medeKI
Lernpfade

Elektrolyte sicher behandeln

Lernziel: Du kannst Elektrolytstörungen erklären, behandeln und ihren Verlauf beurteilen.

Messwert und Körperbestand

Lernziel: Du kannst Verteilung, Verschiebung und Gesamtbestand auseinanderhalten.

Ein auffälliger Laborwert ist der Anfang einer Entscheidung. Du klärst, ob die Messung plausibel ist, welches Risiko besteht und ob eine Verschiebung oder ein tatsächlicher Verlust beziehungsweise Überschuss vorliegt. Danach trennst du Akutbehandlung, Ursachenbehandlung und Verlaufskontrolle.

Der Weg: Messwert und Bestand → EKG → Kalium → Kalzium → Magnesium → Phosphat → Refeeding → gemeinsame Fälle → Wiederholung und EKG-Pool. Die klinischen Fallvignetten sind fiktiv; die ausdrücklich bezeichneten EKG-Datensätze sind reale anonymisierte Aufzeichnungen. Alle Behandlungsbeispiele beziehen sich auf Erwachsene. Dosen sind mit Wirkstoff, Zubereitung, Nierenfunktion und dem örtlichen Behandlungsstandard abzugleichen; Kinder benötigen eigene Schemata.

Was wird eigentlich gemessen?

Ein Elektrolyt liegt im Körper als elektrisch geladenes Teilchen vor. Die Konzentration sagt, wie viele Millimol in einem Liter der untersuchten Flüssigkeit enthalten sind. Sie sagt weder unmittelbar, wie viel davon im ganzen Körper vorhanden ist, noch wie schnell sich der Zustand verändert.

Das Labor untersucht meist Serum oder Plasma. Eine Blutgasanalyse kann unter anderem Kalium und ionisiertes Kalzium in Vollblut messen. Die Ergebnisse verschiedener Probenarten und Geräte müssen im Zusammenhang mit ihren Referenzbereichen beurteilt werden. Für einen Verlauf sind Zeitpunkt, Probenart und Methode wichtig.

ParameterBeispielbereich für ErwachseneBesonderheit
Kalium im Serum/Plasmaetwa 3,5–5,0 mmol/lLaborgrenze beachten
Gesamt-Kalzium im Serumetwa 2,2–2,6 mmol/lAlbumin beeinflusst den Wert
Ionisiertes Kalziumetwa 1,15–1,30 mmol/lpH und Probenhandhabung beachten
Magnesium im Serumetwa 0,7–1,0 mmol/lbildet den Körpervorrat nur begrenzt ab
Phosphat im Serumetwa 0,8–1,5 mmol/lAlter, Tageszeit und Ernährung wirken mit

Diese Bereiche dienen der Orientierung. Der auf dem Befund angegebene Referenzbereich hat Vorrang. Eine Therapieentscheidung hängt zusätzlich von Symptomen, EKG, Dynamik und Organfunktion ab.

Von der Konzentrationsmessung führen Serum oder Plasma und BGA zu Referenzbereich, Vergleichbarkeit und klinischer Therapieentscheidung.

Abbildung: Probenart und Referenzbereich bestimmen, wie der Wert in den Verlauf eingeordnet wird. Quelle: eigene Darstellung.

Drei verschiedene Veränderungen

Verteilung beschreibt den normalen Aufenthaltsort. Rund 98 % des Kaliums liegen innerhalb von Zellen. Im Blut befindet sich nur ein kleiner Anteil. Kalzium und Phosphat haben große Speicher im Knochen; Magnesium befindet sich überwiegend in Knochen und Zellen.

Vier Balken zeigen die ungefähre Verteilung im Körper: Kalium etwa 98 Prozent in Zellen und 2 Prozent im Außenraum; Kalzium etwa 99 Prozent im Knochen; Phosphat etwa 85 Prozent im Knochen, 15 Prozent in Zellen und weniger als 1 Prozent im Blut; Magnesium 50 bis 60 Prozent im Knochen, etwa 40 Prozent in Zellen und etwa 1 Prozent im Blut. Darunter: Der Serumwert ist nur ein kleiner Ausschnitt.

Abbildung: Die Blutprobe erfasst bei allen vier Elektrolyten nur einen kleinen Teil des Körperbestands. Die Anteile sind gerundete Lehrbuchwerte und schwanken individuell. Quelle: eigene Darstellung.

Verschiebung bedeutet einen Wechsel zwischen Zellinnerem und Außenraum. Insulin und eine Stimulation von β₂-Rezeptoren fördern die Aufnahme von Kalium in Zellen. Der Blutwert kann innerhalb kurzer Zeit fallen, ohne dass dieselbe Menge den Körper verlassen hat. Bei Insulinmangel kann er steigen, obwohl durch vermehrte Urinausscheidung bereits viel Kalium verloren gegangen ist. Eine Azidose kann die Verteilung verändern; der Effekt hängt von ihrer Ursache ab. Eine feste Umrechnungsregel zwischen pH und Kalium ist für den einzelnen Patienten unzuverlässig.

Bestandsänderung bedeutet Zufuhr oder Verlust über die Körpergrenze: Nahrung und Infusionen führen Elektrolyte zu; Urin, Durchfall und andere Verluste entfernen sie. Ein Patient kann zugleich einen Mangel im ganzen Körper und einen hohen Blutwert haben.

Drei nummerierte Kästen: 1 Verteilung mit etwa 98 Prozent Kalium in Zellen und 2 Prozent im Außenraum; 2 Verschiebung mit Insulin und Beta-2-Stimulation in die Zelle, Insulinmangel aus der Zelle, Azidose ursachenabhängig, Gesamtbestand zunächst gleich; 3 Bestandsänderung durch Zufuhr über Nahrung und Infusionen oder Verlust über Urin, Durchfall und andere Wege, Gesamtbestand ändert sich. Ergebniszeile: hoher Blutwert trotz Mangel möglich; keine feste Umrechnung zwischen pH und Kalium.

Abbildung: Eine Verschiebung verändert zunächst nur die Verteilung, eine Bestandsänderung die Gesamtmenge. Beides kann gleichzeitig ablaufen. Der Balken in Kasten 1 ist proportional. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Bei einer Patientin mit Insulinmangel beträgt Kalium 5,6 mmol/l. Sie hat viel Urin ausgeschieden. Der hohe Blutwert beweist keinen vollen Kaliumspeicher: Fehlendes Insulin verschiebt Kalium nach außen, während die osmotische Diurese Kalium entfernt. Nach Insulin kann der Wert rasch abfallen. Deshalb gehört Kaliumkontrolle zur Behandlung; das vollständige Vorgehen bei einer diabetischen Ketoazidose ist ein eigener Notfallpfad.

Ablauf bei Insulinmangel: 1 Fehlendes Insulin verschiebt Kalium aus den Zellen, Serumkalium steigt; gleichzeitig entfernt die osmotische Diurese Kalium, der Bestand sinkt. 2 Der Blutwert von 5,6 mmol/l ist hoch, der Körperbestand vermindert. 3 Nach Insulingabe strömt Kalium in die Zellen zurück; eine Verlaufskurve fällt von 5,6 durch den Normalbereich darunter. Ergebnis: Kalium engmaschig kontrollieren; Ketoazidose als eigener Notfallpfad.

Abbildung: Das ausgearbeitete Beispiel als Ablauf. Die Verlaufskurve ist schematisch und zeigt nur die Richtung: Nach Insulin kann Kalium bis unter den Normalbereich fallen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Niere verbindet Bestand und Ausscheidung

Die Niere filtriert Blutplasma und verändert die Zusammensetzung der entstehenden Flüssigkeit entlang der Tubuli. Für Kalium ist die späte tubuläre Abgabe in den Urin besonders wichtig. Aldosteron fördert dort die Natriumaufnahme und Kaliumabgabe. Auch das Natriumangebot und der Flüssigkeitsfluss im distalen Tubulus beeinflussen, wie viel Kalium ausgeschieden werden kann.

Eine niedrige Filtration, wenig Urin und eine verminderte Aldosteronwirkung begrenzen die Ausscheidung. Schleifen- und Thiaziddiuretika erhöhen dagegen häufig die Kaliumverluste. Kreatinin, Verlauf der Urinmenge, Volumenstatus und Arzneimittel gehören deshalb zur Elektrolytbeurteilung. Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) beschreibt die filtrierende Nierenleistung. Ein einzelner eGFR-Wert ist bei rasch verändertem Kreatinin keine zuverlässige Momentaufnahme der Nierenleistung.

Drei Schritte: 1 Filtration des Blutplasmas in den Glomeruli. 2 Späte tubuläre Kaliumabgabe in den Urin, gesteuert durch Aldosteron, distales Natriumangebot und distalen Tubulusfluss. Zwei Wege: Ausscheidung begrenzt bei niedriger Filtration, wenig Urin oder verminderter Aldosteronwirkung, Kalium steigt; Verluste erhöht durch Schleifen- und Thiaziddiuretika über mehr distales Natrium und mehr Fluss, Kalium fällt. 3 Bei jedem Elektrolytbefund Kreatinin und Verlauf, Urinmenge, Volumenstatus und Arzneimittel prüfen; eGFR bei rasch wechselndem Kreatinin unzuverlässig.

Abbildung: Die Niere bestimmt, wie viel Kalium den Körper verlässt. Das Diagramm zeigt funktionelle Beziehungen, keine Nephronanatomie. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Den Mechanismus vervollständigen

Aufgabe

Nach einer β₂-agonistischen Inhalationsbehandlung fällt Kalium von 4,0 auf 3,3 mmol/l. Es gibt bislang keine Hinweise auf neue Verluste. Vervollständige: „Der Wert kann durch … gefallen sein. Das bedeutet für den Gesamtbestand …“

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBeobachtung
Behandlungβ₂-agonistische Inhalation
Kalium vorher4,0 mmol/l
Kalium nachher3,3 mmol/l
Neue VerlusteBislang keine Hinweise

Übungspuppe in einem Klinikbett mit durchsichtiger Gesichtsmaske, die über einen Schlauchansatz mit einem kleinen Medikamentenbehälter unterhalb des Kinns verbunden ist.

Abbildung: Inhalation über eine Verneblermaske, hier an einer Übungspuppe gezeigt. Quelle: British Columbia Institute of Technology (BCIT), Clinical Procedures for Safer Patient Care, CC BY 4.0, verkleinert.

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Gleicher Wert, andere Lage

Aufgabe

Zwei Personen haben Kalium 3,0 mmol/l. Person A hat seit vier Tagen Durchfall; Person B erhielt vor einer Stunde Insulin. Welche Aussage passt am besten?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabePerson APerson B
Kalium3,0 mmol/l3,0 mmol/l
VorgeschichteDurchfall seit vier TagenInsulin vor einer Stunde
  1. a)Beide haben aufgrund des gleichen Werts denselben Kaliumverlust.
  2. b)Bei A ist ein Bestandsverlust plausibel, bei B kann eine Verschiebung beitragen.
  3. c)Bei B ist eine Rhythmusgefährdung ausgeschlossen, weil Kalium im Körper bleibt.
Lösung in der App →

Plausibilität prüfen, eine Gefahr nicht verzögern

Bei einer Pseudohyperkaliämie ist der gemessene Wert außerhalb des Körpers erhöht: etwa durch Hämolyse bei schwieriger Abnahme, langes Stauen oder wiederholtes Faustballen. Stark erhöhte Thrombozyten oder Leukozyten können ebenfalls eine Rolle spielen. Ein unauffälliges EKG schließt eine echte Hyperkaliämie nicht aus. Ein entsprechender Laborhinweis und ein unerwarteter Einzelwert führen zu einer raschen, schonenden Kontrollabnahme; das Labor berät zur passenden Probenart. Viele Blutgasgeräte erkennen Hämolyse nicht automatisch.

Zwei zentrifugierte Heparinproben nebeneinander in einem Ständer: links eine Blutgasprobe mit rötlichem, hämolytischem Plasma über den Blutzellen, rechts ein Lithium-Heparin-Röhrchen mit klarem, gelbem Plasma.

Abbildung: Pseudohyperkaliämie in der Blutgasanalyse. Links Plasma aus einer Blutgasspritze, die beim Transport direkt auf Eis lag: rötlich verfärbt, Kalium 5,5 mmol/l; das Blutgasgerät hatte keinen Hämolysealarm gegeben. Rechts die sofort abgenommene Kontrollprobe derselben Person im Lithium-Heparin-Röhrchen: gelbes Plasma, Kalium 4,6 mmol/l. Quelle: Salvagno GL, Demonte D, Lippi G. Biochem Med (Zagreb) 2019;29(1):011003, Abb. 1 (PMC6366946); CC BY 4.0; zugeschnitten, Beschriftung entfernt.

Bei hohem Kalium und neuem breitem QRS, Bradykardie oder Kreislaufstörung erfolgt die Notfallbehandlung parallel zur Bestätigung. Ein Verdacht auf Messfehler rechtfertigt hier kein Abwarten. Nimm Kontrollproben nicht aus einer Leitung mit laufender Elektrolytzufuhr ab.

Die Tabelle trennt Messplausibilität und akute Gefährdung.

BefundNächster Schritt
Unerwarteter Wert / HämolyseRasche schonende Kontrollprobe
Breiter QRS / Bradykardie / KreislaufstörungNotfallbehandlung parallel zur Bestätigung
Unauffälliges EKGEchte Hyperkaliämie weiterhin möglich

Entscheidungsweg bei hohem Kaliumwert: 1 Zuerst Gefahrenzeichen prüfen: neuer breiter QRS-Komplex, Bradykardie, Kreislaufstörung, rasche Verschlechterung; ein unauffälliges EKG schließt Hyperkaliämie nicht aus. Bei Gefahrenzeichen sofort Notfallbehandlung, Kontrollprobe parallel. Ohne Gefahrenzeichen 2 Plausibilität: Abnahmeprobleme wie Hämolyse, langes Stauen, Faustballen; stark erhöhte Thrombozyten oder Leukozyten; Blutgasgeräte erkennen Hämolyse oft nicht. 3 Rasche, schonende Kontrollprobe, nicht aus einer Leitung mit Elektrolytzufuhr. Ergebnis: Wert bestätigt, als Hyperkaliämie behandeln; Wert normal, Pseudohyperkaliämie.

Abbildung: Ein möglicher Messfehler hebt die Notfallzeichen nicht auf. Bei Gefahrenzeichen laufen Behandlung und Kontrollprobe gleichzeitig. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Plausibel handeln

Aufgabe

Ein unerwarteter Kaliumwert von 6,2 mmol/l ist als deutlich hämolytisch markiert. Die Person ist beschwerdefrei; das EKG zeigt keine auffälligen Veränderungen. Beschreibe deine nächsten zwei Schritte und die Grenze des abwartenden Vorgehens.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Kalium6,2 mmol/l; unerwarteter Wert
ProbenhinweisDeutlich hämolytisch
BeschwerdenKeine
EKGKeine auffälligen Veränderungen

Sieben durchsichtige Küvetten nebeneinander; die Flüssigkeit verfärbt sich von links nach rechts von klarem Gelb über Orange bis zu kräftigem Rot.

Abbildung: Serumproben mit stufenweise steigendem Gehalt an freiem Hämoglobin (von links 0 bis 10 g/l; Rinderserum aus einer Laborstudie): Je mehr Hämoglobin, desto röter das Serum. Quelle: Larrán B, López-Alonso M, Miranda M, Pereira V, Rigueira L, Suárez ML, Herrero-Latorre C. Sci Rep 2022;12:13523, doi:10.1038/s41598-022-17842-4, Abb. 1, CC BY 4.0, verkleinert.

In der App sprechen üben →

Elektrolyte und EKG

Lernziel: Du kannst elektrische Warnzeichen erkennen und ihre Aussage begrenzen.

Warum die Verteilung elektrisch wichtig ist

Zwischen Innen- und Außenseite einer Zellmembran besteht eine elektrische Spannungsdifferenz. Kaliumkanäle und der große Konzentrationsunterschied zwischen innen und außen bestimmen das Ruhepotenzial wesentlich mit. Die Natrium-Kalium-Pumpe hält die Konzentrationsunterschiede aufrecht.

Viel Kalium außerhalb der Zelle macht das Ruhepotenzial weniger negativ. Bei ausgeprägter Hyperkaliämie stehen dadurch weniger schnelle Natriumkanäle für die Erregung zur Verfügung: Die Leitung kann langsamer werden. Niedriges Kalium verändert unter anderem die Repolarisation und begünstigt zusätzliche Erregungen. Magnesium- und Kalziummangel können diese Instabilität verstärken. Aus einem Laborwert allein lässt sich der genaue EKG-Verlauf nicht vorhersagen.

Ablauf in drei Stufen: 1 Ausgangslage mit Kalium innen hoch und außen niedrig, Kaliumkanälen und Natrium-Kalium-Pumpe; Ruhepotenzial des Kammermyozyten etwa minus 90 mV. Linker Ast: 2a hohes Kalium außen macht das Ruhepotenzial weniger negativ, weniger schnelle Natriumkanäle sind verfügbar; 3a die Leitung wird langsamer mit längerem PQ, flacher P-Welle, breiterem QRS und Brady- oder Kammerarrhythmie. Rechter Ast: 2b niedriges Kalium außen verändert die Repolarisation und begünstigt zusätzliche Erregungen; 3b die Erholung wird instabil mit flacher T-Welle, deutlicher U-Welle, Extrasystolen und QT-assoziierten Arrhythmien, verstärkt durch Magnesium- oder Kalziummangel. Ergebniszeile: Der Laborwert allein sagt den EKG-Verlauf nicht genau voraus; EKG, zeitnahes Labor und Klinik werden zusammen gelesen.

Abbildung: Hohes Kalium außen verlangsamt eher die Leitung, niedriges Kalium destabilisiert eher die Erholung. Welche Zeichen tatsächlich auftreten, lässt sich aus dem Laborwert nicht genau vorhersagen. Quelle: eigene Darstellung.

Die nötigen EKG-Begriffe

Die P-Welle zeigt die Vorhoferregung. Das PQ-Intervall reicht vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS-Komplexes; es beträgt gewöhnlich 120–200 ms. Der QRS-Komplex bildet die Kammererregung ab und ist normalerweise schmaler als 120 ms. ST-Strecke und T-Welle gehören zur Erholungsphase der Kammern. Die QT-Zeit reicht vom QRS-Beginn bis zum Ende der T-Welle und enthält damit Erregung und Erholung.

Bei 25 mm/s entsprechen 1 mm horizontal 40 ms und 5 mm 200 ms. Bei 10 mm/mV entsprechen 10 mm vertikal 1 mV. Prüfe diese Angaben vor jeder Messung. Eine U-Welle ist eine zusätzliche kleine Welle nach der T-Welle; sie gehört nicht zur QT-Zeit. Wenn T und U verschmelzen, muss das T-Ende in einer besser geeigneten Ableitung gesucht werden. Ist es nicht sicher abgrenzbar, dokumentiere die Unsicherheit.

Schematischer Herzschlag auf EKG-Papier mit 1-mV-Eichzacke: P-Welle, Q, R, S, ST-Strecke, T-Welle und kleine U-Welle beschriftet. Darunter Messklammern: PQ vom P-Beginn bis zum QRS-Beginn, 120 bis 200 ms; QRS kleiner als 120 ms; QT vom QRS-Beginn bis zum Ende der T-Welle. Eine rote Linie markiert die U-Welle nach dem T-Ende mit dem Hinweis: nicht in QT. Unten drei Kästen: 1 mm entspricht 40 ms, 5 mm entsprechen 200 ms, 10 mm entsprechen 1 mV.

Abbildung: Jede Messung beginnt und endet an einem festen Punkt. Die U-Welle folgt erst nach dem T-Ende und wird nicht in die QT-Zeit eingerechnet. Schematischer Herzschlag mit vereinfachten Amplituden. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Ein QRS ist bei 25 mm/s vier kleine Kästchen breit: 4 × 40 ms = 160 ms. Er ist verbreitert. Bei gleichzeitigem Kalium von 7,0 mmol/l ist das ein bedrohlicher Befund; ein Schenkelblock, eine ventrikuläre Erregung oder ein Arzneimitteleffekt bleiben mögliche zusätzliche Ursachen.

Die Tabelle ordnet Messstrecke und Zeitmaß zu.

MessungBezugOrientierung
PQP-Beginn bis QRS-Beginn120–200 ms
QRSKammererregung<120 ms
QTQRS-Beginn bis T-EndeU-Welle nicht einschließen
Papier bei 25 mm/s1 mm / 5 mm40 ms / 200 ms

Ablauf: 1 Maßstab prüfen, 25 mm/s mit 1 mm gleich 40 ms und 5 mm gleich 200 ms, 10 mm/mV mit 10 mm gleich 1 mV. Zwei Äste: 2a PQ vom P-Beginn bis zum QRS-Beginn, 120 bis 200 ms, QRS kleiner als 120 ms; 3a Beispiel: 4 Kästchen mal 40 ms gleich 160 ms, verbreitert. 2b QT vom QRS-Beginn bis zum T-Ende ohne U-Welle, bei T-U-Verschmelzung andere Ableitung; 3b T-Ende unklar: beste Ableitung suchen, sonst Unsicherheit dokumentieren. Ergebnis links rot: QRS 160 ms mit Kalium 7,0 mmol/l ist bedrohlich, Differenzialdiagnose Block, ventrikulärer Ursprung, Medikament. Ergebnis rechts grau: T-Ende nicht sicher, QT nicht erfinden, Unsicherheit angeben.

Abbildung: Erst der Maßstab, dann Beginn und Ende jeder Strecke. Ein breiter QRS bei hohem Kalium ist bedrohlich; ein unsicheres T-Ende wird als Unsicherheit dokumentiert. Quelle: eigene Darstellung.

Muster erkennen, Grenzen behalten

StörungMögliche EKG-VeränderungKlinische Bedeutung
Hyperkaliämiehohe, schmale T-Wellen; später PQ-Verlängerung, flache/fehlende P-Wellen, breiter QRSBradyarrhythmie, Kammerarrhythmie, Kreislaufstillstand möglich
Hypokaliämieflache T-Wellen, ST-Senkung, deutliche U-Wellen, T-U-Verschmelzungscheinbare QT-/tatsächliche QU-Verlängerung; Arrhythmierisiko
Hypokalzämieverlängerte ST-Strecke, verlängerte QT-Zeitbei ausgeprägter Störung elektrische Instabilität
Hyperkalzämieverkürzte ST-/QT-Zeitnicht bei jeder Person deutlich
Hypomagnesiämieoft unspezifisch; Begünstigung von QT-assoziierten Arrhythmienhäufig zusammen mit niedrigem K oder Ca

Ab 6,5 mmol/l wird eine Hyperkaliämie im hier verwendeten Schema als schwer eingestuft. Die Veränderungen treten nicht in einer verlässlichen Reihenfolge auf. Ein unauffälliges EKG schließt auch eine schwere Hyperkaliämie nicht aus. Hohe T-Wellen beweisen umgekehrt keine Hyperkaliämie; beispielsweise können Ischämie oder individuelle Varianten ähnlich wirken. Du verbindest EKG, zeitnahen Laborwert und klinischen Kontext.

Sechs schematische Herzschläge nebeneinander mit Beschriftung: normal mit runder T-Welle; Kalium hoch früh mit hoher, schmaler, spitzer, symmetrischer T-Welle; Kalium hoch ausgeprägt mit flacher oder fehlender P-Welle, langem PQ und breitem QRS bis zur Sinuswelle; Kalium niedrig mit flacher T-Welle, gesenkter ST-Strecke und deutlicher, mit T verschmelzender U-Welle; Kalzium niedrig mit langer ST-Strecke, normal geformter T-Welle und langer QT-Zeit; Kalzium hoch mit kurzer oder fehlender ST-Strecke und kurzer QT-Zeit. Unten: Magnesiummangel oft unspezifisch, begünstigt QT-assoziierte Arrhythmien und tritt meist zusammen mit niedrigem Kalium oder Kalzium auf.

Abbildung: Die typischen Formen nebeneinander. Im echten EKG sind sie oft weniger deutlich, kommen gemischt vor und folgen keiner festen Reihenfolge. Schematische Herzschläge, keine Patientenkurven. Quelle: eigene Darstellung.

Reales EKG mit den Ableitungen II, V2, V3 und V4 über sechs Sekunden bei 25 mm/s und 10 mm/mV: regelmäßiger Sinusrhythmus mit schmalen QRS-Komplexen; die T-Wellen sind niedrig und breit und gehen besonders in V2 und V3 ohne klare Grundlinie in eine zweite flache Welle über.

Abbildung: Niedrige, breite T-Wellen, die in V2 und V3 mit einer folgenden U-Welle verschmelzen. Die ärztliche Datensatzbeschreibung lautet sinngemäß: prominente U-Welle, Hypokaliämie ausschließen. Ein Kaliumwert ist nicht bekannt – das Muster lenkt den Verdacht, beweist ihn aber nicht. In II ist das T-Ende leichter abzugrenzen. Quelle: PTB-XL 1.0.3, Datensatz 18093, Wagner et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet (Ausschnitt II und V2–V4, 0–6 s). Auswahlhilfe: PTB-XL+ 1.0.1; ärztliche Datensatzbeschreibung, die Kurve wurde gesondert angesehen.

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II: schmale Kammerkomplexe, die jeweils paarweise dicht aufeinander folgen, danach eine längere Pause; vor den Komplexen sind keine P-Wellen zu erkennen. In V2, V3 und V4 sind die T-Wellen hoch, spitz und schmalbasig.

Abbildung: Hohe, schmalbasige T-Wellen in V2 bis V4; P-Wellen sind nicht abgrenzbar, je zwei schmale Kammerkomplexe folgen dicht aufeinander, dann eine Pause. Gemessenes Serum-Kalium zu dieser Aufnahme: 7,5 mmol/l. Quelle: Kooner A et al., Medicine (Baltimore) 2025;104(47):e46228, Abb. 2, CC BY 4.0; oberer Rand beschnitten.

Entscheidungsweg: 1 Zeitnaher, zuverlässiger Kaliumwert, Probe plausibel, Schweregrad in mmol/l: 5,5 bis 5,9 leicht, 6,0 bis 6,4 mäßig, ab 6,5 schwer. 2 Zwölfkanal-EKG: hohe schmale T-Wellen, langes PQ, flache P-Wellen, breiter QRS, Bradykardie oder Block. Drei Wege: Kalium ab 6,5 ist schwer, auch bei normalem EKG, und wird dringlich mit Monitor behandelt; Kalium erhöht mit EKG-Zeichen bedeutet Gefährdung auch unter 6,5 und verlangt sofort Monitor und intravenöses Kalzium; hohe T-Wellen bei normalem Kalium lassen an Ischämie oder Normvariante denken und werden weiter abgeklärt.

Abbildung: Wert und Kurve werden gemeinsam bewertet. Ein unauffälliges EKG hebt die Dringlichkeit einer schweren Hyperkaliämie nicht auf; EKG-Zeichen machen auch einen niedrigeren Wert dringlich. Die Behandlung folgt in E04-U04. Quelle: eigene Darstellung.

QT verlängert: Risiko einschätzen

Die QT-Zeit wird bei höherer Herzfrequenz normalerweise kürzer. Deshalb werden frequenzkorrigierte Werte verwendet. Bei der Fridericia-Formel gilt: QTcF = QT / ∛RR, mit QT und RR in Sekunden. RR ist der zeitliche Abstand zweier aufeinanderfolgender R-Zacken; bei regelmäßigem Rhythmus gilt RR in Sekunden = 60 / Herzfrequenz pro Minute. ∛RR bedeutet die dritte Wurzel aus diesem Wert. Bei QT 0,48 s und RR 1,00 s ergibt sich QTcF 0,48 s, also 480 ms. Die häufig vom Gerät ausgegebene Bazett-Korrektur ist bei deutlich schneller oder langsamer Frequenz besonders fehleranfällig. Automatische Messungen müssen zur Kurve passen.

Eine QTc über 500 ms oder eine deutliche Zunahme gegenüber dem Vorbefund ist ein Warnsignal, besonders bei Bradykardie, Pausen, QT-verlängernden Medikamenten sowie niedrigem Kalium oder Magnesium. Torsade de pointes ist eine Form polymorpher Kammertachykardie im Zusammenhang mit verlängerter Repolarisation. Bei Bewusstlosigkeit oder Kreislaufinstabilität alarmierst du das Reanimationsteam und folgst dem Reanimationsalgorithmus. Elektrolytkorrektur ersetzt die elektrische Notfalltherapie nicht.

Bei Torsade de pointes gehört Magnesium zur Akuttherapie: 2 g Magnesiumsulfat (etwa 8 mmol) i.v. über zehn Minuten. Bei fehlendem Puls oder Instabilität hat die elektrische Therapie Vorrang; Einzelheiten folgen in E04-U08-S03.

Die Tabelle ordnet die frequenzkorrigierte QT-Zeit grob ein.

QTcEinordnungNächster Schritt
< 450 ms (Männer), < 460 ms (Frauen)meist unauffälligAusgangswert dokumentieren
darüber bis 500 msverlängertUrsachen, Medikamente, K⁺ und Mg²⁺ prüfen
> 500 ms oder Zunahme > 60 msdeutliches WarnsignalQT-Medikamente überprüfen, Elektrolyte ausgleichen, Monitor erwägen

Realer Monitorstreifen der Ableitung II in zwei aufeinanderfolgenden Abschnitten untereinander: nach einem Eigenschlag eine schnelle, breite Kammertachykardie, deren Ausschläge spindelförmig größer und kleiner werden und die Richtung wechseln. Im unteren Abschnitt rechts ein steiler Schockartefakt, danach kehrt ein langsamer Eigenrhythmus zurück.

Abbildung: Torsade de pointes: Die polymorphe Kammertachykardie scheint sich um die Grundlinie zu drehen. Unten rechts beendet ein Schock die Rhythmusstörung. Quelle: Wikimedia Commons, „Torsades converted by AICD ECG strip Lead II“, Displaced, gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten (Gerätetext entfernt) und in zwei Zeilen angeordnet.

Ablauf: 1 QT vom QRS-Beginn bis zum T-Ende und RR gleich 60 durch Herzfrequenz, beides in Sekunden. 2 Frequenzkorrektur nach Fridericia: QTcF gleich QT durch dritte Wurzel aus RR; Beispiel QT 0,48 s und RR 1,00 s ergibt 480 ms. Grauer Hinweis: Bazett aus dem Gerät ist bei schneller oder langsamer Frequenz fehleranfällig, automatische Messung an der Kurve prüfen. 3 Warnsignal: QTc über 500 ms oder Zunahme um mehr als 60 ms zum Vorbefund; Begleitfaktoren Bradykardie oder Pausen, QT-Medikamente, niedriges Kalium, niedriges Magnesium. 4a stabil: QT-Medikamente prüfen, Kalium und Magnesium ausgleichen, Monitor und Kontroll-EKG, danach Ursache weiter klären. 4b Torsade oder instabil: Reanimationsteam, Defibrillation oder Reanimation nicht verzögern, Magnesium 2 g Magnesiumsulfat, etwa 8 mmol, intravenös über 10 Minuten.

Abbildung: Messen, korrigieren, Warnsignal erkennen, dann nach Kreislaufzustand handeln. Magnesium ergänzt die Notfalltherapie, ersetzt aber keine Defibrillation. Quelle: eigene Darstellung.

Eine echte Kurve systematisch lesen

Beginne mit Kalibrierung und Qualität, dann folgen Rhythmus/Frequenz → elektrische Achse → PQ/QRS → QT → ST/T → klinische Bedeutung. Ein Sinusrhythmus zeigt gewöhnlich gleichartige P-Wellen vor den QRS-Komplexen mit regelmäßiger Überleitung; in II sind die P-Wellen meist positiv. Bei regelmäßigem Rhythmus kannst du die Frequenz mit 60/RR in Sekunden berechnen. Bei unregelmäßigem Rhythmus liefert die Anzahl der QRS in einem zehnsekündigen Streifen mal sechs eine grobe mittlere Frequenz.

Sieben Schritte untereinander: 1 Kalibrierung und Qualität, 25 mm/s und 10 mm/mV, Artefakte. 2 Rhythmus und Frequenz: P vor jedem QRS, in II positiv; regelmäßig 60 durch RR, unregelmäßig QRS in 10 Sekunden mal 6. 3 Elektrische Achse: I und aVF positiv oder negativ. 4 PQ 120 bis 200 ms, QRS kleiner als 120 ms. 5 QT: T-Ende, nicht U, QTcF berechnen. 6 ST-Strecke und T-Welle: gesenkt oder gehoben, T flach oder hoch. 7 Klinische Bedeutung: Befund ist nicht gleich Ursache; Labor, Medikamente, Nierenfunktion und Vor-EKG prüfen.

Abbildung: Dieselbe Reihenfolge bei jeder Kurve verhindert, dass ein auffälliger Einzelbefund den Rest überdeckt. Das folgende Beispiel geht diese Schritte durch. Quelle: eigene Darstellung.

Die elektrische Achse beschreibt die mittlere Richtung der Kammererregung in der Frontalebene. Für diesen Pool genügt eine grobe Einordnung: überwiegend positive QRS in I und aVF sprechen für eine Achse im normalen Quadranten. I positiv, aVF negativ und II noch positiv passen zu einem Linkstyp im Bereich ungefähr −30° bis 0°. Eine überwiegend positive Achse in II/III/aVF bei kleinem aVL kann steil, aber noch normal sein. Der Lagetyp allein diagnostiziert keine Elektrolytstörung. Die vollständige Achsen- und Rhythmusdiagnostik gehört in den EKG-Pfad.

Kreis der Frontalebene mit Ableitung I bei 0 Grad nach rechts und aVF bei plus 90 Grad nach unten, dazu II, III, aVL bei minus 30 Grad und aVR. Grün markiert den Quadranten mit I und aVF positiv von 0 bis plus 90 Grad, gelb den linksgerichteten Bereich von minus 30 bis 0 Grad, grau den überdrehten Bereich links oben, blau den rechtsgerichteten Bereich. Darunter drei Zeilen: I positiv und aVF positiv bedeutet 0 bis plus 90 Grad, wobei der Linkstyp bis plus 30 Grad reicht; I positiv, aVF negativ und II positiv bedeutet linksgerichtet, minus 30 bis 0 Grad; I positiv, aVF negativ und II negativ bedeutet überdrehter Linkstyp, weiter im EKG-Pfad. Unten: Der Lagetyp diagnostiziert keine Elektrolytstörung.

Abbildung: I und aVF ordnen den Quadranten, II trennt Linkstyp und überdrehten Linkstyp. Nach deutscher Einteilung reicht der Linkstyp von −30° bis +30°; I und aVF positiv schließt ihn also nicht aus. Im folgenden Beispiel sind I und II positiv, aVF negativ: Linkstyp. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II und Kalibrierung 25 mm/s sowie 10 mm/mV; das Beispiel wird im folgenden Text systematisch erklärt.

Quelle: PTB-XL 1.0.3, Datensatz 39, Wagner et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet. Auswahlhilfe: maschinelle GE-12SL-Angabe aus PTB-XL+ 1.0.1; die Kurve wurde gesondert angesehen.

PrüfschrittBefund dieser Kurve
Qualität/Kalibrierung25 mm/s, 10 mm/mV; zwölf Ableitungen, unten zehn Sekunden II; T-Ende unter anderem in V3/V5 beurteilbar
Rhythmus/FrequenzRegelmäßige Sinusaktion, RR etwa 0,67 s: 60/0,67 ergibt rund 89/min
AchseI und II überwiegend positiv, III/aVF negativ: linksgerichtet, Linkstyp
Überleitung/KammererregungPQ ungefähr 160 ms; QRS ungefähr 100–110 ms
QTIn V3/V5 ungefähr 450–480 ms; das Ende der T-Welle zählt, nicht der Beginn der nächsten P-Welle
ST/TNiedrige beziehungsweise flache T-Wellen mit leichten ST-Veränderungen; lange Repolarisation

Rechnen wir mit einem mittleren Näherungswert: QT 0,46 s und RR 0,67 s ergeben QTcF ungefähr 0,526 s = 526 ms. Auch mit dem Messbereich bleibt die QTcF etwa 515–550 ms und damit deutlich auffällig. Es ist sinnvoller, Messableitung, Formel und Unsicherheit anzugeben, als eine exakt wirkende Millisekundenzahl auszugeben.

Die Kurve beweist eine verlängerte Repolarisation, keine bestimmte Ursache. Ein zugehöriger Kalium-, Magnesium- oder Kalziumwert fehlt. Im klinischen Alltag prüfst du Symptome, Medikamente, Begleitelektrolyte, Nierenfunktion und Vor-EKG. Eine QTc über 500 ms verlangt eine zeitnahe Risikobeurteilung; bei Synkope oder Instabilität wird sofort eskaliert. Im späteren EKG-Pool wendest du dieselbe Reihenfolge auf andere reale Kurven an.

Freie Antwort

Messen und deuten

Aufgabe

Bei 25 mm/s misst du einen QRS von drei kleinen Kästchen. Wie lang ist er? Weshalb reicht diese Messung allein nicht, um Hyperkaliämie zu diagnostizieren?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeMessung
Papiergeschwindigkeit25 mm/s
QRS-BreiteDrei kleine Kästchen

Reales EKG mit den Ableitungen I, II, V1 und V6 über sechs Sekunden bei 25 mm/s und 10 mm/mV: regelmäßiger Rhythmus mit einer P-Welle vor jedem QRS-Komplex; in V1 besteht der QRS-Komplex aus einem kleinen und einem höheren positiven Ausschlag, in I und V6 endet er mit einer breiten S-Zacke.

Abbildung: Übungskurve zum Ausmessen der QRS-Dauer bei 25 mm/s; Beginn und Ende des QRS-Komplexes werden in der Ableitung bestimmt, in der beide am deutlichsten sind. Zu dieser Aufnahme ist kein Kaliumwert bekannt. Quelle: [PTB-XL 1.0.3, Datensatz 1024], Wagner et al., [CC BY 4.0]. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet (Ausschnitt I, II, V1 und V6, 0–6 s).

In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Eine gefährliche Entwarnung vermeiden

Aufgabe

Kalium beträgt in einer zuverlässig gewonnenen Probe 6,8 mmol/l. Das EKG ist unauffällig. Welche Entscheidung ist angemessen?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Kalium6,8 mmol/l
ProbeZuverlässig gewonnen
EKGUnauffällig

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II bei 25 mm/s und 10 mm/mV: regelmäßiger Rhythmus um 80/min mit einer P-Welle vor jedem schmalen QRS-Komplex; die T-Wellen sind abgerundet und in I, II, aVF und V2 bis V6 positiv.

Abbildung: Beispiel einer Zwölfkanal-Kurve ohne auffälligen Befund, wie sie in dieser Aufgabe vorliegt. Die Aufnahme stammt von einer anderen Person; ein Kaliumwert ist dazu nicht bekannt. Quelle: [PTB-XL 1.0.3, Datensatz 1714], Wagner et al., [CC BY 4.0]. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

  1. a)Die schwere Hyperkaliämie erfordert dringliche Behandlung und Überwachung.
  2. b)Ohne hohe T-Wellen ist der Messwert als falsch zu behandeln.
  3. c)Eine Kontrollmessung in einer Woche genügt bei Beschwerdefreiheit.
Lösung in der App →

Hypokaliämie behandeln

Lernziel: Du kannst Kaliummangel erkennen, sicher ersetzen und seine Ursache suchen.

Ursachen und Folgen verbinden

Eine Hypokaliämie liegt unterhalb der Laboruntergrenze, meist unter 3,5 mmol/l. Zur Orientierung gelten 3,0–3,4 als mild, 2,5–2,9 als mäßig und unter 2,5 mmol/l als schwer. Symptome, EKG und Geschwindigkeit können auch bei höheren Werten Dringlichkeit erzeugen.

Die Ursachen lassen sich nach dem gerade gelernten Prinzip ordnen:

MechanismusTypische AuslöserHilfreiche Frage
Verlust über die NiereSchleifen-/Thiaziddiuretika, Mineralokortikoidüberschuss, einige TubulusstörungenWelche Mittel, welcher Blutdruck, welche Urinbefunde?
Verlust über den DarmDurchfall, Laxanzien; bei Erbrechen auch sekundär renaler VerlustWelche Menge und Dauer, welche Begleitverluste?
Verschiebung in ZellenInsulin, β₂-Agonisten, Alkalose, RefeedingWas hat sich kurz vor der Messung verändert?
Zu wenig ZufuhrMangelernährung, lange NahrungskarenzMeist zusammen mit weiteren Verlusten?

Erbrechen führt nicht nur zum Verlust von Mageninhalt. Volumen- und Chloridmangel sowie hormonelle Gegenregulation können die renale Kaliumausscheidung erhöhen und eine Alkalose aufrechterhalten. Hier wird dieser Zusammenhang für die sichere Elektrolytbehandlung genutzt.

Erbrechen führt über Verlust von Salzsäure und Volumen zu metabolischer Alkalose und Aldosteronanstieg; im distalen Nephron steigt die Kaliumsekretion. Ergebnis sind Hypokaliämie und anhaltende Alkalose; Volumen und Chlorid unterbrechen diesen Kreislauf.

Abbildung: Bei Erbrechen entsteht der größere Kaliumverlust oft erst sekundär über die Niere. Quelle: eigene Darstellung.

Muskelschwäche, Krämpfe, Obstipation bis zum Ileus und bei ausgeprägtem Mangel Atemmuskelschwäche sind möglich. Herzklopfen, Synkope, EKG-Veränderungen und Lähmungen sind Warnzeichen. Eine Hypokaliämie erhöht unter Digoxin und QT-verlängernden Arzneimitteln das Arrhythmierisiko. Beschwerden können trotz deutlicher Erniedrigung zunächst fehlen.

Der Kaliumwert wird in mild, mäßig und schwer eingeteilt. Unabhängig vom Wert zeigen Muskel-, Darm- und Herzsymptome sowie EKG-Zeichen Dringlichkeit an; Digoxin, QT-verlängernde Mittel und ein rascher Abfall erhöhen das Risiko zusätzlich.

Abbildung: Warnzeichen und Begleitrisiken bestimmen die Dringlichkeit mit, nicht nur der Laborwert. Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle zeigt die im Text verwendeten Schweregrade.

KaliumEinordnung
3,0–3,4 mmol/lMild
2,5–2,9 mmol/lMäßig
<2,5 mmol/lSchwer
Symptome, EKG, rascher AbfallDringlichkeit auch bei höheren Werten

Die Ursache strukturiert eingrenzen

Erfrage Arzneimittel einschließlich Diuretika, Laxanzien und frei verkäuflicher Mittel, Erbrechen/Durchfall, Ernährung, Alkohol und zeitnahe Insulin- oder Inhalationsbehandlung. Untersuche Kreislauf, Hydratation, Muskelkraft und Herzrhythmus. Miss Kalium, Magnesium, Kreatinin und bei passender Frage den Säure-Basen-Status; schreibe bei ausgeprägtem Mangel, Symptomen oder kardialem Risiko ein EKG.

Wenn die Ursache unklar bleibt, kann die Kaliumausscheidung im Urin zeigen, ob die Niere trotz Hypokaliämie weiter Kalium verliert. Einzelne Urinkonzentrationen hängen von der Verdünnung ab; die Interpretation von Sammelurin oder Kalium/Kreatinin-Verhältnis gehört in den Kontext von Diuretika, Nierenfunktion und bereits erfolgter Substitution. Eine akut nötige Behandlung wartet nicht auf diese Abklärung. Hypertonie, Hypokaliämie und Alkalose begründen beispielsweise eine gezielte Abklärung vermehrter Mineralokortikoidwirkung; sie beweisen sie nicht.

Nach Anamnese, Untersuchung, Labor und EKG werden Verschiebung, Verlust über den Darm und Verlust über die Niere unterschieden. Bei Verdacht auf renalen Verlust folgen Urin-Kalium, Blutdruck und Säure-Basen-Status; die Akutbehandlung läuft parallel.

Abbildung: Erst den Mechanismus zuordnen, dann gezielt weiter untersuchen – die Behandlung wartet nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Zur Orientierung: Ein Kalium/Kreatinin-Quotient im Spontanurin unter etwa 1,5 mmol/mmol (≈ 13 mmol/g) oder weniger als 15 mmol Kalium pro 24 Stunden spricht dafür, dass die Niere Kalium spart; die Ursache liegt dann eher im Darm, in einer Verschiebung oder in geringer Zufuhr. Höhere Werte sprechen für einen renalen Verlust. Säure-Basen-Status und Blutdruck ordnen weiter: Azidose etwa bei renal-tubulärer Azidose oder Ketoazidose, Alkalose mit normalem Blutdruck bei Diuretika oder Erbrechen, Alkalose mit Hypertonie bei vermehrter Mineralokortikoidwirkung. Kurz nach einer Diuretikagabe oder nach begonnenem Ersatz sind diese Grenzen nur eingeschränkt verwertbar.

Die Tabelle fasst die Orientierungswerte zusammen.

Urinbefund und BegleitbefundSpricht eher für
K/Krea < 1,5 mmol/mmol oder < 15 mmol/24 hDarmverlust, Verschiebung, geringe Zufuhr
höher, dazu Azidoserenal-tubuläre Azidose, Ketoazidose
höher, Alkalose, Blutdruck normalDiuretika, Erbrechen, seltene Tubulopathien
höher, Alkalose und HypertonieMineralokortikoidüberschuss: Renin und Aldosteron bestimmen

Ein niedriger Kalium/Kreatinin-Quotient unter 1,5 mmol/mmol oder weniger als 15 mmol pro 24 Stunden spricht für Kaliumeinsparung der Niere, höhere Werte für renalen Verlust. Säure-Basen-Status, Blutdruck, Urin-Chlorid sowie Renin und Aldosteron grenzen die Ursache weiter ein.

Abbildung: Ein Urinwert ist nur zusammen mit Verdünnung, Diuretika und bereits erfolgtem Ersatz aussagekräftig. Quelle: eigene Darstellung.

Kalium sicher ersetzen

Bei stabilen, asymptomatischen Personen mit nutzbarem Magen-Darm-Trakt ist orale Gabe meist vorzuziehen. Kaliumchlorid passt besonders zu einem gleichzeitigen Chloridmangel. Ein Beispiel für eine milde Hypokaliämie ist 24 mmol oral zwei- bis dreimal täglich, an Verlust, Nierenfunktion, Verträglichkeit und Kontrollwert angepasst. Präparate enthalten unterschiedliche Mengen: Verordne in mmol und prüfe die Menge pro Tablette oder Beutel. Übelkeit und Schleimhautreizung begrenzen die Verträglichkeit.

Schwere Hypokaliämie, relevante Beschwerden, EKG-Veränderungen oder fehlende enterale Möglichkeit können intravenöse Behandlung erfordern. Dabei wird Kalium verdünnt mit einer Infusionspumpe gegeben; Konzentrate sind keine direkt zu injizierenden Medikamente. Für die gewöhnliche stationäre Substitution gilt als konservativer Rahmen: höchstens 10 mmol pro Stunde, peripher üblicherweise höchstens 40 mmol/l. Höhere Raten oder Konzentrationen benötigen einen ausdrücklich dafür vorgesehenen überwachten Spezialstandard und erfahrene ärztliche Verantwortung. Reanimationsregime sind keine Regeln für die normale Substitution. NHS Specialist Pharmacy Service, Hypokaliämie

Die deutsche Fachinformation eines Kaliumchlorid-Konzentrats nennt für die symptomatische Hypokaliämie als Obergrenze 20 mmol pro Stunde. Die fertige Infusionslösung soll normalerweise höchstens 40 mmol/l enthalten; bei Serumkalium unter 2 mmol/l sind bei Erwachsenen bis 80 mmol/l zugelassen. Solche Raten und Konzentrationen gehören unter kontinuierliches EKG-Monitoring und in einen ausdrücklich dafür vorgesehenen Standard, meist auf einer Überwachungs- oder Intensivstation. Im hypokaliämischen Kreislaufstillstand empfiehlt der ERC 2025 20 mmol Kaliumchlorid i.v. über 2–3 Minuten, danach 10 mmol über 2 Minuten, mit anschließender Kaliumkontrolle; dieses Regime gilt nur für die Reanimation. Fachinformation Kaliumchlorid 7,45 % gefärbt, B. Braun · ERC 2025, Special Circumstances (Resuscitation Council UK)

Die Tabelle ordnet die Kaliumgabe nach Situation.

SituationRahmenVoraussetzung
Mild, stabil, Darm nutzbarz. B. 24 mmol oral 2–3 × täglichGehalt des Präparats in mmol prüfen
Gewöhnliche i.v. Substitution≤ 10 mmol/h, peripher ≤ 40 mmol/lPumpe, verdünnte Fertiglösung
Schwer oder symptomatisch, überwachtbis 20 mmol/h; bei K < 2 mmol/l bis 80 mmol/lSpezialstandard, kontinuierliches EKG
Hypokaliämischer Kreislaufstillstand20 mmol in 2–3 min, dann 10 mmol in 2 minnur während der Reanimation

Eine glukosehaltige Trägerlösung kann durch Insulinausschüttung die Hypokaliämie vorübergehend verstärken. Fertige geeignete Infusionslösungen und den lokalen Standard bevorzugen. Kontrolliere Zugang, Pumpeneinstellung, Gesamtvolumen, Urinausscheidung und Begleitinfusionen. Bei akuter Nierenschädigung (AKI), Oligurie oder fortgeschrittener Niereninsuffizienz wird nicht nach einem unbesehenen Standardschema ersetzt.

Nach Prüfung von Nierenfunktion, Zugang und Volumen verzweigt der Ersatz in orale Gabe bei stabiler Situation und verdünnte Infusion mit Pumpe. Standard i.v. bis 10 mmol/h und peripher bis 40 mmol/l; bis 20 mmol/h nur im Spezialstandard mit kontinuierlichem EKG; im Kreislaufstillstand 20 mmol in 2–3 Minuten, dann 10 mmol in 2 Minuten.

Abbildung: Oraler Ersatz und intravenöse Akutbehandlung haben unterschiedliche Voraussetzungen. Quelle: eigene Darstellung.

Dosis, Konzentration und Geschwindigkeit

Ausgearbeitetes Beispiel

Verordnet sind 20 mmol Kalium in einem Endvolumen von 500 ml über zwei Stunden, nach individueller Prüfung bei ausreichender Ausscheidung und ohne Volumenrestriktion.

  • Gesamtmenge: 20 mmol.
  • Konzentration: 20 mmol / 0,5 l = 40 mmol/l.
  • Kaliumzufuhr: 20 mmol / 2 h = 10 mmol/h.
  • Pumpenrate: 500 ml / 2 h = 250 ml/h.

Diese vier Angaben beschreiben verschiedene Dinge. Dieselben 20 mmol in 50 ml wären zehnmal so konzentriert. Ein gutes Rechenergebnis ersetzt nicht die Prüfung, ob die Flüssigkeitsmenge zur Person passt.

Die Tabelle trennt die vier Größen des Infusionsbeispiels.

GrößeRechnungErgebnis
GesamtmengeVorgabe20 mmol
Konzentration20 mmol / 0,5 l40 mmol/l
Kaliumrate20 mmol / 2 h10 mmol/h
Pumpenrate500 ml / 2 h250 ml/h

Aus 20 mmol, 500 ml Endvolumen und zwei Stunden werden Konzentration 40 mmol/l, Kaliumrate 10 mmol/h und Pumpenrate 250 ml/h getrennt berechnet; dieselben 20 mmol in 50 ml ergäben 400 mmol/l.

Abbildung: Endvolumen und Laufzeit führen zu unterschiedlichen Einheiten. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Die Pumpe einstellen

Aufgabe

Eine geeignete Infusion enthält 20 mmol Kalium in 500 ml Endvolumen. Sie soll über vier Stunden laufen. Berechne Pumpenrate, Kaliumzufuhr pro Stunde und Konzentration.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

VorgabeWert
Kaliummenge20 mmol
Endvolumen500 ml
LaufzeitVier Stunden

Zwei Hände legen ein Infusionsbesteck in eine volumetrische Infusionspumpe ein; auf dem Farbdisplay sind Ladeschritte mit Häkchen zu sehen, im Hintergrund hängen Infusionsbeutel.

Abbildung: Volumetrische Infusionspumpe beim Einlegen des Infusionsbestecks; anschließend werden die Werte am Gerät programmiert. Quelle: Senior Airman Andrea Posey/U.S. Air Force, gemeinfrei (Werk der US-Bundesregierung), verkleinert.

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Nach der Gabe weiterdenken

Bei schwerer Störung oder intravenöser Akutbehandlung werden EKG und Kalium engmaschig kontrolliert, initial häufig nach etwa 2–4 Stunden und vor einer weiteren größeren Gabe; bei Instabilität früher. Das konkrete Intervall hängt von Schwere, Rate, Ausscheidung und dem lokalen Protokoll ab. Bei stabiler oraler Therapie ist ein längeres, klar vereinbartes Intervall möglich. Ein offenes „bei Gelegenheit kontrollieren“ reicht nicht.

Bleibt Kalium trotz Ersatz niedrig, prüfe fortbestehende Verluste und Magnesiummangel. Dieser fördert renale Kaliumverluste und kann die Korrektur erschweren. Stoppe eine Substitution nicht nur deshalb, weil einmal ein knapp normaler Blutwert gemessen wurde; entscheide anhand von Ursache und Verlauf. Umgekehrt droht Überkorrektur, wenn eine Verschiebung zurückgeht oder die Ausscheidung abnimmt. Ernährung unterstützt die längerfristige Versorgung, ersetzt aber keine Akutbehandlung.

Bei schwerer Störung oder intravenöser Gabe folgen EKG-Überwachung und Kaliumkontrolle nach etwa 2–4 Stunden, bei stabiler oraler Therapie ein fest vereinbarter Termin. Bleibt Kalium niedrig, werden Verluste und Magnesium geprüft; steigt es rasch, wird die weitere Gabe reduziert.

Abbildung: Fortbestehende Verluste und nachlassende Ausscheidung führen zu gegensätzlichen Risiken. Quelle: eigene Darstellung.

Bei trotz Ersatz niedrigem Kalium werden laufende Verluste und Magnesium geprüft. Magnesiummangel enthemmt renale Kaliumkanäle und steigert die Kaliumsekretion; deshalb werden Ursache und Magnesium mitbehandelt und Kalium, Magnesium und EKG risikogerecht kontrolliert.

Abbildung: Intrazelluläres Magnesium bremst renale Kaliumkanäle (ROMK); fehlt es, geht ersetztes Kalium wieder über den Urin verloren. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Warum reicht Kalium allein nicht?

Aufgabe

Eine Patientin mit Durchfall hat Kalium 2,7 mmol/l, Magnesium 0,40 mmol/l und normale Nierenfunktion. Trotz erster Kaliumgaben bleibt der Wert niedrig. Begründe zwei zusätzliche Maßnahmen.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
BeschwerdenDurchfall
Kalium2,7 mmol/l
Magnesium0,40 mmol/l
NierenfunktionNormal
Bisheriger VerlaufKalium bleibt trotz erster Gaben niedrig
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Freie Antwort

Eine riskante Verordnung erkennen

Aufgabe

Ein Patient mit Kalium 2,4 mmol/l und Palpitationen soll Kaliumkonzentrat unverdünnt über einen peripheren Zugang erhalten. Formuliere die sicherheitsrelevante Rückmeldung und den weiteren Weg.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeVorgabe im Fall
Kalium2,4 mmol/l
BeschwerdenPalpitationen
Geplantes PräparatKaliumkonzentrat, unverdünnt
Geplanter ZugangPeripher

Linker Handrücken und Unterarm mit einer pflasterfixierten Venenverweilkanüle; über einen Dreiwegehahn am Unterarm ist eine Infusionsleitung angeschlossen.

Abbildung: Peripherer Venenzugang am Handrücken mit angeschlossener Infusionsleitung. Quelle: Michaelberry (Wikipedia-Nutzer), CC BY 3.0, nach WebP umgewandelt.

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II bei 25 mm/s und 10 mm/mV: überwiegend regelmäßiger Rhythmus um 60/min mit P-Wellen vor schmalen QRS-Komplexen; der dritte Schlag kommt vorzeitig, ist breiter und anders geformt und wird von einer längeren Pause gefolgt. Die T-Wellen sind in fast allen Ableitungen sehr flach.

Abbildung: Beispielkurve mit sehr flachen T-Wellen und einem vorzeitigen Schlag. Die ärztliche Datensatzbeschreibung empfiehlt, eine Hypokaliämie auszuschließen; ein Kaliumwert ist zu dieser Aufnahme nicht bekannt. Quelle: [PTB-XL 1.0.3, Datensatz 4486], Wagner et al., [CC BY 4.0]. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

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Hyperkaliämie beherrschen

Lernziel: Du kannst Herzschutz, Verschiebung, Elimination und Verlaufskontrolle trennen.

Ursache und Dringlichkeit

Eine Hyperkaliämie liegt oberhalb des lokalen Referenzbereichs. Für die Akutversorgung wird häufig in mild 5,5–5,9, mäßig 6,0–6,4 und schwer ab 6,5 mmol/l eingeteilt. Auch ein rascher Anstieg oder bedrohliche EKG-Veränderungen bei niedrigerem Wert verlangt dringliches Handeln.

Reales Zwölfkanal-EKG ohne Rhythmusstreifen: langsamer, unregelmäßiger Rhythmus mit schmalen Kammerkomplexen; die Extremitätenableitungen sind niedrig und unruhig. In V2, V3 und V4 sind die T-Wellen hoch und spitz; die Ableitung V3 ist am unteren Bildrand angeschnitten.

Abbildung: Langsamer, unregelmäßiger Rhythmus mit hohen, spitzen T-Wellen in V2 bis V4. Gemessenes Serum-Kalium zu dieser Aufnahme: 5,8 mmol/l. Quelle: Hanumanthu BKJ et al., Cureus 2019;11(12):e6439, Abb. 2, CC BY 3.0; Rhythmusstreifen mit Markierungen der Autoren abgeschnitten.

Häufig wirken mehrere Ursachen zusammen: AKI oder fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit (CKD) begrenzen die Ausscheidung; ACE-Hemmer, AT₁-Blocker, Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten und kaliumsparende Diuretika vermindern die Kaliumabgabe. Trimethoprim wirkt ebenfalls kaliumretinierend. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können die Nierenfunktion und hormonelle Regulation verschlechtern. Kaliumpräparate und kaliumhaltiger Salzersatz erhöhen die Zufuhr. Insulinmangel, Gewebezerfall und manche Azidosen verändern zusätzlich die Verteilung.

Drei Ursachengruppen der Hyperkaliämie. Verminderte Ausscheidung durch AKI, fortgeschrittene CKD oder Oligurie, ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten, kaliumsparende Diuretika, Trimethoprim und NSAR erhöht den Bestand. Erhöhte Zufuhr durch Kaliumpräparate oder kaliumhaltigen Salzersatz erhöht den Bestand. Verteilungsstörungen durch Insulinmangel, Gewebezerfall oder manche Azidosen lassen den Bestand gleich. Daraus folgen: laufende Kaliumzufuhr stoppen, auslösende Medikation überprüfen, Niere, Urin, Glukose und pH beurteilen.

Abbildung: Ausscheidung und Zufuhr verändern den Kaliumbestand, eine Verteilungsstörung zunächst nur den Serumwert. Häufig wirken mehrere Gruppen zusammen. Quelle: eigene Darstellung.

Erfrage Schwäche, Lähmung, Herzklopfen und Synkope, aber verlasse dich nicht auf Beschwerden. Bei Kalium ab 6,0 mmol/l gehört rasch ein 12-Kanal-EKG zur Abklärung; schwere Hyperkaliämie, EKG-Veränderungen oder klinische Instabilität erfordern kontinuierliche Rhythmusüberwachung. Prüfe Kaliumquelle, Nierenfunktion, Urinmenge, Glukose und den Säure-Basen-Kontext. Wiederhole eine unplausible Messung, ohne eine notwendige Akuttherapie aufzuschieben.

Die Tabelle verbindet Kaliumbereiche mit der beschriebenen Sicherheitsebene.

KaliumSchweregradSicherheitsebene
5,5–5,9 mmol/lMildKlinik und Dynamik beachten
6,0–6,4 mmol/lMäßigRasch 12-Kanal-EKG
≥6,5 mmol/lSchwerKontinuierliche Überwachung
EKG-Veränderung / InstabilitätUnabhängig von starrer GrenzeDringlich handeln

Ablauf bei erhöhtem Kalium. Erstens Plausibilität prüfen und eine unplausible Messung wiederholen, ohne notwendige Akuttherapie aufzuschieben. Zweitens Schweregrad einordnen: 5,5 bis 5,9 mmol/l mild mit Beachtung von Klinik und Dynamik, 6,0 bis 6,4 mmol/l mäßig mit raschem Zwölfkanal-EKG, ab 6,5 mmol/l schwer mit Monitor und Akuttherapie. Drittens Nierenfunktion, Urinmenge, Kaliumquelle, auslösende Medikamente, Glukose und Säure-Basen-Status prüfen. Viertens: Bei EKG-Veränderung, Instabilität oder raschem Anstieg dringlich mit Rhythmusmonitor, Herzschutz, Senkung und Entfernung handeln; sonst zügig nach Schweregrad behandeln, Ursache klären und kontrollieren.

Abbildung: Ab 6,0 mmol/l gehört ein rasches EKG zur Abklärung; EKG-Veränderung, Instabilität oder rascher Anstieg machen das Vorgehen unabhängig vom Zahlenwert dringlich. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Behandlungsziele gleichzeitig planen

Herz schützen: Intravenöses Kalzium wirkt der elektrischen Gefährdung entgegen. Es senkt den Kaliumwert nicht.

Kalium in Zellen verschieben: Insulin und β₂-Agonisten senken den Wert vorübergehend, indem Kalium in Zellen aufgenommen wird. Der Gesamtbestand sinkt dadurch nicht.

Kalium entfernen: Ausscheidung über Niere oder Darm sowie Dialyse vermindern den Bestand. Welche Möglichkeit funktioniert, hängt von Nierenleistung, Volumenstatus, Schwere und zeitlichem Bedarf ab. Laufende Kaliumzufuhr wird gestoppt und eine auslösende Medikation überprüft.

Diese Maßnahmen sind keine lange Warteschlange. Bei einem gefährdeten Patienten werden Herzschutz, Senkung des Blutwerts und definitive Entfernung parallel organisiert. Früh nephrologische oder intensivmedizinische Hilfe hinzuziehen, besonders bei Oligurie, Dialysepflicht oder unzureichendem Ansprechen.

Als zeitliche Orientierung nennt die UKKA-Leitlinie 2023: Kalzium verbessert das EKG innerhalb von etwa 3 Minuten, wirkt aber nur 30–60 Minuten. Nach Insulin-Glukose beginnt Kalium nach etwa 15 Minuten zu sinken, am stärksten nach 30–60 Minuten um etwa 0,65–1,0 mmol/l; die Senkung hält bis etwa 2 Stunden an. Vernebeltes Salbutamol wirkt innerhalb von 30 Minuten für mindestens 2 Stunden.

Drei parallele Ziele bei gefährdender Hyperkaliämie. Erstens Herz schützen mit Kalzium intravenös: Erregbarkeit stabilisiert, Kalium bleibt gleich; Beginn innerhalb von etwa 3 Minuten, Wirkung 30 bis 60 Minuten. Zweitens Kalium verschieben mit Insulin plus Glukose und Salbutamol: Serumkalium sinkt vorübergehend, der Bestand bleibt; Beginn nach 15 bis 30 Minuten, Wirkung etwa 2 Stunden. Drittens Kalium entfernen über Niere, Kaliumbinder oder Dialyse: Gesamtkalium sinkt; Binder brauchen Stunden, Dialyse wirkt rasch. Ohne Entfernung droht ein Rebound; EKG, Kalium und Glukose werden weiter kontrolliert.

Abbildung: Kalzium senkt das Kalium nicht, eine Verschiebung beseitigt den Überschuss nicht. Nur die Entfernung korrigiert den Bestand; die Zeitangaben sind gerundete Orientierungswerte nach UKKA 2023. Quelle: eigene Darstellung.

Kalzium bei elektrischer Gefährdung

Vier vereinfachte Herzschläge mit grau gestricheltem Normalschlag zum Vergleich: hohe, schmale T-Welle; flache P-Welle mit längerem PQ; breiter QRS-Komplex ohne P-Welle; Sinuswellenmuster. Die Reihenfolge ist nicht verlässlich, ein normales EKG schließt eine Hyperkaliämie nicht aus und eine hohe T-Welle allein beweist sie nicht. Folge: Kalzium intravenös unter EKG-Kontrolle und parallel Kalium senken und entfernen.

Abbildung: Hyperkaliämietypische EKG-Zeichen als vereinfachte Einzelschläge, keine Originalableitung. Breiter QRS, fehlende P-Wellen und Sinuswellenmuster zeigen eine unmittelbare elektrische Gefährdung an. Quelle: eigene Darstellung.

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II bei 25 mm/s und 10 mm/mV: langsamer Rhythmus um 50/min mit flachen, kaum abgrenzbaren P-Wellen und schmalen Kammerkomplexen. In V2, V3 und V4 sind die T-Wellen hoch, spitz und schmalbasig und überragen den QRS-Komplex.

Abbildung: Langsamer Rhythmus um 50/min mit flachen, kaum abgrenzbaren P-Wellen und hohen, spitzen, schmalbasigen T-Wellen in V2 bis V4. Ein Laborwert ist zu dieser Aufnahme nicht bekannt. Quelle: ZZU-ZUA-EKG-Datensatz (Tan J et al., figshare 2026), Datensatz Z03617, CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

Bei Hyperkaliämie mit bedrohlichen EKG-Veränderungen wird Kalzium intravenös unter EKG-Kontrolle gegeben. Zwei verbreitete ungefähr äquivalente Erwachsenendosen sind:

ZubereitungBeispiel bei Hyperkaliämie mit EKG-VeränderungElementares Kalzium
Kalziumglukonat 10 %30 ml i.v. über 10 Minutenetwa 6,8 mmol
Kalziumchlorid 10 %10 ml i.v. über 5 Minutenetwa 6,8 mmol

10 ml Glukonat sind nicht gleich 10 ml Chlorid. Produktbezogene mmol-Angaben kontrollieren. Kalziumchlorid schädigt bei Extravasation Gewebe stärker; Zugang und örtlichen Notfallstandard beachten. Die UK Kidney Association bevorzugt außerhalb der Reanimation meist Glukonat, während RCUK 2025 bei schwerer Hyperkaliämie mit EKG-Veränderung Chlorid nennt und Glukonat als Alternative. Die Wahl wird deshalb als klar benanntes Protokoll getroffen. MHRA, Verwechslungs- und Unterdosierungsrisiko

EKG und Kreislauf werden unmittelbar nachbeurteilt. Wenn elektrische Veränderungen nach der ersten Gabe fortbestehen oder erneut auftreten, ist eine Wiederholung nach ärztlicher Neubewertung nötig. Die Schutzwirkung ist zeitlich begrenzt (etwa 30–60 Minuten); ein vorübergehend schmalerer QRS beendet die Kaliumbehandlung nicht. Bei vermuteter Digitalisintoxikation ist früh toxikologische/kardiologische Expertise nötig; die spezifische Behandlung wird nicht durch eine schematische Elektrolytliste ersetzt.

Zwei reale Zwölfkanal-EKG derselben Person untereinander. Oben ein sehr langsamer Rhythmus mit nur wenigen schmalen Kammerkomplexen und langen flachen Pausen. Unten ein regelmäßiger schnellerer Rhythmus mit schmalen Kammerkomplexen; in II, III, aVF und V4 bis V6 senkt sich die ST-Strecke muldenförmig ab.

Abbildung: Zwei Aufnahmen derselben Person: oben ein sehr langsamer Kammerrhythmus mit langen Pausen, unten ein schnellerer Rhythmus mit muldenförmig gesenkten ST-Strecken in vielen Ableitungen. Gemessener Digoxin-Serumspiegel: 17,93 ng/ml. Quelle: Muñoz NL et al., Open Cardiovasc Med J 2017;11:58–60, Abb. 1 A/B, CC BY 4.0; Panelbuchstaben abgeschnitten.

Kalzium bei Hyperkaliämie mit bedrohlichem EKG. Erstens sicherer intravenöser Zugang und kontinuierliche EKG-Überwachung. Zweitens ein Protokoll mit gleicher Kalziummenge wählen: Kalziumglukonat 10 Prozent 30 ml über 10 Minuten oder Kalziumchlorid 10 Prozent 10 ml über 5 Minuten, jeweils etwa 6,8 mmol Kalzium. Warnung: 10 ml Glukonat entsprechen nicht 10 ml Chlorid; mmol-Angabe des Produkts prüfen; Chlorid schädigt bei Paravasat stärker. Drittens EKG und Kreislauf sofort nachbeurteilen; Wirkung nach höchstens 3 Minuten, nur 30 bis 60 Minuten anhaltend. Viertens: Bleibt das EKG verändert oder verändert es sich erneut, Wiederholung nach ärztlicher Neubewertung; ein schmalerer QRS beendet die Kaliumbehandlung nicht. Bei Digitalis-Verdacht früh toxikologische oder kardiologische Expertise.

Abbildung: Verglichen wird die elementare Kalziummenge, nicht allein das Volumen. Quelle: eigene Darstellung.

Insulin und Glukose: zwei Risiken im Blick

Ein verbreitetes Akutschema bei mäßiger bis schwerer Hyperkaliämie ist 10 Einheiten lösliches Insulin zusammen mit 25 g Glukose intravenös, nach institutionellem Schema kontrolliert verabreicht. Vorher wird die Glukose gemessen. Bei Ausgangsglukose unter 7 mmol/l sieht UKKA zusätzlich Glukose 10 % mit 50 ml/h über fünf Stunden vor. Die Glukosezufuhr soll Hypoglykämien verhindern; sie macht Kontrollen nicht überflüssig. Bei Niereninsuffizienz kann die Wirkung länger anhalten.

Salbutamol 10–20 mg vernebelt kann die Verschiebung ergänzen; es ersetzt bei schwerer Hyperkaliämie nicht die übrige Therapie. Tachykardie und unzuverlässiges Ansprechen sind relevante Grenzen. Intravenöses Bikarbonat ist bei Hyperkaliämie außerhalb besonderer Situationen keine routinemäßige Standardmaßnahme; eine ausgeprägte Azidose erfordert eine eigene begründete Entscheidung. RCUK 2025, Elektrolytstörungen

Ausgearbeitetes Beispiel

Glukose 10 % enthält 10 g pro 100 ml. Für 25 g werden 250 ml benötigt. Bei einem anderen Präparat muss neu gerechnet werden: Dieselbe Zahl in ml liefert sonst eine andere Glukosemenge. Bei Volumenrestriktion wählt das Team eine geeignete Zubereitung und einen passenden Zugang. Insulin wird in Einheiten, Glukose in Gramm, Kalium in mmol verordnet.

Die Tabelle hält Wirkstoffmenge und Zubereitung auseinander.

AngabeAkutbeispiel
Lösliches Insulin10 Einheiten i.v.
Glukose25 g i.v.
Bei Glukose <7 mmol/lZusätzlich 10 %: 50 ml/h für 5 h
Salbutamol ergänzend10–20 mg vernebelt

Kalium in die Zellen verschieben bei mäßiger bis schwerer Hyperkaliämie. Erstens Glukose vorher messen. Zweitens 10 Einheiten lösliches Insulin mit 25 Gramm Glukose intravenös, zum Beispiel 250 ml Glukose 10 Prozent; ergänzend Salbutamol 10 bis 20 mg vernebelt, bei schwerer Form nie allein, Tachykardie beachten. Drittens bei Ausgangsglukose unter 7 mmol/l zusätzlich Glukose 10 Prozent mit 50 ml pro Stunde über 5 Stunden, sonst keine Zusatzinfusion, aber trotzdem kontrollieren. Viertens Glukose nach 0, 30, 60, 90, 120, 180, 240, 300 und 360 Minuten kontrollieren; bei Niereninsuffizienz wirkt Insulin länger. Kalium sinkt nur vorübergehend, die Entfernung wird parallel geplant. Insulin in Einheiten, Glukose in Gramm, Kalium in mmol.

Abbildung: Die zusätzliche Glukose bei niedrigem Ausgangswert ersetzt die weitere Glukosekontrolle nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Entfernung und Wiederanstieg

Bei ausreichender Nierenfunktion kann eine geeignete Behandlung des Volumenproblems und gegebenenfalls ein Schleifendiuretikum die Ausscheidung unterstützen. Ein Diuretikum ist bei Anurie keine verlässliche Kaliumtherapie. Moderne enterale Kaliumbinder können ergänzend eingesetzt werden; Produkt, Wechselwirkungen und Darmfunktion sind zu berücksichtigen. Sie ersetzen bei elektrischer Gefährdung weder Kalzium noch die rasche Verschiebungstherapie. Bei schwerer, anhaltender oder erneut ansteigender Hyperkaliämie, insbesondere mit unzureichender Nierenleistung, muss Dialyse zeitnah organisiert werden.

Natriumzirconiumcyclosilicat (SZC) wird in der Korrekturphase mit 10 g dreimal täglich oral gegeben, höchstens 72 Stunden; die Wirkung beginnt nach etwa einer Stunde, die Erhaltungsdosis beginnt mit 5 g einmal täglich. Patiromer beginnt mit 8,4 g einmal täglich und wirkt erst nach etwa 4–7 Stunden; andere orale Arzneimittel werden mit mindestens 3 Stunden Abstand eingenommen.

Die Tabelle ordnet die Wege der Kaliumentfernung nach Dosis und Wirkbeginn.

WegErwachsenendosisWirkbeginn / Grenze
Schleifendiuretikumnach Volumenstatusnur bei erhaltener Diurese
SZC10 g 3×/Tag oral, max. 72 hetwa 1 h; natriumreich
Patiromer8,4 g 1×/Tag oral4–7 h; 3 h Abstand zu anderen oralen Mitteln
Dialysenephrologisch festgelegtrasch; bei refraktärer oder schwerer Form mit unzureichender Nierenleistung

Kalium aus dem Körper entfernen, nachdem Zufuhr gestoppt und Medikation geprüft wurde. Erstens Niere und Volumen beurteilen: Urinmenge, Kreatinin, Volumenstatus. Arbeitet die Niere, Volumenproblem behandeln und gegebenenfalls Schleifendiuretikum geben; bei Oligurie oder Anurie ist ein Diuretikum unzuverlässig und Dialyse wird früh geplant. Zweitens Kaliumbinder ergänzend: SZC wirkt nach etwa einer Stunde, Patiromer nach 4 bis 7 Stunden; Darmfunktion und Wechselwirkungen prüfen; Binder ersetzen weder Kalzium noch Verschiebung. Drittens Dialyse zeitnah organisieren bei schwerer, anhaltender oder wieder ansteigender Hyperkaliämie oder unzureichender Nierenleistung. Ist der Bestand korrigiert, bleibt Kalium stabil; sonst droht ein Rebound.

Abbildung: Die Nierenleistung entscheidet, ob Diurese reicht oder Dialyse früh geplant werden muss; Kaliumbinder ergänzen, wirken aber erst nach Stunden. Quelle: eigene Darstellung.

Rebound bedeutet einen Wiederanstieg nach anfänglichem Erfolg. Sobald die Verschiebungswirkung nachlässt, kann Kalium erneut im Außenraum erscheinen. Solange Ursache und Bestand nicht korrigiert sind, ist ein guter Einzelwert keine Entwarnung.

Liniendiagramm des Kaliums über acht Stunden bei Oligurie, beide Verläufe beginnen bei 7,2 mmol/l und fallen nach einer Stunde auf etwa 5,9 mmol/l. Bei alleiniger Verschiebung lässt die Wirkung nach; Kalium steigt nach vier Stunden wieder über 6,5 mmol/l in den schweren Bereich. Mit zusätzlicher Entfernung sinkt Kalium weiter unter 5,5 mmol/l. Kontrollpunkte nach 1, 2, 4, 6 und 24 Stunden; ein guter Einzelwert ist keine Entwarnung.

Abbildung: Vereinfachter Beispielverlauf, keine Messreihe. Der Wert nach einer Stunde sieht in beiden Fällen gleich aus; erst die weiteren Kontrollen zeigen, ob der Bestand korrigiert wurde. Quelle: eigene Darstellung.

Nach UKKA werden Kaliumwerte zumindest nach 1, 2, 4, 6 und 24 Stunden beurteilt; klinische Instabilität verlangt zusätzliche Messungen. Nach Insulin-Glukose erfolgt die Glukosekontrolle bei 0, 30, 60, 90, 120, 180, 240, 300 und 360 Minuten. Bei erneuter Insulingabe oder hohem Hypoglykämierisiko wird länger kontrolliert. Alle Zeitangaben beziehen sich auf die Behandlung; im Verlauf muss der Plan ausdrücklich weitergegeben werden. UKKA, Hyperkaliämie-Leitlinie 2023

Kopfzeile: Hyperkaliämie, Kontrollen nach Therapie, Mindestabstände nach UKKA 2023. Schritt 1, Serum-Kalium: Zeitachse mit Kontrollen zu Beginn und nach 1, 2, 4, 6 und 24 Stunden, die Achse ist nach 6 Stunden unterbrochen. Schritt 2, Glukose nach Insulin-Glukose: Kontrollen zu Beginn sowie nach 30, 60, 90, 120, 180, 240, 300 und 360 Minuten; Hinweis, dass eine Hypoglykämie oft verzögert auftritt. Schritt 3: zusätzlich messen bei Beschwerden, Hypoglykämie, instabilem Verlauf oder erneutem Insulin. Unten zwei Ausgänge: Kalium bleibt stabil, wenn Ursache und Bestand korrigiert sind; bei Wiederanstieg Rebound erneut behandeln und den Plan weitergeben.

Abbildung: Kontrollintervalle nach UKKA 2023, Empfehlungen 17.1 und 17.2. Null bezeichnet den Ausgangswert unmittelbar vor Therapie beziehungsweise Insulingabe; die Kaliumachse ist nach sechs Stunden unterbrochen. Die Originalgrafik der Leitlinie wurde nicht übernommen. Quelle: eigene Darstellung nach UKKA (2023).

Multiple Choice

Was tut welches Medikament?

Aufgabe

Nach Kalziumgabe wird der QRS schmaler. Kalium bleibt bei 7,1 mmol/l. Welche Erklärung trifft zu?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBeobachtung
BehandlungKalziumgabe
QRS danachSchmaler
Kalium danachUnverändert 7,1 mmol/l

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen V1, II und V5: regelmäßiger Rhythmus um 60/min mit deutlich verbreiterten Kammerkomplexen; in V1 ist der Komplex M-förmig, in V5 und V6 endet er mit einer breiten S-Zacke. Die T-Wellen in V4 bis V6 sind hoch und spitz; die Extremitätenableitungen sind niedrig und unruhig.

Abbildung: Beispiel einer Kurve vor Behandlungsbeginn mit verbreiterten QRS-Komplexen. Aufnahme einer anderen Person; Serum-Kalium zu dieser Aufnahme: 9,1 mmol/l. Quelle: Biladeau S, Grell R, Cureus 2023;15(1):e34437, Abb. 1, CC BY 3.0; Bildinhalt unverändert.

  1. a)Die Kalziumgabe war wirkungslos, weil Kalium unverändert ist.
  2. b)Die Hyperkaliämie ist beseitigt, weil das EKG besser geworden ist.
  3. c)Der elektrische Schutz kann wirken; Kalium muss weiter gesenkt und entfernt werden.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Glukosemenge prüfen

Aufgabe

Das festgelegte Insulin-Glukose-Schema verlangt 25 g Glukose. Es steht Glukose 20 % zur Verfügung. Berechne das nötige Volumen. Benenne außerdem eine Kontrolle vor und eine nach der Behandlung.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

VorgabeAngabe
Benötigte Glukosemenge25 g
Verfügbare LösungGlukose 20 %
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Der Rückfall nach vier Stunden

Aufgabe

Ein oligurischer Patient hat initial Kalium 7,0 mmol/l und einen verbreiterten QRS. Nach Akutbehandlung fällt Kalium auf 5,6 mmol/l; nach vier Stunden steigt es auf 6,6 mmol/l. Erkläre den Verlauf und formuliere die nächste Priorität.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

Zeitpunkt / AngabeBefund
UrinausscheidungOligurie
InitialKalium 7,0 mmol/l; QRS verbreitert
Nach AkutbehandlungKalium 5,6 mmol/l
Nach vier StundenKalium 6,6 mmol/l
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Kalzium richtig messen

Lernziel: Du kannst Gesamt- und ionisiertes Kalzium sowie Albumin und pH einordnen.

Aktiver Anteil und Speicher

Kalzium stabilisiert unter anderem Knochen und ist für Muskelkontraktion, Nervenfunktion und Gerinnung wichtig. Der größte Teil liegt im Knochen. Im Blut ist ungefähr die Hälfte frei ionisiert, etwa 40 % sind proteingebunden und der Rest liegt in kleinen Komplexen vor. Für die unmittelbare biologische Wirkung ist das ionisierte Kalzium entscheidend.

Albumin ist das wichtigste Bindungsprotein. Sinkt Albumin, kann das Gesamt-Kalzium sinken, obwohl der freie Anteil normal ist. Eine Hypoalbuminämie allein ist daher keine Indikation zur intravenösen Kalziumgabe. Umgekehrt kann bei normalem Gesamtwert das ionisierte Kalzium zu niedrig sein.

Kopfzeile: Kalzium im Serum, drei Anteile, wirksam ist das ionisierte Kalzium. Schritt 1: Ein Balken zeigt ungefähr 50 Prozent ionisiertes, 40 Prozent an Albumin gebundenes und 10 Prozent komplexgebundenes Kalzium; die Anteile hängen von Albumin und pH ab. Schritt 2, was die Werte verschiebt: Bei niedrigem Albumin sinkt das Gesamtkalzium, das ionisierte Kalzium bleibt oft normal, und dies allein ist kein Grund für eine intravenöse Gabe. Bei Alkalose steigt die Albuminbindung, das ionisierte Kalzium sinkt, das Gesamtkalzium bleibt oft gleich. Ergebnis: Bei Beschwerden oder Widerspruch ionisiertes Kalzium messen statt nur den Gesamtwert zu lesen.

Abbildung: Die ungefähren Fraktionen erklären, warum Gesamt- und ionisiertes Kalzium unterschiedliche Aussagen liefern. Die tatsächlichen Anteile hängen unter anderem von Albumin und pH ab. Quelle: eigene Darstellung.

Typische Erwachsenen-Referenzbereiche helfen beim Einordnen; maßgeblich ist immer der Bereich des eigenen Labors.

MessgrößeTypischer BereichMerke
Gesamt-Kalzium2,20–2,60 mmol/lHängt vom Albumin ab
Ionisiertes Kalzium1,15–1,30 mmol/lBiologisch aktiver Anteil
Albumin35–52 g/lWichtigstes Bindungsprotein
pH7,35–7,45Alkalämie senkt den freien Anteil

Drei Spalten vergleichen Kalziumkonstellationen. Erstens Hypoalbuminämie: Gesamt-Kalzium niedrig, ionisiertes Kalzium normal, weil weniger Bindungsprotein vorhanden ist; keine intravenöse Kalziumgabe allein wegen Albumin, Ursache des Albuminmangels klären. Zweitens Alkalämie: Gesamt-Kalzium oft normal, ionisiertes Kalzium niedrig, weil Albumin mehr Kalzium bindet, ohne Verlust aus dem Körper; Kribbeln und Pfötchenstellung möglich, Ursache suchen. Drittens echte Hypokalzämie: beide Werte niedrig, der aktive Anteil fehlt; Symptome und EKG beachten, abklären und behandeln. Bei Symptomen oder Diskrepanz wird ionisiertes Kalzium gemessen.

Abbildung: Erst der ionisierte Wert zeigt, ob ein niedriger oder normaler Gesamtwert wirklich zu wenig aktives Kalzium bedeutet. Quelle: eigene Darstellung.

Warum der pH dazugehört

Bei Alkalämie bindet Albumin mehr Kalzium. Dadurch kann der ionisierte Anteil fallen, ohne dass plötzlich Kalzium aus dem Körper verloren geht. Rasche Hyperventilation kann deshalb Kribbeln oder eine Pfötchenstellung begünstigen. Trotzdem muss die Ursache der Hyperventilation geprüft werden: Schmerzen, Hypoxämie, Lungenembolie oder andere ernste Erkrankungen dürfen nicht vorschnell als Angstreaktion erklärt werden. Rückatmung in eine Papiertüte ist keine geeignete Routinebehandlung.

Überschrift: Hyperventilation, Kalzium verschiebt sich bei gleicher Gesamtmenge. Rasche, tiefe Atmung senkt CO₂ und hebt den pH. In der Alkalämie bindet Albumin mehr Kalzium: Zwei gleich lange Balken zeigen bei gleichem Gesamt-Kalzium einen kleineren freien und einen größeren an Albumin gebundenen Anteil; eine Legende benennt frei, an Albumin gebunden und Komplexe. Im Labor fällt das ionisierte Kalzium, das Gesamt-Kalzium bleibt oft gleich, Kalzium geht nicht verloren. Beschwerden sind periorales Kribbeln, Pfötchenstellung und Muskelkrämpfe. Die Ursache der Hyperventilation wird geprüft, zum Beispiel Schmerzen, Hypoxämie, Lungenembolie oder eine andere ernste Erkrankung, statt vorschnell Angst anzunehmen. Rückatmung in eine Papiertüte ist keine Routinebehandlung.

Abbildung: Die Alkalämie verschiebt Kalzium vom freien in den gebundenen Anteil; die Gesamtmenge bleibt gleich. Die Balkenanteile sind qualitativ, der orange Rest steht für komplexgebundenes Kalzium. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Probe zur Messung von ionisiertem Kalzium muss korrekt abgenommen, luftarm verschlossen und rasch analysiert werden. CO₂-Verlust verändert den pH und damit die Messung. Achte darauf, ob das Labor den tatsächlich gemessenen oder auf einen Standard-pH berechneten Wert angibt.

Von Symptomen oder widersprüchlichen Befunden führt der Weg zur direkten Messung des ionisierten Kalziums; auch bei kritischer Krankheit, Niereninsuffizienz und pH-Verschiebung. Die Probe wird korrekt abgenommen, luftarm verschlossen und rasch analysiert. Luft oder lange Wartezeit lassen CO₂ entweichen, der pH steigt und das ionisierte Kalzium wird falsch niedrig. Danach wird unterschieden, ob der Wert beim tatsächlichen pH gemessen wurde und damit den pH-Effekt zeigt oder auf pH 7,40 umgerechnet wurde und der pH-Effekt fehlt. Ist die Probe plausibel, wird sie mit Beschwerden, pH und Magnesium gelesen; ist sie fraglich, wird neu abgenommen und die Klinik entscheidet.

Abbildung: Die Probenqualität und die Art der Laborangabe gehören zur Beurteilung des aktiven Kalziumanteils. Quelle: eigene Darstellung.

Albuminkorrekturformeln versuchen den Gesamtwert rechnerisch anzupassen. Sie sind jedoch keine direkte Messung des aktiven Anteils und können insbesondere bei kritischer Erkrankung, Niereninsuffizienz und pH-Verschiebungen irreführen. Eine gebräuchliche Näherung lautet: korrigiertes Kalzium (mmol/l) ≈ gemessenes Gesamt-Kalzium + 0,02 × (40 − Albumin in g/l); viele Labore verwenden eine eigene, lokal angepasste Formel. Bei passenden Symptomen oder unklarer Diskrepanz wird ionisiertes Kalzium gemessen.

Ausgearbeitetes Beispiel

Eine stabile Patientin hat Gesamt-Kalzium 1,95 mmol/l, Albumin 22 g/l und ionisiertes Kalzium 1,20 mmol/l bei pH 7,40. Der Gesamtwert ist niedrig, der aktive Anteil liegt im Beispielreferenzbereich. Die Befundkombination spricht gegen eine aktuelle relevante ionisierte Hypokalzämie. Die niedrige Albuminkonzentration und ihre Ursache müssen trotzdem geklärt werden. Rechnerisch ergäbe die Näherung 1,95 + 0,02 × (40 − 22) = 2,31 mmol/l; das passt hier zum gemessenen ionisierten Wert, ersetzt ihn aber nicht.

Die Beispielwerte zeigen, warum Gesamt-Kalzium und aktiver Anteil getrennt gelesen werden.

MessgrößeBeispielwertEinordnung im Beispiel
Gesamt-Kalzium1,95 mmol/lNiedriger Gesamtwert
Albumin22 g/lNiedrige Konzentration; Ursache klären
Albuminkorrigiert (Näherung)2,31 mmol/lRechenwert, keine Messung
Ionisiertes Kalzium1,20 mmol/lIm Beispielreferenzbereich
pH7,40Kontext der Messung

Die Albuminkorrektur ist eine Schätzung, keine Messung. Gebräuchliche Näherung: korrigiertes Kalzium ungefähr gleich Gesamt-Kalzium plus 0,02 mal (40 minus Albumin), Kalzium in mmol/l, Albumin in g/l; die Formel des eigenen Labors ist zu beachten. Bei der stabilen Patientin mit Gesamt-Kalzium 1,95 und Albumin 22 ergibt 1,95 plus 0,02 mal 18 den Wert 2,31 mmol/l, passend zum ionisierten Kalzium 1,20. Unzuverlässig ist die Formel bei kritischer Krankheit, Niereninsuffizienz und pH-Verschiebung. Bei Beschwerden oder Diskrepanz entscheidet die direkte Messung des ionisierten Kalziums; aus einem Rechenwert folgt keine Therapie.

Abbildung: Die Albuminkorrektur kann einen niedrigen Gesamtwert erklären, aber den gemessenen aktiven Anteil nicht ersetzen. Quelle: eigene Darstellung.

PTH, Vitamin D und Niere

Die Nebenschilddrüsen setzen bei sinkendem ionisiertem Kalzium Parathormon (PTH) frei. Es erhöht die renale Kalziumrückresorption und vermindert die renale Phosphatrückresorption. Außerdem fördert es die Bildung von aktivem Vitamin D, Kalzitriol, in der Niere. Kalzitriol steigert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat im Darm. PTH kann über den Knochenumbau Kalzium und Phosphat mobilisieren; seine Gesamtwirkung hängt vom zeitlichen und physiologischen Kontext ab.

Damit ist ein PTH-Wert nie isoliert zu lesen: Bei Hyperkalzämie sollte PTH normalerweise unterdrückt sein. Ein formal „normaler“ PTH-Wert kann bei hohem Kalzium deshalb unangemessen hoch sein. Bei niedrigem Kalzium wäre eine Gegenregulation zu erwarten. Magnesiummangel kann PTH-Freisetzung und -Wirkung stören. Eine eingeschränkte Niere verändert sowohl Phosphatausscheidung als auch Vitamin-D-Aktivierung. Typisch sind zwei Konstellationen: Hohes Kalzium mit nicht unterdrücktem PTH spricht für eine PTH-abhängige Ursache wie einen primären Hyperparathyreoidismus; niedriges Kalzium mit niedrigem oder unangemessen normalem PTH spricht für einen Hypoparathyreoidismus, etwa nach Schilddrüsenoperation, oder einen Magnesiummangel.

PTH und Kalzitriol wirken an mehreren Organen; ihr Nettoeffekt auf das Phosphat unterscheidet sich.

OrtPTHKalzitriol
NiereCa-Rückresorption ↑, Phosphatausscheidung ↑, Kalzitriolbildung ↑Ca-Rückresorption gering ↑
DarmIndirekt über KalzitriolAufnahme von Ca und Phosphat ↑
KnochenAnhaltend erhöht: Ca und Phosphat werden mobilisiertLiefert indirekt Ca und Phosphat für die Mineralisierung
NebenschilddrüseFreisetzung bei sinkendem ionisiertem CaHemmt die PTH-Bildung
Netto im Serum bei intakter NiereCa ↑, Phosphat ↓Ca ↑, Phosphat ↑

Kopfzeile: PTH und Calcitriol bei Kalziummangel, Gegenregulation über drei Organe. Schritt 1: Ionisiertes Kalzium sinkt; die Nebenschilddrüse misst den freien Anteil. Schritt 2: PTH steigt. Schritt 3a, Niere: Kalziumrückresorption, Phosphatausscheidung und Calcitriolbildung steigen. Schritt 3b, Knochen: nur bei anhaltend hohem PTH steigt die Resorption, Kalzium und Phosphat werden frei. Schritt 4, Darm über Calcitriol: Aufnahme von Kalzium und Phosphat steigt. Rückkopplung: Calcitriol hemmt die PTH-Bildung. Ergebnis: Bei intakter Niere steigt netto das Serumkalzium und sinkt das Serumphosphat; bei chronischer Nierenkrankheit ist dieses Phosphatmuster nicht übertragbar.

Abbildung: Die Nettoangabe gilt für erhaltene Nierenfunktion; bei chronischer Nierenkrankheit darf daraus kein identisches Phosphatmuster vorhergesagt werden. Der Knochenpfad beschreibt anhaltend erhöhtes PTH und keine direkte Wirkung an Osteoklasten. Quelle: eigene Darstellung.

Zuerst wird das Kalzium sicher bestimmt, ionisiert oder als verlässlich eingeordneter Gesamtwert. Bei hohem Kalzium wird ein unterdrücktes PTH erwartet: Ist PTH hoch oder formal normal, ist es unangemessen und spricht für eine PTH-abhängige Ursache, zum Beispiel einen primären Hyperparathyreoidismus; ist PTH unterdrückt, ist das angemessen und die Ursache PTH-unabhängig, etwa Malignom oder Vitamin-D-Wirkung. Bei niedrigem Kalzium wird ein erhöhtes PTH erwartet: Ein erhöhtes PTH ist angemessen und lenkt auf Ursachen außerhalb der Nebenschilddrüsen wie Vitamin-D-Mangel oder chronische Nierenkrankheit; ein niedriges oder formal normales PTH ist unzureichend und spricht für Hypoparathyreoidismus, zum Beispiel nach Schilddrüsenoperation, oder Magnesiummangel. Immer mitbeurteilt werden Magnesium, dessen Mangel PTH-Freisetzung und -Wirkung stört, und die Nierenfunktion, die Phosphatausscheidung und Vitamin-D-Aktivierung verändert.

Abbildung: Die Kalziumkonstellation entscheidet, ob ein PTH-Wert als angemessen gelten kann. Rot markiert eine unpassende, grün eine passende Antwort der Nebenschilddrüsen; die Ursachen sind Beispiele, keine vollständige Liste. HPT = Hyperparathyreoidismus, SD-OP = Schilddrüsenoperation, CKD = chronische Nierenkrankheit. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Welcher Wert beantwortet die Frage?

Aufgabe

Nach schneller Atmung treten periorales Kribbeln und ein Handkrampf auf. Gesamt-Kalzium ist normal. Welche Zusatzmessung klärt den vermuteten Mechanismus am direktesten?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Zeitlicher ZusammenhangNach schneller Atmung
BeschwerdenPeriorales Kribbeln; Handkrampf
Gesamt-KalziumNormal

Foto einer Hand vor hellem Hintergrund: Das Handgelenk ist gebeugt, die Finger sind in den Grundgelenken gebeugt und in den Mittel- und Endgelenken gestreckt, der Daumen liegt an.

Abbildung: Nachgestellte Handstellung bei einem Handkrampf, von einer gesunden Person demonstriert. Quelle: Huckfinne (Wikimedia-Nutzer), gemeinfrei (Public Domain), nach WebP umgewandelt.

  1. a)Gesamt-Kalzium erneut messen und allein anhand dieses Werts entscheiden.
  2. b)Ionisiertes Kalzium zusammen mit dem aktuellen Säure-Basen-Status.
  3. c)Albumin allein, weil es den freien Anteil eindeutig angibt.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine Diskrepanz erklären

Aufgabe

Bei einer Person mit Sepsis liegen Gesamt-Kalzium 2,10 mmol/l, Albumin 18 g/l und ionisiertes Kalzium 0,90 mmol/l vor. Eine Albuminkorrektur ergibt rechnerisch einen unauffälligen Gesamtwert. Welche Information ist für die aktuelle Kalziumbeurteilung entscheidend, und warum?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Klinischer ZusammenhangSepsis
Gesamt-Kalzium2,10 mmol/l
Albumin18 g/l
Ionisiertes Kalzium0,90 mmol/l
AlbuminkorrekturRechnerisch unauffälliger Gesamtwert
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Hypokalzämie behandeln

Lernziel: Du kannst eine gefährliche Hypokalzämie erkennen und gezielt behandeln.

Ursachen und Warnzeichen

Bei Vitamin-D-Mangel oder Malabsorption gelangt weniger Kalzium aus dem Darm in den Körper. Nach Eingriffen an Schilddrüse oder Nebenschilddrüsen kann PTH fehlen. Bei Niereninsuffizienz wirken Phosphatretention und verminderte Kalzitriolbildung zusammen. Ein ausgeprägter Magnesiummangel stört die PTH-Regulation; nach großen Transfusionen kann Zitrat vorübergehend ionisiertes Kalzium binden. Auch antiresorptive Arzneimittel wie Bisphosphonate oder Denosumab können den Wert senken.

Die gesteigerte neuromuskuläre Erregbarkeit zeigt sich durch Kribbeln um den Mund oder an den Fingern, Muskelkrämpfe und Tetanie. Laryngospasmus, Krampfanfall, ausgeprägte QT-Verlängerung oder Rhythmusstörung sind Notfallzeichen. Ein Chvostek- oder Trousseau-Zeichen kann zur Untersuchung passen, beweist aber weder allein die Störung noch deren Schwere. Beim Chvostek-Zeichen zucken nach Beklopfen des N. facialis vor dem Ohr die Gesichtsmuskeln der gleichen Seite; beim Trousseau-Zeichen löst eine über den systolischen Druck aufgepumpte Oberarmmanschette innerhalb von etwa drei Minuten einen Karpalspasmus aus („Pfötchenstellung“). Sichere Atemweg und Kreislauf bei entsprechenden Beschwerden.

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II: regelmäßiger Rhythmus um 70/min mit P-Welle vor jedem schmalen QRS-Komplex. Nach dem QRS-Komplex verläuft die Linie lange flach, erst spät folgt eine normal geformte, positive T-Welle; der Abstand vom QRS-Beginn bis zum T-Ende ist dadurch lang.

Abbildung: Schmale QRS-Komplexe, danach eine lange, flach verlaufende ST-Strecke; die normal geformte T-Welle folgt spät. Die Autoren geben eine QTc von 588 ms an. Albuminkorrigiertes Kalzium zu dieser Aufnahme: unter 1,25 mmol/l. Quelle: Ashwin Reddy S, Case Rep Cardiol 2019:4851073, Abb. 1, CC BY 4.0; Bildinhalt unverändert.

Die Ursachen lassen sich nach dem gestörten Kalziumweg ordnen.

KonstellationBeitrag zur Hypokalzämie
Vitamin-D-Mangel oder MalabsorptionWeniger Kalziumaufnahme aus dem Darm
Schilddrüsen-/NebenschilddrüseneingriffPTH kann fehlen
NiereninsuffizienzPhosphatretention und weniger Kalzitriol
Ausgeprägter MagnesiummangelPTH-Regulation gestört
Große TransfusionenZitrat bindet vorübergehend ionisiertes Kalzium
Bisphosphonate oder DenosumabWeniger Kalziumfreisetzung aus dem Knochen

Sechs Kästen ordnen die Ursachen nach Organ: Darm mit Vitamin-D-Mangel und Malabsorption, Nebenschilddrüse nach Operation mit fehlendem PTH, Magnesiummangel mit gestörter PTH-Regulation, Niere mit Phosphatanstieg und Kalzitriolmangel, Blut mit Zitratbindung nach Transfusion und Knochen unter Bisphosphonaten oder Denosumab. Jeder Kasten trägt einen Laborhinweis; alle Wege führen zu erniedrigtem ionisiertem Kalzium mit gesteigerter Erregbarkeit von Nerv und Muskel.

Abbildung: Jeder Ursachenweg hat einen eigenen Laborhinweis – er führt später zur gezielten Weiterbehandlung. Quelle: eigene Darstellung.

Eine Stufenfolge führt von frühen Zeichen wie Kribbeln um den Mund und an den Fingern über Muskelkrämpfe und Tetanie mit Pfötchenstellung zu vier Notfallzeichen: Laryngospasmus, Krampfanfall, ausgeprägte QT-Verlängerung und Rhythmusstörung. Darunter stehen die Sofortmaßnahmen Atemweg und Kreislauf sichern, EKG überwachen und überwachte intravenöse Kalziumgabe. Ein grauer Kasten erklärt Chvostek- und Trousseau-Zeichen mit dem Hinweis, dass sie weder beweisen noch die Schwere messen.

Abbildung: Ab der dritten Stufe ist die Hypokalzämie ein Notfall; die Untersuchungszeichen ergänzen nur. Quelle: eigene Darstellung.

Foto zweier Unterarme auf einem gestreiften Laken: Die Hand mit Venenverweilkanüle (im Bild rechts) ist im Handgelenk gebeugt, die gestreckten Finger liegen eng aneinander und der Daumen ist an die Finger angelegt.

Abbildung: Spontaner Karpalspasmus bei akuter Hypokalzämie – Handgelenk gebeugt, Finger gestreckt und aneinandergelegt, Daumen angelegt („Pfötchenstellung“), hier an der Hand mit Venenverweilkanüle. Quelle: Joseph ADD et al., BMC Endocrine Disorders 2019;19:111, doi:10.1186/s12902-019-0438-4, Abb. 1; CC BY 4.0; Rahmen entfernt.

Foto einer Untersuchung im Sitzen: Am Oberarm liegt eine aufgepumpte Blutdruckmanschette, links ist das Quecksilbermanometer zu sehen. Ein roter Pfeil zeigt auf die Hand desselben Arms, die eine Beugehaltung einnimmt.

Abbildung: Trousseau-Test – die Manschette wird über den systolischen Druck aufgepumpt; der Pfeil markiert die Hand, an der der Karpalspasmus auftritt. Quelle: Sawant R et al., Cureus 2024;16(2):e54516, doi:10.7759/cureus.54516, Abb. 1; CC BY 4.0; zugeschnitten, beschriftetes Formular unkenntlich gemacht.

Historische Halbtonabbildung des Gesichts eines Mannes; auf der rechten Gesichtsseite sind Mundwinkel und Lidspalte durch eine Muskelkontraktion verzogen.

Abbildung: Chvostek-Zeichen – nach Beklopfen der Wange über dem N. facialis kontrahieren Mund- und Augenmuskulatur derselben Seite (hier rechts, im Bild links). Quelle: Loomis A, Thompson WG (Hrsg.), A System of Practical Medicine by American Authors, Bd. 4; gemeinfrei, via Wikimedia Commons; Rand beschnitten.

Messen und die Ursache finden

Erfasse Zeitpunkt, Operationen, Nierenkrankheit, Ernährung, Diarrhö und Medikamente. Bestimme ionisiertes Kalzium beziehungsweise Gesamt-Kalzium mit Albumin, dazu Magnesium, Phosphat, Nierenfunktion und gegebenenfalls pH. PTH und 25-OH-Vitamin D helfen, die Ursache einzugrenzen. Wenn möglich, nimm diagnostische Proben vor der Therapie ab; ein Notfall wird dafür nicht verzögert.

Ausgearbeitetes Beispiel

Einen Tag nach einer Schilddrüsenoperation entwickelt eine Patientin Handkrämpfe. Ionisiertes Kalzium liegt bei 0,82 mmol/l, PTH ist erniedrigt. Der zeitliche Zusammenhang und die fehlende PTH-Antwort sprechen für einen postoperativen Hypoparathyreoidismus. Die Symptome erfordern Akutbehandlung; ob sich die Nebenschilddrüsenfunktion erholt, zeigt erst der Verlauf.

Zuerst teilt sich der Weg: Bei Notfallzeichen wird sofort behandelt und nur ohne Verzögerung Probe entnommen, bei stabiler Lage werden Proben möglichst vor der Therapie gewonnen. Dann folgen vier Schritte: Anamnese mit Zeitpunkt, Operationen, Nierenkrankheit, Ernährung, Diarrhö und Medikamenten; Kalziummessung als ionisiertes Kalzium oder Gesamt-Kalzium mit Albumin, pH bei Bedarf; Magnesium, Phosphat und Nierenfunktion; PTH und 25-OH-Vitamin D. Die Ergebniszeile zeigt drei Muster: PTH erniedrigt oder inadäquat normal bei Hypoparathyreoidismus oder Magnesiummangel, PTH erhöht mit niedrigem Phosphat und 25-OH-Vitamin D bei Vitamin-D-Mangel oder Malabsorption, PTH erhöht mit hohem Phosphat und Kreatinin bei Niereninsuffizienz.

Abbildung: Erst die Notfallfrage, dann vier Laborschritte – PTH mit Phosphat ordnet die häufigen Ursachen. Quelle: eigene Darstellung.

Typische Befundmuster helfen bei der Eingrenzung; Mischbilder und Begleiterkrankungen sind häufig.

UrsachePTHPhosphatWegweiser
Hypoparathyreoidismus, z. B. postoperativniedrig oder inadäquat normalhochnormal bis erhöhtHalsoperation, zeitlicher Zusammenhang
Vitamin-D-Mangel oder Malabsorptionerhöhtniedrig bis normal25-OH-Vitamin D niedrig
NiereninsuffizienzerhöhterhöhteGFR vermindert
Ausgeprägter Magnesiummangelniedrig oder inadäquat normalvariabelMagnesium niedrig

Akuttherapie und Weiterbehandlung

Symptomatische Hypokalzämie oder stark erniedrigtes Kalzium ist ein medizinischer Notfall. Die Society for Endocrinology nennt albuminbezogen beurteiltes beziehungsweise albuminadjustiertes Gesamt-Kalzium unter 1,9 mmol/l oder Symptome bei erniedrigtem Wert als schwere Konstellation. Bei kritischer Erkrankung und pH-Störung hat der ionisierte Wert besonderes Gewicht.

Ein Erwachsenenschema ist 10–20 ml Kalziumglukonat 10 %, entsprechend ungefähr 2,2–4,4 mmol Kalzium, in 50–100 ml Glukose 5 % über zehn Minuten i.v., mit EKG-Überwachung. Die klinische Antwort und wiederholte Messungen steuern weitere Gaben. Eine nötige Dauerinfusion wird fachärztlich titriert; ein verwendeter Bereich liegt bei etwa 1,1–2,2 mmol Kalzium pro Stunde. Die Society for Endocrinology beschreibt dafür 100 ml Kalziumglukonat 10 % in 1 l NaCl 0,9 % oder Glukose 5 % mit 50–100 ml/h, titriert bis zur Normokalzämie; die Infusion läuft, bis die Behandlung der Ursache wirkt. Der Bolus kann bis zur Beschwerdefreiheit wiederholt werden. Konzentrat, Verdünnung, Zugang und Verträglichkeit kontrollieren. Society for Endocrinology, Hypokalzämie, Ergänzung zur Zubereitung

Kalzium nicht ungeprüft zusammen mit Phosphat oder Bikarbonat in derselben Leitung mischen: Ausfällungen sind möglich. Große Infusionsvolumina passen nicht automatisch zu fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder Dialyse. Bei Digoxintherapie ist besondere EKG- und fachärztliche Kontrolle erforderlich.

Unter der Überschrift schwere Hypokalzämie mit albuminadjustiertem Kalzium unter 1,9 mmol/l oder Symptomen folgen drei Schritte: Bolus von 10–20 ml Kalziumglukonat 10 Prozent, etwa 2,2–4,4 mmol, in 50–100 ml Glukose 5 Prozent über 10 Minuten mit EKG-Monitor, wiederholbar bis zur Beschwerdefreiheit; falls nötig Dauerinfusion von 100 ml Kalziumglukonat 10 Prozent in 1 Liter NaCl 0,9 Prozent oder Glukose 5 Prozent mit 50–100 ml pro Stunde, etwa 1,1–2,2 mmol pro Stunde, auf Normokalzämie titriert; Kontrolle von Symptomen, EKG, Kalzium, Magnesium, Kalium und Nierenfunktion. Ein roter Kasten nennt Vorsichtspunkte: keine Mischung mit Phosphat oder Bikarbonat, Volumen bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder Dialyse, besondere EKG-Kontrolle bei Digoxin. Die Ergebniszeile: Infusion weiter, bis die Ursachenbehandlung wirkt, dann orale Therapie und gezielte Ursachenbehandlung.

Abbildung: Bolus, Dauerinfusion und Kontrolle sind getrennte Schritte; die Dosis gilt für Erwachsene und nicht für das Hyperkaliämieschema. Quelle: eigene Darstellung nach Society for Endocrinology (2016).

Anschließend wird die Ursache behandelt: Magnesium ersetzen, Vitamin-D-Mangel korrigieren oder bei PTH-Mangel beziehungsweise unzureichender Aktivierung aktives Vitamin D erwägen. Bei milden, stabilen Störungen sind orale Kalziumpräparate mit individuell berechneter elementarer Kalziummenge möglich. „1 g Kalziumsalz“ ist nicht „1 g elementares Kalzium“. Bei längerfristiger Behandlung kontrollierst du auch Hyperkalziurie und Nierenkomplikationen; eine zu starke Korrektur kann selbst schaden.

Entscheidend ist der Anteil an elementarem Kalzium, nicht die Salzmenge.

KalziumsalzElementarer AnteilBeispiel
Kalziumcarbonatetwa 40 %1 g Salz ≈ 400 mg Kalzium
Kalziumcitratetwa 21 %1 g Salz ≈ 210 mg Kalzium
Kalziumlaktatetwa 13 %1 g Salz ≈ 130 mg Kalzium
Kalziumglukonatetwa 9 %10 ml Lösung 10 % ≈ 90 mg ≈ 2,2 mmol

Konkrete Startpunkte nennt die Society for Endocrinology: Bei asymptomatischer Hypokalzämie mit albuminadjustiertem Kalzium über 1,9 mmol/l werden orale Kalziumpräparate in zwei Tagesgaben eingesetzt; ihre Beispielschemata entsprechen etwa 3,6–4 g elementarem Kalzium pro Tag. Nach einer Schilddrüsenoperation wird Kalzium bei fehlenden Beschwerden nach 24 Stunden erneut gemessen. Bleibt die milde Hypokalzämie nach der Operation trotz Kalzium länger als 72 Stunden bestehen, wird Alfacalcidol 0,25 µg pro Tag begonnen; bei Hypoparathyreoidismus liegen die Startdosen von Alfacalcidol oder Calcitriol bei etwa 0,25–0,5 µg pro Tag. Diese aktiven Vitamin-D-Metabolite können selbst eine Hyperkalzämie auslösen: Anfangs sind häufige Kontrollen nötig, danach etwa eine Woche nach Entlassung sowie nach einem, drei und sechs Monaten, mit Nachsorge durch eine in Kalziumstörungen erfahrene Fachperson. Einen Vitamin-D-Mangel gleicht man mit Cole- oder Ergocalciferol aus, insgesamt etwa 300 000 IE über 6–10 Wochen. Society for Endocrinology, Hypokalzämie

Nach der Einschätzung der Schwere – albuminadjustiertes Kalzium unter 1,9 mmol/l oder Symptome, bei kritischer Erkrankung oder pH-Störung zählt das ionisierte Kalzium – stehen zwei Wege nebeneinander: schwer oder symptomatisch mit intravenösem Kalziumglukonat und EKG-Überwachung, mild und stabil mit oralem Kalzium und berechneter elementarer Menge. Beide münden in die Ursachenbehandlung mit Magnesiumersatz, Cole- oder Ergocalciferol bei Vitamin-D-Mangel sowie Alfacalcidol oder Calcitriol ab etwa 0,25–0,5 µg pro Tag bei PTH-Mangel, danach in Kontrollen von Kalzium, Magnesium, Nierenfunktion, Hyperkalziurie und Nieren. Die Ergebniszeile stellt zu wenig, passend und zu viel Korrektur gegenüber.

Abbildung: Akutgabe, Ursachenbehandlung und Kontrolle folgen aufeinander; zu viel Korrektur ist ebenso ein Fehler wie zu wenig. Quelle: eigene Darstellung.

Zeitlicher Ablauf nach Schilddrüsenoperation: Nach dem Eingriff kann PTH fehlen; Stunden bis Tage später treten Kribbeln und Handkrämpfe mit erniedrigtem Kalzium und PTH auf, Beispiel ionisiertes Kalzium 0,82 mmol/l. Bei Symptomen oder albuminadjustiertem Gesamtkalzium unter 1,9 mmol/l folgt intravenöses Kalzium mit EKG-Überwachung, bei milder Störung ohne Symptome orales Kalzium mit Kontrolle nach 24 Stunden. Ist Kalzium nach 72 Stunden trotz oraler Gabe noch erniedrigt, wird Alfacalcidol 0,25 µg pro Tag mit engmaschigen Kontrollen begonnen. Am Ende stehen zwei Verläufe: Erholung der Funktion mit sinkendem Bedarf oder ausbleibende Erholung mit Langzeitbetreuung bei Hypoparathyreoidismus.

Abbildung: Nach Schilddrüsenoperation entscheidet der Verlauf, ob die Therapie zurückgenommen werden kann oder dauerhaft nötig bleibt. Quelle: eigene Darstellung nach Society for Endocrinology (2016).

Multiple Choice

Die passende Akutreaktion

Aufgabe

Eine Patientin nach Schilddrüsenoperation hat ausgeprägte Tetanie und ionisiertes Kalzium 0,78 mmol/l. Welche Maßnahme hat Vorrang?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Zeitlicher ZusammenhangNach Schilddrüsenoperation
BeschwerdenAusgeprägte Tetanie
Ionisiertes Kalzium0,78 mmol/l

Vorderer Hals mit einer waagerechten, leicht geröteten, bogenförmigen Narbe oberhalb des Halsausschnitts eines blauen T-Shirts.

Abbildung: Narbe am vorderen Hals etwa zehn Wochen nach einer Schilddrüsenoperation. Quelle: Starvee44 (Wikipedia-Nutzer), gemeinfrei (Public Domain), verkleinert.

  1. a)Mit oraler Kalziumgabe beginnen und die Wirkung bis zum nächsten Tag abwarten.
  2. b)Kalziumglukonat als unverdünnte schnelle Injektion ohne EKG geben.
  3. c)Überwachte intravenöse Kalziumbehandlung einleiten und die Ursache parallel klären.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Dauerhaft erklären statt nur korrigieren

Aufgabe

Kalzium fällt nach einer ersten erfolgreichen Gabe wieder ab. Magnesium beträgt 0,35 mmol/l; die Person hat seit Wochen Durchfall. Erkläre eine mögliche Ursache und einen geeigneten Kontrollplan.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
KalziumverlaufNach erster erfolgreicher Gabe wieder abgefallen
Magnesium0,35 mmol/l
AnamneseDurchfall seit Wochen
In der App sprechen üben →

Hyperkalzämie einordnen

Lernziel: Du kannst Hyperkalzämie nach Dringlichkeit, PTH und Ursache beurteilen.

Der klinische Zusammenhang

Hyperkalzämie kann Polyurie, Durst, Austrocknung, Obstipation, Übelkeit, Muskelschwäche und kognitive Veränderungen verursachen. Verwirrtheit, erhebliche Dehydratation, akute Nierenfunktionsverschlechterung und Herzrhythmusstörungen sind Warnzeichen. Ein langsamer Anstieg kann zunächst wenig Beschwerden machen; ein rascher Anstieg kann bei niedrigerem Wert bereits gefährlich sein.

Ordnung der Beschwerden nach Organ: Niere mit Polyurie, Durst, Austrocknung und akuter Verschlechterung der Nierenfunktion als Warnzeichen; Magen-Darm mit Übelkeit und Obstipation; Muskel und Gehirn mit Muskelschwäche, kognitiven Veränderungen und Verwirrtheit als Warnzeichen; Herz mit Rhythmusstörungen als Warnzeichen und verkürzter QT-Zeit, die nicht immer sichtbar ist. Bei langem Verlauf Nierensteine, Nephrokalzinose und Bandkeratopathie. Ergebniszeile: Beschwerden allein beweisen nichts; Kalzium und Albumin messen.

Abbildung: Die Beschwerden verteilen sich auf mehrere Organsysteme. Rot markiert sind die Warnzeichen, die eine rasche Behandlung verlangen. Quelle: eigene Darstellung.

Bei länger bestehender Hyperkalzämie können Nierensteine, eine Nephrokalzinose und selten eine bandförmige Kalkablagerung in der Hornhaut (Bandkeratopathie) entstehen. Im EKG kann die QT-Zeit verkürzt sein; ein unauffälliges EKG schließt eine relevante Hyperkalzämie nicht aus.

Abdomenübersichtsaufnahme von vorn mit zahlreichen fleckigen, dichten Verkalkungen in beiden Nierenregionen beidseits der Lendenwirbelsäule, angeordnet entsprechend dem Nierenmark.

Abbildung: Medulläre Nephrokalzinose im Röntgenbild. Die Kalkherde liegen beidseits im Nierenmark. Nephrokalzinose hat mehrere mögliche Ursachen; die Aufnahme zeigt den Befund, nicht dessen Ursache. Quelle: Felix-felix, Wikimedia Commons (File:Nephrocalcinosis.jpg), gemeinfrei; unverändert, nach WebP umgewandelt.

Spaltlampenfoto eines Auges: Im Lidspaltenbereich der Hornhaut liegt eine grauweiße, fleckig durchbrochene Trübung, die sich quer über die Hornhaut zieht.

Abbildung: Bandkeratopathie. Kalksalze lagern sich in den oberflächlichen Hornhautschichten im Lidspaltenbereich ab; die kleinen Lücken geben das typische durchlöcherte Bild. Bei dieser Person bestand eine chronische Uveitis; dasselbe Bild kann bei lange bestehender Hyperkalzämie entstehen. Quelle: Nascimento H et al. J Ophthalmic Inflamm Infect 2015;5:35, Abb. 1 (PMC4654727); CC BY 4.0; Rand beschnitten, nach WebP umgewandelt.

Gesamt-Kalzium zwischen 3,0 und 3,5 mmol/l erfordert je nach Symptomen und Verlauf eine zügige Behandlung; über 3,5 mmol/l besteht hohe Dringlichkeit. Albumin und bei Diskrepanz ionisiertes Kalzium werden mitbeurteilt. Eine scheinbar klare Zahl ersetzt die klinische Untersuchung nicht.

Die Dringlichkeit ergibt sich aus Wert, Beschwerden und Anstiegstempo zusammen.

Gesamt-KalziumEinordnungVorgehen
unter 3,0 mmol/lmeist mildUrsache klären; Beschwerden und Verlauf beachten
3,0–3,5 mmol/lmittelschwerje nach Symptomen und Verlauf zügig behandeln
über 3,5 mmol/lschwerhohe Dringlichkeit; Monitor, rasche Behandlung
jeder Wert mit Warnzeichendringlichrasch behandeln und überwachen

Die beiden häufigen Ursachengruppen sind primärer Hyperparathyreoidismus und Malignomerkrankungen. Weitere Auslöser sind etwa Thiazide, Lithium, übermäßige Kalzium-/Vitamin-D-Zufuhr und granulomatöse Erkrankungen. Bei länger bestehender milder Hyperkalzämie kann eine familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie relevant sein; ihre Abgrenzung gehört zur gezielten endokrinologischen Diagnostik und verhindert unnötige Eingriffe.

Die Anamnese ordnet häufige Ursachen und besondere Konstellationen.

GruppeBeispiele oder Hinweis
Häufige UrsachengruppenPrimärer Hyperparathyreoidismus; Malignomerkrankung
Arzneimittel und ZufuhrThiazide; Lithium; zu viel Kalzium oder Vitamin D
Weitere ErkrankungenGranulomatöse Erkrankungen
Länger bestehende milde HyperkalzämieFHH gezielt endokrinologisch abgrenzen

Entscheidungsweg zur Dringlichkeit: 1 Wert sichern, Gesamt-Kalzium immer mit Albumin lesen, bei Diskrepanz ionisiertes Kalzium. 2 Warnzeichen prüfen: Verwirrtheit, erhebliche Dehydratation, akute Nierenfunktionsverschlechterung, Herzrhythmusstörungen; dann Monitor und EKG. 3 Anstiegstempo: langsam oft lange wenig Beschwerden, rasch schon bei niedrigerem Wert gefährlich. 4 Gesamt-Kalzium in mmol/l einordnen: unter 3,0 meist mild, Ursache klären; 3,0 bis 3,5 zügig behandeln nach Klinik und Verlauf; über 3,5 hohe Dringlichkeit. Warnzeichen erhöhen die Dringlichkeit bei jedem Wert.

Abbildung: Der Zahlenbereich wird immer zusammen mit Warnzeichen und Anstiegsgeschwindigkeit gelesen. Quelle: eigene Darstellung.

PTH lenkt die weitere Suche

Ausgearbeitetes Beispiel

Bei Kalzium 2,95 mmol/l liegt PTH in der Mitte des Laborreferenzbereichs. Das ist nicht automatisch ein normaler Regelkreis: Bei erhöhtem Kalzium müsste PTH deutlich unterdrückt sein. Die Konstellation macht eine PTH-abhängige Ursache plausibel.

Ein tertiärer Hyperparathyreoidismus entsteht, wenn nach langjähriger Stimulation, oft im Zusammenhang mit Nierenkrankheit, eine autonome PTH-Sekretion zurückbleibt. Die familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie (FHH) ist eine weitere wichtige Differenzialdiagnose mit meist geringer Urinkalziumausscheidung; die sichere Abgrenzung verlangt zusätzliche Diagnostik.

Bei Kalzium 3,4 mmol/l und supprimiertem PTH suchst du dagegen nach PTH-unabhängigen Ursachen, beispielsweise Malignom, Vitamin-D-Wirkung oder Medikamenten. Die weiterführende Auswahl von Tumordiagnostik, Vitamin-D-Metaboliten oder Urinkalzium folgt Anamnese und Befund; ein einzelner hoher Kalziumwert beweist kein Malignom.

Nach bestätigter Hyperkalzämie: 1 PTH bestimmen; im normalen Regelkreis ist PTH bei hohem Kalzium supprimiert, ein PTH im Referenzbereich ist dann unangemessen. Zwei Wege: PTH supprimiert bedeutet PTH-unabhängig mit Malignom, Vitamin-D-Wirkung, granulomatöser Erkrankung und zu viel Kalzium oder Vitamin D, Beispiel Kalzium 3,4 mit supprimiertem PTH. PTH normal oder hoch bedeutet PTH-abhängig mit primärem und tertiärem Hyperparathyreoidismus, FHH und Lithium, Beispiel Kalzium 2,95 mit PTH in der Mitte des Referenzbereichs. 2 Gezielt weiter: links Tumordiagnostik und Vitamin-D-Metabolite nach Anamnese und Befund, rechts Urinkalzium, bei FHH meist niedrig, sowie Nieren- und Medikamentenanamnese. Ergebniszeile: PTH allein beweist keine Diagnose; Akuttherapie parallel beurteilen.

Abbildung: Ein PTH-Wert im Referenzbereich kann bei Hyperkalzämie unangemessen hoch sein. HPT steht für Hyperparathyreoidismus, FHH für familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie. Die genannten Ursachen sind Beispiele. Quelle: eigene Darstellung.

Malignombedingt entsteht die Hyperkalzämie meist humoral über ein PTH-verwandtes Peptid (PTHrP), außerdem lokal osteolytisch bei Knochenmetastasen oder multiplem Myelom und selten über vermehrte Calcitriolbildung, fast nur bei Lymphomen. In allen drei Fällen ist PTH supprimiert.

Drei Wege der malignombedingten Hyperkalzämie: 1 humoral über PTHrP, ein vom Tumor gebildetes PTH-verwandtes Peptid, häufigster Weg, auch ohne Knochenmetastasen, zum Beispiel bei Plattenepithelkarzinomen. 2 lokal osteolytisch, Knochenmetastasen oder Myelom lösen Knochen auf, zum Beispiel Mammakarzinom oder multiples Myelom. 3 selten über vermehrtes Calcitriol mit mehr Kalziumaufnahme aus dem Darm, fast nur bei Lymphomen; hier sind Glukokortikoide wirksam. Gemeinsamer Laborbefund: PTH erniedrigt, Kalzium erhöht. Ergebniszeile: akut Volumen und Antiresorption, dauerhaft Tumortherapie.

Abbildung: Die drei Mechanismen erklären, warum PTH bei malignombedingter Hyperkalzämie supprimiert ist und warum bei calcitriolvermittelter Form zusätzlich Glukokortikoide helfen. Quelle: eigene Darstellung.

Die beiden Beispiele machen die Abhängigkeit der PTH-Bewertung vom Kalziumwert sichtbar.

KalziumPTHFolgerung
2,95 mmol/lMitte des ReferenzbereichsBei hohem Kalzium unangemessen; PTH-abhängige Ursache plausibel
3,4 mmol/lSupprimiertPTH-unabhängige Ursache suchen; kein Malignombeweis

Typische Konstellationen lenken die gezielte Weiterdiagnostik; keine einzelne Spalte stellt allein die Diagnose.

UrsachePTHWeiterer Hinweis
Primärer Hyperparathyreoidismuserhöht oder unangemessen normalUrinkalzium normal bis erhöht
FHHnormal bis leicht erhöhtUrinkalzium niedrig; oft lange mild, familiär
Tertiärer Hyperparathyreoidismusdeutlich erhöhtlange Nierenkrankheit, oft nach Transplantation
Lithiumnormal bis erhöhtMedikamentenanamnese
MalignomsupprimiertTumor oft bekannt; PTHrP, Osteolysen oder Lymphom
Vitamin-D-Wirkung, GranulomesupprimiertZufuhr; Vitamin-D-Metabolite erhöht

Volumen und Ursache behandeln

Hohes Kalzium vermindert die Konzentrationsfähigkeit der Niere. Die Polyurie führt zu Volumenmangel, die glomeruläre Filtration sinkt, und die Niere scheidet weniger Kalzium aus; so verstärkt sich die Hyperkalzämie selbst.

Teufelskreis aus vier Schritten: 1 Kalzium steigt, weil die Ursache weiterwirkt. 2 Polyurie, weil die Niere schlechter konzentriert. 3 Volumenmangel mit Durst und Austrocknung. 4 GFR sinkt, weniger Kalzium wird ausgeschieden, und Kalzium steigt weiter. Den Kreis durchbricht isotone Kochsalzlösung bei Volumenmangel, dosiert nach Herz, Atmung, Urin, Gewicht und Nierenfunktion; bei Herz- oder Niereninsuffizienz droht Überlastung. Ergebniszeile: Volumen überbrückt, Antiresorption senkt nachhaltig, Ursachenbehandlung heilt.

Abbildung: Der Volumenmangel ist Folge und Verstärker der Hyperkalzämie zugleich. Deshalb steht die angepasste Volumengabe am Anfang der Behandlung. Quelle: eigene Darstellung.

Beende unnötige Kalzium-/Vitamin-D-Zufuhr und überprüfe auslösende Arzneimittel. Bei Volumenmangel wird isotone Kochsalzlösung kontrolliert gegeben; Herzleistung, Urinausscheidung, Atmung, Gewicht und Nierenfunktion steuern Menge und Geschwindigkeit. Eine starre Literzahl kann bei Herz- oder Niereninsuffizienz gefährlich sein. Schleifendiuretika sind keine routinemäßige Kalziumsenkung; sie kommen insbesondere bei entstandener Volumenüberlastung infrage.

Bei malignombedingter Hyperkalzämie werden antiresorptive Medikamente eingesetzt. Ein Beispiel ist Zoledronsäure 4 mg einmalig i.v. über mindestens 15 Minuten, nach individueller Nieren- und Hydratationsprüfung. Die Wirkung entwickelt sich verzögert: In den Zulassungsstudien wurde Normokalzämie im Median nach etwa 4 Tagen erreicht; ein erneuter Anstieg trat im Median nach 30–40 Tagen auf. Kalzium, Phosphat, Magnesium und Nierenfunktion werden weiter kontrolliert. Fortgeschrittene Niereninsuffizienz, Schwangerschaft und Stillzeit verlangen eine gesonderte Wahl beziehungsweise Beachtung der Gegenanzeigen. EMA, Zometa-Produktinformation

Denosumab ist eine weitere fachärztliche Option bei malignombedingter Hyperkalzämie, auch bei unzureichender Wirkung von Bisphosphonaten; seine Wirkung setzt nach etwa 3–10 Tagen ein. Es kann besonders bei Niereninsuffizienz schwere Hypokalzämien verursachen. Bei schwerer malignombedingter Hyperkalzämie kann Kalzitonin kurzfristig zusätzlich rascher wirken, nach etwa 4–6 Stunden; wegen nachlassender Wirkung wird seine Anwendung auf 48–72 Stunden begrenzt. Bei calcitriolvermittelter Hyperkalzämie, etwa bei Lymphomen, schlägt die Leitlinie Glukokortikoide als erste Behandlung vor. Endocrine Society, Hyperkalzämie bei Malignomen

Ein produktspezifisches Beispiel für Kalzitonin ist 100 I.E. subkutan oder intramuskulär alle 6–8 Stunden; Auswahl und Anpassung erfolgen im spezialisierten Behandlungsplan. Übelkeit, Überempfindlichkeit und Hypokalzämie sind zu beachten. Unterschiedliche Produkt- und Leitlinienregime dürfen nicht zu einer eigenen Mischdosierung verbunden werden. Calcitonin, Fachinformation §4.2

Die kalziumsenkenden Maßnahmen unterscheiden sich in Dosis, Wirkbeginn und Hauptrisiko.

MaßnahmeBeispielWirkbeginnAchte auf
Isotone Kochsalzlösungnach Volumenstatus, kein starres SchemasofortVolumenüberlastung
Kalzitonin100 I.E. s.c./i.m. alle 6–8 h (Produktbeispiel)nach 4–6 hWirkverlust; nur 48–72 h
Zoledronsäure4 mg i.v. einmalig über ≥ 15 minnach Tagen; Median 4 Tage bis NormokalzämieNierenfunktion, Hypokalzämie
Denosumabfachärztlichnach 3–10 Tagenschwere Hypokalzämie, v. a. Niereninsuffizienz

Zeitstrahl von 0 Stunden bis 3 Monate: Kochsalzlösung wirkt sofort, senkt nur mäßig und überbrückt. Kalzitonin beginnt nach 4 bis 6 Stunden und verliert nach 48 bis 72 Stunden seine Wirkung. Zoledronsäure wirkt nach einigen Tagen, Normokalzämie im Median nach 4 Tagen, Wirkung etwa einen Monat. Denosumab beginnt nach 3 bis 10 Tagen und hält lange an. Hinweis: Rückfall nach Zoledronsäure im Median nach 30 bis 40 Tagen, Kalzium weiter kontrollieren. Ergebniszeile: schwere Form mit Volumen und gegebenenfalls Kalzitonin überbrücken; Antiresorption früh beginnen, sie wirkt nach Tagen.

Abbildung: Die Maßnahmen ergänzen sich zeitlich. Die Zeitachse ist nicht linear; die Balken zeigen ungefähre Wirkzeiträume aus Fachinformation und Leitlinie. Quelle: eigene Darstellung.

Bei sehr schwerer Hyperkalzämie mit unzureichender Ausscheidung oder wenn eine erforderliche Volumengabe nicht möglich ist, kann Dialyse nötig werden. Die definitive Behandlung richtet sich nach der Ursache, beispielsweise operative Behandlung eines passenden primären Hyperparathyreoidismus oder Therapie des Malignoms. Ein normalisierter Wert allein heilt diese Ursachen nicht.

Vor einer Operation wird das Nebenschilddrüsenadenom bildgebend lokalisiert, etwa mit Halssonografie und Sestamibi-Szintigrafie. Die Bildgebung dient der Operationsplanung; die Diagnose des primären Hyperparathyreoidismus bleibt laborchemisch.

Planare Szintigrafie von Hals und oberem Thorax von vorn, Spätaufnahme: Ein kleiner, dunkler, rundlicher Speicherherd liegt in der rechten Halsseite in Höhe der Schilddrüse (weißer Pfeil). Weiter oben im Kieferbereich drei schwächere Mehranreicherungen (schwarze Pfeile).

Abbildung: Sestamibi-Szintigrafie, Spätaufnahme nach 2 Stunden, bei erhöhtem PTH und Kalzium. Das Nebenschilddrüsenadenom hält den Tracer länger als das Schilddrüsengewebe und bleibt als Herd sichtbar (weißer Pfeil; hier ungewöhnlich innerhalb des rechten Schilddrüsenlappens). Die schwarzen Pfeile markieren braune Tumoren im Kiefer, eine Knochenfolge des schweren Hyperparathyreoidismus. Quelle: Bin Saeedan M, Aljohani IM, Khushaim AO, Bukhari SQ, Elnaas ST. Insights Imaging 2016;7(4):601–617, Abb. 22f (PMC4956631), via Wikimedia Commons; CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten, Beschriftung entfernt, nach WebP umgewandelt.

Behandlungsweg: 1 Auslöser stoppen, Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr beenden, Arzneimittel wie Thiazide und Lithium prüfen. 2 Volumen angepasst, nicht starr: isotone Kochsalzlösung bei Volumenmangel, Steuerung nach Herz, Atmung, Urin, Gewicht und Niere, Schleifendiuretikum nur bei Überlastung; Warnhinweis Überlastung bei Herz- oder Niereninsuffizienz. 3 Antiresorptiv, vor allem bei Malignom: Zoledronsäure 4 mg i.v. einmalig über mindestens 15 Minuten nach Prüfung von Niere und Hydratation, wirkt nach Tagen; Denosumab als fachärztliche Option, auch bei Versagen von Bisphosphonaten, Hypokalzämie-Risiko vor allem bei Niereninsuffizienz. Kalzitonin zusätzlich bei schwerer Form, 100 I.E. s.c. oder i.m. alle 6 bis 8 Stunden als Produktbeispiel, nur 48 bis 72 Stunden, wirkt nach Stunden. Bei erhöhtem Calcitriol, etwa bei Lymphom, Glukokortikoid als erste Behandlung. 4 Dialyse erwägen bei sehr schwerer Hyperkalzämie mit unzureichender Ausscheidung oder wenn die erforderliche Volumengabe nicht möglich ist. 5 Kalzium, Phosphat, Magnesium und Nierenfunktion kontrollieren. Ergebniszeile: Ursache behandeln, primärer Hyperparathyreoidismus operativ, Malignom durch Tumortherapie; ein Normwert heilt die Ursache nicht.

Abbildung: Volumenbehandlung, Antiresorption und kurzfristige Zusatztherapie werden nach Ursache und Organfunktion gewählt. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Die PTH-Antwort prüfen

Aufgabe

Kalzium beträgt 3,1 mmol/l; PTH ist nicht unterdrückt. Welcher erste Schluss ist richtig?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Kalzium3,1 mmol/l
PTHNicht unterdrückt
  1. a)Eine PTH-abhängige Ursache muss geprüft werden.
  2. b)Ein PTH-Wert im Referenzbereich schließt eine hormonelle Ursache aus.
  3. c)Die Werte beweisen eine malignombedingte Hyperkalzämie.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Einen Plan individualisieren

Aufgabe

Ein älterer Patient mit bekannter Herzinsuffizienz ist verwirrt. Kalzium liegt bei 3,7 mmol/l, die Schleimhäute sind trocken und die Nierenfunktion verschlechtert. Weshalb ist „rasch mehrere Liter und routinemäßig Furosemid“ kein ausreichender Plan? Nenne die wesentlichen nächsten Schritte.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
PersonÄlterer Patient
VorerkrankungBekannte Herzinsuffizienz
BewusstseinslageVerwirrt
Kalzium3,7 mmol/l
SchleimhäuteTrocken
NierenfunktionVerschlechtert
In der App sprechen üben →

Magnesium mitdenken

Lernziel: Du kannst Magnesiumstörungen und ihre Folgen für Kalium und Kalzium erklären.

Ein kleiner Serumanteil mit großer Wirkung

Magnesium unterstützt zahlreiche Enzyme, den Energiestoffwechsel und die elektrische Stabilität. Der Serumwert ist nur ein kleiner Ausschnitt des Bestands. Eine Konzentration unter etwa 0,7 mmol/l spricht für Hypomagnesiämie; unter 0,5 mmol/l ist sie ausgeprägt. Symptome und Begleitstörungen bestimmen die Dringlichkeit. Der Referenzbereich liegt je nach Labor bei etwa 0,7–1,05 mmol/l.

Drei Stufen des Serum-Magnesiums: 0,7 bis 1,05 mmol/l ist der laborabhängige Referenzbereich, die Speicher können trotzdem leer sein. 0,5 bis 0,7 mmol/l bedeutet Hypomagnesiämie, oft symptomarm, Hypokaliämie und Hypokalzämie sind möglich. Unter 0,5 mmol/l liegt ein ausgeprägter Mangel mit Tremor, Krämpfen, Tetanie, Krampfanfällen und Arrhythmien vor. Die Dringlichkeit richtet sich nach Symptomen und Begleitstörungen: mild und symptomarm bei geeignetem Darm führt zur oralen Gabe, symptomatischer oder ausgeprägter Mangel zu intravenösem Ersatz mit Monitoring. Ist Kalium oder Kalzium schwer korrigierbar, wird Magnesium gemessen.

Abbildung: Der Serumwert ordnet den Schweregrad grob ein; Symptome und Begleitstörungen entscheiden über Weg und Tempo der Substitution. Quelle: eigene Darstellung.

Chronischer Durchfall, Malabsorption, Alkoholprobleme und Mangelernährung können die Zufuhr beziehungsweise Aufnahme vermindern. Diuretika, manche Zytostatika und andere nephrotoxische Arzneimittel fördern renale Verluste; Protonenpumpenhemmer können bei längerer Einnahme einen Magnesiummangel begünstigen. Beim Refeeding wird zusätzlich Magnesium in Zellen aufgenommen.

Ein Mangel kann Tremor, Krämpfe, Tetanie und Arrhythmien verursachen. Besonders lehrreich sind zwei Wechselwirkungen: Niedriges Magnesium begünstigt renale Kaliumverluste; ein ausgeprägter Mangel kann zugleich PTH-Freisetzung und -Wirkung beeinträchtigen. Eine schwer korrigierbare Hypokaliämie oder Hypokalzämie ist deshalb Anlass, Magnesium zu messen. Bei ausgeprägtem Mangel sind auch Krampfanfälle möglich.

Ein ausgeprägter Magnesiummangel, etwa durch Darm- oder Nierenverluste, Arzneimittel oder Refeeding, wirkt auf zwei Wegen. Erstens steigt der renale Kaliumverlust, es entsteht eine Hypokaliämie. Zweitens sinken PTH-Freisetzung und PTH-Wirkung, es entsteht eine Hypokalzämie. Kalium- oder Kalziumgabe allein wirkt dann unzureichend. Magnesium wird gemessen, wenn Hypokaliämie oder Hypokalzämie schwer korrigierbar sind, bei Diuretika, Zytostatika oder längerer PPI-Einnahme sowie bei Durchfall, Malabsorption, Alkohol und Refeeding. Wird der Magnesiummangel mitbehandelt, wirken Kalium- und Kalziumgabe besser; die Ursache des Mangels wird behandelt.

Abbildung: Der PTH-Weg betrifft insbesondere ausgeprägten Magnesiummangel; Kalium- oder Kalziumgabe allein kann dann unzureichend wirken. Quelle: eigene Darstellung.

Die Ursachen des Magnesiummangels betreffen Aufnahme, renale Verluste oder Verteilung.

WegBeispiele
Zufuhr oder Aufnahme vermindertChronischer Durchfall, Malabsorption, Alkoholprobleme, Mangelernährung
Renale VerlusteDiuretika, manche Zytostatika, andere nephrotoxische Arzneimittel
Längere ArzneimitteleinnahmeProtonenpumpenhemmer können Mangel begünstigen
Aufnahme in die ZellenRefeeding

Substitution nach Situation

Bei mildem, symptomarmem Mangel und geeignetem Darm sind 10–24 mmol Magnesium pro Tag oral, auf mehrere Gaben verteilt, ein möglicher Rahmen. Durchfall kann die Verträglichkeit begrenzen und den Mangel verstärken. Passe das Präparat und die Menge daran an.

Bei ausgeprägtem oder symptomatischem Mangel wird intravenös ersetzt. Ein Beispiel bei Erwachsenen mit ausreichend erhaltener Nierenfunktion ist 5 g Magnesiumsulfat, entsprechend ungefähr 20 mmol Magnesium, verdünnt über mehrere Stunden. Eine gewöhnliche Rate liegt bei 1–2 g Magnesiumsulfat pro Stunde, also etwa 4–8 mmol Magnesium pro Stunde. Das ist kein universeller Plan für jeden Patienten. Prüfe das konkrete Produkt und seine Angabe von mmol pro ml. Bei schwerem Mangel können über mehrere Tage wiederholte Gaben nötig sein; NHS SPS nennt bis zu 40 g Magnesiumsulfat (160 mmol) über fünf Tage. NHS SPS, akute Hypomagnesiämie

Bei AKI, fortgeschrittener CKD oder Dialyse ist eine fachärztlich angepasste Gabe erforderlich. Bei CKD der Stadien 1–3 wird die intravenöse Startdosis um 25–50 % reduziert. Kontrolliere Magnesium nach intravenösen Gaben, außerdem Kalium, Kalzium, Nierenfunktion, Blutdruck und bei schwerer Störung das EKG. Während der Infusion achtest du zusätzlich auf Patellarsehnenreflex, Atemfrequenz und Urinausscheidung, weil sie eine beginnende Überdosierung früh anzeigen. Nach oraler Substitution wird Magnesium nach etwa sieben Tagen kontrolliert. Ein normaler Serumwert bedeutet noch nicht, dass die Speicher aufgefüllt sind. Dauer und weitere Dosen richten sich nach Verlauf und Ursache. Magnesiumsulfat, Produktinformation

Vor der Dosis werden Symptome wie Tetanie oder Arrhythmie, die Eignung des Darms und die Nierenfunktion geprüft. Bei AKI, CKD Stadium 4–5 oder Dialyse wird fachärztlich angepasst, bei CKD 1–3 die intravenöse Startdosis um 25–50 % gesenkt. Oral bei mildem, symptomarmem Mangel: 10–24 mmol Magnesium pro Tag, auf mehrere Gaben verteilt; Durchfall begrenzt die Verträglichkeit. Intravenös bei ausgeprägtem oder symptomatischem Mangel: zum Beispiel 5 g Magnesiumsulfat, etwa 20 mmol, verdünnt über mehrere Stunden; üblich sind 1–2 g pro Stunde, etwa 4–8 mmol pro Stunde; die mmol-pro-ml-Angabe des Produkts wird geprüft. Kontrolle oral nach etwa 7 Tagen. Kontrolle intravenös nach jeder Gabe: Magnesium, Kalium, Kalzium, Niere, Blutdruck, Reflexe, Atemfrequenz, Urin und bei schwerer Störung EKG. Ein normaler Serumwert bedeutet nicht, dass die Speicher gefüllt sind; Dauer und Dosen richten sich nach Verlauf und Ursache.

Abbildung: Die Substitutionsgeschwindigkeit richtet sich nach der Situation; ein normaler Serumwert beweist keine gefüllten Speicher. Quelle: eigene Darstellung.

Magnesiumsulfat wird in Gramm verordnet, Magnesium in mmol bilanziert; diese Umrechnung kommt in diesem Abschnitt immer wieder vor.

Magnesiumsulfat-HeptahydratMagnesiumSituation
1 g≈ 4 mmol (98,6 mg)Umrechnungsbasis
2 g≈ 8 mmolTorsade de pointes, über 10 Minuten
5 g≈ 20 mmolBeispiel für i.v.-Ersatz über mehrere Stunden
1–2 g/h≈ 4–8 mmol/hGewöhnliche Infusionsrate

QT-assoziierte Rhythmusnotfälle

Für Torsade de pointes gilt ein eigener Rhythmusnotfallweg. Bei polymorpher Kammertachykardie mit verlängerter QT-Zeit nennt der RCUK-Algorithmus 8 mmol Magnesium i.v. über zehn Minuten; das entspricht ungefähr 2 g Magnesiumsulfat-Heptahydrat. Dieses Notfallregime unterscheidet sich ausdrücklich von der langsamen Speicherauffüllung. QT-verlängernde Medikamente werden überprüft, Kalium korrigiert und Ursachen wie Pausen oder Bradykardie fachärztlich behandelt. Zur Frequenzanhebung kommen dabei zum Beispiel Isoprenalin oder eine passagere Schrittmacherstimulation infrage. Amiodaron kann bei dieser QT-assoziierten Konstellation die Repolarisationsstörung verschärfen und soll vermieden werden. Bei Kreislaufinstabilität oder fehlendem Puls hat die erforderliche elektrische Therapie beziehungsweise Reanimation Vorrang; sie wartet nicht auf die Magnesiuminfusion. RCUK, Tachyarrhythmiealgorithmus, März 2026 Einen realen Monitorstreifen einer Torsade de pointes findest du in E04-U02-S04.

Reales EKG mit den Ableitungen II, V2 und V5 über zehn Sekunden bei 25 mm/s und 10 mm/mV: zu Beginn einige breite, unterschiedlich geformte Kammerkomplexe, dann eine kurze Pause und ein Einzelschlag; danach eine schnelle Folge breiter Ausschläge, die in V5 spindelförmig größer und wieder kleiner werden und in V2 die Richtung wechseln. Gegen Ende des Streifens hört die Salve auf.

Abbildung: Drei gleichzeitig registrierte Ableitungen: Nach einer kurzen Pause folgt eine schnelle Folge breiter Kammerkomplexe, deren Ausschläge spindelförmig zu- und abnehmen und die Richtung wechseln; gegen Ende des Streifens hört sie auf. Elektrolytwerte sind zu dieser Aufnahme nicht bekannt. Quelle: ZZU-ZUA-EKG-Datensatz (Tan J et al., figshare 2026), Datensatz Z06499, CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet (Ausschnitt II, V2 und V5, 0–10 s).

Bei polymorpher Kammertachykardie mit langer QT-Zeit, also Torsade de pointes, werden zuerst Puls und Kreislauf geprüft. Pulslos oder instabil: Reanimation beziehungsweise elektrische Therapie, ohne auf Magnesium zu warten. Stabil mit Puls: 8 mmol Magnesium intravenös über 10 Minuten, etwa 2 g Magnesiumsulfat-Heptahydrat; das ist keine Speicherauffüllung. Danach werden die Auslöser gesucht und behandelt: QT-verlängernde Medikamente überprüfen, Kalium korrigieren, Pausen oder Bradykardie erkennen. Zur Frequenzanhebung dienen fachärztlich Isoprenalin oder ein passagerer Schrittmacher. Amiodaron wird vermieden, weil es die Repolarisationsstörung verschärfen kann. Der Rhythmusnotfall unterscheidet sich von der langsamen Magnesiumsubstitution.

Abbildung: Der TdP-Weg unterscheidet sich von der langsamen Magnesiumsubstitution. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Magnesium in der Rechnung

Aufgabe

Für ein kontrolliertes Ersatzschema sind 20 mmol Magnesium über fünf Stunden vorgesehen. Die gewählte Zubereitung enthält 0,4 mmol/ml vor der vorgeschriebenen Verdünnung. Berechne die Konzentratmenge und die Magnesiumrate. Die Pumpenrate in ml/h ist noch nicht berechenbar: Welche Angabe fehlt?

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
Vorgesehene Magnesiummenge20 mmol
Vorgesehene Dauer5 Stunden
Zubereitung vor Verdünnung0,4 mmol/ml

An einer Deckenversorgungseinheit sind übereinander eine volumetrische Infusionspumpe und fünf Spritzenpumpen befestigt.

Abbildung: Mehrere Spritzenpumpen und eine Infusionspumpe an einer Versorgungseinheit auf einer Intensivstation. Quelle: Stefan Bellini, CC0 1.0, verkleinert.

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Zu viel Magnesium

Eine Hypermagnesiämie entsteht häufig, wenn eine eingeschränkte Niere zugeführtes Magnesium nicht ausreichend ausscheidet. Denke an magnesiumhaltige Antazida, Laxanzien und Infusionen. Leichte Erhöhungen können unauffällig bleiben. Zunehmende Muskelschwäche, abgeschwächte Reflexe, Hypotonie, Bradykardie und Atemdepression weisen auf relevante Toxizität hin. Als grobe Orientierung nennt die Fachinformation abgeschwächte Reflexe ab etwa 2,1 mmol/l, erloschene Reflexe, Hypotonie und EKG-Veränderungen ab etwa 2,9 mmol/l sowie Atemstillstand und Herzstillstand oberhalb von etwa 5 mmol/l. Der Patellarsehnenreflex ist deshalb ein einfaches Warnzeichen am Bett: Erlischt er, droht als Nächstes die Atemdepression.

Vier Stufen der Hypermagnesiämie mit zunehmender Gefahr. 1,05 bis 2,1 mmol/l: meist ohne Beschwerden, Zufuhr und Niere prüfen. 2,1 bis 2,9 mmol/l: beginnende Toxizität mit Lethargie, Übelkeit, Flush und abgeschwächten Reflexen. 2,9 bis 5 mmol/l: relevante Toxizität mit erloschenen Reflexen, Hypotonie, Bradykardie und EKG-Veränderungen. Über 5 mmol/l: lebensbedrohlich mit Atemstillstand, Lähmung, Koma und Herzstillstand. Der Reflexverlust warnt vor der Atemdepression.

Abbildung: Die Stufen sind eine Orientierung nach Fachinformation; Klinik und Verlauf entscheiden. Quelle: eigene Darstellung.

Historische Lehrzeichnung: Ein sitzender Mann hat ein Bein über das andere geschlagen, der Unterschenkel hängt locker. Nach dem Schlag auf die Patellarsehne unterhalb der Kniescheibe schwingt der Unterschenkel nach vorn; eine gepunktete Linie zeigt die Lage des Fußes nach der Streckbewegung.

Abbildung: Patellarsehnenreflex am übergeschlagenen Bein; die gepunktete Linie zeigt die reflektorische Streckung des Unterschenkels. Ein schwächer werdender oder erloschener Reflex ist bei Magnesiumgabe ein Warnzeichen. Quelle: William R. Gowers, A Manual of Diseases of the Nervous System, 1886, Fig. 1; via Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain); zugeschnitten, Bildunterschrift entfernt, Tonwertkorrektur.

Stoppe die Magnesiumzufuhr und beurteile Atemweg, Atmung, Kreislauf, EKG und Nierenfunktion. Bei schwerer Symptomatik wird intravenöses Kalzium nach Notfallstandard zur Antagonisierung eingesetzt. Die Magnesium-Fachinformation nennt 100–200 mg elementares Kalzium, entsprechend etwa 2,5–5 mmol, i.v. über 5–10 Minuten. EKG-Überwachung und die Umrechnung in ml des konkret verfügbaren Kalziumpräparats sind nötig. Bei Kalziumglukonat 10 % mit etwa 0,22–0,23 mmol/ml, je nach Hersteller, sind das ungefähr 11–22 ml. Kalzium entfernt dabei kein Magnesium. Magnesiumsulfat, §4.9 Eine schwere Vergiftung bei unzureichender Nierenleistung kann Dialyse erfordern. Gezielte Flüssigkeits- und gegebenenfalls diuretische Behandlung setzt ausreichende Ausscheidung und passende Volumenlage voraus.

Antagonisierung und Entfernung des Magnesiums haben verschiedene Aufgaben.

MaßnahmeAufgabeBedingung
Magnesiumzufuhr stoppenWeitere Zufuhr beendenAntazida, Laxanzien und Infusionen mitprüfen
Kalzium i.v.Antagonisierung; keine MagnesiumentfernungSchwere Symptomatik; EKG-Überwachung
DialyseMagnesium entfernenSchwere Vergiftung und unzureichende Nierenleistung
Flüssigkeit, ggf. DiuretikumGezielte Behandlung bei möglicher AusscheidungAusreichende Ausscheidung und passende Volumenlage

Erstens erkennen: magnesiumhaltige Antazida, Laxanzien oder Infusionen, eine eingeschränkte Niere, die zu wenig ausscheidet, sowie abgeschwächte Reflexe, niedriger Blutdruck, niedrige Herzfrequenz und verminderte Atmung. Zweitens sofort: Magnesiumzufuhr stoppen, Atemweg, Atmung und Kreislauf sichern, EKG und Nierenfunktion beurteilen. Drittens bei schweren Symptomen Kalzium intravenös: 100–200 mg elementares Kalzium, etwa 2,5–5 mmol, über 5–10 Minuten unter EKG-Überwachung; bei Kalziumglukonat 10 % mit etwa 0,23 mmol/ml ungefähr 11–22 ml. Kalzium antagonisiert, entfernt aber kein Magnesium. Viertens Entfernung: Reicht die Niere nicht und ist die Vergiftung schwer, folgt die Dialyse; ist Ausscheidung möglich und die Volumenlage passend, gezielte Flüssigkeit und gegebenenfalls ein Diuretikum.

Abbildung: Kalzium schützt durch Antagonisierung; die Magnesiumentfernung erfordert einen eigenen Plan. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Das frei verkäufliche Mittel

Aufgabe

Eine Patientin mit fortgeschrittener CKD nimmt täglich ein magnesiumhaltiges Abführmittel. Sie wird schläfrig, der Blutdruck fällt, die Reflexe sind schwach; Magnesium ist stark erhöht. Erkläre den Zusammenhang und die ersten Prioritäten.

Die Tabelle bündelt die Angaben der Aufgabe.

AngabeBefund
VorerkrankungFortgeschrittene CKD
EinnahmeTäglich magnesiumhaltiges Abführmittel
BewusstseinslageSchläfrig
BlutdruckFällt
ReflexeSchwach
MagnesiumStark erhöht

Kleine blaue Glasflasche mit vergilbtem Papieretikett „Milk of Magnesia“ und aufgedruckten Hinweisen zur Anwendung als Abführ- und Säurebindungsmittel.

Abbildung: Historische Flasche eines frei verkäuflichen Magnesiumhydroxid-Präparats („Milch der Magnesia“). Quelle: Nosferattus (Wikimedia-Nutzer), CC0 1.0, verkleinert.

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Phosphat und Energie

Lernziel: Du kannst Phosphatstörungen, ihre Ursachen und eine sichere Korrektur erklären.

Wofür Phosphat gebraucht wird

Phosphat gehört zum Knochenmineral, zu Zellmembranen und zu energiereichen Verbindungen wie Adenosintriphosphat (ATP). ATP stellt Energie für Muskelarbeit und viele Zellvorgänge bereit. Phosphat ist außerdem Bestandteil von 2,3-Diphosphoglycerat in Erythrozyten, das die Sauerstoffabgabe beeinflusst. Etwa 85 % des Körperphosphats liegen im Knochen, rund 15 % in Zellen und Weichgeweben und weniger als 1 % im Extrazellulärraum; der Serumwert zeigt also nur einen kleinen Ausschnitt.

Ein waagerechter Balken teilt das Körperphosphat auf: etwa 85 Prozent im Knochen, etwa 15 Prozent in Zellen und Weichgewebe, weniger als 1 Prozent extrazellulär im Serum. Darunter vier Funktionen: Knochenmineral als Hydroxylapatit, Phospholipide der Zellmembranen, ATP als Energie für die Muskelarbeit einschließlich der Atemmuskulatur und 2,3-DPG in Erythrozyten für die Sauerstoffabgabe ans Gewebe. Die Schlussbox hält fest: ein normaler Serumwert bedeutet keine vollen Speicher; bei Mangelernährung fällt der Wert oft erst nach Ernährungsbeginn.

Abbildung: Der Serumwert erfasst weniger als 1 % des Körperphosphats. Die Balkenanteile sind gerundete Richtwerte. Quelle: eigene Darstellung.

Ein normaler Serumwert schließt erschöpfte Speicher bei Mangelernährung nicht aus. Nach Beginn der Ernährung können Insulinwirkung und der neue Bedarf den Serumwert rasch senken. Die Richtung des Phosphatwerts ist deshalb zusammen mit dem zeitlichen Verlauf zu lesen. Typischerweise fällt der Wert in den ersten Tagen nach Ernährungsbeginn. Die ASPEN-Konsensempfehlung ordnet einen solchen Abfall bis zu fünf Tage nach Beginn oder deutlicher Steigerung der Energiezufuhr dem Refeeding-Syndrom zu und empfiehlt bei hohem Risiko, Kalium, Magnesium und Phosphat vor Beginn und in den ersten drei Tagen alle zwölf Stunden zu kontrollieren. ASPEN-Konsensempfehlungen zum Refeeding-Syndrom, 2020

Liniendiagramm des Serumphosphats über die Tage 0 bis 5 mit grünem Normalbereich 0,8 bis 1,5 mmol/l und rotem Bereich unter 0,32 mmol/l. Bei Ernährungsbeginn liegt der Wert noch normal, fällt dann bis Tag 2 bis 3 in den schweren Bereich, weil Insulin Phosphat in die Zellen verschiebt und der Bedarf für die ATP-Bildung steigt. Danach steigt die grüne Linie bei kontrolliertem Ersatz wieder in den Normalbereich, die gestrichelte rote Linie bleibt unbemerkt tief. Darunter drei Schritte: vor dem Start Risiko erkennen und Kalium, Magnesium und Phosphat bestimmen; an Tag 1 bis 3 bei hohem Risiko alle 12 Stunden kontrollieren; fällt der Wert, Refeeding-Syndrom prüfen und Phosphat ersetzen. Unten: Refeeding-Syndrom bis 5 Tage nach Ernährungsbeginn.

Abbildung: Qualitativer Verlauf, keine Messwerte einer realen Person. Der Ausgangswert kann trotz leerer Speicher normal sein. Quelle: eigene Darstellung.

Zu wenig Phosphat

Eine Hypophosphatämie liegt meist unter 0,8 mmol/l. Werte unter ungefähr 0,3–0,32 mmol/l gelten in klinischen Protokollen als schwer. Symptome, Geschwindigkeit und Organfunktion sind mindestens ebenso wichtig wie diese Grenze.

Ein Krankenhausprotokoll stuft das Serumphosphat Erwachsener so ein; der klinische Zustand entscheidet mit. Worcestershire Acute Hospitals, WAHT-PHA-011, Version 6, 2026

EinordnungSerumphosphatTypisches Vorgehen
Normal0,8–1,5 mmol/l–
Leicht0,6–0,79 mmol/lOhne Symptome meist kein Präparat
Mäßig0,32–0,59 mmol/lErsatz erwägen, möglichst enteral
Schwer< 0,32 mmol/lDringlich, meist intravenös und überwacht

Ursachen sind unzureichende Zufuhr oder Aufnahme, Alkoholprobleme, Phosphatbinder und renale Verluste. PTH erhöht die Phosphatausscheidung; manche Tubulusschäden und Medikamente tun dies ebenfalls. Insulin und Refeeding verschieben Phosphat in Zellen. Eine respiratorische Alkalose kann durch beschleunigten intrazellulären Stoffwechsel ebenfalls einen raschen Abfall begünstigen.

Farbige Skala des Serumphosphats in mmol/l: schwer unter 0,32, mäßig 0,32 bis 0,59, leicht 0,6 bis 0,79, normal 0,8 bis 1,5; Symptome, Tempo des Abfalls, Atmung und Herz zählen mit. Darunter drei Ursachenwege nebeneinander: verminderte Zufuhr durch Mangelernährung, Alkohol, Phosphatbinder oder Malabsorption; renale Verluste durch erhöhtes PTH, Tubulusschaden oder Medikamente wie Diuretika; Verschiebung in die Zellen durch Insulin und Refeeding, respiratorische Alkalose oder Erholung nach Ketoazidose. Alle Wege führen zur aktiven Suche nach Organfolgen: Atemmuskelschwäche und schwierige Beatmungsentwöhnung, Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Rhabdomyolyse und Hämolyse. Ergebniszeile: leicht – Ursache, Ernährung und Verlauf; mäßig – Ersatz erwägen, möglichst enteral; schwer oder symptomatisch – dringlich, meist intravenös und überwacht.

Abbildung: Schweregrad und Ursache werden getrennt bestimmt; Organzeichen können die Einstufung hochsetzen. Quelle: eigene Darstellung.

Ausgeprägter Mangel kann Muskelschwäche einschließlich Atemmuskelschwäche, Herzfunktionsstörung, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Rhabdomyolyse oder Hämolyse verursachen. Gerade bei Schwierigkeiten mit der Entwöhnung von Beatmung ist Phosphat daher ein klinisch relevanter Wert. Anhaltender Mangel kann außerdem zu Osteomalazie und Knochenschmerzen führen.

Zwei Engpässe nebeneinander: ATP vermindert bedeutet weniger Energie für Muskel, Herz und Nerven; 2,3-DPG vermindert bedeutet, dass Hämoglobin Sauerstoff fester hält und weniger Sauerstoff ins Gewebe gelangt. Darunter die Organe: Atemmuskulatur mit Ateminsuffizienz und scheiterndem Weaning, Herz mit verminderter Kontraktilität und Rhythmusstörungen, beide rot hervorgehoben; Skelettmuskel mit Schwäche, Myalgie und Rhabdomyolyse; Nervensystem mit Parästhesien, Verwirrtheit und Krampfanfällen; Blutzellen mit Hämolyse und verminderter Leukozyten- und Thrombozytenfunktion; chronisch Osteomalazie und Knochenschmerz. Schlussbox: Lässt sich eine Beatmung schwer entwöhnen, Phosphat messen, auch Magnesium und Kalium.

Abbildung: Energiemangel und schlechtere Sauerstoffabgabe erklären, warum Atmung und Herz zuerst gefährdet sind. Rot markiert die akut lebensbedrohlichen Organfolgen. Quelle: eigene Darstellung.

Phosphat kontrolliert ersetzen

Bei mildem asymptomatischem Phosphatmangel stehen Ursachenbehandlung, passende Ernährung und Verlaufskontrolle im Vordergrund; eine medikamentöse Substitution ist häufig nicht nötig. Wenn eine Ergänzung erforderlich ist und keine schwere Symptomatik besteht, wird nach Möglichkeit enteral ersetzt. Präparate unterscheiden sich in Phosphat-, Natrium- und Kaliumgehalt; der verordnete Wert muss sich auf mmol Phosphat beziehen. Bei schwerer oder symptomatischer Störung beziehungsweise fehlender enteraler Möglichkeit ist nach klinischer Beurteilung in der Regel eine intravenöse Gabe mit engmaschiger Kontrolle angezeigt.

Für die enterale Gabe ist in Deutschland zum Beispiel eine Tablette aus Kaliumdihydrogenphosphat und Natriummonohydrogenphosphat zugelassen (Reducto-spezial). Ihre Fachinformation nennt bei Hypophosphatämie initial 5–8 Tabletten pro Tag, verteilt auf mehrere Einzeldosen zu den Mahlzeiten und gesteuert nach dem Serumphosphat; das entspricht etwa 32–51 mmol Phosphat täglich. Bei Hypokalzämie wird die Dosis reduziert, bei schweren Nierenfunktionsstörungen ist das Präparat kontraindiziert. Kalzium-, Magnesium- oder aluminiumhaltige Antazida werden nicht gleichzeitig eingenommen, weil sie Phosphat binden. Fachinformation Reducto-spezial, Stand Februar 2018

Vor der Verordnung zählt neben den mmol Phosphat die mitgelieferte Kationenmenge:

PräparatPhosphatZusätzlich enthalten
Natriumglycerophosphat-Konzentrat (i.v.)1 mmol/ml2 mmol Natrium/ml
Kaliumphosphat-Konzentrat 1-molar (i.v.)1 mmol/ml1 mmol Kalium/ml
Phosphattablette, z. B. Reducto-spezial (oral)6,4 mmol/Tablette4,4 mmol Kalium + 4,1 mmol Natrium

Ein konkretes Beispiel aus einem Krankenhausprotokoll, keine allgemeine Einheitsdosis: Bei symptomatischer mäßiger Hypophosphatämie können 20 mmol Natriumglycerophosphat in 250 ml Glukose 5 % über zwölf Stunden gegeben werden. Bei Phosphat unter 0,32 mmol/l nennt dasselbe Protokoll als Beispiel 40 mmol Natriumglycerophosphat, zugesetzt zu 500 ml Glukose 5 %, über 24 Stunden. Dieses Beispiel setzt ein Körpergewicht von mindestens 60 kg sowie geeignete Nieren- und Volumenverhältnisse voraus; unter 60 kg wird eine halbe Dosis erwogen. Die genannten 250 beziehungsweise 500 ml sind Trägerlösungsmengen: Das zugesetzte Arzneimittelvolumen muss bei der tatsächlichen Pumpeneinstellung berücksichtigt werden. Körpergewicht, Nierenfunktion, Flüssigkeitsbedarf und Begleitelektrolyte bestimmen die Auswahl. Höhere, schnellere oder wiederholte Gaben werden nicht aus einem einzelnen Blutwert improvisiert. Worcestershire Acute Hospitals, WAHT-PHA-011, Version 6, 2026

Intravenöses Phosphat kann Kalzium senken, Ausfällungen verursachen und bei eingeschränkter Ausscheidung akkumulieren. Prüfe die Kompatibilität mit anderen Infusionen und gib Phosphat nicht ungeprüft zusammen mit Kalzium. Kontrolliere Phosphat, Kalzium, Kalium, Magnesium und Nierenfunktion; bei schwerem Mangel nennt das Beispielprotokoll Kontrollen im Abstand von zwölf Stunden, bei klinischer Instabilität entsprechend früher. Ein kaliumhaltiges Phosphatpräparat liefert zugleich Kalium: Diese Menge zählt zur gesamten Kaliumzufuhr. Bei mäßigem Mangel nennt das Beispielprotokoll tägliche Kontrollen bis zur Normalisierung, bei eingeschränkter Nierenfunktion tägliche Phosphatkontrollen. Der Ersatz kann beendet werden, sobald Phosphat wieder im Bereich von 0,8–1,5 mmol/l liegt; die Ursache wird weiter behandelt.

Die Beispiele des Krankenhausprotokolls setzen ab 60 kg geeignete Nieren- und Volumenverhältnisse voraus; zusätzliches Arzneimittelvolumen zählt bei der Pumpeneinstellung mit.

KonstellationPhosphatgabeTrägerlösung und Dauer
Symptomatischer mäßiger Mangel20 mmol Natriumglycerophosphat250 ml Glukose 5 % über 12 h
Phosphat < 0,32 mmol/l40 mmol Natriumglycerophosphat500 ml Glukose 5 % über 24 h
Körpergewicht < 60 kgHalbe Dosis erwägenNierenfunktion und Flüssigkeitsbedarf berücksichtigen

Erster Schritt vor der Verordnung: Symptome, nutzbarer Darm, Körpergewicht, Nierenfunktion, Kalzium, Kalium und Magnesium sowie mmol Phosphat und mitgeliefertes Kalium oder Natrium des Präparats prüfen. Dann drei Spalten: leicht, 0,6 bis 0,79 mmol/l ohne Symptome – Ursache und Ernährung, meist kein Präparat; mäßig, 0,32 bis 0,59 mmol/l ohne Symptome – enteral 5 bis 8 Tabletten pro Tag mit je 6,4 mmol Phosphat, Hinweis plus 4,4 mmol Kalium je Tablette; schwer oder symptomatisch, unter 0,32 mmol/l, mit Klinik oder ohne enterale Möglichkeit – intravenös Natriumglycerophosphat, Hinweis plus 2 mmol Natrium je mmol. Intravenöses Beispielprotokoll ab 60 kg: bei 0,32 bis 0,79 mmol/l mit Symptomen 20 mmol über 12 Stunden, unter 0,32 mmol/l 40 mmol über 24 Stunden, jeweils in Glukose 5 Prozent; unter 60 kg halbe Dosis erwägen. Während der Gabe eigener Zugang und nicht mit Kalzium mischen; Phosphat, Kalzium, Kalium und Magnesium bei schwerem Mangel alle 12 Stunden, bei mäßigem täglich; bei Niereninsuffizienz Phosphat täglich und Dosis prüfen; Gefahren sind Hypokalzämie, Arrhythmie und Hypotonie. Ergebnis: Stopp, sobald Phosphat 0,8 bis 1,5 mmol/l, Ursache weiter behandeln.

Abbildung: Die intravenösen Mengen stammen aus einem Krankenhausprotokoll und sind Beispiele, keine Einheitsdosis; die Tablettenmenge entspricht der deutschen Fachinformation. Quelle: eigene Darstellung.

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Warum wird die Atmung schwach?

Aufgabe

Nach längerer Mangelernährung beginnt die Ernährung. Zwei Tage später beträgt Phosphat 0,22 mmol/l und die Patientin entwickelt zunehmende Muskelschwäche. Ergänze die Kette: Ernährung → … → niedriger Serumwert; Phosphatmangel → … → mögliche Atemschwäche.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
VorgeschichteLängere Mangelernährung
ZeitpunktZwei Tage nach Ernährungsbeginn
Phosphat0,22 mmol/l
BeschwerdenZunehmende Muskelschwäche
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Zu viel Phosphat

Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz wird Phosphat zurückgehalten. Akut können massiver Zellzerfall, beispielsweise Tumorlyse oder Rhabdomyolyse, und eine zu hohe Zufuhr den Wert steigern. Ein unerwarteter Wert erfordert auch die Prüfung auf Probenfehler. Der Kontext entscheidet, ob ein chronisches Regulationsproblem oder ein akuter Notfall vorliegt.

Ein hoher Phosphatwert lässt sich nach dem Mechanismus ordnen:

MechanismusBeispieleWorauf achten
Ausscheidung ↓Fortgeschrittene CKD, AKIVerlauf mit Kalzium und PTH
Freisetzung aus ZellenTumorlyse, RhabdomyolyseOft Kalium ↑ und AKI: Notfall
Zufuhr ↑Phosphathaltige Abführmittel oder Einläufe, i.v.-PhosphatMedikamentenanamnese
Nur scheinbar erhöhtHämolytische ProbeKontrolle vor Therapie

Phosphatüberschuss kann den freien Kalziumanteil senken und bei ausgeprägten oder anhaltenden Störungen Kalzium-Phosphat-Ablagerungen begünstigen. Bei CKD werden Phosphat, Kalzium und PTH als Verlauf zusammen beurteilt. Ernährung und phosphathaltige Zusatzstoffe, Phosphatbinder zu den Mahlzeiten und die Dialysebehandlung werden individuell angepasst. Eine stark restriktive Ernährung darf keine Mangelernährung erzeugen. Kalziumhaltige Binder sind wegen zusätzlicher Kalziumbelastung nicht beliebig steigerbar. KDIGO, CKD-MBD-Leitlinie

Der Zusammenhang bei CKD: Mit sinkender GFR wird Phosphat zurückgehalten; früh steigt FGF23, das die Calcitriolbildung hemmt. Weniger Calcitriol bedeutet weniger Kalziumaufnahme aus dem Darm. Hohes Phosphat, niedriges Kalzium und Calcitriolmangel stimulieren die Nebenschilddrüsen (sekundärer Hyperparathyreoidismus) und stören den Knochenumbau; hohes Phosphat begünstigt zugleich Gefäßverkalkungen. Im Röntgenbild erscheinen solche Verkalkungen als feine, schienenartige Verschattungen entlang der Arterien.

Kette bei chronischer Nierenkrankheit: Sinkt die GFR, scheidet die Niere weniger Phosphat aus und bildet weniger Calcitriol. Daraus folgen nebeneinander: Phosphat steigt, weil es zurückgehalten wird; Calcitriol fällt, früh durch FGF23-Anstieg gehemmt; Kalzium fällt durch geringere Aufnahme aus dem Darm. Alle drei führen zu erhöhtem PTH, dem sekundären Hyperparathyreoidismus. Folgen: am Knochen gestörter Umbau durch PTH, renale Osteopathie; an Gefäßen und Weichgewebe Kalzium-Phosphat-Ablagerungen und Gefäßverkalkung durch hohes Phosphat. Ergebnis: Phosphat, Kalzium und PTH gemeinsam im Verlauf beurteilen und Ernährung, Binder und Dialyse anpassen.

Abbildung: Deshalb werden bei CKD nicht einzelne Werte, sondern Phosphat, Kalzium und PTH gemeinsam im Verlauf gesteuert. Quelle: eigene Darstellung.

Dorsopalmare Röntgenaufnahme beider Hände und distaler Unterarme nebeneinander, links die linke, rechts die rechte Hand. Weiße Pfeile zeigen auf feine, schienenartige, gewundene Verkalkungslinien entlang der Arterien in der Mittelhand und am Unterarm.

Abbildung: Arterielle Gefäßverkalkungen an Händen und Unterarmen bei einer Person unter Hämodialyse. Die Pfeile markieren verkalkte Arterienwände in der Mittelhand und am Unterarm; die Knochen selbst sind nicht das Thema dieser Aufnahme. Quelle: Hong D, Wu S, Pu L et al. BMC Nephrol 2013;14:120, Abb. 2 (PMC3691830); CC BY 2.0; seitlich beschnitten (anonymisierte Bildecken, Seitenbuchstaben und Gerätetext entfernt), nach WebP umgewandelt.

Akute Tumorlyse mit hohem Phosphat, steigendem Kalium und AKI benötigt sofortige fachärztliche Notfallversorgung; ein oraler Binder allein genügt nicht. Dialyse kann nötig sein. Eine asymptomatische hypokalzämische Begleitkonstellation wird bei ausgeprägter Hyperphosphatämie nicht blind „auf Normalwert“ mit Kalzium aufgefüllt; schwere Symptome erfordern dennoch eine eng überwachte individuelle Akutentscheidung.

Erster Schritt: Ist der Wert plausibel? Hämolytische oder unerwartete Probe kontrollieren und gleichzeitig Kreatinin, Kalium und Kalzium bestimmen. Dann zwei Bahnen nebeneinander. Chronisch bei CKD: Phosphat wird zurückgehalten, Phosphat, Kalzium und PTH im Verlauf, Ernährung und Zusatzstoffe, Binder zu den Mahlzeiten, Dialyse anpassen; Hinweis kalziumhaltige Binder begrenzt. Akut bei Zellzerfall, rot: Tumorlyse oder Rhabdomyolyse, oft Kalium und Kreatinin erhöht, sofort Notfallversorgung, Binder allein genügt nicht, Dialyse kann nötig sein. Beide Bahnen führen zu Kalzium mitdenken: hohes Phosphat senkt das freie Kalzium, Kalzium-Phosphat-Ablagerungen in Gefäßen und Gewebe, ohne Symptome nicht blind Kalzium auffüllen, schwere Symptome überwachte Einzelentscheidung. Ergebniszeile: CKD – der Verlauf steuert die Therapie; Zellzerfall mit AKI – sofort fachärztlich, Dialyse prüfen.

Abbildung: Tumorlyse mit steigendem Kalium und AKI verlangt mehr als einen oralen Phosphatbinder. Quelle: eigene Darstellung.

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Die zweite Last mitrechnen

Aufgabe

Bei Hyperkaliämie und eingeschränkter Ausscheidung soll gleichzeitig Phosphatmangel ersetzt werden. Welche Information über das Phosphatpräparat muss vor der Verordnung geprüft werden, und welche Werte kontrollierst du?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
KaliumHyperkaliämie
AusscheidungEingeschränkt
Geplante MaßnahmeGleichzeitiger Ersatz eines Phosphatmangels
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Multiple Choice

Chronisch oder akut?

Aufgabe

Nach Beginn einer Tumortherapie steigen Phosphat und Kalium rasch an; Kreatinin steigt mit. Welche Einordnung ist am geeignetsten?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
ZeitbezugNach Beginn einer Tumortherapie
PhosphatRascher Anstieg
KaliumRascher Anstieg
KreatininSteigt mit

Blick von unten auf einen Infusionsständer mit drei hängenden Infusionsbehältern; der rechte Beutel enthält eine kräftig rote Lösung, das Etikett der mittleren Flasche ist unkenntlich gemacht.

Abbildung: Infusionen am Tag einer intravenösen Tumortherapie mit mehreren Substanzen. Quelle: Retired electrician (Wikimedia-Nutzer), CC0 1.0,.jpg; verkleinert, handschriftliche Etikettbeschriftung weichgezeichnet.

  1. a)Zuerst nur einen Phosphatbinder beginnen und die weitere Diagnostik vom Kontrollwert abhängig machen.
  2. b)Ein akutes Zellzerfallssyndrom mit Nierengefährdung muss sofort abgeklärt und behandelt werden.
  3. c)Die Phosphaterhöhung schützt vor Folgen der Hyperkaliämie.
Lösung in der App →

Arzneimittel und Refeeding

Lernziel: Du kannst Auslöser erkennen und einen sicheren Ernährungsbeginn begründen.

Die Medikamentenliste als Befund

Ramipril ist beispielsweise ein ACE-Hemmer, Spironolacton ein Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist. Ein zeitlicher Zusammenhang kann die Ursache erklären: neues Medikament, Dosissteigerung, zusätzliche Selbstmedikation oder ein akuter Verlust bei unveränderter Dauermedikation. Entscheidend ist oft die Kombination.

KonstellationMögliche FolgeGezielte Prüfung
ACE-Hemmer/AT₁-Blocker plus Spironolacton; zusätzlich AKI oder TrimethoprimKalium steigtK, Nierenfunktion, aktuelle Indikation
Schleifen-/Thiaziddiuretikum plus geringe Zufuhr oder DurchfallK und Mg sinkenVerlust, Volumen, Ersatzbedarf
Thiazid, Lithium oder hohe Ca-/Vitamin-D-ZufuhrKalzium steigtCa, PTH, Zufuhr und zeitlicher Verlauf
Langfristiger Protonenpumpenhemmer (PPI)Magnesium kann sinkenIndikation, Mg, begleitendes K/Ca
Insulin oder hoch dosierter β₂-AgonistKalium verschiebt sich nach innenZeitpunkt und Kontrollen
Phosphatbinder oder magnesiumhaltiges LaxansPhosphat sinkt beziehungsweise Mg steigtPräparat, Darm, Nierenfunktion

Bei der Kaliumretention addieren sich die Mechanismen: ACE-Hemmer und AT₁-Blocker senken Aldosteron, Spironolacton blockiert dessen Rezeptor, Trimethoprim hemmt wie Amilorid den epithelialen Natriumkanal (ENaC) im distalen Nephron, und eine AKI senkt GFR und distalen Fluss.

Vier Beiträge mit gleicher Richtung: ACE-Hemmer oder AT₁-Blocker senken Angiotensin II und Aldosteron, Spironolacton blockiert den Mineralokortikoidrezeptor, Trimethoprim hemmt den Natriumkanal ENaC wie Amilorid, AKI und Volumenmangel senken GFR und distalen Fluss. Zusammen sinkt die Kaliumsekretion im distalen Nephron, weniger Kalium gelangt in den Urin und Kalium steigt. Folgen: sofort EKG, Klinik und Monitor nach Schweregrad; Kreatinin, Verlauf und Volumen kontrollieren; Medikamente pausieren und später neu prüfen.

Abbildung: Jede Substanz allein ist oft beherrschbar; gefährlich wird die Summe, besonders wenn eine AKI hinzukommt. ENaC = epithelialer Natriumkanal, AKI = akute Nierenschädigung. Quelle: eigene Darstellung.

Pausieren oder Anpassen einer Behandlung kann im Akutfall nötig sein. Nach Stabilisierung wird ausdrücklich geprüft, ob eine wichtige Langzeittherapie wieder aufgenommen werden kann. Ein einmal hoher Kaliumwert bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass jede prognostisch wirksame Herzinsuffizienztherapie dauerhaft entfällt. Die Wiederaufnahme benötigt einen Kontrollplan und gehört zur zuständigen Organbehandlung.

Ablauf in fünf Schritten: erstens vollständige Medikamentenliste mit Dauermedikation, Selbstmedikation, frei verkäuflichen Mitteln, Laxanzien, Kalzium, Vitamin D und Magnesium. Zweitens prüfen, was sich zeitlich geändert hat: neues Mittel oder Dosissteigerung, zusätzliche Selbstmedikation oder akuter Verlust bei gleicher Dauermedikation. Drittens Kombinationen und Verstärker wie AKI, Volumenmangel, geringe Zufuhr oder Durchfall suchen; selten gibt es nur einen Auslöser. Viertens akut nach Schweregrad behandeln und das auslösende Mittel pausieren oder anpassen. Fünftens nach Stabilisierung die Wiederaufnahme wichtiger Langzeittherapie mit Kontrollplan prüfen.

Abbildung: Die Medikamentenliste wird wie ein Befund gelesen: zuerst der zeitliche Zusammenhang, dann die Kombination, zuletzt die Frage nach der Wiederaufnahme. Quelle: eigene Darstellung.

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Die neue Kombination

Aufgabe

Ein Patient nimmt seit Monaten Ramipril und Spironolacton. Seit drei Tagen erhält er Trimethoprim; wegen Übelkeit trinkt er wenig. Kalium liegt jetzt bei 6,3 mmol/l. Benenne drei plausible Beiträge und die unmittelbare Sicherheitsebene.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
DauermedikationRamipril und Spironolacton seit Monaten
Neu seit drei TagenTrimethoprim
Aktuelle AufnahmeWenig Flüssigkeit wegen Übelkeit
Kalium6,3 mmol/l
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Wie Refeeding entsteht

Bei längerem Nahrungsmangel werden körpereigene Reserven verbraucht. Kalium, Magnesium und Phosphat können insgesamt fehlen, während die Serumwerte anfangs noch normal sind. Mit neuer Energiezufuhr, besonders Kohlenhydraten, steigt Insulin. Elektrolyte wandern in Zellen und werden für den Stoffwechsel gebraucht. Zugleich wächst der Bedarf an Thiamin (Vitamin B₁); Natrium- und Wasserretention können hinzukommen.

Das Refeeding-Syndrom ist eine klinisch relevante Entgleisung nach Wiederbeginn oder deutlicher Steigerung der Ernährung. Phosphatabfall ist ein wichtiger Hinweis, aber nicht der einzige: niedrige K-/Mg-Werte, Ödeme, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, Schwäche, Atemprobleme und neurologische Veränderungen gehören dazu. Es kann bei oraler, enteraler oder parenteraler Ernährung auftreten; auch glukosehaltige Infusionen liefern Energie.

Nach langer Mangelernährung sind Kalium, Magnesium und Phosphat insgesamt vermindert, die Serumwerte aber oft noch normal. Neue Energie, vor allem Kohlenhydrate, oral, enteral, parenteral oder als glukosehaltige Infusion, lässt Insulin steigen. Kalium, Magnesium und Phosphat wandern in die Zellen und werden für Stoffwechsel und ATP-Bildung verbraucht; der Thiaminbedarf steigt, Natrium und Wasser werden zurückgehalten. Drei parallele Äste: fallende Serumwerte führen zu Rhythmusstörungen und Atemmuskelschwäche, die Volumenretention zu Ödemen und Herzinsuffizienz, der Thiaminmangel zu Verwirrtheit bis zur Wernicke-Enzephalopathie.

Abbildung: Der Insulinanstieg verändert die Verteilung bei bereits verminderten Speichern; er erzeugt nicht schlagartig einen Gesamtverlust. Die drei unteren Äste zeigen mögliche Folgen, keine zwangsläufige Abfolge. Quelle: eigene Darstellung.

Zeitlich liegt das Risiko vor allem in den ersten Tagen. Die ASPEN-Konsensusempfehlung von 2020 spricht von Refeeding-Syndrom, wenn Phosphat, Kalium und/oder Magnesium innerhalb von fünf Tagen nach Beginn oder deutlicher Steigerung der Energiezufuhr abfallen, und stuft den Schweregrad nach dem Ausmaß des Abfalls ein.

Die Einteilung bezieht sich auf den Abfall gegenüber dem Ausgangswert.

SchweregradAbfall von Phosphat, K oder MgZusatzkriterium
Leicht10–20 %–
Mittelgradig20–30 %–
Schwer> 30 %oder Organdysfunktion durch den Abfall oder durch Thiaminmangel

Schematischer Zeitverlauf: In der Hungerphase sinkt der Gesamtbestand im Körper, der Serumwert, zum Beispiel Phosphat, bleibt im Normbereich. Nach Ernährungsbeginn an Tag 0 fällt der Serumwert vor allem an Tag 1 bis 3 unter den Normbereich und erholt sich mit Ersatz langsam; das Risikofenster umfasst die ersten fünf Tage. Darunter die ASPEN-Schweregrade: 10–20 Prozent Abfall leicht, 20–30 Prozent mittelgradig, über 30 Prozent schwer, ebenso schwer bei Organdysfunktion durch den Abfall oder durch Thiaminmangel. Kontrollen: Tag 0 Ausgangswerte und Thiamin, Tage 1 bis 5 mindestens täglich Kalium, Magnesium und Phosphat, danach seltener, wenn stabil.

Abbildung: Ein normaler Wert am Tag null sagt nichts über die Speicher. Die Kurven sind schematisch und zeigen keine Messwerte. Quelle: eigene Darstellung.

Das Risiko vor der ersten Mahlzeit einschätzen

Erfrage tatsächliche Nahrungsaufnahme und Dauer, unbeabsichtigten Gewichtsverlust, Alkohol, Malabsorption und vorausgegangene Behandlung. Eine Person mit BMI unter 16 kg/m², ungewolltem Gewichtsverlust über 15 % innerhalb von 3–6 Monaten, mehr als zehn Tagen nahezu fehlender Aufnahme oder bereits niedrigen K-, Mg- oder Phosphatwerten ist besonders gefährdet. Hohes Risiko besteht auch bei mindestens zwei der folgenden Faktoren: BMI unter 18,5 kg/m², ungewollter Gewichtsverlust über 10 % in 3–6 Monaten, nahezu fehlende Aufnahme über mehr als fünf Tage oder Alkoholmissbrauch beziehungsweise Einnahme von Insulin, Chemotherapie, Antazida oder Diuretika. Ein normales Gewicht schließt Risiko nach erheblichem Verlust nicht aus.

Vor Beginn werden K, Mg, Phosphat, Glukose und Nierenfunktion bestimmt sowie Volumenstatus und Gewicht erfasst. Gib bei Risikopersonen Thiamin vor dem geplanten Ernährungsbeginn und während der ersten zehn Tage; ein verbreiteter oraler Bereich ist 200–300 mg täglich. Bei vermuteter Wernicke-Enzephalopathie oder fehlender oraler Aufnahme ist ein gesondertes parenterales Behandlungsschema nötig. Eine lebensrettende Glukosegabe bei Hypoglykämie darf nicht verzögert werden.

Die Ernährung wird mit einem erfahrenen Ernährungsteam kontrolliert begonnen. Ein konservatives Rechenbeispiel bei hohem Risiko ist 10 kcal/kg/Tag, anschließend schrittweise Steigerung, wenn Klinik und Laborkontrollen es erlauben. Bei extremem Risiko kann ein noch niedrigerer Einstieg nötig sein. NICE nennt als extrem hohes Risiko einen BMI unter 14 kg/m² oder mehr als 15 Tage vernachlässigbare Aufnahme; dann wird mit 5 kcal/kg/Tag begonnen und der Herzrhythmus fortlaufend überwacht. Das ist kein dauerhaft ausreichender Energiebedarf. Protokolle unterscheiden sich; ihre Startmengen dürfen nicht ohne Einschätzung von Risiko und Verlauf übernommen werden. Worcestershire Acute Hospitals, Ernährung und Refeeding

Die Thiamingabe und ihre Ausnahmen gehören zum geplanten Ernährungsbeginn.

SituationVorgehenZeitbezug oder Grenze
Refeeding-RisikoThiamin oral: verbreitet 200–300 mg täglichVor Beginn und während der ersten 10 Tage
Verdacht auf Wernicke-Enzephalopathie oder keine orale AufnahmeGesondertes parenterales BehandlungsschemaGesondertes Behandlungsschema nötig
HypoglykämieLebensrettende Glukose gebenGlukosegabe nicht verzögern

Erstens Anamnese: tatsächliche Aufnahme und Dauer, ungewollter Gewichtsverlust, Alkohol, Malabsorption, vorausgegangene Behandlung und Medikamente; normales Gewicht schließt Risiko nicht aus. Zweitens zwei Wege zum hohen Risiko: mindestens ein starkes Merkmal, nämlich BMI unter 16 kg/m², Verlust über 15 Prozent in 3–6 Monaten, mehr als 10 Tage kaum Aufnahme oder bereits niedriges Kalium, Magnesium oder Phosphat; oder mindestens zwei weitere Merkmale, nämlich BMI unter 18,5 kg/m², Verlust über 10 Prozent in 3–6 Monaten, mehr als 5 Tage kaum Aufnahme, Alkohol oder Insulin, Chemotherapie, Antazida, Diuretika. Drittens Ausgangslage: Kalium, Magnesium, Phosphat, Glukose, Nierenfunktion, Volumenstatus und Gewicht. Viertens Thiamin vor dem Ernährungsbeginn, oral 200–300 mg täglich in den ersten 10 Tagen, bei Wernicke-Verdacht oder fehlender oraler Aufnahme parenteral; bei Hypoglykämie Glukose nie verzögern. Fünftens Ernährung kontrolliert mit dem Ernährungsteam beginnen. Ergebnis: hohes Risiko Start zum Beispiel 10 kcal/kg/Tag; extrem hohes Risiko bei BMI unter 14 oder mehr als 15 Tagen kaum Aufnahme 5 kcal/kg/Tag mit Überwachung des Herzrhythmus.

Abbildung: Die zwei Risikowege laufen vor Thiamingabe und kontrolliertem Ernährungsbeginn zusammen; die Startmenge richtet sich nach der Risikostufe. Quelle: eigene Darstellung.

Kontrollen gehören zur Ernährung

Elektrolyte werden bedarfsgerecht neben dem vorsichtigen Ernährungsbeginn ersetzt; eine pauschale mehrtägige Nahrungskarenz bis zur vollständigen Normalisierung ist keine allgemeine Regel. Lebensbedrohliche Defizite verlangen jedoch zuerst beziehungsweise gleichzeitig intensive Stabilisierung und eine neu abgestimmte Zufuhr. Die Nierenfunktion begrenzt mögliche Ersatzmengen.

Kontrolliere anfangs mindestens täglich Phosphat, Magnesium und Kalium sowie Glukose und Nierenfunktion; bei ausgeprägter Störung oder intravenöser Korrektur häufiger. Verfolge Bilanz, Gewicht, Ödeme, Puls, Blutdruck, Atmung und neurologische Veränderungen. Bei Verschlechterung wird die Steigerung gestoppt beziehungsweise die Zufuhr individuell reduziert und die Komplikation behandelt. Ein stabiler Wert am Tag null verhindert keinen Abfall am Tag zwei.

Für den Ersatz nennt NICE einen wahrscheinlichen Tagesbedarf als Orientierung, sofern die Ausgangswerte nicht erhöht sind; Nierenfunktion und tägliche Werte bestimmen die tatsächliche Dosis.

ElektrolytWahrscheinlicher BedarfHinweis
Kalium2–4 mmol/kg/Tagoral, enteral oder i.v.; i.v.-Laufrate begrenzen
Phosphat0,3–0,6 mmol/kg/Tagbei eingeschränkter Nierenfunktion reduzieren
Magnesium0,2 mmol/kg/Tag i.v. oder 0,4 mmol/kg/Tag oraloral kann Durchfall auslösen

Ausgearbeitetes Beispiel

Bei 50 kg Körpergewicht und einem gewählten Start von 10 kcal/kg/Tag ergeben sich 500 kcal am ersten Tag. Dazu zählen alle Energiequellen. Aus dieser Rechnung folgt weder eine feste Flüssigkeitsmenge noch eine automatische Elektrolytdosis. Der tägliche Verlauf steuert die Steigerung und Ergänzung. Als Ziel nennt NICE für die meisten Erwachsenen 25–35 kcal/kg/Tag, bei 50 kg also 1250–1750 kcal; bei hohem Risiko wird es schrittweise, typischerweise bis Tag 4–7, erreicht.

Schematischer Verlauf der Energiezufuhr in kcal pro kg und Tag über sieben Tage: hohes Risiko beginnt bei 10, extrem hohes Risiko bei 5; die Zwischenstufen richten sich nach Klinik und Labor, der Zielbereich liegt bei 25–35 kcal/kg/Tag. Beispiel 50 kg mit hohem Risiko: Tag 1 50 mal 10 gleich 500 kcal aus allen Energiequellen, Ziel 50 mal 25–35 gleich 1250–1750 kcal. Vor jedem Schritt täglich Kalium, Magnesium, Phosphat, Glukose und Nierenfunktion sowie Bilanz, Gewicht, Ödeme, Puls und Atmung prüfen. Stabil: nächste Stufe; Werte fallen: gezielt ersetzen; Verschlechterung: Steigerung stoppen.

Abbildung: Start- und Zielwerte sind feste Zahlen; die gepunkteten Zwischenstufen sind schematisch und werden täglich nach dem Verlauf festgelegt. Quelle: eigene Darstellung.

Täglicher Kontrollkreis: erstens Labor mit Phosphat, Magnesium, Kalium, Glukose und Nierenfunktion, anfangs mindestens täglich, bei intravenöser Korrektur häufiger, parallel Klinik mit Bilanz, Gewicht, Ödemen, Puls, Blutdruck, Atmung und Neurologie. Zweitens Ersatz von Kalium, Magnesium und Phosphat nach Bedarf neben dem Ernährungsbeginn, begrenzt durch die Nierenfunktion; keine pauschale Nahrungskarenz. Drittens Verlauf beurteilen: stabil, Steigerung nach Plan und weiter steigern; Werte fallen, Ersatz anpassen, dichter kontrollieren und gezielt unter Beachtung der Niere ersetzen; Klinik schlechter, Steigerung stoppen, Zufuhr reduzieren und Komplikation behandeln, bei lebensbedrohlichem Defizit intensiv stabilisieren.

Abbildung: Die Energierechnung ersetzt weder die Bilanz noch die tägliche Kontrolle der Elektrolyte. Quelle: eigene Darstellung.

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Den Ernährungsstart planen

Aufgabe

Ein 60 kg schwerer Patient hat nach längerem Nahrungsmangel ein hohes Refeeding-Risiko. Das Team wählt 10 kcal/kg/Tag als Start. Berechne die Energie und nenne drei Sicherheitsmaßnahmen, die unabhängig von der Rechnung nötig sind.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Körpergewicht60 kg
VorgeschichteLängerer Nahrungsmangel
RisikoangabeHohes Refeeding-Risiko
Gewählter Start10 kcal/kg/Tag

Gelbe, dünne Sonde mit Zentimetermarkierungen, zu einem Ring gelegt, mit pinkfarbenen Anschlüssen und eingelegtem Führungsdraht; daneben eine weiße Schutzhülse.

Abbildung: Dünnlumige nasogastrale Ernährungssonde mit Führungsdraht. Quelle: AlexNB (Wikipedia-Nutzer), gemeinfrei (Public Domain), verkleinert.

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Normal am Anfang

Aufgabe

Nach zwölf Tagen sehr geringer Aufnahme sind K, Mg und Phosphat am Tag null noch normal. Warum wäre sofortige volle Ernährung ohne Kontrollen trotzdem riskant?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
NahrungsaufnahmeSeit zwölf Tagen sehr gering
Kalium am Tag nullNormal
Magnesium am Tag nullNormal
Phosphat am Tag nullNormal
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Gemeinsam entscheiden

Lernziel: Du kannst Befund, Therapie, Kontrolle und verständliche Erklärung verbinden.

Vom Laborwert zum kurzen Plan

Eine gute Übergabe enthält vier Dinge: das aktuelle Problem mit Zeitpunkt und Schwere, die wahrscheinlich beitragenden Ursachen, bereits tatsächlich durchgeführte Maßnahmen und den nächsten konkreten Kontroll- beziehungsweise Eskalationsschritt. Vermutungen kennzeichnest du als solche. Ein Plan darf nicht nachträglich wie ein beobachteter Erfolg klingen.

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ich stelle Herrn M., 68 Jahre, mit Kalium 6,9 mmol/l bei AKI und Oligurie vor. Im EKG besteht eine neu aufgetretene QRS-Verbreiterung; Kaliumpräparat und Spironolacton sind mögliche Mitursachen. Er wird überwacht, die Kaliumzufuhr wurde beendet und die Akutbehandlung ist eingeleitet; ein Erfolg ist noch nicht dokumentiert. Ich benötige die aktuelle EKG- und Kaliumkontrolle sowie die nephrologische Entscheidung zur Entfernung. Nach Insulin läuft zusätzlich die zeitgebundene Glukosekontrolle.“

Eine bedingte Prognose lautet: „Wenn die Ausscheidung wieder zunimmt und die Ursache behoben wird, kann sich der Kaliumhaushalt stabilisieren. Bis dahin sind Wiederanstieg und Behandlungskomplikationen möglich; wir beurteilen dies anhand von Kalium, Glukose, EKG und Nierenverlauf.“ Damit versprichst du keinen bereits sicheren Ausgang.

Übergabe für Herrn M., 68 Jahre, mit AKI und Oligurie. Schritt 1, aktuelles Problem: Kalium 6,9 mmol/l mit Uhrzeit der Messung, neue QRS-Verbreiterung, geringe Urinmenge; Markierungen schwer ab 6,5 mmol/l und EKG verändert. Nebeneinander Schritt 2, mögliche Ursachen als Vermutung: Kaliumpräparat, Spironolacton, AKI mit Oligurie, und Schritt 3, tatsächlich erfolgt: Überwachung, Kaliumzufuhr beendet, Akutbehandlung begonnen, Erfolg noch offen. Schritt 4, nächste Kontrolle und Entscheidung: aktuelles EKG und Kalium, Glukose zu festen Zeiten nach Insulin, nephrologische Entscheidung über Entfernung und gegebenenfalls Dialyse. Schritt 5, bedingte Prognose: Wenn die Urinmenge steigt und die Ursache behoben ist, kann sich der Kaliumhaushalt stabilisieren; bis dahin sind Wiederanstieg und Hypoglykämie möglich und werden über Kalium, Glukose, EKG und Niere verfolgt.

Abbildung: Begonnene Akutbehandlung ist noch kein nachgewiesener Erfolg; die nächste Kontrolle wird ausdrücklich genannt. Quelle: eigene Darstellung.

Die Wortwahl zeigt, wie sicher eine Aussage ist.

InhaltPassende FormulierungIrreführend
Gesicherter Befund„Kalium 6,9 mmol/l, gemessen um …“„Kalium ist hoch.“
Vermutete Ursache„mögliche Mitursache“, „spricht für“„Ursache ist Spironolacton.“
Nur verordnet„verordnet, noch nicht begonnen“„läuft“
Gegeben, Wirkung offen„gegeben um …, Kontrolle steht aus“„ist behandelt“
Prognose„Wenn …, kann …“„wird wieder gut“

Den Eskalationsschritt übergibst du als konkrete Wenn-dann-Angabe. Treten neue oder breitere EKG-Veränderungen auf, folgt sofort eine ärztliche Neubewertung und gegebenenfalls eine erneute Kalziumgabe, weil deren Schutz nur etwa 30–60 Minuten anhält. Liegt Kalium zwei Stunden nach Insulin-Glukose nicht unter 6,0 mmol/l, wird eine weitere Gabe erwogen und die nephrologische Entscheidung beschleunigt. Eine Glukose unter 4,0 mmol/l wird sofort behandelt. Bleibt die Urinmenge gering oder steigt Kalium erneut, entscheidet das nephrologische oder intensivmedizinische Team zeitnah über eine Dialyse. UKKA, Hyperkaliämie-Leitlinie 2023

Wenn-dann-Plan für Herrn M. mit Kalium 6,9 mmol/l, AKI und breitem QRS bis zur nächsten Visite. Schritt 1, vereinbarte Kontrollen: EKG-Monitor durchgehend, Kalium nach 1, 2, 4, 6 und 24 Stunden, Glukose von 0 bis 360 Minuten nach Insulin, Urinmenge stündlich bilanzieren. Schritt 2, wenn … dann sofort, vier Auslöser: EKG breiter oder neu verändert – ärztlich neu bewerten, Kalzium gegebenenfalls erneut, Wirkung 30–60 Minuten; Kalium nach 2 Stunden nicht unter 6,0 mmol/l – weitere Insulin-Glukose erwägen, Nephrologie informieren; Glukose unter 4,0 mmol/l – Hypoglykämie sofort behandeln, länger engmaschig messen; Urin bleibt gering und Kalium steigt – Dialyse zeitnah entscheiden, Nephrologie oder Intensivmedizin. Schritt 3, Verlauf beurteilen: stabil, Kontrollen wie vereinbart weiterführen; Verschlechterung, sofort ärztlich melden und nicht bis zur Visite warten.

Abbildung: Eine gute Übergabe sagt nicht nur, was kontrolliert wird, sondern auch, ab welchem Befund jemand sofort handelt. Quelle: eigene Darstellung.

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Eine Übergabe vervollständigen

Aufgabe

Eine Patientin mit Durchfall hat Kalium 2,6 mmol/l und Magnesium 0,42 mmol/l. Sie ist kreislaufstabil, das EKG zeigt abgeflachte T-Wellen. Kaliumersatz wurde verordnet, aber noch nicht begonnen. Vervollständige die Übergabe um Ursache, Sicherheitsplan und eine ehrliche Aussage zum bisherigen Verlauf.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
BeschwerdenDurchfall
Kalium2,6 mmol/l
Magnesium0,42 mmol/l
KreislaufStabil
EKGAbgeflachte T-Wellen
KaliumersatzVerordnet, noch nicht begonnen

Reales Zwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II bei 25 mm/s und 10 mm/mV: regelmäßiger Rhythmus um 85/min mit P-Wellen vor schmalen QRS-Komplexen; die T-Wellen sind in den Extremitätenableitungen und in V4 bis V6 niedrig und flach, die ST-Strecke ist in V4 bis V6 leicht gesenkt.

Abbildung: Beispiel abgeflachter T-Wellen, wie sie in der Übergabe genannt werden. Zu dieser Aufnahme sind keine Kalium- oder Magnesiumwerte bekannt. Quelle: [PTB-XL 1.0.3, Datensatz 743], Wagner et al., [CC BY 4.0]. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

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Dem Patienten erklären, was als Nächstes geschieht

Nutze eine kurze verständliche Ursache-Wirkung-Erklärung, benenne den nächsten Schritt und frage nach Verständnis. Bei Müdigkeit oder Angst ist eine lange Aufzählung aller Laborwerte wenig hilfreich. Die Erklärung muss zu dem passen, was bereits bekannt ist.

Ausgearbeitetes Beispiel

„Ihr Kaliumwert ist deutlich erhöht. Kalium beeinflusst die elektrischen Signale des Herzens. Wir überwachen deshalb Ihren Herzrhythmus und geben Medikamente, die das Herz schützen und den Wert zunächst senken. Zusätzlich müssen wir dafür sorgen, dass überschüssiges Kalium den Körper verlässt. Weil ein Teil der Behandlung den Blutzucker senken kann, messen wir auch diesen mehrfach. Können Sie mir sagen, warum die Überwachung trotz einer ersten Verbesserung weitergeht?“

Erhöhtes Kalium erklären: kurz, ohne Laborliste, mit Rückfrage. Schritt 1, Ursache und Wirkung: „Ihr Kaliumwert ist deutlich erhöht.“ und „Kalium beeinflusst die elektrischen Signale des Herzens.“ Schritt 2, was wir jetzt tun, drei Felder nebeneinander: Herz schützen mit Rhythmusüberwachung und einem Medikament, das das Herz schützt; Wert senken mit Medikamenten, die zunächst senken, Markierung vorübergehend; Kalium entfernen über Niere, Darm oder Blutwäsche. Schritt 3, Sicherheit begründen: Ein Teil der Behandlung senkt den Blutzucker, deshalb wird er mehrfach gemessen. Schritt 4, Verständnis prüfen: „Warum geht die Überwachung trotz erster Besserung weiter?“, der Patient antwortet in eigenen Worten. Ergebnis: richtig erklärt, nächster Schritt; Lücke erkennbar, kürzer neu erklären und erneut nachfragen.

Abbildung: Die drei Behandlungsziele werden in Alltagssprache erklärt; erst die Rückfrage zeigt, ob die Erklärung angekommen ist. Quelle: eigene Darstellung.

Fachliche Schritte lassen sich ohne Fachwort erklären.

FachlichVerständlich gesagt
Hyperkaliämie„Ihr Kaliumwert ist deutlich erhöht.“
Kalzium i.v. zur Membranstabilisierung„Ein Medikament schützt das Herz; den Wert senkt es nicht.“
Insulin-Glukose, Salbutamol„Andere Medikamente senken den Wert für einige Stunden.“
Diuretikum, Kaliumbinder, Dialyse„Das überschüssige Kalium muss über Niere, Darm oder Blutwäsche hinaus.“
Hypoglykämierisiko nach Insulin„Wir messen den Blutzucker mehrmals.“
Rebound„Der Wert kann wieder steigen; deshalb kontrollieren wir weiter.“

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Die Erklärung anpassen

Aufgabe

Eine Patientin mit Magnesiummangel fragt: „Warum bekomme ich noch Magnesium, obwohl mein Kalium schon fast normal ist?“ Formuliere drei verständliche Sätze und eine Rückfrage zum Verständnis.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
MagnesiumMangel
KaliumSchon fast normal
Aktuelle BehandlungWeitere Magnesiumgabe
PatientinnenfrageWarum noch Magnesium?
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Eine Infusion sicher übergeben

Bei Elektrolytkonzentraten ist eine vollständige Verordnung Teil der Behandlung: Wirkstoff und elementare Menge, Präparatkonzentration, Verdünnung/Endvolumen, Weg, Pumpenrate, Dauer und Kontrollplan. Prüfe Identität, Indikation, aktuellen Laborzeitpunkt, Nierenfunktion, Zugang und Kompatibilität. Erkläre dem Patienten die Maßnahme; kontrolliere unter der Gabe Einstichstelle und Beschwerden. Nach örtlicher Regel erfolgt eine zweite Prüfung besonders riskanter Berechnungen.

Die folgende Übung wird am Rechenblatt oder mit einem geeigneten Trainingssystem durchgeführt. Sie ist keine Aufforderung zur selbstständigen praktischen Medikamentengabe und belegt keine praktische Handlungskompetenz.

Eine sichere Übergabe verbindet die vollständige Verordnung mit der Prüfung vor und während der Infusion.

BereichErforderliche Angaben oder Prüfung
VerordnungWirkstoff, elementare Menge, Präparatkonzentration, Verdünnung und Endvolumen
VerabreichungWeg, Pumpenrate, Dauer und Kontrollplan
Vor der GabeIdentität, Indikation, Laborzeitpunkt, Nierenfunktion, Zugang und Kompatibilität
Begleitung und GegenprüfungPatienteninformation; Einstichstelle und Beschwerden unter der Gabe; zweite Prüfung riskanter Berechnungen nach örtlicher Regel

Bei der Zweitprüfung rechnet eine zweite Person unabhängig aus Verordnung und Präparatangabe, ohne das erste Ergebnis zu kennen; erst danach werden beide Ergebnisse verglichen. Beispiel: 20 mmol Natriumglycerophosphat (1 mmol Phosphat und 2 mmol Natrium pro ml) in 250 ml Glukose 5 % über zwölf Stunden ergeben 20 ml Konzentrat, 270 ml Endvolumen, 22,5 ml/h und etwa 1,7 mmol Phosphat pro Stunde; zugleich erhält der Patient 40 mmol Natrium. Weichen die Ergebnisse ab, wird die Infusion nicht gestartet, sondern mit der verordnenden Person geklärt.

Gleiche Milliliter bedeuten bei Konzentraten sehr unterschiedliche Mengen.

KonzentratGehalt pro mlUnter der Gabe beachten
Kaliumchlorid 7,45 %1 mmol KaliumNie unverdünnt; Venenschmerz, Rhythmus
Kalziumglukonat 10 %etwa 0,225 mmol KalziumParavasat; zu rasch: Bradykardie
Kalziumchlorid 10 %etwa 0,68 mmol KalziumDreimal mehr pro ml; stärker gewebeschädigend
Magnesiumsulfat 10 % / 50 %etwa 0,4 / 2 mmol MagnesiumProzentangabe prüfen; Reflexe, Atmung, Blutdruck
Natriumglycerophosphat1 mmol Phosphat + 2 mmol NatriumNicht mit Kalzium mischen; Natrium mitzählen

Riskante Rechnung doppelt prüfen, Beispiel Phosphat intravenös. Schritt 1, Verordnung und Präparat lesen: 20 mmol Natriumglycerophosphat in 250 ml Glukose 5 % über 12 Stunden; das Präparat enthält 1 mmol Phosphat und 2 mmol Natrium pro ml. Schritt 2 nebeneinander: Person A rechnet aus Verordnung und Etikett und notiert ihr Ergebnis; Person B rechnet getrennt, liest das Etikett selbst und kennt das Ergebnis von A nicht. Schritt 3, Ergebnisse vergleichen: Konzentrat 20 ml, Endvolumen 250 plus 20 gleich 270 ml, Pumpe 270 ml durch 12 Stunden gleich 22,5 ml pro Stunde, Phosphat etwa 1,7 mmol pro Stunde, zusätzlich 40 mmol Natrium. Ergebnis: gleich – Pumpe einstellen, beschriften, Kontrolle festlegen; abweichend – nicht starten, mit der verordnenden Person klären.

Abbildung: Die zweite Person rechnet selbst, statt das erste Ergebnis nur abzuhaken; das zugesetzte Konzentrat zählt zum Endvolumen. Quelle: eigene Darstellung.

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Den fehlenden Teil erkennen

Aufgabe

Auf dem Übergabeblatt steht nur: „Kalium 20, läuft mit 100.“ Liste die fehlenden Informationen auf und formuliere eine eindeutige Beispielverordnung für 20 mmol in 500 ml Endvolumen über fünf Stunden, nachdem Indikation, Nierenfunktion und Volumenverträglichkeit geprüft wurden.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Angabe auf dem Blatt„Kalium 20, läuft mit 100.“
Menge für die Beispielverordnung20 mmol
Endvolumen500 ml
DauerFünf Stunden
VoraussetzungenIndikation, Nierenfunktion und Volumenverträglichkeit geprüft

Spritzenpumpe mit eingelegter 50-ml-Spritze; das Display zeigt einen Medikamentennamen mit Konzentration in mg/ml, darunter eine Angabe in mg/h und eine Angabe in ml/h; rechts oben ist das Display vergrößert eingeblendet.

Abbildung: Display einer Spritzenpumpe während einer laufenden Medikamentengabe; die Vergrößerung rechts oben stammt aus dem Originalfoto. Quelle: Stefan Bellini, CC0 1.0, verkleinert.

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Freie Antwort

Mehrere Störungen nach Ernährungsbeginn

Aufgabe

Ein 52-jähriger Mann hatte zwei Wochen lang kaum gegessen. Am zweiten Tag nach deutlicher Ernährungssteigerung treten Ödeme und Muskelschwäche auf. Phosphat fällt von 0,85 auf 0,24 mmol/l, Kalium von 3,7 auf 2,8 mmol/l, Magnesium beträgt 0,44 mmol/l. Die Urinmenge nimmt ab. Stelle den Befund vor und begründe Akutplan, Ursachenbehandlung und Kontrollen.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Patient52-jähriger Mann
VorgeschichteZwei Wochen kaum gegessen
ZeitpunktZweiter Tag nach deutlicher Ernährungssteigerung
BeschwerdenÖdeme und Muskelschwäche
Phosphat0,85 → 0,24 mmol/l
Kalium3,7 → 2,8 mmol/l
Magnesium0,44 mmol/l
UrinmengeNimmt ab

Unterschenkel und Fuß einer liegenden Person; die Haut ist gespannt und glänzend, der Unterschenkel deutlich geschwollen, die Knöchelkontur verstrichen.

Abbildung: Ausgeprägte Schwellung von Unterschenkel und Fuß (Bild aus einem anderen klinischen Zusammenhang). Quelle: Wang K-F, Pan H-M, Lou H-Z, Shen L-R, Zhu X-Y. BMC Cancer 2011;11:204, doi:10.1186/1471-2407-11-204, CC BY 2.0, nach WebP umgewandelt.

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Freie Antwort

Ein kurzer Bericht mit bedingter Prognose

Aufgabe

Eine 74-jährige Patientin wird wegen Verwirrtheit und Durst aufgenommen. Gesamt-Kalzium 3,6 mmol/l, Albumin 40 g/l, Kreatinin gegenüber der Vorwoche deutlich erhöht, PTH supprimiert. Ein Malignom ist nicht bekannt. Bisher wurde nur ein EKG geschrieben; die Behandlung wird geplant. Schreibe einen kurzen Bericht: Befund → Verdachtsursachen → Plan → bedingte Prognose.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Patientin74 Jahre
BeschwerdenVerwirrtheit und Durst
Gesamt-Kalzium3,6 mmol/l
Albumin40 g/l
KreatininDeutlich höher als in der Vorwoche
PTHSupprimiert
MalignomNicht bekannt
Bisher erfolgtNur EKG; Behandlung wird geplant
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Wiederholung und Transfer

Lernziel: Du kannst die gelernten Zusammenhänge in neuen Situationen anwenden.

Freie Antwort

Die folgenden Aufgaben greifen bereits erklärte Zusammenhänge auf. Bearbeite sie ohne Blick auf die jeweilige Lösung. Sie bilden einen zusätzlichen Übungspool; daraus folgt kein automatischer Wiederholungszeitplan.

Ein Blutwert nach Insulin

Aufgabe

Kalium sinkt nach Insulingabe von 5,2 auf 3,6 mmol/l. Die Person hat vorher viel Urin verloren. Welche zwei Aussagen über den Gesamtbestand bleiben möglich, und welche Messung ist für die weitere Sicherheit nötig?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Kalium vor Insulin5,2 mmol/l
Kalium nach Insulin3,6 mmol/l
Vorheriger VerlaufViel Urin verloren
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Freie Antwort

Eine kleine Einheit mit großer Bedeutung

Aufgabe

Ein Infusionsplan nennt 10 mmol/h. Eine Kollegin liest daraus 10 mmol/l. Erkläre den Unterschied anhand einer Infusion mit 40 mmol/l bei 250 ml/h.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Angabe im Infusionsplan10 mmol/h
Lesart der Kollegin10 mmol/l
Konzentration im Beispiel40 mmol/l
Pumpenrate im Beispiel250 ml/h

Ein Finger bedient die Tasten einer Infusionspumpe; das Display zeigt untereinander Zeilen für Konzentration in mg/100 ml, Dosis in mg/h und Rate in ml/h.

Abbildung: Eingabemaske einer Infusionspumpe mit getrennten Feldern für Konzentration, Dosis und Rate. Quelle: Navy Medicine (U.S. Navy), gemeinfrei (Werk der US-Bundesregierung),.jpg; verkleinert.

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Multiple Choice

Nach scheinbar erfolgreicher Senkung

Aufgabe

Nach Insulin-Glukose ist Kalium normal, der Patient bleibt anurisch. Welche Aussage ist richtig?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Bisherige MaßnahmeInsulin-Glukose
Kalium danachNormal
AusscheidungWeiterhin anurisch
  1. a)Die normale Konzentration beweist, dass genügend Kalium entfernt wurde.
  2. b)Insulin kann beendet und jede Glukosekontrolle sofort gestrichen werden.
  3. c)Rebound und Hypoglykämie bleiben zu beachten; definitive Entfernung muss gesichert sein.
Lösung in der App →

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Albumin verändert die Geschichte

Aufgabe

Gesamt-Kalzium ist niedrig, ionisiertes Kalzium bei zuverlässig gewonnener Probe normal. Die Patientin hat eine ausgeprägte Hypoalbuminämie und keine passenden Beschwerden. Erkläre, warum eine automatische i.v.-Kalziumgabe nicht aus diesem Gesamtwert folgt.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Gesamt-KalziumNiedrig
Ionisiertes KalziumNormal
ProbeZuverlässig gewonnen
AlbuminAusgeprägte Hypoalbuminämie
BeschwerdenKeine passenden Beschwerden
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Freie Antwort

Zwei Mängel, eine Verbindung

Aufgabe

Kalium und Kalzium lassen sich trotz erster Ersatzgaben schlecht stabilisieren. Welcher zusätzliche Elektrolyt ist besonders wichtig, und welche zwei Mechanismen erklären das?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Betroffene WerteKalium und Kalzium
Bisherige BehandlungErste Ersatzgaben
VerlaufBeide Werte lassen sich schlecht stabilisieren
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Freie Antwort

Phosphat bei CKD

Aufgabe

Bei CKD ist Phosphat bei mehreren Messungen erhöht. Weshalb reicht ein isolierter Blick auf den heutigen Phosphatwert für die Langzeitentscheidung nicht?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
ErkrankungCKD
PhosphatBei mehreren Messungen erhöht
EntscheidungLangzeitentscheidung
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Freie Antwort

Eine zusätzliche Energiequelle

Aufgabe

Ein unterernährter Patient erhält bereits glukosehaltige Infusionen, bevor die Sondennahrung beginnt. Warum ist das für den Refeeding-Plan relevant?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
ErnährungszustandUnterernährt
Bereits verabreichtGlukosehaltige Infusionen
SondennahrungBeginnt erst danach

Eine Pflegekraft in dunkelblauer Dienstkleidung hält eine große Spritze, die mit dem Ende einer blauen Sonde verbunden ist.

Abbildung: Gabe über eine Magensonde mit einer Spritze in einer Übungssituation. Quelle: British Columbia Institute of Technology (BCIT), Clinical Procedures for Safer Patient Care, CC BY 4.0, verkleinert.

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Freie Antwort

Eine schwere Nebenwirkung erkennen

Aufgabe

Nach Magnesiumgabe entwickeln sich bei einem Patienten mit AKI Hypotonie und abgeschwächte Reflexe. Begründe deine sofortige Reaktion.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
NierenkontextAKI
Vorausgegangene MaßnahmeMagnesiumgabe
KreislaufbefundHypotonie
ReflexbefundAbgeschwächte Reflexe

Historische Strichzeichnung: Ein Untersucher beklopft mit einem Reflexhammer die Sehne unterhalb der Kniescheibe einer sitzenden Person, deren Unterschenkel frei hängt.

Abbildung: Prüfung des Patellarsehnenreflexes, historische Lehrabbildung. Quelle: Wellcome Collection, CC BY 4.0, Bildunterschrift entfernt.

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EKG-Übungspool

Lernziel: Du kannst reale Repolarisationsbefunde beschreiben und Messgrenzen erklären.

So bearbeitest du den Pool

Die fünf Aufgaben ergänzen das erklärte EKG aus E04-U02-S05. Zuerst kommen drei QT-/Repolarisationsfälle, danach zwei ST/T-Fälle mit Messgrenzen. Für jede Kurve formulierst du zunächst den kurzen vollständigen Befund nach derselben Reihenfolge. Anschließend beantwortest du die konkrete Frage. Die Lösung enthält gerundete visuelle Näherungen; wenige Millisekunden Abweichung sind bei einem unscharfen T-Ende kein sinnvolles Bestehensmerkmal.

Die Bilder zeigen zwölf Ableitungen bei 25 mm/s und 10 mm/mV. Die vier Spalten enthalten aufeinanderfolgende Zeitabschnitte von je 2,5 Sekunden; die untere Ableitung II läuft über zehn Sekunden. Komplexe in verschiedenen Spalten sind deshalb nicht derselbe Herzschlag. Für QT und RR wählst du passende, gut erkennbare Schläge; ein zufällig herausgegriffener kurzer oder langer RR-Abstand verfälscht die Einordnung.

Aufbau des Zwölfkanal-Bildes bei 25 mm/s und 10 mm/mV: vier Spalten zeigen nacheinander je 2,5 Sekunden, links I, II, III, dann aVR, aVL, aVF, dann V1 bis V3 und rechts V4 bis V6. Darunter läuft Ableitung II als Rhythmusstreifen über zehn Sekunden. Komplexe verschiedener Spalten sind nicht derselbe Herzschlag; am Rhythmusstreifen werden Rhythmus und RR-Abstände verglichen und ein typischer Schlag gewählt. Ein Millimeter entspricht 40 ms, fünf Millimeter 200 ms, zehn Millimeter 1 mV.

Abbildung: Die Spalten laufen zeitlich nacheinander; nur der untere Streifen zeigt alle zehn Sekunden derselben Ableitung. Quelle: eigene Darstellung.

Zur Fridericia-Formel kommt hier ein Vergleich hinzu: QTcB nach Bazett = QT/√RR, ebenfalls in Sekunden. √RR ist die Quadratwurzel. Bei QT 0,36 s und RR 0,64 s ergibt sich 0,36/0,80 = 0,45 s. Bei Tachykardie korrigiert Bazett häufig stärker nach oben als Fridericia. Deshalb nennst du die Formel und prüfst die Kurve, statt einen Maschinenwert ungeprüft zu übernehmen.

Dieselbe gemessene QT von 0,36 s ergibt je nach Frequenz und Formel unterschiedliche QTc-Werte (gerundet):

Frequenz (RR)QTcB (Bazett)QTcF (Fridericia)
50/min (1,20 s)329 ms339 ms
60/min (1,00 s)360 ms360 ms
80/min (0,75 s)416 ms396 ms
94/min (0,64 s)450 ms418 ms
120/min (0,50 s)509 ms454 ms

Nach Kalibrierung 25 mm/s und 10 mm/mV wird der Zeitbezug geklärt: vier Spalten zu je 2,5 Sekunden, Ableitung II unten durchgehend zehn Sekunden, andere Spalte bedeutet anderer Herzschlag. Dann werden Schläge mit gut erkennbarem T-Ende und typischem RR gewählt. Nebeneinander: Bazett QT durch Wurzel RR, 0,36 durch 0,80 gleich 0,45 s, bei Tachykardie höher; Fridericia QT durch dritte Wurzel RR, 0,36 durch 0,86 etwa 0,42 s, weniger frequenzabhängig. Ergebnis: QT, RR und Formel nennen, unscharfes T-Ende als Grenze prüfen, Maschinenwert nicht ungeprüft übernehmen.

Abbildung: Dieselbe gemessene QT ergibt je nach Formel einen anderen QTc-Wert; deshalb gehört die Formel in den Befund. Quelle: eigene Darstellung.

Fehlen konstante P-Wellen bei völlig unregelmäßigen RR-Abständen, passt das zu Vorhofflimmern; ein PQ-Intervall lässt sich dann nicht zuverlässig bestimmen. In solchen Ausschnitten ist die QT-Beurteilung aufwendiger und braucht mehrere geeignete Schläge sowie erfahrene Beurteilung. Eine driftende Grundlinie oder sehr flache T-Wellen können eine verlässliche Messung zusätzlich verhindern. Das Benennen dieser Grenze ist eine richtige Befundentscheidung.

Für keinen der sechs hier verwendeten realen Datensätze liegen verifizierte K-/Ca-/Mg-Laborwerte vor. Du sollst daher weder eine Elektrolytursache noch eine Digitalisintoxikation aus dem Bild allein behaupten. Die Therapieentscheidungen der vorangegangenen Einheiten beruhen auf Klinik, Labor und Verlauf zusammen.

Drei Prüfpunkte zur Messbarkeit: Rhythmus ohne konstante P-Wellen mit völlig unregelmäßigem RR passt zu Vorhofflimmern, PQ ist nicht bestimmbar; eine deutlich driftende Grundlinie verschiebt ST und T-Ende, diese Ableitung wird nicht ausgemessen; eine sehr flache T-Welle macht das T-Ende unsicher, ein Einzelwert reicht nicht. QT wird dann an mehreren geeigneten Schlägen mit nachvollziehbarer Methode und erfahrener Beurteilung eingeschätzt. Getrennt davon: ohne verifizierte K-, Ca- und Mg-Werte keine Elektrolytursache und keine Digitalisintoxikation aus dem Bild. Ergebnis: Messgrenze benennen ist eine richtige Befundentscheidung; Therapie aus Klinik, Labor und Verlauf.

Abbildung: Eine Messgrenze und eine unbelegte Ursachenzuordnung werden ausdrücklich getrennt benannt. Quelle: eigene Darstellung.

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Eine Formel verändert den Zahlenwert

Aufgabe

Befunde die Kurve zuerst systematisch. Vergleiche dann für einen gerundeten Messpunkt QT 0,37 s und RR 0,57 s die Formeln: √0,57 ≈ 0,755; ∛0,57 ≈ 0,829. Welche QTc-Werte entstehen? Welche Aussage zur Sicherheit und Ursache wäre zu weitgehend?

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
QT, vorgegebener Rechenwert0,37 s
RR, vorgegebener Rechenwert0,57 s
Quadratwurzel√0,57 ≈ 0,755
Dritte Wurzel∛0,57 ≈ 0,829

Reales Zwölfkanal-EKG mit zehnsekündigem Rhythmusstreifen II; für den Formelvergleich sind QT 0,37 s und RR 0,57 s als gerundete Rechenwerte vorgegeben.

Quelle: PTB-XL 1.0.3, Datensatz 5994, Wagner et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet. Auswahlhilfe: PTB-XL+ 1.0.1, maschinelle GE-12SL-Angabe.

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QT und Frequenz gemeinsam beurteilen

Aufgabe

Formuliere den vollständigen Kurzbefund. Suche ein gut erkennbares T-Ende in V4 oder V5. Passt die lange Repolarisation ausschließlich zu einer langsamen Frequenz? Nenne drei klinische Informationen, die du zur Einordnung zusätzlich brauchst.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
AufzeichnungZwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II
Kalibrierung25 mm/s und 10 mm/mV
Genannter MessbereichV4 oder V5

Reales Zwölfkanal-EKG mit den Brustwandableitungen V1 bis V6 und einem langen Rhythmusstreifen II; die Messung soll an gut abgrenzbaren Komplexen erfolgen.

Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021, Version 1.0.3, Chapman-Shaoxing, Datensatz JS03961; Reyna et al. und Zheng et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

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Auch eine negative T-Welle hat ein Ende

Aufgabe

Befunde das EKG. Woran orientierst du das QT-Ende in V4/V5? Formuliere anschließend eine kurze ärztliche Übergabe, die den auffälligen Befund, eine erforderliche Risikoprüfung und die Grenze der Ursachenzuordnung enthält.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
AufzeichnungZwölfkanal-EKG mit Rhythmusstreifen II
Kalibrierung25 mm/s und 10 mm/mV
Genannter MessbereichV4/V5

Reales Zwölfkanal-EKG mit Brustwandableitungen V1 bis V6 und langem Rhythmusstreifen II.

Quelle: PhysioNet/CinC Challenge 2021, Version 1.0.3, Chapman-Shaoxing, Datensatz JS04862; Reyna et al. und Zheng et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

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Ein Muster ist kein Medikamentenspiegel

Aufgabe

Befunde die Kurve einschließlich ihrer technischen Grenzen. In der Datenbank wurde sie unter „Digitaliswirkung“ gefunden. Eine Kollegin schließt daraus: „Damit ist eine Digitalisintoxikation bewiesen; Kalium brauchen wir nicht zu messen.“ Formuliere eine fachliche Korrektur und deinen nächsten Abklärungsschritt.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
AufzeichnungZwölfkanal-EKG
Suchetikett in der Datenbank„Digitaliswirkung“
Zu prüfende Aussage„Damit ist eine Digitalisintoxikation bewiesen; Kalium brauchen wir nicht zu messen.“

Reales Zwölfkanal-EKG mit sichtbaren Störanteilen vor allem in den Extremitätenableitungen und im Rhythmusstreifen II; die Brustwandableitungen sind vergleichend zu prüfen.

Quelle: PTB-XL 1.0.3, Datensatz 19926, Wagner et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet.

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Die richtige Grenze einer Messung

Aufgabe

Befunde Rhythmus, Frequenz, Achse, PQ/QRS und ST/T. Beurteile besonders den langen II-Streifen und die Grundlinie in V4. Weshalb wäre „QTc 487 ms“ aus einem einzigen zufällig gewählten Schlag hier eine unzureichende Zusammenfassung? Beschreibe, wie du zu einem besseren Befund kommst.

Die Tabelle fasst die vorgegebenen Angaben zusammen.

AngabeVorgabe
Genannte BildbereicheLanger II-Streifen und Grundlinie in V4
Diskussionswert„QTc 487 ms“
Auswahl des SchlagsEin einziger zufällig gewählter Schlag

Reales Zwölfkanal-EKG mit langem Rhythmusstreifen II; die Grundlinie in V4 verändert sich im Verlauf deutlich.

Quelle: PTB-XL 1.0.3, Datensatz 16487, Wagner et al., CC BY 4.0. Unveränderte Kurvenwerte, von medeKI neu gezeichnet. Die Zahl in der Frage ist ein fiktiver Diskussionswert, kein gemessener Datensatzwert.

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Messwert und KörperbestandWas wird eigentlich gemessen?Drei verschiedene VeränderungenDie Niere verbindet Bestand und AusscheidungDen Mechanismus vervollständigenGleicher Wert, andere LagePlausibilität prüfen, eine Gefahr nicht verzögernPlausibel handelnElektrolyte und EKGWarum die Verteilung elektrisch wichtig istDie nötigen EKG-BegriffeMuster erkennen, Grenzen behaltenQT verlängert: Risiko einschätzenEine echte Kurve systematisch lesenMessen und deutenEine gefährliche Entwarnung vermeidenHypokaliämie behandelnUrsachen und Folgen verbindenDie Ursache strukturiert eingrenzenKalium sicher ersetzenDosis, Konzentration und GeschwindigkeitDie Pumpe einstellenNach der Gabe weiterdenkenWarum reicht Kalium allein nicht?Eine riskante Verordnung erkennenHyperkaliämie beherrschenUrsache und DringlichkeitDrei Behandlungsziele gleichzeitig planenKalzium bei elektrischer GefährdungInsulin und Glukose: zwei Risiken im BlickEntfernung und WiederanstiegWas tut welches Medikament?Glukosemenge prüfenDer Rückfall nach vier StundenKalzium richtig messenAktiver Anteil und SpeicherWarum der pH dazugehörtPTH, Vitamin D und NiereWelcher Wert beantwortet die Frage?Eine Diskrepanz erklärenHypokalzämie behandelnUrsachen und WarnzeichenMessen und die Ursache findenAkuttherapie und WeiterbehandlungDie passende AkutreaktionDauerhaft erklären statt nur korrigierenHyperkalzämie einordnenDer klinische ZusammenhangPTH lenkt die weitere SucheVolumen und Ursache behandelnDie PTH-Antwort prüfenEinen Plan individualisierenMagnesium mitdenkenEin kleiner Serumanteil mit großer WirkungSubstitution nach SituationQT-assoziierte RhythmusnotfälleMagnesium in der RechnungZu viel MagnesiumDas frei verkäufliche MittelPhosphat und EnergieWofür Phosphat gebraucht wirdZu wenig PhosphatPhosphat kontrolliert ersetzenWarum wird die Atmung schwach?Zu viel PhosphatDie zweite Last mitrechnenChronisch oder akut?Arzneimittel und RefeedingDie Medikamentenliste als BefundDie neue KombinationWie Refeeding entstehtDas Risiko vor der ersten Mahlzeit einschätzenKontrollen gehören zur ErnährungDen Ernährungsstart planenNormal am AnfangGemeinsam entscheidenVom Laborwert zum kurzen PlanEine Übergabe vervollständigenDem Patienten erklären, was als Nächstes geschiehtDie Erklärung anpassenEine Infusion sicher übergebenDen fehlenden Teil erkennenMehrere Störungen nach ErnährungsbeginnEin kurzer Bericht mit bedingter PrognoseWiederholung und TransferEin Blutwert nach InsulinEine kleine Einheit mit großer BedeutungNach scheinbar erfolgreicher SenkungAlbumin verändert die GeschichteZwei Mängel, eine VerbindungPhosphat bei CKDEine zusätzliche EnergiequelleEine schwere Nebenwirkung erkennenEKG-ÜbungspoolSo bearbeitest du den PoolEine Formel verändert den ZahlenwertQT und Frequenz gemeinsam beurteilenAuch eine negative T-Welle hat ein EndeEin Muster ist kein MedikamentenspiegelDie richtige Grenze einer Messung

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