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Lernpfade

Nierenfunktion verstehen

Lernziel: Du kannst Nieren- und Urinbefunde erklären und ihre Grenzen im Verlauf benennen.

Filtration und Transport

Lernziel: Du kannst Filtration, Rückresorption, Sekretion und Ausscheidung unterscheiden.

Was kann ich aus Kreatinin und Urin über die Niere erfahren? Du gehst vom einzelnen Nephron zur klinischen Entscheidung: Was wird filtriert, zurückgewonnen oder ausgeschieden? Welcher Messwert bildet welchen Teil dieser Arbeit ab? Welche Schlussfolgerung ist bereits begründet, und welche Untersuchung fehlt noch?

Lernweg

  1. Filtration und Transport
  2. Regulation im Nephron
  3. Kreatinin richtig deuten
  4. Urinbefunde einordnen
  5. Proteinverlust messen
  6. Diurese und Harnabfluss
  7. Arzneimittel und Niere
  8. Nierenbefund im Verlauf

Die Fälle sind fiktiv. Die zusätzlichen Wiederholungsaufgaben am Ende jeder Einheit verwenden neue Daten; bearbeite sie nach dem jeweiligen Lernabschnitt oder später erneut.

Zwei Wege durch die Niere

Die Niere reguliert Wasser, Elektrolyte und Säure-Basen-Haushalt, entfernt Stoffwechselprodukte und beeinflusst Blutdruck, Blutbildung und Knochenstoffwechsel. Ihre funktionelle Grundeinheit ist das Nephron: ein Nierenkörperchen mit Glomerulus und Bowman-Kapsel sowie das anschließende Tubulussystem. Viele Nephrone münden über Verbindungstubuli in gemeinsame Sammelrohre.

Im Glomerulus fließt Blut durch ein Kapillarknäuel. Wasser und kleine gelöste Stoffe gelangen durch die Filtrationsbarriere in den Kapselraum. Blutzellen und der größte Teil der Plasmaproteine bleiben im Gefäß. Der Filter besteht aus Kapillarendothel, glomerulärer Basalmembran und den Schlitzmembranen zwischen Podozytenfortsätzen. Eine Störung dieses Verbunds kann Albumin oder Erythrozyten im Urin erklären.

Die Tabelle ordnet die Stoffe nach ihrem Verhalten an der Filtrationsbarriere.

StoffeVerhalten
Wasser und kleine gelöste StoffeGelangen in den Kapselraum.
Blutzellen und größter Teil der PlasmaproteineBleiben im Gefäß.
Albumin oder Erythrozyten im UrinEine Störung des Filterverbunds ist möglich.

Blut passiert nacheinander Kapillarendothel, glomeruläre Basalmembran und Podozyten mit Schlitzmembran; Wasser und kleine gelöste Stoffe gelangen in den Kapselraum, Blutzellen und der größte Teil der Plasmaproteine bleiben im Gefäß; eine Störung führt zu Albumin oder Erythrozyten im Urin.

Abbildung: Verfolge den Weg durch die drei Schichten des Filters bis zu den beiden Urinbefunden einer Filterstörung. Quelle: eigene Darstellung.

Das Blut verlässt den Glomerulus über die efferente Arteriole und versorgt die Kapillaren um die Tubuli; bei marknahen Nephronen gehören dazu die Vasa recta. Der filtrierte Flüssigkeitsstrom durchläuft dagegen proximalen Tubulus, Henle-Schleife, distalen Tubulus und schließlich das Sammelrohrsystem. Diese beiden Ströme bleiben eng benachbart, sind aber unterschiedliche Räume.

Links der Blutweg von der afferenten Arteriole über die glomerulären und peritubulären Kapillaren zur Nierenvene, rechts der Filtratweg vom Kapselraum über proximalen Tubulus, Henle-Schleife und distalen Tubulus zum Sammelrohr; Pfeile zeigen Filtration, Rückresorption und Sekretion.

Abbildung 1. Funktionelles Nephronmodell. Verfolge links den Blutweg und rechts den Filtratweg, dann die farbigen Austauschpfeile. Die Darstellung erklärt Beziehungen und ist keine maßstäbliche Anatomieabbildung. Die Transportpfeile sind beispielhaft; Rückresorption und Sekretion erfolgen an mehreren Segmenten. Quelle: eigene Darstellung.

Im mikroskopischen Schnitt der Nierenrinde liegen Glomerulus, Kapselraum und Tubuli unmittelbar nebeneinander.

Lichtmikroskopischer Schnitt einer menschlichen Nierenbiopsie in PAS-Färbung: ein normaler Glomerulus mit zartem Kapillarknäuel, umgeben vom hellen Kapselraum und der Bowman-Kapsel, außen Tubulusanschnitte.

Abbildung: Normaler Glomerulus in der Nierenbiopsie, PAS-Färbung. Das Kapillarknäuel liegt im hellen Kapselraum, den die Bowman-Kapsel nach außen begrenzt; ringsum sind Tubuli angeschnitten. Quelle: Weis CA et al., J Nephrol 2022;35:417, Abb. 1 „Normal“ (PMC8927010), CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten, vergrößert, deutsche Beschriftung ergänzt.

Vier Begriffe, vier verschiedene Vorgänge

VorgangRichtungBedeutung
FiltrationBlut → KapselraumBildung des Primärharns
RückresorptionTubulus → BlutRückgewinnung filtrierter Stoffe
SekretionBlut/Zelle → TubulusZusätzliche Abgabe in die Tubulusflüssigkeit
AusscheidungEndharn → außerhalb des KörpersTatsächlicher Verlust mit dem Urin

Für eine unverändert betrachtete Substanz gilt als Stoffbilanz: Ausscheidung = Filtration − Rückresorption + Sekretion. Die Richtung ist entscheidend: Ein Stoff kann reichlich filtriert werden, ohne anschließend reichlich im Endharn zu erscheinen.

Von der Filtration führen zwei bedingte Wege über Rückresorption und Sekretion zur Stoffbilanz; anschließend werden tatsächlicher Verlust im Endharn und gedachtes gereinigtes Plasmavolumen getrennt.

Abbildung: Die beiden Transportzweige ändern die Bilanz in entgegengesetzte Richtungen; unten entscheidet die gesuchte Größe über die Aussage. Quelle: eigene Darstellung.

Glukose ist ein Beispiel. Bei normalen Plasmakonzentrationen wird sie filtriert und im proximalen Tubulus fast vollständig zurückgewonnen. Steigt die filtrierte Last über die Transportkapazität oder wird der Transport medikamentös gehemmt, bleibt Glukose im Tubulus und erscheint im Urin. Ein positiver Uringlukosetest beweist deshalb ohne Kontext keinen Diabetes mellitus. Die Rückgewinnung läuft überwiegend über den Natrium-Glukose-Kotransporter SGLT2; beim Erwachsenen ist sie ab einer Plasmaglukose von etwa 160–180 mg/dl (8,9–10 mmol/l) erschöpft (Nierenschwelle).

Glukose wird frei filtriert und im proximalen Tubulus überwiegend über SGLT2 zurückgewonnen; bei normaler Plasmaglukose bleibt der Urinzucker negativ, bei Hyperglykämie über der Nierenschwelle oder bei Transporthemmung erscheint Glukose im Urin.

Abbildung: Verfolge die drei Situationen bis zum Urinbefund; ein positiver Urinzucker verlangt immer den klinischen Kontext. Quelle: eigene Darstellung.

Kreatinin wird filtriert und zu einem kleineren Anteil tubulär sezerniert. Seine Clearance kann dadurch die tatsächliche glomeruläre Filtrationsrate überschätzen. Die Clearance ist das gedachte Plasmavolumen, das pro Zeit von einer Substanz gereinigt wird; sie ist kein direkt gemessener Harnstrom. Rechnerisch gilt: Clearance = Urinkonzentration × Urinvolumen pro Zeit / Plasmakonzentration. Nur ein Stoff, der filtriert, aber weder rückresorbiert noch sezerniert wird, etwa der Referenzstoff Inulin, hat eine Clearance genau in Höhe der GFR.

Glukose wird filtriert und fast vollständig rückresorbiert, ihre Clearance ist bei normaler Plasmaglukose nahe null; Inulin wird nur filtriert, seine Clearance entspricht der GFR; Kreatinin wird filtriert und zusätzlich sezerniert, seine Clearance liegt über der GFR.

Abbildung: Vergleiche die drei Stoffe von der Handhabung im Tubulus bis zur Lage ihrer Clearance im Verhältnis zur GFR. Quelle: eigene Darstellung.

Viel Filtrat, wenig Endharn

Ausgearbeitetes Beispiel

Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) bezeichnet das pro Zeit gebildete Filtrat beider Nieren zusammen. Bei einer angenommenen GFR von 120 ml/min entstehen:

120 ml/min × 60 min/h × 24 h = 172 800 ml/Tag = 172,8 l Primärharn pro Tag.

Werden davon 1,5 l als Urin ausgeschieden, wurden in diesem vereinfachten Wassermodell 171,3 l zurückgewonnen. Das sind etwa 99,1 % des filtrierten Wassers. Der Endharn ist deshalb keine kleine, unveränderte Probe des Primärharns. Seine Zusammensetzung ist das Ergebnis der gesamten Tubulusarbeit. Etwa zwei Drittel des filtrierten Wassers werden bereits im proximalen Tubulus zurückgewonnen; die Feineinstellung der Endharnmenge erfolgt ADH-abhängig im Sammelrohr.

Die 120 ml/min sind ein Rechenwert: Nach KDIGO gilt eine GFR ab 90 ml/min/1,73 m² als normal oder hoch, und mit dem Alter sinkt die GFR physiologisch.

Aus 120 ml/min entstehen 172,8 l Primärharn am Tag; etwa zwei Drittel des Wassers gewinnt der proximale Tubulus zurück, das Sammelrohr stellt die Endharnmenge ADH-abhängig ein; 171,3 l werden zurückgewonnen und 1,5 l ausgeschieden.

Abbildung: Folge dem Wasser von der Filtration über die Rückgewinnung bis zur Tagesbilanz; die Rückgewinnung erklärt, warum aus viel Filtrat wenig Endharn entsteht. Quelle: eigene Darstellung.

BeobachtungWas du daraus ableitest
GFR beschreibt FiltratbildungSie ist keine Angabe der täglichen Urinmenge.
Große Rückresorption bei erhaltener GFRKleine Endharnmenge ist grundsätzlich möglich.
Viel Urin unter einem DiuretikumEine ausreichende Filtration ist damit nicht bewiesen.

Die Tabelle ordnet die tägliche Urinmenge beim Erwachsenen ein; keiner dieser Begriffe ist ein Maß für die GFR.

BegriffUrinmenge pro 24 hWas du daraus ableitest
Anurie< 100 mlHarnverhalt bzw. Abflusshindernis ausschließen.
Oligurie< 500 mlUrsache klären; Verlauf mit Kreatinin beurteilen.
Üblicher Bereichetwa 0,7–3 lHängt vor allem von der Trinkmenge ab.
Polyurie> 3 lZ. B. Diuretikum, Glukosurie; GFR damit nicht beurteilt.

Ausgehend von der Urinmenge über 24 Stunden führen die Bedingungen unter 100 ml, unter 500 ml und über 3 l zu Anurie, Oligurie und Polyurie; darunter stehen die zugehörigen Prüfaufträge zu Abfluss, Kreatininverlauf und Diuretikum oder Glukosurie.

Abbildung: Lies jede Spalte nach unten; die Schwelle der Anurie liegt auch unter der Oligurieschwelle und die Urinmenge allein bestimmt keine GFR. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Eine Stoffbilanz ergänzen

Aufgabe

In einem vereinfachten Modell werden pro Minute 100 Einheiten eines Stoffes filtriert. 95 Einheiten werden rückresorbiert, 3 zusätzlich sezerniert. Berechne die Ausscheidung und erkläre, warum sie nicht der filtrierten Menge entspricht.

Die Tabelle bündelt die im Modell vorgegebenen Stoffmengen.

VorgangMenge pro Minute
Filtration100 Einheiten
Rückresorption95 Einheiten
Sekretion3 Einheiten
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Diurese und Filtration trennen

Aufgabe

Ein Patient produziert nach einem Schleifendiuretikum 2,5 l Urin am Tag. Welche Aussage ist durch diese Information allein gedeckt?

Die Tabelle hält die beiden Angaben des Falls fest.

AngabeBefund
ArzneimittelSchleifendiuretikum
Urinmenge danach2,5 l pro Tag
  1. a)Eine relevante Einschränkung der GFR ist ausgeschlossen.
  2. b)Die ausgeschiedene Urinmenge ist bekannt; die GFR bleibt damit unbestimmt.
  3. c)Aus der Urinmenge lässt sich die GFR ohne weitere Messwerte berechnen.
Lösung in der App →

Regulation im Nephron

Lernziel: Du kannst tubulären Transport mit Wasser- und Salzregulation verknüpfen.

Arbeitsteilung entlang des Tubulus

Tubuluszellen transportieren Stoffe über ihre dem Lumen zugewandte und ihre dem Blut zugewandte Membran. Die Natrium-Kalium-ATPase an der Blutseite hält die intrazelluläre Natriumkonzentration niedrig. Dieses Gefälle ermöglicht viele weitere Transportvorgänge. Wasser folgt osmotischen Unterschieden dort, wo die Wand ausreichend wasserdurchlässig ist.

Die Natrium-Kalium-ATPase an der Blutseite pumpt drei Natriumionen hinaus und zwei Kaliumionen hinein; dadurch bleibt Natrium in der Zelle niedrig, Natrium strömt vom Lumen aus ein und nimmt über Kotransporter wie SGLT2 Glukose mit; Wasser folgt nur bei wasserdurchlässiger Wand, im proximalen Tubulus ja, im dicken aufsteigenden Schenkel kaum.

Abbildung: Folge den Nummern von der Pumpe an der Blutseite bis zum Wasser; die Ergebniszeile zeigt, warum dasselbe Natriumgefälle nicht überall Wasser mitnimmt. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle ordnet jedem Tubulusabschnitt seine Hauptaufgabe und den klinischen Bezug zu.

AbschnittWesentliche AufgabeKlinischer Bezug
Proximaler TubulusGrößter Anteil von Na⁺ und Wasser; Glukose, Aminosäuren und HCO₃⁻ zurückgewinnenGlukosurie bei SGLT2-Hemmung; tubuläre Proteinverluste
Dünner absteigender SchenkelHohe WasserpermeabilitätTubulusflüssigkeit wird im Mark konzentrierter.
Dicker aufsteigender SchenkelNa⁺, K⁺ und Cl⁻ rückresorbieren; kaum WasserpermeabilitätSalztransport ohne Wasser; Angriffsort von Schleifendiuretika
Distaler TubulusWeitere NaCl-RückresorptionAngriffsort von Thiaziden
Verbindungstubulus/SammelrohrFeineinstellung von Na⁺, K⁺, Wasser und SäureausscheidungAldosteron und ADH beeinflussen die Endausscheidung.

Vom filtrierten Natrium gewinnt der proximale Tubulus etwa 60–70 % zurück, der dicke aufsteigende Schenkel etwa 25–30 %, der distale Tubulus etwa 5–10 % und das Sammelrohr nur noch wenige Prozent.

Fünf Tubulusabschnitte nacheinander mit ihrem Anteil an der Natriumrückresorption und ihren Angriffspunkten: proximaler Tubulus 60 bis 70 Prozent mit SGLT2-Hemmern, dünner absteigender Schenkel kaum Natrium, dicker aufsteigender Schenkel 25 bis 30 Prozent mit Schleifendiuretika, distaler Tubulus 5 bis 10 Prozent mit Thiaziden, Verbindungstubulus und Sammelrohr wenige Prozent unter Aldosteron und ADH; im Endharn erscheint meist unter 1 Prozent des filtrierten Natriums.

Abbildung: Lies jede Zeile von links nach rechts: Abschnitt, Natriumanteil, Angriffspunkt. Je weiter hinten der Abschnitt, desto kleiner die Menge und desto feiner die hormonelle Steuerung. Quelle: eigene Darstellung.

Die Henle-Schleife trennt Wasserbewegung von Salztransport. Zusammen mit Harnstoff-Recycling und der Gefäßanordnung entsteht ein Konzentrationsgefälle im Nierenmark. Das Sammelrohr nutzt dieses Gefälle zur Wassergewinnung. Ein Gradient allein reicht nicht: Die Sammelrohrwand muss für Wasser durchlässig sein.

Der dünne absteigende Schenkel gibt Wasser ab, der dicke aufsteigende Schenkel transportiert Natrium, Kalium und Chlorid ohne Wasser; mit Harnstoff-Recycling und Gefäßanordnung entsteht das Konzentrationsgefälle im Mark; das Sammelrohr braucht dieses Gefälle und eine durch ADH und Aquaporin-2 wasserdurchlässige Wand; nur wenn beides vorhanden ist, wird der Urin konzentriert.

Abbildung: Folge dem Aufbau des Gradienten bis zu den beiden Voraussetzungen der Wassergewinnung; fehlt eine davon, bleibt der Urin trotz Wasserbedarf verdünnt. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei hormonelle Stellgrößen

ADH, das antidiuretische Hormon oder Vasopressin, wird im Hypothalamus gebildet und aus der Neurohypophyse freigesetzt. Ein Anstieg der Plasmaosmolalität und ein ausreichend starker Volumen-/Druckabfall fördern seine Freisetzung. Über V2-Rezeptoren werden Aquaporin-2-Wasserkanäle in die luminale Membran von Sammelrohr-Hauptzellen eingebaut: Mehr Wasser kann zurückgewonnen werden. Bei geringer ADH-Wirkung bleibt mehr Wasser im Urin, sofern Filtration und Verdünnungsfähigkeit erhalten sind. Die Plasmaosmolalität liegt normalerweise bei etwa 280–296 mosmol/kg; schon ein geringer Anstieg steigert die ADH-Freisetzung, während der Volumen-/Druckreiz erst bei deutlichem Abfall wirkt.

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) reagiert unter anderem auf eine geringere Nierendurchblutung, vermindertes NaCl-Angebot an der Macula densa und sympathische Signale. Renin leitet die Bildung von Angiotensin II ein. Angiotensin II verengt Gefäße und erhöht auch den Tonus der efferenten Arteriole; damit kann es bei mäßig verminderter Perfusion den glomerulären Filtrationsdruck stützen. Das ist keine Garantie einer konstanten GFR bei schwerer Minderperfusion.

Angiotensin II fördert die Freisetzung von Aldosteron aus der Nebennierenrinde. Aldosteron steigert im späten distalen Nephron die Natriumrückresorption und begünstigt die Kaliumsekretion. Wie viel Kalium tatsächlich ausgeschieden wird, hängt zusätzlich von distalem Natriumangebot, Fluss und Nierenfunktion ab. Auch ein erhöhtes Plasmakalium stimuliert Aldosteron.

Angiotensin II und erhöhtes Plasmakalium stimulieren Aldosteron aus der Nebennierenrinde; im späten distalen Nephron steigen Natriumrückresorption und Kaliumsekretion, während distales Natriumangebot, Fluss und Nierenfunktion die tatsächliche Kaliumausscheidung mitbestimmen.

Abbildung: Verfolge zuerst die Hormonwirkung und prüfe danach die drei zusätzlichen Einflussgrößen auf den Kaliumverlust im Urin. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Spalten: Im RAAS führen verminderte Nierendurchblutung, weniger Natriumchlorid an der Macula densa und Sympathikusaktivität zu Renin, Angiotensin II, einer engeren efferenten Arteriole und Aldosteron mit mehr Natriumrückresorption und Kaliumsekretion im späten distalen Nephron; bei ADH führen steigende Plasmaosmolalität oder ein deutlicher Volumen- und Druckabfall über V2-Rezeptoren und Aquaporin-2 zu mehr Wasserrückresorption im Sammelrohr.

Abbildung 2. Verfolge in jeder Spalte den Auslöser bis zur Wirkung. Aldosteron beeinflusst vor allem den Salz- und Kaliumtransport; ADH reguliert die Wasserpermeabilität. Die Stütze der GFR über die efferente Arteriole hat bei schwerer Minderperfusion eine Grenze. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle stellt die beiden Hormone mit Wirkung im Sammelrohrbereich nebeneinander.

MerkmalADHAldosteron
BildungsortHypothalamus; Freisetzung aus der NeurohypophyseNebennierenrinde
Wichtige ReizePlasmaosmolalität ↑; deutlicher Volumen-/DruckabfallAngiotensin II; Plasmakalium ↑
Wirkort und MechanismusSammelrohr-Hauptzellen: V2-Rezeptor → Aquaporin-2 in der luminalen MembranSpätes distales Nephron: Natriumrückresorption ↑, Kaliumsekretion ↑
Folge für den UrinWeniger und konzentrierterer UrinWeniger Natrium; mehr Kalium, abhängig von Natriumangebot, Fluss und Nierenfunktion

Druck, Volumen und weitere Nierenaufgaben

Autoregulation bedeutet, dass die Niere ihren Gefäßwiderstand anpasst, um Blutfluss und Filtration bei wechselndem Blutdruck zu stabilisieren. Dazu gehören die myogene Reaktion der afferenten Arteriole und die tubuloglomeruläre Rückkopplung: Die Macula densa erfasst das NaCl-Angebot und beeinflusst den Gefäßtonus und die Reninfreisetzung. Bei Schock oder ausgeprägtem Volumenmangel reicht diese Anpassung nicht aus. Wirksam ist die Autoregulation etwa bei einem renalen Perfusionsdruck von 80–180 mmHg; darunter sinken Blutfluss und GFR mit dem Druck.

Die myogene Reaktion der afferenten Arteriole und die tubuloglomeruläre Rückkopplung über die Macula densa halten Blutfluss und GFR bei einem Perfusionsdruck von etwa 80 bis 180 mmHg stabil; bei Schock oder ausgeprägtem Volumenmangel fallen Durchblutung und GFR mit dem Druck.

Abbildung: Die beiden Mechanismen führen zum gleichen Ziel und haben gemeinsame Grenzen. Quelle: eigene Darstellung.

Kurve der Nierendurchblutung beziehungsweise GFR gegen den Perfusionsdruck: unter etwa 80 mmHg steigt die Kurve mit dem Druck an, zwischen etwa 80 und 180 mmHg verläuft sie nahezu flach, oberhalb von 180 mmHg steigt sie wieder an.

Abbildung: Das flache Plateau ist der Arbeitsbereich der Autoregulation. Links davon, etwa im Schock, hängt die Filtration direkt vom Druck ab. Die Kurve zeigt den qualitativen Verlauf, keine Messwerte. Quelle: eigene Darstellung.

Das für die Niere wirksame arterielle Blutangebot ist nicht mit dem gesamten Körperwasser gleichzusetzen. Bei Herzinsuffizienz können Ödeme und gleichzeitig eine unzureichende wirksame Organperfusion beziehungsweise venöse Stauung vorliegen. Aus Ödemen folgt daher weder automatisch Flüssigkeitsmangel noch automatisch eine bestimmte Infusionsentscheidung. Blutdruck und klinische Kreislaufzeichen helfen bei der Perfusionsbeurteilung; Dyspnoe, Halsvenenfüllung, Lungenbefund und Gewichtsverlauf ergänzen die Suche nach Stauung.

Bei Herzinsuffizienz mit Beinödemen und Kreatininanstieg werden Ödeme zuerst als Flüssigkeit im Gewebe eingeordnet; danach werden Perfusion mit Blutdruck und Kreislaufzeichen sowie Stauung mit Dyspnoe, Halsvenenfüllung, Lungenbefund und Gewichtsverlauf gemeinsam beurteilt; eine Infusion allein wegen Ödemen oder Kreatininanstieg ist nicht begründet.

Abbildung: Prüfe beide Befundgruppen, bevor aus Ödemen eine Infusionsentscheidung abgeleitet wird. Quelle: eigene Darstellung.

Fotografie eines geschwollenen Unterschenkels mit Knöchel und Fußrücken; über dem Knöchel bleibt eine ringförmige Eindellung vom Sockenbund sichtbar.

Abbildung: Eindrückbares Knöchel- und Fußödem. Der stehengebliebene Sockenabdruck zeigt Flüssigkeit im Gewebe, die sich wegdrücken lässt. Über die wirksame Nierenperfusion sagt dieser Befund nichts aus; die Aufnahme stammt von einer Patientin mit einer anderen Grunderkrankung. Quelle: Baptista de Lima J, Zilhão C, Alves S. Cureus 2024;16:e53853, Abb. 1 (PMC10924661), CC BY 4.0; Rand zugeschnitten.

NierenfunktionZusammenhang für die klinische Einordnung
Säure-Basen-RegulationFiltriertes HCO₃⁻ wird zurückgewonnen; Netto-Säureausscheidung erfolgt unter anderem als NH₄⁺ und titrierbare Säure.
ErythropoetinbildungDie Niere beeinflusst die Bildung roter Blutkörperchen. Eine renale Erkrankung kann zur Anämie beitragen.
Vitamin-D-AktivierungDie Niere bildet aktives Calcitriol und wirkt am Calcium-/Phosphathaushalt mit.

Die Rückgewinnung von Bikarbonat verhindert einen Verlust vorhandener Base. Die Ausscheidung von Säure mit Neubildung von Bikarbonat ist ein weiterer Vorgang. Für dieses Kapitel genügt die Unterscheidung; die systematische Säure-Basen-Interpretation und renale tubuläre Azidosen werden im BGA-Lernweg vertieft.

Links führen Bikarbonatrückgewinnung und Netto-Säureausscheidung zu Erhalt und Neubildung von Base; rechts verzweigen die hormonellen Aufgaben in Erythropoetin für die Bildung roter Blutkörperchen und aktives Calcitriol für den Calcium- und Phosphathaushalt.

Abbildung: Die Säure-Basen-Spalte unterscheidet Rückgewinnung von Neubildung; die anderen Spalten zeigen die beiden hormonellen Aufgaben. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle trennt die Rückgewinnung vorhandener Base von der Säureausscheidung.

VorgangBeitrag
Rückgewinnung von HCO₃⁻Verhindert den Verlust vorhandener Base.
SäureausscheidungNeubildung von Bikarbonat; unter anderem NH₄⁺ und titrierbare Säure.

Ein Mechanismus bis zum Urin verfolgen

Ausgearbeitetes Beispiel

Nach starkem Schwitzen steigt bei einem gesunden Erwachsenen ohne ausreichendes Trinken die Plasmaosmolalität. ADH steigt. Das Sammelrohr wird wasserdurchlässiger; Wasser tritt entlang des Markgradienten ins Gewebe und Blut über. Die Urinmenge sinkt und der Urin wird konzentrierter. Dieser Zusammenhang setzt eine funktionierende tubuläre Konzentrationsfähigkeit voraus. Bei einem Konzentrationsdefekt kann trotz Wasserbedarf eine unangemessen hohe Diurese bestehen. Die gesunde Niere kann die Urinosmolalität etwa zwischen 50 mosmol/kg nach Wasserbelastung und 1200 mosmol/kg nach Dursten einstellen.

Ablauf nach starkem Schwitzen ohne ausreichendes Trinken: Plasmaosmolalität steigt, ADH steigt, das Sammelrohr wird über V2-Rezeptor und Aquaporin-2 wasserdurchlässig, Wasser folgt dem Markgradienten zurück ins Blut; bei intakter Konzentrationsfähigkeit entsteht wenig konzentrierter Urin bis etwa 1200 mosmol/kg, bei einem Konzentrationsdefekt viel Urin trotz Wasserbedarf.

Abbildung: Verfolge das Beispiel Schritt für Schritt bis zum Urin; die Ergebniszeile trennt die gesunde Antwort vom Konzentrationsdefekt. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt erklären

Aufgabe

Ergänze die fehlende Verbindung: „ADH steigt → … → mehr Wasser wird aus der Sammelrohrflüssigkeit zurückgewonnen.“ Benenne anschließend eine Voraussetzung, ohne die dieser Ablauf nicht ausreichend funktioniert.

Die Tabelle zeigt Anfang und Ende der vorgegebenen Aussage.

StelleVorgegebene Aussage
AnfangADH steigt.
EndeMehr Wasser wird aus der Sammelrohrflüssigkeit zurückgewonnen.
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Freie Antwort

Ein neuer klinischer Kontext

Aufgabe

Eine Patientin mit dekompensierter Herzinsuffizienz hat Beinödeme und einen Kreatininanstieg. Erkläre, weshalb die Ödeme eine verminderte wirksame Nierenperfusion nicht ausschließen. Nenne zwei klinische Befunde, die du für die weitere Einordnung erheben würdest.

Die Tabelle fasst die vorliegenden Angaben zur Patientin zusammen.

BereichAngabe
Klinischer KontextDekompensierte Herzinsuffizienz
UntersuchungsbefundBeinödeme
LaborverlaufKreatininanstieg

Fotografie eines liegenden Unterschenkels mit Fuß: Die Haut ist prall, glänzend und gespannt, die Knöchelkontur ist verstrichen und der Fußrücken geschwollen.

Abbildung: Geschwollener Unterschenkel und Fußrücken eines anderen Patienten; die Haut ist glänzend und gespannt, die Knöchelkontur verstrichen. Quelle: Wang K, Pan H, Lou H, Shen L, Zhu X (BMC Cancer 2011;11:204) über Wikimedia Commons („Leg Edema 01.jpg“), CC BY 2.0

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Kreatinin richtig deuten

Lernziel: Du kannst Kreatinin und eGFR im zeitlichen und körperlichen Kontext beurteilen.

Marker sind keine direkte Funktionsmessung

Kreatinin entsteht überwiegend im Muskelstoffwechsel. Seine Blutkonzentration ergibt sich aus Bildung, Verteilung und Ausscheidung. Eine geringe Muskelmasse kann trotz eingeschränkter Filtration zu einem wenig auffälligen Kreatinin führen. Eine große Muskelmasse, Fleischaufnahme oder Kreatinsupplemente können den Wert erhöhen, ohne dass im gleichen Ausmaß eine Nierenschädigung vorliegt. Einige Arzneimittel, etwa Trimethoprim, hemmen die tubuläre Kreatininsekretion; ein Anstieg muss dann gegen eine tatsächliche Funktionsverschlechterung abgegrenzt werden.

Kreatinin im Blut ergibt sich aus Bildung im Muskel, Verteilung und Ausscheidung durch Filtration und tubuläre Sekretion; geringe Muskelmasse senkt den Wert, große Muskelmasse, Fleisch, Kreatinsupplemente und Trimethoprim erhöhen ihn ohne gleich große GFR-Änderung.

Abbildung: Lies zuerst die Bilanz in der oberen Reihe, dann die beiden Richtungen, in die der Wert ohne gleich große GFR-Änderung abweichen kann. Quelle: eigene Darstellung.

Die estimated GFR (eGFR) ist eine aus Blutmarkern und weiteren Merkmalen geschätzte glomeruläre Filtrationsrate. Moderne Formeln verwenden keinen ethnischen Korrekturfaktor. Die im Labor verwendete Formel und ein möglicher Formelwechsel gehören zur Interpretation des Verlaufs.

MessgrößeAussageWichtige Grenze
Serum-/PlasmakreatininKonzentration eines endogenen MarkersBildung und tubuläre Sekretion beeinflussen den Wert.
eGFR aus KreatininRechnerische FiltrationsschätzungBesonders bei instabiler Funktion oder ungewöhnlicher Muskelmasse unsicher
Cystatin C / kombinierte eGFRErgänzender Marker; Kombination kann Genauigkeit erhöhenUnter anderem durch Entzündung, Steroide und Schilddrüsenfunktion beeinflussbar
Gemessene GFRClearance eines geeigneten externen FiltrationsmarkersAufwendiger; für spezielle Entscheidungen und hohe Genauigkeitsanforderungen

Cystatin C ist weniger von der Muskelmasse abhängig als Kreatinin. Es ist aber weder ein unfehlbarer Marker noch die einfache Lösung für jede akute Funktionsänderung. Wenn eine genauere Schätzung eine wichtige Entscheidung ändern würde, kann die kombinierte kreatinin- und cystatinbasierte eGFR oder eine gemessene GFR sinnvoll sein.

Nach Vergleich mit Vorwerten werden Formelwechsel und Kreatinineinflüsse geprüft; rasche Funktionsänderung begrenzt jede Schätzung, während bei stabiler Funktion die notwendige Entscheidungsgenauigkeit zwischen bestehender eGFR, kombinierter Schätzung und gemessener GFR entscheidet.

Abbildung: Prüfe die Vergleichbarkeit vor der Genauigkeit; bei rascher Änderung bleibt der Verlauf entscheidend. Quelle: eigene Darstellung.

Stufenweise GFR-Beurteilung: Start mit kreatininbasierter eGFR; ist sie für die Entscheidung nicht genau genug, kombinierte eGFR mit Cystatin C; wenn noch genauer nötig, gemessene GFR; bei rascher Funktionsänderung ist keine Schätzung eine präzise Momentaufnahme.

Abbildung: Gehe nur so weit nach unten, wie die anstehende Entscheidung es verlangt; die rote Leiste gilt für jede Stufe. Quelle: eigene Darstellung.

Warum der Verlauf vorausläuft

Nach einem plötzlichen GFR-Abfall steigt Kreatinin nicht augenblicklich auf seinen neuen Gleichgewichtswert. Es sammelt sich erst an. Die übliche eGFR-Formel setzt annähernd stabile Verhältnisse voraus. Bei raschem Kreatininanstieg kann der ausgegebene eGFR-Wert die aktuelle Filtration zu günstig darstellen; in der Erholung kann die Gegenrichtung auftreten.

Qualitativer Zeitverlauf: Die GFR fällt abrupt, während Kreatinin erst verzögert ansteigt.

Abbildung 3. Die beiden Kurven zeigen verschiedene Größen mit unterschiedlichen Achsen. Es handelt sich um ein qualitatives Modell ohne patientenbezogene Messdaten. Entscheidend ist die zeitliche Verzögerung. Quelle: eigene Darstellung.

Raster mit drei Phasen: stabil passt die eGFR annähernd; beim akuten Abfall fällt die GFR sofort, Kreatinin steigt verzögert und die eGFR ist zu günstig; in der Erholung steigt die GFR, Kreatinin fällt verzögert und die eGFR ist zu ungünstig.

Abbildung: Vergleiche in jeder Spalte die GFR mit dem Kreatinin; die untere Zeile zeigt, in welche Richtung die automatisch ausgegebene eGFR dann abweicht. Quelle: eigene Darstellung.

  • Ein Kreatinin im Referenzbereich schließt eine relevante Änderung gegenüber einem niedrigen Ausgangswert nicht aus.
  • Eine automatisch ausgegebene eGFR ist bei rascher Veränderung keine präzise Momentaufnahme.
  • Eine normale Urinmenge schließt eine akute Nierenschädigung nicht aus.

Zahlen immer mit Einheit und Bezugsgröße

Kreatinin wird häufig in mg/dl oder µmol/l angegeben: 1 mg/dl entspricht etwa 88,4 µmol/l. Ein Wert von 1,2 mg/dl entspricht ungefähr 106 µmol/l. Referenzbereiche sind labor- und methodenabhängig; Alter, Körperbau und Verlauf bleiben relevant. Zur Orientierung nennt die IFCC für Erwachsene bei IDMS-rückführbaren Methoden etwa 49–90 µmol/l (0,55–1,02 mg/dl) für Frauen und 64–104 µmol/l (0,72–1,18 mg/dl) für Männer; verbindlich ist der Bereich des eigenen Labors.

Die Tabelle zeigt die im Text genannten Kreatininwerte in beiden Einheiten.

mg/dlµmol/l
0,7etwa 62
0,8etwa 71
0,9etwa 80
1etwa 88,4
1,1etwa 97
1,2ungefähr 106

Vier Schritte beim Lesen eines Kreatininwerts: Einheit prüfen, Referenzbereich des eigenen Labors mit Orientierungswerten für Frauen und Männer, Vergleich mit dem Vorwert und Bezugsgröße der eGFR.

Abbildung: Arbeite die vier Schritte der Reihe nach ab; die Orientierungswerte in Schritt 2 ersetzen nicht den Bereich deines Labors. Quelle: eigene Darstellung.

Die übliche eGFR ist auf eine Körperoberfläche von 1,73 m² bezogen. Das erleichtert Vergleich und Einteilung. Für Arzneimittelentscheidungen können dagegen ml/min ohne Normierung benötigt werden. Bei ausgeprägten Körpergrößenunterschieden ist die Unterscheidung besonders wichtig.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine stabile eGFR beträgt 40 ml/min/1,73 m², die bereits bestimmte Körperoberfläche 1,30 m². Die nicht indexierte Schätzung beträgt:

40 × 1,30 / 1,73 = 30,1 ml/min.

Das Entfernen der Indexierung erhöht die Messgenauigkeit nicht. Es ändert die Bezugsgröße. Ob dieser Wert für ein bestimmtes Arzneimittel verwendet werden soll, hängt von dessen Fachinformation ab. Eine dort verlangte Kreatininclearance nach Cockcroft–Gault ist nicht einfach durch die unveränderte Labor-eGFR ersetzbar.

Indexierung entfernen: eGFR mal Körperoberfläche geteilt durch 1,73 m²; aus 40 ml/min/1,73 m² und 1,30 m² werden 30,1 ml/min; unter 1,73 m² wird der Wert kleiner, darüber größer; die Messgenauigkeit bleibt gleich und für Arzneimittel entscheidet die Fachinformation.

Abbildung: Die Umrechnung verändert die Bezugsgröße und ersetzt die Prüfung der Fachinformation nicht. Quelle: eigene Darstellung.

AngabeBedeutung für den Vergleich
ml/min/1,73 m²Auf Standardkörperoberfläche bezogene GFR
ml/minNicht indexierte GFR oder Clearance; Methode zusätzlich prüfen
Kreatininclearance aus SammelurinUrinkreatinin × Urinfluss / Plasmakreatinin; sammelanfällig und durch Sekretion beeinflusst

Die letzte Formel setzt zueinander passende Kreatinineinheiten sowie einen Urinfluss in ml/min voraus. Ein bloßes Tagesvolumen ohne Zeitumrechnung ist kein korrekter Urinfluss. Für die Routine werden nicht automatisch alle Menschen zum 24-Stunden-Sammeln aufgefordert. Bei einer 24-Stunden-Sammlung wird das Volumen in ml durch 1440 min geteilt. Eine unvollständige Sammlung ergibt eine zu niedrige Clearance; durch die tubuläre Sekretion liegt die Kreatininclearance über der tatsächlichen GFR.

Kreatininclearance aus Sammelurin in Schritten: Urinfluss als Volumen durch Sammelzeit in Minuten, gleiche Einheiten für Urin- und Plasmakreatinin, dann U-Kreatinin mal Urinfluss durch P-Kreatinin; unvollständige Sammlung ergibt zu niedrige Werte, tubuläre Sekretion überschätzt die GFR.

Abbildung: Prüfe vor dem Einsetzen in die Formel Zeit und Einheiten; die beiden grauen Kästen zeigen die Richtung der typischen Fehler. Quelle: eigene Darstellung.

Akute Veränderung oder chronische Erkrankung?

Eine chronische Nierenkrankheit, CKD, verlangt eine mindestens drei Monate bestehende relevante Struktur- oder Funktionsstörung. Dazu zählen eine anhaltende GFR unter 60 ml/min/1,73 m² oder andere Marker eines Nierenschadens, etwa persistierende Albuminurie. Eine eGFR von 60–89 allein beweist ohne weitere Schadensmarker keine CKD. Bei niedrigerer eGFR helfen Vorwerte und Verlauf, die Dauer zu klären. Die GFR-Kategorien nach KDIGO lauten G1 ≥ 90, G2 60–89, G3a 45–59, G3b 30–44, G4 15–29 und G5 < 15 ml/min/1,73 m²; G1 und G2 bedeuten nur zusammen mit Schadensmarkern eine CKD.

Sechs farbige GFR-Kategorien von G1 mit mindestens 90 bis G5 unter 15 ml/min/1,73 m²; G1 bis G2 bedeuten nur mit Schadensmarker über mindestens drei Monate eine CKD, G3a bis G5 bei mindestens drei Monaten Dauer; die vollständige Einteilung nennt Ursache, G- und A-Kategorie.

Abbildung: Ordne zuerst die eGFR einer Zeile zu und prüfe dann im unteren Teil, ob Dauer und Schadensmarker für eine CKD ausreichen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Bezeichnung AKI steht für eine akute Nierenschädigung. Sie kann unter anderem über einen Kreatininanstieg um mindestens 0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden oder auf mindestens das 1,5-Fache des Ausgangswerts erkannt werden, wobei dieser Anstieg nachweislich oder vermutlich innerhalb der vorangegangenen sieben Tage eingetreten ist. Die Urinmengenkomponente folgt in U06. Diese Kriterien erkennen eine akute Veränderung; sie bestimmen noch nicht deren Ursache. Nach KDIGO wird die AKI zusätzlich in drei Stadien eingeteilt; das jeweils schwerere Kreatinin- oder Urinmengenkriterium bestimmt das Stadium.

Die Tabelle zeigt die Kreatininkriterien der drei KDIGO-Stadien.

StadiumKreatininkriterium
11,5- bis 1,9-facher Ausgangswert oder Anstieg um ≥ 0,3 mg/dl (≥ 26,5 µmol/l)
22,0- bis 2,9-facher Ausgangswert
3≥ 3,0-facher Ausgangswert, Anstieg auf ≥ 4,0 mg/dl (≥ 353,6 µmol/l) oder Beginn einer Nierenersatztherapie

Nach Prüfung der Zeitkriterien für AKI werden die Kreatininkriterien der drei Stadien nebeneinandergestellt; die Ergebniszeile nennt Stadium 1, 2 und 3, wobei ein schwereres Urinmengenkriterium ebenfalls maßgeblich bleibt.

Abbildung: Prüfe zuerst die Zeitangabe, dann die höchste zutreffende Stufe; die Stadieneinteilung erklärt noch keine Ursache. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Kreatinin gestern 0,7 mg/dl, heute 1,1 mg/dl: Anstieg um 0,4 mg/dl und auf das 1,57-Fache. Das erfüllt bei dieser Zeitangabe ein AKI-Kriterium, auch wenn 1,1 mg/dl im lokalen Referenzbereich liegen sollte. Ob Volumenmangel, Medikamente, eine intrinsische Erkrankung oder Abflussbehinderung vorliegen, muss geklärt werden.

Links führen die Kreatininkriterien der AKI und das Beispiel von 0,7 auf 1,1 mg/dl zum erfüllten AKI-Kriterium mit offener Ursache; rechts stehen mindestens drei Monate, GFR unter 60 oder Schadensmarker für die CKD; darunter die zu klärenden Ursachen Volumenmangel, Medikamente, intrinsische Erkrankung und Abfluss.

Abbildung: Lies die beiden Zeitmaßstäbe getrennt; die akute Änderung allein erklärt noch keine Ursache. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Ein scheinbar beruhigender Wert

Aufgabe

Ein gebrechlicher, deutlich muskelarmer Patient hat ein Kreatinin von 0,9 mg/dl. Vorwerte fehlen. Welche Interpretation ist am besten begründet?

Die Tabelle sammelt die vorhandenen Angaben zum Patienten.

BereichAngabe
Körperlicher ZustandGebrechlich, deutlich muskelarm
Kreatinin0,9 mg/dl
VorwerteFehlen

Zwei axiale CT-Schnitte des Bauches in Höhe des dritten Lendenwirbels nebeneinander, mit A und B bezeichnet; die beiden Lendenmuskeln neben dem Wirbelkörper sind grün umrandet und in A deutlich kleiner als in B.

Abbildung: CT-Querschnitte zweier anderer Patienten in Höhe des dritten Lendenwirbels: links (A) eine kleine, rechts (B) eine große Muskelfläche des grün umrandeten Lendenmuskels (Musculus psoas). Quelle: Chen X, Li Z, Mao T, Yang Z, Ling Z, Ren L (Front Nutr 2026;13:1836073, Abb. 2), CC BY 4.0

  1. a)Der Wert beweist eine normale Filtration.
  2. b)Die geringe Muskelmasse erhöht die Kreatininbildung und erklärt den Wert.
  3. c)Der Wert kann die Einschränkung der Filtration unterschätzen; Kontext und weitere Abklärung zählen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Akutdaten selbst einordnen

Aufgabe

Bei einer Patientin steigt Kreatinin in 36 Stunden von 0,8 auf 1,2 mg/dl. Das Labor gibt jeweils eine eGFR aus. Berechne absolute und relative Änderung. Formuliere, was bereits feststeht und was die eGFR hier nicht zuverlässig leistet.

Die Tabelle zeigt die beiden Messzeitpunkte ohne Berechnung.

ZeitpunktKreatininLaborangabe
Ausgangswert0,8 mg/dleGFR ausgegeben
Nach 36 Stunden1,2 mg/dleGFR ausgegeben
In der App sprechen üben →

Urinbefunde einordnen

Lernziel: Du kannst Urinteststreifen und berichtete Sedimentbefunde im Kontext deuten.

Die Probe entscheidet mit

Prüfe wie bei anderen Laborwerten zuerst Zuordnung, Zeitpunkt, Einheit und Probenqualität. Für die Urindiagnostik kommen besondere Fehlerquellen hinzu: Verunreinigung durch Haut-/Genitalflora, Menstruationsblut, starke körperliche Belastung und lange Lagerung. Eine unpassende Probe kann einen echten Messwert liefern, der die klinische Frage trotzdem nicht beantwortet.

Vier präanalytische Fehlerquellen mit ihrer typischen Verfälschung: Haut- und Genitalflora, Menstruationsblut, starke körperliche Belastung und lange Lagerung; bei Zweifel wird die Probe gezielt neu gewonnen.

Abbildung: Ordne jeder Fehlerquelle zu, welchen Befund sie vortäuschen oder verändern kann. Quelle: eigene Darstellung.

Für eine übliche Mittelstrahlprobe erklärt man den Ablauf, ermöglicht Privatsphäre und verwendet das vom Labor vorgegebene saubere Gefäß; für eine Kultur ist ein steriles Gefäß erforderlich. Nach Reinigung entsprechend der lokalen Probenanleitung wird die erste Portion in die Toilette abgegeben, die mittlere Portion aufgefangen. Das Gefäßinnere bleibt unberührt. Name, Entnahmezeit, Probenart und klinische Fragestellung werden dokumentiert.

Nach Vorbereitung führen zwei Wege zur Probe: Mittelstrahlurin mit erster Portion in die Toilette und mittlerer Portion ins Gefäß oder bei liegendem Katheter frische Entnahme am Probenport statt aus dem Beutel; danach folgen Beschriftung und frische Untersuchung.

Abbildung: Verfolge die Handgriffe bis zur eindeutig zugeordneten und geeigneten Probe. Quelle: eigene Darstellung.

Die Probe sollte möglichst frisch untersucht werden. Bei Verzögerung gelten die Transport- und Kühlvorgaben des Labors; es gibt keine universelle Haltbarkeit für alle Analysen. Stehenlassen verändert unter anderem Zell-/Zylindererhalt, Bakterienzahl und pH. Aus einem Katheter wird eine frische Probe nach lokalem hygienischem Verfahren am vorgesehenen Port gewonnen, nicht aus dem Sammelbeutel. Ein Katheter wird nicht allein aus Bequemlichkeit zur Uringewinnung gelegt.

Von der frischen Probe führt der Teststreifen als Suchtest zu drei gezielten Bestätigungswegen: Mikroskopie bei positivem Blutfeld, quantitative ACR bei positivem Protein und Klinik mit gegebenenfalls Kultur bei Leukozyten oder Nitrit.

Abbildung 4. Der Teststreifen stellt eine Suchfrage. Mikroskopie und quantitative Eiweißmessung beantworten andere Fragen und ersetzen einander nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Was der Teststreifen wirklich erkennt

Der Urinstatus umfasst häufig Farbe, Teststreifenparameter und je nach Fragestellung weitere Analysen. Sichtbar roter oder dunkler Urin ist ein Befund, keine Diagnose. Erythrozyten, freies Hämoglobin, Myoglobin sowie manche Lebensmittel oder Medikamente können zu Verfärbungen beitragen.

Fünf Urinröhrchen nebeneinander: zwei unauffällig gelbe beziehungsweise helle Proben, daneben eine dunkel-bernsteinfarbene, eine rote und eine trübe Probe.

Abbildung: Urinproben verschiedener Patienten vor dem Zentrifugieren – links zwei unauffällige Proben, daneben dunkel-bernsteinfarben, rot und trüb. Die Farbe zeigt nur, dass etwas auffällt; Teststreifen und Mikroskopie klären weiter. Quelle: Lehmann R., Anal Bioanal Chem 2021;413:5567–5585, Abb. 3b (PMC8410705), CC BY 4.0; innerhalb des Rahmens ausgeschnitten, aufgedruckte Probennummer unkenntlich gemacht.

Roter oder dunkler Urin: Bei positivem Blutfeld trennt die Mikroskopie zahlreiche Erythrozyten (Hämaturie) von kaum vorhandenen (Hämoglobin oder Myoglobin); bei negativem Blutfeld kommt ein Farbstoff etwa aus Lebensmitteln oder Medikamenten in Betracht.

Abbildung: Folge dem Blutfeld und der Mikroskopie zu den drei Ursachengruppen einer Urinverfärbung. Quelle: eigene Darstellung.

TestfeldWas ein positiver Befund bedeutetWas er nicht beweist
Blut/HämReaktion auf Hämanteile möglichNicht automatisch intakte Erythrozyten oder glomeruläre Blutung
ProteinVorwiegend Albumin wird erfasst.Kein verlässlicher Ausschluss geringer Albuminurie oder von Leichtketten
LeukozytenesteraseHinweis auf LeukozytenKeine sichere bakterielle Infektion
NitritHinweis auf nitritbildende BakterienNegativ schließt Harnwegsinfekt nicht aus.
GlukoseGlukose im UrinOhne Kontext kein Beweis für Diabetes
Spezifisches GewichtHinweis auf Konzentration gelöster StoffeKeine direkte GFR-Messung

Farbskala des Blut-Testfelds eines Urinteststreifens: links negativ (orange), dann bei intakten Erythrozyten grüne Punkte auf gelbem Feld, rechts bei gelöstem Hämoglobin eine gleichmäßige Verfärbung von gelb über olivgrün bis dunkelgrün.

Abbildung: Farbskala des Blutfelds mit englischen Herstellerangaben. „Non-haemolyzed“: punktförmige Verfärbung durch intakte Erythrozyten (etwa 10 und 80 Erythrozyten/µl); „haemolyzed“: flächige Verfärbung durch gelöstes Häm, also freies Hämoglobin oder Myoglobin, abgestuft bis „large“ (etwa 200/µl). Quelle: Glengarry JM et al., Int J Legal Med 2025;139:1893–1902, Abb. 1B (PMC12170697), CC BY 4.0; auf die Blut-Zeile der Farbskala zugeschnitten, vergrößert.

Im Normalbefund sind Blut, Protein, Leukozytenesterase, Nitrit und Glukose negativ; das spezifische Gewicht liegt meist zwischen 1,005 und 1,030, der pH meist zwischen 4,5 und 8.

Von Probenqualität und Testfeld führen drei Wege zu Glukose, spezifischem Gewicht und pH: Normalbefunde, SGLT2-Hemmer, Trinkmenge und Lagerung begrenzen jeweils die Aussage.

Abbildung: Lies jedes Testfeld mit seiner eigenen Messfrage; Glukose, Konzentration und pH ersetzen keine gemeinsame Diagnose. Quelle: eigene Darstellung.

So sieht ein unauffälliger Teststreifenbefund aus und darauf achtest du jeweils:

TestfeldNormalbefundWorauf achten
Blut/HämnegativPositiv: mit Mikroskopie prüfen
Proteinnegativ„Spur“ schließt ACR 30–300 mg/g nicht aus
LeukozytenesterasenegativKontamination mitdenken
NitritnegativBraucht meist etwa 4 h Blasenverweilzeit
GlukosenegativPositiv auch unter SGLT2-Hemmern
Spezifisches Gewichtetwa 1,005–1,030Abhängig von der Trinkmenge
pHetwa 4,5–8Verschiebt sich bei Lagerung

Die Nachweisgrenzen hängen vom Testsystem ab. Nitrit kann trotz Infektion negativ bleiben, etwa bei kurzer Blasenverweilzeit oder Erregern ohne entsprechende Nitritbildung. Leukozyturie kann auch bei nichtbakterieller Entzündung oder Kontamination vorkommen. Symptome, Probenqualität und gegebenenfalls Kultur entscheiden mit. Ein auffälliger Teststreifen allein begründet keine beliebige Antibiotikatherapie.

Teststreifen-Infektionshinweise: Nitrit negativ (Blasenverweilzeit unter etwa 4 Stunden, Erreger ohne Nitritbildung) schließt einen Harnwegsinfekt nicht aus; Leukozytenesterase positiv (nichtbakterielle Entzündung, Kontamination) beweist keine Infektion; Symptome, Probenqualität und gegebenenfalls Urinkultur werden zusammengeführt; der Teststreifen allein begründet keine beliebige Antibiotikatherapie.

Abbildung: Lies zuerst die Grenzen der beiden Testfelder (1a, 1b); Schritt 2 führt sie mit Symptomen, Probenqualität und gegebenenfalls Kultur zusammen. Quelle: eigene Darstellung.

Das Sediment lokalisiert Hinweise

Im Sediment werden Zellen, Zylinder, Kristalle und andere Bestandteile mikroskopisch beurteilt. Zylinder sind in Nierentubuli geformte Strukturen aus einer Proteinmatrix, in die Zellen oder Zellreste eingeschlossen sein können. Sie liefern dadurch andere Ortsinformationen als freie Zellen im Urin.

Neun mikroskopische Bildfelder aus Urinsedimenten: Plattenepithelzellen, Erythrozyten, Leukozyten, Bakterien, Hefen, Oxalatkristalle, Tripelphosphatkristalle, granulierte Zylinder und Pseudohyphen.

Abbildung: Häufige Sedimentbestandteile verschiedener Patienten: (i) Plattenepithelzellen, typisch ohne Mittelstrahltechnik, (ii) Erythrozyten, (iii) Leukozyten, (iv) Bakterien, (v) Hefen, (vi) Oxalatkristalle, (vii) Tripelphosphatkristalle, (viii) granulierte Zylinder, (ix) Pseudohyphen. Quelle: Lehmann R., Anal Bioanal Chem 2021;413:5567–5585, Abb. 3c, über Wikimedia Commons („Formed elements of urine.png“), CC BY 4.0; nach WebP umgewandelt.

Berichteter BefundKlinische Einordnung
Dysmorphe Erythrozyten, besonders AkanthozytenStützen einen glomerulären Ursprung; Technik und Erfahrung beeinflussen die Aussage.
ErythrozytenzylinderStarker Hinweis auf eine renale, häufig glomeruläre Blutungsquelle
LeukozytenzylinderRenale Entzündung möglich, etwa Pyelonephritis oder tubulointerstitielle Nephritis
Grob granulierte Zylinder/TubulusepithelienKönnen eine tubuläre Schädigung stützen.
Hyaline ZylinderAuch ohne relevante Erkrankung möglich, etwa bei konzentriertem Urin
Viele PlattenepithelzellenKönnen eine kontaminierte Probe anzeigen.

Ortszuordnung von Sedimentbefunden: Glomerulus mit dysmorphen Erythrozyten und Erythrozytenzylindern, Tubulus mit Tubulusepithelien und grob granulierten Zylindern, Interstitium mit Leukozytenzylindern, Harnwege mit überwiegend isomorphen Erythrozyten und die Probe mit vielen Plattenepithelzellen; hyaline Zylinder sind unspezifisch.

Abbildung: Lies von oben nach unten, wo im Harntrakt der jeweilige Befund entsteht – und dass der Ort noch nicht die Ursache benennt. Quelle: eigene Darstellung.

Phasenkontrastaufnahmen dysmorpher Erythrozyten in vier Reihen: mehrlappige, ringförmige, mit Spikulae besetzte Erythrozyten und Akanthozyten mit bläschenartigen Ausstülpungen.

Abbildung: Vier Formen dysmorpher Erythrozyten. Akanthozyten (unten) sind ringförmige Erythrozyten mit bläschenartigen Ausstülpungen und sprechen am stärksten für einen glomerulären Ursprung. Quelle: Pons-Belda OD et al., Adv Lab Med 2026;7:171–178, Abb. 1 (PMC13552805), CC BY 4.0; Bildkacheln ausgeschnitten, deutsche Beschriftung ergänzt.

Vier Harnzylinder: a Tubulusepithelzylinder, b schmutzig-brauner grob granulierter Zylinder, c Leukozytenzylinder, d Erythrozytenzylinder.

Abbildung: (a) Tubulusepithelzylinder und (b) schmutzig-braune grob granulierte Zylinder sprechen für eine akute Tubulusschädigung, (c) Leukozytenzylinder für interstitielle Nephritis oder Pyelonephritis, (d) Erythrozytenzylinder für eine glomeruläre Blutung. Quelle: Mohsenin V., J Intensive Care 2017;5:57, Abb. 1 (PMC5603084), über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; vergrößert.

Zwei längliche, grob granulierte Zylinder im ungefärbten Urinsediment.

Abbildung: Grob granulierte Zylinder: eine zylindrische Proteinmatrix mit eingelagerten Körnchen aus Zellresten. Sie können eine tubuläre Schädigung stützen. Quelle: Ajay Kumar Chaurasiya, Wikimedia Commons („Granular Casts in Urine Microscopy.jpg“), CC BY 4.0; ausgeschnitten und verkleinert.

Als Mikrohämaturie gelten meist ≥ 3 Erythrozyten pro Gesichtsfeld bei 400-facher Vergrößerung (automatisiert häufig > 20/µl); ab ≥ 40 % dysmorphen Erythrozyten oder ≥ 2 % Akanthozyten ist ein glomerulärer Ursprung möglich, ab ≥ 80 % beziehungsweise ≥ 5 % wahrscheinlich.

Keiner dieser Befunde benennt allein zuverlässig die vollständige Ursache. Besonders die Kombination aus aktivem Sediment, Proteinurie und Kreatininanstieg verlangt eine zeitnahe ärztliche beziehungsweise nephrologische Einordnung. Ein „unauffälliges Sediment“ schließt Nierenerkrankung nicht aus. Eosinophile im Urin sind kein ausreichend zuverlässiger Einzeltest für eine medikamentöse interstitielle Nephritis.

Zylinderbildung wird zuerst von freien Zellen unterschieden. Drei Befundgruppen zeigen starken Ortsbezug, mögliche Schädigung und geringe Spezifität; anschließend werden aktives Sediment, Proteinurie und Kreatininanstieg zusammengeführt.

Abbildung: Vergleiche die Stärke der Hinweise; der Ursprungsort und die vollständige Krankheitsursache sind verschiedene Aussagen. Quelle: eigene Darstellung.

Erythrozyten im Sediment stufenweise einordnen: Mikrohämaturie ab 3 Erythrozyten pro Gesichtsfeld bestätigen, Morphologie beurteilen (glomerulär möglich ab 40 Prozent dysmorph oder 2 Prozent Akanthozyten, wahrscheinlich ab 80 Prozent oder 5 Prozent), dann mit Proteinurie und Kreatininanstieg kombinieren; die Kombination verlangt zeitnahe nephrologische Einordnung, ein unauffälliges Sediment schließt Nierenerkrankung nicht aus.

Abbildung: Achte auf die Kombination mehrerer Befunde und auf die Grenze der Ursachenzuordnung. Quelle: eigene Darstellung.

Hier interpretierst du schriftlich berichtete Sedimentbefunde. Das eigenständige Erkennen mikroskopischer Strukturen erfordert zusätzlich geeignete Originalpräparate und angeleitete Bild-/Mikroskopieübungen.

Test und Bestätigung zusammenführen

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Patientin hat im Teststreifen „Blut ++“. In der frischen, sachgerecht gewonnenen Probe bestätigt die Mikroskopie zahlreiche Erythrozyten. Damit ist eine Hämaturie gestützt. Erst Morphologie, Zylinder, Proteinurie, Beschwerden und Verlauf helfen bei der Orts- und Ursachenfrage. Bei Menstruation oder unsicherer Entnahme wäre eine kontrollierte Wiederholungsprobe wichtig; eine auffällige Probe darf nicht kommentarlos als glomeruläre Erkrankung bezeichnet werden.

Ein zweiter Patient zeigt ein stark positives Blutfeld, aber kaum Erythrozyten in der frischen Probe. Nun sind unter anderem Myoglobin oder freies Hämoglobin zu bedenken. Muskelschmerz und eine passende Exposition könnten weitere Untersuchungen auf Muskelschädigung veranlassen. Der Test allein beweist weder Rhabdomyolyse noch Hämolyse; auch Präanalytik und Zellzerfall müssen berücksichtigt werden.

Positives Blutfeld: Mikroskopie der frischen, sachgerecht gewonnenen Probe, bei Menstruation oder unsicherer Entnahme Wiederholung; zahlreiche Erythrozyten stützen eine Hämaturie, dann klären Morphologie, Zylinder, Proteinurie, Beschwerden und Verlauf Ort und Ursache; kaum Erythrozyten lassen an Myoglobin oder freies Hämoglobin denken, Muskelschmerz, Exposition, Präanalytik und Zellzerfall werden beachtet und Muskelschaden oder Hämolyse gezielt untersucht; der Teststreifen allein benennt keine glomeruläre Erkrankung.

Abbildung: Beginne mit der Zellfrage und folge anschließend dem passenden Abklärungsweg. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Einen Widerspruch gezielt prüfen

Aufgabe

Ein Teststreifen zeigt „Blut positiv“. Welche zusätzliche Information hilft am direktesten zu klären, ob Erythrozyten im Urin vorliegen?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Daten
TestfeldBlut
Befundpositiv
  1. a)Mikroskopie einer geeigneten frischen Probe
  2. b)Die Höhe der berechneten eGFR allein
  3. c)Der positive Protein-Teststreifen allein
Lösung in der App →

Freie Antwort

Einen Befund ohne Überdiagnose vorstellen

Aufgabe

Bei einem Patienten steigt Kreatinin innerhalb von 48 Stunden von 0,8 auf 1,3 mg/dl. Eine korrekt gewonnene frische Probe zeigt Albuminurie, zahlreiche dysmorphe Erythrozyten und Erythrozytenzylinder. Formuliere die wahrscheinlich betroffene Struktur, die Dringlichkeit und eine Aussage, die noch nicht bewiesen ist.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Daten
Kreatinin0,8 → 1,3 mg/dl innerhalb von 48 h
Probekorrekt gewonnen, frisch
UrinAlbuminurie; zahlreiche dysmorphe Erythrozyten; Erythrozytenzylinder

Gefärbtes Urinsediment im Hellfeld: ein langer, schmaler zylindrischer Körper zieht diagonal durch das Bild und schließt zahlreiche kleine runde Zellen ein; ringsum liegen sehr viele freie kleine runde Zellen und einzelne Zellhaufen.

Abbildung: Urinsediment eines anderen Patienten (gefärbt, Hellfeld): ein langer Zylinder mit eingeschlossenen Erythrozyten, ringsum zahlreiche freie Erythrozyten. Quelle: Echevarria V, Pierre E, Quiros J, Eftekhari P (Cureus 2023;15:e47656, Abb. 1), CC BY 4.0

In der App sprechen üben →

Proteinverlust messen

Lernziel: Du kannst Albuminurie messen und von anderen Proteinuriemustern abgrenzen.

Albumin ist ein Protein, aber nicht jedes Protein ist Albumin

Proteinurie bezeichnet eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin. Albuminurie ist der Anteil, der Albumin betrifft. Die Unterscheidung hilft, den Mechanismus einzugrenzen: Eine geschädigte glomeruläre Barriere lässt vermehrt Albumin passieren; eine gestörte proximale Rückgewinnung kann kleinere, normalerweise filtrierte Proteine im Urin belassen. Bei stark vermehrten kleinen Plasmaproteinen kann die Rückgewinnung überfordert sein, etwa bei freien Immunglobulin-Leichtketten. Dieses Muster heißt Überlaufproteinurie. Zusätzlich können Entzündung oder Blutung in den Harnwegen Protein beisteuern.

Drei Wege der Proteinurie nebeneinander: glomerulär mit geschädigter Filterbarriere und Albumin als Leitprotein, tubulär mit gestörter Rückgewinnung kleiner Proteine wie α1- und β2-Mikroglobulin, Überlauf mit Überangebot freier Leichtketten; darunter die Reaktion des Protein-Teststreifens (deutlich, oft schwach, oft kaum), die passende Messung (ACR, PCR mit gezielten Proteinen, gezielte Suche nach monoklonalen Proteinen) und die Harnwege als zusätzliche Proteinquelle.

Abbildung 5. Lies jede Spalte von oben nach unten: Mechanismus, typisches Protein, Reaktion des Teststreifens und passende Messung. Mischformen sind möglich; aus dem Schema allein folgt keine Krankheitsdiagnose. Quelle: eigene Darstellung.

Lichtmikroskopisches Nierenbiopsat in HE-Färbung: zwei Glomeruli mit rosafarbenen, knotigen Verbreiterungen des Mesangiums, dazwischen Tubuli und eine Arteriole.

Abbildung: Beispiel für eine glomeruläre Schädigung im Nierenbiopsat – noduläre Glomerulosklerose (Kimmelstiel-Wilson-Knötchen) bei diabetischer Nephropathie, HE-Färbung. Achte auf die knotigen, rosafarbenen Ablagerungen in beiden Glomeruli. Klinisch zeigt sich ein solcher Schaden zuerst als Albuminurie; die Ursache sichert erst die Gesamtbeurteilung, gegebenenfalls mit Biopsie. Quelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC), „Nodular glomerulosclerosis“, Wikimedia Commons, gemeinfrei (US-Bundesbehörde); ins WebP-Format umgewandelt.

Der übliche Protein-Teststreifen reagiert vor allem auf Albumin. Eine geringe Albuminurie oder eine klinisch relevante Leichtkettenausscheidung kann deshalb trotz unauffälligem Protein-Testfeld vorliegen. Bei passender Konstellation, etwa unerklärter Nierenfunktionsverschlechterung mit Anämie und auffälligem Gesamtprotein, müssen gezielte Laboruntersuchungen auf monoklonale Proteine erwogen werden; ein negativer Streifen beendet die Abklärung nicht.

Fotografierte Farbskala des Protein-Testfelds eines Urinteststreifens von „Spur“ bis „++++“: „+“ bei 0,3 g/l beziehungsweise 30 mg/dl, „++“ bei 1 g/l (100 mg/dl), „+++“ bei 3 g/l (300 mg/dl) und „++++“ ab 20 g/l (2000 mg/dl); die Felder werden von gelbgrün nach blaugrün dunkler.

Abbildung: Protein-Farbskala eines handelsüblichen Urinteststreifens ab „Spur“ (Trace); obere Zahl g/l, untere mg/dl. Bei diesem Produkt entspricht „+“ etwa 0,3 g/l (30 mg/dl) Protein. Eine Albuminkonzentration im A2-Bereich, etwa 60 mg/l, liegt weit darunter und kann als „negativ“ oder „Spur“ erscheinen. Die Stufen unterscheiden sich je nach Hersteller. Quelle: Iqbal Osman, „Urine dipstick parameters“, Wikimedia Commons, CC BY 2.0; auf die Protein-Zeile ab „Spur“ zugeschnitten, gerade ausgerichtet, ins WebP-Format umgewandelt.

Der Protein-Teststreifen hat Grenzen bei geringer Albuminurie und Leichtkettenausscheidung.

AspektAussage
Protein-TeststreifenReagiert vor allem auf Albumin.
Unauffälliges Protein-TestfeldGeringe Albuminurie oder relevante Leichtkettenausscheidung bleiben möglich.
Passende VerdachtskonstellationUnerklärte Nierenfunktionsverschlechterung, Anämie und auffälliges Gesamtprotein.
Gezielte ErgänzungLaboruntersuchungen auf monoklonale Proteine erwägen.

Entscheidungsweg bei unauffälligem Protein-Testfeld: Es bleiben zwei Möglichkeiten, eine geringe Albuminurie unter der Nachweisgrenze, die mit der ACR erfasst wird, und Leichtketten mit kaum Streifenreaktion; bei passender Verdachtskonstellation aus unerklärter Nierenfunktionsverschlechterung, Anämie und auffälligem Gesamtprotein folgt Labor auf monoklonale Proteine mit Serum-Eiweißelektrophorese, Immunfixation und freien Leichtketten im Serum.

Abbildung: Ein unauffälliges Protein-Testfeld lässt zwei Lücken offen. Links genügt die ACR; rechts entscheidet die klinische Konstellation über die gezielte Labordiagnostik. Quelle: eigene Darstellung.

Warum ein Quotient sinnvoll ist

Eine Albuminkonzentration in mg/l hängt auch davon ab, wie verdünnt der Urin ist. Deshalb wird häufig der Albumin-Kreatinin-Quotient, kurz ACR oder UACR, in einer Einzelprobe bestimmt. Der Quotient bezieht Albumin auf das Urinkreatinin und vermindert damit den Einfluss der Urinverdünnung. Er beseitigt nicht alle Fehler: Sehr geringe oder hohe Kreatininausscheidung, etwa bei ungewöhnlicher Muskelmasse, kann den Quotienten beeinflussen. Wenig Urinkreatinin, etwa bei geringer Muskelmasse, hebt den Quotienten; viel Urinkreatinin, etwa bei großer Muskelmasse, senkt ihn.

Zwei Proben derselben Person: konzentrierter Urin mit 60 mg/l Albumin und 1,0 g/l Kreatinin sowie verdünnter Urin mit 15 mg/l Albumin und 0,25 g/l Kreatinin; die Konzentration in mg/l täuscht, der Quotient ergibt in beiden Fällen 60 mg/g. Darunter die Grenze: wenig Urinkreatinin bei geringer Muskelmasse ergibt eine falsch hohe, viel Urinkreatinin bei großer Muskelmasse eine falsch niedrige ACR.

Abbildung: Vergleiche die beiden Spalten. Die Albuminkonzentration unterscheidet sich um das Vierfache, die ACR bleibt gleich, weil Albumin und Kreatinin gleich stark verdünnt werden. Quelle: eigene Darstellung.

UntersuchungTypische Frage
ACRWie ausgeprägt ist die Albuminurie?
Protein-Kreatinin-Quotient (PCR)Wie viel Gesamtprotein ist relativ zum Urinkreatinin vorhanden?
Gezielte ProteindiagnostikPasst das Muster zu tubulären oder monoklonalen Proteinen?
Zeitbezogene SammlungWelche Menge wird in definierter Zeit ausgeschieden, wenn diese Information erforderlich ist?

ACR und PCR haben unterschiedliche Zähler. Du darfst den PCR deshalb nicht automatisch in eine Albuminuriekategorie umdeuten. Eine Sammlung kann bei speziellen Fragen nützlich sein, ist aber durch unvollständiges Sammeln fehleranfällig. Wenn sie angeordnet ist, wird zu Beginn die Blase entleert und dieser Urin verworfen; danach wird für die vorgegebene Zeit vollständig gesammelt, einschließlich der Blasenentleerung am Ende. Eine ausgelassene Portion muss gemeldet werden. Zeit, Gesamtvolumen und laborabhängige Lagerung gehören zur Dokumentation.

Die Frage nach Konzentration oder Quotient führt links zur getrennten Auswahl von ACR und PCR und rechts zu gezielter Proteindiagnostik oder zeitbezogener Sammlung. Die Ergebnisse werden als Quotient, Proteinmuster oder Menge pro Zeit benannt.

Abbildung: Beginne bei der Laborfrage; insbesondere ist ein PCR-Ergebnis keine Albuminuriekategorie. Quelle: eigene Darstellung.

Zeitachse einer 24-Stunden-Sammlung von Tag 1, 07:00 Uhr, bis Tag 2, 07:00 Uhr: Die erste Blasenentleerung wird verworfen, jede weitere Portion gesammelt und die Endentleerung mitgesammelt. Darunter die Schritte Beginn, Ende, Vollständigkeit prüfen und Dokumentieren von Start- und Endzeit, Gesamtvolumen und Lagerung; als Ergebnis eine verwertbare vollständige Sammlung oder eine fehlende Portion, die gemeldet wird.

Abbildung: Beginn, Endentleerung und Vollständigkeit bestimmen die Aussagekraft einer zeitbezogenen Sammlung. Die Uhrzeiten sind ein Beispiel; maßgeblich ist die angeordnete Sammelzeit. Quelle: eigene Darstellung.

Leeres Sammelgefäß für Urin aus braunem, lichtgeschütztem Kunststoff mit Griff, gelbem Schraubdeckel und Volumenskala bis 3000 ml.

Abbildung: Typisches Sammelgefäß für eine zeitbezogene Urinsammlung. Die Skala erleichtert das Ablesen des Gesamtvolumens; Zusätze und Lagerung legt das Labor fest. Quelle: PantheraLeo1359531, „Behältnis für Sammelurin 20240113 HOF04643 RAW-Export“, Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, verkleinert, ins WebP-Format umgewandelt.

Kategorien und Bestätigung

KategorieACR in mg/g KreatininACR in mg/mmol Kreatinin
A1<30<3
A230–3003–30
A3>300>30

Die Zahlen in mg/mmol sind gerundete Kategoriengrenzen, keine exakt identischen Umrechnungen jeder Grenzzahl. Lies immer die Einheit. Ein Befund von 20 mg/mmol darf nicht wie 20 mg/g behandelt werden. Die älteren Bezeichnungen Mikro-/Makroalbuminurie werden durch die klaren Kategorien A1–A3 vermieden. Nach KDIGO 2024 entsprechen A1–A3 einer Albuminausscheidung von <30, 30–300 und >300 mg/24 h und heißen „normal bis leicht erhöht“, „mäßig erhöht“ und „stark erhöht“.

Albuminuriekategorien nach KDIGO 2024 als farbige Spalten: A1 normal bis leicht erhöht mit ACR unter 30 mg/g, unter 3 mg/mmol und AER unter 30 mg/24 h; A2 mäßig erhöht mit 30–300 mg/g, 3–30 mg/mmol und 30–300 mg/24 h; A3 stark erhöht mit über 300 mg/g, über 30 mg/mmol und über 300 mg/24 h. Darunter die Einheitenfalle: 20 mg/g entspricht A1, 20 mg/mmol entspricht A2.

Abbildung: Suche zuerst die Zeile mit der berichteten Einheit, dann die Spalte. Dieselbe Zahl kann je nach Einheit in einer anderen Kategorie liegen. Quelle: eigene Darstellung nach KDIGO 2024.

Ein positiver Eiweiß-Teststreifen wird quantitativ abgeklärt. Eine erhöhte ACR aus einer zufälligen Probe wird möglichst mit einer ersten Morgen-Mittelstrahlprobe bestätigt. Fieber, Harnwegsinfekt, Menstruation oder intensive Belastung können die Messung vorübergehend beeinflussen. Eine einzelne ACR beweist daher weder die Dauer noch die Ursache. Persistierende Albuminurie kann auch bei erhaltener eGFR ein Nierenschadensmarker sein. Für die Diagnose einer chronischen Nierenkrankheit muss der Befund länger als 3 Monate bestehen.

Nach Benennung von Messgröße und Probe werden drei Einflussgruppen getrennt: Verdünnung, Kreatininausscheidung bei ungewöhnlicher Muskelmasse und vorübergehende Einflüsse. Eine erhöhte ACR wird bestätigt und die Dauer gesondert geprüft.

Abbildung: Prüfe, welcher Einfluss die Konzentration oder den Quotienten verändert, bevor du aus einer Probe auf Dauer schließt. Quelle: eigene Darstellung.

Ablauf nach auffälligem Suchbefund: 1 quantifizieren mit ACR oder PCR im Labor, 2 vorübergehende Einflüsse wie Fieber, Harnwegsinfekt, Menstruation und intensive Belastung prüfen, 3 mit erster Morgen-Mittelstrahlprobe bestätigen, ob die ACR erneut mindestens 30 mg/g beziehungsweise 3 mg/mmol beträgt, 4 Persistenz über mehr als 3 Monate prüfen und die eGFR getrennt beurteilen. Ergebnis: nur einmalig erhöht ist kein Beleg für Dauer, persistent erhöht ist ein Schadensmarker auch bei eGFR ab 60, die Ursache wird gesondert abgeklärt.

Abbildung: Wiederholungsmessung, Einflussfaktoren und Persistenz gehören zur Einordnung einer erhöhten ACR. Die drei Ergebnisfelder trennen Dauer, Schadensnachweis und Ursache. Quelle: eigene Darstellung nach KDIGO 2024.

Vom Laborwert zum begründeten Satz

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine Morgenurinprobe enthält 60 mg Albumin/l und 0,50 g Kreatinin/l. Der Quotient ist:

60 mg/l ÷ 0,50 g/l = 120 mg/g.

Das entspricht A2. Zur Kontrolle in der anderen Einheit: mg/g × 0,113 ergibt mg/mmol; 120 mg/g entsprechen rund 13,6 mg/mmol und liegen ebenfalls in A2. Das Ergebnis belegt eine erhöhte Albuminausscheidung relativ zum Kreatinin in dieser Probe. Es belegt noch keine chronische Nierenkrankheit. Ein passender Befundsatz lautet: „Die ACR liegt mit 120 mg/g im Bereich A2. Vorübergehende Einflussfaktoren und die Persistenz werden geprüft; die Ursache ist noch nicht gesichert.“

Rechenweg in drei Schritten: Werte der Probe Albumin 60 mg/l und Kreatinin 0,50 g/l, Teilen 60 mg/l durch 0,50 g/l gleich 120 mg/g, wobei sich Liter herauskürzt, dann Einordnung auf der Skala A1 unter 30, A2 30–300, A3 über 300 mg/g; 120 mg/g entsprechen etwa 13,6 mg/mmol und liegen in beiden Einheiten in A2. Ergebnis: belegt ist A2 in dieser Probe, offen bleiben Dauer und Ursache.

Abbildung: Die Rechnung liefert eine Kategorie; Dauer und Ursache bleiben gesonderte Fragen. Die Skala ist nicht maßstäblich. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Unterstützt rechnen

Aufgabe

Eine geeignete Probe enthält 48 mg Albumin/l und 0,80 g Kreatinin/l. Berechne die ACR, ordne die Kategorie zu und nenne einen Grund für eine Wiederholungsprüfung.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Daten
Probegeeignet
Albumin48 mg/l
Kreatinin0,80 g/l
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Ein neues Muster beurteilen

Aufgabe

Bei einer Patientin beträgt die eGFR stabil 88 ml/min/1,73 m². ACR-Werte aus geeigneten Proben liegen vier Monate auseinander bei 180 und 160 mg/g. Vorübergehende Einflussfaktoren wurden berücksichtigt. Welche Aussage ist am besten begründet?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Daten
eGFRstabil 88 ml/min/1,73 m²
ACR, erste Probe180 mg/g
ACR, vier Monate später160 mg/g
Proben / Einflüssegeeignet / vorübergehende Einflüsse berücksichtigt
  1. a)Die eGFR über 60 schließt eine chronische Nierenkrankheit aus.
  2. b)Die anhaltende Albuminurie ist ein Nierenschadensmarker trotz relativ erhaltener Filtration.
  3. c)Der Befund beweist eine bestimmte Glomerulonephritis.
Lösung in der App →

Diurese und Harnabfluss

Lernziel: Du kannst Urinmenge, Bilanz und Abflussbefunde gemeinsam beurteilen.

Eine Urinmenge braucht einen Zeitraum

Die Diurese ist die ausgeschiedene Urinmenge pro Zeit. Notiere Beginn und Ende des Messintervalls, die erfasste Menge und die Messmethode. Eine Angabe wie „wenig Urin“ lässt weder die Größenordnung noch den Verlauf erkennen. Prüfe auch, ob Urin unbemerkt verloren ging oder eine Entleerung nicht dokumentiert wurde.

Oligurie bezeichnet eine geringe Urinmenge, beim Erwachsenen orientierend unter 500 ml/24 h. Anurie bedeutet fehlende oder nahezu fehlende Ausscheidung, orientierend unter 100 ml/24 h. Polyurie ist eine übermäßig große Tagesmenge, häufig mit über 3 l/24 h beschrieben. Häufige kleine Miktionen sind dagegen eine erhöhte Entleerungsfrequenz; sie beweisen keine Polyurie. Diese Tagesbegriffe ersetzen keine zeit- und gewichtsbezogene Akutbeurteilung.

Die Tagesbegriffe beschreiben Mengen und sind von der Entleerungsfrequenz zu unterscheiden.

BegriffMenge beim ErwachsenenBezug
OligurieOrientierend <500 ml24 h
AnurieOrientierend <100 ml24 h
PolyurieHäufig >3 l24 h
Häufige kleine MiktionenKeine Polyurie bewiesenErhöhte Entleerungsfrequenz

Für den akuten Verlauf rechnest du:

Urinrate in ml/kg/h = Urinvolumen in ml ÷ Körpergewicht in kg ÷ Messdauer in h.

Nach der KDIGO-Definition erfüllt eine Urinrate unter 0,5 ml/kg/h über mindestens sechs Stunden ein Urinmengenkriterium für eine akute Nierenschädigung, kurz AKI. Das setzt eine verlässliche Erfassung voraus. Prüfe parallel Kreatininverlauf, Kreislauf und Harnabfluss. Bei plötzlichem Urinstopp oder klinischer Verschlechterung handelst du sofort; du wartest nicht auf sechs Stunden. KDIGO AKI 2012, §2.1.1

KDIGO stuft die Urinmenge zusätzlich in Stadien ein: Stadium 1 bei unter 0,5 ml/kg/h über 6–12 h, Stadium 2 bei unter 0,5 ml/kg/h über mindestens 12 h, Stadium 3 bei unter 0,3 ml/kg/h über mindestens 24 h oder Anurie über mindestens 12 h; das schwerere Kriterium aus Kreatinin und Urinmenge bestimmt das Stadium. KDIGO AKI 2012, §2.1.2

Nach gesicherter Messung wird die Urinrate aus Volumen, Gewicht und Dauer berechnet; unter 0,5 ml/kg/h über mindestens sechs Stunden ist das KDIGO-Kriterium erfüllt, die Stadien 1 bis 3 richten sich nach Schwelle und Dauer, bei Urinstopp oder Verschlechterung wird sofort gehandelt.

Abbildung: Urinrate, KDIGO-Urinkriterium und Stadien; Kreatinin, Kreislauf und Harnabfluss werden parallel geprüft. Das Kriterium ersetzt weder die Ursachenprüfung noch die sofortige Reaktion auf eine akute Verschlechterung. Quelle: eigene Darstellung.

Eine ausreichende Urinmenge schließt AKI nicht aus. Umgekehrt erklärt eine geringe Menge noch nicht ihren Mechanismus: Filtration, tubuläre Wasserhandhabung und Abfluss bestimmen gemeinsam, was im Sammelgefäß ankommt.

Eine kleine Menge einordnen

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein 70 kg schwerer Erwachsener scheidet in sechs vollständig erfassten Stunden 180 ml Urin aus. Es gab keine verlorenen Portionen. Du gehst in zwei Schritten vor:

  1. 180 ml ÷ 6 h = 30 ml/h.
  2. 30 ml/h ÷ 70 kg = 0,43 ml/kg/h, gerundet.

Damit ist das genannte Urinmengenkriterium erfüllt. Ein noch wenig auffälliges Kreatinin wäre keine Entwarnung. Ursache und mögliche Gefährdung müssen jetzt geklärt werden. Die Rechnung allein begründet weder eine Infusion noch eine Diuretikagabe.

PrüfschrittKonkrete FrageBedeutung
MessungZeitraum vollständig, Menge richtig zugeordnet?Fehlende Dokumentation kann eine falsche Oligurie vortäuschen.
Körper und KreislaufBlutdruck, Perfusion, Atmung, Ödeme, Gewichtsverlauf?Minderperfusion und Stauung verlangen unterschiedliche Einordnung.
AbflussMiktion möglich, Blase gefüllt, Kathetersystem frei?Zurückgehaltener Urin ist nicht gleich fehlender Urinbildung.

Aus 180 ml in sechs Stunden bei 70 kg ergeben sich 0,43 ml/kg/h; danach werden Messung, Kreislauf und Abfluss geprüft, bevor über Infusion oder Diuretikum entschieden wird.

Abbildung: Die Rechnung zeigt das erfüllte Kriterium; Messung, Kreislauf und Abfluss bestimmen die nächste Entscheidung. Quelle: eigene Darstellung.

Bilanz und Untersuchung ergänzen sich

Die dokumentierte Flüssigkeitsbilanz ist erfasste Zufuhr minus erfasste Ausfuhr für denselben Zeitraum. Zur Zufuhr zählen Getränke, flüssige beziehungsweise wasserhaltige Ernährung und Sondennahrung sowie intravenöse Flüssigkeit einschließlich Medikamententrägern, Spülmengen und parenteraler Ernährung. Zähle dieselbe Gabe nicht doppelt. Zur messbaren Ausfuhr gehören Urin, Erbrochenes, Drainage- und Stomaverluste sowie messbare Durchfälle.

Verdunstung über Haut und Atmung ist meist nicht direkt erfasst. Fieber, Schwitzen und schnelle Atmung können diese Verluste verändern. Eine rechnerisch positive Bilanz ist daher keine genaue Messung des zusätzlich im Körper verbliebenen Wassers.

Ausgearbeitetes Beispiel

Über 24 Stunden wurden 1200 ml Getränke und flüssige Nahrung, 1000 ml Infusion und 200 ml Medikamententräger dokumentiert. Dem stehen 900 ml Urin und 300 ml Drainageverlust gegenüber:

2400 − 1200 = +1200 ml dokumentierte Bilanz.

Ungemessene Verluste fehlen in dieser Rechnung. Prüfe den Gewichtsverlauf unter vergleichbaren Messbedingungen und untersuche Kreislauf, Schleimhäute, Halsvenen, Lunge und Ödeme. Eine rasche Gewichtszunahme zusammen mit Dyspnoe und Stauungszeichen kann Flüssigkeitsüberlastung stützen. Eine niedrige Urinmenge allein rechtfertigt keinen Flüssigkeitsbolus. Eine tatsächlich nötige Flüssigkeitsgabe wird mit festgelegter Neubewertung von Wirkung und möglicher Überlastung verbunden. NICE CG174, Beurteilung und Verlaufskontrolle

Gestapelte Balken: 2400 ml erfasste Zufuhr und 1200 ml erfasste Ausfuhr ergeben plus 1200 ml; nicht erfasste Verluste über Haut und Atmung sowie die Untersuchung begrenzen die Aussage für eine Flüssigkeitsgabe.

Abbildung: Die positive Bilanz ist eine Dokumentationsgröße und wird mit Gewichtsverlauf und Untersuchung zusammengeführt. „Träger“ steht für Medikamententräger. Quelle: eigene Darstellung.

Den Weg bis zur Blase verfolgen

Der Urin fließt aus den Sammelrohren über Nierenkelche und Nierenbecken durch die Harnleiter in die Blase und über die Harnröhre nach außen. Eine Obstruktion ist eine Behinderung dieses Abflusses. Sie kann den Druck oberhalb der Engstelle erhöhen und die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Harnweg vom Sammelrohr bis zur Urethra; drei Hindernisorte – einseitig im Ureter, beidseitig oder an der einzigen Niere, unterhalb der Blase – mit ihren Folgen für Urinmenge, Sonografiebefund und Bedeutung.

Abbildung: Verfolge beide Harnleiter getrennt bis zur gemeinsamen Blase. Ein Hindernis in einem Harnleiter betrifft zunächst eine Seite; ein beidseitiges Hindernis oder eine Abflussbehinderung unterhalb der Blase kann beide oberen Harnwege betreffen. NBKS = Nierenbeckenkelchsystem. Die Zeichnung ist ein Funktionsschema, kein Ultraschallbild. Quelle: eigene Darstellung.

Eine einseitige Obstruktion kann bei funktionierender Gegenseite mit erhaltener Gesamturinmenge einhergehen. Die betroffene Niere ist deshalb nicht geschützt. Ein beidseitiges Hindernis oder eine Obstruktion der einzigen funktionierenden Niere kann die gesamte Ausscheidung bedrohen.

Die Sonografie verbindet die Nierenfrage mit der Blasenfrage. Flüssigkeit erscheint im B-Bild meist dunkel; zentral erweiterte flüssigkeitsgefüllte Räume können eine Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems anzeigen. Ein solches Muster muss in mehreren Ebenen und im klinischen Kontext beurteilt werden. Ein erweitertes System beweist für sich allein keine aktuell wirksame Blockade; eine frühe Obstruktion kann umgekehrt noch ohne deutliche Erweiterung bestehen. Auch AKI kann bei unauffälligem Ultraschall vorliegen.

Ultraschall-Längsschnitt einer normalen Niere eines Erwachsenen mit gestrichelter Messlinie für die Nierenlänge; Rinde, Markpyramide, Bertin-Säule und zentraler Sinus sind mit Sternchen markiert.

Abbildung: Normale Niere eines Erwachsenen im Längsschnitt. Die gestrichelte Linie zwischen den Kreuzen misst die Länge. Sternchen: einfach = Bertin-Säule, doppelt = Markpyramide, dreifach = Rinde, vierfach = zentraler Sinus (echoreich, ohne dunkle Flüssigkeitsräume). Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C: Ultrasonography of the Kidney: A Pictorial Review. Diagnostics 6(1):2 (2015), über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, Messwertfeld entfernt.

Ultraschall einer Niere mit dunkel aufgeweitetem Nierenbecken und erweiterten Kelchen bei verschmälertem Parenchym; zwei Kreuze messen die Weite eines Kelchs.

Abbildung: Erweitertes Nierenbeckenkelchsystem: Nierenbecken und Kelche sind echofrei (dunkel) aufgeweitet, das Parenchym ist verschmälert. Die Kreuze messen die Weite eines Kelchs. Das Bild zeigt die Erweiterung, nicht deren Ursache oder ob die Blockade aktuell wirksam ist. Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C: Ultrasonography of the Kidney: A Pictorial Review. Diagnostics 6(1):2 (2015), über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, Messwertfeld entfernt.

Sonografische FrageMöglicher BeitragAussagegrenze
Sind beide Nieren darstellbar; wie groß und wie ist das Parenchym?Größe, Seitendifferenz, Parenchymbreite und Echogenität beschreibenMorphologie misst keine GFR; ein Einzelbefund datiert die Erkrankung nicht sicher.
Ist das Nierenbeckenkelchsystem erweitert?Hinweis auf eine mögliche Abflussstörung und betroffene SeiteErweiterung und Obstruktion sind nicht gleichbedeutend; fehlende Erweiterung schließt eine frühe Blockade nicht aus.
Wie gefüllt ist die Blase, was bleibt nach Miktion zurück?Füllung und Restharn, also nach Entleerung verbliebener UrinEine volle Blase vor Miktion ist allein kein Harnverhalt; Zeitpunkt und Entleerungsfähigkeit gehören dazu.

Harnverhalt bedeutet, dass die Blase nicht ausreichend entleert werden kann. Eine stark gefüllte Blase bei fehlender Miktion lenkt auf dieses Problem. Bei bereits liegendem Katheter prüfst du zunächst äußere Ursachen wie Schlauchknick und ungünstige Beutellage sowie den tatsächlichen Blasenfüllungszustand. Der Beutel bleibt unter Blasenniveau. Öffne oder spüle das System nicht ungezielt. Katheter werden bei klarer Indikation, beispielsweise Harnverhalt oder notwendiger genauer Urinmessung bei kritisch Kranken, durch geschultes Personal aseptisch gelegt; ein geschlossenes System und frühe Entfernung bei entfallender Indikation begrenzen Infektionen. CDC, Katheterindikation und sichere Handhabung

Nach Prüfung einer klaren Indikation wird zwischen einem vorhandenen Katheter mit äußerem Abflusscheck und einer erforderlichen aseptischen Anlage unterschieden. Beide Wege führen zum geschlossenen System und zur Prüfung, ob die Indikation fortbesteht.

Abbildung: Folge der Indikation über die Anlage und Handhabung bis zur Entfernung. Quelle: eigene Darstellung.

Ultraschall einer gut gefüllten Harnblase als großer echofreier Raum mit unregelmäßig verdickter, trabekulierter Wand.

Abbildung: Gut gefüllte Harnblase bei einem älteren Mann; die Wand ist unregelmäßig verdickt (trabekuliert). Ein solches Wandbild kann auf eine länger bestehende Entleerungsstörung unterhalb der Blase hinweisen. Ob ein Harnverhalt vorliegt, klären Miktion und Restharn nach der Entleerung. Quelle: Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0; unverändert, nach WebP umgewandelt.

Plötzliche Anurie verlangt eine unmittelbare ärztliche Beurteilung. Fieber beziehungsweise Sepsiszeichen zusammen mit Harnstau, ein beidseitiges Hindernis oder ein Hindernis an der einzigen funktionierenden Niere erfordern dringende urologische Mitbeurteilung. Bei instabilem Kreislauf laufen Stabilisierung und Abflussklärung parallel. Eine mögliche infizierte Obstruktion gehört nicht in eine abwartende Routinekontrolle. NICE NG148, §1.4–1.5

Bei plötzlich fehlendem Urin folgen Kreislaufbeurteilung, Kathetercheck oder Miktionsprüfung, Sonografie von Blase und Nieren und die Prüfung auf Warnkonstellationen, die eine dringende urologische Mitbeurteilung erfordern; bei instabilem Kreislauf laufen Stabilisierung und Abflussklärung parallel.

Abbildung: Anurie, möglicher infizierter Harnstau und gefährdete Gesamtausscheidung bestimmen die Dringlichkeit. NBKS = Nierenbeckenkelchsystem. Quelle: eigene Darstellung.

Das Verfahren nach der Frage wählen

VerfahrenGeeignete FrageGrenze und Vorbereitung
Ultraschall, bei Gefäßfrage ergänzt durch DuplexStruktur, Erweiterung der Harnwege, Blasenfüllung; gezielt BlutflussKeine ionisierende Strahlung; Schallbedingungen und Erfahrung begrenzen die Darstellung.
CT ohne KontrastmittelBei passender Klinik einen vermuteten Harnstein nach erster Sonografie genauer lokalisierenVerwendet Röntgenstrahlung; Steindiagnostik ist keine Messung der Einzelnierenfunktion.
NierenszintigrafieMAG3: Funktionsanteile beider Seiten und dynamischer Abfluss; DMSA: kortikales Funktionsgewebe, etwa Defekte/NarbenRadioaktiver Tracer; DMSA ersetzt keine dynamische Abflussprüfung.

Eine mögliche Schwangerschaft wird vor strahlenanwendender Diagnostik geklärt. Bei Steinverdacht in der Schwangerschaft ist Ultraschall das erste Verfahren; weitere Bildgebung wird gezielt fachärztlich abgewogen. EAU, bildgebende Steindiagnostik

Vor einer Funktionsszintigrafie benötigt die Nuklearmedizin Vorbefunde, aktuelle Nierenwerte, Schwangerschafts-/Stillstatus und die Medikamentenliste. Hydratation, Blasenfüllung und Arzneimittel können den Ablauf beeinflussen; beispielsweise können Diuretika oder das NSAR Diclofenac die Beurteilung verändern. Medikamente werden nach abgestimmtem Untersuchungsprotokoll angepasst. Ein verzögerter Tracerabfluss allein beweist keine Obstruktion. SNMMI/EANM, diuretische Renografie bei Erwachsenen

Die Untersuchungsfrage trennt MAG3 für Seitenfunktion und dynamischen Abfluss von DMSA für kortikales Gewebe. Danach werden Vorbefunde, Nierenwerte, Schwangerschafts- und Stillstatus, Medikamente und Untersuchungsprotokoll zusammengestellt.

Abbildung: Eine passende Vorbereitung unterstützt die Beurteilung; ein verzögerter Tracerabfluss allein ist kein Obstruktionsnachweis. Quelle: eigene Darstellung.

Vor strahlenanwendender Diagnostik wird eine Schwangerschaft geklärt; Ultraschall, CT ohne Kontrastmittel, MAG3- und DMSA-Szintigrafie beantworten unterschiedliche Fragen; vor einer Funktionsszintigrafie werden Vorbefunde, Nierenwerte, Schwangerschafts- oder Stillstatus, Medikamente und Protokollvorgaben zusammengestellt.

Abbildung: Das Verfahren folgt der Frage; Strahlung und Tracer sind als Etiketten markiert. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Sonografie unter Anleitung vorbereiten

Praktischer Lernauftrag

Übe im beaufsichtigten Ultraschallunterricht an einem geeigneten Modell oder an einer einwilligenden Person. Formuliere zuerst die Frage: „Sind beide Nieren und die Blase ausreichend beurteilbar; gibt es Hinweise auf eine Abflussstörung?“ Lass dir Organorientierung, passende Geräteeinstellung sowie Längs- und Querschnitt zeigen. Stelle beide Nieren und die Blase unter Anleitung dar; miss die Nierenlänge nur in einer geeigneten Längsebene. Besprich Parenchym und Nierenbeckenkelchsystem mit der betreuenden Person. Eine Restharnmessung wird, falls passend, zeitnah nach einer dokumentierten Miktion durchgeführt.

Orientierend gelten bei Erwachsenen in Mitteleuropa etwa 9–13 cm Nierenlänge und 1,1–2,3 cm Parenchymbreite als Normbereich; Seite, Alter, Geschlecht und Körpermaße verschieben die Werte. Sienz, Ignee, Dietrich: Referenzwerte in der abdominellen Sonografie, Z Gastroenterol 2012

Zeichnung einer längs geschnittenen Niere mit drei Messstrecken: L für die Länge, P für die Parenchymbreite und C für die Rindenbreite.

Abbildung: Messstrecken der Niere: L = Länge in der Längsachse, P = Parenchymbreite, C = Rindenbreite. Orientierender Normbereich beim Erwachsenen: Länge etwa 9–13 cm, Parenchym etwa 1,1–2,3 cm. Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C: Ultrasonography of the Kidney: A Pictorial Review. Diagnostics 6(1):2 (2015), über Wikimedia Commons, CC BY 4.0; verkleinert, nach WebP umgewandelt.

Dokumentiere Seite, Untersuchungsebene, Messzeitpunkt und Einschränkungen. Formuliere „nicht sicher beurteilbar“, wenn eine Struktur nicht zuverlässig dargestellt wurde. Die Abflusszeichnung hilft bei der Orientierung; sie vermittelt keine sichere Erkennung pathologischer Ultraschallbilder. Die praktische Durchführung und Befundung müssen am Gerät beobachtet und besprochen werden.

Die beaufsichtigte Sonografie führt von der klinischen Frage über Einstellung, Niere je Seite mit Normbereichen und Blase mit Restharn zur Dokumentation und Besprechung mit drei möglichen Ergebnissen: beurteilbar und unauffällig, auffällig, nicht sicher beurteilbar.

Abbildung: Untersuchungsfrage, passende Ebene, Normbereiche und dokumentierte Grenzen gehören zum praktischen Ablauf. Quelle: eigene Darstellung.

Selbstvergleich nach der beobachteten Übung: Klinische Frage vorab genannt? Beide Seiten und Blase berücksichtigt? Messung in passender Ebene? Nichtdarstellung von Normalbefund unterschieden? Befund mit der betreuenden Person abgeglichen?

Freie Antwort

Selbstständig messen und begründen

Aufgabe

Eine 80 kg schwere Patientin hat in acht vollständig erfassten Stunden 240 ml Urin ausgeschieden. Ihr Gewicht ist seit gestern gestiegen; sie berichtet neue Atemnot. Berechne die Urinrate in ml/kg/h. Ist das erklärte Urinmengenkriterium erfüllt? Nenne zwei gezielte nächste Prüfungen und begründe, weshalb aus der Urinmenge allein keine Infusionsanordnung folgt.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Daten
Körpergewicht80 kg
Urinvolumen / Zeitraum240 ml / 8 h, vollständig erfasst
Gewichtsverlaufseit gestern gestiegen
Beschwerdeneue Atemnot
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Drei Befunde miteinander verbinden

Aufgabe

Ein Patient hat 39,2 °C Fieber und Flankenschmerz. Seit zwei Stunden ist kein Urin dokumentiert. Der qualifiziert erhobene Sonografiebefund beschreibt eine leere Blase und eine Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems der einzigen funktionierenden Niere. Welche nächste Entscheidung passt am besten?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorliegende Daten
Temperatur / Beschwerde39,2 °C / Flankenschmerz
Urinseit 2 h keiner dokumentiert
Blaseleer
Niereeinzige funktionierende Niere; Nierenbeckenkelchsystem erweitert

Vom Monitor fotografiertes Ultraschallbild einer Niere im Längsschnitt: im Zentrum mehrere große, miteinander verbundene, echofreie schwarze Räume, umgeben von einem grauen Gewebesaum.

Abbildung: Nierenultraschall eines anderen Patienten: Das Nierenzentrum enthält große, zusammenhängende echofreie Räume; die Ursache ist auf dem Bild nicht zu erkennen. Quelle: André S, Dobru D, Vida ÁO et al. (Clin Pract 2026;16:109, Abb. 1), CC BY 4.0

  1. a)Bis zum Ende eines 24-Stunden-Sammelintervalls warten, um Anurie sicher zu benennen.
  2. b)Unverzüglich klinisch beurteilen und urologische Hilfe organisieren; eine infizierte Obstruktion mit gefährdeter Gesamtausscheidung ist möglich.
  3. c)Die leere Blase beweist einen harmlosen Flüssigkeitsmangel; eine Infusion reicht zur Klärung.
Lösung in der App →

Arzneimittel und Niere

Lernziel: Du kannst Arzneimittel bei veränderter Nierenfunktion gezielt prüfen.

Ausscheidung und Schädigung trennen

Bei jedem Arzneimittel sind zwei Fragen zu unterscheiden: Wie beeinflusst die Niere die Arzneimittelwirkung? Wie beeinflusst das Arzneimittel die Niere? Beide Beziehungen können gleichzeitig bestehen, müssen es aber nicht.

Zwei Richtungen: Links beeinflusst die Niere das Arzneimittel, verminderte renale Elimination führt bei gleicher Dosis zur Akkumulation; rechts beeinflusst das Arzneimittel die Niere hämodynamisch, tubulär oder über eine interstitielle Nephritis; beide Richtungen sind unabhängig und führen zu unterschiedlichen Konsequenzen.

Abbildung: Stelle bei jedem Arzneimittel beide Fragen getrennt; die untere Reihe zeigt, welche Konsequenz zu welcher Richtung gehört. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Arzneistoff kann unverändert renal ausgeschieden werden. Andere Wirkstoffe werden zunächst beispielsweise in der Leber umgebaut; anschließend scheidet die Niere ihre Abbauprodukte, die Metaboliten, aus. Manche Metaboliten sind weiterhin wirksam oder können unerwünschte Wirkungen auslösen. Eine überwiegend hepatische Umwandlung des Ausgangsstoffs beweist deshalb noch keine Unabhängigkeit von der Nierenfunktion.

Für die glomeruläre Filtration steht vor allem der nicht an Plasmaproteine gebundene Anteil zur Verfügung. Tubuläre Transporter können Stoffe zusätzlich sezernieren; eine Rückresorption kann ihre Ausscheidung vermindern. Die renale Arzneimittelclearance entspricht deshalb nicht bei jedem Wirkstoff der GFR.

Ausgangsstoff und in der Leber gebildete Metaboliten gelangen zur Niere; filtriert wird nur der freie Anteil, tubuläre Sekretion erhöht und Rückresorption vermindert die Ausscheidung; deshalb kann die renale Arzneimittelclearance über oder unter der GFR liegen.

Abbildung: Verfolge den Weg von oben nach unten; Plus und Minus zwischen den Kästen zeigen, wie die drei Prozesse zur renalen Clearance beitragen. Quelle: eigene Darstellung.

Wird bei unveränderter Zufuhr weniger Arzneistoff oder aktiver Metabolit ausgeschieden, kann die Konzentration über mehrere Gaben steigen: Es kommt zur Akkumulation. Die Wirkung kann stärker oder länger anhalten. Das Arzneimittel muss dafür die Niere nicht selbst schädigen. Umgekehrt kann ein Medikament die Nierenfunktion beeinträchtigen, ohne zuvor aufgrund einer niedrigen GFR zu akkumulieren.

Bei gleicher Dosis und gleichem Einnahmeintervall sinkt die renale Clearance; die Arzneistoffexposition steigt verzögert.

Abbildung 7. Qualitatives Akkumulationsmodell bei unveränderter Dosierung und sinkender renaler Clearance. Die Kurven sind keine gemessenen Arzneimittelspiegel. Eine renale Ausscheidung allein beweist keine Nephrotoxizität. Quelle: eigene Darstellung.

Von der Funktion zur Verordnung

Bei geringerer Elimination kann eine kleinere Erhaltungsdosis oder ein längerer Dosierungsabstand erforderlich werden. Welche Änderung sinnvoll ist, hängt vom Wirkstoff, seiner erforderlichen Wirkung über die Zeit und der klinischen Situation ab. Ein längerer Abstand ist beispielsweise nicht für jedes Antibiotikum eine gleichwertige Alternative zur Dosisanpassung. Die passende Regel wird in der aktuellen Fachinformation und gegebenenfalls in einem begründeten lokalen Dosierungsprotokoll nachgeschlagen.

Der Grund: Bei Betalaktamen hängt die Wirkung vor allem von der Zeit ab, in der die Konzentration über der minimalen Hemmkonzentration (MHK) des Erregers liegt; bei Aminoglykosiden eher von der Spitzenkonzentration im Verhältnis zur MHK. PEG-Leitlinie, Kapitel Pharmakokinetik und Pharmakodynamik

Qualitative Konzentrations-Zeit-Kurven bei gleicher Tagesmenge: Eine kleinere Dosis im gleichen Abstand hält den Spiegel gleichmäßig über der wirksamen Konzentration; dieselbe Dosis im längeren Abstand erhält hohe Spitzen, unterschreitet die wirksame Konzentration aber länger; zeitabhängig wirksame Betalaktame und konzentrationsabhängig wirksame Aminoglykoside stellen unterschiedliche Anforderungen.

Abbildung: Vergleiche in beiden Kurven Spitzen und Täler mit der gestrichelten Linie; die Kurven sind ein qualitatives Modell ohne Messwerte. Quelle: eigene Darstellung.

PrüfschrittKonkrete FrageKonsequenz
Präparat und AnwendungWelcher Wirkstoff, welche Darreichung, Dosis und Einnahmezeit? Gibt es Selbstmedikation?Eine vollständige Liste verhindert, dass etwa zusätzliches Ibuprofen übersehen wird.
EliminationWerden Ausgangsstoff oder wirksame Metaboliten renal ausgeschieden?Ein Akkumulationsrisiko kann eine Anpassung oder engere Überwachung erfordern.
EntscheidungsgrößeVerlangt die Fachinformation eine GFR, eine Kreatininclearance oder eine andere Angabe? In welcher Einheit?Die passende Größe verwenden; die Bezugsgröße aus U03 beachten.
Zeitlicher VerlaufIst die Funktion stabil oder verändert sich Kreatinin rasch?Bei instabiler Funktion die Entscheidung kurzfristig erneut prüfen.
Wirkung und SicherheitWelche klinischen Zeichen, Elektrolyte oder Arzneimittelspiegel sind relevant?Kontrollen mit Zeitpunkt und Zuständigkeit festlegen.

Die in U03 behandelte Unterscheidung zwischen indexierter eGFR und einer Angabe in ml/min bleibt wichtig. Sie ersetzt die präparatspezifische Prüfung nicht. Bei einer akuten Funktionsänderung ist auch eine rechnerisch passende Einheit noch keine verlässliche Momentaufnahme der Elimination.

Fachinformationen nennen unterschiedliche Funktionsgrößen; sie sind nicht automatisch gleichwertig (KDIGO 2024, Practice Points 4.2.2–4.2.4).

AngabeEinheitHerkunft und Einsatz
eGFR, indexiertml/min/1,73 m²Laborausdruck; Grundlage der CKD-Einteilung
eGFR, nicht indexiertml/mineGFR × Körperoberfläche / 1,73 m²; bei extremem Körpergewicht für die Dosierung erwägen
Kreatininclearanceml/minSammelurin oder Schätzformel, häufig nach Cockcroft-Gault; in vielen Fachinformationen verwendet

Bei AKI verändern sich neben der Filtration häufig Flüssigkeitsverteilung und weitere Einflussgrößen. Eine gestern passende Verordnung kann heute ungeeignet sein. Anfangsdosis und spätere Erhaltungsdosen sind zudem unterschiedliche Entscheidungen; sie werden nicht automatisch um denselben Faktor reduziert. Ausgangswert, Verlauf, aktuelle Gabe und Wirkung gehören zusammen. Ein dokumentierter Kontrollplan ist Teil der Verordnung. Für Arzneimittel mit engem therapeutischem Bereich können Spiegelmessungen erforderlich sein; bei entscheidungsrelevanter Unsicherheit kann eine genauere Funktionsbeurteilung nötig werden. KDIGO 2024, Kapitel 4

Bei geringerer Elimination zuerst Ausgangswert, Funktionsverlauf, aktuelle Gabe, Wirkung und passende Funktionsgröße prüfen; dann entweder kleinere Erhaltungsdosis im gleichen Abstand mit gleichmäßigem Spiegel, eher bei zeitabhängig wirkenden Betalaktamen, oder längerer Abstand bei gleicher Einzeldosis mit hohen Spitzen und längeren Tälern, eher bei spitzenabhängig wirkenden Aminoglykosiden; die Regel in Fachinformation oder lokalem Protokoll nachschlagen; bei AKI neu entscheiden, Anfangs- und Erhaltungsdosis getrennt; Kontrollplan für Wirkung, Elektrolyte und gegebenenfalls Spiegel dokumentieren.

Abbildung: Dosis und Abstand sind wirkstoffbezogene Entscheidungen; die beiden Beispielwirkstoffe zeigen nur die Richtung, die verbindliche Regel steht in der Fachinformation. Anfangs- und Erhaltungsdosis werden getrennt beurteilt. Quelle: eigene Darstellung.

Druck vor und hinter dem Filter

Die afferente Arteriole führt Blut zum Glomerulus, die efferente Arteriole führt es ab. Bei vermindertem wirksamem Blutangebot helfen lokale Regulationsmechanismen, den Filtrationsdruck aufrechtzuerhalten. Prostaglandine unterstützen dann die Weitstellung der zuführenden Gefäße. Angiotensin II erhöht unter anderem den Widerstand auf der abführenden Seite.

NSAR wie Ibuprofen hemmen die Prostaglandinbildung. Gerade bei Volumenmangel kann dadurch die schützende afferente Weitstellung nachlassen und die GFR fallen. NSAR können darüber hinaus auch andere Nierenschäden, beispielsweise eine interstitielle Nephritis, verursachen. Ein Kreatininanstieg unter NSAR ist deshalb nicht allein anhand des Medikamentennamens einem einzigen Mechanismus zuzuordnen.

ACE-Hemmer und Sartane vermindern die Angiotensin-II-Wirkung; der efferente Gefäßwiderstand und der Druck im Glomerulus können sinken. Das erklärt einen möglichen anfänglichen Kreatininanstieg. Dieselbe Druckentlastung trägt bei geeigneter Indikation zum langfristigen Nierenschutz bei; außerdem bestehen wichtige Anwendungen bei Hypertonie und Herzinsuffizienz. Ein solcher Wirkmechanismus ist daher kein Grund, diese Mittel pauschal als nierenschädigend abzusetzen. Verlauf, Blutdruck, Kalium und klinische Situation entscheiden mit.

Glomeruläre Hämodynamik: Prostaglandine halten die afferente Arteriole weit, Angiotensin II hält die efferente Arteriole eng; NSAR nehmen besonders bei Volumenmangel die afferente Weitstellung, sodass Zufluss und GFR sinken können; ACE-Hemmer und Sartane weiten die efferente Arteriole, senken den glomerulären Druck, lassen Kreatinin anfangs steigen und schützen langfristig die Niere.

Abbildung 8. „Afferent“ bezeichnet den Zufluss, „efferent“ den Abfluss. Lies oben die Ausgangslage, dann unten, an welcher Seite NSAR beziehungsweise ACE-Hemmer und Sartane eingreifen. Die Darstellung erlaubt keine Berechnung der individuellen GFR. Quelle: eigene Darstellung.

Diuretika steigern die Salz- und Wasserausscheidung. Bei Stauung kann das therapeutisch notwendig sein. Bei gleichzeitigem Flüssigkeitsverlust oder zu starker Entwässerung kann jedoch das wirksame Blutangebot weiter sinken. Ein Diuretikum ist somit nicht schon aufgrund seiner Wirkung ein direktes Tubulusgift.

Problematisch ist die Kombination aus Dehydratation, Diuretikum, NSAR und ACE-Hemmer/Sartan: Weniger wirksames Volumen trifft auf eine eingeschränkte afferente Anpassung und einen geringeren efferenten Widerstand. Das erhöht die Gefahr eines relevanten Filtrationsabfalls. Die Konsequenz ist eine zeitnahe klinische und medikamentöse Neubewertung mit Verlaufskontrolle. Bei Hypotonie oder deutlicher akuter Verschlechterung ist die Entscheidung dringlicher als bei einer kleinen stabilen Laboränderung ohne Beschwerden.

Dehydratation, Diuretikum, NSAR und ACE-Hemmer oder Sartan wirken zusammen: Der Filtrationsdruck fällt und es droht eine AKI; es folgt eine zeitnahe Neubewertung von Kreislauf, Volumen, Urinmenge, Medikation sowie Kreatinin und Kalium; bei Hypotonie oder deutlicher Verschlechterung ist sie dringlich, bei kleiner stabiler Änderung ohne Beschwerden genügt die Verlaufskontrolle.

Abbildung: Jeder der vier Faktoren schwächt eine andere Stelle der Filtrationssicherung; die untere Reihe zeigt, wovon die Dringlichkeit abhängt. Quelle: eigene Darstellung.

Weitere Wirkungen gezielt erkennen

ExpositionWichtiger ZusammenhangWas du gezielt prüfst
Aminoglykosid-AntibiotikumAufnahme in proximale Tubuluszellen kann tubuläre Schädigung verursachen; verringerte Elimination kann zusätzlich die Exposition erhöhen.Indikation, Dauer, Funktionsverlauf und geeignete Spiegelkontrollen nach dem verwendeten Behandlungsschema
ACE-Hemmer/SartanHämodynamische Druckentlastung; möglich sind Kreatininanstieg und Hyperkaliämie.Blutdruck, Kalium, Zeitpunkt von Beginn/Dosisänderung und mögliche Auslöser einer akuten Verschlechterung
SGLT2-HemmerMehr NaCl erreicht die Macula densa; veränderte tubuloglomeruläre Rückkopplung kann die GFR zu Beginn etwas senken.Zeitlicher Zusammenhang und klinischer Zustand; der übliche reversible Anfangsabfall allein verlangt im Allgemeinen kein Absetzen.
DiuretikumWirkung auf Salz-/Wasserausscheidung; Nutzen bei Stauung, Risiko bei unzureichendem wirksamem VolumenStauungszeichen, Blutdruck, Gewichts-/Flüssigkeitsverlauf und Elektrolyte

Bei längerem Fasten, vor Operationen oder bei kritischer Erkrankung kann ein SGLT2-Hemmer wegen eines erhöhten Ketoserisikos vorübergehend pausiert werden; jede Pause braucht einen festgelegten Wiederbeginn. KDIGO 2024, Practice Points 3.7.2, 3.7.3 und 4.3.2

SGLT2-Hemmer vermindern im proximalen Tubulus die Natrium- und Glukoserückresorption; mehr NaCl erreicht die Macula densa, über die tubuloglomeruläre Rückkopplung verengt sich die afferente Arteriole und der glomeruläre Druck sinkt; die eGFR fällt zu Beginn meist reversibel etwas ab, was allein kein Absetzgrund ist; Warnzeichen verlangen eine neue Prüfung; bei langem Fasten, Operation oder kritischer Erkrankung kann eine Pause erwogen werden.

Abbildung: Folge den Schritten 1 bis 4 und prüfe dann, ob der Anfangsabfall allein steht oder Warnzeichen hinzukommen. Quelle: eigene Darstellung.

Nach Beginn oder Dosiserhöhung eines ACE-Hemmers oder Sartans werden Blutdruck, Kreatinin und Kalium innerhalb von 2–4 Wochen kontrolliert. Ein Kreatininanstieg bis 30 % innerhalb von 4 Wochen spricht nach KDIGO 2024 nicht gegen die Fortsetzung; ein stärkerer Anstieg verlangt die Suche nach Auslösern und eine Überprüfung der Dosis. Eine begleitende Hyperkaliämie lässt sich oft mit kaliumsenkenden Maßnahmen beherrschen; eine Dosisreduktion oder Pause wird bei symptomatischer Hypotonie oder trotz Behandlung unkontrollierter Hyperkaliämie erwogen, nicht allein wegen einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m². KDIGO 2024, Practice Points 3.6.2–3.6.7

Nach Beginn oder Dosiserhöhung eines ACE-Hemmers oder Sartans Kontrolle von Blutdruck, Kreatinin und Kalium nach 2–4 Wochen; Kreatininanstieg bis 30 % in 4 Wochen: fortsetzen; über 30 %: Auslöser wie Volumenmangel, NSAR oder Diuretikum suchen und Dosis prüfen; Kalium erhöht: oft zuerst Kalium senken; Dosis senken oder pausieren bei symptomatischer Hypotonie oder unkontrollierter Hyperkaliämie; eine eGFR unter 30 allein ist kein Absetzgrund.

Abbildung: Ordne den Kontrollbefund einer der drei Spalten zu; der untere Teil nennt die Situationen, in denen eine Dosisreduktion oder Pause erwogen wird. Quelle: eigene Darstellung.

Bei einem Aminoglykosid ist die Blutentnahme für eine Spiegelmessung zeitlich auf die Gabe und das verwendete Schema abzustimmen. Ein Wert ohne dokumentierten Entnahmezeitpunkt ist unter Umständen nicht sinnvoll interpretierbar. Welche Messung und Zielwerte gelten, gehört zur konkreten Therapie und wird hier nicht als allgemeines Dosierschema festgelegt.

Von Indikation, Dauer und Funktionsverlauf führt der Weg zur Dokumentation von Gabe und Blutentnahme. Fehlt der Entnahmezeitpunkt, ist der Spiegel möglicherweise nicht interpretierbar; bei dokumentierter Zuordnung wird er im verwendeten Behandlungsschema beurteilt. Die Ergebnisse führen zur Klärung der Messbedingungen oder zur wirkstoffbezogenen Überwachung.

Abbildung: Prüfe vor der Interpretation des Spiegels seine zeitliche Zuordnung zur Gabe und das verwendete Behandlungsschema. Quelle: eigene Darstellung.

Ein erhöhtes Kalium kann gefährliche Herzrhythmusstörungen begünstigen. Bei AKI wird der Kaliumbefund daher zeitnah hinsichtlich Messqualität, Höhe, Dynamik und klinischer Zeichen beurteilt; je nach akuter Lage gehören ein EKG und sofortige Behandlung durch das zuständige Team dazu. Ein unauffälliges EKG allein schließt eine gefährliche Hyperkaliämie nicht aus. Die vollständige Behandlung gehört in den Elektrolyt-Lernweg.

Ein erwartbarer hämodynamischer Anfangseffekt unter ACE-Hemmer, Sartan oder SGLT2-Hemmer darf eine andere akute Erkrankung nicht verdecken. Erbrechen, Hypotonie, deutliche Oligurie oder ein rasch fortschreitender Kreatininanstieg verlangen eine erneute Prüfung. Ebenso wenig rechtfertigt jeder einzelne Anstieg eine dauerhafte Beendigung einer wirksamen Behandlung. KDIGO 2024, Abschnitte 3.6, 3.7 und Tabelle 31

Unter ACE-Hemmer, Sartan oder SGLT2-Hemmer: Kalium erhöht bei AKI – Messqualität, Höhe, Dynamik und klinische Zeichen prüfen, je nach Lage EKG und sofortige Behandlung, ein normales EKG ist keine Entwarnung; Erbrechen, Hypotonie, deutliche Oligurie oder rasch steigendes Kreatinin sind kein Anfangseffekt; erneut prüfen, ob eine andere akute Erkrankung vorliegt, und die Gabe ärztlich neu beurteilen. Ein reiner Anfangseffekt ist kein Absetzgrund (bei ACE-Hemmer oder Sartan Kreatininanstieg bis 30 %), Warnzeichen oder Kalium verlangen sofortige Neubeurteilung, ein Einzelanstieg rechtfertigt keine pauschale Dauerabsetzung.

Abbildung: Kaliumgefahr und akute Warnzeichen müssen auch bei erwartbaren hämodynamischen Anfangseffekten geprüft werden; die farbige Zeile unten trennt den Anfangseffekt von den Warnzeichen. Quelle: eigene Darstellung.

Metformin als konkretes Beispiel

Metformin wird unverändert über die Niere ausgeschieden, sowohl durch Filtration als auch durch tubuläre Sekretion. Sinkt seine renale Clearance, kann es sich anreichern. Besonders eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion kann so das Risiko einer Laktatazidose erhöhen. Das ist ein Beispiel für die Bedeutung der renalen Elimination; aus dieser Aussage folgt keine direkte tubuläre Giftwirkung von Metformin.

Die hier geprüfte Fachinformation von Metformin-ratiopharm 1.000 mg Filmtabletten, Stand Januar 2025, nennt eine GFR unter 30 ml/min als Gegenanzeige. Ihre Dosierungstabelle verwendet die Angabe ml/min. Ein automatisch ausgegebener Laborwert in ml/min/1,73 m² darf deshalb nicht ohne Prüfung der Bezugsgröße und der Schätzgrenzen als passende Verordnungsgrundlage eingesetzt werden. Die Fachinformation fordert außerdem die Beurteilung akuter Situationen, die die Nierenfunktion beeinträchtigen können. Bei Dehydratation sieht sie eine vorübergehende Unterbrechung und ärztliche Rücksprache vor. Offizielle Fachinformation, Abschnitte 4.2–4.4 und 5.2

Die geprüfte Fachinformation verbindet die Funktionsgröße mit Gegenanzeigen und akuten Risiken.

KonstellationAussage der Fachinformation
GFR <30 ml/minGegenanzeige.
Laborwert in ml/min/1,73 m²Bezugsgröße und Schätzgrenzen vor Verwendung als Verordnungsgrundlage prüfen.
DehydratationVorübergehende Unterbrechung und ärztliche Rücksprache.

Laut derselben Fachinformation wird die GFR vor Beginn und danach mindestens jährlich bestimmt, bei erhöhtem Progressionsrisiko und bei älteren Menschen häufiger, etwa alle 3–6 Monate. Als Laborzeichen einer Laktatazidose nennt sie einen Blut-pH unter 7,35 und Laktat über 5 mmol/l. Offizielle Fachinformation, Abschnitte 4.2 und 4.4

Metformin wird unverändert renal durch Filtration und tubuläre Sekretion ausgeschieden; sinkt die Clearance, besonders akut oder unter NSAR, ACE-Hemmer, Sartan oder Diuretika, akkumuliert es; Risiko Laktatazidose mit Blut-pH unter 7,35 und Laktat über 5 mmol/l; laut Fachinformation Gegenanzeige bei GFR unter 30 ml/min, vorübergehendes Absetzen bei Dehydratation, GFR-Kontrolle vor Beginn, dann mindestens jährlich, bei Risiko oder im Alter alle 3–6 Monate; jede Pause mit festem Termin für die Neubewertung.

Abbildung: Die oberen drei Schritte erklären das Risiko, die drei Kästen darunter die Prüfpunkte der Fachinformation; die Einheit ml/min ist Teil der Gegenanzeige. Quelle: eigene Darstellung.

Du musst hier keine Metformindosen auswendig lernen. Entscheidend sind Präparat, passende Funktionsgröße, Stabilität des Verlaufs und zusätzliche Risiken. Ist eine Behandlung vorübergehend unterbrochen, braucht es einen festgelegten Zeitpunkt zur erneuten Beurteilung und gegebenenfalls Wiederaufnahme.

Kontrastmittel: Zusammenhang klären

Steigt Kreatinin nach einer Kontrastmittelgabe, ist zunächst ein zeitlicher Zusammenhang festgestellt. Eine gleichzeitig bestehende Sepsis, Hypotonie, Volumenstörung oder andere Exposition kann ebenfalls beitragen. Der Begriff kontrastassoziierte AKI (CA-AKI) hält diese Unsicherheit offen. Er beweist keine durch das Kontrastmittel verursachte Schädigung. ESUR verwendet diese Bezeichnung seit der Ausgabe 2025 anstelle von „post-contrast AKI“.

Vor einer iodhaltigen intravaskulären Kontrastmittelgabe gehören Indikation, aktuelle Nierenfunktion und ihr Verlauf sowie die Art der Verabreichung in die Risikoabwägung. Bei einer intraarteriellen Gabe mit erstem Nierenkontakt erreicht das Kontrastmittel die Niere relativ unverdünnt; das ist von einer intravenösen Gabe oder einem zweiten Nierenkontakt nach Verdünnung zu unterscheiden. Eine eingeschränkte Nierenfunktion bedeutet nicht automatisch, dass eine diagnostisch notwendige Untersuchung unterbleiben muss.

ESUR 2025 nennt als patientenbezogenes Risiko eine eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² vor intravenöser Gabe oder intraarteriellem zweitem Nierenkontakt, unter 45 ml/min/1,73 m² vor intraarteriellem erstem Nierenkontakt sowie eine bekannte oder vermutete AKI. Bei Risiko werden eine Alternative ohne iodhaltiges Kontrastmittel erwogen, vorbeugend intravenös hydriert (orale Flüssigkeit allein genügt nicht), die niedrigste diagnostisch ausreichende Dosis verwendet und die eGFR nach 48 Stunden kontrolliert. Als CA-AKI gilt dort ein Kreatininanstieg um mehr als 0,3 mg/dl oder auf mehr als das 1,5-Fache des Ausgangswerts innerhalb von 48–72 Stunden. ESUR 2025, S. 15–18

Iodhaltiges Kontrastmittel intravasal, bei klarer Indikation ist eine eingeschränkte Funktion allein kein Grund zum Verzicht: Risiko bei eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² für intravenöse Gabe oder intraarteriellen Zweitkontakt, unter 45 für intraarteriellen Erstkontakt, außerdem bei bekannter oder vermuteter AKI; bei Risiko Alternative erwägen, intravenös hydrieren, niedrigste ausreichende Dosis, eGFR nach 48 Stunden; CA-AKI bei Kreatininanstieg über 0,3 mg/dl oder über das 1,5-Fache in 48–72 Stunden; die Ursache ist damit nicht bewiesen.

Abbildung: Bestimme zuerst die Verabreichungsart und den passenden eGFR-Grenzwert; die beiden unteren Kästen trennen die Definition der CA-AKI vom Ursachennachweis. Quelle: eigene Darstellung.

Für Metformin und Kontrastmittel bestehen Unterschiede zwischen Quellen: Die oben genannte Fachinformation verlangt bei intravaskulärem iodhaltigem Kontrastmittel eine Unterbrechung und eine erneute, frühestens nach 48 Stunden mögliche Aufnahme bei kontrollierter stabiler Funktion. ESUR 2025 erlaubt bei eGFR >30 ml/min/1,73 m² ohne AKI die Fortsetzung bei intravenöser Gabe beziehungsweise intraarteriellem zweiten Nierenkontakt. Deshalb prüfst du die konkrete Fachinformation und das zuständige radiologische Vorgehen einschließlich der Abstimmung bei abweichenden Empfehlungen. Ein einzelner Merksatz „immer weiter“ oder „immer für dieselbe Zeit pausieren“ reicht nicht. ESUR 2025, S.15–18 und 27–28

Fachinformation und ESUR unterscheiden sich bei Metformin vor iodhaltiger intravaskulärer Kontrastmittelgabe.

QuelleAnwendungssituationVorgehen
Geprüfte FachinformationIntravaskuläres iodhaltiges KontrastmittelUnterbrechen; Wiederaufnahme frühestens nach 48 h bei kontrollierter stabiler Funktion.
ESUR 2025eGFR >30 ml/min/1,73 m², keine AKI; intravenös oder arterieller ZweitkontaktFortsetzung erlaubt; konkretes Präparat und radiologisches Vorgehen abstimmen.

Nach Erfassung von Metformin, intravaskulärem iodhaltigem Kontrastmittel und Nierenverlauf werden zwei Vorgaben parallel geprüft: Die geprüfte Fachinformation verlangt eine Unterbrechung; die radiologische Empfehlung erlaubt bei eGFR über 30 ml/min/1,73 m² ohne AKI und intravenöser Gabe oder arteriellem Zweitkontakt eine Fortsetzung. Wiederaufnahme nach Fachinformation frühestens nach 48 Stunden bei kontrollierter stabiler Funktion; abweichende Empfehlungen werden abgestimmt.

Abbildung: Die beiden Spalten sind gleichzeitig zu prüfende Vorgaben; eine abweichende Empfehlung erfordert Abstimmung, keine automatische Auswahl. Quelle: eigene Darstellung.

Einen Medikamentenbefund aufbauen

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine 69-jährige Patientin nimmt Metformin und einen ACE-Hemmer. Nach zwei Tagen mit Erbrechen und wenig Flüssigkeitsaufnahme ist sie schwindelig; der Blutdruck beträgt 92/58 mmHg. Kreatinin ist innerhalb von 48 Stunden von 0,8 auf 1,4 mg/dl gestiegen. Das Labor druckt zusätzlich eine eGFR aus.

1. Verlauf erkennen: Der Kreatininanstieg beträgt 0,6 mg/dl in 48 Stunden. Er erfüllt ein AKI-Kriterium. Die ausgegebene eGFR beschreibt die aktuelle Elimination bei dieser Dynamik nur eingeschränkt. Eine Entscheidung allein anhand einer vermeintlich noch ausreichenden eGFR wäre unzuverlässig.

2. Wirkungsrichtungen trennen: Metformin kann bei verringerter Elimination akkumulieren. Der ACE-Hemmer beeinflusst den glomerulären Druck und muss in der aktuellen Hypotonie neu beurteilt werden. Damit ist weder eine alleinige Arzneimittelursache bewiesen noch eine dauerhafte Absetzentscheidung getroffen.

3. Konkrete nächste Schritte benennen: Die Patientin braucht wegen AKI und symptomatischer Hypotonie eine umgehende klinische Beurteilung. Kreislauf, Volumenzustand, Urinmenge, Elektrolyte und vollständige Medikation einschließlich Selbstmedikation werden erhoben. Metformin wird in dieser Dehydratationssituation entsprechend der geprüften Fachinformation vorübergehend unterbrochen. Für den ACE-Hemmer wird die aktuelle Gabe angesichts der Hypotonie ärztlich überprüft. Weitere Kontrollen und eine spätere Überprüfung der Wiederaufnahme werden ausdrücklich festgelegt.

AKI und symptomatische Hypotonie (Kreatinin 0,8 auf 1,4 mg/dl in 48 Stunden, Blutdruck 92/58 mmHg): 1 Verlauf erkennen – der Anstieg um 0,6 mg/dl in 48 Stunden erfüllt ein AKI-Kriterium, die ausgedruckte eGFR ist bei dieser Dynamik unzuverlässig; 2 umgehend Kreislauf, Volumen, Urinmenge, Elektrolyte und vollständige Medikation einschließlich Selbstmedikation beurteilen; 3 Metformin kann akkumulieren und wird bei Dehydratation laut Fachinformation vorübergehend pausiert, der ACE-Hemmer beeinflusst den glomerulären Druck und wird bei Hypotonie ärztlich geprüft, ohne Dauerentscheidung; 4 Kontrollen und Termin für die Wiederaufnahme festlegen; eine alleinige Arzneimittelursache ist damit nicht bewiesen.

Abbildung: Der Fall verbindet aktuelle Gefährdung, getrennte Arzneimittelentscheidungen und erneute Beurteilung. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Unterstützt unterscheiden

Aufgabe

Eine Patientin nimmt Metformin. Während einer akuten Nierenschädigung sinkt seine renale Elimination. Welche Aussage beschreibt die daraus unmittelbar folgende Gefahr am besten?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeFallinformation
MedikationMetformin
Aktuelle SituationAkute Nierenschädigung
Renale EliminationVermindert
  1. a)Metformin ist damit als Ursache einer direkten Tubulusschädigung nachgewiesen.
  2. b)Metformin kann akkumulieren; die Ursache der Nierenschädigung bleibt gesondert zu klären.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Selbstständig die Medikation prüfen

Aufgabe

Ein 76-jähriger Patient mit bisher stabiler Herzinsuffizienz nimmt Losartan (Sartan), Torasemid (Diuretikum) und Metformin-ratiopharm. Wegen Rückenschmerzen hat er seit drei Tagen zusätzlich Ibuprofen eingenommen. Seit gestern hat er Durchfall und trinkt wenig. Heute ist ihm beim Aufstehen schwindelig; der Blutdruck beträgt 94/60 mmHg. Kreatinin ist innerhalb von 48 Stunden von 1,0 auf 1,7 mg/dl gestiegen, Kalium beträgt 5,6 mmol/l (Laborreferenz 3,5–5,0 mmol/l). Stauungszeichen und Urinmenge wurden noch nicht erhoben.

Die Tabelle ordnet die vorhandenen Falldaten zeitlich.

BereichAngabe
DauermedikationLosartan, Torasemid, Metformin-ratiopharm
Seit drei TagenZusätzlich Ibuprofen
Seit gesternDurchfall, geringe Trinkmenge
HeuteSchwindel beim Aufstehen; 94/60 mmHg
Kreatinin in 48 h1,0 → 1,7 mg/dl
Kalium5,6 mmol/l; Referenz 3,5–5,0 mmol/l
Noch nicht erhobenStauungszeichen und Urinmenge

Formuliere einen kurzen Medikamentencheck: Erkläre die zusammenwirkenden Mechanismen, trenne das Metforminrisiko davon und benenne die unmittelbare Beurteilung einschließlich fehlender Befunde. Nenne außerdem eine Schlussfolgerung, die du aus diesen Angaben noch nicht ziehen darfst.

In der App sprechen üben →

Nierenbefund im Verlauf

Lernziel: Du kannst Nierenbefunde mit Verlauf, Grenzen und nächstem Schritt vorstellen.

Von Beobachtung zu Entscheidung

Ein guter Nierenbefund nennt zuerst, was tatsächlich gemessen wurde. Erst danach folgen die Einordnung, mögliche Ursachen und die nächsten Maßnahmen. Das schützt vor zwei Fehlern: Ein Einzelwert wird nicht zur vollständigen Diagnose, und eine geplante Untersuchung wird nicht als bereits unauffälliger Befund ausgegeben.

BausteinKonkret formulieren
BeobachtungWert, Einheit, Vorwert und Zeitabstand; Urinmenge mit Messdauer
EinordnungAkute Änderung, anhaltender Befund oder unklare Dauer?
Ursache und GrenzeWas spricht für die Vermutung; welche Alternative bleibt offen?
HandlungWelche Untersuchung/Maßnahme klärt die Frage, wie dringend?
VerlaufWoran werden Besserung, Persistenz oder Verschlechterung erkannt?

Eine bedingte Prognose benennt Voraussetzungen: „Wenn der reversible Auslöser behoben werden kann, ist eine Erholung möglich. Ihr Ausmaß prüfen wir am Verlauf.“ Sie verspricht weder eine feste Erholungszeit noch eine vollständige Normalisierung. Ohne dokumentierte Nachkontrolle darf kein Therapieerfolg im Bericht stehen.

Eine Aussage zur Erholung beginnt mit der Frage nach einer dokumentierten Nachkontrolle. Fehlen Werte nach der Behandlung, bleibt die Therapieantwort offen; eine vollständige Normalisierung oder feste Erholungszeit wird nicht behauptet, Kontrollen von Klinik, Diurese und Labor werden festgelegt. Liegt eine Nachkontrolle vor, werden Kreatinin, Vorwert, Zeitabstand und klinischer Zustand verglichen. Bei dokumentiertem Kreatininabfall kann eine funktionelle Besserung beschrieben werden; ohne früheren Ausgangswert bleibt ihr Ausmaß offen. Eine weitere Erholung ist an die Behebung eines reversiblen Auslösers, freien Harnabfluss und fehlende zusätzliche Schädigung gebunden und wird im Verlauf geprüft.

Abbildung: Trenne einen dokumentierten Rückgang des Kreatinins von einer Aussage über vollständige Erholung; die Prognose bleibt an Voraussetzungen gebunden. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Spalten trennen Gemessenes (Wert, Einheit, Vorwert, Zeitabstand, Urinmenge mit Messdauer), Vermutetes (begründet, Alternative offen) und noch Offenes (angeordnet, aber nicht ausgewertet); darunter steht die bedingte Prognose neben nicht belegten Aussagen wie „ausgeheilt“ ohne Nachkontrolle, zuletzt die Festlegung der Verlaufskontrolle.

Abbildung: Ordne jede Aussage zuerst als gemessen, vermutet oder noch offen ein; erst danach folgen Prognose und Verlaufsplan. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Zeitachse lesen

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein 70-jähriger Patient wird wegen anhaltenden Erbrechens und geringer Trinkmenge überwacht. Er nimmt Ramipril (ACE-Hemmer) und ein Diuretikum ein; zusätzlich hat er Ibuprofen verwendet. Der Kreislauf wird erneut beurteilt. Zu den angegebenen Zeitpunkten ergeben sich folgende Werte. Die Urinraten sind jeweils Mittelwerte der vorangegangenen sechs Stunden, zuverlässig erfasst und auf das Körpergewicht bezogen.

Kreatinin steigt von 0,9 über 1,3 auf 1,8 mg/dl und erreicht damit die Linie des doppelten Ausgangswerts; die sechs Stunden gemittelte Urinrate sinkt von 0,8 über genau 0,5 auf 0,3 ml/kg/h unter die Schwelle von 0,5. Das Kreatinin entspricht KDIGO-Stadium 2, die Urinrate allein Stadium 1; das schwerere Kriterium bestimmt das Stadium.

Abbildung 9. Fiktive Messpunkte bei 0, 24 und 48 Stunden. Die Verbindungen zeigen den Trend zwischen Messpunkten, keine kontinuierliche Messung. Die gestrichelten Linien markieren den Ausgangswert, das 1,5- und das 2,0-Fache sowie die Urinschwelle von 0,5 ml/kg/h. Die Urinraten beziehen sich jeweils auf das vorangegangene Sechs-Stunden-Fenster. Quelle: eigene Darstellung.

Nach 24 Stunden ist Kreatinin bereits um 0,4 mg/dl gestiegen. Nach 48 Stunden hat es sich gegenüber 0 Stunden verdoppelt. Damit ist eine akute Funktionsverschlechterung belegt. Eine Urinrate von genau 0,5 ml/kg/h liegt nicht unter der KDIGO-Schwelle; die spätere Rate von 0,3 ml/kg/h über sechs Stunden erfüllt dagegen auch das Urinmengenkriterium. Nach KDIGO entspricht die Verdopplung des Ausgangswerts Stadium 2; die Urinrate allein ergäbe Stadium 1, denn Stadium 2 verlangt unter 0,5 ml/kg/h über mindestens zwölf Stunden, und das schwerere Kriterium bestimmt das Stadium.

Ausgehend von Kreatinin 0,9 auf 1,8 mg/dl in 48 Stunden und Diurese 0,3 ml/kg/h über sechs Stunden werden die Kriterien getrennt ausgewertet. Die Kreatininverdopplung entspricht Stadium 2, die Urinrate über sechs Stunden Stadium 1. Genau 0,5 ml/kg/h liegt nicht unter der Schwelle; Stadium 2 über die Diurese verlangt unter 0,5 ml/kg/h über mindestens zwölf Stunden. Das schwerere Kriterium bestimmt Stadium 2, die Ursache bleibt getrennt zu klären.

Abbildung: Vergleiche zuerst Wert und Zeitfenster in jeder Spur; erst danach wird das schwerere erfüllte Kriterium ausgewählt. Quelle: eigene Darstellung.

Der Flüssigkeitsverlust und die Medikamentenkonstellation sprechen für eine mögliche hämodynamische Mitursache. Sie beweisen weder eine ausschließlich prärenale Ursache noch eine vollständig reversible Schädigung. Urinbefund, klinischer Volumenstatus und Abflussdiagnostik fehlen noch.

Muster einer ärztlichen Vorstellung

„Bei dem 70-jährigen Patienten liegt eine akute Nierenschädigung mit Kreatininanstieg von 0,9 auf 1,8 mg/dl innerhalb von 48 Stunden vor. Zuletzt betrug die Diurese über sechs Stunden 0,3 ml/kg/h. Erbrechen, geringe Zufuhr und die Kombination aus Ramipril, Diuretikum und zusätzlich eingenommenem Ibuprofen lassen eine hämodynamische Mitursache vermuten; andere renale Ursachen und eine Abflussstörung sind noch nicht ausgeschlossen. Ich veranlasse jetzt die erneute Kreislauf- und Volumenbeurteilung, zeitnahe Elektrolyte einschließlich Kalium, die Urindiagnostik und die Abflussprüfung und überprüfe die Medikation. Den weiteren Verlauf kontrolliere ich anhand von klinischem Zustand, Diurese und wiederholten Laborwerten; die Häufigkeit richtet sich nach der akuten Lage.“

Von der belegten AKI aus werden drei Ursachenebenen getrennt geprüft: hämodynamisch als Vermutung (Erbrechen, geringe Zufuhr, Ramipril, Diuretikum, Ibuprofen), renal und Abfluss als noch offen. Daraus folgen Kreislauf- und Volumenbeurteilung, Kalium, Urindiagnostik, Abflussprüfung und Medikationsprüfung; der Verlauf zeigt Besserung, Persistenz oder Verschlechterung.

Abbildung: Die Verlaufskurve begründet AKI; die hämodynamische Mitursache bleibt Vermutung, renale Ursache und Abfluss sind offen und bestimmen die nächsten Prüfungen. Quelle: eigene Darstellung.

Dieselben Daten verständlich erklären

Lesetext und ausgearbeitetes Beispiel

Patientinnen und Patienten benötigen die Bedeutung des Befunds und den nächsten Schritt. Erkläre zuerst das Problem ohne allein auf Fachbegriffe zu setzen. Benenne dann, was noch unklar ist, und verknüpfe jede Untersuchung mit ihrer Frage.

Patientenerklärung: „Ihre Nieren scheiden im Moment bestimmte Stoffe schlechter aus als zu Beginn, und Sie scheiden weniger Urin aus. Das kann mit dem Flüssigkeitsverlust und einigen Ihrer Medikamente zusammenhängen. Wir prüfen außerdem, ob der Urin ungehindert abfließen kann und ob es Zeichen einer Entzündung in der Niere gibt. Dazu kontrollieren wir Blut und Urin und untersuchen die Nieren und die Blase mit Ultraschall. Bitte nehmen Sie vorerst keine zusätzlichen Schmerzmittel ohne Rücksprache. Können Sie mir kurz sagen, was wir als Nächstes überprüfen wollen?“

Befund verständlich erklären: 1 das Problem in Alltagssprache benennen (Stoffe werden schlechter ausgeschieden, weniger Urin) und Fachbegriffe vermeiden; 2 mögliche Zusammenhänge als Möglichkeit nennen (Flüssigkeitsverlust, einige Medikamente); 3 jede Untersuchung mit ihrer Frage verbinden – Blut und Urin: Entzündung in der Niere?, Ultraschall von Nieren und Blase: fließt der Urin ab?; 4 konkrete Bitte, keine zusätzlichen Schmerzmittel ohne Rücksprache; 5 Verständnis mit der Frage prüfen, was als Nächstes überprüft wird.

Abbildung: Eine verständliche Erklärung verbindet das Problem mit den Fragen der nächsten Untersuchungen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle zeigt, wie die Fachbegriffe aus S02 in der Patientenerklärung umschrieben werden.

FachsprachePatientensprache
Kreatininanstieg, AKI„Die Nieren scheiden bestimmte Stoffe schlechter aus.“
Verminderte Diurese„Sie scheiden weniger Urin aus.“
Hämodynamische Mitursache„Kann mit dem Flüssigkeitsverlust und einigen Medikamenten zusammenhängen.“
Abflussdiagnostik, Sonografie„Wir prüfen mit Ultraschall, ob der Urin ungehindert abfließt.“
Urindiagnostik„Wir suchen im Urin nach Zeichen einer Entzündung in der Niere.“

Die Erklärung behauptet weder eine dauerhafte Schädigung noch eine sichere Heilung. Sie ersetzt nicht die konkrete Information über eine tatsächlich angeordnete Medikamentenänderung.

Freie Antwort

Unterstützt einen Bericht verbessern

Aufgabe

Eine Kollegin schreibt zum Beispiel aus S02: „Chronische Niereninsuffizienz durch Ibuprofen; nach Infusion ausgeheilt. Sonografie normal.“ Es liegen weder ältere Vorwerte noch ein Sonografiebefund oder Werte nach Behandlung vor. Ersetze den Satz durch einen kurzen, sachgerechten Verlaufseintrag.

Die Tabelle sammelt die für die Überarbeitung verfügbaren Daten.

BereichDokumentation
Kreatinin im Beispiel S020,9 → 1,8 mg/dl in 48 h
Letzte Urinrate aus S020,3 ml/kg/h über 6 h
Ältere VorwerteNicht vorhanden
SonografiebefundNicht vorhanden
Werte nach BehandlungNicht vorhanden
In der App sprechen üben →

Eine neue Falllage vorbereiten

Im Abschlussfall wird nicht nur der Kreatininwert verglichen. Albuminurie und Sediment liefern Ortsinformationen, die Urinmenge ergänzt den zeitlichen Verlauf, und die klinische Untersuchung bestimmt die Dringlichkeit. Bei Atemnot, Überwässerungszeichen, gefährlichen Elektrolytstörungen, Anurie oder rascher allgemeiner Verschlechterung wird die akute Beurteilung nicht bis zur routinemäßigen Nachkontrolle verschoben. Als schwere Hyperkaliämie gilt nach den ERC-Leitlinien 2021 ein Kalium ab 6,5 mmol/l; auch niedrigere Werte mit EKG-Veränderungen verlangen eine sofortige Behandlung.

Zuerst wird die akute Gefährdung geprüft: Atemnot oder Überwässerung, gefährliche Elektrolytstörung wie schwere Hyperkaliämie ab 6,5 mmol/l oder mit EKG-Zeichen, Anurie, rasche Verschlechterung. Bei Ja folgt sofort die akute Beurteilung; sonst werden Funktion, Ort der Schädigung und Harnabfluss nacheinander eingeordnet und als Befund, Ort, Grenze und nächster Schritt vorgestellt.

Abbildung: Die klinische Gefährdung wird zuerst geprüft und bestimmt die Dringlichkeit; Funktion, Ort und Abfluss ordnen den Befund danach ein. Quelle: eigene Darstellung.

Frage vor der VorstellungWelche Information du auswählst
Hat sich die Funktion akut verändert?Ausgangswert, aktueller Wert und Zeitfenster
Gibt es Hinweise auf den Ort der Schädigung?Albumin-/Proteinbefund und Sediment
Droht eine Komplikation?Kreislauf, Atmung, Diurese, Kalium und klinischer Zustand
Ist der Harnabfluss geklärt?Blasen- und Nierenbefund; Untersuchungsgrenzen

Lichtmikroskopischer Schnitt einer Nierenbiopsie in Silberfärbung: In der Mitte ein dunkel gefärbtes Kapillarknäuel, das von einem hellen, zell- und faserreichen Halbmond innerhalb der schwarz konturierten Bowman-Kapsel eingeengt wird; rechts ein Tubulus.

Abbildung: Nierenbiopsie, Silberfärbung. Ein Halbmond aus Zellen und Bindegewebe füllt den Kapselraum und engt das Kapillarknäuel ein. Albuminurie und Sediment zeigen nur den Ort einer glomerulären Schädigung; welche Erkrankung vorliegt, klärt erst die Histologie zusammen mit Immunfluoreszenz, Klinik und Serologie. Quelle: Ramaswami A, Kandaswamy T, Rajendran T et al., J Med Case Rep 2008;2:151, doi:10.1186/1752-1947-2-151, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0; Ausschnitt, deutsche Beschriftung ergänzt.

Freie Antwort

Selbstständig vorstellen und erklären

Aufgabe

Eine 62-jährige Patientin kommt wegen neu aufgetretener Ödeme. Blutdruck 165/95 mmHg, keine akute Atemnot, Kreislauf stabil. Kreatinin lag vor fünf Tagen bei 0,8 mg/dl und beträgt jetzt 1,4 mg/dl. Die zuverlässig erfasste Diurese beträgt bei 60 kg Körpergewicht 360 ml in sechs Stunden. ACR 720 mg/g; das frische Sediment zeigt dysmorphe Erythrozyten und Erythrozytenzylinder. Die Sonografie berichtet keine Erweiterung des Hohlsystems. Kalium ist noch nicht bestimmt, frühere längerfristige Nierenbefunde fehlen.

Die Tabelle stellt die Falldaten ohne Berechnung zusammen.

BereichAngabe
KlinikNeue Ödeme; 165/95 mmHg; keine akute Atemnot
KreislaufStabil
KreatininVor 5 Tagen 0,8; jetzt 1,4 mg/dl
Urin / Gewicht / Zeit360 ml / 60 kg / 6 h
ACR720 mg/g
Frisches SedimentDysmorphe Erythrozyten; Erythrozytenzylinder
SonografieKeine Hohlsystemerweiterung
FehlendKalium; längerfristige Nierenbefunde
  1. Berechne die Urinrate und beurteile, ob sie die akute Kreatininveränderung entkräftet.
  2. Stelle den Befund in vier bis sechs Sätzen vor, einschließlich vermuteter Lokalisation, Grenzen und nächstem Schritt.
  3. Erkläre der Patientin in zwei bis drei Sätzen, warum eine weitere Abklärung notwendig ist.

Ungefärbtes Urinsediment im Hellfeld: verstreute kleine, ringförmige Zellen unterschiedlicher Form und Größe, einige mit kleinen bläschenartigen Ausstülpungen am Rand.

Abbildung: Frisches, ungefärbtes Urinsediment eines anderen Patienten (Hellfeld, 400-fach): unterschiedlich geformte Erythrozyten, einzelne mit bläschenartigen Ausstülpungen. Quelle: Poloni JAT, Rotta LN (J Fungi 2020;6:245, Abb. 8), CC BY 4.0

Ultraschall-Längsschnitt einer Niere: helles, körniges Parenchym; im Zentrum nur schmale, verzweigte dunkle Linien, aber kein großer zusammenhängender echofreier Raum.

Abbildung: Nierenultraschall eines anderen Patienten: Das Nierenzentrum zeigt keine großen, zusammenhängenden echofreien Räume; das Parenchym ist auffallend hell. Quelle: Hansen KL, Nielsen MB, Ewertsen C (Diagnostics 2015;6(1):2, Abb. 27), CC BY 4.0

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Filtration und TransportZwei Wege durch die NiereVier Begriffe, vier verschiedene VorgängeViel Filtrat, wenig EndharnEine Stoffbilanz ergänzenDiurese und Filtration trennenRegulation im NephronArbeitsteilung entlang des TubulusZwei hormonelle StellgrößenDruck, Volumen und weitere NierenaufgabenEin Mechanismus bis zum Urin verfolgenUnterstützt erklärenEin neuer klinischer KontextKreatinin richtig deutenMarker sind keine direkte FunktionsmessungWarum der Verlauf vorausläuftZahlen immer mit Einheit und BezugsgrößeAkute Veränderung oder chronische Erkrankung?Ein scheinbar beruhigender WertAkutdaten selbst einordnenUrinbefunde einordnenDie Probe entscheidet mitWas der Teststreifen wirklich erkenntDas Sediment lokalisiert HinweiseTest und Bestätigung zusammenführenEinen Widerspruch gezielt prüfenEinen Befund ohne Überdiagnose vorstellenProteinverlust messenAlbumin ist ein Protein, aber nicht jedes Protein ist AlbuminWarum ein Quotient sinnvoll istKategorien und BestätigungVom Laborwert zum begründeten SatzUnterstützt rechnenEin neues Muster beurteilenDiurese und HarnabflussEine Urinmenge braucht einen ZeitraumEine kleine Menge einordnenBilanz und Untersuchung ergänzen sichDen Weg bis zur Blase verfolgenDas Verfahren nach der Frage wählenEine Sonografie unter Anleitung vorbereitenSelbstständig messen und begründenDrei Befunde miteinander verbindenArzneimittel und NiereAusscheidung und Schädigung trennenVon der Funktion zur VerordnungDruck vor und hinter dem FilterWeitere Wirkungen gezielt erkennenMetformin als konkretes BeispielKontrastmittel: Zusammenhang klärenEinen Medikamentenbefund aufbauenUnterstützt unterscheidenSelbstständig die Medikation prüfenNierenbefund im VerlaufVon Beobachtung zu EntscheidungEine Zeitachse lesenDieselben Daten verständlich erklärenUnterstützt einen Bericht verbessernEine neue Falllage vorbereitenSelbstständig vorstellen und erklären

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