Thoraxschmerz und ACS
Lernziel: Du kannst bei Thoraxschmerz Diagnostik, Behandlung und Nachsorge begründen.
Koronarfluss verstehen
Lernziel: Du kannst Ischämie aus Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf erklären.
Du lernst zuerst, warum ein Herzmuskel zu wenig Sauerstoff erhält und was ein Troponinwert tatsächlich aussagt. Danach verbindest du Beschwerden, EKG und Verlauf mit einer Entscheidung. Zum Schluss planst du die Versorgung nach dem Akutereignis. Die Fallgeschichten und Zahlenbeispiele sind fiktiv; echte EKG-Aufnahmen sind ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Bearbeite jede Aufgabe, bevor du die anschließend sichtbare Lösung liest.
Die Koronararterien entspringen an der Aortenwurzel und versorgen das Myokard. Links teilt sich der Hauptstamm meist in den Ramus interventricularis anterior, kurz RIVA oder LAD, und den Ramus circumflexus, RCX oder LCx. Rechts verläuft die RCA. Die tatsächlichen Versorgungsgebiete unterscheiden sich zwischen Menschen; die Hinterwandversorgung hängt insbesondere vom koronaren Versorgungstyp ab.

Ansicht von vorn. Verfolge den linken Hauptstamm bis zur Aufteilung: Der RIVA/LAD zieht in der vorderen Interventrikularfurche zur Herzspitze, der RCX/LCx biegt in der linken Kranzfurche nach lateral ab. Die RCA verläuft in der rechten Kranzfurche. Die Zeichnung zeigt ein typisches Muster, keine individuelle Versorgung.
Quelle: BruceBlaus (Blausen Medical), „Blausen 0256 CoronaryArteries 02“, Wikimedia Commons, CC BY 3.0; englische Beschriftung durch deutsche ersetzt, Titelzeile abgeschnitten.
Am häufigsten ist der ausgeglichene Versorgungstyp mit etwa 60–80 %: Die RCA versorgt den rechten Ventrikel und die diaphragmale Hinterwand, die linke Koronararterie die Vorderwand und den größeren Teil des Septums. Ein Rechts- oder Linksversorgungstyp findet sich in je etwa 10–20 %.

Abbildung: Ordne jedem Ast zuerst sein typisches Gebiet zu; die untere Reihe zeigt, warum die Hinterwand je nach Versorgungstyp von RCA oder RCX abhängt. Quelle: eigene Darstellung.
Welche Arterie versorgt die Hinterwand?
| Versorgungstyp | Häufigkeit | Hinterwand |
|---|---|---|
| Ausgeglichen | etwa 60–80 % | RCA; LCA versorgt Vorderwand und größeren Septumanteil |
| Rechtsversorgungstyp | etwa 10–20 % | RCA dominiert und versorgt zusätzlich Teile des linken Ventrikels |
| Linksversorgungstyp | etwa 10–20 % | LCA dominiert; der RCX versorgt die Hinterwand mit |
Der linke Ventrikel wird überwiegend in der Diastole durchblutet. Während der Systole komprimiert sein hoher Wanddruck die kleinen intramuralen Gefäße. Das Subendokard, die innere Muskelschicht, ist dadurch besonders gefährdet. Ein niedriger Aortendruck oder ein hoher enddiastolischer Ventrikeldruck kann den wirksamen Perfusionsgradienten vermindern. Tachykardie erhöht zugleich den Sauerstoffverbrauch und verkürzt die Diastole.
Der Koronarwiderstand setzt sich aus drei Anteilen zusammen: der Weite der epikardialen Arterie, dem Widerstand der intramuralen Arteriolen und der systolischen Kompression von außen. Bei 60/min bleiben grob 0,65 s Diastole pro Herzschlag, bei 160/min nur noch etwa 0,14 s.

Abbildung: Prüfe bei jeder Ischämie alle drei Größen; die farbige untere Reihe ordnet typische Auslöser der jeweiligen Größe zu. LVEDP: linksventrikulärer enddiastolischer Druck. Quelle: eigene Darstellung.

Eigene Lehrzeichnung mit gerundeten, schematischen Zeitanteilen. Vergleiche die blauen Abschnitte: Bei 160/min bleibt pro Sekunde deutlich weniger Diastolenzeit für die linksventrikuläre Koronarperfusion, während mehr Kontraktionen Sauerstoff verbrauchen.
Quelle: eigene Darstellung.
Ischämie ist ein Missverhältnis: Das Sauerstoffangebot genügt dem Bedarf nicht. Das Angebot hängt von Koronarfluss, Hämoglobingehalt und Sauerstoffsättigung ab; der Bedarf unter anderem von Frequenz, Kontraktilität und Wandspannung. Deshalb kann Ischämie durch ein verengtes Gefäß, aber auch durch ausgeprägte Anämie, Hypoxämie, Schock oder schnelle Rhythmusstörungen entstehen.
Das Myokard schöpft schon in Ruhe etwa 70–80 % des angebotenen Sauerstoffs aus. Mehrbedarf wird deshalb vor allem über mehr Koronarfluss gedeckt; dieser kann normalerweise etwa auf das 5- bis 6-Fache steigen (Koronarreserve).

Abbildung: Angebot, Diastole und Bedarf gemeinsam prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Verfolge beide Seiten der Bilanz: Ein größerer Bedarf kann ebenso entscheidend sein wie ein kleineres Angebot. Quelle: eigene Darstellung.
Welche Seite der Bilanz verschiebt der Auslöser?
| Auslöser | Verschobene Seite |
|---|---|
| Verengtes Koronargefäß | Angebot ↓ – weniger Koronarfluss |
| Ausgeprägte Anämie | Angebot ↓ – weniger Hämoglobin |
| Hypoxämie | Angebot ↓ – niedrigere Sauerstoffsättigung |
| Schock, niedriger Aortendruck | Angebot ↓ – kleinerer Perfusionsgradient |
| Schnelle Rhythmusstörung | Bedarf ↑ und Angebot ↓ – kürzere Diastole |
Bei Atherosklerose lagern sich unter Beteiligung von Lipoproteinen und Entzündungszellen Plaques in der Arterienwand ab. Eine flussbegrenzende Stenose vermindert die Reserve: In Ruhe kann das Angebot ausreichen, bei Belastung nicht mehr. Bei Plaqueruptur oder Erosion kommt thrombogenes Material mit Blut in Kontakt. Thrombozyten und Gerinnung bilden einen Thrombus; der Fluss kann plötzlich abnehmen oder vollständig ausfallen. Eine vorher nur mäßige Stenose schützt nicht vor diesem Ereignis.
Ohne wirksame Kollateralen sind regionale Perfusionsstörungen meist erst ab einer Einengung von mehr als 50 % zu erwarten; ab etwa 75 % ist die Koronarreserve erschöpft, typischerweise mit Belastungsangina. Umgekehrt entstehen etwa 70 % der Infarkte an Stenosen unter 50 %.

Abbildung: Vergleiche die beiden Wege: Der Stenosegrad erklärt die Belastungsangina, aber nicht das Risiko eines plötzlichen Thrombus. Quelle: eigene Darstellung.
Wie wird eine Koronarstenose nach dem Durchmesser eingeteilt?
| Grad | Einengung | Bedeutung |
|---|---|---|
| I | 25–49 % | meist ohne Perfusionsstörung |
| II | 50–74 % | signifikante Stenose |
| III | 75–99 % | kritische Stenose; ohne Kollateralen ist die Koronarreserve erschöpft |

Intrakoronare optische Kohärenztomographie (OCT), je ein Gefäßquerschnitt; die Ringe in der Mitte sind der Bildgebungskatheter. Links Plaqueruptur: Die fibröse Kappe ist unterbrochen, in der Gefäßwand liegen zwei Hohlräume (gestrichelte Pfeile), die Lumenoberfläche ist unregelmäßig (durchgezogener Pfeil). Rechts Plaqueerosion: Thrombusmaterial ragt ins Lumen (Pfeil), die fibröse Kappe darunter ist intakt. Sternchen: Schatten des Führungsdrahts. Die OCT ist eine Spezialuntersuchung im Herzkatheter; hier macht sie die beiden Auslöser des Thrombus sichtbar.
Quelle: Buonpane A et al., J Clin Med 2025;14(15):5456, Abb. 1, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Panelbuchstaben entfernt, Panels zugeschnitten.
Wie unterscheiden sich Plaqueruptur und Plaqueerosion?
| Merkmal | Plaqueruptur | Plaqueerosion |
|---|---|---|
| Fibröse Kappe | dünn, reißt ein | intakt |
| Plaquekern | großer nekrotischer Lipidkern liegt frei | meist ohne großen Kern |
| Thrombus | gemischt, oft erythrozytenreich („rot“) | überwiegend plättchenreich („weiß“) |
| Anteil am ACS | häufigster Mechanismus | etwa 30–40 % in OCT-Studien |
| Häufigere Präsentation | STEMI | NSTE-ACS, relativ häufiger bei Frauen |
Anhaltende Ischämie kann Zellen irreversibel schädigen. Zunächst können Funktion und elektrische Eigenschaften gestört sein, bevor ein Biomarkeranstieg messbar wird. Zeit bis zur Wiedereröffnung, Restfluss und Kollateralen beeinflussen das gefährdete Gewebe. Eine starre Minutenangabe für jeden Patienten wäre irreführend.
Typisch ist die ischämische Kaskade: Zuerst sinkt die Perfusion, dann folgen Stoffwechselstörung, diastolische und systolische Funktionsstörung, EKG-Veränderungen und erst zuletzt – oder gar nicht – Angina pectoris. Im Tiermodell sind erste Zellschäden nach etwa 10–15 Minuten nachweisbar; die Nekrose schreitet über mehrere Stunden vom Subendokard zum Subepikard fort. Je früher die Wiedereröffnung, desto mehr Myokard bleibt erhalten; ohne Reperfusion wird die Nekrose oft transmural.
Was bestimmt, wie viel gefährdetes Gewebe verloren geht?
| Einflussgröße | Richtung |
|---|---|
| Zeit bis zur Wiedereröffnung | Je länger, desto mehr irreversibler Schaden |
| Restfluss | Verbleibender Fluss bremst den Schaden |
| Kollateralen | Können gefährdetes Gewebe mitversorgen |

Abbildung: Lies die obere Kette als typische Reihenfolge, nicht als feste Uhr; Zeit, Restfluss und Kollateralen verschieben den Ablauf. Quelle: eigene Darstellung.
Ein Patient entwickelt bei schnellem Treppensteigen Druck hinter dem Brustbein, der nach wenigen Minuten Ruhe verschwindet. Eine feste Koronarstenose ist eine mögliche Erklärung: Die Belastung erhöht Frequenz und Bedarf, die eingeschränkte Flussreserve kann nicht folgen. Das Muster begründet einen KHK-Verdacht, beweist die Stenose aber nicht. Das Ruhe-EKG ist ein elektrisches Momentbild; es kann trotz koronarer Ischämie unauffällig bleiben. Bei neuem Ruheschmerz ändert sich die Lage; dann muss ein akutes Koronarsyndrom geprüft werden.
Stabile Angina klingt in Ruhe typischerweise innerhalb von 5–15 Minuten, nach kurz wirksamem Nitrat innerhalb von 1–2 Minuten ab. Für ein akutes Koronarsyndrom sprechen dagegen Ruheschmerz über 20 Minuten, neu aufgetretene schwere Angina, zunehmend häufigere, längere oder leichter auslösbare Anfälle (Crescendo) und Angina kurz nach einem Infarkt.

Abbildung: Beschwerdeverlauf und zugrunde liegender Mechanismus zusammen lesen. Quelle: eigene Darstellung.
| Beobachtung | Einordnung |
|---|---|
| Druck bei Belastung, Besserung in Ruhe | KHK-Verdacht, kein Stenosebeweis |
| Unauffälliges Ruhe-EKG | Schließt Ischämie nicht aus |
| Neuer Ruheschmerz | Akutes Koronarsyndrom prüfen |

Abbildung: Entscheidend ist zuerst das Muster: belastungsabhängig und gleichbleibend spricht für den geplanten Weg, neu, zunehmend oder in Ruhe für den Notfallpfad. Quelle: eigene Darstellung.

So kann eine feste Stenose aussehen: In der Koronarangiographie füllt Kontrastmittel die linke Koronararterie als dunkle Bänder. Die Pfeile markieren hochgradige Engstellen am Hauptstamm und am Ramus circumflexus. Das Bild zeigt die Lumeneinengung, aber nicht deren Ursache.
Quelle: Pantaleo MA et al., BMC Cancer 2012;12:231, Abb. 1, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0; unverändert, in WebP umgewandelt.
Unterstützte Aufgabe
Bei unveränderter Koronarstenose sinkt das Hämoglobin durch eine Blutung deutlich. Ergänze: „Das Sauerstoffangebot sinkt, weil … . Ein unverändertes Ruhe-EKG … .“
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Koronarstenose | Unverändert |
| Neues Ereignis | Blutung |
| Hämoglobin | Deutlich gesunken |
| Ruhe-EKG | Unverändert |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
„… weniger Hämoglobin Sauerstoff transportieren kann. Ein unverändertes Ruhe-EKG schließt eine aktuelle oder belastungsabhängige Ischämie nicht aus.“ Die zentrale Größe ist der Sauerstofftransport, nicht nur der Gefäßdurchmesser. Selbstvergleich: Angebotsseite und EKG-Grenze genannt.
Unabhängige Aufgabe
Eine Patientin hat eine anhaltende Tachykardie mit 160/min und thorakalen Druck, aber keinen bekannten Koronarverschluss. Erkläre zwei Mechanismen, durch die die Tachykardie eine Ischämie begünstigen kann.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Rhythmus | Anhaltende Tachykardie |
| Frequenz | 160/min |
| Beschwerden | Thorakaler Druck |
| Koronarverschluss | Nicht bekannt |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Der Herzmuskel arbeitet häufiger und verbraucht mehr Sauerstoff. Zugleich verkürzt sich die Diastole und damit die wichtige Zeit für die linksventrikuläre Koronarperfusion. Eine zusätzliche Hypotonie kann das Angebot weiter vermindern. Die Aussage erklärt eine Möglichkeit; sie beweist weder einen Infarkt noch schließt sie ein gleichzeitiges thrombotisches ACS aus.
Schädigung oder Infarkt?
Lernziel: Du kannst CCS, instabile Angina, NSTEMI und STEMI voneinander abgrenzen.
KHK bedeutet koronare Herzkrankheit. Ein chronisches Koronarsyndrom (CCS) beschreibt längerfristige klinische Situationen bei koronarer Erkrankung, beispielsweise reproduzierbare Belastungsangina oder die stabile Phase nach Infarkt. Beschwerden können auch bei koronarer Mikrozirkulationsstörung oder Vasospasmus auftreten. Eine nichtobstruktive Koronarangiografie beendet die Ursachenklärung bei fortbestehender Ischämie deshalb nicht automatisch. Als nichtobstruktiv gilt eine Angiografie ohne Stenose ≥50 %; Mikrozirkulation und Vasospasmus werden dann gezielt geprüft, etwa mit Koronarfunktionstest und Acetylcholin-Provokation.
Das akute Koronarsyndrom (ACS) ist zunächst ein klinischer Verdacht auf eine akute koronare Ischämie. Für das unmittelbare Vorgehen wird zwischen anhaltender ST-Hebung beziehungsweise hochgradigem Verschlussverdacht und einem ACS ohne anhaltende ST-Hebung unterschieden. Das 12-Kanal-EKG wird innerhalb von zehn Minuten nach Erstkontakt beurteilt: Neue ST-Hebungen ≥1 mm in zwei benachbarten Ableitungen (in V2–V3 je nach Alter und Geschlecht ≥1,5–2,5 mm) führen in den STEMI-Pfad. Ohne anhaltende ST-Hebung entscheidet der validierte 0/1-h- oder 0/2-h-Algorithmus des hs-Troponin-Assays zusammen mit seriellen EKGs. Die endgültige Diagnose nutzt Verlauf und Biomarker.

Abbildung: Das EKG trennt zuerst den STEMI-Pfad vom ACS ohne anhaltende ST-Hebung; erst Verlauf und Troponindynamik unterscheiden danach NSTEMI und instabile Angina. Die ST-Schwellen gelten ohne Schenkelblock und LV-Hypertrophie. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und fünfte universelle Infarktdefinition 2026.
| Begriff | Abgrenzung |
|---|---|
| Instabile Angina | Akute Ischämie ohne nachgewiesene akute ischämische Myokardnekrose; beispielsweise neue Ruheangina, zunehmende Beschwerden oder deutlich gesunkene Belastungsschwelle |
| NSTEMI | Infarkt ohne anhaltendes klassisches ST-Hebungsmuster; Troponindynamik plus Ischämienachweis |
| STEMI | Akutes klinisches Infarktsyndrom mit anhaltenden passenden ST-Hebungen; sofortige Reperfusionsentscheidung, ohne Troponin abzuwarten |
Instabile Angina ist mit hochsensitiven Tests seltener geworden. Sie bleibt möglich: Negative Troponinwerte beweisen nicht, dass kein relevantes koronares Problem besteht. Ein einzelner sehr niedriger Wert genügt zum NSTEMI-Ausschluss nur bei Beschwerdebeginn mehr als drei Stunden vor der ersten Probe. Ein NSTEMI kann einen verschlossenen Koronarast haben; die EKG-Kategorien bilden die Anatomie nicht vollständig ab.

Abbildung: Die linke Spalte begrenzt den Troponin-Ausschluss, die rechte den anatomischen Ausschluss. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinien ACS 2023 und chronisches Koronarsyndrom 2024.

Was „Infarkt“ morphologisch bedeutet: Vitales Myokard färbt sich mit Nitroblau-Tetrazolium violett an. Die blasse, ringförmige Zone unter dem Endokard des linken Ventrikels bleibt ungefärbt – ein zirkumferenzieller subendokardialer Infarkt (Autopsiepräparat). Bei instabiler Angina fehlt eine solche nachgewiesene Nekrose.
Quelle: Michaud K, Basso C, d’Amati G et al. (AECVP), Virchows Archiv 2019, doi:10.1007/s00428-019-02662-1; Datei über Wikimedia Commons, CC BY 3.0. Auf die mittlere Herzscheibe zugeschnitten, Markierungspfeil entfernt, in WebP umgewandelt.

Mikroskopisch zeigt sich die ischämische Myokardnekrose als Koagulationsnekrose der Kardiomyozyten mit verstärkt eosinophilem Zytoplasma (HE-Färbung, Infarkt ohne Reperfusion, Autopsie). Troponin im Blut zeigt eine Myokardschädigung an, benennt aber nicht ihre Ursache.
Quelle: Michaud K, Basso C, d’Amati G et al. (AECVP), Virchows Archiv 2019, doi:10.1007/s00428-019-02662-1; Datei über Wikimedia Commons, CC BY 3.0. Panelbuchstabe weggeschnitten, in WebP umgewandelt.
Myokardiale Schädigung liegt bei kardialem Troponin oberhalb des assay- und geschlechtsspezifischen 99. Perzentils der verwendeten Referenzpopulation vor. Anstieg oder Abfall spricht für eine akute Schädigung; persistierend erhöhte, weitgehend stabile Werte können eine chronische Schädigung anzeigen. Ob eine relevante Dynamik vorliegt, beurteilst du mit assayspezifischen Kriterien, Zeitabständen und Kontext. Die Zeitabstände folgen dem validierten 0/1-h- oder 0/2-h-Algorithmus; eine chronische Schädigung wird erwogen, wenn mindestens zwei Werte in stabiler klinischer Situation über dem 99. Perzentil liegen.

Abbildung: Neue Beschwerden werden auch bei bekannter chronischer Erhöhung erneut geprüft. Quelle: eigene Darstellung.
Die klinische Arbeitsdiagnose Myokardinfarkt verlangt eine akute Myokardschädigung und einen Hinweis auf akute Ischämie, etwa passende Symptome, neue ischämische EKG-Veränderungen, neue regionale Wandbewegungsstörung in ischämischem Muster oder einen nachgewiesenen Koronarthrombus. Troponin allein benennt die Ursache nicht.

Eigene Lehrzeichnung mit qualitativen Kurven ohne feste Zeitabstände oder quantitative Achsenskalierung. Der Ischämienachweis ist ein zusätzlicher Schritt. Auch ein deutlich erhöhter Wert ersetzt ihn nicht. Eine kurze flache Messserie beweist keine Chronizität: Bei später Vorstellung nach Infarkt können Werte ebenfalls nur wenig schwanken; Klinik und Vorwerte bleiben entscheidend.
Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage fünfte universelle Infarktdefinition 2026 und ESC-Leitlinie ACS 2023.
Bei Troponin oberhalb des assay- und geschlechtsspezifischen 99. Perzentils zeigt die Tabelle, wie Dynamik und Verlauf einzuordnen sind.
| Messverlauf | Mögliche Einordnung | Grenze |
|---|---|---|
| Anstieg oder Abfall | akute Myokardschädigung | Dynamik mit assayspezifischen Kriterien, Zeitabständen und Kontext beurteilen |
| Persistierend erhöht, weitgehend stabil | chronische Myokardschädigung möglich | Klinik und Vorwerte bleiben entscheidend |
| Kurze, flache Messserie | keine sichere Chronizität | auch bei später Vorstellung nach Infarkt möglich |
Seit der fünften universellen Infarktdefinition von 2026 werden primärer, sekundärer und prozedurassoziierter Infarkt unterschieden. Ein primärer Infarkt geht von einer akuten koronaren Ursache aus, meist Plaqueruptur/-erosion, aber auch etwa spontaner Koronardissektion, Embolie oder Spasmus. Auch Restenose, Stentthrombose oder Bypassversagen mehr als 30 Tage nach einem Eingriff zählen dazu. Ein sekundärer Infarkt entsteht im Zusammenhang mit einer anderen akuten Erkrankung und einem Missverhältnis von Angebot und Bedarf. Ein prozedurassoziierter Infarkt steht in zeitlichem und ursächlichem Zusammenhang mit einem kardialen Eingriff; seine speziellen Kriterien gehören in die vertiefende Referenz. Gemeint sind koronare Komplikationen innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff. ESC: Infarktdefinition 2026

Abbildung: Erst wenn Schädigung und Ischämiehinweis zusammenkommen, stellt sich die Frage nach der Kategorie. Die Etiketten zu den früheren Typen sind nur grobe Orientierung, keine deckungsgleiche Übersetzung. Der untere Kasten zeigt die häufigste Falle: Troponindynamik bei schwerer Erkrankung ohne Ischämiebeleg. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage fünfte universelle Infarktdefinition 2026 (ESC).
Akute Schädigung mit passenden Ischämiesymptomen oder EKG-Veränderungen begründet zunächst eine wahrscheinliche Infarktdiagnose. Bildgebung von Koronaranatomie und Myokard hilft, Ursache und Diagnose zu bestätigen. Bei Verdacht auf sekundären Infarkt werden der auslösende Zustand und die ischämische Evidenz ausdrücklich dokumentiert; passende Koronar- oder Myokardbildgebung unterstützt die Bestätigung, soweit sinnvoll und möglich. Bestätigt wird ein sekundärer Infarkt etwa durch eine obstruktive KHK mit ≥70 % Stenose ohne akute Koronarpathologie oder durch eine neue regionale Wandbewegungsstörung im ischämischen Muster. Bei überzeugendem STEMI wird die Reperfusion dadurch nicht verzögert. Offizielle UDMI-Lehrfolien, diagnostische Kriterien Die primäre PCI ist bevorzugt, wenn sie innerhalb von 120 Minuten ab STEMI-Diagnose erreichbar ist. DGK/ESC ACS 2023

Abbildung: Der Reperfusionsweg steht vor der endgültigen Ursachenzuordnung. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Achte rechts auf die Reihenfolge: Die Bestätigung der Ursache darf beim überzeugenden STEMI keinen Aufschub erzeugen. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage fünfte universelle Infarktdefinition 2026 und ESC-Leitlinie ACS 2023.

Koronarangiografie bei STEMI während primärer PCI: Teilverschluss des Ramus circumflexus (Pfeil). Der Führungsdraht hat die Verschlussstelle bereits passiert; seine Spitze liegt am Stern. So bestätigt die Bildgebung der Koronaranatomie eine akute koronare Ursache – beim STEMI geschieht das im Rahmen der Reperfusion, nicht davor.
Quelle: Todt T, Maret E, Alfredsson J, Janzon M, Engvall J, Swahn E, BMC Cardiovascular Disorders 2012, doi:10.1186/1471-2261-12-9; Datei über Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Markierungen aus dem Original, in WebP umgewandelt.
In älteren Arztbriefen und Leitlinien findest du „Typ 1“ für den atherothrombotischen Infarkt und „Typ 2“ für das Missverhältnis ohne akute Atherothrombose. Das ist keine vollständig deckungsgleiche Übersetzung der neuen Kategorien. Ohne Ischämiebeleg bleibt bei Sepsis beispielsweise eine akute nichtischämische Myokardschädigung möglich. „Schwer krank plus Troponin“ ist keine automatische sekundäre Infarktdiagnose.
Die Tabelle ordnet häufige Ursachen einer Myokardschädigung ohne Infarkt nach Mechanismus (Auswahl).
| Mechanismus | Akute Schädigung, z. B. | Chronische Schädigung, z. B. |
|---|---|---|
| Entzündung | Myokarditis, Sepsis | chronisch-entzündliche Kardiomyopathie |
| Hämodynamischer Stress | Tachy-/Bradyarrhythmie, akute Herzinsuffizienz, Lungenembolie, maligne Hypertonie | chronische Herzinsuffizienz, arterielle oder pulmonale Hypertonie |
| Katecholamine, körperlicher Stress | Takotsubo-Syndrom, Subarachnoidalblutung, Schlaganfall, Krampfanfall, Phäochromozytom, extreme Belastung | – |
| Toxisch | Anthrazykline, Immuncheckpoint-Inhibitoren, Bestrahlung | – |
| Trauma, Eingriff | Kardioversion, PCI, Ablation, Herzoperation, Kontusion | – |
| Struktur, Kardiomyopathie | – | hypertrophe, dilatative, infiltrative oder urämische Kardiomyopathie, Klappenfehler |
Quelle: eigene Tabelle nach der fünften universellen Infarktdefinition 2026 (offizielle ESC-Lehrfolien).
Eine Patientin hat eine Lungenentzündung und ein erhöhtes Troponin. Der zweite Wert steigt, thorakale Ischämiesymptome und ischämische EKG-Zeichen fehlen, die weitere Bildgebung ist noch offen. Sicher formulierbar ist zunächst „akute Myokardschädigung“. Eine Ursache wird gesucht. Würden bei ausgeprägter Hypoxämie zusätzlich überzeugende Ischämiezeichen auftreten und keine akute koronare Pathologie vorliegen, käme ein sekundärer Infarkt in Betracht.

Abbildung: Der Fall steht heute links. Erst überzeugende Ischämiezeichen würden ihn in die mittlere oder rechte Spalte verschieben. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage fünfte universelle Infarktdefinition 2026.
Unterstützte Aufgabe
Troponinanstieg mit mindestens einem Wert oberhalb der für diese Person geltenden 99.-Perzentil-Grenze und neue regionale ST-Senkungen bei anhaltendem Thoraxdruck: Welche zwei Bausteine der Infarktdefinition sind vorhanden?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Untersuchung | Angabe |
|---|---|
| Troponin | Anstieg; mindestens ein Wert über der geltenden 99.-Perzentil-Grenze |
| EKG | Neue regionale ST-Senkungen |
| Beschwerden | Anhaltender Thoraxdruck |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Akute Myokardschädigung durch die Troponindynamik und ein klinisch-elektrischer Hinweis auf akute Ischämie. Bei fehlenden anhaltenden ST-Hebungen passt zunächst ein NSTEMI. Der Infarkttyp und die Koronaranatomie sind damit noch nicht abschließend geklärt.
Multiple Choice
Unabhängige Aufgabe
Bei fortgeschrittener Nierenkrankheit sind wiederholt erhöhte, nahezu konstante Troponinwerte bekannt. Heute bestehen neue typische Ruheschmerzen. Welche Aussage passt?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Zeitbezug | Angabe |
|---|---|
| Vorerkrankung | Fortgeschrittene Nierenkrankheit |
| Vorwerte | Wiederholt erhöhtes, nahezu konstantes Troponin |
| Heute | Neue typische Ruheschmerzen |
- a)Die Nierenkrankheit erklärt jeden weiteren Wert; eine ACS-Abklärung entfällt.
- b)Ein einzelner erhöhter Wert beweist einen neuen atherothrombotischen Infarkt.
- c)Vorwerte helfen, aber neue Beschwerden erfordern serielles EKG, zeitgerechte Troponinmessungen und klinische Bewertung.
Die ersten zehn Minuten
Lernziel: Du kannst bei Thoraxschmerz die erste Beurteilung priorisieren.
Beginne am Patienten: Bewusstsein, Atemweg, Atemarbeit, Oxygenierung, Puls, Blutdruck und Hautperfusion. Bewusstlosigkeit mit fehlender normaler Atmung und fehlenden Kreislaufzeichen verlangt den Reanimationsweg. Bei vorhandenem Kreislauf sind Schock, schwere Dyspnoe, anhaltende starke Schmerzen, Synkope oder ein neues neurologisches Defizit Alarmsignale. Hole früh Hilfe und organisiere Überwachung; die Anamnese läuft parallel zur Stabilisierung. Schockverdächtig ist etwa ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg zusammen mit Zeichen der Minderperfusion wie kühler Haut, Verwirrtheit oder Oligurie; Sauerstoff ist bei ACS vor allem bei einer SpO₂ unter 90 % angezeigt.
Erste Beurteilung am Patienten
| Prüfen | Alarmsignal |
|---|---|
| Bewusstsein, Atmung, Kreislaufzeichen | bewusstlos ohne normale Atmung und Kreislaufzeichen → Reanimationsweg |
| Atemweg, Atemarbeit, Oxygenierung | schwere Dyspnoe |
| Puls, Blutdruck, Hautperfusion | Schock |
| Schmerz | anhaltend stark |
| Bewusstsein, Neurologie | Synkope, neues neurologisches Defizit |
Ein 12-Kanal-EKG soll bei ACS-Verdacht sofort abgeleitet und innerhalb von zehn Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt interpretiert werden. Monitoring zeigt Rhythmus und Verlauf, ersetzt aber kein diagnostisches 12-Kanal-EKG. Sichere venösen Zugang und Blutentnahme, ohne eine notwendige Reperfusion oder andere Notfallmaßnahme zu verzögern. Das 12-Kanal-EKG nutzt zehn Elektroden, vier an den Extremitäten und sechs an der Brustwand, und wird bei erneuten oder veränderten Beschwerden wiederholt. Neben dem hs-Troponin als 0-h-Wert helfen Blutbild, Kreatinin, Elektrolyte und bei Antikoagulation die Gerinnung, die Akuttherapie sicher zu planen.

Für das 12-Kanal-EKG kommen zu den Extremitätenelektroden sechs Brustwandelektroden (V1–V6) hinzu; sie liegen im Bogen vom rechten Sternalrand bis zur linken Thoraxseite. Ein Monitor mit wenigen Elektroden liefert diese Ableitungen nicht.
Quelle: John Campbell, „12 Lead EKG positions.“, Wikimedia Commons (über Flickr), Public Domain Mark; zugeschnitten, Herstelleraufdruck unkenntlich gemacht, verkleinert.
So liegen die zehn Elektroden des 12-Kanal-EKGs:
| Elektrode | Lage |
|---|---|
| V1 | 4. Interkostalraum (ICR) rechts parasternal |
| V2 | 4. ICR links parasternal |
| V3 | zwischen V2 und V4 |
| V4 | 5. ICR links in der Medioklavikularlinie |
| V5 | linke vordere Axillarlinie, Höhe V4 |
| V6 | linke mittlere Axillarlinie, Höhe V4 |
| Extremitäten | rot rechter Arm, gelb linker Arm, grün linkes Bein, schwarz rechtes Bein (Erdung) |

Abbildung: Der Monitor überwacht den Rhythmus, die Diagnose stellt das 12-Kanal-EKG; die Kästchen V1–V6 zeigen die Lage der Brustwandelektroden. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Das Labor läuft parallel; bei Okklusionszeichen wartet die Reperfusion auf keinen Laborwert. Quelle: eigene Darstellung.

Vom ersten medizinischen Kontakt bis zur EKG-Interpretation laufen Untersuchung, EKG, Monitoring, Zugang und Anamnese nebeneinander. Die beiden unteren Kästen zeigen, wann du sofort eskalierst.
Quelle: Eigene Lehrzeichnung, nicht maßstäblich.

Abbildung: Erst Kreislauf und Alarmsignale, dann EKG innerhalb von zehn Minuten; die drei Ausgänge unten bestimmen den weiteren Weg. Gefährliche Alternativen bleiben während des ACS-Wegs im Blick. Quelle: eigene Darstellung.
Ein abrupt maximaler Schmerz mit Puls- oder neurologischen Auffälligkeiten weckt insbesondere Aortenverdacht; Immobilisation und frühere Thrombose erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie. Erfrage Beginn und Verlauf genau: plötzlich maximal oder zunehmend, seit wann, in Ruhe oder bei Belastung, kontinuierlich oder wiederkehrend? Dazu Lokalisation, Ausstrahlung, Druck/Enge/Stechen, Atem- und Lageabhängigkeit, Intensität sowie Dyspnoe, Übelkeit, Schweiß, Synkope und Palpitationen. Halte den Zeitpunkt des letzten schmerzfreien Intervalls fest. Ältere Menschen, Personen mit Diabetes und andere Betroffene können sich vorwiegend mit Atemnot, Schwäche oder Oberbauchbeschwerden vorstellen. Fehlender „typischer“ Schmerz entwarnt nicht. Angina in Ruhe über 20 Minuten ist nach ESC-Leitlinie ein Merkmal der instabilen Angina und damit ein ACS-Warnzeichen.

Abbildung: Fehlende Angina und stabiler Blutdruck beenden den ACS-Verdacht nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Gehe zuerst die zeitliche Spur durch; die beiden roten Äste zeigen, welche Zeitmuster sofort an gefährliche Ursachen denken lassen. Quelle: eigene Darstellung.
Frage nach KHK/PCI, Gefäßerkrankungen, Hypertonie, Diabetes, Rauchen, familiärer Belastung, kürzlicher Immobilisation/Operation, früherer Thrombose, bekannter Aortenerkrankung und Schwangerschaft beziehungsweise Wochenbett. Bei Medikamenten sind Antikoagulanzien, Thrombozytenhemmer, letzte Einnahme, Allergien, Blutungen und PDE-5-Hemmer besonders relevant. Nitrate und PDE-5-Hemmer können gemeinsam einen gefährlichen Blutdruckabfall auslösen; deshalb wird die letzte Einnahme vor einer Nitratgabe gezielt erfragt. Auch Kokain oder andere Stimulanzien können die Beurteilung verändern. Nach Sildenafil oder Vardenafil gelten mindestens 24 Stunden, nach Tadalafil mindestens 48 Stunden als Sperrintervall vor einer Nitratgabe.

Abbildung: Letzte Einnahme und aktuelle Befunde bestimmen die Sicherheitsprüfung. Quelle: eigene Darstellung.
Vorgeschichte und Situation lenken den Verdacht in unterschiedliche Richtungen:
| Angabe | erhöht vor allem den Verdacht auf |
|---|---|
| KHK/PCI, Gefäßerkrankung, Diabetes, Rauchen, familiäre Belastung | ACS |
| Hypertonie, bekannte Aortenerkrankung | Aortenereignis; Hypertonie auch ACS |
| kürzliche Immobilisation oder Operation, frühere Thrombose | Lungenembolie |
| Schwangerschaft oder Wochenbett | Lungenembolie; seltener Aortendissektion oder spontane Koronardissektion |
| Kokain oder andere Stimulanzien | Ischämie durch Vasospasmus; veränderte Beurteilung |

Abbildung: Die linke Spalte zeigt die Sperrintervalle, die du vor jeder Nitratgabe aus der letzten Einnahme ableitest. Quelle: eigene Darstellung.
Diese Wirkstoffe sperren eine Nitratgabe; frage auch nach Indikationen außerhalb der Erektionsstörung:
| Wirkstoff | häufige Indikation | Nitrat-Sperre |
|---|---|---|
| Sildenafil | Erektionsstörung, pulmonale Hypertonie | mindestens 24 h |
| Vardenafil | Erektionsstörung | mindestens 24 h |
| Tadalafil | Erektionsstörung, benignes Prostatasyndrom, pulmonale Hypertonie | mindestens 48 h |
| Riociguat | pulmonale Hypertonie, CTEPH | während der Therapie keine Nitrate |
Gezielte Fragen und ihr Zweck
| Gezielte Frage | prüft vor allem |
|---|---|
| Schlagartig maximal? Ausstrahlung in den Rücken? Puls- oder neurologische Auffälligkeiten? | Aortenereignis |
| Immobilisation, Operation, frühere Thrombose? | Lungenembolie |
| PDE-5-Hemmer – wann zuletzt? | Nitrat-Gegenanzeige |
| Antikoagulanzien, Thrombozytenhemmer, Blutungen, Allergien? | Sicherheit der Akuttherapie |
| Kokain oder andere Stimulanzien? | veränderte Beurteilung |
| Atemnot, Schwäche, Oberbauchbeschwerden bei Älteren oder Diabetes? | ischämische Präsentation ohne typischen Schmerz |
Untersuche Herz und Lunge, Pulse und Perfusion. Beidseitiger Armblutdruck, Pulsdifferenzen, ein neues diastolisches Geräusch oder neurologische Auffälligkeiten können einen Aortenverdacht stützen. Fehlende Seitendifferenz schließt ihn nicht aus. Einseitig fehlendes Atemgeräusch bei Instabilität lässt an Spannungspneumothorax denken. Halsvenenstauung, Rasselgeräusche, Beinödem oder einseitige Beinschwellung beantworten unterschiedliche Fragen; kein Einzelzeichen ersetzt die Gesamtbeurteilung.

Abbildung: Auskultatorische Blutdruckmessung: Manschette am Oberarm, Stethoskop distal davon über der A. brachialis. Bei Thoraxschmerz misst du an beiden Armen und tastest die Pulse seitenvergleichend. Quelle: Linda Bartlett (Fotografin), National Cancer Institute (NIH), „Nurse Checks Blood Pressure“, Wikimedia Commons, gemeinfrei (US-Bundesbehörde); rechter Rand zugeschnitten, verkleinert.

Jeder Befund beantwortet eine eigene Frage: rot markiert sind Hinweise auf ein Aortenereignis, orange der Spannungspneumothorax, grün die Thrombose als Weg zur Lungenembolie, blau Stauungszeichen. Ein Fragezeichen bedeutet Verdacht, keine Diagnose.
Quelle: Eigene Lehrzeichnung, nicht maßstäblich.

Abbildung: Jeder Befund stellt eine eigene Frage; rot sind Sofortlagen, blau Fragen an die Bildgebung. Quelle: eigene Darstellung.
Druckschmerz über der Thoraxwand und Besserung nach Nitrat können bei verschiedenen Ursachen vorkommen. Sie sind keine zuverlässigen ACS-Ausschlusstests.
Diese beiden Beobachtungen sind keine zuverlässigen ACS-Ausschlusstests.
| Beobachtung | Aussagegrenze |
|---|---|
| Druckschmerz über der Thoraxwand | kann bei verschiedenen Ursachen vorkommen; schließt ACS nicht zuverlässig aus |
| Besserung nach Nitrat | kann bei verschiedenen Ursachen vorkommen; schließt ACS nicht zuverlässig aus |

Abbildung: Keiner der sechs Befunde beendet die Abklärung; alle Wege münden in serielle EKG und den Troponinverlauf. Quelle: eigene Darstellung.
„58-jähriger Mann mit seit 40 Minuten anhaltendem retrosternalem Druck und Kaltschweißigkeit, RR 95/60 mmHg, Puls 110/min, SpO₂ 92 %. Führender Verdacht: ACS; zugleich wegen Hypotonie gefährliche Alternativen prüfen. Jetzt Hilfe, überwachte Versorgung und sofortiges 12-Kanal-EKG.“
Diese Problemformulierung verbindet Anlass, Dauer, Stabilität und nächste Handlung. Sie ersetzt nicht die weitere Untersuchung und behauptet noch keinen gesicherten Infarkt.
Bausteine der Problemformulierung
| Baustein | Im Beispiel |
|---|---|
| Anlass und Dauer | retrosternaler Druck seit 40 Minuten, Kaltschweißigkeit |
| Stabilität | RR 95/60 mmHg, Puls 110/min, SpO₂ 92 % |
| Führender Verdacht | ACS |
| Gefährliche Alternativen | wegen Hypotonie mitprüfen |
| Nächste Handlung | Hilfe, überwachte Versorgung, sofortiges 12-Kanal-EKG |

Abbildung: Die Messwerte bekommen jeweils eine Einordnung; daraus folgt die nächste Handlung, nicht die Diagnose. Quelle: eigene Darstellung.
Die Messwerte des Beispiels lassen sich an festen Orientierungswerten einordnen:
| Messwert | Orientierung | im Beispiel |
|---|---|---|
| RR 95/60 mmHg | Schockverdacht etwa bei syst. < 90 mmHg mit Minderperfusion | knapp darüber, mit Kaltschweiß: engmaschig kontrollieren, Nitrat zurückhaltend |
| Puls 110/min | Tachykardie ab > 100/min | Schmerz, Schock oder Lungenembolie als Ursache prüfen |
| SpO₂ 92 % | Sauerstoff bei ACS vor allem unter 90 % | kein Routine-Sauerstoff; Atmung, Messung, ggf. BGA beurteilen |
| Druck seit 40 min | Ruheschmerz > 20 min ist ein ACS-Warnzeichen | nicht als flüchtigen Schmerz abtun |
Unterstützte Aufgabe
Eine Patientin berichtet seit 25 Minuten Brustschmerz. Ergänze drei Fragen, mit denen du Aortenereignis, Lungenembolie und eine Nitrat-Gegenanzeige gezielt prüfst.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe / Auftrag | Inhalt |
|---|---|
| Beschwerde | Brustschmerz seit 25 Minuten |
| Frage 1 | Aortenereignis gezielt erfragen |
| Frage 2 | Lungenembolie gezielt erfragen |
| Frage 3 | Nitrat-Gegenanzeige gezielt erfragen |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Beispielsweise: „War der Schmerz schlagartig maximal, strahlt er in den Rücken aus oder traten Lähmungen auf?“; „Gab es kürzlich eine Operation, Immobilisation oder eine Thrombose?“; „Haben Sie Sildenafil, Tadalafil oder ein ähnliches Mittel eingenommen, und wann?“ Eine negative Antwort schließt die jeweilige Erkrankung nicht allein aus. Selbstvergleich: Jede Frage beantwortet ein konkretes Risiko.
Unabhängige Aufgabe
Eine 74-jährige Frau mit Diabetes hat neue ausgeprägte Atemnot und Übelkeit, keinen Brustschmerz. Der Blutdruck ist stabil. Beschreibe den ersten diagnostischen Schritt und die Grenze der Aussage „kein Brustschmerz“.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Person | 74-jährige Frau mit Diabetes |
| Neue Beschwerden | Ausgeprägte Atemnot und Übelkeit |
| Brustschmerz | Verneint |
| Blutdruck | Stabil |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Parallel zur ABCDE-orientierten Untersuchung und Überwachung rasch ein 12-Kanal-EKG ableiten; bei möglichem ACS zeitgerechte Biomarkerdiagnostik planen. Atemnot und Übelkeit können eine ischämische Präsentation sein. Die fehlende Angina und ein stabiler Blutdruck schließen ein ACS nicht aus. Weitere Ursachen wie Herzinsuffizienz, Lungenembolie und Infektion werden anhand der Befunde geprüft.
Ischämie im EKG
Lernziel: Du kannst Ischämiezeichen räumlich und im Verlauf einordnen.
Die Grundbefundung bleibt: Qualität und Kalibrierung → Frequenz/Rhythmus → Achse → PQ, QRS, QT → QRS-Morphologie und ST/T → klinische Konsequenz. Bei 25 mm/s sind 1 mm horizontal 40 ms, bei 10 mm/mV vertikal 0,1 mV. Bildschirmzentimeter ersetzen das EKG-Raster nicht. Die ST-Strecke beginnt am J-Punkt, dem Ende des QRS. Vergleiche eine verlässliche isoelektrische Grundlinie und zusammengehörige Ableitungen.

Abbildung: Beginne mit dem Raster; Bildschirmzentimeter ersetzen die Kalibrierung nicht. Quelle: eigene Darstellung.

So misst du: (1) den J-Punkt als Ende des QRS aufsuchen, (3) eine verlässliche isoelektrische Bezugslinie wählen, z. B. die PQ-Strecke, und (2) den senkrechten Abstand am J-Punkt in Millimetern ablesen. Im Beispiel liegt der J-Punkt zwei kleine Kästchen über der Bezugslinie: 2 mm = 0,2 mV. Schematische Lehrzeichnung, keine Patientenaufzeichnung.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.

Eigene Lehrzeichnung. Gefäßzuordnungen sind typische Beziehungen, keine sichere Angiografiediagnose; Versorgungstyp und individuelle Anatomie verändern die Verteilung.
Quelle: eigene Lehrzeichnung; fachliche Grundlage Herold Innere Medizin 2024, S. 238.
| Region | Typische Ableitungen |
|---|---|
| Inferior | II, III, aVF |
| Anterior/septal | V1–V4, in ausgedehnten Mustern weitere Brustwandableitungen |
| Lateral | I, aVL, V5–V6 |
Neue ST-Hebungen am J-Punkt in mindestens zwei benachbarten Ableitungen sind verdächtig. Ohne LV-Hypertrophie oder Linksschenkelblock gelten in V2–V3 besondere Schwellen: Männer unter 40 Jahren ≥2,5 mm, Männer ab 40 ≥2 mm, Frauen ≥1,5 mm; in anderen Standardableitungen ≥1 mm. Entscheidend bleibt der klinische Zusammenhang. Eine nicht erreichte Schwelle schließt einen akuten Verschluss nicht aus.
| Ableitungen und Gruppe | ST-Hebung am J-Punkt |
|---|---|
| V2–V3, Männer unter 40 Jahren | ≥ 2,5 mm |
| V2–V3, Männer ab 40 Jahren | ≥ 2 mm |
| V2–V3, Frauen | ≥ 1,5 mm |
| andere Standardableitungen | ≥ 1 mm |
Schwellen für neue ST-Hebungen in mindestens zwei benachbarten Ableitungen, gültig ohne LV-Hypertrophie oder Linksschenkelblock. Die Tabelle ersetzt nicht den klinischen Zusammenhang.

Abbildung: Die Schwellen gelten nur ohne LV-Hypertrophie oder Linksschenkelblock; eine nicht erreichte Schwelle beendet die Abklärung nicht. Quelle: eigene Darstellung.
Reziproke ST-Senkungen in gegenüberliegenden Ableitungen unterstützen ein regionales Ischämiemuster. Horizontale oder deszendierende ST-Senkungen und dynamische T-Veränderungen können ein NSTE-ACS anzeigen. Als Orientierung gelten neue ST-Senkungen ≥0,5 mm sowie T-Inversionen >1 mm bei deutlicher R-Zacke oder R/S >1, jeweils in mindestens zwei benachbarten Ableitungen. Diffuse ST-Senkungen mit Hebung in aVR sprechen für ausgeprägte subendokardiale Ischämie, beweisen aber keinen bestimmten Hauptstammverschluss. Gemeint sind ST-Senkungen ≥1 mm in mindestens sechs Ableitungen mit Hebung in aVR und/oder V1; besonders bei Kreislaufinstabilität ist sofortige kardiologische Abklärung nötig.

Achte auf den Verlauf der ST-Strecke nach dem J-Punkt: horizontal oder deszendierend gesenkte ST-Strecken können ein NSTE-ACS anzeigen. Das rechte Feld zeigt die aufsteigende präkordiale ST-Senkung mit hoher symmetrischer T-Welle; diese de-Winter-Konstellation folgt in C03-U04-S02. Schematische Lehrzeichnung, keine Patientenaufzeichnung.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.

Abbildung: Erst nach einer Hebung suchen, dann die Senkungsform einordnen; die Schwellen sind Orientierung, Dynamik und Klinik entscheiden mit. Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
Erinnerung und Messbeispiel
Die P-Welle zeigt Vorhofdepolarisation, QRS die Kammerdepolarisation und T die Repolarisation. PQ wird vom P-Beginn bis zum QRS-Beginn gemessen, QT vom QRS-Beginn bis zum T-Ende. Ein regelmäßiger Rhythmus mit passender P vor jedem QRS, konstantem PQ und positiver P in II ist mit Sinusrhythmus vereinbar; bei unklaren P-Wellen wird die Unsicherheit genannt. PQ beträgt bei Erwachsenen gewöhnlich 120–200 ms, ein QRS ab 120 ms ist verbreitert. Eine PQ über 200 ms bei vollständiger Überleitung entspricht AV-Block I°. Kurze Ausschnitte und kleine Wellen begrenzen die Messung.
Bei regelmäßigem Rhythmus ergibt sich die Frequenz aus 60/RR in Sekunden. Bei 25 mm/s gilt näherungsweise auch 300 geteilt durch die Zahl der großen Kästchen (je 5 mm = 200 ms) zwischen zwei R-Zacken. Zur groben Frontalachse betrachtest du den überwiegenden QRS-Ausschlag in I und aVF: beide positiv → etwa 0° bis +90°; I positiv/aVF negativ → linksgerichtet, wobei eine positive II meist noch für eine Achse oberhalb −30° spricht. I negativ/aVF positiv weist nach rechts. Für eine genaue Achse brauchst du die gesamte Extremitätenkonstellation; kleine oder fast isoelektrische Komplexe erlauben keine scheinpräzise Winkelangabe. Ist bei positiver I und negativer aVF auch II negativ, liegt die Achse unter −30° (überdrehter Linkstyp). Sind I und aVF beide negativ, liegt eine extreme Achse vor; prüfe dann zuerst eine Elektrodenvertauschung.

Abbildung: I und aVF bestimmen den Quadranten; bei negativer aVF trennt II den Linkstyp vom überdrehten Linkstyp. Quelle: eigene Darstellung.
QT hängt von der Frequenz ab. Wenn ein zuverlässiges T-Ende und ein repräsentatives RR vorliegen, kann beispielsweise QTcF = QT / ∛RR nach Fridericia berechnet werden, QT und RR in Sekunden. Eine lange QT bei breitem QRS enthält bereits verlängerte Depolarisation; sie wird nicht wie bei schmalem QRS interpretiert. Bei nicht sicherem T-Ende wird keine genaue QTc erfunden. Im Pool genügt eine nachvollziehbare QT-Schätzung mit ihrer Grenze. Als Orientierung gilt eine QTc ab 450 ms bei Männern und ab 460 ms bei Frauen als verlängert; ab 500 ms ist das Risiko für Torsade-de-pointes-Tachykardien deutlich erhöht.

Abbildung: Ohne sicheres T-Ende keine genaue QTc; bei breitem QRS die verlängerte Depolarisation mitdenken. Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel: RR 0,8 s, PQ 4 kleine Kästchen, QRS 2 kleine Kästchen und QT 10 kleine Kästchen bei 25 mm/s. Frequenz 60/0,8 = 75/min, PQ 160 ms, QRS 80 ms, QT 400 ms. QTcF = 0,400/∛0,8 ≈ 0,431 s = 431 ms. I und aVF sind positiv: normale grobe Frontalachse. Erst danach werden regionale QRS-/ST-/T-Zeichen beurteilt.
| Messgröße | Rechnung bei 25 mm/s | Ergebnis |
|---|---|---|
| Frequenz | 60 / 0,8 s | 75/min |
| PQ | 4 × 40 ms | 160 ms |
| QRS | 2 × 40 ms | 80 ms |
| QT | 10 × 40 ms | 400 ms |
| QTcF | 0,400 / ∛0,8 | ≈ 431 ms |
Das ausgearbeitete Beispiel als Rechenweg: Ein kleines Kästchen entspricht 40 ms.
Unterstützte Aufgabe: Ein regelmäßiger Rhythmus hat RR 1,0 s und einen QRS von vier kleinen Kästchen bei 25 mm/s. Bestimme Frequenz und QRS-Breite.
In der App sprechen üben →Bei inferioren Veränderungen ergänzen V3R/V4R die Frage nach rechtsventrikulärer Beteiligung. ST-Senkungen V1–V3, besonders mit hohen R-Zacken und passender Klinik, können ein posteriores Gegenbild sein; ergänze V7–V9. V4R liegt rechts im fünften Interkostalraum medioklavikulär; V7–V9 liegen auf Höhe von V6 links dorsal in hinterer Axillar-, Skapular- und paravertebraler Linie. Kennzeichne die Zusatzableitungen. Deren geringere Spannung verlangt gesonderte Schwellen; sie werden fachkundig mit dem Gesamtbild beurteilt. Als Orientierung gilt eine ST-Hebung ≥0,5 mm in V7–V9 (Männer unter 40 Jahren ≥1 mm) und in V3R/V4R (Männer unter 30 Jahren ≥1 mm).

Links: Standardpositionen V1–V6 (blau) und die rechtspräkordialen Zusatzableitungen V3R/V4R (rot); V4R liegt rechts im fünften Interkostalraum medioklavikulär, spiegelbildlich zu V4. Rechts: V7–V9 (orange) links dorsal auf Höhe von V6. Beschrifte Zusatzableitungen auf dem Ausdruck. Schematische Lehrzeichnung, nicht maßstäblich.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.

Abbildung: Zusatzableitungen gezielt ergänzen und auf dem Ausdruck beschriften; die niedrigeren Schwellen gelten nur für diese Ableitungen. Quelle: eigene Darstellung.
Ein neu aufgetretener Linksschenkelblock ist allein kein Infarktbeweis. Bei anhaltendem Ischämieverdacht und Schenkelblock oder ventrikulärer Stimulation ist das EKG schwerer interpretierbar; dringliche fachkundige Beurteilung und gegebenenfalls sofortige invasive Abklärung dürfen nicht an einem unklaren Standard-EKG scheitern.

Abbildung: Sekundäre ST/T-Veränderungen erkennen und akute Beschwerden ernst nehmen. Quelle: eigene Darstellung.
Weitere Warnmuster sind ausgeprägte symmetrische T-Inversionen beziehungsweise biphasische T-Wellen anterior im passenden schmerzfreien Intervall (Wellens-Konstellation) und aufsteigende präkordiale ST-Senkungen mit hohen symmetrischen T-Wellen (de-Winter-Konstellation). Sie sind keine Entwarnung wegen fehlender klassischer Hebungen; bei überzeugender Klinik wird dringlich kardiologisch eskaliert. Eine Belastungsprüfung ist bei Verdacht auf instabile Ischämie ungeeignet. Ein einzelnes Archiv-EKG erlaubt diese klinischen Syndromdiagnosen nicht ohne die nötige Vorgeschichte. Zum klassischen Wellens-Muster gehören zudem erhaltene präkordiale R-Progression und fehlende pathologische präkordiale Q-Zacken; ausgeprägter R-Verlust spricht gegen eine unkritische Anwendung dieses Etiketts.

Abbildung: Morphologie, Schmerzphase und QRS gemeinsam beurteilen. Quelle: eigene Darstellung.
| Konstellation | EKG-Bild | Was zusätzlich passen muss |
|---|---|---|
| Wellens | ausgeprägte symmetrische T-Inversionen oder biphasische T-Wellen anterior | schmerzfreies Intervall, erhaltene R-Progression, keine pathologischen präkordialen Q |
| de Winter | aufsteigende präkordiale ST-Senkungen mit hohen symmetrischen T-Wellen | passende Klinik; klassische Hebungen fehlen |
Beide Konstellationen sind Warnmuster: bei überzeugender Klinik dringlich kardiologisch eskalieren, keine Belastungsprüfung. Ein einzelnes Archiv-EKG ohne Vorgeschichte reicht für diese Syndromdiagnosen nicht.
Das erste EKG wird innerhalb von zehn Minuten nach dem Erstkontakt interpretiert (C03-U03). Ein initial normales EKG schließt ein ACS nicht aus. Wiederhole es bei fortbestehenden oder wiederkehrenden Beschwerden, klinischer Verschlechterung und nach lokaler serieller Strategie; vergleiche mit Vor-EKGs. Dokumentiere Aufnahmezeit und Schmerzstatus. Ein Schmerz-EKG und ein später schmerzfreies EKG können verschiedene Phasen derselben Erkrankung abbilden.

Abbildung: Der Schmerzstatus gehört zur Aufnahme: Ein unauffälliges erstes EKG beendet die ACS-Abklärung nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Die Übersicht fasst C03-U04-S01 und -S02 zusammen: Lies links den EKG-Befund und rechts die Konsequenz. Rote Felder bedeuten sofortiges oder dringliches Handeln, blaue Felder eine gezielte EKG-Erweiterung. Ein unauffälliges erstes EKG führt zur Wiederholung, nicht zur Entwarnung.
Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und Vierte universelle Infarktdefinition 2018.
Fiktiver Verlauf: Um 14:00 Uhr besteht Druck, das EKG zeigt noch keine eindeutige Veränderung. Um 14:15 Uhr nimmt der Schmerz zu; nun sind in II, III und aVF neue Hebungen und in aVL eine Senkung vorhanden. Die Dynamik und regionale Verteilung machen ein akutes inferiores Ischämiemuster hochgradig wahrscheinlich. Das Reperfusionsnetz wird aktiviert; die nächste Troponinprobe wird nicht abgewartet. Die primäre PCI ist der bevorzugte Weg, wenn die PCI-vermittelte Reperfusion ab STEMI-Diagnose in unter 120 Minuten erreichbar ist (C03-U11). Rechtspräkordiale Ableitungen und der Kreislaufbefund prüfen die RV-Beteiligung parallel.

Der fiktive Verlauf Schritt für Schritt: Erst der Vergleich der beiden EKGs zeigt die Dynamik. Die Alarmierung erfolgt sofort; die RV-Prüfung läuft parallel und verzögert sie nicht.
Quelle: eigene Darstellung mit den fiktiven Zeitangaben des Beispiels.
Freie Antwort
EKG-01 · Ausgearbeitetes EKG-Beispiel

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 15130, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Die drei Zeilen zeigen zwölf Ableitungen in vier aufeinanderfolgenden Zeitfenstern; der lange II-Streifen unten zeigt den kontinuierlichen Verlauf. Dies ist eine Archivaufnahme, kein EKG des zuvor beschriebenen fiktiven Patienten.
So gehst du vor: Lies Kalibrierung und Rhythmusstreifen, dann die Extremitätenableitungen und schließlich V1–V6. Vergleiche QRS und ST/T getrennt; unten folgt der vollständige Befund.
In der App sprechen üben →Unterstützte Aufgabe
Bei Thoraxschmerz fallen ST-Senkungen V1–V3 auf. Ergänze die nächste EKG-Erweiterung und erkläre, warum „keine ST-Hebung im Standard-EKG“ nicht genügt.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Beschwerde | Thoraxschmerz |
| EKG | ST-Senkungen |
| Ableitungen | V1–V3 |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
V7–V9 ergänzen, während die akute klinische Abklärung weiterläuft. Die Senkungen können ein posteriores Ischämie-Gegenbild sein; der Standardblick erfasst nicht jede betroffene Wand gleich gut. Auch ein NSTE-Muster kann mit einem Koronarverschluss verbunden sein.
Multiple Choice
Unabhängige Aufgabe
Eine 52-jährige Frau mit anhaltendem Thoraxdruck hat neue ST-Hebungen von 2 mm in V2 und V3. Troponin ist noch nicht verfügbar. Wähle die passende Entscheidung.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Person | 52-jährige Frau |
| Beschwerde | Anhaltender Thoraxdruck |
| EKG | Neue ST-Hebung 2 mm in V2 und V3 |
| Troponin | Noch nicht verfügbar |
- a)Reperfusionsabklärung unverzüglich organisieren und EKG sowie Klinik fachkundig bewerten.
- b)Erst ein positives Troponin erlaubt die Alarmierung.
- c)Für Frauen gelten in V2/V3 mindestens 2,5 mm, deshalb zunächst Entwarnung.
Troponin richtig nutzen
Lernziel: Du kannst serielle Troponinwerte mit Symptomzeit und EKG zusammen beurteilen.
Kardiale Troponine I und T sind Bestandteile des kontraktilen Apparats. Hochsensitive Tests erkennen geringe Konzentrationen und frühe Veränderungen; unterschiedliche Hersteller messen unterschiedlich. Verwende den tatsächlichen Assay, seine Einheit, die assay- und geschlechtsspezifische 99.-Perzentil-Grenze und den validierten Entscheidungsalgorithmus. Ein Grenzwert für hs-cTnT darf nicht auf hs-cTnI übertragen werden. Bei Verwendung von ng/l gilt: 1 ng/l = 1 pg/ml; ng/ml wäre um den Faktor 1000 größer.
Zur Orientierung: Das 99. Perzentil des hs-cTnT-Assays (Elecsys) liegt bei 14 ng/l; für hs-cTnI gibt es mehrere Assays mit jeweils eigenen Grenzen.

Abbildung: Erst Typ, Einheit, Referenzgrenze und Algorithmus klären, dann deuten. 0,014 ng/ml und 14 ng/l sind derselbe Wert. Quelle: eigene Darstellung.

Troponin C, I und T bilden zusammen einen Regulationskomplex am dünnen Filament des Sarkomers. Die Abbildung zeigt die Kristallstruktur des humanen kardialen Kernkomplexes als Bandmodell; die Farben unterscheiden die Proteinketten. Hochsensitive Tests messen kardiales Troponin I oder T.
Quelle: MetskasLA, Wikimedia Commons, „Troponin Ribbon Diagram“ (Strukturdaten PDB 1J1E); CC0 1.0. Hintergrund geglättet, Rand beschnitten, als WebP gespeichert.
| Prüfpunkt | Worauf du achtest |
|---|---|
| Troponin-Typ | hs-cTnT oder hs-cTnI; Grenzwerte nicht übertragen |
| Einheit | 1 ng/l = 1 pg/ml; 1 ng/ml = 1000 ng/l |
| Referenzgrenze | assay- und geschlechtsspezifisches 99. Perzentil |
| Entscheidungsweg | der für den Assay validierte 0/1-h- oder 0/2-h-Algorithmus |
Für Patienten ohne Indikation zur sofortigen Reperfusion werden validierte 0/1-h- oder 0/2-h-Algorithmen verwendet. „0“ bezeichnet die erste Blutabnahme, nicht den Beginn der Beschwerden. Ausgangswert und absolute Änderung werden assayspezifisch kombiniert. Die Bereiche heißen Ausschluss, Beobachtung und hoher Infarktverdacht; die endgültige Diagnose bleibt klinisch. Ein sehr früher Symptombeginn, fortbestehende Beschwerden oder ein widersprüchlicher Befund können weitere Messungen erfordern. Im Beobachtungsbereich wird insbesondere eine weitere Probe nach etwa drei Stunden mit erneuter klinischer Bewertung genutzt, entsprechend dem validierten Verfahren.

Halte zwei Uhren auseinander: Die obere Achse zählt ab Symptombeginn, die untere ab der ersten Blutabnahme. „0 h“, „1 h“ und „2 h“ beziehen sich immer auf die untere Achse. Die Vorlaufzeit bis zur ersten Probe entscheidet mit, ob ein einzelner sehr niedriger Wert überhaupt verwertbar ist. Vereinfachte, nicht maßstäbliche Zeitachse.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
Beispiel nach ESC 2023 für hs-cTnT (Elecsys) im 0/1-h-Algorithmus: Ausschluss bei einem 0-h-Wert unter 5 ng/l (nur bei Symptombeginn mehr als 3 h vor der ersten Probe) oder unter 12 ng/l mit einer Änderung nach 1 h unter 3 ng/l; hoher Infarktverdacht bei einem 0-h-Wert ab 52 ng/l oder einer Änderung ab 5 ng/l. In Validierungskohorten lag der negative prädiktive Wert des Ausschlussbereichs über 99 %, der positive prädiktive Wert des Bereichs „hoher Infarktverdacht“ nur bei etwa 70–75 %. Im Beobachtungsbereich kann eine Echokardiografie die dritte Messung ergänzen; bei hohem Verdacht folgen kardiologische Mitbeurteilung und meist Koronarangiografie oder nichtinvasive Bildgebung.

Abbildung: Die Zahlen gelten nur für hs-cTnT (Elecsys); ein anderer Assay hat eigene Grenzen. Auch „hoher Verdacht“ beweist keinen Infarkt, und „Ausschluss“ ersetzt EKG und Klinik nicht. Quelle: eigene Darstellung.
Die Tabelle zeigt, wie verschieden die ESC-Grenzwerte zweier Assays im 0/1-h-Algorithmus sind (alle Werte in ng/l).

Abbildung: Diese Grenzwerte gelten nur für den genannten Assay und das validierte Verfahren. Quelle: eigene Darstellung.
| Bereich | hs-cTnT (Elecsys) | hs-cTnI (Architect) |
|---|---|---|
| Ausschluss mit einem Wert (Beginn > 3 h) | 0 h < 5 | 0 h < 4 |
| Ausschluss nach 1 h | 0 h < 12 und Δ1h < 3 | 0 h < 5 und Δ1h < 2 |
| hoher Infarktverdacht | 0 h ≥ 52 oder Δ1h ≥ 5 | 0 h ≥ 64 oder Δ1h ≥ 6 |
| Beobachtung | alle übrigen Konstellationen | alle übrigen Konstellationen |
Quelle: ESC-Leitlinie ACS 2023, Ergänzungsmaterial Tabelle S4.
Ein einzelner sehr niedriger Wert ist nur unter den ausdrücklich validierten Bedingungen des jeweiligen Verfahrens zum Ausschluss geeignet, im ESC-Schema insbesondere bei Symptombeginn mehr als drei Stunden vor der ersten Probe. Er ersetzt die EKG- und klinische Bewertung nicht. Es gibt keine allgemeine „zweimal negativ, dann nach Hause“-Regel. Instabile Angina und gefährliche nichtkoronare Ursachen müssen weiterhin bedacht werden. Umgekehrt kann Troponin unter anderem bei Myokarditis, Lungenembolie, Herzinsuffizienz, Sepsis oder Nierenkrankheit erhöht sein.

Abbildung: Weder niedriger noch erhöhter Einzelwert beendet die Beurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Drei-Stunden-Bedingung betrifft den Symptombeginn vor der ersten Probe, nicht den Abstand zweier Proben. Quelle: eigene Darstellung.
| Befund | Was er allein nicht leistet |
|---|---|
| ein sehr niedriger Einzelwert | Ausschluss nur unter validierten Bedingungen (ESC: Symptombeginn > 3 h vor der ersten Probe); ersetzt EKG und Klinik nicht |
| zwei unauffällige Werte | keine allgemeine „zweimal negativ, dann nach Hause“-Regel; instabile Angina und gefährliche nichtkoronare Ursachen bleiben möglich |
| ein erhöhter Wert | beweist keinen Infarkt; auch Myokarditis, Lungenembolie, Herzinsuffizienz, Sepsis oder Nierenkrankheit kommen infrage |
Fiktiver Messverlauf, kein übertragbarer Assay-Algorithmus: Die für diese fiktive Person geltende assay- und geschlechtsspezifische Laborgrenze beträgt in diesem Beispiel 14 ng/l. Erste Probe 9 ng/l, zweite Probe nach einer Stunde 38 ng/l. Die absolute Änderung beträgt 38 − 9 = 29 ng/l. Der zweite Wert liegt über der Referenzgrenze und zeigt einen deutlichen Anstieg. Zusammen mit neuen ischämischen ST-Senkungen und typischem Schmerz spricht dies für einen akuten Infarkt. Die Zahl 29 ist hier ein Rechenergebnis und kein universeller Rule-in-Grenzwert.

Lies das Diagramm in zwei Schritten: Liegt der zweite Wert über der gestrichelten Laborgrenze? Wie groß ist die absolute Änderung zwischen beiden Proben? Erst zusammen mit EKG und Schmerzcharakter wird daraus eine Infarktaussage. Fiktive Werte für einen fiktiven Assay, keine übertragbaren Grenzwerte.
Quelle: eigene Lehrzeichnung mit den fiktiven Werten des Beispiels.
Unterstützte Aufgabe
Der Symptombeginn war um 08:50 Uhr, die erste Blutentnahme um 09:10 Uhr, die zweite um 10:10 Uhr. Wie lange nach Symptombeginn wurde die erste Probe entnommen, und was bezeichnet „1 h“?
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Die erste Probe erfolgte 20 Minuten nach Symptombeginn und damit sehr früh. „1 h“ bezeichnet den Abstand von der ersten zur zweiten Probe. Ein früher unauffälliger Wert darf nicht isoliert entwarnen. Selbstvergleich: Beide Zeitachsen auseinandergehalten.

Die rote Klammer misst ab Symptombeginn, die blaue ab der ersten Blutentnahme. Das Probenintervall zählt ab Entnahme, nicht ab Ergebnisfreigabe.
Quelle: eigene Lehrzeichnung mit den Zeitangaben der Aufgabe.
Unabhängige Aufgabe
Ein Patient hat seit 30 Minuten wiederkehrenden Ruheschmerz, das erste EKG ist unauffällig, ein hs-Troponin liegt unter dem 99. Perzentil. Beschreibe den nächsten Plan und zwei Grenzen der bisherigen Befunde.
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Überwachte klinische Neubewertung, erneutes EKG insbesondere bei Beschwerden und serielles hs-Troponin nach dem für den verwendeten Assay validierten Verfahren. Ein frühes Troponin unterhalb des 99. Perzentils schließt einen entstehenden Infarkt nicht aus. Ein unauffälliges EKG schließt ACS ebenfalls nicht aus; auch instabile Angina kann ohne Troponinanstieg vorliegen. Anhaltender schwerer Schmerz oder Instabilität erfordert Eskalation unabhängig vom geplanten Laborintervall. Bei sehr hohem Risiko gilt nach ESC 2023 eine sofortige invasive Strategie so schnell wie möglich. Gute Antwort nennt Zeitpunkt, Verlauf und konkrete nächste Untersuchung.

Abbildung: Der Laborplan läuft, solange der Patient stabil ist. Der rote Kasten unten gilt zu jedem Zeitpunkt und wartet auf kein Intervall. Maßgeblich ist die sofortige invasive Strategie so schnell wie möglich; die 2-Stunden-Angabe der älteren Darstellung wird nicht als feste Zielgrenze verwendet. Quelle: eigene Darstellung.
Gefährliche Alternativen
Lernziel: Du kannst gefährliche Thoraxschmerzursachen erkennen und gezielt abklären.
Akutes Aortensyndrom umfasst unter anderem Dissektion, intramurales Hämatom und penetrierendes Aortenulkus. Bei einer Dissektion trennt Blut Wandschichten; es kann Gefäßabgänge verschließen, eine Aorteninsuffizienz verursachen oder in den Perikardraum rupturieren. Abrupt maximaler Brust-/Rückenschmerz, Pulsdifferenz, neue Aorteninsuffizienz, Synkope oder neurologische Ausfälle sind Warnzeichen. Ein EKG kann gleichzeitig ischämisch sein, etwa bei Beteiligung eines Koronarostiums.

Abbildung: Jede Region, die das falsche Lumen erreicht, erzeugt ihr eigenes Warnzeichen. Deshalb kann eine Dissektion wie ein Infarkt, ein Schlaganfall oder ein akutes Abdomen aussehen. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie periphere Arterien- und Aortenerkrankungen 2024.
Bei relevantem Verdacht: sofortige fachärztliche Eskalation, Monitoring, Analgesie und kontrollierte hämodynamische Behandlung. Eine kreislaufstabile Person benötigt rasch geeignete CT-Angiografie der Aorta; bei Instabilität entscheidet das Team über unmittelbar verfügbare Bildgebung, insbesondere transösophageale Echokardiografie, und das operative Vorgehen. Eine unauffällige transthorakale Echokardiografie schließt die Dissektion nicht aus. Eine aufsteigende Aortenbeteiligung ist ein herzchirurgischer Notfall. Antithrombotika oder Fibrinolyse können eine Blutung katastrophal verstärken; der Verdacht darf nicht als nebensächlich neben einem automatischen ACS-Medikamentenschema stehen.
Nach ESC 2024 lauten die ersten Kreislaufziele: systolisch unter 120 mmHg und Herzfrequenz höchstens 60/min, zuerst mit intravenösem Betablocker. Der ADD-RS ordnet die Vortestwahrscheinlichkeit: Ab 2 Punkten folgt ohne Verzögerung die CT-Angiografie; bei 0–1 Punkten können negative D-Dimere zusammen mit Röntgen-Thorax und Ultraschall ein Aortensyndrom unwahrscheinlich machen. Typ B mit Ruptur oder Malperfusion wird primär endovaskulär (TEVAR) versorgt, ein unkomplizierter Typ B zunächst medikamentös.
Der ADD-RS vergibt je Merkmalsgruppe höchstens 1 Punkt (Summe 0–3):
| Gruppe | Merkmale – eines genügt |
|---|---|
| Vorgeschichte | Marfan-Syndrom, Aortenerkrankung in der Familie, bekannte Aortenklappenerkrankung, bekanntes Aortenaneurysma, kürzlicher Eingriff an der Aorta |
| Schmerz | Brust-, Rücken- oder Bauchschmerz, abrupt einsetzend, sehr stark oder reißend |
| Befund | Puls- oder Blutdruckseitendifferenz, fokal-neurologisches Defizit, neues Aorteninsuffizienz-Geräusch, Hypotonie oder Schock |

Kontrastmittel-CT-Angiografie, axial auf Höhe des Aortenbogens: Eine dünne Linie teilt das kontrastierte Lumen in zwei Kanäle (Pfeile) – die Dissektionsmembran zwischen wahrem und falschem Lumen. Bei dieser Person war im Fallbericht auch die Aortenwurzel beteiligt, also die aufsteigende Aorta.
Quelle: Londono S, Mendoza-Garcia FC, Kohen B, Cureus 2026;18(6):e110529, Abb. 5, doi:10.7759/cureus.110529 (PMC13349002), CC BY 4.0. Ränder zugeschnitten, in WebP umgewandelt.

Abbildung: Behandlung und Diagnostik laufen parallel. Der Kreislauf und der ADD-RS bestimmen die erste Bildgebung; erst der Stanford-Typ entscheidet über Operation, TEVAR oder Medikamente. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie periphere Arterien- und Aortenerkrankungen 2024.
Lungenembolie verlegt Lungenarterien und erhöht die rechtsventrikuläre Nachlast. Plötzliche Dyspnoe, pleuritischer Schmerz, Tachykardie, Hypoxämie, Synkope und Thromboserisiken sind Hinweise; weder normales EKG noch normale Sättigung schließen sie sicher aus. Bei Schock zählt die schnelle Einschätzung durch ein erfahrenes Team mit Bett-Echokardiografie und, wenn ohne gefährliche Verzögerung möglich, CT-Pulmonalisangiografie. Bei stabilen Patienten steuert die klinische Wahrscheinlichkeit die Diagnostik: D-Dimere können bei geringer beziehungsweise mittlerer Wahrscheinlichkeit mit einem validierten Verfahren zum Ausschluss beitragen; bei hoher Wahrscheinlichkeit ist ein negatives D-Dimer keine ausreichende Strategie. Ein positives D-Dimer ist unspezifisch und kein Emboliebeweis.

Abbildung: Die Gefahr liegt im rechten Ventrikel. Der Rückkopplungspfeil zeigt den Teufelskreis aus Dilatation, Ischämie und weiterem Versagen. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akute Lungenembolie 2019.

CT-Pulmonalisangiografie, axial: Dunkle Kontrastmittelaussparungen (Pfeile) in den Pulmonalarterienästen beider Seiten entsprechen Thromben. Die Originalautoren beschreiben bei dieser Person akute und chronische Embolien. Die Aufnahme zeigt den Befund; ob und wann sie angefertigt wird, steuern Kreislauf und klinische Wahrscheinlichkeit.
Quelle: Serra W, De Iaco G, Reverberi C, Gherli T, Cardiovascular Ultrasound 2007;5:26, doi:10.1186/1476-7120-5-26; Datei über Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Weißer Rand rechts abgeschnitten, in WebP umgewandelt.
Der altersadaptierte D-Dimer-Grenzwert bei über 50-Jährigen kann in geeigneten validierten Verfahren Alter × 10 µg/l FEU betragen. FEU bezeichnet Fibrinogen-äquivalente Einheiten; DDU-Werte sind nicht identisch. Das Verfahren darf nicht mit beliebigen anderen Einheiten oder Algorithmen vermischt werden. Antikoagulation beziehungsweise Reperfusion bei Embolie wird anhand von Kreislaufrisiko, Blutung und Diagnosewahrscheinlichkeit entschieden; ASS allein behandelt die venöse Thromboembolie nicht ausreichend.
Als instabil gilt nach ESC 2019 eine Person mit Reanimation, Schock oder anhaltend systolisch unter 90 mmHg beziehungsweise einem Abfall um mindestens 40 mmHg über mehr als 15 Minuten. Der übliche D-Dimer-Grenzwert liegt bei 500 µg/l FEU.

Abbildung: Zuerst entscheidet der Kreislauf, danach die validiert eingeschätzte Wahrscheinlichkeit. Das D-Dimer hat nur im linken Ast eine Ausschlussrolle; ein Wert über dem Grenzwert ist ein Auftrag zur CTPA, kein Emboliebeweis. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akute Lungenembolie 2019.
Ist die Embolie gesichert, ordnet die ESC das frühe Sterberisiko nach Kreislauf, sPESI, rechtsventrikulärer Dysfunktion (RV/LV > 1,0) und Troponin in hoch, intermediär-hoch, intermediär-niedrig und niedrig ein; nur das hohe Risiko erhält primär eine systemische Lyse.

Abbildung: Die Lyse ist der instabilen Person vorbehalten. Wer stabil ist, aber RV-Belastung und Troponinanstieg zeigt, wird antikoaguliert und überwacht, damit eine Verschlechterung rasch erkannt wird. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akute Lungenembolie 2019.

CT-Pulmonalisangiografie, axial auf Höhe der Kammern, bei Hochrisiko-Lungenembolie: Der rechte Ventrikel (Pfeil) ist deutlich größer als der linke – ein RV/LV-Verhältnis über 1,0 zeigt die rechtsventrikuläre Dysfunktion, die in die Risikoeinschätzung eingeht. Die Aufnahme wurde vom Bildschirm fotografiert; der kleine Mauszeiger rechts oben gehört nicht zum Befund.
Quelle: Szymkiewicz S, Wróbel M, Cureus 2026;18(2):e103190, Abb. 2, doi:10.7759/cureus.103190 (PMC12883270), CC BY 4.0. Bildschirmränder und Linien unten zugeschnitten, in WebP umgewandelt.
Bei Perikarditis ist der Herzbeutel entzündet. Scharfer, atemabhängiger Schmerz, Besserung im Sitzen/vorgebeugt, Reiben, diffuse ST-/PQ-Veränderungen und ein Erguss können passen. Die Diagnose entsteht aus mehreren klinischen und ergänzenden Befunden; das typische EKG ist weder obligat noch allein beweisend. Troponinanstieg kann auf zusätzliche Myokardbeteiligung hinweisen. Echokardiografie prüft Erguss und Hämodynamik; bei Myokarditisverdacht kann kardiale MRT die Gewebefrage beantworten.
Hohes Fieber, großer Erguss/Tamponadezeichen, subakuter Verlauf, fehlendes Ansprechen oder zusätzliche Risiken verlangen stationäre und ursachenbezogene Abklärung. Bei gesicherter unkomplizierter Perikarditis werden häufig ASS oder ein geeignetes NSAR plus Colchicin mit gastroprotektiver Begleitung eingesetzt; vor der individuellen Verordnung sind Nierenfunktion, Interaktionen, Blutung und Gegenanzeigen zu prüfen. Diese Behandlung wird nicht aufgrund einer einzelnen ST-Hebung begonnen. Schwere Dyspnoe, Hypotonie und Halsvenenstauung bei Erguss können eine Tamponade anzeigen und erfordern sofortige Intervention durch das zuständige Team.
Nach ESC 2025 gilt die Perikarditis als gesichert, wenn zum typischen Schmerz mindestens zwei Zusatzkriterien kommen: Reiben, typisches EKG, CRP-Erhöhung, neuer oder zunehmender Erguss oder Perikardbefund im MRT. Hochrisikomerkmale sind unter anderem Fieber über 38 °C, ein Erguss über 20 mm und fehlendes Ansprechen nach einer Woche. Übliche Startdosen sind Ibuprofen 600 mg oder ASS 750–1000 mg alle 8 Stunden für 1–2 Wochen plus Colchicin 0,5 mg einmal (ab 70 kg zweimal) täglich für mindestens 3 Monate; Colchicin ist dafür in Deutschland nicht zugelassen (Off-Label).

Abbildung: Erst die gefährlichen Alternativen, dann die Kriterien, dann die Hämodynamik. Ein einzelnes typisches EKG beweist die Perikarditis nicht; die Tamponade wird sofort entlastet. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie Myokarditis und Perikarditis 2025.

Transthorakale Echokardiografie, links apikaler Vierkammerblick, rechts parasternale lange Achse: Der schwarze, echofreie Saum rund um das Herz (Pfeile) ist ein großer zirkulärer Perikarderguss; LV = linker Ventrikel. Im Fallbericht lag eine Tamponade vor – ob ein Erguss hämodynamisch wirksam ist, entscheiden Klinik und dynamische Echozeichen, nicht ein einzelnes Standbild.
Quelle: Barton JC, Bertoli LF, Cavender JB, Cureus 2025;17(1):e77872, Abb. 1, doi:10.7759/cureus.77872 (PMC11846498), CC BY 4.0. Panelbuchstaben und Geräte-Logo durch Zuschnitt entfernt, in WebP umgewandelt.
| Weitere Ursache | Hinweis und erste Konsequenz |
|---|---|
| Spannungspneumothorax | Instabilität, einseitig stark vermindertes Atemgeräusch; bei klinisch überzeugendem Befund sofortige Entlastung durch ein geschultes Team, nicht auf Routinebildgebung warten |
| Ösophagusruptur | Starker Schmerz nach heftigem Erbrechen, eventuell Hautemphysem oder Sepsis; sofort chirurgisch/gastroenterologisch eskalieren und gezielte Bildgebung |
| Myokarditis/Takotsubo | ACS-ähnliche Symptome, EKG und Troponin möglich; Koronarursache akut prüfen, weitere Bildgebung einschließlich MRT nach Situation |
| Pneumonie/Pleuritis | Husten, Fieber, fokale Lungenbefunde; gezielte Lungenbildgebung und infektiologische Einordnung |
| Reflux/muskuloskelettal | Bezug zu Mahlzeit, Bewegung oder Druck möglich; erst nach angemessener Prüfung gefährlicher Ursachen als führende Erklärung verwenden |

Abbildung: Befunde am Bett lenken die sofortige Maßnahme und erste Bildgebung. Quelle: eigene Darstellung.

Thorax-Röntgen (a.p., aufrecht) bei Spannungspneumothorax rechts vor der Drainage: rechts dunkle Thoraxhälfte ohne Lungengefäßzeichnung, die Lunge ist zum Hilus kollabiert, Herz und Mediastinum sind nach links verdrängt. Bei klinisch überzeugendem Spannungspneumothorax wird auf eine solche Aufnahme nicht gewartet.
Quelle: Tirimanna R, Myerson J, Okorie M, Dorman E, J Med Case Rep 2022;16:88, Abb. 2, doi:10.1186/s13256-022-03313-x (PMC8861998), CC BY 4.0. Aufnahmebeschriftung oben durch Zuschnitt entfernt, in WebP umgewandelt.

Abbildung: Beim instabilen, klinisch eindeutigen Befund führt der rechte Ast direkt zur Entlastung; Bildgebung gehört nur in den stabilen linken Ast. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Lesetext C03-U06-S02 und S05.
Bei MINOCA liegt zunächst eine Infarktkonstellation ohne obstruktive Koronarstenose in der Angiografie vor. Es ist eine Arbeitsdiagnose, keine einheitliche Krankheit. Untersuche etwa Spasmus, Dissektion, Embolie und mikrovaskuläre Ursachen; MRT hilft, Myokarditis oder Takotsubo abzugrenzen. Die Therapie folgt der Ursache, nicht automatisch einem pauschalen lebenslangen Schema.
Nicht obstruktiv heißt nach ESC 2023: keine Stenose von 50 % oder mehr in einem großen epikardialen Gefäß; bleibt die Ursache nach der Angiografie unklar, wird eine kardiale MRT empfohlen.

Abbildung: EKG und Troponin werden mit Gefäß- und Gewebebefunden verbunden. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die fehlende obstruktive Stenose eröffnet die Ursachenklärung in drei Stufen; sie begründet kein pauschales lebenslanges Therapieschema. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023.
Eine Person hat abrupt maximalen Thoraxschmerz und eine neu schwache rechte Hand; der rechte Radialispuls ist schlecht tastbar. Obwohl das EKG ST-Veränderungen zeigt, ist das Aortensyndrom eine vorrangige gefährliche Alternative. Neurologisches Defizit und Pulsbefund passen zu einer Gefäßabgangsbeteiligung. Sofortige Eskalation und geeignete Aortenbildgebung werden organisiert; unkritische Fibrinolyse ist gefährlich.
Die Tabelle fasst die Ausgangsbefunde des Beispiels zusammen.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Schmerz | Abrupt maximaler Thoraxschmerz |
| Neurologie | Neu schwache rechte Hand |
| Puls | Rechter Radialispuls schlecht tastbar |
| EKG | ST-Veränderungen |
Unterstützte Aufgabe
Ein hämodynamisch stabiler 68-Jähriger hat nach validierter Einschätzung keine hohe Emboliewahrscheinlichkeit. Das Labor nutzt ein altersadaptiertes FEU-Verfahren. Berechne den Grenzwert und erkläre, warum ein Wert darüber noch keine Embolie beweist.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Alter | 68 Jahre |
| Hämodynamik | Stabil |
| Emboliewahrscheinlichkeit | Nach validierter Einschätzung nicht hoch |
| Laborverfahren | Altersadaptiertes FEU-Verfahren |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
68 × 10 = 680 µg/l FEU. Ein höherer Wert beendet den Ausschluss über diesen Schritt und führt zur weiteren Diagnostik, beweist aber keine Embolie: D-Dimere können etwa bei Entzündung, Tumorerkrankung oder nach Operation erhöht sein. Selbstvergleich: Zahl, Einheit und Wahrscheinlichkeitsbedingung genannt.
Unabhängige Aufgabe
Eine Patientin hat pleuritischen Brustschmerz und einseitig stark vermindertes Atemgeräusch, wird hypotensiv und zunehmend dyspnoisch. Soll zunächst das bereits bestellte Routine-Röntgen abgewartet werden? Begründe den nächsten Schritt.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Schmerz | Pleuritischer Brustschmerz |
| Auskultation | Einseitig stark vermindertes Atemgeräusch |
| Verlauf | Hypotonie und zunehmende Dyspnoe |
| Bildgebung | Routine-Röntgen bereits bestellt |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Nein. Bei klinisch überzeugendem Spannungspneumothorax ist die Situation unmittelbar lebensbedrohlich. Sofortige Notfalleskalation und Entlastung durch ein geschultes Team erfolgen ohne diese Verzögerung. Parallel werden Atmung und Kreislauf unterstützt. Die technische Durchführung verlangt praktische Ausbildung; eine digitale Antwort belegt diese Fertigkeit nicht.
CCS gezielt untersuchen
Lernziel: Du kannst beim stabilen KHK-Verdacht die passende Testfrage formulieren.
Der stabile Pfad beginnt erst, wenn kein akutes instabiles Syndrom vorliegt. Erhebe Belastungsbezug, Schwelle, Dauer, Alltagseinschränkung und Risiken. Ein Ruhe-EKG kann normal sein. Labor beantwortet unter anderem Fragen nach Anämie, Nierenfunktion, Diabetes und Lipiden. Empfohlen sind dafür bei allen Blutbild mit Hämoglobin, Kreatinin mit eGFR, HbA1c und/oder Nüchternglukose, ein Lipidprofil mit LDL-C und mindestens einmal die Schilddrüsenfunktion. Eine transthorakale Echokardiografie prüft Ventrikelfunktion, Wandbewegung und andere Ursachen wie eine relevante Klappenerkrankung.
| Baustein | Was er beantwortet |
|---|---|
| Anamnese | Belastungsbezug, Schwelle, Dauer, Alltagseinschränkung, Risikofaktoren |
| Ruhe-EKG | Ausgangsbefund – kann trotz KHK normal sein |
| Labor | u. a. Anämie, Nierenfunktion, Diabetes, Lipide |
| Transthorakale Echokardiografie | Ventrikelfunktion, Wandbewegung, andere Ursachen wie relevante Klappenerkrankung |
Diese Basis kommt vor jeder gezielten Koronardiagnostik und setzt voraus, dass kein akutes instabiles Syndrom vorliegt.
Quelle: eigene Tabelle nach dem Lesetext dieser Einheit; fachliche Grundlage DGK/ESC-Pocket-Leitlinie Chronisches Koronarsyndrom 2024.

Abbildung: Erst ein akutes Syndrom ausschließen, dann Anamnese, Ruhe-EKG, Labor und TTE bei allen. Ein normales Ruhe-EKG schließt eine KHK nicht aus. Quelle: eigene Darstellung.
Die klinische Wahrscheinlichkeit einer obstruktiven KHK beeinflusst den Nutzen eines Tests. Alter, Geschlecht, Beschwerdemuster und Risikofaktoren werden in ein validiertes Modell einbezogen. Gezählt werden fünf Risikofaktoren: positive Familienanamnese, Rauchen, Dyslipidämie, Hypertonie und Diabetes. Eine Prozentzahl wird nicht frei geschätzt. Das ESC-RF-CL-Modell unterscheidet sehr niedrig (≤5 %), niedrig (>5–15 %), mittel (>15–50 %), hoch (>50–85 %) und sehr hoch (>85 %). Diese diagnostische Wahrscheinlichkeit ist nicht mit einem langfristigen Ereignisrisikoscore gleichzusetzen. Die Bereiche steuern gemeinsam mit Beschwerden und Testeignung den weiteren Weg. Bei sehr geringer Wahrscheinlichkeit kann weitere koronare Bildgebung entbehrlich sein; andere Ursachen und Prävention bleiben wichtig. Persistierende Beschwerden, höhere Wahrscheinlichkeit oder Hochrisikobefunde erfordern gezielte weitere Diagnostik. Nach DGK/ESC 2024 wird bei >5–50 % bevorzugt eine CCTA und bei >15–85 % eine funktionelle Bildgebung empfohlen; bei niedriger Wahrscheinlichkeit (>5–15 %) kann ein Koronarkalk-Score (CACS) Personen in den sehr niedrigen Bereich umstufen.
| Klinische Wahrscheinlichkeit (ESC-RF-CL) | Bereich | Weiteres Vorgehen (DGK/ESC 2024) |
|---|---|---|
| sehr niedrig | ≤5 % | weitere koronare Bildgebung kann entbehrlich sein; andere Ursachen und Prävention bleiben wichtig |
| niedrig | >5–15 % | bevorzugt CCTA; ein Kalkscore (CACS) kann auf ≤5 % umstufen; persistierende Beschwerden gezielt abklären |
| mittel | >15–50 % | CCTA oder funktionelle Bildgebung; Test nach Fragestellung und Testeignung wählen |
| hoch | >50–85 % | bevorzugt funktionelle Bildgebung (Stress-Echo, Stress-MRT, SPECT/PET) |
| sehr hoch | >85 % | invasive Koronarangiografie kommt infrage (siehe nächster Abschnitt) |
Der Prozentwert stammt aus dem validierten Modell mit Alter, Geschlecht, Beschwerdemuster und Risikofaktoren. Er beschreibt die Wahrscheinlichkeit einer obstruktiven KHK, kein langfristiges Ereignisrisiko. Hochrisikobefunde erfordern in jedem Bereich gezielte weitere Diagnostik.
Quelle: eigene Tabelle nach dem Lesetext dieser Einheit; Kategorien und Testwahl nach DGK/ESC-Pocket-Leitlinie Chronisches Koronarsyndrom 2024.

Abbildung: Der RF-CL-Bereich wählt den ersten Test: CCTA bei >5–50 %, funktionelle Bildgebung bei >15–85 %, invasive Angiografie bei >85 %. Hochrisikobefunde gelten in jedem Bereich; der Prozentwert ist kein Ereignisrisiko. Quelle: eigene Darstellung.
Koronar-CT-Angiografie (CCTA) stellt Lumen und Plaques anatomisch dar und eignet sich besonders zum Ausschluss einer obstruktiven KHK in passenden Situationen. Starke Verkalkung, hohe/unregelmäßige Frequenz und Bewegungsartefakte können die Beurteilung erschweren. Eine sichtbare Stenose beantwortet nicht immer, ob sie tatsächlich eine relevante Ischämie verursacht.

Die CCTA zeigt das Gefäß als kontrastierte helle Bahn. Links ein durchgehend glattes Lumen ohne Wandauflagerung; rechts sitzen in der proximalen LAD verkalkte Plaques (helle Flecken, Pfeil) neben nicht verkalkten Wandanteilen. Viel Kalk erschwert die Beurteilung des Lumens an dieser Stelle.
Quelle: Eckert J, Schmidt M, Magedanz A, Voigtländer T, Schmermund A. Int J Mol Sci 2015;16(2):3740–56, Abb. 6 und 5, doi:10.3390/ijms16023740; CC BY 4.0. Nebeneinandergestellt, deutsche Überschriften und Pfeil ergänzt, in WebP umgewandelt.
Funktionelle Bildgebung untersucht die Konsequenz unter Belastung oder pharmakologischem Stress. Stress-Echokardiografie sucht induzierbare Wandbewegungsstörungen; Stress-MRT, SPECT oder PET können Perfusionsunterschiede darstellen. Die Auswahl hängt unter anderem von lokaler Expertise, Schallfenster, Rhythmus, Nierenfunktion, Implantaten und Belastbarkeit ab. Die Ergometrie liefert Informationen zu Beschwerden, Leistung, Blutdruck und Rhythmus, schließt aber eine KHK weniger zuverlässig aus als geeignete Bildgebungsverfahren. Ist die CCTA nicht diagnostisch oder zeigt sie eine Engstelle unklarer funktioneller Bedeutung, folgt eine funktionelle Bildgebung; umgekehrt kann eine CCTA einen unklaren Stresstest ergänzen.

Vergleiche dieselben Schnitte zeilenweise: Unter Stress bleibt eine subendokardiale Zone im basalen Septum und anteroseptal dunkel (rote Pfeile), weil dort weniger Kontrastmittel ankommt. In Ruhe ist die Kontrastierung gleichmäßig. Ein Perfusionsunterschied, der nur unter Stress auftritt, passt zu einer induzierbaren Ischämie.
Quelle: Zhou W, Sin J, Yan AT et al. Diagnostics (Basel) 2023;13(3):524, Abb. 4 (Ausschnitt), doi:10.3390/diagnostics13030524; CC BY 4.0. Auf Stress- und Ruheperfusion zugeschnitten, englische Beschriftung durch deutsche ersetzt, in WebP umgewandelt.

Abbildung: CCTA fragt nach Anatomie, Stress-Bildgebung nach Ischämie. Bleibt ein Ergebnis unklar, ergänzt der jeweils andere Test; erst danach oder bei Hochrisiko folgt die invasive Angiografie. Quelle: eigene Darstellung.
Eine invasive Koronarangiografie kommt bei sehr hoher Wahrscheinlichkeit, Hochrisikobefunden oder trotz leitliniengerechter Therapie stark einschränkenden Beschwerden infrage. Sie bietet die Möglichkeit zur Intervention, hat aber Gefäß-, Blutungs-, Kontrastmittel- und Strahlenrisiken. Bei mittelgradiger Stenose kann eine Druckmessung wie FFR oder iFR ihre funktionelle Bedeutung klären: Entscheidend ist der Druckabfall über der Engstelle, nicht nur ihr optischer Eindruck. Als hämodynamisch relevant gelten nach DGK/ESC 2024 eine FFR ≤ 0,80 (unter maximaler Hyperämie, z. B. mit Adenosin) oder eine iFR ≤ 0,89 (in Ruhe); gemessen wird gezielt bei visuell etwa 40–90 % eingeengten Gefäßen. Die technische Durchführung bleibt Aufgabe des Katheterteams.

Dieselbe hochgradige, nicht verkalkte Engstelle der mittleren LAD erscheint oben in der CCTA und unten in der invasiven Koronarangiografie (Pfeile). Beide Verfahren zeigen die Anatomie; nur die invasive Untersuchung erlaubt im selben Eingriff Druckmessung und Intervention.
Quelle: van Rosendael AR, Dimitriu-Leen AC, Bax JJ, Kroft LJ, Scholte AJHA. J Nucl Cardiol 2016;23(5):1176–9, Abb. 1 und 3, doi:10.1007/s12350-015-0351-9; CC BY 4.0. Seitliche Beschriftung und Projektionsangaben abgeschnitten, untereinander angeordnet, deutsche Überschriften ergänzt, in WebP umgewandelt.

Abbildung: Pd/Pa zeigt die funktionelle Bedeutung einer Engstelle: FFR ≤ 0,80 oder iFR ≤ 0,89 gilt als relevant. Gemessen wird gezielt bei mittelgradigen Stenosen, nicht in allen Gefäßen. Quelle: eigene Darstellung.
| Verfahren | Was dargestellt wird | Zu beachten |
|---|---|---|
| CCTA | Lumen und Plaques (Anatomie) | starke Verkalkung, hohe/unregelmäßige Frequenz, Bewegungsartefakte; Stenose beweist nicht immer Ischämie |
| Stress-Echokardiografie | induzierbare Wandbewegungsstörung unter Stress | ohne ionisierende Strahlung; Schallfenster |
| Stress-MRT, SPECT, PET | Perfusionsunterschiede unter Stress | Auswahl nach lokaler Expertise, Rhythmus, Nierenfunktion, Implantaten, Belastbarkeit |
| Ergometrie | Beschwerden, Leistung, Blutdruck, Rhythmus unter Belastung | schließt eine KHK weniger zuverlässig aus als geeignete Bildgebung |
| Invasive Koronarangiografie, ggf. FFR/iFR | Lumen; Druckabfall über einer Engstelle; Intervention möglich | Gefäß-, Blutungs-, Kontrastmittel- und Strahlenrisiken |
Quelle: eigene Tabelle nach dem Lesetext dieser Einheit; fachliche Grundlage DGK/ESC-Pocket-Leitlinie Chronisches Koronarsyndrom 2024.
Bildgebung sicher planen
CT und Koronarangiografie verwenden ionisierende Strahlung und meist iodhaltiges Kontrastmittel; SPECT/PET verwenden Radiopharmaka. Stress-Echo arbeitet ohne ionisierende Strahlung, MRT ebenfalls, benötigt je nach Fragestellung jedoch ein Kontrastmittel und hat eigene Sicherheitsbedingungen. Erfrage mögliche Schwangerschaft, frühere Kontrastmittelreaktionen und relevante Implantate; prüfe Nierenfunktion und aktuelle Medikamente. Bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² wird die CCTA nicht empfohlen und iodhaltiges Kontrastmittel nur mit vorbeugenden Maßnahmen gegeben; Metformin wird dann ab der Kontrastmittelgabe pausiert und nach 48 Stunden bei stabiler Nierenfunktion wieder angesetzt. Bei manifester Hyperthyreose wird kein iodhaltiges Kontrastmittel gegeben. Eine notwendige lebensrettende Diagnostik darf nicht schematisch wegen eines Risikofaktors unterbleiben. Die rechtfertigende Indikation, geeignete Methode und Dosisoptimierung werden fachkundig festgelegt.

Abbildung: Die diagnostische Frage und die Sicherheit bestimmen gemeinsam die Methode. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Fünf Fragen vor jeder Anmeldung: Schwangerschaft, eGFR, frühere Reaktion und Schilddrüse, Implantate, Medikamente. Die Grenze eGFR < 30 ml/min/1,73 m² betrifft CCTA, Jod-Kontrastmittel und Metformin. Quelle: eigene Darstellung.
| Verfahren | Ionisierende Strahlung | Kontrastmittel / Tracer |
|---|---|---|
| CCTA | ja | meist iodhaltiges Kontrastmittel |
| Invasive Koronarangiografie | ja | meist iodhaltiges Kontrastmittel |
| SPECT, PET | ja, durch das Radiopharmakon | Radiopharmakon |
| Stress-MRT | nein | je nach Fragestellung Kontrastmittel; eigene Sicherheitsbedingungen |
| Stress-Echokardiografie | nein | kein iodhaltiges Kontrastmittel |
Vor jeder Anmeldung: Schwangerschaft möglich? Frühere Kontrastmittelreaktion? Relevante Implantate? Nierenfunktion, Schilddrüsenfunktion und aktuelle Medikamente geprüft?
Quelle: eigene Tabelle nach dem Lesetext dieser Einheit.
Erkläre, welche Frage die Untersuchung beantwortet und was ein normales Ergebnis nicht ausschließt. Bei anhaltenden Beschwerden trotz nichtobstruktiver Gefäße sind ANOCA (Angina ohne obstruktive Koronararterienerkrankung) beziehungsweise INOCA (nachgewiesene Ischämie ohne obstruktive KHK) zu prüfen. Mikrovaskuläre Funktionsstörung und Vasospasmus erfordern eine gezielte weitere Beurteilung; die Beschwerden werden nicht allein wegen fehlender großer Stenose psychogen erklärt. Bei anhaltenden Beschwerden trotz Therapie empfiehlt DGK/ESC 2024 eine invasive Koronarfunktionsprüfung: Adenosin misst die koronare Flussreserve (auffällig CFR < 2,5) und den mikrovaskulären Widerstand (IMR > 25), Acetylcholin prüft auf Vasospasmus. Die Therapie richtet sich nach dem Endotyp, z. B. Kalziumantagonist und Nitrat bei Vasospasmus.

Abbildung: Anatomische Engstelle und koronare Funktionsstörung getrennt prüfen. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: ANOCA und INOCA werden gezielt weiter abgeklärt, bei anhaltenden Beschwerden auch invasiv mit Adenosin und Acetylcholin. Der gefundene Endotyp bestimmt die Therapie; eine fehlende große Stenose ist keine psychogene Erklärung. Quelle: eigene Darstellung.
Ein stabiler Patient hat reproduzierbare Belastungsbeschwerden und keine Hochrisikozeichen. Die validierte Wahrscheinlichkeit und die erwartete Bildqualität sprechen für CCTA. Ein unauffälliges ausreichend gutes Ergebnis kann eine relevante obstruktive KHK unwahrscheinlich machen. Eine mittelgradige stark verkalkte Engstelle könnte dagegen eine funktionelle Zusatzklärung benötigen. Ein Hochrisikobefund in der CCTA – etwa eine Hauptstammstenose ≥ 50 %, eine Dreigefäßerkrankung mit Stenosen ≥ 70 % oder eine Zweigefäßerkrankung ≥ 70 % mit proximaler LAD – führt zur invasiven Koronarangiografie mit Druckdrahtmessung. Die gleiche Untersuchung würde bei anhaltendem akutem Ruheschmerz nicht einfach den Notfallpfad ersetzen.

Abbildung: Der CCTA-Befund bestimmt den nächsten Schritt: unauffällig, unklar oder Hochrisiko. Bei akutem Ruheschmerz gilt immer der Notfallpfad. Quelle: eigene Darstellung.
Unterstützte Aufgabe
Formuliere die unterschiedliche Frage von CCTA und Stress-Echokardiografie jeweils in einem Satz.
Die Tabelle stellt die beiden Untersuchungen für den Formulierungsauftrag nebeneinander.
| Untersuchung | Auftrag |
|---|---|
| CCTA | Die Untersuchungsfrage in einem Satz formulieren |
| Stress-Echokardiografie | Die Untersuchungsfrage in einem Satz formulieren |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
CCTA: „Gibt es Plaques oder eine anatomische Einengung der Koronararterien?“ Stress-Echokardiografie: „Entsteht unter Stress eine regionale Funktionsstörung, die zu einer relevanten Ischämie passt?“ Gute Antwort trennt Anatomie und funktionelle Konsequenz.
Multiple Choice
Unabhängige Aufgabe
Eine Patientin hat weiterhin belastungsabhängige Angina, die Angiografie zeigt keine obstruktive Stenose. Welche Aussage passt?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Beschwerden | Weiterhin belastungsabhängige Angina |
| Untersuchung | Koronarangiografie |
| Ergebnis | Keine obstruktive Stenose |

Koronarangiografie der linken Koronararterie bei einem anderen Patienten (Beispielbild, nicht aus dem Fall): Das Kontrastmittel füllt den Hauptstamm, den Ramus interventricularis anterior und den Ramus circumflexus mit ihren Seitenästen bis in die Peripherie. Die Gefäßlichtung ist gleichmäßig weit, eine umschriebene Engstelle ist nicht zu sehen – das entspricht der Angabe „keine obstruktive Stenose“ in der Aufgabe.
Quelle: Rodríguez Sánchez MA et al., Cureus 2026;18(8):e114317, Abb. 5A, CC BY 4.0, https://doi.org/10.7759/cureus.114317
- a)Koronare Ursachen sind dadurch vollständig ausgeschlossen.
- b)Mikrovaskuläre Störung oder Spasmus können weiter abgeklärt werden; auch andere Ursachen bleiben zu prüfen.
- c)Ohne große Stenose ist jede weitere Therapie wirkungslos.
CCS behandeln
Lernziel: Du kannst Symptomkontrolle und Ereignisprävention bei CCS unterscheiden.
Die Behandlung hat zwei miteinander verbundene Ziele: Beschwerden vermindern und zukünftige Ereignisse verhindern. Ein Mittel kann Angina lindern, ohne in jeder Patientengruppe einen Überlebensvorteil zu haben. Umgekehrt schützt eine Lipidsenkung langfristig, auch wenn sie den aktuellen Schmerz nicht unmittelbar beendet.

Abbildung: Ordne jede Maßnahme zuerst einer Spalte zu. Die Zahlen rechts sind die ESC-Zielwerte, die du in S02 und U13 wiederfindest; die untere Zeile zeigt, warum keine Spalte die andere ersetzt. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024.
Betablocker senken Frequenz und Kontraktilität und damit den Bedarf. Sie passen insbesondere bei erhöhter Frequenz und entsprechenden Begleiterkrankungen; Bradykardie, höhergradiger AV-Block und akute hämodynamische Dekompensation begrenzen die Anwendung. Kalziumantagonisten reduzieren je nach Substanz Gefäßtonus beziehungsweise Herzfrequenz. Verapamil/Diltiazem können mit Betablockern Bradykardie und AV-Block verstärken und sind bei systolischer Herzinsuffizienz problematisch. Dihydropyridine wie Amlodipin senken vor allem den Gefäßwiderstand. Bei vasospastischer Angina stehen geeignete Kalziumantagonisten und gegebenenfalls Nitrate im Vordergrund; Betablocker sind hier keine unkritische Standardwahl.
Laut ESC-Leitlinie 2024 wird unter Betablocker zur Anginakontrolle eine Ruheherzfrequenz von 55–60/min angestrebt. Vorsicht gilt bei niedrigem Blutdruck, Diabetes und COPD; bei COPD wird ein kardioselektiver Betablocker gewählt.

Abbildung: Erst das Frequenzziel, dann die Konstellation: Die drei Spalten entscheiden, ob ein Betablocker passt, Vorsicht braucht oder an eine Grenze stößt. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024.
| Gruppe | Wirkprinzip | Vorsicht und Grenzen |
|---|---|---|
| Betablocker | Frequenz und Kontraktilität ↓, damit Bedarf ↓; passend v. a. bei erhöhter Frequenz und entsprechenden Begleiterkrankungen | Bradykardie, höhergradiger AV-Block, akute hämodynamische Dekompensation |
| Verapamil/Diltiazem | Herzfrequenz ↓ | mit Betablockern verstärkte Bradykardie und AV-Block; problematisch bei systolischer Herzinsuffizienz |
| Dihydropyridine (z. B. Amlodipin) | vor allem Gefäßwiderstand ↓ | Auswahl nach Substanz und Begleitsituation |
| Sonderfall vasospastische Angina | geeignete Kalziumantagonisten, ggf. Nitrate im Vordergrund | Betablocker sind hier keine unkritische Standardwahl |
Amlodipin verursacht häufig Knöchelödeme; kurzwirksames Nifedipin wird beim akuten Koronarsyndrom und in den ersten 4 Wochen nach Infarkt nicht eingesetzt. Verapamil verursacht oft Obstipation; Verapamil und Diltiazem werden bei HFrEF (LVEF ≤ 40 %) gemieden.

Abbildung: Folge dem jeweiligen Substanzzweig: Nur der linke Zweig lässt sich ohne zusätzliche Bremswirkung mit einem Betablocker kombinieren. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024; Herold Innere Medizin 2024, S. 245.
Reicht eine Substanz nicht, sollte laut ESC 2024 ein Betablocker mit einem Dihydropyridin kombiniert werden. Als Ergänzung kommen ein langwirksames Nitrat oder Ranolazin infrage, Ivabradin nur bei LVEF unter 40 % und Sinusrhythmus. Bleibt belastende Angina trotz dieser Therapie, wird eine Revaskularisation geprüft.

Abbildung: Frequenz, Pumpfunktion und Begleitmedikation führen zur passenden Ergänzung. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Ausgangslage bestimmt die erste Substanz; erst wenn das Ansprechen nicht reicht, wird kombiniert und ergänzt. Ein neuer Ruheschmerz verlässt diesen Plan sofort. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024.
Nitrate wirken über Stickstoffmonoxid gefäßerweiternd. Die venöse Erweiterung vermindert Vorlast und Wandspannung. Ein kurzwirksames Präparat kann bei bekannter Angina bedarfsweise helfen. Ein Beispiel ist Glyceryltrinitrat-Spray mit 0,4 mg pro Sprühstoß sublingual; die konkrete Zahl der Sprühstöße und Wiederholung folgen der Produktinformation und dem individuellen Notfallplan. Im Akutfall werden Blutdruck und Gegenanzeigen vor jeder Gabe geprüft. Bei neuem, starkem oder anhaltendem Schmerz wird unverzüglich der Rettungsdienst gerufen; die Wirkung mehrerer Dosen darf den Notruf nicht verzögern.
Bei stabiler Angina bessert kurzwirksames Glyceryltrinitrat die Beschwerden meist innerhalb von 1–2 Minuten; die Wirkung lässt nach 20–30 Minuten nach. Das Spray wird im Sitzen angewendet, weil der Blutdruck abfallen kann. Langwirksame Nitrate wie ISMN oder ISDN brauchen täglich ein nitratfreies Intervall von etwa 8–12 Stunden und verbessern die Prognose nicht.

Abbildung: Die Kette erklärt, warum Nitrate den Bedarf senken; die beiden Kästen darunter trennen den Anfall von der Vorbeugung. Das rote Band gilt immer. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024; Herold Innere Medizin 2024, S. 245.
Nitrate nicht bei relevanter Hypotonie und nicht zusammen mit PDE-5-Hemmern oder Riociguat einsetzen. Nach Sildenafil/Vardenafil gelten mindestens 24 Stunden, nach Tadalafil mindestens 48 Stunden als relevante Sperrintervalle; bei Unsicherheit oder veränderter Elimination keine blinde Gabe. Bei Verdacht auf rechtsventrikulären Infarkt kann die Vorlastsenkung den Kreislauf verschlechtern. Langwirksame Nitrate benötigen ein geeignetes Einnahmeschema gegen Toleranz. Kopfschmerz und Schwindel sind häufige Nebenwirkungen.
Als relevante Hypotonie gilt ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg; weitere Gegenanzeigen sind hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie und Aortenklappenstenose. Hinweise auf einen rechtsventrikulären Infarkt sind eine inferiore Ischämie mit Hypotonie und eine ST-Hebung in V4R. Neben Kopfschmerz und Schwindel kommen Blutdruckabfall und reflektorische Tachykardie vor.
Die Tabelle unterscheidet Bedarfsgabe, Langzeitanwendung und das Vorgehen bei neuem Schmerz.
| Situation | Anwendung | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| Bekannte Angina, kurzwirksames Nitrat | Glyceryltrinitrat-Spray: 0,4 mg pro Sprühstoß sublingual | Zahl und Wiederholung nach Produktinformation und individuellem Notfallplan |
| Langwirksames Nitrat | Geeignetes Einnahmeschema | Toleranz vermeiden |
| Neuer, starker oder anhaltender Schmerz | Unverzüglich Rettungsdienst rufen | Mehrere Dosen dürfen den Notruf nicht verzögern |

Abbildung: Gehe die vier Fragen von oben nach unten durch; jedes Ja führt nach rechts. Die Stundenangaben zählen ab der letzten Einnahme des PDE-5-Hemmers. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024; Herold Innere Medizin 2024, S. 245 und 249.
Zur Ereignisprävention gehören Rauchstopp, Bewegung, Ernährung, Blutdruck-/Diabetesbehandlung, Lipidsenkung und bei entsprechender KHK-Konstellation ein Thrombozytenhemmer. Eine duale Plättchenhemmung ist nicht automatisch für jeden stabilen Patienten erforderlich. Die detaillierte Auswahl nach ACS oder PCI lernst du in U10 und U13.

Abbildung: Symptomkontrolle und Ereignisprävention bleiben parallele Behandlungsziele. Quelle: eigene Darstellung.
Die ESC-Leitlinie 2024 nennt dafür konkrete Ziele: vollständiger Rauchstopp, 30–60 Minuten moderate Bewegung an mehr als 5 Tagen pro Woche, LDL-C unter 55 mg/dl mit mindestens 50 % Senkung, systolisch 120–129 mmHg bei guter Verträglichkeit und HbA1c unter 7,0 %. Zur Ernährung gehören eine mediterrane Kost, gesättigte Fette unter 10 % der Kalorien, Alkohol unter 100 g pro Woche und ein BMI von 18,5–25 kg/m². Bei nachgewiesener obstruktiver KHK wird lebenslang ASS 75–100 mg täglich empfohlen, bei Unverträglichkeit Clopidogrel 75 mg; nach elektiver PCI folgt meist eine DAPT aus ASS und Clopidogrel für 6 Monate.

Abbildung: Sechs Bausteine mit messbaren Zielen, die unabhängig von der Anginatherapie laufen. Die duale Plättchenhemmung ist eine zeitlich begrenzte Ausnahme, kein Dauerbaustein. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024.
Eine Revaskularisation durch PCI oder Bypass wird gemeinsam mit dem Patienten und bei komplexer Anatomie im Heart Team entschieden. PCI eröffnet ein Gefäß kathetergestützt, meist mit Stent; Bypassoperation schafft eine Umgehung. Anhaltende belastende Angina trotz geeigneter Behandlung ist ein wichtiges Ziel der Intervention. Ein zusätzlicher prognostischer Nutzen hängt insbesondere von Anatomie, Funktionsstörung und klinischer Risikosituation ab. „Jede Stenose braucht einen Stent“ ist ebenso falsch wie „Medikamente reichen immer“.
Prognostisch profitieren laut ESC 2024 bei einer LVEF über 35 % vor allem Patienten mit funktionell signifikanter Hauptstammstenose (≥ 50 %), Dreigefäßerkrankung (Stenosen ≥ 70 %) oder Beteiligung der proximalen LAD. Funktionell signifikant bedeutet eine FFR ≤ 0,80 oder iFR ≤ 0,89. Bei LVEF ≤ 35 % wägt das Heart Team ab; bei operabler Mehrgefäßerkrankung wird ein Bypass empfohlen.

Abbildung: Erst Anatomie und Funktion, dann die Begründung: Symptome und Prognose sind getrennte Gründe. Die rote Zeile zeigt die beiden Pauschalregeln, die du in der Prüfung nicht verwenden solltest. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024; Herold Innere Medizin 2024, S. 246.
Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Anatomie und Begleiterkrankungen. Der SYNTAX-Score beschreibt die anatomische Komplexität der KHK. Bei Mehrgefäßerkrankung mit Diabetes und bei komplexer Hauptstammstenose wird der Bypass bevorzugt; bei Hauptstammstenose mit SYNTAX-Score ≤ 22 ist die PCI eine gleichwertige Alternative, bei 23–32 kann sie erwogen werden. Bei Dreigefäßerkrankung ohne Diabetes mit geringer bis mittlerer Komplexität ist die PCI eine Option, wenn sie ähnlich vollständig revaskularisiert.

Abbildung: Lies jede Zeile von links nach rechts: Grün heißt Bypass bevorzugt, Orange heißt PCI ist eine gleichwertige oder mögliche Wahl. Die Entscheidung fällt im Heart Team. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024; Herold Innere Medizin 2024, S. 246–248.
Die Tabelle stellt beide Verfahren gegenüber.
| Merkmal | PCI | Bypassoperation |
|---|---|---|
| Prinzip | Katheter, Ballon, meist medikamentefreisetzender Stent | Graft umgeht die Engstelle: LIMA zur LAD, Venen- oder Radialisgraft |
| Belastung | weniger invasiv | Sternotomie, meist Herz-Lungen-Maschine |
| Bevorzugt bei | 1–2 Gefäße; Hauptstamm mit SYNTAX ≤ 22 als Alternative | Mehrgefäß-KHK mit Diabetes; komplexer Hauptstamm; Mehrgefäß-KHK mit LVEF ≤ 35 % |
| Danach | DAPT meist 6 Monate, dann ASS lebenslang | ASS 75–100 mg täglich lebenslang |

So sieht das Prinzip der PCI aus: Über einen Führungsdraht wird ein Katheter in das Herzkranzgefäß vorgeschoben, der Stent liegt als Gittergerüst an der Gefäßwand. Schematische Illustration, nicht maßstäblich.
Quelle: Blausen.com staff (2014), „Medical gallery of Blausen Medical 2014“, WikiJournal of Medicine 1(2), doi:10.15347/wjm/2014.010; Wikimedia Commons, „Blausen 0034 Angioplasty Stent 01“; CC BY 3.0. Titel und Herzübersicht weggeschnitten, englische Beschriftungen durch deutsche ersetzt, als WebP gespeichert.

Vergleiche den Ramus circumflexus in beiden Bildern: Links zeigt der rote Pfeil die Engstelle, der Stern die Spitze des Führungsdrahts. Rechts ist die Engstelle nach der Intervention nicht mehr sichtbar. Die Aufnahmen stammen von einer Person mit STEMI; sie zeigen das Prinzip der kathetergestützten Gefäßeröffnung, keine CCS-Indikation.
Quelle: Todt T, Maret E, Alfredsson J, Janzon M, Engvall J, Swahn E, BMC Cardiovascular Disorders 2012;12:9, doi:10.1186/1471-2261-12-9, über Wikimedia Commons; CC BY 2.0. Zwei Standbilder nebeneinandergestellt, Überschriften „vor PCI“ und „nach PCI“ ergänzt; Pfeil und Stern stammen aus dem Original; als WebP gespeichert.

Bei der Bypassoperation führen Gefäßtransplantate das Blut an der Engstelle vorbei. Beispielkonstellation: eine linke A. mammaria interna (LIMA) zur LAD und zwei Venengrafts von der Aorta zur RCA beziehungsweise zu einem Marginalast der LCx. Schematische Illustration.
Quelle: Patrick J. Lynch, medical illustrator; C. Carl Jaffe, MD, cardiologist (Yale University Center for Advanced Instructional Media), Wikimedia Commons, „Heart saphenous coronary grafts“; CC BY 2.5. Weißer Rand ergänzt, deutsche Beschriftungen mit Hinweislinien hinzugefügt, als WebP gespeichert.
Arterielle Grafts halten länger: Ein LIMA-Graft ist nach 10 Jahren in etwa 90–95 % offen, ein Venengraft nur in etwa 32–71 %.
Ein Patient mit CCS hat unter Betablocker Puls 48/min und Schwindel, aber weiterhin Angina. Die Dosis einfach zu erhöhen würde die Bradykardie verschärfen. Prüfe Rhythmus, Blutdruck, Einnahme, weitere bremsende Medikamente und die Ursache der Beschwerden; anschließend die antianginöse Strategie anpassen. Eine symptomatische Auswahl muss zur Physiologie passen.
Typische zusätzliche Frequenzbremsen sind Verapamil/Diltiazem, Digitalis und Amiodaron; Kalium, TSH und Blutbild (Anämie) gehören zur Ursachensuche. AV-Block II°/III°, Hypotonie oder Synkope verlangen eine Monitorüberwachung. Danach wird der Betablocker reduziert und bei Bedarf ein Mittel ohne Frequenzsenkung wie Amlodipin oder ein langwirksames Nitrat ergänzt.

Abbildung: Der linke Weg verschärft das Problem, der rechte klärt in vier Schritten die Physiologie. Erst danach wird die antianginöse Strategie angepasst. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie chronisches Koronarsyndrom 2024; Herold Innere Medizin 2024, S. 245.
Unterstützte Aufgabe
Ordne die Ziele zu: „schnelle Anginalinderung durch kurzwirksames Nitrat“ und „langfristige LDL-Senkung“. Welche Maßnahme ersetzt die andere?

Kurzwirksames Nitrat: Fläschchen mit Nitroglycerin-Sublingualtabletten zu 0,4 mg (US-amerikanisches Präparat; in Deutschland wird häufig ein Glyceroltrinitrat-Spray verwendet). Die Tablette wird unter die Zunge gelegt und dort aufgenommen.
Quelle: Intropin, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nitroglycerin_(1).JPG
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Nitrat dient vor allem der kurzfristigen Symptomlinderung; LDL-Senkung vermindert das langfristige atherosklerotische Risiko. Keine ersetzt die andere. Bei neuem Ruheschmerz ist zusätzlich eine akute Diagnostik nötig, auch wenn die Beschwerden nach Nitrat abnehmen.
| Maßnahme | Hauptziel | Zeithorizont |
|---|---|---|
| kurzwirksames Nitrat | Anginalinderung | kurzfristig |
| LDL-Senkung | atherosklerotisches Risiko ↓ | langfristig |
Unabhängige Aufgabe
Ein Patient mit bekanntem CCS hat neuen Ruheschmerz. Er nahm am Vorabend Tadalafil. Sein Blutdruck beträgt 100/65 mmHg. Beschreibe dein Vorgehen in zwei Sätzen.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Vorgeschichte | Bekanntes CCS |
| Aktuell | Neuer Ruheschmerz |
| Medikament | Tadalafil am Vorabend |
| Blutdruck | 100/65 mmHg |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Kein Nitrat wegen der relevanten PDE-5-Wechselwirkung; der neue Ruheschmerz verlangt sofortige ACS-orientierte Notfallabklärung und Überwachung. EKG und weitere Diagnostik werden organisiert, der genaue Einnahmezeitpunkt und die übrige Medikation dokumentiert. Gute Antwort vermeidet sowohl Nitratgabe als auch bloßes Abwarten wegen bekannter KHK.
Akut sicher behandeln
Lernziel: Du kannst bei ACS erste Maßnahmen nach Nutzen und Gegenanzeigen auswählen.
Organisiere überwachte Versorgung, Defibrillationsbereitschaft, venösen Zugang und frühe Abstimmung mit dem Herzkatheterteam. Wiederhole Kreislauf- und Schmerzeinschätzung. Erfrage bereits verabreichte Medikamente samt Dosis und Uhrzeit, damit keine unbeabsichtigte Doppelgabe erfolgt. Halte Symptombeginn, ersten Kontakt, EKG-Diagnose und Kontakt zum Interventionszentrum fest. Nach ESC 2023 soll das 12-Kanal-EKG innerhalb von 10 Minuten nach dem Erstkontakt gedeutet sein; bei STEMI gilt von der Diagnose bis zur Drahtpassage ein Ziel unter 60 Minuten im PCI-Zentrum und unter 90 Minuten bei Verlegung.

Abbildung: Die Zeitachse zeigt, welche Uhrzeiten du festhältst; die Aufgaben in Schritt 2 laufen gleichzeitig. Der Medikamentenabgleich in Schritt 3 verhindert eine Doppelgabe. Quelle: eigene Darstellung.
Zeitziele bei STEMI nach ESC 2023
| Abschnitt | Ziel |
|---|---|
| Erstkontakt → 12-Kanal-EKG gedeutet | < 10 min |
| STEMI-Diagnose → Drahtpassage im PCI-Zentrum | < 60 min |
| STEMI-Diagnose → Drahtpassage bei Verlegung | < 90 min |
| PCI nicht in < 120 min möglich: Diagnose → Lyse-Bolus | < 10 min |
Sauerstoff ist bei Hypoxämie angezeigt, bei ACS insbesondere bei SpO₂ unter 90 %. Bei normaler Sättigung wird er nicht routinemäßig gegeben. Werte von 90–94 % sind nicht pauschal als normal einzuordnen; Messung, Atmung und gegebenenfalls BGA sind zu beurteilen. Die Dosis wird an Messung, Atmung und gegebenenfalls BGA angepasst; bei Gefahr einer hyperkapnischen Insuffizienz gilt ein kontrolliertes Ziel. Ein schlechter peripherer Messwert wird auf Plausibilität geprüft, ohne eine manifeste respiratorische Notlage zu ignorieren. Nach der deutschen S3-Leitlinie liegt der Zielbereich unter Sauerstoff bei 92–96 %, bei Risiko einer Hyperkapnie bei 88–92 %.

Fingerpulsoxymeter: links die periphere Sauerstoffsättigung (hier 96 %), rechts die Pulsfrequenz. Bei einer normalen, plausibel gemessenen Sättigung wie dieser wird Sauerstoff bei ACS nicht routinemäßig gegeben.
Quelle: Stefan Bellini, „Pulox Pulse Oximeter“, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten, Herstellerlogo und Prägeschrift entfernt, verkleinert.

Abbildung: Unter 90 % ist Sauerstoff angezeigt und wird nach Messung, Atmung und gegebenenfalls BGA titriert. „Ab 90 %“ bezeichnet keinen Normalbereich: Werte von 90–94 % werden im klinischen Zusammenhang beurteilt. Quelle: eigene Darstellung. Fachliche Grundlage: ESC ACS 2023; S3-Leitlinie Sauerstoff in der Akuttherapie 2021.
Sauerstoff nach gemessener Sättigung
| Lage | Vorgehen | Ziel-SpO₂ |
|---|---|---|
| SpO₂ unter 90 % | Sauerstoff geben, titrieren | 92–96 % |
| unter 90 % mit Hyperkapnie-Risiko | kontrolliert geben, BGA | 88–92 % |
| ab 90 %, plausibel, ohne Atemnot | kein Routine-Sauerstoff | – |
| 90–94 % | nicht pauschal normal: Atmung, ggf. BGA | – |
Analgesie senkt Leiden und Stress. Nitrate können bei geeigneter Kreislaufsituation Symptome lindern; die Gegenanzeigen aus U08 gelten unverändert. Bei starken anhaltenden Schmerzen kann ein titriertes intravenöses Opioid unter engmaschiger Kontrolle nötig sein. Atmung, Vigilanz und Blutdruck werden überwacht. Opioide können die Aufnahme oraler P2Y12-Hemmer verzögern; eine schmerzfreie Person ist deswegen nicht automatisch reperfundiert. Routinemäßige Sedierung oder unkritische Opioidgabe ist kein Ersatz für die kausale Behandlung. Laut Fachinformation ist Nitrat bei einem systolischen Blutdruck unter 90 mmHg kontraindiziert; beim akuten Infarkt wird es nur unter Kreislaufkontrolle bei systolisch über 100 mmHg gegeben.

Abbildung: Erst die Nitratprüfung, dann bei starkem Schmerz das titrierte Opioid. Die beiden unteren Kästen laufen parallel; Schmerzfreiheit hebt den Bedarf an kausaler Behandlung nicht auf. Quelle: eigene Darstellung.
Analgesie und frühe Plättchenhemmung: Nutzen und Vorsicht
| Maßnahme | Nutzen | Vor und während der Gabe |
|---|---|---|
| Nitrat | kann bei geeigneter Kreislaufsituation Symptome lindern | Gegenanzeigen aus U08: relevante Hypotonie, PDE-5-Hemmer oder Riociguat, Verdacht auf RV-Infarkt |
| Opioid i.v., titriert | bei starken anhaltenden Schmerzen | Atmung, Vigilanz und Blutdruck überwachen; kann die Aufnahme oraler P2Y12-Hemmer verzögern |
| ASS | hemmt früh die Thrombozytenfunktion | aktive Blutung, relevante Allergie, begründeten Aortenverdacht prüfen |
Schmerzfreiheit bedeutet nicht Reperfusion.
ASS hemmt früh die Thrombozytenfunktion. Bei ACS und fehlender Gegenanzeige beträgt die Aufsättigung 150–300 mg oral, bevorzugt rasch verfügbar und nicht als verzögert freisetzendes Präparat, oder 75–250 mg intravenös, wenn oral nicht geeignet ist. Danach üblicherweise 75–100 mg einmal täglich. Vorher aktive Blutung, relevante Allergie und einen begründeten Aortenverdacht prüfen. Die weitere Plättchenhemmung und Antikoagulation werden in U10 nach dem gewählten Behandlungsweg ausgewählt. DGK/ESC ACS 2023, antithrombotische Behandlung

Abbildung: Vorbehandlung, Gegenanzeigen und Überwachung verhindern vermeidbare Fehler. Quelle: eigene Darstellung.
ASS bei ACS ohne Gegenanzeige
| Situation | Dosis |
|---|---|
| Aufsättigung oral, rasch verfügbar, nicht verzögert freisetzend | 150–300 mg |
| Aufsättigung intravenös, wenn oral nicht geeignet | 75–250 mg |
| Danach | 75–100 mg einmal täglich |

Abbildung: Vor der Aufsättigung stehen zwei kurze Prüfungen. Ist eine frühere Gabe unklar, wird sie geklärt, während der übrige Pfad weiterläuft. Quelle: eigene Darstellung. Fachliche Grundlage: DGK/ESC ACS 2023.
Eine Hypotonie bei inferiorer Ischämie kann mit RV-Beteiligung zusammenhängen. Unkritische Vorlastsenkung durch Nitrate oder starke Diurese kann verschlechtern. Beurteile Volumenstatus und Lunge; bei vermutetem Vorlastmangel kommen vorsichtige, überwachte Flüssigkeitsgaben mit sofortiger Neubewertung in Betracht, keine pauschalen Literboli. Bei Lungenödem wäre dieselbe Gabe möglicherweise schädlich. In V3R/V4R stützt eine ST-Hebung ≥ 0,5 mm (bei Männern unter 30 Jahren ≥ 1 mm) die RV-Beteiligung.

Abbildung: Oxygenierung, Vorlast und Frequenzsenkung getrennt entscheiden. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Erst an die RV-Beteiligung denken und keine Vorlast unkritisch senken. Volumenstatus, Lungenbefund und Kreislauf werden gemeinsam beurteilt: bei klarer Lunge und vermutetem Vorlastmangel kleine, überwachte Gaben mit sofortiger Neubewertung; bei Lungenödem kann dieselbe Gabe schaden. Quelle: eigene Darstellung. Fachliche Grundlage: ESC ACS 2023; Fourth Universal Definition of Myocardial Infarction 2018.
Hinweise auf RV-Beteiligung bei inferiorer Ischämie
| Befund | Hinweis |
|---|---|
| Blutdruck | systolisch < 90 mmHg, vorlastabhängig |
| V3R/V4R | ST-Hebung ≥ 0,5 mm (Männer < 30 J.: ≥ 1 mm) |
| Klinik | Halsvenenstauung bei oft klarer Lunge |
| Echo | rechter Ventrikel erweitert, schwach |
Betablocker werden nicht reflexhaft intravenös jedem Infarktpatienten gegeben. Hypotonie, Schockrisiko, akute Herzinsuffizienz, Bradykardie und Überleitungsstörung können dagegen sprechen. Ein hochintensives Statin wird bei bestätigtem ACS früh begonnen, sofern keine Gegenanzeige besteht; es gehört zur langfristigen Risikosenkung und ersetzt keine Reperfusion. Nach ESC 2023 kann Metoprolol i.v. bei primärer PCI erwogen werden, wenn keine akute Herzinsuffizienz besteht und der systolische Blutdruck über 120 mmHg liegt. Das Statin wird unabhängig vom Ausgangs-LDL begonnen, beispielsweise Atorvastatin 40–80 mg; Ziel ist ein LDL-C unter 55 mg/dl mit mindestens 50 % Senkung.

Abbildung: Die linke Spalte prüft, ob eine Akutgabe überhaupt passt; die rechte verbindet den frühen Statinbeginn mit seinem messbaren langfristigen Ziel. Quelle: eigene Darstellung. Fachliche Grundlage: DGK/ESC ACS 2023.
Betablocker und Statin in der Akutphase
| Medikament | Vorgehen | Grenze |
|---|---|---|
| Betablocker i.v. | nicht reflexhaft jedem Infarktpatienten | Hypotonie, Schockrisiko, akute Herzinsuffizienz, Bradykardie, Überleitungsstörung sprechen dagegen |
| Hochintensives Statin | bei bestätigtem ACS früh beginnen, sofern keine Gegenanzeige | langfristige Risikosenkung; ersetzt keine Reperfusion |
Ein Patient hat ein eindeutiges akutes inferiores Ischämiemuster, RR 85/55 mmHg, klare Lunge und SpO₂ 97 %. Das Team aktiviert den Katheterweg und beurteilt die RV-Beteiligung. Routinemäßiger Sauerstoff ist bei dieser Sättigung nicht erforderlich; Nitrat wäre wegen der Hypotonie gefährlich. Überwachung, Kreislaufbeurteilung und die geeignete antithrombotische Strategie laufen parallel.
Befunde und Konsequenzen im Beispiel
| Befund | Konsequenz |
|---|---|
| eindeutiges akutes inferiores Ischämiemuster | Katheterweg aktivieren, RV-Beteiligung beurteilen |
| SpO₂ 97 % | kein routinemäßiger Sauerstoff |
| RR 85/55 mmHg | kein Nitrat |
| klare Lunge | in die Kreislaufbeurteilung einbeziehen |
| parallel | Überwachung, Kreislaufbeurteilung, antithrombotische Strategie |
Unterstützte Aufgabe
ASS wurde vom Rettungsdienst bereits mit 250 mg i.v. gegeben. In der Übergabe fehlt die Uhrzeit. Was klärst du vor einer weiteren Aufsättigung?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Dokumentierter Stand |
|---|---|
| Medikament | ASS |
| Dosis und Weg | 250 mg i.v. |
| Verabreicht durch | Rettungsdienst |
| Uhrzeit | In der Übergabe nicht angegeben |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Tatsächliche Gabe, Menge, Uhrzeit und mögliche Zwischenereignisse nachfragen und dokumentieren. Keine unkritische zweite Aufsättigung nur wegen eines fehlenden Eintrags. Selbstvergleich: Arzneimittelabgleich und Dokumentation, ohne den dringlichen Gesamtpfad unnötig anzuhalten.
Unabhängige Aufgabe
ACS-Verdacht, anhaltender Druck, SpO₂ 98 %, RR 88/54 mmHg; der Patient hat vor sechs Stunden Sildenafil genommen. Welche beiden häufig erwogenen Maßnahmen sind hier nicht routinemäßig passend, und was bleibt zeitkritisch?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Situation | ACS-Verdacht, anhaltender Druck |
| SpO₂ | 98 % |
| Blutdruck | 88/54 mmHg |
| Medikation | Sildenafil vor sechs Stunden |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Kein routinemäßiger Sauerstoff bei dieser Sättigung; kein Nitrat wegen Hypotonie und PDE-5-Wechselwirkung. Zeitkritisch bleiben überwachte Stabilisierung, EKG-basierte Entscheidung und fachkundige Reperfusions-/Differenzialdiagnostik. Eine passende Analgesie wird unter Überwachung individuell gewählt. Die Korrektur zweier Medikamente darf nicht zum bloßen Nichtstun führen.
Thrombus und Blutungsrisiko
Lernziel: Du kannst Plättchenhemmung und Antikoagulation beim ACS sicher unterscheiden.
An einer verletzten Gefäßoberfläche haften Thrombozyten an, werden aktiviert und verbinden sich. Parallel erzeugt die Gerinnung Thrombin und Fibrin, das den Pfropf stabilisiert. Thrombozytenhemmer vermindern die Plättchenaktivierung; Antikoagulanzien hemmen Gerinnungsfaktoren. Beide greifen an verschiedenen Stellen an und erhöhen gemeinsam das Blutungsrisiko.

Frischer Koronarthrombus, bei einem Infarktpatienten mit dem Katheter abgesaugt (HE-Färbung). Schwarze Pfeile: Fibrin; gelbe Pfeile: Erythrozyten; weiße Pfeile: Leukozyten. Der Rahmen markiert den oben rechts vergrößerten Bereich. So sieht das Gerinnsel aus, gegen das Plättchenhemmung und Antikoagulation gerichtet sind.
Quelle: Pituk D, Balogh L, Horváth E et al., Int J Mol Sci 2024;25(21):11746, Abb. 1 (Ausschnitt „frisch“), doi:10.3390/ijms252111746, CC BY 4.0; zugeschnitten, Maßstabsbalken und übrige Teilbilder entfernt.

Rasterelektronenmikroskopie eines Gerinnsels: Die scheibenförmigen Erythrozyten hängen in einem Netz aus Fibrinfäden. Dieses Fibrin entsteht über Thrombin – genau hier setzen Antikoagulanzien an. Aufnahme von einem Gefäßkatheter, nicht aus einer Koronararterie.
Quelle: Janice Haney Carr, CDC Public Health Image Library, über Wikimedia Commons, gemeinfrei; unterer Bildrand zugeschnitten.

Abbildung: Plättchenhemmung und Antikoagulation greifen an verschiedenen Wegen an; kombiniert steigt mit dem Schutz auch das Blutungsrisiko. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
ASS hemmt die thrombozytäre Cyclooxygenase und vermindert die Thromboxanbildung. P2Y12-Hemmer blockieren die ADP-vermittelte Aktivierung. DAPT bedeutet duale antithrombozytäre Therapie, gewöhnlich ASS plus einen P2Y12-Hemmer. P2Y12-Hemmer werden nicht miteinander kombiniert. Heparin ist kein Ersatz für die langfristige Plättchenhemmung nach Stent, und DAPT ist kein vollwertiger Ersatz für eine bei Vorhofflimmern nötige orale Antikoagulation. Die ASS-Dosen stehen in C03-U09 (Aufsättigung 150–300 mg oral, danach 75–100 mg täglich); als Ausgangsdauer der DAPT nach ACS gelten zwölf Monate (C03-U13). Braucht ein Patient wegen Vorhofflimmern zusätzlich eine orale Antikoagulation, empfiehlt die ESC 2023 nach PCI standardmäßig bis zu einer Woche Dreifachtherapie (bei hohem Ischämierisiko bis zu einem Monat) und danach OAK plus einen Plättchenhemmer, bevorzugt Clopidogrel, bis zu zwölf Monate; Prasugrel und Ticagrelor gehören nicht in eine Dreifachtherapie.

Abbildung: Grundbaustein ist ASS plus genau ein P2Y12-Hemmer; eine nötige orale Antikoagulation verändert Kombination und Dauer. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
P2Y12-Hemmer auswählen
Ticagrelor und Prasugrel wirken stärker als Clopidogrel und werden bei geeigneten ACS-Patienten bevorzugt. Auswahl und Zeitpunkt hängen von PCI-Plan, Anatomie, Blutung, Vorerkrankungen und weiteren Medikamenten ab. Bei NSTE-ACS, unbekannter Koronaranatomie und geplanter früher invasiver Strategie unter 24 Stunden wird keine routinemäßige P2Y12-Vorbehandlung gegeben. Ein notwendiger Bypass oder eine andere Diagnose könnte durch die Vorbehandlung erheblich erschwert werden. Das gilt nicht als pauschales Verbot für jede ACS-Konstellation. Bei STEMI mit primärer PCI kann eine Vorbehandlung erwogen werden, ebenso bei NSTE-ACS mit invasiver Abklärung erst nach mehr als 24 Stunden, abhängig vom Blutungsrisiko. Für ACS-Patienten mit PCI empfiehlt die ESC 2023, Prasugrel gegenüber Ticagrelor zu erwägen.

Abbildung: Zeitpunkt, P2Y12-Auswahl und Kombination werden gemeinsam geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Der geplante Behandlungsweg entscheidet über den Zeitpunkt; erst danach folgen Wirkstoff und Dosis. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
| Wirkstoff | Aufsättigung und Erhaltung bei geeigneten Erwachsenen |
|---|---|
| Ticagrelor | 180 mg oral einmalig, dann 90 mg zweimal täglich |
| Prasugrel, ACS mit PCI | 60 mg oral einmalig, dann gewöhnlich 10 mg einmal täglich |
| Clopidogrel | Je nach Weg 300 oder 600 mg oral einmalig, danach 75 mg einmal täglich |
Ticagrelor: kontraindiziert bei aktiver pathologischer Blutung, früherer intrakranieller Blutung, schwerer Leberfunktionsstörung und bestimmten starken CYP3A4-Hemmern. Dyspnoe und Bradykardie können auftreten; neue Dyspnoe wird dennoch zuerst auf Herzinsuffizienz, Ischämie oder andere gefährliche Ursachen geprüft. Bei Niereninsuffizienz ist keine pauschale Dosisreduktion vorgesehen, aber Nierenfunktion und Blutungsrisiko werden überwacht. Beispiele für starke CYP3A4-Hemmer sind Ketoconazol, Clarithromycin und Ritonavir. Dyspnoe trat in der Zulassungsstudie bei etwa 14 % unter Ticagrelor gegenüber 8 % unter Clopidogrel auf, meist leicht bis mäßig; im Langzeit-EKG zeigten sich vermehrt meist asymptomatische ventrikuläre Pausen. EMA Brilique, Fachinformation 4.2–4.4

Abbildung: Gegenanzeigen vor der Gabe, Dyspnoe und Bradykardie im Verlauf; neue Dyspnoe wird zuerst auf gefährliche Ursachen geprüft. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage EMA Brilique, Fachinformation.
Prasugrel: früherer Schlaganfall oder TIA, aktive Blutung und schwere Leberfunktionsstörung sind Gegenanzeigen. Unter 60 kg beträgt die Erhaltung 5 mg täglich. Ab 75 Jahren wird es im Allgemeinen nicht empfohlen; wenn nach individueller Abwägung dennoch gewählt, beträgt die Erhaltung 5 mg täglich. Diese Reduktionen betreffen nicht automatisch die 60-mg-Aufsättigung. Bei UA/NSTEMI mit Angiografie innerhalb von 48 Stunden wird die Prasugrel-Aufsättigung erst zum Zeitpunkt der PCI gegeben. EMA Efient, Fachinformation 4.2–4.4

Abbildung: Die Reduktion auf 5 mg betrifft nur die Erhaltung; die 60-mg-Aufsättigung bleibt. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage EMA Efient, Fachinformation.
Clopidogrel: eine wichtige Alternative bei ungeeigneten stärkeren Hemmern, hohem Blutungsrisiko oder kombinierter oraler Antikoagulation. Bei primärer PCI wird, wenn Clopidogrel gewählt ist, gewöhnlich mit 600 mg aufgesättigt; ältere Patienten brauchen besondere Risikoabwägung. Bei NSTE-ACS ab 75 Jahren ist die 600-mg-Aufsättigung laut Produktinformation nicht empfohlen. Fibrinolyse und vorausgegangene Lyse haben eigene alters- und zeitabhängige Regeln; die PCI-Dosis wird nicht blind übertragen. Bei Fibrinolyse beträgt die Aufsättigung bis 75 Jahre 300 mg; über 75 Jahre beginnt man mit 75 mg ohne Aufsättigung. Omeprazol/Esomeprazol können die Aktivierung vermindern; bei nötigem Magenschutz ist eine geeignete Alternative zu prüfen. Pantoprazol beeinflusst die Aktivierung laut Produktinformation weniger. EMA Plavix, Fachinformation 4.2–4.5

Abbildung: Erst den Behandlungsweg und das Alter klären, dann die Aufsättigung wählen; der Magenschutz wird zusätzlich abgeglichen. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage EMA Plavix, Fachinformation; ESC-Leitlinie ACS 2023.
Die Tabelle bündelt ausgewählte Sicherheitsgrenzen der drei P2Y12-Hemmer.
| Wirkstoff | Wichtige Grenze | Weitere Prüfung |
|---|---|---|
| Ticagrelor | Frühere intrakranielle Blutung oder schwere Leberfunktionsstörung: kontraindiziert | Neue Dyspnoe zuerst auf Herzinsuffizienz, Ischämie und andere gefährliche Ursachen prüfen |
| Prasugrel | Früherer Schlaganfall oder TIA: kontraindiziert | Unter 60 kg: Erhaltung 5 mg täglich; ab 75 Jahren im Allgemeinen nicht empfohlen |
| Clopidogrel | NSTE-ACS ab 75 Jahren: 600-mg-Aufsättigung nicht empfohlen | Omeprazol / Esomeprazol können die Aktivierung vermindern |
Antikoagulation auswählen
Unfraktioniertes Heparin (UFH) verstärkt Antithrombin und hemmt unter anderem Thrombin und Faktor Xa. Bei PCI wird häufig ein intravenöser gewichtsadaptierter Bolus verwendet: ohne geplanten GP-IIb/IIIa-Hemmer gewöhnlich 70–100 IE/kg, angepasst an Vorbehandlung und Gerinnungskontrolle im Katheterlabor. IE sind internationale Einheiten, keine Milligramm. Laufende UFH-Therapie wird nach dem lokalen aPTT-/Anti-Xa-Protokoll überwacht; im Katheterlabor dient unter anderem die ACT der Steuerung. Außerhalb des Katheterlabors zielt die ESC 2023 bei laufender UFH-Infusion auf eine aPTT von 60–80 Sekunden.
Fondaparinux hemmt indirekt Faktor Xa. Bei NSTE-ACS ohne erwartete frühe invasive Behandlung innerhalb von 24 Stunden ist es häufig die bevorzugte Option: 2,5 mg subkutan einmal täglich, bis zur Intervention beziehungsweise nach Behandlungsplan, höchstens acht Tage oder bis zur früheren Entlassung. Bei anschließender PCI ist zusätzlich UFH nötig, um Katheterthrombosen zu verhindern. Für eine primäre PCI ist Fondaparinux allein ungeeignet. Bei Kreatinin-Clearance unter 20 ml/min ist es im ACS-Kontext kontraindiziert; die Grenzen anderer Indikationen dürfen nicht übertragen werden. EMA Arixtra, Fachinformation 4.2–4.4
UFH und Fondaparinux im Vergleich
| UFH | Fondaparinux | |
|---|---|---|
| Angriffspunkt | verstärkt Antithrombin, hemmt u. a. Thrombin und Faktor Xa | hemmt indirekt Faktor Xa |
| Typischer Einsatz | PCI, gewichtsadaptierter i.v.-Bolus | NSTE-ACS ohne frühe invasive Behandlung < 24 h |
| Dosis | ohne GP-IIb/IIIa-Hemmer gewöhnlich 70–100 IE/kg | 2,5 mg s.c. einmal täglich, höchstens acht Tage |
| Bei PCI | Steuerung im Katheterlabor u. a. über ACT | zusätzlich UFH gegen Katheterthrombosen; allein ungeeignet für primäre PCI |
| Wichtige Grenze | Überwachung nach lokalem aPTT-/Anti-Xa-Protokoll | Kreatinin-Clearance < 20 ml/min: im ACS-Kontext kontraindiziert |
Enoxaparin und Bivalirudin sind mögliche Alternativen in passenden Behandlungspfaden. Ihre Dosierung hängt unter anderem von Gewicht, Alter, Nierenfunktion, Indikation und vorausgegangener Therapie ab. Diese Alternativen werden nicht zusätzlich „zur Sicherheit“ auf ein vollständiges anderes Antikoagulationsschema gesetzt. Nach unkomplizierter PCI wird die parenterale Antikoagulation in der Regel beendet, sofern keine eigenständige weitere Indikation besteht.
Die Tabelle nennt die ESC-Standarddosen der beiden Alternativen für Erwachsene; sie ersetzt nicht die Prüfung im konkreten Behandlungspfad.
| Wirkstoff | Einsatz | Dosis nach ESC 2023 |
|---|---|---|
| Enoxaparin | ACS-Behandlung | 1 mg/kg s.c. zweimal täglich; letzte Dosis < 8 h vor PCI: keine Zusatzdosis |
| Enoxaparin | Kreatinin-Clearance 15–30 ml/min | 1 mg/kg s.c. einmal täglich |
| Bivalirudin | primäre PCI | 0,75 mg/kg i.v.-Bolus, dann 1,75 mg/kg/h bis 4 h nach PCI |
Quelle: ESC-Leitlinie ACS 2023, Tabelle 6; EMA Inhixa (Enoxaparin), Fachinformation, Abschnitt 4.2.

Abbildung: Angriffspunkt, Behandlungsweg und Nierenfunktion bestimmen die Wahl; nach unkomplizierter PCI endet die parenterale Antikoagulation. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023; EMA Arixtra, Fachinformation.
Sicherheit vor und während der Gabe
Erhebe aktive/frühere schwere Blutungen, intrakranielle Blutung, Schlaganfall/TIA, Nieren-/Leberfunktion, Körpergewicht, Thrombozytenzahl, frühere heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT), orale Antikoagulanzien und letzte Dosis. Ein normales INR schließt eine wirksame DOAK-Einnahme nicht aus. Niedrige Thrombozyten oder unerwarteter Hämoglobinabfall verlangen eine Ursachenklärung; bei HIT-Verdacht wird Heparin nicht einfach weitergegeben. Typisch für eine HIT ist ein Thrombozytenabfall um mehr als 50 % etwa 5–10 Tage nach Heparinbeginn, bei kürzlicher Heparingabe auch früher; die Wahrscheinlichkeit wird mit dem 4T-Score eingeschätzt, und bei begründetem Verdacht wird jedes Heparin beendet und nicht heparinbasiert antikoaguliert. Auch Blutung, Verdünnung oder eine Pseudothrombopenie im EDTA-Röhrchen können niedrige Werte erklären.
Vor der Gabe erheben
| Anamnese | Labor und Befunde | Medikation |
|---|---|---|
| aktive/frühere schwere Blutung | Nierenfunktion | orale Antikoagulanzien |
| intrakranielle Blutung | Leberfunktion | letzte Dosis |
| Schlaganfall/TIA | Thrombozytenzahl | frühere HIT |
| Körpergewicht | Hämoglobinverlauf | INR schließt DOAK-Wirkung nicht aus |

Abbildung: Erst Anamnese, Labor und Medikation erheben; fallende Thrombozyten unter Heparin werden aktiv auf HIT geprüft. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ASH-Leitlinie HIT 2018.
Bei schwerer Blutung: sofort Hilfe, Kreislauf stabilisieren, Blutungsquelle kontrollieren, letzte Dosen und Labor klären sowie die antithrombotische Strategie fachübergreifend anpassen. Protamin kann UFH antagonisieren und wirkt bei niedermolekularem Heparin nur teilweise; Fondaparinux wird dadurch nicht zuverlässig aufgehoben. Für ASS/P2Y12-Hemmer gibt es keine universelle schnelle Routine-Gegenmaßnahme. Thrombozytengabe oder spezifische Strategien sind situationsabhängige Fachentscheidungen, insbesondere unter Ticagrelor keine verlässliche pauschale Lösung. Wenn zusätzlich ein DOAK oder Vitamin-K-Antagonist eingenommen wird, richtet sich die Aufhebung genau nach dieser Substanz. Als Orientierung neutralisiert 1 mg Protamin etwa 100 IE kürzlich gegebenes UFH; bei Enoxaparin innerhalb von 8 Stunden 1 mg Protamin je 1 mg, wobei die Anti-Xa-Wirkung höchstens zu etwa 60 % aufgehoben wird. Dabigatran wird mit Idarucizumab 5 g i.v. aufgehoben, ein Vitamin-K-Antagonist mit PPSB plus Vitamin K i.v.; bei Faktor-Xa-Hemmern kommen PPSB oder ein spezifisches Antidot nach lokaler Verfügbarkeit infrage. Ein geringes Hämatom rechtfertigt nach frischer Stentimplantation kein eigenmächtiges Absetzen.

Abbildung: Thrombozytenabfall und Blutung verlangen unterschiedliche Konsequenzen. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Erst stabilisieren und klären, dann substanzabhängig aufheben; ein geringes Hämatom nach frischem Stent ist kein Absetzgrund. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023; EMA Inhixa (Enoxaparin), Fachinformation; EMA Praxbind, Fachinformation.
Ausgearbeitetes Rechenbeispiel
Ein fiktiver 80-kg-Patient soll im Katheterlabor nach dem dort festgelegten Schema 70 IE/kg UFH erhalten. Keine Vorheparinisierung, kein GP-IIb/IIIa-Hemmer. Rechnung: 80 kg × 70 IE/kg = 5600 IE. Erst danach wird mit der tatsächlich vorhandenen Konzentration in ml umgerechnet. Die Kontrolle umfasst Patient, Indikation, Vordosis, Einheit, Konzentration und Vier-Augen-Prüfung nach lokalem Standard.

Erst die Dosis in IE, dann das Volumen mit der tatsächlich vorhandenen Konzentration, zuletzt die Kontrolle. Die rote Leiste zeigt die drei typischen kritischen Fehler.
Quelle: Eigene Lehrzeichnung.
Unterstützte Aufgabe
Bei 60 kg und verordneten 70 IE/kg ergibt sich welche Menge UFH? Die Ampulle enthält 5000 IE/ml. Berechne auch das Volumen; ein vereinbartes Rundungsverfahren ist hier nicht vorgegeben.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Rechengröße | Vorgegebener Wert |
|---|---|
| Körpergewicht | 60 kg |
| Verordnung | 70 IE/kg UFH |
| Ampullenkonzentration | 5000 IE/ml |
| Rundungsverfahren | Nicht vorgegeben |

Durchstechflasche mit unfraktioniertem Heparin (tschechisches Etikett): Das Etikett nennt Heparin-Natrium 5 000 I.E. pro Milliliter (rechts angeschnitten) und 50 000 I.E. in der ganzen 10-ml-Flasche. Lies vor jeder Volumenberechnung, ob eine Angabe pro Milliliter oder für den gesamten Behälter gilt.
Quelle: Wesalius, Wikimedia Commons, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heparin_5000_IU-1ml_vial_white_background.jpg
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
60 × 70 = 4200 IE; 4200 IE ÷ 5000 IE/ml = 0,84 ml. Die Einheiten kürzen sich nachvollziehbar. Verwechslung von IE und mg oder der Konzentration wäre ein kritischer Fehler. Vor praktischer Gabe werden Messbarkeit und lokaler Standard überprüft.
Multiple Choice
Unabhängige Aufgabe
NSTE-ACS, stabil, invasive Abklärung in wenigen Stunden geplant, Anatomie unbekannt. Früher TIA, aktuell Apixaban wegen Vorhofflimmern. Welche Aussage ist am besten?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Situation | NSTE-ACS, stabil |
| Plan / Anatomie | Invasive Abklärung in wenigen Stunden; Anatomie unbekannt |
| Vorgeschichte | Frühere TIA |
| Aktuelle Medikation | Apixaban wegen Vorhofflimmern |
- a)Prasugrel sofort, weil jeder Infarkt denselben Vorbehandlungsweg hat.
- b)Keine routinemäßige P2Y12-Vorladung; TIA, letzte Apixabandosis, Nierenfunktion und Blutungsrisiko mit dem behandelnden Team in die Strategie einbeziehen.
- c)Ein normales INR schließt jede Apixabanwirkung aus und erlaubt beliebige Zusatzdosen.
Wann revaskularisieren?
Lernziel: Du kannst den dringlichen vom frühen und geplanten invasiven Weg abgrenzen.
Reperfusion bedeutet Wiederherstellung des Blutflusses. Bei passendem STEMI oder hochgradigem Verdacht auf akuten Koronarverschluss wird ein PCI-fähiges Zentrum unverzüglich aktiviert. Das Troponinergebnis wird nicht abgewartet. Die primäre PCI ist der bevorzugte Weg, wenn die erwartete Zeit von STEMI-Diagnose bis zur PCI-vermittelten Reperfusion unter 120 Minuten beträgt. Das ist eine Systemgrenze für die Wahl der Strategie, kein erlaubtes Warteziel. Als Ziel von der Diagnose bis zur Drahtpassage nennt die ESC 2023 unter 60 Minuten im PCI-Zentrum und unter 90 Minuten bei Verlegung.

Bei der PCI wird über einen Führungsdraht ein Katheter in die verengte oder verschlossene Koronararterie vorgeschoben; ein Stent hält das Gefäß nach der Aufdehnung offen. Der Ausschnitt rechts vergrößert das markierte Gefäßstück am Herzen links. Vereinfachte Illustration, nicht maßstäblich.
Quelle: Blausen Medical Communications (BruceBlaus), Wikimedia Commons, „Blausen 0034 Angioplasty Stent 01“; CC BY 3.0. Englische Überschrift entfernt, Beschriftungen ins Deutsche übertragen, oberer Rand beschnitten, als WebP gespeichert.

Koronarangiografie des linken Koronarsystems bei einem Patienten mit STEMI nach primärer PCI. Der zuvor teilverschlossene Ramus circumflexus ist wieder durchgängig; die Engstelle ist nicht mehr zu sehen, das Kontrastmittel füllt die Äste bis in die Peripherie. So sieht das Ziel der Reperfusion im Bild aus: wiederhergestellter Fluss im Infarktgefäß.
Quelle: Todt T, Maret E, Alfredsson J, Janzon M, Engvall J, Swahn E. BMC Cardiovasc Disord 2012;12:9, doi:10.1186/1471-2261-12-9, über Wikimedia Commons; CC BY 2.0. Als WebP gespeichert, sonst unverändert.
Wenn eine rechtzeitige PCI nicht erreichbar ist und die Symptome innerhalb von zwölf Stunden begonnen haben, wird bei fehlenden Gegenanzeigen eine Fibrinolyse als Teil einer pharmakoinvasiven Strategie geprüft. Die Lyse soll dann so rasch wie möglich, mit Ziel innerhalb von zehn Minuten nach Diagnose, begonnen werden. Anschließend erfolgt die unmittelbare Verlegung in ein PCI-Zentrum. Die Wahl und Dosis des Fibrinolytikums sowie die begleitenden antithrombotischen Medikamente folgen dem konkreten Protokoll; Alter, Gewicht und Blutungsrisiko sind entscheidend. Tenecteplase wird zum Beispiel gewichtsadaptiert dosiert; ab 75 Jahren wird die halbe Dosis erwogen.
Frühere intrakranielle Blutung, bestimmte kürzlich aufgetretene Schlaganfälle, aktive relevante Blutung oder Verdacht auf Aortendissektion sind zentrale Gegenanzeigen. Unkontrollierte schwere Hypertonie, kürzliche Operation und Antikoagulation erfordern weitere gezielte Prüfung. Nach der ESC-Liste gelten etwa ein ischämischer Schlaganfall in den letzten 6 Monaten sowie ein größeres Trauma, eine größere Operation oder Kopfverletzung im letzten Monat als absolute Gegenanzeigen, ein trotz Therapie über 180/110 mmHg liegender Blutdruck als relative. Eine unvollständige Erinnerung an Gegenanzeigen ersetzt die vollständige aktuelle Lyse-Checkliste nicht. Bei NSTEMI wird keine Fibrinolyse zur koronaren Reperfusion eingesetzt.

Abbildung: Links stehen Gegenanzeigen, die eine Lyse ausschließen, rechts solche, die eine Abwägung verlangen. Die Liste folgt der ESC-Tabelle und ersetzt trotzdem nicht die vollständige aktuelle Checkliste deiner Klinik. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 (Tabelle der Gegenanzeigen in den Zusatzdaten, übernommen aus der ESC-Leitlinie STEMI 2017).
| Lyse-Checkliste | Bedeutung |
|---|---|
| frühere intrakranielle Blutung | zentrale Gegenanzeige |
| bestimmte kürzlich aufgetretene Schlaganfälle | zentrale Gegenanzeige |
| aktive relevante Blutung | zentrale Gegenanzeige |
| Verdacht auf Aortendissektion | zentrale Gegenanzeige |
| unkontrollierte schwere Hypertonie | weitere gezielte Prüfung |
| kürzliche Operation | weitere gezielte Prüfung |
| Antikoagulation | weitere gezielte Prüfung |
| NSTEMI | keine Fibrinolyse zur koronaren Reperfusion |
Nach Lyse werden Symptome, Kreislauf und ST-Rückbildung kontrolliert. Weniger als 50 % ST-Rückbildung nach 60–90 Minuten, anhaltende Schmerzen oder Instabilität sprechen für fehlgeschlagene Reperfusion und eine Rescue-PCI. Auch nach erfolgreicher Lyse folgt eine geplante frühe Angiografie, üblicherweise innerhalb von 2–24 Stunden. Später Symptombeginn schließt bei fortbestehender Ischämie oder Instabilität eine dringliche PCI nicht aus. Bei Beschwerdefreiheit wird 12–48 Stunden nach Symptombeginn eine Routine-PCI erwogen; nach über 48 Stunden wird ein verschlossenes Infarktgefäß nicht routinemäßig eröffnet. DGK/ESC ACS 2023, Reperfusionsstrategie

Lies das Schema von oben nach unten: Die erste Frage ist nicht „Troponin?“, sondern „Wie schnell ist eine PCI-vermittelte Reperfusion erreichbar?“. Auf dem rechten Weg folgt nach der Lyse immer die Verlegung; die Kontrolle nach 60–90 Minuten entscheidet zwischen Rescue-PCI und geplanter früher Angiografie.
Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und DGK-Pocket-Leitlinie ACS 2023.

Abbildung: Nach zwölf Stunden entscheidet nicht die Uhr allein, sondern ob die Ischämie noch läuft. Wer Beschwerden hat oder instabil ist, wird wie ein frischer STEMI behandelt. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
Beim NSTE-ACS mit sehr hohem Risiko ist eine sofortige invasive Strategie angezeigt. Dazu gehören hämodynamische Instabilität/kardiogener Schock, trotz Therapie anhaltender oder wiederkehrender Schmerz, lebensbedrohliche Arrhythmien, mechanische Infarktkomplikationen, eine durch fortbestehende Ischämie verursachte akute Herzinsuffizienz oder wiederkehrende dynamische EKG-Veränderungen, insbesondere intermittierende ST-Hebungen.
Bei hohem Risiko wird eine invasive Abklärung während des Krankenhausaufenthalts empfohlen; eine frühe Strategie innerhalb von 24 Stunden soll erwogen werden. Hinweise sind bestätigter NSTEMI, dynamische ST-/T-Veränderungen, vorübergehende ST-Hebung oder GRACE-Risikoscore über 140. Der GRACE-Score schätzt Ereignisrisiko aus klinischen und Laborvariablen. Er nutzt acht Angaben: Alter, Herzfrequenz, systolischen Blutdruck, Killip-Klasse, Herzstillstand bei Aufnahme, ST-Abweichung, erhöhtes Troponin und Kreatinin. Er wird mit einem validierten Instrument berechnet; er beweist keine koronare Diagnose und darf eine sofortige Versorgung bei Instabilität nicht verzögern. Ohne Merkmale sehr hohen oder hohen Risikos wird selektiv invasiv vorgegangen, also erst nach einem geeigneten Ischämietest oder einer CT-Koronarangiografie.

Prüfe von oben nach unten; das erste Ja bestimmt das Tempo. Der GRACE-Score gehört in die zweite Stufe als Hilfsmittel, nicht als Voraussetzung für sofortiges Handeln. Wer sich klinisch verschlechtert, springt zurück in Stufe 1.
Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.

Abbildung: Der Score bündelt Klinik, EKG und Labor zu einer Risikoschätzung. Er kommt erst nach der Frage nach Instabilität und beweist keinen Infarkt. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und GRACE-Risikomodell, Granger et al. 2003.
| Situation | Handlungslogik |
|---|---|
| STEMI/Verschlussverdacht | Reperfusion sofort organisieren |
| NSTE-ACS, sehr hohes Risiko | Sofortige invasive Abklärung |
| NSTE-ACS, hohes Risiko | Stationär invasiv; <24 h erwägen |
| Niedrigeres Risiko, Diagnose unklar | Überwachte risikoadaptierte Abklärung; keine Entlassung allein wegen fehlender Hebung |

Abbildung: EKG-Konstellation und aktuelles Risiko bestimmen den invasiven Zeitpunkt. Quelle: eigene Darstellung.
Bei Mehrgefäßerkrankung hängen Umfang und Zeitpunkt weiterer Revaskularisation von Stabilität, Anatomie und Begleiterkrankungen ab. Bei stabilem STEMI mit Mehrgefäßerkrankung empfiehlt die ESC 2023 die vollständige Revaskularisation während der Index-PCI oder innerhalb von 45 Tagen. Im kardiogenen Schock wird bei der Erstintervention gewöhnlich das ursächliche Gefäß behandelt; eine routinemäßige sofortige PCI aller anderen Engstellen ist nicht die Standardantwort. Bei komplexer Anatomie, etwa relevanter Hauptstamm-/Mehrgefäßerkrankung, kann eine Bypassoperation sinnvoll sein. PCI- und Bypassentscheidung werden mit dem zuständigen Team getroffen.

Abbildung: Erfolg, Kreislauf und Mehrgefäßbefund bestimmen den nächsten Eingriff. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die klinische Lage bestimmt den Umfang der weiteren Revaskularisation; die Anatomie entscheidet zwischen PCI und Bypass. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und DGK-Pocket-Leitlinie ACS 2023.

Koronare Bypassoperation über eine mediane Sternotomie: Der Brustkorb ist mit einem Sperrer offen gehalten, in der Mitte liegt das Herz mit gelblichem epikardialem Fett, Schläuche und Kanülen führen in das Operationsfeld. Anders als die PCI ist dies ein offener herzchirurgischer Eingriff; die Wahl zwischen beiden Wegen trifft das Team.
Quelle: Jerry Hecht, National Institutes of Health (Bild-ID 657 B, 1981), über Wikimedia Commons; gemeinfrei (Werk der US-Bundesregierung, PD-USGov-HHS-NIH). Auf das Operationsfeld beschnitten, als WebP gespeichert.
PCI und Bypassoperation im Vergleich:
| Merkmal | PCI | Bypassoperation |
|---|---|---|
| Zugang | Katheter, meist über A. radialis | Sternotomie, offene Herzchirurgie |
| Rolle beim ACS | Standard für das Infarktgefäß | wenn PCI nicht möglich/erfolglos oder bei mechanischer Komplikation |
| Mehrgefäßerkrankung | gestuft oder in einer Sitzung | v. a. bei komplexer Hauptstamm-/Mehrgefäßerkrankung |
| Entscheidung | Heart-Team | Heart-Team |
Ein NSTEMI-Patient hat zunächst stabile Werte. Während der Wartezeit treten trotz Therapie neue starke Schmerzen, ST-Dynamik und ein Blutdruckabfall auf. Der bisherige frühe Plan wird zum sofortigen Weg geändert. Die Uhrzeit des ursprünglich gebuchten Kathetertermins ist klinisch nachrangig gegenüber der neuen Instabilität.

Der Plan folgt dem aktuellen Zustand, nicht dem Kalender. Jedes der drei neuen Merkmale in der Mitte ist ein Merkmal sehr hohen Risikos.
Quelle: eigene Darstellung nach dem Beispiel dieser Einheit; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
Unterstützte Aufgabe
STEMI-Diagnose 10:00 Uhr, erwartete PCI-Reperfusion 11:20 Uhr. Welche Verzögerung ergibt sich, und was bedeutet sie für die Strategie?

Herzkatheterlabor während einer Katheteruntersuchung: Das Team verfolgt auf dem großen Monitor das Durchleuchtungsbild der kontrastierten Gefäße und daneben die Druck- und EKG-Kurven. In der Aufgabe ist der erwartete Zeitpunkt der PCI-Reperfusion in einem solchen Labor angegeben.
Quelle: U.S. Navy, Jake Greenberg (Navy Medicine), Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain, US-Bundesbehörde), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_cardiac_catheterization_procedure_in_the_Naval_Medical_Center_San_Diego_hospital%E2%80%99s_cardiac_catheterization_laboratory.jpg
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
80 Minuten. Die erwartete Zeit liegt innerhalb der 120-Minuten-Systemgrenze, daher spricht dies für primäre PCI. Man startet trotzdem sofort Organisation und Transfer und wartet nicht bis 11:20 Uhr mit Maßnahmen. Zeitangaben müssen Diagnose und Reperfusion betreffen, nicht nur die Ankunft an der Klinikpforte.

Die grüne Klammer (80 min) endet vor der gestrichelten 120-Minuten-Grenze: primäre PCI. Gemessen wird von der Diagnose bis zur Reperfusion, und die Organisation beginnt am linken Ende der Achse, nicht erst kurz vor 11:20 Uhr.
Quelle: eigene Lehrzeichnung mit den Zeitangaben der Aufgabe.
Unabhängige Aufgabe
Eine Patientin mit NSTE-ACS hat wiederkehrende Schmerzen trotz Behandlung und eine neue schwere Herzinsuffizienz mit ischämischer EKG-Dynamik. Ein Kollege will zuerst einen GRACE-Wert berechnen und dann bis morgen warten. Begründe deine Korrektur.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Verlauf / Plan |
|---|---|
| Beschwerden | Wiederkehrende Schmerzen trotz Behandlung |
| Herzfunktion | Neue schwere Herzinsuffizienz |
| EKG | Ischämische Dynamik |
| Vorgeschlagener Plan | Zuerst GRACE berechnen, dann bis morgen warten |

Röntgen-Thorax (a.-p.) eines anderen Patienten bei Aufnahme mit akutem Infarkt (Beispielbild, nicht aus dem Fall): In beiden Lungen ist die Zeichnung vermehrt und unscharf, vor allem um die Hili und in den Mittel- und Unterfeldern; die Hili wirken verdichtet. Rechts im Bild liegen EKG-Kabel, oben links steht die Seitenmarkierung.
Quelle: Reihan MS et al., Front Cardiovasc Med 2026;13:1909150, Abb. 1, CC BY 4.0, https://doi.org/10.3389/fcvm.2026.1909150
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Die klinischen sehr hohen Risikomerkmale verlangen unmittelbare Eskalation und eine sofortige invasive Strategie. Ein Score kann dokumentiert werden, darf aber weder die Stabilisierung noch die dringliche Koronarabklärung verzögern. Die fehlenden dauerhaften ST-Hebungen ändern diese Priorität nicht.
Verschlechterung erkennen
Lernziel: Du kannst wichtige Infarktkomplikationen erkennen und Hilfe veranlassen.
Ein gefährdetes oder nekrotisches Myokard kann elektrisch instabil werden, zu wenig pumpen oder strukturell versagen. Deshalb endet die Akutversorgung nicht mit dem eröffneten Gefäß. Überwache Rhythmus, Schmerzen, Blutdruck, Atmung, Perfusion und Urinausscheidung. Neue Beschwerden werden neu bewertet, auch wenn die PCI zuvor erfolgreich war.

Abbildung: Jede Gruppe hat ihr eigenes Zeitfenster und ihre eigene erste Handlung – überwacht wird auch nach erfolgreicher PCI weiter. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023; deutsch-österreichische S3-Leitlinie Infarkt-bedingter kardiogener Schock, 2. Auflage 2020.
Elektrische Komplikationen: Ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern können zum Kreislaufstillstand führen; höhergradiger AV-Block oder ausgeprägte Bradykardie können die Perfusion vermindern. Elektrische QRS-Aktivität kann ohne wirksamen Auswurf bestehen: Das heißt pulslose elektrische Aktivität (PEA). Ein Monitorrhythmus ersetzt daher die Prüfung auf Kreislaufzeichen nicht. Bei fehlenden Kreislaufzeichen gilt der Reanimationsalgorithmus; bei instabiler Rhythmusstörung mit Puls sofortige fachkundige elektrische/medikamentöse Behandlung. Suche reversible Mitursachen, insbesondere Ischämie und K-/Mg-Störungen. Kalium und Magnesium beeinflussen Erregbarkeit und Repolarisation. Ein Mangel fördert Arrhythmien; eine schwere Hyperkaliämie kann Leitung und QRS massiv verändern. Ersetze Elektrolyte gezielt unter Labor-/EKG-Kontrolle, keine ungezielte Normalisierung nach Augenmaß. Nach ERC gilt Kalium unter 3,5 mmol/l als Hypokaliämie und ab 6,5 mmol/l als schwere Hyperkaliämie; zeigt das EKG dabei Veränderungen, wird Kalzium i. v. gegeben. Bei PEA folgen sofort Herzdruckmassage und so früh wie möglich 1 mg Adrenalin i. v., alle 3–5 min wiederholt; bei bedrohlicher Bradykardie 0,5 mg Atropin bis maximal 3 mg, sonst Schrittmacher. Asymptomatische, hämodynamisch unbedeutende ventrikuläre Arrhythmien werden nach ESC 2023 nicht mit Antiarrhythmika behandelt.

Abbildung: Erst die Ursache, dann die gezielte Korrektur: Elektrolyte werden nach Wert und EKG behandelt, nicht nach Augenmaß. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC-Leitlinien 2021, deutsche Fassung (Erweiterte lebensrettende Maßnahmen; Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen); DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023.

Abbildung: Der Monitor beantwortet nur die elektrische Frage; erst die Kreislaufzeichen entscheiden zwischen Reanimation und Behandlung mit Puls. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ERC-Leitlinien 2021, deutsche Fassung (Erweiterte lebensrettende Maßnahmen; Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen); DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023.
Pumpversagen: Akute Linksherzinsuffizienz führt zu erhöhtem pulmonalem Druck, Dyspnoe und Lungenödem. Kardiogener Schock bedeutet unzureichende Organperfusion durch kardiales Versagen: kühle Haut, Verwirrtheit, Oligurie und erhöhtes Laktat können hinzukommen. Die Diagnose beruht nicht auf einem einzelnen Blutdruckwert. RV-Versagen kann durch verminderten Vorwärtsfluss die LV-Füllung senken; Hypotonie und Halsvenenstauung bei möglicherweise klarer Lunge passen dazu. Es ist eine Pumpstörung und keine mechanische Ruptur. Sofortige Echokardiografie, Reperfusionsbeurteilung und intensivmedizinische Behandlung werden organisiert; Vasopressoren, Inotropika und mechanische Unterstützung sind individualisierte Teamentscheidungen. Nach der deutsch-österreichischen S3-Leitlinie sprechen systolisch unter 90 mmHg über mindestens 30 min (oder Vasopressorbedarf) zusammen mit Minderperfusion, etwa Urin unter 30 ml/h oder Laktat über 2 mmol/l, für einen Schock. Nach ESC 2023 folgen sofortige Koronarangiografie und PCI der Infarktarterie; eine IABP wird ohne mechanische Komplikation nicht routinemäßig eingesetzt.
| Form | Was passiert | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Akute Linksherzinsuffizienz | Erhöhter pulmonaler Druck | Dyspnoe, Lungenödem |
| Kardiogener Schock | Unzureichende Organperfusion durch kardiales Versagen | Kühle Haut, Verwirrtheit, Oligurie, erhöhtes Laktat; nicht an einem einzelnen Blutdruckwert festmachen |
| RV-Versagen | Verminderter Vorwärtsfluss senkt die LV-Füllung | Hypotonie und Halsvenenstauung bei möglicherweise klarer Lunge; Pumpstörung, keine mechanische Ruptur |

Abbildung: Der Schock wird aus Kreislauf und Minderperfusion zusammen erkannt; die Ursache entscheidet über den nächsten Schritt. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: deutsch-österreichische S3-Leitlinie Infarkt-bedingter kardiogener Schock, 2. Auflage 2020; DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023.
Die Killip-Klasse (Killip und Kimball 1967) ordnet die Herzinsuffizienz beim Infarkt am Krankenbett ein; die Sterblichkeit steigt von I nach IV.
| Klasse | Befund am Bett | Einordnung |
|---|---|---|
| I | Keine Rasselgeräusche, kein dritter Herzton | Keine klinische Herzinsuffizienz |
| II | Rasselgeräusche über weniger als der Hälfte der Lunge, dritter Herzton | Linksherzinsuffizienz |
| III | Rasselgeräusche über mehr als der Hälfte der Lunge | Akutes Lungenödem |
| IV | Hypotonie mit Zeichen der Minderperfusion | Kardiogener Schock |

Röntgen-Thorax eines Patienten mit Atemnot nach früherer Bypassoperation und PCI (Sternumdrähte im oberen Mediastinum): vergrößertes Herz, etwas erweiterte Lungengefäße, feine horizontale Kerley-B-Linien in der Lungenperipherie und ein kleiner Pleuraerguss, etwa im rechten horizontalen Interlobärspalt. Das sind Stauungszeichen bei erhöhtem pulmonalem Druck; ein ausgeprägtes alveoläres Lungenödem liegt hier noch nicht vor. Die Aufnahme stammt nicht aus der Akutphase eines Infarkts.
Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, „Chest radiograph of a lung with Kerley B lines“; CC0 1.0. Als WebP gespeichert, sonst unverändert.
Mechanische Komplikationen können abrupt auftreten und benötigen unverzügliche Echokardiografie und ein herzchirurgisch/interventionelles Team. Ein neues Geräusch kann helfen, bei schwerem Schock aber leise oder schwer hörbar sein. Rupturen treten meist in der ersten Woche auf, gehäuft zwischen Tag 2 und 7; bei Instabilität sollte nach ESC 2023 eine IABP als Überbrückung erwogen werden, eine Fibrinolyse ist bei mechanischer Ursache kein Weg.

Abbildung: Rhythmus, Perfusion und mechanische Ursache parallel prüfen. Quelle: eigene Darstellung.
| Störung | Mechanismus und Alarm |
|---|---|
| Papillarmuskelruptur | Akute schwere Mitralinsuffizienz → plötzliches Lungenödem/Schock, eventuell neues systolisches Geräusch |
| Ventrikelseptumruptur | Neuer Links-rechts-Shunt → rasche Kreislaufverschlechterung, häufig systolisches Geräusch |
| Freie Wandruptur | Blut im Perikard → Tamponade, Kollaps oder PEA |

Abbildung: Das Echo trennt die drei Rupturen; jede hat ihren eigenen operativen oder interventionellen Weg. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023; Streian et al., J Clin Med 2026;15:2399 (Zeitfenster).

Transösophageale Echokardiografie bei einem Patienten mit inferiorem STEMI und akuter schwerer Mitralinsuffizienz (A: Längsachse, B: Zweikammerblick, jeweils mittösophageal; der linke Vorhof liegt sondennah oben). Die Pfeile zeigen das durchschlagende vordere Mitralsegel mit dem anhängenden abgerissenen Papillarmuskelanteil; operativ fand sich eine Ruptur des posteromedialen Papillarmuskels. Ohne Halteapparat schließt das Segel nicht mehr – plötzliches Lungenödem oder Schock sind die Folge.
Quelle: Czarnecki A, Thakrar A, Fang T, Lytwyn M, Ahmadie R, Pascoe E, Jassal D. Cardiovasc Ultrasound 2008;6:5, doi:10.1186/1476-7120-6-5, Abb. 1; CC BY 2.0. Schwarzer Rand beschnitten, als WebP gespeichert.

Kurzachsenschnitt durch beide Ventrikel nach Infarkt: Das infarzierte, verfärbte Septum ist durchgerissen (Pfeil). Durch die Lücke fließt Blut vom linken in den rechten Ventrikel – ein neuer Links-rechts-Shunt. Illustration, nicht maßstäblich.
Quelle: Patrick J. Lynch, medical illustrator; C. Carl Jaffe, MD, cardiologist (Yale University), Wikimedia Commons, „Heart post infarct vsd“; CC BY 2.5. Verkleinert, Beschriftungen und Pfeil ergänzt, als WebP gespeichert.

Ventrikelseptumruptur nach inferiorem Infarkt. A: Transthorakales Echo, apikaler Vierkammerblick – der Farbdoppler zeigt den Fluss vom linken in den rechten Ventrikel quer durch das Septum (Pfeil). B: Kardio-MRT in der kurzen Achse – Ruptur des mittleren inferioren Septumsegments (Pfeile) mit freier Verbindung zwischen RV und LV. RA/LA = rechter/linker Vorhof.
Quelle: Dhaliwal S, Ducas R, Shuangbo L, Horne D, Lee J, Hussain F, Kirkpatrick I, Jassal D. BMC Res Notes 2012;5:583, doi:10.1186/1756-0500-5-583, Abb. 3A–B; CC BY 2.0. Teilbild C entfernt, als WebP gespeichert.

Subakute freie Wandruptur sieben Tage nach inferiorem Infarkt, Kardio-MRT in kurzer (A) und langer Achse (B): Die kleinen Pfeile zeigen Verdünnung und Dissektion der inferioren Wand des linken Ventrikels, die großen Pfeile den Perikarderguss. Gelangt Blut ins Perikard, droht eine Tamponade.
Quelle: Raposo L, Andrade M, Ferreira J, et al. Cardiovasc Ultrasound 2006;4:46, doi:10.1186/1476-7120-4-46, Abb. 5; CC BY 2.0. Rest einer Maßstabsbeschriftung entfernt, als WebP gespeichert.

Hämoperikard bei der Obduktion: Geronnenes Blut umgibt das Herz; oben ist gelbes epikardiales Fett zu sehen. So viel Blut im Herzbeutel behindert die Füllung der Kammern – das ist die Tamponade, die nach freier Wandruptur zu Kollaps oder PEA führen kann. Die Ursache bei diesem Präparat ist nicht angegeben.
Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, „Gross pathology of hemopericardium“; CC0 1.0. Maßband und Präparateetikett abgeschnitten, verkleinert, als WebP gespeichert.
Spätere Probleme: Erneuter Infarkt oder Stentthrombose, progressive Herzinsuffizienz, ventrikuläres Aneurysma und LV-Thrombus sind wichtige Möglichkeiten. Bei neuem Schmerz wird erneut akut abgeklärt. Ein LV-Thrombus nach ausgedehntem anteriorem Infarkt kann embolisieren und erfordert eine bildgebend gestützte individuelle Antikoagulationsentscheidung; nicht jeder Infarkt rechtfertigt deshalb zusätzlich eine orale Antikoagulation. Postinfarkt-Perikarditis ist eine weitere mögliche Ursache von Schmerz, darf aber nicht ohne Prüfung eines erneuten Koronarereignisses angenommen werden. Nach ESC 2023 wird bei schlecht sichtbarem Apex ein Kontrastecho und bei unklarem Befund eine Kardio-MRT erwogen; bei bestätigtem LV-Thrombus wird eine orale Antikoagulation für 3–6 Monate erwogen. Ein hochgradiger AV-Block, der sich nach mindestens 5 Tagen nicht zurückbildet, führt zum permanenten Schrittmacher; über einen ICD wird frühestens 6 Wochen nach dem Infarkt bei LVEF ≤ 35 % trotz mehr als 3 Monaten optimaler Therapie entschieden. Bei neuem Schmerz steht ein 12-Kanal-EKG innerhalb von 10 Minuten mit Vergleich zum Vor-EKG am Anfang; bei Postinfarkt-Perikarditis ist ASS das bevorzugte entzündungshemmende Mittel.

Abbildung: Gerätetherapie und Antikoagulation benötigen jeweils einen eigenen Befund. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Zeitfenster helfen beim Verdacht, ersetzen aber keine Neubewertung: Jede Komplikation kann auch früher oder später kommen. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023; Streian et al., J Clin Med 2026;15:2399 (Zeitfenster).

Abbildung: Der Bildbefund entscheidet: Antikoagulation bei bestätigtem Thrombus für begrenzte Zeit, nicht pauschal nach jedem Infarkt. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023.
Die Tabelle ordnet ausgewählte spätere Probleme und ihre Konsequenzen zu.
| Späteres Problem | Bedeutung | Konsequenz |
|---|---|---|
| Erneuter Infarkt / Stentthrombose | Mögliche Ursache neuen Schmerzes | Erneut akut abklären |
| LV-Thrombus | Nach ausgedehntem anteriorem Infarkt; Embolisation möglich | Bildgebend gestützte individuelle Antikoagulationsentscheidung |
| Postinfarkt-Perikarditis | Weitere mögliche Schmerzursache | Erneutes Koronarereignis zuerst prüfen |

Echokardiografie im Vierkammerblick: Der Pfeil zeigt einen Thrombus, der der Spitze des linken Ventrikels anhaftet. Die Aufnahme stammt aus einem anderen klinischen Zusammenhang (nach systemischer Thrombolyse bei Schlaganfall) und zeigt, wie ein LV-Thrombus im Echo aussieht. Nach ausgedehntem Vorderwandinfarkt stützt sich die individuelle Antikoagulationsentscheidung auf einen solchen Bildbefund.
Quelle: Doepp F, Sanad W, Schreiber SJ, Baumann G, Borges AC. Cardiovasc Ultrasound 2005;3:14, doi:10.1186/1476-7120-3-14, über Wikimedia Commons; CC BY 2.0. Als WebP gespeichert, sonst unverändert.

Abbildung: Erst Koronarereignis und mechanische Ursache prüfen; die Perikarditis ist eine Diagnose nach diesem Check. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie akutes Koronarsyndrom 2023; C07-U06 (ESC 2025 Perikarditis).
Am dritten Tag nach Infarkt entwickelt ein Patient abrupt schwere Dyspnoe, Hypotonie und ein neues systolisches Geräusch. Eine akute Mitralinsuffizienz durch Papillarmuskelruptur ist eine bedrohliche Möglichkeit; eine Septumruptur bleibt ebenfalls zu prüfen. Sofort Hilfe, Stabilisierung und dringliches Echo. Die bloße Diagnose „mehr Wasser in der Lunge“ würde die mechanische Ursache übersehen.
Die Tabelle fasst die Ausgangsbefunde des Beispiels zusammen.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Zeitpunkt | Dritter Tag nach Infarkt |
| Beginn | Abrupt |
| Beschwerden / Kreislauf | Schwere Dyspnoe und Hypotonie |
| Auskultation | Neues systolisches Geräusch |

Transösophageale Echokardiografie bei einem anderen Patienten mit akutem Infarkt (Beispielbild): Links das Schwarz-Weiß-Bild der Mitralklappe; ein Segelanteil schlägt in der Systole in den linken Vorhof durch. Rechts derselbe Schnitt mit Farbdoppler: Ein breiter, bunter Rückstrom füllt große Teile des Vorhofs. Genau diese Frage beantwortet das dringliche Echo.
Quelle: Pennacchi M et al., Eur Heart J Case Rep 2026;10(6):ytag407, Abb. 4, CC BY 4.0, https://doi.org/10.1093/ehjcr/ytag407
Unterstützte Aufgabe
Nach Infarkt treten häufige ventrikuläre Extrasystolen auf. Welche zwei direkt behandelbaren Gruppen von Mitursachen prüfst du neben der Kreislaufstabilität?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund / Auftrag |
|---|---|
| Situation | Nach Infarkt |
| Rhythmusbefund | Häufige ventrikuläre Extrasystolen |
| Auftrag | Neben Kreislaufstabilität zwei behandelbare Gruppen von Mitursachen prüfen |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Fortbestehende/erneute Ischämie und Elektrolytstörungen, insbesondere Kalium/Magnesium; zusätzlich Medikamente und Oxygenierung je nach Situation. Die Frage verlangt Ursachenprüfung, nicht automatische Antiarrhythmikagabe für jede einzelne Extrasystole.
Unabhängige Aufgabe
Nach einem zunächst unkomplizierten Infarkt wird eine Patientin plötzlich bewusstlos. Es sind organisierte QRS-Komplexe sichtbar, aber keine Kreislaufzeichen. Warum darf das Team nicht durch das Monitorbild beruhigt sein, und welche infarktbezogene Ursache muss neben anderen reversiblen Ursachen bedacht werden?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Vorverlauf | Zunächst unkomplizierter Infarkt |
| Neue Veränderung | Plötzlich bewusstlos |
| Monitor | Organisierte QRS-Komplexe |
| Kreislaufzeichen | Nicht vorhanden |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Elektrische Aktivität beweist keinen wirksamen Auswurf: Es kann eine PEA vorliegen, die unverzügliche Reanimation erfordert. Eine freie Wandruptur mit Tamponade ist eine mögliche infarktbezogene Ursache. Fachkundige fokussierte Sonografie und Ursachenbehandlung dürfen notwendige Reanimationsmaßnahmen nicht unterbrechen. Gute Antwort trennt elektrischen Rhythmus von mechanischem Kreislauf.
Risiko langfristig senken
Lernziel: Du kannst Sekundärprävention und Rehabilitation individuell planen.
Ein Stent behandelt eine konkrete Läsion; die atherosklerotische Erkrankung bleibt. Sekundärprävention verbindet wirksame Medikamente mit umsetzbaren Alltagsänderungen. Erfrage persönliche Ziele, Nebenwirkungen, Kosten-/Zugangsprobleme, Gesundheitsverständnis und Unterstützung. Eine unterschriebene Medikamentenliste beweist keine sichere Einnahme. Unter antithrombotischer Therapie sind schwarzer Stuhl, Bluterbrechen, anhaltende starke Blutung, Ohnmacht oder neue neurologische Ausfälle dringliche Alarmzeichen; kleine Hämatome werden anders bewertet.

Abbildung: Jeder Nachsorgetermin beginnt mit den Alarmzeichen; neue Alarmsymptome warten nicht auf den Routinetermin. Danach werden Einnahme und Zielwerte geprüft, und die Kontrolle wiederholt sich. Quelle: eigene Darstellung.
| Unter antithrombotischer Therapie | Einordnung |
|---|---|
| Schwarzer Stuhl, Bluterbrechen, anhaltende starke Blutung, Ohnmacht, neue neurologische Ausfälle | dringliches Alarmzeichen: sofort Hilfe, nicht auf den Routinetermin warten |
| Kleine Hämatome | werden anders bewertet; nach frischer PCI kein Grund zum selbstständigen Absetzen |
Nach ACS gilt gewöhnlich DAPT für zwölf Monate als Ausgangsstrategie, anschließend meist eine einzelne Plättchenhemmung. Hohes Blutungsrisiko, wiederholte Ischämie, nötige Operation oder zusätzliche orale Antikoagulation können eine andere Dauer/Kombination begründen. Solche Änderungen erhalten ein ausdrückliches Start-/Enddatum und einen verantwortlichen Ansprechpartner. Ohne hohes Ischämierisiko kann die DAPT nach ESC 2023 nach 3–6 ereignisfreien Monaten auf eine Monotherapie, vorzugsweise mit einem P2Y12-Hemmer, verkürzt werden; bei hohem Blutungsrisiko ist das bereits nach einem Monat möglich. Nach frischer PCI nie selbstständig wegen kleiner Blutergüsse absetzen. Bei zusätzlicher oraler Antikoagulation wird die Phase aus drei antithrombotischen Medikamenten möglichst kurz und individuell gehalten; eine dauerhafte Triple-Therapie ist kein Automatismus. Standard ist eine Dreifachtherapie für bis zu eine Woche, danach OAK plus Clopidogrel bis zu zwölf Monate und anschließend die OAK allein.
Die folgende Tabelle ordnet die Schemata nach ESC 2023 zeitlich ein.
| Situation | Schema | Dauer |
|---|---|---|
| Standard nach ACS | DAPT: ASS + P2Y12-Hemmer | 12 Monate, danach meist Monotherapie |
| Ereignisfrei, kein hohes Ischämierisiko | DAPT, dann Monotherapie (v. a. P2Y12-Hemmer) | Wechsel nach 3–6 Monaten |
| Hohes Blutungsrisiko | DAPT, dann ASS- oder P2Y12-Monotherapie | Wechsel nach 1 Monat möglich |
| Indikation für OAK | Dreifachtherapie, dann OAK + Clopidogrel | bis 1 Woche, dann bis 12 Monate; danach OAK allein |

Abbildung: Jede Zeile ist eine Strategie; die gestrichelten Linien markieren 1, 3, 6 und 12 Monate. Jede Abweichung vom Standard braucht Begründung, Start-/Enddatum und Ansprechperson. Kleine Hämatome sind kein Grund, nach frischer PCI selbst abzusetzen; echte Alarmzeichen brauchen sofort Hilfe. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
Lipide, Blutdruck und Funktion
Ein hochintensives Statin wird früh eingesetzt, beispielsweise Atorvastatin 40–80 mg einmal täglich bei geeignetem Erwachsenen. Aktive Lebererkrankung ist eine Gegenanzeige. Schwangerschaft/Stillzeit erfordern eine gesonderte fachärztliche Prüfung anhand aktueller Produktinformation und Leitlinie; Interaktionen und Muskelsymptome werden gezielt geprüft. Sortis: Produktinformation, 4.2–4.4 Ziel im hier verwendeten ESC-Pfad ist LDL-C unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und mindestens 50 % niedriger als der Ausgangswert. Reicht die maximal verträgliche Statintherapie voraussichtlich oder tatsächlich nicht aus, wird die Kombination, insbesondere mit Ezetimib, und gegebenenfalls einem PCSK9-gerichteten Wirkstoff geplant. Bei bisher unbehandelten ACS-Patienten, die mit Statin allein voraussichtlich nicht ins Ziel gelangen, kann Statin plus Ezetimib schon während des Aufenthalts begonnen werden; die Kontrolle nach vier bis sechs Wochen ist keine Pflichtwartezeit. ESC/EAS Lipid-Update 2025 Kontrolliere Lipide typischerweise nach vier bis sechs Wochen und passe die Behandlung an. Wird das Ziel mit Statin plus Ezetimib nach weiteren 4–6 Wochen nicht erreicht, wird ein PCSK9-Hemmer ergänzt; nach einem erneuten Ereignis innerhalb von zwei Jahren kann ein LDL-C unter 40 mg/dl (1,0 mmol/l) erwogen werden. DGK/ESC CCS 2024

Abbildung: Schritt 3 fragt zwei Bedingungen gleichzeitig ab; nur wenn beide erfüllt sind, bleibt die Therapie. Der gestrichelte Kasten zeigt die Abkürzung für bisher unbehandelte ACS-Patienten. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC/EAS Lipid-Update 2025 und ESC-Leitlinie ACS 2023.
Blutdruck und Diabetes werden individuell behandelt. Der ESC-Zielbereich für den systolischen Blutdruck liegt bei vielen behandelten Erwachsenen bei 120–129 mmHg, wenn gut vertragen; Orthostase, Gebrechlichkeit und andere Besonderheiten können dagegen sprechen. Niedriger ist nicht ohne Grenze besser. Bei Diabetes nennt der ESC-Pfad meist ein HbA1c unter 7 % (53 mmol/mol), individuell angepasst.

Abbildung: Zielwerte werden zusammen mit Gegenanzeigen und Verträglichkeit geprüft; die LDL-Kontrolle verbindet den absoluten Wert mit der relativen Senkung. Quelle: eigene Darstellung.
| Größe | Ziel oder Kontrolle im hier verwendeten ESC-Pfad |
|---|---|
| LDL-C | unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und mindestens 50 % unter dem Ausgangswert |
| Lipidkontrolle | typischerweise nach 4–6 Wochen, dann Anpassung |
| Systolischer Blutdruck | 120–129 mmHg bei vielen behandelten Erwachsenen, wenn gut vertragen; Orthostase und Gebrechlichkeit können dagegen sprechen |
| HbA1c bei Diabetes | meist unter 7 % (53 mmol/mol), individuell angepasst |
| LVEF initial ≤ 40 % | erneute Beurteilung nach etwa 6–12 Wochen unter angepasster Therapie |
Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) beschreibt den pro Herzschlag ausgeworfenen Anteil des enddiastolischen Volumens. Nach ESC-Einteilung gilt eine LVEF ≤ 40 % als reduziert, 41–49 % als leicht reduziert und ≥ 50 % als erhalten. Bei reduzierter LVEF beziehungsweise Herzinsuffizienz werden prognostisch wirksame Therapien gezielt aufgebaut; dazu gehören je nach Situation Betablocker, Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems und weitere Herzinsuffizienzmedikamente. ACE-Hemmer/ARB erfordern unter anderem Blutdruck-, Kreatinin- und Kaliumkontrolle; Schwangerschaft, relevante Hyperkaliämie und bestimmte Gefäßsituationen begrenzen ihren Einsatz. Ein Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist kommt nach Infarkt bei LVEF ≤40 % mit Herzinsuffizienz und/oder Diabetes bei geeigneter Nierenfunktion und Kaliumlage infrage. Für Eplerenon heißt das laut Fachinformation: Kalium höchstens 5,0 mmol/l bei Beginn und eGFR mindestens 30 ml/min/1,73 m²; Kalium wird in der ersten Woche und nach einem Monat kontrolliert. Die genaue Auswahl/Dosis folgt der konkreten Indikation; unkontrolliertes Aufdosieren ist unsicher.

Die LVEF ist ein Anteil, kein Volumen: Von 150 ml am Ende der Diastole werden 60 ml ausgeworfen, also 40 %. Damit ist das Kriterium „LVEF ≤ 40 %“ erfüllt, bei dem Therapieaufbau und erneute Beurteilung nach 6–12 Wochen geplant werden. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit.
Die LVEF-Bereiche lassen sich so zuordnen.
| LVEF | Einordnung | Bedeutung in dieser Einheit |
|---|---|---|
| ≤ 40 % | reduziert | Betablocker, ACE-Hemmer/ARB, MRA bei Herzinsuffizienz und/oder Diabetes; Kontrolle nach 6–12 Wochen |
| 41–49 % | leicht reduziert | Verlauf beobachten, Indikationen einzeln prüfen |
| ≥ 50 % | erhalten | Langzeitindikation, etwa für Betablocker, erneut prüfen |
| ≤ 35 % nach 6–12 Wochen mit Herzinsuffizienzsymptomen | anhaltend stark reduziert | primärprophylaktischen ICD prüfen |

Echokardiografie im Vierkammerblick: Vorhöfe, Klappenebene und beide Ventrikel liegen in einer Schnittebene, die Herzspitze ist in dieser Darstellung unten. In solchen Schnittebenen wird die Pumpfunktion beurteilt; die LVEF vergleicht das Volumen des linken Ventrikels am Ende der Diastole mit dem am Ende der Systole.
Quelle: Kjetil Lenes, Wikimedia Commons, „Echocardiogram 4chambers.jpg“; gemeinfrei (vom Urheber freigegeben). Geräteeinblendungen außerhalb des Schallsektors entfernt, beschnitten, als WebP gespeichert.
| Wirkstoffgruppe | Wann / was prüfen | Grenzen |
|---|---|---|
| ACE-Hemmer/ARB | Blutdruck, Kreatinin und Kalium kontrollieren | Schwangerschaft, relevante Hyperkaliämie, bestimmte Gefäßsituationen |
| Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist | nach Infarkt bei LVEF ≤ 40 % mit Herzinsuffizienz und/oder Diabetes | nur bei geeigneter Nierenfunktion und Kaliumlage |
Bei initialer LVEF ≤40 % wird die Funktion nach etwa 6–12 Wochen unter angepasster Therapie erneut beurteilt. Die langfristige Betablockerindikation ist bei reduzierter LVEF klarer als bei unkompliziertem Verlauf mit erhaltener Pumpfunktion; nicht jedem Patienten wird ohne erneute Indikationsprüfung lebenslang dieselbe Dosis verordnet. Bleibt die LVEF mit Herzinsuffizienzsymptomen trotz mehr als drei Monaten optimaler Therapie und frühestens sechs Wochen nach dem Infarkt ≤ 35 %, wird eine primärprophylaktische ICD-Implantation geprüft.

Abbildung: Indikation (Schritt 2) und Sicherheit von Niere und Kalium (Schritt 3) sind getrennte Prüfschritte. Die erneute LVEF-Messung nach 6–12 Wochen entscheidet über die ICD-Frage. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage DGK/ESC Pocket-Leitlinie ACS 2023 und Fachinformation Eplerenon (Abschnitte 4.2–4.4).
Rehabilitation und Alltag
Kardiologische Rehabilitation ist ein strukturiertes Programm aus medizinischer Optimierung, körperlichem Training, Risikofaktorenbehandlung, Schulung und psychosozialer Unterstützung. Nach Stabilisierung wird sie früh organisiert, mit passendem stationärem, ambulantem oder geeignetem häuslichem Angebot. Belastungsaufbau richtet sich nach Ischämie, Pumpfunktion, Rhythmus, Begleiterkrankungen und individueller Leistungsfähigkeit. Es gibt keinen pauschalen Tag, an dem alle wieder voll trainieren können. In Deutschland beginnt die Anschlussrehabilitation (AHB) unmittelbar, spätestens etwa zwei Wochen nach der Entlassung, und dauert in der Regel drei Wochen. ESC Rehabilitation 2026

Gruppentraining in einer kardiologischen Rehabilitation: Die Teilnehmenden fahren Ergometer, die Belastung wird an der Konsole eingestellt, EKG-Kabel führen vom Oberkörper zur Überwachung. So kann begleitetes Training zu Beginn Sicherheit geben, während die Belastung schrittweise angepasst wird.
Quelle: Hermes Ilarraza, Wikimedia Commons, „Pacientes Rehabilitación Cardiaca.jpg“; CC BY 3.0. Auf Oberkörper und Ergometer beschnitten (Gesichter und Monitor entfernt), Anhänger an der Kleidung unscharf gemacht, verkleinert, als WebP gespeichert.
| Baustein der Rehabilitation | Inhalt |
|---|---|
| Medizinische Optimierung | Therapie anpassen und überprüfen |
| Körperliches Training | Belastungsaufbau nach Ischämie, Pumpfunktion, Rhythmus, Begleiterkrankungen und Leistungsfähigkeit |
| Risikofaktorenbehandlung | Lipide, Blutdruck, Diabetes, Rauchstopp |
| Schulung | Medikamente, Alarmzeichen, Alltag |
| Psychosoziale Unterstützung | Angst, depressive Symptome, Schlaf, Rückkehr zur Arbeit |
Besprich Rauchstopp konkret: Auslöser, Unterstützung, Beratung und geeignete medikamentöse Hilfen. Empfehle eine überwiegend pflanzenbetonte, mediterrane Ernährung und regelmäßige angepasste Bewegung; zu Beginn kann ein begleitetes Training Sicherheit geben. Zum Rauchstopp kommen Nikotinersatz, Vareniclin oder Bupropion infrage; auch E-Zigaretten sollen gemieden werden. Als Ziele gelten 150–300 Minuten moderate oder 75–150 Minuten intensive Ausdaueraktivität pro Woche, Alkohol unter 100 g pro Woche, ein BMI von 18,5–25 kg/m² und eine jährliche Grippeimpfung. Angst, depressive Symptome, sexuelle Unsicherheit, Schlaf und Rückkehr zur Arbeit gehören zur Nachsorge. Fahreignung, berufliche Belastung und Sexualität werden nach klinischem Verlauf und konkreter Tätigkeit besprochen; keine pauschale sofortige Erlaubnis allein wegen Beschwerdefreiheit. Erkläre bei Nitratbedarf erneut die PDE-5-Wechselwirkung: Nitrat frühestens 24 Stunden nach Sildenafil oder Vardenafil und 48 Stunden nach Tadalafil.

Abbildung: Die Verzweigung verbindet die körperliche Belastung mit der konkreten Alltagstätigkeit und einer gesonderten Nitratprüfung. Quelle: eigene Darstellung.
Diese Lebensstilziele lassen sich konkret vereinbaren.
| Bereich | Ziel nach ESC |
|---|---|
| Rauchen | Stopp; Nikotinersatz, Vareniclin oder Bupropion; E-Zigaretten meiden |
| Bewegung | 150–300 min/Woche moderat oder 75–150 min intensiv, weniger Sitzen |
| Ernährung | mediterran, gesättigte Fette < 10 % der Energie |
| Alkohol | < 100 g pro Woche |
| Körpergewicht | BMI 18,5–25 kg/m² |
| Impfung | Grippe jährlich |

Abbildung: Jedes Feld enthält ein messbares Ziel. Beim nächsten Termin wird nachgefragt, nicht nur einmal beraten. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage DGK/ESC Pocket-Leitlinie CCS 2024 und ESC-Leitlinie ACS 2023.

Abbildung: Belastung und Alltag werden anhand konkreter klinischer und persönlicher Voraussetzungen geplant; Beschwerdefreiheit allein ist keine Freigabe. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und Deutsche Rentenversicherung: Anschlussrehabilitation.
LDL vor Behandlung 140 mg/dl, nach Behandlung 60 mg/dl. Die Abnahme beträgt 80/140 × 100 ≈ 57 %. Die relative Senkung ist ausreichend, der absolute Zielwert unter 55 mg/dl jedoch noch nicht erreicht. Zunächst Einnahme und Verträglichkeit prüfen, dann Therapie nach Plan intensivieren. Die Kombination beider Bedingungen verhindert eine irreführende Erfolgsmeldung aufgrund nur einer Zahl.

Der zweite Balken liegt unter der grünen 50-%-Linie, aber noch über der roten Zielgrenze: Eine Bedingung ist erfüllt, die andere nicht. Genau deshalb reicht eine einzelne Zahl nicht als Erfolgsmeldung.
Quelle: eigene Lehrzeichnung mit den Werten dieses Beispiels.
Unterstützte Aufgabe
LDL sinkt von 120 auf 50 mg/dl. Berechne die relative Abnahme und prüfe beide ESC-Zielbedingungen.
Die Tabelle enthält die beiden Messwerte der Aufgabe.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Vor Behandlung | LDL-C 120 mg/dl |
| Nach Behandlung | LDL-C 50 mg/dl |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Abnahme 70/120 × 100 ≈ 58 %. 50 mg/dl liegt unter 55 und die Abnahme über 50 %. Beide Bedingungen sind erfüllt. Trotzdem bleiben Einnahme, Nebenwirkungen und langfristige Verlaufskontrolle wichtig.
Unabhängige Aufgabe
Ein Patient nach PCI möchte wegen kleiner Hämatome alle Plättchenhemmer ab morgen weglassen. Er ist beschwerdefrei. Formuliere eine patientengerechte Antwort mit einem sicheren nächsten Schritt.
Die Angaben des Patienten sind hier zusammengefasst.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Vorgeschichte | PCI |
| Aktuelle Beschwerden | beschwerdefrei |
| Beobachtung | kleine Hämatome |
| Geplante Änderung | alle Plättchenhemmer ab morgen weglassen |

Kleiner Bluterguss am Unterarm einer älteren Frau, einen Tag nach einer Blutentnahme (Beispielbild einer anderen Person): blau-violettes Zentrum, gelblich-grüner Randsaum, keine Schwellung der Umgebung. So können „kleine Hämatome“ aussehen, wie sie der Patient beschreibt.
Quelle: W.carter, Wikimedia Commons, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blood_testing_bruise_on_arm_1.jpg
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
„Die Medikamente sollen verhindern, dass sich im behandelten Gefäß ein neues Gerinnsel bildet. Kleine blaue Flecken können auftreten; bitte setzen Sie die Mittel nicht selbstständig ab. Wir prüfen heute die Blutungszeichen und Ihren genauen Plan und besprechen nötige Änderungen mit der Kardiologie. Bei schwarzem Stuhl, Bluterbrechen, anhaltender starker Blutung, Ohnmacht oder neuen neurologischen Beschwerden brauchen Sie sofort Hilfe.“ Selbstvergleich: Zweck erklärt, Sorge ernst genommen, konkrete Prüfung und schwere Alarme genannt.
Verständlich entlassen
Lernziel: Du kannst Entlassung und Nachsorge sicher erklären und dokumentieren.
Ein guter Entlassungsplan benennt Diagnose und verbleibende Unsicherheit, durchgeführte Maßnahmen, aktuelle Funktion, Medikamente samt Zweck/Dosis/Einnahmezeit, geplante Dauer, Kontrollen und Warnzeichen. Unterscheide „erfolgt“ von „geplant“. Wenn eine Information fehlt, schreibe „noch zu klären“, statt einen unauffälligen Befund zu erfinden. Bei hohem Risiko für Magen-Darm-Blutungen gehört zur DAPT ein Protonenpumpenhemmer in den Plan.

Abbildung: Erst wenn jede Zeile Wirkstoff, Stärke, Zeit, Zweck und Dauer enthält, kann der Patient den Plan sinnvoll rückerklären. Fehlende Angaben werden als „noch zu klären“ notiert. Quelle: eigene Darstellung.
Die Tabelle zeigt typische Zeilen eines Medikamentenplans nach ACS mit Zweck in Alltagssprache.
| Medikament | Zweck in Alltagssprache | Geplante Dauer |
|---|---|---|
| ASS 75–100 mg 1× täglich | verhindert Blutgerinnsel an Plaque und Stent | dauerhaft; nach DAPT meist allein weiter, wie im Plan festgelegt |
| P2Y12-Hemmer, z. B. Ticagrelor 90 mg 2× täglich | zweiter Plättchenhemmer, schützt besonders den frischen Stent | gewöhnlich 12 Monate, Ende oder Überprüfung im Plan |
| Hochintensives Statin, z. B. Atorvastatin 40–80 mg | senkt LDL-Cholesterin und das Risiko neuer Ereignisse | dauerhaft; LDL-Kontrolle nach 4–6 Wochen |
| Protonenpumpenhemmer | schützt den Magen | während DAPT bei hohem Magen-Darm-Blutungsrisiko |

Jede Angabe gehört in genau eine Spalte. Was fehlt, bleibt sichtbar offen und wird nicht durch einen erfundenen Normalbefund ersetzt.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit.
| Bereich | Konkrete Vereinbarung |
|---|---|
| Medikamente | Wirkstoff, Stärke, Anzahl, Zeitpunkt; DAPT-Ende/Überprüfung, Blutungsplan, Interaktionen |
| Kontrollen | Verantwortliche Praxis, Termin, Blutdruck/Puls, Nierenfunktion/Kalium nach relevanter Änderung, Lipide nach 4–6 Wochen |
| Funktion | Dokumentierte LVEF; bei initial ≤40 % erneute Beurteilung nach 6–12 Wochen |
| Rehabilitation | Antrag/Überweisung und Ansprechpartner, Belastungsaufbau, psychosoziale/berufliche Unterstützung |
| Alarm | Neuer anhaltender Thoraxdruck, schwere Dyspnoe, Synkope, schwere Blutung oder Schlaganfallzeichen → 112 |
Eine Anschlussrehabilitation soll in Deutschland in der Regel spätestens 14 Tage nach der Krankenhausentlassung beginnen; beim Antrag unterstützt der Sozialdienst.

Abbildung: Jede fehlende Angabe bleibt erkennbar; Befunde, Termine und Zuständigkeiten werden vor der Rückerklärung getrennt geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Jeder Zeitpunkt der Nachsorge braucht im Entlassungsplan einen Termin und eine zuständige Stelle. Die Alarmzeichen gelten unabhängig von diesen Terminen. Quelle: eigene Darstellung.

Symbolfoto. Ein Wochendosierer ordnet Einnahmezeitpunkte; ob Zweck, Dosis und geplante Dauer verstanden sind, zeigt erst die Rückerklärung.
Quelle: Stevepb, „Pill Organizer With Vitamins And Medicines“, Wikimedia Commons (über Pixabay); CC0 1.0. Verkleinert, als WebP gespeichert.
Lass den Patienten in eigenen Worten wiedergeben, welche Medikamente er weiter nimmt, wann die nächste Kontrolle ist und bei welchem Symptom er Hilfe ruft. Diese Rückerklärung prüft die Verständlichkeit deiner Erklärung, nicht die Intelligenz des Patienten.

Abbildung: Die Schleife läuft, bis Medikamente, nächste Kontrolle und Alarmhandlung konkret und richtig wiedergegeben sind. Eine falsch verstandene Alarmhandlung wird vor der Entlassung erneut geprüft. Quelle: eigene Darstellung.
Patientengespräch
„Ein Herzkranzgefäß war akut betroffen und wurde im Katheterlabor behandelt. Der Stent hält diese Stelle offen; die Gefäßerkrankung behandeln wir weiterhin mit Medikamenten und der Rehabilitation. Diese beiden Plättchenhemmer nehmen Sie nach dem schriftlichen Plan und setzen sie nicht ohne Rücksprache ab. Die erste Kontrolle ist am vereinbarten Termin; die Blutfette werden in vier bis sechs Wochen geprüft. Wenn erneut anhaltender Brustdruck, schwere Luftnot oder eine Ohnmacht auftreten, rufen Sie sofort 112 und fahren nicht selbst. Können Sie mir sagen, was Sie bei neuem Brustdruck tun und welche Medikamente Sie täglich einnehmen?“

Abbildung: Das Beispielgespräch folgt diesen fünf Schritten und endet mit einer offenen Rückfrage statt mit „Haben Sie alles verstanden?“. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Der Stent behandelt nur die eine Stelle; Medikamente, Kontrollen und Rehabilitation behandeln die weiter bestehende Gefäßerkrankung. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Das Gespräch verknüpft jedes Symptom mit einer eindeutigen Handlung; Routinefragen gehören zum vereinbarten Termin. Quelle: eigene Darstellung.
Unterstützte Aufgabe
Der Patient antwortet: „Wenn es wieder drückt, fahre ich morgen zur Hausarztpraxis.“ Ergänze eine respektvolle Korrektur und lasse die entscheidende Handlung rückerklären.
Die Rückmeldung des Patienten lässt sich in drei Angaben zerlegen.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Anlass | „Wenn es wieder drückt“ |
| Genannter Zeitpunkt | morgen |
| Genanntes Ziel | Hausarztpraxis |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
„Bei neuem anhaltendem Brustdruck warten Sie bitte nicht bis morgen. Rufen Sie sofort 112, weil erneut ein akutes Herzproblem dahinterstecken kann. Was würden Sie also tun, wenn der Druck heute Abend wiederkommt?“ Eine bloße Wiederholung „bei Beschwerden melden“ wäre zu unbestimmt.
kurzer Arztbericht
Fiktive Fakten: NSTEMI nach akutem koronarem Plaqueereignis, PCI der RCA dokumentiert, LVEF 45 %, keine weiteren stationären Komplikationen dokumentiert. ASS/Ticagrelor und hochintensives Statin sind im überprüften Medikationsplan enthalten; Rehabilitation ist beantragt, ein ambulanter Termin vereinbart.
„Aufnahme wegen anhaltenden retrosternalen Drucks mit ischämischen ST-Senkungen und dynamischem Troponinanstieg. Die Koronarangiografie zeigte die ursächliche RCA-Läsion; eine PCI wurde durchgeführt. Die LVEF beträgt 45 %. Im dokumentierten weiteren Verlauf traten keine zusätzlichen stationären Komplikationen auf. Fortführung der antithrombotischen Therapie gemäß beigefügtem Plan, Lipidkontrolle nach vier bis sechs Wochen und ambulante kardiologische Verlaufskontrolle. Rehabilitation beantragt. Die Prognose hängt insbesondere von erneuten Ereignissen, Pumpfunktion, Risikofaktorkontrolle und verträglicher regelmäßiger Behandlung ab; neue Ischämie- oder Herzinsuffizienzzeichen erfordern sofortige Neubewertung.“

Die Bausteine folgen dem Beispielbericht: Erfolgtes, Geplantes und die an Bedingungen geknüpfte Prognose bleiben sprachlich getrennt.
Quelle: eigene Lehrzeichnung nach dem Lesetext dieser Einheit.
Unabhängige Aufgabe
Schreibe aus den folgenden Fakten einen kurzen Übergabetext mit bedingter Prognose: anteriorer Infarkt, PCI erfolgt, LVEF 35 %, zuletzt kreislaufstabil; Kreatinin und Kaliumkontrolle nach Medikamentenanpassung noch ausstehend; Reha-Beratung erfolgt, Platz noch nicht bestätigt. Erfinde keine Dosierungen oder Laborwerte.
Die Tabelle ordnet die vorgegebenen Fakten für die Übergabe.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Ereignis und Maßnahme | anteriorer Infarkt; PCI erfolgt |
| Funktion und Kreislauf | LVEF 35 %; zuletzt kreislaufstabil |
| Labor | Kreatinin und Kalium nach Medikamentenanpassung noch ausstehend |
| Rehabilitation | Beratung erfolgt; Platz noch nicht bestätigt |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
„Nach anteriorem Infarkt und erfolgter PCI besteht eine reduzierte linksventrikuläre Funktion mit LVEF 35 %. Zuletzt war der Patient kreislaufstabil. Der Medikamentenplan ist vor Entlassung abzugleichen und mitzugeben; Kreatinin und Kalium müssen nach der Therapieanpassung kontrolliert werden. Eine erneute Funktionsbeurteilung ist nach etwa sechs bis zwölf Wochen vorgesehen. Die Reha-Beratung erfolgte, die Aufnahme ist noch zu bestätigen. Unter verträglicher Therapie und konsequenter Risikokontrolle ist eine Stabilisierung beziehungsweise Funktionsbesserung möglich; Ausmaß und Verlauf sind noch offen. Dyspnoe, Synkope oder erneuter Thoraxdruck erfordern sofortige Beurteilung.“

Abbildung: Die Prognose folgt aus Befund, Behandlung und Verlauf; ausstehende Laborkontrollen und der unbestätigte Rehaplatz bleiben sichtbar. Quelle: eigene Darstellung.
Selbstvergleich: LVEF und aktueller Zustand korrekt; geplante Laborkontrolle und ungesicherter Rehaplatz klar; keine erfundene Normalisierung; Prognose an Bedingungen und Verlauf geknüpft.
Befunde verändern den Plan
Lernziel: Du kannst neue Verlaufsbefunde in eine begründete Behandlung übersetzen.
Integrierter Fall: erste Einschätzung
Aufgabe
Ein 61-jähriger Mann kommt um 16:00 Uhr mit seit 15:40 Uhr bestehendem retrosternalem Druck und Schweißausbruch. RR 132/78 mmHg, Puls 86/min, SpO₂ 96 %, beidseits gleiche Pulse, keine fokalen neurologischen Auffälligkeiten, Lunge frei. Bekannte Hypertonie, Raucher; keine orale Antikoagulation, keine aktuelle Blutung und keine bekannte ASS-Allergie. Die Frage nach PDE-5-Hemmern ist noch offen. Das EKG um 16:05 Uhr zeigt keine eindeutigen Ischämiezeichen. Die erste Probe um 16:10 Uhr liegt unter der für diesen Patienten geltenden Troponin-Referenzgrenze.
Die Erstangaben des Falls sind nach Zeitpunkt und Bereich geordnet.
| Zeitpunkt | Bereich | Angabe |
|---|---|---|
| 15:40 | Symptome | retrosternaler Druck, Schweißausbruch |
| 16:00 | Kreislauf | RR 132/78 mmHg; Puls 86/min; SpO₂ 96 % |
| 16:00 | Untersuchung | Pulse seitengleich; keine fokale Neurologie; Lunge frei |
| 16:00 | Vorgeschichte | 61 Jahre; Hypertonie; Raucher |
| 16:00 | Medikamente/Sicherheit | keine OAK, Blutung oder bekannte ASS-Allergie; PDE-5-Frage offen |
| 16:05 | EKG | keine eindeutigen Ischämiezeichen |
| 16:10 | Erste Probe | Troponin unter der geltenden Referenzgrenze |
- Formuliere die führende Verdachtsdiagnose mit einer wichtigen Grenze der bisherigen Diagnostik.
- Nenne den nächsten Verlaufsschritt und eine noch fehlende Sicherheitsinformation.
- Erkläre dem Patienten in zwei Sätzen, warum er noch nicht nach Hause kann.
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
- ACS-Verdacht bei neuer typischer Symptomatik. Das sehr frühe EKG und Troponin schließen einen sich entwickelnden Infarkt oder instabile Angina nicht aus. Fehlende Aortenwarnzeichen senken den Verdacht, schließen ein Aortensyndrom aber nicht allein aus.
- Überwachte klinische Neubewertung, serielles EKG und hs-Troponin nach validiertem Assayverfahren. PDE-5-Einnahme vor Nitratentscheidung klären; Medikamente und Zeitpunkte dokumentieren. ASS wird im passenden ACS-Pfad nach der erhobenen Sicherheitsprüfung berücksichtigt. Die erste Probe lag nur 30 Minuten nach Symptombeginn – ein Ausschluss mit einem einzelnen Wert setzt nach ESC mehr als 3 Stunden voraus; die zweite Probe folgt je nach Assay-Algorithmus nach 1 oder 2 Stunden.
- „Die ersten Untersuchungen zeigen noch keinen sicheren Herzinfarkt, sind aber so früh nicht zuverlässig genug, um Entwarnung zu geben. Wir beobachten Sie und wiederholen die Untersuchungen, damit wir eine gefährliche Veränderung rechtzeitig behandeln können.“
| Erstbefund (16:05/16:10) | Was er aussagt |
|---|---|
| EKG ohne eindeutige Ischämiezeichen | schließt einen sich entwickelnden Infarkt nicht aus |
| erstes Troponin unter der Referenzgrenze | so früh nicht zuverlässig genug für Entwarnung |
| keine Aortenwarnzeichen | senkt den Verdacht, schließt ein Aortensyndrom nicht allein aus |
| PDE-5-Frage offen | vor der Nitratentscheidung klären |

Abbildung: Die gelben Kästen zeigen, warum die beiden frühen Befunde noch keine Entwarnung erlauben. Die drei Kästen in Schritt 3 laufen gleichzeitig; erst der Verlauf in Schritt 4 entscheidet über den weiteren Pfad. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ACS 2023.
Die Uhrzeiten des Falls zeigen, warum der Verlauf entscheidet:
| Uhrzeit | Schritt | Bedeutung |
|---|---|---|
| 15:40 | Symptombeginn | Bezugspunkt für die Vorlaufzeit |
| 16:05 | erstes EKG | 5 min nach Aufnahme, Ziel ≤ 10 min |
| 16:10 | hs-Troponin 0 h | nur 30 min nach Beginn: kein Ausschluss mit einem Wert (erst bei > 3 h) |
| 17:10 oder 18:10 | zweite Probe | 0/1-h- oder 0/2-h-Algorithmus je Assay |
| jederzeit | neues EKG | bei neuen oder stärkeren Beschwerden sofort |
Selbstvergleich: Keine falsche Entlassung, Zeitbezug erkannt, konkrete Verlaufstests und eine Arzneimittelsicherheit genannt. Die Kommunikation benennt Verdacht und Unsicherheit verständlich.
Derselbe Fall: neue Dynamik
Aufgabe
Um 16:25 Uhr werden die Schmerzen stärker. Das erneute EKG zeigt neue Hebungen in II, III und aVF und Senkung in aVL. RR jetzt 92/60 mmHg; das Katheterzentrum erwartet Reperfusion um 17:20 Uhr. PDE-5-Hemmer wurden verneint. Der zweite Troponinwert liegt noch nicht vor.

Beispiel-EKG zu dieser Konstellation, nicht vom Fallpatienten: gemittelter Herzschlag (Medianschlag) eines 61-jährigen Mannes, bei dem die Koronarangiografie einen akuten Verschluss der proximalen RCA zeigte. Sieh dir zuerst II, III und aVF an: Die ST-Strecke ist dort deutlich angehoben. Vergleiche dann aVL: Hier ist die ST-Strecke gesenkt und die T-Welle negativ – das spiegelbildliche Gegenstück zur inferioren Hebung. Zusätzlich sind die ST-Strecken in V2–V5 gesenkt. Ein Medianschlag zeigt nur die Form der Komplexe, keinen Rhythmus und keine Frequenz.
Quelle: Du X, Liu Y, Wang L, He W, Bin G, Deng G, Yang J, ACS-/OMI-EKG-Datensatz, First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University, doi:10.6084/m9.figshare.29925314.v1, Medianschlag 00944; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert, neu gezeichnet.
Welche drei Änderungen des Plans sind jetzt entscheidend? Berechne die erwartete Zeit von der neuen EKG-Diagnose bis zur Reperfusion.
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Sofortiger STEMI-/Verschlussweg und Aktivierung beziehungsweise Bestätigung des Kathetertransfers; keine Wartezeit auf den zweiten Troponinwert. Wegen Hypotonie RV-Beteiligung und andere Schockursachen parallel prüfen, rechtspräkordiale Ableitungen und fokussiertes Echo nach Situation ergänzen. Nitrat trotz verneinter PDE-5-Einnahme wegen Hypotonie vermeiden; antithrombotische Behandlung und Kreislaufversorgung mit dem Katheterteam abstimmen. Von 16:25 bis 17:20 sind es 55 Minuten. Das spricht für rechtzeitige primäre PCI, verpflichtet aber zu sofortiger Organisation. Gute Antwort passt den Plan an neue Daten an und wiederholt nicht lediglich die erste Einschätzung. Nach Fachinformation kommt Nitrat beim akuten Infarkt erst bei systolisch über 100 mmHg infrage; bei Verlegung gilt nach ESC ein Ziel unter 90 Minuten von der STEMI-Diagnose bis zur Drahtpassage. Eine ST-Hebung ab 0,5 mm in V3R/V4R spricht für eine RV-Beteiligung.
| Befund | Erstbefund (16:00–16:10) | Neu um 16:25 |
|---|---|---|
| Schmerz | retrosternaler Druck | stärker |
| EKG | keine eindeutigen Ischämiezeichen | Hebung II, III, aVF; Senkung aVL |
| Blutdruck | 132/78 mmHg | 92/60 mmHg |
| Troponin | erster Wert unter Referenzgrenze | zweiter Wert ausstehend – nicht abwarten |
| PDE-5-Hemmer | Frage offen | verneint; Nitrat wegen Hypotonie trotzdem vermeiden |

Abbildung: Der Abstand der Punkte ist nicht zeitproportional. Die frühen blauen Befunde um 16:05 und 16:10 waren unauffällig, aber kein Grund zur Entwarnung. Ab dem roten Punkt um 16:25 zählt die Uhr: 55 Minuten bis zur Reperfusion, also innerhalb der Grenze von unter 120 Minuten für die primäre PCI. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ACS 2023; Fachinformation Nitrolingual (Gegenanzeigen).
Neuer Fall: Marker ohne einfache Ursache
Aufgabe
Eine 72-jährige Patientin hat Fieber, Pneumonie, ausgeprägte Hypoxämie und eine Tachykardie. Troponin steigt, mindestens ein Wert liegt über der für diese Patientin geltenden assay- und geschlechtsspezifischen 99.-Perzentil-Grenze. Sie verneint Thoraxdruck; das EKG zeigt bisher keine sicheren ischämischen Veränderungen. Ein Kollege dokumentiert „sekundärer Infarkt“ und möchte automatisch die gleiche DAPT wie nach Koronarstent verordnen. Erkläre, welche diagnostische und therapeutische Verknüpfung hier zu schnell ist.
Die Tabelle zeigt ausschließlich die vorliegenden Angaben der Patientin.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Alter und Erkrankung | 72 Jahre; Fieber und Pneumonie |
| Atmung und Kreislauf | ausgeprägte Hypoxämie; Tachykardie |
| Troponin | steigt; mindestens ein Wert über der geltenden 99. Perzentile |
| Beschwerden und EKG | Thoraxdruck verneint; bisher keine sicheren Ischämiezeichen |

Röntgen-Thorax eines anderen Patienten mit Pneumonie (Beispielbild, nicht von der Fallpatientin): Im rechten Mittel- und Unterfeld liegt eine flächige, unscharf begrenzte Verdichtung, die die rechte Herzkontur überlagert; die übrigen Lungenabschnitte sind belüftet. Oben rechts steht die Seitenmarkierung.
Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:X-ray_of_lobar_pneumonia.jpg
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Die Daten belegen zunächst eine akute Myokardschädigung. Die schwere Erkrankung kann ein Angebot-Bedarf-Missverhältnis verursachen, ein Infarkt verlangt aber zusätzliche ischämische Evidenz und passende Ursachenbewertung. Weitere klinische/serielle EKG- und gegebenenfalls Bildgebungsbefunde sind nötig. Hypoxämie, Infektion und Kreislauf werden unverzüglich behandelt. Bei SpO₂ unter 90 % erhält sie Sauerstoff mit einem Ziel von 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko 88–92 %. Eine DAPT wird nicht automatisch aus dem Troponinanstieg abgeleitet; sie hängt insbesondere von akuter koronarer Ursache, Intervention und Blutungsrisiko ab. Ein gleichzeitig übersehenes primäres Koronarereignis bleibt bei neuen Hinweisen zu prüfen.

Abbildung: Der Troponinanstieg führt zuerst nur bis zur akuten Myokardschädigung. Erst ein zusätzlicher Ischämie-Nachweis in Schritt 3 entscheidet über „Myokardinfarkt“. Die Behandlung des Auslösers in Schritt 2 beginnt sofort, die Thrombozytenhemmung nie reflexhaft. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ACS 2023; S3-Leitlinie Sauerstoff in der Akuttherapie 2021.
Für einen Infarkt fehlt bei dieser Patientin bisher jeder zusätzliche Ischämiebeleg:
| Kriterium | Befund jetzt | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Symptome | Thoraxdruck verneint | erneut gezielt fragen |
| EKG | bisher keine sicheren Ischämiezeichen | serielle EKGs |
| Wandbewegung | noch nicht untersucht | Echokardiografie |
| Koronarthrombus | nicht untersucht | Angiografie nur bei begründetem Verdacht |
Selbstvergleich: Schädigung von Infarkt getrennt, auslösende Erkrankung aktiv behandelt, keine pauschale Thrombozytenkombination und keine absolute koronare Entwarnung.
Neuer Fall: relevante Alternative
Aufgabe
Eine 49-jährige Frau berichtet abrupt maximalen Thorax- und Rückenschmerz. Ein Arm ist kühler, vorübergehend war das Sprechen erschwert. Das EKG zeigt ST-Veränderungen. Du sollst eine kurze telefonische Übergabe an das Notfallteam geben: Problem, führende gefährliche Alternative, benötigte Diagnostik und eine Medikamentengefahr.
Für die telefonische Übergabe liegen diese Beobachtungen vor.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Patientin | 49 Jahre |
| Schmerz | abrupt maximal; Thorax und Rücken |
| Arm | ein Arm kühler |
| Neurologie | Sprechen vorübergehend erschwert |
| EKG | ST-Veränderungen |
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
„49-jährige Patientin mit abrupt maximalem Thorax-/Rückenschmerz, Seitendifferenz der Armperfusion und vorübergehendem neurologischem Defizit. Dringender Verdacht auf akutes Aortensyndrom, auch wenn ST-Veränderungen eine mögliche Koronarbeteiligung anzeigen. Wir benötigen sofortige fachkundige Stabilisierung und geeignete Aortenbildgebung, bei ausreichender Stabilität CT-Angiografie; bei Instabilität den unmittelbar verfügbaren Notfallweg. Eine unkritische antithrombotische ACS-Behandlung, besonders Fibrinolyse, kann bei Dissektion schwere Blutung verursachen.“
Im ADD-RS erreicht sie 2 Punkte; ab 2 Punkten folgt bei Kreislaufstabilität ohne Verzögerung die CT-Angiografie, und die ersten Kreislaufziele sind systolisch unter 120 mmHg und eine Herzfrequenz von höchstens 60/min.
Der ADD-RS dieser Patientin, je Gruppe höchstens 1 Punkt:
| Gruppe | Befund im Fall | Punkt |
|---|---|---|
| Vorgeschichte | keine Aortenerkrankung bekannt | 0 |
| Schmerz | abrupt, maximal, Thorax und Rücken | 1 |
| Befund | kühlerer Arm, vorübergehende Sprachstörung | 1 |
| Summe | ab 2: hohe Wahrscheinlichkeit | 2 |

CT-Angiografie bei akuter Aortendissektion, axialer Schnitt auf Höhe der aufsteigenden Aorta: Die Dissektionsmembran (roter Pfeil) teilt das Lumen in das wahre Lumen (weißer Pfeil) und das falsche Lumen (grüner Pfeil). Der Patient in diesem Fallbericht kam mit ST-Hebungen; Ursache war eine Dissektion, die den Abgang des linken Hauptstamms verlegte. ST-Veränderungen schließen eine Dissektion also nicht aus.
Quelle: Singh AP, Kayal V, Nath RK. Aortic Dissection With Complete Occlusion of Left Main Coronary Artery Presenting as Acute ST-Segment Elevation Myocardial Infarction. Cureus 2021;13(6):e15595, Abb. 5, doi:10.7759/cureus.15595; CC BY 3.0. Englische Beschriftungen durch deutsche ersetzt, Geräteschrift entfernt, Rand mit Orientierungsbuchstaben und Maßstab beschnitten, als WebP gespeichert.

Abbildung: Die Schritte 1 bis 4 entsprechen den vier Teilen der Übergabe: Problem mit Wahrscheinlichkeit, Sofortmaßnahmen, Diagnostik nach Kreislauf und Medikamentengefahr. Erst die Bildgebung entscheidet in Schritt 5 über Operation, TEVAR oder Medikamente. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: DGK/ESC-Pocket-Leitlinie periphere Arterien- und Aortenerkrankungen 2024.
Selbstvergleich: Kombination der Warnbefunde, keine Diagnose allein aus EKG, klare Dringlichkeit, Untersuchungswahl nach Stabilität und konkrete Arzneimittelgefahr.

Abbildung: Die Verzweigungen vergleichen die Fälle: Neue ST-Hebung, isolierter Markeranstieg und Aortenwarnzeichen verändern den Plan auf verschiedene Weise. Quelle: eigene Darstellung.
Praktische Teamaufgabe
Aufgabe
Übe mit einer zweiten Person am Simulationsplatz eine Thoraxschmerz-Erstversorgung: Rollen klären, ABCDE und Überwachung organisieren, Symptomzeit erfassen, 12-Kanal-EKG anfordern und übergeben, Medikamente samt letzter Gabe abgleichen, Hilfe/Transfer vorbereiten und die nächste Neubewertung festlegen. Nutze den Fall aus S02, ohne invasive Maßnahmen am Menschen durchzuführen.

Abbildung: Die sieben Bausteine der Aufgabe als Ablauf. Die Reihenfolge ist eine Orientierung; im Team laufen mehrere Schritte parallel, sobald die Rollen verteilt sind. Der rote Schritt 7 schließt den Kreis: Ohne festgelegte Neubewertung bleibt eine Verschlechterung leicht unbemerkt. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ACS 2023.
Lösung und Rückmeldung – nach der Antwort
Beobachtbare Kriterien: eine Person führt und verteilt Aufgaben; Instabilität wird ausdrücklich angesprochen; EKG und Symptombeginn erhalten Uhrzeiten; die Medikamentenübergabe enthält Wirkstoff, Dosis, Weg und Zeitpunkt; der Empfänger bestätigt die dringliche Information; der Transferplan hat Verantwortlichkeit und Ausweichweg. Kritische Fehler sind Troponinabwarten trotz STEMI, Nitrat bei Hypotonie, fehlende Eskalation und eine unbemerkte Doppelgabe. Diese Simulation prüft Kommunikation und Ablauf; reale Untersuchung, Zugang und Notfallintervention brauchen praktische Anleitung und beobachtete Durchführung. Zeitanker der Übergabe sind die EKG-Deutung innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt, bei Verlegung unter 90 Minuten von der STEMI-Diagnose bis zur Drahtpassage und die Nitratsperre von 24 Stunden nach Sildenafil oder Vardenafil beziehungsweise 48 Stunden nach Tadalafil.

Abbildung: PDE-5-Einnahme und Hypotonie begrenzen die Nitratgabe; Aortenwarnzeichen und eine unklare Troponinursache verlangen eigene Entscheidungen. Quelle: eigene Darstellung.
| Kritischer Fehler | Was im Ablauf davor schützt |
|---|---|
| Troponinabwarten trotz STEMI | EKG mit Uhrzeit übergeben; Empfänger bestätigt die dringliche Information |
| Nitrat bei Hypotonie | Instabilität wird ausdrücklich angesprochen |
| fehlende Eskalation | eine Person führt; Transferplan mit Verantwortlichkeit und Ausweichweg |
| unbemerkte Doppelgabe | Medikamentenübergabe mit Wirkstoff, Dosis, Weg und Zeitpunkt |
Zusätzliche Wiederholung
Lernziel: Du kannst bekannte Entscheidungen an neuen kurzen Fällen überprüfen.
Multiple Choice
Belastung oder Instabilität?
Aufgabe
Eine bekannte Angina tritt seit Monaten erst nach zwei Stockwerken auf und endet rasch in Ruhe. Seit gestern genügt der Gang zur Toilette, heute gab es eine Episode im Sitzen. Welche Information verändert die Dringlichkeit am stärksten?
Die Tabelle stellt die beschriebenen Episoden zeitlich gegenüber.
| Zeitpunkt | Situation | Beobachtung |
|---|---|---|
| Seit Monaten | nach zwei Stockwerken | endet rasch in Ruhe |
| Seit gestern | Gang zur Toilette | Beschwerden bei dieser Belastung |
| Heute | im Sitzen | eine Episode |
- a)Dass die Beschwerden schon seit Monaten bekannt sind.
- b)Die deutlich gesunkene Belastungsschwelle und neue Ruheepisode.
- c)Dass der Schmerz nach einer Episode nachgelassen hat.
Freie Antwort
Übertragene Laborgrenze
Aufgabe
Eine Ärztin verwendet für einen hs-cTnI-Test die auswendig gelernte Grenze eines hs-cTnT-Tests. Was korrigierst du?
Die Aufgabe nennt zwei unterschiedliche Testbezeichnungen.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Durchgeführter Test | hs-cTnI |
| Verwendete Grenze | auswendig gelernte Grenze eines hs-cTnT-Tests |
Freie Antwort
Risikorechnung ohne Aufschub
Aufgabe
Ein Patient ohne ST-Hebungen entwickelt wiederholte ventrikuläre Tachykardien und Kreislaufinstabilität bei anhaltendem Ischämieverdacht. Ist eine frühe Strategie „irgendwann innerhalb 24 Stunden“ ausreichend?
Die vorliegenden Befunde und der vorgeschlagene Zeitpunkt stehen hier nebeneinander.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| ST-Strecke | keine ST-Hebungen |
| Rhythmus | wiederholte ventrikuläre Tachykardien |
| Kreislauf | instabil |
| Verdacht | anhaltende Ischämie |
| Vorgeschlagene Strategie | irgendwann innerhalb von 24 Stunden |
Freie Antwort
Arzneimittel nicht austauschen
Aufgabe
Nach PCI sagt ein Patient: „Ich nehme doch Heparin zur Thromboseprophylaxe; dann kann ich den P2Y12-Hemmer weglassen.“ Erkläre den Denkfehler in einem Satz und den sicheren nächsten Schritt.
Die Tabelle gibt die Aussagen zur bestehenden Behandlung wieder.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Ausgangslage | nach PCI |
| Genanntes Medikament | Heparin zur Thromboseprophylaxe |
| Beabsichtigte Änderung | P2Y12-Hemmer weglassen |
Freie Antwort
Blutung und Nierenfunktion
Aufgabe
Ein Patient erhält Fondaparinux wegen NSTE-ACS. Seine neu berechnete Kreatinin-Clearance beträgt 16 ml/min. Eine PCI wird geplant. Nenne zwei Gründe, warum das bisherige Schema jetzt fachkundig geändert werden muss.
Die Therapie und der neue Messwert sind hier zusammengefasst.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Diagnose | NSTE-ACS |
| Aktuelle Therapie | Fondaparinux |
| Neu berechnet | Kreatinin-Clearance 16 ml/min |
| Geplanter Eingriff | PCI |
Freie Antwort
Ziel erreicht?
Aufgabe
LDL-C sinkt von 90 auf 50 mg/dl. Sind im ESC-Pfad beide Zielbedingungen erreicht?
Die Tabelle enthält die Messwerte für die Zielprüfung.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Ausgangswert | LDL-C 90 mg/dl |
| Aktueller Wert | LDL-C 50 mg/dl |
Freie Antwort
Befund ohne Prognoseversprechen
Aufgabe
Nach PCI ist der Patient schmerzfrei, LVEF 30 %. Formuliere eine bedingte Prognose und eine konkrete Verlaufsprüfung, ohne „geheilt“ zu versprechen.
Die dokumentierten Befunde bilden die Grundlage der Prognoseformulierung.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Maßnahme | PCI erfolgt |
| Beschwerden | schmerzfrei |
| Pumpfunktion | LVEF 30 % |

Apikaler Vierkammerblick bei einem anderen Patienten nach länger bestehendem Verschluss des Ramus interventricularis anterior (Beispielbild, nicht aus dem Fall), aufgenommen in der Systole: Der linke Ventrikel bleibt weit, seine Wände bewegen sich kaum nach innen; das Septum ist dünn und hell. Die LVEF wird aus den Volumina in Diastole und Systole bestimmt, nicht aus einem Einzelbild.
Quelle: Gembala WM et al., Cureus 2025;17(12):e98903, Abb. 1, [CC BY 4.0]
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Das normale EKG
Aufgabe
Eine Person hat plötzlich Dyspnoe und pleuritischen Schmerz nach längerer Immobilisation. Das EKG ist ohne wegweisenden Befund. Schließt das eine Lungenembolie aus, und welche Größe steuert bei stabilem Kreislauf den nächsten diagnostischen Schritt?
Die Tabelle bündelt die Angaben vor der diagnostischen Entscheidung.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Beginn | plötzlich |
| Beschwerden | Dyspnoe; pleuritischer Schmerz |
| Vorausgegangen | längere Immobilisation |
| EKG | ohne wegweisenden Befund |
Freie Antwort
Eine plausible Alternative prüfen
Aufgabe
Eine kreislaufstabile Patientin hat nach einem Infekt atemabhängigen Thoraxschmerz, der im Sitzen nachlässt, und diffuse ST-Veränderungen. Der erste Troponinwert ist erhöht. Welche Diagnose ist plausibel, welche weitere Frage beantwortet das Echo, und warum ist das noch kein sicherer Ausschluss eines ACS?
Die Beobachtungen der Patientin sind hier nach Bereich geordnet.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Vorgeschichte | nach einem Infekt |
| Kreislauf | stabil |
| Schmerz | atemabhängig; im Sitzen nachlassend |
| EKG | diffuse ST-Veränderungen |
| Labor | erster Troponinwert erhöht |
Freie Antwort
Rehabilitation konkret planen
Aufgabe
Ein Patient nach Infarkt sagt: „Ich habe Angst vor Bewegung und muss bald wieder körperlich arbeiten.“ Nenne drei Bausteine eines gemeinsamen Plans. Die LVEF und Belastbarkeit sollen bei der ersten Reha-Beurteilung nochmals bewertet werden; mache keine pauschale Zusage zur Arbeitsfähigkeit.
Die Ausgangslage für den gemeinsamen Plan ist hier zusammengefasst.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Vorgeschichte | Infarkt |
| Sorge | Angst vor Bewegung |
| Beruf | muss bald wieder körperlich arbeiten |
| Erste Reha-Beurteilung | LVEF und Belastbarkeit erneut zu bewerten |
Pool: Infarktmuster im EKG
Lernziel: Du kannst Infarktmuster und regionale ST-Veränderungen in echten EKGs zuordnen.
Freie Antwort
EKG-Übungspool
Bearbeite zunächst das Bild. Formuliere dann den Befund und die klinische Konsequenz. Bei vollständigen Aufzeichnungen gehören Rhythmus, Frequenz, Frontalachse, PQ/QRS/QT und ST/T dazu. Die angegebenen Zeiten sind am Raster angenäherte Lernwerte, keine automatischen Messbefunde. Bei kleinen oder verrauschten Wellen werden Messgrenzen ausdrücklich genannt. Als Orientierung gelten eine Ruhefrequenz von 60–100/min als normal und eine QTc ab 450 ms bei Männern beziehungsweise ab 460 ms bei Frauen als verlängert.

Abbildung: Prüfe vor jeder Aufgabe, welche Bildart vorliegt. Bei einer vollständigen Aufzeichnung gehst du die Schritte 1 bis 6 von oben nach unten durch; beim Mediankomplex bleibt nur Schritt 5. Auch ein unauffälliges EKG beendet die Abklärung nicht. Quelle: eigene Darstellung; Werte nach dem Kapiteltext (EKG-Grundbefundung, ST-Schwellen) und AHA/ACCF/HRS-Empfehlungen zur EKG-Interpretation, Teil IV (2009) für die QTc-Grenze.
Die kurzen, jeweils etwa eine Sekunde langen Mediankomplexe sind aus realen Aufzeichnungen berechnete repräsentative Schläge. Sie erlauben den Vergleich der QRS-/ST-/T-Morphologie, aber keine zuverlässige Rhythmus-, Frequenz-, RR- oder PQ-Beurteilung. Auch eine QTc-Berechnung ist daraus nicht möglich. Die Kanalzuordnung und Amplitudenskalierung wurden bei der Quellenaufbereitung aus Ableitungsbeziehungen und einem Rohsignalvergleich erschlossen, nicht aus einem vollständig veröffentlichten Herstellerformat. Nutze diese Bilder deshalb für Morphologievergleiche, nicht für millimetergenaue Grenzwertentscheidungen; dafür ist ein vollständig dokumentiertes kalibriertes EKG erforderlich.

Abbildung: Links steht, was du am Mediankomplex beschreibst, rechts, was du dort nicht misst. Liegt ein Befund knapp an einer Millimeterschwelle, entscheidet erst ein vollständiges kalibriertes EKG. Quelle: eigene Darstellung nach dem Text dieses Abschnitts.
OMI bedeutet hier angiografisch dokumentierte Okklusion des ursächlichen Koronargefäßes mit fehlendem oder minimalem Vorwärtsfluss (TIMI 0/1). Die Bezeichnung stammt aus der Datenquelle und wird nicht allein aus dem EKG abgeleitet. Der TIMI-Fluss hat vier Grade: 0 kein Fluss hinter dem Verschluss, 1 Kontrast passiert, füllt das distale Gefäßbett aber nicht vollständig, 2 vollständige, aber verlangsamte Füllung, 3 normaler Fluss.

Abbildung: Die oberen beiden roten Felder ergeben zusammen das Etikett OMI. STEMI und OMI beantworten verschiedene Fragen: Das eine ist eine EKG-Schwelle vor dem Katheter, das andere der Gefäßbefund im Katheter. Quelle: eigene Darstellung; TIMI-Grade nach TIMI Study Group, N Engl J Med 1985;312:932–936, doi:10.1056/NEJM198504043121437.

So sieht ein angiographischer Verschluss aus. Links bricht die Kontrastierung der mittleren RIVA am Pfeil ab; der Fallbericht beschreibt einen thrombotischen Totalverschluss eines großen, um die Herzspitze reichenden Gefäßes. Rechts ist dasselbe Gefäß nach PCI wieder durchgängig, mit TIMI-3-Fluss. Das Bild stammt aus einem veröffentlichten Fallbericht und gehört zu keiner Aufnahme dieses Pools.
Quelle: Nikolov NN, Grigorov RK, Yambolov SN, Yankov YG. Cureus 2026;18(8):e115119, doi:10.7759/cureus.115119; CC BY 4.0. Abb. 3 und 5 nebeneinandergestellt, Rand beschnitten, verkleinert, als WebP gespeichert.
Die Archivaufzeichnungen sind keine Verlaufsserie desselben Menschen. Angaben aus Datenbank und Angiographie werden nach dem sichtbaren Befund getrennt genannt. Der klinische Verlauf wird nicht aus dem Bild ergänzt.

Abbildung: Dein Befund kommt zuerst und bleibt stehen. Liegt die Angiographie Tage nach dem EKG, beschreibt sie nicht sicher das Gefäß im Moment der Aufzeichnung. Quelle: eigene Darstellung nach dem Text dieses Abschnitts und den Datenquellen-Angaben der Pool-Lösungen.
| Abschnitt | Vollständige Aufzeichnungen | Mediankomplexe |
|---|---|---|
| C03-T02 – Infarktmuster und regionale ST-Veränderungen | C03-U17-Q01, C03-U17-Q02 | C03-U17-Q03 bis C03-U17-Q06 |
| C03-T03 – Nicht nur nach ST-Hebung suchen | C03-U18-Q01 bis C03-U18-Q03 | C03-U18-Q04 bis C03-U18-Q06, C03-U18-Q07 bis C03-U18-Q10 |
| C03-T04 – ST-Hebung und breiter QRS | C03-U19-Q01 bis C03-U19-Q03 | C03-U19-Q04 |
Quelle: eigene Tabelle nach den Aufnahmen dieses Pools.
Das erste ausgearbeitete reale Beispiel C03-U04-Q02 steht in U04. Die folgenden Aufnahmen sind neue Fälle.

Gehe von oben nach unten: Hebung am J-Punkt gegen die Schwellen prüfen, jede auffällige Ableitung ihrer Gruppe zuordnen und dann die Gegenseite suchen. Die beiden Paare unten kommen in diesem Abschnitt vor: inferiore Hebung mit Senkung in aVL, anteriore Hebung mit Senkung in III und aVF. Aus der Region folgt noch kein bestimmtes Gefäß.
Quelle: eigene Darstellung nach den Lösungen dieses Abschnitts; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.

Beschreibe QRS, ST und T getrennt, bevor du ein Muster einordnest. Ohne Linksschenkelblock oder LV-Hypertrophie gilt als Infarkt-Q eine Q-Zacke ab 30 ms Breite und 1 mm Tiefe in zwei benachbarten Ableitungen; in V2–V3 reicht jede Q-Zacke ab 20 ms oder ein QS-Komplex. Wie alt eine negative T-Welle neben einer ST-Hebung ist, verrät die einzelne Aufnahme nicht.
Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage Vierte Universelle Infarktdefinition 2018 und ESC-Leitlinie ACS 2023.
EKG-02: Aufnahme 02

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 11353, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Benenne die auffälligen Brustwandableitungen und begründe, weshalb ein ruhiger Rhythmus hier keine Entwarnung bedeutet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-03: Aufnahme 03

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 20139, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Beschreibe die Repolarisation und prüfe zusätzlich die AV-Überleitung.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-10: Aufnahme 10

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 16440; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Ordne die Veränderungen räumlich ein und benenne ein reziprokes Zeichen.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-11: Aufnahme 11

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 03419; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Vergleiche das Gebiet mit C03-U17-Q03. Beweist ein inferiores Muster eine RCA-Läsion?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-12: Aufnahme 12

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 03034; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Nenne die zwei stärksten Hinweise auf eine anteroseptale Schädigung.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-13: Aufnahme 13

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 16447; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Beschreibe das räumliche Muster einschließlich der Extremitätenableitungen.
In der App sprechen üben →Pool: Nicht nur ST-Hebung
Lernziel: Du kannst in echten EKGs Ischämiezeichen auch ohne ST-Hebung erkennen.
Freie Antwort
EKG-04: Aufnahme 04

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 1812, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Welche sichtbare Veränderung ist klinisch relevant, obwohl keine ausgeprägte zusammenhängende ST-Anhebung vorliegt?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-05: Aufnahme 05

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 2101, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Trenne den sicheren Kurvenbefund von seiner noch offenen Ursache.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-06: Aufnahme 06

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 6120, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Warum darfst du aus dieser Aufnahme allein keine neu entstandene Veränderung behaupten?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-14: Aufnahme 14

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 02304; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Beschreibe die inferioren Veränderungen und erkläre, weshalb die Bezeichnung NSTEMI keinen offenen Koronarfluss garantiert.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-15: Aufnahme 15

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 04288; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Lokalisiere die stärkste Repolarisationsstörung. Was darfst du daraus nicht über die Zahl betroffener Gefäße schließen?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-16: Aufnahme 16

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 09462; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Ist mit diesem Bild ein akuter Koronarverschluss ausgeschlossen?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-18: Aufnahme 18

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 18689; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Welches Warnmuster erinnert dieser Befund? Welche klinischen Informationen fehlen zur Benennung eines vollständigen Syndroms?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-19: Aufnahme 19

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 12808; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Vergleiche die T-Form mit C03-U18-Q07. Welche gleiche Sicherheitskonsequenz gilt bei passender Angina-Anamnese?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-20: Aufnahme 20

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 14778; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Warum passt die vereinfachte Bezeichnung „typisches Wellens-EKG“ hier weniger gut als in C03-U18-Q08?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-21: Aufnahme 21

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 03113; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Welche Ableitungen verhindern hier, dass du nur die unauffälligen lateralen T-Wellen beschreibst?
In der App sprechen üben →Pool: ST-Hebung, breiter QRS
Lernziel: Du kannst ST-Hebungen bei breitem QRS in echten EKGs einordnen.
Freie Antwort
EKG-07: Aufnahme 07

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 1836, Wagner et al.; Auswahlhilfe GE-12SL aus PTB-XL+ v1.0.1, Strodthoff et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert; Darstellung mit 5 mm/mV.
Aufgabe: Prüfe die Kalibrierung und beschreibe Unterschiede zu den anterioren Infarktmustern. Beweist die konkave Form Harmlosigkeit?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-08: Aufnahme 08

Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021 v1.0.3, Chapman–Shaoxing, JS00271, Reyna et al./Zheng et al.; CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, Zeitfenster 2–10 Sekunden.
Aufgabe: Formuliere einen systematischen Befund und nenne die Grenze einer rein morphologischen Entwarnung.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-09: Aufnahme 09

Quelle: PTB Diagnostic ECG Database v1.0.0, patient091/s0357lre, Bousseljot, Kreiseler und Schnabel; ODC-By 1.0. Zeitfenster 5–15 Sekunden, Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Contains information from the PTB Diagnostic ECG Database (https://physionet.org/content/ptbdb/1.0.0/) which is made available under the ODC Attribution License (https://opendatacommons.org/licenses/by/1-0/).
Aufgabe: Beschreibe QRS und ST/T. Reicht eine anteriore ST-Anhebung bei diesem QRS-Muster bereits zum Nachweis eines neuen STEMI?
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG-17: Aufnahme 17

Quelle: Du et al., ACS/OMI-Datensatz v1, Mediankomplex 14785; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
Aufgabe: Welche Repolarisationsveränderungen könnten durch den breiten QRS mitbedingt sein, und weshalb wäre das trotzdem kein ACS-Ausschluss?
In der App sprechen üben →Pool: Ischämie ohne ST-Hebung
Lernziel: Du kannst Ischämie ohne ST-Hebung in echten EKGs erkennen.
Freie Antwort
Dieser Pool übt C03-T01: Wie zeigt sich Ischämie in der Repolarisation, wenn keine ST-Hebung vorliegt? Bearbeite jedes Bild zuerst selbst, schreibe deinen Befund auf und öffne erst danach die Lösung. Vier Aufnahmen: drei Mediankomplexe und ein vollständiges 10-Sekunden-EKG.
Mediankomplexe sind aus realen Aufzeichnungen berechnete repräsentative Schläge von etwa einer Sekunde. Sie erlauben den Vergleich von QRS-, ST- und T-Form, aber keine Aussage zu Rhythmus, Frequenz, RR- oder PQ-Zeit und keine QTc-Berechnung. Kanalfolge und Amplitudenskala wurden bei der Quellenaufbereitung erschlossen und an einem Rohsignal geprüft; nutze diese Bilder deshalb für Morphologie, nicht für millimetergenaue Grenzwerte. OMI heißt in der Datenquelle: angiografisch verschlossenes Culprit-Gefäß mit fehlendem oder minimalem Fluss (TIMI 0–1). Diese Angabe stammt aus der Angiografie, nicht aus dem EKG. Die Aufnahmen sind keine Verlaufsserie desselben Menschen.
| Schritt | Vollständiges 10-s-EKG | Mediankomplex (etwa 1 s) |
|---|---|---|
| Qualität, Kalibrierung | Rauschen, Grundlinie, 10 mm/mV | Rauschen, Grundlinie, 10 mm/mV |
| Rhythmus, Frequenz | beurteilbar | nicht beurteilbar |
| Lagetyp | aus I, II, aVF | grob aus der QRS-Richtung |
| PQ, QRS, QT | am Raster annähern | PQ und QTc nicht; nur QRS-Form |
| ST-Strecke, T-Welle | Ableitungsgruppen vergleichen | Ableitungsgruppen vergleichen |
| Konsequenz | mit Klinik und Troponin | mit Klinik und Troponin |
So gehst du bei beiden Aufnahmetypen vor. Fett markiert ist, was ein Mediankomplex nicht leisten kann.
Ischämieverdächtig sind eine neue horizontale oder deszendierende ST-Senkung ab 0,5 mm und eine neue T-Negativierung über 1 mm, jeweils in mindestens zwei benachbarten Ableitungen; die T-Negativierung zählt nur in Ableitungen mit prominenter R-Zacke oder R/S über 1.

Abbildung: Die Schritte 1 bis 4 gelten für beide Aufnahmetypen; nur das 10-s-EKG erlaubt Rhythmus, Frequenz und Zeitmessungen. Die Gefäßangaben in Schritt 5 sind grobe Zuordnungen, keine Diagnose. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: Vierte universelle Infarktdefinition; ESC-Leitlinie ACS 2023.
EKG 901 – T-Wellen ordnen
Aufgabe: Beschreibe die T-Wellen in allen zwölf Ableitungen. Welche Ableitungsgruppen sind betroffen, und was folgt daraus bei akutem Thoraxschmerz?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 07438; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 902 – Ist das normal?
Aufgabe: Prüfe Ableitung für Ableitung: Ist dieses EKG normal? Begründe deine Antwort mit den T-Wellen.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 00902; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 903 – Form der T-Welle in V3
Aufgabe: Beschreibe die T-Welle in V3 genau und vergleiche sie mit V5 und V6. Welche klinische Information bräuchtest du für eine Syndromdiagnose?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 12231; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 904 – Vollständiger Befund
Aufgabe: Erstelle einen vollständigen systematischen Befund. Welche Differenzialdiagnosen hat der Repolarisationsbefund?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 15746, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Pool: Infarktmuster zuordnen
Lernziel: Du kannst ST-Hebungsmuster erkennen und der Infarktregion zuordnen.
Freie Antwort
Dieser Pool übt C03-T02: ST-Hebungsmuster erkennen, der Region zuordnen und vom ACS ohne ST-Hebung trennen. Achte auf zusammenhängende Ableitungen, auf Spiegelbilder und auf hohe R-Zacken mit ST-Senkung in V1–V3. Bei Mediankomplexen gilt weiter: nur Morphologie, keine millimetergenaue Grenzwertentscheidung.
| Ableitungen mit ST-Hebung | Region | Typisches Spiegelbild | Häufiges Gefäß |
|---|---|---|---|
| V1–V4 (± I, aVL, V5–V6) | anteroseptal bis anterolateral | inferior möglich | RIVA |
| II, III, aVF | inferior | aVL, I | RCA oder RCX |
| I, aVL, V5–V6 | lateral | inferior | RCX oder Diagonalast |
| keine; ST-Senkung V1–V3 mit hohem R | posterior (Gegenbild) | – | RCX oder RCA |
Die Gefäßzuordnung ist eine Wahrscheinlichkeit, kein Beweis. Manche Lösungen in diesem Pool zeigen genau das.
Für die Hinterwand gilt in V7–V9 eine Hebung ab 0,5 mm als positiv (Männer unter 40 Jahren ab 1 mm), für den rechten Ventrikel in V3R/V4R ebenfalls ab 0,5 mm (Männer unter 30 Jahren ab 1 mm).

Abbildung: Gehe bei jedem Fall dieses Pools dieselben fünf Schritte; Hinterwand und rechter Ventrikel brauchen Zusatzableitungen mit eigenen Schwellen. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023 und Vierte Universelle Infarktdefinition 2018.
EKG 905 – Brustwand im Fokus
Aufgabe: Erstelle den systematischen Befund. Erfüllt das EKG bei akutem Thoraxschmerz die Kriterien für den STEMI-Weg?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 19067, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 906 – Vergleich mit EKG 905
Aufgabe: Vergleiche mit EKG 905: Welche Ableitungen sind hier betroffen, und welche Region ordnest du zu?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 13858, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 907 – Region bestimmen
Aufgabe: Welche Ableitungen zeigen eine ST-Hebung, und welche Gefäßregion ist am wahrscheinlichsten?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 06024; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 908 – Proximal oder distal?
Aufgabe: Beschreibe die Verteilung der ST-Hebung. Lässt sich aus diesem Bild sicher sagen, wie proximal das Gefäß verschlossen ist?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 02606; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 909 – Drei Wände
Aufgabe: Ordne alle Hebungen und Senkungen den Wänden zu. Welche Zusatzableitungen ergänzt du?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 00597; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 910 – RCA oder RCX?
Aufgabe: Beschreibe den Befund und begründe, welches Gefäß du vermutest. Wie sicher ist diese Zuordnung?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 16652; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 911 – Senkungen deuten
Aufgabe: Wo liegt die Hebung, wo die Senkung? Erkläre, welche Wand die Senkungen in V1–V5 widerspiegeln können.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 00701; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Pool: Standard-EKG-Grenzen
Lernziel: Du kannst frühe und versteckte Ischämiezeichen im EKG erkennen.
Freie Antwort
Dieser Pool übt C03-T03: frühe, subtile und versteckte Ischämiezeichen. Alle Aufnahmen stammen von Menschen mit angiografisch verschlossenem Gefäß. Manche zeigen trotzdem keine klassische ST-Hebung. Übe, was du ergänzt: Wiederholung des EKGs, rechtspräkordiale Ableitungen, V7–V9, serielles Troponin und den Vergleich mit Vor-EKGs.
| Muster | Woran du es erkennst | Was du ergänzt |
|---|---|---|
| Hyperakute T-Welle | breite, hohe, symmetrische T im Verhältnis zum QRS | EKG kurzfristig wiederholen, Klinik eng führen |
| Subtile inferiore Hebung | kleine Hebung III/aVF, Senkung in aVL | Spiegelbild werten, V3R/V4R |
| Posteriores Gegenbild | ST-Senkung V1–V3, hohe R-Zacke V1/V2 | V7–V9 |
| T-Negativierung, biphasische T | ohne Hebung, oft im schmerzfreien Intervall | serielles EKG und Troponin; keine Belastungsprüfung |
Ein Standard-EKG ohne ST-Hebung schließt einen Koronarverschluss nicht aus. Bei anhaltenden Beschwerden und unauffälligem Erst-EKG gilt als Orientierung eine Wiederholung alle 15–30 Minuten in der ersten Stunde, bei neuem oder stärkerem Schmerz sofort.

Arbeite die vier Muster der Tabelle der Reihe nach ab und ergänze gezielt: Wiederholung, rechtspräkordiale und dorsale Ableitungen, serielles hs-Troponin. Die Schwellen der Zusatzableitungen sind niedriger als in den Standardableitungen.
Quelle: eigene Darstellung nach dem Lesetext von C03-U04; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023, Vierte Universelle Infarktdefinition 2018 und AHA/ACC-Leitlinie NSTE-ACS 2014 (Wiederholungsintervall).
EKG 912 – Verhältnis von T zu QRS
Aufgabe: Vergleiche die Höhe der T-Wellen mit dem QRS in V1–V4. Warum kann dieses Bild früh und gefährlich sein?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 02240; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 913 – Hohe T-Wellen
Aufgabe: Beschreibe die T-Wellen in V2–V4. Welche harmloseren Ursachen hoher T-Wellen musst du abgrenzen, und womit?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 03572; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 914 – Kleine Hebung, klares Spiegelbild
Aufgabe: Die Hebung ist klein. Welche Ableitung stützt deinen Verdacht am stärksten?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 17095; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 915 – Inferior und rechts
Aufgabe: Beschreibe den Befund. Welche Zusatzableitungen und welche Kreislaufprüfung ergänzt du vor der ersten Nitratgabe?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 18093; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 916 – Hohe R-Zacke in V1
Aufgabe: Was fällt in V1 und V2 auf? Welche Wand zeigt sich dort indirekt?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 09944; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 917 – Nur Senkungen vorne
Aufgabe: Es gibt keine ST-Hebung. Ist damit ein Verschluss unwahrscheinlich? Begründe und nenne die nächste EKG-Erweiterung.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 13072; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 918 – Zweiphasige T-Wellen
Aufgabe: Beschreibe die T-Wellen in V2–V6. Sagt die Form verlässlich, welches Gefäß betroffen ist?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 18857; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 919 – Inferior ohne Hebung
Aufgabe: Beschreibe die inferioren Ableitungen. Welche Bedeutung hat eine T-Negativierung ohne Hebung bei Thoraxschmerz?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 19687; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 920 – Tiefe T-Wellen
Aufgabe: Beschreibe V1 und die T-Wellen in V2–V6. Welche Wand kann sich hinter der hohen R-Zacke in V1 verbergen?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 03654; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Pool: ST-Hebung ohne Infarkt?
Lernziel: Du kannst ST-Hebungen ohne Infarkt von einem Gefäßverschluss abgrenzen.
Freie Antwort
Dieser Pool übt die EKG-Seite von C03-T04: ST-Hebungen, die nicht durch einen Infarkt entstehen müssen, und ein Okklusionsbild zum Vergleich. Die Entscheidung fällt nie am Einzelbild allein: Klinik, Vor-EKG, Verlauf und Troponin gehören dazu.
| Merkmal | Frühe Repolarisation | Linksventrikuläre Hypertrophie | Akute Okklusion |
|---|---|---|---|
| ST-Form | konkav, oft mit J-Kerbe | konkav, gegenläufig zu tiefem S | gerade oder konvex, teils hyperakute T |
| Spiegelbilder | fehlen | gegenläufige ST/T lateral möglich | oft vorhanden |
| QRS | normal | hohe Amplituden | evtl. R-Verlust, Q |
| Verlauf | stabil über Jahre | stabil | dynamisch |
Keines dieser Merkmale ist allein beweisend. Bei passender Klinik gilt: wiederholen, vergleichen, Troponin bestimmen.
Weitere Ursachen einer ST-Hebung ohne akuten Koronarverschluss:
| Ursache | EKG-Hinweis | Klärung |
|---|---|---|
| Perikarditis | diffuse konkave Hebung, PQ-Senkung; Spiegelbild nur in aVR und V1 | Reiben, Echo (Erguss), CRP |
| Brugada-Muster Typ 1 | gewölbte Hebung ≥ 2 mm in V1–V2, danach negative T-Welle | Anamnese (Synkopen), Kardiologie |
| Hyperkaliämie | hohe, spitze T-Wellen, breiter QRS; Hebung in V1–V2 möglich | Kalium sofort bestimmen |
| Linksventrikuläres Aneurysma | Hebung mit Q-Zacken, länger als etwa 2 Wochen nach Infarkt | Vor-EKG, Echo |
| Schenkelblock, Schrittmacher | breiter QRS mit sekundärer ST-Veränderung | eigene Kriterien (C03-U19) |
| Takotsubo-Syndrom | Hebung oft V2–V5, Klinik wie Infarkt | Koronarangiografie, dann Ventrikulografie oder Echo |

Abbildung: Die vier Felder in Schritt 3 zeigen typische Muster, keine sicheren Diagnosen. Bei Beschwerden entscheidet Schritt 4: Erst ein stabiler Verlauf mit negativem hs-Troponin erlaubt die Einordnung als Imitation. Quelle: eigene Darstellung; inhaltliche Grundlage: ESC-Leitlinie ACS 2023; Vierte universelle Infarktdefinition; ESC-Leitlinie ventrikuläre Arrhythmien 2022.
EKG 921 – Konkave Hebung
Aufgabe: Erstelle den systematischen Befund. Welche Merkmale sprechen für eine harmlose Ursache, und was müsstest du bei Thoraxschmerz trotzdem tun?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 2268, Wagner et al.; Auswahlhilfe: GE-12SL-Befund aus PTB-XL+ v1.0.1 (Strodthoff et al.); beide CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 922 – Junger Mann, hohe T-Wellen
Aufgabe: Beschreibe ST-Strecke und T-Welle in V2–V4 und den Übergang der R-Zacken. Welche Information würde dich am meisten beruhigen?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 8663, Wagner et al.; Auswahlhilfe: GE-12SL-Befund aus PTB-XL+ v1.0.1 (Strodthoff et al.); beide CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 923 – Zum Vergleich
Aufgabe: Vergleiche die T-Wellen mit EKG 921 und 922. Welche Unterschiede siehst du, und warum genügt dieser Vergleich allein nicht?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 16902; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
EKG 924 – Hohe Amplituden
Aufgabe: Erstelle den Befund. Erkläre, warum die ST-Hebung in V1–V3 hier nicht automatisch einen Infarkt bedeutet.

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 2076, Wagner et al.; Auswahlhilfe: GE-12SL-Befund aus PTB-XL+ v1.0.1 (Strodthoff et al.); beide CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Pool: EKG und Versorgungsweg
Lernziel: Du kannst aus EKG und Klinik den passenden Versorgungsweg ableiten.
Freie Antwort
Dieser Pool übt C03-T05: Welcher Versorgungsweg folgt aus EKG und Klinik? Die kurzen Fallangaben sind für die Übung angenommen; sie stammen nicht aus der Datenquelle. Die Angiografieangabe in der Lösung ist dagegen echte Datenbankinformation.
| EKG und Klinik | Versorgungsweg |
|---|---|
| Persistierende ST-Hebung oder Äquivalent bei Ischämieverdacht | STEMI-/Verschlussweg: sofortige Reperfusionsstrategie, bevorzugt primäre PCI; nicht auf Troponin warten |
| NSTE-ACS, sehr hohes Risiko (Instabilität, anhaltender Schmerz trotz Therapie, lebensbedrohliche Arrhythmie) | sofortige invasive Abklärung |
| NSTE-ACS, hohes Risiko (bestätigter NSTEMI, dynamische ST-/T-Veränderungen) | stationär invasiv; frühe Strategie <24 h erwägen |
Die Tabelle wiederholt die Pfade aus C03-U11. Ein Score darf die Eskalation bei sehr hohem Risiko nicht verzögern. Zeitziele nach ESC 2023: EKG-Diagnose innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt; bei STEMI Drahtpassage unter 60 Minuten im PCI-Zentrum und unter 90 Minuten bei Verlegung.

Lies das Diagramm wie die Tabelle von oben nach unten: Erst entscheidet das EKG zwischen Verschlussweg und NSTE-ACS-Pfad, dann bestimmt beim NSTE-ACS das Risiko das Tempo. Wer sich klinisch verschlechtert, wechselt in die linke Spalte.
Quelle: eigene Darstellung nach dem Lesetext von C03; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
EKG 925 – Erster Kontakt
Aufgabe: Angenommen: Ein 73-jähriger Mann hat seit 60 Minuten anhaltenden Brustdruck, Kreislauf stabil. Beschreibe das EKG und lege den Versorgungsweg fest.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 03740; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
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EKG 926 – Hebung mit negativem T
Aufgabe: Angenommen: Der Brustschmerz hält seit zwei Stunden an. Die T-Wellen sind terminal negativ. Ändert das den Versorgungsweg?

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 12618; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
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EKG 927 – Hebung und Hypotonie
Aufgabe: Angenommen: RR 88/56 mmHg, klare Lunge, SpO₂ 96 %, Schmerz seit 40 Minuten. Beschreibe das EKG und nenne Versorgungsweg und zwei Vorsichtsmaßnahmen.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 07131; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
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EKG 928 – Schmerzfrei mit Troponinanstieg
Aufgabe: Angenommen: Die Patientin ist jetzt schmerzfrei und stabil; das hs-Troponin steigt über die 99. Perzentile an. Beschreibe das EKG und ordne das Risiko und den Versorgungsweg ein.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 00788; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
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EKG 929 – Schmerz trotz Therapie
Aufgabe: Angenommen: Trotz Analgesie und antithrombotischer Therapie hält der Brustschmerz an. Beschreibe das EKG und lege den Zeitpunkt der invasiven Abklärung fest.

Quelle: ACS/OMI-Datensatz, Du X et al., First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University (figshare 29925314 v1), Medianschlag 17296; CC0 1.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
In der App sprechen üben →Pool: EKG nach dem Infarkt
Lernziel: Du kannst Infarktfolgen im EKG erkennen und Komplikationen mitdenken.
Freie Antwort
Dieser Pool übt die EKG-Seite von C03-T06: Was bleibt nach einem Infarkt im EKG sichtbar, und welche Komplikation musst du dabei mitdenken? Beide Aufnahmen sind vollständige 10-Sekunden-EKGs.

Abbildung: Erst Klinik und Vor-EKG, dann Narbe, persistierende Hebung und Rhythmus getrennt lesen; das Echo ordnet die Befunde ein. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage 4. universelle Infarktdefinition und ESC-Leitlinie ACS 2023.
Die vier typischen Befunde nach einem Infarkt und was daraus folgt:
| Befund nach Infarkt | Mögliche Bedeutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Q/QS-Komplexe | Narbe in dieser Region | Vor-EKG, Echokardiografie |
| ST-Hebung über Wochen bei QS | Verdacht auf Ventrikelaneurysma | Echokardiografie (Wandbewegung, Thrombus, LVEF) |
| Bradykardie, Leitungsstörung | Ischämie, Narbe oder Medikamente | Medikamente prüfen, Monitoring nach Klinik |
| neue Beschwerden mit ST-Hebung | erneuter Verschluss nicht ausgeschlossen | wie akutes ACS behandeln, Vor-EKG, Troponin |
Persistierende Hebungen nach altem Infarkt sind schwer von neuen zu trennen. Der Vergleich mit Vor-EKGs ist hier besonders wertvoll.
Pathologisch ist nach der 4. universellen Infarktdefinition in V2–V3 jede Q-Zacke > 20 ms oder ein QS-Komplex, in den übrigen Ableitungen eine Q-Zacke ≥ 30 ms und ≥ 1 mm Tiefe in zwei benachbarten Ableitungen. Bildet sich eine Infarkt-ST-Hebung nicht innerhalb von etwa zwei Wochen zurück, spricht das für ein Aneurysma.

Abbildung: Bei neuen Beschwerden ist eine bekannte Hebung kein Grund zur Entwarnung; erst Vergleich, Serie und Troponin trennen alt und neu. Quelle: eigene Darstellung; fachliche Grundlage ESC-Leitlinie ACS 2023.
EKG 930 – Kontrolle nach Vorderwandinfarkt
Aufgabe: Angenommen: Ein beschwerdefreier Patient kommt Monate nach einem bekannten Vorderwandinfarkt zur Kontrolle. Erstelle den Befund. Welche Komplikation vermutest du, und wie klärst du sie?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 21100, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
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EKG 931 – Langsamer Puls nach Infarkt
Aufgabe: Angenommen: Ein Patient mit bekanntem Infarkt in der Vorgeschichte stellt sich zur Routinekontrolle vor. Erstelle den Befund. Welche zwei Fragen stellst du zu Frequenz und Medikamenten?

Quelle: PTB-XL v1.0.3, Datensatz 6275, Wagner et al.; CC BY 4.0. Kurvenwerte unverändert neu gezeichnet.
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