medeKI
Lernpfade

Atmung und Diagnostik

Lernziel: Du kannst Atembeschwerden erklären und Thoraxbefunde strukturiert vorstellen.

Atemwege und Mechanik

Lernziel: Du kannst Luftweg, Pleura und Druckänderungen beim Atmen erklären.

Der Weg durch das Kapitel: Atemmechanik → Gasaustausch → Thoraxuntersuchung → Lungenfunktion → Bildgebung → Pulsoxymetrie → gemeinsame Befundung → Wiederholung. Alle Fälle sind konstruiert. Zahlenbeispiele dienen der Interpretation; Referenzwerte hängen unter anderem von Alter, Körpergröße und Messverfahren ab.

Vom Luftweg zur Austauschfläche

Die leitenden Atemwege transportieren, erwärmen, befeuchten und reinigen die Luft. Über Nase oder Mund gelangt die Luft durch Rachen und Kehlkopf in die Trachea. Von dort gelangt sie über Hauptbronchien und zunehmend kleinere Bronchien zu den Bronchiolen. Knorpel stabilisiert größere Atemwege; Bronchiolen besitzen keinen Knorpel. Ihr Durchmesser hängt unter anderem vom Tonus der glatten Muskulatur und vom Zug des umgebenden Lungengewebes ab. Schleim und Flimmerhärchen entfernen Partikel; gestörter Transport begünstigt Sekretverhalt. Bis zu den Alveolen teilen sich die Atemwege etwa 23-mal: Der Durchmesser sinkt von etwa 16 mm in der Trachea auf etwa 0,6 mm im terminalen Bronchiolus (etwa 16. Teilung), ab etwa der 10. Teilung fehlen Knorpelspangen. Partikel über 10 µm bleiben meist in den oberen Atemwegen hängen, solche von etwa 2,5–10 µm lagern sich in den Bronchien ab, kleinere erreichen die Alveolen. Zigarettenrauch, wiederholte Entzündungen, Mukoviszidose oder eine angeborene Zilienstörung (primäre ziliäre Dyskinesie) schwächen den Abtransport.

Fluss vom Mund zur Alveole in sechs Stufen: obere Atemwege, Trachea mit etwa 16 mm, knorpelhaltige Bronchien bis etwa zur 10. Teilung, knorpelfreie Bronchiolen bis etwa zur 16. Teilung, dann respiratorische Bronchiolen und Alveolarsäckchen mit etwa 480 Millionen Alveolen.

Abbildung: Folge der Luft durch die etwa 23 Teilungen. Achte auf zwei Grenzen: Ab etwa der 10. Teilung fehlt Knorpel, ab etwa der 17. Teilung beginnt der Gasaustausch. Die knorpelfreien Bronchiolen sind die Stelle, an der Muskeltonus und Gewebezug die Weite bestimmen. Quelle: eigene Darstellung.

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Bronchiolenepithels: Büschel langer Zilien neben Zelloberflächen, die nur kurze Mikrovilli tragen.

Abbildung: Bronchiolenepithel einer Säugetierlunge im Rasterelektronenmikroskop (Bildbreite etwa 23 µm). Die langen Zilienbüschel gehören zu Flimmerzellen, daneben liegen nicht zilientragende Zellen mit kurzen Mikrovilli. Der Zilienschlag schiebt den Schleimfilm mit den gebundenen Partikeln rachenwärts; fällt er aus, bleibt Sekret liegen. Quelle: Louisa Howard und Charles Daghlian, Dartmouth Electron Microscope Facility, Wikimedia Commons, gemeinfrei; Infoleiste am unteren Rand abgeschnitten.

Partikel nach Größe: über 10 µm obere Atemwege, 2,5 bis 10 µm Bronchien, unter 2,5 µm Alveolen; in den Atemwegen mukoziliäre Clearance in drei Schritten, in den Alveolen Makrophagen; Ursachen einer gestörten Clearance führen zu Sekretverhalt, Infekten und Schleimpfropf mit Atelektase.

Abbildung: Lies zuerst die Partikelgröße, dann den Reinigungsweg. In den Atemwegen tragen Schleim und Zilien die Partikel rachenwärts, in den zilienfreien Alveolen übernehmen Makrophagen. Fällt die Clearance aus, bleibt Sekret liegen. Quelle: eigene Darstellung.

Ab den respiratorischen Bronchiolen beginnt die Übergangszone zum Gasaustausch. In den Alveolen liegen Luft und Kapillarblut, getrennt durch eine sehr dünne Barriere, nahe beieinander. Sauerstoff diffundiert zum Blut, Kohlendioxid in Gegenrichtung. Typ-I-Pneumozyten bilden einen großen Teil der dünnen Austauschfläche. Typ-II-Pneumozyten bilden Surfactant und tragen zur Reparatur des Epithels bei. Surfactant vermindert die Oberflächenspannung und erleichtert besonders bei kleinen Lungenvolumina das Offenhalten der Alveolen. Die etwa 480 Millionen Alveolen (je nach Lungengröße etwa 270–790 Millionen) sind vom Blut nur durch eine etwa 0,5 µm dünne Schranke getrennt; Typ-I-Pneumozyten bedecken etwa 95 % ihrer Oberfläche. Nach dem Laplace-Gesetz (P = 2T/r) bräuchte eine halb so große Alveole ohne Surfactant den doppelten Druck, um offen zu bleiben. Fehlt Surfactant wie beim unreifen Frühgeborenen, entsteht ein Atemnotsyndrom – in Europa erhält etwa jedes zweite Kind mit 22–32 SSW Surfactant; bei drohender Frühgeburt vor 34 SSW fördern pränatale Kortikosteroide die Lungenreife.

Blut-Luft-Schranke aus Typ-I-Pneumozyt, Basalmembran und Kapillarendothel, etwa 0,5 µm dick; daneben Typ-I-Pneumozyt mit etwa 95 % und Typ-II-Pneumozyt mit etwa 5 % der Alveolarfläche; drei Störungen: verdickte Barriere, verlorene Fläche, fehlender Surfactant.

Abbildung: Vergleiche die beiden Zelltypen: Typ I bildet die dünne Austauschfläche, Typ II bildet Surfactant und repariert das Epithel. Die farbige Zeile zeigt, welche Störung an welcher Stelle der Wand ansetzt. Quelle: eigene Darstellung.

Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme aus der Alveolarregion: Typ-II-Pneumozyten mit dunklen, geschichteten Lamellenkörperchen und Mikrovilli, daneben Kapillaren mit Erythrozyten hinter einer sehr dünnen Wand.

Abbildung: Alveolarregion einer Mauslunge im Transmissionselektronenmikroskop (Bildbreite etwa 27 µm). Suche in den beiden rundlichen Zellen links der Mitte und rechts oben die dunklen, zwiebelschalenartig geschichteten Einschlüsse: Diese Lamellenkörperchen speichern Surfactant, das die Typ-II-Pneumozyten in den Alveolarraum abgeben. Vergleiche damit die hauchdünne Wand um die Kapillaren mit den dunklen Erythrozyten: Dort trennen ausgezogene Typ-I-Pneumozyten und Endothel Luft und Blut. Quelle: Louisa Howard und Michael Binder, Dartmouth Electron Microscope Facility, Wikimedia Commons, gemeinfrei; Infoleiste am unteren Rand abgeschnitten.

Laplace-Gesetz P gleich 2 T durch r: ohne Surfactant kollabieren kleine Alveolen, mit Surfactant bleiben sie offen; Surfactantmangel beim Frühgeborenen als Atemnotsyndrom und beim ARDS; Therapie mit pränatalen Kortikosteroiden vor 34 SSW sowie CPAP und früher Surfactantgabe.

Abbildung: Vergleiche links und rechts: Ohne Surfactant braucht die kleinere Alveole mehr Druck und entleert sich in die größere. Surfactant senkt die Oberflächenspannung gerade in kleinen Alveolen und gleicht die Drücke an. Unten die beiden typischen Mangelsituationen. Quelle: eigene Darstellung.

StrukturHauptaufgabeKlinische Folge einer Störung
Leitende AtemwegeLufttransport und ReinigungVerengung erhöht Strömungswiderstand
Alveolar-Kapillar-BarriereGasaustauschVerdickung oder Flächenverlust erschwert O₂-Aufnahme
SurfactantOberflächenspannung senkenMangel begünstigt Kollaps und höhere Atemarbeit

Warum Einatmung Luft bewegt

Die viszerale Pleura überzieht die Lunge, die parietale Pleura die innere Thoraxwand und das Zwerchfell. Ein dünner Flüssigkeitsfilm ermöglicht gleitende Bewegung und überträgt Kräfte. Im intakten geschlossenen Pleuraspalt ist der Druck bei ruhiger Spontanatmung normalerweise niedriger als der atmosphärische Druck. Das Gleichgewicht zwischen elastischer Rückstellkraft der Lunge nach innen und Thoraxwand nach außen hält die Lunge entfaltet. In Atemruhelage liegt der Pleuradruck bei etwa −5 cmH₂O; der Spalt enthält nur etwa 10 ml Flüssigkeit, die mit etwa 100–150 ml pro Tag und Seite umgesetzt und über Lymphbahnen abgeführt wird. Übersteigt der Zufluss den Abtransport, etwa bei Linksherzinsuffizienz, entsteht ein Pleuraerguss.

Pleuraspalt mit etwa 10 ml Flüssigkeit; Lunge zieht nach innen, Thoraxwand federt nach außen; Gleichgewicht in Atemruhelage mit Pleuradruck etwa minus 5 cmH2O; Luft im Spalt führt zum Pneumothorax, zu viel Flüssigkeit zum Pleuraerguss.

Abbildung: Verfolge die zwei entgegengesetzten Kräfte bis zum Gleichgewicht bei etwa −5 cmH₂O. Die beiden Abzweigungen zeigen, wie Luft oder Flüssigkeit im Spalt die Kopplung von Lunge und Thoraxwand stören. Quelle: eigene Darstellung.

Bei der Einatmung kontrahiert das Zwerchfell und senkt sich. Der Thorax vergrößert sich; der Pleuradruck wird negativer. Der transpulmonale Druck, also Alveolardruck minus Pleuradruck, nimmt zu und dehnt die Lunge. Der Alveolardruck fällt kurz unter den Druck an der Atemwegsöffnung: Luft strömt ein. Am Ende der Einatmung endet der Luftstrom, wenn dieser Druckunterschied ausgeglichen ist. Die ruhige Ausatmung erfolgt überwiegend passiv durch elastische Rückstellung. Forcierte Ausatmung nutzt zusätzlich Atemmuskulatur und kann kleine Atemwege dynamisch komprimieren. Bei ruhiger Einatmung sinkt der Pleuradruck etwa von −5 auf −8 cmH₂O und der Alveolardruck kurz auf etwa −1 cmH₂O; das Zwerchfell wird über den N. phrenicus (C3–C5) angesteuert.

Zuerst werden die beiden Druckräume getrennt. Links steuert der Unterschied zwischen Atemwegsöffnung und Alveole den Luftstrom, rechts dehnt der transpulmonale Druck die Lunge. Am Ende der Einatmung endet der Strom, obwohl Pleura- und Alveolardruck verschieden bleiben können.

Abbildung: Lies die beiden Spalten getrennt: Kein Luftstrom bedeutet nicht, dass Pleura- und Alveolardruck gleich sein müssen. Quelle: eigene Darstellung.

Fünf Schritte der ruhigen Einatmung: Zwerchfell kontrahiert, Pleuradruck sinkt von etwa minus 5 auf minus 8 cmH2O, transpulmonaler Druck steigt von etwa 5 auf 8, Alveolardruck fällt kurz auf etwa minus 1, am Ende der Einatmung Alveolardruck wieder 0; danach ruhige passive und forcierte Ausatmung im Vergleich.

Abbildung: Lies die Druckfolge von oben nach unten; alle Werte sind Näherungen in cmH₂O gegenüber dem Außendruck. Entscheidend für den Luftstrom ist der Alveolardruck, nicht das Zwerchfell selbst. Unten der Unterschied zwischen passiver und forcierter Ausatmung. Quelle: eigene Darstellung.

Die Compliance beschreibt, wie stark sich das Volumen bei einer bestimmten Änderung des dehnenden Drucks ändert: ΔV/ΔP. Eine fibrotisch versteifte Lunge hat eine geringe Compliance; dieselbe Einatmung benötigt mehr Druckarbeit. Beim Emphysem kann die Compliance erhöht sein, während die elastische Rückstellkraft und die Stabilisierung kleiner Atemwege vermindert sind. Leicht dehnbar bedeutet deshalb nicht gut funktionsfähig. Die gesunde Lunge allein hat eine Compliance von etwa 200 ml/cmH₂O, Lunge und Thoraxwand zusammen von etwa 100 ml/cmH₂O.

Compliance gleich Delta V durch Delta P: gesunde Lunge etwa 200, mit Thoraxwand etwa 100 ml pro cmH2O; Fibrose und ARDS mit verminderter Compliance und mehr elastischer Arbeit, Emphysem mit erhöhter Compliance, verminderter Rückstellkraft und erschwerter Ausatmung.

Abbildung: Rechne mit dem Beispiel: 500 ml brauchen normal etwa 5 cmH₂O, bei Fibrose deutlich mehr, beim Emphysem weniger. Erhöhte Dehnbarkeit bedeutet beim Emphysem trotzdem keine bessere Funktion, weil die Rückstellkraft für die Ausatmung fehlt. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei axiale CT-Schnitte im Lungenfenster: oben fibrotischer Umbau mit basal und subpleural betonter netzartiger Zeichnung und Traktionsbronchiektasen, unten konfluierendes zentrilobuläres Emphysem mit großflächig verminderter Dichte und spärlichen Gefäßen.

Abbildung: Strukturelles Gegenstück der beiden Compliance-Störungen in der hochauflösenden CT. Oben Lungenfibrose (wahrscheinliches UIP-Muster): netzartige, subpleural und basal betonte Zeichnung mit Traktionsbronchiektasen; das umgebaute Gewebe ist steif und schwer dehnbar. Unten konfluierendes zentrilobuläres Emphysem: weite Areale mit verminderter Dichte und wenigen Gefäßen, weil Alveolarwände zerstört sind; die Lunge ist leicht dehnbar, verliert aber Rückstellkraft. Die CT zeigt die Struktur; die Compliance selbst wird funktionell gemessen. Quelle: oben Ravaglia C et al., Multidiscip Respir Med 2019;14:3, Abb. 2, CC BY 4.0; unten Sousa C et al., Insights Imaging 2019;10:73, Abb. 5a, CC BY 4.0; Panelbuchstabe entfernt, beide Bilder übereinandergesetzt.

Mechanische BelastungVeränderungTypische Auswirkung
ObstruktionAtemwege engerBesonders erschwerte, verlängerte Ausatmung
Verminderte ComplianceLunge schwer dehnbarHöhere elastische Arbeit bei der Einatmung
Luft im PleuraspaltMechanische Kopplung gestörtBetroffener Lungenanteil kann kollabieren

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Patientin hat bei Bronchokonstriktion verlängerte Ausatmung und Giemen. Die Atemwege sind enger, deshalb braucht derselbe Luftstrom einen größeren Druckunterschied. Bei kräftiger Ausatmung werden intrathorakale Atemwege zusätzlich komprimiert. Mehr Kraft beseitigt die Begrenzung daher nicht beliebig. Das erklärt eine verlängerte Ausatmung; es beweist noch keine bestimmte Grunderkrankung. Nach Hagen-Poiseuille steigt der Strömungswiderstand mit der vierten Potenz des abnehmenden Radius: Ein halbierter Radius erhöht ihn etwa 16-fach. Wo bei forcierter Ausatmung der Druck außen den Druck im Atemweg übersteigt (stromabwärts des Punkts gleichen Drucks), wird der Atemweg zusammengedrückt.

Von der mechanischen Frage führen zwei Spalten zu Compliance und Widerstand. Links stehen Referenzwerte und Fibrose, rechts der Radiusbezug und Bronchokonstriktion. Emphysem zeigt anschließend, warum erhöhte Dehnbarkeit allein keine gute Funktion bedeutet.

Abbildung: Vergleiche die zusätzliche Arbeit bei Fibrose und Bronchokonstriktion; die Emphysem-Zeile begrenzt die Aussage einer hohen Compliance. Quelle: eigene Darstellung.

Vier Schritte der forcierten Ausatmung mit Beispielwerten: Widerstand proportional zu 1 durch r hoch 4, Pleuradruck plus 20, Alveolardruck plus 30, Druckabfall bis zum Punkt gleichen Drucks bei plus 20, danach Kompression; gesund liegt der Punkt in knorpelhaltigen Bronchien, bei Obstruktion und Emphysem in knorpelfreien Bronchiolen.

Abbildung: Verfolge den Druck im Atemweg von der Alveole zum Mund (Beispielwerte). Wo er unter den Pleuradruck fällt, wird der Atemweg zusammengedrückt. Liegt dieser Punkt in knorpelfreien Bronchiolen, kollabieren sie: Die Ausatmung wird lang, mehr Kraft steigert den Fluss nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Die Druckfolge ergänzen

Aufgabe

Ergänze die zwei fehlenden Schritte der spontanen Einatmung: Zwerchfell kontrahiert → Thoraxvolumen steigt → … → Alveolardruck fällt kurz unter den Außendruck → … .

Die Tabelle zeigt die vorgegebene Folge mit den beiden Lücken.

PositionVorgegebener Schritt
1Zwerchfell kontrahiert
2Thoraxvolumen steigt
3…
4Alveolardruck fällt kurz unter den Außendruck
5…
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Freie Antwort

Zwei Mechanismen auseinanderhalten

Aufgabe

Fall A: Die Lunge lässt sich wegen Fibrose bei gleichem Druck nur wenig dehnen. Fall B: Die kleinen Atemwege sind verengt, die Ausatmung dauert lange. Ordne die vorrangige mechanische Störung zu und erkläre jeweils die zusätzliche Atemarbeit.

Die Tabelle stellt die beiden vorgegebenen Befunde gegenüber.

FallGegebener Befund
AFibrose; bei gleichem Druck nur geringe Dehnung
BKleine Atemwege verengt; lange Ausatmung

Axiales CT des Thorax im Lungenfenster auf Höhe der Lungenbasen: beidseits unter der Pleura grobe netzartige Verdichtungen mit kleinen Hohlräumen; zwei blaue Pfeile zeigen auf die dorsalen Abschnitte.

Abbildung (Aufgabenbild zu Fall A): axiales CT im Lungenfenster auf Höhe der Lungenbasen. Achte auf das netzartig verdichtete, von kleinen Hohlräumen durchsetzte Gewebe unter der Pleura; die blauen Pfeile stammen aus der Originalabbildung. Quelle: Ghule P et al., Cureus 2026;18:e107697 (doi:10.7759/cureus.107697), Abb. 5, CC BY 4.0, unverändert, als WebP gespeichert.

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Ventilation und Gasaustausch

Lernziel: Du kannst Ventilation, Diffusion und Perfusion bei Atemnot unterscheiden.

Nicht jeder Atemzug erreicht den Austauschraum

Ventilation ist Luftbewegung. Das Atemzugvolumen VT ist das Volumen eines Atemzugs, die Atemfrequenz f die Zahl der Atemzüge pro Minute. Das Atemminutenvolumen beträgt VT × f. Ein Teil des Atemzugvolumens bleibt in leitenden Atemwegen ohne alveolären Gasaustausch: der anatomische Totraum. Zusätzlich können belüftete Alveolen wegen fehlender oder zu geringer Durchblutung zum alveolären Totraum beitragen. Anatomischer und alveolärer Totraum zusammen ergeben den physiologischen Totraum.

Die Tabelle unterscheidet die Anteile des physiologischen Totraums.

TotraumanteilKennzeichen
AnatomischLeitende Atemwege ohne alveolären Gasaustausch
AlveolärBelüftete Alveolen mit fehlender oder zu geringer Durchblutung
PhysiologischAnatomischer und alveolärer Totraum zusammen

Die alveoläre Ventilation V̇A beschreibt den pro Minute für den alveolären Gasaustausch wirksamen Luftwechsel. Für ein vereinfachtes Modell gilt:

V̇A = (VT − VD) × f.

VT und Totraumvolumen VD werden in Litern pro Atemzug eingesetzt, f in /min; das Ergebnis hat die Einheit l/min. Ein Totraum von 150 ml ist hier eine Rechengröße für einen Erwachsenen, kein fixer Wert für jeden Menschen. Körpergröße, Atemmuster, Erkrankung und Geräte verändern ihn. Lehrbücher geben für den anatomischen Totraum eines Erwachsenen etwa 120–150 ml an.

Flussdiagramm: Formeln für Atemminutenvolumen und alveoläre Ventilation, anatomischer Totraum etwa 120 bis 150 Milliliter. Zwei Atemmuster mit je 6,0 Litern pro Minute: 0,50 Liter mal 12 pro Minute ergibt 4,2 Liter alveoläre Ventilation und 30 Prozent Totraumanteil, 0,25 Liter mal 24 pro Minute nur 2,4 Liter und 60 Prozent. Folge: alveoläre Ventilation fällt um 43 Prozent, PaCO₂ steigt. Ergebnisreihe: 70 gegen 40 Prozent wirksam, bei CO₂-Verdacht Klinik und Blutgasanalyse.

Abbildung 2: Gleiches Atemminutenvolumen, andere Wirkung. Flaches schnelles Atmen verliert pro Atemzug 60 % im Totraum und erreicht nur 2,4 statt 4,2 l/min alveoläre Ventilation; bei gleicher CO₂-Produktion steigt der PaCO₂. Quelle: eigene Darstellung; Modellwerte.

Ausgearbeitetes Beispiel

VT = 0,50 l, VD = 0,15 l, f = 12/min. Atemminutenvolumen: 0,50 × 12 = 6,0 l/min. Alveoläre Ventilation: (0,50 − 0,15) × 12 = 4,2 l/min. Bei VT = 0,25 l und f = 24/min bleibt das Atemminutenvolumen 6,0 l/min; alveolär wirksam sind aber nur (0,25 − 0,15) × 24 = 2,4 l/min.

Bei gleichbleibender CO₂-Produktion steigt der arterielle CO₂-Partialdruck PaCO₂, wenn die alveoläre Ventilation fällt. Eine hohe Atemfrequenz garantiert deshalb keine ausreichende CO₂-Abatmung. Aus dem bisherigen BGA-Grundlagenweg wird hier nur diese Beziehung benötigt; die vollständige Säure-Basen-Interpretation ist eine eigene Aufgabe.

Freie Antwort

Eine Rechnung mit klinischer Bedeutung

Aufgabe

VT = 0,40 l, VD = 0,15 l, f = 20/min. Berechne Atemminutenvolumen und alveoläre Ventilation. Warum genügt die Atemfrequenz allein nicht zur Bewertung der Ventilation?

Die Tabelle enthält die Größen für die Rechnung.

GrößeWertEinheit
VT0,40l
VD0,15l
f20/min
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Drei Aufgaben müssen zusammenpassen

Diffusion ist der Übertritt von Gas durch die Alveolar-Kapillar-Barriere entlang eines Partialdruckgefälles. Eine große Fläche und kurze Diffusionsstrecke erleichtern den Austausch. Fibrose verlängert die Strecke, Emphysem vermindert die Fläche. Bei Belastung verkürzt sich die Kontaktzeit des Blutes mit der Austauschfläche; eine Störung kann dann früher sichtbar werden als in Ruhe. Weil CO₂ etwa 20-mal besser löslich ist als O₂, fällt bei einer Diffusionsstörung zuerst der PaO₂; der PaCO₂ steigt meist nicht und sinkt durch vermehrtes Atmen oft sogar.

Von zwei Befundfragen führen parallele Wege zum wirksamen Luftwechsel und zu den Austauschbedingungen. Fallende alveoläre Ventilation kann PaCO₂ erhöhen, während eine Diffusionsstörung zuerst PaO₂ senkt. Unten werden PaCO₂, Diffusionskapazität und Perfusionsdiagnostik ihren Fragen zugeordnet.

Abbildung: Lies zuerst die Befundfrage: PaCO₂ und O₂-Befunde beschreiben unterschiedliche Teile des Gasaustauschs. Quelle: eigene Darstellung.

Flussdiagramm Diffusion: gesunder Austausch mit großer Fläche, dünner Barriere und etwa 20-fach besserer Löslichkeit von CO₂. Zwei Äste: Fibrose verlängert die Strecke, Emphysem verkleinert Fläche und Kapillarbett. Unter Belastung wird die Kontaktzeit kürzer, PaO₂ und SpO₂ fallen, PaCO₂ meist nicht erhöht. Messen mit DLCO und PaO₂ unter Ergometerbelastung. Ergebnisreihe: Ruhe oft unauffällig, Belastung Entsättigung, fortgeschritten Hypoxämie in Ruhe.

Abbildung: Fibrose verlängert die Strecke, Emphysem verkleinert die Fläche. Unter Belastung wird die Kontaktzeit kürzer, deshalb fallen zuerst PaO₂ und SpO₂ – ein unauffälliger Ruhewert schließt die Störung nicht aus. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei koronare CT-Schnitte im Lungenfenster untereinander: oben rarefizierte Gefäße und Septen bei Emphysem, unten retikuläre Verdichtungen und Honigwabenmuster bei Lungenfibrose, basal und subpleural betont.

Abbildung: Zwei Wege zur Diffusionsstörung im CT. Oben Emphysem: wenige Gefäße und Septen, große luftgefüllte Räume – die Austauschfläche ist vermindert. Unten Lungenfibrose: Netzzeichnung und Honigwaben, basal und subpleural betont – die Diffusionsstrecke ist verlängert. Quelle: Amariei DE et al., Medicina (Kaunas) 2019;55(9):580, Abb. 1A/1B, doi:10.3390/medicina55090580; CC BY 4.0; zugeschnitten, Panelbuchstaben entfernt, untereinander angeordnet, interpoliert.

Perfusion ist die Durchblutung der Lungenkapillaren. Rechtsventrikuläres Blut wird über die Pulmonalarterien in die Lunge und nach Oxygenierung über die Pulmonalvenen zum linken Herzen transportiert. Gute Ventilation einer Alveole nützt dem Körper wenig, wenn dort kein Blut vorbeifließt.

VorgangLeitfrageGeeigneter Hinweis, mit Grenzen
VentilationWird CO₂ ausreichend abgeatmet?PaCO₂ zusammen mit klinischem Zustand
DiffusionGelingt der Gasübertritt?Diffusionskapazität und Belastungsbefunde
PerfusionErreicht Blut die Austauschfläche?Kreislauf und gezielte Gefäßdiagnostik

Die Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DLCO) wird in einem standardisierten Lungenfunktionstest mit sehr geringer Testgaskonzentration gemessen. Sie hängt nicht nur von der Membran ab, sondern auch von Austauschfläche, Kapillarblut und Hämoglobin. Ein niedriger Wert beweist daher keine Fibrose; beispielsweise können Emphysem, pulmonale Gefäßerkrankung oder Anämie beitragen. Im Single-Breath-Verfahren atmet man ein Testgas mit etwa 0,3 % CO tief ein und hält die Luft etwa 10 Sekunden an; erniedrigt ist ein Wert unter der unteren Normgrenze (LLN, z-Score unter −1,645). Eingeatmet werden mindestens 85 % der Vitalkapazität; zwei bis drei Messungen liegen mindestens 4 Minuten auseinander, und 24 Stunden vorher sollte möglichst nicht geraucht werden. Der Schweregrad folgt dem z-Score (leicht bis −2,5, mittelschwer bis −4, schwer unter −4); eine Anämie senkt, eine Polyglobulie hebt den Messwert. Erst zusammen mit Spirometrie, Lungenvolumina, Hb und Bildgebung lässt sich ein niedriger Wert einordnen. Die genaue Messdurchführung und Spezialinterpretation gehören ins weiterführende Lungenlabor.

Zwei parallele Wege vergleichen Fibrose und Emphysem zuerst mechanisch und dann beim Gasaustausch. Die Fibrose versteift die Lunge und verlängert die Diffusionsstrecke; beim Emphysem können Dehnbarkeit und Fläche in entgegengesetzte Richtungen gehen. Belastung, DLCO, Lungenvolumina, Hb und Bildgebung ergänzen den Befund.

Abbildung: Verfolge jede Spalte über beide Ebenen: Die mechanische Veränderung und der Gasaustausch müssen getrennt beschrieben werden. Quelle: eigene Darstellung.

Flussdiagramm DLCO: Single-Breath-Messung mit etwa 0,3 Prozent CO, mindestens 85 Prozent der Vitalkapazität und etwa 10 Sekunden Atemanhalten; Einordnung unter LLN mit z-Score unter minus 1,645 und Schweregraden bis minus 2,5, bis minus 4 und darunter, Einfluss von Hämoglobin und Rauchen. Bei DLCO unter LLN drei Äste: Membran mit Fibrose und Ödem, Fläche mit Emphysem und Resektion, Blut mit Lungenembolie, pulmonaler Hypertonie und Anämie. Zusammenführen mit Spirometrie, Lungenvolumina, Hb und Bildgebung; Ergebnisreihe: Restriktion an interstitielle Erkrankung denken, Obstruktion eher Emphysem, normale Volumina Gefäße und Anämie prüfen.

Abbildung: Erst messen und einordnen, dann deuten. Ein Wert unter LLN kann aus Membran, Fläche oder Blut und Hämoglobin stammen; erst Spirometrie, Lungenvolumina und Bildgebung grenzen die Ursache ein. Quelle: eigene Darstellung.

Das Verhältnis von Luft und Blut

Das Ventilations-Perfusions-Verhältnis V̇A/Q̇ beschreibt, wie alveoläre Belüftung und Durchblutung zusammenpassen. Auch eine gesunde Lunge ist regional ungleich: Durch Schwerkraft und regionale Mechanik verteilen sich beide Größen verschieden. Für die gesamte ruhende Lunge wird oft ungefähr 0,8 als Orientierungswert genannt; das ist kein Zielwert für jede einzelne Alveole. Das entspricht etwa 4 l/min alveolärer Ventilation zu 5 l/min Durchblutung; im Stehen nimmt V̇A/Q̇ von der Lungenspitze zur Basis ab.

Skala des Ventilations-Perfusions-Verhältnisses von 0 (Shunt) über etwa 0,8 (ganze Lunge) bis unendlich (Totraum). Gesunde Lunge: etwa 4 Liter Ventilation zu 5 Liter Perfusion pro Minute, oben besser belüftet, unten besser durchblutet. Linker Ast Luft fehlt: niedriges Verhältnis bei teilweise verengten Atemwegen, Sauerstoff bessert oft deutlich; Grenzfall Shunt bei kollabiertem Bezirk, Korrektur begrenzt; Ergebnis PaO₂ fällt. Rechter Ast Blut fehlt: hohes Verhältnis, Beispiel Lungenembolie; Grenzfall Totraum bei verschlossenem Gefäßast, gesunde Areale gleichen die CO₂-Abgabe lange aus; Ergebnis Totraum steigt, mehr Ventilation nötig. Unten: viele Erkrankungen mischen mehrere Mechanismen.

Abbildung 3: V̇A/Q̇ reicht von 0 (Shunt) bis unendlich (Totraum); die gesunde Lunge liegt insgesamt bei etwa 0,8. Shunt und Totraum sind Grenzfälle – viele Erkrankungen erzeugen Zwischenformen und mehrere Mechanismen zugleich. Quelle: eigene Darstellung.

Bei niedrigem V̇A/Q̇ kommt im Verhältnis zum Blut zu wenig Luft an, etwa hinter teilweise verengten Atemwegen. Bei einem Shunt fließt Blut an nicht ventilierten Alveolen vorbei oder umgeht belüftete Austauschflächen vollständig; für eine perfundierte, nicht ventilierte Einheit ist V̇A/Q̇ = 0. Bei hohem V̇A/Q̇ fehlt im Verhältnis zur Belüftung Blut. Bei völlig fehlender Perfusion nähert sich die Einheit dem Totraumgrenzfall.

Zusätzlicher Sauerstoff verbessert eine Hypoxämie durch niedriges V̇A/Q̇ häufig deutlich. Beim ausgeprägten echten Shunt erreicht der Sauerstoff das vorbeifließende Blut nicht über die betroffene Alveole; die Korrektur ist begrenzt. Die Reaktion ist kein alleiniger Diagnosetest. Mischungen, zugeführte Sauerstoffkonzentration und Kreislauf beeinflussen das Ergebnis.

Die Tabelle vergleicht die Sauerstoffantwort und ihre diagnostische Grenze.

KonstellationSauerstoffantwortGrenze
Niedriges V̇A/Q̇Hypoxämie häufig deutlich besserKein alleiniger Diagnosetest
Ausgeprägter echter ShuntKorrektur begrenztO₂ erreicht das Blut nicht über die betroffene Alveole
GesamtsituationDurch mehrere Faktoren beeinflusstMischungen, O₂-Konzentration und Kreislauf beachten

Flussdiagramm zur Sauerstoffantwort bei Hypoxämie: Ausgangslage mit SpO₂ oder PaO₂, O₂-Menge, Atemfrequenz und Kreislauf festhalten; unter Sauerstoff erneut messen. Steigt die Sättigung deutlich, spricht das eher für niedriges Ventilations-Perfusions-Verhältnis, auch eine Diffusionsstörung bessert sich meist. Steigt sie kaum, an Shunt denken: kollabierter Bezirk, Schleimpfropf oder Rechts-links-Shunt bei Herzfehler. Grenzen: Mischformen, O₂-Konzentration und Kreislauf. Ergebnisreihe: deutlich besser, kaum besser, immer Ursache klären und behandeln.

Abbildung: Die Antwort auf zusätzlichen Sauerstoff ist ein Hinweis, kein Beweis. Ein deutlicher Anstieg passt eher zu niedrigem V̇A/Q̇, ein kaum veränderter Wert eher zu einem Shunt; Mischformen sind häufig. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle ordnet die drei Störungen danach, was in der betroffenen Einheit vorrangig fehlt.

StörungWas fehlt vorrangig?Beispiel für den Mechanismus
Niedriges V̇A/Q̇Belüftung relativ zum BlutflussTeilweise verlegte Atemwege
ShuntBelüftung bei weiterem BlutflussVollständig kollabierter Lungenbezirk
Hohes V̇A/Q̇ / TotraumBlutfluss relativ zur BelüftungVerschlossener zuführender Gefäßast

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein Schleimpfropf verschließt einen Bronchus vollständig, der zugehörige Lungenabschnitt kollabiert, Blut fließt zunächst weiter. Die Luft fehlt, nicht die Perfusion: Das ist ein intrapulmonaler Shuntmechanismus. Bei einem Gefäßverschluss mit erhaltener Belüftung ist die Richtung umgekehrt: Das V̇A/Q̇-Verhältnis steigt. Die CO₂-Abgabe gleichen gesunde, weiter durchblutete Bezirke lange aus; der PaCO₂ steigt erst bei großen Perfusionsausfällen. Eine Lungenembolie kann im Gesamtsystem trotzdem auch niedriges V̇A/Q̇ und Hypoxämie erzeugen; die Grenzfallzeichnung beschreibt nur die einzelne Einheit.

Zwei Ketten nebeneinander. Links Bronchus verschlossen: Schleimpfropf, Luft dahinter wird resorbiert, Bezirk kollabiert mit homogener Verschattung, Blut fließt weiter, Shunt mit Verhältnis 0, PaO₂ fällt, Sauerstoff hilft nur begrenzt; Ergebnis Belüftung zurück durch Entfernen des Pfropfs, zum Beispiel bronchoskopisch. Rechts Gefäßast verschlossen: Embolus, Belüftung bleibt, Totraum mit Verhältnis gegen unendlich, PaCO₂ steigt erst bei großem Ausfall, Blut wird umverteilt, dort niedriges Verhältnis und mögliche Hypoxämie; Ergebnis Gefäß darstellen mit CT-Pulmonalisangiografie.

Abbildung: Zwei Verschlüsse, entgegengesetzte Richtung. Fehlt die Luft, entsteht ein Shunt; fehlt das Blut, entsteht Totraum – und durch Umverteilung kann trotzdem eine Hypoxämie folgen. Die folgenden Aufnahmen zeigen beide Wege. Quelle: eigene Darstellung.

Thoraxröntgen eines Kleinkinds: die linke Thoraxhälfte ist vollständig verschattet, das Mediastinum ist nach links verlagert, die rechte Lunge ist normal belüftet.

Abbildung: Shuntmechanismus im Röntgenbild. Ein Schleimpfropf im linken Hauptbronchus hat die gesamte linke Lunge kollabieren lassen: homogene Verschattung links, Mediastinum zur kollabierten Seite verlagert („L“ markiert die linke Patientenseite). Die Lunge wird weiter durchblutet, aber nicht belüftet; das Kind war schwer hypoxämisch. Quelle: Heng M et al., Case Rep Pulmonol 2026;2026:3939387, Abb. 2, doi:10.1155/crpu/3939387; CC BY 4.0; eingeblendete Datums- und Patientenangaben abgeschnitten.

Drei bronchoskopische Bilder: weißlich-zähes Sekret verschließt das Lumen des linken Hauptbronchus.

Abbildung: Die Ursache in der Bronchoskopie desselben Kindes. Zähe Schleimpfropfen verlegen den linken Hauptbronchus; nach ihrer Entfernung wurde die Lunge wieder belüftet. Die Luft fehlte, nicht die Perfusion. Quelle: Heng M et al., Case Rep Pulmonol 2026;2026:3939387, Abb. 4, doi:10.1155/crpu/3939387; CC BY 4.0; unverändert.

Axiale CT-Pulmonalisangiografie: Pfeile zeigen auf Kontrastmittelaussparungen in Pulmonalarterienästen beider Seiten.

Abbildung: Die umgekehrte Richtung: Gefäßverschluss bei Lungenembolie. Die Pfeile markieren Kontrastmittelaussparungen (Emboli) in Pulmonalarterienästen beider Seiten. Dahinter liegende, weiter belüftete Alveolen erhalten weniger oder kein Blut – V̇A/Q̇ steigt bis zum Totraumgrenzfall. Quelle: Ghallab M et al., Cureus 2023;15(1):e34329, Abb. 3, doi:10.7759/cureus.34329; CC BY 4.0; Maßstabsleiste abgeschnitten.

Multiple Choice

Den Grenzfall erkennen

Aufgabe

Eine Alveolengruppe wird gut belüftet, erhält aber wegen eines vollständig verschlossenen Gefäßasts kein Blut. Welche Zuordnung passt für diese Einheit?

Die Tabelle hält die Angaben zur betroffenen Alveolengruppe fest.

MerkmalAngabe
BelüftungGut
Zuführender GefäßastVollständig verschlossen
BlutflussKein Blut erreicht die Einheit

Axiales CT des Thorax nach intravenösem Kontrastmittel im Weichteilfenster: hell kontrastierte Gefäße im Mediastinum; in der linken Pulmonalarterie (im Bild rechts) liegt eine graue Aussparung im hellen Gefäßlumen.

Abbildung (Aufgabenbild): CT-Pulmonalisangiografie. Das Kontrastmittel macht die Pulmonalarterien hell; suche im linken Hauptast (im Bild rechts) die graue Aussparung, die das Lumen ausfüllt. „[R]“ und „[L]“ markieren die Patientenseiten. Quelle: Aung Myat und Arif Ahsan, Thromb J 2007;5:20 (doi:10.1186/1477-9560-5-20), über Wikimedia Commons, CC BY 2.0, unteres Teilbild ausgeschnitten, auf doppelte Pixelgröße interpoliert.

  1. a)Shunt, weil Blut ohne Belüftung vorbeifließt.
  2. b)Alveolärer Totraum, weil Belüftung ohne Perfusion vorliegt.
  3. c)Reine Diffusionsstörung bei unveränderter Perfusion.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Befunde verbinden

Aufgabe

Ein Patient hat eine steife fibrotische Lunge und fällt bei Belastung mit sinkender Sättigung auf. Nenne zwei physiologische Mechanismen und erkläre, warum eine unauffällige Atemfrequenz in Ruhe diese Störung nicht ausschließt.

Die Tabelle trennt die Angaben in Ruhe und unter Belastung.

BereichGegebener Befund
LungeSteif und fibrotisch
BelastungSinkende Sättigung
RuheUnauffällige Atemfrequenz

Axiales CT im Lungenfenster auf Herzhöhe: beidseits unter der Pleura betonte netzartige Verdichtungen mit erweiterten, verzogenen Bronchien und kleinen randständigen Hohlräumen, rechts dorsal am deutlichsten.

Abbildung (Aufgabenbild): axiales CT im Lungenfenster bei steifer fibrotischer Lunge. Beschreibe zuerst Verteilung und Struktur der Veränderungen, bevor du die Mechanismen ableitest. „R“ und „L“ markieren die Patientenseiten. Quelle: Alghulayqah AI, Cureus 2026;18:e115529 (doi:10.7759/cureus.115529), Abb. 1B, CC BY 4.0, Teilbild B ohne Buchstaben ausgeschnitten.

In der App sprechen üben →

Thorax untersuchen

Lernziel: Du kannst den Thorax systematisch untersuchen und Befunde begründet einordnen.

Zuerst erkennen, ob Zeit für die Routine bleibt

Dyspnoe bezeichnet das subjektive Gefühl erschwerter Atmung. Sie kann mit oder ohne niedrige Sättigung auftreten. Beobachte bereits beim Gespräch Atemfrequenz und -tiefe, Sprechfähigkeit, Haltung, Bewusstsein und Hautkolorit. Bei Erwachsenen in Ruhe sind etwa 12–20 Atemzüge/min eine Orientierung, keine alleinige Entwarnungsgrenze. Zähle unauffällig; bei unregelmäßiger Atmung über eine volle Minute. Dokumentiere den Messzustand.

Der Einsatz von Hals- und Schulterhilfsmuskeln, Einziehungen, Nasenflügeln oder eine auffällig verlängerte Ausatmung kann erhöhte Atemarbeit anzeigen. Orthopnoe ist Atemnot im Liegen mit Besserung im Aufrichten; sie ist nicht allein beweisend für Herzinsuffizienz. Eine verlangsamte, flache Atmung oder nachlassende Atembewegung bei Erschöpfung kann bedrohlicher sein als laute, schnelle Atmung. Frühwarnscores wie NEWS2 vergeben für eine Atemfrequenz ab 25/min ebenso wie für 8/min und weniger die höchste Punktzahl. Zyanose hängt auch von Hämoglobin und Beleuchtung ab; ihr Fehlen schließt Hypoxämie nicht aus. Sichtbar wird eine zentrale Zyanose meist erst ab etwa 5 g/dl desoxygeniertem Hämoglobin.

Von der Beobachtung im Gespräch führen zwei Befundpaare zu Atemfrequenz und Hautfarbe sowie zu Atemarbeit und Lageabhängigkeit. Die Grenzen einzelner Zeichen werden anschließend mit konkreten Alarmzeichen zusammengeführt. Unten stehen sofortige Hilfe bei Alarmzeichen und strukturierte Untersuchung bei ausreichender Stabilität.

Abbildung: Prüfe bei jedem Einzelbefund seine Grenze und beurteile anschließend die Alarmzeichen gemeinsam. Quelle: eigene Darstellung.

Ablauf von der Beobachtung zur Einordnung: Atemfrequenz zählen, 12–20/min als Orientierung, Hautfarbe als spätes Zeichen mit Zyanose erst ab etwa 5 g/dl desoxygeniertem Hämoglobin; Kompensation mit Atemfrequenz ab 25/min, Hilfsmuskulatur, Einziehungen und verlängerter Ausatmung; Erschöpfung mit Atemfrequenz 8/min oder weniger, flacher Atmung und Schläfrigkeit. Ergebniszeile: keine Alarmzeichen, erhöhte Atemarbeit, Erschöpfung.

Abbildung: Steigende Atemarbeit ist zunächst schnell und sichtbar; bei Erschöpfung wird die Atmung langsamer und flacher – das ist keine Besserung. Punktwerte nach NEWS2 (Royal College of Physicians 2017). Quelle: eigene Darstellung.

AlarmzeichenBedeutung für die erste Handlung
Kaum sprechfähig, erschöpft oder bewusstseinsgestörtSofort Hilfe, ABCDE und Überwachung
Stridor mit zunehmender AtemnotAkute obere Atemwegsgefährdung prüfen
Akute einseitige Befunde plus KreislaufstörungZeitkritische Ursache erwägen; Routine abbrechen

ABCDE bedeutet eine priorisierte Beurteilung von Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischem Zustand und Umgebung/Gesamtexposition. Zu B gehören Atemfrequenz, Atemarbeit, SpO₂ und seitengleiche Belüftung, zu C Puls, Blutdruck und Rekapillarisierungszeit (normal unter 2 s), zu D Bewusstseinslage (ACVPU oder GCS) und Blutzucker. Bei Instabilität rufst du unmittelbar Unterstützung, behandelst lebensbedrohliche Probleme während der Untersuchung und überprüfst den Erfolg. Du wartest nicht auf einen kompletten Thoraxstatus oder ein Röntgenbild. Hier wird die Entscheidung zum Abbruch der Routine geübt; konkrete Notfalltherapien werden in den jeweiligen Akutkapiteln vertieft.

Entscheidungsweg vom ersten Eindruck: Bei Alarmzeichen sofort Hilfe und ABCDE – A Atemweg, B Atmung mit Atemfrequenz, Atemarbeit und SpO₂, C Kreislauf mit Rekapillarisierung normal unter 2 Sekunden, D Neurologie mit ACVPU oder GCS und Blutzucker, E Exposition; ohne Alarmzeichen strukturierte Untersuchung mit Inspektion, Palpation, Perkussion und Auskultation, bei Verschlechterung neu mit A beginnen. Nach jeder Maßnahme Neubeurteilung mit den Ergebnissen instabil, verändert oder stabil.

Abbildung 4: Alarmzeichen führen sofort zu ABCDE; die strukturierte Untersuchung gilt für eine ausreichend stabile Person. Bei Verschlechterung beginnt die Beurteilung erneut bei A. Quelle: eigene Darstellung.

Untersuchung erklären und sicher durchführen

Erkläre Zweck und Berührung, frage nach Schmerzen und hole Einverständnis ein. Sorge für Händehygiene, gereinigtes Stethoskop, eine warme Umgebung und Sichtschutz. Entkleide nur den notwendigen Bereich. Sitzende Untersuchung erleichtert den Zugang dorsal; bei Atemnot richtet sich die Lagerung nach Verträglichkeit. Bei Infektionsverdacht gelten passende Schutzmaßnahmen. Bei Schmerzen, Schwindel oder zunehmender Dyspnoe unterbrichst du und beurteilst neu.

  1. Inspektion: Thoraxform, Symmetrie, Atemtiefe, Frequenz, Atemarbeit, Narben und sichtbare Verletzungen. Beziehe die gesamte Person ein.
  2. Palpation: Vergleiche die Atemexkursion beider Seiten; prüfe vorsichtig schmerzhafte Stellen. Subkutanes Knistern kann auf Luft im Weichteilgewebe hinweisen. Der Stimmfremitus ist die mit den Händen fühlbare Übertragung tiefer gesprochener Laute; lass beispielsweise „neunundneunzig“ sprechen und vergleiche entsprechende Stellen.
  3. Perkussion: Klopfe systematisch auf Zwischenrippenräume, jeweils rechts und links auf vergleichbarer Höhe. Knochen und Schulterblätter verändern den Klopfschall. Eine Dämpfung weist auf mehr dichtes Material hin; hypersonorer Schall auf mehr Luft. Beides ist untersucherabhängig.
  4. Auskultation: Höre mit der Membran direkt auf der Haut, dorsal, seitlich und ventral, jeweils mehrere Atemzüge im Seitenvergleich. Bitte um etwas tiefere Atmung durch den offenen Mund. Bei Schwindel Pause. Achte auf Lautstärke, Ein-/Ausatmungsverhältnis und Nebengeräusche; Kleidung, Haare und Schlauchbewegung erzeugen Artefakte.

Von direktem Hautkontakt und Atemanweisung führt der Ablauf zum Seitenvergleich. Danach werden Artefaktquellen und Beschwerden während der Untersuchung nebeneinandergestellt. Lautstärke, Atemphasen und Nebengeräusche bilden die Beschreibung; Beschwerden verlangen Unterbrechung und Neubeurteilung.

Abbildung: Gehe die Hörbedingungen vor der Deutung durch; Beschwerden können die Untersuchung jederzeit unterbrechen. Quelle: eigene Darstellung.

Vorbereitung und vier Untersuchungsschritte: Inspektion von Thoraxform, Symmetrie, Atemtiefe und Atemarbeit; Palpation der Exkursion und des Stimmfremitus bei „neunundneunzig“; Perkussion rechts gegen links auf gleicher Höhe; Auskultation mit der Membran auf der Haut an Punktpaaren im 2. Interkostalraum medioklavikulär, in Höhe Th4–Th5 und Th9–Th10, dazu lateral. Ergebniszeile: seitengleich, Seitendifferenz, Unterbrechung bei Schmerz, Schwindel oder zunehmender Dyspnoe.

Abbildung: Jeder Schritt vergleicht rechts mit links; Beschwerden während der Untersuchung unterbrechen die Routine. Quelle: eigene Darstellung.

Foto eines unbekleideten Oberkörpers von vorn und von hinten mit sechs roten, nummerierten Punkten: vorn zwei Punkte unterhalb der Schlüsselbeine, hinten je zwei Punkte zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt sowie zwei basale Punkte.

Abbildung: Auskultationspunkte als Seitenpaare – ventral im 2. Interkostalraum in der Medioklavikularlinie (5/6), dorsal zwischen Wirbelsäule und medialem Schulterblattrand in Höhe Th4–Th5 (1/2) sowie dorsobasal auf halber Strecke zwischen Wirbelsäule und mittlerer Axillarlinie in Höhe Th9–Th10 (3/4). Höre jeden Punkt im Vergleich mit der Gegenseite; in der Untersuchung kommen seitliche und weitere Höhen hinzu. Quelle: Aviles-Solis JC, Storvoll I, Vanbelle S, Melbye H. Sci Rep 2020;10:8461, Abb. 2 (doi:10.1038/s41598-020-65354-w); Lizenz CC BY 4.0; zugeschnitten.

Der normale periphere Atemschall wird klinisch häufig „vesikulär“ genannt: relativ weich, vor allem inspiratorisch, mit kürzer hörbarer Exspiration. Über der zentralen Trachea ist bronchialer Atemschall normal. Deutlich bronchiales Atmen weit peripher kann bei verdichtetem Lungengewebe mit offenem zuführendem Bronchus auftreten.

BefundMechanische ErklärungGrenze
Dämpfung + schwaches Atemgeräusch + verminderter FremitusFlüssigkeit im Pleuraspalt dämpft ÜbertragungErgussverdacht, bildgebend prüfen
Dämpfung + bronchiales Atmen + verstärkter FremitusVerdichtetes Gewebe leitet bei offenem Bronchus besserKonsolidierung möglich; nicht immer vollständig
Hypersonor + einseitig leiseLuft im Pleuraspalt möglichKleine Befunde können klinisch fehlen

Ausgearbeitetes Beispiel

Rechts basal sind der Klopfschall gedämpft, Atemgeräusch und Fremitus abgeschwächt. Diese Kombination spricht für einen Pleuraerguss: Flüssigkeit verdrängt belüftete Lunge und schwächt die Übertragung zur Thoraxwand. Eine Konsolidierung bleibt eine Alternative; dort wäre bei durchgängigem Bronchus eher verstärkte Übertragung zu erwarten. Ein Ultraschall kann die Flüssigkeitsfrage direkt klären. Er erkennt schon etwa 20 ml Pleuraflüssigkeit zuverlässig, während im Röntgenbild p.a. der Randwinkel meist erst ab etwa 200 ml abstumpft. Aus dem Befund folgt noch keine Ergussursache.

Vom Klopfschall im Seitenvergleich zu drei Befundkombinationen: gedämpft mit vermindertem Fremitus und leisem Atemgeräusch spricht für einen Erguss, im Röntgenbild p.a. erst ab etwa 200 ml, sonografisch schon ab etwa 20 ml erkennbar; gedämpft mit verstärktem Fremitus und bronchialem Atmen für eine Konsolidierung, bei verlegtem Bronchus aber Fremitus vermindert; hypersonor mit vermindertem Fremitus und leisem Atemgeräusch für einen Pneumothorax. Ergebniszeile: Thoraxsonografie, Bildgebung mit Klinik, bei Kreislaufstörung zeitkritisch Routine abbrechen.

Abbildung: Erst die Kombination aus Klopfschall, Fremitus und Atemgeräusch weist auf den Übertragungsmechanismus hin; die Flüssigkeitsfrage klärt die Sonografie, die Ursache bleibt offen. Quelle: eigene Darstellung; Volumenangaben nach Soni NJ et al., J Hosp Med 2015;10:811–816.

Nebengeräusche beschreiben, bevor man deutet

Kontinuierliche musikalische Geräusche entstehen häufig durch schwingende verengte Atemwege. Hochfrequentes Giemen ist oft exspiratorisch; tieferes Brummen kann mit größeren Atemwegen und Sekret zusammenhängen. Akustisch dauern solche kontinuierlichen Geräusche länger als etwa 80 ms; Giemen liegt meist um 400 Hz und höher, Brummen unter 200 Hz. Beurteile die Veränderung nach Husten, wenn dies zumutbar ist. Stridor ist ein lautes, häufig inspiratorisches Geräusch bei oberer oder zentraler Atemwegsverengung. Sein Ort und Atemphasenbezug helfen bei der Lokalisation, ersetzen aber keine Atemwegseinschätzung.

Diskontinuierliche Rasselgeräusche werden als fein- oder grobblasig, früh-/spätinspiratorisch, basal oder diffus beschrieben. Ein einzelnes Rasselgeräusch dauert dagegen nur etwa 5 ms (fein, höher) bis 15 ms (grob, tiefer). Sie können unter anderem durch Öffnung kleiner Atemwege beziehungsweise Luftbewegung an Flüssigkeit entstehen. Feine basale inspiratorische Geräusche kommen etwa bei interstitiellen Prozessen oder Lungenödem vor; eine einzelne Klangqualität bestimmt nicht die Ursache. Pleurareiben klingt oberflächlich reibend und ist oft in beiden Atemphasen hörbar.

Zwei Spektrogramme von Lungengeräuschen mit markierten Abschnitten für Inspiration und Exspiration: oben zwei waagerechte Tonlinien in der Exspiration, mit Sternchen markiert; unten kurze senkrechte Striche in der Inspiration, mit Pfeilspitzen markiert.

Abbildung: Aufgezeichnete Lungengeräusche als Spektrogramm (waagerecht Zeit, senkrecht Frequenz). Oben Giemen: anhaltende Tonlinien in der Exspiration (Sternchen) – ein kontinuierliches, musikalisches Geräusch. Unten Rasselgeräusche: kurze, explosionsartige senkrechte Striche in der Inspiration (Pfeilspitzen) – ein diskontinuierliches Geräusch. Quelle: Aviles-Solis JC, Storvoll I, Vanbelle S, Melbye H. Sci Rep 2020;10:8461, Abb. 1 (doi:10.1038/s41598-020-65354-w); Lizenz CC BY 4.0; englische Bildtitel abgeschnitten, beide Teilbilder untereinander angeordnet.

Nebengeräusche nach Beschreibung von Seite, Ort, Atemphase und Klangqualität: kontinuierlich, länger als 80 ms – Giemen um 400 Hz und mehr, oft exspiratorisch; Brummen unter 200 Hz; Stridor laut, häufig inspiratorisch. Diskontinuierlich, etwa 5–15 ms – feine Rasselgeräusche um 5 ms, spätinspiratorisch und basal; grobe Rasselgeräusche um 15 ms; Pleurareiben oberflächlich in beiden Atemphasen. Ergebniszeile: diffuses Giemen beweist kein Asthma, feine Rasselgeräusche sind nicht immer kardial, kaum Atemgeräusch bei schwerer Atemnot ist keine Entwarnung.

Abbildung: Erst beschreiben, dann deuten – Dauer und Tonhöhe ordnen das Geräusch, aber nicht seine Ursache. Akustische Richtwerte nach Pramono RXA et al., PLoS One 2017;12:e0177926. Quelle: eigene Darstellung.

BeschreibungWichtige DeutungVermeide diesen Schluss
Diffuses exspiratorisches GiemenObstruktiver Mechanismus möglich„Damit ist Asthma bewiesen.“
Feine basale inspiratorische GeräuscheInterstitielle/alveoläre Prozesse erwägen„Immer kardiales Ödem.“
Kaum Atemgeräusch bei schwerer AtemnotSehr geringer Luftstrom oder andere Störung„Kein Giemen, also Entwarnung.“

Ein silent chest bei ausgeprägter Obstruktion kann bedeuten, dass zu wenig Luft strömt, um laute Geräusche zu erzeugen. Die NVL Asthma (Version 5.0, 2024) nennt fehlendes Atemgeräusch, flache Atmung, Zyanose, Bradykardie, Hypotonie und eine SpO₂ unter 92 % als Zeichen eines lebensbedrohlichen Anfalls; Sprechdyspnoe, eine Atemfrequenz ab 25/min, eine Herzfrequenz ab 110/min und ebenfalls eine SpO₂ unter 92 % kennzeichnen bereits einen schweren Anfall. Ein unauffälliger Auskultationsbefund schließt weder Embolie noch kleine Pneumonie oder kleinen Pneumothorax aus. Benenne deshalb Seite, Ort, Atemphase und Geräusch statt sofort eine Diagnose einzusetzen.

Bei schwerer Atemnot mit fast fehlendem Atemgeräusch wird zuerst der Luftstrom beurteilt: Thoraxbewegung, Sprechfähigkeit, Atemfrequenz, Herzfrequenz und SpO₂. Kriterien nach NVL Asthma: schwerer Anfall mit Sprechdyspnoe, Atemfrequenz ab 25/min, Herzfrequenz ab 110/min, SpO₂ unter 92 % und PEF unter 50 % des Bestwerts; lebensbedrohlich mit stiller Lunge, flacher oder frustraner Atemarbeit, Zyanose, Bradykardie, Hypotonie, SpO₂ unter 92 % und PEF unter 33 % oder unter 100 l/min. Danach andere Ursachen wie Pneumothorax, Erguss oder Erschöpfung. Ergebniszeile: sofort Hilfe und ABCDE, leise ist nicht besser, keine Routine.

Abbildung: Ein leiser Thorax bei schwerer Atemnot kann sehr geringen Luftstrom anzeigen. Kriterien nach NVL Asthma, Version 5.0 (2024), Abbildung 7. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Den nächsten Schritt begründen

Aufgabe

Bei einer kreislaufstabilen Person mit Atemnot findest du links basal Dämpfung, verminderten Fremitus und abgeschwächtes Atemgeräusch. Welche nächste Untersuchung beantwortet die Frage nach pleuraler Flüssigkeit unmittelbar am Bett am besten?

Die Tabelle fasst die gegebenen Untersuchungsbefunde zusammen.

BereichAngabe
KreislaufStabil
BeschwerdeAtemnot
Links basalDämpfung
StimmfremitusVermindert
AtemgeräuschAbgeschwächt
  1. a)Thoraxsonografie der betroffenen Region.
  2. b)Spirometrie zur Messung der Vitalkapazität.
  3. c)Pulsoxymetrie zur direkten Bestimmung der Flüssigkeitsmenge.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Praktischer Untersuchungsauftrag

Aufgabe

Führe an einem einverstandenen, stabilen Übungspartner unter fachkundiger Beobachtung eine strukturierte Thoraxuntersuchung durch. Erkläre vorher den Ablauf. Zeige den Seitenvergleich dorsal, lateral und ventral und formuliere danach einen kurzen tatsächlichen Befund. Bei fehlendem Übungspartner beschreibe den Ablauf; eine praktische Durchführung ist dadurch nicht ersetzt.

Die Tabelle zeigt den vorgegebenen Rahmen des praktischen Auftrags.

BereichVorgabe
ÜbungspartnerEinverstanden und stabil
BeobachtungFachkundig
RegionenDorsal, lateral und ventral
DokumentationKurzer tatsächlicher Befund
Ohne ÜbungspartnerAblauf beschreiben; ersetzt keine Durchführung

Ein Arzt hört mit dem Stethoskop den Rücken einer sitzenden Person im Krankenhaushemd ab; das Bruststück liegt dorsal neben der Wirbelsäule.

Abbildung (Aufgabenbild): dorsale Auskultation im Sitzen. Achte darauf, wo das Bruststück aufgesetzt ist, wie die Person sitzt und wie die Kleidung den Rücken freigibt. Quelle: National Cancer Institute (unbekannter Fotograf), über Wikimedia Commons, Gemeinfrei, Namensschild unkenntlich gemacht.

In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Dringlichkeit vor Vollständigkeit

Aufgabe

Ein Patient spricht nur einzelne Wörter, wirkt zunehmend schläfrig und atmet trotz schwerer Atemnot fast geräuschlos. Begründe, warum „kein Giemen“ keine Entwarnung ist und welche Priorität jetzt gilt.

Die Tabelle enthält die Beobachtungen aus dem Fall.

BeobachtungAngabe
SprechenNur einzelne Wörter
BewusstseinZunehmend schläfrig
AtmungSchwere Atemnot, fast geräuschlos
In der App sprechen üben →

Spirometrie einordnen

Lernziel: Du kannst Messqualität, Obstruktion und Bronchodilatatorantwort prüfen.

Was das Manöver tatsächlich misst

Bei der Spirometrie atmet eine Person über ein dicht umschlossenes Mundstück in ein Messgerät. Nach maximaler Einatmung wird rasch, kräftig und vollständig ausgeatmet. Zwischen maximaler Einatmung und Beginn der Ausatmung sollen dabei höchstens 2 Sekunden liegen. Die forcierte Vitalkapazität (FVC) ist das dabei ausgeatmete Gesamtvolumen. Das forcierte exspiratorische Volumen in einer Sekunde (FEV₁) ist der Anteil, der in der ersten Sekunde ausgeatmet wird. FEV₁/FVC ist der Anteil des Gesamtvolumens, der in dieser ersten Sekunde erreicht wird. Die Volumina stehen in Litern, das Verhältnis ist dimensionslos oder als Prozent angegeben.

ParameterWas er beschreibtHäufiger Irrtum
FEV₁Volumen in der ersten SekundeNicht dasselbe wie Spitzenfluss
FVCForciert ausatembares GesamtvolumenNicht die totale Lungenkapazität
FEV₁/FVCZeitliche AusatmungsbegrenzungNicht FEV₁ in Prozent des Sollwerts

Ablauf des forcierten Ausatemmanövers in vier nummerierten Schritten: 1 maximal bis zur totalen Lungenkapazität einatmen, bis zum Ausatemstart höchstens 2 Sekunden Pause; 2 explosiv ausatmen, das Volumen nach 1,0 Sekunden ist FEV₁, zögerlicher Start oder Husten in Sekunde 1 machen FEV₁ unbrauchbar; 3 vollständig bis zum Plateau ausatmen, das Gesamtvolumen ist die FVC, vorzeitiger Abbruch macht sie zu klein; 4 FEV₁/FVC berechnen, Beispiel 2,0 durch 4,0 Liter gleich 0,50. Ergebniszeile: gemessen werden FEV₁, FVC, FEV₁/FVC sowie Fluss- und Volumenkurven; nicht gemessen werden Residualvolumen und TLC, die eine Bodyplethysmografie braucht.

Abbildung: Ein Manöver liefert drei Zahlen – FEV₁ nach 1,0 s, FVC am Plateau und ihr Verhältnis. Residualvolumen und TLC bleiben für die Spirometrie unsichtbar. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

FEV₁ = 2,0 l, FVC = 4,0 l. Das Verhältnis ist 2,0/4,0 = 0,50 = 50 %. Es bedeutet, dass die Hälfte der forcierten Vitalkapazität in der ersten Sekunde ausgeatmet wurde. Ein FEV₁-Sollwert von 3,5 l würde dagegen FEV₁ = 57 % des Sollwerts ergeben. Diese beiden Prozentangaben beantworten unterschiedliche Fragen.

Aus den Ausgangswerten FEV₁ 2,0 Liter, FVC 4,0 Liter und FEV₁-Sollwert 3,5 Liter zweigen zwei Rechnungen ab. Links, Frage „Wie schnell?“: 2,0 geteilt durch die gemessene FVC 4,0 ergibt 0,50, also 50 Prozent der FVC in 1 Sekunde, beurteilt an der LLN des Verhältnisses. Rechts, Frage „Wie viel im Vergleich zu Gesunden?“: 2,0 geteilt durch den Sollwert 3,5 ergibt 57 Prozent des Sollwerts, deren Schweregrad über den FEV₁-z-Wert eingeordnet wird. Ergebniszeile: Verhältnis 0,50 unter LLN bedeutet Obstruktion; 57 Prozent des Solls beschreiben das Ausmaß. Hinweis unten: „FEV₁ 57 %“ nicht als FEV₁/FVC lesen.

Abbildung: Derselbe FEV₁-Wert ergibt je nach Nenner 0,50 als Verhältnis zur FVC oder 57 % des FEV₁-Sollwerts – zwei Zahlen für zwei verschiedene Fragen. Quelle: eigene Darstellung.

Erst Qualität, dann Diagnose

Das Ergebnis hängt von Mitarbeit und Technik ab. Erkläre das Manöver, demonstriere es und prüfe den dichten Mundschluss; eine Nasenklemme begrenzt Leckage. Erhebe vorausgegangene Medikamenteneinnahme und dokumentiere, ob die Messung vor oder nach Bronchodilatation erfolgt. Eine Änderung der Medikation vor der Untersuchung erfolgt nach ärztlicher Testplanung, nicht eigenständig durch den Patienten.

Zeichnung: Ein sitzender Patient trägt eine Nasenklemme, umschließt das Mundstück des Spirometers dicht mit den Lippen und hält das Griffstück; eine Fachkraft steht daneben und beobachtet ihn, das Messgerät mit Bildschirm und Ausdruck steht auf einem Wagen.

Abbildung: Durchführung der Spirometrie – Nasenklemme gegen Leckage über die Nase, Lippen dicht um das Mundstück, aufrechte Haltung; die Fachkraft leitet an, feuert während der forcierten Ausatmung an und beobachtet die Kurve am Gerät. Quelle: National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH), Wikimedia Commons, gemeinfrei; englische Beschriftungen entfernt, vergrößert.

Sicherheitsfragen gehören vor den Test: Akute instabile kardiorespiratorische Erkrankung, unbehandelter Pneumothorax, relevante Hämoptysen unklarer Ursache oder kürzlich erfolgte bestimmte Operationen erfordern eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung beziehungsweise Verschiebung. Die ATS/ERS-Empfehlung von 2019 nennt als Beispiele einen Herzinfarkt innerhalb einer Woche, Augen-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohroperationen innerhalb einer Woche sowie Thorax-, Bauch- oder Hirnoperationen innerhalb von vier Wochen. Dies sind keine austauschbaren starren Wartefristen. Bei Schmerzen, Präsynkope, starker Atemnot oder Erschöpfung wird abgebrochen und beurteilt. Hygiene, Filter und Aufbereitung richten sich nach Gerät und lokaler Vorgabe.

Sicherheitscheck vor dem forcierten Manöver. Oben vier rot gerahmte Gruppen relativer Kontraindikationen: Herz und Kreislauf mit Herzinfarkt unter 1 Woche, instabiler Lungenembolie, dekompensierter Herzinsuffizienz und schwerer Hypo- oder Hypertonie; Kopf und Auge mit Augenoperation unter 1 Woche, Hirnoperation unter 4 Wochen, Hirnaneurysma und Gehirnerschütterung mit anhaltenden Beschwerden; Thorax, Bauch und Ohr mit Pneumothorax, Thorax- oder Bauchoperation unter 4 Wochen, Nasennebenhöhlen- oder Ohroperation unter 1 Woche und später Schwangerschaft; Infektionsschutz mit aktiver oder vermuteter Tuberkulose, Hämoptysen sowie Blutung oder Läsion im Mund. Trifft mindestens eines zu, wird abgewogen: verschieben oder gezielt unter Aufsicht messen und die Entscheidung dokumentieren; trifft keines zu, wird das Manöver erklärt und demonstriert, mit Nasenklemme, dichtem Mundschluss, Filter und Gerätehygiene. Während des Manövers: Abbruch und Beurteilung bei Schmerz, Präsynkope, starker Atemnot oder Erschöpfung, sonst fortsetzen bis zur ausreichenden Qualität, meist höchstens 8 Versuche.

Abbildung: Relative Kontraindikationen nach ATS/ERS 2019 führen zur Abwägung, nicht automatisch zum Verzicht. Schmerz, Präsynkope, starke Atemnot oder Erschöpfung beenden das Manöver. Quelle: eigene Darstellung.

Ein zögerlicher Beginn kann FEV₁ verfälschen; Husten in der ersten Sekunde macht dieses FEV₁ unzuverlässig. Ein vorzeitiger Abbruch vermindert FVC und kann dadurch ein zu hohes Verhältnis vortäuschen. Schlechter Mundschluss lässt Volumen entweichen. Die Fluss-Volumen- und Volumen-Zeit-Kurven gehören deshalb zur Befundung. Als Maß für einen ausreichend kräftigen Start soll das rückextrapolierte Volumen unter 5 % der FVC oder unter 0,100 l liegen, je nachdem, welcher Wert größer ist.

Die Tabelle ordnet typische Manöverfehler ihrer Wirkung und dem Hinweis in der Kurve zu.

FehlerWirkung auf die WerteHinweis in der Kurve
Zögerlicher StartFEV₁ unzuverlässigFlacher Anstieg, rückextrapoliertes Volumen zu groß
Husten in Sekunde 1FEV₁ nicht verwertbarZacke oder Einbruch im Fluss
Vorzeitiger AbbruchFVC zu klein, Verhältnis zu hochKein Plateau in der Volumen-Zeit-Kurve
Undichter MundschlussVolumen fehlt, Werte zu niedrigKleinere, oft unregelmäßige Kurve

Gerätedruck einer exspiratorischen und inspiratorischen Fluss-Volumen-Kurve: Fluss in Litern pro Sekunde über dem Volumen in Litern. Der exspiratorische Schenkel oben erreicht etwa 4,8 Liter pro Sekunde, fällt danach unregelmäßig ab und zeigt bei etwa 1,3 Litern eine schmale, steile Flusszacke, laut Quelle durch Husten; die Ausatmung endet bei etwa 1,7 Litern. Unten liegt der inspiratorische Schenkel. Zusätzlich zeigt der Ausdruck eine schwarze, dreieckige Sollkurve des Geräts mit Gipfel bei etwa 7,3 Litern pro Sekunde und Ende bei etwa 3,5 Litern sowie Kreuzmarkierungen und senkrechte Striche.

Abbildung: Messkurve mit typischem Hustenartefakt, laut Quelle vom Prüfmodul als Husten erkannt (oben Ausatmung, unten Einatmung). Die schwarze dreieckige Linie ist die vom Gerät eingeblendete Sollkurve, keine Messung; Kreuze und senkrechte Striche sind Gerätemarkierungen einzelner Flusswerte und ihrer Sollbereiche. Die steile, schmale Zacke im exspiratorischen Schenkel ist kein Atemwegsbefund, sondern ein Manöverfehler. Fällt Husten in die erste Sekunde, ist FEV₁ dieses Manövers nicht verwertbar; den Versuch wiederholen statt deuten. Quelle: Wang Y, Li Y, Chen W et al. Deep learning for spirometry quality assurance with spirometric indices and curves. Respir Res 2022;23:98, Abb. 1a (Ausschnitt), doi:10.1186/s12931-022-02014-9; CC BY 4.0; Teilbildbuchstabe, Legende und Modellausgabe entfernt, vergrößert.

Bei Erwachsenen wird üblicherweise eine Serie mit mindestens drei akzeptablen Messungen angestrebt. Die beiden größten akzeptablen FEV₁-Werte und die beiden größten FVC-Werte sollen jeweils höchstens 0,150 l auseinanderliegen; sie müssen nicht aus demselben Manöver stammen. Weitere Manöver sind bei Bedarf und Verträglichkeit möglich, üblicherweise höchstens acht. Reproduzierbarkeit ersetzt nicht die Akzeptabilität jedes einzelnen Manövers. Ein Sechs-Sekunden-Manöver ist kein universelles Gütesiegel; ein ausreichend vollständiges Ausatemende muss anhand der Kriterien beurteilt werden. Nach ATS/ERS 2019 ist das Ausatemende erreicht, wenn sich das Volumen mindestens eine Sekunde lang um weniger als 0,025 l ändert, wenn 15 Sekunden Ausatemzeit erreicht sind oder wenn die FVC innerhalb der Wiederholbarkeitstoleranz der bisher größten FVC liegt. Die Serie erhält für FEV₁ und FVC getrennt einen Qualitätsgrad von A (mindestens drei akzeptable Manöver, Abstand höchstens 0,150 l) bis F (kein verwertbares Manöver).

Qualitätsprüfung in vier Schritten. 1 Start des Manövers für FEV₁: höchstens 2 Sekunden Pause bis zum Ausatemstart, rückextrapoliertes Volumen unter 5 Prozent der FVC beziehungsweise unter 0,100 Liter, je nachdem, welcher Wert größer ist, kein Husten in der ersten Sekunde. 2 Ende des Manövers für die FVC: Plateau mit weniger als 0,025 Liter Volumenänderung in 1 Sekunde, oder 15 Sekunden Ausatemzeit, oder FVC innerhalb von 0,150 Liter der größten bisherigen FVC; kein Leck, kein vorzeitiger Abbruch. Sind die Kriterien erfüllt, zählt das Manöver als akzeptabel, Ziel mindestens 3; sonst nicht verwerten, neu anleiten und wiederholen, meist höchstens 8 Versuche. 3 Wiederholbarkeit: die beiden größten FEV₁- und die beiden größten FVC-Werte jeweils höchstens 0,150 Liter auseinander, auch aus verschiedenen Manövern; das ersetzt nicht die Akzeptabilität jedes Manövers. 4 Qualitätsgrad, für FEV₁ und FVC getrennt: A mindestens 3 akzeptabel und höchstens 0,150 Liter, B 2 akzeptabel und höchstens 0,150 Liter, C bis E größerer Abstand oder nur 1 akzeptabel, U oder F nur verwertbar oder nicht verwertbar.

Abbildung: Akzeptabilität jedes Manövers und Wiederholbarkeit der Serie getrennt prüfen; sechs Sekunden allein sichern die Qualität nicht. Der Qualitätsgrad A bis F fasst die Serie für FEV₁ und FVC getrennt zusammen. Quelle: eigene Darstellung.

Oben Volumen-Zeit-Kurven bis 6 Sekunden mit gestrichelter Linie bei 1 Sekunde: normal erreicht FEV₁ 4,0 Liter und FVC 5,0 Liter, Verhältnis 0,80; obstruktiv steigt langsamer, FEV₁ 2,0 Liter, FVC 4,0 Liter, Verhältnis 0,50; klein erreicht FEV₁ 2,2 Liter und FVC 2,5 Liter, Verhältnis 0,88. Unten exspiratorische Fluss-Volumen-Kurven: normal mit Spitzenfluss 9 Litern pro Sekunde und geradem Abfall bis 5,0 Liter; obstruktiv mit niedrigerem Spitzenfluss und konkav durchhängendem Schenkel bis 4,0 Liter; klein schmal mit erhaltener Form bis 2,5 Liter. Ergebniszeile: normal bei FEV₁/FVC und FVC mindestens LLN; obstruktiv bei FEV₁/FVC unter LLN und konkavem Schenkel; kleine Kurve bei FVC unter LLN und normalem Verhältnis, dann TLC messen.

Abbildung: Idealtypische Modellkurven, keine Patientenmessungen. Ein langsamer Volumenanstieg und ein konkaver exspiratorischer Schenkel unterstützen den Obstruktionsverdacht; eine kleine Kurve mit normalem Verhältnis bestätigt allein keine Restriktion – dafür ist die TLC nötig. Quelle: eigene Darstellung.

Obstruktion und Restriktion unterscheiden

Sollwerte berücksichtigen unter anderem Alter, Körpergröße und das im Referenzmodell verwendete Geschlecht. Das Labor sollte Referenzgleichung und Qualitätsgrad angeben. Die untere Normgrenze (LLN, lower limit of normal) entspricht üblicherweise dem fünften Perzentil, also ungefähr einem z-Wert von −1,645. Ein z-Wert beschreibt die Abweichung von der Referenzverteilung. Werte nahe der Grenze werden zusammen mit Beschwerden, Messqualität und Verlauf beurteilt. Den Schweregrad einer Einschränkung stuft der ERS/ATS-Standard von 2022 nach dem z-Wert ein: −1,65 bis −2,5 leicht, −2,5 bis −4 mittelgradig, unter −4 schwer.

Für die allgemeine funktionelle Interpretation spricht FEV₁/FVC unter LLN für eine obstruktive Ventilationsstörung; so definieren es auch die aktuellen deutschen Lungenfunktionsempfehlungen. Für die COPD-Diagnose verlangt die deutsche NVL COPD ein postbronchodilatatorisches FEV₁/FVC unter LLN nach GLI-Referenzwerten; nur wenn die LLN nicht verfügbar ist, wird nachrangig die feste Grenze 0,70 genutzt. Internationale COPD-Empfehlungen wie GOLD verwenden weiterhin 0,70. Die starre Grenze kann altersabhängig anders klassifizieren als LLN; weder Regel macht ohne Anamnese und Kontext aus jeder Obstruktion eine COPD. Bei jüngeren Erwachsenen liegt die LLN meist über 0,70, bei älteren darunter: Die feste Grenze übersieht daher eher bei Jüngeren eine Obstruktion und stuft Ältere eher als obstruktiv ein.

Oben eine Glockenkurve der Referenzverteilung über der z-Wert-Achse; links der gestrichelten LLN-Linie bei z gleich −1,645, der 5. Perzentile, liegen 5 Prozent der Gesunden, rot schattiert. Darunter ein Farbband für den Schweregrad nach ERS/ATS 2022: schwer unter −4, mittelgradig von −4 bis −2,5, leicht von −2,5 bis −1,645, normal ab −1,645. Ein grauer Kasten erinnert, Werte nahe der LLN mit Beschwerden, Messqualität und Verlauf zu beurteilen und die Referenzgleichung, zum Beispiel GLI, anzugeben. Zweiter Teil „LLN oder feste Grenze 0,70?“ mit Beispielwerten: jüngere Person mit FEV₁/FVC 0,72 bei LLN 0,74 liegt unter LLN, nach der 0,70-Regel aber „normal“, die Obstruktion wird übersehen; ältere Person mit 0,67 bei LLN 0,62 liegt über LLN, nach der 0,70-Regel „obstruktiv“, eine Überdiagnose ist möglich. Ergebniszeile: Funktionsbefund FEV₁/FVC unter LLN nach ERS/ATS und Atemwegsliga; COPD nach NVL postbronchodilatatorisch unter LLN nach GLI, ohne LLN 0,70; COPD nach GOLD postbronchodilatatorisch unter 0,70 als fester Grenzwert.

Abbildung: Die LLN liegt beim z-Wert −1,645; der Schweregrad folgt dem z-Wert. Die Beispielwerte zeigen, warum die feste Grenze 0,70 bei Jüngeren Obstruktionen übersehen und bei Älteren überdiagnostizieren kann. Quelle: eigene Darstellung.

Bei normalem oder hohem Verhältnis und erniedrigter FVC besteht Restriktionsverdacht. Restriktion bedeutet eine erniedrigte totale Lungenkapazität (TLC). TLC enthält auch das Residualvolumen, das nach maximaler Ausatmung in der Lunge verbleibt und mit einfacher Spirometrie nicht direkt gemessen wird. Eine weiterführende Volumenmessung, beispielsweise Bodyplethysmografie, prüft die TLC.

Foto: Eine Patientin sitzt in einer durchsichtigen Messkabine, deren Tür zur Vorbereitung noch offen ist, und hat das Mundstück mit Bakterienfilter und Verschlussventil vor dem Mund; eine Fachkraft greift von außen an die Halterung des Mundstücks.

Abbildung: Bodyplethysmografie – während der Messung sitzt die Person in der luftdicht geschlossenen Kabine und atmet über Mundstück und Filter; im Foto ist die Tür zur Vorbereitung noch offen. Aus Druck- und Volumenänderungen in Kabine und Mund bei kurz verschlossenem Ventil wird das intrathorakale Gasvolumen bestimmt; zusammen mit den Atemmanövern ergeben sich daraus Residualvolumen und TLC, die die einfache Spirometrie nicht misst. Quelle: U.S. Navy, Foto: Deidre Smith (Naval Hospital Jacksonville), Flickr, gemeinfrei (Werk der US-Bundesregierung, Public Domain Mark); rechts beschnitten, Gesicht der Patientin unkenntlich gemacht.

Auch Obstruktion mit Luftfalle kann die FVC vermindern: Luft verbleibt in der Lunge, ohne dass die TLC erniedrigt sein muss. Schlechte Mitarbeit oder Adipositas können ebenfalls zum Muster beitragen. Erst erniedrigtes Verhältnis und erniedrigte TLC belegen eine kombinierte obstruktive und restriktive Störung.

Vier gestapelte Säulen zeigen die totale Lungenkapazität als Summe aus FVC und Residualvolumen, in Litern. Normal: FVC 4,8 plus RV 1,2 ergibt TLC 6,0. Restriktion: FVC 3,0 plus RV 1,0 ergibt erniedrigte TLC 4,0. Luftfalle: FVC 3,4 plus vergrößertes RV 3,2 ergibt TLC 6,6. Mitarbeit: gemessene FVC 3,5, darunter 1,3 nicht ausgeatmet, plus RV 1,2 ergibt TLC 6,0. Ergebniszeile: Referenz mit normaler TLC und normalem Verhältnis; TLC erniedrigt, Restriktion bestätigt; RV erhöht mit erniedrigtem FEV₁/FVC und nicht erniedrigter TLC; kein Plateau, Manöver wiederholen. Hinweis: Auch Adipositas kann die FVC senken; Restriktion ist erst belegt, wenn die TLC unter der LLN liegt.

Abbildung: Dieselbe kleine FVC kann aus kleiner TLC, vergrößertem Residualvolumen oder unvollständiger Ausatmung entstehen. Modellwerte in Litern; nur die TLC trennt Restriktion von Luftfalle. Quelle: eigene Darstellung.

Befundweg in vier Schritten. 1 Messqualität ausreichend, also mindestens 3 akzeptable Manöver und die zwei größten FEV₁- und FVC-Werte jeweils höchstens 0,150 Liter auseinander; wenn nein, wiederholen und nicht deuten. 2 Bei ja: FEV₁/FVC unter LLN, also z-Wert unter −1,645, mit GLI-Referenz nach Alter, Größe und Geschlecht, im Grenzbereich mit Klinik und Verlauf. Bei ja folgt 3a Obstruktion: FVC nicht unter LLN bedeutet reine Obstruktion, FVC unter LLN Luftfalle oder gemischte Störung. Bei nein folgt 3b keine Obstruktion: FVC nicht unter LLN bedeutet normale Spirometrie, FVC unter LLN mögliche Restriktion. 4 Bei erniedrigter FVC TLC messen mit Bodyplethysmografie; TLC unter LLN bedeutet Restriktion. Ergebniszeile: gemischt bei erniedrigtem Verhältnis und erniedrigter TLC; Luftfalle bei erniedrigtem Verhältnis und normaler oder erhöhter TLC; Restriktion bei normalem Verhältnis und erniedrigter TLC; unspezifisch bei normalem Verhältnis und normaler TLC.

Abbildung: Befundweg von der Messqualität über FEV₁/FVC und FVC zur TLC. Erst die TLC entscheidet zwischen Restriktion, Luftfalle, gemischter Störung und unspezifischem Muster. Quelle: eigene Darstellung.

KonstellationZulässige erste AussageNächste Klärung
Verhältnis unter LLNObstruktionKlinik, Bronchodilatation, ggf. Lungenvolumina
Verhältnis normal, FVC niedrigRestriktion möglichTLC und Messqualität prüfen
Verhältnis niedrig, FVC niedrigObstruktion; Luftfalle oder Kombination möglichTLC unterscheidet weiter

Multiple Choice

Die Behauptung prüfen

Aufgabe

Eine qualitativ ausreichende Spirometrie zeigt FEV₁/FVC = 0,85 bei LLN 0,71 und FVC unter LLN. Welche Formulierung ist korrekt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Spirometrie.

AngabeBefund
MessqualitätAusreichend
FEV₁/FVC0,85
LLN des Verhältnisses0,71
FVCUnter LLN

Ein Mann mit Schutzhelm und Schutzbrille atmet über ein weißes Einmalmundstück in den Sensor eines tragbaren Spirometers.

Abbildung (Aufgabenbild): Spirometriemanöver über ein Mundstück. Die Werte der Aufgabe stammen aus einer solchen forcierten Ausatmung. Quelle: NIOSH, über Wikimedia Commons, Gemeinfrei,.jpg; verkleinert.

  1. a)Eine Restriktion ist durch diese Spirometrie bewiesen.
  2. b)Ein normales Verhältnis schließt jede Lungenfunktionsstörung aus.
  3. c)Es besteht Restriktionsverdacht; zur Bestätigung ist die TLC nötig.
Lösung in der App →

Bronchodilatatorantwort richtig berechnen

Eine standardisierte Bronchodilatatorprüfung vergleicht qualitätsgesicherte Spirometrien vor und nach einem bronchienerweiternden Medikament. Präparat, Dosis, Inhalationstechnik und Wartezeit werden nach dem diagnostischen Protokoll festgelegt und dokumentiert. Soll die Antwort ohne Wirkung der Dauermedikation geprüft werden, nennt ATS/ERS 2019 nach ärztlicher Festlegung Pausen von 4–6 Stunden für kurzwirksame Beta-2-Agonisten, 12 Stunden für kurzwirksame Anticholinergika, 24 Stunden für langwirksame Beta-2-Agonisten und 36–48 Stunden für langwirksame Anticholinergika. Das Manöver prüft eine Funktionsänderung; es ist keine eigenständige Behandlungsempfehlung.

Der ERS/ATS-Interpretationsstandard von 2022 bewertet eine Zunahme von FEV₁ oder FVC um mehr als 10 % des jeweiligen Sollwerts als relevante Bronchodilatatorantwort; die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga (2024) übernehmen dieses Kriterium:

Änderung in % des Sollwerts = (Wert nachher − Wert vorher) / Sollwert × 100.

Ältere Befunde verwenden häufig das frühere ERS/ATS-Kriterium: Zunahme um mindestens 12 % des Ausgangswerts und zugleich mindestens 200 ml. Auch die NVL Asthma (2024) nennt eine FEV₁-Zunahme um mehr als 12 % beziehungsweise mehr als 200 ml als Befund, der ein Asthma wahrscheinlich macht. Das ist ein anderes Bezugssystem. Es darf weder mit dem Sollwertkriterium vermischt noch als universelles Kriterium für jede krankheitsspezifische Diagnostik ausgegeben werden. Für eine konkrete Asthma- oder COPD-Diagnose gelten zusätzlich die jeweiligen klinischen Kriterien.

Die Tabelle trennt die Bezugssysteme der Bronchodilatatorantwort.

RegelBezugsgrößeKriterium
ERS/ATS 2022; Deutsche Atemwegsliga 2024Jeweiliger Sollwert von FEV₁ oder FVCZunahme um mehr als 10 %
Früheres ERS/ATS-KriteriumAusgangswert und absolute ZunahmeMindestens 12 % und zugleich mindestens 200 ml
NVL Asthma 2024FEV₁-Zunahme; Asthma wahrscheinlicherMehr als 12 % beziehungsweise mehr als 200 ml

Ausgearbeitetes Beispiel

FEV₁ vorher 1,80 l, nachher 2,15 l, Sollwert 3,00 l. Differenz: 0,35 l. Bezogen auf den Sollwert: 0,35/3,00 × 100 = 11,7 %. Damit liegt eine relevante Antwort nach dem ERS/ATS-Kriterium vor. Diese Antwort bedeutet nicht automatisch, dass sich FEV₁/FVC normalisiert hat. Benenne im Befund die Funktionsänderung und eine gegebenenfalls fortbestehende Obstruktion getrennt. Ein fehlender akuter Effekt schließt Asthma nicht aus; ein positiver Effekt schließt COPD nicht aus.

Bronchodilatatortest nach ERS/ATS 2022 in vier Schritten. 1 Vorbereitung, falls ein Test geplant ist: Pausen für SABA 4 bis 6 Stunden, SAMA 12 Stunden, LABA 24 Stunden und LAMA 36 bis 48 Stunden, ärztlich festgelegt; Präparat, Dosis und Wartezeit dokumentieren. 2 Spirometrie vor und nach Inhalation: FEV₁ vorher 1,80 Liter, nachher 2,15 Liter, Sollwert 3,00 Liter, beide Serien qualitätsgesichert. 3 Rechnen: Differenz 0,35 Liter, geteilt durch 3,00 und mal 100 ergibt 11,7 Prozent des Sollwerts. 4 Einordnen: Kriterium mehr als 10 Prozent des Sollwerts für FEV₁ oder FVC; nicht mit der älteren Regel von mindestens 12 Prozent des Ausgangswerts und 200 Milliliter mischen; FEV₁/FVC nach Inhalation getrennt prüfen. Ergebniszeile: über 10 Prozent relevante Antwort, hier 11,7 Prozent, aber keine Diagnose; bis 10 Prozent nicht relevant, Asthma damit nicht ausgeschlossen; FEV₁/FVC nach Inhalation weiter unter LLN bedeutet fortbestehende Obstruktion, getrennt benennen.

Abbildung: Die absolute Änderung wird durch den Sollwert geteilt; 11,7 % erfüllen hier das ERS/ATS-Kriterium von mehr als 10 %. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Bezugswerte nicht vermischen

Aufgabe

FEV₁ steigt von 1,50 auf 1,75 l; der Sollwert beträgt 3,00 l. Berechne die Änderung nach ERS/ATS 2022. Vergleiche sie anschließend ausdrücklich mit der älteren Regel von mindestens 12 % des Ausgangswerts und mindestens 200 ml.

Die Tabelle zeigt die Ausgangswerte für beide Berechnungen.

MessgrößeWert
FEV₁ vorher1,50 l
FEV₁ nachher1,75 l
FEV₁-Sollwert3,00 l

Ein Kind inhaliert aus einem roten Dosieraerosol, das auf eine durchsichtige Vorschaltkammer mit blauem Mundstück aufgesteckt ist.

Abbildung (Aufgabenbild): Dosieraerosol mit Vorschaltkammer. Über ein solches System kann der Bronchodilatator zwischen der ersten und der zweiten Spirometrie gegeben werden. Quelle: U.S. Food and Drug Administration, über Wikimedia Commons, Gemeinfrei, Schrittnummer und Logo abgeschnitten.

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Freie Antwort

Einen Lungenfunktionsbefund formulieren

Aufgabe

Akzeptable und reproduzierbare Messung: FEV₁ = 1,40 l, FVC = 2,80 l; LLN des Verhältnisses 0,68. FVC ist unter LLN, TLC noch unbekannt. Formuliere einen Befund mit der entscheidenden Unsicherheit und einem nächsten Untersuchungsschritt.

Die Tabelle fasst die vorliegenden Messdaten zusammen.

MessgrößeAngabe
QualitätAkzeptabel und reproduzierbar
FEV₁1,40 l
FVC2,80 l; unter LLN
LLN des Verhältnisses0,68
TLCNoch unbekannt
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Thoraxbildgebung

Lernziel: Du kannst Grundbefunde erklären und das Verfahren zur klinischen Frage wählen.

Von der Frage zum Verfahren

Ein Bild wird für eine konkrete Frage angefordert: Gibt es pleurale Flüssigkeit? Eine flächige Verdichtung? Einen Pneumothorax? Einen Gefäßverschluss? Kein Verfahren beantwortet alle Fragen gleich gut. Ein vorhandenes Vorbild, Verlauf, klinische Stabilität und erwartete Konsequenz gehören zur Auswahl. Wiederholungen ohne neue Frage bringen oft wenig zusätzlichen Nutzen.

Von der Bildfrage zu Röntgen-Thorax (etwa 0,02 bis 0,07 mSv), Thoraxsonografie (keine Strahlung), CT Thorax (etwa 4 bis 6 mSv) und V/Q-Szintigrafie (etwa 1 bis 2 mSv); danach folgt die Frage, ob die Antwort das Vorgehen ändert: ja, gezielt anfordern; nein, verzichten; instabil, Klinik zuerst.

Abbildung 7: Auswahlhilfe für unterschiedliche diagnostische Fragen mit typischer effektiver Dosis. Vergleiche Stärke, Grenze und Dosis-Etikett jedes Verfahrens und prüfe zuletzt, ob die Antwort das Vorgehen ändert. Kein Ersatz für klinische Aufnahmen. Quelle: eigene Darstellung; Dosiswerte nach Bundesamt für Strahlenschutz (2026) und EANM.

VerfahrenStärkeWesentliche Grenze
Röntgen-ThoraxÜbersicht von Lunge, Pleura und HerzsilhouetteÜberlagerungen; kleine Befunde können fehlen
ThoraxsonografiePleura, Flüssigkeit, periphere Veränderungen am BettLuft verhindert Einblick in tiefe gesunde Lunge
CTSchnittbilder, Verteilung und genaue LokalisationIonisierende Strahlung; Protokoll bestimmt Aussage

Röntgen und CT verwenden ionisierende Strahlung. Sonografie nicht. Die rechtfertigende Indikation verlangt die Abwägung des individuellen Nutzens gegen das Strahlenrisiko; vorhandene Aufnahmen und gleich geeignete strahlungsfreie Alternativen werden berücksichtigt. In Deutschland erfolgt die entsprechende Indikationsstellung durch ärztliches Personal mit erforderlicher Fachkunde. Eine Schwangerschaft wird vor relevanten Untersuchungen erfragt und bei der Planung berücksichtigt; notwendige zeitkritische Diagnostik wird nicht pauschal ausgeschlossen. Die Exposition soll bei ausreichender diagnostischer Qualität möglichst gering bleiben. Zur Orientierung nennt das Bundesamt für Strahlenschutz für eine Röntgenaufnahme des Thorax etwa 0,02–0,07 mSv effektive Dosis und für eine Thorax-CT etwa 4–6 mSv; die natürliche Strahlenexposition liegt in Deutschland im Mittel bei etwa 2,1 mSv pro Jahr.

Sechs Schritte vor einer Röntgen- oder CT-Anforderung: konkrete Bildfrage, Vorbild prüfen, strahlungsfreie Alternative prüfen, rechtfertigende Indikation mit Dosisangaben, dann entweder Durchführung planen mit Schwangerschaftsfrage und Dosisoptimierung oder auf die Röntgenuntersuchung verzichten.

Abbildung: Vor der Exposition stehen die konkrete Frage, vorhandene Aufnahmen, gleich geeignete strahlungsfreie Alternativen und die rechtfertigende Indikation. Folge dem grünen Weg nur, wenn der Nutzen überwiegt. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Röntgenbild systematisch lesen

Beim Röntgenbild erscheinen stark strahlenabsorbierende Strukturen heller, luftreiche Bereiche dunkler. Ein Röntgen-Thorax ist eine Projektionsaufnahme: Strukturen verschiedener Tiefe liegen übereinander. Eine posteroanteriore Aufnahme (p.a., Strahlengang von hinten nach vorn) im Stehen unterscheidet sich von der oft am Bett angefertigten anteroposterioren Aufnahme (a.p.). Bei a.p.-Projektion kann die Herzsilhouette vergrößert erscheinen; unzureichende Inspiration verdichtet basal die Zeichnung und kann die Herzgröße überschätzen lassen. Die Leitlinie der Bundesärztekammer sieht für die p.a.-Aufnahme im Stehen einen Fokus-Detektor-Abstand von etwa 180 cm vor, im Liegen 90–120 cm; bei a.p. liegt das Herz zudem detektorfern und wird stärker vergrößert projiziert. Ein Herz-Thorax-Quotient über 0,5 spricht deshalb nur auf einer p.a.-Aufnahme im Stehen für ein vergrößertes Herz.

Beginne mit Zuordnung, Datum, Seite, Projektion und Position. Prüfe Rotation, Inspiration, Belichtung und Bewegungsunschärfe. Bei ausreichender Inspiration projizieren sich etwa 9–10 dorsale Rippen über das Zwerchfell; ohne Rotation steht der Dornfortsatz mittig zwischen den medialen Klavikulaenden. Vergleiche, soweit vorhanden, mit älteren Aufnahmen. Eine Rotation kann beispielsweise die scheinbare Lage des Mediastinums verändern. Erst danach folgen die Organe:

Fünf Schritte: Aufnahme zuordnen; p.a. im Stehen mit etwa 180 cm Fokus-Detektor-Abstand oder a.p. im Liegen mit 90 bis 120 cm; technische Qualität mit 9 bis 10 dorsalen Rippen und mittigem Dornfortsatz; Herz-Thorax-Quotient über 0,5 nur auf p.a. verwertbar; danach Organe. Ergebnis: technisch gut, eingeschränkt oder Vergleich mit Vorbild.

Abbildung: Projektion und technische Qualität beeinflussen die Beurteilung von Herzgröße, basaler Zeichnung und Mediastinallage. Prüfe zuerst die Zahlen in Schritt 2 bis 4, bevor du Organe beschreibst. Quelle: eigene Darstellung.

PrüfschrittWorauf achten?
Atemwege, Hili, MediastinumTrachea, Konturen, Seitendifferenzen
Herz und GefäßeSilhouette im Projektionskontext, Gefäßverteilung
LungenfelderTransparenz, Verdichtungen, Verteilung, Volumen
Pleura und ZwerchfellPleuralinie, Winkel, Flüssigkeit, freie Luft unter dem Zwerchfell
Skelett, Weichteile, MaterialKnochen, Weichteilluft, Lage sichtbarer Zugänge

Unauffällige posteroanteriore Thoraxröntgenaufnahme mit den Seitenmarkierungen Dx und Sin, mittiger Trachea, scharfen Zwerchfellkonturen und freien kostophrenischen Winkeln.

Abbildung 10: Unauffällige p.a.-Aufnahme einer jungen Erwachsenen. „Dx“ markiert die rechte, „Sin“ die linke Patientenseite; die rechte Patientenseite liegt im Bild links. Gehe die Prüfschritte der Tabelle durch: Trachea mittig, Herzsilhouette, Gefäßzeichnung bis in die Peripherie beider Lungenfelder, scharfe Zwerchfellkonturen, spitze kostophrenische Winkel und Magenblase unter dem linken Zwerchfell. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Beschreibe zunächst Ort, Seite, Ausdehnung und Muster. „Rechts basal flächige Verdichtung“ ist eine Beobachtung; „Pneumonie“ ist eine klinische Deutung. Die Silhouettenregel hilft bei der Lokalisation: Wenn eine normalerweise sichtbare Grenzfläche zwischen zwei Strukturen ähnlicher Dichte verschwindet, liegt die Veränderung oft unmittelbar an dieser Grenze. Der Verlust des rechten Herzrandes kann beispielsweise auf eine angrenzende Veränderung im Mittellappen hinweisen. Ebenso spricht ein verstrichener linker Herzrand für die Lingula, eine verstrichene Zwerchfellkontur für den Unterlappen und ein verstrichener Aortenknopf für den apikoposterioren linken Oberlappen; bleibt der Herzrand trotz Verdichtung scharf, liegt diese meist davor oder dahinter, etwa im Unterlappen. Das ist eine Lokalisation, kein Erregernachweis.

Frontale Thoraxaufnahme mit flächiger Verdichtung im rechten Mittel- bis Unterfeld, die an den rechten Herzrand heranreicht.

Abbildung 11: Frontale Thoraxaufnahme eines 67-jährigen Mannes, laut Bildquelle mit Mittellappenpneumonie. Im rechten Mittel- bis Unterfeld (im Bild links) liegt eine flächige, unscharf begrenzte Verdichtung, die an den rechten Herzrand heranreicht. Prüfe nach der Silhouettenregel, ob der Herzrand auf dieser Höhe noch scharf abgrenzbar ist. Die Seitenmarkierung „Sin“ steht spiegelverkehrt; maßgeblich ist ihre Lage auf der linken Patientenseite. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

Silhouettenzeichen: Ist eine Kontur verstrichen, grenzt die Verdichtung direkt an; rechter Herzrand entspricht Mittellappen, linker Herzrand Lingula, Zwerchfell Unterlappen, Aortenknopf linkem Oberlappen. Bleibt die Kontur scharf, liegt die Verdichtung davor oder dahinter. Ergebnis: Ort ja, Ursache nur mit Klinik, Erreger nicht aus dem Bild.

Abbildung: Silhouettenzeichen als Lokalisationshilfe. Suche in Abbildung 11 den rechten Herzrand und ordne die verstrichene Kontur dem Mittellappen zu. Quelle: eigene Darstellung.

Grundmuster und ihre Mechanismen

Eine Konsolidierung entsteht, wenn alveoläre Luft durch Flüssigkeit, Zellen oder anderes Material ersetzt wird. Der Bezirk wird dichter. Luftgefüllte Bronchien können als dunkle Verzweigungen in der Verdichtung erkennbar bleiben: Luftbronchogramm. Dies passt unter anderem zu Pneumonie, kann aber auch andere alveoläre Prozesse begleiten.

Bei einer Atelektase ist Lungengewebe vermindert belüftet und verliert Volumen. Verlagerte Fissuren, ein höher stehendes Zwerchfell oder Zug von Hilus/Mediastinum zur betroffenen Seite unterstützen den Volumenverlust. Eine Verdichtung ohne erkennbare Verlagerung beweist weder Atelektase noch deren Fehlen.

Zwei frontale Thoraxaufnahmen derselben Patientin nebeneinander: links ist die rechte Thoraxhälfte homogen verschattet und das Mediastinum zur rechten Seite verlagert, rechts ist die rechte Lunge wieder belüftet und das Mediastinum steht mittig.

Abbildung: Atelektase mit Volumenverlust bei einer beatmeten Intensivpatientin. b: Der Beatmungstubus liegt zu tief im linken Hauptbronchus; die gesamte rechte Lunge (im Bild links) ist nicht belüftet. Die rechte Thoraxhälfte ist homogen verschattet, Herz und Mediastinum sind zur betroffenen Seite gezogen. c: Nach Zurückziehen des Tubus ist die rechte Lunge wieder belüftet, das Mediastinum steht wieder mittig. Ein großer Erguss würde das Mediastinum dagegen eher zur Gegenseite verdrängen. Quelle: Dimos A, Xanthopoulos A, Triposkiadis F, Oxf Med Case Reports 2021;omab085 (doi:10.1093/omcr/omab085), CC BY 4.0; Teilbild a weggelassen, b und c nebeneinandergesetzt, interpoliert.

Ein Pleuraerguss ist Flüssigkeit im Pleuraspalt. Im stehenden Röntgenbild kann er den kostophrenischen Winkel verlegen und einen nach lateral ansteigenden Flüssigkeitsrand erzeugen. In der p.a.-Aufnahme geschieht das meist erst ab etwa 200 ml; ab etwa 500 ml ist die Zwerchfellkontur oft nicht mehr abgrenzbar. In der Seitaufnahme genügen etwa 50 ml, sonografisch etwa 20 ml. Im Liegen verteilt sich die Flüssigkeit anders; der typische Meniskus kann fehlen. Sonografie beantwortet die Flüssigkeitsfrage oft zuverlässiger am Bett.

Frontale Thoraxaufnahme mit ausgedehntem rechtsseitigem Pleuraerguss: homogene Verschattung des rechten Unter- und Mittelfeldes mit nach lateral ansteigendem Rand.

Abbildung 12: Frontale Thoraxaufnahme mit ausgedehntem rechtsseitigem Pleuraerguss (im Bild links). Die Verschattung ist homogen, der rechte kostophrenische Winkel und die rechte Zwerchfellkontur sind nicht abgrenzbar, der Flüssigkeitsrand steigt nach lateral an. Quelle: Kupelian C et al., J Med Case Rep 2025 (doi:10.1186/s13256-025-05451-4), über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Frontalbild aus einer Zweibildtafel ausgeschnitten.

Bei Pneumothorax trennt Luft viszerale und parietale Pleura. Eine feine viszerale Pleuralinie mit fehlender peripherer Gefäßzeichnung kann sichtbar sein. Hautfalten können diese Linie imitieren. Nach der britischen Leitlinie (BTS) gilt ein Saum von mindestens 2 cm auf Hilushöhe als großer Pneumothorax. In Rückenlage sammelt sich die Luft anders; ein ungewöhnlich tiefer lateraler kostophrenischer Winkel kann ein Hinweis sein. Ein Spannungspneumothorax ist eine klinische Notfallsituation; bei Kreislaufinstabilität wird die notwendige Akutbehandlung nicht bis zum Röntgenbild verzögert. Typisch sind Hypotonie, Hypoxie und ein zur Gegenseite verdrängtes Mediastinum.

Frontale Thoraxaufnahme in Exspiration bei linksseitigem Pneumothorax; ein Pfeil zeigt auf die viszerale Pleuralinie im linken Oberfeld.

Abbildung 13: Frontale Thoraxaufnahme in Exspiration bei linksseitigem Spontanpneumothorax (im Bild rechts). Der Pfeil zeigt auf die feine viszerale Pleuralinie; lateral davon fehlt die Lungengefäßzeichnung. Quelle: Mynameisderek, Wikimedia Commons, gemeinfrei; Texteinblendungen und Messskala am Bildrand abgeschnitten.

Trachea und Mediastinum als Volumenzeiger: Zug zur kranken Seite bei Atelektase, keine Verlagerung bei Konsolidierung, Druck zur Gegenseite bei großem Erguss oder Spannungspneumothorax; daraus folgen Ursachensuche, klinische Einordnung oder sofortiges Handeln.

Abbildung: Die Richtung der Mediastinalverlagerung unterscheidet Volumenverlust von raumforderndem Inhalt. Vergleiche mit der Atelektase-Abbildung: Dort zieht der Volumenverlust das Mediastinum zur kranken Seite. Quelle: eigene Darstellung.

MusterMechanismus / HinweisWas noch offen bleibt
Verdichtung mit LuftbronchogrammAlveoläre Füllung bei belüfteten BronchienInfektiöse oder andere Ursache
Verdichtung mit VolumenverlustKollaps / MinderbelüftungObstruktion, Kompression oder andere Ursache
Pleuraler FlüssigkeitshinweisErgussTranssudat, Exsudat, Blut oder Eiter
Pleuralinie, peripher keine ZeichnungPneumothoraxverdachtAusmaß und klinische Relevanz

Ausgearbeitetes Beispiel anhand einer Befundbeschreibung

Eine technisch ausreichende p.a.-Aufnahme wird so beschrieben: „Rechts basal homogene Verschattung, verlegter lateraler kostophrenischer Winkel und nach lateral ansteigender Rand.“ Diese Kombination spricht für einen Pleuraerguss; Abbildung 12 zeigt dieses Muster an einer echten Aufnahme. Das Bildmuster erklärt noch nicht dessen Ursache. Bei stabiler Person ist gezielte Sonografie sinnvoll, um Flüssigkeit und Lage zu bestätigen. Eine Punktion wäre eine zusätzliche, begründet zu planende Maßnahme und folgt nicht automatisch aus jeder Verschattung.

Bei einer stabilen Person mit basaler Verschattung, verlegtem kostophrenischem Winkel und lateral ansteigendem Rand klärt die gezielte Thoraxsonografie die lokale Flüssigkeitsfrage. Ein echoarmer bis echofreier Raum zwischen Thoraxwand und Lunge führt zum Ergussbefund; ein gewebeartiger peripherer Bezirk zum Konsolidierungsbefund. Ergussursache und Punktionsindikation folgen nicht automatisch, und zentrale Veränderungen können verborgen bleiben.

Abbildung: Die Sonografie unterscheidet am untersuchten Ort pleurale Flüssigkeit von peripherem Gewebe; Ursache, Punktion und Einblick in zentrale Lungenabschnitte bleiben begrenzt. Quelle: eigene Darstellung.

Vier Röntgenmuster mit Kennzeichen und Zahlen: Konsolidierung mit Luftbronchogramm, Atelektase mit Volumenverlust, Pleuraerguss ab etwa 200 ml in p.a., 50 ml seitlich und 20 ml sonografisch, Pneumothorax mit Saum ab 2 cm als groß. Danach beschreiben und Ursache offen lassen oder bei Spannungspneumothorax sofort handeln.

Abbildung: Volumenzeichen und Pleurazeichen helfen, ähnliche Verschattungen und Transparenzänderungen zu unterscheiden. Die Zahlen zeigen, warum ein kleiner Erguss im p.a.-Bild fehlen kann. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Beobachtung und Diagnose trennen

Aufgabe

In einer Befundbeschreibung steht: „Links basal flächige Verdichtung mit Luftbronchogramm.“ Die Person hat Fieber und Husten. Formuliere eine begründete Verdachtsdiagnose und nenne eine Aussage, die aus dem Bild allein nicht folgt.

Die Tabelle trennt die Angaben zum Bild von den Beschwerden.

BereichAngabe
OrtLinks basal
MusterFlächige Verdichtung mit Luftbronchogramm
BeschwerdenFieber und Husten

Abfotografierte frontale Thoraxaufnahme: im linken Unterfeld (im Bild rechts unten) eine flächige Verdichtung, in der die linke Zwerchfellkontur nicht scharf abgrenzbar ist; ein dünner schwarzer Kreis umrandet den Bereich.

Abbildung (Aufgabenbild): frontale Thoraxaufnahme, vom Leuchtkasten abfotografiert. Der Kreis aus der Originalaufnahme markiert den Bereich der Befundbeschreibung; vergleiche Zwerchfellkontur und Herzrand beider Seiten. Quelle: James Heilman, MD, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, Randtexte abgeschnitten.

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Thoraxsonografie: Gewebe und Artefakte verstehen

Bei der Sonografie wird Schall an Grenzflächen reflektiert. Rippen erzeugen Schallschatten; zwischen ihnen lässt sich die Pleuralinie aufsuchen. Die luftgefüllte Lunge verhindert einen normalen tiefen Gewebeeinblick. Viele wichtige Befunde sind deshalb Artefakte, also durch Schallausbreitung entstehende Zeichen, und keine direkt abgebildeten anatomischen Strukturen.

Lungengleiten ist die atemabhängige Bewegung an der pleuralen Grenzfläche. A-Linien sind horizontale Wiederholungsartefakte in regelmäßigen Abständen. Sie kommen in belüfteter Lunge vor und können auch bei Pneumothorax bestehen. B-Linien ziehen als vertikale helle Artefakte von der Pleuralinie bis zum unteren Bildrand, verdecken typischerweise A-Linien und bewegen sich bei vorhandenem Gleiten mit. Vermehrte B-Linien können einen interstitiellen beziehungsweise alveolär-interstitiellen Prozess anzeigen. Ihre Anzahl, Verteilung, Pleuraoberfläche und Klinik bestimmen die Deutung; sie sind kein alleiniger Beweis für ein kardiales Ödem. Nach internationalem Konsens gelten drei oder mehr B-Linien zwischen zwei Rippen als positiver Befund; diffuse beidseitige B-Linien mit glatter Pleuralinie passen eher zum kardialen Ödem, eine verdickte, unregelmäßige Pleuralinie eher zu ARDS oder Fibrose. Der Abstand der A-Linien entspricht dem Abstand von der Haut bis zur Pleuralinie.

Vier Lungensonografiebilder: a horizontale A-Linien unter der Pleuralinie, b mehrere abgrenzbare B-Linien, c zusammenfließende B-Linien, d gewebeähnliches Muster einer Konsolidierung.

Abbildung 14: Lungensonografie mit Konvexschallkopf. a: helle Pleuralinie mit darunterliegenden horizontalen A-Linien bei belüfteter Lunge; b: mehrere abgrenzbare B-Linien; c: zusammenfließende B-Linien; d: gewebeähnliches Muster einer Konsolidierung. B-Linien ziehen von der Pleuralinie bis zum Bildrand und überdecken die A-Linien. Quelle: Zhao Z et al., BMC Pulm Med 2015;15:98 (doi:10.1186/s12890-015-0091-2), CC BY 4.0; auf doppelte Pixelgröße interpoliert.

Artefakte unter der Pleuralinie: waagerechte A-Linien im Abstand Haut bis Pleura, bei belüfteter Lunge oder Pneumothorax; senkrechte B-Linien bis zum Bildrand, ab 3 pro Interkostalraum pathologisch. A-Profil mit Gleiten heißt belüftet, ohne Gleiten Pneumothorax möglich; vermehrte B-Linien werden nach Verteilung und Pleuraoberfläche eingeordnet.

Abbildung: A- und B-Linien sind Schallartefakte. Vergleiche mit Abbildung 14: Teilbild a zeigt A-Linien, b und c zeigen B-Linien. Quelle: eigene Darstellung.

Pleuraler Erguss erscheint häufig echoarm bis echofrei zwischen Thoraxwand und Lunge. Septen oder Echogenität können weitere Hinweise geben, ersetzen aber keine Analyse der Ursache. Eine periphere Konsolidierung kann gewebeartig aussehen, weil dort wenig Luft verbleibt. Zentral gelegene Veränderungen hinter belüfteter Lunge können unsichtbar bleiben.

Thoraxsonografie mit dunklem, echoarmem Flüssigkeitssaum zwischen Thoraxwand und Lunge; ein gelber gestrichelter Doppelpfeil markiert dessen Breite.

Abbildung 15: Thoraxsonografie bei Pleuraerguss. Der echoarme bis echofreie Raum zwischen Thoraxwand und Lunge ist die Flüssigkeit; der gelbe gestrichelte Doppelpfeil markiert den Abstand von der Thoraxwand bis zur Lungenoberfläche. Aus diesem Bild folgt keine Ursache des Ergusses. Quelle: Brogi E et al., Crit Care 2017;21:325 (doi:10.1186/s13054-017-1897-5), CC BY 4.0; auf doppelte Pixelgröße interpoliert.

Sonografisches ZeichenAussage am untersuchten OrtWichtige Grenze
Lungengleiten oder echte B-LinienPleuralblätter dort aneinanderliegend; gegen Pneumothorax an dieser StelleSchließt Pneumothorax anderswo nicht aus
Fehlendes GleitenPneumothorax möglichAuch Apnoe, Adhäsionen oder andere Ursachen
Lung PointWechsel zur anliegenden Pleura kann Pneumothorax stark stützenNicht immer auffindbar, besonders bei großem Befund
Flüssigkeit über dem ZwerchfellPleuraerguss möglichAbgrenzung gegen abdominelle Flüssigkeit nötig

Lungensonografie bei Pneumothorax: oben B-Bild mit heller Pleuralinie (weißer Pfeil) und einer A-Linie darunter (blauer Pfeil), unten M-Modus mit durchgehend horizontalen Linien ober- und unterhalb der Pleuralinie.

Abbildung: Lungensonografie bei Pneumothorax. Oben: Pleuralinie (weißer Pfeil) und A-Linie (blauer Pfeil), keine B-Linien. Unten: M-Modus entlang der Messlinie; auch unterhalb der Pleuralinie laufen nur gleichförmige horizontale Linien (Barcode- oder Stratosphärenzeichen), weil das Lungengleiten fehlt. Bei erhaltenem Gleiten entstünde dort ein körniges Muster (Seashore-Zeichen). Das Barcode-Zeichen allein beweist keinen Pneumothorax; es zeigt nur fehlendes Gleiten an dieser Stelle. Quelle: Beshara M, Bittner EA, Goffi A et al., Crit Care 2024;28:328 (doi:10.1186/s13054-024-05102-y), CC BY 4.0; interpoliert.

Lungensonografie mit Linearschallkopf: links ein B-Bild, in dem ein senkrechter Pfeil den Übergang von gleitender zu nicht gleitender Pleura markiert; rechts ein M-Modus, in dem Pfeile den Wechsel zwischen körnigem und streifigem Muster markieren.

Abbildung: Lung Point. a: B-Bild mit Linearschallkopf; der senkrechte Pfeil markiert den Übergang: links davon gleitet die Pleura, rechts davon fehlt das Gleiten. b: M-Modus; an den Pfeilen wechseln mit der Atmung körniges Muster (anliegende Lunge, Seashore-Zeichen) und gleichförmige Linien (Luft im Pleuraspalt, Barcode-Zeichen). Quelle: Skulec R, Parizek T, David M et al., Emerg Med Int 2021;2021:6897946 (doi:10.1155/2021/6897946), CC BY 4.0; interpoliert.

Ausgearbeitetes Beispiel

Bei einer beatmeten Person fehlt rechts apikal das Lungengleiten. Das allein beweist keinen Pneumothorax: Auch fehlende regionale Ventilation oder pleurale Adhäsionen können das Gleiten vermindern. Prüfe Situation, weitere sonografische Zeichen und andere Untersuchungsregionen. In Rückenlage steigt freie Luft nach ventral; dort wird zuerst gesucht. Klinische Instabilität hat Vorrang vor einer langen Bildsuche.

Sonografischer Ablauf bei Pneumothoraxverdacht: Region zuordnen, in Rückenlage ventral beginnen; Lungengleiten ja bedeutet anliegende Pleura; nein führt zur Frage nach echten B-Linien und danach nach einem Lung Point. Ergebnisse: lokal ausgeschlossen, Pneumothorax bestätigt oder Pneumothorax möglich, auch bei Apnoe, Adhäsion oder einseitiger Intubation.

Abbildung: Lungengleiten und echte B-Linien gelten am untersuchten Ort; fehlendes Gleiten allein beweist keinen Pneumothorax. Folge den Ja-/Nein-Ästen bis zum Lung Point. Quelle: eigene Darstellung.

Praktische Orientierung

An einem geeigneten Modell oder unter Supervision werden Schallkopfmarkierung, dargestellte Seite und Körperregion eindeutig zugeordnet. Der Untersuchende identifiziert Rippen, Pleuralinie und bei basaler Untersuchung das Zwerchfell; Befunde werden in mehreren Regionen und im Kontext dokumentiert. Eine sichere Punktion erfordert eine eigene praktische Ausbildung und ist nicht Teil dieses Bildorientierungsauftrags.

Der Untersuchungsweg beginnt mit Schallkopfmarkierung, Seite und Körperregion. Nach Rippen, Pleuralinie und gegebenenfalls Zwerchfell werden zur Ergussfrage basale und weitere Regionen untersucht; belüftete Lunge begrenzt dagegen den Einblick in zentrale Veränderungen. Die Dokumentation benennt mehrere untersuchte Regionen und die lokale Gültigkeit der Befunde.

Abbildung: Ein lokaler Schallbefund braucht eine eindeutige Ortsangabe; basale Fragestellung und begrenzter Einblick in die tiefe Lunge bestimmen seine Reichweite. Quelle: eigene Darstellung.

CT und nuklearmedizinische Ergänzung

Die CT bildet den Thorax in dünnen Schichten ab. Axiale Bilder werden üblicherweise so betrachtet, als blickte man von den Füßen in Richtung Kopf: Die rechte Patientenseite liegt links im Bild. Kontrolliere trotzdem immer die Seitenmarkierung. Lungenfenster macht Parenchym und luftführende Strukturen gut sichtbar; Weichteil-/Mediastinalfenster zeigt unter anderem Gefäße, Lymphknoten und Pleura besser. Dass eine Struktur in einem Fenster wenig auffällt, heißt nicht, dass sie fehlt. Die Dichte wird in Hounsfield-Einheiten (HU) angegeben: Luft etwa −1000 HU, Wasser 0 HU, Knochen bis etwa +1000 HU. Übliche Einstellungen sind etwa Weite 1500 HU bei Zentrum −600 HU für das Lungenfenster und 350–400 HU bei 40 HU für das Weichteilfenster.

Milchglastrübung bezeichnet erhöhte Dichte, durch die Gefäß- und Bronchuskonturen noch erkennbar bleiben. Bei Konsolidierung werden sie im betroffenen Bezirk stärker verdeckt. Retikuläre Veränderungen ergeben netzartige Linien; Emphysem zeigt verminderte Dichte und Verlust von Lungenstruktur. Diese Muster beschreiben Veränderungen und müssen nach Verteilung, Verlauf und Klinik eingeordnet werden. Eine einzelne Milchglastrübung ist keine spezifische Erregerdiagnose. In der quantitativen Auswertung gelten Lungenareale unter −950 HU als emphysematös.

Die Tabelle ordnet die CT-Muster nach Dichte und sichtbaren Strukturen.

MusterDichte / ZeichnungStrukturen
MilchglasErhöhte DichteGefäß- und Bronchuskonturen bleiben erkennbar
KonsolidierungVerdichtungGefäß- und Bronchuskonturen stärker verdeckt
Retikuläre VeränderungenNetzartige LinienNach Verteilung, Verlauf und Klinik einordnen
EmphysemVerminderte DichteVerlust von Lungenstruktur

Hounsfield-Skala von Luft bei minus 1000 über Lunge etwa minus 850, Fett etwa minus 100 und Wasser 0 bis Knochen um plus 1000; darunter Lungenfenster etwa 1500 zu minus 600 HU und Weichteilfenster etwa 400 zu 40 HU; CT-Muster nach Dichte: Milchglas und Konsolidierung erhöht, Netzlinien retikulär, Emphysem unter minus 950 HU vermindert.

Abbildung: Dichte, Fenster und Muster im CT. Achte darauf, welches Fenster welchen Dichtebereich in Graustufen zeigt. Quelle: eigene Darstellung.

Ausschnitt einer hochauflösenden CT im Lungenfenster mit fleckigen Milchglastrübungen, in denen Gefäße und Bronchuswände sichtbar bleiben.

Abbildung 16: Ausschnitt einer hochauflösenden CT im Lungenfenster mit fleckigen Milchglastrübungen. Das Parenchym ist dichter, Gefäße und Bronchuswände bleiben darin aber erkennbar. Laut Bildquelle handelt es sich um eine Pneumocystis-Pneumonie; das Muster allein ist keine Erregerdiagnose. Quelle: Allen CM et al., Ann Thorac Med 2010;5:201 (doi:10.4103/1817-1737.69106), CC BY.

Axiales CT-Bild des Thorax im Lungenfenster mit großflächig sehr dunklen, strukturarmen Lungenarealen und nur wenigen verbliebenen Gefäßen.

Abbildung: Axiale CT im Lungenfenster bei fortgeschrittenem Lungenemphysem. Weite Teile beider Lungen sind dunkler als normal und fast ohne Binnenstruktur; die verbliebenen Gefäße erscheinen als vereinzelte helle Punkte und Linien. Vergleiche mit Abbildung 16: Dort ist die Dichte erhöht, hier vermindert. Quelle: PLoS Medicine 2004;1(1):e25 (doi:10.1371/journal.pmed.0010025), über Wikimedia Commons, CC BY 3.0; interpoliert.

Eine dünnschichtige CT zur Parenchymfrage und eine CT-Pulmonalisangiografie zur Gefäßfrage sind unterschiedliche Untersuchungsprotokolle. Letztere benötigt passend getimtes intravenöses Kontrastmittel zur Beurteilung pulmonaler Arterien. Für die Parenchymfrage werden dünne Schichten von höchstens etwa 1,25 mm rekonstruiert. Eine unauffällige CT ohne geeignetes Gefäßprotokoll schließt eine Lungenembolie nicht zuverlässig aus. Bei geplantem iodhaltigem Kontrastmittel werden unter anderem frühere relevante Reaktionen, Nierenfunktion, akute Nierenschädigung und relevante Schilddrüsenerkrankungen in die individuelle Planung einbezogen. Nach der Leitlinie der European Society of Urogenital Radiology (ESUR) steigt das Risiko einer kontrastmittelassoziierten Nierenschädigung bei intravenöser Gabe vor allem bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m². Bei bekannter oder vermuteter Hyperthyreose oder Knotenstruma wird die Schilddrüsenfunktion vorher geprüft, weil iodhaltiges Kontrastmittel eine thyreotoxische Krise auslösen kann. Keine dieser Fragen wird durch das Wort „CT“ im Auftrag bereits beantwortet.

Axiales kontrastmittelverstärktes CT-Bild des Thorax im Weichteilfenster: hell kontrastierte Aorta und Pulmonalarterien, zwei Pfeile zeigen auf dunklere Aussparungen in Lungenarterienästen beider Seiten.

Abbildung: Kontrastmittelverstärkte CT im Weichteilfenster bei Lungenembolie. Das Kontrastmittel macht Aorta und Pulmonalarterien hell; die Pfeile zeigen dunklere Aussparungen (Füllungsdefekte) in Lungenarterienästen beider Seiten. In diesem Fenster erscheint die Lunge schwarz; Parenchymdetails beurteilt man im Lungenfenster. Quelle: Serra W, De Iaco G, Reverberi C, Gherli T, Cardiovasc Ultrasound 2007;5:26 (doi:10.1186/1476-7120-5-26), über Wikimedia Commons, CC BY 2.0; weißer Rand abgeschnitten, interpoliert.

Die Frage im Auftrag führt entweder zur Dünnschicht-CT mit Schichtdicke bis 1,25 mm im Lungenfenster oder zur CT-Pulmonalisangiografie mit iodhaltigem Kontrastmittel und Bolus im Truncus pulmonalis. Grenze: ohne Gefäßprotokoll keine sichere Embolieaussage. Vor Kontrastmittel: frühere Reaktion, eGFR unter 30 und Schilddrüse prüfen; bei Problemen V/Q-Szintigrafie erwägen.

Abbildung: Ein CT ohne geeignetes Gefäßprotokoll schließt eine Lungenembolie nicht zuverlässig aus. Schritt 4 zeigt die Prüfungen vor iodhaltigem Kontrastmittel. Quelle: eigene Darstellung.

Die Ventilations-/Perfusionsszintigrafie, häufig als SPECT, untersucht die Verteilung von eingeatmetem und intravenös verabreichtem Radiopharmakon. Eine regionale Perfusionsminderung bei relativ erhaltener Ventilation heißt Mismatch und kann in geeigneter Konstellation eine Embolie stützen. Bei gleichgerichteter Störung von Ventilation und Perfusion spricht man von Match. Nach der Leitlinie der European Association of Nuclear Medicine (EANM) wird eine Lungenembolie bei einem Mismatch von mindestens einem Segment oder zwei Subsegmenten berichtet; eine normale Perfusion schließt eine Embolie praktisch aus, ein Match spricht eher für eine Parenchymerkrankung wie COPD oder Pneumonie. Die Methode verwendet ebenfalls ionisierende Strahlung; sie ist keine strahlungsfreie Alternative; die effektive Dosis liegt bei etwa 1–2 mSv. Sie kann für ausgewählte Gefäßfragen eine Alternative zur CT-Angiografie sein, etwa wenn deren Durchführung problematisch ist. Auswahl und Bewertung verlangen klinische Vortestwahrscheinlichkeit und lokale Expertise; ein Mismatch ist nicht ohne Kontext die vollständige Diagnose.

Zwei planare Lungenszintigrafie-Aufnahmen von vorn nebeneinander: links Perfusion mit fehlender Aktivität rechts basal (rote Pfeile), rechts Ventilation mit an dieser Stelle erhaltener Aktivität.

Abbildung: Ventilations-/Perfusionsszintigrafie, planare Aufnahmen von vorn; die rechte Patientenseite liegt im Bild links. A: Perfusion; rechts basal fehlt Aktivität (rote Pfeile). B: Ventilation; dieselbe Region ist belüftet. Perfusionsausfall bei erhaltener Ventilation ist ein Mismatch. In diesem Fall wurde die Szintigrafie gewählt, weil iodhaltiges Kontrastmittel wegen der Nierensituation vermieden werden sollte; zusammen mit der Klinik führte der Befund zur Diagnose einer Lungenembolie. Quelle: Saiki R, Katayama K, Murata T et al., Reports 2025;8(2):42 (doi:10.3390/reports8020042), CC BY 4.0; interpoliert.

V/Q-Szintigrafie mit etwa 1 bis 2 mSv: Indikation mit Vortestwahrscheinlichkeit klären, Ventilation mit inhaliertem 99mTc-Aerosol oder 81mKr und Perfusion mit intravenösem 99mTc-MAA darstellen, Segment für Segment vergleichen. Ergebnisse: normale Perfusion schließt Embolie praktisch aus; Mismatch ab 1 Segment oder 2 Subsegmenten spricht für Embolie; Match eher für Parenchymerkrankung.

Abbildung: Match und Mismatch beschreiben regionale Verteilungsmuster; die klinische Einordnung bleibt erforderlich. Vergleiche mit der Szintigrafie-Abbildung: Der rechts basale Perfusionsausfall bei erhaltener Ventilation ist ein Mismatch. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Ein Verfahren gezielt auswählen

Aufgabe

Eine stabile Person hat rechts basal Dämpfung und eine unklare basale Verschattung im Röntgen-Thorax. Die konkrete Frage lautet zunächst „Pleuraerguss oder überwiegend verdichtetes Lungengewebe?“. Ein Kollege fordert sofort eine CT-Pulmonalisangiografie an. Begründe eine passende erste Untersuchung und erkläre, wann sich die CT-Frage ändern könnte.

Die Tabelle bündelt Befunde, Ausgangsfrage und den vorgeschlagenen Auftrag.

BereichAngabe
KlinikStabil; rechts basal Dämpfung
Röntgen-ThoraxUnklare basale Verschattung
AusgangsfragePleuraerguss oder überwiegend verdichtetes Lungengewebe?
Vorgeschlagener AuftragCT-Pulmonalisangiografie

Abfotografierte frontale Thoraxaufnahme: rechts basal (im Bild links unten) eine unscharf begrenzte, fleckige Verschattung neben dem Herzrand; ein dünner schwarzer Kreis umrandet den Bereich.

Abbildung (Aufgabenbild): frontale Thoraxaufnahme mit der unklaren basalen Verschattung rechts (im Bild links), vom Leuchtkasten abfotografiert; der Kreis stammt aus der Originalaufnahme. Quelle: James Heilman, MD, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, Randtexte mit Datum abgeschnitten.

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Multiple Choice

Fehlendes Lungengleiten einordnen

Aufgabe

Welche Aussage ist korrekt?

Die Tabelle bündelt die Beobachtungen und Bezugsräume aus den Antwortmöglichkeiten.

AspektGenannte Möglichkeiten
BewegungLungengleiten fehlt oder ist erhalten
ArtefaktA-Linien
Räumlicher BezugUntersuchter Ort oder gesamte Thoraxhälfte

Zwei M-Mode-Aufnahmen der Lunge nebeneinander, jeweils oben das B-Bild mit senkrechter Messlinie: links unterhalb der hellen Pleuralinie ein körniges Muster, rechts über die ganze Bildtiefe nur waagerechte Linien.

Abbildung (Aufgabenbild): M-Mode an zwei verschiedenen Untersuchungsorten. Vergleiche in beiden Aufnahmen das Muster oberhalb und unterhalb der Pleuralinie. Quelle: Ricchetti L et al., Cureus 2025;17:e88306 (doi:10.7759/cureus.88306), Abb. 1 und 2, CC BY 4.0, Abb. 1 und 2 nebeneinander gesetzt.

  1. a)Fehlendes Lungengleiten beweist an jedem untersuchten Ort einen Pneumothorax.
  2. b)Erhaltenes Lungengleiten spricht am untersuchten Ort gegen einen Pneumothorax.
  3. c)A-Linien schließen einen Pneumothorax der gesamten Thoraxhälfte aus.
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Multiple Choice

Den entscheidenden Röntgenbefund benennen

Aufgabe

Ein Patient mit bekannter Lungenentzündung bekommt plötzlich rechtsseitige Thoraxschmerzen und mehr Atemnot. Er ist wach und kreislaufstabil. Betrachte die frontale Aufnahme. Welche Beschreibung trifft den entscheidenden neuen Befund?

Frontale Thoraxaufnahme eines Patienten mit akuten rechtsseitigen Thoraxschmerzen; Aufgabenbild ohne Markierung.

Abbildung 17: Aufgabenbild. Quelle: Allen CM et al., Ann Thorac Med 2010;5:201 (doi:10.4103/1817-1737.69106), über Wikimedia Commons, CC BY.

  1. a)Rechts basal homogene Verschattung mit nach lateral ansteigendem Rand: Ergussverdacht.
  2. b)Zug von Trachea und Mediastinum zur rechten Seite: rechtsseitiger Volumenverlust durch Atelektase.
  3. c)Rechts lateral eine feine Pleuralinie, außerhalb davon keine Gefäßzeichnung: Pneumothoraxverdacht.
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Multiple Choice

Ein sonografisches Artefakt zuordnen

Aufgabe

Betrachte das Lungensonografiebild einer Person mit Atemnot. Die senkrechten Pfeile markieren Rippenschatten, der waagerechte Pfeil die Pleuralinie. Was markieren die beiden Pfeilspitzen im unteren Bildteil?

Lungensonografie mit Rippenschatten, Pleuralinie und zwei Pfeilspitzen im unteren Bildteil; Aufgabenbild.

Abbildung 18: Aufgabenbild; Pfeile und Pfeilspitzen stammen aus der Originalabbildung. Quelle: Shah SP et al., Crit Ultrasound J 2016;8:7 (doi:10.1186/s13089-016-0043-y), CC BY 4.0; Geräteeinblendungen am rechten Rand abgeschnitten, auf doppelte Pixelgröße interpoliert.

  1. a)Eine B-Linie, also ein senkrechtes helles Artefakt von der Pleuralinie bis zum Bildrand.
  2. b)Eine A-Linie, also ein horizontales Wiederholungsartefakt.
  3. c)Einen Pleuraerguss als echofreien Raum.
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Freie Antwort

Milchglas oder Konsolidierung?

Aufgabe

Ein 42-jähriger Mann hat Fieber und Husten. Betrachte das axiale CT-Bild im Lungenfenster. Bestimme die Patientenseite des auffälligen Bezirks, ordne das Muster als Milchglastrübung oder Konsolidierung ein und begründe deine Einordnung mit einer sichtbaren Struktur.

Axiales CT-Bild des Thorax im Lungenfenster mit einem verdichteten Bezirk neben der Wirbelsäule; Aufgabenbild.

Abbildung 19: Aufgabenbild. Quelle: Grottola A et al., Emerg Infect Dis 2012;18(11) (doi:10.3201/eid1811.120216), gemeinfrei (US-Regierungswerk, CDC); Teilbild B ohne Buchstaben ausgeschnitten, auf doppelte Pixelgröße interpoliert.

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Pulsoxymetrie

Lernziel: Du kannst SpO₂, Messfehler und die Grenzen normaler Sättigungswerte erklären.

Was der Sensor schätzt

Ein Pulsoxymeter nutzt die unterschiedliche Absorption von rotem und infrarotem Licht und isoliert den pulsierenden Signalanteil. Üblich sind rotes Licht von etwa 660 nm und infrarotes Licht von etwa 940 nm. Es schätzt die Sauerstoffsättigung des arteriellen Hämoglobins als SpO₂. Es misst weder direkt den arteriellen Sauerstoffpartialdruck PaO₂ noch die CO₂-Abatmung. Der arterielle Sättigungswert aus geeigneter Blutgasanalyse beziehungsweise CO-Oxymetrie und die periphere Schätzung sind verwandte, aber unterschiedliche Messgrößen.

Bei gesunden Erwachsenen auf Meereshöhe liegen Messwerte häufig bei etwa 95–100 %. In einer großen britischen Studie lag der Median bei 98 % für 18- bis 64-Jährige und bei 96 % für Ältere. Höhe, Alter, bekannte Erkrankungen und Situation beeinflussen die Erwartung. Ein unplausibler Wert verlangt Signal- und Patientenbeurteilung; ein „normaler“ Wert hebt Warnzeichen nicht auf. Mit zunehmender Hypoxämie und bei schlechtem Signal steigt die Unsicherheit. Bei kritisch Kranken weicht SpO₂ von der arteriellen Sättigung im 95-%-Bereich um bis zu etwa 4 Prozentpunkte ab. Kleine Unterschiede von ein oder zwei Prozentpunkten dürfen nicht automatisch als echte klinische Änderung behandelt werden.

Ablauf zum Vergleich von SpO₂-Werten: zuerst Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Signal prüfen; bei schwerer Atemnot oder Instabilität sofort helfen. Nur bei stabiler Person und zuverlässigem Signal Messbedingungen festhalten. Dann zwei Grenzen vergleichen: ein bis zwei Prozentpunkte bedeuten nicht automatisch eine klinische Änderung; unter Sauerstoff steigt die Sättigung bei PaO₂ von 100 auf 200 mmHg nur von etwa 97 auf 99 Prozent. Abschließend mit dem klinischen Verlauf verbinden: passende Werte mit Bedingungen berichten, bei Warnzeichen sofort klinisch helfen und CO₂ mit Blutgasen klären.

Abbildung: Vergleiche Sättigungswerte zusammen mit ihren Messbedingungen. Kleine Prozentunterschiede und hohe Werte unter Sauerstoff lassen wichtige Fragen offen; Warnzeichen haben Vorrang. Quelle: eigene Darstellung.

Fingerclip-Pulsoxymeter an einer Fingerkuppe; das Display zeigt links SpO₂ 96 Prozent und rechts eine Pulsfrequenz von 85 pro Minute.

Abbildung: Fingerclip-Pulsoxymeter in Gebrauch. Links steht die geschätzte arterielle Sättigung (SpO₂ 96 %), rechts die Pulsfrequenz (85/min). Die Zahl allein sagt nichts über Signalqualität, PaCO₂ oder Sauerstoffgehalt. Quelle: Stefan Bellini, Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pulox_Pulse_Oximeter.JPG), CC0 1.0; zugeschnitten.

Flussdiagramm in drei Schritten. 1 Messprinzip: zwei Wellenlängen, rot 660 nm und infrarot 940 nm; nur der pulsierende arterielle Anteil zählt; Ergebnis ist der geschätzte Anteil oxygenierten Hämoglobins. 2 Was die Zahl aussagt: Gesunde auf Meereshöhe meist 95 bis 100 Prozent, Median 98 Prozent bei 18 bis 64 Jahren und 96 Prozent bei Älteren, bei kritisch Kranken Abweichung zur arteriellen Sättigung bis plus minus 4 Prozent, 1 bis 2 Prozentpunkte sind keine sichere Änderung. 3 Was SpO₂ nicht misst, in drei Kästen: Ventilation (PaCO₂ nur per Blutgasanalyse, Hyperkapnie über 45 mmHg, Sauerstoffgabe hält SpO₂ hoch), Sauerstoffgehalt (Hb-Menge fehlt; Hb 7,5 statt 15 g/dl halbiert etwa den Sauerstoffgehalt) und Transport (Sauerstoffangebot gleich Gehalt mal Herzzeitvolumen; niedriges Herzzeitvolumen trotz 98 Prozent). Ergebniszeile: Zahl und Klinik passen, Wert verwerten; Zahl passt nicht, Signal prüfen und Blutgasanalyse erwägen; Warnzeichen, sofort handeln auch bei 98 Prozent.

Abbildung 8: Die Sättigung beantwortet eine begrenzte Messfrage. Lies zuerst, wie der Wert entsteht und wie genau er ist; die drei grauen Kästen zeigen, welche Fragen zusätzlich Blutgasanalyse, Hb-Wert und Kreislaufbeurteilung brauchen. Quelle: eigene Darstellung.

GrößeAussageKeine direkte Aussage über
SpO₂Geschätzte arterielle Hb-SättigungPaCO₂, Hb-Menge oder Herzzeitvolumen
PaO₂Sauerstoffpartialdruck im arteriellen BlutGesamten Sauerstoffgehalt allein
PaCO₂Zusammenhang von CO₂-Produktion und alveolärer VentilationOxygenierung allein

Bei Anämie können wenige vorhandene Hämoglobinmoleküle nahezu vollständig gesättigt sein. SpO₂ bleibt dann normal, obwohl weniger Sauerstoff pro Blutvolumen transportiert wird. Halbiert sich der Hb-Wert, etwa von 15 auf 7,5 g/dl, halbiert sich bei gleicher Sättigung auch ungefähr der Sauerstoffgehalt. Bei niedrigem Herzzeitvolumen kann auch der Transport zum Gewebe unzureichend sein, denn das Sauerstoffangebot ist das Produkt aus Sauerstoffgehalt und Herzzeitvolumen. Im oberen Bereich der O₂-Bindungskurve verändert sich die Sättigung wenig trotz größerer PaO₂-Änderungen; unter Sauerstoffgabe kann eine hohe SpO₂ daher auch keine exakte Aussage über das Ausmaß eines erhöhten PaO₂ liefern. Unter Standardbedingungen entsprechen etwa 50 % Sättigung einem PaO₂ von rund 27 mmHg, 75 % rund 40 mmHg und 90 % rund 60 mmHg. Steigt der PaO₂ unter Sauerstoff von 100 auf 200 mmHg, nimmt die Sättigung nur von etwa 97 auf 99 % zu.

Sauerstoffbindungskurve: waagerecht PaO₂ von 0 bis 200 mmHg, senkrecht Sättigung in Prozent. Markierte Punkte: 27 mmHg 50 Prozent, 40 mmHg 75 Prozent, 60 mmHg 90 Prozent, 100 mmHg 97 Prozent, 200 mmHg 99 Prozent. Der Bereich unter 60 mmHg ist als steiler Teil, der Bereich über 80 mmHg als flacher Teil hinterlegt. Darunter zwei Kästen: steiler Teil, 60 auf 40 mmHg senkt die Sättigung von 90 auf 75 Prozent; flacher Teil, 100 auf 200 mmHg hebt sie nur von 97 auf 99 Prozent, unter Sauerstoff ist die PaO₂-Höhe nicht ablesbar. Ergebniszeile: SpO₂ unter 90 Prozent bedeutet meist PaO₂ unter 60 mmHg, also Hypoxämie; SpO₂ 97 bis 100 Prozent unter Sauerstoff lässt die PaO₂-Höhe offen.

Abbildung: Sauerstoffbindungskurve unter Standardbedingungen (pH 7,40, 37 °C), mit Code aus der Severinghaus-Gleichung gezeichnet. Vergleiche die beiden Strecken: Links kostet ein kleiner PaO₂-Abfall viel Sättigung, rechts verändert ein großer PaO₂-Anstieg die Anzeige kaum. Quelle: eigene Darstellung.

Messung prüfen, ohne die Person aus dem Blick zu verlieren

Wähle den passenden Sensor und Messort, bringe ihn korrekt an und prüfe dessen Signalqualität beziehungsweise Plethysmografiekurve. Vergleiche den angezeigten Puls mit dem klinisch erhobenen Puls. Wärme eine kalte, schlecht durchblutete Hand, vermindere Bewegung und korrigiere störende Fremdlichteinwirkung. Entferne gegebenenfalls Nagellack oder wähle einen geeigneten alternativen Ort. Warte auf eine stabile Anzeige, wenn der Zustand das zulässt. Dokumentiere Sättigung, Signalqualität, Messort, Zeitpunkt, Atemfrequenz und Sauerstoffzufuhr mit Gerät und Fluss beziehungsweise eingestellter Konzentration. Ist kein zuverlässiges Pulsoxymetriesignal zu erhalten, empfiehlt die S3-Leitlinie eine Blutgasanalyse.

Flussdiagramm zur Messprüfung. 1 Person zuerst ansehen: Atemweg, Atemarbeit, Atemfrequenz, Bewusstsein; bei schwerer Atemnot oder Instabilität sofort Hilfe, den Sensor später. 2 Sensor und Messort: am Finger liegen Lichtquelle und Detektor gegenüber, Ohrläppchen als Alternative bei kalten Händen, Nagellack entfernen, Fremdlicht abschirmen. 3 Signal beurteilen: gleichmäßige Pulswellen in der Plethysmografiekurve, angezeigter gleich getasteter Puls, springende Werte wie 82 zu 96 Prozent sind unzuverlässig. Bei gutem Signal stabile Anzeige abwarten, wenn der Zustand es zulässt, und mit der Klinik abgleichen; bei schlechtem Signal Störquelle beheben: Hand wärmen, Bewegung vermindern, Sitz, Ort und Licht korrigieren. 4 Dokumentieren: SpO₂, Signalqualität, Messort, Uhrzeit, Atemfrequenz und Sauerstoff mit Gerät und Liter pro Minute beziehungsweise Prozent. Ergebniszeile: verwertbar bei guter Kurve und passendem Puls; unzuverlässig, Blutgasanalyse veranlassen; Verschlechterung, sofort Hilfe und Akutversorgung.

Abbildung: Signalprüfung in vier Schritten. Der rote Kasten steht bewusst vor der Technik: Eine instabile Person wird versorgt, bevor der Sensor optimiert wird. Die Bedingungen an den Ästen entscheiden, ob gewartet oder korrigiert wird. Quelle: eigene Darstellung.

Display eines Handpulsoxymeters mit SpO₂ 96 Prozent, Pulsfrequenz 72 pro Minute und einer Plethysmografiekurve aus gleichmäßigen, gut ausgebildeten Pulswellen.

Abbildung: Handpulsoxymeter mit Plethysmografiekurve. Gleichmäßige, deutlich ausgebildete Pulswellen und eine angezeigte Pulsfrequenz (hier 72/min), die zum getasteten Puls passt, sprechen für ein verwertbares Signal. Eine flache, zackige oder unregelmäßige Kurve macht auch den SpO₂-Wert (hier 96 %) fraglich. Quelle: Catrin Hird, Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hand_Held_Pulse_Oximeter.jpg), gemeinfrei (PD-self); Display ausgeschnitten, Herstellerschriftzug entfernt.

Die Dokumentation verbindet den Sättigungswert mit Messbedingungen und Sauerstoffzufuhr.

BereichDokumentierenZusatzangabe
MessungSättigung und SignalqualitätMessort und Zeitpunkt
AtmungAtemfrequenzSauerstoffzufuhr
SauerstoffzufuhrGerätFluss beziehungsweise eingestellte Konzentration
Fehlerquelle / GrenzeMögliche FolgePraktische Reaktion
Bewegung, kalte Extremität, MinderperfusionInstabile oder fehlerhafte WertePatient beurteilen, Signal verbessern, neu messen
Sensorfehllage, Nagellack, starkes LichtVerfälschung oder SignalverlustSitz/Ort/Umgebung korrigieren
Dunklere HautpigmentierungSättigung kann überschätzt und Hypoxämie übersehen werdenKlinik gewichten; bei Zweifel Blutgasbestätigung
COHb oder MetHbZweifarbmessung kann irreführenGezielte Blut-CO-Oxymetrie veranlassen

Aufgeklappter Pulsoxymetriesensor für das Ohrläppchen mit zwei gegenüberliegenden Sensorfenstern an den Innenseiten der Klemme.

Abbildung: Aufgeklappter Ohrläppchensensor. Lichtquelle und Fotodetektor liegen sich gegenüber; das Licht muss das dazwischenliegende, durchblutete Gewebe durchdringen. Deshalb verfälschen Fehllage und Fremdlicht die Messung. Liefert der Finger, etwa bei kalten Händen, kein stabiles Signal, kann das Ohrläppchen ein geeigneter alternativer Messort sein. Quelle: Stefan Bellini, Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pulsoximeter_f%C3%BCr_Ohrl%C3%A4ppchen.jpg), CC0 1.0; verkleinert.

Für Hautpigmentierung gibt es keine einfache verlässliche Korrekturzahl, die man am Bett abzieht. Eine passend aussehende Zahl ist bei Symptomen kein ausreichendes Ausschlussargument. Auch handelsübliche Geräte zur Freizeit- oder Wellnessnutzung sind nicht automatisch für klinische Entscheidungen geeignet.

Eine konventionelle Pulsoxymetrie unterscheidet Carboxyhämoglobin (COHb) nicht zuverlässig von oxygeniertem Hämoglobin; bei Kohlenmonoxidexposition kann sie gefährlich beruhigend aussehen. Auch Methämoglobin (MetHb) kann die Anzeige verfälschen. Der Sensorwert ist kein verlässlicher MetHb-Test. Bei relevanter Methämoglobinämie bleibt die Anzeige oft um 85 % stehen. Eine Labor-CO-Oxymetrie mit mehreren Wellenlängen kann relevante Hämoglobinfraktionen differenzieren. Normal sind COHb-Werte unter 3 % bei Nichtrauchern; Raucher können ohne Symptome bis etwa 10 % erreichen. Die COHb-Höhe korreliert nur schlecht mit den Symptomen. Für die Messung eignet sich laut deutscher S2k-Leitlinie venöses, arterielles oder kapilläres Blut. Der PaO₂ bleibt dabei oft normal, weil er den gelösten Sauerstoff und nicht die Hb-Fraktionen beschreibt. Detaillierte Intoxikationsbehandlung gehört in den entsprechenden Akutweg.

Vergleichsdiagramm bei CO-Exposition oder Verdacht auf Methämoglobin, wobei SpO₂ und PaO₂ unauffällig sein können. Links Pulsoxymeter: nur zwei Wellenlängen, 660 und 940 nm; COHb zählt wie oxygeniertes Hämoglobin, SpO₂ wirkt normal; bei MetHb Anzeige oft um 85 Prozent; Etikett kein Ausschluss. Rechts Blut-CO-Oxymetrie: mehrere Wellenlängen im Blutgasgerät, trennt oxygeniertes Hb, Desoxy-Hb, COHb und MetHb, venös, arteriell oder kapillär möglich; Etikett Referenzmethode. Darunter COHb einordnen: Nichtraucher normal unter 3 Prozent, Raucher bis 10 Prozent ohne Symptome, COHb-Höhe korreliert schlecht mit den Symptomen, PaO₂ bleibt normal, weil er gelösten Sauerstoff misst. Ergebniszeile: CO-Verdacht, sofort 100 Prozent Sauerstoff unabhängig von SpO₂; MetHb-Verdacht, CO-Oxymetrie und Akutweg.

Abbildung: Bei Dyshämoglobinen beantwortet nur die Blut-CO-Oxymetrie die Frage nach den Hb-Fraktionen. Vergleiche die beiden Etiketten: Das Pulsoxymeter kann eine CO-Belastung nicht ausschließen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Konsequenz aus Zahl und Klinik

Eine unerwartet niedrige SpO₂ wird parallel zu Atemweg, Atemarbeit, Bewusstsein und Kreislauf bewertet. Bei schwerer Atemnot oder Instabilität laufen Unterstützung und Akutversorgung sofort; eine Sensoroptimierung darf das nicht verzögern. Bei stabiler Person wird ein fragliches Signal überprüft und bei begründetem Zweifel mit geeigneter Blutgasanalyse geklärt. Neben der Sättigung gehören laut S3-Leitlinie Atemfrequenz, Puls, Blutdruck, Temperatur und Bewusstseinslage zur Einschätzung. Für die Blutgasanalyse eignet sich arterielles oder, außerhalb der Intensivstation, am Ohrläppchen arterialisiertes Kapillarblut.

Übersicht zur Blutgasanalyse bei Sauerstofftherapie. Nach Beurteilung von Atmung, Bewusstsein und Kreislauf stehen gleichrangige Anlassgruppen: kritisch krank mit Schock oder metabolischer Störung beziehungsweise jede Beatmungsform; schwere Hypoxämie mit mehr als sechs Litern Sauerstoff pro Minute oder FiO₂ über 0,4; Hyperkapnierisiko bei COPD, schwerem Asthma oder BMI über 40 kg pro Quadratmeter; und fehlendes zuverlässiges Signal durch Minderperfusion oder Bewegung. Geeignete Blutgasanalyse aus arteriellem Blut oder außerhalb der Intensivstation aus arterialisiertem Ohrläppchenblut erfasst PaO₂, PaCO₂ und pH. PaCO₂ über 45 mmHg bedeutet Hyperkapnie; bei Hyperkapnie und pH unter 7,35 wird Atemunterstützung ärztlich geprüft.

Abbildung: Die Anlassgruppen stehen gleichrangig nebeneinander: Jede kann eine Blutgasanalyse zur Überwachung der Sauerstofftherapie begründen. Die Probenwahl gehört zur Messfrage. Quelle: eigene Darstellung.

Algorithmus bei unerwartet niedriger SpO₂, also unter 92 Prozent oder bei Hyperkapnierisiko unter 88 Prozent. 1 Person sofort mitbeurteilen: Atemweg, Atemarbeit, Atemfrequenz, Puls, Blutdruck, Temperatur, Bewusstsein. Ast instabil zu 2a Sofort handeln: Hilfe rufen, Akutversorgung, Sauerstoff mit Zielbereich, Sensorsuche verzögert nichts. Ast stabil zu 2b Signal prüfen: Plethysmografiekurve und Pulsvergleich, wärmen oder anderer Messort; ist der Wert jetzt normal, Messfehler dokumentieren. Von 2a parallel und von 2b bei bleibend niedrigem Wert oder Zweifel zu 3 Blutgasanalyse: PaO₂, PaCO₂, pH; Hyperkapnie bei PaCO₂ über 45 mmHg; arteriell oder kapillär am Ohrläppchen. Ergebniszeile: Hypoxämie mit normalem PaCO₂, Ursache klären und Ziel 92 bis 96 Prozent; Hyperkapnie, Ziel 88 bis 92 Prozent und bei pH unter 7,35 nichtinvasive Beatmung ärztlich prüfen; unter 92 Prozent trotz mehr als 6 Liter Sauerstoff pro Minute, sofort erfahrene Ärztin oder erfahrener Arzt.

Abbildung: Bei niedriger Anzeige laufen Patientenbeurteilung und Signalprüfung nicht nacheinander, sondern nach Zustand getrennt. Verfolge den Ast „instabil“: Die Blutgasanalyse kommt parallel zur Akutversorgung, nicht davor. Quelle: eigene Darstellung.

Unter zusätzlichem Sauerstoff kann eine unzureichende alveoläre Ventilation lange hinter guter SpO₂ verborgen bleiben. Schläfrigkeit, flache Atmung oder eine klinische Verschlechterung verlangen daher auch eine CO₂-Beurteilung. Eine Hyperkapnie liegt bei einem PaCO₂ über 45 mmHg vor; ein pH unter 7,35 zeigt eine respiratorische Azidose an. Sauerstoff ist eine Therapie mit festgelegtem Zielbereich und Überwachung, nicht der automatische Versuch, jede Anzeige auf 100 % zu bringen. Er wird ärztlich mit Zielbereich, Gerät sowie Start- und Maximaldosis verordnet. Die deutsche S3-Leitlinie zur Sauerstofftherapie in der Akutversorgung (2021, derzeit in Überarbeitung) nennt für akut kranke, nicht beatmete Erwachsene ohne Hyperkapnierisiko eine SpO₂ von 92–96 % und bei Hyperkapnierisiko, etwa bei COPD, 88–92 %. Bei Hyperkapnierisiko wird Sauerstoff erst unter 88 % begonnen und über 92 % reduziert oder beendet. Eine Ausnahme ist unter anderem die Kohlenmonoxidvergiftung: Dort wird unabhängig von der angezeigten SpO₂ sofort 100 % Sauerstoff gegeben, als Sauerstoffgabe oder Beatmung für bis zu 6 Stunden. Ursache, Hyperkapnierisiko, aktuelle Blutgaswerte und die für die konkrete Situation geltende ärztliche Vorgabe legen den Zielbereich im Einzelfall fest. Dokumentiere deshalb auch das vereinbarte Ziel und prüfe es im Verlauf. Nach Beginn, Änderung oder Beendigung der Sauerstoffgabe wird die Person mindestens 5 Minuten kontinuierlich klinisch und pulsoxymetrisch überwacht. Erreicht sie trotz mehr als 6 l O₂/min keine SpO₂ von 92 %, soll unverzüglich eine im akuten Atemversagen erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt sie beurteilen. Die vollständige Sauerstoff- und Beatmungstherapie ist nicht Gegenstand dieser Messeinheit.

Flussdiagramm Sauerstoff mit Zielbereich, ärztlich verordnet mit Ziel, Gerät, Start- und Maximaldosis. Zuerst die Ausnahme CO-Vergiftung: sofort 100 Prozent Sauerstoff unabhängig von der SpO₂, als Sauerstoffgabe oder Beatmung bis zu 6 Stunden. 1 Akut krank, nicht beatmet, Hyperkapnierisiko? Beispiele COPD, schweres Asthma, Adipositas mit BMI über 40. Ast nein: Ziel 92 bis 96 Prozent, unter 92 Prozent Sauerstoff beginnen, über 96 Prozent reduzieren, Hypoxämie und Hyperoxämie vermeiden. Ast ja: Ziel 88 bis 92 Prozent, erst unter 88 Prozent beginnen, über 92 Prozent reduzieren oder beenden, Blutgasanalyse mit PaCO₂ und pH. 2 Überwachen: nach Start oder Änderung mindestens 5 Minuten kontinuierlich, Blutgasanalyse bei mehr als 6 Liter pro Minute beziehungsweise FiO₂ über 0,4 oder Hyperkapnierisiko, Ziel dokumentieren und im Verlauf prüfen. Ergebniszeile: im Ziel Dosis halten; über dem Ziel Sauerstoff reduzieren; unter 92 Prozent trotz mehr als 6 Liter pro Minute sofort erfahrene Ärztin oder erfahrener Arzt.

Abbildung: Der Zielbereich folgt Risiko und Situation; die CO-Vergiftung steht als Ausnahme vor jeder Zielwahl. Die Werte entsprechen der S3-Leitlinie „Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen“ (2021). Quelle: eigene Darstellung.

Die S3-Leitlinie empfiehlt Blutgasanalysen zur Überwachung einer Sauerstofftherapie vor allem in diesen Situationen.

SituationBeispiel
Kritisch krankSchock, metabolische Störung
Beatmungjede Beatmungsform
Schwere Hypoxämie> 6 l O₂/min oder FiO₂ > 0,4
HyperkapnierisikoCOPD, schweres Asthma, BMI > 40 kg/m²
Kein zuverlässiges Signalz. B. Minderperfusion, Bewegung

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Person mit reduzierter Atemtiefe wird unter bereits laufender Sauerstoffzufuhr schläfrig; SpO₂ beträgt 97 %. Der Wert spricht bei gutem Signal für eine aktuell hohe Hb-Sättigung, beantwortet aber nicht die Ventilationsfrage. Die Warnzeichen verlangen sofortige klinische Hilfe und Beurteilung einschließlich Blutgasanalyse zur CO₂-Klärung. Sauerstoffgabe hat die zugrunde liegende Hypoventilation nicht bewiesen behoben. Ergibt die Blutgasanalyse eine Hyperkapnie mit pH unter 7,35, ist eine Atemunterstützung, etwa eine nichtinvasive Beatmung, ärztlich zu prüfen.

Fallbezogenes Flussdiagramm: SpO₂ 97 Prozent unter Sauerstoff, aber schläfrig, flache Atmung, reduzierte Atemtiefe. Links was die Zahl zeigt: aktuell hohe Hb-Sättigung, gutes Signal vorausgesetzt, sagt nichts über PaCO₂. Rechts was die Klinik zeigt: Hypoventilation möglich, CO₂ kann steigen, Sauerstoff hält SpO₂ trotzdem hoch. 1 Sofort Hilfe holen: ärztliche Beurteilung von Atemweg, Atmung, Bewusstsein; Warnzeichen nicht durch gute SpO₂ entkräften. 2 Blutgasanalyse zur CO₂-Klärung: Hyperkapnie bei PaCO₂ über 45 mmHg, respiratorische Azidose bei pH unter 7,35. Ast PaCO₂ normal: andere Ursache, Schläfrigkeit weiter abklären. Ast PaCO₂ erhöht und pH unter 7,35: hyperkapnisches Versagen, Atemunterstützung wie nichtinvasive Beatmung ärztlich prüfen.

Abbildung: Auch 97 % unter Sauerstoffgabe beantworten bei flacher Atmung und Schläfrigkeit die Ventilationsfrage nicht. Erst die Blutgasanalyse entscheidet, welcher Ast der Ergebniszeile gilt. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Eine falsche Entwarnung vermeiden

Aufgabe

Nach einer möglichen Kohlenmonoxidexposition hat eine Person Kopfschmerzen. SpO₂ und direkt gemessener arterieller PaO₂ sind unauffällig; Hb-Fraktionen wurden noch nicht bestimmt. Welche Aussage passt?

Die Tabelle bündelt die vorliegenden Angaben.

BereichAngabe
AnlassMögliche Kohlenmonoxidexposition
BeschwerdeKopfschmerzen
SpO₂Unauffällig
Direkt gemessener arterieller PaO₂Unauffällig
Hb-FraktionenNoch nicht bestimmt
  1. a)Zwei unauffällige Sauerstoffmesswerte schließen eine CO-Belastung aus.
  2. b)Eine erneute gewöhnliche Pulsoxymetrie ersetzt die Bestimmung der Hb-Fraktionen.
  3. c)Beide Werte können die CO-Belastung verfehlen; Expositionsanamnese und Blut-CO-Oxymetrie sind wichtig.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Einen Messfehler strukturiert klären

Aufgabe

Eine wach sprechende, kreislaufstabile Person ohne neue Beschwerden hat kalte Hände. SpO₂ springt zwischen 82 und 96 %, die Pulskurve ist schlecht. Beschreibe die nächsten Schritte und die Grenze deiner vorläufigen Einschätzung.

Die Tabelle fasst Zustand und Messbedingungen zusammen.

BereichAngabe
BewusstseinWach, sprechend
Kreislauf / BeschwerdenStabil; keine neuen Beschwerden
HändeKalt
SpO₂Springt zwischen 82 und 96 %
PulskurveSchlecht

Fingersensor eines Pulsoxymeters am Finger einer verschmutzten Hand, die im Freien auf Stroh liegt.

Abbildung (Aufgabenbild): Pulsoxymetrie unter ungünstigen äußeren Bedingungen bei einer Übung im Freien. Überlege, welche Bedingungen am Finger das Signal stören können. Quelle: U.S. Air Force (Staff Sgt. Stacy Moless), über Wikimedia Commons, Gemeinfrei, unverändert.

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Freie Antwort

Patientengerecht erklären

Aufgabe

Ein Patient fragt: „Die Zahl am Finger ist doch normal. Warum wollen Sie trotzdem Blut abnehmen?“ Er ist unter Sauerstoffzufuhr schläfrig und atmet flach. Erkläre die zusätzliche Untersuchung in drei bis vier Sätzen.

Die Tabelle zeigt die Angaben für das Gespräch.

BereichAngabe
FingerwertVom Patienten als normal beschrieben
SauerstoffzufuhrLäuft bereits
BewusstseinSchläfrig
AtmungFlach
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Befunde zusammenführen

Lernziel: Du kannst Atembefunde vorstellen und die nächsten Schritte begründen.

Beobachtung, Erklärung und Plan

Eine gute Vorstellung trennt erhobene Daten, Interpretation und geplante Maßnahmen. Nenne zuerst Anlass und Dringlichkeit, dann die entscheidenden positiven und negativen Befunde. Verbinde sie mit einem plausiblen Mechanismus, statt alle möglichen Diagnosen aufzuzählen. Schließe mit dem nächsten Schritt, seiner konkreten Frage und der geplanten Neubewertung. Bei Alarmzeichen wie einer Atemfrequenz ≥ 25/min, einer SpO₂ unter 92 % oder neuer Verwirrtheit geht die ABCDE-Beurteilung der ausführlichen Vorstellung voraus.

Sechs Schritte einer Befundvorstellung: 1 Anlass und Dringlichkeit mit Leitsymptom und Dauer, Alarmzeichen Atemfrequenz ab 25 pro Minute, SpO₂ unter 92 Prozent oder neue Verwirrtheit, bei Instabilität zuerst ABCDE; 2 entscheidende Befunde mit Zahl, Bedingung und Messqualität; 3 Mechanismus und 4 Alternativen nebeneinander; 5 nächster Schritt mit Test und Frage, zum Beispiel TLC bei FVC unter LLN; 6 erneute Bewertung, von der ein Rückpfeil mit neuen Daten zu Schritt 2 führt. Ergebniszeile: bestätigt, widerlegt, schlechter.

Abbildung 9: Eine Untersuchung führt zu einer überprüfbaren Einschätzung. Alarmzeichen gehen der Vorstellung vor; neue Daten und klinische Veränderung können die Deutung korrigieren. Quelle: eigene Darstellung.

Teil der VorstellungLeitfrageSatzanfang
Anlass und ZustandWarum jetzt; wie dringend?„Ich stelle … vor; aktuell …“
Entscheidende BefundeWas wurde wirklich erhoben?„Es zeigen sich …“
Deutung und AlternativeWelcher Mechanismus passt?„Dies spricht für …; offen bleibt …“
Nächster SchrittWelche Frage soll geklärt werden?„Als Nächstes …, um …“

Ein Bericht kann Anamnese, Untersuchung, Zusatzbefunde, Verdachtsdiagnose, Differenzialdiagnosen, Plan und Verlaufsaussage verbinden. Für eine bedingte Prognose brauchst du eine ausdrückliche Voraussetzung. Ohne bekannte Ursache oder Therapieantwort ist „wird rasch gesund“ nicht begründet. Dokumentiere stattdessen, von welchen noch offenen Faktoren die Einschätzung abhängt und woran du eine Verschlechterung erkennst. Eine Epikrise fasst tatsächlich beobachteten Verlauf zusammen; geplante Behandlung wird nicht nachträglich als erfolgt dargestellt.

Aufbau eines Berichts: Anamnese mit Leitsymptom und Dauer und Befunde mit Messwerten und Bedingung führen zu Verdachtsdiagnose und Differenzialdiagnosen, dann zum Plan mit Test, Frage und Zeitpunkt der Neubewertung; darunter nebeneinander die bedingte Verlaufsaussage und die Epikrise, die nur tatsächlich Beobachtetes mit Datum enthält. Ergebniszeile mit drei Formulierungen: belegt „Es zeigen sich …“, vermutet „Dies spricht für …“, geplant „Als Nächstes …“.

Abbildung: Jede Aussage im Bericht gehört zu genau einer Ebene – belegt, vermutet oder geplant. Die Epikrise enthält nur, was tatsächlich beobachtet wurde. Quelle: eigene Darstellung.

Vollständig gezeigtes Beispiel

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 68-jährige Person berichtet über seit vier Tagen zunehmende Belastungsdyspnoe. Sie ist wach, kreislaufstabil, Atemfrequenz 22/min, SpO₂ 93 % unter Raumluft bei gutem Signal. Rechts basal: Dämpfung, abgeschwächtes Atemgeräusch und verminderter Fremitus. Sonografisch wurde freie pleurale Flüssigkeit rechts nachgewiesen; Ursache und Zusammensetzung sind unbekannt.

Basale Thoraxsonografie der rechten Seite: ein dunkler, echoarmer Flüssigkeitsraum liegt zwischen einem verdichteten Lungenkeil links und der hellen, gebogenen Zwerchfelllinie rechts; unter dem Zwerchfell die Leber. Beschriftet sind Erguss, Lunge, Zwerchfell und Leber.

Abbildung: So sieht der Befund „pleurale Flüssigkeit“ im Ultraschall aus. Der dunkle Raum über der hellen Zwerchfelllinie ist Flüssigkeit; die Leber unter dem Zwerchfell zeigt die rechte Seite. Die angrenzende Lunge ist verdichtet, weil die Flüssigkeit sie zusammendrückt – das ist die im Beispiel genannte Verdrängung belüfteter Lunge. Ursache und Zusammensetzung des Ergusses lassen sich aus dem Bild nicht ablesen. Es zeigt einen anderen Patienten als das Beispiel.
Quelle: Lo Cricchio A et al., J Ultrasound 2024;27:825 (doi:10.1007/s40477-024-00941-5), CC BY 4.0; linkes Ultraschallbild aus einer Vergleichstafel ausgeschnitten, vergrößert, deutsche Beschriftungen ergänzt.

„Ich stelle eine 68-jährige Person mit seit vier Tagen zunehmender Belastungsdyspnoe vor. Sie ist derzeit wach und kreislaufstabil, bei 22 Atemzügen pro Minute; die SpO₂ beträgt unter Raumluft 93 % bei gutem Signal. Rechts basal finden sich Dämpfung, vermindertes Atemgeräusch und verminderter Fremitus, passend zur sonografisch nachgewiesenen pleuralen Flüssigkeit. Der Erguss kann durch Verdrängung belüfteter Lunge zur Atemnot beitragen; seine Ursache ist noch unklar, zusätzliche Mechanismen sind möglich. Als Nächstes würde ich Ausmaß und Ursache anhand gezielter Anamnese, vorhandener Bildgebung und passender weiterer Diagnostik klären sowie Atmung, Sättigung und Kreislauf erneut beurteilen. Ob eine Punktion erforderlich ist, wird anhand Ursache, Ausmaß, Beschwerden und Sicherheitsaspekten entschieden.“

Wird punktiert, liegt nach den Light-Kriterien ein Exsudat vor, wenn Protein Pleura/Serum > 0,5, LDH Pleura/Serum > 0,6 oder die Pleura-LDH über zwei Dritteln des oberen Serum-Normwerts liegt; bleibt die Ursache unklar, folgt in der Regel eine kontrastverstärkte CT des Thorax.

68 Jahre, Belastungsdyspnoe seit 4 Tagen: 1 Zustand wach und kreislaufstabil, Atemfrequenz 22 pro Minute bei Orientierung 12 bis 20, SpO₂ 93 Prozent unter Raumluft bei Ziel 92 bis 96 Prozent; 2a rechts basal Dämpfung, abgeschwächtes Atemgeräusch, verminderter Fremitus und 2b Sonografie mit echoarmer pleuraler Flüssigkeit, die ab etwa 20 ml erkennbar ist, im Röntgen erst ab etwa 200 ml; 3 begrenzte Deutung; 4 Ursache klären mit Anamnese und sonografisch gesteuerter Punktion; falls punktiert, Light-Kriterien: Protein-Quotient über 0,5, LDH-Quotient über 0,6, Pleura-LDH über zwei Drittel des oberen Serum-Normwerts, mindestens eines erfüllt bedeutet Exsudat. Ergebniszeile: Transsudat, Exsudat, Ursache unklar mit kontrastverstärkter CT und gegebenenfalls Biopsie.

Abbildung: Verfolge die gesicherten Befunde bis zur begrenzten mechanistischen Deutung und zur nächsten diagnostischen Frage. Erst die Pleuraflüssigkeit oder weitere Bildgebung grenzt die Ursache ein. Quelle: eigene Darstellung.

Eine geeignete Verlaufsformulierung lautet: „Die weitere Entwicklung hängt vor allem von Ursache, Ausmaß und Behandelbarkeit des Ergusses sowie Begleiterkrankungen ab. Bisher liegen keine Angaben zum Therapieansprechen vor. Zunehmende Atemarbeit, fallende Sättigung, Bewusstseins- oder Kreislaufveränderungen erfordern sofortige Neubewertung.“

Als Orientierung gelten nach NEWS2 eine Atemfrequenz ≥ 25/min oder ≤ 8/min, eine SpO₂ unter 92 %, ein systolischer Blutdruck ≤ 90 mmHg, ein Puls ≥ 131/min oder neue Verwirrtheit als Warnzeichen; bei einer NEWS2-Summe von 1–4 wird mindestens alle 4–6 Stunden kontrolliert.

Verlauf: 1 Ausgangswerte mit Uhrzeit, Atemfrequenz 22 pro Minute, SpO₂ 93 Prozent unter Raumluft, wach, kreislaufstabil, noch kein Therapieansprechen; 2 Prognose bleibt bedingt durch Ursache, Ausmaß, Behandelbarkeit und Begleiterkrankungen. Ohne Warnzeichen 3a geplante Kontrolle mit NEWS2-Summe 1 bis 4 mindestens alle 4 bis 6 Stunden und Ziel-SpO₂ 92 bis 96 Prozent; bei mindestens einem Warnzeichen 3b sofortige Neubewertung: Atemfrequenz ab 25 oder bis 8 pro Minute, SpO₂ unter 92 Prozent, systolischer Blutdruck bis 90 mmHg, Puls ab 131 pro Minute, neue Verwirrtheit. 4 Verlauf dokumentieren. Ergebniszeile: stabil, unverändert, Warnzeichen.

Abbildung: Trenne die geplante Verlaufskontrolle von Warnzeichen, die eine sofortige Neubewertung verlangen. Grenzwerte nach NEWS2 (Royal College of Physicians 2017), Ziel-SpO₂ nach S3-Leitlinie Sauerstoff in der Akuttherapie. Quelle: eigene Darstellung.

Sicher dokumentierbarNur als Vermutung / Plan dokumentierbar
Sonografisch nachgewiesene FlüssigkeitUrsache des Ergusses
Gemessene Frequenz und SpO₂Klinischer Anteil des Ergusses an der Dyspnoe
Aktuell stabiler KreislaufWeitere Diagnostik und erwarteter Verlauf

Freie Antwort

Eine Vorstellung vervollständigen

Aufgabe

Eine 45-jährige Person hat seit Monaten anfallsweise Atemnot. Aktuell ist sie stabil. Auskultatorisch besteht diffuses exspiratorisches Giemen. Qualitativ ausreichende Spirometrie: Verhältnis 0,60 bei LLN 0,73. Nach Bronchodilatation steigt FEV₁ um 0,36 l bei Sollwert 3,00 l. Ergänze: „Die Befunde sprechen funktionell für … . Die Bronchodilatatorantwort beträgt … . Daraus allein folgt noch nicht … .“

Die Tabelle ordnet die Falldaten für deine Ergänzung.

BereichAngabe
Alter / Verlauf45 Jahre; anfallsweise Atemnot seit Monaten
ZustandAktuell stabil
AuskultationDiffuses exspiratorisches Giemen
SpirometrieQualitativ ausreichend
FEV₁/FVC / LLN0,60 / 0,73
FEV₁ nach BronchodilatationAnstieg um 0,36 l; Sollwert 3,00 l
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Freie Antwort

Eine unabhängige Befundvorstellung

Aufgabe

Eine 57-jährige Person stellt sich wegen fortschreitender Belastungsdyspnoe vor. In Ruhe wach und kreislaufstabil, Frequenz 20/min; SpO₂ 96 % unter Raumluft bei gutem Signal. Beidseits basal feine endinspiratorische Rasselgeräusche. Spirometrie ausreichend: FEV₁ = 2,40 l, FVC = 2,80 l, FVC unter LLN; LLN des Verhältnisses 0,70. TLC und DLCO wurden noch nicht gemessen. Bildgebung liegt nicht vor.

Die Tabelle stellt die erhobenen und noch fehlenden Befunde gegenüber.

BereichAngabe
Alter / Verlauf57 Jahre; fortschreitende Belastungsdyspnoe
RuhezustandWach, kreislaufstabil; Atemfrequenz 20/min
SpO₂96 % unter Raumluft; gutes Signal
AuskultationBeidseits basal feine endinspiratorische Rasselgeräusche
FEV₁ / FVC2,40 l / 2,80 l; FVC unter LLN
LLN des Verhältnisses0,70
Noch nicht vorhandenTLC, DLCO und Bildgebung

Stelle den Fall in fünf bis sieben Sätzen vor. Berechne das Verhältnis, nenne den funktionellen Verdacht und erkläre eine sinnvolle Ergänzung der Diagnostik. Formuliere anschließend zwei Sätze zum noch ungewissen Verlauf und zur Kontrolle.

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Eine Untersuchung verständlich begründen

Aufgabe

Die Person aus Q02 fragt: „Warum brauchen wir noch einen anderen Atemtest? Ich habe doch schon in das Gerät gepustet.“ Erkläre den Unterschied zwischen Spirometrie und Messung der gesamten Lungenvolumina, ohne eine Restriktion als bereits bewiesen darzustellen.

Die Tabelle erinnert an die vorliegenden Angaben aus Q02.

BereichAngabe
Bisheriger TestQualitativ ausreichende Spirometrie
FEV₁ / FVC2,40 l / 2,80 l
FVCUnter LLN
TLC / DLCONoch nicht gemessen
PatientenfrageWarum ein weiterer Atemtest?

Tragbares Spirometer mit Tastatur, Bildschirm und eingebautem Drucker; daneben ein Durchflusssensor mit Kabel und mehrere Einweg-Papiermundstücke.

Abbildung (Aufgabenbild): tragbares Spirometer mit Durchflusssensor und Einwegmundstücken, wie es für den bisherigen Test verwendet wird. Quelle: Biswarup Ganguly, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, unverändert.

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Atembefunde wiederholen

Lernziel: Du kannst die erlernten Mechanismen in neuen kurzen Fällen anwenden.

Orientierung für die Wiederholung

Die Aufgaben sind einzeln verständlich und verwenden nur bereits erklärte Zusammenhänge. Formuliere zuerst deine Antwort, vergleiche danach mit der Lösung. Eine Selbsteinschätzung ersetzt keine beobachtete praktische Untersuchung.

Wenn du hier unsicher bistWiederhole gezielt
Druck und AtemarbeitU01
Luftwechsel, Diffusion und V̇A/Q̇U02
Klinischer Befund und DringlichkeitU03 und U07
Funktionsmessung, Bildgebung, SpO₂U04 bis U06

Skala des Verhältnisses von Belüftung zu Durchblutung von 0 beim Shunt über etwa 0,8 für die ganze gesunde Lunge bis unendlich beim Totraum. Links: Luft fehlt, niedriges Verhältnis bis zum Shunt mit fallendem PaO₂; rechts: Blut fehlt, hohes Verhältnis bis zum Totraum mit steigendem Totraumanteil. Viele Erkrankungen mischen mehrere Mechanismen.

Wiederholung von Abbildung 3: Prüfe bei jeder Einheit getrennt, ob Luft und Blut ankommen. Quelle: eigene Darstellung.

Guter SelbstvergleichWoran du ihn erkennst
ErgebnisDu beantwortest genau die gestellte Frage.
BegründungDu nutzt das entscheidende Datum und den Mechanismus.
GrenzeDu benennst, was aus diesem Befund nicht folgt.

Freie Antwort

Atemarbeit ohne Giemen

Aufgabe

Bei steifer Lunge ist das Verhältnis aus Volumenänderung und Druckänderung vermindert. Welcher Begriff passt, und warum steigt die Einatemarbeit?

Die Tabelle trennt die beiden Angaben der Aufgabe.

MerkmalBeobachtung
LungeSteif
Volumenänderung / DruckänderungVerhältnis vermindert

Axiales CT im Lungenfenster auf Höhe der Lungenhili: beidseits feine netzartige Verdichtungen unter der Pleura, vor allem dorsal; zentral belüftetes Lungengewebe mit Gefäßen und Bronchien.

Abbildung (Aufgabenbild): axiales CT im Lungenfenster einer Person mit steifer Lunge. Achte auf die feine Netzzeichnung entlang der Pleura. „R“ und „L“ markieren die Patientenseiten. Quelle: Alghulayqah AI, Cureus 2026;18:e115529 (doi:10.7759/cureus.115529), Abb. 1A, CC BY 4.0, Teilbild A ohne Buchstaben ausgeschnitten.

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Freie Antwort

Gleiches Minutenvolumen, andere Wirkung

Aufgabe

Vergleiche bei VD = 0,15 l zwei Muster: A mit VT = 0,60 l und f = 10/min; B mit VT = 0,30 l und f = 20/min. Berechne beide alveolären Ventilationen.

Die Tabelle stellt die beiden Atemmuster ohne Berechnung gegenüber.

GrößeMuster AMuster B
VD0,15 l0,15 l
VT0,60 l0,30 l
f10/min20/min
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Freie Antwort

Ein neuer lokaler Gasaustauschfall

Aufgabe

Eine Alveole ist vollständig flüssigkeitsgefüllt und nicht belüftet, wird jedoch weiterhin perfundiert. Nenne den Grenzfall und erkläre, warum zusätzlich eingeatmeter Sauerstoff seine Wirkung dort nur begrenzt entfalten kann.

Die Tabelle ordnet die Angaben zur betrachteten Alveole.

MerkmalAngabe
InhaltVollständig flüssigkeitsgefüllt
BelüftungFehlt
PerfusionBesteht fort
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Multiple Choice

Ein Geräusch ist noch keine Diagnose

Aufgabe

Beidseits basal sind feine inspiratorische Rasselgeräusche hörbar. Welche Aussage ist vertretbar?

Die Tabelle zeigt ausschließlich den beschriebenen Geräuschbefund.

MerkmalBefund
SeiteBeidseits
OrtBasal
AtemphaseInspiratorisch
KlangFeine Rasselgeräusche
  1. a)Das Geräusch beweist ein kardiales Lungenödem.
  2. b)Es spricht für einen abklärungsbedürftigen Prozess; Verteilung, Klinik und weitere Befunde entscheiden.
  3. c)Es beweist eine bakterielle Pneumonie beider Unterlappen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Der Fehler vor dem Grenzwert

Aufgabe

Eine Person beendet die forcierte Ausatmung bei jedem Versuch zu früh. Das Verhältnis FEV₁/FVC wirkt normal, FVC niedrig. Warum ist die Aussage „sichere Restriktion“ doppelt problematisch?

Die Tabelle hält Beobachtung und Messwerte getrennt fest.

BereichAngabe
ManöverForcierte Ausatmung jedes Mal zu früh beendet
FEV₁/FVCWirkt normal
FVCNiedrig

Ein Mann atmet stehend durch ein Mundstück in ein tragbares Spirometer; ein zweiter Mann steht ihm gegenüber und begleitet das Manöver.

Abbildung (Aufgabenbild): forciertes Spirometriemanöver mit Anleitung durch eine zweite Person. Quelle: Biswarup Ganguly, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, unverändert.

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Freie Antwort

Bildprotokoll und Schlussfolgerung

Aufgabe

Ein CT-Thorax ohne kontrastmittelgestütztes Gefäßprotokoll zeigt keine größere Konsolidierung. Darf daraus „Lungenembolie ausgeschlossen“ werden? Begründe in zwei Sätzen.

Die Tabelle nennt das durchgeführte Protokoll und den berichteten Befund.

BereichAngabe
UntersuchungCT-Thorax
ProtokollOhne kontrastmittelgestütztes Gefäßprotokoll
Berichteter BefundKeine größere Konsolidierung

Drei axiale CT-Schichten des Thorax ohne Kontrastmittel im Weichteilfenster auf Höhe der Pulmonalarterien: Herz, Aorta und Pulmonalarterien erscheinen einheitlich grau, die Lungen schwarz.

Abbildung (Aufgabenbild): native CT-Schichten (ohne Kontrastmittel) im Weichteilfenster auf Höhe der Pulmonalarterien. Vergleiche die Gefäße mit ihrer Umgebung. Quelle: Bae K, Jeon KN, Diagnostics 2021;11:1841 (doi:10.3390/diagnostics11101841), Abb. 3, CC BY 4.0, obere Reihe ausgeschnitten, auf doppelte Pixelgröße interpoliert.

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Freie Antwort

Hohe Sättigung, wenig Transport

Aufgabe

Eine Person hat stark vermindertes Hämoglobin, SpO₂ 98 % bei gutem Signal. Erkläre, warum die Sauerstoffversorgung dadurch nicht umfassend als normal bewertet werden kann.

Die Tabelle enthält die Messangaben des Falls.

MessgrößeAngabe
HämoglobinStark vermindert
SpO₂98 %
SignalqualitätGut

Anzeige eines Fingerpulsoxymeters: SpO₂ 98 %, Pulsfrequenz 79 pro Minute.

Abbildung (Aufgabenbild): Anzeige eines Fingerpulsoxymeters mit dem Sättigungswert aus dem Fall. Quelle: Chic Bee, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0,_(29609885543).jpg; Markenschriftzug abgeschnitten.

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Freie Antwort

Ein ehrlicher Verlaufsbericht

Aufgabe

Bei einer stabilen Person wurde ein Pleuraerguss nachgewiesen. Die Ursache ist ungeklärt, weitere Diagnostik erst geplant. Korrigiere: „Nach erfolgreicher Behandlung ist eine schnelle vollständige Heilung sicher.“

Die Tabelle zeigt den derzeit dokumentierten Stand.

BereichAngabe
ZustandStabil
Nachgewiesener BefundPleuraerguss
UrsacheUngeklärt
Weitere DiagnostikErst geplant

Posteroanteriore Thoraxaufnahme: homogene Verschattung des rechten Unter- und Mittelfeldes (im Bild links) ohne abgrenzbare rechte Zwerchfellkontur; ein roter Pfeil zeigt auf den Bereich.

Abbildung (Aufgabenbild): Thoraxaufnahme mit dem nachgewiesenen Befund; der rote Pfeil stammt aus der Originalabbildung. Quelle: Carreon Simental A et al., Cureus 2026;18:e112551 (doi:10.7759/cureus.112551), Abb. 2, CC BY 4.0, unverändert, als WebP gespeichert.

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Atemwege und MechanikVom Luftweg zur AustauschflächeWarum Einatmung Luft bewegtDie Druckfolge ergänzenZwei Mechanismen auseinanderhaltenVentilation und GasaustauschNicht jeder Atemzug erreicht den AustauschraumEine Rechnung mit klinischer BedeutungDrei Aufgaben müssen zusammenpassenDas Verhältnis von Luft und BlutDen Grenzfall erkennenBefunde verbindenThorax untersuchenZuerst erkennen, ob Zeit für die Routine bleibtUntersuchung erklären und sicher durchführenNebengeräusche beschreiben, bevor man deutetDen nächsten Schritt begründenPraktischer UntersuchungsauftragDringlichkeit vor VollständigkeitSpirometrie einordnenWas das Manöver tatsächlich misstErst Qualität, dann DiagnoseObstruktion und Restriktion unterscheidenDie Behauptung prüfenBronchodilatatorantwort richtig berechnenBezugswerte nicht vermischenEinen Lungenfunktionsbefund formulierenThoraxbildgebungVon der Frage zum VerfahrenEin Röntgenbild systematisch lesenGrundmuster und ihre MechanismenBeobachtung und Diagnose trennenThoraxsonografie: Gewebe und Artefakte verstehenCT und nuklearmedizinische ErgänzungEin Verfahren gezielt auswählenFehlendes Lungengleiten einordnenDen entscheidenden Röntgenbefund benennenEin sonografisches Artefakt zuordnenMilchglas oder Konsolidierung?PulsoxymetrieWas der Sensor schätztMessung prüfen, ohne die Person aus dem Blick zu verlierenDie Konsequenz aus Zahl und KlinikEine falsche Entwarnung vermeidenEinen Messfehler strukturiert klärenPatientengerecht erklärenBefunde zusammenführenBeobachtung, Erklärung und PlanVollständig gezeigtes BeispielEine Vorstellung vervollständigenEine unabhängige BefundvorstellungEine Untersuchung verständlich begründenAtembefunde wiederholenOrientierung für die WiederholungAtemarbeit ohne GiemenGleiches Minutenvolumen, andere WirkungEin neuer lokaler GasaustauschfallEin Geräusch ist noch keine DiagnoseDer Fehler vor dem GrenzwertBildprotokoll und SchlussfolgerungHohe Sättigung, wenig TransportEin ehrlicher Verlaufsbericht

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