Natriumstörungen
Lernziel: Du kannst Natriumstörungen einordnen und eine überwachte Korrektur begründen.
Wasser und Tonizität
Lernziel: Du kannst Natriumkonzentration, Wasserhaushalt und ADH verknüpfen.
Warum verändert sich das Natrium, und warum kann auch seine Behandlung gefährlich werden? Dieses Kapitel verbindet Wasserregulation, Befunde und klinische Entscheidungen bei Erwachsenen. Alle Fälle sind fiktiv. Natriumwerte werden in mmol/l angegeben; Referenzbereiche können laborabhängig geringfügig abweichen.
Was zeigt Natrium an?
Die Natriumkonzentration beschreibt, wie viel Natrium in einem bestimmten Flüssigkeitsvolumen vorliegt. Sie misst nicht den gesamten Natriumvorrat. Näherungsweise hängt sie vom Verhältnis des austauschbaren Natriums und Kaliums zum Körperwasser ab. Deshalb kann dieselbe niedrige Konzentration bei Salzverlust, bei Wasserüberschuss oder trotz insgesamt erhöhten Salz- und Wasservorräten entstehen.
| Frage | Passende Größe |
|---|---|
| Wie konzentriert ist das Blut bezüglich Natrium? | Serum-Natrium, meist 135–145 mmol/l |
| Wie voll ist der Extrazellulärraum? | Klinischer Volumenstatus, Gewicht und Bilanz |
| Welche Wasserbewegung droht an Zellen? | Effektive Osmolalität, also Tonizität |
Der Extrazellulärraum umfasst Plasma und Zwischenzellflüssigkeit. Intrazellulär liegt das Wasser in den Zellen. Bei Erwachsenen macht Wasser etwa 50–60 % des Körpergewichts aus; rund zwei Drittel davon liegen intrazellulär, ein Drittel extrazellulär. Wasser kann Zellmembranen passieren. Eine hohe Konzentration wirksamer gelöster Teilchen außerhalb der Zellen zieht Wasser aus ihnen heraus; eine niedrige lässt Wasser hineinwandern. Für die begrenzte Platzreserve im Schädel ist eine rasche Zellschwellung besonders problematisch.

Abbildung: Folge den Pfeilen von der Tonizität außen zur Zellgröße. Die rote Kachel zeigt, warum Schwellung im Gehirn besonders gefährlich ist. Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel: Bei Herzinsuffizienz können Ödeme und Gewichtszunahme bestehen, während Natrium bei 128 liegt. Der Körper enthält dann oft mehr Natrium und noch mehr Wasser als zuvor. „Natrium niedrig“ bedeutet hier nicht, dass eine Salzinfusion die richtige Behandlung ist.

Abbildung: Vergleiche in jeder Spalte Natrium- und Wassersäule mit der gestrichelten Normallinie. Die Zahl ist überall gleich, die Füllung und damit die Konsequenz nicht. Quelle: eigene Darstellung.
Zwei Wege halten Wasser zurück
ADH bedeutet antidiuretisches Hormon; es heißt auch Arginin-Vasopressin. Es wird im Hypothalamus gebildet und aus dem Hypophysenhinterlappen freigesetzt. An V2-Rezeptoren im renalen Sammelrohr fördert es den Einbau von Aquaporin-2-Wasserkanälen. Bei vorhandenem Konzentrationsgradienten im Nierenmark wird dadurch mehr Wasser rückresorbiert: Der Urin wird konzentrierter, seine Menge meist kleiner. Bei maximaler ADH-Wirkung erreicht die Urinosmolalität etwa 1200 mOsm/kg; fehlt die ADH-Wirkung, sinkt sie auf etwa 50–100 mOsm/kg.

Abbildung: Gehe die Schritte 1–4 von oben nach unten und vergleiche dann die beiden Urinbefunde. Die rote Kachel verbindet fehlende ADH-Wirkung mit dem Wasserzugang. Quelle: eigene Darstellung.
Steigende Tonizität löst ADH-Freisetzung und Durst aus. Trinken führt Wasser zu; ADH begrenzt dessen Verlust. Beides senkt die Tonizität wieder. Ohne ADH-Wirkung kann die Niere große Mengen verdünnten Urins ausscheiden. Wer ausreichend trinken kann, hält dabei sein Natrium möglicherweise normal. Fehlender Zugang zu Wasser, Bewusstseinsstörung oder gestörtes Durstempfinden machen dieselbe Polyurie gefährlich.

Abbildung: Folge dem Wasserzugang nach rechts oder links: Die gleiche fehlende ADH-Wirkung kann je nach Trinkmöglichkeit unterschiedliche Folgen haben. Quelle: eigene Darstellung.
Das effektive arterielle Blutvolumen beschreibt die wirksame Füllung des arteriellen Kreislaufs. Bei Blut- oder Flüssigkeitsverlust ist sie vermindert. Auch bei Herzinsuffizienz oder Zirrhose kann sie trotz Ödemen zu niedrig sein. Dann hat Kreislaufsicherung Vorrang vor der osmotischen Regulation: ADH hält zusätzlich Wasser zurück. Schmerz, Übelkeit und Stress können ADH ebenfalls stimulieren. Der osmotische Weg reagiert schon auf einen Anstieg der Osmolalität um etwa 1–2 %; der Kreislaufweg setzt erst bei deutlichem Volumen- oder Druckmangel ein, überwiegt dann aber.

Abbildung: Folge beiden Wegen bis zur gemeinsamen Wirkung. Die untere Zeile zeigt, warum ADH bei Volumenmangel trotz niedriger Tonizität aktiv bleiben kann. Quelle: eigene Darstellung.
Die Wirkung fehlender ADH-Aktivität hängt auch vom Wasserzugang ab.
| Situation | Urin | Bedeutung des Trinkens |
|---|---|---|
| ADH wirkt im Sammelrohr | Konzentrierter, meist weniger | ADH begrenzt den Verlust; Trinken führt Wasser zu |
| ADH-Wirkung fehlt; Trinken möglich | Große Mengen verdünnten Urins | Natrium kann normal bleiben |
| ADH-Wirkung fehlt; Wasserzugang gestört | Fortgesetzte Polyurie | Wasserverlust wird gefährlich |
Osmolalität ist nicht Tonizität
Die gemessene Serumosmolalität zählt gelöste Teilchen pro Kilogramm Wasser; ein typischer Referenzbereich ist etwa 275–295 mOsm/kg. Die Tonizität erfasst deren anhaltende Wirkung auf Wasserbewegungen über Zellmembranen. Harnstoff trägt zur gemessenen Osmolalität bei, verteilt sich aber meist gut über Zellmembranen und wird in der üblichen Tonizitätsschätzung weggelassen. Glukose ist bei Insulinmangel dagegen extrazellulär osmotisch wirksam.

Abbildung: Vergleiche die Zelle links mit der Zelle rechts. Nur wo Teilchen außen bleiben, entsteht ein anhaltender Wasserzug. Quelle: eigene Darstellung.
| Schätzung | Formel bei mmol/l für alle Laborwerte |
|---|---|
| Berechnete Osmolalität | 2 × Natrium + Glukose + Harnstoff |
| Effektive Osmolalität | 2 × Natrium + Glukose |
Die Ergebnisse werden klinisch näherungsweise als mOsm/kg angegeben. Die Verdopplung berücksichtigt die Natrium begleitenden Anionen. Bei Glukose in mg/dl teilst du zunächst durch 18; Harnstoff und Harnstoff-Stickstoff sind unterschiedliche Angaben. Verwende diese Formel nicht mit ungeprüften Einheiten. Berechnete Werte ersetzen die gemessene Osmolalität bei einer unklaren Störung nicht; weitere Osmole und Messfehler können Abweichungen verursachen.
Laborwerte in mg/dl rechnest du vor dem Einsetzen so in mmol/l um:
| Laborwert | mg/dl → mmol/l | Beispiel |
|---|---|---|
| Glukose | ÷ 18 | 90 mg/dl = 5 mmol/l |
| Harnstoff | ÷ 6 | 30 mg/dl = 5 mmol/l |
| Harnstoff-Stickstoff (BUN) | ÷ 2,8 | 14 mg/dl = 5 mmol/l |

Abbildung: Wähle zuerst den zur Laborbezeichnung passenden Umrechnungsweg; erst danach werden die Werte in die Formeln eingesetzt. Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel: Natrium 130, Glukose 5 und Harnstoff 25 mmol/l ergeben berechnet 260 + 5 + 25 = 290 mOsm/kg, effektiv jedoch 260 + 5 = 265 mOsm/kg. Eine hohe Harnstoffkonzentration kann somit eine niedrige Tonizität hinter einer scheinbar normalen Gesamtosmolalität verdecken.

Abbildung: Vergleiche die beiden Rechenwege und beachte den Harnstoffanteil. Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
Unterstützt rechnen
Aufgabe: Berechne Osmolalität und Tonizität aus Natrium 132, Glukose 6 und Harnstoff 8 mmol/l. Beginne mit 2 × 132. Begründe anschließend, warum die Ergebnisse unterschiedlich sind.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Wert oder Befund |
|---|---|
| Natrium | 132 mmol/l |
| Glukose | 6 mmol/l |
| Harnstoff | 8 mmol/l |
Multiple Choice
ADH im Kreislaufkontext
Aufgabe: Eine Patientin hat seit zwei Tagen Durchfall, orthostatischen Schwindel, Natrium 127 und konzentrierten Urin. Welche Erklärung passt am besten?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Wert oder Befund |
|---|---|
| Verlauf | Seit zwei Tagen Durchfall |
| Beschwerden | Orthostatischer Schwindel |
| Natrium | 127 mmol/l |
| Urin | Konzentriert |
- a)Bei niedrigem Natrium kann grundsätzlich kein ADH ausgeschüttet werden.
- b)Die verminderte Kreislauffüllung kann die ADH-Freisetzung trotz niedriger Tonizität aufrechterhalten.
- c)Konzentrierter Urin beweist eine krankhafte ADH-Wirkung ohne Kreislaufursache.
Hyponatriämie einordnen
Lernziel: Du kannst eine Hyponatriämie mit Tonizität, Urin und Volumen einordnen.
Zuerst Gefahr und Messung prüfen
Hyponatriämie bedeutet meist Serum-Natrium unter 135 mmol/l. Biochemisch unterscheidet man mild 130–134, moderat 125–129 und profund unter 125. Diese Zahlen beschreiben die Konzentration, nicht automatisch die klinische Dringlichkeit. Ein Krampfanfall bei raschem Abfall kann sofortige Therapie erfordern; eine seit Wochen bestehende niedrige Konzentration verlangt einen anderen Korrekturplan. Akut heißt nachweislich innerhalb von weniger als 48 Stunden entstanden. Bei mindestens 48 Stunden oder unklarer Dauer gelten die vorsichtigeren Regeln für chronische Störungen.
Bei Krampfanfall, schwerer Bewusstseinsstörung oder kardiorespiratorischer Instabilität organisierst du sofort Notfallversorgung und Natrium-/Glukosemessung. Die vollständige Ursachenabklärung darf eine nötige Akuttherapie nicht verzögern; deren Durchführung folgt in U05.
Für eine belastbare Abklärung entnimmst du möglichst vor nicht dringend nötigen Infusionen zeitgleich Blut und Spontanurin. Dokumentiere Zeitpunkt, laufende Infusionen und Diuretika. Blut aus einem kontaminierten Infusionszugang kann einen falschen Wert liefern. Bei unplausiblem Befund neu und korrekt abnehmen, ohne eine Notfallbehandlung unnötig aufzuschieben. Verlaufsmessungen möglichst mit derselben Methode vergleichen.

Abbildung: Prüfe vor der Interpretation den Probenkontext; ein unplausibler Wert führt zur korrekten Wiederholungsabnahme. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Gefahrenprüfung steht vor der vollständigen Ursachenabklärung. Quelle: eigene Darstellung.
Die biochemische Einteilung beschreibt die Konzentration und ersetzt keine klinische Gefahrenprüfung.
| Grad | Serum-Natrium |
|---|---|
| Mild | 130–134 mmol/l |
| Moderat | 125–129 mmol/l |
| Profund | <125 mmol/l |
In diesem Kapitel gilt bei chronischer oder unklarer Dauer: Natrium darf in jedem 24-Stunden-Zeitraum um höchstens 8 mmol/l steigen, bei hohem Risiko für eine osmotische Demyelinisierung um weniger; die Einzelheiten folgen in U05. Dieselbe Natriumzahl kann deshalb je nach Dauer und Symptomen zu ganz verschiedenen Plänen führen.

Abbildung: Die biochemisch mildere Hyponatriämie kann die dringlichere sein; Dauer und Symptome bestimmen den Plan. Quelle: eigene Darstellung.
Drei verschiedene niedrige Natriumwerte
| Konstellation | Bedeutung und nächster Schritt |
|---|---|
| Hypoton | Meist Osmolalität <275; echter relativer Wasserüberschuss → Urin und Ursache prüfen |
| Hyperton, etwa bei starker Hyperglykämie | Wasser tritt aus Zellen aus und verdünnt extrazelluläres Natrium → Hyperglykämie behandeln |
| Analytische Pseudohyponatriämie | Indirekte ISE bei stark erhöhten Lipiden/Proteinen → direkte ISE gegenprüfen |
ISE bedeutet ionenselektive Elektrode. Bei der indirekten Methode wird die Probe verdünnt; ein ungewöhnlich großer Lipid-/Proteinanteil kann den Natriumwert fälschlich erniedrigen. Die direkte Methode, etwa in vielen Blutgasgeräten, misst ohne diese Verdünnung. Hyperglykämische Hyponatriämie ist keine solche Messstörung. Bei erhöhter Harnstoffkonzentration oder mehreren gleichzeitig vorhandenen Störungen reicht die einfache Einteilung nach Gesamtosmolalität allein nicht aus; beziehe die Tonizität aus U01 ein.

Abbildung: So sieht stark lipämisches Blut aus. In solchen Proben kann die indirekte ISE Natrium fälschlich niedrig messen. Quelle: Mark-shea, Wikimedia Commons, gemeinfrei; zugeschnitten.

Abbildung: Nur die verdünnende indirekte Messung unterschätzt Natrium, wenn Lipide oder Proteine viel Probenvolumen einnehmen (gerundete Beispielwerte). Quelle: eigene Darstellung.
Die gemessene Serumosmolalität ordnet einen niedrigen Natriumwert vor; hoher Harnstoff kann eine niedrige Tonizität in jedem Bereich verdecken.
| Gemessene Osmolalität | Einordnung | Typische Erklärung |
|---|---|---|
| <275 mOsm/kg | Immer hypoton | Relativer Wasserüberschuss → Urin prüfen |
| 275–295 mOsm/kg | Nicht hypoton oder verdeckt hypoton | Pseudohyponatriämie; bei hohem Harnstoff effektive Osmolalität rechnen |
| >295 mOsm/kg | Hyperton möglich | Hyperglykämie oder Mannitol → Ursache behandeln |
Ausgearbeitetes Beispiel: Natrium 128 mmol/l und Glukose 40 mmol/l ergeben eine effektive Osmolalität von 2 × 128 + 40 = 296 mOsm/kg. Hier besteht keine einfache hypotone Hyponatriämie. Hyperglykämie verschiebt Wasser nach extrazellulär; bei ihrer Behandlung steigt das gemessene Natrium häufig wieder. Die Behandlung einer diabetischen Krise richtet sich nach deren eigenem Flüssigkeits-, Insulin- und Kaliumprotokoll. Eine hypertone Salzgabe allein wegen der Zahl 128 wäre falsch.

Abbildung: Trenne echte Wasserverlagerung bei Hyperglykämie vom analytischen Messartefakt. Quelle: eigene Darstellung.
Was sagt der Urin?
Ist die Hyponatriämie hypoton, prüfst du zunächst die Urinosmolalität (U-Osm). Bei höchstens 100 mOsm/kg verdünnt die Niere stark: Viel Wasserzufuhr oder eine sehr geringe tägliche Ausscheidung von Osmolen sind naheliegend. Die Niere kann Wasser nur zusammen mit einer Mindestmenge gelöster Teilchen ausscheiden; extrem geringe Protein-/Salzzufuhr begrenzt deshalb die ausscheidbare Wassermenge.
Als Faustregel lässt sich Urin höchstens auf etwa 50 mOsm/kg verdünnen. Bei 600 mOsm gelöster Teilchen pro Tag kann die Niere so bis etwa 12 l Wasser ausscheiden, bei 250 mOsm pro Tag – etwa bei Tee-und-Toast-Ernährung oder hohem Bierkonsum – nur etwa 5 l. Wer mehr trinkt, hält Wasser trotz unterdrücktem ADH zurück. Steigt die Osmolzufuhr wieder, etwa durch normale Mahlzeiten, nimmt die Wasserausscheidung rasch zu; Natrium kann dann schnell ansteigen.

Abbildung: Die Osmolzufuhr begrenzt die ausscheidbare Wassermenge; Beispielwerte bei maximal verdünntem Urin. Quelle: eigene Darstellung.
Bei U-Osm über 100 mOsm/kg ist die Wasserausscheidung eingeschränkt. Häufig wirkt ADH; bei eingeschränkter Nierenfunktion sind die Verdünnungsmöglichkeiten ebenfalls begrenzt. Jetzt helfen Urin-Natrium, Volumenstatus und Kontext. Das Syndrom der inadäquaten Antidiurese (SIAD) bezeichnet eine im Verhältnis zur Tonizität unangemessene Wasserretention; die notwendigen Ausschlüsse werden in U03 erklärt.

Abbildung: Gehe bei einer stabilen Person von oben nach unten. Die Urinwerte liefern Wahrscheinlichkeiten; sie ersetzen keine Ursachenprüfung. U-Osm in mOsm/kg, U-Na in mmol/l. Quelle: eigene Darstellung.
| Urin-Natrium | Erste Einordnung bei U-Osm >100 |
|---|---|
| ≤30 mmol/l | Niere spart Natrium: geringe effektive Kreislauffüllung möglich |
| >30 mmol/l | SIAD, renaler Salzverlust, endokrine Ursache oder Diuretika möglich |
Diese Grenzen sind Entscheidungshilfen. Diuretika können Urin-Natrium trotz Volumenmangel erhöhen; geringe Salzzufuhr kann es bei SIAD senken. Niereninsuffizienz und vorausgegangene Infusionen erschweren beide Urinbefunde. Mischursachen sind häufig. Eine ADH-Blutmessung ist zur üblichen SIAD-Diagnostik nicht erforderlich.

Abbildung: Wähle die zutreffenden Störfaktoren und lies erst danach das Urin-Natrium als Entscheidungshilfe. Quelle: eigene Darstellung.
Diese Störfaktoren verschieben die Urinbefunde in typische Richtungen.
| Störfaktor | Mögliche Fehldeutung | Gegenprüfung |
|---|---|---|
| Diuretika | U-Na hoch trotz Volumenmangel | Einnahmezeit, Kreislaufbefunde |
| Salzarme Kost | U-Na niedrig trotz SIAD | Ernährungsanamnese, Verlauf |
| Niereninsuffizienz | Urinwerte kaum verwertbar | Nierenfunktion, Vorbefunde |
| Infusion vor der Probe | Urinwerte verändert | Zeitpunkt und Infusionsart dokumentieren |
Volumenstatus als Gegenprobe
| Klinisches Muster | Hinweise und Grenzen |
|---|---|
| Hypovoläm | Orthostase, Tachykardie, Gewichtsverlust, geringe Füllung; trockene Schleimhäute allein unzuverlässig |
| Klinisch euvoläm | Keine eindeutigen Mangel-/Stauungszeichen; SIAD und Cortisolmangel weiter prüfen |
| Hypervoläm | Ödeme, Aszites oder Stauung; effektive Kreislauffüllung kann trotzdem niedrig sein |
Bei Herzinsuffizienz oder Leberzirrhose melden die Barorezeptoren trotz insgesamt vermehrten Körperwassers eine zu geringe arterielle Füllung. ADH, Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und Sympathikus halten dann Wasser und Natrium zurück; ohne Diuretika ist das Urin-Natrium typischerweise niedrig.

Abbildung: Ödeme zeigen zu viel Wasser im Gewebe; die Niere reagiert trotzdem auf die zu geringe arterielle Füllung. Quelle: eigene Darstellung.
Anamnese umfasst Trinkmenge, Ernährung, Erbrechen/Diarrhö, Medikamente und Beginn der Beschwerden. Untersuche Blutdruck einschließlich Orthostase, Puls, Schleimhäute, Ödeme und Zeichen einer Herz-/Leberkrankheit. Ergänze Gewicht, Bilanz und Nierenfunktion. Eine einzelne körperliche Beobachtung beweist keinen Volumenstatus.
Ausgearbeitetes Beispiel: Natrium 124, gemessene Osmolalität 260, U-Osm 520 und U-Na 12; seit drei Tagen Diarrhö und orthostatische Beschwerden, keine Diuretika. Das Muster passt zu hypotoner, wahrscheinlich hypovolämischer Hyponatriämie mit angemessener ADH-Antwort. Die Niere hält Natrium zurück. Nach Volumenersatz kann der ADH-Reiz abrupt verschwinden; deshalb gehört die Verlaufskontrolle von Beginn an zum Plan.

Abbildung: Jeder Wert beantwortet eine eigene Frage; erst zusammen ergeben sie das Muster und den Überwachungsplan. Quelle: eigene Darstellung.
Die diagnostischen Schwellen und ihre Einschränkungen folgen dem ÖGN-Konsensus 2024, Diagnostik.

Abbildung: Ordne mehrere zusammenpassende Befunde einem Muster zu. Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
Einen Befund vervollständigen
Aufgabe: Natrium 126, gemessene Osmolalität 263, U-Osm 75. Die Person trinkt sehr viel und isst seit Tagen wenig. Ergänze: „Der Urin ist …; die Niere …; besonders zu prüfen sind …“. Ist SIAD durch diese Werte wahrscheinlich?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Wert oder Befund |
|---|---|
| Natrium | 126 mmol/l |
| Gemessene Osmolalität | 263 mOsm/kg |
| U-Osm | 75 mOsm/kg |
| Trinken und Ernährung | Sehr viel trinken; seit Tagen wenig essen |
Multiple Choice
Ein neues Muster einordnen
Aufgabe: Eine 73-jährige Person hat Ödeme, Halsvenenstauung, Natrium 128, Osmolalität 266, U-Osm 440 und U-Na 18; vor Probenentnahme wurden keine Diuretika gegeben. Welche Einordnung ist am besten begründet?
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Wert oder Befund |
|---|---|
| Alter | 73 Jahre |
| Klinische Befunde | Ödeme und Halsvenenstauung |
| Natrium / Osmolalität | 128 mmol/l / 266 mOsm/kg |
| U-Osm / U-Na | 440 mOsm/kg / 18 mmol/l |
| Vor Probenentnahme | Keine Diuretika |

Abbildung: Beispielbild ausgeprägter Beinschwellung bei einer anderen Person – so kann der in der Aufgabe genannte Ödembefund aussehen. Quelle: Wang Kai-feng et al. (BMC Cancer 2011;11:204), Wikimedia Commons, [CC BY 2.0], [Originaldatei]; in WebP umgewandelt.
- a)Niedriges Urin-Natrium beweist einen insgesamt zu kleinen Extrazellulärraum.
- b)Ödeme schließen eine ADH-vermittelte Wasserretention aus.
- c)Bei Stauung kann die effektive Kreislauffüllung niedrig sein; Herzinsuffizienz ist eine passende Ursache.
Freie Antwort
Ein Messartefakt erkennen
Aufgabe: Eine beschwerdefreie Person mit ausgeprägter Hypertriglyzeridämie hat im Zentrallabor mittels indirekter ISE Natrium 125; direkte ISE ergibt 138. Glukose ist normal. Benenne die wahrscheinliche Erklärung und die Konsequenz für eine natriumanhebende Infusion.
Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.
| Angabe | Wert oder Befund |
|---|---|
| Beschwerden | Keine |
| Triglyzeride | Ausgeprägte Hypertriglyzeridämie |
| Indirekte ISE | Natrium 125 mmol/l |
| Direkte ISE | Natrium 138 mmol/l |
| Glukose | Normal |

Abbildung: Ausschnitt einer Blutprobe nach dem Absetzen – achte auf das Aussehen der Plasmaschicht. Quelle: Mark-shea, [Wikimedia Commons], gemeinfrei; enger zugeschnitten.
In der App sprechen üben →Ursachen und SIAD
Lernziel: Du kannst SIAD von anderen Ursachen abgrenzen und gezielt behandeln.
Unangemessene Antidiurese verstehen
SIAD bedeutet Syndrom der inadäquaten Antidiurese; häufig wird SIADH gesagt. Die Niere hält Wasser zurück, obwohl niedrige Tonizität die ADH-Wirkung eigentlich unterdrücken sollte und kein notwendiger Kreislaufreiz vorliegt. Das zusätzliche Wasser verdünnt Natrium. Eine leichte Volumenzunahme fördert anschließend die Natriumausscheidung; deshalb entstehen meist keine ausgeprägten Ödeme. Klinische Euvolämie bedeutet hier nicht, dass sich nie Wasser angesammelt hat.

Abbildung: Wasserretention und kompensatorische Natriurese wirken gleichzeitig. Die fehlenden Ödeme unterscheiden SIAD von einer typischen ausgeprägten Stauung, beweisen es aber nicht. Quelle: eigene Darstellung.
| Für SIAD erforderliche Befunde | Notwendige Gegenprüfung |
|---|---|
| Hypotone Hyponatriämie, meist Osmolalität <275 | Hyperglykämie und Messartefakt berücksichtigen |
| U-Osm >100 trotz Hypotonie | Kein Volumenmangel als angemessener ADH-Reiz |
| Klinisch euvoläm; U-Na meist >30 bei normaler Zufuhr | Nierenfunktion, Diuretika, Cortisol- und Schilddrüsenfunktion prüfen |
Ergänzende Laborbefunde können den Verdacht stützen, ersetzen aber keine Ausschlussdiagnostik.
| Ergänzender Befund | Typisch bei SIAD | Einordnung |
|---|---|---|
| Harnsäure im Serum | < 4 mg/dl (< 0,24 mmol/l) | Stützt den Verdacht, beweist nichts |
| Harnstoff im Serum | < 21,6 mg/dl (< 3,6 mmol/l) | Bei proteinarmer Ernährung ebenfalls niedrig |
| Fraktionelle Harnsäureausscheidung | > 12 % | Unter Diuretika eventuell aussagekräftiger als U-Na |
| Fraktionelle Harnstoffausscheidung | > 55 % | Ergänzender Hinweis |
| Isotone NaCl-Gabe | Natrium steigt nicht | Spricht gegen Volumenmangel |
| Flüssigkeitsbegrenzung | Natrium steigt | Stützt die Diagnose im Verlauf |
Europäische Leitlinie 2014, Tabelle 6

Abbildung: Die Zusatzbefunde gewinnen erst zusammen mit dem Grundmuster und den Ausschlussdiagnosen Aussagekraft. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Erst wenn alle vier Schritte passen, wird SIAD wahrscheinlich. Fehlt ein Punkt, wird eine andere Ursache verfolgt. Quelle: eigene Darstellung.
SIAD ist eine Ausschlussdiagnose. Eine einzelne Pneumonie plus niedriges Natrium reicht nicht. Erfrage pulmonale Erkrankungen, ZNS-Erkrankungen, Tumorerkrankungen, Schmerzen, Übelkeit und Medikamente. Die Abklärung wird durch Anamnese und Befunde gesteuert; eine wahllose Tumorsuche ersetzt keine gute Erstbewertung.

Abbildung: Häufige Beispiele je Gruppe. Typisch tumorbedingt ist vor allem das kleinzellige Bronchialkarzinom; die Suche richtet sich nach Anamnese und Befund. Quelle: eigene Darstellung.
Endokrine Ursachen nicht übersehen
Cortisol hemmt normalerweise einen Teil der ADH-Freisetzung. Cortisolmangel kann daher eine euvolämische, SIAD-ähnliche Hyponatriämie verursachen. Bei primärer Nebenniereninsuffizienz fehlt oft zusätzlich Aldosteron: Salzverlust, Hypovolämie und Hyperkaliämie können hinzukommen. Bei sekundärem Cortisolmangel bleibt die Aldosteronwirkung meist erhalten; normales Kalium schließt ihn deshalb nicht aus. Bei primärer Form ist ACTH erhöht; eine Hyperpigmentierung kann hinzukommen.

Abbildung: Der Cortisolmangel wirkt in beiden Formen auf ADH. Nur die primäre Form verliert typischerweise zusätzlich Aldosteron. Quelle: eigene Darstellung.
Prüfe frühere Glukokortikoidtherapie einschließlich abruptem Absetzen, Gewichtsverlust, Hypotonie, Übelkeit und Hypoglykämie. Cortisol und gegebenenfalls ACTH werden möglichst vor Steroidgabe abgenommen; Grenzwerte und Stimulationstest sind methoden-/situationsabhängig. Bei Verdacht auf Nebennierenkrise darf das Ergebnis die Behandlung nicht verzögern. Eine schwere Hypothyreose kann ebenfalls beitragen; eine geringfügige TSH-Erhöhung erklärt eine profunde Hyponatriämie meist nicht. TSH und freies T4 gehören in den Kontext.
Notfallbrücke: Bei vermuteter Nebennierenkrise sofort Hydrocortison 100 mg i.v. oder i.m., anschließend 200 mg über 24 Stunden als i.v. Infusion oder 50 mg i.v. oder i.m. alle sechs Stunden, dazu kreislaufgerechter isotoner Flüssigkeitsersatz und gegebenenfalls Glukose. Das geschieht unter Notfall-/endokrinologischer Betreuung. Steroidgabe kann die Antidiurese rasch aufheben; Natriumkontrollen müssen weiterlaufen. Die vollständige endokrinologische Diagnostik und Langzeittherapie folgt im zuständigen Fachkapitel. Endocrine Society, Empfehlung 4.1

Abbildung: Normales Kalium schließt sekundären Cortisolmangel nicht aus. Bei Krisenverdacht wird das Laborergebnis nicht abgewartet. Quelle: eigene Darstellung.
Die Befunde helfen, endokrine Ursachen voneinander abzugrenzen.
| Konstellation | Typischer Hinweis | Gegenprüfung |
|---|---|---|
| Primärer Cortisolmangel | Oft Aldosteronmangel; Hypovolämie, Hyperkaliämie | Cortisol, gegebenenfalls ACTH |
| Sekundärer Cortisolmangel | Aldosteron meist erhalten; Kalium kann normal sein | Steroidanamnese und Cortisol |
| Schwere Hypothyreose | Möglicher Beitrag zur Hyponatriämie | TSH und freies T4 im Kontext |
Auslöser systematisch suchen
| Ursache | Mechanismus und klinischer Hinweis |
|---|---|
| Thiazide | Gestörte Harnverdünnung, teils Salz-/Kaliumverlust; auch nach längerer Einnahme möglich |
| SSRI, Carbamazepin/Oxcarbazepin | Förderung der Antidiurese; zeitlichen Medikamentenbezug prüfen |
| Desmopressin | Antidiurese bei weiterem Trinken; Einnahme und Flüssigkeitszufuhr gemeinsam bewerten |
| Erbrechen, Diarrhö, starkes Schwitzen | Volumen-/Salzverlust plus ADH; Ersatz nur mit Wasser kann Na weiter senken |
| Herzinsuffizienz, Zirrhose | Niedrige effektive Kreislauffüllung trotz vergrößertem Extrazellulärraum |
| Polydipsie, sehr geringe Nahrungszufuhr | Wasserzufuhr übersteigt Ausscheidungskapazität |
SSRI sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Prüfe auch neue Dosen, rezeptfreie Medikamente und eine eingeschränkte Nierenfunktion. NSAR können die renale Wasserretention verstärken. Verdächtige Mittel werden abgesetzt oder ersetzt, wobei die ursprüngliche Indikation mitbeachtet wird. Bei Desmopressin-bedingter schwerer Hyponatriämie kann ein unkontrolliertes Absetzen eine massive Wasserdiurese auslösen: Die Entscheidung gehört in einen überwachten Korrekturplan. Steigt die Urinmenge plötzlich auf über 100 ml/h, wird Natrium etwa alle zwei Stunden kontrolliert, bis der Verlauf stabil ist. Europäische Leitlinie 2014

Abbildung: Dasselbe Medikament kann zuerst die Hyponatriämie verursachen und nach dem Absetzen eine Überkorrektur auslösen. Quelle: eigene Darstellung.
Ausgearbeitetes Beispiel: Eine 69-jährige Patientin hat nach Beginn von Sertralin Natrium 122, Osmolalität 258, U-Osm 480 und U-Na 58. Sie zeigt weder Stauung noch Volumenmangel. Nach Ausschluss von Cortisolmangel, schwerer Hypothyreose, relevanter Niereninsuffizienz und Diuretika ist ein medikamentös ausgelöstes SIAD plausibel. Sertralin ist ein Verdacht mit zeitlicher Beziehung, noch kein beweisender Test.

Abbildung: Beide Pfade gehören zur Ursachensuche. Bei Desmopressin wird auch das Risiko einer Wasserdiurese nach unkontrolliertem Absetzen berücksichtigt. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Jeder Befund des Beispiels wird einem SIAD-Kriterium zugeordnet. Der zeitliche Bezug zu Sertralin bleibt ein Verdacht. Quelle: eigene Darstellung.
Die Ursache bestimmt die Behandlung
Schwere neurologische Symptome benötigen unabhängig von der späteren Ursache die in U05 beschriebene Akutbehandlung. Bei stabiler chronischer Hyponatriämie behandelst du die Ursache und vermeidest eine ungezielte Korrektur nach Laborzahl.
| Konstellation | Grundrichtung |
|---|---|
| Hypovolämie | Auslöser behandeln; isotoner kristalloider Volumenersatz, danach Wasserdiurese erwarten |
| SIAD ohne schwere Symptome | Auslöser behandeln; individuell vereinbarte Flüssigkeitsbegrenzung und ausreichende Ernährung |
| Hypervolämische Organerkrankung | Herz-/Leber-/Nierenkrankheit behandeln; Flüssigkeits- und Diuretikaplan individualisieren |

Abbildung: Die Zusatztherapien sind fachärztliche Optionen bei unzureichender Wirkung. Bei Tolvaptanbeginn wird eine bestehende Flüssigkeitsrestriktion aufgehoben. Quelle: eigene Darstellung.
Bei SIAD wird die gesamte Flüssigkeitszufuhr gezählt, einschließlich Infusionen und flüssiger Nahrung. Ein möglicher Start ist etwa 1 l/Tag, angepasst an Verluste, Urinbefunde und klinischen Zustand. Durstbelastung, unzureichende Wirkung und Mangelernährung müssen aktiv erfasst werden. Hohe U-Osm oder geringe Urinmenge machen einen Erfolg weniger wahrscheinlich. Eine Flüssigkeitsbegrenzung ist keine allgemeine Behandlung jedes niedrigen Natriums.
Als Planungshilfe dient der Quotient (U-Na + U-K) : S-Na: Unter 0,5 ist etwa 1 l/Tag sinnvoll, bei 0,5–1 etwa 0,5 l/Tag; über 1 reicht eine Begrenzung allein nicht. Eine U-Osm über 500 mOsm/kg macht einen Erfolg unwahrscheinlich. Auch bei Ansprechen steigt Natrium unter höchstens 1 l/Tag meist nur um etwa 3–4 mmol/l, und nur etwa die Hälfte der Betroffenen spricht an. ÖGN-Konsensus 2024, Flüssigkeitsrestriktion

Abbildung: Der Quotient zeigt, wie viel elektrolytfreies Wasser die Niere noch ausscheiden kann. Je höher er ist, desto weniger hilft eine reine Begrenzung. Quelle: eigene Darstellung.
Warum isotone Kochsalzlösung bei SIAD schaden kann: Die Niere kann das zugeführte Salz in konzentriertem Urin ausscheiden, während ein Teil des zugeführten Wassers im Körper bleibt. Das Serum-Natrium kann weiter fallen. Dieser Effekt hängt von der Urinzusammensetzung ab; er ist kein Gesetz für jede Patientin mit SIAD. Vereinfachte Rechnung: 1 l NaCl 0,9 % enthält etwa 308 mOsm. Bei einer U-Osm von 600 mOsm/kg werden diese Osmole in etwa 0,5 l Urin ausgeschieden; rund 0,5 l Wasser bleiben im Körper.

Abbildung: Vereinfachte Bilanz unter der Annahme, dass die zugeführten Osmole bei gleichbleibender Urinosmolalität ausgeschieden werden. Entscheidend ist, wie konzentriert die Niere ausscheidet. Quelle: eigene Darstellung.
Bei unzureichender Wirkung kommen unter fachärztlicher Steuerung weitere Maßnahmen infrage. Oraler Harnstoff erhöht die ausscheidbare Osmolmenge und damit die Wasserausscheidung; ein gebräuchlicher Bereich ist 0,25–0,5 g/kg/Tag, verteilt nach Verträglichkeit und Präparat. Bei 60 kg entspricht dies 15–30 g/Tag. Geschmack, Übelkeit und ein Anstieg des Harnstoffwerts sind zu beachten; bei fortgeschrittener Lebererkrankung ist diese Behandlung problematisch. Natrium und Bilanz bleiben kontrollpflichtig. ÖGN-Konsensus 2024, Therapie des SIAD
Tolvaptan blockiert V2-Rezeptoren und erhöht die Ausscheidung elektrolytfreien Wassers. Es ist eine ausgewählte stationär begonnene Option bei erwachsenem SIAD, keine Notfallalternative bei benötigtem raschem Natriumanstieg. Die Produktinformation nennt initial 15 mg oral einmal täglich, bei erhöhtem Überkorrekturrisiko (zum Beispiel Tumorerkrankung, sehr niedriges Ausgangsnatrium, Diuretika oder Natriumzufuhr) können 7,5 mg erwogen werden. Eine Steigerung bis höchstens 60 mg einmal täglich richtet sich nach Natriumverlauf und Verträglichkeit. Zugang zu Wasser und erhaltene Durstwahrnehmung sind nötig. Bei Hypovolämie, Anurie, Hypernatriämie, Schwangerschaft und Stillzeit ist die Anwendung kontraindiziert; Leberrisiko und CYP3A-Wechselwirkungen müssen geprüft werden. Bei Beginn von Tolvaptan wird eine bestehende Flüssigkeitsrestriktion aufgehoben. Zusätzliche natriumanhebende Kombinationstherapie erfolgt nur nach spezialisiertem Plan; Dehydratation und Überkorrektur sind besonders zu vermeiden. Die erste Na-Kontrolle erfolgt spätestens nach 4–6 Stunden, danach anfangs mindestens sechsstündlich; bei Risiko enger. Ein Anstieg um mehr als 6 mmol/l in den ersten 6 Stunden oder mehr als 8 mmol/l in 6–12 Stunden weist laut Produktinformation auf eine zu rasche Korrektur hin: häufiger messen und hypotone Flüssigkeit erwägen. Die in U05 gewählte Tagesgrenze von höchstens +8 mmol/l pro 24 Stunden gilt auch unter Tolvaptan; ist sie erreicht, wird Tolvaptan pausiert und das Fachteam plant das weitere Vorgehen. Eine längere Behandlung wird regelmäßig anhand Ursache, Nutzen und Nebenwirkungen neu bewertet. EMA-Produktinformation Samsca

Abbildung: Die Auswahlprüfung ergänzt den zeitlichen Kontrollplan unter Tolvaptan. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Frühwarnschwellen stammen aus der Produktinformation; die Tagesgrenze folgt dem in diesem Kapitel gewählten Korrekturrahmen. Quelle: eigene Darstellung.
Die beiden fachärztlichen SIAD-Optionen unterscheiden sich in Dosis und Überwachung.
| Option | Genannter Dosisrahmen | Kontrollpunkt |
|---|---|---|
| Harnstoff oral | 0,25–0,5 g/kg/Tag | Natrium, Bilanz und Verträglichkeit |
| Tolvaptan oral | Initial 15 mg/Tag; bei erhöhtem Überkorrekturrisiko 7,5 mg erwägen | Stationärer Beginn; Na nach spätestens 4–6 h, anfangs mindestens alle 6 h |
Multiple Choice
Die fehlende Ausschlussdiagnose
Aufgabe: Natrium 121, U-Osm 470 und U-Na 52 bei klinischer Euvolämie. Nach mehrmonatiger Prednisolontherapie hat die Person die Tabletten selbst abgesetzt; das Kalium ist normal. Welcher nächste Gedanke ist am wichtigsten?
Die Tabelle bündelt die vorliegenden Angaben.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Serum-Natrium | 121 mmol/l |
| U-Osm / U-Na | 470 mOsm/kg / 52 mmol/l |
| Klinik / Kalium | Euvoläm; Kalium normal |
| Medikamentenanamnese | Prednisolon über mehrere Monate; selbst abgesetzt |
- a)Cortisolmangel ist trotz normalen Kaliums möglich und muss dringend geprüft werden.
- b)Normales Kalium schließt eine endokrine Ursache aus.
- c)Die Urinwerte sichern SIAD; weitere Ursachenprüfung ist unnötig.
Freie Antwort
Unterstützt planen
Aufgabe: Die Patientin aus dem Sertralinbeispiel ist wach, kreislaufstabil und ohne neue neurologische Beschwerden. Ergänze einen Plan mit Medikamentenentscheidung, Flüssigkeit/Ernährung und Kontrolle. Begründe, weshalb eine routinemäßige Kochsalzinfusion nicht überzeugt.
Die Ausgangsdaten aus dem Sertralinbeispiel und der aktuelle Zustand stehen hier zusammen.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Medikament / Alter | Sertralin neu begonnen; 69 Jahre |
| Serum-Natrium / Osmolalität | 122 mmol/l / 258 mOsm/kg |
| U-Osm / U-Na | 480 mOsm/kg / 58 mmol/l |
| Klinischer Zustand | Wach, kreislaufstabil; keine neuen neurologischen Beschwerden |
Freie Antwort
Eine andere Ursache behandeln
Aufgabe: Ein Patient mit Diarrhö hat orthostatische Hypotonie, Natrium 126, U-Osm 600 und U-Na 9. Er kann zunächst nicht ausreichend trinken. Begründe die Flüssigkeitsrichtung und das besondere Verlaufsrisiko.
Die Tabelle zeigt die Befunde vor der Behandlungsentscheidung.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Verlust / Kreislauf | Diarrhö; orthostatische Hypotonie |
| Serum-Natrium | 126 mmol/l |
| U-Osm / U-Na | 600 mOsm/kg / 9 mmol/l |
| Trinken | Zunächst nicht ausreichend möglich |
Hypernatriämie
Lernziel: Du kannst Hypernatriämie erklären und einen kontrollierten Wasserersatz planen.
Wasser fehlt relativ zum Salz
Hypernatriämie bedeutet meist Serum-Natrium über 145 mmol/l. Häufig fehlt Wasser relativ zum vorhandenen Natrium; seltener wurde zu viel Natrium zugeführt. Die steigende Tonizität zieht Wasser aus Zellen. Durst, Schwäche, Reizbarkeit, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörung sind möglich. Symptome sind unspezifisch und können zusätzlich durch die Grunderkrankung verursacht sein.
| Entstehung | Typischer Kontext |
|---|---|
| Zu wenig Wasseraufnahme | Pflegeabhängigkeit, Delir, Schluckstörung, fehlender Zugang, gestörter Durst |
| Extrarenaler Wasserverlust | Fieber, starkes Schwitzen, Diarrhö, erhöhte Atemverluste |
| Renaler Wasserverlust | Osmotische Diurese, ADH-Mangel oder ADH-Resistenz |
| Natriumzufuhr | Hypertoner Salz-/Bicarbonatüberschuss, besondere Vergiftungssituationen |
Urinbefund und Volumenstatus helfen bei der Zuordnung: Bei zu geringer Aufnahme und bei extrarenalen Verlusten ist der Urin spärlich und konzentriert, bei extrarenalen Verlusten meist auch natriumarm. Renaler Wasserverlust zeigt sich durch viel Urin. Nach Natriumzufuhr ist Urin-Natrium hoch, Ödeme sind möglich. Der Volumenstatus bestimmt, womit zuerst ersetzt wird.

Abbildung: Herkunft des Ungleichgewichts und Volumenstatus bestimmen gemeinsam, womit zuerst ersetzt wird. Quelle: eigene Darstellung.
Akut bedeutet nachweislich weniger als 48 Stunden. Bei längerer Dauer passen sich Zellen teilweise durch Anreicherung von Osmolen an; bei unbekannter Dauer muss mit dieser Anpassung gerechnet werden. Ein zu rascher Abfall der extrazellulären Tonizität kann dann Wasser in die Zellen treiben. Die klinische Evidenz zum optimalen Korrekturtempo bei Erwachsenen ist begrenzt; das macht sorgfältige Überwachung besonders wichtig.

Abbildung: Die zelluläre Anpassung schützt bei steigendem Natrium, macht aber eine zu rasche Senkung gefährlich. Deshalb bestimmt die gesicherte Dauer das Korrekturtempo. Quelle: eigene Darstellung.
Urinmenge und Konzentration zusammen lesen
Bei Hypernatriämie sollte eine gesunde Niere Wasser zurückhalten. Viel und sehr verdünnter Urin ist deshalb unangemessen. Polyurie liegt beim Erwachsenen grob über 3 l/Tag beziehungsweise über 40–50 ml/kg/Tag; immer tatsächliche Menge und Zeitfenster dokumentieren.

Abbildung: Die Äste zeigen typische Muster, keine allein beweisenden Grenzwerte. Alter, Nierenfunktion und bereits begonnene Behandlung verändern die Konzentrationsleistung. Quelle: eigene Darstellung.
| U-Osm bei Hypernatriämie | Typischer nächster Gedanke |
|---|---|
| ≥800 mOsm/kg | Gute Konzentrationsantwort: Aufnahme, extrarenale Verluste und Natriumzufuhr prüfen |
| <300 mit Polyurie | ADH-Mangel oder fehlende renale ADH-Antwort wahrscheinlich |
| 300 bis <800 | Partielle Störung, osmotische Diurese oder Mischursache möglich |
ADH-Mangel wird auch AVP-Defizienz beziehungsweise zentraler Diabetes insipidus genannt. Ursachen sind etwa Erkrankungen oder Eingriffe an Hypothalamus/Hypophyse. Bei ADH-Resistenz, auch nephrogenem Diabetes insipidus, reagiert die Niere nicht ausreichend; mögliche Ursachen sind Lithium, Hyperkalzämie, Hypokaliämie oder Nierenerkrankungen. Eine osmotische Diurese entsteht beispielsweise durch Glukose im Urin; hier nimmt die hohe Osmolausscheidung Wasser mit. Hohe Urinmenge allein beweist deshalb keinen Diabetes insipidus.
Im Zwischenbereich hilft die tägliche Osmolausscheidung: U-Osm × Urinmenge pro Tag. Werte deutlich über etwa 1000 mOsm/Tag sprechen für eine osmotische Diurese; normal sind ungefähr 600–900 mOsm/Tag. Beispiel: 4 l Urin mit U-Osm 450 ergeben 1800 mOsm/Tag – hier wird nach Glukose, Harnstoff oder Mannitol gesucht.

Abbildung: Die Rechnung ergänzt das Urinmuster: Erst die ausgeschiedene Osmolmenge erklärt, weshalb die hohe Urinmenge hier zu einer osmotischen Diurese passt. Quelle: eigene Darstellung.
Bei bereits hypernatriämischer, dehydrierter Person führst du keinen unüberwachten Durstversuch durch. Spezialdiagnostik, etwa mit Copeptin als Marker der AVP-Freisetzung, ist eine fachärztliche Aufgabe nach Stabilisierung. Typische Muster: Steigt die U-Osm nach Desmopressin deutlich an (grob über 50 %), spricht das für AVP-Defizienz; bleibt der Anstieg weitgehend aus, für AVP-Resistenz. Ein bei Hypernatriämie niedriges Copeptin passt zu AVP-Defizienz, ein hohes zu AVP-Resistenz. Bei bekanntem zentralem Diabetes insipidus können vergessene Desmopressindosen gefährlich sein; die gewohnte Gabe und Wasserzufuhr werden ausdrücklich in die Übergabe aufgenommen.
Die drei renalen Muster unterscheiden sich in Ursache, Urin und Testantwort.
| Merkmal | AVP-Defizienz | AVP-Resistenz | Osmotische Diurese |
|---|---|---|---|
| Typische Ursache | Hypophyse/Hypothalamus, OP | Lithium, Ca ↑, K ↓, Niere | Glukose, Harnstoff, Mannitol |
| U-Osm | Meist <300 | Meist <300 | Oft 300 bis <800 |
| Desmopressin | Deutlicher Anstieg | Kaum Anstieg | Nicht wegweisend |
| Copeptin | Niedrig | Hoch | Nicht wegweisend |
Erst Kreislauf, dann Wasserbilanz
| Situation | Vorgehensrichtung |
|---|---|
| Schock oder deutliche Hypotonie mit Volumenmangel | Isotoner kristalloider Kreislaufersatz hat Vorrang; Hypernatriämie ist kein Grund, ihn zu verzögern |
| Stabile Kreislauffüllung, Wasserdefizit | Wenn sicher möglich oral/enteral Wasser; sonst z. B. Glukose 5 % i.v. |
| Natriumüberschuss mit Hypervolämie | Wasserzufuhr plus kontrollierte Natriumausscheidung; früh nephrologisch abstimmen |
Glukose 5 % liefert nach Glukoseverstoffwechselung weitgehend elektrolytfreies Wasser. Sie ist kein geeigneter alleiniger Kreislaufersatz im Schock. Steriles Wasser wird nicht direkt intravenös gegeben, weil es Hämolyse auslösen kann. Blutzucker, Nierenfunktion und weitere Elektrolyte gehören in die Überwachung. Bei Oligurie, schwerem Organversagen oder großer Natriumlast kann eine angepasste Nierenersatztherapie nötig sein.
Für chronische oder zeitlich unklare Hypernatriämie kann beispielsweise ein Tagesziel im Bereich 6–10 mmol/l Abfall über 24 Stunden gewählt werden. Dieser vorsichtige Arbeitsbereich ist keine universelle Vorgabe: Der Start bleibt gewöhnlich bei höchstens 0,5 mmol/l pro Stunde und bei höchstens etwa 10 mmol/l pro 24 Stunden. Werte und klinischer Verlauf steuern die tatsächliche Infusion. Unterkorrektur durch fortbestehende Verluste ist ebenfalls gefährlich. Bei aktiver Behandlung schwerer Störungen zunächst etwa alle vier Stunden Natrium prüfen; nach Stabilisierung Intervalle individuell erweitern. Der engere Vierstundenrhythmus orientiert sich an der Akutüberwachung bei zentralem Diabetes insipidus. Society for Endocrinology, Akutüberwachung, NHSAAA, Tagesgrenze und allgemeiner Rahmen 2026

Abbildung: Das Tagesziel liegt innerhalb der 24-Stunden-Grenze; die Natriumkontrollen zeigen, ob die Kurve im Plan bleibt. Quelle: eigene Darstellung.
Bei sicher akuter schwer symptomatischer Hypernatriämie kann fachärztlich ein schnellerer initialer Abfall erforderlich sein. Die Society for Endocrinology nennt speziell bei akuter Hypernatriämie im Rahmen eines zentralen Diabetes insipidus bis zu 5 mmol/l in der ersten Stunde beziehungsweise bis zur Symptombesserung, bei insgesamt höchstens 10 mmol/l/24 h. Diese besondere Konstellation darf nicht auf unbekannte Dauer oder jede Natriumintoxikation übertragen werden. Bei akuter massiver Natriumlast ist ein intensivmedizinisch-nephrologischer Einzelplan nötig. Society for Endocrinology, stationärer zentraler Diabetes insipidus
Wenn Natrium schneller als geplant fällt, werden Wasserzufuhr und Verlustentwicklung sofort überprüft. Ein Überschreiten des gewählten Tempos allein ist kein Automatismus für eine erneute Natriumanhebung durch Salzgabe.
Evidenz einordnen: Neuere große Beobachtungsstudien kommen hinsichtlich Mortalität und Korrekturtempo zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie beweisen weder die universelle Überlegenheit schneller Korrektur noch eine starre biologische Gefahrengrenze bei exakt 0,5 mmol/l/h. Deshalb werden Dauer, Ursache, Symptome und Messverlauf gemeinsam beurteilt. Feigin et al. 2023, Chacon-Palma et al. 2025

Abbildung: Die schnellere Initialsenkung ist an sicher akute schwer symptomatische Hypernatriämie bei zentralem Diabetes insipidus gebunden. Der Messverlauf steuert jede weitere Infusionsrate. Quelle: eigene Darstellung.
Defizit schätzen, Verlauf messen
Eine Schätzung des freien Wasserdefizits hilft bei der Größenordnung:
Wasserdefizit in l ≈ Gesamtkörperwasser in l × (gemessenes Natrium / 140 − 1).
Das Gesamtkörperwasser wird häufig mit Körpergewicht × Faktor geschätzt. Grobe Faktoren sind etwa 0,6 bei jüngeren Männern und 0,5 bei Frauen; bei älteren, adipösen oder deutlich dehydrierten Personen eher niedriger, beispielsweise 0,5 beziehungsweise 0,45. Körperzusammensetzung und Erkrankung machen die Schätzung ungenau. Die Formel setzt außerdem voraus, dass sich der austauschbare Elektrolytbestand nicht wesentlich verändert.
Ausgearbeitetes Beispiel: Eine ältere, 60 kg schwere Frau hat Natrium 160. Mit Faktor 0,45 ergibt sich Körperwasser 60 × 0,45 = 27 l. Das rechnerische Defizit bis Natrium 140 beträgt 27 × (160/140 − 1) = 3,86 l. Dies ist weder eine Bolusmenge noch die Menge für den ersten Tag. Ein beispielhaftes Zwischenziel 152 ergibt 27 × (160/152 − 1) = 1,42 l zusätzliches Wasser bei unverändertem Elektrolytbestand. Laufende renale, gastrointestinale und nicht messbare Verluste sowie sonstige Zufuhr kommen in die Bilanz; der gemessene Natriumverlauf korrigiert die Planung.

Abbildung: Gesamtdefizit und Zwischenziel sind Rechengrößen. Laufende Verluste, weitere Zufuhr und veränderte Diurese müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Quelle: eigene Darstellung.
Die drei Rechenschritte trennen Körperwasser, Gesamtdefizit und Zwischenziel.
| Rechenschritt | Ergebnis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 60 kg × 0,45 | 27 l | Geschätztes Körperwasser |
| 27 × (160/140 − 1) | 3,86 l | Defizit bis 140; keine Tagesmenge |
| 27 × (160/152 − 1) | 1,42 l | Zusätzliches Wasser bis Zwischenziel 152 |
Ausgearbeitetes Beispiel zur Ursache: Natrium 158, Urinmenge 6 l/Tag und U-Osm 90 nach Hypophysenoperation passen zu fehlender ADH-Wirkung. Ein Desmopressin-Ersatz reduziert den renalen Wasserverlust. Nach Wirkungseintritt kann dieselbe zuvor nötige Wasserinfusion plötzlich zu viel sein. Deshalb werden Medikamentenwirkung, Diurese und Infusion zusammen angepasst; isolierte Wiederholungsdosen ohne Verlaufskontrolle sind unsicher.

Abbildung: Die Übergabe verbindet den vorhandenen Desmopressinplan mit Wasserzufuhr und Verlaufsdaten; vergessene Gaben und unverändert fortlaufende Infusionen bergen unterschiedliche Risiken. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Mit dem Wirkungseintritt von Desmopressin wird aus einem nötigen Wasserersatz ein Überschuss, wenn die Infusion nicht angepasst wird. Quelle: eigene Darstellung.
Eine zweite Abschätzung zeigt, wie stark 1 Liter eines Infusats das Serum-Natrium verändert (Adrogué-Madias-Formel): ΔNa ≈ (Infusat-Na − Serum-Na) / (Körperwasser + 1). Im Beispiel mit Natrium 160 und 27 l Körperwasser senkt 1 l Glukose 5 % das Natrium um etwa 5,7 mmol/l, 1 l NaCl 0,45 % um etwa 3,0 mmol/l, eine Vollelektrolytlösung kaum. Für das Zwischenziel 152 wären rund 1,4 l Glukose 5 % nötig – passend zur Defizitrechnung. Auch diese Formel enthält keine laufenden Verluste und ersetzt keine Natriumkontrolle.

Abbildung: Je weniger Natrium das Infusat enthält, desto stärker senkt jeder Liter das Serum-Natrium. Rechnung und Defizitformel liefern dieselbe Größenordnung. Quelle: eigene Darstellung.
Freie Antwort
Eine Teilrechnung übernehmen
Aufgabe: Ein älterer Mann mit 70 kg hat Natrium 154. Verwende für dieses Beispiel Faktor 0,5. Berechne das Wasserdefizit bis 140 und erläutere, warum du das Ergebnis nicht unverändert als Tagesinfusion verordnest.
Die Tabelle enthält die vorgegebenen Rechengrößen.
| Größe | Vorgabe |
|---|---|
| Person / Körpergewicht | Älterer Mann; 70 kg |
| Serum-Natrium | 154 mmol/l |
| Faktor für dieses Beispiel | 0,5 |
| Rechnerischer Endpunkt | 140 mmol/l |
Multiple Choice
Die passende erste Maßnahme
Aufgabe: Eine pflegeabhängige Person hat nach mehreren Tagen Diarrhö Natrium 163, Blutdruck 78/45 mmHg, Tachykardie und kalte Extremitäten. Welche Priorität ist am besten begründet?
Die Ausgangsbefunde stehen hier ohne Einordnung nebeneinander.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Kontext | Pflegeabhängig; mehrere Tage Diarrhö |
| Serum-Natrium | 163 mmol/l |
| Blutdruck | 78/45 mmHg |
| Weitere Befunde | Tachykardie; kalte Extremitäten |

Abbildung: Prüfung der Rekapillarisierungszeit am Übungsmodell: kurzer Druck auf das Nagelbett, danach wird beobachtet, wie schnell die Farbe zurückkehrt. Quelle: Glynda Rees Doyle, Jodie Anita McCutcheon (Clinical Procedures for Safer Patient Care, BCcampus), Wikimedia Commons, [CC BY 4.0], [Originaldatei]; rechter Bildrand mit Herstellerschriftzug abgeschnitten, in WebP umgewandelt.
- a)Sofort das gesamte errechnete Wasserdefizit als Glukose 5 % infundieren.
- b)Zunächst den Kreislauf mit isotonem Kristalloid stabilisieren und den kontrollierten Wasserersatz anschließen.
- c)Jegliche Flüssigkeit zurückhalten, bis die Ursache vollständig geklärt ist.
Freie Antwort
Das Urinmuster erklären
Aufgabe: Eine Person mit Lithiumtherapie hat Natrium 151, Urinmenge 5 l/Tag und U-Osm 140. Eine zweite Person mit fieberhafter Erkrankung hat dasselbe Natrium, 700 ml Urin/Tag und U-Osm 890. Ordne beide Muster ein und nenne jeweils die nächste Ursachenfrage.
Die Tabelle stellt die beiden vorgegebenen Urinbefunde gegenüber.
| Angabe | Person 1 | Person 2 |
|---|---|---|
| Kontext | Lithiumtherapie | Fieberhafte Erkrankung |
| Serum-Natrium | 151 mmol/l | 151 mmol/l |
| Urinmenge pro Tag | 5 l | 700 ml |
| U-Osm | 140 mOsm/kg | 890 mOsm/kg |

Abbildung: Zwei Urinproben unterschiedlicher Färbung. Die Farbe ist nur ein grober Hinweis; entscheidend bleiben gemessene U-Osm und Urinmenge. Quelle: Lehmann R. (Anal Bioanal Chem 2021;413:5567–5585), Wikimedia Commons, [CC BY 4.0], [Originaldatei]; auf zwei Röhrchen zugeschnitten, in WebP umgewandelt.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Akut oder zeitlich unklar?
Aufgabe: Vergleiche zwei schwer symptomatische Patienten mit Natrium 159. Bei Person A ist nach Hypophysenoperation ein akuter zentraler Diabetes insipidus dokumentiert; Natrium betrug vor zwölf Stunden 140. Bei Person B fehlen Vorwerte und eine sichere Entstehungszeit. Welche Konsequenz hat dieser Unterschied für den initialen Korrekturrahmen?
Die gleiche aktuelle Natriumkonzentration trifft auf unterschiedliche Vorinformationen.
| Angabe | Person A | Person B |
|---|---|---|
| Aktuelles Natrium | 159 mmol/l | 159 mmol/l |
| Symptome | Schwer symptomatisch | Schwer symptomatisch |
| Vorgeschichte | Hypophysenoperation; akuter zentraler Diabetes insipidus dokumentiert | Keine sichere Entstehungszeit |
| Vorwert | 140 mmol/l vor 12 h | Keine Vorwerte |

Abbildung: Beispiel eines großen Hypophysenmakroadenoms (nicht Person A) – eine typische Ausgangslage vor einer Hypophysenoperation. Quelle: Philippe Chanson, Sylvie Salenave (Orphanet J Rare Dis 2008;3:17), Wikimedia Commons, [CC BY 2.0], [Originaldatei]; auf die Sellaregion zugeschnitten, Bildbeschriftung entfernt, vergrößert, in WebP umgewandelt.
In der App sprechen üben →Neurologischer Notfall
Lernziel: Du kannst eine symptomatische Hyponatriämie sicher initial behandeln.
Symptome entscheiden über Dringlichkeit
Bei rasch fallender Tonizität gelangt Wasser in Gehirnzellen. Eine chronische Anpassung durch Verlust intrazellulärer Osmole vermindert zunächst die Schwellung, erhöht aber die Empfindlichkeit gegenüber einem späteren schnellen Tonizitätsanstieg. Daraus ergeben sich zwei unterschiedliche Gefahren: das akute Hirnödem und die osmotische Schädigung durch zu schnelle Korrektur.

Abbildung: Dieselbe Zellanpassung, die vor dem Hirnödem schützt, macht anfällig für einen zu raschen Natriumanstieg. Quelle: eigene Darstellung.
Im CT kann sich ein Hirnödem durch verstrichene Hirnfurchen und enge Liquorräume zeigen. Ein unauffälliges CT schließt eine symptomatische Hyponatriämie nicht aus und ist keine Voraussetzung für den Therapiebeginn; die Bildgebung dient vor allem der Suche nach anderen Ursachen.

Abbildung: Akute Hyponatriämie (Natrium 105 mmol/l) nach großer Wasseraufnahme bei einem 51-jährigen Patienten mit Krampfanfall. Links bei Aufnahme sind die Hirnfurchen verstrichen (Pfeile) – diffuses Hirnödem. Rechts nach Behandlung sind die Furchen wieder sichtbar. Obere Reihe: hohe Schicht; untere Reihe: Höhe der Seitenventrikel. Quelle: Yoshiike Y, Sakamoto S, Ito C, Takahashi I. Acute Symptomatic Hyponatremia With Reversible Diffuse Brain Edema on CT. Cureus 2025;17:e97960, Abb. 1 und 2 (Ausschnitte); CC BY 4.0.
| Symptomkonstellation | Konsequenz bei passender Hyponatriämie |
|---|---|
| Krampfanfall, Koma, ausgeprägte Somnolenz, kardiorespiratorische Not | Sofortige Notfallversorgung und überwachte hypertone Salztherapie |
| Neue Verwirrtheit, Kopfschmerz, Übelkeit ohne Erbrechen | Dringliche klinische Beurteilung; bei plausibler Zuordnung ebenfalls initiale Bolustherapie erwägen |
| Keine oder nur unspezifische chronische Beschwerden | Ursache, Verlauf und sichere langsame Korrektur planen |
Erbrechen kann Ausdruck schwerer Symptomatik sein, ist aber auch eine mögliche Ursache der Störung. Neurologische Symptome sind nicht spezifisch. Hypoglykämie, Schlaganfall, Intoxikation, Infektion und epileptische Erkrankung bleiben je nach Befund Alternativen. Ein mäßig erniedrigtes Natrium erklärt nicht automatisch jedes Koma.
Die wichtigsten Alternativen lassen sich parallel zur Notfallversorgung rasch prüfen.
| Alternative | Hinweis | Erste Prüfung |
|---|---|---|
| Hypoglykämie | Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, Diabetes | Glukose sofort |
| Schlaganfall, Blutung | Fokale Defizite, plötzlicher Beginn | Notfall-Bildgebung nach Stroke-Pfad |
| Intoxikation | Medikamente, Alkohol, Drogen, Pupillen | Fremdanamnese, Spiegel, Toxikologie |
| ZNS-Infektion, Sepsis | Fieber, Meningismus | Infektlabor, Kulturen; Liquor nach Bildgebung |
| Epileptische Erkrankung | Bekannte Epilepsie, postiktaler Zustand | Anamnese, Antiepileptika-Spiegel |
Sichere Atemweg, Atmung und Kreislauf; rufe ein erfahrenes Notfall-/Intensivteam. Krampfanfallbehandlung nach lokalem Notfallstandard läuft parallel zur Beseitigung der osmotischen Ursache. Miss Natrium und Glukose sofort, entnimm weitere Proben möglichst zeitnah und lege den Überwachungsort fest. Warte bei schweren, plausibel hyponatriämiebedingten Symptomen nicht auf das vollständige Urin- oder Hormonprofil.

Abbildung: Die Befunde lenken die parallele Suche nach anderen Ursachen; ein mäßig erniedrigtes Natrium erklärt nicht jedes Koma. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Symptomkonstellation bestimmt die Dringlichkeit; die vollständige Ursachenabklärung darf die Notfallversorgung nicht verzögern. Quelle: eigene Darstellung.
Ein definiertes Bolusschema
Für dieses Kapitel verwenden wir das gewichtsgestützte Schema des ÖGN-Konsensus 2024. Es gilt für erwachsene Patientinnen und Patienten im überwachten klinischen Umfeld. Verschiedene Leitlinien enthalten andere Bolusvolumina; innerhalb einer Behandlung müssen Team und Dokumentation ein einheitliches Schema verwenden.
| Schritt | Konkrete Durchführung |
|---|---|
| Initialer Bolus | NaCl 3 %, 2 ml/kg, höchstens 150 ml, i.v. über 10 Minuten |
| Unmittelbare Kontrolle | Symptome und Natrium 10–20 Minuten nach Ende des Bolus beurteilen |
| Wiederholung bei weiterhin schwerer Symptomatik | Nach jeder Kontrolle entscheiden; insgesamt höchstens drei Bolusgaben im initialen Schema |
Bei unbekanntem, nicht seriös schätzbarem Gewicht nennt der Konsensus 100 ml als Alternative. Eine ausreichend überwachte periphere Vene kann verwendet werden; auf einen zentralen Zugang muss nicht gewartet werden. Verwende eine eindeutig beschriftete, korrekt konzentrierte Lösung, zuverlässige Infusionstechnik und eine Gegenkontrolle von Konzentration, Volumen und Rate. Eigenmächtige Verdünnungen aus hochkonzentrierten Ampullen erhöhen das Fehlerrisiko. Der Konsensus empfiehlt deshalb, NaCl 3 % im Krankenhaus vorgefertigt in geeigneten Gebinden, etwa zu 150 ml, bereitzuhalten.

Abbildung: Die Pumpenrate gilt nur für die zehn Bolusminuten; danach entscheidet die Kontrolle über das weitere Vorgehen. Quelle: eigene Darstellung.
Das kurzfristige Ziel ist Symptombesserung bei einem Anstieg um etwa 4–6 mmol/l, bei schwerer Symptomatik möglichst innerhalb der ersten Stunde. Es geht nicht um sofortige Normalisierung. Wenn die Beschwerden deutlich gebessert sind und der initiale Anstieg erreicht ist, beendest du die rasche hypertone Korrektur und führst die kontrollierte Ursachenbehandlung weiter. Bei fehlender Besserung trotz eines Anstiegs bis etwa 6 mmol/l werden alternative Ursachen dringend gesucht; weitere Natriumanhebung ist keine automatische Antwort. Ein fortgesetzter schwerer Notfall nach dem initialen Schema erfordert individuelle intensivmedizinische Steuerung.
Ausgearbeitetes Beispiel: Bei 60 kg sind 2 × 60 = 120 ml NaCl 3 % über 10 Minuten vorgesehen. Die Pumpenrate für genau diese zehn Minuten entspricht 120 × 6 = 720 ml/h. Diese Einstellung wird nicht eine ganze Stunde weitergeführt. Bei 90 kg ergäbe die Gewichtsrechnung 180 ml; der Maximalbolus beträgt trotzdem 150 ml.

Abbildung: Jede Wiederholung folgt einer neuen Kontrolle; das frühe Ziel ist Symptombesserung, keine Normalisierung. Quelle: eigene Darstellung.
Die Beispiele zeigen die Berechnung, die Begrenzung des Einzelbolus und die Alternative bei unbekanntem Gewicht.
| Gewicht | Berechnung und Bolus | Gabe |
|---|---|---|
| 60 kg | 2 × 60 = 120 ml NaCl 3 % | 10 min; dafür 720 ml/h |
| 90 kg | 2 × 90 = 180 ml; begrenzt auf 150 ml NaCl 3 % | 10 min; dafür 900 ml/h |
| Nicht seriös schätzbar | 100 ml NaCl 3 % | 10 min; dafür 600 ml/h |
Ziel ist keine Obergrenze
Bei chronischer oder zeitlich unklarer Hyponatriämie wird der gesamte gemessene Anstieg gezählt: Bolus, weitere Infusionen, Kaliumersatz und spontane Wasserdiurese. Eine neue Schicht oder Mitternacht setzt diese Rechnung nicht zurück.

Abbildung: Bei hohem ODS-Risiko kann schon das frühe Notfallziel die individuelle Tagesgrenze ausschöpfen. Quelle: eigene Darstellung.
| Korrekturrahmen | Bedeutung |
|---|---|
| Frühes Notfallziel | Ungefähr +4–6 mmol/l zur Symptombesserung, keine Normalisierung |
| Chronisch/unklar, übliches Risiko | Insgesamt höchstens +8 mmol/l in jedem 24-h-Zeitraum, entsprechend höchstens +16 in 48 h |
| Hohes ODS-Risiko | Niedrigere individuelle Grenze von +4–6 mmol/l pro 24 h erwägen; früh Fachteam beteiligen |
ODS steht für osmotisches Demyelinisierungssyndrom. Besonders gefährdet sind Menschen mit sehr niedrigem Ausgangsnatrium, vor allem ≤105, Mangelernährung, Alkoholgebrauchsstörung, Hypokaliämie oder fortgeschrittener Lebererkrankung. Man plant Abstand zur Obergrenze ein, weil Laborstreuung und unvorhergesehene Diurese keine millimetergenaue Steuerung erlauben. Ein Maximalwert ist kein anzustrebendes Tagesziel.

Abbildung: Fiktiver Verlauf bei chronischer/unklarer Hyponatriämie ohne zusätzliches hohes ODS-Risiko. Die frühe Anhebung zählt vollständig zum Tagesanstieg. Die gestrichelte Grenze bei 122 ist ein Limit für dieses Ausgangsnatrium, kein Ziel. Die Linie zwischen Messpunkten ist eine Illustration; echte Verläufe müssen gemessen werden. Quelle: eigene Darstellung.
Bei zweifelsfrei akuter Hyponatriämie unterscheiden sich Korrekturregeln und ODS-Risiko. Häufig ist die Dauer aber nicht bewiesen. Eine erst seit heute bemerkte Verwirrtheit macht die Störung nicht automatisch akut. Ohne gesicherten Verlauf verwendest du die konservativen chronischen Grenzen und holst bei Konflikt zwischen fortbestehendem Notfall und Korrekturlimit sofort fachliche Hilfe.

Abbildung: Ohne Beleg für eine Dauer unter 48 Stunden gelten die chronischen Grenzen; die Notfalltherapie wird dadurch nicht verzögert. Quelle: eigene Darstellung.
Das hier gewählte Tageslimit ist konservativer als die ältere europäische Empfehlung von 10 mmol/l in den ersten 24 Stunden und 8 pro folgenden 24 Stunden. Das Team soll diese Schemata nicht unbemerkt mischen. ÖGN-Konsensus 2024, Akuttherapie und Korrekturraten; Europäische Leitlinie 2014

Abbildung: Links steht das hier verwendete ÖGN-Vorgehen, rechts die europäische Leitlinie 2014; die Angaben eines Weges gehören zusammen. Quelle: eigene Darstellung.
Zum Vergleich: So unterscheiden sich das hier gelehrte Schema und die europäische Leitlinie.
| Element | ÖGN-Konsensus 2024 (dieses Kapitel) | Europäische Leitlinie 2014 |
|---|---|---|
| Bolus | 2 ml/kg NaCl 3 %, max. 150 ml, über 10 min | 150 ml NaCl 3 % über 20 min |
| Kontrolle | Na und Klinik 10–20 min nach Bolusende | Na nach 20 min; währenddessen weitere 150 ml |
| Wiederholung | Bei Anstieg < 4–6 oder ohne Besserung; insgesamt höchstens 3 Gaben | Bis +5 mmol/l erreicht sind |
| Frühes Ziel | +4–6 mmol/l, bei schwerer Symptomatik möglichst in 1 h | +5 mmol/l in der ersten Stunde |
| Grenze chronisch | Max. +8 in jedem 24-h-Zeitraum; hohes Risiko +4–6 | Max. +10 in den ersten 24 h, danach +8 je 24 h |
Freie Antwort
Den ersten Bolus berechnen
Aufgabe: Eine 55-kg-Patientin hat Natrium 113, normale Glukose und einen generalisierten Krampfanfall. Nach Atemwegssicherung soll das gelehrte Bolusschema eingesetzt werden. Berechne Volumen und Gabezeit. Nenne das kurzfristige Ziel und den Zeitpunkt der ersten Kontrolle.
Die Ausgangsdaten stehen in der Tabelle.
| Angabe | Befund |
|---|---|
| Gewicht | 55 kg |
| Natrium | 113 mmol/l |
| Glukose | Normal |
| Klinik | Generalisierter Krampfanfall |
| Bereits erfolgt | Atemwegssicherung |

Abbildung: Spritzenpumpen auf einer Intensivstation: Sie geben ein eingestelltes Volumen über eine festgelegte Zeit ab. Quelle: Stefan Bellini, Wikimedia Commons, [CC0 1.0], [Originaldatei]; zugeschnitten, verkleinert, in WebP umgewandelt.
In der App sprechen üben →Multiple Choice
Nach Besserung umsteuern
Aufgabe: Nach initialer Therapie steigt Natrium von 114 auf 119; der Krampfanfall ist beendet, die Patientin wird wacher. Die Dauer der Hyponatriämie ist unbekannt. Welcher Plan passt am besten?
Die Tabelle zeigt den bisherigen Verlauf.
| Zeitpunkt / Angabe | Beobachtung |
|---|---|
| Vor initialer Therapie | Na 114 mmol/l |
| Nach initialer Therapie | Na 119 mmol/l |
| Klinik | Krampfanfall beendet; Patientin wird wacher |
| Dauer der Hyponatriämie | Unbekannt |
- a)Weitere schnelle Bolusgaben bis Natrium mindestens 130 erreicht.
- b)Den frühen Anstieg aus der 24-Stunden-Bilanz streichen.
- c)Rasche hypertone Korrektur beenden, Ursache behandeln und den Gesamtanstieg eng kontrollieren.
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Obergrenze berechnen
Aufgabe: Bei chronischer Hyponatriämie ohne zusätzliches hohes ODS-Risiko steigt Natrium in acht Stunden von 116 auf 122. Berechne den bisherigen Anstieg und den theoretischen Abstand zum gewählten 24-h-Limit. Was ändert sich bei zusätzlicher Mangelernährung und schwerer Hypokaliämie?
Die Tabelle trennt den Ausgangsfall von der zusätzlich erfragten Konstellation.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Dauer | Chronisch |
| Ausgangs-Natrium | 116 mmol/l |
| Nach 8 Stunden | 122 mmol/l |
| Ausgangsfall | Kein zusätzliches hohes ODS-Risiko |
| Zusätzlich erfragte Konstellation | Mangelernährung und schwere Hypokaliämie |
Verlauf und Überkorrektur
Lernziel: Du kannst Überkorrektur erkennen, gegensteuern und den Verlauf übergeben.
Warum Natrium plötzlich steigt
Überkorrektur entsteht häufig, weil die Niere plötzlich viel elektrolytarmes Wasser verliert. Nach Behandlung eines Volumenmangels, Glukokortikoidgabe bei Cortisolmangel, Ende von Übelkeit oder Absetzen eines auslösenden Medikaments fällt der ADH-Reiz weg. Auch die Wiederaufnahme ausreichender Ernährung bei geringer Osmolzufuhr kann die Wasserausscheidung ändern. Eine rechnerisch moderate Infusion schützt davor nicht.

Abbildung: Der gefährliche Antrieb kann von der Infusionspumpe zur Niere wechseln. Deshalb sind Urinmenge und Natriumverlauf gleichwertige Warnsignale. Quelle: eigene Darstellung.
Kaliumersatz ist bei Hypokaliämie notwendig, kann aber zusätzlich die Natriumkonzentration erhöhen. Er gehört in dieselbe Korrekturplanung. Bei relevanter Hypokaliämie außerdem EKG, Nierenfunktion und die kaliumspezifischen Substitutionsregeln beachten; eine lebenswichtige Behandlung wird nicht einfach weggelassen.
Wer zu einem raschen, ungeplanten Anstieg neigt, lässt sich oft schon bei Aufnahme erkennen (ÖGN-Konsensus 2024, Tab. 5).

Abbildung: Aufnahmebefunde zeigen, welche Ursachenbehandlung einen raschen ungeplanten Natriumanstieg begünstigen kann. Quelle: eigene Darstellung.
| Hinweis bei Aufnahme | Warum Natrium schneller steigen kann |
|---|---|
| Hypovolämie, U-Na < 30 mmol/l | Volumenersatz beendet den ADH-Reiz |
| Thiazid, Cortisolmangel | Absetzen bzw. Glukokortikoid stellt die Wasserausscheidung wieder her |
| Erbrechen, Übelkeit | Mit dem Auslöser endet der ADH-Reiz |
| Polydipsie, geringe Osmolzufuhr, U-Osm < 150 mOsm/kg | Die Niere verdünnt bereits; weniger Trinkmenge oder mehr Osmole steigern die Wasserausscheidung rasch |
| Hypokaliämie < 3 mmol/l | Kaliumersatz hebt Natrium zusätzlich |
| Ausgangs-Na < 110 mmol/l | Großer Korrekturbedarf; zugleich höheres ODS-Risiko |
Diese Angaben gehören in jede Korrekturdokumentation.
| Zu dokumentieren | Wozu? |
|---|---|
| Natrium mit Uhrzeit, Ausgangs-/Tiefstwert, Messmethode | Gesamten Anstieg über 24 und 48 Stunden erkennen |
| Urinmenge, Trinkmenge, alle Infusionen und Kaliumgaben | Neue Wasserdiurese und versteckte Zufuhr erfassen |
| Neurologie, Kreislauf, Gewicht, Glukose, Kalium, Nierenfunktion | Wirkung, Nebenwirkungen und Alternativdiagnosen erkennen |
Ein Monitoringplan braucht Auslöser
| Behandlungssituation | Praktischer Kontrollrahmen |
|---|---|
| Hypertoner Bolus | Klinik und Na 10–20 Minuten nach jedem Bolus |
| Aktive chronische Korrektur oder erhöhtes Risiko | Anfangs Na etwa alle 2–4 Stunden; Bilanz und Neurologie parallel |
| Plötzliche starke Diurese oder drohende Überschreitung | Na-Kontrollen verkürzen, oft auf 1–2 Stunden; sofort Therapie prüfen |
| Stabile Entwicklung nach Ursachenbehandlung | Intervalle schrittweise auf 6 Stunden, später individuell verlängern |
Eine neu einsetzende Urinmenge über etwa 100 ml/h kann bei Hyponatriämiebehandlung bereits ein Warnsignal sein; bei größeren Menschen und hoher bisheriger Zufuhr zählt besonders der deutliche Anstieg zum vorherigen Verlauf. Mehrere hundert Milliliter sehr verdünnten Urins pro Stunde sind besonders verdächtig. Eine scheinbar gute klinische Besserung ersetzt die Laborüberwachung nicht.
Die europäische Leitlinie nennt einen plötzlichen Anstieg der Urinmenge auf über 100 ml/h ausdrücklich als Signal für einen zu raschen Natriumanstieg. Der ÖGN-Konsensus spricht ab mehr als 1,5 ml/kg/h von Polyurie, bei 60 kg also ab etwa 90 ml/h. Europäische Leitlinie 2014; ÖGN-Konsensus 2024
Ausgearbeitetes Beispiel: Bei Ausgangsnatrium 112 steigt der Wert nach sechs Stunden auf 116. Ab dann werden 450 ml Urin pro Stunde ausgeschieden. Eine lineare Hochrechnung aus den ersten sechs Stunden wäre irreführend: Der Mechanismus hat sich geändert. Jetzt prüfst du sofort Diurese, Flüssigkeitsplan und nächsten Natriumwert, statt die ursprünglich geplante Infusion unverändert fortzusetzen.

Abbildung: Ab dem Diurese-Umschlag gilt die bisherige Steigung nicht mehr. Der gestrichelte Pfeil zeigt die Gefahr, keinen gemessenen Wert. Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Eine neue starke Diurese verändert den Kontrollplan sofort, auch wenn sich die Patientin oder der Patient besser fühlt. Quelle: eigene Darstellung.
Bei Überkorrektur handeln
Ist die individuelle Grenze überschritten oder steht ein weiterer rascher Anstieg bevor, brauchst du sofort ein erfahrenes intensivmedizinisches/nephrologisches Team. Natriumanhebende Maßnahmen werden angehalten beziehungsweise nach vitaler Notwendigkeit neu abgestimmt, alle Quellen und Wasserverluste bilanziert und die Messung zeitnah geprüft. Warte nicht bis zum Auftreten neurologischer Schäden. Bei Hochrisikopersonen kann eine kontrollierte erneute Absenkung besonders wichtig sein. Der ÖGN-Konsensus spricht von Überkorrektur bei einem Anstieg um mehr als 8 mmol/l in 24 Stunden, bei ODS-Risikofaktoren bereits um mehr als 6 mmol/l.
Ein spezialisiertes Rettungsschema kombiniert das Bremsen der Wasserdiurese mit dem Ersatz elektrolytfreien Wassers. Als Beispiel nennt der ÖGN-Konsensus bei Polyurie Desmopressin 2 µg i.v., je nach Verlauf erneut nach 6–8 Stunden, zusammen mit Glukose 5 % zunächst ungefähr 2 ml/kg/h. Wasserzufuhr wird anschließend anhand Diurese, Natrium und Volumenstatus gesteuert. Desmopressin allein stoppt vor allem weiteren Verlust; zum gezielten Senken muss Wasser hinzukommen. Bei 60 kg entsprechen 2 ml/kg/h 120 ml/h. Natrium wird bei dieser Rettungstherapie etwa alle 1–2 Stunden kontrolliert, dazu Glukose, Neurologie und strikte Flüssigkeitsbilanz. Ziel ist eine Rückkehr in den individuell sicheren Korrekturbereich, nicht automatisch zum Ausgangsnatrium. Bei Mangelernährung oder Alkoholgebrauchsstörung wird parallel zur Glukosegabe i.v. Thiamin ergänzt, um einem Vitamin-B1-Mangel mit Wernicke-Enzephalopathie entgegenzuwirken. Der ÖGN-Konsensus nennt mindestens 100 mg i.v. täglich; bei klinischem Wernicke-Verdacht ist ein eigenes höher dosiertes Behandlungsschema erforderlich.
Ohne Polyurie nennt der ÖGN-Konsensus Glukose 5 % allein: Start mit etwa 5 ml/kg/h, höchstens rund 500 ml/h, weil höhere Raten über eine Glukosurie selbst eine osmotische Diurese auslösen können. Etwa 3 ml/kg senken Natrium um ungefähr 1 mmol/l; meist sind insgesamt etwa 10 ml/kg nötig, bei 60 kg also rund 600 ml.
Die Zahlen der Schemata im Vergleich; im Kapitel gilt das ÖGN-Schema, die Schemata werden nicht unbemerkt gemischt.
| Schema | Glukose 5 % | Desmopressin |
|---|---|---|
| ÖGN, ohne Polyurie | Start 5 ml/kg/h (≤ ca. 500 ml/h), gesamt ≈ 10 ml/kg | – |
| ÖGN, Polyurie > 1,5 ml/kg/h | Start ca. 2 ml/kg/h | 2 µg i.v., je nach Na nach 6–8 h erneut |
| Europäische Leitlinie 2014 | 10 ml/kg über 1 h | 2 µg i.v., frühestens nach 8 h erneut |

Abbildung: Ohne Polyurie genügt meist Glukose 5 % allein; bei Polyurie bremst Desmopressin den Wasserverlust, und Glukose 5 % senkt Natrium gezielt. Quelle: eigene Darstellung.
Anwendungsgrenze: Desmopressin zur Begrenzung einer Hyponatriämie-Überkorrektur ist eine fachärztlich verantwortete Off-label-Anwendung. Die reguläre Produktinformation nennt unter anderem bestehende Hyponatriämie/SIAD und eingeschränkte Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min als Gegenanzeigen. Diese besondere Rettungssituation darf daher nicht zu einer routinemäßigen Selbstanwendung bei SIAD verallgemeinert werden. Wasserretention, erneute Hyponatriämie und Volumenüberlastung sind relevante Risiken. Solange die V2-Blockade durch Tolvaptan anhält, ist auf Desmopressin keine verlässliche Wirkung zu erwarten. Das Fachteam steuert dann insbesondere den Ersatz elektrolytfreien Wassers mit Glukose 5 % und den Ausgleich fortbestehender Verluste. ÖGN-Konsensus, Überkorrektur; MINIRIN Fachinformation, Mai 2026

Abbildung: Die Rettungsanwendung rechtfertigt keine Routinegabe bei SIAD; Polyurie und anhaltende Tolvaptanwirkung bestimmen den Weg zur überwachten Behandlung. Quelle: eigene Darstellung.
Eine vorsorgliche Desmopressin-„Clamp“-Strategie soll ADH-Wirkung kontrolliert konstant halten, während Natrium unter enger Überwachung angehoben wird. Voraussetzung sind gleichzeitig ein hohes Risiko rascher Autokorrektur und ein hohes ODS-Risiko. Bei persistierendem SIAD, Polydipsie oder Hypervolämie ist dieser proaktive Ansatz ungeeignet; er ist kein allgemeiner Stationsstandard. Der ÖGN-Konsensus beschreibt dafür Desmopressin 2 µg i.v. alle 6–8 Stunden zusammen mit kontrolliert dosiertem NaCl 3 %, möglichst auf einer Überwachungsstation.

Abbildung: Reaktiv begrenzt Desmopressin eine eingetretene Überkorrektur; proaktiv („Clamp“) ist es eine geplante Ausnahme für wenige Hochrisikosituationen. Quelle: eigene Darstellung.
Osmotische Schädigung erkennen
Nach chronischer Hyponatriämie haben Gehirnzellen Osmole abgegeben. Steigt die äußere Tonizität zu rasch, verlieren sie Wasser, bevor sie ihre Osmole ausreichend zurückgewinnen können. Es kann zur pontinen oder extrapontinen Demyelinisierung kommen. Ein ODS kann erst Tage nach anfänglicher Besserung auffallen, etwa durch Dysarthrie, Dysphagie, Bewegungsstörungen, Paresen oder erneute Bewusstseinsstörung. Nach dem ÖGN-Konsensus treten die Symptome meist zwischen 1 und 14 Tagen nach dem auslösenden Anstieg auf.

Abbildung: Die Anpassung an chronisch niedriges Natrium macht die Zelle verletzlich, wenn die äußere Tonizität schneller steigt, als sie Osmole zurückgewinnen kann. Quelle: eigene Darstellung.
Das Risiko ist durch konservative Korrektur reduziert, aber nicht vollständig beseitigt. Bei Verdacht sind sofortige neurologische und intensivmedizinische Beurteilung sowie MRT-Abklärung angezeigt. Ein frühes unauffälliges MRT schließt ODS nicht sicher aus; Läsionen wurden noch bis zu etwa vier Wochen nach Symptombeginn erstmals sichtbar; bei anhaltendem Verdacht kann eine Verlaufskontrolle nötig sein. Dieses Kapitel vermittelt die klinische Verdachtsbildung, keine MRT-Musterdiagnostik. Es gibt keine zuverlässig wirksame spezifische Standardtherapie eines bereits etablierten ODS. Behandlung und Rehabilitation sind interdisziplinär; die Prognose reicht von Erholung bis bleibender schwerer Behinderung.

Abbildung: Schematischer, nicht gemessener Verlauf: Eine anfängliche Besserung schließt ein späteres ODS nicht aus, und ein frühes unauffälliges MRT beendet die Abklärung nicht. Quelle: eigene Darstellung.
| Verschlechterung | Denkweg |
|---|---|
| Während des initialen Notfalls | Hirnödem, unzureichende Behandlung oder andere akute Ursache prüfen |
| Tage nach deutlichem Na-Anstieg | ODS erwägen; Verlauf und Risikofaktoren rekonstruieren |
| Neurologische Symptome ohne passende Natriumdynamik | Andere neurologische/metabolische Ursachen aktiv suchen |

Abbildung: Eine späte Verschlechterung nach anfänglicher Besserung verlangt erneute Beurteilung; ein frühes unauffälliges MRT beendet die ODS-Abklärung nicht sicher. Quelle: eigene Darstellung.
Zur Orientierung zeigen zwei gesicherte Befunde, wo die Demyelinisierung liegen kann; die Beurteilung übernimmt die Neuroradiologie.

Abbildung: Pontine Form – helle (T2-hyperintense) Läsion im Zentrum der Pons (Pfeil). Quelle: MBq, Wikimedia Commons, CC0 1.0; Originaldatei; in WebP umgewandelt.

Abbildung: Extrapontine Form – symmetrische T2-Hyperintensitäten im Putamen (dünner Pfeil), Globus pallidus ausgespart (breiter Pfeil). Quelle: J. Sajith et al., BMC Neurology 2006;6:33, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0; Originaldatei; in WebP umgewandelt.
Erklären und übergeben
Eine gute Patientenerklärung verbindet Ursache, Behandlung und Kontrollgrund in Alltagssprache. Fachwörter wie „hyponatriämisch“ oder „Osmolyte“ ersetzen die Erklärung nicht. Eine Übergabe benennt dagegen die Zahlen mit Zeitbezug, die führende Ursache, bereits erfolgte Maßnahmen, das verbleibende Risiko und den nächsten Kontrollzeitpunkt. Trenne Beobachtetes von Geplantem.
Ausgearbeitetes Beispiel – Patientenerklärung: „In Ihrem Blut ist das Verhältnis zwischen Salz und Wasser verschoben. Wir vermuten, dass Ihr neues Medikament die Wasserausscheidung bremst. Wir überprüfen die Ursache und passen die Behandlung an. Der Wert soll sich kontrolliert verändern; ein zu schneller Anstieg kann das Gehirn schädigen. Deshalb messen wir wiederholt Blutwerte und die Urinmenge. Können Sie mir sagen, warum wir den Wert nicht sofort vollständig normalisieren?“
Ausgearbeitetes Beispiel – Übergabe: „Ich übergebe eine 67-jährige Patientin mit hypotoner Hyponatriämie unklarer Dauer und vermutetem Thiazidbezug. Natrium lag um 08:00 bei 114 und um 12:00 bei 119 mmol/l. Nach initialer hypertoner Therapie ist sie wacher; der bisherige Anstieg beträgt 5 mmol/l. Die rasche Korrektur wurde beendet. Die Urinmenge nimmt zu, deshalb ist die nächste Na-Kontrolle um 14:00 geplant; bei weiterer Zunahme früher. Die individuelle Korrekturgrenze und alle Flüssigkeits-/Kaliumgaben sind im Plan dokumentiert.“
Ausgearbeitetes Beispiel – bedingte Prognose: „Wenn der Auslöser beseitigt werden kann und die Korrektur kontrolliert verläuft, erwarten wir eine Besserung der natriumbedingten Beschwerden. Die Prognose hängt zusätzlich von Ausgangswert, Dauer, Organerkrankung und neurologischem Verlauf ab. Neue Schluck-, Sprech- oder Bewegungsstörungen erfordern sofortige Neubewertung.“ Eine Normalisierung der Zahl garantiert keine Besserung aller Beschwerden und keinen bewiesenen Überlebensvorteil.
Zur Rückfallvermeidung gehören ein verständlicher Medikamentenplan, ein individuell nachvollziehbarer Trinkplan, gegebenenfalls Unterstützung beim Wasserzugang und ein konkreter Kontrolltermin. Nach relevanter Therapieänderung wird der Termin nach Risiko festgelegt, häufig innerhalb weniger Tage; bei schwerem oder instabilem Verlauf bleibt die Überwachung stationär. „Bei Bedarf kontrollieren“ ohne Zuständigkeit oder Termin ist kein ausreichender Plan.

Abbildung: Messwerte und Maßnahmen sind Beobachtungen; der nächste Kontrollzeitpunkt und seine Auslöser gehören ausdrücklich in den Plan. Quelle: eigene Darstellung.
Die Zeitachse trennt bereits gemessene Werte vom nächsten geplanten Kontrollpunkt.
| Zeitpunkt | Messwert / Status | Bedeutung oder nächster Schritt |
|---|---|---|
| 08:00 | Na 114 mmol/l, gemessen | Ausgangswert für den Anstieg |
| 12:00 | Na 119 mmol/l, gemessen | +5 mmol/l; rasche Korrektur beendet |
| 14:00 | Na-Kontrolle geplant | Bei weiterer Diuresezunahme früher |
Multiple Choice
Ein Warnsignal priorisieren
Aufgabe: Nach Volumenersatz steigt die stündliche Urinmenge von 40 auf 500 ml. Natrium hat bereits um 5 mmol/l in sechs Stunden zugenommen. Welche Handlung passt am besten?
Die Tabelle zeigt die beobachtete Veränderung nach Volumenersatz.
| Angabe | Verlauf |
|---|---|
| Urinmenge zuvor | 40 ml/h |
| Urinmenge jetzt | 500 ml/h |
| Natrium in 6 Stunden | Anstieg um 5 mmol/l |
| Bereits erfolgt | Volumenersatz |

Abbildung: Bei liegendem Blasenkatheter wird die Urinmenge an der Skala des Auffangsystems abgelesen und stündlich dokumentiert. Quelle: 26RIJNA2020, Wikimedia Commons, [CC0 1.0], [Originaldatei]; zugeschnitten, verkleinert, in WebP umgewandelt.
- a)Den ursprünglichen Infusionsplan fortsetzen und morgen erneut messen.
- b)Sofort Natrium und Bilanz neu prüfen, natriumanhebende Maßnahmen anpassen und engmaschiger überwachen.
- c)Die Urinmenge ist für die Natriumkorrektur ohne Bedeutung.
Freie Antwort
Überkorrektur erkennen
Aufgabe: Ein mangelernährter Patient mit chronischer Hyponatriämie steigt nach Ursachenbehandlung von 108 auf 118 in zwölf Stunden. Kalium war initial 2,6 mmol/l und wird ersetzt. Die Diurese ist stark angestiegen. Berechne den Natriumanstieg und beschreibe die nächsten Maßnahmen, ohne eine eigenständige unüberwachte Medikamentengabe zu verordnen.
Die Fallangaben sind nach Verlauf und Begleitumständen geordnet.
| Angabe | Daten der Aufgabe |
|---|---|
| Dauer / Ernährung | Chronische Hyponatriämie; mangelernährt |
| Natrium zu Beginn | 108 mmol/l |
| Natrium nach 12 Stunden | 118 mmol/l |
| Kalium zu Beginn | 2,6 mmol/l; wird ersetzt |
| Diurese | Stark angestiegen |
| Bereits erfolgt | Ursachenbehandlung |
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Eine Erklärung vervollständigen
Aufgabe: Eine Patientin sagt: „Wenn mein Salz zu niedrig ist, warum geben Sie mir nicht einfach ganz viel davon?“ Antworte in drei bis vier Sätzen und schließe mit einer Verständnisfrage.
Die Tabelle hält die Patientenfrage und das gewünschte Antwortformat fest.
| Angabe | Vorgabe |
|---|---|
| Patientenfrage | „Wenn mein Salz zu niedrig ist, warum geben Sie mir nicht einfach ganz viel davon?“ |
| Umfang | Drei bis vier Sätze |
| Abschluss | Eine Verständnisfrage |
Freie Antwort
Integrierte Fallentscheidung
Aufgabe: Eine 76-jährige Patientin nimmt Hydrochlorothiazid und isst seit einer Woche kaum. Sie ist neu verwirrt, leicht orthostatisch und ohne Ödeme. Natrium 118, gemessene Osmolalität 251, Glukose 5, Kalium 2,9 mmol/l, U-Osm 430, U-Na 56 mmol/l. Dauer unklar. Strukturiere deine Antwort in vier Teile: Einordnung; gefährliche Alternativen; initialer Behandlungsrahmen; Verlaufskontrolle. Erkläre ausdrücklich, weshalb „SIAD bewiesen“ nicht zutrifft.
Die Ausgangsdaten stehen hier ohne diagnostische Zuordnung.
| Bereich | Befund |
|---|---|
| Person / Medikament | 76 Jahre; Hydrochlorothiazid |
| Nahrungsaufnahme | Seit einer Woche kaum |
| Klinik | Neu verwirrt; leicht orthostatisch; keine Ödeme |
| Natrium / Kalium | 118 / 2,9 mmol/l |
| Gemessene Osmolalität | 251 mOsm/kg |
| Glukose | 5 mmol/l |
| U-Osm / U-Na | 430 mOsm/kg / 56 mmol/l |
| Dauer | Unklar |
Freie Antwort
Befundbericht und Prognose
Aufgabe: Eine 82-jährige, 60 kg schwere Patientin konnte wegen Delir seit drei Tagen kaum trinken. Aufnahme: Natrium 160, U-Osm 880, keine Schockzeichen. Unter kontrolliertem Wasserersatz liegt Natrium nach acht Stunden bei 157; sie ist weiterhin delirant. Formuliere eine kurze ärztliche Übergabe mit Verlauf, führender Ursache, Prognose und nächstem Kontrollplan. Nenne keine nicht belegte Genesung.
Die Tabelle unterscheidet Aufnahmebefunde und gemessenen Verlauf.
| Zeitpunkt / Angabe | Befund |
|---|---|
| Person | 82 Jahre; 60 kg |
| Vor Aufnahme | Wegen Delir seit 3 Tagen kaum getrunken |
| Bei Aufnahme | Na 160 mmol/l; U-Osm 880 mOsm/kg |
| Kreislauf | Keine Schockzeichen |
| Behandlung | Kontrollierter Wasserersatz |
| Nach 8 Stunden | Na 157 mmol/l; weiterhin delirant |
