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Lernpfade

Pneumonie sicher versorgen

Lernziel: Du kannst Pneumonie erkennen und Versorgung, Therapie und Verlauf begründen.

Von Luft zu Blut

Lernziel: Du kannst erklären, warum eine Pneumonie die Sauerstoffaufnahme stört.

Lernweg: Gasaustausch → Erkrankungskontext → Beschwerden und Untersuchung → Dringlichkeit → Diagnostik → Antibiotika → HAP und Aspiration → Verlauf → Komplikationen → virale Infektionen und Tuberkulose → Gespräch und Bericht → neue Fälle.

Alle Fälle sind fiktiv. Die Medikamentenbeispiele beziehen sich auf Erwachsene; Organfunktion, Allergien und Wechselwirkungen werden jeweils mitgeprüft. Die code-gezeichneten Abbildungen zeigen Abläufe und funktionelle Beziehungen. Echte Aufnahmen und Präparate stammen aus offen lizenzierten Quellen und sind jeweils mit Quelle gekennzeichnet; Bildgebungsaufgaben nennen zusätzlich den schriftlichen Befund.

Eine kurze Erinnerung mit neuer Anwendung

Luft gelangt über Trachea, Bronchien und Bronchiolen zu den Alveolen. Dort liegen Luft und Kapillarblut an einer dünnen Austauschfläche nebeneinander. Ventilation erneuert die Luft, Perfusion bringt das Blut. Sauerstoff tritt aus den Alveolen ins Blut über; CO₂ nimmt den umgekehrten Weg und wird ausgeatmet. In Ruhe treibt ein Gefälle von etwa 100 mmHg in der Alveole zu etwa 40 mmHg im venösen Blut O₂ ins Blut. CO₂ diffundiert etwa 20-mal leichter; ihm genügt ein Gefälle von etwa 46 zu 40 mmHg. Diese Grundlagen werden im Atemphysiologie- und BGA-Lernweg ausführlicher behandelt. Hier brauchen wir sie für die Infektion.

BestandteilFunktionBedeutung bei Pneumonie
AtemwegeLuft leiten, Sekret entfernenSekret kann die Belüftung behindern.
AlveolenAustausch zwischen Luft und BlutEntzündungsflüssigkeit verdrängt Luft.
KapillarenBlut an Austauschflächen führenBlut kann schlecht belüftete Bezirke weiter durchströmen.

Ablaufdiagramm: Ventilation (Alveole pO₂ etwa 100, pCO₂ etwa 40 mmHg) und Perfusion (venös pO₂ etwa 40, pCO₂ etwa 46 mmHg) treffen an der dünnen Membran zusammen; arterielle Normwerte; Störungen durch fehlende Luft, fehlendes Blut oder verdickte Membran.

Abbildung 1: Ventilation und Perfusion treffen an der Austauschfläche zusammen. Verfolge die Partialdruckgefälle: O₂ strömt von etwa 100 zu 40 mmHg ins Blut, CO₂ braucht nur ein kleines Gefälle. Die untere Reihe zeigt, wo der Gasaustausch gestört sein kann; die Pneumonie gehört zu „Luft fehlt“. Quelle: eigene Darstellung.

Bei einer Pneumonie entzündet sich Lungengewebe. Flüssigkeit und Entzündungszellen sammeln sich unter anderem in den Alveolen. Es kommt weniger Luft an, während Blut weiterhin vorbeifließt: Das Verhältnis von Belüftung zu Durchblutung sinkt. Die hypoxische Vasokonstriktion (Euler-Liljestrand-Mechanismus) drosselt die Durchblutung solcher Bezirke nur teilweise. Bei vollständig unbelüfteten, weiter durchbluteten Bezirken entsteht ein Shuntanteil. Dieses Blut nimmt dort kaum Sauerstoff auf. Deshalb kann die Sauerstoffsättigung sinken; ausgeprägte Shuntanteile lassen sich durch zusätzliche Sauerstoffgabe allein nur begrenzt ausgleichen. Unter Raumluft spricht man ab einem PaO₂ unter 60 mmHg bzw. einer Sättigung unter 90 % von Hypoxämie.

Lichtmikroskopisches Bild einer Bronchopneumonie in HE-Färbung: eine Bronchiole ist dicht mit Entzündungszellen gefüllt, am Rand liegen weiße, noch luftgefüllte Alveolen.

Abbildung: Bronchopneumonie im Lungenschnitt (HE-Färbung). In der Bildmitte ist eine Bronchiole dicht mit neutrophilen Granulozyten gefüllt; oben links und am rechten Rand liegen noch luftgefüllte, weiße Alveolen. Achte auf den Übergang von leerem Luftraum zu zellgefülltem Gewebe: Dort fehlt die Luft für den Gasaustausch. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0 (verkleinert).

Stark vergrößertes Lungengewebe in HE-Färbung bei tödlicher Legionellen-Pneumonie: die Alveolarräume sind mit Entzündungszellen, Zelltrümmern und Fibrin ausgefüllt.

Abbildung: Starke Vergrößerung einer schweren Pneumonie (Legionellen, HE-Färbung). Die Alveolarräume sind fast vollständig mit Entzündungszellen, Zelltrümmern und Fibrin gefüllt; kaum ein Luftraum bleibt frei. So sieht ein Bezirk aus, der weiter durchblutet, aber nicht mehr belüftet wird. Quelle: CDC/William Cherry, CDC Public Health Image Library (PHIL #10155), gemeinfrei (verkleinert).

Ablaufdiagramm: Alveolen füllen sich mit Exsudat, die Belüftung sinkt bei erhaltener Durchblutung; teilweise belüftete Bezirke mit niedrigem V/Q sprechen auf O₂ an, unbelüftete Shuntbezirke kaum; Mischblut senkt den PaO₂.

Abbildung: Vom Exsudat zum Shuntanteil. Vergleiche 3a und 3b: Bei niedrigem V/Q hebt O₂ die Sättigung meist, beim echten Shunt (V/Q = 0) kaum. Entscheidend ist die fortbestehende Durchblutung schlecht oder nicht belüfteter Bezirke. Quelle: eigene Darstellung.

Bei der Pneumonie überwiegen Ventilations-Perfusions-Missverhältnis und Shunt. Eine Hypoventilation kommt erst bei Erschöpfung oder zusätzlicher Atempumpenstörung hinzu; eine Diffusionsstörung ist typisch für verdickte Membranen wie bei Lungenfibrose.

Entscheidungsdiagramm: Hypoxämie wird zuerst nach dem PaCO₂ eingeordnet; erhöhter PaCO₂ spricht für Hypoventilation, normaler oder niedriger PaCO₂ für V/Q-Missverhältnis, Shunt oder Diffusionsstörung, die sich in der Antwort auf O₂ unterscheiden.

Abbildung: Vier Mechanismen der Hypoxämie. Lies zuerst den PaCO₂, dann die Antwort auf Sauerstoff. Eine Pneumonie liegt typischerweise rechts (V/Q ↓ und Shunt); wird der Patient erschöpft, kommt links die Hypoventilation hinzu. Quelle: eigene Darstellung.

CO₂ verhält sich nicht automatisch gleich. Eine zunächst gesteigerte wirksame Atmung kann CO₂ vermehrt abatmen; der PaCO₂ liegt dann oft unter dem Normbereich von 35–45 mmHg. Erst bei Erschöpfung oder zusätzlichem Ventilationsproblem kann CO₂ steigen. Ein Wiederanstieg in den Normbereich bei weiter schwerer Atemnot kann eine beginnende Erschöpfung anzeigen; ein PaCO₂ über 45 mmHg mit pH unter 7,35 zeigt ein akutes ventilatorisches Versagen. Niedriges CO₂ ist deshalb kein Entwarnungszeichen.

Verlaufsdiagramm: Kompensation mit PaCO₂ unter 35 mmHg, Ermüdung mit Rückkehr in den Normbereich oder zusätzliches Ventilationsproblem, dann Ventilationsversagen mit PaCO₂ über 45 mmHg und pH unter 7,35.

Abbildung: Der CO₂-Verlauf zeigt die Ventilation. Lies den Wert zusammen mit der Atemleistung: Ein niedriger PaCO₂ ist keine Entwarnung, ein „normaler“ Wert bei schwerer Atemnot kann bereits eine Ermüdung anzeigen. Quelle: eigene Darstellung.

Die beiden Formen der respiratorischen Insuffizienz unterscheiden sich vor allem im CO₂:

MerkmalHypoxämisch (Typ I)Hyperkapnisch (Typ II)
BlutgasePaO₂ ↓, PaCO₂ normal oder ↓PaCO₂ > 45 mmHg, PaO₂ sekundär ↓
StörungLungenparenchym, GasaustauschAtempumpe, Ventilation
BeispielPneumonie, ARDSErschöpfung, Opioide, COPD
Schwerpunkt der HilfeSauerstoff, ggf. High-Flow/NIVVentilation unterstützen (NIV)

Messwert und Patient zusammenlesen

BeobachtungAussageGrenze
SpO₂Pulsoxymetrisch geschätzte Hb-SättigungKeine direkte CO₂-Messung
Arterieller PaO₂Sauerstoffpartialdruck im BlutO₂-Zufuhr und Kontext nötig
Atemfrequenz und AtemarbeitBelastung der AtmungSchnelle Atmung kann ineffektiv sein.

Diese Normbereiche und Warnschwellen brauchst du für die Einordnung:

MessgrößeNormbereichWarnschwelle
SpO₂≥ 95 %< 90 % unter Raumluft
PaO₂70–100 mmHg, altersabhängig< 60 mmHg; ≤ 55 mmHg schwer
PaCO₂ / pH35–45 mmHg / 7,35–7,45> 45 mmHg mit pH < 7,35
Atemfrequenz12–20/min> 24/min instabil; ≥ 30/min CRB-65
PaO₂/FiO₂etwa 450 mmHg unter Raumluft< 200 mmHg: akute respiratorische Insuffizienz

Die Pulsoxymetrie misst schnell und ohne Punktion, hat aber feste Grenzen: Bei kritisch Kranken kann die SpO₂ um bis zu etwa 4 Prozentpunkte von der arteriellen Sättigung abweichen. Unterhalb von etwa 90 % (entsprechend einem PaO₂ um 60 mmHg) fällt die Sättigung steil ab.

Fingerpulsoxymeter am Finger mit Anzeige der Sauerstoffsättigung von 96 % und einer Pulsfrequenz von 85 pro Minute.

Abbildung: Fingerpulsoxymeter mit Anzeige von SpO₂ (96 %) und Pulsfrequenz (85/min). Vergleiche die angezeigte Pulsfrequenz mit dem getasteten Puls: Stimmen sie nicht überein oder schwankt die Signalanzeige, ist der Sättigungswert unzuverlässig. Quelle: Stefan Bellini, Wikimedia Commons, CC0 1.0 (zugeschnitten, verkleinert).

Diagramm zur Pulsoxymetrie: was SpO₂ zeigt und nicht zeigt, Hinweise zur Sauerstoffbindungskurve, Ursachen falsch hoher oder unsicherer Werte und die Entscheidung zur arteriellen Blutgasanalyse.

Abbildung: Pulsoxymetrie richtig lesen. Der Wert sagt nichts über CO₂, pH und Atemarbeit. Bei zweifelhaftem Wert oder kritischem Zustand gibt die arterielle Blutgasanalyse die Antwort. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Patientin atmet 29-mal/min und hat SpO₂ 89 % unter Raumluft. Eine korrekt gemessene niedrige Sättigung passt zu gestörtem Gasaustausch. Die erhöhte Atemfrequenz zeigt eine Reaktion auf die Belastung; sie beweist keine ausreichende Kompensation. Eine Atemfrequenz über 24/min gilt bereits als Zeichen klinischer Instabilität; ab 30/min zählt sie im CRB-65. Du prüfst Signalqualität, Atemarbeit und Bewusstsein, beginnst die erforderliche Unterstützung und klärst die Ursache. Sauerstoff wird dabei mit Zielbereich titriert: meist SpO₂ 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko 88–92 %. Du wartest bei sichtbarer Bedrohung nicht auf die nächste Messung.

Ablaufdiagramm zum Beispiel mit Atemfrequenz 29/min und SpO₂ 89 % unter Raumluft: Messwert prüfen, klinische Belastung einschätzen, Sauerstoff mit Zielbereich beginnen, Ursache und Schwere klären; stabil oder Verschlechterung.

Abbildung: Die erhöhte Frequenz beweist keine ausreichende Kompensation. 29/min liegt knapp unter der CRB-65-Schwelle, ist aber bereits ein Instabilitätszeichen. Überprüfe Messung und klinische Belastung gemeinsam und beginne die Unterstützung sofort. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Die Beziehung ergänzen

Aufgabe

Ergänze: „Die entzündlich gefüllte Alveole erhält weniger …, wird aber weiter … . Deshalb kann das vorbeifließende Blut weniger … aufnehmen.“

Trage die drei Ergänzungen in die Tabelle ein.

SatzteilErgänzung
„erhält weniger …“…
„wird aber weiter …“…
„kann weniger … aufnehmen“…
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

CO₂ als falsche Entwarnung

Aufgabe

Bei einer 59-jährigen Person mit Pneumonie liegen unter Raumluft ein deutlich erniedrigter PaO₂ von 54 mmHg und ein erniedrigter PaCO₂ von 30 mmHg vor. Sie atmet angestrengt. Welche Aussage trifft zu?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe
Alter59 Jahre
PaO₂ / PaCO₂54 / 30 mmHg unter Raumluft
AtmungAngestrengt
  1. a)Das niedrige CO₂ schließt ein relevantes Atemversagen aus.
  2. b)Das Sauerstoffproblem bleibt relevant; Atemarbeit und Verlauf bestimmen die Dringlichkeit mit.
  3. c)Die niedrigen Werte beweisen eine unzureichende Durchblutung der gesamten Lunge.
Lösung in der App →

Infektion und Kontext

Lernziel: Du kannst CAP, HAP und Aspiration als unterschiedliche Kontexte einordnen.

Was bedeutet Pneumonie?

Eine Pneumonie ist eine Infektion des Lungenparenchyms, also des Gewebes, das die Atemfunktion trägt. Sie kann alveoläre und interstitielle Bereiche betreffen. Eine Konsolidierung bezeichnet verdichtetes, luftärmeres Lungengewebe; sie ist ein Befund und beweist allein weder Infektion noch einen bestimmten Erreger. Eine Bronchitis betrifft vor allem die Bronchien. Husten mit verfärbtem Auswurf reicht zur Unterscheidung nicht aus. Für die Diagnose fordert die S3-Leitlinie ein neu aufgetretenes Infiltrat in der Bildgebung. Klinische Zeichen allein haben einen positiven Vorhersagewert unter 50 %, und etwa 21 % der später gesicherten Pneumonien zeigen im ersten Röntgenbild noch kein Infiltrat.

Die Tabelle stellt die beiden Diagnosen nebeneinander.

MerkmalAkute BronchitisPneumonie
OrtBronchienLungenparenchym (Alveolen, Interstitium)
BildgebungKein neues InfiltratNeues Infiltrat, oft Konsolidierung
AuskultationAllenfalls Giemen oder BrummenOhrnahe Rasselgeräusche, Bronchialatmen möglich
AntibiotikumMeist nicht nötig, überwiegend viralKalkuliert nach Kontext und Schwere

Röntgen-Thorax im posterior-anterioren Strahlengang mit einer flächigen Verschattung im rechten Mittel- bis Unterfeld, die an den rechten Herzrand heranreicht.

Abbildung: Lobärpneumonie des rechten Mittellappens bei einem 67-jährigen Mann. Die Verschattung liegt rechts neben dem Herzen; die Markierung „Sin“ kennzeichnet die linke Körperseite. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

CT des Thorax in axialer, koronarer und sagittaler Ebene mit einer keilförmigen Verdichtung im rechten Mittellappen; darin verlaufen dunkle, luftgefüllte Bronchien.

Abbildung: Derselbe Patient in der CT. Die Konsolidierung ist auf den Mittellappen begrenzt; die dunklen Äste im verdichteten Gewebe sind luftgefüllte Bronchien (Aerobronchogramm). Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Eine Konsolidierung im Bild wird erst mit neuem Infiltrat und passender Klinik zur Pneumonie; Lungenödem, Atelektase, Tumor, Lungenembolie und interstitielle Erkrankung sind Alternativen. Klinik allein hat einen positiven Vorhersagewert unter 50 %, 21 % zeigen zunächst kein Infiltrat.

Abbildung: Vom Befund zur Diagnose – erst Klinik, Verlauf und Alternativen machen aus einer Verdichtung eine Pneumonie. Quelle: eigene Darstellung.

Mikroorganismen können eingeatmet werden oder mit kleinen Mengen von Sekret aus dem Mund-Rachen-Raum in die unteren Atemwege gelangen. Der häufigste Weg ist die unbemerkte Mikroaspiration, etwa im Schlaf; Influenza, SARS-CoV-2, Legionellen und Tuberkulose werden dagegen eingeatmet. Normalerweise schützen Schleimtransport, Husten und Immunabwehr. Schluckstörung, Bewusstseinsminderung, virale Vorschädigung und schwere Grunderkrankung können diese Abwehr schwächen. Der Kontext verändert die wahrscheinlichen Erreger und die Folgen einer Infektion. Bei Schluckstörung durch eine ZNS-Erkrankung sind S. aureus und Enterobakterien häufiger, bei schwerer COPD oder Bronchiektasen ist P. aeruginosa möglich; nach Influenza tritt S. aureus als bakterielle Superinfektion überproportional häufig auf.

Mikroaspiration und Inhalation treffen auf Schleimtransport, Husten und Immunabwehr. Vier parallel geprüfte Faktoren – Schluckfunktion, virale Vorschädigung, strukturelle Lungenerkrankung und schwere Immunsuppression – verändern Erregerspektrum und Vorgehen.

Abbildung: Verfolge jeden der vier Risikozweige vom Schutzmechanismus bis zur Konsequenz für das Vorgehen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Kontexte unterscheiden sich nach Erwerbsort und Zeitpunkt.

KontextBedeutungKonsequenz
CAP: community-acquired pneumoniaAußerhalb des Krankenhauses erworbenAmbulantes Erregerspektrum und individuellen Schweregrad prüfen.
HAP: hospital-acquired pneumoniaNeu später als 48 h nach Aufnahme, nicht bei Aufnahme inkubierendVorbehandlung, lokale Resistenzlage und Erregernachweise einbeziehen.
VAP: ventilator-associated pneumoniaPneumonie später als 48 h nach Beginn invasiver BeatmungIntensivmedizinischer HAP-Kontext

Die S3-Leitlinie ordnet jede Pneumonie in die Pneumonie-Triade ein: ambulant erworben (CAP), nosokomial erworben (HAP) oder unter schwerer Immunsuppression. Für die dritte Gruppe gelten eigene Behandlungsregeln, auch wenn die Pneumonie außerhalb des Krankenhauses erworben wurde, weil opportunistische Erreger möglich sind.

Typische Konstellationen schwerer Immunsuppression nach S3-Leitlinie:

KonstellationSchwelle oder Beispiel
NeutropenieNeutrophile < 1000/µl
Systemische Steroide≥ 20 mg Prednisonäquivalent täglich über ≥ 14 Tage oder kumulativ > 700 mg
HIV-InfektionCD4-Zellen < 200/µl
WeitereOrgan- oder Stammzelltransplantation, Antikörpermangel, angeborene Immundefekte, aktive hämatologische Erkrankung

Diabetes, schwere Nieren- oder Lebererkrankung, strukturelle Lungenerkrankung ohne systemische Steroide und Tumorerkrankungen ohne Neutropenie gelten in der Regel nicht als schwere Immunsuppression.

Zuerst werden Beginn und Krankenhauskontext geklärt. CAP und HAP werden vom gesondert geprüften Immunstatus getrennt; schwere Immunsuppression führt unabhängig vom Erwerbsort zu eigenen Regeln. Aspiration wird als zusätzlicher Mechanismus geprüft.

Abbildung: Krankenhausdauer verändert das Resistenzrisiko; sie begründet keine schwere Immunsuppression. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Pflegeheimbewohner hat nicht allein wegen seiner Wohnform eine HAP und benötigt nicht automatisch ein Breitspektrumantibiotikum. Entscheidend sind etwa frühere resistente Erreger, Antibiotikabehandlung, relevante Aufenthalte und die aktuelle Erkrankung. Immunsuppression kann ein anderes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen erfordern; eine übliche CAP-Tabelle deckt diesen Fall nicht vollständig ab.

Multiresistente Erreger sind bei CAP sehr selten (unter 1 %). Das frühere HCAP-Konzept, das Pflegeheimbewohner pauschal als Risikogruppe einstufte, hat sich nicht bewährt und führte zu Übertherapie. Ein stationärer Aufenthalt in den letzten sechs Monaten ist Anlass, Risikofaktoren individuell zu gewichten: Eine vorherige Hospitalisierung zählt stark, Dialyse und Pflegeheim nur als möglicher Faktor. Bei der HAP nennt die S3-Leitlinie 2024 unter anderem eine Antibiotikatherapie über 24 h in den letzten 30 Tagen und eine Hospitalisierung von mindestens 5 Tagen vor Krankheitsbeginn als therapierelevante Risikofaktoren. CRB-65 sagt bei älteren Menschen und Pflegeheimbewohnern eine niedrige Letalität nur unzureichend voraus; das Therapieziel – kurativ oder palliativ – wird früh mitbesprochen.

Bei Pflegeheimbewohnern mit Pneumonie werden Erwerbskontext, gewichtetes Risiko für resistente Erreger, Pseudomonas-Risiko, Schluckfunktion sowie Schwere und Therapieziel getrennt beurteilt. Ohne Risikofaktoren folgt die Standard-CAP-Therapie nach Schwere, bei gewichteten Faktoren eine gezielte Erweiterung, bei schwerer Immunsuppression eigene Regeln.

Abbildung: Wohnform, Resistenzrisiko, Schlucken und Schwere beantworten verschiedene Fragen und werden einzeln geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Aspiration ist ein Ereignis, keine fertige Diagnose

Aspiration bedeutet, dass Material unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege gelangt. Magensäure kann rasch chemisch schädigen: Aspirationspneumonitis. Aspiriertes, bakteriell belastetes Sekret kann eine Aspirationspneumonie verursachen. Beides kann sich überlagern. Ein beobachtetes Ereignis, sein zeitlicher Verlauf und wiederholte klinische Beurteilungen helfen mehr als ein einzelner Entzündungswert.

Die chemische Schädigung beginnt meist innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden; bessert sich der Zustand innerhalb von 24–48 h, spricht das gegen eine bakterielle Pneumonie. Eine bakterielle Aspirationspneumonie entwickelt sich dagegen über Stunden bis Tage. Nach der S3-Leitlinie werden 13–15 % der ambulant erworbenen Pneumonien als Aspirationspneumonie eingeordnet, bei Pflegeheimbewohnern bis zu 50 %; knapp 30 % der Betroffenen haben keinen erkennbaren Risikofaktor.

Nach beobachteter Aspiration werden zuerst Atemweg und Sauerstoff gesichert. Aspirationspneumonitis durch sauren Mageninhalt beginnt in Minuten bis Stunden und bessert sich oft in 24 bis 48 Stunden; die bakterielle Aspirationspneumonie entwickelt sich über Stunden bis Tage. Beide können sich überlagern. In Rückenlage sind dorsale, im Sitzen basale Segmente betroffen, rechts häufiger.

Abbildung: Das beobachtete Ereignis legt den Mechanismus noch nicht fest; Material, zeitlicher Verlauf und Lage der Verdichtung lenken die Beurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Aspiriertes Material folgt der Schwerkraft. In Rückenlage sind vor allem dorsale Abschnitte betroffen (posteriore Oberlappen- und apikale Unterlappensegmente), im Sitzen oder Stehen die basalen Unterlappensegmente. Die rechte Lunge ist häufiger betroffen, weil der rechte Hauptbronchus steiler und weiter abgeht.

Axiale CT des Thorax im Lungenfenster mit fleckigen Konsolidierungen und verdickten Bronchialwänden in den hinteren, basalen Abschnitten beider Unterlappen, rechts ausgeprägter.

Abbildung: Aspirationspneumonie am sechsten stationären Tag bei Schluckstörung. Die Verdichtungen liegen dorsobasal in beiden Unterlappen, rechts betont – typisch für Aspiration in Rückenlage. Der Erwerbskontext ist hier nosokomial, der Mechanismus Aspiration. Quelle: Matsumoto S, Ohama R, Hoei T, Tojo R, Nakamura T. Cureus 2025;17:e94248, Abb. 1, CC BY 4.0.

Historische Zeichnung von Luftröhre und Bronchialbaum in der Ansicht von vorn; der rechte Hauptbronchus ist kürzer, weiter und verläuft steiler als der linke.

Abbildung: Luftröhre und Hauptbronchien von vorn. Der rechte Hauptbronchus (im Bild links) setzt die Richtung der Trachea steiler fort – aspiriertes Material gelangt deshalb häufiger nach rechts. Quelle: Henry Vandyke Carter, Gray's Anatomy (1918), Abb. 961, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Die S3-Leitlinie nennt diese Risikofaktoren für eine Aspirationspneumonie:

GruppeBeispiele
NeurologischZerebrovaskuläre Erkrankung, Demenz und andere neurodegenerative Erkrankungen, Epilepsie
Obere SpeisewegeOropharynx-, Hypopharynx- oder Ösophaguskarzinom, Zenker-Divertikel, Achalasie
AllgemeinBettlägerigkeit, enterale Ernährung, Untergewicht, männliches Geschlecht
BewusstseinIntoxikationen
HinweisMögliche Bedeutung
Akute Atemnot direkt nach ErbrechenChemische Schädigung, Verlegung oder Infektion differenzieren.
Dysphagie nach Schlaganfall, wiederholter Husten beim EssenErhöhtes Aspirationsrisiko; Schlucken und Ernährung sichern.
Neue oder anhaltende Infektionszeichen im VerlaufBakterielle Pneumonie beziehungsweise Komplikation prüfen.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 78-jährige Person kommt von zu Hause mit Fieber und Husten. Ein früherer Schlaganfall hat eine Schluckstörung hinterlassen. Das ist zunächst eine außerhalb des Krankenhauses erworbene Pneumonie mit Aspirationsrisiko. „CAP“ beschreibt den Erwerbskontext, „Aspiration“ einen möglichen Mechanismus. Beide Angaben können zugleich zutreffen.

Freie Antwort

Zwei Informationen verbinden

Aufgabe

Eine Person entwickelt am fünften stationären Tag neu Fieber und ein neues Infiltrat; bei Aufnahme bestanden keine Infektionszeichen. Sie ist nicht beatmet. Ergänze Kontext und zwei entscheidende Fragen vor der Antibiotikawahl.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe
Bei AufnahmeKeine Infektionszeichen
5. stationärer TagNeu Fieber und neues Infiltrat
BeatmungNicht beatmet

Röntgen-Thorax im anterior-posterioren Strahlengang: fleckige, unscharf begrenzte Verschattung in der rechten Lunge, vor allem im Oberfeld; die linke Lunge ist belüftet.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax a.-p. mit neu aufgetretener Verschattung der rechten Lunge (Beispielbild). Quelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC PHIL), gemeinfrei (PD-USGov-HHS-CDC)

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Wohnort oder Resistenzrisiko?

Aufgabe

Ein klinisch stabiler Pflegeheimbewohner kommt mit Pneumonie. Keine bekannten multiresistenten Erreger, keine kürzliche Antibiotikatherapie. Welche Begründung ist tragfähig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe
WohnformPflegeheim
KlinikPneumonie, klinisch stabil
Bekannte MREKeine
Kürzliche AntibiotikatherapieKeine
  1. a)Pflegeheim bedeutet immer nosokomiale Pneumonie mit maximal breiter Therapie.
  2. b)Der Wohnort schließt eine Aspiration aus.
  3. c)Erwerbskontext, Schlucken, Vorbehandlungen und aktuelle Schwere werden getrennt beurteilt.
Lösung in der App →

Beschwerden verstehen

Lernziel: Du kannst typische und unauffällige Präsentationen gezielt untersuchen.

Warum diese Beschwerden entstehen

Entzündungsmediatoren können Fieber, Abgeschlagenheit und erhöhten Puls auslösen. Sekret und gereizte Atemwege fördern Husten. Schlechter Gasaustausch und erhöhte Atemarbeit führen zu Atemnot. Atemabhängiger Schmerz entsteht besonders bei Mitbeteiligung der schmerzempfindlichen parietalen Pleura. Diese Mechanismen erklären ein Muster; keiner ist allein spezifisch für Pneumonie.

Beschwerde oder BefundZusammenhangWichtige Grenze
Fieber, SchüttelfrostSystemische EntzündungsreaktionFehlendes Fieber schließt Infektion nicht aus.
Husten, AuswurfAtemwegsreiz und SekretFarbe beweist keinen bakteriellen Erreger.
Dyspnoe, TachypnoeGasaustausch und AtemarbeitAuch Embolie oder Herzinsuffizienz möglich
Pleuritischer SchmerzReizung der PleuraAuch Pneumothorax oder Embolie prüfen.

Ein Papiertuch mit zähem, gelblichem Auswurf, in dem rötliche, blutige Schlieren und kleine Blutkoagel liegen.

Abbildung: Eitriger, teils blutig tingierter Auswurf. Die Farbe beschreibt das Sekret, beweist aber keinen bakteriellen Erreger. Quelle: Jmarchn, CC0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hemoptoic_sputum.jpg

Einige Werte markieren dabei schon eine Gefährdung: Eine Atemfrequenz ab 30/min und eine SpO₂ unter 90 % unter Raumluft sprechen für eine relevante Störung des Gasaustauschs; eine Körpertemperatur unter 36 °C kann wie Fieber Ausdruck einer schweren systemischen Reaktion sein.

Von der alveolären Infektion gehen vier parallele Beschwerdewege aus: systemische Reaktion, Atemwegsreiz, Gasaustauschstörung und Pleurareizung. Danach werden bei älteren Menschen neue Funktionsverluste berücksichtigt und die Grenzen der Einzelzeichen zusammengeführt.

Abbildung: Lies die vier Mechanismen parallel; keiner der Zweige beweist allein eine Pneumonie. Quelle: eigene Darstellung.

Die Begriffe „typisch“ und „atypisch“ beschreiben Präsentationen oder bestimmte Erregergruppen, erlauben aber keine sichere Erregerbestimmung aus den Symptomen. Legionellen oder Mykoplasmen können unterschiedlich verlaufen. Ein trockener Husten beweist keine „atypische“ bakterielle Pneumonie.

Die Tabelle trennt Präsentation und Erregerzuordnung.

Beobachtung oder BegriffZulässige EinordnungNicht gesichert
„Typisch“ oder „atypisch“Präsentation oder bestimmte ErregergruppeSichere Erregerbestimmung aus Symptomen
Trockener HustenBeschwerdemerkmal„Atypische“ bakterielle Pneumonie
Legionellen oder MykoplasmenUnterschiedliche Verläufe möglichEinheitliches Beschwerdemuster

Bei trockenem Husten und Fieber folgen vier Denkstufen: Pneumonieverdacht klinisch prüfen, Alternativen wie Bronchitis, Virusinfekt, Lungenembolie, Herzinsuffizienz, Pneumothorax und Tumor mitdenken, Schwere mit CRB-65 sowie SpO₂, Funktionsstatus und instabiler Komorbidität einschätzen und schließlich mit Bildgebung sichern und den Kontext klären. Erst danach folgen leichte ambulante Behandlung mit Kontrolle nach 48 bis 72 Stunden, stationäre Behandlung oder Beurteilung für die Intensivstation.

Abbildung: Vom Symptom führt kein direkter Weg zum Erreger oder zum Antibiotikum. Verdacht, Alternativen, Schwere und Sicherung kommen zuerst. Quelle: eigene Darstellung.

Bei älteren Menschen können neu aufgetretene Verwirrtheit, Sturz, reduzierte Nahrungsaufnahme oder Verlust der Selbstständigkeit im Vordergrund stehen. Vergleiche mit dem funktionellen Ausgangszustand: War die Person gestern orientiert und mobil? Eine akute Veränderung ist nicht mit einer chronischen Demenz gleichzusetzen. Angehörige oder Betreuung können die Zeitachse ergänzen.

Die Tabelle stellt akute und chronische Verwirrtheit gegenüber.

MerkmalDelir (akut)Demenz (chronisch)
BeginnStunden bis TageSchleichend, Dauer mindestens 6 Monate
VerlaufSchwankend über den TagLangsam fortschreitend
AufmerksamkeitFrüh gestörtLange erhalten
Bedeutung bei PneumonieverdachtNeue Verwirrtheit zählt im CRB-65 als Kriterium CErklärt eine neue Verschlechterung nicht

Zum Ausgangszustand gehört auch die Mobilität: Wer schon vor der Erkrankung mindestens die Hälfte des Tages im Bett verbrachte, hat ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf; das fließt neben dem CRB-65 in die Einschätzung ein.

Der funktionelle Ausgangszustand wird erfragt: Orientierung, Mobilität, Selbstständigkeit und Bettlägerigkeit ab 50 Prozent des Tages als Risikofaktor. Eine Zeitachse mit Fremdanamnese trennt das akute Delir mit Beginn in Stunden bis Tagen, schwankendem Verlauf und gestörter Aufmerksamkeit von der chronischen Demenz mit schleichendem Beginn über mindestens 6 Monate. Neue Verwirrtheit zählt im CRB-65 und wird akut abgeklärt; bei unklarem Befund wird die Fremdanamnese nachgeholt, bei unverändertem Zustand dokumentiert.

Abbildung: Suche die Veränderung gegenüber dem bisherigen Alltag; eine akute Veränderung ist nicht mit chronischer Demenz gleichzusetzen. Quelle: eigene Darstellung.

Gezielt fragen und beobachten

Frage oder UntersuchungWelche Entscheidung unterstützt sie?
Beginn, Verlauf, Kontakte, ReisenAkute Infektion, viraler Kontext, besondere Exposition
Dysphagie, Erbrechen, BewusstseinsverlustAspiration und sichere Nahrungsaufnahme
Antibiotika, Allergiereaktion, OrganfunktionWirksame und sichere Therapie
Temperatur, Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, SpO₂Schwere und zeitliche Veränderung
Atemarbeit, Sprache, Bewusstsein, PerfusionAkute Bedrohung trotz einzelner unauffälliger Werte
Auskultation und Perkussion im SeitenvergleichFokaler Prozess oder Pleuraerguss; keine alleinige Bestätigung

Untere Gesichtshälfte eines Mannes mit herausgestreckter Zunge: Zunge und Lippen sind deutlich bläulich-violett verfärbt.

Abbildung: Zentrale Zyanose an Zunge und Lippen. Sie fällt erst bei ausgeprägtem Sauerstoffmangel auf; fehlt sie, ist eine Hypoxämie nicht ausgeschlossen. Die SpO₂ wird gemessen, nicht geschätzt. Quelle: Alawainati M, Khamis J, Abdulla M, Alsaeed S. Case Reports Hepatol 2019:6586478 (Abb. 1), CC BY (Creative Commons Attribution License), https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6348809/

Ein Fingerpulsoxymeter ist am Zeigefinger einer Übungspuppe befestigt, die auf einer grünen Matte liegt; das Kabel führt zum Gerät.

Abbildung: Pulsoxymetrie am Finger, hier bei einer Übungspuppe. Der Sensor sitzt fest und ruhig; werte die SpO₂ erst bei stabilem Signal und notiere die Sauerstoffzufuhr. Quelle: Pöllö, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Measurement_of_oxygen_saturation_with_finger_pulse_oximeter.jpg

Die in D01 gezeigte Untersuchung wird hier gezielt angewendet: vor Berührung erklären und Zustimmung einholen, Händehygiene und passenden Infektionsschutz beachten, Atmung zunächst beobachten, Atemfrequenz wirklich zählen, dann den Thorax systematisch vergleichen. Feinblasige Rasselgeräusche oder bronchiales Atemgeräusch können zu einer Verdichtung passen. Ein unauffälliger Auskultationsbefund schließt eine Pneumonie nicht sicher aus. Weniger Atemgeräusch und Klopfschalldämpfung können einen Erguss vermuten lassen; die Sonografie klärt die Flüssigkeit.

Zähle die Atemfrequenz über 60 Sekunden; in Ruhe liegt sie beim Erwachsenen etwa bei 12–20/min. Für die Schwere sind die CRB-65-Grenzen wichtig: neue Verwirrtheit, Atemfrequenz ab 30/min, systolischer Blutdruck unter 90 mmHg oder diastolischer Blutdruck bis 60 mmHg und Alter ab 65 Jahren.

Fokussierte Atemuntersuchung in fünf Schritten: vorbereiten mit Erklärung, Zustimmung und Hygiene; beobachten und messen mit Sprechdyspnoe, Atemhilfsmuskulatur, über 60 Sekunden gezählter Atemfrequenz mit Ruhewert 12 bis 20 pro Minute, SpO₂ mit Signalqualität und Sauerstoffzufuhr sowie Puls, Blutdruck, Temperatur und Bewusstsein; Alarmgrenzen Atemfrequenz ab 30, SpO₂ unter 90 Prozent, systolischer Blutdruck unter 90. Danach Perkussion und Auskultation dorsal und lateral im Seitenvergleich. Verdichtung: gedämpfter Klopfschall, inspiratorische Rasselgeräusche, Bronchialatmen, verstärkter Stimmfremitus, weiter mit Röntgen-Thorax. Erguss: gedämpfter Klopfschall, abgeschwächtes bis aufgehobenes Atemgeräusch, abgeschwächter Stimmfremitus, weiter mit Sonografie. Ein unauffälliger Befund schließt Pneumonie nicht aus.

Abbildung: Führe die Untersuchung in fester Reihenfolge durch und trenne Verdichtungs- von Ergusshinweisen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle stellt die Tast-, Klopf- und Hörbefunde von Verdichtung und Erguss nebeneinander.

UntersuchungVerdichtungPleuraerguss
PerkussionGedämpftGedämpft
AtemgeräuschBronchial, inspiratorische RasselgeräuscheAbgeschwächt bis aufgehoben
StimmfremitusVerstärktAbgeschwächt
Nächster SchrittRöntgen-Thorax, ggf. SonografieSonografie

Auskultation am Rücken: Eine Person im Patientenhemd sitzt, die untersuchende Hand setzt die Membran des Stethoskops auf den oberen Rücken.

Abbildung: Auskultation dorsal. Setze die Membran direkt auf die Haut und vergleiche jede Höhe rechts mit links, von oben nach unten. Quelle: National Cancer Institute (unbekannter Fotograf), Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Zwei Patienten mit nahezu vollständiger Verschattung der linken Thoraxhälfte im Röntgenbild. Oben zeigt die Sonografie echoarmes, verdichtetes Lungengewebe mit hellen Luftreflexen (Pfeile). Unten zeigt die Sonografie einen schwarzen, echofreien Flüssigkeitssaum um kollabiertes Lungengewebe.

Abbildung: Gleiches Röntgenbild, verschiedene Ursachen. Oben Pneumonie: echoarme Verdichtung mit hellen Luftreflexen (Pfeile). Unten Pleuraerguss (PF) mit kollabierter Lunge (A); LV = linker Ventrikel. Erst die Sonografie trennt Flüssigkeit von verdichtetem Gewebe. Quelle: Koeze J et al., Crit Ultrasound J 2012;4:1, CC BY 2.0.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine bisher selbstständige 84-jährige Frau ist seit einem Tag verwirrt, isst kaum und hat 37,4 °C. Atemfrequenz 32/min, SpO₂ 89 % unter Raumluft. Der fehlende hohe Temperaturwert beruhigt nicht. Neurologische, metabolische und infektiöse Ursachen bleiben zu prüfen; die Atembefunde machen eine akute pulmonale Erkrankung und rasche Versorgung dringlich.

Schon ohne Blutdruck erreicht sie im CRB-65 mindestens 3 Punkte: neue Verwirrtheit, Atemfrequenz ab 30/min und Alter ab 65 Jahren. Sauerstoff wird auf eine SpO₂ von 92–96 % titriert.

Fallbeispiel einer 84-jährigen, seit einem Tag verwirrten Frau: 37,4 Grad beruhigt nicht, Atemfrequenz 32 pro Minute ergibt einen CRB-65-Punkt, SpO₂ 89 Prozent unter Raumluft bedeutet Hypoxämie, neue Verwirrtheit ergibt einen Punkt, Alter 84 einen Punkt; der Blutdruck fehlt noch. CRB-65 mindestens 3. Sofort Hilfe rufen, ABC prüfen, Sauerstoff auf 92 bis 96 Prozent titrieren, Monitoring, Zugang, Blutgas und Glukose; parallel neurologische, metabolische und andere infektiöse Ursachen sowie neue Medikamente prüfen. Ergebnis: rasche stationäre Akutversorgung.

Abbildung: Ordne jeden Wert einzeln ein und zähle die CRB-65-Punkte, bevor der Blutdruck vorliegt. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Eine fehlende Information ergänzen

Aufgabe

Im Übergabesatz steht: „Herr M. ist dement und unruhig.“ Formuliere zwei gezielte Rückfragen, die eine akute Veränderung erfassen.

Die Tabelle enthält die beiden Angaben aus der Übergabe.

AngabeVorgabe
PersonHerr M.
Mitteilung„dement und unruhig“
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Untersuchung unter Supervision

Aufgabe

Übe am geeigneten Modell oder mit einer einwilligenden Person unter Supervision eine fokussierte Atemuntersuchung. Nenne vorher Ziel und Abbruchkriterium. Zeige Beobachtung, Atemfrequenz, SpO₂-Kontrolle sowie Auskultation im Seitenvergleich und formuliere einen Befund ohne erfundene Diagnose.

Die Tabelle bündelt den Rahmen und die geforderte praktische Leistung.

AngabeVorgabe
RahmenGeeignetes Modell oder einwilligende Person
BegleitungSupervision
AuftragBeobachtung, Atemfrequenz, SpO₂, Auskultation im Seitenvergleich
In der App sprechen üben →

Schwere und Behandlungsort

Lernziel: Du kannst Soforthilfe und eine sichere Aufnahmeentscheidung begründen.

Zuerst die unmittelbare Bedrohung

Schwere Atemnot, Erschöpfung, unzureichender Atemwegsschutz, Hypoxämie, Kreislaufinstabilität und neue Bewusstseinsstörung verlangen sofortige Hilfe. Beginne nach dem ABCDE-Prinzip mit Atemweg, Atmung und Kreislauf; rufe das passende Akutteam. Monitor, Zugang, geeignete Proben und unverzügliche Behandlung laufen parallel. Ein Score darf notwendige Versorgung nicht verzögern.

Ablauf: Erst ABCDE mit Warnzeichen wie Atemfrequenz ab 30 pro Minute, Hypoxämie, systolischem Blutdruck unter 90 mmHg oder neuer Verwirrtheit. Bei Bedrohung parallel Akutteam, Monitor, Zugang, Sauerstoff, Blutkulturen, Laktat, Antibiotikum innerhalb einer Stunde bei Sepsis und mindestens 30 ml/kg Kristalloid in 3 Stunden bei Hypotonie oder Laktat ab 4 mmol/l. Ohne Bedrohung Risiko mit CRB-65, Sättigung, Begleiterkrankungen und Versorgung einschätzen; danach Intensivstation, stationäre Prüfung oder ambulante Behandlung mit Kontrolle nach 48 bis 72 Stunden.

Abbildung: Akute Bedrohung hat Vorrang vor der Scoreberechnung. Erst danach entscheiden Score, Oxygenierung, Begleiterkrankungen und Versorgungssituation gemeinsam über den Behandlungsort. Quelle: eigene Darstellung.

Bei Hypoxämie wird Sauerstoff nach klinischem Bedarf gegeben und titriert: meist SpO₂ 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko zunächst 88–92 % mit Blutgaskontrolle. Bei lebensbedrohlicher Hypoxämie wird O₂ nicht wegen möglicher CO₂-Retention vorenthalten. Steigender Bedarf, Erschöpfung oder fehlender Atemwegsschutz erfordern frühe intensivmedizinische Beurteilung. Die Unterstützungsformen sind keine obligatorische Reihenfolge, die vollständig ausprobiert werden muss.

Konkrete Schwellen helfen bei der Steuerung: Hyperkapnierisiko besteht vor allem bei COPD, schwerem Asthma oder Adipositas mit BMI >40 kg/m². Eine Blutgasanalyse ist außerdem bei Schock, unzuverlässigem Pulsoximetriesignal und einem Bedarf über 6 l/min bzw. FiO₂ >0,4 angezeigt. Nach jedem Beginn oder jeder Änderung der O₂-Gabe wird mindestens 5 Minuten klinisch und pulsoximetrisch beobachtet. Wer trotz mehr als 6 l/min O₂ keine SpO₂ von 92 % erreicht, wird sofort von einer in akutem Atemversagen erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt beurteilt. Ein Versuch mit High-Flow-Sauerstoff (HFNC) oder nichtinvasiver Beatmung (NIV) erfolgt nur mit vorher festgelegten Abbruchkriterien; bei schwerer respiratorischer Insuffizienz wird primär die Intubation erwogen.

Nach Messung und Blutgasanalyse-Indikationen wird der Zielbereich nach Hyperkapnierisiko gewählt. Nasenbrille, Venturi-Maske, Reservoirmaske und High-Flow sind bedarfsabhängige Alternativen. Warnzeichen führen früh zur intensivmedizinischen Beurteilung; jede Änderung verlangt mindestens fünf Minuten Beobachtung.

Abbildung: Die vier Systeme sind Alternativen nach Bedarf; sie müssen nicht nacheinander ausprobiert werden. Quelle: eigene Darstellung.

Die Systeme unterscheiden sich vor allem in der erreichbaren inspiratorischen O₂-Konzentration (FiO₂; Richtwerte):

SystemFiO₂ etwaTypischer Einsatz
Nasenbrille0,26–0,54Niedriger Fluss <6 l/min; Essen und Trinken möglich
Venturi-Maske0,24–0,60, fest eingestelltKontrollierte FiO₂, besonders bei Hyperkapnierisiko
Reservoirmaske0,6–0,9Notfall mit hohem Bedarf; Fluss nie <5 l/min
High-Flow-Nasenkanüle0,3–1,0SpO₂ <92 % trotz 6 l/min ohne Hyperkapnie; Abbruchkriterien festlegen

Sechs Zeichnungen eines Kopfes mit verschiedenen Sauerstoffsystemen: Nasenbrille, einfache Gesichtsmaske, Reservoirmaske mit Beutel, Venturi-Maske mit farbcodierten Aufsätzen, High-Flow-Nasenkanüle mit beheiztem Schlauch und dicht sitzende NIV-Gesichtsmaske.

Abbildung: So sehen die Systeme am Patienten aus. Die farbigen Venturi-Aufsätze stehen jeweils für eine feste FiO₂ bei vorgegebenem Fluss; der Beutel der Reservoirmaske muss sich bei der Einatmung füllen können. Quelle: Open Critical Care & World Health Organization, „Respiratory care devices image pack A“, via Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Ausschnitt, neu angeordnet, deutsche Beschriftung ergänzt.

Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Reaktion auf Infektion. Neue Hypoxämie, Verwirrtheit, Hypotonie oder verminderte Urinausscheidung können bei Pneumonie darauf hinweisen. Ein erhöhtes Laktat unterstützt die Risikobeurteilung, ist aber weder alleiniger Sepsisbeweis noch alleinige Flüssigkeitsanweisung. Ein normales Laktat schließt eine gefährliche Erkrankung nicht aus.

Liegt eine Pneumonie mit Sepsis oder Schock vor, gilt möglichst innerhalb der ersten Stunde: Laktat messen und bei >2 mmol/l wiederholen, Blutkulturen vor dem Antibiotikum abnehmen, ein intravenöses Breitspektrumantibiotikum geben und bei Hypotonie oder Laktat ≥ 4 mmol/l mindestens 30 ml/kg kristalloide Lösung in den ersten 3 Stunden geben (SSC 2021), nach jeder Gabe neu beurteilen. Verminderte Urinausscheidung heißt hier weniger als 0,5 ml/kg/h über mehr als 2 Stunden trotz ausreichender Flüssigkeit.

WarnzeichenUnmittelbare Konsequenz
Zunehmende Atemarbeit oder O₂-BedarfAtemunterstützung und Versorgungsniveau erneut beurteilen.
Hypotonie, schlechte Perfusion, OligurieSepsis-/Schockversorgung; Flüssigkeit gezielt mit Wirkungskontrolle.
Neue Somnolenz oder VerwirrtheitAtemwegsschutz, Oxygenierung, Glukose und weitere Ursachen prüfen.

CRB-65 richtig berechnen

Der CRB-65 ist eine einfache Risikohilfe für Erwachsene mit CAP. Jeder erfüllte Punkt zählt einmal, insgesamt 0–4. Er beschreibt ein statistisches Risiko, kein individuelles Schicksal.

KriteriumEin Punkt bei
C: ConfusionNeu aufgetretener Bewusstseins-/Orientierungsstörung
R: Respiratory rateAtemfrequenz ≥30/min
B: Blood pressureSystolisch <90 oder diastolisch ≤60 mmHg
65: AlterAlter ≥65 Jahre

In der Klinik wird international auch der CURB-65 verwendet: Er ergänzt als fünften Punkt Harnstoff >7 mmol/l (etwa 42 mg/dl), Summe 0–5. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt für die Erstentscheidung den CRB-65, weil er ohne Labor auskommt.

Gegenüberstellung: Es zählen Atemfrequenz 30, diastolisch 60, systolisch 89, Alter 65 und neu aufgetretene Verwirrtheit; nicht zählen Atemfrequenz 29, diastolisch 61, systolisch 90, Alter 64 und eine bekannte, unveränderte Demenz. Darunter CURB-65 mit Harnstoff über 7 mmol/l und das Rechenbeispiel mit 3 Punkten.

Abbildung: Die Gleichheitszeichen entscheiden: 30/min und diastolisch 60 mmHg zählen, systolisch 90 mmHg nicht. Verwirrtheit zählt nur, wenn sie neu ist. Quelle: eigene Darstellung.

Null Punkte unterstützen eine ambulante Behandlung nur bei ausreichender Oxygenierung, stabilen Begleiterkrankungen und gesicherter Versorgung. Ein bis zwei Punkte verlangen in der Regel eine ernsthafte Prüfung stationärer Versorgung; ein isolierter Alterspunkt ist kein automatischer Aufnahmebefehl. Drei bis vier Punkte kennzeichnen hohes Risiko und dringlichen stationären, häufig intensivmedizinischen Abklärungsbedarf. Unabhängig vom Score sprechen Organversagen, relevante Hypoxämie, fehlende orale Aufnahme oder eine unsichere häusliche Situation gegen eine einfache ambulante Behandlung.

Zahlen zur Einordnung: In der deutschen CAPNETZ-Kohorte lag die Letalität bei 0 Punkten bei 0 %, bei 1–2 Punkten bei 6 % und bei 3–4 Punkten bei 23 %; bei hospitalisierten Patienten der externen Qualitätssicherung waren es 2 %, 13 % und 34 %. Ausreichende Oxygenierung bedeutet für die ambulante Behandlung eine Sättigung >92 % ohne neu aufgetretene Sättigungsminderung. Chronische Bettlägerigkeit (mehr als die Hälfte des Tages) ist ein starker zusätzlicher Risikofaktor, den der Score nicht abbildet. Wer ambulant behandelt wird, wird nach 48–72 Stunden erneut ärztlich beurteilt, weil sich Verschlechterungen häufig in diesem Zeitraum zeigen.

CRB-65 in zwei Schritten: Punkte für neue Verwirrtheit, Atemfrequenz ab 30, systolisch unter 90 oder diastolisch höchstens 60 mmHg und Alter ab 65 zählen. 0 Punkte (Letalität 0 bis 2 Prozent) erlauben ambulante Behandlung nur, wenn Schritt 2 passt; 1 bis 2 Punkte (6 bis 13 Prozent) verlangen Prüfung stationärer Versorgung; 3 bis 4 Punkte (23 bis 34 Prozent) dringlich stationär mit Prüfung des Intensivbedarfs. Schritt 2 unabhängig vom Score: Sättigung höchstens 92 Prozent oder neue O₂-Pflicht, instabile Begleiterkrankung, Komplikation, Bettlägerigkeit, fehlende orale Aufnahme, unsichere Versorgung.

Abbildung: Die Punktzahl führt zur nächsten Entscheidung; Oxygenierung, Organfunktion und Versorgung müssen zusätzlich passen. Letalitätsangaben: CAPNETZ (niedrigerer Wert) und externe Qualitätssicherung hospitalisierter Patienten (höherer Wert). Quelle: eigene Darstellung.

Wer braucht die Intensivstation? In der Notaufnahme ergänzt die S3-Leitlinie den CRB-65 um Major- und Minorkriterien (nach ATS/IDSA). Ein Majorkriterium – Notwendigkeit invasiver Beatmung oder von Vasopressoren – oder mehr als zwei der neun Minorkriterien kennzeichnen einen Notfall mit sofortigem intensivmedizinischem Management und Antibiotikum möglichst innerhalb einer Stunde. Ein bis zwei Minorkriterien, Laktat >2 mmol/l oder instabile Begleiterkrankungen verlangen eine engmaschige Überwachung von Vitalparametern, Oxygenierung und Organfunktion bis zur klinischen Stabilität. Weil sich Organversagen oft erst in den ersten 72 Stunden entwickelt, werden die Kriterien wiederholt erhoben.

Station oder Intensivstation: Ein Majorkriterium (invasive Beatmung oder Vasopressor) genügt. Minorkriterien: PaO₂ höchstens 55 mmHg unter Raumluft, Atemfrequenz ab 30, multilobäre Infiltrate, neue Bewusstseinsstörung, Hypotonie mit aggressiver Volumentherapie, akutes Nierenversagen, Leukozyten unter 4000, Thrombozyten unter 100 000, Temperatur unter 36 Grad. Ab 3 Minorkriterien Intensivstation, bei 1 bis 2 oder Laktat über 2 mmol/l engmaschige Überwachung.

Abbildung: Ein Majorkriterium oder mindestens drei Minorkriterien machen die Pneumonie zum intensivmedizinischen Notfall; ein bis zwei Minorkriterien oder Laktat >2 mmol/l verlangen engmaschige Überwachung. Quelle: eigene Darstellung.

Röntgen-Thorax im posterior-anterioren Strahlengang mit fleckigen bis flächigen Verdichtungen im rechten Mittelfeld und in beiden Unterfeldern; die linke Lungenspitze und das linke Oberfeld sind frei.

Abbildung: Multilobäre Infiltrate sind eines der neun Minorkriterien. Hier: Konsolidierungen im rechten Mittellappen und in beiden Unterlappen. Das Bild allein entscheidet nicht über den Behandlungsort, zählt aber in der Summe der Kriterien. Quelle: Malvinder S. Parmar, BMC Infectious Diseases 2005; 5:30, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0; in WebP umgewandelt.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 72-jährige Patientin ist neu desorientiert, Atemfrequenz 32/min, Blutdruck 108/64 mmHg: C 1 + R 1 + B 0 + Alter 1 = 3 Punkte. Eine stationäre Versorgung mit sofortiger Prüfung intensivmedizinischer Bedürfnisse ist erforderlich. Der Blutdruck oberhalb der Scoregrenze hebt die übrigen Gefahren nicht auf.

Freie Antwort

Rechnen und begründen

Aufgabe

Ein 41-jähriger Patient ist orientiert, atmet 24/min und hat 118/76 mmHg. SpO₂ 88 % unter Raumluft bei zuverlässigem Signal. Berechne CRB-65 und begründe den Behandlungsort.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe
Alter / Orientierung41 Jahre / orientiert
Atemfrequenz24/min
Blutdruck118/76 mmHg
SpO₂88 % unter Raumluft; zuverlässiges Signal
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Eine Grenze genau lesen

Aufgabe

Eine 66-jährige Person ist orientiert, Atemfrequenz 28/min, Blutdruck 126/60 mmHg. Welche Summe ist korrekt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe
Alter / Orientierung66 Jahre / orientiert
Atemfrequenz28/min
Blutdruck126/60 mmHg
  1. a)Zwei Punkte: diastolischer Blutdruck und Alter.
  2. b)Ein Punkt: nur das Alter.
  3. c)Drei Punkte: Atemfrequenz, Blutdruck und Alter.
Lösung in der App →

Diagnostik mit einer Frage

Lernziel: Du kannst Bildgebung und Erregerdiagnostik gezielt auswählen und einordnen.

Was soll die Untersuchung beantworten?

Klinik allein trennt Pneumonie, Bronchitis und wichtige Alternativen nicht immer zuverlässig. Thoraxbildgebung sucht nach einem neuen, passenden Lungenbefund und Komplikationen. Ein Röntgenbild kann eine Verdichtung zeigen; es bestimmt keinen Erreger. Früh, bei ungünstiger Projektion oder schwer beurteilbaren Aufnahmen kann der Befund unauffällig oder unsicher bleiben. Bei fortbestehendem Verdacht wird die Fragestellung erneut geprüft.

Nach der S3-Leitlinie wird bei Verdacht möglichst eine Röntgenaufnahme in zwei Ebenen angefertigt; eine Aufnahme innerhalb von 4 Stunden nach Klinikaufnahme ist mit rascherer Therapie und kürzerer Verweildauer verbunden. In einer Studie zeigten 21 % der später gesicherten Pneumonien im ersten Röntgenbild noch kein Infiltrat. Eine positive Thoraxsonografie stützt die Diagnose, eine negative schließt sie nicht aus; allein eingesetzt wird sie, wenn ein Röntgenbild nicht zeitnah verfügbar ist.

UntersuchungEntscheidende FrageGrenze
ThoraxröntgenNeuer Lungenbefund, Ausdehnung, Erguss?Nicht jeder frühe Prozess ist sichtbar.
ThoraxsonografiePleural erreichbare Konsolidierung oder Flüssigkeit?Luft verdeckt tiefere zentrale Prozesse; Erfahrung nötig.
CTKomplikation, Obstruktion oder relevante Alternative?Höhere Strahlenbelastung; gezielte Indikation

Ablaufdiagramm: Röntgen-Thorax in zwei Ebenen für den neuen Lungenbefund, Sonografie für pleuranahe Befunde, CT für Komplikationen; unabhängig davon Erregerdiagnostik bei stationärer mittelschwerer oder schwerer CAP und BGA bei SpO₂ unter 90 Prozent; Ergebnis passt, ist unklar oder negativ.

Abbildung 5: Ordne jeder Untersuchung eine konkrete Frage zu. Ein negativer Einzelbefund beantwortet nicht automatisch alle anderen Fragen. Quelle: eigene Darstellung.

So sieht der Unterschied in echten Aufnahmen aus. Achte zuerst auf scharfe Herz- und Zwerchfellkonturen und gleichmäßig dunkle Lungenfelder.

Normale Röntgen-Thoraxaufnahme im p.-a. Strahlengang mit dunklen, gleichmäßig gezeichneten Lungenfeldern und scharfen Herz- und Zwerchfellkonturen.

Abbildung: Normaler Röntgen-Thorax p.-a. als Vergleich: beide Lungenfelder frei, Herzrand und Zwerchfellkuppeln scharf, Randwinkel frei („Dx“ = rechts, „Sin“ = links). Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Röntgen-Thorax p.-a. mit flächigen, unscharf begrenzten Verdichtungen im rechten Mittel- und Unterfeld und weniger ausgeprägt links basal.

Abbildung: Pneumonie mit Konsolidierungen im rechten Mittel- und Unterlappen sowie links basal: Die Lungenfelder sind dort weiß verschattet, der rechte Herzrand und die Zwerchfellkontur verwischen. Das Bild zeigt Lungenbefund und Ausdehnung, nicht den Erreger („L“ = links). Quelle: Malvinder S. Parmar, BMC Infectious Diseases 2005;5:30, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0.

Links Röntgen-Thorax mit nur dezenter Verdichtung links basal hinter dem Herzen, rechts axiale CT derselben Person mit dichter Konsolidierung im linken Unterlappen und lufthaltigen Bronchien darin.

Abbildung: Schwere Legionellen-Pneumonie. Links Röntgenbild mit nur dezenter Verdichtung links basal hinter dem Herzen; rechts CT derselben Person: Konsolidierung des linken Unterlappens mit Aerobronchogramm und kleinem Erguss. Die CT ist nicht Standard, sondern beantwortet gezielte Fragen – und Röntgenbefunde können diskret sein. Quelle: Grottola A et al., Emerging Infectious Diseases 2012;18(11), Abbildung (Ausschnitte A und B), über Wikimedia Commons, gemeinfrei (CDC-Publikation).

Zwei Ultraschallbilder der Lunge: links Pleuralinie mit parallelen horizontalen Wiederholungslinien, rechts gewebeähnlich echoreiche Lunge mit hellen punktförmigen Luftreflexen.

Abbildung: Thoraxsonografie. Links normal belüftete Lunge: helle Pleuralinie mit A-Linien (Wiederholungsartefakte). Rechts Konsolidierung: Lunge wirkt leberähnlich, darin helle Luftreflexe (sonografisches Aerobronchogramm). Quelle: Hsu NC et al., Diagnostics 2024;14:2799, Abb. 2 (Ausschnitte A und E), CC BY 4.0.

Vor Röntgen/CT gehören eine konkrete Fragestellung, vorhandene Voraufnahmen und gegebenenfalls Schwangerschaft in die Abwägung. Sonografie kommt ohne ionisierende Strahlung aus, ersetzt aber nicht jede andere Methode. Bei CT wird ein Kontrastmittel nur eingesetzt, wenn die Frage es erfordert; Nierenfunktion und relevante frühere Reaktionen werden dann geprüft. Eine notwendige dringliche Untersuchung darf nicht reflexhaft wegen Schwangerschaft oder Nierenrisiko entfallen; Verfahren und Schutz werden begründet gewählt.

Zur Einordnung: Eine Röntgen-Thoraxaufnahme entspricht etwa 0,02–0,05 mSv effektiver Dosis, eine CT einem Vielfachen davon. Ein deutlich erhöhtes Risiko für eine kontrastmittelassoziierte Nierenschädigung besteht nach der europäischen ESUR-Empfehlung vor allem bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m²; dann werden eine intravenöse Hydratation und eine Metformin-Pause geprüft.

Ablaufdiagramm: Fragestellung, Voraufnahmen und Schwangerschaft klären; Röntgen, Sonografie oder CT mit ihrer Strahlenbelastung; CT-Kontrastmittel nur bei Bedarf mit Prüfung von eGFR unter 30 und früherer Reaktion; dringliche Untersuchung nicht reflexhaft verschieben.

Abbildung: Die diagnostische Frage bestimmt Verfahren und Kontrastmittel; eine dringliche Untersuchung wird mit begründeten Schutzmaßnahmen geplant. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel – schriftlicher Befund

Normaler Vergleich: „Lungenfelder ohne fokale Verdichtung, keine pleurale Flüssigkeit beschrieben.“ Neuer Befund: „Rechts basal neu aufgetretene parenchymale Verdichtung; kleiner begleitender Pleuraerguss.“ Bei passender Infektionsklinik stützt dies Pneumonie, beweist aber keinen Pneumokokkennachweis. Die Flüssigkeit kann sonografisch genauer beurteilt werden. Dies ist eine Übung zur Befundverwendung, keine Prüfung des Erkennens auf einem echten Röntgenbild.

Proben nur mit sinnvoller Konsequenz

Bei unkomplizierter ambulant behandelter CAP ist eine breite Erregersuche gewöhnlich nicht nötig. Bei stationär behandelter mittelschwerer oder schwerer CAP werden nach deutschem S3-Ausgangspunkt mindestens zwei Blutkulturpaare, Legionellen-Urinantigen und geeignetes Sputum eingeplant; Sputum muss ausreichend hochwertig und rasch, möglichst innerhalb von vier Stunden, verarbeitbar sein. Bei HAP, Therapieversagen oder besonderen Expositionen wird gezielt erweitert. Entnimm indizierte Kulturen möglichst vor Antibiotikabeginn, ohne die dringliche Behandlung zu verzögern. Blutkulturen erfordern aseptische Entnahme; Sputum sollte nicht hauptsächlich Speichel sein. Probe, Zeitpunkt und Vorbehandlung werden dokumentiert.

Konkret heißt das: zwei Blutkulturpaare (aerob und anaerob) aus zwei getrennten Punktionen. Sie sind insgesamt nur bei etwa 10 % der stationären CAP positiv, bei Pneumokokken-Pneumonie bis etwa 40 %. Sputum gilt als verwertbar bei mehr als 25 Granulozyten und weniger als 10 Plattenepithelien pro Gesichtsfeld (80- bis 100-fache Vergrößerung); kann es nicht innerhalb von 4 Stunden verarbeitet werden, wird darauf verzichtet. Bei Sepsis oder septischem Schock werden Blutkulturen und Antibiotikum innerhalb von einer Stunde gegeben.

Ablaufdiagramm: leichte ambulante CAP ohne Routine-Erregersuche; stationäre mittelschwere oder schwere CAP mit mindestens zwei Blutkulturpaaren, Legionellen-Urinantigen und qualitätsgeprüftem Sputum innerhalb von 4 Stunden; gezielte Ergänzung durch Influenza- und SARS-CoV-2-NAT, Pneumokokken-Urinantigen oder BAL; bei Sepsis Blutkulturen und Antibiotikum innerhalb einer Stunde.

Abbildung: Erst die Konsequenz der Diagnostik bestimmen, dann indizierte Proben korrekt gewinnen; notwendige Therapie darf dadurch nicht warten. Quelle: eigene Darstellung.

MethodeNutzenInterpretationsgrenze
BlutkulturenBakteriämie und gezielte TherapieNegative Kulturen schließen Pneumonie nicht aus.
Sputumkultur/AntibiogrammErreger und EmpfindlichkeitBesiedlung oder schlechte Probe möglich
Respiratorische PCR/NATInfluenza, SARS-CoV-2 und weitere gezielte ErregerErgebnis mit Klinik und Probenzeitpunkt verbinden.
Legionellen-UrinantigenRascher spezifischer HinweisErfasst überwiegend L. pneumophila Serogruppe 1.
Pneumokokken-UrinantigenRascher Hinweis, ggf. Therapie fokussierenSensitivität 67–82 %; bei COPD falsch positive Befunde möglich
Blutbild, CRP; ggf. PCTEntzündungsverlauf im KontextKein alleiniger Beweis oder Ausschluss bakterieller CAP

Die S3-Leitlinie nennt für den Legionellen-Urinantigentest eine Sensitivität von etwa 75 % bei 99–100 % Spezifität. Eine NAT auf Influenza A/B und SARS-CoV-2 erfolgt stationär, wenn Saison oder Ausbruchslage dafür sprechen; breite Multiplex-PCR-Panels werden nicht routinemäßig eingesetzt. CRP oder PCT werden bei Aufnahme und nach 3–4 Tagen bestimmt, um den Verlauf zu beurteilen.

Die Gramfärbung zeigt Pneumokokken typischerweise als grampositive, lanzettförmige Diplokokken.

Gramfärbung mit violett gefärbten, paarweise liegenden, leicht zugespitzten Kokken auf hellem Hintergrund.

Abbildung: Gramfärbung von Streptococcus pneumoniae (Kulturausstrich): grampositive (violette), lanzettförmige Diplokokken. Im Sputum werden sie nur bei guter Probenqualität mit vielen Granulozyten und wenigen Plattenepithelien sicher bewertet. Quelle: Arnold Kaufman, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Ein initial niedriges Prokalzitonin darf bei klinisch und radiologisch begründeter Pneumonie die notwendige Antibiotikatherapie nicht verhindern. Eine BGA ist besonders bei deutlicher Hypoxämie, Hyperkapnierisiko oder schwerem Verlauf hilfreich; eine venöse Probe ersetzt den arteriellen PaO₂ nicht. Routinemäßige BGA bei jeder leichten CAP ist nicht erforderlich. Eine SpO₂ unter 90 % ist ein Anlass für die Blutgasanalyse.

Diagramm mit vier negativen Einzelbefunden: Röntgen ohne Infiltrat, negatives Legionellen-Antigen, sterile Blutkultur und niedriges PCT, jeweils mit Testgrenze; Therapie nicht wegen eines Einzeltests stoppen; neu bewerten, anderes Verfahren oder Wiederholung.

Abbildung: Ein negativer Test beantwortet nur seine eigene Frage. Bei hohem Verdacht folgen Neubewertung, ein passenderes Verfahren oder eine Wiederholung zum richtigen Zeitpunkt. Quelle: eigene Darstellung.

Alternativen mit einem Mechanismus

Bei Herzinsuffizienz kann Flüssigkeit in Lungengewebe und Alveolen treten, weil der hydrostatische Druck steigt. Orthopnoe bedeutet Atemnot im Liegen; sie, eine kardiale Vorgeschichte und Stauungszeichen lenken die Abklärung, schließen aber eine zusätzliche Infektion nicht aus. Bei Lungenembolie behindert ein Gefäßverschluss die Perfusion; plötzlicher Beginn, Thromboserisiko und pleuritischer Schmerz können eine eigene diagnostische Strategie nötig machen. Eine neu einseitig geschwollene Wade kann auf eine tiefe Venenthrombose hinweisen, aus der sich ein Embolus gelöst haben könnte. Atelektase bedeutet Verlust an belüftetem Volumen, etwa durch einen Schleimpfropf. Tumor oder Fremdkörper können einen Bronchus verschließen und eine poststenotische Infektion fördern. Der wiederholt gleiche Erkrankungsort ist deshalb ein Hinweis auf eine mögliche lokale Ursache.

An eine kardiale Dekompensation denkt man besonders bei Alter über 65 Jahren, Orthopnoe sowie Herzinfarkt, Hypertonie oder Vorhofflimmern in der Vorgeschichte. Im akuten Setting macht ein NT-proBNP unter 300 pg/ml (BNP unter 100 pg/ml) eine akute Herzinsuffizienz unwahrscheinlich; dann folgen EKG und Echokardiografie nach kardiologischer Leitlinie. Bei Verdacht auf Lungenembolie führt eine hohe klinische Wahrscheinlichkeit (Wells-Score über 4) direkt zur CT-Pulmonalisangiografie; bei niedrigerer Wahrscheinlichkeit wird zuerst D-Dimer bestimmt, ab 50 Jahren mit altersadaptiertem Grenzwert (Alter × 10 µg/l).

Diagramm mit drei alternativen Mechanismen: Herzinsuffizienz mit erhöhtem Druck, Hinweisen, Röntgenzeichen und NT-proBNP-Grenze; Lungenembolie mit Wells-Score, CT-Angiografie und altersadaptiertem D-Dimer; Atelektase oder Obstruktion mit lokaler Ursache; passt kein Mechanismus besser, Pneumonie weiter behandeln.

Abbildung: Verfolge die alternativen Mechanismen bis zur passenden diagnostischen Frage; Herzinsuffizienz schließt eine zusätzliche Infektion nicht aus. Quelle: eigene Darstellung.

Röntgen-Thorax mit vergrößertem Herzschatten, betonten Lungengefäßen, feinen horizontalen Linien in der rechten Lungenbasis und kleinem Erguss.

Abbildung: Stauungszeichen bei Herzinsuffizienz: vergrößertes Herz, betonte Lungengefäße, Kerley-B-Linien (kurze horizontale Linien an der rechten Lungenbasis) und wenig Flüssigkeit im rechten horizontalen Lappenspalt. Eine zusätzliche Pneumonie ist damit nicht ausgeschlossen. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Die Tabelle ordnet zusätzliche Hinweise ihren möglichen Mechanismen zu.

HinweisMöglicher MechanismusEinordnung
Orthopnoe, kardiale Vorgeschichte, StauungszeichenErhöhter hydrostatischer DruckZusätzliche Infektion bleibt möglich.
Neu einseitig geschwollene WadeTiefe Venenthrombose als mögliche EmboliequelleMit Beginn und Thromboserisiko verbinden.
SchleimpfropfVerlust an belüftetem VolumenAtelektase
Wiederholt gleicher ErkrankungsortLokaler BronchusverschlussTumor oder Fremdkörper bedenken.

Multiple Choice

Befund und Schlussfolgerung trennen

Aufgabe

Bei Fieber und Husten beschreibt der schriftliche Befund eine neue rechtsbasale Konsolidierung. Welche Schlussfolgerung ist gerechtfertigt?

Röntgen-Thorax a.-p. und seitlich; ein Kreis markiert eine fleckige Verdichtung rechts basal, in der Seitaufnahme hinten unten über dem Zwerchfell.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax a.-p. (links) und seitlich (rechts); der Kreis markiert die rechtsbasale Verdichtung im Unterlappen. Quelle: James Heilman, MD, Wikimedia Commons, CC BY 3.0 (zugeschnitten).

  1. a)Pneumokokken sind damit mikrobiologisch nachgewiesen.
  2. b)Der Befund unterstützt im klinischen Kontext eine Pneumonie; Erreger und Komplikationen bleiben gesonderte Fragen.
  3. c)Ein Pleuraerguss ist durch eine Konsolidierung ausgeschlossen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Neue Frage im Verlauf

Aufgabe

Trotz Therapie bestehen Fieber und zunehmender pleuritischer Schmerz. Im schriftlichen Befund wird eine größere pleurale Flüssigkeitsansammlung beschrieben. Welches Verfahren hilft jetzt bei der Beurteilung, und warum sollte ein erfahrenes Team hinzugezogen werden?

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

AngabeBefund
VerlaufFieber trotz Therapie
SchmerzZunehmend, pleuritisch
Schriftlicher BefundGrößere pleurale Flüssigkeitsansammlung

Röntgen-Thorax a.-p.: dichte, homogene Verschattung der linken Thoraxhälfte bis weit nach oben, linke Zwerchfellkontur nicht abgrenzbar; rechts belüftete Lunge.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax a.-p. mit ausgedehnter einseitiger Verschattung links (Beispielbild). Quelle: Sumajaya IDGD, Aryadi IPH, Eryana IM. Egypt Heart J 2023;75:30 (Abb. 2), CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Antibiotika begründen

Lernziel: Du kannst eine initiale CAP-Therapie wählen und ihre sichere Anwendung erklären.

Vom Wirkmechanismus zur Auswahl

Eine empirische Therapie beginnt gegen die im Kontext wahrscheinlichen Erreger, bevor der genaue Nachweis vorliegt. Gezielte Therapie nutzt Erreger und Empfindlichkeit. Deeskalation bedeutet, bei ausreichender Evidenz ein engeres Spektrum zu wählen oder unnötige Komponenten zu beenden. „Breiter“ bedeutet nicht automatisch wirksamer für den konkreten Patienten; zusätzliche Substanzen bringen Nebenwirkungen und Selektionsdruck mit sich.

Amoxicillin, Ampicillin, Ceftriaxon und Piperacillin sind Beta-Laktame: Sie hemmen den Aufbau der bakteriellen Zellwand. Pneumokokken sind ein wichtiger Zielerreger der CAP-Therapie. Clavulansäure, Sulbactam und Tazobactam hemmen bestimmte bakterielle Beta-Laktamasen und schützen den Partnerwirkstoff; sie lösen nicht jede Resistenz. Makrolide wie Azithromycin hemmen die bakterielle Proteinsynthese und erfassen unter anderem Erreger, gegen die eine alleinige Beta-Laktamtherapie nicht ausreichend wirkt, etwa Mykoplasmen oder Legionellen.

Der Grund liegt im Erreger: Mykoplasmen besitzen keine Zellwand, Legionellen und Chlamydien vermehren sich intrazellulär. Ein Beta-Laktam findet dort keinen ausreichenden Angriffspunkt; Makrolide wirken an der 50S-Untereinheit des Ribosoms und erreichen hohe intrazelluläre Konzentrationen. Bei MRSA verhindert ein verändertes Penicillin-bindendes Protein (PBP2a) die Wirkung; ein Beta-Laktamasehemmer hilft hier nicht.

Zwei Angriffspunkte: Beta-Laktame wie Amoxicillin 3 × 1 g p.o. oder Ceftriaxon 1 × 2 g i.v. hemmen den Zellwandaufbau, Makrolide wie Azithromycin 1 × 500 mg oder Clarithromycin 2 × 500 mg die Proteinsynthese am Ribosom. Beta-Laktamasehemmer schützen den Partner, wirken aber nicht gegen MRSA. Mykoplasmen ohne Zellwand sowie intrazelluläre Legionellen und Chlamydien verlangen ein Makrolid. Ergebnis: Pneumokokken Beta-Laktam, Enzymbildner wie H. influenzae Beta-Laktam plus Clavulansäure, atypische Erreger Makrolid.

Abbildung: Verfolge von oben nach unten, welcher Angriffspunkt bei welchem Erreger trägt – und wo die Beta-Laktam-Lücke beginnt. Quelle: eigene Darstellung.

Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme: mehrere flaschenförmige Mykoplasmen, mit M markiert, liegen zwischen den Zilien einer Atemwegsschleimhautzelle; ein Pfeil zeigt auf die Spitzenorganelle, mit der ein Erreger an der Zilie haftet.

Abbildung: Mycoplasma pneumoniae (M) haftet mit seiner Spitzenorganelle (Pfeil) an zilientragenden Schleimhautzellen. Die Erreger sind nur von einer Zellmembran umgeben – ohne Zellwand fehlt Beta-Laktamen der Angriffspunkt. Quelle: Rottem S. et al., Biomedical Tissue Culture, InTech 2012, via Wikimedia Commons, CC BY 3.0; Ausschnitt.

Die folgenden Beispiele sind keine vollständige Antibiotikaliste. Sie gelten für nicht schwangere Erwachsene ohne relevante Organfunktionsstörung, schwere Allergie oder besondere Resistenzhinweise. Schwere Immunsuppression verlangt eine gesonderte Strategie. Die fachliche Auswahl muss mit lokalen Standards und der aktuellen Präparateinformation übereinstimmen.

Klinischer KontextMögliches initiales BeispielBegründung
Leichte CAP, keine relevante KomorbiditätAmoxicillin 1 g p.o. alle 8 hGezieltes Basisspektrum, oral möglich
Leichte CAP mit passender stabiler KomorbiditätAmoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg p.o. alle 8 hErweiterung gegen bestimmte Beta-Laktamasebildner
Stationäre CAP ohne besondere MRE-RisikenAmpicillin/Sulbactam 3 g i.v. alle 8 h; alternativ Ceftriaxon 2 g i.v. alle 24 hInitial parenteraler Betalaktamweg bei entsprechendem Bedarf
Schwere CAPGeeignetes Beta-Laktam plus z. B. Azithromycin 500 mg alle 24 hKombination für die schwere Erkrankung; zunächst i.v.

Die deutsche S3-Leitlinie (2021) ordnet so ein: leicht ist eine CAP mit CRB-65 von 0, ohne Oxygenierungsstörung (SpO₂ >92 %) und ohne instabile Komorbidität; schwer ist sie bei Schock mit Vasopressorbedarf, Beatmung oder mehr als zwei Minorkriterien; dazwischen liegt die stationär behandelte mittelschwere CAP. Als Beta-Laktam der schweren CAP nennt die Leitlinie zum Beispiel Piperacillin/Tazobactam 4,5 g i.v. alle 8 h oder Ceftriaxon 2 g i.v. alle 24 h. Als Makrolid kommen Azithromycin 500 mg alle 24 h oder Clarithromycin 500 mg alle 12 h in Betracht.

Ablauf von der gesicherten CAP über die Schweregradeinschätzung mit CRB-65, SpO₂ und Komorbidität zur Startsubstanz: leicht Amoxicillin 1 g p.o. alle 8 h, leicht mit Komorbidität Amoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg p.o. alle 8 h, mittelschwer Ampicillin/Sulbactam 3 g alle 8 h oder Ceftriaxon 2 g alle 24 h i.v. mit optionalem Makrolid für 3 Tage, schwer Piperacillin/Tazobactam 4,5 g alle 8 h oder Ceftriaxon 2 g alle 24 h plus Makrolid für 3 Tage. Pseudomonas- und MRSA-Abdeckung nur bei konkreten Risiken. Nach 48–72 h Neubewertung mit drei Ergebnissen: einengen, oral wechseln, Makrolid an Tag 3 ohne atypischen Erreger stoppen.

Abbildung 6: Der Schweregrad bestimmt die Startsubstanz. Der Review nach 48–72 Stunden ist kein automatischer Absetzzeitpunkt; er verbindet klinischen Verlauf, Befunde und Anwendungssicherheit. Quelle: eigene Darstellung.

Bei mittelschwerer CAP wird eine zusätzliche kurzzeitige Makrolidgabe im klinischen Kontext geprüft. MRE bedeutet multiresistente Erreger; MRSA bezeichnet Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus. Eine Pseudomonas- oder MRSA-Abdeckung braucht konkrete Risikohinweise; sie ist kein Standardzusatz für jeden Patienten. Nach Erregerklärung werden Kombination und Spektrum aktiv überprüft. Eine echte schwere Beta-Laktamallergie benötigt eine individuell geprüfte Alternative; ein bloßes Etikett „Penicillinallergie“ ersetzt die Reaktionsanamnese nicht. Fluorchinolone sind wegen ihrer Risiken und Resistenzfolgen keine gedankenlose Ausweichlösung.

Die Dauer des Makrolidpartners wird gesondert festgelegt. Die orale Azithromycin-Fachinformation nennt beispielsweise 500 mg täglich für drei Tage oder 500 mg am ersten, danach 250 mg an vier weiteren Tagen. Die allgemeine CAP-Dauer wird daher nicht automatisch zu „fünfmal 500 mg Azithromycin“. Amoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg alle acht Stunden ist eine erhöhte Dosierung; diese Formulierung ist bei Kreatinin-Clearance <30 ml/min nicht empfohlen. Sie wird mit einer Mahlzeit eingenommen; frühere durch das Präparat ausgelöste Gelbsucht/Leberfunktionsstörung ist eine Gegenanzeige.

Beide Azithromycin-Schemata ergeben 1,5 g Gesamtdosis. Die S3-Leitlinie beendet ein begonnenes Makrolid nach 3 Tagen, wenn bei klinischer Stabilisierung keine atypischen Erreger nachgewiesen sind.

Zuerst QT-Risiken und Elektrolyte prüfen, dann zwei vollständige orale Azithromycin-Regime mit je 1,5 g Gesamtdosis vergleichen; beim Kombinationspartner an Tag drei klinische Stabilisierung und fehlenden atypischen Erregernachweis gemeinsam prüfen; Beta-Laktam und Gesamtdauer getrennt planen.

Abbildung: Das Ende des Makrolidpartners nach drei Tagen setzt klinische Stabilisierung und fehlenden Nachweis atypischer Erreger voraus. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Verordnung muss ausführbar sein

Prüfe vor Verordnung Substanz, Einzeldosis, Intervall, Applikationsweg und geplanten Kontrollzeitpunkt. Milligramm und Gramm dürfen nicht verwechselt werden: 1 g = 1000 mg. Bei Kombinationen benennt die Gesamtmenge nicht die Menge jeder Einzelkomponente. Ampicillin/Sulbactam 3 g enthält 2 g Ampicillin + 1 g Sulbactam. Ein Intervall von acht Stunden entspricht drei Gaben in 24 Stunden.

SicherheitsfrageKonkrete Konsequenz
Welche Allergiereaktion, wann, wie schwer?Anaphylaxie oder schwere Hautreaktion von Unverträglichkeit unterscheiden.
Aktuelle und veränderliche Nierenfunktion?Renal eliminierte Mittel anpassen; bei akutem Verlauf wiederholt prüfen.
Lebererkrankung oder frühere antibiotikaassoziierte Leberschädigung?Präparatespezifische Gegenanzeigen und Verlaufskontrolle berücksichtigen.
QT-Verlängerung, niedrige Elektrolyte, weitere QT-Medikamente?Makrolidrisiko und gegebenenfalls EKG/Elektrolyte prüfen.
Erbrechen, Dysphagie oder gestörte Aufnahme?Orale Gabe möglicherweise ungeeignet
Neue Diarrhö oder Haut-/Atemreaktion?Nebenwirkung, C.-difficile-Infektion oder Allergie gezielt abklären.

Ein Allergieetikett wird über die Reaktionsanamnese eingeordnet: Übelkeit, Diarrhö oder Kopfschmerz sind Unverträglichkeiten, keine Allergie. Urtikaria, Angioödem, Bronchospasmus oder Anaphylaxie innerhalb von Minuten bis etwa einer Stunde sprechen für eine Sofortreaktion; Blasen, Schleimhautbeteiligung, SJS/TEN oder DRESS Tage nach Beginn für eine schwere Spätreaktion. Bei echter Penicillinallergie nennt die S3-Leitlinie für leichte CAP ohne Komorbidität Doxycyclin (200 mg/Tag) oder ein Makrolid; bei Komorbidität oder stationärer Behandlung ein Fluorchinolon, etwa Moxifloxacin 400 mg alle 24 h oder Levofloxacin 500 mg alle 12 h.

Vom Etikett Penicillinallergie zur Reaktionsanamnese: Substanz, Zeitpunkt, beteiligte Organe und spätere Verträglichkeit erfragen. Drei Gruppen: keine Allergie bei Übelkeit, Diarrhö, Kopfschmerz oder nur familiärer Angabe, Beta-Laktam möglich; Sofortreaktion mit Urtikaria, Angioödem, Bronchospasmus oder Anaphylaxie, Penicillin meiden; schwere Spätreaktion wie SJS/TEN oder DRESS, Beta-Laktame meiden. Bei echter Allergie nach S3: leicht ohne Komorbidität Doxycyclin 200 mg/Tag oder Makrolid, mit Komorbidität oder stationär Moxifloxacin 1 × 400 mg oder Levofloxacin 2 × 500 mg. Fluorchinolone bewusst einsetzen; Reaktion dokumentieren und Etikett gegebenenfalls korrigieren.

Abbildung: Erst die Reaktionsanamnese entscheidet, ob ein Beta-Laktam möglich bleibt; die Alternative richtet sich nach Schweregrad und Komorbidität. Quelle: eigene Darstellung.

Fotografie der Haut: zahlreiche blassrote, erhabene, teils zusammenfließende Quaddeln über einer größeren Hautfläche.

Abbildung: Urtikaria mit flüchtigen, juckenden Quaddeln. Tritt sie kurz nach einer Antibiotikagabe auf, spricht das für eine Sofortreaktion – dokumentiere Substanz, Zeitpunkt und Begleitsymptome. Quelle: Psixtras, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Aufgeschnittenes Kolonresektat auf blauem Grund: Die Schleimhaut ist von zahlreichen gelblichen, erhabenen, fast zusammenfließenden Belägen bedeckt; dazwischen gerötete Schleimhaut; ein Zentimetermaßstab liegt daneben.

Abbildung: Pseudomembranöse Kolitis als schwere Form der C.-difficile-Infektion. Neue Diarrhö unter oder nach Antibiotikatherapie wird deshalb gezielt abgeklärt. Quelle: Narraburra, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 46-jährige Person mit leichter CAP kann schlucken, hat stabile Vitalwerte, keine relevante Komorbidität, keine bekannte Allergie und normale Nierenfunktion. Die begründete Verordnung lautet beispielsweise: „Amoxicillin 1000 mg oral alle acht Stunden; frühe klinische Kontrolle nach 48–72 Stunden, bei Verschlechterung sofort.“ Die initial vorgesehene Gesamtdauer wird mit Verlauf und Stabilität geprüft. Bei 1 g pro Gabe sind es 3 g pro Tag, nicht 1 g pro Tag.

Verordnung in fünf Schritten: zuerst Substanz, Einzeldosis, Intervall, Applikationsweg, Allergieanamnese, Kreatinin-Clearance und Kontrolltermin prüfen. Zwei Rechenbeispiele nebeneinander: Amoxicillin p.o. 1000 mg gleich 1 g, alle 8 h drei Gaben, Tagesmenge 3 g; Ceftriaxon i.v. 2 g, alle 24 h eine Gabe, Tagesmenge 2 g. Kombinationen: Ampicillin/Sulbactam 3 g sind 2 g plus 1 g, Amoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg sind 875 plus 125 mg. Nicht ungeprüft übernehmen bei Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min, Erbrechen oder Dysphagie und früherer Leberschädigung durch das Präparat. Ergebnis: Amoxicillin 1000 mg p.o. alle 8 h, Kontrolle nach 48–72 h, bei Verschlechterung sofort.

Abbildung: Rechne Dosis pro Gabe und Tagesmenge getrennt; der Kontrollzeitpunkt gehört zur ausführbaren Verordnung. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Wechsel von intravenöser auf orale Therapie wird bei klinischer Stabilität, sicherer Einnahme und Resorption sowie einem geeigneten wirksamen oralen Präparat geprüft. Dazu müssen Atem- und Kreislaufsituation, Bewusstsein und Schluckfähigkeit passen; anfangs schwere CAP und Komplikationen verlangen zusätzliche individuelle Abwägung.

Die Tabelle bündelt die Voraussetzungen für einen Wechsel auf orale Therapie.

VoraussetzungKonkrete PrüfungBedeutung
Klinische StabilitätAtem- und Kreislaufsituation, BewusstseinZustand muss zur Umstellung passen.
Sichere Einnahme und ResorptionSchluckfähigkeit und AufnahmeSichere orale Therapie
Geeignetes orales PräparatWirksames Präparat verfügbarWirksame orale Therapie
Anfangs schwere CAP oder KomplikationenZusätzliche individuelle AbwägungZusätzliche Voraussetzungen beachten.

Die S3-Leitlinie definiert klinische Stabilität über sieben Kriterien: Herzfrequenz ≤100/min, Atemfrequenz ≤24/min, systolischer Blutdruck ≥90 mmHg, Temperatur ≤37,8 °C, gesicherte orale Aufnahme, normaler Bewusstseinszustand und SpO₂ ≥90 % bzw. pO₂ ≥60 mmHg unter Raumluft. Bei schwerer CAP wird zunächst mindestens 3 Tage parenteral behandelt. In der großen Mehrzahl der Fälle ist die Umstellung bis Tag 3–5 möglich; die Tage der i.v.-Therapie zählen zur Gesamtdauer.

Sequenztherapie in fünf Schritten: klinische Stabilität mit Herzfrequenz bis 100/min, Atemfrequenz bis 24/min, systolischem Blutdruck ab 90 mmHg, Temperatur bis 37,8 °C, SpO₂ ab 90 Prozent und normalem Bewusstsein; sichere orale Aufnahme; wirksames orales Präparat, etwa Amoxicillin 1 g alle 8 h bei gesicherten Pneumokokken oder Amoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg alle 8 h ohne Erregernachweis; Komplikation ausgeschlossen. Entscheidung: oral weiter, wenn alles erfüllt ist; i.v. fortsetzen, wenn ein Kriterium fehlt; bei schwerer CAP mindestens 3 Tage i.v.

Abbildung: Die Oralisierung ist eine Prüfkette – erst wenn jedes Glied erfüllt ist, wird umgestellt. Quelle: eigene Darstellung.

Dauer und Steroide bewusst entscheiden

Für die hier dargestellte unkomplizierte CAP verwenden wir als deutschen S3-Ausgangspunkt gewöhnlich fünf Tage, bei schwerer CAP sieben Tage, mit mindestens zwei Tagen klinischer Stabilität vor Beendigung. Das ist keine automatische Absetzregel: Komplikationen, besondere Erreger und fehlende Stabilität verändern den Plan. Neue internationale Empfehlungen erlauben in ausgewählten stabilen, nicht schweren Fällen kürzere Verläufe; eine solche Strategie benötigt ihre konkreten Auswahlkriterien und wird nicht pauschal auf die Fälle hier übertragen. Die ausgewählte Strategie wird bei der Verlaufskontrolle ausdrücklich dokumentiert.

Stabilität wird mit denselben Kriterien wie bei der Oralisierung gemessen. Ist ein Patient nach 72 Stunden nicht stabil, prüft man ein Therapieversagen. Komplikationen wie Empyem oder Abszess und besondere Erreger, etwa eine S.-aureus-Bakteriämie, verlangen eine längere, erregerspezifische Dauer.

Antibiotikadauer nach S3: leicht bis mittelschwer in der Regel 5 Tage, kürzer bei rascher Stabilisierung möglich; schwer 7 Tage mit mindestens 3 Tagen i.v. Ende erst nach 2 stabilen Tagen, gemessen an Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Temperatur und SpO₂. Zeitachse: Stabilität ab Tag 4 führt bei leichter CAP zum Ende nach Tag 5, Stabilität ab Tag 6 bei schwerer CAP zum Ende nach Tag 7. Der Plan ändert sich bei fehlender Stabilität nach 72 h, bei Komplikationen und besonderen Erregern. Dokumentiert werden Starttag, erster stabiler Tag und geplantes Ende.

Abbildung: Die geplante Dauer ist der Ausgangspunkt; beendet wird erst, wenn zwei stabile Tage erreicht und verlaufsändernde Faktoren geprüft sind. Quelle: eigene Darstellung.

Kortikosteroide dämpfen die Entzündungsreaktion. Sie sind keine Routine bei leichter CAP. Neuere internationale Empfehlungen unterstützen systemische Steroide bei schwerer bakterieller CAP im Krankenhaus; die Auswahl erfolgt im erfahrenen Akut-/Intensivteam. Ein intensivmedizinisches Studien-/Leitlinienregime beginnt mit Hydrocortison 200 mg/Tag i.v., danach verlaufsabhängige Dauer und Reduktion. Glukose, Sekundärinfektion und weitere Risiken werden überwacht. Dieses Vorgehen wird nicht auf Influenza, reine Aspirationspneumonitis oder jede virale Pneumonie übertragen. Eine weitere eigenständige Indikation, etwa ein septischer Schock, muss getrennt bewertet werden.

Die deutsche S3-Leitlinie (2021) empfiehlt bei hospitalisierter CAP ohne zunehmende Obstruktion oder septischen Schock keine routinemäßigen Steroide. Bei zunehmender Obstruktion durch COPD oder Asthma erhalten Patienten Steroide nach üblichem Standard für 5 bzw. 7 Tage, bei therapierefraktärem septischem Schock Hydrocortison. Die neueren Empfehlungen stützen sich vor allem auf die CAPE-COD-Studie: Behandlung auf Intensiv- oder Intermediate-Care-Station und mindestens eines dieser Kriterien – Beatmung (invasiv oder NIV), High-Flow-Sauerstoff mit FiO₂ ≥50 % und PaO₂/FiO₂ <300 oder PSI >130. Influenza, Aspiration und septischer Schock unter Vasopressoren waren ausgeschlossen. Hydrocortison 200 mg/Tag lief 4 Tage bei Besserung an Tag 4, sonst 7 Tage; danach folgten 100 mg/Tag für 2 bzw. 4 Tage und 50 mg/Tag für 2 bzw. 3 Tage, insgesamt 8 bzw. 14 Tage.

Vom Erkrankungskontext und den Auswahlkriterien zu den beiden Hydrocortison-Verläufen: bei Besserung an Tag vier 4/2/2 Tage mit 200/100/50 mg täglich, sonst 7/4/3 Tage; Glukose und Sekundärinfektionen überwachen und andere Indikationen getrennt beurteilen.

Abbildung: Die Tagesdosis und die Dauer jedes Reduktionsschritts werden getrennt gelesen; die Gesamtbehandlung dauert acht oder vierzehn Tage. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Dosierung nachvollziehen

Aufgabe

Bei normaler Organfunktion sind Ampicillin/Sulbactam 3 g i.v. alle acht Stunden vorgesehen. Berechne die tägliche Gesamtmenge und die Mengen beider Komponenten.

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

VerordnungsangabeWert
PräparatAmpicillin/Sulbactam
Einzeldosis / Weg3 g i.v.
IntervallAlle 8 Stunden
OrganfunktionNormal
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Warum nicht automatisch breiter?

Aufgabe

Eine 44-jährige Person mit leichter CAP ist kreislaufstabil, SpO₂ 96 % unter Raumluft, kann oral Medikamente einnehmen und hat keine relevante Komorbidität. Keine Allergie, normale Nierenfunktion und keine Resistenzhinweise; Kontrolle ist gesichert. Wähle eine konkrete initiale Therapie und begründe das Spektrum.

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

MerkmalAngabe
Alter / Erkrankung44 Jahre; leichte CAP
Kreislauf / SpO₂Stabil; 96 % unter Raumluft
Orale EinnahmeMöglich
Komorbidität / AllergieKeine relevante Komorbidität; keine Allergie
Niere / ResistenzNormale Nierenfunktion; keine Resistenzhinweise
KontrolleGesichert
  1. a)Piperacillin/Tazobactam i.v.; ambulante CAP erfordert grundsätzlich Pseudomonasabdeckung.
  2. b)Azithromycin plus ein Carbapenem; die Kombination ist bei jeder CAP nötig.
  3. c)Amoxicillin 1 g oral alle acht Stunden; das Basisspektrum passt zum Kontext, mit früher Kontrolle.
Lösung in der App →

HAP und Aspiration

Lernziel: Du kannst Therapie bei HAP und Aspiration an Risiko und Verlauf anpassen.

Im Krankenhaus erworben

Bei HAP werden mögliche Resistenzrisiken systematisch gesammelt: frühere Erreger und Kolonisation, vorausgegangene Antibiotika, längerer Aufenthalt, strukturelle Lungenerkrankung und lokales Erregerspektrum. Besonders im Schock zählt ausreichende initiale Wirksamkeit. Ein Erreger in einem Atemwegsabstrich kann dennoch Besiedlung sein; neue Infektionszeichen und ein passender Lungenbefund müssen zusammenpassen.

Die S3-Leitlinie 2024 nennt als therapierelevante Risikofaktoren für multiresistente Erreger (MRE): Antibiotikatherapie über 24 Stunden in den letzten 30 Tagen, Hospitalisierung von mindestens 5 Tagen vor Krankheitsbeginn, Kolonisation mit gramnegativen MRE oder MRSA, septischen Schock, ARDS, Hämodialyse und medizinische Versorgung in einem Hochprävalenzland innerhalb der letzten 12 Monate. Fortgeschrittene COPD, Bronchiektasen und eine bekannte Kolonisation erhöhen zusätzlich das Risiko für P. aeruginosa. Das lokale Erregerspektrum wird alle 6–12 Monate ausgewertet.

Ablaufdiagramm zur kalkulierten HAP-Therapie: Verdacht mehr als 48 Stunden nach Aufnahme, dann MRE-Risikofaktoren prüfen. Ohne septischen Schock und ohne MRE-Risiko Ampicillin/Sulbactam 3–4 × 3 g oder Ceftriaxon 1 × 2 g, mit MRE-Risiko Piperacillin/Tazobactam 4 × 4,5 g, Cefepim 2–3 × 2 g oder Meropenem 3 × 1–2 g. Im septischen Schock ohne weiteren Faktor Meropenem als Monotherapie, mit weiterem MRE-Faktor Kombination mit Ciprofloxacin, Levofloxacin, Tobramycin oder Fosfomycin. Bei MRSA-Verdacht zusätzlich Vancomycin oder Linezolid. Danach Neubewertung nach 48–72 Stunden, Fokussierung nach Antibiogramm und 7–8 Tage Gesamtdauer bei gutem Ansprechen.

Abbildung: Bei HAP bestimmen konkrete Resistenzrisiken und Schock die initiale Strategie; MRSA wird nur bei begründetem Verdacht zusätzlich abgedeckt. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle fasst die kalkulierte Initialtherapie nach S3-Leitlinie 2024 zusammen (intravenös, normale Nierenfunktion).

HAP-KontextBegründete Strategie
Kein Schock, kein erhöhtes MRE-RisikoBeispielsweise Ampicillin/Sulbactam 3–4 × 3 g oder Ceftriaxon 1 × 2 g nach lokalem Standard
Erhöhtes Risiko für resistente gramnegative ErregerGeeignetes antipseudomonales Beta-Laktam, z. B. Piperacillin/Tazobactam 4 × 4,5 g, Cefepim 2–3 × 2 g oder Meropenem 3 × 1–2 g; Vorbefunde beachten
Schock ohne weiteren MRE-RisikofaktorMeropenem 3 × 1–2 g als Monotherapie
Schock und zusätzliche MRE-RisikenInitiale Kombination im erfahrenen Team, z. B. Beta-Laktam plus Ciprofloxacin, Levofloxacin, Aminoglykosid oder Fosfomycin; frühe Neubewertung
MRSA-Risiko oder relevanter NachweisGezielte zusätzliche MRSA-Abdeckung erwägen (Vancomycin nach Spiegel oder Linezolid 2 × 600 mg); keine Routine für alle

Lichtmikroskopisches Bild einer Gramfärbung mit zahlreichen dünnen, rot angefärbten Stäbchen, die einzeln und in Haufen auf hellem Hintergrund liegen; dazwischen schwach rosa angefärbter Schleim.

Abbildung: Gramfärbung aus einer bronchoalveolären Lavage mit gramnegativen (rot gefärbten) Stäbchen, laut Bildautor P. aeruginosa. Die Färbung zeigt nur Form und Gramverhalten. Ob Infektion oder Besiedlung vorliegt, entscheiden Klinik und neues Infiltrat; Art und Empfindlichkeit liefert erst die Kultur. Quelle: Ajay Kumar Chaurasiya, Wikimedia Commons, CC BY 4.0.

Ein Beispiel bei passendem gramnegativem Risiko ist Piperacillin/Tazobactam 4,5 g i.v. alle sechs Stunden bei normaler Organfunktion. Es hemmt Zellwandaufbau; Tazobactam schützt gegen bestimmte Beta-Laktamasen. Dosis, Infusionsdauer und Anpassung werden anhand Fachinformation, Erregerempfindlichkeit und Intensivstandard festgelegt. Eine prolongierte Infusion benötigt ein entsprechend geprüftes Schema. Piperacillin/Tazobactam deckt MRSA nicht ab.

Bei kritisch kranken Patienten empfiehlt die S3-Leitlinie 2024 nach einer Initialdosis von 4,5 g als Kurzinfusion eine prolongierte Gabe über 3 Stunden. Laut Fachinformation beträgt die Höchstdosis bei einer Kreatinin-Clearance von 20–40 ml/min 4,5 g alle 8 Stunden, unter 20 ml/min 4,5 g alle 12 Stunden; nach jeder Hämodialyse werden zusätzlich 2,25 g gegeben.

Ablaufdiagramm zu Piperacillin/Tazobactam bei HAP: Indikation bei Risiko für gramnegative MRE oder Pseudomonas, Proben vorher. Standard 4 × 4,5 g i.v. als Kurzinfusion über 30 Minuten; bei kritisch Kranken Start mit 4,5 g als Kurzinfusion, dann 4 × 4,5 g über je 3 Stunden. Bei Kreatinin-Clearance 20–40 ml/min höchstens 4,5 g alle 8 Stunden, unter 20 ml/min alle 12 Stunden, nach Hämodialyse zusätzlich 2,25 g. Wirkung auf Zellwandaufbau und Beta-Laktamasen; erfasst Pseudomonas, viele Enterobacterales und Anaerobier, nicht MRSA und nicht zuverlässig ESBL-Bildner.

Abbildung: Das konkrete Dosisbeispiel gilt nur bei passendem Risiko und normaler Organfunktion; Infusionsweise, Nierenfunktion und Resistenzbefunde bleiben eigene Prüfschritte. Quelle: eigene Darstellung.

Die HAP-Leitlinie 2024 verlangt eine strukturierte Neubewertung nach 48–72 Stunden. Bei gutem Ansprechen sind oft 7–8 Behandlungstage ausreichend; Abszess, unkontrolliertes Empyem oder eine relevante Bakteriämie brauchen eine andere Planung. Persistierendes Fieber führt zur Ursachenprüfung, nicht automatisch zur Addition weiterer Antibiotika.

Bestätigt sich die HAP bei der Neubewertung nicht, werden die Antibiotika beendet. Bei klinischer Stabilisierung wird auch ohne Erregernachweis deeskaliert, bei relevantem Erregernachweis gezielt fokussiert. Ein PCT-gestützter Algorithmus kann die Behandlungsdauer verkürzen.

Zeitlicher Ablauf einer HAP: Am Tag 0 vor der ersten Dosis Blutkulturen, Atemwegsmaterial sowie CRP oder PCT, dann kalkulierte Therapie. Nach 48–72 Stunden strukturierte Neubewertung. Nicht bestätigt: Antibiotika beenden. Stabil: deeskalieren oder nach Erreger fokussieren, Gesamtdauer 7–8 Tage. Nicht besser: Empyem, Abszess, Katheterinfektion, resistenten Erreger oder andere Diagnose suchen; längere Therapie bei S.-aureus-Bakteriämie, Abszess oder Empyem.

Abbildung: Die Neubewertung nach 48–72 Stunden entscheidet über Beenden, Deeskalieren oder gezielte Ursachensuche. Quelle: eigene Darstellung.

Die Zeitpunkte trennen die frühe Neubewertung von der möglichen Gesamtdauer.

Zeitpunkt / VerlaufEinordnungKonsequenz
48–72 StundenStrukturierte NeubewertungDiagnose und Therapie prüfen.
Gutes AnsprechenHäufig ausreichend7–8 Behandlungstage
Abszess / unkontrolliertes Empyem / relevante BakteriämieBesonderer VerlaufAndere Planung erforderlich
Persistierendes FieberUrsache ungeklärtUrsachenprüfung statt automatischer Addition

Nach Aspiration zuerst den Mechanismus behandeln

Bei akuter Aspiration müssen Atemweg und Oxygenierung beurteilt und sichtbare zugängliche Sekrete sicher entfernt werden. Bei vermuteter Verlegung oder Fremdkörperaspiration ist rasche spezialisierte Atemwegsbeurteilung erforderlich. Eine Bronchoskopie ist keine automatische Behandlung jeder kleinen Flüssigkeitsaspiration.

Ist der Atemweg eines wachen Erwachsenen komplett verlegt, gilt zuerst der Notfallablauf der Fremdkörperverlegung: bis zu 5 Rückenschläge, dann bis zu 5 Oberbauchkompressionen im Wechsel; bei Bewusstlosigkeit wird reanimiert. Sauerstoff wird meist auf SpO₂ 92–96 % titriert, bei Hyperkapnierisiko auf 88–92 %. Nach Makroaspiration, etwa von Speisebrocken, empfiehlt die S3-Leitlinie eine zeitnahe therapeutische Bronchoskopie unter Beachtung der Kontraindikationen; nach Säureaspiration sollen Spülungen möglichst unterbleiben.

Ablaufdiagramm zur akuten Aspiration: zuerst Atemweg, Atemfrequenz, SpO₂ und Bewusstsein beurteilen; bei kompletter Verlegung eines wachen Patienten 5 Rückenschläge im Wechsel mit 5 Oberbauchkompressionen, bei Bewusstlosigkeit Reanimation. Sofortmaßnahmen: Oberkörper hoch oder Seitenlage, sichtbares Material absaugen, Sauerstoff auf SpO₂ 92–96 % titrieren. Danach drei Wege: Verlegung mit rascher Bronchoskopie, Makroaspiration von Speisebrocken mit zeitnaher Bronchoskopie, kleine Flüssigkeitsmenge ohne Routine-Bronchoskopie und ohne Spülung nach Säure.

Abbildung: Die Atemwegsentscheidung richtet sich nach Verlegung, Art und Menge des aspirierten Materials. Quelle: eigene Darstellung.

Der weitere Verlauf bestimmt den Schwerpunkt der Therapie.

VerlaufInitialer SchwerpunktWeiterer Schritt
Überwiegend chemische PneumonitisSupportive Atemversorgung und engmaschige KontrolleKeine routinemäßige antibiotische Prophylaxe
Klinisch bakterielle AspirationspneumonieKontextgerechte AntibiotikatherapieZum Beispiel Ampicillin/Sulbactam 3–4 × 3 g i.v. bei passender stationärer Konstellation
Abszess/EmpyemGeeignetes Spektrum einschließlich AnaerobiernFokusmanagement und längerer individueller Verlauf; Abszess oft 4–8 Wochen bis zur radiologischen Rückbildung

Ablaufdiagramm zur Therapie nach Aspiration: Pneumonitis mit Sauerstoff, Atemunterstützung und Beobachtung ohne Antibiotikaprophylaxe; bakterielle Aspirationspneumonie mit Ampicillin/Sulbactam 3–4 × 3 g i.v., alternativ Clindamycin plus Cephalosporin oder Moxifloxacin, ohne zusätzliches Metronidazol. Bei neuen Infektzeichen nach 48 Stunden oder fehlender Besserung nach 72 Stunden Komplikationen mit Röntgen, Sonografie und CT suchen. Lungenabszess: Bronchoskopie, Therapie bis zur Rückbildung, oft 4–8 Wochen, Drainage bei Versagen; 75–90 % heilen unter Antibiotika. Empyem oder komplizierter Erguss mit Eiter, Bakterien oder pH unter 7,2: sofortige Drainage, Therapie nach Kultur anpassen.

Abbildung: Pneumonitis, bakterielle Aspirationspneumonie und Abszess oder Empyem verlangen unterschiedliche Therapie. Der Zeitverlauf allein beweist keine bakterielle Ursache; die klinische Neubewertung bleibt notwendig. Quelle: eigene Darstellung.

Vier axiale CT-Schnitte des Thorax im Weichteilfenster, mit A bis D bezeichnet. A: rundliche, dickwandige Raumforderung im linken Unterlappen mit flüssigkeitsdichtem Inhalt und Entzündung der Umgebung. B: Wand dünner, Umgebung ruhiger, Inhalt noch vorhanden. C: Höhle nach Entleerung des Inhalts. D: nur noch geringe Restverdichtung.

Abbildung: Lungenabszess links bei einem 82-jährigen Mann im Verlauf. A: vor Therapie etwa 4 cm große, dickwandige Höhle mit flüssigem Inhalt. B: Tag 20 nach Beginn von Ampicillin/Sulbactam, Inhalt noch vorhanden. C: Tag 21 nach bronchoskopischer Drainage, jetzt luftgefüllte Höhle. D: Tag 56, nur geringe Restverdichtung. Der Verlauf zeigt, warum Abszesse über Wochen bis zur radiologischen Rückbildung behandelt werden. Quelle: Yaguchi D, Ichikawa M, Inoue N, Kobayashi D, Shizu M, Imai N. Medicine (Baltimore) 2018;97:e10812, Abb. 2, CC BY 4.0.

Anaerobier wachsen bevorzugt ohne Sauerstoff und können besonders bei Abszessbildung relevant sein. Bei bloßem Aspirationsverdacht wird nicht automatisch Metronidazol zu einer bereits passenden Therapie hinzugefügt. Ampicillin/Sulbactam deckt viele relevante Anaerobier schon ab. Unnötige Doppelabdeckung verbessert die Behandlung nicht.

Die Ursache muss mitbehandelt werden: Schluckdiagnostik, sichere Konsistenz und Position bei Mahlzeiten, Mundpflege sowie Überprüfung sedierender Medikamente. Bei unsicherem Schlucken erfolgt eine individuelle Entscheidung über orale Aufnahme und alternative Versorgung. Eine Ernährungssonde verhindert Aspiration nicht zuverlässig. Ziel und Belastung der Maßnahmen werden mit Patient oder Vertretung besprochen.

Am Bett dient ein Wasserschlucktest als Screening, zum Beispiel nach Daniels mit je zweimal 5, 10 und 20 ml Wasser; Husten oder Stimmveränderung direkt nach dem Schlucken beenden den Test. Ist das Screening auffällig oder das Risiko hoch, folgt eine instrumentelle Untersuchung mit flexibler endoskopischer Schluckuntersuchung (FEES) oder Videofluoroskopie. Sie zeigt auch stille Aspiration ohne Husten.

Zwei endoskopische Bilder des Kehlkopfeingangs von oben. Links liegt grün angefärbte Testflüssigkeit mit Schaumblasen in großer Menge im Rachen und über dem Kehlkopfeingang. Rechts ist der Kehlkopfeingang mit Epiglottis und Stimmritze frei, nur wenig grüne Reste am Rand.

Abbildung: Flexible endoskopische Schluckuntersuchung (FEES) bei Dysphagie nach Hirnstamminfarkt und Aspirationspneumonie. Links (A) bleibt grün angefärbte Testnahrung im Hypopharynx liegen und dringt in den Kehlkopfeingang ein (Penetration/Aspiration). Rechts (B) nach Behandlung der Ursache deutlich weniger Rückstände. Quelle: Chen JM, Chen YJ, Ni J, Wang ZY. Medicine (Baltimore) 2021;100:e24909, Abb. 2 (Ausschnitt A und B), CC BY 4.0.

Ablaufdiagramm zur Aspirationsursache: Screening am Bett mit Wasserschlucktest je zweimal 5, 10 und 20 ml und Medikamentenprüfung; bei Auffälligkeit FEES oder Videofluoroskopie. Danach Essen anpassen mit Konsistenz nach IDDSI 0–7, aufrechtem Sitzen und Logopädie sowie Basismaßnahmen mit Mund- und Zahnpflege, Oberkörper 30–45° bei Sondenkost und möglichst geringer Sedierung. Bleibt das Schlucken unsicher: angepasste orale Kost mit bewusstem Risiko oder Sonde, die Aspiration nicht sicher verhindert. Am Ende gemeinsame Entscheidung über Ziel und Belastung.

Abbildung: Schlucksicherheit, Alltagsmaßnahmen und gemeinsame Versorgungsentscheidungen gehören zusammen. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Nach beobachtetem Erbrechen tritt abrupt Hypoxämie auf. Unter Atemunterstützung bessert sich die Situation rasch; weitere Infektionszeichen fehlen zunächst. Das passt zu einer chemischen Pneumonitis, bleibt aber eine Verlaufshypothese. Du überwachst, sicherst Atmung und überprüfst im Verlauf neue Infektionszeichen. Antibiotika werden nicht allein wegen des Aspirationsereignisses verordnet.

Freie Antwort

HAP-Risiko anwenden

Aufgabe

Am achten stationären Tag entstehen neue Pneumoniezeichen. In einer früheren Atemwegskultur wurde Pseudomonas nachgewiesen; in den letzten Tagen wurden Antibiotika gegeben. Begründe, warum eine einfache ambulante Amoxicillin-Verordnung nicht genügt.

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

MerkmalAngabe
ZeitpunktStationärer Tag 8
Aktueller BefundNeue Pneumoniezeichen
Frühere AtemwegskulturPseudomonas nachgewiesen
VorbehandlungAntibiotika in den letzten Tagen

Ausschnitt einer Blutagarplatte, von einer Hand im blauen Handschuh gehalten: große, flache, unregelmäßige, grau-metallisch glänzende Kolonien, teils zusammenfließend.

Abbildung zur Aufgabe: Bakterienkultur auf Blutagar als Beispiel für einen früheren mikrobiologischen Nachweis. Quelle: Ajay Kumar Chaurasiya, CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Aspiration ohne Automatismus

Aufgabe

Eine bakterielle Aspirationspneumonie wird passend mit Ampicillin/Sulbactam behandelt. Kein Hinweis auf Abszess oder Empyem. Welche Aussage ist angemessen?

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

MerkmalAngabe
ErkrankungBakterielle Aspirationspneumonie
Laufende TherapieAmpicillin/Sulbactam
Abszess / EmpyemKein Hinweis

Röntgen-Thorax: fleckige, unscharf begrenzte Verdichtungen im rechten Unterfeld; keine Luft-Flüssigkeits-Spiegel erkennbar.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax mit Verdichtungen im rechten Unterfeld (Beispielbild). Quelle: Matthaiou AM, Tomos I, Chaniotaki S, et al. J Pers Med 2023;13:1349 (Abb. 1), CC BY 4.0

  1. a)Metronidazol ist allein wegen des Wortes Aspiration zwingend zusätzlich nötig.
  2. b)Die bestehende Abdeckung, den Verlauf und die Aspirationsursache prüfen; kein automatisches Zusatzantibiotikum.
  3. c)Jede Sondenernährung beseitigt das künftige Aspirationsrisiko vollständig.
Lösung in der App →

Behandlung und Verlauf

Lernziel: Du kannst Therapieansprechen, Stabilität und sichere Nachsorge beurteilen.

Mehr als Antibiotika

Oxygenierung, Flüssigkeit, Ernährung, Mobilität und Beschwerden beeinflussen die Erholung. Eine fiebernde Person kann dehydriert sein, während Herz- oder Niereninsuffizienz Flüssigkeitsüberlastung begünstigen. Prüfe Trinkmenge, Kreislauf, Urinausscheidung und Stauungszeichen. Bei Hypoperfusion kann eine kontrollierte intravenöse Flüssigkeitsgabe nötig sein; danach werden Wirkung und Überlastungszeichen erneut beurteilt. Eine Pneumonie ist kein Grund, jeder Person dieselbe große Flüssigkeitsmenge zu geben. Eine Urinausscheidung unter 0,5 ml/kg/h gilt als Oligurie. Bei septischer Hypotonie oder Laktat ≥ 4 mmol/l nennt die S3-Leitlinie mindestens 30 ml/kg kristalloide Lösung innerhalb von 3 Stunden unter engmaschiger Kontrolle; bleibt der mittlere arterielle Druck trotz Flüssigkeit unter 65 mmHg, folgen Vasopressoren.

Ablauf in vier Schritten: Ausgangslage mit Trinkmenge, Kreislauf, Urin unter 0,5 ml/kg/h und Laktat prüfen; Hinweise auf Flüssigkeitsmangel und Risiko einer Überlastung nebeneinander abwägen; bei septischer Hypotonie oder Laktat ab 4 mmol/l mindestens 30 ml/kg Kristalloid in 3 Stunden, bei Hypoperfusion ohne Schock kontrollierte Einzelgaben; nach jeder Gabe Kreislauf, Urin, Sauerstoffbedarf und Überlastungszeichen neu beurteilen. Ergebnis: Wirkung, mittlerer arterieller Druck unter 65 mmHg mit Vasopressor oder Überlastung mit Stopp der Gabe.

Abbildung: Bedarf und Überlastungsrisiko werden vor und nach jeder Flüssigkeitsgabe gemeinsam bewertet. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle ordnet jeder unterstützenden Maßnahme die individuelle Prüfung und einen konkreten Anhaltspunkt zu.

Unterstützende MaßnahmeIndividuelle PrüfungKonkret
Sauerstoff und AtemunterstützungZielbereich, klinische Wirkung und EskalationsbedarfSpO₂ 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko 88–92 %
Flüssigkeit und ErnährungBedarf, Schlucksicherheit, Herz-/NierenfunktionBilanz, Urin, Schluckprüfung vor oraler Kost
Schmerz- und FiebersenkungBeschwerden, Kontraindikationen, mögliche SedierungSedierende Mittel meiden, Atemantrieb beachten
Mobilisation und ThromboseprophylaxeBelastbarkeit, Immobilisation, BlutungsrisikoFrühmobilisation: ≥ 20 min außerhalb des Bettes in den ersten 24 h, wenn stabil
Mundpflege und RauchstoppAspiration und weitere Schädigung vermindernRauchstopp bei jedem Kontakt ansprechen
Systemische SteroideNicht routinemäßigNur bei zunehmender Obstruktion (COPD/Asthma, 5–7 Tage) oder therapierefraktärem septischem Schock

Zeitachse in fünf Schritten: bei Aufnahme Ausgangswerte mit Atemfrequenz, SpO₂ samt Sauerstoffzufuhr, Kreislauf, Bewusstsein und CRP oder PCT; stationär in den ersten 72 Stunden Stabilitätskriterien mindestens einmal täglich, ambulant Reevaluation nach 48 bis 72 Stunden; an Tag 3 bis 4 Ansprechen und CRP- oder PCT-Abfall prüfen; Stabilität im Median an Tag 3, bei sehr schwerer Erkrankung an Tag 5, danach Antibiotikadauer 5 oder 7 Tage mit mindestens 2 stabilen Tagen; Erholung mit Rückbildung des Infiltrats in 2 bis 16 Wochen. Eine Verschlechterung wird jederzeit sofort beurteilt.

Abbildung: Vergleiche mit den Ausgangsbefunden. Der formale Kontrollzeitpunkt ersetzt keine frühere Reaktion auf neue Warnzeichen. Quelle: eigene Darstellung.

Bei fortbestehender schwerer Hypoxämie kommen überwachte weiterführende Atemhilfen infrage. Bei Pneumonie kann eine nichtinvasive Unterstützung scheitern; fehlende Besserung, Erschöpfung oder Bewusstseinsstörung müssen zur raschen Eskalation führen. Eine scheinbar gute SpO₂ unter hohem O₂-Angebot ist kein Beweis für einen milden Verlauf. Nach der S3-Leitlinie wird bei milder bis moderater akuter respiratorischer Insuffizienz ein überwachter Versuch mit High-Flow-Sauerstoff oder NIV unternommen, dessen Abbruchkriterien vorher festgelegt werden. Bei schwerer Insuffizienz wird primär die Intubation erwogen; bleibt unter Beatmung der PaO₂/FiO₂-Quotient unter 150, folgt die Bauchlagerung.

Stufenschema in fünf Schritten: Sauerstoff nach Zielbereich 92 bis 96 Prozent, bei Hyperkapnierisiko 88 bis 92 Prozent; früh Atemarbeit und Blutgase prüfen; bei milder bis moderater Insuffizienz überwachter Versuch mit High-Flow oder NIV, bei schwerer Insuffizienz Intubation erwägen und bei PaO₂/FiO₂ unter 150 Bauchlage; Warnzeichen unter High-Flow oder NIV wie Erschöpfung, Bewusstseinsstörung und steigendes PaCO₂; SpO₂ immer zusammen mit dem Sauerstoffangebot lesen. Ergebnis: Besserung, unklarer Verlauf oder Versagen mit Intubation ohne Verzögerung.

Abbildung: Unterstützungsbedarf und klinische Belastung bestimmen die weitere Beurteilung; eine verspätete Intubation verschlechtert die Prognose. Quelle: eigene Darstellung.

Vorher festlegen, was kontrolliert wird

Dokumentiere Ausgangsbefunde und überprüfe sie vergleichbar: Atemfrequenz, SpO₂ mit zugehöriger O₂-Zufuhr, Kreislauf, Temperatur, Bewusstsein, orale Aufnahme und Belastbarkeit. Bei stationärer Behandlung erfolgen Kontrollen je nach Schwere deutlich häufiger als der formale Antibiotikareview nach 48–72 Stunden. Bei ambulanter Therapie wird eine frühe Kontrolle innerhalb dieses Zeitraums vereinbart. Jede Verschlechterung verlangt frühere Beurteilung.

Zeichen klinischer StabilitätWarum es zählt
Temperatur etwa ≤37,8 °C, Puls ≤100/min, Atemfrequenz ≤24/minRückgang der akuten Belastung
Systolischer Druck ≥90 mmHg ohne neue KreislaufunterstützungAusreichende Kreislaufstabilität im Kontext
Ausreichende Oxygenierung, meist SpO₂ ≥90 % unter Raumluft oder Rückkehr zum chronischen O₂-AusgangsbedarfChronisches Ausgangsniveau und Therapie-Zielbereich zusätzlich beachten.
Geistig am Ausgangszustand, orale Aufnahme möglichSichere Versorgung und orale Therapie eher möglich

Die Mindestschwelle der Stabilitätsbeurteilung ist kein Therapieziel: Bei O₂-Gabe gelten die individuellen Zielbereiche aus U04; für eine ambulante Erstentscheidung wird bei zuvor normaler Oxygenierung eine Sättigung über 92 % erwartet. Diese gebräuchlichen Kriterien werden gemeinsam und relativ zum Ausgangszustand beurteilt. Ein einzelnes erfülltes Kriterium reicht nicht. Ein noch erhöhtes CRP bei klarer klinischer Besserung ist kein automatischer Grund, Antibiotika zu verlängern. Umgekehrt kann ein fallendes CRP eine zunehmende Atemnot nicht entkräften.

Die S3-Leitlinie verlangt, die Stabilitätskriterien in den ersten 48–72 Stunden mindestens einmal täglich zu erheben und CRP oder PCT bei Aufnahme sowie nach 3–4 Tagen zu bestimmen. Ein CRP-Abfall um mehr als 50 % bis zum vierten Tag spricht für ein günstiges Ansprechen; fällt das CRP nach 72 Stunden nur um 25–50 %, wird an ein Therapieversagen gedacht. Bei Widerspruch zwischen Labor und Klinik hilft eine dritte Messung, entscheidend bleibt aber die Klinik. Hospitalisierte Personen erreichen die Stabilität im Median nach etwa 3 Tagen, bei sehr schwerer Erkrankung (PSI-Klasse V) nach etwa 5 Tagen.

Zuerst werden CRP oder PCT bei Aufnahme und nach 3 bis 4 Tagen gemessen. Eine Vierfeldertafel ordnet dann Klinik und Laborverlauf ein: Klinik besser und Abfall über 50 Prozent bedeutet Ansprechen; Klinik besser bei geringem Abfall heißt nicht automatisch verlängern; Klinik schlechter trotz Abfall verlangt sofortige Beurteilung von Atmung und Kreislauf; Klinik schlechter bei geringem Abfall oder Anstieg spricht für Therapieversagen. Ein Beispiel mit fallendem CRP und steigendem Sauerstoffbedarf von 2 auf 6 l/min führt zu Atembeurteilung, Ursachensuche und Therapieprüfung.

Abbildung: Der Laborverlauf unterstützt die Beurteilung; bei Widerspruch entscheidet die Klinik. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Tag 1: 39 °C, Atemfrequenz 30/min, O₂ 4 l/min nötig. Tag 3: 37,5 °C, Atemfrequenz 20/min, unter Raumluft SpO₂ 95 %, wach und trinkfähig. Das spricht für Ansprechen. Jetzt werden Mikrobiologie, orale Umstellung und Dauer überprüft. „Seit heute stabil“ ist nicht automatisch „ab heute ohne Antibiotikum“.

Vergleichstabelle von Tag 1 und Tag 3 mit Stabilitätsgrenzen: Temperatur 39 auf 37,5 Grad bei Grenze bis 37,8 Grad, Atemfrequenz 30 auf 20 pro Minute bei Grenze bis 24, Sauerstoff 4 l/min auf Raumluft mit SpO₂ 95 Prozent bei Grenze ab 90 Prozent unter Raumluft, wach und trinkfähig. Danach drei Fragen: Mikrobiologie, orale Umstellung meist bis Tag 3 bis 5 mit zum Beispiel Amoxicillin 1 g alle 8 Stunden, Dauer 5 Tage bei leichter bis mittelschwerer und 7 Tage bei schwerer Pneumonie mit mindestens 2 stabilen Tagen. Ergebnis: leicht bis mittelschwer Ende nach Tag 5, schwer 7 Tage mit mindestens 3 Tagen intravenös, nach 72 Stunden nicht stabil Ursachen suchen.

Abbildung: Die gleichen klinischen Größen werden an den Stabilitätsgrenzen gemessen; Stabilität beendet die Therapie nicht automatisch. Quelle: eigene Darstellung.

Für die Dauer gilt nach der S3-Leitlinie: bei leichter bis mittelschwerer Pneumonie 5 Tage, bei schwerer Pneumonie 7 Tage; vor dem Ende sollte die Person mindestens 2 Tage klinisch stabil sein. Bei mittelschwerer Pneumonie wird nach klinischer Besserung auf eine orale Sequenztherapie umgestellt, in den meisten Fällen bis Tag 3–5. Bei schwerer Pneumonie wird mindestens 3 Tage parenteral behandelt; danach ist ebenfalls eine Umstellung möglich. Geeignet sind Substanzen mit hoher oraler Bioverfügbarkeit, etwa Amoxicillin 1 g oral alle 8 Stunden. Im Beispiel wäre bei leichter bis mittelschwerer Pneumonie und Stabilität ab Tag 3 ein Ende nach Tag 5 vertretbar.

Entlassung und Prognose

Zur Entlassung gehören stabile klinische Verhältnisse, ein ausführbarer Medikamentenplan, geklärte Versorgung, Kontrolle und Warnzeichen. Husten und reduzierte Belastbarkeit können länger als Fieber bestehen; die Prognose hängt unter anderem von Alter, Komorbidität, Funktionsverlust und Komplikationen ab. Eine schnelle Rückkehr zur alten Belastbarkeit kann nicht garantiert werden. Das frühere Leistungsniveau wird meist nicht vor 30 Tagen und gelegentlich erst nach bis zu sechs Monaten erreicht. Wer bei Entlassung mehr als ein Instabilitätskriterium aufweist, wird signifikant häufiger erneut aufgenommen oder verstirbt. Die Krankenhausletalität stationär behandelter Personen mit ambulant erworbener Pneumonie liegt in Deutschland bei etwa 13 %.

Der Entlassungsplan verbindet die aktuelle Stabilität mit der weiteren Versorgung.

PlanbausteinErforderlichZugehöriger Kontext
EntlassungStabile klinische VerhältnisseGeklärte Versorgung
Behandlung zu HauseAusführbarer MedikamentenplanKontrolle und Warnzeichen
PrognoseAlter und Komorbidität beachtenFunktionsverlust und Komplikationen
ErholungHusten und Belastbarkeit können länger beeinträchtigt sein.Schnelle Rückkehr zur alten Belastbarkeit nicht garantiert

Entlassungsprüfung in fünf Schritten: klinisch stabil mit allen Stabilitätskriterien, wobei mehr als ein instabiles Kriterium mit mehr Wiederaufnahmen und Todesfällen verbunden ist; ausführbarer Medikamentenplan mit Dosis, Zeiten und Enddatum; Versorgung zu Hause geklärt; Kontrolle in der Hausarztpraxis vereinbart, bei Risiko Röntgen frühestens 2 Wochen nach Therapieende und Impfstatus prüfen; Warnzeichen wie zunehmende Atemnot, Verwirrtheit und wenig Urin erklärt. Ergebnis: Entlassung, Versorgung organisieren oder nicht entlassen.

Abbildung: Erst wenn alle fünf Punkte erfüllt sind, ist die Entlassung sicher planbar. Quelle: eigene Darstellung.

Eine routinemäßige sofortige Kontrollaufnahme ist bei guter Entwicklung nicht erforderlich. Anhaltende Beschwerden, wiederholt derselbe Ort oder Tumorrisiko, etwa höheres Alter mit Raucheranamnese, können eine spätere Kontrolle einschließlich Bildgebung begründen; häufig wird dafür ein Intervall um sechs Wochen gewählt. Zeitpunkt und Verfahren richten sich nach der Frage. Warnsymptome werden nicht bis dahin abgewartet. Die S3-Leitlinie empfiehlt eine Röntgenkontrolle nach Therapieende bei Raucherinnen und Rauchern, Personen ab 65 Jahren und schweren Begleiterkrankungen, frühestens 2 Wochen nach Ende der Antibiotikatherapie, weil sich Infiltrate erst in 2–16 Wochen zurückbilden. Dabei finden sich in etwa 5 % bisher unbekannte Lungenerkrankungen. Bei Personen ab 65 Jahren wird im ersten Jahr nach einer CAP in etwa 9 % ein Lungenmalignom festgestellt. Bleibt ein Infiltrat länger als 30 Tage bestehen, spricht man von einer persistierenden Pneumonie.

Nachkontrolle in drei Schritten: Verlauf nach Therapieende mit Husten, Belastbarkeit, Risiko durch Rauchen, Alter ab 65 Jahren oder schwere Begleiterkrankung; bei guter Entwicklung ohne Risiko kein Routine-Kontrollröntgen, bei Risiko oder anhaltenden Beschwerden Röntgen-Thorax frühestens 2 Wochen nach Therapieende, in der Praxis oft um 6 Wochen, mit etwa 5 Prozent neu entdeckten Lungenerkrankungen und ab 65 Jahren etwa 9 Prozent Lungenmalignom im ersten Jahr danach; bei Infiltrat über 30 Tage oder erneut am selben Ort CT und Bronchoskopie zur Suche nach Stenose, Tumor oder Fremdkörper. Warnsymptome werden nie bis zum Termin abgewartet.

Abbildung: Spätere Bildgebung folgt einer konkreten Frage; Warnsymptome werden nicht bis dahin abgewartet. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei axiale CT-Schnitte desselben Patienten im Lungenfenster. Links eine dichte Konsolidierung im linken Unterlappen mit luftgefüllten Bronchien. Rechts drei Wochen später ist die Konsolidierung verschwunden; neben dem linken Hilus liegt eine rundliche, fingerförmige Verdichtung, das umgebende Lungengewebe ist dunkler und luftreicher.

Abbildung: A: akute Pneumonie im linken Unterlappen. B: Kontroll-CT drei Wochen nach klinischer Heilung. Erst jetzt wird die Ursache der wiederholten Pneumonien am selben Ort sichtbar: ein schleimgefüllter, blind endender Bronchus (Pfeil) mit überblähtem, schlechter belüftetem Lungenabschnitt (punktierte Linie). Bei der 39-jährigen Patientin lag eine angeborene Bronchusatresie vor. Quelle: Carneiro G, Aranha R, Macedo B. Bronchial Atresia Presenting With Recurrent Pneumonia in an Adult With Asthma. Cureus 2026;18:e102738, doi:10.7759/cureus.102738, Abb. 2 und 3, CC BY 4.0; nebeneinandergestellt, Buchstaben A/B ergänzt.

Nach Abklingen der Akuterkrankung werden Impfstatus und Risiken überprüft: saisonale Influenza-, COVID-19- und Pneumokokkenimpfung nach aktueller STIKO-Indikation. Impfungen senken Risiken, bieten aber keinen vollständigen Schutz gegen jede Pneumonie. Konkrete Produktschemata werden anhand des dann aktuellen Impfplans entschieden.

Die Tabelle fasst die Standardimpfungen gegen Atemwegserreger bei Erwachsenen nach dem Stand der STIKO-Empfehlungen im Oktober 2026 zusammen; Indikationsimpfungen bei Grunderkrankungen gelten zusätzlich.

ImpfungStandard bei ErwachsenenIndikation zusätzlich
InfluenzaJährlich ab 60 Jahren, Hochdosis- oder MF59-adjuvantierter Impfstoff, im HerbstChronische Erkrankungen, Pflegeheim, Schwangerschaft
COVID-19Jährlich ab 75 Jahren, bevorzugt im Spätsommer oder Herbst (seit Juli 2026)Relevante Grunderkrankungen, Pflegeheim
PneumokokkenEinmalig ab 60 Jahren mit PCV20Ab 18 Jahren bei Risikofaktoren, ebenfalls PCV20
RSVEinmalig ab 75 Jahren60–74 Jahre mit schweren Grunderkrankungen oder im Pflegeheim

Freie Antwort

Zwei Kurven widersprechen sich

Aufgabe

Nach 48 Stunden fällt das CRP, aber die Person braucht statt 2 jetzt 6 l/min O₂ und wird erschöpft. Wie wertest du den Verlauf?

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

GrößeVerlauf nach 48 Stunden
CRPFällt
O₂-ZufuhrVon 2 auf 6 l/min
BelastungZunehmende Erschöpfung
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Freie Antwort

Entlassung begründen

Aufgabe

Eine 55-jährige Patientin ist seit zwei Tagen kreislaufstabil, afebril, orientiert, unter Raumluft ausreichend oxygeniert und nimmt Medikamente oral. Zu Hause erhält sie Unterstützung. Formuliere drei Inhalte ihres Entlassungsplans.

Die Tabelle bündelt die Angaben des Falls.

MerkmalAngabe
Alter55 Jahre
Seit 2 TagenKreislaufstabil; afebril
Bewusstsein / AtmungOrientiert; Raumluft ausreichend
MedikamenteOrale Einnahme
Zu HauseUnterstützung vorhanden
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Komplikationen erkennen

Lernziel: Du kannst Therapieversagen, Abszess, Empyem und Sepsis gezielt bearbeiten.

Nichtansprechen strukturiert prüfen

Bei früher Verschlechterung handelst du sofort. Bleibt eine erwartete Besserung nach 48–72 Stunden aus, überprüfst du Diagnose und Behandlung systematisch. Einige Befunde normalisieren sich langsam; ein Röntgenrestbefund allein beweist kein Therapieversagen. Entscheidend sind klinischer Verlauf und neue Gefahren.

Die Stabilitätskriterien prüfst du in den ersten 48–72 Stunden mindestens einmal täglich: Herzfrequenz ≤100/min, Atemfrequenz ≤24/min, systolischer Blutdruck ≥90 mmHg, Temperatur ≤37,8 °C, normaler beziehungsweise vorbestehender Bewusstseinszustand, SaO₂ ≥90 % oder pO₂ ≥60 mmHg und gesicherte orale Aufnahme. Hospitalisierte Patienten erreichen die Stabilität im Median nach 3 Tagen (PSI I–IV) beziehungsweise 5 Tagen (PSI V). CRP oder PCT bestimmst du bei Aufnahme und nach 3–4 Tagen: Ein CRP-Abfall um mehr als 50 % spricht für Ansprechen; ein geringerer Abfall oder ein Anstieg lässt an ein Therapieversagen denken – immer nur zusammen mit der Klinik. Das Infiltrat im Röntgenbild bildet sich je nach Alter, Begleiterkrankungen und Erreger oft erst nach 2–16 Wochen zurück.

Unter Antibiotika werden zuerst die klinischen Stabilitätskriterien und an Tag 3–4 CRP oder PCT geprüft. Der Verlauf wird als progredient, verzögert ansprechend oder persistierend eingeordnet; danach werden Diagnose, Therapie, Fokus und neue Belastungen geprüft. Ergebnis ist Stabilisierung mit Therapieanpassung, Fokuskontrolle oder gezielte Behandlung einer Alternativdiagnose.

Abbildung: Erst Stabilität und Marker messen, dann den Verlaufstyp benennen und die vier Ursachengruppen prüfen – eine automatische Verbreiterung der Antibiotikatherapie ersetzt diese Prüfung nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Die vier Verlaufstypen verlangen unterschiedliche Schritte:

VerlaufstypDefinitionVorgehen
Progrediente PneumonieVerschlechterung mit Atemversagen, Organversagen oder septischem Schock trotz adäquater Therapie, meist innerhalb von 72 hSofort stabilisieren, parenterale Kombinationstherapie, Komplikationen suchen
Verzögert ansprechende PneumonieKeine klinische Stabilität nach 72 h, aber kein FortschreitenUrsachen systematisch prüfen, Therapie nach Befunden ausrichten
Persistierende PneumonieInfiltrat >30 Tage nach Beginn nicht vollständig zurückgebildetBei Rauchern, Älteren und Risikopatienten Tumor oder andere Ursache abklären
Sekundäres TherapieversagenVerschlechterung nach initialer StabilisierungEmpyem, nosokomiale Infektion und nicht infektiöse Ursachen suchen
PrüffrageBeispiele für eine Erklärung
Stimmt die Diagnose?Embolie, Lungenödem, Tumor, entzündliche Alternative
Erreicht die Therapie ihr Ziel?Resistenz, falsches Spektrum, falsche Dosis, Erbrechen, Einnahmeproblem
Besteht ein nicht kontrollierter Fokus?Empyem, Abszess, Bronchusobstruktion
Gibt es neue Belastungen?Erneute Aspiration, Arzneimittelreaktion, Sepsis, Atemerschöpfung

Ausgearbeitetes Beispiel

Nach drei Tagen passender Therapie bestehen Fieber und ein größer werdender Erguss. „Stärkeres Antibiotikum“ löst nicht automatisch eine infizierte, abgekapselte Flüssigkeitsansammlung. Wiederhole die klinische Untersuchung, prüfe Sonografie und Mikrobiologie und plane mit dem erfahrenen Team die notwendige Fokuskontrolle.

Zwei Räume, zwei Probleme

Ein Lungenabszess entsteht durch Gewebsuntergang mit Hohlraumbildung im Lungenparenchym. Eine Verbindung zu den Atemwegen kann zu eitrigem Auswurf führen; Flüssigkeit und Luft können in einer Kavität nebeneinander liegen. CT kann Ausdehnung und mögliche Obstruktion klären. Behandlung erfordert ein passendes, gegebenenfalls anaerob wirksames Antibiotikum über einen längeren, individuell überprüften Verlauf sowie Abklärung der Ursache. Intervention oder Chirurgie werden bei fehlender Kontrolle oder besonderen Befunden erwogen; nicht jeder Abszess wird primär drainiert.

Bei einschmelzendem Infiltrat folgen CT des Thorax und Thoraxsonografie. Eine Bronchoskopie gewinnt Material für die Kultur und schließt eine poststenotische Ursache aus; bei abszedierender oder Aspirationspneumonie fand sich in deutschen Studien in 4–6 % ein Lungenkarzinom. Kalkuliert wird zunächst intravenös mit einer dieser Optionen: Ampicillin/Sulbactam 3–4 × 3 g, Clindamycin 3 × 600 mg plus ein Cephalosporin (zum Beispiel Ceftriaxon 1 × 2 g) oder Moxifloxacin 1 × 400 mg. Die Therapie läuft bis zur klinischen Ausheilung mit radiologischer Rückbildung, häufig 4–8 Wochen, in Einzelfällen 3–6 Monate; nach klinischem und radiologischem Ansprechen ist eine orale Sequenztherapie möglich. 75–90 % der Abszesse heilen unter Antibiotika aus, meist mit Abfluss über das Bronchialsystem. Eine Drainage wird bildgesteuert gelegt; ein transpulmonaler Zugang wird wegen des Empyemrisikos vermieden. Eine Resektion bleibt Komplikationen wie Blutung, Fistel oder nicht beherrschbarer Sepsis und dem Tumorverdacht vorbehalten.

Oben Röntgen-Thorax im posterior-anterioren Strahlengang mit einer großen Höhle im linken Unterfeld und scharfem horizontalem Luft-Flüssigkeits-Spiegel, markiert durch einen Pfeil. Unten zwei CT-Schnitte desselben Patienten: links im Weichteilfenster eine runde, dickwandige Höhle im linken Unterlappen mit Flüssigkeitsspiegel, rechts im Lungenfenster dieselbe Höhle mit Luft oben und Flüssigkeit unten.

Abbildung: Lungenabszess im linken Unterlappen. Im Röntgenbild zeigt der Pfeil auf den horizontalen Luft-Flüssigkeits-Spiegel; die CT zeigt die runde, dickwandige Höhle im Lungengewebe ohne Beteiligung des Pleuraspalts. Quelle: Al Hariri B, Thaher R, Osman Z, Zada Y, Sheikh Al Ard Khanji A. Cureus 2026;18:e105657, doi:10.7759/cureus.105657 (Abb. 1 und 2), CC BY 4.0; zugeschnitten (Seitenmarker, Aufnahmetext und Panelbuchstaben entfernt) und zusammengesetzt.

Beim Lungenabszess klären CT und Sonografie Lage und Differenzialdiagnose, die Bronchoskopie Erreger und Obstruktion. Danach folgt eine von drei intravenösen Antibiotika-Optionen mit Dosis; die Dauer richtet sich nach dem Verlauf, häufig 4–8 Wochen. Ergebnis: konservative Heilung in 75–90 %, bildgesteuerte Drainage bei Versagen, Resektion bei Komplikationen.

Abbildung: Ursachenklärung und lange, verlaufsgesteuerte Antibiotikatherapie bestimmen das Vorgehen; Drainage ist kein Automatismus. Quelle: eigene Darstellung.

Ein parapneumonischer Erguss ist Flüssigkeit im Pleuraspalt im Zusammenhang mit Pneumonie. Er kann unkompliziert sein oder durch Infektion kompliziert werden. Empyem bezeichnet eine eitrige Pleuraentzündung. Antibiotika allein reichen bei drainagerelevanter pleuraler Infektion häufig nicht aus, weil das infizierte Material verbleibt.

Ein Begleiterguss tritt bei 20–50 % der Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie auf. In der Sonografie sind echogene Flüssigkeit, Septen und eine verdickte Pleura Hinweise auf eine pleurale Infektion. In der CT spricht ein linsenförmiger, der Brustwand folgender Verhalt, der die Lunge verdrängt und dessen verdickte Pleurablätter auseinanderweichen (Split-pleura-Zeichen), für ein Empyem. Der Abszess liegt dagegen rund im Lungengewebe; Gefäße und Bronchien enden an seiner Wand, statt verdrängt zu werden.

Drei Spalten vergleichen Pneumonie in den Alveolen, Lungenabszess als runde Höhle im Parenchym und Pleuraempyem als linsenförmige Flüssigkeit im Pleuraspalt. Ein CT-Kasten nennt die Unterscheidungsmerkmale von Abszess und Empyem. Ergebnis: Antibiotikum 5 bzw. 7 Tage, lange Antibiotikatherapie mit Drainage erst bei Versagen, sofortige Drainage plus Antibiotikum.

Abbildung: Alveole, Parenchym und Pleuraspalt verlangen unterschiedliche Fokuskontrolle. Quelle: eigene Darstellung.

Axiale Kontrastmittel-CT des Thorax mit Erguss im rechten Pleuraspalt (A) und drei Lupenausschnitten (B bis D), in denen Pfeilspitzen auf Veränderungen von Pleura und Pleurafett zeigen.

Abbildung: Gesichertes Pleuraempyem rechts. B: verdicktes, verdichtetes Fett unter der Pleura im Seitenvergleich; C: verdickte, kräftig kontrastierte Pleura; D: gekammerte, bikonvexe Flüssigkeitsansammlung. Quelle: Zettinig D, D'Antonoli TA, Wilder-Smith A, Bremerich J, Roth JA, Sexauer R. J Imaging 2021;8:3, doi:10.3390/jimaging8010003 (Abb. 2), CC BY 4.0; vergrößert.

PleurabefundKonsequenz
Sichtbarer Eiter oder relevanter positiver mikrobiologischer NachweisDrainage und Antibiotika im erfahrenen Team
Nicht eitrig, pH ≤7,2Hohes Risiko; bei sicher zugänglicher Flüssigkeit Drainage
pH >7,2 und <7,4Pleurale LDH bestimmen; bei >900 IU/l Drainage anhand weiterer Befunde erwägen.
Wenig Flüssigkeit, günstige Befunde, klinische BesserungEngmaschige Kontrolle kann genügen.

LDH (Laktatdehydrogenase) ist hier ein ergänzender Marker der pleuralen Gewebs-/Entzündungsaktivität. Im pH-Zwischenbereich unterstützen anhaltendes Fieber, größere Flüssigkeitsmenge, niedrige Glukose oder Septierungen die Drainageentscheidung; LDH allein ersetzt die Gesamtbeurteilung nicht.

Zwei Ultraschallbilder eines Pleuraergusses über der Leber: oben ein dunkler Erguss mit hellen, fadenförmigen Septen, unten ein scharf begrenzter, abgekammerter Erguss zwischen den Pleurablättern.

Abbildung: Organisierter Erguss in der Thoraxsonografie. Oben septiert (Fibrinstränge im Erguss), unten gekammert. Unterhalb des Zwerchfells liegt jeweils die Leber. Solche Befunde machen eine pleurale Infektion wahrscheinlich und erschweren die Drainage. Quelle: Hsu NC, Lin YF, Tsai HB, Huang TY, Hsu CH. Diagnostics 2024;14:2799, doi:10.3390/diagnostics14242799 (Abb. 3C und 3D), CC BY 4.0; zugeschnitten, Panelbuchstaben geschwärzt, vergrößert.

Pleuraerguss bei Pneumonie: zuerst Thoraxsonografie, dann diagnostische Punktion mit pH, Gramfärbung, Kultur, Glukose, LDH, Eiweiß und Zytologie. Eiter, Erregernachweis oder pH ≤7,2 führen zur Drainage; pH >7,2 und <7,4 mit LDH >900 IU/l zur Gesamtabwägung; pH ≥7,4 bei unkompliziertem Verlauf zur sonografischen Kontrolle.

Abbildung: Aspekt, Mikrobiologie und pH lenken die Drainageentscheidung; im pH-Zwischenbereich ergänzt LDH die klinischen und bildgebenden Befunde. Quelle: eigene Darstellung.

Pleurapunktion und Drainage erfolgen sonografisch geplant durch ein entsprechend qualifiziertes Team. Bei nicht eitriger Flüssigkeit wird pH rasch mit geeigneter Blutgasanalyse bestimmt; Kontamination durch Lokalanästhetikum kann den Wert verfälschen. Sterile mikrobiologische Proben und passende Chemie ergänzen die Untersuchung. Ein kleiner Drainagekatheter (zum Beispiel ≤14 F) ist häufig der initiale Weg. Bei unzureichender Entlastung werden Lage, Restkollektionen sowie intrapleurale Kombinationstherapie oder operative Maßnahmen fachärztlich geprüft. Dies ersetzt keine praktische Prozedurausbildung.

Lage, Durchgängigkeit und Wirksamkeit der Drainage werden mindestens einmal täglich geprüft. Das Antibiotikum muss auch Anaerobier erfassen, zum Beispiel Ampicillin/Sulbactam, und wird nach dem Kulturergebnis angepasst. Bei septiertem Erguss mit unzureichender Drainage oder bei Empyem wird bei operablen Patienten früh mit der Thoraxchirurgie über eine VATS (videoassistierte Thorakoskopie) gesprochen. Ist sie nicht möglich oder nicht gewünscht, folgt ein Versuch mit intrapleuraler Lyse; das etablierte Kombinationsschema ist Alteplase (t-PA) 10 mg plus DNase 5 mg zweimal täglich über 3 Tage. Ein ausgeprägter Fibrothorax kann nach Abklingen der Entzündung eine Spätdekortikation erfordern.

Pleurale Infektion: sofort Drainage und Antibiotikum mit Anaerobierwirkung, danach tägliche Kontrolle von Drainage, Fieber, CRP und Restkollektion. Bei septiertem Erguss oder unzureichender Entlastung VATS oder intrapleurale Lyse mit t-PA 10 mg und DNase 5 mg zweimal täglich über 3 Tage. Ergebnis: Entlastung, Spätdekortikation bei Fibrothorax oder operative Sanierung bei fortbestehender Sepsis.

Abbildung: Bleibt die Entlastung unzureichend, eskaliert die Behandlung zur VATS oder – wenn diese nicht infrage kommt – zur intrapleuralen Lyse. Quelle: eigene Darstellung.

Infektion mit Organversagen

Bei Sepsisverdacht werden Atem-/Kreislaufunterstützung, rasche wirksame Antiinfektiva und Fokuskontrolle zusammen organisiert. Blutkulturen möglichst vorher, aber keine relevante Verzögerung der dringend nötigen Therapie. Nach Flüssigkeit werden Blutdruck, Perfusion, Urin, Atmung und Stauung erneut beurteilt. Anhaltende Hypotonie kann überwachte Vasopressortherapie und Intensivbehandlung erfordern. Diese ersten Maßnahmen werden hier auf den pulmonalen Fokus angewendet; der vollständige Sepsispfad gehört zu B02/L02.

Orientierungswerte der Surviving Sepsis Campaign 2021: Antiinfektiva gibst du bei septischem Schock oder wahrscheinlicher Sepsis innerhalb von 1 Stunde, bei möglicher Sepsis ohne Schock nach rascher Abklärung innerhalb von 3 Stunden. Bei sepsisbedingter Hypoperfusion (Hypotonie oder Laktat ≥ 4 mmol/l) werden mindestens 30 ml/kg kristalloide Lösung in den ersten 3 Stunden gegeben, nach jeder Gabe neu beurteilen. Kreislaufziel ist ein mittlerer arterieller Druck (MAP) ≥65 mmHg; Noradrenalin ist der Vasopressor der ersten Wahl. Braucht ein Patient trotz ausreichender Volumengabe einen Vasopressor für MAP ≥65 mmHg und liegt das Laktat über 2 mmol/l, besteht ein septischer Schock. qSOFA (Atemfrequenz ≥22/min, systolischer Blutdruck ≤100 mmHg, veränderte Bewusstseinslage) eignet sich nicht als alleiniges Screeninginstrument.

Die Orientierungswerte im Überblick:

MaßnahmeOrientierungswert
Antiinfektiva≤1 h bei Schock oder wahrscheinlicher Sepsis; ≤3 h bei möglicher Sepsis ohne Schock
BlutkulturenMindestens 2 Paar vor Therapiebeginn, ohne relevante Verzögerung
Volumen bei HypoperfusionHypotonie oder Laktat ≥ 4 mmol/l: mindestens 30 ml/kg Kristalloid in 3 h, nach jeder Gabe neu beurteilen
KreislaufzielMAP ≥65 mmHg; Noradrenalin als erster Vasopressor
Septischer SchockVasopressorbedarf trotz Volumen und Laktat >2 mmol/l

Bei Sepsisverdacht werden Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstsein und Laborwerte erfasst. In der ersten Stunde laufen Kreislaufstabilisierung bei Hypotonie oder Laktat ab 4 mmol/l mit mindestens 30 ml/kg Kristalloid in 3 Stunden und Neubeurteilung nach jeder Gabe, Antiinfektiva innerhalb von 1 bzw. 3 Stunden sowie Blutkulturen und Fokussuche parallel. Nach Volumen wird neu beurteilt; bei MAP unter 65 mmHg folgt Noradrenalin mit Intensivbehandlung, sonst Fokussanierung und Deeskalation nach Kultur.

Abbildung: Die Maßnahmen laufen parallel und werden an Organfunktion sowie Kreislaufwirkung überprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Den richtigen Raum behandeln

Aufgabe

Bei Pneumonie wird sonografisch ein ausreichend großer, sicher zugänglicher Erguss bestätigt. Er ist nicht sichtbar eitrig; korrekt gemessener pH 7,12. Welche Konsequenz ist am besten begründet?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
KontextPneumonie
SonografieErguss ausreichend groß und sicher zugänglich
AspektNicht sichtbar eitrig
pH7,12; korrekt gemessen

Thoraxsonografie mit Konvexschallkopf: ein großer dunkler, echofreier Raum oberhalb einer hellen, gebogenen Zwerchfelllinie; darin helleres Lungengewebe, darunter Lebergewebe.

Abbildung zur Aufgabe: Sonografie der unteren Thoraxhälfte (Beispielbild). Quelle: Nathani A, Keshishyan S, Cho RJ. Diagnostics 2024;14:1604 (Abb. 3), CC BY 4.0

  1. a)Wegen fehlenden sichtbaren Eiters sind Antibiotika allein immer ausreichend.
  2. b)Der pH zeigt einen Lungenabszess im Parenchym.
  3. c)Eine drainagerelevante pleurale Infektion ist wahrscheinlich; Drainage und Antibiotika organisieren.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Diagnose erneut öffnen

Aufgabe

Ein Patient erhält seit drei Tagen Antibiotika. Jetzt plötzliche Atemnot und pleuritischer Schmerz, einseitig geschwollenes Bein, keine klare neue Fieberzunahme. Begründe den nächsten Denk- und Handlungsschritt.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
VorbehandlungAntibiotika seit 3 Tagen
Neue BeschwerdenPlötzliche Atemnot und pleuritischer Schmerz
BeinbefundEinseitige Schwellung
FieberKeine klare neue Zunahme

Beide Beine einer liegenden älteren Person: das linke Bein ist vom Oberschenkel bis zum Fuß deutlich umfangsvermehrt und gerötet, das rechte unauffällig.

Abbildung zur Aufgabe: Einseitige Beinschwellung im Seitenvergleich (Beispielbild). Quelle: Channane H, Spiliotis PM, Sandica AM, Snopok I, Viebahn R. J Surg Case Rep 2023;2023(5):rjad232 (Abb. 1), CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Viren und Tuberkulose

Lernziel: Du kannst Influenza, COVID-19 und TB diagnostisch und therapeutisch einordnen.

Akute virale Infektionen

Influenza und SARS-CoV-2 können Infektionen der oberen Atemwege, aber auch eine Pneumonie verursachen. Die Schädigung des Atemwegsepithels kann eine zusätzliche bakterielle Infektion begünstigen. Eine positive Virus-PCR schließt deshalb bakterielle Koinfektion nicht aus. Umgekehrt benötigt nicht jede nachgewiesene Virusinfektion ein Antibiotikum. Entscheidend sind Verlauf, Schwere, Befunde und die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen bakteriellen Erkrankung.

Der Virusnachweis gelingt meist per PCR aus einem Nasen-Rachen-Abstrich; Schutzmaßnahmen (medizinische Maske, Einzelzimmer oder Kohortierung) beginnen schon beim Verdacht. Typisch für eine bakterielle Superinfektion ist ein zweigipfliger Verlauf: Nach anfänglicher Besserung kommt es, meist in der ersten bis zweiten Krankheitswoche, erneut zu Fieber, eitrigem Sputum, Dyspnoe oder einem neuen Infiltrat. Häufige Erreger sind Pneumokokken, Staphylococcus aureus und Haemophilus influenzae. Dann folgen erneute Untersuchung, zwei Paar Blutkulturen, Sputumdiagnostik und Röntgen-Thorax vor der kalkulierten Antibiotikatherapie nach CAP-Schema.

Ablauf in sechs Schritten: Das Virus schädigt das Atemwegsepithel, Zilienschlag und Abwehr sind gestört. Zeitachse mit Virusinfekt an Tag 0, Besserung nach einigen Tagen und erneuter Verschlechterung meist in Woche 1 bis 2. Warnzeichen: erneutes Fieber, eitriges Sputum, neue Dyspnoe, fallende Sättigung, neues Infiltrat. Daneben Abklärung mit Untersuchung, zwei Paar Blutkulturen, Sputum und Röntgen sowie die Erreger Pneumokokken, Staphylococcus aureus und Haemophilus influenzae. Ergebnis: stabil beobachten, Superinfektion antibiotisch nach CAP-Schema behandeln oder andere Komplikation suchen.

Abbildung: Die erneute Verschlechterung nach anfänglicher Besserung ist das Leitsymptom der bakteriellen Superinfektion. Eine positive Virus-PCR beantwortet diese Frage nicht. Quelle: eigene Darstellung.

KontextDiagnostik und erste MaßnahmeTherapielogik
Influenza, schwere/progrediente Erkrankung oder hohes RisikoRespiratorischer Test; frühe SchutzmaßnahmenAntivirale Therapie rasch beginnen, nicht auf Resultat warten.
COVID-19 bei Risiko für schweren VerlaufGezielter Test; Symptombeginn und Medikamentenliste erfassenFrühe antivirale Option zeitkritisch prüfen.
Neue Verschlechterung nach viraler ErkrankungErneute klinische Untersuchung, ggf. Bildgebung und KulturenBakterielle Superinfektion oder andere Komplikation prüfen.

Gegenüberstellung nach ABCDE: links akuter Beginn über Stunden bis Tage mit Fieber, Myalgien und Halsschmerz bei Influenza oder COVID-19, Übertragung über Tröpfchen und Aerosol; rechts Beschwerden über Wochen mit Husten über 2 bis 3 Wochen, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Hämoptysen, TB-Kontakt oder Immunsuppression, aerogene Übertragung. Darunter jeweils Diagnostik (Virus-PCR aus dem Nasen-Rachen-Abstrich beziehungsweise drei Sputumproben, NAT und Röntgen-Thorax) und Schutzmaßnahmen (medizinische Maske und Einzelzimmer oder Kohorte beziehungsweise Einzelzimmer mit Lüftung, FFP2 für das Personal und Information der Hygiene). Ergebnis: antivirale Therapie prüfen, bei neuer Verschlechterung Superinfektion suchen, bei TB-Verdacht TB-Team und Gesundheitsamt einbinden.

Abbildung 10: Zeitverlauf und Exposition lenken die Abklärung, bestimmen den Erreger aber nicht allein. TB kann auch ohne klassischen langen Verlauf auftreten. Quelle: eigene Darstellung.

Oseltamivir hemmt die virale Neuraminidase und damit die Freisetzung neuer Influenzaviren. Ein übliches Erwachsenenschema bei normaler Nierenfunktion ist 75 mg oral zweimal täglich für fünf Tage. Nierenfunktion, Verträglichkeit und gegebenenfalls notwendige Verlängerung bei schwerem/prolongiertem Verlauf werden geprüft. Übelkeit und Erbrechen können die Einnahme erschweren. Bei hospitalisierten oder schweren/progredienten Verläufen ist ein Beginn auch nach mehr als 48 Stunden sinnvoll zu prüfen; die 48-Stunden-Grenze ist kein pauschales Ausschlusskriterium. Bei unkomplizierter Influenza außerhalb einer Risikogruppe ist die Entscheidung anders abzuwägen.

Bei COVID-19 sind in der frühen Phase für geeignete Risikopersonen beispielsweise Nirmatrelvir/Ritonavir oder Remdesivir Optionen. Im üblichen frühen ambulanten Behandlungspfad beginnt Nirmatrelvir/Ritonavir innerhalb von fünf, Remdesivir innerhalb von sieben Tagen nach Symptombeginn. Die Eignung hängt außerdem von Organfunktion und Interaktionen ab; spezielle immunsupprimierte Verläufe werden gesondert beurteilt. Ritonavir beeinflusst den Abbau zahlreicher Medikamente: Ohne vollständige Medikamentenprüfung darf die Kombination nicht verordnet werden. Dies ist ein Anlass zur zeitnahen Therapieentscheidung nach aktuellem Schema, keine vollständige COVID-Verordnungstabelle.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird Oseltamivir angepasst: Kreatinin-Clearance über 30 bis 60 ml/min 30 mg zweimal täglich, über 10 bis 30 ml/min 30 mg einmal täglich; bei 10 ml/min oder weniger wird es nicht empfohlen. Immunsupprimierte Erwachsene erhalten die Therapie in der Regel über 10 Tage. Nirmatrelvir/Ritonavir wird als 300 mg/100 mg alle 12 Stunden über fünf Tage gegeben, bei eGFR 30 bis unter 60 ml/min als 150 mg/100 mg alle 12 Stunden. Remdesivir wird im frühen Behandlungspfad über drei Tage intravenös gegeben: 200 mg an Tag 1, danach 100 mg an Tag 2 und 3.

Die Tabelle fasst die Standarddosen für Erwachsene zusammen; maßgeblich bleibt die aktuelle Fachinformation.

WirkstoffDosisZeitfensterBeachten
Oseltamivir p.o.75 mg 2×/Tag, 5 Tageideal ≤ 48 h; schwer/stationär auch späterCrCl > 30–60: 30 mg 2×/Tag; > 10–30: 30 mg 1×/Tag
Nirmatrelvir/Ritonavir p.o.300/100 mg 2×/Tag, 5 Tage≤ 5 Tage nach SymptombeginneGFR 30–60: 150/100 mg; CYP3A-Interaktionen
Remdesivir i.v.200 mg Tag 1, 100 mg Tag 2–3≤ 7 Tage nach Symptombeginndrei Infusionen planen

Ablauf der antiviralen Entscheidung: Nach Nachweis von Influenza oder COVID-19 werden Schwere, Risiko und Tag seit Symptombeginn notiert. Influenza bei schwerem, progredientem oder stationärem Verlauf oder hohem Risiko, ideal innerhalb von 48 Stunden, bei Schwere auch später: Oseltamivir 75 mg zweimal täglich für 5 Tage, Anpassung bei Kreatinin-Clearance über 30 bis 60 und über 10 bis 30, bei 10 oder weniger nicht empfohlen, bei Immunsuppression 10 Tage. COVID-19 bei Risiko und noch ohne COVID-bedingten Sauerstoffbedarf: Nirmatrelvir/Ritonavir innerhalb von 5 Tagen, 300/100 mg zweimal täglich für 5 Tage, bei eGFR 30 bis 60 150/100 mg, oder Remdesivir innerhalb von 7 Tagen mit 200 mg an Tag 1 und je 100 mg an Tag 2 und 3. Vor der ersten Dosis Nierenfunktion, vollständige Medikamentenliste und Immunsuppression prüfen. Ergebnis: geeignet sofort beginnen, bei Interaktion andere Option wählen, ohne erwarteten Nutzen symptomatisch behandeln und kontrollieren.

Abbildung: Zeitfenster und sichere Anwendbarkeit sind eigenständige Voraussetzungen. Erst wenn Indikation, Fenster, Nierenfunktion und Medikamentenliste passen, wird die Gabe begonnen. Quelle: eigene Darstellung.

Systemische Steroide bei COVID-19 werden insbesondere bei durch COVID bedingtem zusätzlichem Sauerstoffbedarf eingesetzt; ohne diese Indikation sind sie keine Routine. Für Influenza wird eine routinemäßige adjuvante Steroidbehandlung nicht aus dem CAP-Steroidkonzept abgeleitet. Unterschiedliche Erkrankungsmechanismen verlangen unterschiedliche Entscheidungen.

Die Steroidentscheidung unterscheidet sich zwischen COVID-19 und Influenza.

ErkrankungKontextSteroide
COVID-19COVID-bedingter zusätzlicher O₂-BedarfInsbesondere hier eingesetzt; ohne diese Indikation keine Routine
InfluenzaCAP-Steroidkonzept nicht übertragenKeine routinemäßige adjuvante Behandlung

Bei COVID-bedingtem Sauerstoffbedarf wird üblicherweise Dexamethason 6 mg einmal täglich für bis zu 10 Tage gegeben; Sauerstoff wird auf eine SpO₂ von 92–96 % titriert (bei Hyperkapnierisiko 88–92 %), dazu kommt eine Thromboseprophylaxe. Nimmt der Sauerstoffbedarf rasch zu oder werden High-Flow, NIV oder Beatmung absehbar, wird das Intensivteam früh eingebunden und eine zusätzliche Immunmodulation im erfahrenen Team geprüft.

COVID-19 in vier Schritten: früh und ambulant ohne Sauerstoffbedarf bei Risiko antiviral innerhalb von 5 beziehungsweise 7 Tagen, keine systemischen Steroide, Antibiotikum nur bei bakteriellem Hinweis; stationär mit COVID-bedingtem Sauerstoffbedarf Dexamethason 6 mg einmal täglich bis zu 10 Tage, SpO₂-Ziel 92 bis 96 Prozent oder bei Hyperkapnie 88 bis 92 Prozent und Thromboseprophylaxe; bei rasch zunehmendem Sauerstoffbedarf High-Flow, NIV oder Beatmung absehbar, Intensivteam früh, zusätzliche Immunmodulation prüfen; bakterielle Koinfektion mit Kulturen, Röntgen und Klinik prüfen. Ergebnis: ohne Sauerstoff kein Steroid, mit Sauerstoffbedarf Dexamethason, bei High-Flow oder NIV Intensivstation.

Abbildung: Die Krankheitsphase bestimmt die Therapie. Antivirale Mittel wirken früh, Dexamethason erst bei COVID-bedingtem Sauerstoffbedarf. Quelle: eigene Darstellung.

Im CT zeigt die COVID-19-Pneumonie typischerweise beidseitige, oft periphere oder fleckige Milchglastrübungen, im Verlauf auch Konsolidierungen. Das Muster ist nicht erregerspezifisch: Die Diagnose stellt der Virusnachweis, das Bild zeigt Ausmaß und Verlauf.

Axiales CT des Thorax im Lungenfenster auf Höhe der Oberlappen: in beiden Lungen mehrere rundliche, unscharf begrenzte Milchglasherde, teils peripher, teils peribronchovaskulär; Gefäße bleiben innerhalb der Herde sichtbar. Rechts im Bild ein Seitenbuchstabe R.

Abbildung: Mehrere beidseitige Milchglasherde bei COVID-19-Pneumonie in der Phase rascher Progression. Milchglas heißt: Dichte erhöht, Gefäße bleiben erkennbar – anders als bei einer Konsolidierung. Quelle: Jin Y., Cai L., Cheng Z. et al., Military Medical Research 2020; 7:4 (doi:10.1186/s40779-020-0233-6), via Wikimedia Commons, CC BY 4.0; linkes Teilbild ausgeschnitten, in WebP umgewandelt.

Tuberkulose rechtzeitig bedenken

Tuberkulose wird durch Mykobakterien verursacht und kann besonders bei pulmonaler Erkrankung aerogen übertragen werden. Eine latente Tuberkuloseinfektion ist ein immunologischer Hinweis auf Infektion ohne nachgewiesene aktive Erkrankung; sie ist nicht dasselbe wie eine ansteckende Lungentuberkulose. Anhaltender Husten über Wochen, Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder Hämoptysen, passende Exposition und Immunsuppression erhöhen den Verdacht. Fehlende klassische Symptome schließen TB nicht aus.

Als Faustregel ist ein ungeklärter Husten von mehr als zwei bis drei Wochen ein Anlass, an TB zu denken. Nach einer Infektion erkranken immunkompetente Jugendliche und Erwachsene im Lauf des Lebens zu etwa 5–10 %, am häufigsten in den ersten zwei Jahren; bei Säuglingen, Kleinkindern und Immunsuppression (z. B. unbehandelte HIV-Infektion, TNF-α-Blocker) liegt das Risiko bei etwa 20–40 %. IGRA und Tuberkulinhauttest werden frühestens etwa 6–8 Wochen nach der Infektion positiv; nach einem Kontakt wird deshalb 8 Wochen nach dem letzten Kontakt erneut getestet. Bei latenter Infektion wird eine Chemoprävention geprüft, zum Beispiel Rifampicin über 4 Monate, Isoniazid plus Rifampicin über 3 Monate oder Isoniazid über 9 Monate. Nur die behandlungsbedürftige Erkrankung ist meldepflichtig.

Vom Kontakt zur Erkrankung: Nach engem Kontakt mit Lungen-TB, Übertragung aerogen über Tröpfchenkerne, klärt ein IGRA oder Tuberkulinhauttest die Infektion; er wird frühestens 6 bis 8 Wochen nach Kontakt positiv und trennt latent und aktiv nicht. Links latente Infektion ohne Symptome, Röntgen unauffällig, nicht ansteckend, Chemoprävention prüfen, keine Meldung. Rechts aktive Tuberkulose mit Symptomen, Röntgenbefund und Erregernachweis, pulmonal möglicherweise ansteckend, Kombinationstherapie, Meldung innerhalb von 24 Stunden. Darunter: Lebenszeitrisiko 5 bis 10 Prozent, am höchsten in den ersten 2 Jahren, bei Immunsuppression und Kleinkindern 20 bis 40 Prozent. Ergebnis: Test negativ Kontrolle 8 Wochen nach Kontakt, latent zum Beispiel 4 Monate Rifampicin, aktiv 6 Monate Kombination.

Abbildung: Latente Infektion und aktive Tuberkulose sind verschiedene Zustände mit verschiedenen Folgen für Ansteckung, Therapie und Meldung. Der Immuntest allein trennt sie nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Untersuchungs-/HandlungsschrittBedeutung
Verdachtsbezogene Isolation, Lüftung, geeigneter AtemschutzÜbertragung schon vor endgültigem Befund vermindern.
Mehrere hochwertige Sputumproben, gewöhnlich dreiMikroskopie, Kultur und Resistenzdiagnostik ermöglichen.
NAT/PCR, mindestens aus einer ProbeRascher direkter Erregerhinweis; negative NAT schließt nicht sicher aus.
IGRA oder TuberkulinhauttestImmunreaktion; trennt aktive Krankheit und latente Infektion nicht.

Beim Tuberkulinhauttest nach Mendel-Mantoux werden 0,1 ml (2 TU PPD RT23) streng intrakutan an der Unterarmbeugeseite injiziert, bis eine kleine helle Quaddel entsteht. Abgelesen wird nach 48–72 Stunden die tastbare Induration in Millimetern, nicht die Rötung. Der IGRA aus Blut wird durch eine BCG-Impfung nicht falsch positiv und ist deshalb in Deutschland bei Erwachsenen meist der bevorzugte Immuntest.

Zuerst wird die Aussagegrenze des TB-Immuntests geklärt. IGRA und Mendel-Mantoux werden mit Material und Durchführung gegenübergestellt; Kontaktzeit sowie Ablesung der Induration nach 48 bis 72 Stunden werden getrennt berücksichtigt. Das Ergebnis ersetzt bei Krankheitsverdacht keine direkte Erregerdiagnostik.

Abbildung: Beim Hauttest sind die sofortige Quaddel und die später gemessene Induration verschiedene Beobachtungen; beide Immuntests allein trennen latent und aktiv nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Foto eines Unterarms: Eine behandschuhte Hand hält eine dünne Tuberkulinspritze fast parallel zur Haut; die Nadelspitze liegt intrakutan, an der Einstichstelle hat sich eine kleine, blasse, erhabene Quaddel gebildet.

Abbildung: Korrekte intrakutane Injektion beim Tuberkulinhauttest – die Nadel liegt flach in der Haut, sofort entsteht eine helle Quaddel von etwa 6–10 mm. Die Quaddel ist nicht das Ergebnis; abgelesen wird die Induration nach 48–72 Stunden. Quelle: Greg Knobloch, Centers for Disease Control and Prevention (CDC PHIL #6806), via Wikimedia Commons, gemeinfrei; Ausschnitt, verkleinert, in WebP umgewandelt.

Die Labormethoden unterscheiden sich in Tempo und Empfindlichkeit: Die Mikroskopie ist erst bei etwa 10⁴ Keimen pro ml Sputum positiv, zeigt dann aber eine hohe Infektiosität an. NAT/PCR liefert rasch einen direkten Hinweis, oft zusammen mit einer Rifampicin-Resistenz. Die Flüssigkultur wird meist nach 1–3 Wochen positiv; als negativ gilt sie erst nach in der Regel 8 Wochen Bebrütung – sie ist die Grundlage der vollständigen Resistenztestung. Im Röntgenbild finden sich bei Reaktivierungstuberkulose typischerweise Infiltrate in den Ober- und Spitzenfeldern, oft mit Kavernen; bei Immunsuppression ist das Bild häufig untypisch.

Röntgen-Thorax im anterior-posterioren Strahlengang: ausgedehnte fleckige Verschattungen im rechten Ober- und Mittelfeld, von weißen Dreiecken umrandet; darin eine rundliche Aufhellung mit Wand, auf die schwarze Pfeile zeigen. Auch links finden sich streifige Infiltrate, markiert mit weißen Dreiecken.

Abbildung: Fortgeschrittene beidseitige Lungentuberkulose. Weiße Dreiecke markieren die Infiltrate, schwarze Pfeile eine Kaverne im rechten Oberfeld – Kavernen enthalten viele Bakterien und gehen oft mit mikroskopisch positivem Sputum einher. Quelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC PHIL #2543), via Wikimedia Commons, gemeinfrei; in WebP umgewandelt.

Mikroskopisches Bild mit 1000-facher Vergrößerung: auf blauem Hintergrund zahlreiche schlanke, leicht gebogene, leuchtend rote Stäbchen, einzeln und in kleinen Gruppen.

Abbildung: Säurefeste Stäbchen in der Ziehl-Neelsen-Färbung – Mykobakterien halten den roten Farbstoff trotz Säure-Alkohol-Entfärbung, der Hintergrund ist blau gegengefärbt. Der mikroskopische Nachweis allein unterscheidet M. tuberculosis nicht von anderen Mykobakterien; dazu dienen NAT und Kultur. Quelle: CDC/Dr. George P. Kubica (CDC PHIL #5789), via Wikimedia Commons, gemeinfrei; verkleinert, in WebP umgewandelt.

Bei begründetem Verdacht auf infektiöse pulmonale TB wird ein Einzelzimmer mit geeigneten Lüftungsmaßnahmen organisiert und die zuständige Hygiene hinzugezogen. Personal verwendet geeigneten Atemschutz, in der Regel FFP2; die betroffene Person trägt bei nötigen Kontakten beziehungsweise Transport eine medizinische Maske, soweit toleriert. Transporte und aerosolbildende Maßnahmen werden geplant. Schutz beginnt beim Verdacht, nicht erst nach Kulturwachstum.

Ablauf bei begründetem Verdacht auf Lungen-TB (Husten über 2 bis 3 Wochen, B-Symptome, Exposition oder passendes Röntgenbild): Sofort und parallel Schutz mit Einzelzimmer, geschlossener Tür und Lüftung, FFP2 für das Personal, medizinischer Maske für den Patienten bei Kontakt und Information der Hygiene sowie Proben vor Therapie mit drei Sputa hoher Qualität, zum Beispiel Morgensputum, und Röntgen-Thorax. Labor mit drei Methoden: Mikroskopie in Stunden, positiv ab etwa 10 hoch 4 Keimen pro ml, zeigt Infektiosität; NAT/PCR rasch aus mindestens einer Probe, negativ kein Ausschluss, mit Rifampicin-Resistenz; Kultur flüssig nach 1 bis 3 Wochen, negativ erst nach 8 Wochen, für die Resistenztestung. Immuntests nur ergänzend. Ergebnis: Mikroskopie positiv hoch ansteckend und behandeln, nur NAT oder Kultur positiv aktive TB und behandeln, alles negativ bei bleibendem Verdacht weiter abklären.

Abbildung: Schutz beginnt beim Verdacht; ein negativer Einzeltest schließt aktive Tuberkulose nicht sicher aus. Mikroskopie, NAT und Kultur beantworten verschiedene Fragen in unterschiedlichem Tempo. Quelle: eigene Darstellung.

Die Behandlung erfolgt gemeinsam mit einem TB-erfahrenen Team und dem öffentlichen Gesundheitsdienst. Bei empfindlicher Lungentuberkulose ist das klassische Standardprinzip eine Kombination aus Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol für zwei Monate, anschließend Isoniazid und Rifampicin für vier Monate. Empfindlichkeit, Organfunktion, Interaktionen und individuelle Voraussetzungen können das Schema verändern. Rifampicin hat zahlreiche Interaktionen, mehrere Mittel können die Leber schädigen; Ethambutol erfordert Aufmerksamkeit für Sehstörungen. Eine ungezielte Einzelantibiotikatherapie ist kein Ersatz. Bei Resistenz wird ein anderes spezialisiertes Schema benötigt.

Vor Beginn werden Leberwerte, Kreatinin und Harnsäure bestimmt, ein HIV-Test sowie eine Hepatitis-B/C-Serologie angeboten und unter Ethambutol Visus und Farbsehen kontrolliert. Alle vier Mittel werden einmal täglich nach Körpergewicht dosiert. Unter wirksamer Therapie sind Erkrankte in der Regel nach 2–3 Wochen nicht mehr ansteckend; die Aufhebung der Isolierung wird trotzdem individuell mit der Hygiene entschieden. Ist die Kultur nach zwei Monaten noch positiv, wird eine Verlängerung der Erhaltungsphase geprüft.

Die Standarddosen der vier Erstrangmedikamente für Erwachsene:

MedikamentDosisMaximumAchte auf
Isoniazid (H)5 mg/kg300 mgLeber, Neuropathie
Rifampicin (R)10 mg/kg600 mgInteraktionen, Leber, rote Körperflüssigkeiten
Pyrazinamid (Z)25 mg/kg2500 mgLeber, Harnsäure
Ethambutol (E)15 mg/kg1600 mgSehschärfe, Farbsehen

Therapie der empfindlichen Lungentuberkulose im TB-erfahrenen Team mit dem Gesundheitsamt: vor Beginn Leberwerte, Kreatinin, Harnsäure, HIV- und Hepatitis-B/C-Test, Visus und Farbsehen sowie Medikamentenliste wegen Rifampicin-Interaktionen. Zeitleiste über insgesamt 6 Monate: Monat 0 bis 2 Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol, Monat 3 bis 6 Isoniazid und Rifampicin. Dosen jeweils einmal täglich: Isoniazid 5 mg/kg bis 300 mg, Rifampicin 10 mg/kg bis 600 mg, Pyrazinamid 25 mg/kg bis 2500 mg, Ethambutol 15 mg/kg bis 1600 mg. Kontrollen: Leberwerte, Sehtest, Sputum nach 2 Monaten. Abweichung: bei Resistenz spezialisiertes Schema, bei positiver Kultur nach 2 Monaten Verlängerung prüfen, keine Einzelsubstanz zufügen. Ergebnis: Heilung bei regelmäßiger Einnahme über 6 Monate, Isolierung unter wirksamer Therapie meist 2 bis 3 Wochen, Meldung an das Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden.

Abbildung: Das Standardprinzip gilt für empfindliche Lungentuberkulose und wird bei individuellen Risiken angepasst. Merke das Schema „2 Monate HRZE, dann 4 Monate HR“. Quelle: eigene Darstellung.

Die behandlungsbedürftige TB-Erkrankung und entsprechende Todesfälle unterliegen in Deutschland der namentlichen Meldung; auch Therapieabbruch/-verweigerung bei behandlungsbedürftiger Lungentuberkulose ist relevant. Die zuständige Meldung an das Gesundheitsamt wird unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis, organisiert. Zuständigkeiten und Erregernachweismeldung werden im Behandlungsteam geklärt. Kontaktpersonenmanagement gehört zum Gesundheitsamt und wird nicht durch eine informelle Empfehlung ersetzt.

Nach Einordnung von latenter Infektion und behandlungsbedürftiger TB werden Erkrankung oder Todesfall sowie Therapieabbruch oder Verweigerung als relevante Meldesituationen geprüft. Zuständigkeiten und Erregernachweismeldung werden geklärt; die Meldung erfolgt unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden nach Kenntnis, an das Gesundheitsamt.

Abbildung: Die Meldung und die koordinierte Versorgung sind eigene Aufgaben; eine informelle Empfehlung ersetzt das Kontaktpersonenmanagement nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Ein vollständiges Miniaturbeispiel

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 52-jährige Person hat seit fünf Wochen Husten, Gewichtsverlust und Nachtschweiß; ein enger Kontakt wurde wegen Lungentuberkulose behandelt. Du beurteilst zuerst Atmung und Kreislauf, organisierst bei begründetem Verdacht Schutz und geeignete Unterbringung und veranlasst mit dem erfahrenen Team direkte Erregerdiagnostik. Ein negativer IGRA wäre keine ausreichende Entwarnung. Du erklärst, dass die Vorsichtsmaßnahmen einer möglichen Übertragung vorbeugen, während die Ursache noch geklärt wird.

Fallablauf: 52 Jahre, 5 Wochen Husten, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und enger Kontakt mit Lungentuberkulose. Schritt 1 zuerst ABCDE mit Atemfrequenz, Sättigung, Blutdruck, Puls und Abschätzung einer Hämoptyse. Schritt 2 parallel Schutz (Einzelzimmer mit Lüftung, FFP2 für das Personal, Maske für den Patienten beim Transport, Hygiene informieren) und direkte Erregerdiagnostik (3 Sputa, Mikroskopie, NAT, Kultur, Resistenztest, Röntgen-Thorax). Schritt 3 Testgrenze: negativer IGRA ist keine Entwarnung, positiver IGRA bedeutet nicht automatisch aktive TB. Schritt 4 erklären: Schutz anderer, solange die Ursache offen ist, Kulturergebnisse dauern Wochen. Ergebnis: TB bestätigt mit Therapie und Meldung innerhalb von 24 Stunden, unklar weiter abklären mit Schutz, TB unwahrscheinlich Isolierung mit der Hygiene beenden.

Abbildung: Im ausgearbeiteten Beispiel laufen Schutz und Ursachenklärung parallel. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Zeitfenster richtig nutzen

Aufgabe

Eine 74-jährige Person wird am vierten Krankheitstag mit schwerer Influenza-Pneumonie aufgenommen. Welche Begründung ist richtig?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Alter74 Jahre
Zeitpunkt4. Krankheitstag
ErkrankungSchwere Influenza-Pneumonie
VersorgungStationäre Aufnahme

Röntgen-Thorax a.-p. einer älteren Person: beidseits fleckige und streifige Verdichtungen, rechts betont in Mittel- und Unterfeld.

Abbildung zur Aufgabe: Röntgen-Thorax bei Aufnahme (Beispielbild). Quelle: Mikael Häggström, CC0

  1. a)Nach 48 Stunden ist antivirale Behandlung grundsätzlich ausgeschlossen.
  2. b)Wegen Schwere und stationärer Aufnahme wird rasche antivirale Therapie trotz späteren Zeitpunkts geprüft und begonnen, wenn indiziert.
  3. c)Ein positiver Influenzatest schließt jede bakterielle Koinfektion aus.
Lösung in der App →

Freie Antwort

TB-Verdacht eigenständig bearbeiten

Aufgabe

Eine immunsupprimierte Person berichtet über länger bestehenden Husten und Gewichtsverlust. Ein IGRA ist negativ. Formuliere einen Plan mit Schutz, weiterer Diagnostik und der Aussagegrenze des Tests.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
VoraussetzungImmunsuppression
BeschwerdenLänger bestehender Husten, Gewichtsverlust
IGRANegativ
In der App sprechen üben →

Erklären und berichten

Lernziel: Du kannst Befund, Plan und bedingte Prognose verständlich kommunizieren.

Eine begründete Entscheidung verständlich machen

Die bekannte Struktur aus Anamnese und Dokumentation wird auf Pneumonie übertragen: Beobachtung, Deutung, Plan und tatsächlichen Verlauf trennen. Bei der Patientenerklärung wird aus Fachsprache ein konkreter Nutzen. Unsicherheit wird benannt, ohne die Person mit einer ungewichteten Liste möglicher Krankheiten zu überfordern. Frage nach Sorgen und prüfe anschließend mit Rückerklären, ob der Plan verständlich ist.

Fachliche InformationVerständliche Formulierung
Verdacht auf Pneumonie„Wir vermuten eine Entzündung des Lungengewebes durch eine Infektion.“
Hypoxämie„Im Blut kommt derzeit zu wenig Sauerstoff an.“
Aufnahme wegen erhöhten Risikos„Wir möchten Atmung und Kreislauf eng überwachen und die Behandlung anpassen können.“
Kontrolle und Sicherheitsnetz„Bei zunehmender Atemnot oder Verwirrtheit warten Sie nicht bis zum Kontrolltermin.“

Rückerklären gelingt am besten in Portionen: zwei bis drei Kernbotschaften erklären, dann offen nachfragen. „Haben Sie das verstanden?“ ist keine Rückfrage, denn ein Ja sagt nichts über das Verständnis. Zeigt die Antwort eine Lücke oder werden nur deine Worte wiederholt, erklärst du anders und fragst erneut.

Erklären in Portionen: 1 Befund benennen mit Übersetzung des Fachworts, 2 Bedeutung erklären, zum Beispiel Hypoxämie als zu wenig Sauerstoff im Blut, 3 Plan vereinbaren, 4 Sicherheitsnetz mit sofortiger Meldung bei mehr Atemnot oder neuer Verwirrtheit und ambulanter Kontrolle nach 48 bis 72 Stunden, 5 Sorgen erfragen und offen rückerklären lassen statt Ja-Nein-Frage. Ergebnis: richtig in eigenen Worten dokumentieren, bei Lücke anders erklären, bei Sprachbarriere qualifizierte Sprachmittlung.

Abbildung 11: Die offene Rückfrage schließt jede Erklärungsportion ab und zeigt, ob der Plan angekommen ist. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ihre Beschwerden und der neue Befund in der Lunge sprechen für eine Lungenentzündung. Wir beginnen eine Behandlung gegen die wahrscheinlichen Bakterien und überprüfen, ob sie wirkt. Weil Sie derzeit zusätzlichen Sauerstoff benötigen, empfehle ich die Behandlung im Krankenhaus. Wir kontrollieren Ihre Atmung, Ihren Kreislauf und die Ergebnisse der Proben. Die meisten Menschen bessern sich unter passender Behandlung; wie schnell Sie wieder belastbar sind, hängt auch vom Verlauf ab. Was macht Ihnen dabei am meisten Sorge?“

Sechs Zeilen, links ärztlich gemeint, rechts zur Patientin gesagt: Befund mit Fieber, Husten und neuer Verdichtung; Deutung als wahrscheinliche CAP; empirisches Antibiotikum mit Wirkungsprüfung nach 48 bis 72 Stunden; Aufnahmegrund Sauerstoffbedarf bei SpO₂ unter 90 Prozent unter Raumluft; Überwachung von Atemfrequenz, Blutdruck, SpO₂, Bewusstsein und Proben; bedingte Prognose. Danach Sorge erfragen, rückerklären lassen und Zustimmung, Wünsche sowie Sprachmittlung dokumentieren.

Abbildung: Jeder Satz der Erklärung hat eine ärztliche Grundlage; der Aufnahmegrund ist der tatsächliche Sauerstoffbedarf. Quelle: eigene Darstellung.

Danach: „Können Sie mir in eigenen Worten sagen, warum wir Sie hier überwachen möchten?“ Das prüft die Verständlichkeit der Erklärung, nicht die Intelligenz des Patienten. Bei Sprachbarrieren wird qualifizierte Sprachmittlung organisiert; Zustimmung, Wünsche und relevante Entscheidungen werden dokumentiert.

Bei ambulanter Behandlung gehört ein konkretes Sicherheitsnetz zur Erklärung. Ambulant behandelt wird nach S3-Leitlinie nur bei CRB-65 = 0, ausreichender Oxygenierung (SpO₂ > 92 %) und ohne instabile Begleiterkrankung; die klinische Kontrolle folgt nach 48–72 Stunden. Die Person soll wissen, wann sie sofort Hilfe holt (rasch zunehmende Atemnot, neue Verwirrtheit oder Benommenheit, schweres Krankheitsgefühl) und wann sie sich vor dem Termin meldet (keine Besserung innerhalb von 3 Tagen, Nebenwirkungen des Antibiotikums).

Ambulante CAP: 1 ambulant nur bei CRB-65 gleich 0, SpO₂ über 92 Prozent, ohne instabile Begleiterkrankung und mit sicherer oraler Aufnahme; 2 Plan erklären mit Antibiotikum, Dosis, Dauer, Nebenwirkungen und Kontrolltermin nach 48 bis 72 Stunden; 3 Warnzeichen: sofort 112 oder Notaufnahme bei rasch zunehmender Atemnot, neuer Verwirrtheit oder schwerem Krankheitsgefühl, vor dem Termin melden bei fehlender Besserung innerhalb von 3 Tagen oder Nebenwirkungen; 4 rückerklären lassen; 5 Kontrolle nach 48 bis 72 Stunden: gebessert fortsetzen, meist 5 Tage; nicht gebessert neu bewerten; verschlechtert Einweisung.

Abbildung: Das Sicherheitsnetz trennt Warnzeichen für sofortige Hilfe von Gründen, sich vor dem Kontrolltermin zu melden. Quelle: eigene Darstellung.

Vorstellung und Bericht aus denselben Daten

Eine ärztliche Vorstellung beginnt mit Anlass und wesentlichen Risiken. Die führende Diagnose wird mit Befunden begründet; eine gefährliche Alternative bleibt sichtbar. Dringlichkeit, nächste Schritte und ausstehende Befunde schließen die Vorstellung. Ein Bericht enthält zusätzlich den tatsächlich bekannten Verlauf. Eine geplante Therapie darf nicht als bereits gegeben und ein erwarteter Effekt nicht als beobachtet erscheinen.

AbschnittBeispielinhalt
Anamnese/BefundSeit drei Tagen Fieber und Husten; SpO₂ 89 % unter Raumluft
BeurteilungCAP wahrscheinlich; relevante Oxygenierungsstörung
PlanStationäre Behandlung, O₂ und kontextgerechte Diagnostik/Therapie
VerlaufNur wirklich dokumentierte Gabe, Wirkung und Befunde
PrognoseBedingt durch Ansprechen, Organfunktion und Komplikationen

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ich stelle eine 61-jährige Patientin mit seit drei Tagen bestehendem Fieber und Husten vor. Sie ist orientiert, atmet 28/min, hat 112/72 mmHg und SpO₂ 89 % unter Raumluft. Der schriftliche Röntgenbefund beschreibt eine neue rechtsbasale Verdichtung. Führend ist eine CAP mit Hypoxämie; der CRB-65 beträgt null, bildet die Oxygenierungsstörung aber nicht ab. Ich empfehle stationäre Versorgung mit titrierter Sauerstoffgabe, geeigneter mikrobiologischer Diagnostik und empirischer Antibiotikatherapie nach Allergie- und Organfunktionsprüfung. Unter wirksamer Therapie ist eine Besserung zu erwarten; steigender O₂-Bedarf oder Kreislaufverschlechterung würden eine sofortige Neubewertung auslösen.“

Der CRB-65 von null setzt sich so zusammen: orientiert (C = 0), Atemfrequenz 28/min und damit unter 30/min (R = 0), Blutdruck 112/72 mmHg, also systolisch nicht unter 90 und diastolisch über 60 mmHg (B = 0), Alter 61 Jahre (65 = 0). Eine leichte CAP setzt nach S3-Leitlinie zusätzlich eine ausreichende Oxygenierung (SpO₂ > 92 %) voraus; mit 89 % ist das nicht erfüllt. Konkret heißt der Plan: Sauerstoff mit Ziel-SpO₂ 92–96 % (88–92 % bei Hyperkapnierisiko) und zwei Blutkulturpaare vor der ersten Antibiotikagabe. Fällt im Verlauf der systolische Blutdruck unter 90 mmHg, werden Sepsis und Intensivbedarf geprüft.

So kann eine neue Verdichtung rechts basal im Röntgenbild aussehen. In der Vorstellung wird sie mit Seite, Höhe und Zeitbezug beschrieben; „neu“ setzt einen Vergleich mit Voraufnahme oder Vorbefund voraus.

Röntgen-Thorax im posterior-anterioren Strahlengang: flächige Verschattung im rechten Unterfeld mit unscharfer Begrenzung, rechte Zwerchfellkontur teilweise nicht abgrenzbar, linke Lunge frei.

Abbildung: Rechtsbasale Verdichtung bei Lobärpneumonie des rechten Unterlappens. Achte auf die Seite (Bildlinks = Patientenrechts) und auf die teilweise verstrichene rechte Zwerchfellkontur. Quelle: John Campbell, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain Mark 1.0); in Graustufen umgewandelt.

Vorstellung in fünf Schritten: 1 Anlass und Risiken, 61-jährige Patientin mit Fieber und Husten seit 3 Tagen; 2 Vitalzeichen orientiert, Atemfrequenz 28 pro Minute, Blutdruck 112/72 mmHg, SpO₂ 89 Prozent unter Raumluft, daneben schriftlicher Röntgenbefund mit neuer Verdichtung rechts basal; 3 CRB-65 gleich 0 mit Einzelkriterien, daneben Oxygenierung nicht über 92 Prozent, im Score nicht erfasst, daher keine leichte CAP; 4 Beurteilung und Plan: stationär, Sauerstoff mit Ziel-SpO₂ 92 bis 96 Prozent, 2 Paar Blutkulturen, empirisches Antibiotikum nach Allergie- und Nierencheck; 5 Ausstehendes benennen. Verlauf: Besserung mit Messwerten belegen, steigender Sauerstoffbedarf führt zu sofortiger Neubewertung, systolischer Blutdruck unter 90 mmHg zu Sepsis- und Intensivprüfung.

Abbildung: Die Vorstellung wägt den CRB-65 von null ausdrücklich gegen die Hypoxämie ab und nennt, was noch aussteht. Quelle: eigene Darstellung.

Eine kurze Aufnahmebeurteilung könnte lauten: „Verdacht auf CAP rechts basal mit relevanter Hypoxämie. Stationäre Behandlung empfohlen. Antibiotikagabe und Verlauf sind in den vorliegenden Daten noch nicht dokumentiert.“ Sie erfindet keine Behandlungsergebnisse.

Die Formulierung richtet sich danach, ob etwas vermutet, empfohlen oder noch nicht dokumentiert ist.

StatusInhaltKennzeichnung
VerdachtCAP rechts basal mit relevanter HypoxämieVerdacht, keine gesicherte Diagnose
EmpfehlungStationäre BehandlungEmpfohlen
Fehlende DokumentationAntibiotikagabe und VerlaufNoch nicht dokumentiert

Für den Verlauf gilt eine Stufenfolge: Erst eine dokumentierte Gabe mit Präparat, Dosis und Uhrzeit macht aus dem Plan eine Tatsache. Eine Wirkung wird nur mit gemessenen Werten beschrieben, ein Erreger erst nach positivem Befund genannt.

Vom Plan zur Tatsache in vier Stufen: 1 geplant oder empfohlen; 2 gegeben, nur mit Präparat, Dosis, Uhrzeit und Kürzel, etwa Ceftriaxon 2 g i.v. um 14:10 Uhr; 3 Wirkung beobachtet, nur mit Messwerten wie SpO₂ 94 Prozent unter 2 l/min Sauerstoff an Tag 2; 4 Erreger gesichert erst nach positivem Kultur- oder Antigenbefund. Fehlt eine Stufe: nur geplant als Plan schreiben, nicht belegt als noch nicht dokumentiert kennzeichnen, dokumentiert als Tatsache mit Datum.

Abbildung: Jede Stufe zwischen Plan und gesichertem Befund braucht einen eigenen Beleg in der Dokumentation. Quelle: eigene Darstellung.

Für die bedingte Prognose helfen Richtwerte. Nach S3-Leitlinie sollte eine klinische Stabilisierung innerhalb von 72 Stunden eintreten; sonst wird ein Therapieversagen geprüft. Die britische NICE-Leitlinie NG250 nennt für Erwachsene mit CAP nach Therapiebeginn: Fieber nach etwa 1 Woche abgeklungen, Brustschmerz und Auswurf nach 4 Wochen sowie Husten und Atemnot nach 6 Wochen deutlich geringer, nach 3 Monaten die meisten Beschwerden abgeklungen (Müdigkeit ist noch möglich), nach 6 Monaten fühlen sich die meisten wieder wie vorher. Schwere, Komplikationen und Ausgangsfunktion verschieben diese Zeiten.

Zeitachse nach Therapiebeginn: nach 72 Stunden klinisch stabiler, sonst Therapieversagen prüfen; nach 1 Woche Fieber abgeklungen; nach 4 Wochen Brustschmerz und Auswurf deutlich weniger; nach 6 Wochen Husten und Atemnot deutlich weniger; nach 3 Monaten die meisten Beschwerden weg, Müdigkeit noch möglich; nach 6 Monaten wieder wie vorher. Abhängig von Schwere, Komplikationen, Ausgangsfunktion, Alter, Ernährung und Rehabilitation; neu bewerten bei erneuter Atemnot, neuer Verwirrtheit oder wiederkehrendem Fieber. Bedingte Prognose: Trend, Abhängigkeit und Kontrollmaßstab, keine vollständige Erholung garantieren.

Abbildung: Die Richtwerte machen eine bedingte Prognose konkret, ohne eine vollständige Erholung zu versprechen. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Die Erklärung vervollständigen

Aufgabe

Eine ambulant behandelte Patientin fragt: „Warum soll ich wiederkommen, wenn ich doch schon Antibiotika nehme?“ Ergänze eine Antwort mit Zweck der Kontrolle und zwei Warnzeichen.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
VersorgungAmbulant
BehandlungAntibiotika werden eingenommen
FrageWarum ist eine erneute Vorstellung nötig?
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Freie Antwort

Einen Bericht korrigieren

Aufgabe

Bekannt ist nur: Aufnahme mit Pneumonieverdacht, Antibiotika geplant, Kultur ausstehend. Im Bericht steht: „Unter antibiotischer Therapie rasche Beschwerdefreiheit; Pneumokokkenpneumonie gesichert.“ Schreibe die Passage korrekt um.

Die Tabelle fasst nur die bekannten Angaben zusammen.

AngabeFalldaten
AufnahmegrundPneumonieverdacht
AntibiotikaGeplant
KulturAusstehend
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Neue Fälle entscheiden

Lernziel: Du kannst Pneumoniefälle eigenständig priorisieren, behandeln und vorstellen.

Einen Fall in Entscheidungen übersetzen

Beginne mit der aktuellen Gefahr, nicht mit der längsten Diagnoseliste. Fasse danach den Kontext zusammen, wähle Untersuchungen mit einer konkreten Frage und begründe die Behandlung. Bestimme bereits jetzt, wann und woran du den Erfolg überprüfst. Die folgende Übersicht erinnert nur an zuvor gelehrte Schritte.

EntscheidungFrage an den Fall
DringlichkeitSind Atemweg, Atmung, Kreislauf oder Bewusstsein bedroht?
Kontext und BelegeCAP/HAP/Aspiration; was ist beobachtet, was vermutet?
MaßnahmenWelche Untersuchung oder Therapie verändert jetzt das Vorgehen?
VerlaufWelche Kontrolle, Warnzeichen und mögliche Fokuskontrolle sind nötig?

Zur Erinnerung die wichtigsten Schwellen: Atemfrequenz ≥30/min, SpO₂ <90 %, systolischer Blutdruck <90 mmHg oder diastolischer ≤60 mmHg und neue Verwirrtheit zeigen Gefahr; Sauerstoff wird meist auf SpO₂ 92–96 % titriert. Die erste geplante Verlaufskontrolle liegt bei 48–72 Stunden, das Therapieende erst nach mindestens zwei Tagen klinischer Stabilität.

Ablaufdiagramm in fünf Schritten. 1 Gefahr erkennen nach ABCDE: Atemfrequenz ab 30 pro Minute, SpO₂ unter 90 Prozent, systolischer Blutdruck unter 90 oder diastolischer bis 60 mmHg, neue Verwirrtheit; bei Sepsisverdacht Antibiotikum innerhalb einer Stunde, Hilfe rufen, Sauerstoffziel 92 bis 96 Prozent. 2 Kontext: CAP, HAP mehr als 48 Stunden nach Aufnahme mit MRE-Prüfung, Aspiration; Beobachtung von Vermutung trennen. 3 Schwere und Belege: CRB-65 null Punkte ambulant prüfen, ab einem Punkt stationär prüfen; Blutgasanalyse bei SpO₂ unter 90 Prozent; Röntgen und stationär zwei Blutkulturpaare. 4 Behandlung: leicht ambulant Amoxicillin 3 × 1 g oral meist 5 Tage, mittelschwer stationär Ampicillin/Sulbactam 3 × 3 g oder Ceftriaxon 1 × 2 g, schwer Intensivstation prüfen und Beta-Laktam plus Azithromycin 1 × 500 mg. 5 Verlauf: Kontrolle nach 48 bis 72 Stunden, Stabilitätskriterien Herzfrequenz bis 100, Atemfrequenz bis 24, systolisch ab 90, Temperatur bis 37,8 Grad, Ende nach zwei stabilen Tagen. Ergebnisse: Besserung oralisieren; nach 72 Stunden instabil Empyem, Abszess, Erreger und Diagnose prüfen; Verschlechterung sofort zurück zu Schritt 1.

Abbildung 12: Jeder Fall durchläuft dieselben fünf Entscheidungen. Neue Befunde oder eine Verschlechterung führen zurück zur Gefahrenbeurteilung; eine einmal getroffene Diagnose beendet den Entscheidungsprozess nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel mit reduzierter Hilfe

Ein 34-jähriger Mann hat Fieber, Husten und laut schriftlichem Röntgenbefund eine neue linksbasale Verdichtung. Orientiert, Atemfrequenz 20/min, Blutdruck 122/78 mmHg, SpO₂ 96 % unter Raumluft. Keine relevante Komorbidität, Allergie oder Nierenfunktionsstörung; Essen und Medikamente sind möglich, frühe Kontrolle ist gesichert.

Ablaufdiagramm zum 34-jährigen Mann mit CAP. 1 CRB-65 Punkt für Punkt: Verwirrtheit nein, orientiert, 0; Atemfrequenz ab 30 nein, 20 pro Minute, 0; Blutdruck systolisch unter 90 oder diastolisch bis 60 nein, 122/78 mmHg, 0; Alter ab 65 nein, 34 Jahre, 0; Summe 0 Punkte. 2 Oxygenierung: SpO₂ 96 Prozent unter Raumluft, Schwelle über 92 Prozent. 3 Begleiterkrankungen: keine relevante Komorbidität, keine Allergie, Niere normal. 4 Versorgung zu Hause: Essen und Tabletten möglich, Medikament erhältlich, Kontrolle in 48 bis 72 Stunden organisiert. Wenn alles erfüllt ist: ambulant mit Amoxicillin 3 × 1 g oral, meist 5 Tage. Fehlt ein Punkt, etwa SpO₂ 92 Prozent oder weniger, CRB-65 ab 1 oder keine Versorgung: stationäre Aufnahme prüfen. Sofortige Wiedervorstellung bei zunehmender Atemnot, Verwirrtheit, Kreislaufproblemen oder Trinkschwäche.

Abbildung: Im ausgearbeiteten Beispiel entscheiden CRB-65, Oxygenierung, Begleiterkrankungen und die tatsächliche Versorgbarkeit gemeinsam. Fehlt eine Voraussetzung, wird die stationäre Behandlung geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Die Situation passt zu leichter CAP. CRB-65 ist null: orientiert, Atemfrequenz unter 30/min, Blutdruck weder systolisch unter 90 noch diastolisch ≤60 mmHg, Alter unter 65 Jahren; SpO₂ liegt über der Schwelle von 92 %. Damit gilt: Oxygenierung und Versorgung erlauben ambulante Behandlung. Amoxicillin 1 g oral alle acht Stunden ist eine begründbare empirische Option. Die Kontrolle nach 48–72 Stunden beurteilt Symptome, Vitalwerte, Verträglichkeit und Therapieplan; Verschlechterung führt früher zur Wiedervorstellung. Die Erregerdiagnose bleibt offen, auch wenn Pneumokokken abgedeckt werden.

Für die Dauer gilt der deutsche S3-Ausgangspunkt: bei leichter CAP gewöhnlich fünf Tage, beendet erst nach mindestens zwei Tagen klinischer Stabilität. Bei echter Penicillinallergie sind Doxycyclin 200 mg/Tag oder ein Makrolid Alternativen; bei stabiler Komorbidität wird Amoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg alle acht Stunden geprüft.

Ablaufdiagramm zu Amoxicillin bei leichter CAP, 1 g oral alle 8 Stunden, also 3 g pro Tag. 1 Erfasst: Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae ohne Beta-Laktamase. Nicht erfasst: Mykoplasmen, Chlamydien und intrazelluläre Legionellen. Hinweis: Abdeckung ist kein Erregernachweis. 2 Wenn Amoxicillin nicht passt: bei echter Penicillinallergie Doxycyclin 200 mg pro Tag oder Makrolid, bei stabiler Komorbidität Amoxicillin/Clavulansäure 3 × 875/125 mg. 3 Kontrolle nach 48 bis 72 Stunden: Symptome, Atemfrequenz, SpO₂, Temperatur, Verträglichkeit und Einnahme. Ergebnisse: gebessert fortführen, meist 5 Tage und mindestens 2 Tage stabil; nicht gebessert Diagnose, Erreger und Komplikation neu prüfen; schlechter sofortige Wiedervorstellung und stationäre Behandlung.

Abbildung: Empirische Abdeckung belegt keinen Erreger. Die geplante Kontrolle nach 48–72 Stunden entscheidet, ob die Therapie fortgeführt, überprüft oder eskaliert wird. Quelle: eigene Darstellung.

Selbstprüfung einer FallantwortErfüllt, wenn …
SicherheitZeitkritische Gefahr und unmittelbare Handlung genannt sind.
BegründungDie Entscheidung an konkrete Falldaten gebunden ist.
TherapieKontext, Allergie/Organfunktion und Verlauf berücksichtigt sind.
KommunikationBeobachtung, Vermutung und Plan getrennt bleiben.

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Selbstständiger Fall: die ältere Patientin

Aufgabe

Eine 82-jährige, bisher orientierte Frau wird wegen Sturz und Trinkschwäche gebracht. Seit gestern Husten, Temperatur 37,8 °C. Sie ist jetzt desorientiert, Atemfrequenz 31/min, Blutdruck 104/58 mmHg, SpO₂ 87 % unter Raumluft. Rechts basal Rasselgeräusche. Keine Therapie wurde bisher dokumentiert.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Alter / Ausgangszustand82 Jahre; bisher orientiert
Anlass / BeginnSturz, Trinkschwäche; Husten seit gestern
Bewusstsein / TemperaturJetzt desorientiert; 37,8 °C
Atemfrequenz / SpO₂31/min; 87 % unter Raumluft
Blutdruck / Auskultation104/58 mmHg; rechts basal Rasselgeräusche
TherapieBisher nicht dokumentiert

Formuliere eine kurze Übergabe: Dringlichkeit, CRB-65 mit Einzelpunkten, Verdachtsdiagnose/Alternative, Behandlungsort, erste Maßnahmen und eine bedingte Prognose.

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Selbstständiger Fall: fehlende Fokuskontrolle

Aufgabe

Ein 58-jähriger Mann wird seit vier Tagen wegen CAP passend antibiotisch behandelt. Weiter Fieber und pleuritischer Schmerz. Ein schriftlicher CT-Befund beschreibt keine intraparenchymale Kavität, aber eine größere pleurale Flüssigkeitsansammlung. Sonografisch sicher erreichbar; Punktion ergibt Eiter. Begründe die Komplikation, die nächste Behandlung und zwei Ursachenprüfungen.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Patient / Therapie58 Jahre; seit 4 Tagen passende Antibiotika bei CAP
BeschwerdenWeiter Fieber und pleuritischer Schmerz
Schriftlicher CT-BefundKeine intraparenchymale Kavität; größere pleurale Flüssigkeitsansammlung
Sonografie / PunktionSicher erreichbar; Eiter

Axiale Thorax-CT auf Höhe der Hauptbronchien: rechts dorsal eine große, homogene, sichelförmige Flüssigkeitsansammlung, die die angrenzende Lunge zusammendrückt; links unauffällige Lunge.

Abbildung zur Aufgabe: Thorax-CT zum schriftlichen Befund (Beispielbild). Quelle: Xia J, Xia L, Zhou H, Lin X, Xu F. BMC Infect Dis 2021;21:1267 (Abb. 1B), CC BY 4.0

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Selbstständiger Fall: Krankenhauskontext

Aufgabe

Ein 67-jähriger Patient entwickelt nach sieben stationären Tagen eine neue Pneumonie. Er erhielt bereits Antibiotika, hat Bronchiektasen, also dauerhaft erweiterte Bronchien, und einen früheren resistenten Pseudomonasnachweis. Blutdruck 84/52 mmHg, neue Schläfrigkeit. Erstelle einen priorisierten Plan einschließlich mikrobiologischer und therapeutischer Neubewertung.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Patient / Zeitpunkt67 Jahre; neue Pneumonie nach 7 stationären Tagen
VorbehandlungBereits Antibiotika erhalten
VorerkrankungBronchiektasen
VorbefundFrüher resistenter Pseudomonas
Blutdruck / Bewusstsein84/52 mmHg; neue Schläfrigkeit

Axiale Thorax-CT im Lungenfenster: in beiden Lungen zahlreiche erweiterte, dickwandige, teils zystisch-rundliche Bronchien, rechts betont.

Abbildung zur Aufgabe: Thorax-CT mit dauerhaft erweiterten Bronchien (Beispielbild). Quelle: Fraser CS, José RJ. J Pers Med 2023;13:133 (Abb. 2), CC BY 4.0

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Selbstständiger Fall: erklären und dokumentieren

Aufgabe

Eine 49-jährige Patientin mit ambulanter leichter CAP hat Sorge, ihre Familie anzustecken, und möchte nach zwei Tabletten die Behandlung beenden, weil das Fieber sinkt. Erkläre in verständlichem Deutsch Behandlung, Hygiene, Kontrolle und die Frage der Dauer. Schreibe danach einen kurzen Dokumentationssatz. Nutze nur die angegebenen Daten.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

AngabeFalldaten
Patientin / Kontext49 Jahre; ambulante leichte CAP
Bisheriger VerlaufFieber sinkt nach 2 Tabletten
WunschBehandlung beenden
SorgeAnsteckung der Familie
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