Atemwegsinfekt sowie Rauch, Feinstaub und Abgase, daneben rot Ursachen allein oder zusätzlich: Pneumonie, Lungenembolie, Pneumothorax, Herzinsuffizienz, Arrhythmie oder ACS. Schritt 3 als Raster Diagnose – Hinweis – Test: Pneumonie mit Fieber und lokalen Rasselgeräuschen, Röntgen-Thorax, CRP und Blutbild; Lungenembolie mit pleuritischem Schmerz und Tachykardie, D-Dimer bzw. CT-Angiografie; Pneumothorax plötzlich mit einseitig leisem Atemgeräusch, Röntgen-Thorax und Sonografie; Herzinsuffizienz mit Ödemen, Orthopnoe und feuchten Rasselgeräuschen, NT-proBNP und Echokardiografie; Arrhythmie oder ACS mit Palpitationen und Brustschmerz, EKG und Troponin. Ergebnis: nur Exazerbation – kontrolliert behandeln; andere Ursache – gezielt mitbehandeln. Dunkelrote Warnzeile: instabil mit einseitig leisem Atemgeräusch an Spannungspneumothorax denken, nicht auf das Röntgen warten.

Abbildung: Erst Stabilität, dann Abgrenzung: Ordne jedem Warnhinweis den Test zu, der die konkurrierende Diagnose bestätigt oder ausschließt. Eine Exazerbation ist erst nach dieser Abgrenzung die passende Erklärung. Quelle: eigene Darstellung.

Röntgen-Thorax p.-a. mit rechtsseitigem Pneumothorax: zwei Pfeile zeigen auf die zarte viszerale Pleuralinie, außerhalb davon fehlt die Lungengefäßzeichnung.

Abbildung: Rechtsseitiger Spontanpneumothorax bei einem jüngeren Patienten. Die Pfeile markieren die viszerale Pleuralinie; lateral davon fehlt die Gefäßzeichnung. Plötzlicher einseitiger Thoraxschmerz mit abgeschwächtem Atemgeräusch erfordert auch bei bekannter COPD diese Abklärung. Bei Emphysem können große Bullae einen Pneumothorax vortäuschen oder verdecken; im Zweifel helfen Sonografie oder CT. Bei Kreislaufinstabilität und Verdacht auf Spannungspneumothorax wird nicht auf das Röntgenbild gewartet. Quelle: Bonilla A, Blair AJ, Alamro SM et al., J Med Case Rep 2019, via Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Ausschnitt aus Teilbild A, Seitenmarkierung entfernt.

Bei ausgeprägter Dyspnoe oder instabilem Verlauf erfolgen rasche klinische Untersuchung, Monitoring, Blutgasanalyse und ursachenbezogene Zusatzdiagnostik. Dokumentiere bei jedem Blutgaswert O₂-Gerät, Fluss beziehungsweise FiO₂ und Zeitpunkt. Eine venöse Probe ersetzt bei der Beurteilung der arteriellen Oxygenierung nicht einfach eine arterielle Messung. Ein venöser pCO₂ unter 45 mmHg kann lediglich eine Hyperkapnie ausschließen; außerhalb der Intensivstation ist eine kapilläre Blutgasanalyse aus dem hyperämisierten Ohrläppchen möglich. Ein Pulsoximeter kann durch Bewegung, schlechte Perfusion und weitere Messbedingungen irreführen; bei dunkler Haut kann die Pulsoxymetrie die arterielle Sauerstoffsättigung überschätzen und dadurch eine Hypoxämie verdecken.

Gesuchtes ProblemHinweis und nächste Frage
OxygenierungsstörungNiedrige SpO₂/PaO₂: Wie viel O₂ wird benötigt?
VentilationsstörungErhöhter PaCO₂: Kann ausreichend CO₂ abgegeben werden?
Akute respiratorische AzidosepH erniedrigt bei Hyperkapnie: Atemunterstützung nötig?

Zwei Spalten. 1 Oxygenierung mit Pulsoxymetrie: Ziel bei Hyperkapnierisiko 88 bis 92 Prozent; Störung durch Bewegung und schlechte Perfusion; bei dunkler Haut oft zu hohe Werte; misst kein CO₂; venöse Blutgasanalyse für die Oxygenierung ungeeignet. 2 Ventilation mit Blutgasanalyse: PaCO₂ 35 bis 45 mmHg normal, über 45 mmHg Hyperkapnie, mit pH unter 7,35 respiratorische Azidose; arteriell oder kapillär aus dem Ohrläppchen; venöser pCO₂ unter 45 mmHg schließt nur eine Hyperkapnie aus. 3 Jede Blutgasanalyse mit O₂-Gerät, Fluss bzw. FiO₂, Uhrzeit und letzter Behandlungsänderung dokumentieren. 4 Folgen: SpO₂ unter 88 Prozent – O₂ vorsichtig erhöhen; SpO₂ 88 bis 92 Prozent mit normalem pH – weiter beobachten; pH unter 7,35 mit PaCO₂ über 45 mmHg – NIV prüfen. Dunkelrote Warnzeile: gute SpO₂ schließt Hyperkapnie nicht aus; nach jeder Änderung SpO₂, Blutgase und Klinik neu bewerten.

Abbildung: SpO₂ und Blutgasanalyse beantworten zwei verschiedene Fragen. Lies jede Messung mit ihren Grenzwerten und Fehlerquellen und leite daraus den nächsten Schritt ab. Quelle: eigene Darstellung.

Kontrolliert behandeln

Bei COPD und möglichem Hyperkapnierisiko wird Sauerstoff zunächst auf SpO₂ 88–92 % titriert, während Blutgase und Verlauf geprüft werden. Eine ausgeprägte Hypoxämie wird behandelt; Sauerstoff wird nicht aus Angst vor CO₂-Retention vorenthalten. Nach der deutschen S3-Leitlinie wird Sauerstoff in dieser Situation bei einer SpO₂ unter 88 % begonnen und über 92 % reduziert; für niedrige Flüsse unter 6 l/min eignet sich primär eine Nasenbrille, alternativ eine Venturi-Maske mit niedriger Sauerstoffkonzentration, etwa 24–28 %. Zu viel Sauerstoff kann unter anderem die Ventilations-Perfusions-Verteilung und den CO₂-Transport verändern. Die Erklärung „nur der Atemantrieb fällt aus“ greift deshalb zu kurz. Nach Sauerstoffbeginn oder wesentlicher Änderung werden Blutgase zeitnah erneut kontrolliert, häufig nach 30–60 Minuten, bei Verschlechterung sofort.

Kopf: kontrollierter Sauerstoff, bei Hyperkapnierisiko Ziel-SpO₂ 88 bis 92 Prozent. 1 grün: beginnen, wenn SpO₂ unter 88 Prozent – Nasenbrille bei Fluss unter 6 l/min oder Venturi-Maske mit 24 bis 28 Prozent O₂; ausgeprägte Hypoxämie immer behandeln. 2 gelb: messen – SpO₂ kontinuierlich, Blutgasanalyse nach 30 bis 60 Minuten und nach jeder Änderung, bei Verschlechterung sofort. Entscheidungsraute SpO₂: unter 88 Prozent O₂ erhöhen, 88 bis 92 Prozent beibehalten, über 92 Prozent O₂ reduzieren; ein Pfeil führt zum erneuten Messen zurück. Zweite Raute: pH unter 7,35 und PaCO₂ über 45 mmHg? Nein – weiter titrieren, Ursache mit Bronchodilatation und Steroid behandeln. Ja – rot: NIV prüfen, denn mehr O₂ behebt die Hyperkapnie nicht. Dunkelrote Warnzeile: Sauerstoff nie aus Angst vor CO₂ vorenthalten; Ziel ist der Bereich, nicht eine möglichst hohe SpO₂.

Abbildung: Sauerstoff wird in einer Schleife titriert: messen, an den Zielbereich anpassen, erneut messen. Zeigt die Blutgasanalyse eine respiratorische Azidose, ändert sich die Frage von „wie viel O₂?“ zu „braucht die Atmung Unterstützung?“. Quelle: eigene Darstellung.

MaßnahmeKonkretes Erwachsenenbeispiel
SABA inhalativSalbutamol 100–200 µg initial, bei Bedarf nach 10–15 min erneut beurteilen und wiederholen
SAMA zusätzlich nach BedarfIpratropium 2–4 Hübe à 20 µg oder 250–500 µg vernebelt
Systemisches SteroidPrednisolon 40 mg oral morgens für 5 Tage
VerlaufAtemarbeit, Bewusstsein, O₂, Blutgase und Nebenwirkungen kontrollieren

Die Bronchodilatation wird nach klinischer Schwere und Ansprechen weitergeführt; die Tabelle nennt einen initialen deutschen DGP-Leitlinienweg, keine starre Obergrenze für eine überwachte Notfallbehandlung. Verneblung, Spacer oder anderes geeignetes System werden passend zur Fähigkeit gewählt. Wenn möglich wird ein Vernebler bei Hyperkapnierisiko mit Druckluft betrieben und benötigter Sauerstoff separat titriert. Oral gegebenes Steroid ist bei geeigneter Situation ausreichend; routinemäßige Hochdosis-i.v.-Gabe ist nicht das Standardziel. Die inhalative Dauertherapie mit LAMA, LABA und gegebenenfalls ICS wird während der Exazerbation fortgeführt. Nach fünf Tagen wird Prednisolon ohne Ausschleichen beendet.

Zeitleiste links mit gelben Zeitmarken, rechts fünf nummerierte Kästen. 0 min: Bronchodilatation starten – Salbutamol 100 bis 200 µg, gegebenenfalls Ipratropium 2 bis 4 Hübe à 20 µg, Vernebler mit Druckluft und O₂ separat. 10 bis 15 min: Ansprechen prüfen – Atemarbeit, Sprechen, SpO₂; SABA bei Bedarf wiederholen. 30 bis 60 min: Blutgase nach O₂-Beginn – pH und PaCO₂ einordnen, bei Azidose NIV prüfen. Tag 1 bis 5: Prednisolon 40 mg oral morgens, LAMA/LABA mit oder ohne ICS weiter inhalieren, Antibiotikum nur bei Indikation. Tag 5: Prednisolon absetzen ohne Ausschleichen, Inhalationstechnik prüfen. Dunkelrote Warnzeile: Verschlechterung zu jedem Zeitpunkt sofort neu beurteilen, nicht bis zum nächsten Schritt warten.

Abbildung: Die Akuttherapie folgt einem Zeitplan: Bronchodilatation sofort, Kontrolle nach Minuten, Blutgase innerhalb der ersten Stunde, Steroid für fünf Tage. Verschlechterung durchbricht diesen Plan jederzeit. Quelle: eigene Darstellung.

Druckluftvernebler: Kompressor mit Luftschlauch zur Verneblerkammer an einer Gesichtsmaske, daneben Einzeldosis-Ampullen mit Inhalationslösung.

Abbildung: Druckluftvernebler mit Kompressor, Schlauch, Verneblerkammer an der Gesichtsmaske und Einzeldosis-Ampullen. Der Kompressor treibt den Vernebler mit Raumluft an; benötigter Sauerstoff kann bei Hyperkapnierisiko getrennt, etwa über eine Nasenbrille, titriert werden. Verneblung eignet sich, wenn ein Dosieraerosol mit Spacer wegen Atemnot nicht sicher angewendet werden kann. Quelle: Fatimah Bello, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten, Hersteller- und Ampullenaufdrucke unkenntlich gemacht.

Antibiotika gezielt: Besonders relevant sind neu vermehrt eitriger Auswurf zusammen mit zusätzlicher Zunahme von Dyspnoe, Sputummenge oder Fieber, relevante frühere positive Sputumkulturen im Exazerbationskontext sowie die Notwendigkeit invasiver oder nichtinvasiver Beatmung. Entscheidung und Auswahl beziehen Schwere, Pneumonieverdacht, frühere Erreger, Allergien, Nierenfunktion und lokale Resistenzlage ein. Eine Farbe allein ersetzt diese Abwägung nicht. Ein Pseudomonasrisiko besteht etwa bei FEV₁ unter 30 %, Bronchiektasen, früherem Nachweis von P. aeruginosa, Antibiotikagabe in den letzten drei Monaten, systemischen Steroiden oder einem Klinikaufenthalt im Vorjahr. Bei schwerem Verlauf, wiederholten Exazerbationen oder resistenten Erregern werden mikrobiologische Proben besonders wichtig; notwendige Akutbehandlung wird dafür nicht gefährlich verzögert. Sputumkulturen sind besonders bei stationärer Aufnahme mit Ateminsuffizienz, fehlendem Ansprechen nach 72 Stunden, mindestens zwei Exazerbationen pro Jahr, Bronchiektasen oder Immunsuppression sinnvoll; die Antibiotikatherapie dauert in der Regel 5–7 Tage.

Kopf: Antibiotikum bei COPD-Exazerbation, die Sputumfarbe allein entscheidet nicht. 1 gelb: Hinweise auf bakterielle Exazerbation – neu eitriger Auswurf plus mehr Dyspnoe, Sputummenge oder Fieber; frühere relevante positive Sputumkultur; NIV oder invasive Beatmung nötig. Raute: mindestens einer erfüllt? Nein – abwarten ohne Antibiotikum, neu prüfen, wenn schlechter. Ja – 2 Pseudomonas-Risiko: FEV₁ unter 30 Prozent oder Bronchiektasen, früherer P.-aeruginosa-Nachweis, Antibiotikum in den letzten 3 Monaten, Steroide, Klinikaufenthalt im Vorjahr. Ohne Risiko grün: Aminopenicillin mit oder ohne Betalaktamasehemmer, Beispiel ambulant Amoxicillin 500 mg dreimal täglich. Mit Risiko und schwerem Verlauf rot: Sputumkultur vor Beginn, pseudomonaswirksam, zum Beispiel Piperacillin/Tazobactam. 3 gelb: Sputumkultur besonders bei stationärer Aufnahme mit Ateminsuffizienz, keinem Ansprechen nach 72 Stunden, mindestens 2 Exazerbationen pro Jahr, Bronchiektasen oder Immunsuppression. Ergebnisreihe: 5 bis 7 Tage meist ausreichend; anpassen an Allergie, Niere und lokale Resistenz; nicht verzögern – Probe vor Gabe, ohne Aufschub.

Abbildung: Erst die Indikation, dann das Erregerrisiko, dann die Auswahl: So wird aus „eitriges Sputum“ eine begründete Entscheidung. Konkrete Substanz und Dosis richten sich zusätzlich nach Allergie, Nierenfunktion und lokaler Resistenzlage. Quelle: eigene Darstellung.

Ein dosiertes Antibiotikabeispiel: Bei geeigneter, nicht komplizierter bakterieller Exazerbation eines ambulant behandelbaren Erwachsenen nennt NICE NG114 Amoxicillin 500 mg oral dreimal täglich für fünf Tage. Das Beispiel setzt passende lokale Empfindlichkeit, fehlende Penicillinallergie und geeignete Nierenfunktion voraus. Schwere Infektion, Pneumonie, Pseudomonasrisiko oder relevante Niereninsuffizienz benötigen eine andere beziehungsweise angepasste Auswahl; ohne diese Angaben ist das Beispiel kein fertiges Rezept. Bei fehlender Besserung oder Verschlechterung wird früh neu beurteilt.

Das dosierte ambulante Antibiotikabeispiel setzt einen passenden Behandlungskontext voraus.

AspektAngabe
KontextGeeignete, nicht komplizierte bakterielle Exazerbation; ambulant behandelbarer Erwachsener.
NICE-NG114-BeispielAmoxicillin 500 mg oral dreimal täglich für fünf Tage.
VoraussetzungenPassende lokale Empfindlichkeit, keine Penicillinallergie, geeignete Nierenfunktion.
Andere bzw. angepasste AuswahlSchwere Infektion, Pneumonie, Pseudomonasrisiko oder relevante Niereninsuffizienz.

Wann NIV helfen kann

Die Blutgasanalyse misst unter anderem den pH und den arteriellen CO₂-Partialdruck PaCO₂. Ein pH unter etwa 7,35 bedeutet Azidämie. Zusammen mit erhöhtem PaCO₂ spricht er im passenden Kontext für eine respiratorische Azidose: Die alveoläre Ventilation reicht zur CO₂-Abgabe nicht aus; häufig ist die Atemmuskulatur überlastet. Ein bereits chronisch erhöhter CO₂-Wert darf nur im Zusammenhang mit stabilem Vorbefund und aktueller Klinik eingeordnet werden.

Bei akuter hyperkapnischer COPD-Insuffizienz mit respiratorischer Azidose – im deutschen Leitlinienweg pH <7,35 und PaCO₂ >45 mmHg – trotz erster Behandlung ist NIV, nichtinvasive Beatmung über eine Maske, empfohlen, sofern nicht sofort intubiert werden muss und geeignete Überwachung möglich ist. Sie entlastet die Atemmuskulatur und verbessert die Ventilation. Sie erfordert ein geschultes Team, dichte Überwachung und eine klare Eskalationsmöglichkeit. Zunehmende Bewusstseinsstörung, fehlender Atemwegsschutz, Erbrechen mit Aspirationsgefahr, Kreislaufinstabilität oder ein unmittelbarer Intubationsbedarf können gegen einen NIV-Versuch sprechen. Ein niedriger pH erhöht das Risiko des Scheiterns, ist aber nicht allein die gesamte Entscheidung. Ein pH unter 7,1 und ein hyperkapnisches Koma gelten als relative Kontraindikationen; ein Versuch erfolgt dann nur mit unmittelbarer Intubationsbereitschaft. Ob die NIV wirkt, zeigt sich meist nach 1–2 Stunden an steigendem pH, sinkendem PaCO₂, langsamerer Atem- und Herzfrequenz, weniger Dyspnoe und besserer Wachheit; bleibt die Besserung aus, wird ohne Verzögerung intubiert, sofern kein palliatives Therapieziel festgelegt ist.

Start dunkelrot: akute hyperkapnische Insuffizienz trotz Bronchodilatator, Steroid und titriertem O₂. Raute 1: Blutgasanalyse mit pH unter 7,35 und PaCO₂ über 45 mmHg? Nein – pH ab 7,35: keine akute NIV-Indikation, weiter behandeln, Blutgase wiederholen. Ja – 2 rot: spricht etwas dagegen? Kein Atemwegsschutz oder Erbrechen, Atemstillstand oder Schnappatmung, Kreislaufinstabilität oder massive Sekrete, hyperkapnisches Koma oder pH unter 7,1. Wenn ja: Intubation erwägen, NIV nur mit Intubationsbereitschaft. Wenn nein: 3 grün NIV beginnen – dichte Mund-Nasen-Maske, geschultes Team und Monitoring, Eskalationsweg vorher klären. 4 gelb: nach 1 bis 2 Stunden prüfen – pH steigt und PaCO₂ sinkt, Atem- und Herzfrequenz sinken, weniger Dyspnoe und wacher, SaO₂ mindestens 85 Prozent. Ergebnis: besser – NIV fortführen, pH-Anstieg innerhalb von 4 Stunden; nicht besser – ohne Verzögerung intubieren. Dunkelrote Zeile: je niedriger der pH, desto höher das Risiko; der pH allein entscheidet nicht über den NIV-Versuch.

Abbildung: Die NIV-Entscheidung hat drei Prüfpunkte: Indikation in der Blutgasanalyse, Gegenargumente am Bett und die Erfolgskontrolle nach 1–2 Stunden. Ohne Besserung ist die Intubation der nächste Schritt, nicht ein längerer Versuch. Quelle: eigene Darstellung.

Mund-Nasen-Maske aus transparentem Kunststoff an einem Übungskopf, mit Kopfbändern über Scheitel und Hinterkopf und einem Schlauchanschluss vor dem Mund.

Abbildung: Mund-Nasen-Maske (oronasale Maske) an einem Übungskopf. Sie umschließt Nase und Mund und wird mit Kopfbändern so angelegt, dass sie dicht sitzt, ohne zu drücken. Bei akuter hyperkapnischer Insuffizienz wird häufig diese Maskenform gewählt, weil dyspnoische Patienten meist durch den Mund atmen und eine reine Nasenmaske dann undicht wird. Typische Probleme sind Leckage, Druckstellen am Nasenrücken und Luftschlucken. Quelle: JoJoJo04, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten.

Ausgearbeitetes Beispiel

Die Tabelle trennt die klinischen Angaben von den gemessenen Blutgaswerten.

AngabeFallwert
Alter und Zustand70 Jahre; tachypnoisch und erschöpft trotz erster Bronchodilatation.
SpO₂90 % unter kontrollierter O₂-Gabe.
Arterieller pH7,29
PaCO₂60 mmHg
Aktuelles HCO₃⁻28 mmol/l

Ein 70-Jähriger ist trotz erster Bronchodilatation tachypnoisch und erschöpft. Unter kontrollierter O₂-Gabe beträgt SpO₂ 90 %. Die arterielle BGA zeigt pH 7,29, PaCO₂ 60 mmHg und aktuelles HCO₃⁻ 28 mmol/l. Die Sättigung liegt im anfänglichen Zielbereich, aber CO₂-Erhöhung und Azidämie zeigen ein Ventilationsproblem. Das Team beurteilt unverzüglich NIV-Eignung und alternative Ursachen. Sauerstoff allein behebt die ventilatorische Insuffizienz nicht. Bei einem Versuch werden klinische Reaktion und Blutgase früh überprüft; Verschlechterung erfordert sofortige Eskalation.

Nach Stabilisierung folgen Geräte- und Medikamentenprüfung, Mobilisation, Ernährungs- und Rehabilitationsplanung sowie ein klarer Entlassungs- und Kontrollplan. Zahl und Schwere früherer Exazerbationen werden neu erfasst. Neue Belastungshypoxämie während eines Infekts ist nicht automatisch eine dauerhaft bestehende Langzeitsauerstoffindikation. Schon eine moderate oder schwere Exazerbation im Vorjahr ordnet nach GOLD 2026 der Gruppe E mit erhöhtem Exazerbationsrisiko zu. War eine NIV nötig, wird die Blutgasanalyse innerhalb von vier Wochen wiederholt; liegt der PaCO₂ 2–4 Wochen nach der Exazerbation weiter über 53 mmHg, wird eine außerklinische NIV geprüft. Eine Langzeitsauerstofftherapie wird erst in stabiler Phase geprüft, in der Regel bei wiederholt gemessenem PaO₂ von höchstens 55 mmHg in Ruhe.

Fünf nummerierte Schritte vor der Entlassung. 1 grün: Geräte und Medikamente – Inhalationstechnik vorführen lassen, Dauertherapie überprüfen. 2 gelb: Exazerbationen zählen – mindestens 1 moderate oder schwere Exazerbation im Vorjahr bedeutet GOLD-Gruppe E; Etikett: Dauertherapie eskalieren. 3 grün: Mobilisation, Ernährung, Reha – früh mobilisieren, Gewicht prüfen, pneumologische Rehabilitation planen. 4 gelb: nach NIV CO₂ nachkontrollieren – Blutgasanalyse innerhalb von 4 Wochen, PaCO₂ über 53 mmHg nach 2 bis 4 Wochen; Etikett: Heim-NIV prüfen. 5 grau: Sauerstoff neu bewerten – Infekt-Hypoxämie ist keine LTOT-Indikation; LTOT erst in stabiler Phase bei PaO₂ höchstens 55 mmHg in Ruhe. Grüne Ergebniszeile: Entlassung mit schriftlichem Plan – Kontrolltermin, Aktionsplan, Ansprechpartner.

Abbildung: Die Exazerbation ist mit der Stabilisierung nicht abgeschlossen. Gehe die fünf Punkte vor der Entlassung durch; die Zahlen zeigen, wann Dauertherapie, Heimbeatmung oder Langzeitsauerstoff neu zu prüfen sind. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Zwei Probleme auseinanderhalten

Aufgabe

Ergänze zur Fall-BGA: „SpO₂ 90 % unter Sauerstoff beantwortet …; pH 7,29 und PaCO₂ 60 mmHg zeigen zusätzlich …“

Die Tabelle enthält die Messwerte, die du im Satz einordnen sollst.

MessgrößeWertKontext
SpO₂90 %Unter Sauerstoff
pH7,29Fall-BGA
PaCO₂60 mmHgFall-BGA

Fünf Spritzen mit Blut nebeneinander auf einer Unterlage: links zwei dunkelrote Proben, rechts drei deutlich hellere, leuchtend rote Proben.

Abbildung: Dunkleres venöses und helleres arterielles Blut unterscheiden sich im Farbton. Verlässliche Aussagen über Sauerstoff, Kohlendioxid und Säure-Basen-Status liefert erst die Blutgasanalyse. Quelle: Wesalius, CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Die Ursache neu prüfen

Aufgabe

Eine Patientin mit COPD bekommt plötzlich einseitigen Thoraxschmerz und stärkste Luftnot. Rechts ist das Atemgeräusch deutlich leiser. Was ist vorrangig?

Die Tabelle bündelt die Angaben zur akuten Veränderung.

AngabeBeobachtung
VorerkrankungCOPD.
BeginnPlötzlich.
BeschwerdenEinseitiger Thoraxschmerz und stärkste Luftnot.
AuskultationRechts deutlich leiseres Atemgeräusch.
  1. a)Eine gewöhnliche infektiöse Exazerbation annehmen und ausschließlich die Dauermedikation erhöhen.
  2. b)Den Befund ignorieren, solange keine Sputumpurulenz vorliegt.
  3. c)Sofortige Notfallbeurteilung auf Pneumothorax und weitere gefährliche Ursachen, parallel zur Stabilisierung.
Lösung in der App →

Bronchiektasen erkennen

Lernziel: Du kannst Bronchiektasen vermuten und eine gezielte Behandlung erklären.

Erweiterte Bronchien können trotzdem schlecht reinigen

Bronchiektasen sind bleibende Erweiterungen von Bronchien in einem passenden klinischen Krankheitsbild. „Erweitert“ bedeutet dabei nicht „gut funktionierend“: Geschädigte Wände und eine gestörte mukoziliäre Reinigung lassen Sekret zurückbleiben. Mukoziliäre Reinigung bedeutet, dass Schleim und Flimmerhärchen eingeatmete Partikel nach außen transportieren. Wenn dieser Transport nicht ausreicht, können Mikroorganismen, Entzündung und weiterer Strukturschaden einen sich selbst verstärkenden Prozess bilden. Eine zusätzliche Obstruktion ist möglich.

Häufige Erreger im liegen gebliebenen Sekret sind Haemophilus influenzae und Pseudomonas aeruginosa; die neutrophile Entzündung schädigt die Bronchialwand weiter.

Typisch sind chronisch produktiver Husten, wiederkehrende Atemwegsinfektionen und wechselnd viel, teils eitriger Auswurf. Hämoptysen sind Blutbeimengungen beim Abhusten; sie reichen von kleinen Streifen bis zu einer gefährlichen Atemwegsblutung. Eine starke Blutung, Atemnot oder Kreislaufbeeinträchtigung erfordert sofortige Notfallversorgung. Die Menge allein erfasst die Gefahr nicht, weil auch die Verlegung der Atemwege entscheidend ist.

Hämoptysen treten bei etwa 20–37 % der Betroffenen auf. Die deutsche S2k-Leitlinie stuft Blutspuren als leicht ein; jedes Erstereignis, mehr als 100 ml pro Tag oder eine Blutung über mehr als 3 Tage als mittel mit stationärer Abklärung durch CT-Angiografie; mehr als 200 ml pro Tag, Bewusstseinsstörung oder instabilen Kreislauf als schwer mit Verlegung in ein Zentrum für Bronchialarterienembolisation. Mehr als 240 ml pro Tag gelten als Hämoptoe; unbehandelt liegt ihre Letalität über 50 %. Bei leichten Blutspuren wird die Kochsalz-Inhalation pausiert und bei Bedarf Tranexamsäure 3 × 500–1000 mg oral gegeben.

Ablauf von oben nach unten. Kopfzeile: Blut beim Abhusten; Gefahr ergibt sich aus Menge, Atemweg und Kreislauf. Schritt 1, sofort einschätzen: Atemweg, Atemnot, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz, Blutdruck, Puls und Bewusstsein, Blutmenge pro 24 Stunden und Verlauf; dazu prüfen, ob eine Exazerbation mit Antibiotikabedarf vorliegt. Drei Spalten: leicht sind Blutspuren im Auswurf bei stabilem Zustand; mittel sind jedes Erstereignis, mehr als 100 ml pro Tag oder eine Blutung über mehr als 3 Tage; schwer sind mehr als 200 ml pro Tag, Bewusstseinsstörung oder instabiler Kreislauf. Ergebniszeile: leicht ambulant, Kochsalz-Inhalation pausieren, gegebenenfalls Tranexamsäure 3-mal 500 bis 1000 mg oral; mittel stationär mit Überwachung, CT-Angiografie und gegebenenfalls Bronchoskopie; schwer Zentrum mit Bronchialarterienembolisation, Intensivstation und gegebenenfalls Operation. Unten: Hämoptoe bei mehr als 240 ml pro Tag, unbehandelt Letalität über 50 Prozent.

Abbildung: Erst Atemweg und Kreislauf, dann die Menge: Die drei Schweregrade bestimmen den Ort der Versorgung. Jedes erste Bluthusten-Ereignis wird stationär abgeklärt. Quelle: eigene Darstellung.

BefundWarum er weiterführt
Wiederholte Infekte mit täglichem AuswurfStrukturelle Atemwegserkrankung erwägen
HämoptyseBlutungsquelle und Dringlichkeit klären
Persistierende KeimnachweiseMikrobiologie für Behandlungsplanung wichtig

Vier nummerierte Kästen im Uhrzeigersinn, durch Pfeile zu einem Kreis verbunden. 1 Infekt: Erreger bleiben im Sekret liegen, etwa Haemophilus influenzae und Pseudomonas aeruginosa. 2 Entzündung: neutrophile Entzündung, Elastase greift die Wand an. 3 Strukturschaden: Wand bleibend erweitert, Flimmerepithel geschädigt. 4 Sekretstau: mukoziliäre Reinigung gestört, zäher Schleim bleibt liegen; von dort zurück zum Infekt. In der Mitte das Wort Teufelskreis. Darunter drei farbige Felder als Folgen im Alltag: Husten und Auswurf an den meisten Tagen der Woche, wiederkehrende Exazerbationen oft mit Antibiotikum, Hämoptysen bei 20 bis 37 Prozent.

Abbildung: Die vier Mechanismen verstärken sich gegenseitig. Sekretmobilisation und gezielte Infektionsbehandlung greifen an unterschiedlichen Stellen an. Quelle: eigene Darstellung.

Diagnose und behandelbare Ursachen

Zur Bestätigung wird bei begründetem Verdacht eine dünnschichtige CT des Thorax eingesetzt; die Befundung erfolgt radiologisch im klinischen Kontext. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt Bronchiektasen nicht sicher aus. Die CT ist trotzdem keine Routineuntersuchung für jeden Husten: Vorher wird festgelegt, welche klinische Frage beantwortet werden soll und ob das Ergebnis die Versorgung verändert. Frühere Aufnahmen vermeiden unnötige Wiederholungen; Schwangerschaftsmöglichkeit und ein angepasstes Strahlenprotokoll werden berücksichtigt.

In der CT genügt eines dieser Kriterien: Verhältnis von Bronchus zu Begleitarterie ≥ 1, fehlende Verjüngung nach peripher oder ein sichtbarer Bronchus ≤ 1 cm von der Pleura. Von einer Bronchiektasen-Erkrankung spricht man erst, wenn passende Beschwerden hinzukommen; ein reiner CT-Zufallsbefund ohne Beschwerden braucht keine regelmäßigen Kontrollen.

Ablauf von oben nach unten. Kopfzeile: Verdacht auf Bronchiektasen, meist mindestens 2 von 3 Merkmalen: Husten, Auswurf, Exazerbationen. Schritt 1, klinische Frage festlegen: Husten und Auswurf an den meisten Tagen, wiederholte Infekte oder Hämoptysen, ändert das Ergebnis die Behandlung. Zwei Spalten: Röntgen-Thorax ist oft unauffällig und schließt Bronchiektasen nicht aus, wenig Strahlung; Schritt 2 Dünnschicht-CT als Methode der Wahl, frühere Bilder nutzen, Schwangerschaft prüfen, Strahlung und Protokoll beachten. Schritt 3, CT-Kriterien, mindestens eines: Bronchus zu Begleitarterie mindestens 1 als Siegelring, keine Verjüngung nach außen, Bronchus bis 1 cm an der Pleura sichtbar; bei jungen Menschen oder wiederholten Untersuchungen ist eine MRT möglich. Schritt 4, Befund beschreiben: Typ zylindrisch, varikös oder zystisch, Verteilung, Schleimpfropfen, Tree-in-bud und Wandverdickung. Ergebniszeile: CT und Klinik bedeuten Bronchiektasen-Erkrankung, Ursache suchen; ohne Beschwerden nur CT-Befund, keine regelmäßigen Kontrollen; kein Kriterium, andere Ursache des Hustens suchen.

Abbildung: Die CT beantwortet eine begründete klinische Frage und ist keine Routineuntersuchung für jeden Husten. Die Diagnose der Erkrankung braucht CT-Kriterium und Beschwerden. Quelle: eigene Darstellung.

Vier Bildfelder nebeneinander, mit A bis D beschriftet. A: Ausschnitt eines Röntgen-Thorax der rechten Lunge; ein weißer Pfeil zeigt auf zwei parallel laufende helle Linien. B: koronare CT derselben Person im Lungenfenster; der weiße Pfeil zeigt auf einen deutlich erweiterten, dickwandigen Bronchus. C: Röntgen-Ausschnitt mit einem ringförmigen Schatten, schwarzer Pfeil. D: axiale CT mit einem ringförmig erweiterten Bronchus, schwarzer Pfeil.

Abbildung: Bronchiektasen im Röntgenbild und in der hochauflösenden CT derselben Personen. A und B: „Straßenbahnschienen“ (Tram-track) – die verdickten Wände eines längs getroffenen, erweiterten Bronchus erscheinen als zwei parallele Linien (weiße Pfeile). C und D: Ringschatten – ein quer getroffener, erweiterter Bronchus (schwarze Pfeile). Solche Zeichen können im Röntgenbild sichtbar sein; fehlen sie, sind Bronchiektasen trotzdem nicht ausgeschlossen. Quelle: Sawada H, Kudoh R, Yokoyama A, Hagiwara A, Hiramatsu K, Kadota J, Komiya K. Chest X-Ray Features in 130 Patients with Bronchiectasis. Diseases 2024;12(12):323 (doi:10.3390/diseases12120323), Abb. 3, über PubMed Central; CC BY 4.0; Rand beschnitten, vergrößert, als WebP gespeichert.

Axiale Dünnschicht-CT des unteren Thorax im Lungenfenster. Im linken Unterlappen, im Bild rechts, liegen mehrere ringförmige, dickwandige Bronchien, die weiter sind als die danebenliegenden Gefäße; dazu tubuläre und knotige weiße Verdichtungen. Die rechte Lunge ist weitgehend unauffällig.

Abbildung: Zylindrische Bronchiektasen im linken Unterlappen (im Bild rechts) in der Dünnschicht-CT. Pfeilspitze: Der quer getroffene Bronchus ist weiter als die begleitende Pulmonalarterie („Siegelring-Zeichen“). Schwarzer Pfeil: tubulärer, weißer Pfeil: knotiger Schleimpfropf – so wird der Sekretstau sichtbar. Weitere CT-Zeichen sind eine fehlende Verjüngung der Bronchien nach außen und sichtbare Bronchien bis nahe an die Pleura. Quelle: Ledda RE, Balbi M, Milone F, Ciuni A, Silva M, Sverzellati N, Milanese G. Imaging in non-cystic fibrosis bronchiectasis and current limitations. BJR Open 2021;3(1):20210026 (doi:10.1259/bjro.20210026), Abb. 1, über PubMed Central; CC BY 4.0; Rand beschnitten, vergrößert, als WebP gespeichert.

Der radiologische Befund nennt den Bronchiektasentyp; die Bilder dieser Einheit zeigen alle drei Formen.

TypBild in der CTBeispiel in dieser Einheit
ZylindrischGleichmäßig weit, nicht verjüngt; quer getroffen „Siegelring“Linker Unterlappen, Abbildung oben
VarikösPerlschnurartig unregelmäßig erweitertNTM-Infektion im Mittellappen
ZystischBallonartig aufgetrieben, oft in GruppenKartagener-Syndrom, Unterlappen

Die Ursachenabklärung richtet sich unter anderem auf zurückliegende schwere Infektionen, Immundefekte, Aspiration, angeborene Reinigungsstörungen und zystische Fibrose bei passender Konstellation. Bei neu diagnostizierten Bronchiektasen gehört eine Basisabklärung mit Immunglobulinen IgG, IgA und IgM, Untersuchung auf allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) und Sputumdiagnostik auf nichttuberkulöse Mykobakterien dazu. ABPA ist eine fehlgeleitete Immunreaktion gegen Aspergillus; die Prüfung mit Gesamt-IgE, Aspergillus-spezifischen Befunden und Eosinophilen wird nicht nur auf Personen mit bekannter Asthmadiagnose begrenzt. Zusätzliche Untersuchungen auf zystische Fibrose oder primäre Ziliendyskinesie werden anhand von Alter, Krankheitsbeginn und weiteren klinischen Hinweisen ausgewählt. Diese Abklärung folgt dem bestätigten Bronchiektasenbild und wird nicht allein wegen jedes unspezifischen Hustens veranlasst.

Nach bestätigtem Bronchiektasenbild richtet sich die Abklärung auf behandelbare Ursachen.

FragestellungUntersuchungenEinordnung
ImmundefektIgG, IgA, IgMBasisabklärung bei neuer Diagnose.
ABPAGesamt-IgE, Aspergillus-spezifische Befunde, EosinophileNicht nur bei bekannter Asthmadiagnose prüfen.
Nichttuberkulöse MykobakterienSputumdiagnostikTeil der Basisabklärung.
Zystische Fibrose / primäre ZiliendyskinesieZusatzuntersuchungen nach KonstellationAuswahl nach Alter, Beginn und klinischen Hinweisen.

Zur Basisdiagnostik nach S2k-Leitlinie gehören außerdem Differenzialblutbild, Lungenfunktion und Sputum auf Bakterien, Mykobakterien und Schimmelpilze; ein IgG unter 5 g/l führt zur Abklärung in einem Immundefekt-Zentrum. ABPA wird nach den ISHAM-Kriterien 2024 bei Aspergillus-spezifischem IgE ≥ 0,35 kUA/l und Gesamt-IgE ≥ 500 IU/ml plus zwei von drei Zusatzbefunden (Aspergillus-IgG, Eosinophile ≥ 500/µl, passende CT) gestellt. Bei NTM-Verdacht werden in der Regel mindestens drei unabhängige Sputumproben oder eine BAL untersucht.

Ablauf von oben nach unten. Kopfzeile: Bronchiektasen bestätigt, Basisdiagnostik bei Erstdiagnose. Schritt 1, Basislabor: Differenzialblutbild, CRP, Kreatinin, IgG, IgA, IgM und Gesamt-IgE, dazu Lungenfunktion, Sauerstoffsättigung und FeNO; Hinweis: IgG unter 5 g/l führt zum Immundefekt-Zentrum. Schritt 2, Sputum: Bakterien mit Resistenz, gezielt auf Pseudomonas, Mykobakterien und Schimmelpilze, danach mindestens einmal jährlich. Drei Spalten: ABPA mit Aspergillus-IgE mindestens 0,35 kUA/l, Gesamt-IgE mindestens 500 IU/ml und 2 von 3 Zusatzbefunden: Aspergillus-IgG, Eosinophile mindestens 500 pro Mikroliter, CT; NTM bei Verdacht durch Gewichtsverlust, Hämoptysen oder raschen Verlauf, dann mindestens 3 Sputumproben oder BAL; CF oder PCD bei Beginn in der Kindheit, Sinusitis, Otitis, Infertilität oder Situsanomalie, Schweißtest und nasales NO im Zentrum. Ergebniszeile: Ursache gefunden, gezielt behandeln, zum Beispiel Immunglobulin-Ersatz oder ABPA-Therapie; keine Ursache, Basistherapie und jährlich neu bewerten.

Abbildung: Erst ein festes Basispaket für alle, dann gezielte Spezialtests. Jede gefundene Ursache verändert die Behandlung. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei CT-Bilder nebeneinander, mit A und B beschriftet. A: koronare CT im Lungenfenster; in der linken Lunge, im Bild rechts, verläuft ein erweiterter, röhrenförmiger zentraler Bronchus, markiert mit rotem Pfeil. B: axiale CT der Oberlappen; in beiden Lungen mehrere runde, dickwandige, erweiterte Bronchien nahe am Hilus, im rechten Oberlappen, im Bild links, ein gelber Pfeil.

Abbildung: Zentrale Bronchiektasen bei ABPA. A (koronar): tubulär erweiterter zentraler Bronchus im linken Oberlappen (roter Pfeil). B (axial): zystisch erweiterter Bronchus im rechten Oberlappen (gelber Pfeil) und weitere hilusnahe Bronchiektasen beidseits. Zentrale, oberlappenbetonte Bronchiektasen bei Asthma lenken den Verdacht auf ABPA; gesichert wird sie serologisch. Quelle: Sravanthi K, Jadhav D, Tambolkar S, Meshram SB, Patil MG, Mane S. A Case Report of Central Bronchiectasis in a Poorly Controlled Asthmatic Adolescent With Allergic Bronchopulmonary Aspergillosis and Secondary Spontaneous Pneumothorax. Cureus 2024;16(7):e64792 (doi:10.7759/cureus.64792), Abb. 2, über PubMed Central; CC BY 4.0; Rand beschnitten, vergrößert, als WebP gespeichert.

Axiale CT des Thorax im Lungenfenster. Neben dem Herzen ist der Mittellappen geschrumpft und von erweiterten, teils perlschnurartig unregelmäßigen Bronchien durchzogen. In beiden Lungen finden sich kleine, verzweigte Knötchen, markiert durch Pfeile.

Abbildung: CT bei Infektion durch nichttuberkulöse Mykobakterien. Pfeilspitze: unregelmäßig (varikös) erweiterte Bronchien mit Volumenminderung im Mittellappen. Pfeile: kleine zentrilobuläre Knötchen mit „Tree-in-bud“-Muster als Zeichen befallener kleiner Atemwege. Das Muster lenkt den Verdacht; gesichert wird die Infektion erst durch wiederholte Sputumdiagnostik. Quelle: Ledda RE, Balbi M, Milone F, Ciuni A, Silva M, Sverzellati N, Milanese G. Imaging in non-cystic fibrosis bronchiectasis and current limitations. BJR Open 2021;3(1):20210026 (doi:10.1259/bjro.20210026), Abb. 2, über PubMed Central; CC BY 4.0; Rand beschnitten, vergrößert, als WebP gespeichert.

Axiale CT des unteren Thorax im Lungenfenster. Das Herz liegt auf der rechten Körperseite, im Bild links, mit Stern markiert. In beiden Unterlappen finden sich zahlreiche erweiterte, zystisch aufgetriebene Bronchien; der linke Unterlappen, im Bild rechts, ist durch Pfeile markiert und deutlich geschrumpft.

Abbildung: Kartagener-Syndrom als Form der primären Ziliendyskinesie. Stern: Dextrokardie, das Herz liegt rechts. Ausgeprägte, teils zystische Bronchiektasen in Mittellappen und beiden Unterlappen; Pfeile: Volumenminderung im linken Unterlappen. Bei dieser angeborenen Reinigungsstörung beginnen die Beschwerden oft schon in der Kindheit; betroffen sind typischerweise Mittellappen und Unterlappen. Quelle: Ledda RE, Balbi M, Milone F, Ciuni A, Silva M, Sverzellati N, Milanese G. Imaging in non-cystic fibrosis bronchiectasis and current limitations. BJR Open 2021;3(1):20210026 (doi:10.1259/bjro.20210026), Abb. 6, über PubMed Central; CC BY 4.0; Rand beschnitten, vergrößert, als WebP gespeichert.

BehandlungsbausteinZweck
Individuell angeleitete SekretmobilisationAbtransport von Sekret verbessern
Sputumdiagnostik und passende AntibiotikaExazerbationen gezielt behandeln
Bewegung und pulmonale RehabilitationBelastbarkeit und Alltag stärken
Behandlung einer gefundenen UrsacheWeiteren Schaden möglichst begrenzen

Eine respiratorisch erfahrene Physiotherapie zeigt passende Atem- und Sekrettechniken. Bei einer Exazerbation wird möglichst vor Antibiotikabeginn Sputum gewonnen; frühere Kulturen, aktuelle Schwere und Resistenzlage beeinflussen die Wahl. Bei schwerer Erkrankung oder Pseudomonas-Infektion sind häufig etwa 14 Behandlungstage vorgesehen, während bei geeigneten leichteren Verläufen eine kürzere Dauer individuell möglich ist. Dieses Prinzip wird nicht auf jede COPD-Exazerbation übertragen.

Eine Exazerbation liegt nach der Konsensusdefinition vor, wenn sich mindestens 3 von 6 Kardinalsymptomen über mindestens 48 Stunden verschlechtern und eine Therapieänderung nötig ist; Fieber ≥ 38 °C, SpO₂ < 92 % oder eine Atemfrequenz ≥ 30/min stützen die Diagnose. Die deutsche S2k-Leitlinie nennt bei Pseudomonas oder bekannter chronischer Infektion mindestens 14 Tage; bei häufigen Exazerbationen kann ein Stand-by-Antibiotikum mit Selbstmanagementplan verordnet werden.

Ablauf von oben nach unten. Kopfzeile: Exazerbation, wenn sich mindestens 3 von 6 Kardinalsymptomen über mindestens 48 Stunden verschlechtern. Zwei Spalten mit den Symptomen: Husten neu oder mehr, Menge oder Konsistenz des Auswurfs erhöht, Eiter neu oder mehr; Atemnot oder verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit oder Malaise, Hämoptysen. Schritt 1, Schwere beurteilen: stützend Fieber ab 38 Grad, Sauerstoffsättigung unter 92 Prozent, Atemfrequenz ab 30 pro Minute; andere Ursache wie Pneumonie oder Lungenembolie bedenken. Zwei Spalten: ambulant bei stabilem, gut versorgtem Zustand und möglicher Tabletteneinnahme mit oralem Antibiotikum; stationär bei Atemnot in Ruhe, Zyanose, Verwirrtheit oder instabilem Kreislauf mit intravenösem Antibiotikum. Schritt 2, Sputum vor dem Antibiotikum, ohne den Beginn zu verzögern, frühere Kulturen und Resistenzen lesen. Ergebniszeile, Schritt 3: bei Pseudomonas oder chronischer Infektion pseudomonaswirksam mindestens 14 Tage; bei anderen Erregern nach Kultur und Schwere, bei leichtem Verlauf kürzer möglich. Unten: bei häufigen Exazerbationen Stand-by-Antibiotikum mit Selbstmanagementplan; nicht auf COPD übertragen.

Abbildung: Erst Exazerbation sichern und Schwere einordnen, dann Sputum gewinnen und nach Erregerlage behandeln. Die Dauer ist nicht pauschal auf COPD übertragbar. Quelle: eigene Darstellung.

Langzeitmakrolide oder inhalative Antibiotika sind spezialisierte Optionen bei ausgewähltem hohem Exazerbationsrisiko. Vor einer langfristigen Makrolidtherapie muss eine relevante Infektion durch nichttuberkulöse Mykobakterien ausgeschlossen werden; außerdem werden QT-Risiko und mögliche Wechselwirkungen geprüft; eine unkritische Monotherapie kann Resistenzen fördern. Bronchiektasen allein sind kein Grund für routinemäßige ICS. Eine gleichzeitig bestehende Asthmaindikation bleibt davon unberührt. Chirurgische Eingriffe kommen nur bei ausgewählten lokalisierten, anderweitig nicht kontrollierbaren Problemen in spezialisierten Zentren infrage.

Als hohes Exazerbationsrisiko gelten nach S2k-Leitlinie ≥ 2 mit Antibiotika behandelte Exazerbationen oder ≥ 1 Krankenhausbehandlung in den letzten 12 Monaten; dann wird eine Langzeittherapie über ≥ 6 Monate empfohlen – bei chronischer Pseudomonas-Infektion (zwei Nachweise im Abstand von ≥ 3 Monaten innerhalb eines Jahres) inhalativ und/oder mit Azithromycin, sonst vorrangig mit Azithromycin (in Studien z. B. 250 mg täglich oder 3 × 500 mg pro Woche). Vor Azithromycin werden EKG mit QTc, eine orientierende Hörprüfung und die Begleitmedikation geprüft. Bei zähem Sekret wird ein Inhalationsversuch mit isotoner oder hypertoner Kochsalzlösung empfohlen, rekombinante DNase dagegen nicht.

Spezialisierte Langzeitoptionen und ICS haben unterschiedliche Voraussetzungen.

OptionVoraussetzung oder Grenze
LangzeitmakrolideAusgewähltes hohes Exazerbationsrisiko; relevante NTM-Infektion vorher ausschließen, QT-Risiko und Wechselwirkungen prüfen.
Inhalative AntibiotikaSpezialisierte Option bei ausgewähltem hohem Exazerbationsrisiko.
ICSBronchiektasen allein begründen keine Routinegabe; eine gleichzeitige Asthmaindikation bleibt bestehen.
ChirurgieNur ausgewählte lokalisierte, anderweitig nicht kontrollierbare Probleme in spezialisierten Zentren.

Ablauf von oben nach unten. Kopfzeile: Langzeitbehandlung, Basis für alle, Zusätze nach Risiko. Schritt 1, Basis für alle: geschulte Atemphysiotherapie mit individueller Dauer, Training, Lungensport und Rehabilitation, Impfungen und Rauchstopp. Schritt 2, bei zähem Sekret: Inhalation mit isotoner oder hypertoner Kochsalzlösung über Mundstück, Wirkung im Verlauf prüfen; keine DNase. Schritt 3, Risiko der letzten 12 Monate: mindestens 2 Exazerbationen mit Antibiotikum oder mindestens 1 Krankenhausbehandlung. Zwei Spalten, jeweils mindestens 6 Monate: chronische Pseudomonas-Infektion mit mindestens 2 Nachweisen in einem Jahr im Abstand von mindestens 3 Monaten, inhalatives Antibiotikum mit oder ohne Azithromycin; ohne Pseudomonas Azithromycin, zum Beispiel 250 mg täglich oder 3-mal 500 mg pro Woche. Schritt 4, vor Azithromycin prüfen: nichttuberkulöse Mykobakterien im Sputum ausschließen wegen Resistenzgefahr, EKG mit QTc, Hörprüfung, Begleitmedikation. Ergebniszeile: Nutzen regelmäßig prüfen und bei fehlendem Nutzen beenden; kein ICS außer bei Asthma oder COPD; Chirurgie nur bei lokalisierter Erkrankung und ausgeschöpften Optionen.

Abbildung: Die Basis gilt für alle; Langzeit-Antibiotika nur nach Risiko und erst nach Sicherheitsprüfung. Fehlt der Nutzen, wird beendet. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Die Tabelle fasst die Ausgangslage der Patientin zusammen.

AngabeFallbefund
Alter54 Jahre
HustenSeit Jahren täglich produktiv.
Infekte3 behandelte Infekte im letzten Jahr.
CTBronchiektasen bestätigt.

Eine 54-Jährige berichtet seit Jahren über täglichen produktiven Husten und drei behandelte Infekte im letzten Jahr. Die CT bestätigt Bronchiektasen. Der Plan besteht aus einer gezielten Ursachen- und Erregerabklärung, praktischer Sekretmobilisation, körperlicher Aktivität und einem Exazerbationsplan. „Noch ein Spray“ allein behandelt weder Sekretstau noch eine bisher unbekannte Ursache ausreichend.

Freie Antwort

Den Kreislauf unterbrechen

Aufgabe

Ordne Sekretmobilisation und kulturgesteuerte Antibiotikatherapie je einem Angriffspunkt im Diagramm zu. Weshalb ergänzen sie sich?

In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Eine Exazerbation planen

Aufgabe

Ein Patient mit Bronchiektasen entwickelt mehr eitrigen Auswurf, Fieber und zunehmende Atemnot. In früheren Kulturen wurde Pseudomonas nachgewiesen. Begründe die ersten drei Entscheidungen.

Die Tabelle ordnet die aktuellen Angaben und den mikrobiologischen Vorbefund.

AngabeBeobachtung
VorerkrankungBronchiektasen.
AuswurfMehr eitriger Auswurf.
BegleitbefundeFieber und zunehmende Atemnot.
Frühere KulturenPseudomonas nachgewiesen.

Blutagarplatte mit fraktioniertem Ausstrich: zahlreiche große, flache, unregelmäßige, grau-metallisch glänzende Kolonien auf rotem Nährboden; Beschriftung unkenntlich gemacht.

Abbildung: Kultur von Pseudomonas aeruginosa auf Blutagar (Beispielkultur aus einem anderen Probenmaterial). Quelle: Ajay Kumar Chaurasiya, CC BY 4.0

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Husten und Alternativen

Lernziel: Du kannst chronischen Husten strukturiert abklären und Alarmzeichen erkennen.

Zuerst Dringlichkeit, dann Etikett

Husten schützt die Atemwege. Bleibt er bei Erwachsenen länger als acht Wochen bestehen, wird er als chronisch eingeordnet. Husten unter drei Wochen gilt als akut, von drei bis acht Wochen als subakut. Die Dauer ist ein Startpunkt für die Abklärung und keine Diagnose. Frage nach trockenem oder produktivem Husten, Tageszeit, Infektbeginn, Belastung, Rauchen, Arbeitsplatz, Medikamenten und Begleitsymptomen. Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen. Nach einem Rauchstopp kann der Husten im ersten Monat vorübergehend zunehmen.

AlarmkonstellationNächste Richtung
Schwere akute Atemnot, Stridor, KreislaufstörungSofortige Notfallbeurteilung
Blutbeimengung, Gewichtsverlust, anhaltendes FieberDringliche gezielte Abklärung
Plötzlicher Beginn nach VerschluckenFremdkörper erwägen
Neue Beschwerden bei relevanter Tumor-/TB-KonstellationSpezifische Diagnostik organisieren

Husten wird zuerst nach Dauer eingeordnet: akut unter 3 Wochen, subakut 3 bis 8 Wochen, chronisch über 8 Wochen. Schritt 1 prüft bei jeder Dauer Alarmzeichen wie schwere Atemnot, Stridor, Blut im Auswurf, Gewichtsverlust, Fieber, Fremdkörperverdacht oder neuen Husten bei Rauchanamnese. Bei Ja sofortige oder dringliche Abklärung; bei Nein gezielte Anamnese, dann Basis aus Untersuchung, Spirometrie und Röntgen-Thorax. Danach werden häufige Ursachen geprüft: Medikamente mit ACE-Hemmer-Husten bei etwa 15 Prozent, obere Atemwege, Asthma oder eosinophile Bronchitis und Reflux. Unten drei Ergebnisse: plausibel, teilweise, unverändert.

Abbildung: Der erste Ast trennt Gefährdung von planbarer Abklärung. Die Alarmfrage gilt bei jeder Hustendauer; die gezeigten Ursachen sind häufige Beispiele, keine vollständige Liste. Quelle: eigene Darstellung.

Sieben Fragen der gezielten Anamnese mit der jeweiligen Spur: neu begonnene Medikamente weisen auf ACE-Hemmer hin, die bei etwa 15 Prozent Husten auslösen; Besserung an freien Tagen auf eine arbeitsbezogene Ursache; Rauchen auf COPD oder Tumor, wobei nach einem Rauchstopp der Husten im ersten Monat oft vorübergehend zunimmt; Räuspern und verstopfte Nase auf obere Atemwege; nächtlicher oder belastungsabhängiger Husten auf Asthma; Sodbrennen auf Reflux; Blut, Gewichtsverlust, Fieber oder Atemnot sind Alarmzeichen. Unten der Hinweis, dass mehrere Spuren gleichzeitig stimmen können.

Abbildung: Jede Anamnesefrage führt zu einer prüfbaren Spur. Rote Spuren verlangen eine dringliche Abklärung, die übrigen werden gezielt nachverfolgt. Quelle: eigene Darstellung.

Häufige Ursachen begründet prüfen

ACE-Hemmer können einen trockenen Reizhusten verursachen. Das betrifft etwa 15 % der Behandelten. Ein zeitlicher Zusammenhang hilft, aber der Husten muss nicht unmittelbar nach Therapiebeginn auftreten. Nach dem Absetzen bessert er sich meist innerhalb von ein bis vier Wochen, selten erst nach bis zu drei Monaten. Eine Umstellung wird gemeinsam mit der behandelnden Person geplant; eine notwendige Blutdruck- oder Herztherapie wird nicht ersatzlos beendet. Sartane (AT1-Rezeptorblocker) verstärken den Hustenreflex nicht und sind deshalb eine übliche Alternative.

Eine Rhinitis oder Rhinosinusitis kann über obere Atemwege zu Beschwerden beitragen. Asthma kann sich vorwiegend durch Husten zeigen; eine eosinophile Bronchitis kann Husten und Entzündung ohne die typische variable Obstruktion eines Asthmas verursachen. Hinweisend sind mehr als 3 % Eosinophile im induzierten Sputum; ein Therapieversuch mit inhalativem Kortikosteroid über zwei bis vier Wochen ist möglich. Reflux wird bei passender Anamnese und Befunden berücksichtigt. Allen Personen mit Husten ohne weitere Hinweise einen Protonenpumpenhemmer zu geben, ist keine geeignete Standardstrategie.

Die Tabelle ordnet weitere häufige Ursachen des Hustens nach ihrem typischen Zusammenhang ein.

Mögliche UrsacheEinordnung beim Husten
Rhinitis/RhinosinusitisBeschwerden über die oberen Atemwege
AsthmaKann sich vorwiegend durch Husten zeigen
Eosinophile BronchitisHusten und Entzündung ohne typische variable Asthmaobstruktion
RefluxBei passender Anamnese und passenden Befunden berücksichtigen

Fünf häufige Ursachen werden parallel geprüft, jeweils mit Hinweis, Prüfung und begrenztem Versuch: ACE-Hemmer mit etwa 15 Prozent, Besserung meist in 1 bis 4 Wochen, selten bis 3 Monate, Umstellung zum Beispiel auf ein Sartan; obere Atemwege mit Untersuchung von Nase und Rachen; Asthma mit Spirometrie, FEV1-Anstieg mindestens 12 Prozent und 200 ml, FeNO ab 50 ppb und ICS-Versuch; eosinophile Bronchitis mit Sputum-Eosinophilen über 3 Prozent und ICS-Versuch über 2 bis 4 Wochen; Reflux mit PPI nur bei Hinweisen auf sauren Reflux. Danach Kontrolle nach etwa 4 bis 6 Wochen mit drei Ausgängen: besser, teilweise, unverändert.

Abbildung: Die Ursachen werden nebeneinander und nicht nacheinander geprüft, denn oft tragen mehrere bei. Jeder Behandlungsversuch ist zeitlich begrenzt und endet mit einer vereinbarten Kontrolle. Quelle: eigene Darstellung.

MusterWichtige Alternative zu „nur Asthma/COPD“
Inspiratorisches Geräusch, Enge im HalsInduzierbare laryngeale Obstruktion; akut auch Atemwegsnotfall
Orthopnoe, Ödeme, kardiale VorgeschichteHerzinsuffizienz
Plötzlicher Schmerz, Hypoxämie, ThromboserisikoLungenembolie oder anderer Thoraxnotfall
Viel Sekret, wiederholte InfekteBronchiektasen oder andere strukturelle Ursache
Husten nach Beginn eines ACE-HemmersMedikamentenbedingter Husten

Orthopnoe bedeutet Luftnot im Liegen mit Erleichterung im Sitzen. Bei Herzinsuffizienz kann erhöhter Druck im Lungenkreislauf zu Flüssigkeit in der Lunge und dadurch auch zu Husten oder Giemen führen. Deshalb ist „es pfeift“ keine sichere Abgrenzung zum kardialen Problem. Ein NT-proBNP unter 125 pg/ml macht eine chronische Herzinsuffizienz unwahrscheinlich; bei Verdacht folgt eine Echokardiografie. Die induzierbare laryngeale Obstruktion betrifft vorübergehend den Kehlkopf; die diagnostische Bestätigung erfolgt gezielt, häufig durch Laryngoskopie während der Beschwerden. Eine akute obere Atemwegsverlegung wird zuerst gesichert. Behandelt wird die induzierbare laryngeale Obstruktion vor allem mit Aufklärung und angeleiteter Atem- und Sprachtherapie.

Zuerst werden Atemweg, Kreislauf und Sauerstoff gesichert. Dann drei Spalten im Vergleich. Induzierbare laryngeale Obstruktion: Geräusch beim Einatmen, Stridor, Enge im Hals, abrupter Beginn etwa bei Belastung; Laryngoskopie während der Beschwerden; Aufklärung sowie Atem- und Sprachtherapie. Asthma: Giemen beim Ausatmen, variabel und nachts; Spirometrie mit Bronchodilatation, Anstieg mindestens 12 Prozent und 200 ml; ICS-haltige Therapie und Inhalationstechnik. Herzinsuffizienz: Orthopnoe, Ödeme, Rasseln, auch Giemen möglich; NT-proBNP unter 125 pg/ml macht sie unwahrscheinlich, Echokardiografie; Diuretikum bei Stauung und Ursache behandeln. Passt nichts davon, an Lungenembolie mit Notfalldiagnostik oder Bronchiektasen mit CT denken.

Abbildung: Ein pfeifendes Atemgeräusch beweist kein Asthma. Ort und Atemphase des Geräuschs, Verlauf und eine gezielte Prüfung grenzen Kehlkopf, Bronchien und Herz voneinander ab. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Aufnahmen aus einer starren Laryngoskopie. Oben sind die Stimmlippen weit auseinandergewichen und die Stimmritze ist offen. Unten liegen die weißlichen Stimmlippen in der Mitte eng aneinander.

Abbildung: Starre Laryngoskopie bei einer stimmgesunden Frau, Blick von oben in den Kehlkopf. Oben beim Atmen: Die Stimmlippen weichen auseinander, die Stimmritze ist weit offen. Unten bei der Stimmgebung: Die Stimmlippen liegen in der Mitte eng aneinander. Bei induzierbarer laryngealer Obstruktion nähern sich Stimmlippen oder Strukturen oberhalb der Stimmlippen gerade während der Einatmung an; deshalb wird möglichst während der Beschwerden untersucht. Quelle: James P. Thomas, MD, Wikimedia Commons, CC BY 3.0; zwei Einzelbilder aus einem Video, zugeschnitten, Einblendung entfernt, oberes Bild aufgehellt.

Bei chronischem Husten gehören nach Anamnese und Untersuchung eine geeignete Spirometrie und in der Regel eine aktuelle Thoraxaufnahme zur Basisabklärung. Bei normaler Untersuchung und unauffälligem Röntgenbild erfolgt nicht automatisch eine CT. Persistenz trotz strukturierter Abklärung, Alarmzeichen oder ein begründeter spezifischer Verdacht können zusätzliche Diagnostik rechtfertigen. Die Fragestellung, Voraufnahmen und Strahlenbelastung werden vor einer neuen Untersuchung geprüft. Zudem kann eine CT Zufallsbefunde erzeugen, die weitere Abklärungen nach sich ziehen, ohne den Husten zu erklären. In Studien zeigte die CT bei unauffälligem Röntgenbild in 6,5 bis 58 % Befunde, die den Husten meist nicht erklärten. Eine zeitlich begrenzte Behandlung einer plausiblen Ursache braucht ein vereinbartes Ziel und einen Kontrollzeitpunkt; ausbleibende Wirkung führt zur Neubewertung. Üblich ist eine Wiedervorstellung etwa vier bis sechs Wochen nach der Erstbeurteilung.

Basisabklärung bei chronischem Husten ohne Alarmzeichen in drei Schritten: Anamnese und Untersuchung, Spirometrie mit Bronchodilatation mit den Grenzen FEV1-Anstieg mindestens 12 Prozent und 200 ml sowie FeNO ab 50 ppb, dann aktuelle Thoraxaufnahme. Bei unauffälliger Basis keine Routine-CT, weil die CT in 6,5 bis 58 Prozent Befunde zeigt, die den Husten meist nicht erklären, und danach ein begrenzter Behandlungsversuch mit Kontrolle nach 4 bis 6 Wochen. Bei auffälligem Befund, Alarmzeichen oder Persistenz gezielte Erweiterung mit CT, Bronchoskopie, HNO und Laryngoskopie oder Echo und NT-proBNP. Unten drei Ergebnisse: gebessert, teilweise, unverändert.

Abbildung: Lies die beiden Befundwege getrennt: Ein unauffälliger Basisbefund führt zum begrenzten Behandlungsversuch, ein auffälliger Befund oder ein begründeter Verdacht zur gezielten Erweiterung. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxaufnahme von vorn bei einer jungen Erwachsenen: beide Lungenfelder gleichmäßig dunkel und mit feiner Gefäßzeichnung, Herzschatten schlank, Zwerchfellkuppen glatt, seitliche Zwerchfell-Rippen-Winkel spitz.

Abbildung: Unauffällige Thoraxaufnahme im p.a.-Strahlengang. Beide Lungenfelder sind seitengleich belüftet, der Herzschatten ist nicht verbreitert, die Zwerchfellkuppen sind glatt begrenzt und die Zwerchfell-Rippen-Winkel frei. Die rechte Körperseite liegt im Bild links. Ein solcher Befund gehört zur Basisabklärung; er schließt nicht jede Veränderung aus, führt bei unauffälliger Untersuchung aber nicht automatisch zur CT. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 (gemeinfrei); zugeschnitten, Seitenmarkierungen entfernt.

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein 58-Jähriger hat seit zehn Wochen trockenen Husten. Keine Dyspnoe, kein Fieber, keine Hämoptyse; er nimmt seit einigen Monaten einen ACE-Hemmer. Untersuchung, Thoraxbild und Spirometrie sind unauffällig. Eine medikamentöse Ursache ist plausibel. Eine abgestimmte Umstellung mit Verlaufskontrolle ist sinnvoller als die sofortige Diagnose COPD oder eine ungezielte CT. Bleibt der Husten bestehen, wird weiter abgeklärt. Verschwindet er, wird kein ACE-Hemmer mehr verordnet.

Fallbeispiel eines 58-Jährigen mit trockenem Husten seit 10 Wochen: keine Alarmzeichen, unauffällige Untersuchung, Thoraxbild und Spirometrie. Die Medikamentenanamnese zeigt einen ACE-Hemmer seit einigen Monaten; ACE-Hemmer-Husten betrifft etwa 15 Prozent und kann verzögert beginnen. Es folgt eine abgestimmte Umstellung ohne ersatzloses Beenden der Herz- oder Blutdrucktherapie, zum Beispiel auf ein Sartan. Eine Zeitleiste zeigt den Verlauf: Woche 0 Umstellung, nach 1 bis 4 Wochen meist besser, selten erst bis 3 Monate. Verschwindet der Husten, ist die Ursache bestätigt und kein ACE-Hemmer wird mehr gegeben; bleibt er, werden Asthma, obere Atemwege und Reflux weiter abgeklärt.

Abbildung: Verfolge die begründete Medikamentenumstellung bis zur Verlaufskontrolle; notwendige Blutdruck- oder Herztherapie wird nicht ersatzlos beendet. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Gezielt nachfragen

Aufgabe

Eine Patientin hustet seit drei Monaten. Ergänze je eine Frage zu Medikamenten und zum Arbeitsplatz und erkläre, welche Entscheidung davon abhängt.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
BeschwerdeHusten
DauerSeit 3 Monaten
Zu ergänzende AnamneseMedikamente und Arbeitsplatz
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Die Routine verlassen

Aufgabe

Eine 67-jährige Person mit langjähriger Rauchanamnese berichtet über neuen Husten, unbeabsichtigten Gewichtsverlust und wiederholte Blutbeimengungen. Welche Reaktion passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Alter67 Jahre
VorgeschichteLangjährige Rauchanamnese
HustenNeu aufgetreten
GewichtUnbeabsichtigter Gewichtsverlust
AuswurfWiederholte Blutbeimengungen

Papiertaschentuch mit gelblich-zähem Auswurf, in dem hellrote und dunkelrote Blutfäden und kleine Blutflecken liegen.

Abbildung: Auswurf mit Blutbeimengungen auf einem Papiertaschentuch. Quelle: Jmarchn, CC0 1.0

  1. a)Ohne weitere Abklärung sechs Monate als Raucherhusten beobachten.
  2. b)Dringlich Ursache und Blutungsrisiko abklären, einschließlich Tumor- und Infektionsdiagnostik nach Befund.
  3. c)Eine normale frühere Spirometrie als Ausschluss jeder gefährlichen Lungenerkrankung werten.
Lösung in der App →

Vorbeugen und selbst handeln

Lernziel: Du kannst Rauchstopp, Impfungen, Rehabilitation und einen Aktionsplan erklären.

Gemeinsam einen erreichbaren Schritt wählen

Rauchstopp gehört zu den wirksamsten Maßnahmen gegen weitere tabakbedingte Schäden. Frage wertfrei nach Tabak und anderen inhalativen Produkten, Abhängigkeit, bisherigen Versuchen und Veränderungsbereitschaft. Eine klare Empfehlung wird mit einem konkreten Unterstützungsangebot verbunden. Rückfälle sind Anlass zur Anpassung der Hilfe, nicht zur moralischen Bewertung. Die Stärke der Abhängigkeit schätzt der Fagerström-Test ein: 0–10 Punkte, ab 6 Punkten liegt eine mittlere bis starke Abhängigkeit vor.

Beratung und verhaltensbezogene Unterstützung können mit einer individuell ausgewählten medikamentösen Entwöhnung kombiniert werden. Nikotinersatz kann Entzugssymptome vermindern; weitere verschreibungspflichtige Optionen werden unter Beachtung von Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Organfunktion besprochen. Ein erreichbarer Rauchstopptermin, Unterstützung im Alltag und frühe Rückmeldung sind hilfreicher als „Sie müssen einfach aufhören“. Exposition am Arbeitsplatz und Passivrauch werden ebenfalls angesprochen. Ein Folgekontakt in der ersten Woche nach dem Rauchstopptag und ein weiterer im ersten Monat machen die frühe Rückmeldung konkret.

Rauchstopp in fünf Schritten: 1 Konsum erfragen, auch E-Zigarette, Shisha und Tabakerhitzer, bisherige Versuche und Passivrauch; 2 Abhängigkeit mit dem Fagerström-Test von 0 bis 10 Punkten einschätzen, erste Zigarette innerhalb von 5 Minuten nach dem Aufwachen zählt 3 Punkte, 0 bis 2 gering, 3 bis 5 mittel, 6 bis 7 mittel bis stark, 8 bis 10 stark; 3 klar empfehlen und Bereitschaft klären; 4 nebeneinander Beratung und Medikament mit Nikotinersatz, Vareniclin über 12 Wochen, Bupropion oder Cytisin; 5 Stopptag mit Folgekontakt in der ersten Woche und im ersten Monat. Ergebniszeile: rauchfrei, Rückfall, nicht bereit.

Abbildung: Verbinde die Einschätzung der Abhängigkeit mit Beratung und passendem Medikament; der Folgekontakt in der ersten Woche nach dem Stopptag ist fester Teil des Plans. Ein Rückfall führt zur Anpassung der Hilfe. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle ordnet die medikamentösen Optionen ein; Dosis und Gegenanzeigen richten sich nach der Fachinformation.

OptionAnwendungEinordnung
NikotinersatzPflaster plus kurz wirksame Form (Kaugummi, Lutschtablette, Spray); 8–12 Wochen, dabei schrittweise reduzierenErste Wahl; Kombination, wenn eine Form allein nicht reicht
VareniclinBeginn 1–2 Wochen vor dem Stopptag; in 1 Woche auf 2 × 1 mg täglich steigern; 12 WochenErste Wahl; häufig Übelkeit
BupropionBeginn vor dem Stopptag; 7–9 WochenOption; nicht bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte
CytisinFestes Einnahmeschema laut FachinformationWenn andere Optionen erfolglos waren

Ein rechteckiges, hautfarbenes Pflaster klebt auf der Außenseite eines Oberarms; darüber ist der hochgeschobene Ärmel eines grauen Shirts zu sehen.

Abbildung: Nikotinpflaster am Oberarm. Es gibt Nikotin gleichmäßig über die Haut ab und kann so Entzugssymptome vermindern. Geklebt wird auf saubere, intakte Haut; die Klebestelle wird täglich gewechselt. Quelle: RegBarc, Wikimedia Commons, CC BY 2.5; zugeschnitten, Aufdruck auf dem Pflaster unkenntlich gemacht.

BausteinKonkrete Umsetzung
RauchstoppAngebot zur Beratung und Behandlung vereinbaren
RehabilitationAusdauer, Kraft, Atemtechnik und Alltagsziele trainieren
ErnährungUngewollten Gewichtsverlust oder belastendes Übergewicht angehen
Psychische BelastungAngst/Depression erkennen und Hilfe anbieten

Pulmonale Rehabilitation ist mehr als Atemgymnastik. Training, Schulung, Selbstmanagement und psychosoziale Unterstützung werden an Belastbarkeit und Ziele angepasst. Nach einer schweren Exazerbation werden frühe Weiterbetreuung und Rehabilitation aktiv geplant. Atemerleichternde Positionen und Lippenbremse werden praktisch geübt; die Beobachtung einer guten Technik ist von einer bloßen verbalen Zustimmung zu unterscheiden. Ein Programm dauert meist 6–8 Wochen mit mindestens zwei überwachten Trainingseinheiten pro Woche; nach einer Krankenhausbehandlung wegen Exazerbation beginnt es noch in der Klinik oder innerhalb von 4 Wochen nach der Entlassung. Ausgangs- und Abschlusstests wie der 6-Minuten-Gehtest machen den Erfolg sichtbar.

Eine Person sitzt an einem Bewegungstrainer und bewegt Kurbeln mit Armen und Beinen. Daneben stehen ein Patientenmonitor mit Messkurve, ein Blutdruckmessgerät und weitere Überwachungsgeräte.

Abbildung: Überwachtes Ausdauertraining in der pulmonalen Rehabilitation an einem Bewegungstrainer für Arme und Beine. Herzfrequenz und Blutdruck werden während des Trainings kontrolliert; so lässt sich die Belastung an die individuelle Belastbarkeit anpassen und schrittweise steigern. Quelle: Wang M, Xu W, Wang C, Ye L, Wang Y. Front Med 2026;13:1828072, Abb. 2, CC BY 4.0; zugeschnitten (Kopfbereich entfernt).

Pulmonale Rehabilitation in fünf Schritten: 1 wer profitiert, COPD mit viel Atemnot oder Exazerbationen, nach Klinikaufenthalt, Asthma unzureichend kontrolliert oder nach Exazerbation; 2 nach schwerer Exazerbation Beginn in der Klinik oder innerhalb von 4 Wochen nach Entlassung; 3 Ausgangswerte mit 6-Minuten-Gehtest, Beinkraft, Atemnot, Lebensqualität und Alltagszielen; 4 drei Bausteine nebeneinander: Training von Ausdauer und Kraft mindestens zweimal pro Woche überwacht über 6 bis 8 Wochen, Schulung mit Inhalation, Aktionsplan, Lippenbremse, Kutschersitz und Torwartstellung, Begleitung bei Angst, Depression, Ernährung und Rauchstopp; 5 Erfolg messen und mit Lungensport halten. Ergebniszeile: belastbarer, weniger Atemnot, seltener Klinik.

Abbildung: Rehabilitation verbindet Training, Schulung und Begleitung; nach einer schweren Exazerbation wird der Beginn schon vor der Entlassung geplant. Quelle: eigene Darstellung.

Impfungen gezielt prüfen

Der Impfpass wird anhand des Alters, der Erkrankungsschwere, früherer Dosen und der aktuellen STIKO-Empfehlung geprüft. Impfungen vermindern bestimmte Infektionsrisiken, ersetzen aber weder Rauchstopp noch eine geeignete Atemwegstherapie. Die folgende Orientierung für Erwachsene ist auf 18.10.2026 datiert.

ImpfungFür den Atemwegspatienten relevante Orientierung
InfluenzaJährlich bei chronischer Atemwegserkrankung; altersgerechten Impfstoff wählen
PneumokokkenPCV20 bei erwachsenen Risikopersonen; bisherige Impfungen bestimmen den Abstand
COVID-19Saisonale Impfung nach aktueller Risikoindikation; COPD gehört zu den relevanten Erkrankungen
RSVEinmalig ab 75; mit 60–74 bei entsprechender schwerer Grunderkrankung oder Pflegeheimbewohnung
PertussisEinmal Tdap statt der nächsten fälligen Td-Impfung; Zusatzindikationen prüfen

Für COVID-19 hat die STIKO-Aktualisierung vom Juli 2026 die allgemeine Standardempfehlung auf Personen ab 75 Jahren ausgerichtet. Risikoindikationen bestehen weiterhin auch unterhalb dieser Altersgrenze. Daher darf ein jüngerer COPD-Patient nicht allein wegen seines Alters aus der Impfberatung herausfallen. Bei RSV ist umgekehrt ein mildes, gut kontrolliertes Asthma bei einer 62-jährigen Person nicht automatisch gleichbedeutend mit einer schweren Risikoerkrankung. Der individuelle Impfplan berücksichtigt Dokumentation, Zeitpunkt, Kontraindikationen und gegebenenfalls besondere Immunsuppression.

Ab 60 Jahren wird gegen Influenza ein Hochdosis- oder MF59-adjuvantierter Impfstoff verwendet. Nach einer früheren PPSV23-Impfung folgt PCV20 frühestens nach 6 Jahren; zwischen SARS-CoV-2-Infektion oder letzter COVID-19-Impfung und der nächsten Dosis liegen möglichst mindestens 6 Monate. Fehlende Impfdokumente sind kein Grund, fällige Impfungen zu verschieben.

Impfpass bei Asthma und COPD: 1 prüfen von Alter, Schwere, Pflegeheim, früheren Dosen, Immunsuppression und Gegenanzeigen; 2 jedes Jahr im Herbst nebeneinander Influenza bei jeder chronischen Atemwegserkrankung, ab 60 Hochdosis oder MF59-adjuvantiert, einmal pro Saison, und COVID-19 ab 75 für alle, jünger bei COPD oder anderer chronischer Atemwegserkrankung, mindestens 6 Monate Abstand; 3 einmalig nebeneinander Pneumokokken mit PCV20 ab 60 oder bei chronischer Atemwegserkrankung, nach PPSV23 mindestens 6 Jahre Abstand, und RSV ab 75 für alle, mit 60 bis 74 bei schwerer Atemwegserkrankung oder im Pflegeheim, vor der RSV-Saison, mildes Asthma nein; 4 Pertussis: nächste fällige Td-Auffrischung einmal als Tdap. Ergebniszeile: fällig, Dokument fehlt, nicht fällig.

Abbildung: Trenne die jährlichen Impfungen von den einmaligen und prüfe bei COVID-19 und RSV jeweils Alter und Schwere der Grunderkrankung; die Orientierung entspricht dem im Text genannten Stand vom 18.10.2026. Quelle: eigene Darstellung.

Aus einem Plan eine Handlung machen

Ein schriftlicher Aktionsplan benennt den stabilen Zustand, Warnzeichen, vereinbarte Bedarfsmedikation und den passenden Kontakt. Bei Asthma können zusätzlich persönliche PEF-Bestwerte genutzt werden, wenn Messung und Interpretation trainiert sind. Er legt fest, wann ärztlicher Kontakt erforderlich ist; neue Steroid- oder Antibiotikakuren werden nicht spontan ohne Vereinbarung begonnen. Die Planung berücksichtigt, ob Medikamente und Hilfe tatsächlich erreichbar sind. Bei Asthma ist eine häufige Einteilung: grün ab 80 %, gelb 50–80 % und rot unter 50 % des persönlichen PEF-Bestwerts. Ärztlicher Kontakt ist auch nötig, wenn ein kurz wirksames Bedarfsspray schon nach weniger als 3 Stunden wieder gebraucht wird oder nach 2–3 Tagen keine Besserung eintritt.

Der schriftliche Aktionsplan in drei Zonen. Grün, stabil: übliche Beschwerden, Schlaf und Alltag wie sonst, PEF mindestens 80 Prozent, weiter mit Dauertherapie und Technik üben. Gelb, schlechter: mehr Atemnot oder Husten, mehr Bedarfsspray, nachts wach, PEF 50 bis 80 Prozent, Plan Stufe 2 und früh melden. Rot, Notfall: kaum sprechen, benommen oder erschöpft, Spray hilft nicht, PEF unter 50 Prozent, sofort 112, Notfallspray, aufrecht sitzen, Lippenbremse. Darunter: ärztlicher Kontakt in Gelb, wenn das kurz wirksame Spray nach weniger als 3 Stunden wieder nötig ist, nach 2 bis 3 Tagen keine Besserung oder bei rascher Verschlechterung; Steroid oder Antibiotikum nur nach Vereinbarung. Im Plan eintragen: Präparat, Stärke, Dosis, Höchstmenge, Kontakt, Notruf, bei Asthma PEF-Bestwert.

Abbildung: Der schriftliche Plan ordnet Beschwerden drei Zonen zu und nennt für jede Zone eine Handlung. Farben werden durch Wörter ergänzt; die Bedeutung hängt nicht allein vom Farbsehen ab. PEF-Werte gelten nur für Asthma mit geübter Messung. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel – Patientengespräch

„Wir schreiben auf, welches Medikament Sie regelmäßig und welches Sie bei Beschwerden nehmen. Wenn Sie häufiger als üblich Luftnot haben, nutzen Sie den vereinbarten Plan und melden sich frühzeitig. Wenn Sie kaum sprechen können, sehr erschöpft oder benommen sind oder das Notfallmedikament nicht hilft, holen Sie sofort Hilfe über 112. Können Sie mir mit dem Plan zeigen, was Sie heute Abend bei einer Verschlechterung tun würden?“

Diese Rückfrage heißt Teach-back: Der Patient zeigt oder erklärt den nächsten Schritt in eigenen Worten. Sie prüft die Verständlichkeit der Erklärung; sie ist keine Prüfung des Patienten. Bei einem inhalativen Plan werden Präparat, Stärke, Dosis, Höchstmenge und Eskalationsschwelle konkret eingetragen. Weil ein großer Teil mündlicher Informationen rasch vergessen wird, nach häufig zitierten Daten 40–80 %, wird in kleinen Portionen erklärt und nach jeder Portion nachgefragt.

Teach-back in drei Schritten: 1 in kleinen Portionen erklären, Alltagssprache, Plan liegt auf dem Tisch, Hinweis 40 bis 80 Prozent des Gesagten werden rasch vergessen; 2 offen nachfragen, zum Beispiel was tun Sie heute Abend, wenn die Luft knapp wird, nicht haben Sie alles verstanden, Inhalator vorführen lassen; dann nebeneinander richtig erklärt in eigenen Worten oder Lücke beziehungsweise Fehler, anders erklären und erneut nachfragen mit Pfeil zurück zu Schritt 2; 3 Umsetzbarkeit prüfen: Medikamente vorrätig, Kontakt auch nachts, 112 bekannt. Ergebniszeile: verstanden, unsicher, nicht machbar.

Abbildung: Bei einer Lücke wird die Erklärung geändert und erneut nachgefragt, bis der nächste Schritt stimmt; bloße Zustimmung zeigt noch nicht, wie der Plan angewendet wird. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle bündelt die konkreten Einträge eines inhalativen Aktionsplans.

EintragKonkret festhalten
MedikamentPräparat und Stärke
AnwendungDosis und Höchstmenge
EskalationEskalationsschwelle und passender Kontakt

Freie Antwort

Ein Ziel gemeinsam festlegen

Aufgabe

Ein Patient mit COPD sagt: „Ich weiß, dass Rauchen schlecht ist, aber der letzte Versuch ist gescheitert.“ Formuliere eine wertfreie Antwort mit einem konkreten nächsten Schritt.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
GrunderkrankungCOPD
Aussage zum Rauchen„Ich weiß, dass Rauchen schlecht ist.“
Letzter RauchstoppversuchGescheitert
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Freie Antwort

Den Aktionsplan anwenden

Aufgabe

Eine 62-jährige COPD-Patientin möchte Rehabilitation vermeiden, weil sie bei Bewegung Luftnot bekommt. Sie berichtet zugleich, nicht zu wissen, wann sie bei Verschlechterung Hilfe holen soll. Erkläre in vier Sätzen Zweck der Rehabilitation und zwei Eskalationsstufen.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Alter62 Jahre
GrunderkrankungCOPD
Bei BewegungLuftnot
WunschRehabilitation vermeiden
UnsicherheitWann bei Verschlechterung Hilfe holen?
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Klinisch zusammenführen

Lernziel: Du kannst Befund, Plan und bedingte Prognose nachvollziehbar vorstellen.

Von Daten zu einer begründeten Vorstellung

Eine gute Vorstellung trennt Beobachtung, Interpretation und nächste Entscheidung. Beginne mit Anlass und Dringlichkeit. Nenne anschließend nur die für die Entscheidung wesentlichen Befunde. Begründe deine führende Diagnose und benenne eine gefährliche Alternative. Im Plan wird deutlich, was bereits erfolgt ist und was erst veranlasst werden soll.

Teil der VorstellungBeispielhafte Funktion
Anlass und SchwereWarum wird der Patient jetzt beurteilt?
Entscheidende BefundeWas stützt die führende Diagnose?
Alternative und PlanWas darf nicht übersehen werden, was geschieht als Nächstes?

Fünf nummerierte Schritte untereinander. 1 Anlass und Dringlichkeit: Alter, Grunderkrankung, Leitsymptom, seit wann, zum Beispiel seit 3 Tagen zunehmende Atemnot, jetzt stabil oder akut gefährdet. 2 Entscheidende Befunde mit Zahl: Sprechfähigkeit, Bewusstsein, Atemarbeit, Atemfrequenz und SpO2 immer mit Angabe von Raumluft oder Sauerstofffluss, nur was die Entscheidung trägt; Hinweis: noch offen ist nicht normal. Daneben 3 führende Diagnose mit Begründung und Grenze der Deutung und 4 gefährliche Alternative: Pneumonie, Pneumothorax, Lungenembolie, Herzinsuffizienz, Anaphylaxie. 5 Plan: bereits erfolgt mit Wirkung, veranlasst wie Untersuchung, Blutgase, Bildgebung, und wann neu bewertet wird. Unten drei Felder: beobachtet, gedeutet, geplant.

Abbildung: Eine Vorstellung führt von Anlass und Dringlichkeit über entscheidende Befunde mit Zahlen zu führender Diagnose, gefährlicher Alternative und Plan. Bereits Erfolgtes und erst Veranlasstes bleiben getrennt. Quelle: eigene Darstellung.

Für Diagnose, Inhalation und Verlauf gelten dabei die konkreten Schwellen der Vorkapitel, etwa FEV₁/FVC unter 0,70 nach Bronchodilatation bei COPD, ein FEV₁-Anstieg um mindestens 12 % und 200 ml, meist mindestens etwa 30 l/min am Pulverinhalator und eine Asthmakontrolle 1–3 Monate nach Therapiebeginn.

Vier Kästen im Kreis mit Pfeilen, in der Mitte gemeinsam entscheiden mit Zielen, Sorgen und Möglichkeiten. 1 Diagnose sichern: COPD bei FEV1/FVC unter 0,70 nach Bronchodilatator, FEV1-Anstieg um 12 Prozent und 200 ml spricht für variable Obstruktion und Asthma, PEF-Tagesschwankung über 10 Prozent. 2 Inhalation üben: am eigenen Gerät vorführen, Pulverinhalator meist mindestens 30 l/min, mit Spacer 4 bis 5 ruhige Atemzüge pro Hub, Fehler zeigen und 2- bis 3-mal üben. 3 Plan vereinbaren: Präparat, Stärke, Hübe, Tageshöchstmenge, bei Warnzeichen früh melden, wer kaum sprechen kann oder benommen ist, ruft sofort 112. 4 Verlauf kontrollieren: Asthma nach 1 bis 3 Monaten, dann alle 3 bis 12 Monate, nach Exazerbation innerhalb einer Woche; COPD mit Dyspnoe nach mMRC und CAAT sowie Exazerbationen pro Jahr. Unten drei Ergebnisse: stabil, Stufe halten und später reduzieren; schlechter, erst Technik, Adhärenz und Auslöser prüfen; Alarmzeichen, sofort neu bewerten.

Abbildung: Sichere Versorgung als Kreislauf: Diagnose sichern, Inhalation üben, Plan vereinbaren und Verlauf kontrollieren – jeder Schritt mit überprüfbaren Zahlen, in der Mitte die gemeinsame Entscheidung. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 45-jährige Patientin mit bekanntem Asthma hat seit einem Infekt häufiger Beschwerden. Sie ist wach, spricht in ganzen Sätzen, hat AF 20/min und SpO₂ 96 % an Raumluft. Sie nutzt ihren verordneten ICS-haltigen Inhalator unregelmäßig, weil sie ihn für ein reines Notfallspray hält. Weitere Untersuchungsbefunde sind noch nicht erhoben.

„Ich stelle eine 45-jährige Patientin mit bekanntem Asthma und zunehmenden Beschwerden nach einem Infekt vor. Aktuell sind Bewusstsein, Sprechfähigkeit und Oxygenierung anhand der vorliegenden Angaben stabil; eine vollständige Schweregradeinschätzung steht noch aus. Eine unzureichende Entzündungshemmung durch ein Missverständnis des Therapieplans kann mitursächlich sein. Ich werde Atemarbeit und Thoraxbefund prüfen, das konkrete Gerät und die Verordnung gemeinsam durchgehen und einen schriftlichen Plan mit früher Kontrolle vereinbaren. Fieber, fokale Befunde oder ein ungewöhnlicher Verlauf würden die Suche nach einer Pneumonie oder anderen Ursache verstärken.“

Die Vorstellung behauptet weder ein bereits normales Röntgenbild noch eine bereits erfolgte Besserung. Sie vermeidet auch die unbelegte Aussage „nur fehlende Mitarbeit“.

Zum Vergleich: Für einen schweren Anfall sprächen nach GINA 2026 etwa Einzelwörter, AF über 30/min, SpO₂ unter 92 % oder PEF unter 50 % des Bestwerts; nach einer Verschlechterung wird eine frühe Kontrolle typischerweise innerhalb von 2–7 Tagen vereinbart.

Oben: 45 Jahre, bekanntes Asthma, mehr Beschwerden seit einem Infekt. 1 Beobachtet: wach, spricht in ganzen Sätzen, Atemfrequenz 20 pro Minute, SpO2 96 Prozent an Raumluft, ICS-Inhalator nur unregelmäßig, als Notfallspray verstanden. Daneben 2a bisher kein Schwerezeichen: ganze Sätze statt Einzelwörter, Atemfrequenz 20 statt über 30 pro Minute, SpO2 96 statt unter 92 Prozent; 2b noch offen: Atemarbeit und Thoraxbefund, PEF unter 50 Prozent wäre schwer, Schweregrad nicht abschließend. 3 Deutung mit Grenze: ICS als Notfallspray missverstanden, dadurch zu wenig Entzündungshemmung als mitursächlicher Faktor, nicht nur fehlende Mitarbeit. 4 Geplant und noch nicht erfolgt: Atemarbeit und Thorax untersuchen, Gerät vorführen lassen und Verordnung prüfen, schriftlicher Plan mit regelmäßigem ICS und Reliever, frühe Kontrolle in 2 bis 7 Tagen; Hinweis: Röntgen nicht als normal behaupten. Unten drei Ausgänge: Besserung, Plan fortführen; Fieber, fokaler Befund oder untypischer Verlauf, Pneumonie suchen; Schwerezeichen wie Einzelwörter, Atemfrequenz über 30 oder SpO2 unter 92 Prozent, sofort handeln.

Abbildung: Trenne bereits bekannte Befunde von Deutung und erst geplanten Maßnahmen. Die Vergleichsschwellen zeigen, warum die Schweregradeinschätzung noch offen bleibt und wann sofort eskaliert wird. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle trennt im Fallbeispiel bereits vorliegende Angaben von noch offenen Untersuchungen.

StandKonkrete Angaben
Bereits bekanntWach, ganze Sätze, AF 20/min, SpO₂ 96 % an Raumluft
Noch zu untersuchenAtemarbeit und Thoraxbefund
Noch zu überprüfenKonkretes Gerät und Verordnung
Nicht behauptenBereits normales Röntgenbild oder bereits eingetretene Besserung

Prognose an Bedingungen knüpfen

Asthma ist häufig gut kontrollierbar, kann aber auch bei wenigen Alltagsbeschwerden schwere Anfälle verursachen. COPD ist meist nicht vollständig reversibel; Beschwerden, Belastbarkeit und Exazerbationsrisiko lassen sich dennoch beeinflussen. Bei Bronchiektasen bestimmen unter anderem Ursache, Erreger, Exazerbationen und Lungenfunktion den Verlauf. Eine seriöse Prognose nennt daher Bedingungen und Kontrollgrößen.

ErkrankungWoran der Verlauf geprüft wird
AsthmaBeschwerden, Relieverbedarf, Anfälle, Lungenfunktion
COPDAlltag, Exazerbationen, Funktions- und Ernährungsverlauf
BronchiektasenAuswurf, Infekte, Hämoptysen, Mikrobiologie und Belastbarkeit

Konkrete Kontrollgrößen sind etwa bei COPD mMRC ≥ 2 oder CAAT ≥ 10 und jede moderate oder schwere Exazerbation, bei Bronchiektasen Zahl und Schwere der Exazerbationen sowie ein chronischer Pseudomonas-Nachweis.

Drei Erkrankungen untereinander, jeweils mit zwei Kästen beeinflussbar und Kontrollgrößen. Asthma, meist gut kontrollierbar: ICS-haltige Basis, Technik und Adhärenz, Auslöser meiden; vier Fragen zu vier Wochen, Anfälle und Reliever, FEV1 unter 60 Prozent als Risiko. COPD, nicht vollständig reversibel: Rauchstopp, LABA und LAMA mit guter Technik, Rehabilitation; mMRC ab 2 oder CAAT ab 10, ab einer moderaten oder schweren Exazerbation Gruppe E, Gewicht und Ernährung. Bronchiektasen, abhängig von Ursache und Erreger: Sekretmobilisation, Ursache behandeln, Sputum vor Antibiotikum; Zahl und Schwere der Exazerbationen, chronischer Pseudomonas-Nachweis, Hämoptysen und Belastbarkeit. Unten der Satzbau: wenn, dann, Kontrolle anhand von und in; keine Heilungszusage, keine starre Lebenserwartung.

Abbildung: Für jede Erkrankung gehören zu einer seriösen Prognose beeinflussbare Bedingungen und konkrete Kontrollgrößen – keine Heilungszusage und keine starre Lebenserwartung. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel – kurzer Bericht

„Bekanntes Asthma, aktuell Beschwerdezunahme nach Infekt bei unregelmäßiger ICS-Anwendung. Die Patientin ist nach den bisher vorliegenden Angaben wach, spricht in ganzen Sätzen und hat eine SpO₂ von 96 % an Raumluft. Die weitere Untersuchung und Überprüfung der Inhalationstechnik sind geplant. Bei korrekt angewandter entzündungshemmender Therapie ist eine bessere Kontrolle möglich; dies hängt auch von Auslösern und Begleiterkrankungen ab. Verlaufskontrolle anhand von Beschwerden, Bedarf und Funktionsbefund. Bei zunehmender Atemnot oder Alarmzeichen erfolgt eine sofortige Neubewertung.“

Konkret wird die Asthmakontrolle mit vier Fragen zu den letzten vier Wochen geprüft (keine erfüllt: gut, 1–2: teilweise, 3–4: unkontrolliert); eine ICS-haltige Therapie senkt schwere Anfälle gegenüber SABA allein etwa um die Hälfte bis zwei Drittel.

Die Frage nach einem Bedarf von mehr als zweimal pro Woche bezieht sich auf SABA, nicht auf ICS/Formoterol; SABA vor körperlicher Belastung wird dabei nicht mitgezählt.

Oben: bedingte Prognose bei Asthma, bessere Kontrolle möglich, wenn. 1 Bedingungen: ICS-haltige Therapie regelmäßig und korrekt, schwere Anfälle etwa um die Hälfte bis zwei Drittel seltener als mit SABA allein; Inhalationstechnik am eigenen Gerät geprüft; Auslöser wie Infekte, Rauch, Allergene; Begleiterkrankungen wie Rhinosinusitis, Reflux, Adipositas. 2 Kontrolle der letzten 4 Wochen: Beschwerden tagsüber mehr als zweimal pro Woche, nächtliches Erwachen, Reliever-Bedarf mehr als zweimal pro Woche, Aktivitätseinschränkung; Skala 0 gut, 1 bis 2 teilweise, 3 bis 4 unkontrolliert. Daneben 3a Anfallsrisiko: schwere Exazerbation im Vorjahr, FEV1 unter 60 Prozent des Solls, mindestens 3 SABA-Dosieraerosole pro Jahr; 3b Kontrolltermine: nach Verschlechterung in 2 bis 7 Tagen, nach Therapiestart nach 1 bis 3 Monaten, dann alle 3 bis 12 Monate. Unten drei Ausgänge: gut kontrolliert über mindestens 2 bis 3 Monate, ICS um 25 bis 50 Prozent senken; teilweise oder unkontrolliert, erst Technik, Adhärenz und Auslöser, dann Stufe höher; Alarmzeichen wie mehr Atemnot oder wirkungsloser Reliever, sofort handeln.

Abbildung: Eine bessere Kontrolle bleibt an Bedingungen geknüpft. Vier Fragen, Risikofaktoren und feste Kontrolltermine machen den Verlauf überprüfbar; Alarmzeichen verändern den nächsten Schritt sofort. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Eine Vorstellung ergänzen

Aufgabe

Ein 68-jähriger Patient mit COPD kommt wegen seit drei Tagen zunehmender Atemnot und eitrigen Auswurfs. AF 28/min, SpO₂ 87 % an Raumluft, wach, erschöpft. Du hast noch keine BGA und kein Thoraxbild. Vervollständige: „Meine führende Arbeitshypothese ist … Gefährliche Alternativen sind … Als Nächstes …“

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Alter und Erkrankung68 Jahre, COPD
VerlaufSeit 3 Tagen mehr Atemnot
AuswurfEitrig
Atemfrequenz28/min
SpO₂87 % an Raumluft
ZustandWach, erschöpft
Noch nicht vorhandenBGA und Thoraxbild

Weißes Papiertuch mit einem zähen, gelbgrünen, glasig glänzenden Auswurfklumpen in der Mitte.

Abbildung: Gelbgrüner, eitrig wirkender Auswurf. Farbe und Menge des Sputums werden im Verlauf erfragt und dokumentiert. Quelle: Zhangmoon618, Public Domain

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Freie Antwort

Neuer Fall, vollständiger Plan

Aufgabe

Eine 59-jährige ehemalige Raucherin mit gesicherter COPD erhält LABA/LAMA. Im letzten Jahr wurde eine Exazerbation mit Prednisolon behandelt. Aktuell ist sie stabil, beim Gehen jedoch eingeschränkt. Die Eosinophilen betragen 320/µl. Bei der Vorführung atmet sie in ihren Pulverinhalator aus und inhaliert danach nur schwach. Sie fragt: „Muss ich jetzt lebenslang mehr Cortison nehmen?“

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Alter und Vorgeschichte59 Jahre, ehemalige Raucherin
Gesicherte ErkrankungCOPD
Aktuelle TherapieLABA/LAMA
Letztes Jahr1 Exazerbation, mit Prednisolon behandelt
Aktueller ZustandStabil, beim Gehen eingeschränkt
Eosinophile320/µl
VorführungIns Pulvergerät ausgeatmet, danach schwach inhaliert
Frage der Patientin„Lebenslang mehr Cortison?“

Stelle den Fall in höchstens sechs Sätzen vor. Erkläre der Patientin anschließend den nächsten Schritt und formuliere eine bedingte Prognose. Nenne eine Sache, die du aus den Angaben noch nicht sicher entscheiden kannst.

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Wiederholung und Transfer

Lernziel: Du kannst die wichtigsten Entscheidungen in neuen Situationen anwenden.

Multiple Choice

Zusätzliche Wiederholungsaufgaben

Die folgenden Aufgaben greifen bereits erklärte Zusammenhänge auf. Sie können einzeln bearbeitet werden. Formuliere zuerst deine Antwort und vergleiche sie erst danach mit der Lösung.

Wenn eine Entscheidung schwerfälltPassende Wiederholung
Obstruktion oder Messfehler?U01–U02
Welcher Inhalator und welcher Plan?U03–U05
Stabilität oder Notfall?U06–U07
Husten, Sekret oder Vorbeugung?U08–U10

Vier untereinander stehende, durch Pfeile verbundene Schritte unter der Überschrift Versorgung in vier Schritten, gemeinsam entscheiden. Erstens Diagnose sichern: FEV₁/FVC nach Bronchodilatation unter 0,70 nach GOLD beziehungsweise unter der LLN; Reversibilität bei FEV₁-Anstieg um mindestens 12 Prozent und 200 ml; ein normaler Befund im beschwerdefreien Intervall schließt Asthma nicht aus. Zweitens Inhalation üben: Gerät vorführen lassen und Fehler sofort korrigieren; beim Pulverinhalator nicht hineinatmen und kräftig einatmen; mit Spacer pro Hub meist 4 bis 5 ruhige Atemzüge. Drittens Plan vereinbaren: bei MART mit 160/4,5 Mikrogramm über 8 Inhalationen in 24 Stunden dringend ärztlicher Rat; ICS/Salmeterol ist kein Bedarfsspray; bei COPD mit Hyperkapnierisiko SpO₂-Ziel 88 bis 92 Prozent; rote Marke: keine Wirkung oder rasche Verschlechterung, 112. Viertens Verlauf kontrollieren: Beschwerden, Bedarfsmedikation, Exazerbationen, Lungenfunktion; Husten über 8 Wochen mit Spirometrie und Thoraxaufnahme; Impfpass, Rauchstopp, Rehabilitation. Unten drei farbige Felder: stabil, Plan fortführen; unklar, betroffenen Schritt wiederholen; Warnzeichen, sofort Notfallbeurteilung.

Abbildung: Ordne jede neue Vignette einem der vier Schritte zu. Die Kernzahlen stammen aus U01–U02 (Diagnose), U05 (Inhalation), U03–U07 (Plan und Notfall) und U08–U10 (Verlauf, Husten, Impfungen). Quelle: eigene Darstellung.

SelbstvergleichBeobachtbares Kriterium
BegründungEine entscheidende Angabe mit einer Konsequenz verknüpft
SicherheitWarnzeichen oder wichtige Alternative berücksichtigt
GrenzenFehlende Informationen benannt, keine Ergebnisse erfunden

Bevor du eine Aufgabe löst, hilft eine feste Reihenfolge: zuerst die akute Gefahr ausschließen, dann die entscheidende Angabe suchen.

Vier untereinander stehende, durch Pfeile verbundene Schritte. Erstens akute Gefahr prüfen: kaum Sprechen, Erschöpfung, Somnolenz, bei Asthma Atemfrequenz über 30 pro Minute und SpO₂ unter 92 Prozent an Raumluft, fehlende Wirkung der Bedarfsmedikation oder rasche Verschlechterung; bei Ja sofort Notfallbeurteilung. Zweitens entscheidende Angabe finden: Messbedingungen eines Befunds, was eine Zahl misst und was nicht, welches Präparat genau. Drittens Konsequenz ableiten für Diagnostik, Therapie oder Gespräch. Viertens Grenzen benennen und Kontrolle vereinbaren. Unten drei farbige Felder: Begründung, Sicherheit, Grenzen.

Abbildung: Der rote erste Schritt steht immer vorn: Ein Warnzeichen verändert die Aufgabe sofort, auch wenn eine Zahl beruhigend wirkt. Die drei Felder unten entsprechen den Kriterien des Selbstvergleichs. Quelle: eigene Darstellung.

Normale Spirometrie, wechselnde Beschwerden

Aufgabe

Eine 26-Jährige hat wiederkehrenden nächtlichen Husten und pfeifende Atmung beim Kontakt mit Katzen. Heute ist sie beschwerdefrei; die Spirometrie ist normal. Welche Aussage passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Alter26 Jahre
BeschwerdenWiederkehrender nächtlicher Husten
Bei KatzenkontaktPfeifende Atmung
HeuteBeschwerdefrei
Spirometrie heuteNormal
  1. a)Asthma ist durch den heutigen Normalbefund sicher ausgeschlossen.
  2. b)Bei passender Anamnese bleibt Asthma möglich; Variabilität wird gezielt objektiviert.
  3. c)Die Allergieanamnese allein beweist bereits ein Asthma.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Zwei Liter und die falsche Schlussfolgerung

Aufgabe

Ein qualitativ guter Test zeigt FEV₁ 2,0 l und FVC 2,2 l. Jemand diagnostiziert allein wegen der niedrigen FEV₁ eine Obstruktion. Berechne das Verhältnis und erkläre die Grenze dieser Schlussfolgerung.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
TestqualitätGut
FEV₁2,0 l
FVC2,2 l
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Freie Antwort

Die falsche Kombination austauschen

Aufgabe

Ein Patient möchte sein ICS/Salmeterol-Gerät zusätzlich bei jeder akuten Luftnot wie einen ICS/Formoterol-MART-Inhalator verwenden. Erkläre in zwei Sätzen, warum ein präparatespezifischer Plan nötig ist und was geprüft werden muss.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Vorhandenes GerätICS/Salmeterol
Gewünschte AnwendungZusätzlich bei jeder akuten Luftnot
Vergleich des PatientenICS/Formoterol-MART-Inhalator

Zerlegter violetter Scheiben-Pulverinhalator auf einer gemusterten Tischdecke: Gehäuseschalen, Zahnräder, Federn und der aufgerollte Blisterstreifen; Etikett unkenntlich gemacht.

Abbildung: Zerlegter Blister-Pulverinhalator, wie er für eine ICS/Salmeterol-Kombination verwendet wird. Jede Betätigung öffnet genau eine vorgefertigte Einzeldosis. Quelle: Jeff-the-riffer, Public Domain

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Freie Antwort

Neun Inhalationen zählen

Aufgabe

Eine erwachsene Patientin nutzt ihren ausdrücklich als MART verordneten Symbicort Turbohaler 160/4,5 µg: eine Inhalation morgens, eine abends und im Tagesverlauf sieben zusätzliche. Sie ist jetzt wach und spricht in ganzen Sätzen. Wie viele Gesamtinhalationen sind das, und welche Kontaktgrenze ist erreicht?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
VerordnungSymbicort Turbohaler 160/4,5 µg, ausdrücklich MART
PatientinErwachsen
Morgens1 Inhalation
Abends1 Inhalation
Zusätzlich im Tagesverlauf7 Inhalationen
JetztWach, spricht in ganzen Sätzen
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Multiple Choice

Gute Sättigung, schlechter Zustand

Aufgabe

Ein COPD-Patient wird unter Sauerstoff schläfrig. SpO₂ beträgt 97 %. Welche Schlussfolgerung passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
ErkrankungCOPD
Aktuelle BehandlungSauerstoffgabe
VeränderungWird schläfrig
SpO₂97 %
  1. a)Neue Schläfrigkeit verlangt sofortige Beurteilung von Atemweg, Ventilation, Blutgasen und O₂-Gabe.
  2. b)Eine gefährliche Hyperkapnie ist bei 97 % ausgeschlossen.
  3. c)Sauerstoff muss unabhängig von den weiteren Befunden dauerhaft vollständig abgesetzt werden.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Zwei Krankheiten, ein ICS

Aufgabe

Eine Patientin hat Bronchiektasen und unabhängig davon ein gesichertes behandlungsbedürftiges Asthma. Soll ein ICS mit der Begründung „bei Bronchiektasen nicht routinemäßig“ automatisch abgesetzt werden?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Erkrankung 1Bronchiektasen
Erkrankung 2Unabhängig gesichertes, behandlungsbedürftiges Asthma
Diskutiertes MedikamentICS

Thoraxaufnahme von vorn: beidseits vergröberte, streifig-netzartige Lungenzeichnung, betont in beiden Unterfeldern; Herzschatten mittelständig.

Abbildung: Thoraxaufnahme bei bekannten Bronchiektasen mit vergröberter Zeichnung beider Unterfelder. Quelle: Arinna'l, Public Domain

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Freie Antwort

Eine Bildgebung begründen

Aufgabe

Ein Patient mit chronischem Husten hat normale Untersuchung, unauffälliges Thoraxbild und keine Alarmzeichen. Er fordert sofort eine CT, „damit nichts übersehen wird“. Formuliere eine verständliche Antwort mit einem weiteren Plan.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
BeschwerdeChronischer Husten
UntersuchungNormal
ThoraxbildUnauffällig
AlarmzeichenKeine
Wunsch des PatientenSofort eine CT, „damit nichts übersehen wird“

Thoraxaufnahme von vorn bei einer erwachsenen Person: beide Lungenfelder gleichmäßig belüftet mit feiner Gefäßzeichnung, Herzschatten schlank, Zwerchfellkuppen glatt, Zwerchfell-Rippen-Winkel spitz.

Abbildung: Thoraxaufnahme im p.a.-Strahlengang, wie sie im Fall als unauffällig beschrieben ist. Die rechte Körperseite liegt im Bild links. Quelle: Stillwaterising, CC0 1.0

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Freie Antwort

Impfung und Risiko

Aufgabe

Ein 68-jähriger Patient mit schwerer COPD hat gehört, dass die COVID-19-Standardempfehlung seit Juli 2026 ab 75 Jahren gilt. Deshalb meint er, weder COVID-19 noch RSV seien für ihn relevant. Wie erklärst du den Unterschied zwischen Standard- und Risikoindikation?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Information
Alter68 Jahre
ErkrankungSchwere COPD
Gehörte EmpfehlungCOVID-19-Standardempfehlung seit Juli 2026 ab 75 Jahren
Annahme des PatientenCOVID-19 und RSV seien für ihn nicht relevant

Eine Person in Tarnuniform setzt eine Spritze in den Deltamuskel am Oberarm einer Person mit hochgeschobenem T-Shirt-Ärmel; Gesichter nicht im Bild.

Abbildung: Intramuskuläre Impfung in den Deltamuskel des Oberarms, die übliche Injektionsstelle bei Erwachsenen. Quelle: U.S. Navy (Jacquelyn Childs), Public Domain

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Obstruktion verstehenLuft hinein ist nicht Luft hinausWarum schnelles Atmen die Luftnot verstärken kannDen entscheidenden Schritt ergänzenWeniger Giemen beurteilenLungenfunktion einordnenZuerst Qualität, dann ZahlenZwei Krankheitsmuster unterscheidenSelbst rechnenEin neuer FunktionsbefundAsthma langfristig behandelnÖffnen und Entzündung behandelnEinen Behandlungsweg auswählenEine Erklärung vervollständigenDen nächsten Schritt wählenCOPD dauerhaft behandelnZwei Fragen statt einer ZahlInitialtherapie und Verlauf unterscheidenDen Unterschied erklärenEine einzelne Exazerbation berücksichtigenInhalieren könnenDas Medikament muss ankommenZeigen, üben, zurückzeigenDosis und Sicherheitsgrenze am BeispielDen Fehler sicher korrigierenPraktische RückdemonstrationAkuter AsthmaanfallDie gefährliche Verschlechterung erkennenEine konsistente AkutstrategieAnsprechen und NachsorgeDie Dosis nachvollziehenNicht auf die Sättigung allein verlassenCOPD-ExazerbationVerschlechterung ist nicht automatisch nur COPDKontrolliert behandelnWann NIV helfen kannZwei Probleme auseinanderhaltenDie Ursache neu prüfenBronchiektasen erkennenErweiterte Bronchien können trotzdem schlecht reinigenDiagnose und behandelbare UrsachenDen Kreislauf unterbrechenEine Exazerbation planenHusten und AlternativenZuerst Dringlichkeit, dann EtikettHäufige Ursachen begründet prüfenGezielt nachfragenDie Routine verlassenVorbeugen und selbst handelnGemeinsam einen erreichbaren Schritt wählenImpfungen gezielt prüfenAus einem Plan eine Handlung machenEin Ziel gemeinsam festlegenDen Aktionsplan anwendenKlinisch zusammenführenVon Daten zu einer begründeten VorstellungPrognose an Bedingungen knüpfenEine Vorstellung ergänzenNeuer Fall, vollständiger PlanWiederholung und TransferNormale Spirometrie, wechselnde BeschwerdenZwei Liter und die falsche SchlussfolgerungDie falsche Kombination austauschenNeun Inhalationen zählenGute Sättigung, schlechter ZustandZwei Krankheiten, ein ICSEine Bildgebung begründenImpfung und Risiko

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