medeKI
Lernpfade

Akute Nierenschädigung

Lernziel: Du kannst AKI erkennen, Ursachen prüfen und einen priorisierten Plan erstellen.

AKI erkennen und einstufen

Lernziel: Du kannst AKI anhand von Kreatinin, Urinmenge und Zeitfenster einstufen.

Du gehst vom zeitlichen Verlauf zur Ursache und anschließend zu den Entscheidungen, die keinen Aufschub erlauben. Alle Fälle sind fiktiv und beziehen sich auf Erwachsene. Angegebene Sediment- und Sonografiebefunde sind schriftliche Untersuchungsberichte.

Lernweg: AKI erkennen → Ursachen lokalisieren → gezielt untersuchen → intrarenale Muster unterscheiden → Rhabdomyolyse behandeln → Volumen und Medikamente steuern → Komplikationen und Nierenersatz → Verlauf und Übergabe.

Zwei Signale einer akuten Veränderung

AKI bedeutet acute kidney injury, akute Nierenschädigung. Gemeint ist eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion, die auch bei zunächst wenig auffälligen Beschwerden gefährlich sein kann. Ein normal wirkender Einzelwert schließt sie nicht aus: Entscheidend sind Ausgangswert, Veränderung und Zeit.

Zur Einordnung der bekannten Nierenfunktion: Der Glomerulus filtriert; die Tubuli verändern Menge und Zusammensetzung des Filtrats. Die ausgeschiedene Urinmenge ist daher keine direkte GFR-Messung. Kreatinin sammelt sich nach einem abrupten Filtrationsabfall erst allmählich im Blut an. Eine aus Kreatinin berechnete eGFR setzt annähernd stabile Verhältnisse voraus und beschreibt bei rascher Änderung die momentane Funktion nur unzuverlässig. Eine nichtoligurische AKI, also AKI ohne deutlich verminderte Urinmenge, ist möglich. Zur Größenordnung: Normal entstehen täglich etwa 180 l Primärharn, von denen über 99 % tubulär zurückgewonnen werden; ausgeschieden werden nur etwa 1,5 l. Als Oligurie gilt eine Urinmenge unter 500 ml pro Tag, als Anurie unter 100 ml pro Tag. Ein neues Kreatinin-Gleichgewicht stellt sich nach einem Filtrationsabfall erst nach Tagen ein.

Ablauf von der normalen Filtration zu zwei Messwegen: Die Urinmenge hängt auch von den Tubuli ab, mit Oligurie unter 500 ml und Anurie unter 100 ml pro Tag; Kreatinin und eGFR hinken nach. Beide führen zu den drei nötigen Angaben Ausgangswert, Veränderung und Zeit. Unten drei Folgerungen: Erhaltene Diurese, normales Kreatinin und berechnete eGFR geben früh keine Sicherheit.

Abbildung: Die Urinmenge misst nicht die GFR, Kreatinin und eGFR hinken einem plötzlichen Filtrationsabfall hinterher; deshalb zählen Vorwert, Veränderung und Zeitfenster. Quelle: eigene Darstellung.

Für die etablierte KDIGO-Definition reicht eines der folgenden Kriterien:

KriteriumZeitbezug
Kreatininanstieg um mindestens 0,3 mg/dl, entsprechend etwa 26,5 µmol/lInnerhalb von 48 Stunden
Kreatinin mindestens 1,5-mal so hoch wie der AusgangswertAnstieg nachweislich oder vermutlich in den letzten 7 Tagen
Urinausscheidung unter 0,5 ml/kg/hÜber mindestens 6 Stunden

Ein älterer stabiler Vorwert kann den Ausgangszustand stützen. Wenn der Zeitpunkt der Verschlechterung unbekannt ist, muss diese Unsicherheit benannt werden. Ein einzelner hoher Wert ohne Vorwerte datiert weder AKI noch chronische Nierenkrankheit. KDIGO, Definition und Stadien, Kapitel 2.1

Der Ablauf beginnt mit Vorwert und Messzeit. Kreatinin- und Urinkriterien werden getrennt geprüft, Zeit- und Messunsicherheiten kontrolliert und anschließend zur AKI-Einordnung verbunden.

Abbildung: Ein einziges erfülltes Kriterium reicht; erhaltene Diurese und frühe Normalwerte geben keine sichere Entwarnung. Quelle: eigene Darstellung.

Die höhere Stufe zählt

Kreatinin und Urinmenge werden getrennt geprüft. Bei unterschiedlichen Ergebnissen gilt das höhere erreichte Stadium. Die Einteilung beschreibt die Schwere; sie ersetzt nicht die sofortige Beurteilung einer Komplikation.

StadiumKreatininUrinmenge
11,5–1,9-facher Ausgangswert oder Anstieg ≥0,3 mg/dl<0,5 ml/kg/h über 6 bis <12 h
22,0–2,9-facher Ausgangswert<0,5 ml/kg/h über ≥12 h
3≥3-facher Ausgangswert oder Anstieg auf ≥4,0 mg/dl oder Beginn einer Nierenersatztherapie<0,3 ml/kg/h über ≥24 h oder Anurie ≥12 h

Die Tabelle gilt für Erwachsene mit festgestellter AKI. Ein seit Langem stabiles Kreatinin von 4,2 mg/dl ist nicht allein eine AKI Stadium 3. Anurie meint fehlende beziehungsweise nahezu fehlende Ausscheidung; ein plötzlicher Urinstopp wird sofort untersucht. Man wartet nicht zwölf Stunden, um handeln zu dürfen. KDIGO, Tabelle 2

Nach getrennter Einstufung von Kreatinin und Urinmenge werden akute Dynamik und Urinstopp geprüft. Das höhere Ergebnis bestimmt Stadium 1, 2 oder 3.

Abbildung: Die höhere Stufe entscheidet über das Gesamtstadium; ein akuter Urinstopp wird unabhängig vom formalen Zeitkriterium sofort untersucht. Quelle: eigene Darstellung.

AKI auf CKD bedeutet akute Verschlechterung bei vorbestehender chronischer Nierenkrankheit. CKD verlangt eine mindestens drei Monate bestehende relevante Struktur- oder Funktionsstörung. Die breitere Bezeichnung AKD, akute Nierenkrankheit, erfasst Nierenstörungen bis zu drei Monaten einschließlich AKI und anhaltender Störungen danach. Ein sinkendes Kreatinin beweist noch keine vollständige Erholung. Nach dem ADQI-Konsens gilt eine Rückbildung innerhalb von 48 Stunden als rasche Erholung, eine länger bestehende AKI als anhaltend; eine Störung 7 bis 90 Tage nach dem Auslöser entspricht einer AKD. Für CKD genügt zum Beispiel über mehr als drei Monate eine eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² oder eine Albuminurie ab 30 mg/g Kreatinin.

Die Zeitbegriffe unterscheiden akute Veränderung, anhaltende Störung und chronische Vorerkrankung.

BegriffZeit und BedeutungGrenze
AKIAkute Verschlechterung nach Kreatinin- oder UrinkriteriumEin hoher Einzelwert ohne Vorwerte datiert sie nicht
AKDNierenstörungen bis zu drei Monaten; schließt AKI und anhaltende Störungen einSinkendes Kreatinin beweist keine vollständige Erholung
CKDRelevante Struktur- oder Funktionsstörung seit mindestens drei MonatenZusätzliche akute Verschlechterung ist als AKI auf CKD möglich

Zeitachse ab dem auslösenden Ereignis: AKI bis 7 Tage mit Markierung bei 48 Stunden, AKD bis 90 Tage als Oberbegriff einschließlich AKI, danach CKD. Darunter vier Kästen: AKI mit rascher Erholung innerhalb von 48 Stunden oder anhaltender AKI, AKD 7 bis 90 Tage, CKD mit eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² oder Albuminurie ab 30 mg/g Kreatinin, und AKI auf CKD mit dem stabilen CKD-Wert als Ausgangswert.

Abbildung: AKD umfasst alle Nierenstörungen bis 90 Tage einschließlich AKI; erst danach spricht man von CKD. Eine akute Verschlechterung bei bekannter CKD wird als AKI auf CKD gestuft. Die Zeitachse ist nicht maßstäblich. Quelle: eigene Darstellung.

Zeit und Menge gemeinsam lesen

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 70 kg schwere Patientin hat innerhalb von 48 Stunden einen Kreatininanstieg von 0,8 auf 1,3 mg/dl. Über sechs vollständig erfasste Stunden werden 180 ml Urin gemessen.

  1. Absolute Änderung: 1,3 − 0,8 = 0,5 mg/dl; das 48-Stunden-Kriterium ist erfüllt.
  2. Verhältnis: 1,3 ÷ 0,8 = 1,625; kreatininbasiert Stadium 1.
  3. Urinrate: 180 ÷ 70 ÷ 6 = 0,43 ml/kg/h; urinbasiert ebenfalls Stadium 1.
  4. Ergebnis: AKI Stadium 1. Ursache und dringliche Komplikationen sind damit noch ungeklärt.

Rechenweg des Beispiels in zwei Spalten: Kreatinin mit Differenz 0,5 mg/dl und Quotient 1,625 ergibt Stadium 1; Urinrate 180 ÷ 70 ÷ 6 = 0,43 ml/kg/h ergibt ebenfalls Stadium 1. Danach werden Messfehler ausgeschlossen, und das höhere Stadium zählt. Ergebnis: AKI Stadium 1, anschließend Ursache und Komplikationen klären.

Abbildung: Kreatinin und Urinrate werden getrennt gestuft; Messfehler werden vor der Wertung ausgeschlossen, dann zählt das höhere Stadium. Quelle: eigene Darstellung.

Die Rechenregel lautet: Urinrate = Volumen in ml ÷ Gewicht in kg ÷ Stunden. Fehlende Sammelportionen, ein abgeknickter Katheter oder falsche Zeitangaben verfälschen die Interpretation. Es wird nicht von sechs auf 24 Stunden hochgerechnet, um ein längeres Stadienkriterium zu behaupten. Für stündliche Werte ist die grobe Skala eines gewöhnlichen Urinbeutels zu ungenau; dafür dient ein Urimeter mit kleiner Messkammer.

Foto eines flach liegenden Urinbeutels mit gelbem Urin. Die aufgedruckte Skala links ist nur in Schritten von 100 bis 200 ml von 400 bis 2000 ml beschriftet; rechts unten gibt es nur wenige feine Markierungen.

Abbildung: Gewöhnlicher Urinbeutel mit grober, als ungefähr gekennzeichneter Skala. Für stündliche Diureseraten von wenigen Dutzend Millilitern reicht diese Ablesegenauigkeit nicht; dafür wird ein Urimeter mit kleiner Messkammer verwendet. Quelle: 26RIJNA2020, Wikimedia Commons, „Urine bag B.jpg“, CC0 1.0 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urine_bag_B.jpg); zugeschnitten.

Zwei Zeitachsen. Urin in Stunden: unter 0,5 ml/kg/h über 6 bis unter 12 Stunden Stadium 1, über mindestens 12 Stunden Stadium 2, unter 0,3 ml/kg/h über mindestens 24 Stunden oder Anurie über mindestens 12 Stunden Stadium 3. Kreatinin in Tagen: Anstieg um mindestens 0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden oder mindestens 1,5-facher Ausgangswert in 7 Tagen. Danach die Frage, ob das Fenster vollständig gemessen wurde: ja, Stadium ablesen; nein, nicht hochrechnen und weiter stündlich messen.

Abbildung: Jedes Kriterium hat sein eigenes Zeitfenster. Die Diurese kann früh sinken, Kreatinin steigt verzögert; ein unvollständig gemessenes Fenster wird nicht hochgerechnet. Erhaltene Diurese oder ein früher normaler Kreatininwert schließen AKI nicht aus. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt einstufen

Aufgabe

Bei einem 80 kg schweren Patienten steigt Kreatinin in zwei Tagen von 1,0 auf 1,6 mg/dl. In zwölf vollständig gemessenen Stunden werden 360 ml Urin erfasst. Rechne die Urinrate aus und bestimme das Gesamtstadium.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Körpergewicht80 kg
Kreatinin1,0 → 1,6 mg/dl in zwei Tagen
Urinvolumen360 ml
Erfasste Zeit12 Stunden, vollständig gemessen
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Ein scheinbar normaler Wert

Aufgabe

Kreatinin gestern 0,5 mg/dl, heute 0,9 mg/dl; Urinausscheidung 0,9 ml/kg/h. Welche Aussage ist richtig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Kreatinin gestern0,5 mg/dl
Kreatinin heute0,9 mg/dl
Urinausscheidung0,9 ml/kg/h
  1. a)Die ausreichende Urinmenge schließt eine AKI aus.
  2. b)Der Anstieg erfüllt ein AKI-Kriterium, auch bei Kreatinin im Referenzbereich.
  3. c)Ohne eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² liegt keine AKI vor.
Lösung in der App →

Ursachen lokalisieren

Lernziel: Du kannst prärenale, intrarenale und postrenale Mechanismen unterscheiden.

Wo wird die Funktion gestört?

Die Einteilung ist ein Suchraster. Prärenal bedeutet zunächst funktionell zu wenig wirksame Nierendurchblutung beziehungsweise Filtrationsdruck, intrarenal eine Schädigung innerhalb der Niere und postrenal eine Abflussbehinderung. Ein Mensch kann mehrere Mechanismen gleichzeitig haben. Anhaltende Minderperfusion kann beispielsweise in eine Tubulusschädigung übergehen. Bildet sich eine AKI nach Behebung der Ursache innerhalb von 48 Stunden zurück, spricht man von rascher Erholung; hält die Funktionsstörung 7 bis 90 Tage an, von akuter Nierenkrankheit (AKD), danach von chronischer Nierenkrankheit.

GruppeMechanismusTypische Auslöser
PrärenalUnzureichende effektive Perfusion/FiltrationFlüssigkeitsverlust, Blutung, geringe Herzleistung, hämodynamisch wirksame Medikamente
IntrarenalTubulus, Interstitium, Glomerulus oder Gefäße geschädigtIschämie/Toxine, interstitielle Nephritis, Glomerulonephritis, vaskuläre Erkrankung
PostrenalDruck durch gestörten HarnabflussBlasenauslasshindernis, beidseitige Ureterobstruktion, Hindernis bei Einzelniere

Eine Funktionskette aus Perfusion, Glomerulus, Tubulus und Harnwegen führt zu drei nebeneinanderstehenden Kästen: prärenal mit Volumenverlust, Herzleistung, Sepsis und Medikamenten, intrarenal mit Tubulus, Interstitium, Glomerulus und Gefäßen sowie postrenal mit Blasenauslass, beiden Harnleitern, Einzelniere und Stein, Tumor oder Gerinnsel. Darunter stehen typische Mischformen und je ein farbiger Zielkasten für den ersten Prüfschritt.

Abbildung 2. Das Suchraster ordnet den Ausgangspunkt der Störung zu und ersetzt keine Diagnostik. Mischformen sind häufig; eine prärenale Komponente schließt eine Tubulusschädigung oder Obstruktion nicht aus. Quelle: eigene Darstellung.

Ablauf von sinkender Perfusion über eine funktionelle Phase mit verzögertem Kreatininanstieg zu zwei Zweigen: rasche Erholung innerhalb von 48 Stunden, wenn die Perfusion rasch gesichert wird, oder Tubulusschädigung bei anhaltender Minderperfusion, Sepsis oder Toxinen. Danach folgen die Zeitfenster persistierende AKI über 48 Stunden, akute Nierenkrankheit nach 7 bis 90 Tagen und chronische Nierenkrankheit nach über 90 Tagen.

Abbildung: Ob eine Störung funktionell bleibt oder strukturell wird, zeigt oft erst der Verlauf nach Ursachenbehandlung. Unbegrenzte Flüssigkeitsgabe ist kein Test dafür. Quelle: eigene Darstellung.

Warum Ödeme nicht automatisch mehr Volumen verlangen

Bei Erbrechen mit Kreislaufmangel kann weniger Blut am Filter ankommen. Bei Herzinsuffizienz können hingegen niedrige Vorwärtsleistung und venöse Stauung die Nierenfunktion beeinträchtigen. Dann kann zusätzliche Flüssigkeit schaden. Der Volumenstatus wird deshalb mit Perfusion und Stauung beurteilt, nicht aus dem Kreatinin abgelesen. Ist eine Flüssigkeitsgabe begründet, wird nach jeder Portion, etwa 500 ml Kristalloid in weniger als 15 Minuten, sofort neu beurteilt.

Beide Konstellationen können als „prärenal“ eingeordnet werden; die Konsequenz für die Flüssigkeit ist gegensätzlich.

MerkmalVolumenmangelKardiale Stauung
Typische LageDurchfall, Erbrechen, Blutung, geringe TrinkmengeHerzinsuffizienz, Überwässerung
BefundeTachykardie, Hypotonie, trockene Schleimhäute, keine StauungszeichenÖdeme, Orthopnoe, erhöhte Halsvenen, Lungenstauung
FlüssigkeitGezielt geben, Wirkung und Verträglichkeit sofort prüfenMeist schädlich; Entstauung und kardiale Therapie

Bei Volumenmangel unterstützen Prostaglandine die Weitstellung der zuführenden Arteriole. NSAR, etwa Ibuprofen, hemmen diesen Schutz. ACE-Hemmer oder AT₁-Blocker vermindern den Widerstand der abführenden Arteriole und damit den Filtrationsdruck. Zusammen mit einem Diuretikum und Flüssigkeitsverlust kann die Kombination besonders ungünstig werden. In einer großen Kohortenstudie war die gleichzeitige Einnahme von Diuretikum, ACE-Hemmer/Sartan und NSAR mit einem etwa 1,3-fach höheren AKI-Risiko verbunden, in den ersten 30 Tagen der Kombination mit einem etwa 1,8-fachen. Diese akute Situation macht ACE-Hemmer und Sartane nicht grundsätzlich zu nierentoxischen Arzneimitteln; bei geeigneter Indikation schützen sie langfristig Herz und Niere.

Zwei Kästen zeigen die Schutzwege des Filtrationsdrucks: Prostaglandine weiten die zuführende Arteriole, Angiotensin II verengt die abführende. Bei Volumenmangel sind beide besonders wichtig. Drei rote Kästen zeigen, dass NSAR die Weitstellung, ACE-Hemmer oder Sartane die Engstellung und Diuretika das Volumen wegnehmen. Die Dreifachkombination ist mit etwa 1,3-fachem, in den ersten 30 Tagen etwa 1,8-fachem AKI-Risiko verbunden.

Abbildung: NSAR, ACE-Hemmer/Sartan und Diuretikum greifen an drei verschiedenen Stellen an; gemeinsam mit einem Flüssigkeitsverlust kann der Filtrationsdruck einbrechen. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel: Drei Tage Durchfall, wenig getrunken, Ramipril, Hydrochlorothiazid und zusätzlich Ibuprofen; Blutdruck 88/54 mmHg, Kreatininanstieg. Das entspricht einem mittleren arteriellen Druck von etwa 65 mmHg. Flüssigkeitsverlust und Medikamentenwirkung stützen eine hämodynamische Komponente. Gleichzeitig prüfst du Sepsis, Abfluss und Hinweise auf strukturelle Schädigung. Eine plausible Ursache ist noch kein Beweis für die einzige Ursache.

Der Durchfallfall mit 88/54 mmHg, also einem mittleren arteriellen Druck von etwa 65 mmHg, führt zur Beurteilung von Kreislauf und Stauung, dann zu den Zweigen fehlendes Volumen und fehlender Arteriolenschutz. Parallel werden Sepsis, Abfluss und Strukturschaden geprüft. Ohne Stauung folgt eine gezielte Volumengabe von etwa 500 ml in weniger als 15 Minuten mit sofortiger Wiederbeurteilung, bei Stauung kein Bolus-Automatismus. Ibuprofen wird abgesetzt, Ramipril und Hydrochlorothiazid pausiert und die Wiederaufnahme geplant.

Abbildung: Die Medikamentenkombination stützt eine hämodynamische Komponente; die Flüssigkeitsentscheidung braucht trotzdem Perfusions- und Stauungsbefunde. Quelle: eigene Darstellung.

Abfluss zuerst mitdenken

Ein Hindernis unterhalb der Blase kann beide Nieren betreffen. Einseitige Obstruktion verursacht bei gesunder Gegenseite häufig keinen ausgeprägten globalen Kreatininanstieg; sie bleibt dennoch für die betroffene Niere gefährlich. Bei nur einer funktionierenden Niere kann bereits einseitige Obstruktion die gesamte Ausscheidung bedrohen.

Die Höhe des Hindernisses bestimmt, welche Nieren betroffen sind und was die Sonografie zeigt.

OrtTypische UrsachenSonografischer Hinweis
Blasenauslass/HarnröhreProstatavergrößerung, verstopfter Katheter, Blutgerinnsel, HarnröhrenstrikturVolle Blase, oft beidseitiger Harnstau
Beide HarnleiterTumor im kleinen Becken, retroperitoneale Fibrose, beidseitige SteineBeidseitiger Harnstau bei eher leerer Blase
Harnleiter einer EinzelniereStein, TumorHarnstau der einzigen Niere, Oligurie bis Anurie

Sonografie einer Niere im Längsschnitt: Nierenbecken und Kelche sind als verbreiterte, schwarze, echofreie Räume erweitert; eine Kelchbreite ist mit zwei Messkreuzen markiert. Das umgebende Parenchym ist verschmälert.

Abbildung: Harnstau im Ultraschall. Erweiterte, echofreie Nierenbecken und Kelche stützen eine Obstruktion; das hier zusätzlich verschmälerte Parenchym spricht für einen länger bestehenden Stau. Eine frühe Obstruktion kann ohne deutliche Erweiterung vorliegen. Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C. Ultrasonography of the Kidney: A Pictorial Review. Diagnostics 2016;6(1):2, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten.

Sonografie der Harnblase eines älteren Mannes: Die Blase ist groß und echofrei gefüllt, ihre Wand ist unregelmäßig verdickt und gebuchtet.

Abbildung: Große, gefüllte Harnblase mit unregelmäßig verdickter, trabekulierter Wand („Balkenblase“) als Hinweis auf eine länger bestehende Blasenauslassbehinderung. Bei Harnverhalt wird das Blasenvolumen sonografisch bestimmt und die Blase entlastet. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten.

HinweisNächster Schritt
Plötzlicher Urinstopp bei liegendem KatheterÄußeren Schlauchverlauf, Beutellage und Blasenfüllung prüfen; nicht blind spülen
Fehlende Miktion und pralle BlaseHarnverhalt zeitnah fachgerecht entlasten; Ursache klären
Fieber/Sepsis plus HarnstauSofort Urologie und Akutversorgung; infizierte Obstruktion entlasten
Beidseitiger Stau oder Einzelniere mit StauDringliche urologische Beurteilung

Bei Verdacht auf septischen Schock oder hoher Sepsiswahrscheinlichkeit wird das Antibiotikum nach Abnahme von Blutkulturen möglichst innerhalb einer Stunde gegeben; die infizierte Obstruktion wird durch Harnleiterschiene oder perkutane Nephrostomie entlastet. Bei septischem Schock wird ein mittlerer arterieller Druck von mindestens 65 mmHg angestrebt.

Ablauf bei Urinstopp oder Harnstau: Zuerst wird die Reichweite des Hindernisses eingeschätzt. Bei liegendem Katheter werden Schlauch, Beutellage und Blase geprüft, ohne blind zu spülen; ohne Katheter wird ein Harnverhalt mit sonografischem Blasenvolumen gesucht und entlastet. Die Sonografie von Nieren und Blase führt bei Fieber, Schüttelfrost oder Hypotonie zur infizierten Obstruktion mit Blutkulturen, Antibiotikum innerhalb einer Stunde, sofortiger Entlastung und Ziel-MAP von mindestens 65 mmHg; bei beidseitigem Stau oder Einzelniere zur dringlichen Urologie. Danach wird auf eine Diurese über 200 ml pro Stunde über zwei Stunden oder über 3 Liter in 24 Stunden geachtet.

Abbildung: Der Urinstopp wird sofort abgeklärt; eine infizierte Obstruktion braucht akute Entlastung und die postobstruktive Phase weitere Kontrollen. Quelle: eigene Darstellung.

Nach Entlastung kann eine ausgeprägte postobstruktive Diurese auftreten. Mengen, Kreislauf, Gewicht und Elektrolyte müssen kontrolliert werden; Flüssigkeitsersatz richtet sich nach tatsächlichen Verlusten und klinischer Beurteilung. Das Ende der Obstruktion beendet die Überwachung nicht. Als postobstruktive Diurese gilt meist eine Urinmenge über 200 ml pro Stunde in zwei aufeinanderfolgenden Stunden oder über 3 Liter in 24 Stunden; dann werden Natrium, Kalium, Magnesium, Phosphat und Kreatinin etwa alle 12 Stunden kontrolliert. Physiologisch klingt sie meist binnen 24–48 Stunden ab; hält sie länger an oder entgleisen Kreislauf oder Elektrolyte, gilt sie als pathologisch.

Ablauf nach der Entlastung: Ausgangswerte und stündliche Urinmenge werden erfasst, Risikofaktoren sind hohes Kreatinin, Ödeme, Herzinsuffizienz, chronischer Verhalt und Verwirrtheit. Über 200 ml pro Stunde in zwei Stunden oder über 3 Liter in 24 Stunden gelten als postobstruktive Diurese mit Laborkontrollen etwa alle 12 Stunden. Die physiologische Form ist meist in 24 bis 48 Stunden selbstlimitierend und wird nicht automatisch eins zu eins ersetzt; die pathologische Form hält länger als 48 Stunden an oder entgleist Kreislauf und Elektrolyte und verlangt Ersatz nach Bilanz und Labor.

Abbildung: Die physiologische Ausscheidung überschüssiger Flüssigkeit wird nicht automatisch eins zu eins ersetzt; anhaltende Diurese oder Kreislauf- und Elektrolytentgleisung verlangen gezielten Ersatz nach Bilanz und Labor. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Zwei Mechanismen verbinden

Aufgabe

Ergänze den Zusammenhang: Ein Patient mit Durchfall nimmt zusätzlich Ibuprofen. Welcher hämodynamische Schutz fällt weg, und weshalb darf der Befund nicht automatisch mit einer großen Infusionsmenge beantwortet werden?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Aktuelle ErkrankungDurchfall
Zusätzliche EinnahmeIbuprofen
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Die gefährliche Kombination

Aufgabe

Ein Mann hat Schüttelfrost, Blutdruck 86/50 mmHg und einen sonografisch berichteten Harnstau der einzigen funktionierenden Niere. Welche Strategie passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
BeschwerdenSchüttelfrost
Blutdruck86/50 mmHg
SonografieberichtHarnstau
Betroffene NiereEinzige funktionierende Niere

Ultraschallbild einer Niere im Längsschnitt, vom Bildschirm fotografiert: Im Zentrum liegen mehrere große, miteinander verbundene, schwarze echofreie Räume; das umgebende Nierengewebe ist als heller Saum erkennbar.

Abbildung: Beispielbild einer Nierensonografie mit weitem, echofreiem Hohlsystem, wie es der Sonografiebericht der Aufgabe beschreibt (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: André S, Dobru D, Vida ÁO et al., Clin Pract 2026;16(6):109, Abb. 1, CC BY 4.0, Gerätemarkierung „M“ entfernt.

  1. a)Kreislauf stabilisieren, Sepsistherapie beginnen und sofort urologische Entlastung organisieren.
  2. b)Erst nach erneuter Sonografie am Folgetag über eine Entlastung entscheiden.
  3. c)Ausschließlich Flüssigkeit geben, bis die Urinausscheidung wieder einsetzt.
Lösung in der App →

Diagnostik mit Grenzen

Lernziel: Du kannst Anamnese, Urinbefund und Sonografie zu einem Prüfplan verbinden.

Die ersten Fragen beantworten

Bei Instabilität beginnen ABCDE, Hilfe und Überwachung gleichzeitig mit der Ursachenklärung. ABCDE ordnet Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischen Zustand und orientierende Gesamtuntersuchung. Bei AKI achtest du besonders auf Dyspnoe, Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Perfusion, Bewusstsein und Urinmenge. Ein bedrohliches Kalium oder Lungenödem wartet nicht auf eine vollständige Differenzialdiagnose. Als bedrohlich gilt etwa ein Kalium ≥6,5 mmol/l oder ein erhöhtes Kalium mit EKG-Veränderungen. Bei nicht beherrschbaren Komplikationen kann eine Nierenersatztherapie (RRT) nötig werden; die Indikationen werden in U07 erklärt.

Erfrage den Zeitpunkt der letzten normalen Nierenwerte, Urinmenge und Miktionsprobleme, Verluste, Blutung, Fieber, Operation, Kreislaufversagen und Kontrastmittelexposition. Zur Medikamentenanamnese gehören neu angesetzte Mittel, Einnahmeänderungen, Schmerzmittel ohne Rezept, Nahrungsergänzungen und Drogen. Hautausschlag, Gelenkbeschwerden, Nasen-/Atemwegsbeschwerden, Bluthusten und Muskelschmerzen können die Ursachenfrage verändern.

UntersuchungEntscheidungsfrage
Kreatininverlauf, Harnstoff, Na/K, Bikarbonat bzw. BGAWie dynamisch ist die Störung; drohen Elektrolyt- oder Säure-Basen-Komplikationen?
Blutbild und gezielte Entzündungs-/InfektionsdiagnostikInfektion, Anämie, Thrombozytopenie oder Systemerkrankung?
Urinstatus, frisches Sediment, EiweißquantifizierungHinweise auf glomeruläre, tubuläre oder interstitielle Beteiligung?
Sonografie von Nieren und BlaseAbflusshindernis, Blasenfüllung, Strukturhinweise?
Zusatzdiagnostik nach VerdachtCK bei Muskelschädigung; Immunologie bei nephritischem Muster; weitere Gefäß-/Hämolysediagnostik gezielt

Der Umfang folgt der Frage. Ein wahlloses Antikörperpanel ersetzt keine Anamnese. Bei ungeklärter AKI oder Obstruktionsrisiko ist Ultraschall dringlich; bei möglicher infizierter Obstruktion wird besonders rasch untersucht und urologisch gehandelt. NICE NG148, Urinuntersuchung, Ultraschall und Ursachenbehandlung

In der NICE-Struktur erfolgt Ultraschall bei vermuteter infizierter Obstruktion sofort, spätestens binnen 6 Stunden, und bei ungeklärter AKI oder Obstruktionsrisiko binnen 24 Stunden nach Beurteilung; akute Maßnahmen warten darauf nicht.

Ausgangspunkt ist der AKI-Verdacht mit Kreatininanstieg um mindestens 0,3 mg/dl in 48 Stunden oder auf das 1,5-Fache in 7 Tagen oder Urin unter 0,5 ml/kg/h über mindestens 6 Stunden. Schritt 1 behandelt sofort Kalium ab 6,5 mmol/l oder mit EKG-Veränderung, Lungenödem, Hypotonie und prüft Nierenersatztherapie. Schritt 2 sichert Ausgangswert, Urinmenge und Labor. Schritt 3 klärt parallel Anamnese, frischen Urin und Sonografie (infizierte Obstruktion sofort, spätestens 6 Stunden; unklare AKI binnen 24 Stunden). Schritt 4 ergänzt gezielte Zusatzdiagnostik. Vier farbige Ergebnisse führen zu Nephrologie/Intensiv, früher Nephrologie, Urologie oder Ursachenbehandlung.

Abbildung 3. Akutbehandlung und Ursachenabklärung laufen bei Bedrohung parallel; auf die abgeschlossene Diagnostik wird nicht gewartet. Bei Verdacht auf Glomerulonephritis oder interstitielle Nephritis früh nephrologisch besprechen. Quelle: eigene codebasierte Darstellung. Quelle: eigene Darstellung.

Was der Urinbericht leisten kann

Eine frische, korrekt beschriftete Probe ist wichtig: Lagerung zerstört Zellen und Zylinder, Kontamination verfälscht Befunde. Sie wird möglichst binnen 2 Stunden untersucht oder sofort bei 4 °C gelagert und dann binnen 4 Stunden analysiert. Mittelstrahlurin wird nach Erklärung und hygienischer Anleitung gewonnen. Bei liegendem Katheter wird ein vorgesehener Entnahmeport nach lokalem hygienischem Verfahren genutzt, nicht der Sammelbeutel. Ein Katheter allein zur bequemen Probengewinnung ist nicht gerechtfertigt.

Ein Zylinder entsteht im Tubulus aus einer Proteinmatrix; eingeschlossene Zellen oder Zellreste liefern dadurch Hinweise auf einen renalen Ursprung. Das Teststreifenfeld „Blut“ reagiert dagegen auch auf Hämoglobin und Myoglobin. Der Befund „Blut positiv“ beweist keine Erythrozyten im Urin. Eine Mikrohämaturie liegt ab 3 Erythrozyten pro Gesichtsfeld (≥ 3/HPF, 400-fach) im Sediment vor; ein Akanthozytenanteil von mehr als 5 % spricht für eine glomeruläre Blutung.

Ein positives Blut-Testfeld führt zuerst zum frischen Sediment. Ab 3 Erythrozyten pro Gesichtsfeld verzweigt der Weg nach der Morphologie: dysmorphe Erythrozyten, Akanthozyten über 5 Prozent, Erythrozytenzylinder und Proteinurie zeigen glomerulär und führen zur dringlichen Nephrologie; eumorphe Erythrozyten ohne Zylinder führen zur urologischen Abklärung. Bei kaum Erythrozyten verzweigt der Weg zu Myoglobin mit CK über dem Fünffachen der Norm oder über 1.000 U/l und klarem Plasma oder zu Hämoglobin mit erhöhter LDH, erniedrigtem Haptoglobin und rötlichem Plasma; beide führen zur Pigment-AKI.

Abbildung: Erst das Sediment trennt echte Hämaturie von Pigment. Die Zweige ersetzen keine klinische Gesamtbeurteilung; Mischbefunde sind möglich. Quelle: eigene Darstellung.

Schriftlich berichteter BefundWas er nahelegt – und was offenbleibt
Grob granulierte Zylinder und TubulusepithelienTubulusschädigung plausibel; Auslöser und Mischursachen weiter prüfen
Dysmorphe Erythrozyten/Erythrozytenzylinder plus ProteinurieGlomeruläre Erkrankung dringend bedenken; genaue Ursache nicht allein damit festgelegt
Leukozyturie/LeukozytenzylinderEntzündung möglich; Infektion und interstitielle Nephritis unterscheiden
Häm stark positiv, kaum ErythrozytenMyoglobin/Hämoglobin möglich; Präanalytik und klinischen Kontext prüfen
Wenig auffälliges SedimentSchließt AKI oder wichtige intrarenale Ursachen nicht aus

Vier Mikroskopiefelder aus dem Urinsediment, mit a bis d beschriftet: a ein heller, gleichmäßig feinkörniger Zylinder aus Tubulusepithelzellen, b ein dunkelbrauner, grob granulierter Zylinder, c ein Zylinder mit eingeschlossenen runden Leukozyten, d ein rötlicher Zylinder dicht gepackt mit Erythrozyten.

Abbildung: Zylindertypen im Urinsediment. a Tubulusepithelzylinder und b schmutzig-braune granulierte Zylinder stützen eine Tubulusschädigung; c Leukozytenzylinder passen zu interstitieller Nephritis oder Pyelonephritis; d Erythrozytenzylinder zu einer glomerulären Erkrankung. Quelle: Mohsenin V. Practical approach to detection and management of acute kidney injury in critically ill patient. J Intensive Care 2017;5:57, Abb. 1, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; als WebP gespeichert.

Ungefärbtes Urinsediment mit zwei länglichen, zylinderförmigen Gebilden, die dicht mit groben, unregelmäßigen Körnchen gefüllt sind, vor hellbraunem Hintergrund.

Abbildung: Grob granulierte Zylinder im Urinsediment. Bei AKI stützen sie eine Tubulusschädigung; welcher Auslöser dahintersteht, legen sie nicht fest. Quelle: Ajay Kumar Chaurasiya, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, verkleinert, als WebP gespeichert.

Eosinophile im Urin sind weder ein sicherer Beweis noch ein zuverlässiger Ausschluss einer interstitiellen Nephritis. Auch fehlendes Fieber oder Exanthem schließt sie nicht aus.

Rascher Kreatininanstieg zusammen mit Erythrozytenzylindern und Proteinurie verlangt eine dringliche nephrologische Beurteilung. Das Team prüft gezielte Immunologie und die Indikation zur Nierenbiopsie, also zur Gewebeentnahme zur genaueren Ursachenklärung. Der Urinbefund allein legt keinen immunologischen Subtyp fest. Die wichtigsten intrarenalen Muster werden in der nächsten Einheit vertieft.

Schritt 1 verlangt eine beschriftete Probe, Untersuchung binnen 2 Stunden oder Lagerung bei 4 °C und Analyse binnen 4 Stunden. Schritt 2 trennt Mittelstrahlurin ohne Katheter von der Entnahme am Port bei liegendem Katheter, nie aus dem Sammelbeutel. Schritt 3 umfasst Teststreifen, frisches Sediment und Eiweißquantifizierung als Protein- oder Albumin-Kreatinin-Quotient. Schritt 4 stellt das Blut-Testfeld mit Hämaturie ab 3 Erythrozyten pro Gesichtsfeld und Akanthozyten über 5 Prozent neben die Zylindertypen. Schritt 5 ist die Alarmkonstellation aus Kreatininanstieg über Tage, Erythrozytenzylindern oder Akanthozyten und Proteinurie; sie führt zur dringlichen Nephrologie, sonst bleiben die Befundgrenzen bestehen.

Abbildung: Eine verwertbare Probe kommt vor der Interpretation; die Alarmkonstellation verlangt Nephrologie, legt aber den immunologischen Subtyp nicht fest. Quelle: eigene Darstellung.

Sonografie und Urinindizes nicht überdeuten

Ein Sonografiebericht beschreibt Seiten, Nierengröße und Parenchym, Nierenbeckenkelchsystem und Blase. Ein erweiterter Harntrakt kann eine Obstruktion stützen; Erweiterung allein beweist sie nicht. Eine frühe Obstruktion kann ohne deutliche Dilatation vorliegen. Fehlende Erweiterung beendet die Suche bei starkem klinischem Verdacht daher nicht. Normale Nierengröße beweist weder normale Filtration noch das Fehlen einer chronischen Erkrankung. Beim Erwachsenen ist eine Niere meist etwa 9–13 cm lang, mit weniger als 2 cm Seitendifferenz; kleine, echoreiche Nieren mit schmalem Parenchym sprechen eher für eine chronische Erkrankung. Ein Harnstau wird meist in Grad I–IV eingeteilt, von der Erweiterung des Nierenbeckens bis zur Verschmälerung des Parenchyms. Beidseitiger Stau bei voller Blase weist auf ein Hindernis unterhalb der Blase, bei leerer Blase eher auf ein Hindernis an beiden Harnleitern.

Ultraschall-Längsschnitt einer normalen Niere eines Erwachsenen unter der Leber. Eine gepunktete Linie zwischen zwei Kreuzen misst die Länge; Sternchen markieren Bertin-Säule, Markpyramide, Rinde und zentralen Sinusreflex.

Abbildung: Normale Niere im Längsschnitt. Die Kreuze markieren die Längenmessung; * Bertin-Säule, ** Markpyramide, *** Rinde, **** zentraler Sinusreflex. Rinde und Mark sind gut voneinander abgrenzbar. Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C. Ultrasonography of the Kidney: A Pictorial Review. Diagnostics 2016;6(1):2, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, als WebP gespeichert.

Ultraschall-Längsschnitt einer kleinen, gleichmäßig hellen Niere ohne erkennbare Grenze zwischen Parenchym und zentralem Sinus. Eine gelbe gepunktete Linie zwischen zwei Kreuzen misst die verkürzte Länge.

Abbildung: Terminale chronische Nierenerkrankung. Die Niere ist klein und echoreich, Parenchym und Sinus sind nicht mehr abgrenzbar; die Kreuze markieren die Längenmessung. Ein solcher Befund spricht eher für eine chronische als für eine rein akute Schädigung. Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C. Ultrasonography of the Kidney: A Pictorial Review. Diagnostics 2016;6(1):2, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, als WebP gespeichert.

Ein Befundbericht wird in drei Schritten gelesen: 1 Nierengröße und Parenchym mit normaler Länge von etwa 9 bis 13 Zentimetern und Seitendifferenz unter 2 Zentimetern, kleine echoreiche Nieren eher chronisch, normale Größe schließt CKD nicht aus; 2 Nierenbeckenkelchsystem mit Harnstau Grad I bis IV und möglicher früher Obstruktion ohne Stau; 3 Blase gefüllt oder leer und Katheterlage. Drei farbige Ergebnisse: Stau beidseits mit voller Blase zeigt ein Hindernis unterhalb der Blase, Stau mit leerer Blase ein Hindernis an den Harnleitern, kein Stau bei fortbestehendem Verdacht ist kein sicherer Ausschluss.

Abbildung: Größe, Nierenbeckenkelchsystem und Blase zusammen lokalisieren den Befund; die Gradangaben beschreiben das Ausmaß, nicht die Dringlichkeit. Quelle: eigene Darstellung.

Für die praktische Untersuchung werden Fragestellung, Erklärung und Einverständnis vorangestellt. Händehygiene, Privatsphäre und sichere Lagerung gehören dazu. Im begleiteten Ultraschall werden beide Nieren und die Blase in geeigneten Ebenen beurteilt; Seite, Darstellbarkeit, Messzeit und Einschränkungen werden dokumentiert. „Nicht sicher darstellbar“ ist kein Normalbefund. Katheterisierung oder Spülung benötigen eine konkrete Indikation und geschultes Vorgehen; Trauma, Infektion und eine mögliche Harnröhrenverletzung werden vorher berücksichtigt.

Die Sonografie wird nach dem Verdacht auf infizierte Obstruktion oder unklare AKI zeitlich priorisiert. Nach Darstellung beider Nieren und der Blase werden Erweiterung, fehlende Erweiterung und unsichere Darstellbarkeit unterschiedlich eingeordnet.

Abbildung: Ein normal erscheinender oder eingeschränkt darstellbarer Ultraschall beendet bei starkem klinischem Verdacht die Abflusssuche nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Die fraktionelle Natriumausscheidung (FENa) beschreibt den ausgeschiedenen Anteil des filtrierten Natriums:

FENa (%) = (Urin-Na × Plasma-Kreatinin) ÷ (Plasma-Na × Urin-Kreatinin) × 100.

Natriumwerte müssen zueinander in derselben Einheit vorliegen, ebenso beide Kreatininwerte; Blut und Urin werden zeitnah gepaart. Bei intakter Natriumrückhaltung kann ein niedriger Wert eine hämodynamische Ursache stützen. Klassisch gilt ohne Störfaktor eine FENa unter 1 % als eher prärenal und über 2 % als eher tubulär; unter Diuretika spricht eine fraktionelle Harnstoffausscheidung unter 35 % eher für eine prärenale Komponente, über 50 % eher für eine tubuläre Schädigung; FENa-Werte von 1–2 % bleiben unentschieden. Diuretika, CKD, Sepsis, Glomerulonephritis und Pigmentschädigung können diese Zuordnung jedoch stören. Auch die fraktionelle Harnstoffausscheidung ist kein universeller Ausweg. Kein Urinindex entscheidet allein über Flüssigkeit oder Biopsie.

Ausgearbeitetes Beispiel: Urin-Na 15 mmol/l, Plasma-Na 140 mmol/l, Plasma-Kreatinin 2 mg/dl und Urin-Kreatinin 100 mg/dl ergeben 15 × 2 ÷ (140 × 100) × 100 = 0,21 %. Das zeigt geringe Natriumausscheidung relativ zur filtrierten Menge. Es beweist weder einen reinen Volumenmangel noch Flüssigkeitsverträglichkeit.

BefundVorsicht vor diesem Schluss
FENa niedrig„Damit ist eine strukturelle Schädigung ausgeschlossen.“
FENa hoch nach Diuretikum„Damit ist eine Tubulusnekrose bewiesen.“
Sonografie ohne Harnstau„Damit ist jede Obstruktion ausgeschlossen.“

Schritt 1 paart Blut- und Urinprobe zeitnah in gleichen Einheiten, Schritt 2 zeigt die Formel und das Beispiel 15 mal 2 geteilt durch 140 mal 100 mal 100 gleich 0,21 Prozent. Schritt 3 fragt nach Diuretikum, CKD, Sepsis, Glomerulonephritis oder Pigment. Ohne Störfaktor gilt FENa unter 1 Prozent als eher prärenal, 1 bis 2 Prozent als Grauzone und über 2 Prozent als eher tubulär; unter Diuretikum gilt eine fraktionelle Harnstoffausscheidung unter 35 Prozent als eher prärenal und über 50 Prozent als eher tubulär. Das Ergebnis: Ein niedriger Wert stützt eine hämodynamische Ursache, schließt Strukturschaden aber nicht aus, und kein Index entscheidet allein.

Abbildung: Die berechneten 0,21 Prozent sind ein relativer Ausscheidungsbefund und weder Beweis eines reinen Volumenmangels noch einer Flüssigkeitsverträglichkeit. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Einen Befund zur Entscheidung machen

Aufgabe

Kreatinin steigt innerhalb von drei Tagen; der Urinbericht nennt Erythrozytenzylinder und Proteinurie. Ergänze: „Diese Befunde lenken auf …; deshalb veranlasse ich …; noch nicht bewiesen ist …“

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
ZeitverlaufKreatininanstieg innerhalb von drei Tagen
UrinberichtErythrozytenzylinder
Eiweiß im UrinProteinurie

Ungefärbtes Urinsediment im runden Mikroskopsichtfeld: In der Mitte liegt ein länglicher Körper mit parallelen Rändern, dicht gefüllt mit kleinen runden, gelblichen Zellen; ringsum einzelne kleine runde Zellen und Partikel.

Abbildung: Beispielbild eines Urinsediments mit einem dicht zellgefüllten Zylinder, wie ihn der Urinbericht der Aufgabe nennt (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Liangos O, Buettner-Herold M, Ketteler M, Madias NE, Clin Nephrol Case Stud 2015;3:19–24, Abb. 1, CC BY 2.5, seitlich beschnitten.

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Multiple Choice

Einen scheinbaren Ausschluss korrigieren

Aufgabe

Nach plötzlicher Anurie zeigt die erste Sonografie keine Dilatation. Der Katheter liegt äußerlich knickfrei. Welche Aussage ist am besten?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
AusscheidungPlötzliche Anurie
Erste SonografieKeine Dilatation
KatheterÄußerlich knickfrei

Ultraschallbild einer Niere im Längsschnitt: Die Niere ist gut abgrenzbar, das Gewebe wirkt hell und körnig; im Zentrum liegen nur schmale, verzweigte dunkle Strukturen, ohne große schwarze echofreie Räume.

Abbildung: Beispielbild einer Nierensonografie ohne erkennbare Erweiterung des Hohlsystems (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C, Diagnostics 2016;6(1):2, Abb. 27, CC BY 4.0, Grauwertbalken und Tiefenskala abgeschnitten.

  1. a)Ohne Dilatation ist eine postrenale Ursache sicher ausgeschlossen.
  2. b)Ohne Knick ist die tatsächliche Drainagefunktion des Katheters sicher bewiesen.
  3. c)Messung, Blase und mögliche frühe Obstruktion werden weiter dringlich geprüft.
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Freie Antwort

Unter Anleitung untersuchen

Aufgabe

Plane am Modell oder bei einer einwilligenden Person unter qualifizierter Anleitung die Untersuchung bei Oligurie: Formuliere die Frage, nenne die zu prüfenden Regionen und zwei Dokumentationspunkte. Beschreibe außerdem einen Grund, eine invasive Maßnahme nicht ungezielt vorzunehmen.

Die Tabelle ordnet den vorgegebenen Untersuchungsrahmen.

RahmenVorgabe
AnlassOligurie
UntersuchungssituationModell oder einwilligende Person
BegleitungQualifizierte Anleitung
ArbeitsauftragFrage, Regionen, zwei Dokumentationspunkte; Grund gegen ungezieltes invasives Vorgehen

Eine liegende Person mit unbedeckter Flanke; eine Hand hält einen gebogenen Ultraschallkopf längs an die seitliche Flanke unterhalb des Rippenbogens.

Abbildung: Schallkopfposition für einen Längsschnitt der Niere über der Flanke; die praktische Durchführung wird unter qualifizierter Anleitung geübt. Quelle: Yadav M, Srivastava S, Dighe M, Möller K, Jenssen C et al., Diagnostics 2025;15:3208, Abb. 4a, CC BY 4.0, Teilbildbuchstabe entfernt.

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Intrarenale Muster

Lernziel: Du kannst Tubulusschaden, interstitielle Nephritis und RPGN abgrenzen.

Tubulusschädigung: mehr als eine vorübergehende Minderperfusion

Die akute Tubulusschädigung (ATI) entsteht beispielsweise durch anhaltende Ischämie, Sepsis oder toxische Belastung. Die Tubuluszellen verlieren Transportfunktion; Zellreste können den Fluss behindern, filtrierte Flüssigkeit kann zurücktreten und Entzündung beziehungsweise Mikrozirkulationsstörungen wirken mit. „Akute Tubulusnekrose“ ist ein traditioneller Begriff; nicht jede klinische ATI verlangt histologisch nachgewiesene Nekrose.

Eine funktionelle prärenale Störung kann nach Behebung der Ursache rasch nachlassen. Bei struktureller Schädigung bleibt die Funktionsstörung oft länger bestehen. Das ist ein Verlaufsargument, kein sicherer Trennversuch durch unbegrenzte Flüssigkeitsgabe. Nach ADQI-Konsens gilt eine Rückbildung binnen 48 Stunden als rasche Erholung; hält die Störung länger als 7 Tage an, liegt eine AKD vor, nach mehr als 90 Tagen eine CKD. ADQI 16, Chawla et al. 2017

MerkmalFunktionelle MinderperfusionTubulusschädigung
KontextVerlust, reduzierte effektive PerfusionLängere Ischämie, Sepsis, Toxin/Pigment
UrinberichtOft wenig spezifischGranulierte Zylinder/Tubulusepithelien möglich
Nach UrsachenbehandlungRasche Besserung möglichErholung häufig verzögert

Die Behandlung beseitigt den Auslöser, optimiert Perfusion ohne Überlastung und steuert Medikamente und Komplikationen. Ein Diuretikum repariert keine Tubuluszellen. In der Erholung kann die Urinmenge bereits steigen, während Konzentrations- und Elektrolytregulation noch eingeschränkt sind: polyurische Erholung kann Wasser- und Kaliumverluste verursachen. Als Polyurie gilt beim Erwachsenen eine Urinmenge über 3 l in 24 Stunden. MSD Manual, Polyurie

Flussdiagramm in fünf Schritten: Auslöser Ischämie, Sepsis, Toxin oder Pigment; Mechanismen in der Tubuluszelle und bei der Filtration; Urin und Verlauf. Danach zwei Äste: Besserung binnen 48 Stunden spricht für funktionelle Minderperfusion, eine länger als 48 Stunden anhaltende Störung für Tubulusschädigung. Es folgen Behandlung ohne Überlastung mit dem Hinweis, dass ein Diuretikum keine Tubuluszellen repariert, sowie polyurische Erholung mit über 3 l Urin pro 24 Stunden und engen Kontrollen.

Abbildung: Die 48-Stunden-Marke ordnet den Verlauf ein, beweist aber keine Ursache; steigende Urinmenge bedeutet noch keine normalisierte Wasser- und Elektrolytregulation. Quelle: eigene Darstellung.

Senkrechte Zeitleiste in vier Phasen: Schädigung mit verzögertem Kreatininanstieg, anhaltende Phase nach mehr als 48 Stunden mit Gefahr von Hyperkaliämie, Überwässerung und Azidose, polyurische Erholung mit über 3 l Urin pro 24 Stunden und Verlusten von Wasser, Kalium und Natrium, danach Kontrolle und Dosisanpassung. Unten drei Ausgänge: Erholung bis 7 Tage, AKD von 7 bis 90 Tagen, CKD nach mehr als 90 Tagen.

Abbildung: Die Zeitmarken 48 Stunden, 7 Tage und 90 Tage strukturieren Verlauf und Nachsorge; viel Urin ist in der Erholungsphase kein Zeichen vollständiger Genesung. Quelle: eigene Darstellung.

Interstitielle Nephritis: die neue Medikation ernst nehmen

Bei einer akuten interstitiellen Nephritis (AIN) betrifft die Entzündung vor allem Interstitium und Tubuli. Auslöser sind häufig Arzneimittel, etwa bestimmte Antibiotika, Protonenpumpenhemmer oder NSAR; auch Infektionen und systemische Erkrankungen kommen infrage. Der zeitliche Abstand kann je nach Exposition unterschiedlich sein. Eine seit Wochen bestehende Medikation gehört deshalb ebenfalls in die Prüfung. Im Mittel zeigt sich die Nierenbeteiligung etwa 10 Tage nach Beginn, nach Protonenpumpenhemmern meist nach 10–11 Wochen und nach NSAR oft erst nach Monaten. Medsafe 2015, Acute interstitial nephritis

Der typische Zeitbezug häufiger Auslöser dient als Orientierung; die Spannweite ist groß.

AuslöserTypischer BeginnHinweis
Antibiotika, z. B. β-LaktameTage; teils schon nach 1 TagFieber oder Exanthem möglich, oft fehlend
ProtonenpumpenhemmerMeist 10–11 Wochen; 1 Woche bis 9 MonateBeschwerden oft mild und unspezifisch
NSAROft erst nach MonatenBegleitzeichen selten; zusätzliche große Proteinurie möglich

Kreatininanstieg mit steriler Leukozyturie, gegebenenfalls Leukozytenzylindern, kann passen. Steril bedeutet hier: keine passende bakterielle Erklärung in der untersuchten Kultur; es ist kein Synonym für AIN. Die klassische Kombination aus Fieber, Exanthem und Eosinophilie fehlt oft. Eine Infektion wird vor immunsuppressiven Entscheidungen mitbedacht. Die vollständige Trias tritt bei weniger als 10 % der Betroffenen auf. Moledina & Perazella, CJASN 2017

Das verdächtige Medikament wird nach Abwägung der Indikation beendet beziehungsweise ersetzt; Nierenfunktion und Begleitbefunde werden eng verfolgt. Bei unklarer Diagnose, schwerem Verlauf oder fehlender Besserung sind Nephrologie und gegebenenfalls Biopsie erforderlich. Eine Kortikosteroidtherapie ist eine fachärztliche Entscheidung nach Ursachen- und Infektionsprüfung, kein Automatismus bei Leukozyturie. Wird sie gewählt, beginnt sie nach Übersichtsarbeiten möglichst früh, innerhalb von 1–2 Wochen nach Diagnosestellung.

Flussdiagramm: Kreatininanstieg mit steriler Leukozyturie. Schritt 1 Medikamentenzeitachse mit etwa 10 Tagen im Mittel, Antibiotika teils nach 1 Tag, Protonenpumpenhemmer meist nach 10 bis 11 Wochen, NSAR nach Monaten. Schritt 2 nebeneinander Urinbefund und klassische Trias, die nur bei unter 10 Prozent vollständig ist. Schritt 3 Infektion mitdenken, Schritt 4 verdächtiges Mittel beenden oder ersetzen. Unten zwei Ausgänge: bei Besserung Verlauf kontrollieren; bei unklarem, schwerem Verlauf oder fehlender Besserung Nephrologie, gegebenenfalls Biopsie, Steroide fachärztlich und wenn, dann innerhalb von 1 bis 2 Wochen.

Abbildung: Die Befunde können AIN stützen; Kortikosteroide folgen einer fachärztlichen Ursachen- und Infektionsprüfung. Quelle: eigene Darstellung.

Lichtmikroskopisches Bild einer Nierenbiopsie in Trichromfärbung: In der Mitte ein Glomerulus ohne Zellvermehrung, ringsum Tubuli und ein dichtes Infiltrat aus Entzündungszellen im Interstitium.

Abbildung: Arzneimittelassoziierte Nierenschädigung (Aciclovir) mit dichtem interstitiellem Entzündungsinfiltrat zwischen den Tubuli und Tubulusschädigung; Glomerulus unauffällig. Die Histologie sichert das Muster, wenn Verlauf oder Diagnose unklar bleiben. Quelle: Chávez-Iñiguez JS et al., BMC Nephrology 2018;19:324, Abb. 1b, CC BY 4.0; Ausschnitt ohne Buchstabenmarke, vergrößert.

Rasch progredient: nicht auf den nächsten Routinetermin warten

Eine rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN) ist ein bedrohlicher klinischer Verlauf mit raschem Funktionsverlust und meist nephritischen Urinbefunden. Das ist keine einzelne Ursache. Beispiele sind ANCA-assoziierte Vaskulitis, Anti-GBM-Erkrankung und Immunkomplexerkrankungen. ANCA sind Antikörper gegen Bestandteile neutrophiler Granulozyten; Anti-GBM bezeichnet Antikörper gegen glomeruläre Basalmembranstrukturen. Als Orientierung gilt ein GFR-Verlust von mindestens 50 % innerhalb von höchstens 3 Monaten. KDIGO, Glomeruläre Erkrankungen 2021

Bei Hämaturie, Proteinurie und raschem Kreatininanstieg ist eine dringliche nephrologische Abklärung nötig. Bluthusten, neue Hypoxämie oder ein ungeklärter Hämoglobinabfall können bei passendem Kontext auf eine zusätzliche alveoläre Blutung hinweisen: ein pulmonal-renales Syndrom. Stabilisierung und nephrologisch-pneumologisch/intensivmedizinische Hilfe laufen sofort; fehlender Bluthusten schließt alveoläre Blutung nicht aus. Akanthozyten über 5 % der Erythrozyten oder Erythrozytenzylinder sprechen für eine entzündliche glomeruläre Erkrankung. Sauerstoff wird nach der deutschen S3-Leitlinie auf eine Sättigung von 92–96 % titriert, bei Hyperkapnierisiko niedriger. S3-Leitlinie Sauerstoff in der Akuttherapie, Zusammenfassung 2022

MusterGezielt veranlassen
Rascher Funktionsverlust + nephritischer UrinNephrologie, Proteinquantifizierung, gezielte Immunologie, Biopsieplanung
Verdacht auf Vaskulitis/Anti-GBMUnter anderem PR3-/MPO-ANCA und Anti-GBM; weitere Tests nach Befund
Verdacht auf ImmunkomplexerkrankungKomplement, Autoimmun-/Infektionsdiagnostik nach klinischer Frage
Lungenbeteiligung oder InstabilitätSofortige gemeinsame Akutversorgung, keine Verzögerung durch Routineabläufe

Eine Biopsie kann das Muster und die Behandelbarkeit klären. Dafür werden unter anderem Blutungsrisiko, Blutdruck, Gerinnung und gerinnungswirksame Medikamente geprüft; Vorgehen, Nutzen und Risiken werden erklärt. Bei hochgradigem Verdacht auf lebensbedrohliche immunologische Erkrankung entscheidet das spezialisierte Team, ob Behandlung schon vor vollständiger Histologie nötig ist. Die konkreten Immunsuppressionsregime gehören in die nephrologische Spezialbehandlung. KDIGO, ANCA-Vaskulitis 2024

Bei passender Klinik und positivem PR3- oder MPO-ANCA wird die Therapie nicht wegen einer ausstehenden Biopsie aufgeschoben; bei Verdacht auf Anti-GBM-Erkrankung beginnt sie ohne Verzögerung schon vor der Bestätigung. Einen Plasmaaustausch erwägt das Spezialteam bei ANCA-Vaskulitis unter anderem bei Kreatinin über 3,4 mg/dl (300 µmol/l), Dialysepflicht oder rasch steigendem Kreatinin sowie bei alveolärer Blutung mit Hypoxämie. KDIGO, ANCA-Vaskulitis 2024, Practice Points 9.1.1 und 9.3.1.9

Flussdiagramm: rascher Funktionsverlust mit nephritischem Urin, Orientierung mindestens 50 Prozent GFR-Verlust in höchstens 3 Monaten. Schritt 1 Urin sichern mit Erythrozytenzylindern, Akanthozyten über 5 Prozent und Proteinurie. Schritt 2 Lunge und Kreislauf sofort mit Ziel-Sättigung 92 bis 96 Prozent. Schritt 3 eilige Serologie mit drei Spalten ANCA, Anti-GBM und Immunkomplex: bei positivem ANCA und passender Klinik Therapie nicht wegen Biopsie aufschieben, bei Anti-GBM-Verdacht Therapie ohne Verzögerung, bei unklarem Muster Biopsie. Schritt 4 Nierenbiopsie planen. Unten Plasmaaustausch erwägen bei Kreatinin über 3,4 mg/dl, Dialyse oder rasch steigendem Kreatinin oder alveolärer Blutung mit Hypoxämie sowie Immunsuppression durch das Spezialteam.

Abbildung: Ein mögliches pulmonal-renales Syndrom verlangt sofortige gemeinsame Akutversorgung; bei Lebensbedrohung entscheidet das Spezialteam über Behandlung vor vollständiger Histologie. Quelle: eigene Darstellung.

Flussdiagramm: AKI mit Hypoxämie oder Bluthusten. Schritt 1 sofort stabilisieren mit ABCDE, Ziel-Sättigung 92 bis 96 Prozent und früher Hilfe. Schritt 2 drei Erklärungen nebeneinander: alveoläre Blutung mit ungeklärtem Hämoglobinabfall, Überwässerung mit positiver Bilanz und Stauung, Pneumonie oder Sepsis mit Infektfokus; darunter jeweils ANCA und Anti-GBM eilig, Entstauung, Infektbehandlung. Schritt 3 Mischbilder parallel prüfen. Unten: alveoläre Blutung mit Hypoxämie, Plasmaaustausch erwägen.

Abbildung: Hypoxämie bei AKI hat mehrere Erklärungen; sie werden parallel geprüft, und die Stabilisierung wartet auf keine Diagnose. Quelle: eigene Darstellung.

Lichtmikroskopisches Bild eines Glomerulus in Hämatoxylin-Eosin-Färbung: Ein breiter, zellreicher Halbmond füllt den Bowman-Raum und drückt das Kapillarknäuel zusammen; ringsum Tubuli.

Abbildung: Halbmondbildung im Glomerulus bei rasch progredienter Glomerulonephritis. Die Biopsie zeigt Muster und Aktivität; der Subtyp ergibt sich erst zusammen mit Immunologie und Klinik. Quelle: Ramaswami A et al., Journal of Medical Case Reports 2008;2:151, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0; unverändert, nach WebP umgewandelt.

Ein Muster begründet vorstellen

Ausgearbeitetes Beispiel

Nach längerer Hypotonie bei schwerer Infektion steigt Kreatinin trotz stabilisiertem Kreislauf weiter. Das Sediment wird mit grob granulierten Zylindern und Tubulusepithelien beschrieben; keine Obstruktion ist nachgewiesen. Das unterstützt eine ATI im Kontext der Infektion/Ischämie. Der Befund beweist keine alleinige Ursache. Jetzt werden Infektionskontrolle, Perfusion, Flüssigkeitsverträglichkeit, Medikamente und Komplikationen fortlaufend geprüft.

Vergleich in drei Spalten für Tubulusschädigung, interstitielle Nephritis und rasch progrediente Glomerulonephritis, jeweils in vier Schritten: Auslöser, Ort und Mechanismus, Urin und Sediment, Zahlen. ATI: Hypotonie, Sepsis, Toxin; granulierte Zylinder; Besserung unter 48 Stunden spricht eher für eine funktionelle Störung, Polyurie über 3 l pro 24 Stunden. AIN: neues Medikament; sterile Leukozyturie; Trias nur bei unter 10 Prozent, Protonenpumpenhemmer meist nach 10 bis 11 Wochen. RPGN: ANCA, Anti-GBM, Immunkomplexe; Erythrozytenzylinder, Akanthozyten über 5 Prozent; mindestens 50 Prozent GFR-Verlust in höchstens 3 Monaten. Unten die Konsequenz je Spalte und der Hinweis, dass Mischformen häufig sind.

Abbildung: Mechanismenübersicht ohne histologische Abbildung. Befunde müssen kombiniert werden; kein einzelner Sediment- oder Laborbefund beweist allein eine dieser Diagnosen. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Die Diagnosewahrscheinlichkeit ändern

Aufgabe

Eine Frau entwickelt nach neuem Protonenpumpenhemmer einen Kreatininanstieg mit Leukozyturie. Eine Kultur ist ohne Erregernachweis; Fieber, Exanthem und Eosinophilie fehlen. Nenne eine passende Verdachtsdiagnose, einen nächsten Schritt und eine Grenze deiner Aussage.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Neue MedikationProtonenpumpenhemmer
Nieren- und UrinbefundKreatininanstieg und Leukozyturie
KulturOhne Erregernachweis
BegleitzeichenKein Fieber, Exanthem oder Eosinophilie
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Multiple Choice

Eine besonders gefährliche Verbindung

Aufgabe

Ein Patient hat rasch steigendes Kreatinin, Erythrozytenzylinder, neue Hypoxämie und Bluthusten. Welche Priorität ist richtig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
KreatininRasch steigend
UrinberichtErythrozytenzylinder
AtmungNeue Hypoxämie und Bluthusten

Röntgenaufnahme des Thorax von vorn mit Seitenmarkierung R: In beiden Lungen liegen ausgedehnte fleckige, teils zusammenfließende Verschattungen, betont in den mittleren und unteren Feldern; EKG-Elektroden sind sichtbar.

Abbildung: Beispielbild eines Thoraxröntgens mit beidseitigen fleckigen Verschattungen bei neuer Hypoxämie (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Alhejaili KF, Alabeeri KG, Alhejaili BM, Almohammadi MN, Cureus 2026;18:e111346, Abb. 1, CC BY 4.0, unterer Bildteil und Rahmen beschnitten.

  1. a)Zuerst allein Glomerulonephritis abklären; die Hypoxämie als Folge der Nierenstörung einordnen.
  2. b)Ein pulmonal-renales Syndrom erwägen; Atmung stabilisieren und Spezialhilfe parallel organisieren.
  3. c)Zunächst nur Pneumonie behandeln; die Nierenabklärung vom Ansprechen auf Antibiotika abhängig machen.
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Freie Antwort

Erholung sicher begleiten

Aufgabe

Nach ATI steigt die Urinausscheidung auf 4 l/Tag; Kreatinin fällt langsam. Warum ist „viel Urin, also gesund“ keine ausreichende Bewertung? Formuliere einen Kontrollplan in drei Punkten.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
VorausgegangenATI
Urinausscheidung4 l/Tag
KreatininLangsam fallend
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Rhabdomyolyse und AKI

Lernziel: Du kannst Rhabdomyolyse erkennen und ihre akuten Gefahren priorisieren.

Was aus geschädigten Muskeln freigesetzt wird

Rhabdomyolyse bedeutet Zerfall von Skelettmuskelzellen. Dabei gelangen unter anderem Kalium, Phosphat, Myoglobin und Kreatinkinase ins Blut. CK, Kreatinkinase, ist ein Laborhinweis auf Muskelzellschaden; Myoglobin kann zur tubulären Pigmentschädigung beitragen. Flüssigkeit kann zusätzlich in geschädigtes Muskelgewebe übertreten, sodass effektiver Volumenmangel entsteht. Pigmentbelastung und Minderperfusion können zusammen eine AKI fördern. Myoglobin schädigt die Tubuli vor allem in saurem Urin durch Zylinderbildung, oxidativen Häm-Schaden und renale Vasokonstriktion.

Traumatische/mechanische AuslöserNichttraumatische Auslöser
Quetschverletzung, VerschüttungExtreme ungewohnte Belastung, Hitzeschaden
Ischämie und ReperfusionKrampfanfall, Infektion
Lange Druckbelastung bei ImmobilisationAlkohol/Drogen, Medikamente oder Wechselwirkungen, metabolische Ursachen

Langes Liegen nach Intoxikation verbindet mechanischen Druck mit einem nichttraumatischen Anlass. Frage bei Statinexposition auch nach neuen interagierenden Arzneimitteln. Eine einzelne Erklärung darf weitere Verletzungen, Intoxikation oder ein Kompartmentsyndrom nicht verdecken.

Vom Muskelzellzerfall werden Kalium, Phosphat, Myoglobin und CK freigesetzt. Drei nummerierte Zweige folgen: Myoglobin mit Zylindern in saurem Urin, oxidativem Häm-Eisen-Schaden, renaler Vasokonstriktion und einer Halbwertszeit von 1–3 Stunden; Flüssigkeitsverschiebung in den Muskel mit Schwellung, effektivem Volumenmangel und möglichem Kompartmentsyndrom; Elektrolyte mit Kaliumanstieg, Phosphatanstieg und früher Hypokalzämie sowie Monitorpflicht ab Kalium über 6 mmol/l. Myoglobin und Minderperfusion münden in die AKI, die über verminderte Ausscheidung Kalium und Phosphat weiter erhöht. Die Ergebniszeile nennt Hyperkaliämie, AKI und Volumenmangel.

Abbildung 5. Die drei Zweige können gleichzeitig auftreten. Die gestrichelte Linie zeigt die Rückkopplung: Eine AKI senkt die Ausscheidung und verstärkt Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie. CK ist ein Marker der Muskelschädigung und nicht mit Myoglobin gleichzusetzen. Quelle: eigene Darstellung.

Dunkler Urin ist keine notwendige Bedingung

Muskelschmerz, Schwäche und dunkler Urin können auftreten, sind aber nicht immer gemeinsam vorhanden. Die Diagnose stützt sich auf Exposition, Untersuchung und Labor. Eine CK über dem Fünffachen der oberen Labornorm oder über 1.000 U/l ist ein häufig verwendeter unterstützender Schwellenwert. Er ersetzt den Kontext nicht. Serieller Verlauf ist wichtiger als eine isolierte Zahl; CK kann erst später ihren Höchstwert erreichen. Nach dem AAST-Konsens steigt die CK innerhalb von 12 Stunden an, erreicht nach 24–72 Stunden ihren Gipfel und normalisiert sich nach etwa 5 Tagen; Myoglobin hat nur 1–3 Stunden Halbwertszeit.

Zeitachse von 0 Stunden bis Tag 5 mit zwei qualitativen Kurven: Myoglobin steigt sofort, erreicht früh seinen Gipfel und fällt rasch wieder ab; die CK steigt innerhalb von 12 Stunden, erreicht im markierten Bereich von 24 bis 72 Stunden ihren Gipfel und normalisiert sich bis Tag 5. Darunter stehen Kästen zu Myoglobin, CK und Kalium mit diesen Zeitangaben und der Monitorpflicht ab Kalium über 6 mmol/l. Die Ergebniszeile fordert serielle Messung und warnt, dass ein Einzelwert keine Entwarnung ist.

Abbildung: Qualitativer Zeitverlauf ohne Messwerte auf der Hochachse. Ein früher, noch mäßiger CK-Wert oder ein später negativer Myoglobinbefund schließt eine Rhabdomyolyse nicht aus. Quelle: eigene Darstellung.

Häm-positiver Teststreifen bei wenigen Erythrozyten unterstützt im passenden Kontext den Verdacht auf Myoglobin im Urin. Der Test ist dafür nicht spezifisch. Bestimme außerdem Kreatinin, Kalium, Phosphat, Kalzium und den Säure-Basen-Status nach Schwere; bei Hyperkaliämie oder Instabilität sofort EKG/Monitoring. Bei Kalium über 6 mmol/l empfiehlt der AAST-Konsens eine kardiale Überwachung. AAST, Rhabdomyolyse-Konsens 2022

Fotografie eines Urinbeutels mit Skala bis 1.500 ml; im unteren Teil steht dunkelbrauner, fast schwarzer Urin.

Abbildung: Dunkelbrauner Urin nach Katheteranlage bei Rhabdomyolyse mit CK über 20.000 U/l und AKI. Die Farbe passt zu einer Pigmenturie, beweist Myoglobin aber nicht; Teststreifen und Sediment ordnen den Befund ein. Quelle: Asmara IGY, Pebruanto H, Winatha IMA, Caspian J Intern Med 2022;13(4):810–814 (PMC9659830), Abb. 3; oberer Rand beschnitten; Lizenz CC BY 3.0.

RisikoWarum es wichtig ist
HyperkaliämieFreisetzung aus Zellen plus verminderte renale Ausscheidung kann Arrhythmien auslösen.
Hyperphosphatämie und frühe HypokalzämieGewebeumsatz und Ablagerung verändern die Verteilung; Kontrollen erforderlich.
AKI und ÜberlastungPigment, Minderperfusion und begrenzte Ausscheidung können zusammenwirken.
KompartmentsyndromDruck im Muskelraum gefährdet Durchblutung und Nerven; sofort chirurgisch beurteilen.

Starke Schmerzen, schmerzhafte passive Dehnung, pralle Schwellung und neurologische Ausfälle nach Verletzung sind Alarmzeichen. Erhaltene Pulse schließen ein Kompartmentsyndrom nicht aus. Ist die Klinik nicht sicher beurteilbar, etwa unter Sedierung, unterstützt eine Druckmessung: Diastolischer Blutdruck minus Kompartmentdruck unter 30 mmHg erhöht das Risiko, ein Kompartmentdruck über 40 mmHg lässt eine dringliche Dekompression erwägen. Nach der Diagnose folgt sofort die chirurgische Dekompression; eine Verzögerung über 6 Stunden kann irreversiblen Muskelschaden verursachen. BOAST Kompartmentsyndrom, Stand 2025

Fotografie eines liegenden Patienten mit deutlich geschwollenem, gespanntem Oberschenkel und flächigem bläulichem Hämatom.

Abbildung: Rechter Oberschenkel bei Rhabdomyolyse mit Kompartmentsyndrom: Schwellung, Spannung und Hämatom. Die Diagnose wurde klinisch gestellt, eine Druckmessung war nicht verfügbar; es folgte eine Fasziotomie. Quelle: Asmara IGY, Pebruanto H, Winatha IMA, Caspian J Intern Med 2022;13(4):810–814 (PMC9659830), Abb. 2; unverändert; Lizenz CC BY 3.0.

Ablauf bei Verdacht auf Kompartmentsyndrom nach Quetschung, langem Liegen, Reperfusion oder Fraktur. Schritt 1 nennt die klinischen Zeichen: Schmerz stärker als erklärbar, Schmerz bei passiver Dehnung, pralle Muskelloge, Sensibilitäts- oder Motorikausfall; erhaltene Pulse sind keine Entwarnung. Schritt 2 fragt, ob die Klinik eindeutig ist: Ja führt ohne Messung zur sofortigen chirurgischen Vorstellung, Unklar führt zur Kompartmentdruckmessung. Schritt 3 bewertet die Differenz aus diastolischem Blutdruck und Kompartmentdruck unter 30 mmHg und einen Druck über 40 mmHg. Ergebnisse: Kompartmentsyndrom mit sofortiger Fasziotomie oder Grenzbefund mit fachärztlicher Neubewertung. Ein Balken warnt, dass eine Verzögerung über 6 Stunden irreversiblen Muskelschaden verursachen kann.

Abbildung: Bei eindeutiger Klinik wird nicht auf eine Messung gewartet. Die Druckwerte unterstützen die Entscheidung nur, wenn die Klinik nicht beurteilbar ist; über Entlastung oder weitere Kontrolle entscheidet die Chirurgie. Quelle: eigene Darstellung.

Vom Verdacht auf Rhabdomyolyse führen zwei nummerierte Laborschritte weiter: CK über dem Fünffachen der oberen Norm oder über 1.000 U/l mit Gipfel nach 24–72 Stunden sowie Häm-positiver Urinstreifen bei wenigen Erythrozyten als unspezifischer Myoglobinhinweis. Schritt 3 ergänzt Kreatinin, Kalium, Phosphat, Kalzium und Säure-Basen-Status. Schritt 4 prüft akute Gefahren: elektrische Gefahr mit sofortigem EKG und Monitor ab Kalium über 6 mmol/l sowie Zeichen eines Kompartmentsyndroms, bei dem ein tastbarer Puls keine Entwarnung ist. Ergebnisse: Kalium senken, sofort chirurgisch beurteilen oder ohne Alarmzeichen Verlauf, Ursache und Volumen steuern.

Abbildung: CK und Urinbefund stützen den Verdacht; elektrische Gefährdung und Kompartmentzeichen bestimmen die unmittelbare Reaktion. Quelle: eigene Darstellung.

Früh behandeln, nicht blind Flüssigkeit erzwingen

Auslöser stoppen, Begleitverletzung/Hitze/Intoxikation behandeln und früh isotone Kristalloide nach Kreislauf, Verlusten und Verträglichkeit einsetzen. Bei anhaltender Anurie darf die Infusionsmenge nicht unbegrenzt gesteigert werden, nur um ein Urinziel zu erreichen. Nephrologie/Intensivmedizin beurteilen dann Komplikationen und gegebenenfalls Nierenersatz.

Der AAST-Konsens beschreibt für geeignete Erwachsene einen titrierten Beginn um 400 ml/h und eine Urinzielspanne von 1–3 ml/kg/h, höchstens etwa 300 ml/h. Das sind kontextabhängige Orientierungen, keine Standardanordnung für jeden Patienten. Herzinsuffizienz, Anurie oder Stauung können eine solche Zufuhr unverträglich machen. Ringer-Laktat oder Kochsalzlösung werden als Möglichkeiten genannt; Auswahl und Kontrollen berücksichtigen Elektrolyte und Säure-Basen-Lage.

Routinemäßiges Bikarbonat zur Urinalkalisierung, Mannitol und forcierte Diurese werden zur AKI-Verhütung nicht empfohlen. Eine separate schwere Azidose kann eine andere Therapieentscheidung erfordern. Dialyse wird nicht prophylaktisch wegen einer hohen CK begonnen. Frühe asymptomatische Hypokalzämie wird nicht reflexartig ausgeglichen; symptomatische Hypokalzämie und erforderlicher Herzschutz bei Hyperkaliämie sind gesonderte Notfallindikationen. AAST, Rhabdomyolyse-Konsens 2022

Die Übersicht trennt routinemäßige AKI-Verhütung von gesonderten Behandlungsindikationen.

MaßnahmeRoutine bei RhabdomyolyseGesonderte Entscheidung
Bikarbonat zur UrinalkalisierungZur AKI-Verhütung nicht empfohlenEine separate schwere Azidose kann anders zu behandeln sein.
Mannitol / forcierte DiureseZur AKI-Verhütung nicht empfohlenBei Anurie keine unbegrenzte Steigerung der Infusionsmenge.
Dialyse wegen hoher CKKeine prophylaktische IndikationKomplikationen und gegebenenfalls Nierenersatz fachärztlich beurteilen.
Frühe asymptomatische HypokalzämieNicht reflexartig ausgleichenSymptome oder erforderlicher Herzschutz bei Hyperkaliämie gesondert beurteilen.

Behandlungsablauf in fünf Schritten: zuerst akute Gefahren wie Hyperkaliämie und Kompartmentzeichen, dann Auslöser stoppen einschließlich Statin- und Interaktionsprüfung. Schritt 3 fragt nach der Flüssigkeitsverträglichkeit: Ja führt zu Ringer-Laktat oder Kochsalzlösung mit Start um 400 ml/h, Urinziel 1–3 ml/kg/h und höchstens etwa 300 ml/h; Nein bei Anurie oder Stauung bedeutet keine weitere Steigerung, Nephrologie oder Intensivmedizin und Nierenersatz nach AKI-Indikation. Schritt 4 nennt die Verlaufskontrollen, Schritt 5 die nicht routinemäßigen Maßnahmen Bikarbonat, Mannitol, forcierte Diurese, Dialyse wegen hoher CK und Kalzium bei asymptomatischer Hypokalzämie. Ergebnisse: bei Verträglichkeit titrieren, bei Anurie oder Überlastung Zufuhr stoppen und Nierenersatz prüfen.

Abbildung: Die Urinzielspanne ist eine Orientierung für geeignete Erwachsene; Anurie und fehlende Verträglichkeit begrenzen weitere Flüssigkeit. Schwere Azidose, symptomatische Hypokalzämie und Herzschutz bei Hyperkaliämie bleiben gesonderte Entscheidungen. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel: Nach langem Liegen bestehen CK 18.000 U/l, Kreatininanstieg und Kalium 6,9 mmol/l. Obwohl die CK auffällig ist, hat die elektrische Gefährdung jetzt Vorrang. EKG, Rhythmusüberwachung und Hyperkaliämietherapie laufen parallel zur Ursachen-, Muskel- und Volumenbeurteilung. Die CK allein entscheidet weder die Infusionsmenge noch den Dialysebeginn.

Fallbeispiel nach langem Liegen mit CK 18.000 U/l, Kreatininanstieg und Kalium 6,9 mmol/l. Schritt 1: Die elektrische Gefahr hat Vorrang, ab Kalium 6,5 mmol/l mit EKG und Rhythmusmonitor; Kalzium schützt, Insulin verschiebt, die Elimination wird von Anfang an geplant. Schritt 2: Muskel, Volumen und Ursache werden parallel beurteilt. Schritt 3: Kalium, Kreatinin, Urinmenge und CK werden im Verlauf kontrolliert; die CK allein ist keine Dialyseindikation. Ergebnisse: steigendes Kalium, Anurie oder Überlastung führen zur dringlichen Prüfung des Nierenersatzes, ein stabiler Verlauf mit Urinfluss zu titrierten Kristalloiden und Kontrollen.

Abbildung: Im Beispiel bestimmt Kalium 6,9 mmol/l die erste Handlung. Muskel, Volumen und Ursache werden parallel beurteilt; die hohe CK allein entscheidet weder Infusionsmenge noch Dialysebeginn. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt priorisieren

Aufgabe

Nach starker Belastung bei Hitze: CK 12.000 U/l, K 6,7 mmol/l, Kreatininanstieg und Übelkeit. Ergänze drei erste Arbeitsaufträge: eine Überwachungsmaßnahme, eine Ursachenmaßnahme und eine Bedingung vor weiterer Flüssigkeit.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
AuslöserStarke Belastung bei Hitze
BeschwerdenÜbelkeit
CK12.000 U/l
Kalium6,7 mmol/l
KreatininAngestiegen
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Die fehlende Wirkung beachten

Aufgabe

Eine Patientin bleibt trotz initialer Kreislaufstabilisierung anurisch und entwickelt zunehmende Dyspnoe. Welche Strategie ist richtig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
BisherInitiale Kreislaufstabilisierung
UrinWeiterhin anurisch
AtmungZunehmende Dyspnoe

Lungenultraschall mit Sektorschallkopf: Unter der hellen Pleuralinie ziehen mehrere breite, helle, senkrechte Streifen fächerförmig bis an den unteren Bildrand; dazwischen bleiben kaum dunkle Anteile.

Abbildung: Beispielbild eines Lungenultraschalls bei akuter Atemnot (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Martinez-Ruiz GJ, Martinez-Arroyo GE, Alvarado-Abraham F et al., Cureus 2026;18:e113007, Abb. 4, CC BY 4.0, mittleres Teilbild ohne Pfeile und Gerätetext ausgeschnitten.

  1. a)Die Infusion steigern, bis mindestens 300 ml Urin pro Stunde erreicht sind.
  2. b)Wegen hoher CK prophylaktisch Mannitol und Bikarbonat geben.
  3. c)Weitere Zufuhr kritisch stoppen, Überlastung behandeln und dringlich Nierenersatz prüfen.
Lösung in der App →

Volumen und Medikamente

Lernziel: Du kannst Flüssigkeit und Arzneimittel bei AKI sicher an den Verlauf anpassen.

Jede Gabe braucht ein Ziel

Trenne Kreislaufstabilisierung, Erhaltungsbedarf, Ersatz laufender Verluste und Behandlung einer Überlastung. Eine Infusion für Hypoperfusion ist etwas anderes als eine routinemäßige Tageszufuhr. Bilanz bedeutet dokumentierte Zufuhr minus dokumentierte Ausfuhr im selben Zeitraum; sie enthält nicht automatisch alle Verluste. Gewicht, Klinik und Labor ergänzen sie. Für reine Erhaltungsinfusion nennt NICE initial 25–30 ml/kg/Tag Wasser, je etwa 1 mmol/kg/Tag Natrium und Chlorid sowie 50–100 g/Tag Glukose; bei Nierenfunktionsstörung, Herzinsuffizienz, höherem Alter oder Gebrechlichkeit eher 20–25 ml/kg/Tag, und Kalium richtet sich bei AKI nach dem aktuellen Wert.

Vier nebeneinanderstehende Ziele der Flüssigkeitstherapie: Kreislaufstabilisierung mit 500-ml-Bolus in weniger als 15 Minuten, Erhaltungsbedarf mit 25–30 ml/kg/Tag beziehungsweise 20–25 ml/kg/Tag bei AKI, Herzinsuffizienz oder höherem Alter, Ersatz laufender Verluste und Behandlung einer Überlastung. Darunter wird die Bilanz als Zufuhr minus Ausfuhr erklärt, mit ihren Lücken, und durch Gewicht, Klinik und Labor ergänzt.

Abbildung: Jede Infusion wird genau einem Ziel zugeordnet; die Bilanz erfasst nur dokumentierte Mengen und wird durch Gewicht, Klinik und Labor ergänzt. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle ordnet drei typische Konstellationen dem Vorgehen zu.

KonstellationVorgehen mit Prüfkriterium
Verluste + Hypoperfusion, keine deutliche StauungIsotones Kristalloid begründet geben; Perfusion und Verträglichkeit unmittelbar erneut prüfen
Stauung mit ausreichender PerfusionWeitere unnötige Zufuhr vermeiden; gezielte Entstauung und Ursachenbehandlung
Stauung + HypoperfusionFrüh fachärztlich/intensivmedizinisch; Flüssigkeit, Entstauung und Kreislauftherapie gemeinsam entscheiden

Für allgemeine intravenöse Volumenreanimation nennt NICE 500 ml Kristalloid mit 130–154 mmol/l Natrium in weniger als 15 Minuten, mit sofortiger Wiederbeurteilung. Das ist kein Schema „500 ml bei jeder AKI“. Bei hohem Überlastungsrisiko sind ein angepasstes Vorgehen, gegebenenfalls kleinere Portionen und früh erfahrene Hilfe erforderlich. Hinweise auf Volumenbedarf sind nach NICE unter anderem systolischer Blutdruck < 100 mmHg, Herzfrequenz > 90/min, Rekapillarisierung > 2 s oder kühle Peripherie, Atemfrequenz > 20/min, NEWS ≥ 5 oder ein positiver Passive-Leg-Raising-Test; bleibt Bedarf, folgen 250–500 ml, und nach insgesamt mehr als 2.000 ml wird erfahrene Hilfe hinzugezogen. NICE CG174, §1.3 und Beurteilung

Wirkung wird an Bewusstsein, Rekapillarisierung, Puls, Blutdruck und weiteren geeigneten Kreislaufparametern beurteilt; Sicherheit an Atmung, Sauerstoffsättigung und Stauung. Die Urinmenge kann verzögert reagieren. Bei neuer Atemnot wird nicht mechanisch weiterinfundiert. Fortbestehender Schock verlangt Ursachenbehandlung und gegebenenfalls überwachte Vasopressortherapie durch das Akutteam; Sepsis benötigt zusätzlich zügige antimikrobielle Behandlung und Fokuskontrolle.

Ein Ablauf in drei Schritten: Hinweise auf Volumenbedarf mit systolischem Blutdruck unter 100 mmHg, Puls über 90/min, Rekapillarisierung über 2 Sekunden, Atemfrequenz über 20/min, NEWS ab 5 oder positivem Passive-Leg-Raising; dann Standardbolus von 500 ml Kristalloid mit 130–154 mmol/l Natrium in weniger als 15 Minuten oder kleinere Portionen bei hohem Überlastungsrisiko; danach sofortige Wiederbeurteilung. Die Ergebniszeile zeigt Besserung, weiteren Bedarf mit 250–500 ml und erfahrener Hilfe nach mehr als 2.000 ml sowie Stopp bei Atemnot beziehungsweise Akutteam bei fortbestehendem Schock.

Abbildung: Die NICE-Orientierung setzt eine passende Indikation voraus; Wirkung und Sicherheit werden nach jeder Gabe sofort erneut geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Eine untersuchende Hand drückt kurz auf die Großzehe einer liegenden Übungspuppe, um die Rekapillarisierungszeit zu prüfen; die andere Hand hält die Zehe des zweiten Fußes.

Abbildung: Rekapillarisierung prüfen, hier an der Zehe einer Übungspuppe; üblich ist die Fingerkuppe auf Herzhöhe: etwa 5 Sekunden drücken, loslassen und die Zeit bis zur Wiederrötung zählen. Mehr als 2 Sekunden spricht für Minderperfusion; Kälte und schlechtes Licht stören die Beurteilung. Quelle: Glynda Rees Doyle und Jodie Anita McCutcheon, „Assess capillary refill“, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten.

Perfusion und Stauung werden getrennt geprüft: Perfusion mit systolischem Blutdruck unter 100 mmHg, Puls über 90/min, Rekapillarisierung über 2 Sekunden und Bewusstsein; Stauung mit Orthopnoe, Rasselgeräuschen, gestauten Halsvenen, Ödemen, sinkender Sauerstoffsättigung und Gewichtszunahme. Drei Wege folgen: Bolus bei Hypoperfusion ohne Stauung, Zufuhrstopp und gezieltes Schleifendiuretikum bei Stauung mit ausreichender Perfusion, frühe Intensivmedizin bei Stauung plus Hypoperfusion. Alle Wege münden in die erneute Beurteilung von Perfusion, Atmung, Diurese, Bilanz, Gewicht, Kalium und Kreatinin.

Abbildung 6. Die drei Wege entsprechen den Konstellationen der Tabelle; Mischbilder verlangen eine individuell angepasste Behandlung. Hypotonie allein beweist keinen Volumenmangel; AKI allein ist keine Indikation für Flüssigkeit oder Diuretika. Quelle: eigene Darstellung.

Unterschenkel und Fuß eines liegenden Patienten sind deutlich geschwollen; die Haut ist gespannt und glänzend.

Abbildung: Ausgeprägte periphere Ödeme (hier bei Kapillarleck). Ödeme zeigen Flüssigkeit im Interstitium, aber nicht zuverlässig den intravasalen Füllungszustand; Stauung wird zusammen mit Atmung, Halsvenen, Sauerstoffbedarf und Gewicht beurteilt. Quelle: Wang Kai-feng, Pan Hong-ming, Lou Hai-zhou, Shen Li-rong, Zhu Xi-yan, BMC Cancer 2011;11:204, über Wikimedia Commons („Leg Edema 01.jpg“), CC BY 2.0; in WebP umgewandelt.

Medikamente nach drei Fragen prüfen

Erstens: Kann das Mittel die aktuelle Störung verstärken? Zweitens: Akkumuliert es bei eingeschränkter Ausscheidung? Drittens: Wann und unter welchen Bedingungen wird eine notwendige Therapie fortgeführt oder wieder aufgenommen? Eine dokumentierte Pause ohne Wiederaufnahmeplan kann langfristig schaden.

Die Tabelle fasst die AKI-bezogene Entscheidung je Medikamentengruppe zusammen.

MedikamentengruppeAKI-bezogene Entscheidung
NSARMöglichst beenden; hämodynamische und strukturelle Risiken prüfen, geeignete Analgesie wählen
ACE-Hemmer/ARB, MineralokortikoidantagonistenBei Hypotonie, Volumenmangel oder relevantem Kaliumanstieg vorübergehende Anpassung prüfen; spätere Indikation erneut beurteilen
DiuretikaBei Verlust/Mangel überprüfen; bei Überlastung gezielt einsetzen, nicht als Nierenheilmittel
MetforminBei akuter Nierenfunktionsverschlechterung und entsprechender Risikosituation unterbrechen; Akkumulation/Laktatazidose beachten
SGLT2-HemmerBei schwerer akuter Erkrankung, Dehydratation oder längerer Nahrungskarenz pausieren; Ketoazidoserisiko beachten
Renal eliminierte Antiinfektiva, Antikoagulanzien, OpioideKonkretes Präparat und aktuelle Fachinformation prüfen; Erhaltungsdosis/Intervall und gegebenenfalls Spiegel anpassen

Die Labor-eGFR wird bei raschem Verlauf nicht unkritisch in eine Dosistabelle eingesetzt. Initial- und Erhaltungsdosis sind verschiedene Entscheidungen; eine notwendige Antibiotikatherapie darf nicht aus Angst vor AKI unwirksam unterdosiert werden. Bei Nierenersatz beeinflusst außerdem das verwendete Verfahren die Elimination. Klinische Wirkung, Nebenwirkungen, Spiegel und wiederholte Nierenwerte gehören zusammen. Bei steigendem Kreatinin überschätzt die eGFR die aktuelle Funktion, bei fallendem unterschätzt sie sie; Beispiele für die Präparateprüfung sind Dabigatran (etwa 85 % renal eliminiert, bei Kreatinin-Clearance < 30 ml/min kontraindiziert), spiegelgesteuerte Aminoglykoside und Vancomycin sowie Morphin mit kumulierenden aktiven Metaboliten.

Vier Schritte: Nierenfunktion im Verlauf mit fehlendem Steady State, überschätzter eGFR bei steigendem und unterschätzter eGFR bei fallendem Kreatinin; Präparateprüfung mit Dabigatran (etwa 85 Prozent renal, kontraindiziert unter 30 ml/min Kreatinin-Clearance), spiegelgesteuerten Aminoglykosiden und Vancomycin sowie Morphin; Aufteilung in Initialdosis nach Verteilungsvolumen und angepasste Erhaltungsdosis; Nierenersatzverfahren. Die Ergebniszeile nennt Wirkung, Toxizität und wiederholte Nierenwerte.

Abbildung: Eine einzelne eGFR ersetzt bei rascher Veränderung weder die Präparateprüfung noch Wirkungs- und Spiegelkontrollen; die Initialdosis bleibt meist unverändert. Quelle: eigene Darstellung.

Die akute Metforminpause und das Vorgehen bei schwerer Erkrankung unter SGLT2-Hemmern werden mit der konkreten Produktinformation abgeglichen. Bei Empagliflozin gehören zur Wiederaufnahme nach schwerer akuter Erkrankung normalisierte Ketone und klinische Stabilität. Metformin-Fachinformation, §§4.3–4.4, EMA, Empagliflozin, §4.4

Laut Metformin-Fachinformation ist Metformin bei GFR < 30 ml/min kontraindiziert und bei GFR 30–44 ml/min auf höchstens 1.000 mg/Tag, bei 45–59 ml/min auf höchstens 2.000 mg/Tag begrenzt. Für RAS-Blocker nennt NICE: bei Kalium ≥ 6,0 mmol/l absetzen; nach Wiederbeginn Kreatinin und Kalium nach 1–2 Wochen kontrollieren, wobei ein Kreatininanstieg < 30 % allein keine Dosisänderung begründet. NICE NG203, §§1.6.18–1.6.20

Nach den drei Prüffragen folgen vier Medikamentenkästen: NSAR möglichst beenden; ACE-Hemmer, ARB und MRA bei Hypotonie oder Volumenmangel pausieren und bei Kalium ab 6,0 mmol/l stoppen; Metformin bei AKI, Dehydratation oder Schock pausieren, kontraindiziert unter GFR 30 ml/min, höchstens 1.000 mg/Tag bei GFR 30–44 und 2.000 mg/Tag bei GFR 45–59; SGLT2-Hemmer bei schwerer Erkrankung, Operation oder Nahrungskarenz pausieren und erst bei normalen Ketonen und stabilem Zustand wieder geben. Der Wiederbeginn wird mit Kontrolle von Kreatinin und Kalium nach 1–2 Wochen geplant; Zuständigkeit, Kontrolle und Dokumentation bilden die Ergebniszeile.

Abbildung: Die Pause ist Teil eines Verlaufsplans; jede Pause erhält ein Wiederbeginn-Kriterium, eine Zuständigkeit und einen Kontrolltermin. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Schleifendiuretikum kann bei Überlastung und vorhandener Restfunktion helfen, beseitigt aber keine ATI. Wirkung, Blutdruck, Natrium, Kalium und Flüssigkeitsbilanz müssen kontrolliert werden. Bei Anurie oder fehlendem Ansprechen wird keine sichere Wirksamkeit unterstellt; notwendige Nierenersatztherapie wird nicht durch endlose Diuretikaversuche verzögert. „Nierendosis-Dopamin“ ist keine AKI-Therapie. Als Orientierung aus der ESC-Herzinsuffizienz-Leitlinie 2021 beginnt man mit 20–40 mg Furosemid i. v. bei Diuretika-naiven Patienten oder dem 1- bis 2-Fachen der oralen Tagesdosis; ein Spot-Urin-Natrium < 50–70 mmol/l nach 2 Stunden oder eine Diurese < 100–150 ml/h in den ersten 6 Stunden gilt als unzureichendes Ansprechen und führt zur Dosisverdopplung. NICE NG148, §§1.5.3–1.5.5, ESC 2021 Herzinsuffizienz, Abschnitt 11.3.3

Drei Schritte zum Schleifendiuretikum: Indikation nur bei Stauung oder Überwässerung mit Restdiurese, nicht bei Volumenmangel und ohne Nierendosis-Dopamin; Startdosis Furosemid i. v. 20–40 mg bei Diuretika-naiven Patienten oder das 1- bis 2-Fache der oralen Tagesdosis; Ansprechen nach 2 Stunden mit Spot-Urin-Natrium ab 50–70 mmol/l und nach 6 Stunden mit Diurese ab 100–150 ml/h sowie Laborkontrollen. Die Ergebniszeile zeigt Fortsetzen, Dosisverdopplung oder bei Anurie beziehungsweise refraktärer Überlastung den nicht verzögerten Nierenersatz.

Abbildung: Das Diuretikum behandelt die Überwässerung; fehlendes Ansprechen oder Anurie verschiebt die Entscheidung zur Nierenersatztherapie, nicht zu immer neuen Diuretikaversuchen. Quelle: eigene Darstellung.

Kontrast, Alter und besondere Situationen

Eine nach Kontrastmittelgabe auftretende AKI ist zunächst kontrastassoziiert; der zeitliche Zusammenhang beweist keine alleinige Verursachung. Indikation, vorhandene AKI, Applikationsweg, aktuelle Risiken und Alternativen werden mit der Radiologie abgewogen. Eine dringliche, entscheidende Untersuchung darf nicht allein wegen eines Kreatininwerts gefährlich verzögert werden. Vorbeugende Flüssigkeit ist bei Stauung ebenfalls keine risikofreie Routine; eine prophylaktische Dialyse allein zur Kontrastmittelentfernung ist nicht angezeigt. Die ESUR nennt als Risiko eine eGFR < 30 ml/min/1,73 m² vor intravenöser Gabe, < 45 ml/min/1,73 m² vor intraarterieller Gabe mit renalem First Pass oder eine bekannte AKI; ist eine Volumenprophylaxe angezeigt, gilt etwa 0,9 % NaCl mit 1 ml/kg/h 3–4 Stunden vor und 4–6 Stunden nach der Gabe, und das Kreatinin wird nach 48 Stunden kontrolliert. Alternativ nennt die ESUR 1,4 % Natriumbicarbonat mit 3 ml/kg/h eine Stunde vor der Gabe; eine PC-AKI ist ein Kreatininanstieg um ≥ 0,3 mg/dl oder auf das ≥ 1,5-Fache binnen 48–72 Stunden und wird mindestens 30 Tage klinisch nachverfolgt. Bei AKI wird Metformin ab der Kontrastmittelgabe pausiert und frühestens nach 48 Stunden bei stabiler Nierenfunktion wieder begonnen. ESUR 2018, Eur Radiol 28:2856–2869

Vier Schritte bei jodhaltigem Kontrastmittel: Indikation mit der Radiologie klären; Risiko bei eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² vor intravenöser Gabe, unter 45 vor intraarterieller Gabe mit renalem First Pass oder bei AKI; Vorbereitung mit 0,9 % NaCl 1 ml/kg/h 3–4 Stunden vor und 4–6 Stunden nach der Gabe oder Natriumbicarbonat 1,4 % 3 ml/kg/h eine Stunde vor, nicht bei Stauung, sowie Metforminpause bis frühestens 48 Stunden danach; Kontrolle des Kreatinins nach 48 Stunden; eine PC-AKI ist ein Anstieg um mindestens 0,3 mg/dl oder auf das 1,5-Fache binnen 48 bis 72 Stunden und wird mindestens 30 Tage nachverfolgt. Die Ergebniszeile: keine Dialyse zur Kontrastmittelentfernung, keine Extra-Sitzung bei Dialysepatienten, Nephrologie vorab bei Transplantat.

Abbildung: Die Untersuchung wird nicht allein wegen eines Kreatininwerts gefährlich verzögert; Volumenprophylaxe ist bei Stauung keine Routine. Quelle: eigene Darstellung.

Ältere Menschen können bei geringer Muskelmasse einen wenig auffälligen Ausgangswert haben. Sie sind außerdem oft empfindlich für Volumenverlust, Überlastung und Medikamentenakkumulation. Bei Schwangerschaft wird ein Anstieg besonders sorgfältig beurteilt, da die Ausgangswerte häufig niedriger sind; standardmäßige eGFR-Formeln sind dort ungeeignet. AKI mit Hypertonie, Hämolysezeichen oder Thrombozytopenie braucht rasche geburtshilfliche/nephrologische Abklärung. Eine transplantierte Niere verlangt früh Rücksprache mit dem Transplantationsteam; Immunsuppression wird nicht ungezielt abgesetzt.

Die Tabelle fasst die Besonderheiten dieser drei Patientengruppen zusammen.

SituationBesonderheitKonsequenz
Höheres AlterGeringe Muskelmasse; empfindlich für VolumenänderungUnauffälliges Kreatinin nicht überschätzen; Akkumulation beachten
SchwangerschaftOft niedrigere Ausgangswerte; Standard-eGFR ungeeignetBei Hypertonie, Hämolyse oder Thrombozytopenie rasch abklären
NierentransplantatFrühe Rücksprache erforderlichTransplantationsteam; Immunsuppression nicht ungezielt absetzen

UKKA/Renal Association, Schwangerschaft und Nierenkrankheit, §4.1.1

Ein überprüfbarer Plan

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Patientin hat Durchfall, Hypotonie, keine Stauungszeichen und eine AKI. Sie nimmt Ramipril, Metformin und zusätzlich Ibuprofen. Der Plan enthält die Behandlung der Verluste mit kontrollierter Kreislaufbeurteilung, Beendigung des NSAR, Überprüfung/Pause von Ramipril in der aktuellen Hypotonie sowie Unterbrechung von Metformin bei AKI/Dehydratation. Kalium, Kreatinin, Diurese und klinisches Ansprechen werden verfolgt. Nach Stabilisierung werden die weiterhin sinnvollen Medikamente mit Zuständigkeit und Kontrolltermin erneut geprüft.

Plan für die Patientin mit Durchfall, Hypotonie und AKI ohne Stauung: zuerst 500 ml Kristalloid in weniger als 15 Minuten mit sofortiger Wiederbeurteilung und Ersatz der Durchfallverluste; dann Ibuprofen beenden, Ramipril wegen Hypotonie pausieren und Metformin bei AKI und Dehydratation pausieren; danach Kalium, Kreatinin, Natrium, Diurese, Bilanz, Gewicht und klinisches Ansprechen verfolgen. Die Ergebniszeile zeigt erneute Medikamentenprüfung mit Labor nach 1–2 Wochen, festgelegte Zuständigkeit und Kontrolltermin oder bei fehlender Besserung neue Ursachensuche und Nephrologie.

Abbildung: Jeder Schritt des ausgearbeiteten Beispiels hat ein überprüfbares Ziel; pausierte Medikamente erhalten Kriterium, Zuständigkeit und Kontrolltermin. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt bilanzieren

Aufgabe

Über 24 Stunden: 900 ml Getränke, 1.000 ml Infusion, 300 ml Medikamententräger; 700 ml Urin und 400 ml gemessener Durchfall. Berechne die dokumentierte Bilanz und nenne zwei Gründe, weshalb sie allein keine weitere Infusion begründet.

Die Tabelle ordnet die dokumentierten Mengen desselben 24-Stunden-Zeitraums.

RichtungPostenMenge in 24 h
ZufuhrGetränke900 ml
ZufuhrInfusion1.000 ml
ZufuhrMedikamententräger300 ml
AusfuhrUrin700 ml
AusfuhrGemessener Durchfall400 ml
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Multiple Choice

Eine Überlastung behandeln

Aufgabe

Ein Patient mit AKI entwickelt Orthopnoe, steigenden Sauerstoffbedarf und deutliche Stauungszeichen. Welche Aussage ist richtig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
NierenfunktionAKI
AtmungOrthopnoe
SauerstoffbedarfSteigend
UntersuchungDeutliche Stauungszeichen

Röntgenaufnahme des Thorax von vorn bei einem älteren Patienten mit Drahtnähten am Brustbein: Der Herzschatten ist verbreitert, die Lungengefäße sind erweitert, an den unteren Lungenrändern sieht man feine waagerechte Linien.

Abbildung: Beispielbild eines Thoraxröntgens bei Atemnot im Liegen (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0, in WebP umgewandelt.

  1. a)Ein Kreatininanstieg erfordert grundsätzlich mehr Flüssigkeit.
  2. b)Entstauung kann nötig sein; ein Diuretikum dient dabei der Überlastung, nicht der Heilung der AKI.
  3. c)Diuretika sind bei jeder AKI unabhängig vom Volumenzustand verboten.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die Pause beenden können

Aufgabe

Nach Besserung einer AKI ist der Patient kreislaufstabil. Ein zuvor indizierter ACE-Hemmer wurde während Hypotonie pausiert. Welche Angaben gehören in den weiteren Medikamentenplan?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
VerlaufAKI gebessert
KreislaufAktuell stabil
MedikamentZuvor indizierter ACE-Hemmer
Bisherige ÄnderungWährend Hypotonie pausiert
In der App sprechen üben →

Komplikationen und Ersatz

Lernziel: Du kannst AKI-Komplikationen behandeln und Nierenersatz rechtzeitig prüfen.

Gefahr hat Vorrang vor dem Stadium

Die wichtigsten akuten Gefahren sind Hyperkaliämie, schwere metabolische Azidose, Flüssigkeitsüberlastung/Lungenödem und urämische Komplikationen. Urämie bezeichnet ein klinisches Syndrom durch unzureichend ausgeschiedene Stoffe und weitere Stoffwechselstörungen; ein Harnstoffwert allein diagnostiziert keine urämische Enzephalopathie.

ProblemSofortige Konsequenz
K ≥6,5 mmol/l, rascher Anstieg oder elektrische GefährdungEKG, Monitoring, Akuttherapie und definitive Kaliumelimination organisieren
Atemnot/Hypoxämie bei ÜberlastungABCDE, überwachte Atemunterstützung und Entstauung; bei unzureichendem Ansprechen Nierenersatz
Schwere oder fortschreitende metabolische AzidoseUrsache, Kreislauf und Ventilation beurteilen; intensivmedizinisch/nephrologisch eskalieren
Perikarditis oder Enzephalopathie im urämischen KontextDringliche Spezialbeurteilung und Nierenersatz erwägen; andere Ursachen parallel prüfen

Nach UKKA erhalten Erwachsene mit K ≥6,5 mmol/l, hyperkaliämietypischen EKG-Zeichen oder K 6,0–6,4 mmol/l bei klinischer Instabilität beziehungsweise erwartetem raschem Anstieg mindestens ein kontinuierliches 3-Kanal-EKG-Monitoring. Hinweise auf urämische Komplikationen sind etwa Perikardreiben oder Perikarderguss sowie Vigilanzminderung und Asterixis. UKKA, Empfehlung 14.2

Nach ABCDE mit Blutgasanalyse, 12-Kanal-EKG und Bilanz werden vier Gefahren parallel gesucht: Hyperkaliämie ab 6,5 mmol/l oder mit EKG-Zeichen, metabolische Azidose, Überwässerung mit Atemnot und Urämie mit Perikarditis oder Enzephalopathie. Ist die Gefahr konservativ nicht rasch beherrschbar, folgen sofort Nephrologie, Intensivmedizin und Prüfung des Nierenersatzes; sonst Ursachenbehandlung und engmaschige Kontrolle.

Abbildung: Das AKI-Stadium bestimmt nicht die Dringlichkeit; entscheidend ist, welche Komplikation vorliegt und ob sie rasch beherrschbar ist. Quelle: eigene Darstellung.

Bei AKI kann verminderte renale Säureausscheidung eine metabolische Azidose verursachen; Sepsis, Gewebeunterversorgung oder toxische Ursachen können hinzukommen. Bikarbonat senkt nicht automatisch die zugrunde liegende Gefahr. Sein Einsatz berücksichtigt Natrium-/Volumenlast, CO₂-Entstehung und Ventilation. Ein universeller Kreatinin- oder pH-Wert ersetzt die Gesamtentscheidung nicht. Die Surviving Sepsis Campaign 2021 schlägt Natriumbikarbonat nur bei septischem Schock mit schwerer metabolischer Azidämie (pH ≤7,2) und AKI im Stadium 2–3 vor; dabei wird auch das ionisierte Kalzium kontrolliert, weil es sinken kann. SSC 2021

Blutgasanalyse mit pH, Bikarbonat, pCO2, Laktat und Kalium steht am Anfang. Neben verminderter renaler Säureausscheidung werden Sepsis, Minderperfusion und Toxine gesucht. Kreislauf und Ventilation werden gesichert. Bikarbonat wird bei septischem Schock mit pH 7,2 oder darunter und AKI Stadium 2 bis 3 erwogen, mit Blick auf Natrium- und Volumenlast, CO2-Bildung und sinkendes ionisiertes Kalzium. Bei schwerem oder fortschreitendem Verlauf werden Intensivmedizin und Nephrologie eingebunden.

Abbildung: Bikarbonat ist eine abgewogene Ergänzung, keine Ursachenbehandlung; bei Beatmung muss das zusätzlich entstehende CO₂ abgeatmet werden. Quelle: eigene Darstellung.

Hyperkaliämie: die drei Ziele anwenden

Aus der Elektrolytlehre werden drei unterschiedliche Ziele angewendet: Kalzium schützt elektrisch, Insulin verschiebt Kalium vorübergehend in Zellen, Elimination entfernt es aus dem Körper. Eine Besserung des EKG nach Kalzium beweist deshalb keine Senkung des Kaliumwerts. Ein normal wirkendes EKG schließt schwere Hyperkaliämie ebenfalls nicht aus. Eine hämolytische oder unplausible Probe wird rasch kontrolliert, ohne bei plausibler Gefahr die Behandlung zu verzögern.

Das folgende Erwachsenenschema ist der UK Kidney Association, Aktualisierung Juli 2026, zugeordnet. Es setzt einen überwachten klinischen Behandlungsplatz, sichere Zugänge und den Abgleich mit dem verwendeten Präparat voraus.

Ziel und IndikationErwachsenenschemaUnmittelbare Kontrolle
Herzschutz bei Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen30 ml Kalziumglukonat 10 % i.v. über 10 min; alternativ 10 ml Kalziumchlorid 10 % i.v. über 5 minKontinuierliches EKG; Wirkung und Zugang prüfen
Rascher Shift bei schwerer Hyperkaliämie10 Einheiten lösliches Insulin plus 25 g Glukose i.v.; im UKKA-Zubereitungsschema (Anhang 4B) über 5–15 minGlukose vorher und seriell, Kaliumverlauf
Ergänzender ShiftSalbutamol 10–20 mg vernebeltPuls/Rhythmus; nicht als alleinige schwere Hyperkaliämietherapie

Die beiden Kalziumgaben enthalten ungefähr gleich viel elementares Kalzium: 10 ml Glukonat sind nicht 10 ml Chlorid gleichzusetzen. UKKA bevorzugt Kalziumchlorid im Reanimations-/Periarrestkontext, sonst Glukonat. Chlorid ist bei Extravasation besonders gewebeschädigend. Bei fortbestehenden oder erneut auftretenden EKG-Veränderungen wird der Herzschutz nach unmittelbarer ärztlicher Neubewertung wiederholt. Bei möglicher Digitalisintoxikation früh toxikologische/kardiologische Expertise hinzuziehen. MHRA, Kalziumverwechslung und Unterdosierung

Bei Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen werden überwacht 30 ml Kalziumglukonat 10 Prozent über 10 Minuten oder im Reanimations-/Periarrestkontext bevorzugt 10 ml Kalziumchlorid 10 Prozent über 5 Minuten gegeben. Präparatesicherheit, erneute EKG-Veränderungen und mögliche Digitalisintoxikation werden geprüft; Shift und Elimination laufen parallel.

Abbildung: Die Präparate sind nicht volumenweise austauschbar. Das im Text zugeordnete UKKA-Schema trennt EKG-beurteilten Herzschutz von kaliumsenkender Verschiebung und Elimination. Quelle: eigene Darstellung.

Bei Ausgangsglukose unter 7 mmol/l sieht UKKA nach der ersten Insulin-Glukose-Gabe zusätzlich Glukose 10 % mit 50 ml/h über fünf Stunden vor. AKI erhöht das Risiko einer verzögerten Hypoglykämie; diese zusätzliche Glukose ersetzt keine Messung. Hypertonische Lösungen benötigen einen geeigneten Zugang; Glukosemenge, Konzentration und Volumen werden getrennt geprüft. UKKA, Erwachsenen-Hyperkaliämie, Juli 2026

Nach UKKA bessert Kalzium das EKG binnen etwa 3 Minuten, wirkt aber nur 30–60 Minuten. Insulin-Glukose senkt Kalium ab etwa 15 Minuten, am stärksten nach 30–60 Minuten um etwa 0,65–1,0 mmol/l, und hält bis etwa 2 Stunden; vernebeltes Salbutamol (10–20 mg) senkt Kalium dosisabhängig um etwa 0,5–1,0 mmol/l, ab etwa 30 Minuten für mindestens 2 Stunden. UKKA, Abschnitte 16.2–16.4

Drei Gruppen mit Wirkzeiten: Kalzium 30 ml Glukonat 10 Prozent über 10 Minuten wirkt am EKG binnen etwa 3 Minuten für 30 bis 60 Minuten. Insulin-Glukose 10 Einheiten plus 25 g wirkt ab 15 Minuten, maximal nach 30 bis 60 Minuten mit minus 0,65 bis 1,0 mmol/l, bis etwa 2 Stunden; Salbutamol 10 bis 20 mg senkt um etwa 0,5 bis 1,0 mmol/l ab 30 Minuten für mindestens 2 Stunden. Natriumzirkoniumcyclosilikat 10 g dreimal täglich bis 72 Stunden senkt nach 1 Stunde nur etwa 0,4 mmol/l; Hämodialyse etwa 1 mmol/l in der ersten Stunde.

Abbildung: Kalzium schützt nur Minuten, der Shift überbrückt Stunden; nur die Elimination senkt den Gesamtbestand an Kalium. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein oligurischer Patient hat K 7,1 mmol/l und ein im Befund beschriebenes verbreitertes QRS. Kalzium wird zum Herzschutz gegeben; Insulin/Glukose und die Organisation der Kaliumelimination erfolgen parallel. Für die vorgesehenen 25 g Glukose steht eine 10%ige Lösung bereit: 10 % = 10 g/100 ml = 0,1 g/ml; 25 g ÷ 0,1 g/ml = 250 ml. Bei Flüssigkeitsüberlastung wird eine geeignete konzentriertere Zubereitung mit passendem Zugang gewählt und neu gerechnet. Die Insulindosis bleibt in Einheiten angegeben. Das EKG beurteilt den Herzschutz, der Kaliumverlauf die Senkung/Elimination und die Glukosekontrolle das Hypoglykämierisiko. Ein günstiger Einzelbefund ersetzt keines der anderen Ziele.

Von Glukosemessung und sicherem Zugang führt der Ablauf zur Planung von Insulin- und Glukosedosis. Zusatzglukose bei niedrigem Ausgangswert und geeignete Zubereitung bei Überlastung werden berücksichtigt; nach der Gabe folgen dokumentierte Glukose- und Kaliumkontrollen.

Abbildung: Vor der Gabe Dosis, Zubereitung und Zugang planen; danach Zusatzglukose nach Ausgangswert und serielle Kontrollen sicherstellen. Quelle: eigene Darstellung.

Der erste gute Wert beendet die Therapie nicht

Bei Oligurie bleibt Kalium nach einer Verschiebungstherapie im Körper. Wenn die Wirkung nachlässt oder weiterer Zellzerfall besteht, kann der Blutwert erneut steigen: Rebound. Stoppe unnötige Kaliumzufuhr und überprüfe auslösende Medikamente. Eine Ausscheidungsförderung setzt ausreichende Restfunktion und einen passenden Volumenzustand voraus. Enterale Kaliumbinder können ergänzen, ersetzen aber bei elektrischer Gefährdung weder Herzschutz noch raschen Shift oder erforderliche Dialyse. Bikarbonat ist keine routinemäßige alleinige Hyperkaliämietherapie.

UKKA gliedert die Behandlung in fünf Schritte: Herz schützen, Kalium verschieben, Kalium entfernen, Kalium und Glukose überwachen sowie einen erneuten Anstieg verhindern. Bei K ≥6,5 mmol/l empfiehlt UKKA Natriumzirkoniumcyclosilikat (SZC) 10 g dreimal täglich für bis zu 72 Stunden; bei K 6,1–7,2 mmol/l senkt es Kalium nach 1 Stunde im Mittel nur um etwa 0,4 mmol/l. Hämodialyse senkt Kalium typischerweise um etwa 1 mmol/l in der ersten Stunde und um weitere 1 mmol/l in den folgenden 2 Stunden; danach ist ein Rebound möglich. UKKA, Empfehlungen 16.1 und 16.6

Überwachung nach UKKAGeplante Zeitpunkte ab Behandlung
KaliumMindestens nach 1, 2, 4, 6 und 24 h
Glukose bei Insulin-GlukoseVor Gabe sowie 30, 60, 90, 120, 180, 240, 300, 360 min
Klinischer Verlauf und EKGNach Risiko kontinuierlich; jede Verschlechterung sofort beurteilen

Erneute Insulingabe oder erhöhtes Hypoglykämierisiko erfordern eine entsprechend verlängerte Überwachung. Die Terminliste ist eine Mindeststruktur; sie verbietet keine frühere Messung. Bei Verlegung werden bereits gegebene Dosen, Uhrzeiten und die nächsten Kontrollen ausdrücklich übergeben. UKKA definiert Hypoglykämie als Glukose <4,0 mmol/l und schwere Hypoglykämie als <2,8 mmol/l; das größte Risiko besteht in den ersten 6 Stunden. UKKA, Empfehlungen 17.1–17.2

Zeitachse über 6 Stunden nach Insulin-Glukose: Glukose vor Gabe sowie nach 30, 60, 90, 120, 180, 240, 300 und 360 Minuten; bei Ausgangsglukose unter 7 mmol/l Glukose 10 Prozent mit 50 ml/h über 5 Stunden. Kalium nach 1, 2, 4 und 6 Stunden sowie nach 24 Stunden; ab etwa 2 Stunden beginnt das Rebound-Fenster. Hypoglykämie liegt unter 4,0 mmol/l, schwer unter 2,8 mmol/l. Bei erneuter Insulingabe, Hypoglykämie oder steigendem Kalium wird die Überwachung verlängert; Dosen, Uhrzeiten und nächste Kontrollen werden übergeben.

Abbildung: Die UKKA-Zeitpunkte sind eine Mindeststruktur; frühere Messungen sind jederzeit erlaubt. Quelle: eigene Darstellung.

Fünf Schritte: Herz schützen mit Kalzium nur bei EKG-Veränderungen, Wirkung 30 bis 60 Minuten; Kalium verschieben mit Insulin 10 Einheiten plus 25 g Glukose, Salbutamol 10 bis 20 mg ergänzend, Bikarbonat nicht routinemäßig; Kalium entfernen durch Stopp der Zufuhr und auslösender Medikamente, Diuretikum nur bei Restfunktion und passendem Volumen, Kaliumbinder ergänzend; Kalium nach 1, 2, 4, 6 und 24 Stunden sowie Glukose überwachen. Steigt Kalium wieder oder bleibt es trotz Therapie bei 6,5 mmol/l oder darüber, wird ein Nierenersatz veranlasst; sinkt es stabil, wird die Elimination fortgeführt. Abschließend wird ein erneuter Anstieg verhindert.

Abbildung: Schritte 1 bis 3 werden gleichzeitig begonnen; Kalzium senkt Kalium nicht, und bei Oligurie ist nach dem Shift ein Rebound zu erwarten. Quelle: eigene Darstellung.

Wann Nierenersatz nötig wird

Nierenersatztherapie, häufig RRT oder KRT abgekürzt, übernimmt vorübergehend oder länger Ausscheidungs- und Regulationsaufgaben. Sie repariert die Ursache einer AKI nicht unmittelbar. Akut wird sie bei lebensbedrohlicher oder konservativ nicht ausreichend beherrschbarer Elektrolyt-, Säure-Basen- oder Volumenstörung sowie relevanten urämischen Komplikationen benötigt. Man organisiert Hilfe früh und wartet bei absehbar unbeherrschbarer Gefahr nicht erst das Versagen jedes theoretisch verfügbaren Medikaments ab.

Eine hohe CK, ein isolierter Kreatininwert oder das bloße Stadium 3 sind keine jeweils automatische Dialyseanordnung. Umgekehrt kann eine gefährliche Komplikation bei niedrigerem Kreatinin eine dringliche Behandlung verlangen. Bestimmte dialysierbare Intoxikationen haben zusätzliche eigene Indikationen und erfordern toxikologische Expertise. Beispiele mit EXTRIP-Empfehlungen zur extrakorporalen Elimination sind Lithium, Methanol, Ethylenglykol und Salicylate. EXTRIP

Nephrologie beziehungsweise Intensivmedizin entscheiden über Zugang, Verfahren und Überwachung. Intermittierende Hämodialyse ermöglicht rasche Stoffentfernung; kontinuierliche Verfahren ermöglichen langsamere, fortlaufende Regulation und werden häufig bei Kreislaufinstabilität gewählt. Die Wahl hängt auch von Dringlichkeit, Ressourcen und Gesamtzustand ab. Risiken sind unter anderem Hypotonie, Elektrolytverschiebungen sowie Blutung oder Infektion im Zusammenhang mit Zugang und Behandlung.

KDIGO empfiehlt für akuten Nierenersatz einen nicht getunnelten Dialysekatheter; bevorzugt wird die rechte V. jugularis interna, danach V. femoralis, linke V. jugularis interna und zuletzt V. subclavia. Die Anlage erfolgt ultraschallgesteuert; nach jugulärer oder subklavikulärer Anlage folgt vor der ersten Nutzung ein Röntgen-Thorax. Für kontinuierliche Verfahren nennt KDIGO eine abgegebene Effluentdosis von 20–25 ml/kg/h und, ohne Kontraindikation, regionale Citrat-Antikoagulation; für intermittierende Verfahren Kt/V 3,9 pro Woche. KDIGO AKI 2012, Empfehlungen 5.3–5.8

Die beiden akuten Verfahren unterscheiden sich vor allem in Tempo und Kreislaufbelastung:

MerkmalIntermittierende HämodialyseKontinuierliches Verfahren
AblaufSitzungen über einige Stundenfortlaufend über 24 Stunden
Stoffentfernungrasch; Kalium etwa −1 mmol/l in der ersten Stundelangsam und gleichmäßig
Kreislaufrascher Flüssigkeitsentzug kann Hypotonie auslösenhäufig gewählt bei Kreislaufinstabilität
Dosis und GerinnungKt/V 3,9 pro WocheEffluent 20–25 ml/kg/h; bevorzugt Citrat

Röntgen-Thorax als Bettaufnahme im Sitzen nach Anlage eines Dialysekatheters über die rechte V. jugularis interna. Ein schwarzer Pfeil markiert den Katheter in der Vene am Hals, ein grüner Pfeil den Abgang in die V. subclavia statt nach kaudal zur oberen Hohlvene, ein weißer Pfeil die Katheterspitze lateral in der V. axillaris.

Abbildung: Fehllage eines temporären Dialysekatheters: Statt zur oberen Hohlvene verläuft er von der rechten V. jugularis interna (schwarzer Pfeil) in die V. subclavia (grüner Pfeil); die Spitze liegt in der V. axillaris (weißer Pfeil). Deshalb wird vor der ersten Nutzung radiologisch kontrolliert. Quelle: Arif H, Iftikhar H, Saleem M et al., Cureus 2025;17(5):e83623, Abb. 1, https://doi.org/10.7759/cureus.83623, CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/); Kürzel und Aufnahmevermerk entfernt.

Foto einer laufenden Hämodialyse: Blutschläuche führen vom Unterarm zur Blutpumpe des Dialysegeräts und durch einen senkrecht montierten Dialysator zurück. Oben zeigt der Bildschirm die Behandlungsparameter.

Abbildung: Extrakorporaler Kreislauf bei intermittierender Hämodialyse: Die Pumpe führt Blut durch den Dialysator und zurück. Hier erfolgt der Zugang über einen Unterarm-Shunt einer chronischen Dialyse; bei AKI dient meist ein Dialysekatheter als Zugang. Quelle: Anna Frodesiak, „Patient receiving dialysis 03.jpg“, Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Patient_receiving_dialysis_03.jpg, CC0 1.0; auf Gerät und Arm zugeschnitten, Gesicht entfernt.

Sofortige Mitbehandlung ist bei RRT-Indikation, schwerer Komplikation oder bedrohlichem glomerulärem/pulmonal-renalem Verlauf erforderlich. Frühe nephrologische Besprechung, möglichst umgehend und in der NICE-Struktur spätestens binnen 24 Stunden, ist auch bei unklarer Ursache, unzureichendem Ansprechen, Stadium 3, möglicher spezifisch behandelbarer Nephritis, Transplantat oder fortgeschrittener CKD angezeigt. Eine klar erklärbare, rasch ansprechende leichte AKI benötigt nicht automatisch dieselbe Konsilstufe. NICE NG148, §§1.5.6–1.5.16

Akute Indikationen nach AEIOU, jeweils wenn konservativ nicht beherrschbar: schwere oder fortschreitende Azidose, Kalium ab 6,5 mmol/l trotz Therapie oder Rebound bei Oligurie, dialysierbare Intoxikation wie Lithium, Methanol, Ethylenglykol oder Salicylate, Lungenödem mit Hypoxämie trotz Entstauung, urämische Perikarditis oder Enzephalopathie. Bei bedrohlicher, nicht beherrschter Lage folgt sofortige Eskalation zu Nephrologie und Intensivmedizin ohne Warten auf Kreatinin; sonst Ursachenbehandlung mit engmaschigen Kontrollen. Hohe CK, ein Kreatininwert oder Stadium 3 allein begründen keine automatische Dialyse.

Abbildung: Die Komplikation und ihr Verlauf entscheiden über akuten Nierenersatz, nicht ein einzelner Laborwert. Quelle: eigene Darstellung.

Zuerst Konsildringlichkeit: sofort bei RRT-Indikation, schwerer Komplikation oder glomerulärem beziehungsweise pulmonal-renalem Verlauf; früh, spätestens binnen 24 Stunden, bei unklarer Ursache, fehlendem Ansprechen, Stadium 3, möglicher Nephritis, Transplantat oder fortgeschrittener CKD. Dann Zugang über einen nicht getunnelten, ultraschallgesteuert gelegten Dialysekatheter, zuerst rechte V. jugularis interna, dann V. femoralis, linke V. jugularis interna und zuletzt V. subclavia, mit Röntgen vor der ersten Nutzung. Intermittierende Hämodialyse entfernt rasch, etwa 1 mmol/l Kalium in der ersten Stunde, Dosis Kt/V 3,9 pro Woche; kontinuierliche Verfahren laufen über 24 Stunden, häufig bei Kreislaufinstabilität, mit 20 bis 25 ml/kg/h Effluent und bevorzugt Citrat. Anschließend Risiken überwachen.

Abbildung: Konsildringlichkeit, Zugang und Verfahrenswahl sind getrennte Schritte; Nierenersatz überbrückt, heilt aber die Ursache nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Die Wirkung richtig zuordnen

Aufgabe

Bei Kalium 7,0 mmol/l mit EKG-Veränderungen bessert sich das EKG nach Kalzium. Der Kontrollwert beträgt weiter 7,0 mmol/l. Was bedeutet das?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Kalium vor Kalzium7,0 mmol/l
EKG vor KalziumVeränderungen
EKG nach KalziumGebessert
Kalium nach KalziumWeiter 7,0 mmol/l
  1. a)Der Herzschutz kann wirksam sein; Shift, Elimination und Überwachung bleiben notwendig.
  2. b)Das Kalzium war unwirksam, weil der Kaliumwert unverändert ist.
  3. c)Nach EKG-Besserung kann die weitere Kaliumbehandlung beendet werden.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Dosis und Sicherheitsplan

Aufgabe

Das überwachte UKKA-Schema sieht 25 g Glukose zur Insulingabe vor. Berechne das Volumen einer 20%igen Lösung. Die Ausgangsglukose beträgt 6,0 mmol/l: Welche zusätzliche Glukosegabe und welche ersten drei Kontrollen nach Gabe gehören zum beschriebenen Protokoll?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Vorgesehene Glukosemenge25 g zur Insulingabe
Verfügbare LösungGlukose 20 %
Ausgangsglukose6,0 mmol/l
RahmenÜberwachtes UKKA-Schema
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

RRT begründen statt einen Grenzwert suchen

Aufgabe

Ein oligurischer Patient hat nach initialer Behandlung erneut K 6,8 mmol/l, zunehmendes Lungenödem und Sauerstoffbedarf. Kreatinin beträgt 2,6 mg/dl. Begründe die nächste Eskalation und erkläre, warum du nicht auf Kreatinin 4 mg/dl wartest.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
UrinmengeOligurie
Kalium nach erster BehandlungErneut 6,8 mmol/l
AtmungZunehmendes Lungenödem; Sauerstoffbedarf
Kreatinin2,6 mg/dl

Röntgenaufnahme des Thorax im Sitzen von vorn: In beiden Lungen, betont in Mittel- und Unterfeldern, liegen ausgedehnte fleckige bis zusammenfließende Verschattungen; die Oberfelder sind dunkler und besser belüftet.

Abbildung: Beispielbild eines Thoraxröntgens mit beidseitigen Verschattungen bei zunehmendem Sauerstoffbedarf (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Milorde Attolico A, Khalid Z, Ramachandran D, Omodara AB et al., Cureus 2025;17:e95320, Abb. 7, CC BY 4.0, Aufnahmevermerke und Kürzel abgeschnitten.

In der App sprechen üben →

Verlauf und Übergabe

Lernziel: Du kannst einen AKI-Plan vorstellen, erklären und die Nachsorge festlegen.

Den Verlauf in Entscheidungen übersetzen

Nach der ersten Behandlung fragst du erneut: Ist die Ursache plausibel und behandelt? Sind Perfusion und Volumenstatus besser? Entwickeln sich neue Komplikationen? Passt die Medikamentendosis noch? Kreatinin kann zeitversetzt reagieren; Urinmenge, klinischer Zustand und Elektrolyte werden gemeinsam bewertet. Eine Diurese wieder ≥ 0,5 ml/kg/h ist ein günstiges, aber kein alleiniges Zeichen; Kalium ≥ 6,5 mmol/l oder EKG-Veränderungen verlangen sofortige Akuttherapie.

Nach der ersten Behandlung werden vier Fragen geprüft: Ursache behandelt, Perfusion und Volumen gebessert, neue Komplikation, Dosis noch passend. Kreatinin, Diurese, Elektrolyte und Klinik werden gemeinsam bewertet und führen zu drei Ergebnissen: besser, unverändert oder schlechter mit sofortiger Eskalation.

Abbildung: Ein einzelner Kreatininwert entscheidet nicht; erst der gemeinsame Trend aus Diurese, Elektrolyten und Klinik bestimmt den nächsten Schritt. Quelle: eigene Darstellung.

PhaseWas in den Plan gehört
Akut instabilSofortige Wiederbeurteilung, Monitoring, nach Gefahr kurze Laborkontrollabstände
Stabiler stationärer VerlaufRegelmäßige klinische/Bilanzkontrolle, häufig tägliches Kreatinin; Intervalle nach Dynamik
EntlassungAktueller Restbefund, Medikamentenplan, konkreter früher Kontrolltermin und Zuständigkeit
Nach AKINach etwa drei Monaten Erholung beziehungsweise neue/verschlechterte CKD beurteilen

Die Dreimonatskontrolle ersetzt keine frühere Kontrolle bei unvollständiger Erholung, Medikamentenänderung oder hohem Risiko. Zu berücksichtigen sind Kreatinin/eGFR bei wieder stabiler Lage, Blutdruck und gegebenenfalls Albuminurie. Auch scheinbar erholte Patienten haben ein erhöhtes Risiko für erneute AKI und spätere CKD. Prognosen werden deshalb bedingt formuliert. KDIGO, Empfehlung 2.3.4

Ein risikoadaptiertes Schema setzt die erste Kontrolle nach Entlassung bei Kreatinin mehr als 50 % über dem Ausgangswert oder Herzinsuffizienz innerhalb von 1–2 Wochen, bei 25–50 % innerhalb eines Monats und bei guter Erholung ohne Zusatzrisiko innerhalb von drei Monaten an. Als Zusatzrisiko gelten Herz-Kreislauf-Erkrankung, Intensivaufenthalt, Krebs, wiederholte AKI und Gebrechlichkeit; liegt eines vor, rückt die Kontrolle eine Stufe vor (25–50 % dann 1–2 Wochen, bis 25 % dann ein Monat). Eine CKD-Entwicklung wird mindestens drei Jahre nach AKI überwacht, nach Stadium 3 länger, auch wenn die eGFR wieder dem Ausgangswert entspricht. BC Renal, AKI-Nachsorge, NICE NG203

Der Ablauf führt von der instabilen Akutphase über den stabilen Stationsverlauf und die Entlassung zur ersten Kontrolle nach Risiko: hoch innerhalb von 1–2 Wochen, mittel innerhalb eines Monats, niedrig innerhalb von drei Monaten. Danach folgen die Beurteilung nach etwa drei Monaten und die langfristige Überwachung über mindestens drei Jahre. Neue Atemnot, Oligurie oder Ödeme führen in jeder Phase zur sofortigen Neubeurteilung.

Abbildung 9. Der frühe Kontrolltermin richtet sich nach Restbefund und Risikofaktoren; die Dreimonatsbeurteilung ersetzt ihn nicht. Neue Warnzeichen warten nicht auf den geplanten Termin. Quelle: eigene Darstellung.

Eine klare ärztliche Vorstellung

Lesetext und ausgearbeitetes Beispiel

Eine brauchbare Übergabe verbindet Problem und Dynamik → vermutete Ursache und wichtige Alternative → aktuelle Gefahr → bisherige Maßnahmen und tatsächliche Wirkung → nächste Schritte mit Zuständigkeit. Sage ausdrücklich, ob eine Maßnahme erst geplant oder bereits erfolgt ist.

„Ich stelle eine 72-jährige Patientin nach drei Tagen Durchfall und geringer Flüssigkeitsaufnahme vor. Kreatinin stieg in 48 Stunden von 0,9 auf 1,8 mg/dl; damit besteht mindestens eine AKI Stadium 2. Die Urinmenge wird jetzt verlässlich erfasst. Hypotonie und Ibuprofeneinnahme stützen eine hämodynamische Komponente; eine zusätzliche Tubulusschädigung und Obstruktion sind noch zu prüfen. Kalium beträgt 5,4 mmol/l, aktuell besteht keine Dyspnoe. Eine überwachte Flüssigkeitsbehandlung und Medikamentenprüfung sind vorgesehen; ihre Wirkung ist noch nicht dokumentiert. Ich kontrolliere jetzt Kreislauf, EKG nach klinischer Indikation, Elektrolyte, Urinstatus und Abfluss und lege die nächsten Messzeiten fest.“

Teil des BerichtsFormulierung mit Grenze
Gesicherter Befund„Kreatinin hat sich in 48 Stunden verdoppelt.“
Verdacht„Verlust und Medikation stützen eine hämodynamische Komponente.“
Noch offener Punkt„Der Abfluss ist noch nicht beurteilt.“
Wirkung„Eine Verbesserung ist erst nach dokumentierter Wiederbeurteilung zu beschreiben.“

Eine Epikrise fasst den tatsächlichen Verlauf und die daraus folgende Empfehlung zusammen. „Nach Infusion erholt“ ist ohne entsprechenden Verlauf keine zulässige Abkürzung. Für eine Prognose benennst du Ursache, Schwere, Ausgangsfunktion, Reaktion und Unsicherheit. Zeitlich gilt eine Erholung binnen 48 Stunden als rasch; hält die Störung länger als 7 Tage an, spricht man von AKD, nach mehr als 90 Tagen von CKD.

Der konkrete Fall wird in fünf Schritten von Kreatininverlauf über Ursache, Alternativen und Gefahr zu Maßnahmen und nächsten Kontrollen vorgestellt. Die Schlusskästen trennen geplante Maßnahmen von tatsächlich erfolgter Behandlung.

Abbildung: Die Zahlen begründen das Stadium; eine Wirkung wird erst nach dokumentierter Wiederbeurteilung behauptet. Quelle: eigene Darstellung.

Ursache, Schwere, Ausgangswert und Reaktion führen zum Restbefund mit Zahlen. Danach wird die Erholung als vollständig, teilweise oder ausbleibend eingeordnet; ausbleibende Erholung über 7 Tage entspricht einer AKD, über 90 Tage einer CKD. Die Prognose wird bedingt formuliert, und jede Gruppe erhält frühe Kontrolle und Beurteilung nach etwa drei Monaten.

Abbildung: „Erholt“ steht in der Epikrise nur, wenn der Ausgangswert dokumentiert wieder erreicht ist; sonst werden Besserung und Restdefizit getrennt benannt. Quelle: eigene Darstellung.

Die Patientin einbeziehen

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ihre Nieren arbeiten im Moment schlechter als sonst. Vermutlich tragen der Flüssigkeitsverlust und einige Medikamente dazu bei. Wir kontrollieren deshalb nicht nur den Nierenwert, sondern auch Ihre Urinmenge, Salze im Blut und den Kreislauf. Außerdem prüfen wir, ob der Urin ungehindert abfließen kann. Die Behandlung hängt davon ab, ob Ihnen Flüssigkeit fehlt oder sich Flüssigkeit staut. Häufig kann sich die Funktion bessern; wir können heute noch nicht sicher sagen, wie vollständig. Was ist Ihnen dazu besonders wichtig, und wie würden Sie unseren nächsten Schritt zusammenfassen?“

Wenn Nierenersatz erforderlich werden könnte: „Mit einer Blutreinigung können wir vorübergehend überschüssige Salze, Säuren und Wasser entfernen. Ob sie nötig ist und wie lange, hängt von Ihrem Verlauf ab. Wir besprechen Nutzen, Belastungen und Ihre Behandlungsziele.“ Lebensbedrohliche Situationen brauchen rasche Entscheidungen; Erklärung und Einbezug werden so früh wie möglich durchgeführt.

Für zu Hause werden Warnzeichen konkret genannt: deutlich weniger Urin, neue Atemnot, zunehmende Schwellung, anhaltendes Erbrechen/Durchfall oder deutliche Verschlechterung verlangen rasche medizinische Rücksprache. Arzneimitteländerungen werden schriftlich mit Wiederbeurteilung festgehalten; ein pauschaler selbstständiger Absetzauftrag für alle Medikamente ist ungeeignet. Eine Gewichtszunahme von mehr als 2 kg in drei Tagen ist ein konkretes Zeichen für Flüssigkeitseinlagerung. Wird ein ACE-Hemmer oder Sartan nach Stabilisierung wieder angesetzt, werden Kalium und Kreatinin innerhalb von 1–2 Wochen kontrolliert. ESC-HFA, Gewichtszunahme, NHS SPS, ACE-Hemmer/ARB-Monitoring

Die Warnzeichen werden der Patientin mit konkreter Handlung mitgegeben:

WarnzeichenKonkretWas tun
Weniger UrinDeutlich weniger als sonst; Oligurie: < 500 ml/TagRasch ärztliche Rücksprache
Schwellung, Gewicht> 2 kg in 3 Tagen, dickere BeineRasch ärztliche Rücksprache
AtemnotNeu oder zunehmendSofort ärztlich abklären; schwer: 112
Erbrechen, DurchfallAnhaltend, kaum Trinken möglichRasch Rücksprache, Medikamentenplan prüfen

Der Medikamentenplan unterscheidet beenden, Pause prüfen und Dosis anpassen. Die Wiederaufnahme setzt stabilen Kreislauf, stabile Nierenfunktion und fortbestehende Indikation voraus; nach Wiederbeginn eines ACE-Hemmers oder Sartans folgen Kalium und Kreatinin innerhalb von 1–2 Wochen. Ein pauschaler Absetzauftrag ist ungeeignet, ein schriftlicher Plan mit Grund und Prüfdatum geeignet.

Abbildung: Jede Pause bekommt ein Prüfdatum und eine zuständige Person; die Wiederaufnahme sinnvoller Medikamente gehört ebenso zum Plan wie das Absetzen. Quelle: eigene Darstellung.

Das Gespräch führt vom Erklären der Störung über Kontrollen und möglichen Nierenersatz zu zwei parallelen Teilen: konkrete Warnzeichen zu Hause (weniger als 500 ml Urin am Tag, mehr als 2 kg in 3 Tagen, neue Atemnot, anhaltendes Erbrechen oder Durchfall) und ein schriftlicher Plan mit Prüfdaten und Kontrollen. Schwere Atemnot führt zum Rettungsdienst, andere Warnzeichen zur raschen Rücksprache.

Abbildung: Neue Beschwerden verlangen rasche Rücksprache; die spätere Kontrolle ersetzt weder frühe Nachsorge noch eine akute Beurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützte Kommunikation

Aufgabe

Die Patientin fragt: „Ist mein Nierenwert jetzt für immer schlecht?“ Ergänze zwei Sätze: eine bedingte Prognose und eine konkrete Aussage zur Kontrolle.

Die Tabelle hält den Gesprächsanlass und den Antwortumfang fest.

AngabeFalldaten
Patientinnenfrage„Ist mein Nierenwert jetzt für immer schlecht?“
AntwortumfangZwei Sätze
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Ein neuer Fall von Anfang bis Ende

Aufgabe

Ein 76-jähriger Mann, 80 kg, berichtet über zwei Tage Erbrechen. Er nimmt einen AT₁-Blocker, ein Diuretikum und seit drei Tagen Ibuprofen. Kreatinin vor vier Tagen 1,1 mg/dl, heute 2,5 mg/dl; K 5,8 mmol/l. In zwölf Stunden wurden verlässlich 300 ml Urin gemessen. Blutdruck 92/58 mmHg, trockene Schleimhäute, keine Dyspnoe oder klinisch erkennbare Stauung. Eine Abflussbeurteilung fehlt.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Patient76 Jahre; 80 kg
VerlusteErbrechen seit zwei Tagen
MedikamenteAT₁-Blocker, Diuretikum; Ibuprofen seit drei Tagen
KreatininVor vier Tagen 1,1; heute 2,5 mg/dl
Kalium5,8 mmol/l
Urin300 ml in zwölf Stunden
Blutdruck92/58 mmHg
UntersuchungTrockene Schleimhäute; keine Dyspnoe oder erkennbare Stauung
AbflussNoch nicht beurteilt

Stelle den Fall in höchstens sechs Sätzen vor: Diagnose/Stadium, zwei Ursachenüberlegungen, dringliche Prüfung, erste Behandlung und Kontrolle. Nenne zusätzlich einen Befund, der deinen Flüssigkeitsplan ändern würde.

In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Bei neuen Daten den Plan ändern

Aufgabe

Bei demselben Patienten steigt Kalium trotz erster Akuttherapie erneut auf 6,9 mmol/l; die Urinmenge nimmt weiter ab und es entsteht ein Lungenödem. Formuliere die telefonische Eskalation an Nephrologie/Intensivmedizin in drei bis vier Sätzen. Arzneimitteldosen musst du hier nicht wiederholen.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
BehandlungErste Akuttherapie bereits erfolgt
KaliumErneut 6,9 mmol/l
UrinmengeWeiter abnehmend
Neuer BefundLungenödem

Röntgenaufnahme des Thorax im Liegen mit Seitenmarkierung RIGHT, EKG-Elektroden und Kabeln: Beidseits ist die Lungenzeichnung vermehrt, unscharf und fleckig-netzig; die Zwerchfellkonturen sind teils verwischt.

Abbildung: Beispielbild einer Thorax-Liegendaufnahme mit beidseits vermehrter, unscharfer Lungenzeichnung (Bild aus einem anderen Fall). Quelle: Kokolis-Lattanzio MA, Lopez DG, Dean ME, Cureus 2026;18:e106507, Abb. 2, CC BY 4.0, unverändert im Bildausschnitt.

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Freie Antwort

Eine ehrliche Epikrise schreiben

Aufgabe

Separater Verlauf: Nach Verlustausgleich und Medikamentenanpassung bessern sich Kreislauf und Diurese. Kreatinin fällt von 2,2 auf 1,3 mg/dl; früherer stabiler Wert 0,8 mg/dl. Kalium ist aktuell normal. Schreibe eine kurze Epikrise mit bedingter Prognose und Nachsorge. Formuliere keine vollständige Erholung, die nicht belegt ist.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
MaßnahmenVerlustausgleich; Medikamentenanpassung
Kreislauf und DiureseGebessert
Kreatinin im Verlauf2,2 → 1,3 mg/dl
Früherer stabiler Wert0,8 mg/dl
KaliumAktuell normal
In der App sprechen üben →

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AKI erkennen und einstufenZwei Signale einer akuten VeränderungDie höhere Stufe zähltZeit und Menge gemeinsam lesenUnterstützt einstufenEin scheinbar normaler WertUrsachen lokalisierenWo wird die Funktion gestört?Warum Ödeme nicht automatisch mehr Volumen verlangenAbfluss zuerst mitdenkenZwei Mechanismen verbindenDie gefährliche KombinationDiagnostik mit GrenzenDie ersten Fragen beantwortenWas der Urinbericht leisten kannSonografie und Urinindizes nicht überdeutenEinen Befund zur Entscheidung machenEinen scheinbaren Ausschluss korrigierenUnter Anleitung untersuchenIntrarenale MusterTubulusschädigung: mehr als eine vorübergehende MinderperfusionInterstitielle Nephritis: die neue Medikation ernst nehmenRasch progredient: nicht auf den nächsten Routinetermin wartenEin Muster begründet vorstellenDie Diagnosewahrscheinlichkeit ändernEine besonders gefährliche VerbindungErholung sicher begleitenRhabdomyolyse und AKIWas aus geschädigten Muskeln freigesetzt wirdDunkler Urin ist keine notwendige BedingungFrüh behandeln, nicht blind Flüssigkeit erzwingenUnterstützt priorisierenDie fehlende Wirkung beachtenVolumen und MedikamenteJede Gabe braucht ein ZielMedikamente nach drei Fragen prüfenKontrast, Alter und besondere SituationenEin überprüfbarer PlanUnterstützt bilanzierenEine Überlastung behandelnDie Pause beenden könnenKomplikationen und ErsatzGefahr hat Vorrang vor dem StadiumHyperkaliämie: die drei Ziele anwendenDer erste gute Wert beendet die Therapie nichtWann Nierenersatz nötig wirdDie Wirkung richtig zuordnenDosis und SicherheitsplanRRT begründen statt einen Grenzwert suchenVerlauf und ÜbergabeDen Verlauf in Entscheidungen übersetzenEine klare ärztliche VorstellungDie Patientin einbeziehenUnterstützte KommunikationEin neuer Fall von Anfang bis EndeBei neuen Daten den Plan ändernEine ehrliche Epikrise schreiben

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