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Lernpfade

Herz und Kreislauf verstehen

Lernziel: Du kannst Herzmechanik, Kreislaufbefunde und Untersuchung verknüpfen.

Blutweg und Koronaren

Lernziel: Du kannst Blutweg, Klappen und Koronarversorgung zuordnen.

Wie entsteht das, was du am Krankenbett hörst, tastest und misst? Wir verfolgen zuerst den Blutweg und die elektrische Aktivierung. Danach verbinden wir Pumpfunktion und Blutdruck mit Herzgeräuschen, Stauung und Durchblutung. Zum Schluss formulierst du einen Befund und beurteilst, was eine Echokardiografie klären kann.

Dein Weg: Blutweg und Koronaren → Erregungsleitung → Pumpfunktion → Druckregulation → Herzzyklus und Geräusche → periphere Befunde → Untersuchung → Echo → klinische Zusammenschau → EKG-Übungspool.

EinheitLeitfrageAm Krankenbett
U01 Blutweg und KoronarenWie fließt das Blut, und wer versorgt den Herzmuskel?Rückstau und Versorgungsgebiete zuordnen
U02 Erregung und KontraktionWie wird das Herz geordnet aktiviert?Das EKG als elektrisches Signal lesen
U03 Pumpfunktion und LastWas bestimmt das Schlagvolumen?Vorlast, Nachlast und Kontraktilität unterscheiden
U04 Druck und RegulationWie wird der Blutdruck gehalten?Orthostase erklären
U05 Herzzyklus und GeräuscheWann öffnen und schließen die Klappen?Töne und Geräusche zeitlich einordnen
U06 Stauung und PerfusionStaut sich Blut, und erreicht es die Organe?Puls, Halsvenen, Ödeme und Perfusion beurteilen
U07 Strukturiert untersuchenIn welcher Reihenfolge untersuchst du?Blutdruck, Herz und Gefäße untersuchen
U08 Echo und HämodynamikWelche Frage beantwortet das Echo?Echoaussagen richtig begrenzen
U09 Befunde zusammenführenWas folgt aus den Befunden?Einen Befund formulieren
U10 EKG: Erregung und FrequenzWas zeigt die Aufnahme elektrisch?Elektrische und mechanische Aussage trennen

Lernweg dieses Kapitels: Jede Einheit beantwortet eine Leitfrage und übt eine Tätigkeit am Krankenbett.

Alle Fälle sind erfundene Lehrfälle. Messwerte dienen jeweils der angegebenen Aufgabe. Bei akuter Instabilität hat die Versorgung Vorrang vor einer vollständigen Routineuntersuchung.

Zwei Pumpen in einem Kreislauf

Das rechte Herz nimmt venöses Blut aus dem Körper auf und pumpt es durch die Lunge. Das linke Herz erhält das dort oxygenierte Blut und pumpt es in den Körper. Beide Pumpen sind hintereinandergeschaltet. Im zeitlichen Mittel fördern sie deshalb dieselbe Blutmenge; ein dauerhaftes Missverhältnis würde Blut in einem Abschnitt aufstauen. Der linke Ventrikel muss dabei einen höheren Druck als der rechte aufbauen. In Ruhe fördert jede Kammer etwa 5 l/min; systolisch erreicht der linke Ventrikel etwa 120 mmHg, der rechte nur etwa 25 mmHg. Schon 1 ml Unterschied pro Schlag würde bei 70 Schlägen pro Minute etwa 4 l Blut pro Stunde verschieben; stärkere Füllung führt deshalb zu stärkerem Auswurf (Frank-Starling-Mechanismus, ausführlich in U03).

Kreislauf als Schleife aus nummerierten Kästen: oben die Körperkapillaren, in denen die Sättigung von über 95 auf etwa 75 Prozent fällt; links abwärts in Blau 1 Hohlvenen, 2 rechter Vorhof, über die Trikuspidalklappe 3 rechter Ventrikel mit systolisch etwa 25 mmHg, über die Pulmonalklappe 4 Pulmonalarterie mit Sättigung etwa 75 Prozent und Mitteldruck höchstens 20 mmHg; unten 5 Lungenkapillaren mit Anstieg der Sättigung auf über 95 Prozent; rechts aufwärts in Rot 6 Pulmonalvenen, 7 linker Vorhof, über die Mitralklappe 8 linker Ventrikel mit systolisch etwa 120 und enddiastolisch 6 bis 12 mmHg, über die Aortenklappe 9 Aorta mit etwa 120/80 mmHg und Abgang der Koronarien. Ergebniszeile: rechts etwa 25 mmHg Niederdruck, beide Kammern etwa 5 l/min, links etwa 120 mmHg Hochdruck.

Abbildung 1: Verfolge die Pfeile von 1 bis 9 einmal vollständig. Blau markiert sauerstoffarmes, Rot sauerstoffreiches Blut; die gelben Schilder zeigen die vier Klappen. Druck- und Sättigungswerte sind gerundete Ruhewerte eines gesunden Erwachsenen.

Quelle: eigene Darstellung.

Flussdiagramm: Kopf „Zwei Pumpen in Serie“. 1 Normal fördern beide gleich viel, je etwa 70 ml pro Schlag mal 70 pro Minute, also etwa 5 l/min; mehr Füllung führt zu mehr Auswurf. 2 Schon 1 ml pro Schlag mehr rechts als links ergibt 70 ml pro Minute oder etwa 4 l pro Stunde, die in die Lunge verschoben würden. 3 Bei dauerhaftem Missverhältnis drei Äste: links fördert weniger, etwa bei LV-Schwäche, mit Stau zurück in die Lunge, Atemnot und Rasselgeräuschen; gleich viel ohne Stau; rechts fördert weniger, etwa bei RV-Schwäche, mit Stau in die Körpervenen, gestauten Halsvenen und Ödemen. Ergebniszeile: Lungenstauung, kein Stau, Venenstauung.

Abbildung: Folge zuerst der Rechnung in Kasten 2 und dann den drei Ästen. Wo das Blut sich staut, hängt davon ab, welche Pumpe weniger fördert: Der Stau liegt immer vor der schwächeren Seite.

Quelle: eigene Darstellung.

Ein Vorhof nimmt Blut auf und unterstützt die Kammerfüllung. Ein Ventrikel ist die auswerfende Herzkammer. Eine Arterie führt vom Herzen weg, eine Vene zum Herzen hin: Die Bezeichnung sagt nichts über den Sauerstoffgehalt aus. Die Pulmonalarterie führt vergleichsweise sauerstoffarmes, die Pulmonalvene sauerstoffreiches Blut. In der Pulmonalarterie ist das Blut zu etwa 75 % mit Sauerstoff gesättigt, in den Pulmonalvenen zu über 95 %. Der mittlere Pulmonalarteriendruck liegt normal bei höchstens 20 mmHg; ein höherer Mitteldruck in Ruhe definiert eine pulmonale Hypertonie.

Die Gefäßbezeichnung folgt der Flussrichtung; der Sauerstoffgehalt ist davon zu unterscheiden.

GefäßRichtungBeispiel aus der Lunge
ArterieVom Herzen wegPulmonalarterie: vergleichsweise sauerstoffarm
VeneZum Herzen hinPulmonalvene: sauerstoffreich
AbschnittAufgabe
Rechter Vorhof → rechter VentrikelVenöses Blut aufnehmen und weitergeben
Rechter Ventrikel → LungeBlut durch die Lungengefäße fördern
Linker Vorhof → linker VentrikelOxygeniertes Blut aufnehmen und weitergeben
Linker Ventrikel → KörperOrgane unter ausreichendem Druck versorgen

Klappen als Druckventile

Zwischen Vorhof und Kammer liegen die Segelklappen: rechts die Trikuspidal-, links die Mitralklappe. An den Kammerausgängen liegen die Taschenklappen: rechts die Pulmonal-, links die Aortenklappe. Klappen öffnen und schließen durch Druckunterschiede. Eine Segelklappe öffnet, wenn der Vorhofdruck den Kammerdruck übersteigt; die Aortenklappe öffnet erst, wenn der linke Ventrikel den diastolischen Aortendruck von etwa 75–80 mmHg überschreitet. Geöffnet misst die Aortenklappe normal etwa 3–4 cm², die Mitralklappe etwa 4–5 cm². Papillarmuskeln und Sehnenfäden ziehen die Segelklappen nicht auf; sie verhindern deren Umschlagen während der Kammerkontraktion.

Längsschnitt-Illustration des Herzens von vorn mit deutscher Beschriftung: rechter Vorhof, rechter Ventrikel mit Trikuspidal- und Pulmonalklappe, linker Ventrikel mit Aorten- und Mitralklappe, Sehnenfäden, Papillarmuskel und Lungenvenen.

Abbildung 2: Rechtes Herz blau, linkes Herz rot beschriftet. Suche zuerst die beiden Segelklappen zwischen Vorhof und Kammer, dann die beiden Taschenklappen an den Kammerausgängen. Im linken Ventrikel siehst du Sehnenfäden und Papillarmuskel der Mitralklappe; auch die Trikuspidalklappe besitzt solche Haltestrukturen, sie sind in dieser Darstellung nicht eingezeichnet. Medizinische Illustration, keine Patientenaufnahme.

Quelle: Patrick J. Lynch, medical illustrator; C. Carl Jaffe, MD, cardiologist (Yale University), Wikimedia Commons, „Heart anterior normal anatomy.jpg“, CC BY 2.5; Ausschnitt, deutsche Beschriftung ergänzt.

Formalinfixiertes menschliches Herz mit eröffnetem linkem Ventrikel und deutscher Beschriftung: oben Klappenring und Mitralsegel, darunter zahlreiche Sehnenfäden, unten vorderer und hinterer Papillarmuskel mit mehreren Muskelköpfen.

Abbildung: Präparat der Mitralklappe eines menschlichen Herzens; linker Vorhof und linker Ventrikel sind am linken Rand eröffnet und aufgeklappt. Verfolge die Sehnenfäden vom Segel nach unten bis zu den Köpfen des vorderen und hinteren Papillarmuskels. Diese Haltestrukturen verhindern, dass die Segel in der Kammerkontraktion in den Vorhof umschlagen; sie öffnen die Klappe nicht. Die blaue Linie stammt aus der Originalarbeit und markiert die Länge eines Sehnenfadens. Anatomisches Präparat, keine Patientenaufnahme.

Quelle: Barry M, Gun M, Hun-Chabry Y, Harmouche M, Peltier J, Caus T, Havet E. Journal of Cardiothoracic Surgery 2023;18:141, Abb. 4, doi:10.1186/s13019-023-02232-2, CC BY 4.0; englische Beschriftung durch deutsche ersetzt, vergrößert.

Zwei Spalten unter dem Kopf „Vier Klappen – zwei Bauarten“. Links Segelklappen zwischen Vorhof und Kammer: Bau rechts Trikuspidalklappe mit 3 Segeln, links Mitralklappe mit 2 Segeln, mit Sehnenfäden und Papillarmuskeln; öffnet, wenn Vorhofdruck größer als Kammerdruck, in der Diastole, Mitralklappe etwa 4–5 cm²; schließt zu Beginn der Systole, der Schluss gehört zum 1. Herzton. Rechts Taschenklappen am Kammerausgang: rechts Pulmonal-, links Aortenklappe mit je 3 Taschen, ohne Sehnenfäden; öffnet, wenn Kammerdruck größer als Arteriendruck, der linke Ventrikel muss etwa 75–80 mmHg übersteigen, Aortenklappe etwa 3–4 cm²; schließt am Ende der Systole, der Schluss gehört zum 2. Herzton. Unten: Störung der Öffnung ist eine Stenose, Störung des Schlusses eine Insuffizienz.

Abbildung: Lies beide Spalten von oben nach unten und vergleiche Zeile für Zeile. Jede Klappe öffnet nur, wenn der Druck stromaufwärts höher ist als stromabwärts; Haltestrukturen besitzen nur die Segelklappen.

Quelle: eigene Darstellung.

Stenose bedeutet eine verengte Öffnung: Für denselben Vorwärtsfluss wird ein größerer Druckunterschied benötigt. Insuffizienz bedeutet unvollständigen Schluss: Ein Teil des Blutes fließt rückwärts. Beides kann Geräusche erzeugen und die Belastung der Kammern verändern. Eine Stenose belastet die vorgeschaltete Kammer vor allem mit Druck, eine Insuffizienz mit zusätzlichem Pendelvolumen. Nach der ESC/EACTS-Leitlinie 2025 sprechen an der Aortenklappe eine Öffnungsfläche ≤ 1,0 cm² zusammen mit einem mittleren Gradienten ≥ 40 mmHg beziehungsweise einer Spitzengeschwindigkeit ≥ 4,0 m/s für eine hochgradige Stenose. Eine schwere primäre Mitralinsuffizienz zeigt unter anderem eine effektive Rückflussöffnung (EROA) ≥ 40 mm² und ein Rückflussvolumen ≥ 60 ml.

Drei Zeilen untereinander, jeweils links Stichpunkte und rechts ein Gefäßabschnitt mit Klappe. Normale Klappe in Grün: weit offen, kaum Druckunterschied, Aortenklappe etwa 3–4 cm², Mitralklappe etwa 4–5 cm²; drei gleich lange Flusspfeile. Stenose in Orange: Öffnung zu eng, Druck davor steigt, Druckbelastung der Kammer davor; hochgradige Aortenstenose bei höchstens 1,0 cm² und mindestens 40 mmHg beziehungsweise 4,0 m/s; Flusspfeile stauen sich vor der dicken, engen Klappe, dahinter ein schneller Strahl mit Wirbeln. Insuffizienz in Rot: Schluss undicht, Rückfluss, Volumenbelastung durch Pendelblut; schwere primäre Mitralinsuffizienz bei EROA mindestens 40 mm² und Rückflussvolumen mindestens 60 ml; grauer gestrichelter Vorwärtspfeil und roter Rückflusspfeil durch die nicht dicht schließende Klappe. Unten: Schweregrad im Echo messen, bei Stenose Gradient und Öffnungsfläche, bei Insuffizienz Rückflussvolumen und Rückflussöffnung.

Abbildung 3: Lies jede Zeile von links nach rechts in normaler Flussrichtung. Bei der Stenose behindert die Engstelle den Vorwärtsfluss; bei der Insuffizienz fließt Blut in der Phase zurück, in der die Klappe geschlossen sein sollte. Die Grenzwerte sind Beispiele für einen hochgradigen Befund; die Schwere ergibt sich immer aus mehreren Messgrößen zusammen.

Quelle: eigene Darstellung.

KlappeVorwärtsfluss bei geöffneter Klappe
TrikuspidalklappeRechter Vorhof → rechter Ventrikel
PulmonalklappeRechter Ventrikel → Pulmonalarterie
MitralklappeLinker Vorhof → linker Ventrikel
AortenklappeLinker Ventrikel → Aorta

Ausgearbeitetes Beispiel: Ist die Mitralklappe in der Kammerkontraktion undicht, kann Blut aus dem linken Ventrikel in den linken Vorhof zurückfließen. Damit ist die Richtung des Lecks erklärt. Wie stark der Druck im Vorhof steigt, hängt unter anderem von der Leckmenge und der Dehnbarkeit des Vorhofs ab.

Der Herzmuskel braucht eine eigene Versorgung

Blut in der Herzhöhle versorgt den dicken Herzmuskel nicht ausreichend durch einfache Diffusion. Die Koronararterien entspringen an der Aortenwurzel. Die linke Hauptarterie (LCA) teilt sich meist in den Ramus interventricularis anterior (RIVA, international LAD) und den Ramus circumflexus (RCX). Die rechte Koronararterie heißt RCA.

Der RIVA versorgt typischerweise Vorderwand und vordere Septumanteile, die RCX laterale Anteile. Die RCA versorgt unter anderem das rechte Herz und bei Rechtsdominanz inferiore Anteile. Diese Gebiete variieren und überlappen. Die Koronardominanz beschreibt, aus welcher Arterie der hintere interventrikuläre Ast stammt; sie beschreibt nicht die größere Muskelmasse einer Herzhälfte. Bei etwa 70–80 % stammt dieser Ast aus der RCA (Rechtsdominanz), bei etwa 5–10 % aus der RCX (Linksdominanz), sonst aus beiden (Kodominanz); die dominante Arterie versorgt dann Hinterwand und hinteres Septumdrittel. Auch die Versorgung von Sinus- und AV-Knoten ist variabel. Der Sinusknotenast entspringt meist der RCA (etwa 55–70 %), sonst meist der RCX; der AV-Knotenast stammt meist aus dem dominanten Gefäß. Ein Gefäßverschluss ist daher keine zuverlässige Vorhersage einer bestimmten Erregungsleitungsstörung.

Gefäßbaum aus der Aortenwurzel. Links in Blau die LCA als kurzer Hauptstamm, der sich in RIVA und RCX teilt und dessen Verschluss lebensbedrohlich ist; darunter RIVA, international LAD, mit Vorderwand, Herzspitze, vorderen Septumanteilen sowie Diagonal- und Septalästen, und RCX mit Lateral- und Posterolateralwand, Marginalästen und bei Linksdominanz von etwa 5–10 Prozent auch der Hinterwand. Rechts in Grün die RCA in der rechten AV-Furche; sie versorgt typischerweise rechten Vorhof und Ventrikel, bei Rechtsdominanz von etwa 70–80 Prozent Hinterwand und hinteres Septumdrittel, gibt in etwa 55–70 Prozent den Sinusknotenast und meist den AV-Knotenast ab. Unten der Hinweis, dass die Gebiete variieren und überlappen, und eine Ergebniszeile: RIVA Vorderwand, Spitze und vorderes Septum; RCX Seitenwand und hinten-seitlich; RCA rechtes Herz, oft Hinterwand.

Abbildung 4: LCA und Äste blau, RCA grün; die Farben unterscheiden nur die Gefäßsysteme und bezeichnen keinen Sauerstoffgehalt. AV bezeichnet den Bezug zwischen Vorhof und Kammer. Die Prozentwerte zeigen, wie häufig eine Variante vorkommt; individuelle Verläufe und Versorgungsgebiete können abweichen.

Quelle: eigene Darstellung.

Flussdiagramm „Koronardominanz – woher stammt der hintere interventrikuläre Ast (RIVP)?“. 1 Was zählt: nur der Ursprung des RIVP, international PDA, nicht die größere Muskelmasse; Nachweis mit Koronarangiografie oder Koronar-CT. 2 Was folgt daraus: Die dominante Arterie versorgt Hinterwand und hinteres Septumdrittel, der AV-Knotenast stammt meist aus dem dominanten Gefäß. 3 Entscheidungsraute „RIVP stammt aus …?“ mit drei Ästen: aus der RCA Rechtsdominanz mit etwa 70–80 Prozent, in deutschen Lehrbüchern oft ausgeglichener Typ genannt; aus der RCX Linksdominanz mit etwa 5–10 Prozent und großem Versorgungsgebiet der LCA; aus beiden Kodominanz mit etwa 10–20 Prozent.

Abbildung: Entscheide zuerst, aus welchem Gefäß der RIVP kommt; erst daraus folgt die Dominanz. Bei Linksdominanz hängt ein größerer Teil des linken Ventrikels an der LCA.

Quelle: eigene Darstellung.

Deutsche Lehrbücher benennen die Versorgungstypen teils anders als internationale Befunde; die Tabelle ordnet die Begriffe einander zu.

Ursprung des RIVPInternationaler BefundDeutsche Lehrbuchbezeichnung
RCARechtsdominanz (≈ 70–80 %)meist „ausgeglichener Versorgungstyp“; reicht die RCA weiter nach links: „Rechtsversorgungstyp“
RCXLinksdominanz (≈ 5–10 %)„Linksversorgungstyp“
RCA und RCXKodominanz (≈ 10–20 %)keine einheitliche Entsprechung

Dreidimensionale CT-Darstellung eines Herzens von vorn mit deutscher Beschriftung: Aorta, rechte Koronararterie im rechten Vorhof-Kammer-Übergang, RIVA in der vorderen Furche zwischen rechtem und linkem Ventrikel bis zur Herzspitze.

Abbildung: Kardiale CT-Angiografie mit normaler Koronaranatomie, dreidimensional als Oberfläche dargestellt (Volumendarstellung), Blick von vorn. Verfolge den RIVA in der vorderen Furche zwischen rechtem und linkem Ventrikel bis zur Herzspitze; die RCA zieht aus der Aortenwurzel in der Furche zwischen rechtem Vorhof und rechtem Ventrikel abwärts; sie liegt im Bild links, weil das Herz von vorn betrachtet wird. Anders als die Katheterangiografie zeigt diese Rekonstruktion, auf welcher Herzoberfläche ein Gefäß liegt. Die RCX verläuft in der Furche zwischen linkem Vorhof und linkem Ventrikel nach seitlich-hinten und ist in dieser Ansicht nicht beschriftet.

Quelle: Schoepf IC, Buechel RR, Kovari H, Hammoud DA, Tarr PE. Journal of Clinical Medicine 2019;8(8):1125, Abb. 2A, doi:10.3390/jcm8081125, CC BY 4.0; Teilbild A ausgeschnitten, Buchstabe entfernt, deutsche Beschriftung ergänzt.

Wie sieht der Gefäßbaum in der Bildgebung aus? Bei der invasiven Koronarangiografie wird über einen Katheter gezielt Kontrastmittel in die rechte beziehungsweise linke Koronararterie gegeben. Das gefüllte Gefäßlumen erscheint im Röntgenbild dunkel. Die Aufnahme zeigt die Gefäße, nicht das von ihnen versorgte Myokard. Der Katheter wird meist über die A. radialis am Handgelenk eingeführt, alternativ über die A. femoralis. Eine Einengung von etwa 50–90 % lässt sich im Bild allein schwer bewerten: Eine Druckdrahtmessung mit einer fraktionellen Flussreserve (FFR) ≤ 0,80 oder einem iFR ≤ 0,89 spricht für eine funktionell relevante Stenose; über 90 % gilt eine Stenose in der Regel als relevant. Ob Myokard ischämisch wird, zeigen Belastungsuntersuchungen wie Stress-Echo, Perfusions-MRT oder SPECT.

Ablauf in fünf Schritten. 1 Arterieller Zugang: Standard A. radialis am Handgelenk, Alternative A. femoralis in der Leiste. 2 Katheter ins Koronarostium: LCA und RCA getrennt sondieren, Kontrastmittel, mehrere Projektionen je System. 3 Röntgenbild lesen: Das gefüllte Lumen erscheint dunkel, eine Stenose ist die Einengung des Lumens in Prozent. 4 Grenze der Methode: Sie zeigt das Lumen, nicht das Myokard; Ischämie weisen Stress-Echo, Perfusions-MRT oder SPECT nach. 5 Entscheidungsraute „Wie relevant ist die Engstelle?“ mit drei Ästen: unter 50 Prozent meist nicht flusslimitierend; 50–90 Prozent Druckdraht messen, FFR höchstens 0,80 oder iFR höchstens 0,89 gilt als relevant; über 90 Prozent in der Regel hämodynamisch relevant.

Abbildung: Verfolge den Weg vom Zugang bis zur Bewertung der Engstelle. Der Prozentwert beschreibt das Lumen; ob die Engstelle den Fluss begrenzt, klärt bei mittelgradigen Befunden erst die Druckmessung.

Quelle: eigene Darstellung.

Drei Röntgenaufnahmen einer unauffälligen Koronarangiografie untereinander: a rechte Koronararterie mit bogenförmigem Verlauf, b und c linkes Koronarsystem in zwei Projektionen mit RIVA beziehungsweise RCX im Vordergrund.

Abbildung 5: Unauffällige Koronarangiografie aus einem publizierten Fallbericht. a: rechte Koronararterie. b und c: linkes Koronarsystem in zwei verschiedenen Projektionen; laut Originalpublikation steht in b der RIVA, in c die RCX im Vordergrund. Die dünnen senkrechten Linien sind Fremdmaterial wie Katheter, keine Koronargefäße. Projektionsnamen werden hier nicht geübt.

Quelle: Higami S, Tanaka Y, Deguchi T, Shiraishi M, Shiki Y. Cardio-Oncology 2022;8:22, Abb. 2, doi:10.1186/s40959-022-00148-9, CC BY 4.0; Buchstaben entfernt, Teilbilder untereinander angeordnet, deutsche Beschriftung ergänzt.

Systole heißt die Anspannungs- und Auswurfphase der Kammer, Diastole ihre Entspannungs- und Füllungsphase. In Ruhe erhalten die Koronarien etwa 5 % des Herzzeitvolumens. Vor allem die linke Koronardurchblutung findet in der Diastole statt, weil die kontrahierende linke Kammer intramurale Gefäße in der Systole zusammendrückt. Vereinfacht treiben aortaler diastolischer Druck minus linksventrikulärer diastolischer Gegendruck die Perfusion an. Beispiel: 80 mmHg diastolischer Aortendruck minus 10 mmHg linksventrikulärer Füllungsdruck ergeben etwa 70 mmHg. Eine sehr kurze Diastole, niedriger Aortendruck oder hoher Füllungsdruck können die Reserve vermindern. Eine feste Perfusionsformel für jeden Patienten ergibt sich daraus nicht.

Steigt die Herzfrequenz stark, verkürzt sich besonders die Diastole: Für Füllung und linke Koronarperfusion bleibt weniger Zeit. Zugleich kann die häufigere Herzarbeit den Sauerstoffbedarf erhöhen. Dieser Zusammenhang ist später wichtig, wenn eine Tachykardie, also eine erhöhte Herzfrequenz, beurteilt wird. Der Sauerstoffbedarf des Myokards steigt vor allem mit Herzfrequenz, Wandspannung und Kontraktilität. Das Angebot hängt von Koronarfluss und Sauerstoffgehalt des Blutes ab; weil das Myokard schon in Ruhe etwa 60–75 % des angebotenen Sauerstoffs ausschöpft, erhält es mehr Sauerstoff fast nur über mehr Fluss. Eine invasiv gemessene Koronarflussreserve unter 2,0 gilt als eingeschränkt.

Kopf „Linke Koronarperfusion, in Ruhe etwa 5 Prozent des Herzzeitvolumens“. 1 In der Systole drückt der kontrahierende linke Ventrikel intramurale Äste ab, daher fließt das Blut links vor allem in der Diastole. Danach zwei Spalten: 2 Druckgefälle, Aorta diastolisch zum Beispiel 80 mmHg minus linksventrikuläre Füllung zum Beispiel 10 mmHg, treibender Druck etwa 70 mmHg; 3 verfügbare Zeit, bei 60 pro Minute Diastole etwa 0,7 s, bei 120 pro Minute etwa 0,25 s, die Systole ändert sich kaum. Darunter mit den Bedingungen „Druck sinkt“ und „Zeit sinkt“: ungünstig bei niedrigem Aortendruck durch Hypotonie oder hohem Füllungsdruck durch Stauung sowie bei stark erhöhter Herzfrequenz mit sehr kurzer Diastole. Beide Wege münden in eine rote Ergebniszeile: Koronarreserve vermindert, Ischämie möglich, Diagnose erst mit weiteren Befunden.

Abbildung: Lies links die Druckbedingungen und rechts die verfügbare Zeit; beide können die Koronarreserve begrenzen. Die Zahlen sind ein gerundetes Rechenbeispiel, keine individuellen Sollwerte.

Quelle: eigene Darstellung.

Zeitbalken für 60 und 120 Schläge pro Minute: Bei 60 pro Minute Systole etwa 0,3 und Diastole etwa 0,7 Sekunden, bei 120 pro Minute zwei Zyklen pro Sekunde mit Systole und Diastole von je etwa 0,25 Sekunden.

Abbildung 6: Vergleiche die blauen Abschnitte. Bei doppelter Frequenz schrumpft die Diastole deutlich stärker als die Systole. Gerundete Richtwerte zur Orientierung; individuelle Zeiten schwanken.

Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel: Bei 60/min dauert ein Herzzyklus 1 s, bei 120/min 0,5 s. Im Schema verkürzt sich die Systole nur von etwa 0,3 auf 0,25 s, die Diastole dagegen von etwa 0,7 auf 0,25 s. Pro Herzschlag bleibt also deutlich weniger Zeit für Füllung und linke Koronarperfusion.

Zwei Spalten unter dem Kopf „Sauerstoffbilanz des Herzmuskels“. 1 O2-Angebot: Koronarfluss abhängig von Druck und Diastole, O2-Gehalt abhängig von Hämoglobin und Sättigung, Ausschöpfung schon in Ruhe etwa 60–75 Prozent, daher mehr O2 nur über mehr Fluss, Flussreserve unter 2,0 eingeschränkt. 2 O2-Bedarf: Herzfrequenz, Wandspannung durch Druck und Kammergröße, Kontraktilität durch Sympathikus, steigt bei Belastung und Fieber. Beide münden in 3: Tachykardie trifft beide Seiten, das Angebot sinkt, weil die Diastole von 0,7 auf 0,25 s schrumpft, der Bedarf steigt durch doppelt so viele Kontraktionen; bei Koronarstenose ist die Reserve schneller erschöpft. Ergebniszeile: Reicht die Reserve, ist das Angebot mindestens so groß wie der Bedarf und es entsteht keine Ischämie; ist sie erschöpft, übersteigt der Bedarf das Angebot und eine Ischämie, etwa als Angina pectoris, ist möglich.

Abbildung: Vergleiche links das Angebot mit rechts dem Bedarf. Die Tachykardie verschiebt beide Seiten zugleich in die ungünstige Richtung; ob tatsächlich eine Ischämie entsteht, zeigt erst die klinische und apparative Abklärung.

Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Einen Weg ergänzen

Aufgabe: Ein Blutanteil liegt im rechten Vorhof. Nenne die nächsten zwei Klappen, die er auf dem Weg bis in die Lunge passiert, jeweils mit der dazwischenliegenden Kammer.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
StartRechter Vorhof
ZielLunge
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Multiple Choice

Rückstau erklären

Aufgabe: Der Ausstrom durch die Mitralklappe ist behindert. Welche unmittelbare Folge passt am besten zur normalen Flussrichtung?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
Betroffene KlappeMitralklappe
BeobachtungAusstrom behindert

Echtes Autopsiefoto einer eröffneten linken Herzkammer: Die Segel der Klappe am Kammereingang sind verdickt und weißlich-starr, die Sehnenfäden kurz und plump, die Kammerwand ist kräftig; Metallklemmen halten das Gewebe auseinander.

Abbildung: Echtes Präparat: verdickte, starre Klappensegel am Eingang der linken Kammer.

Quelle: CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr. (CDC Public Health Image Library, ID 847), gemeinfrei

  1. a)Druckbelastung vor der Klappe im linken Vorhof und gegebenenfalls Lungenvenenstauung.
  2. b)Ausschließlich erhöhter Druck in der Aorta hinter der Aortenklappe.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Koronarversorgung anwenden

Aufgabe: Ein Befund nennt den RIVA. Ordne zunächst mithilfe der Gefäßübersicht ein typisches Versorgungsgebiet zu. Erkläre danach ohne die Übersicht, weshalb eine Gefäßbezeichnung allein weder die individuelle Ausdehnung einer Schädigung noch eine bestimmte Störung der Erregungsüberleitung beweist.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
BefundbezeichnungRIVA
AuftragTypisches Gebiet und Grenzen der Zuordnung

Echte Koronarangiografie in Graustufen: Über einen Katheter ist ein Gefäßsystem mit Kontrastmittel gefüllt. Ein langer Ast zieht von oben nach unten zur Herzspitze und gibt viele kleine Seitenäste ab, ein weiterer Hauptast verläuft seitlich; unten rechts ist die Zwerchfellkontur zu sehen.

Abbildung: Echte Koronarangiografie des linken Koronarsystems in der Diastole, ohne sichtbare Engstelle.

Quelle: Hu X, Wang X, Huang K et al., Front Cardiovasc Med 2026;13:1849565, Abb. 3A (PMC13572150), CC BY 4.0

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Freie Antwort

Klappen im Bild finden

Aufgabe: Betrachte Abbildung 2. (1) Welche Klappe ist über Sehnenfäden mit einem Papillarmuskel verbunden, und in welcher Kammer liegt dieser Muskel? (2) Welche Aufgabe haben diese Haltestrukturen während der Kammerkontraktion?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
BildbezugAbbildung 2
Zu suchende StrukturenSehnenfäden und Papillarmuskel

Echtes Präparatfoto in Graustufen: eine eröffnete Herzkammer, von Händen in Handschuhen gehalten. Von kegelförmigen Muskelvorsprüngen der Kammerwand ziehen zahlreiche feine weiße Fäden zu dünnen Klappensegeln; die Innenwand zeigt Muskelbälkchen.

Abbildung: Echtes Präparat ohne Beschriftung: Verfolge die feinen Fäden vom Muskelvorsprung bis zum Klappensegel.

Quelle: OpenStax College (Bearbeitung eines Fotos von „PV KS“/flickr.com), CC BY 3.0

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Multiple Choice

Stenose oder Insuffizienz

Aufgabe: Die Aortenklappe schließt in der Diastole nicht vollständig. Welche Beschreibung passt? Nutze Abbildung 3.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
KlappeAortenklappe
ZeitpunktDiastole
BeobachtungSchließt nicht vollständig
  1. a)Blut fließt in der Diastole aus der Aorta zurück in den linken Ventrikel.
  2. b)Die Öffnung ist in der Systole verengt; für den Auswurf ist ein größerer Druckunterschied nötig.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Gefäßbild zuordnen

Aufgabe: Betrachte Abbildung 5. Welche Teilabbildung zeigt das Gefäß, das das rechte Herz und bei Rechtsdominanz inferiore Anteile mitversorgt? Erkläre danach, warum die typische Zuordnung der Versorgungsgebiete auch bei einer unauffälligen Angiografie nur eine Orientierung ist.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
BildbezugAbbildung 5, Teilbilder a–c
Genanntes GebietRechtes Herz; bei Rechtsdominanz inferiore Anteile

Zwei echte Koronarangiografien nebeneinander. Links ein einzelnes kräftiges Gefäß, das vom Katheter aus in einem weiten Bogen nach unten und dann nach rechts unten verläuft. Rechts ein Gefäßsystem, das sich kurz nach dem Abgang in mehrere Äste teilt, die fächerförmig nach rechts unten ziehen.

Abbildung: Zwei echte Koronarangiografien einer anderen Person zum Vergleich mit Abbildung 5.

Quelle: Zhang G, Ge R, Gao J, Zhou Y, Front Cardiovasc Med 2026;13:1932593, Abb. 2A/B (PMC13581967), CC BY 4.0

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Erregung und Kontraktion

Lernziel: Du kannst elektrische Aktivierung und mechanische Förderung unterscheiden.

Geordnet aktivieren

Der Sinusknoten erzeugt normalerweise den Takt. Die Erregung breitet sich über die Vorhöfe zum AV-Knoten aus. AV bedeutet atrioventrikulär, also die Verbindung zwischen Vorhof und Kammer betreffend. Die Verzögerung am AV-Knoten unterstützt die zeitliche Trennung von Vorhof- und Kammeraktivierung. Der Sinusknoten gibt in Ruhe etwa 70 Impulse pro Minute vor, der AV-Knoten verzögert die Weiterleitung um etwa 0,1 s; fällt der Sinusknoten aus, übernehmen langsamere Ersatzzentren in der AV-Region (etwa 40–60/min) oder in der Kammer (etwa 20–40/min). Über His-Bündel, rechten und linken Tawara-Schenkel sowie Purkinje-Fasern werden die Kammern rasch aktiviert. Ein koordinierter Ablauf fördert eine wirksame Kontraktion.

Fünf nummerierte Stufen untereinander: 1 Sinusknoten in der Wand des rechten Vorhofs, Taktgeber mit etwa 70/min in Ruhe; 2 Vorhofmyokard mit P-Welle, rechts daneben die folgende Vorhofkontraktion; 3 AV-Knoten im unteren Vorhofseptum als einzige normale Brücke zur Kammer mit Verzögerung von etwa 0,1 s, rechts das Ersatzzentrum der AV-Region mit 40–60/min; 4 His-Bündel und Tawara-Schenkel am Kammerseptum, rechts das Ersatzzentrum der Kammer mit nur 20–40/min, meist nur kurz toleriert; 5 Purkinje-Fasern mit rascher Ausbreitung und QRS unter 0,12 s, rechts die Kammerkontraktion. Unten die Folge Erregung, Calciumanstieg, Kontraktion.

Abbildung 7: Elektrische Aktivierung geht der zugehörigen mechanischen Antwort voraus. Rechts stehen die Ersatzzentren: Je tiefer der Ursprung der Erregung, desto langsamer die Frequenz.

Quelle: eigene Darstellung.

Die drei Stationen der Erregungsleitung im Überblick:

StrukturBedeutung
SinusknotenNormaler Ausgangspunkt der Erregung
AV-KnotenÜberleitung mit physiologischer Verzögerung
His-Purkinje-SystemRasche Ausbreitung in den Kammern

Anatomische Illustration eines eröffneten Herzens von vorn mit blau hervorgehobenem Erregungsleitungssystem und nummerierter deutscher Legende: 1 Sinusknoten, 2 AV-Knoten, 3 His-Bündel, 4 linker Tawara-Schenkel, 5 und 6 Faszikel des linken Schenkels, 7 linker Ventrikel, 8 Kammerseptum, 9 rechter Ventrikel, 10 rechter Tawara-Schenkel; die feinen blauen Endäste in der Kammerwand sind Purkinje-Fasern.

Abbildung: Lage des Erregungsleitungssystems. Der Sinusknoten liegt in der Wand des rechten Vorhofs, der AV-Knoten im unteren Vorhofseptum am Übergang zu den Kammern. His-Bündel und Tawara-Schenkel ziehen am Kammerseptum entlang, die Purkinje-Fasern verzweigen sich in der Kammerwand. Medizinische Illustration, keine Patientenaufnahme.

Quelle: J. Heuser nach einer Illustration von Patrick J. Lynch und C. Carl Jaffe (Yale University), Wikimedia Commons „RLS 12blauLeg.png“, CC BY 2.5; deutsche Legende ergänzt

In Herzmuskelzellen löst die elektrische Aktivierung über Calcium eine mechanische Antwort aus. Deshalb folgt die Kontraktion auf die Depolarisation. Das Aktionspotenzial des Arbeitsmyokards dauert mit seinem Plateau etwa 300 ms. Die Relaxation braucht ebenfalls Energie, unter anderem für die Rückverteilung von Calcium. Eine Störung der Entspannung kann die Füllung beeinträchtigen. Die Auswurf- und Füllungsfunktion werden deshalb später getrennt beurteilt. Für den Auswurf gilt eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) ab 50 % als erhalten, 41–49 % als leicht reduziert und 40 % oder weniger als reduziert; eine erhaltene LVEF schließt eine gestörte Füllung nicht aus.

Oben: Calcium muss aus dem Zytosol entfernt werden; SERCA pumpt es unter ATP-Verbrauch zurück ins sarkoplasmatische Retikulum, der Natrium-Calcium-Austauscher bringt es aus der Zelle, erst dann lösen sich Aktin und Myosin. Darunter rot: gestörte Relaxation, zum Beispiel bei Ischämie, Hypertrophie oder im höheren Alter; die Kammer wird steifer und füllt sich nur mit höherem Druck. Dann getrennt: Auswurf mit LVEF, Füllung mit Mitraleinstrom E und A, Gewebedoppler e′, Vorhofgröße, Rhythmus und Klinik. Unten drei Felder: LVEF ab 50 % erhalten, Füllung trotzdem prüfen; 41–49 % leicht reduziert; bis 40 % reduziert.

Abbildung: Relaxation braucht Energie; ist sie gestört, leidet zuerst die Füllung. Deshalb werden Auswurf (LVEF) und Füllung getrennt beurteilt. Quelle: eigene Darstellung.

Drei übereinanderliegende Kurven einer Herzmuskelzelle auf derselben Zeitachse von 0 bis 400 ms: Aktionspotenzial aus der Ruhe bei etwa −90 mV mit steilem Aufstrich, Plateau durch Calciumeinstrom über L-Typ-Kanäle und Repolarisation, Dauer etwa 300 ms; zytosolisches Calcium steigt durch Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum und sinkt durch Rückaufnahme über SERCA und den Natrium-Calcium-Austauscher; die Kraft steigt nach kurzer elektromechanischer Verzögerung an und fällt mit der Relaxation ab. Unten die Folge Depolarisation, Calcium steigt, Kraft steigt, Calcium sinkt.

Abbildung 8: Elektromechanische Kopplung, schematisch. Die Depolarisation kommt zuerst, das Calcium steigt danach an, die Kraft folgt mit Verzögerung. Das Aktionspotenzial dauert etwa 300 ms. Für die Relaxation muss Calcium unter Energieverbrauch wieder aus dem Zytosol entfernt werden.

Quelle: eigene Darstellung.

Was ein EKG abbildet

Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet elektrische Spannungsunterschiede an der Körperoberfläche auf. Es misst weder Schlagvolumen noch Blutdruck. Die P-Welle entspricht der Vorhofdepolarisation, der QRS-Komplex der Kammerdepolarisation und die T-Welle der Kammerrepolarisation. Die Vorhofrepolarisation ist meist vom QRS überlagert. Das PQ-Intervall umfasst die Zeit vom Beginn der Vorhofaktivierung bis zum Beginn der Kammeraktivierung; es ist kein isoliertes Maß nur für den AV-Knoten. Orientierend gelten eine PQ-Zeit von 0,12–0,20 s und ein QRS-Komplex unter 0,12 s als normal; bei einer PQ-Zeit über 0,20 s liegt ein AV-Block I. Grades vor, ein QRS-Komplex ab 0,12 s ist breit, zum Beispiel bei Schenkelblock.

Bei PQ-Intervall und Vorhofrepolarisation gelten diese Grenzen der Zuordnung.

EKG-BezugEinordnung
PQ-IntervallBeginn der Vorhof- bis Beginn der Kammeraktivierung; kein isoliertes Maß nur für den AV-Knoten
VorhofrepolarisationMeist vom QRS-Komplex überlagert

Schematischer EKG-Herzschlag mit P-Welle (Vorhöfe depolarisieren), QRS-Komplex (Kammern depolarisieren) und T-Welle (Kammern repolarisieren); ein gestrichelter Pfeil zeigt, dass die Vorhofrepolarisation meist im QRS verborgen ist. Unter der Kurve: PQ 0,12–0,20 s, über 0,20 s AV-Block I. Grades; QRS unter 0,12 s, ab 0,12 s breit, zum Beispiel bei Schenkelblock; QT vom QRS-Beginn bis zum T-Ende, frequenzabhängig. Darunter die mechanische Zeile: Vorhofkontraktion nach P, Kammerkontraktion nach QRS, danach Entspannung und Füllung. Unten: EKG gleich Elektrik, Förderung gleich Mechanik.

Abbildung 9: Ein Herzschlag im EKG, schematisch. Oben die elektrischen Ereignisse mit orientierenden Normzeiten, unten die mechanische Antwort, die jeweils danach folgt.

Quelle: eigene Darstellung.

EKG-AnteilElektrisches EreignisMechanischer Bezug
P-WelleVorhöfe depolarisierenVorhofkontraktion folgt
QRS-KomplexKammern depolarisierenKammerkontraktion folgt
T-WelleKammern repolarisierenRückkehr in die Entspannungsphase

So sieht dieselbe Abfolge in einer echten Ableitung aus. Suche zuerst den hohen, schmalen QRS-Komplex. Davor liegt eine kleine, runde P-Welle, danach eine breitere T-Welle. Bei 50 mm/s entspricht ein kleines Kästchen 0,02 s und ein großes Kästchen 0,10 s.

Ablauf in Schritten: 1 Papier eichen, bei 50 mm/s ist ein kleines Kästchen 0,02 s, ein großes 0,10 s, die Eichzacke 10 mm entspricht 1 mV; 2 QRS-Komplex als höchsten, schmalen Ausschlag finden, schmal heißt unter 0,12 s, also weniger als 6 kleine Kästchen; 3 davor die kleine, runde, in II positive P-Welle, PQ 0,12–0,20 s gleich 6–10 kleine Kästchen; 4 danach die breitere T-Welle als Kammerrepolarisation, kein mechanisches Ereignis. Frage: vor jedem QRS eine P-Welle? Ja: geordnete Folge, zum Beispiel Sinusrhythmus, Abstände und Frequenz bestimmen. Nein: genauer prüfen, zum Beispiel Vorhofflimmern, 12-Kanal-EKG schreiben. Unten: Elektrik beschrieben; Schlagvolumen und Blutdruck nicht ablesbar, sondern messen.

Abbildung: Erst das Papier eichen, dann vom auffälligen QRS-Komplex aus die P-Welle davor und die T-Welle danach suchen und die Zeiten in Kästchen umrechnen. Quelle: eigene Darstellung.

Echter EKG-Rhythmusstreifen, Ableitung II, 5 Sekunden bei 50 mm/s und 10 mm/mV. Sechs regelmäßige, schmale QRS-Komplexe; vor jedem QRS-Komplex eine kleine positive P-Welle, nach jedem eine positive T-Welle.

Abbildung 10: Rhythmusstreifen Ableitung II (50 mm/s, 10 mm/mV). Jedem QRS-Komplex geht eine P-Welle voraus, auf jeden folgt eine T-Welle. Der Streifen zeigt nur die elektrische Abfolge, nicht die Förderleistung.

Quelle: PTB-XL 1.0.3 (Wagner et al.), PhysioNet, ecg_id 2682, CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, Ausschnitt neu gezeichnet

Ausgearbeitetes Beispiel: Auf dem Monitor erscheinen regelmäßige QRS-Komplexe mit 90/min. Das belegt eine elektrische Aktivität mit dieser Kammerfrequenz. Erst Bewusstsein, Atmung, tastbarer Puls, Blutdruck und weitere Perfusionszeichen zeigen, ob tatsächlich ein wirksamer Kreislauf besteht. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender normaler Atmung sofort Hilfe und Reanimationsablauf einleiten; das Monitorbild darf dies nicht verzögern. Atmung und Puls prüfst du dabei höchstens 10 Sekunden lang. Geordnete QRS-Komplexe ohne tastbaren Puls heißen pulslose elektrische Aktivität (PEA): ein Kreislaufstillstand, der mit Thoraxkompressionen im Verhältnis 30:2 behandelt wird. Bei erhaltenem Kreislauf ist ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg ein Warnsignal; ein normaler Wert schließt eine Minderperfusion aber nicht aus.

Flussdiagramm: 1 QRS-Komplexe am Monitor, zum Beispiel 90/min, zeigen nur die elektrische Kammeraktivität, nicht Puls, Blutdruck oder Perfusion. 2 Frage, höchstens 10 Sekunden prüfen: reagiert, atmet normal? Nein: 3a Kreislaufstillstand, Hilfe rufen mit Reanimationsteam und Defibrillator, Thoraxkompressionen 30:2, geordnete QRS ohne Puls sind PEA, weiter reanimieren; Ergebnis Reanimation ohne Verzögerung. Ja: 3b Mechanik und Perfusion prüfen, Puls tasten, Blutdruck mit systolisch unter 90 mmHg als Warnsignal, Haut mit Temperatur, Marmorierung und Rekapillarisierung, Bewusstsein und Verlauf; bei Warnzeichen Hilfe holen, Ursache suchen und engmaschig prüfen, sonst weiter beobachten mit Kontext und Verlauf.

Abbildung 11: Vom Monitorbild zur Kreislaufbeurteilung. Der Monitor beantwortet die elektrische Frage; ob Blut wirksam gefördert wird, zeigt erst die klinische Prüfung. Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung führt sofort in die Reanimation.

Quelle: eigene Darstellung.

Oben zwei Fragen an jeden Herzschlag. Links Elektrik, erregt? EKG und Monitor mit P, QRS und T, Frequenz und Rhythmus, PQ 0,12–0,20 s und QRS unter 0,12 s. Rechts Mechanik, gefördert? Puls tasten und Blutdruck messen, Pulskurve in Pulsoximetrie und arterieller Druckkurve, Echo mit Schlagvolumen etwa 70 ml und LVEF. Beide Antworten werden zusammengeführt zu drei Fällen: QRS und tastbarer Puls, also Kreislauf vorhanden, Perfusion mit Blutdruck, Haut und Bewusstsein prüfen; QRS, aber kein Puls, also PEA als Kreislaufstillstand, sofort reanimieren 30:2; Nulllinie, aber Patient wach, also Artefakt durch lose Elektrode oder Bewegung, Patient ansehen statt Monitor.

Abbildung: Elektrik und Mechanik werden getrennt erhoben und erst dann zusammengeführt. Dasselbe Monitorbild kann einen Kreislauf, einen Kreislaufstillstand oder ein technisches Artefakt bedeuten.

Quelle: eigene Darstellung.

Echter Ausschnitt eines Überwachungsmonitors auf dunklem Grund mit drei übereinanderliegenden Kurven: oben grüne EKG-Kurve mit zwei schmalen QRS-Komplexen, darunter gelbe Pulsoximetrie-Kurve und rote arterielle Druckkurve. Gestrichelte Linien an den QRS-Komplexen zeigen, dass beide Pulswellen jeweils kurz danach ansteigen.

Abbildung: Echter Monitorausschnitt an einem Übungssimulator. Die EKG-Kurve zeigt die elektrische Erregung; die Pulswelle in Pulsoximetrie- und arterieller Druckkurve folgt jeweils kurz danach als mechanische Antwort. Auch diese Kurven ersetzen nicht die klinische Beurteilung von Bewusstsein, Atmung, Blutdruck und Perfusion.

Quelle: Petty Officer 1st Class James Stenberg, U.S. Navy (Naval Hospital Pensacola), Wikimedia Commons „Vital signs monitor display.jpg“, gemeinfrei (Werk der US-Streitkräfte); Ausschnitt, deutsche Beschriftung ergänzt

Multiple Choice

Signal und Wirkung

Aufgabe: Welche Aussage lässt sich allein aus einem regelmäßigen elektrischen Rhythmus ableiten?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
SignalElektrischer Rhythmus
BeobachtungRegelmäßig
  1. a)Das Herzzeitvolumen ist ausreichend.
  2. b)Die elektrische Kammeraktivierung erfolgt regelmäßig.
  3. c)Alle Herzklappen schließen vollständig.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine fehlende Messung benennen

Aufgabe: Eine wache Patientin hat am Monitor eine Frequenz von 110/min und berichtet Schwindel. Eine Kollegin sagt: „Der Monitor zeigt einen Rhythmus, also ist der Kreislauf stabil.“ Formuliere eine sachliche Korrektur und nenne drei jetzt zu erhebende Befunde.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
BewusstseinWach
Monitorfrequenz110/min
BeschwerdeSchwindel
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Wellen im echten Streifen zuordnen

Echter EKG-Rhythmusstreifen, Ableitung II, 5 Sekunden bei 50 mm/s und 10 mm/mV, mit sechs regelmäßigen Herzschlägen.

Quelle: PTB-XL 1.0.3 (Wagner et al.), PhysioNet, ecg_id 2682, CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, Ausschnitt neu gezeichnet

Aufgabe: Betrachte den Rhythmusstreifen. Welche Aussage ist allein aus diesem Streifen sicher ableitbar?

  1. a)Die breite, runde Welle nach jedem QRS-Komplex zeigt die Kontraktion der Vorhöfe.
  2. b)Vor jeder Kammerdepolarisation ist eine Vorhofdepolarisation zu sehen.
  3. c)Weil alle Schläge gleich aussehen, ist auch der Blutdruck normal.
Lösung in der App →

Pumpfunktion und Last

Lernziel: Du kannst Herzzeitvolumen, Vorlast, Nachlast und Kontraktilität erklären.

Wie viel Blut pro Minute?

Das Schlagvolumen (SV) ist das pro Schlag ausgeworfene Volumen. Das Herzzeitvolumen (HZV) ist die pro Minute geförderte Menge. Herzfrequenz (HF) und Schlagvolumen bestimmen gemeinsam das HZV:

HZV = HF × SV. Bei HF in 1/min und SV in ml ergibt sich zunächst ml/min; durch 1000 erhältst du l/min. Für einen ruhenden Erwachsenen sind etwa 5 l/min ein anschaulicher Beispielwert, kein individueller Sollwert. Körpergröße, Aktivität und Stoffwechsel verändern den Bedarf.

Flussdiagramm in vier Schritten. 1 Füllung: Am Ende der Diastole ist die Kammer am größten, Beispiel EDV 120 ml. 2 Auswurf: Am Ende der Systole bleibt ein ESV von 50 ml, also SV = 120 − 50 = 70 ml. 3 HF 70/min mal SV 70 ml ergibt 4900 ml pro Minute. 4 Geteilt durch 1000 sind das 4,9 l/min; etwa 5 l/min in Ruhe sind ein Beispielwert, kein Sollwert. Darunter die Frage, was bei steigender Frequenz mit dem HZV passiert, mit drei farbigen Ergebnissen: grün HZV steigt, wenn das SV gleich bleibt (zum Beispiel 90 × 70 ml); orange kaum Gewinn, wenn das SV wegen kürzerer Füllung etwas sinkt; rot HZV sinkt, wenn das SV stark fällt (150 × 25 ml).

Abbildung 12: Vom Volumen zur Fördermenge. Aus EDV 120 ml und ESV 50 ml folgt ein Schlagvolumen von 70 ml; mit 70/min ergibt sich ein HZV von 4,9 l/min. Die Ergebniszeile zeigt: Eine höhere Frequenz steigert das HZV nur, wenn das Schlagvolumen nicht entsprechend abnimmt. Quelle: eigene Darstellung.

Echte Messung mit dreidimensionaler Echokardiografie: Volumen des linken Ventrikels über eine Herzaktion als Kurve auf dunklem Monitorhintergrund, senkrechte Achse in Millilitern von 40 bis 110. Die Kurve beginnt bei ED mit 112 Millilitern, fällt während des Auswurfs steil bis ES auf 42 Milliliter und steigt in der Füllung wieder an. Rechts daneben die Messwerte EDV 112 ml, ESV 42 ml, SV 69 ml, HF 53 pro Minute und HZV 3,67 Liter pro Minute; darunter die Beziehungen SV gleich EDV minus ESV und HZV gleich HF mal SV.

Abbildung: Volumen des linken Ventrikels während einer Herzaktion, gemessen mit dreidimensionaler Echokardiografie bei normaler Pumpfunktion. Am Ende der Füllung (ED) enthält die Kammer 112 ml, am Ende des Auswurfs (ES) noch 42 ml. Das Gerät rechnet mit ungerundeten Volumina und zeigt deshalb ein SV von 69 ml statt 70 ml; mit der Ruhefrequenz von 53/min berechnet es 3,67 l/min. Auch hier gilt: Ob diese Fördermenge ausreicht, zeigt erst der Abgleich mit dem Bedarf. Quelle: Hansegård J, Urheim S, Lunde K, Malm S, Rabben SI. Cardiovasc Ultrasound 2009;7:18, Abb. 1b (doi:10.1186/1476-7120-7-18), CC BY 2.0; Ausschnitt der Volumenkurve, Messwerte deutsch neu gesetzt.

Eine Herzaktion als Schleife: Trägt man Volumen und Druck des linken Ventrikels während einer Herzaktion gegeneinander auf, entsteht eine geschlossene Schleife. Ihre Breite ist das Schlagvolumen: Am rechten Rand liegt das EDV, am linken das ESV.

Schematische Druck-Volumen-Schleife des linken Ventrikels. Waagerechte Achse Volumen in Millilitern, senkrechte Achse Druck in mmHg. Die Füllung verläuft unten bei niedrigem Druck von etwa 50 auf 120 Milliliter, dann steigt der Druck senkrecht bei 120 Millilitern an, oben folgt der Auswurf mit abnehmendem Volumen bis 50 Milliliter, links fällt der Druck senkrecht wieder ab. Ein Doppelpfeil zwischen ESV und EDV ist mit SV gleich EDV minus ESV beschriftet; die vier Phasen sind nummeriert.

Abbildung 13: Druck-Volumen-Schleife des linken Ventrikels, schematisch mit Beispielwerten (EDV 120 ml, ESV 50 ml, also SV 70 ml). 1 Füllung, 2 isovolumetrische Kontraktion, 3 Auswurf, 4 isovolumetrische Relaxation. In den Phasen 2 und 4 ändert sich das Volumen nicht, nur der Druck. Die Kurvenform ist nicht maßstabsgetreu und kein Messbefund.

GrößeBedeutungBeispiel
HFSchläge pro Minute75/min
SVVolumen pro Schlag70 ml
HZVVolumen pro Minute5,25 l/min

Ausgearbeitetes Beispiel: 75/min × 70 ml = 5250 ml/min = 5,25 l/min. Bei 150/min und nur 25 ml pro Schlag wären es 3750 ml/min = 3,75 l/min. Eine Verdoppelung der Frequenz garantiert also keine bessere Förderung. Bei relevanter Klappeninsuffizienz entspricht das gesamte ausgeworfene Kammer-Schlagvolumen zudem nicht zwingend dem wirksamen Vorwärtsvolumen.

Für die Einordnung der Fördermenge gelten diese Grenzen.

AngabeGrenze der Aussage
Etwa 5 l/min in RuheAnschaulicher Beispielwert, kein individueller Sollwert
BedarfKörpergröße, Aktivität und Stoffwechsel verändern ihn
Gesamtes Kammer-SVBei relevanter Klappeninsuffizienz nicht zwingend gleich dem wirksamen Vorwärtsvolumen

Balkendiagramm mit zwei Szenarien. Oben 75 pro Minute mal 70 Milliliter, Balken bis 5,25 Liter pro Minute; daneben ein gut gefülltes Gefäß mit der Beschriftung SV 70 ml. Unten 150 pro Minute mal 25 Milliliter, kürzerer Balken bis 3,75 Liter pro Minute; daneben ein nur wenig gefülltes Gefäß mit SV 25 ml. Darunter eine Skala von 0 bis 6 Liter pro Minute.

Abbildung 14: Das ausgearbeitete Beispiel als Diagramm. Trotz doppelter Frequenz fördert das Herz im unteren Szenario weniger Blut pro Minute, weil das Schlagvolumen stark abgenommen hat.

Für den Vergleich zwischen Personen bezieht man das HZV auf die Körperoberfläche (KOF): Herzindex (HI) = HZV ÷ KOF. Ein HI unter 2,2 l/min/m² gehört zu den hämodynamischen Kriterien des kardiogenen Schocks. Klinische Zeichen einer Minderperfusion sind unter anderem ein veränderter Bewusstseinszustand, kalte, blasse Haut, eine Urinausscheidung unter 0,5 ml/kg/h und ein Laktat über 2 mmol/l.

Flussdiagramm „Reicht das Herzzeitvolumen?“ in vier Schritten. 1 HZV berechnen: 75/min × 70 ml = 5,25 l/min; bei Klappeninsuffizienz zählt der Vorwärtsfluss. 2 Auf die Körpergröße beziehen: Herzindex = HZV geteilt durch Körperoberfläche, Beispiel 5,25 geteilt durch 1,9 m² ergibt etwa 2,8 l/min/m²; ein Herzindex unter 2,2 l/min/m² ist ein Kriterium im kardiogenen Schock. 3 Bedarf einordnen: Ruhe oder Belastung, Fieber und hoher Stoffwechsel steigern den Bedarf. 4 Perfusion am Patienten prüfen: Bewusstsein verändert, kalte blasse Haut, Urin unter 0,5 ml/kg/h, Laktat über 2 mmol/l. Drei Pfeile führen zu den Ergebnissen: keine Zeichen – ausreichend, im Verlauf prüfen; unklar – fraglich, erneut beurteilen; mindestens ein Zeichen – Minderperfusion, Ursache klären.

Abbildung: Erst rechnen, dann einordnen. Mit einer Körperoberfläche von 1,9 m² ergibt das Beispiel einen Herzindex von etwa 2,8 l/min/m². Ob das reicht, entscheidet der Abgleich mit Bedarf und Perfusion; schon ein einzelnes Zeichen der Minderperfusion verlangt die Suche nach der Ursache. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Einflüsse auf das Schlagvolumen

Die Vorlast bezeichnet die Dehnung beziehungsweise Wandspannung des Myokards am Ende der Füllung. Das enddiastolische Volumen kann diese Füllung beschreiben; ein Füllungsdruck ist nur ein indirekter Hinweis. Ein steifer Ventrikel kann schon bei wenig zusätzlichem Volumen einen hohen Druck entwickeln. Vorlast ist deshalb nicht einfach „Liter im Körper“ oder ein einzelner Venendurchmesser.

Ein invasiv gemessener Wedge-Druck über 15 mmHg gilt als erhöhter linksseitiger Füllungsdruck; auch er ist nur ein indirekter Hinweis auf die Vorlast.

Oben die Vorlast als Dehnung am Ende der Füllung, also enddiastolische Wandspannung des Myokards. Darunter drei Kästen nebeneinander: Volumen EDV – im Echo gemessene Füllung, Beispiel 120 ml, beste Näherung; Füllungsdruck – LVEDP oder Wedge-Druck, über 15 mmHg erhöht, nur indirekt; Venenweite – V. cava inferior, schätzt den Vorhofdruck, allein ungeeignet. Darunter der Vergleich zweier Kammern bei gleichem Volumenzuwachs mit kleinen Druck-Volumen-Kurven: In der dehnbaren Kammer steigt der Druck nur wenig, in der steifen Kammer, zum Beispiel bei Hypertrophie, steigt er steil an und Stauung droht. Ergebniszeile: EDV beschreibt die Füllung; Druck ist nur ein indirekter Hinweis; ein Venendurchmesser definiert die Vorlast nicht.

Abbildung: Drei Messgrößen, drei Aussagen. Das EDV beschreibt die Füllung, ein Füllungsdruck über 15 mmHg zeigt einen erhöhten Druck, aber nicht direkt die Dehnung, und die V. cava inferior schätzt nur den Vorhofdruck. Die beiden Kurven zeigen den Grund: Derselbe Volumenzuwachs hebt den Druck in einer steifen Kammer viel stärker als in einer dehnbaren. Quelle: eigene Darstellung.

Im physiologischen Arbeitsbereich kann eine stärkere Füllung über den Frank-Starling-Mechanismus das Schlagvolumen steigern. Das Herz passt seine Förderung so an das ankommende Blut an. Bei schwer eingeschränkter Pumpfunktion kann mehr Füllung überwiegend den Stauungsdruck erhöhen. Aus diesem Mechanismus folgt keine pauschale Aufforderung zur Flüssigkeitsgabe.

Frank-Starling-Kurven. Waagerechte Achse Vorlast als enddiastolisches Volumen, senkrechte Achse Schlagvolumen. Drei ansteigende, nach rechts abflachende Kurven: oben gestrichelt Kontraktilität erhöht, in der Mitte normale Kontraktilität, unten Kontraktilität vermindert mit frühem flachem Verlauf. Auf der mittleren Kurve führt eine Füllungszunahme von Punkt 1 nach Punkt 2 zu einem deutlichen Anstieg des Schlagvolumens; auf der unteren Kurve führt dieselbe Füllungszunahme von Punkt 3 nach Punkt 4 nur zu einem kleinen Anstieg.

Abbildung 15: Frank-Starling-Kurven, schematisch. Dieselbe Füllungszunahme hebt das SV auf der normalen Kurve deutlich (1 → 2), auf der Kurve mit verminderter Kontraktilität nur wenig (3 → 4). Höhere Kontraktilität verschiebt die Kurve nach oben. Den Druckanstieg bei zusätzlicher Füllung zeigt dieses Diagramm nicht; ihn musst du klinisch an Stauungszeichen erkennen.

Ob ein Herz im steilen Kurventeil arbeitet, lässt sich zum Beispiel mit passivem Beinheben prüfen: Es verlagert rund 300 ml Blut zum Herzen; steigt das direkt gemessene HZV dabei um mindestens etwa 10 %, spricht das für Volumenreagibilität. Volumenreagibilität allein ist keine Indikation zur Infusion; zusätzlich sind ein klinischer Bedarf zur Verbesserung der Perfusion und das Risiko einer Flüssigkeitsüberlastung zu beurteilen.

Entscheidungsdiagramm „Mehr Füllung – mehr Schlagvolumen?“. 1 Stauungszeichen: Ruhedyspnoe und feuchte Rasselgeräusche, gestaute Halsvenen, Ödeme oder Gewichtszunahme. Bei Ja führt ein Pfeil zu einem dunkelroten Kasten: kein Volumen als Reflex, der Druck steigt weiter, Ursache klären. Bei Nein folgt 2 Volumenreagibilität testen: passives Beinheben aus 45° Oberkörperhochlage mit Beinen auf 45°, verlagert etwa 300 ml Blut zum Herzen, HZV oder SV direkt messen und nicht nur den Blutdruck, reversibel und ohne Infusion. Steigt das HZV um mindestens 10 %, liegt das Herz im steilen Kurventeil: Volumen kann das SV steigern, kleine Portion und neu prüfen. Steigt es um weniger als 10 %, liegt es im flachen Kurventeil: Mehr Füllung hebt vor allem den Füllungsdruck. Ergebnisse: grün Volumen gezielt geben, SV steigt; grau kein Volumengewinn, andere Ursache wie Pumpe oder Gefäße suchen.

Abbildung: Vor jeder Volumengabe zuerst nach Stauung fragen. Ohne Stauungszeichen klärt ein Test wie das passive Beinheben, auf welchem Kurventeil das Herz arbeitet; nur im steilen Teil steigt das Schlagvolumen mit mehr Füllung. Quelle: eigene Darstellung.

Die Nachlast ist die Belastung, gegen die der Ventrikel auswirft. Dazu gehören arterieller Druck, Gefäßeigenschaften und Wandgeometrie; eine Ausflussstenose kann sie ebenfalls erhöhen. Ein hoher arterieller Widerstand ist ein wichtiger Einfluss, aber nicht die vollständige Definition der Nachlast.

Typische Beispiele sind eine arterielle Hypertonie (Praxisblutdruck ab 140/90 mmHg) und eine schwere Aortenstenose (mittlerer Gradient ab 40 mmHg). Nach dem Laplace-Gesetz steigt die Wandspannung mit Kammerdruck und Radius und sinkt mit zunehmender Wanddicke.

Oben die Nachlast als Belastung, gegen die der Ventrikel auswirft, mit dem Laplace-Gesetz: Wandspannung ungefähr Druck mal Radius geteilt durch zweimal Wanddicke. Darunter vier Kästen: 1 Arterieller Druck – Hypertonie ab 140/90 mmHg, akuter Blutdruckanstieg, höherer Druck in der Aorta. 2 Gefäße – enge Arteriolen erhöhen den Widerstand, steife Aorta im Alter, weniger elastische Dämpfung. 3 Wandgeometrie – großer Radius erhöht die Spannung, zum Beispiel bei dilatierter Kammer, eine dicke Wand senkt sie. 4 Ausflussstenose – schwere Aortenstenose mit mittlerem Gradienten ab 40 mmHg und Maximalgeschwindigkeit ab 4 m/s. Alle führen zu: Nachlast steigt akut bei gleicher Kraft und Füllung. Ergebniszeile: Auswurf erschwert, SV kann sinken; ESV steigt, mehr Restvolumen in der Kammer; der Widerstand ist nur ein Teil der Nachlast.

Abbildung: Vier Quellen der Nachlast. Steigt sie akut bei gleicher Kraft und Füllung, bleibt mehr Blut in der Kammer zurück und das Schlagvolumen kann sinken. Der Gefäßwiderstand ist dabei nur ein Teil des Bildes. Quelle: eigene Darstellung.

Die Kontraktilität beschreibt die Kraftentwicklung unabhängig von Änderungen der Vor- und Nachlast. Sympathische Aktivierung kann sie steigern; Myokardschädigung kann sie vermindern. Die Auswurffraktion bezeichnet den pro Schlag ausgeworfenen Anteil des zuvor gefüllten Kammervolumens. Sie ist lastabhängig und daher kein reines Maß der Kontraktilität; ihre Berechnung folgt in U08.

Bei schwerer primärer Mitralinsuffizienz wirft der Ventrikel zusätzlich in den Vorhof aus; deshalb gilt dort schon eine EF von höchstens 60 % als Zeichen einer linksventrikulären Funktionsstörung.

Oben „Kontraktilität ungleich Auswurffraktion“. Links die Kontraktilität als Kraft bei gleicher Last: Sie steigt durch den Sympathikus über β1-Rezeptoren, Adrenalin und Noradrenalin sowie das Medikament Dobutamin; sie sinkt bei Infarkt mit Myokardschaden, Myokarditis und unter β-Blockern. Rechts die Auswurffraktion als Anteil des EDV pro Schlag: lastabhängig; steigt die Nachlast, sinkt die EF, obwohl die Kraft gleich ist; bei schwerer Mitralinsuffizienz wirft der Ventrikel auch in den Vorhof aus, dort gilt eine EF von höchstens 60 % schon als linksventrikuläre Dysfunktion; Berechnung in U08. Ergebniszeile: links Kraft des Myokards, unabhängig von Vor- und Nachlast; rechts EF gleich Kraft plus Last, nie ohne Lastbedingungen bewerten.

Abbildung: Links die Kraftentwicklung des Myokards mit Beispielen für Steigerung und Verminderung – Katecholamine wie Dobutamin steigern sie, ein Infarkt oder β-Blocker senken sie. Rechts die lastabhängige EF: Dieselbe Kraft kann bei höherer Nachlast eine niedrigere EF ergeben, und bei schwerer Mitralinsuffizienz lässt die EF die Funktion besser erscheinen, als sie ist. Quelle: eigene Darstellung.

Oben „Was verändert das Schlagvolumen?“ als isolierte Tendenz bei sonst gleichen Bedingungen. Vier Kästen mit Ergebnisschild: Vorlast steigt – mehr Dehnung vor dem Auswurf, Frank-Starling-Mechanismus, Beine hoch etwa 300 ml, SV steigt. Nachlast steigt – Auswurf gegen mehr Druck, zum Beispiel Blutdruck ab 140/90 mmHg oder Aortenstenose, SV sinkt. Kontraktilität steigt – mehr Kraft bei gleicher Last, Sympathikus über β1, Medikament Dobutamin, SV steigt. Füllungszeit sinkt – hohe Herzfrequenz kürzt die Diastole, bei 60/min dauert ein Herzzyklus 1 s, bei 150/min nur 0,4 s, SV sinkt. Darunter der Netto-Effekt auf SV und HZV: grün SV steigt bei Vorlastanstieg im steilen Kurventeil oder mehr Kraft; rot SV sinkt bei Nachlastanstieg oder verkürzter Füllungszeit; grau im Patienten meist mehrere Einflüsse zugleich.

Abbildung 16: Die Pfeile beschreiben isolierte Tendenzen, jeweils mit einem Beispiel. Bei 60/min dauert ein Herzzyklus 1 s, bei 150/min nur 0,4 s; verkürzt wird vor allem die Diastole und damit die Füllungszeit. Im Patienten ändern sich meist mehrere Einflüsse gleichzeitig. Quelle: eigene Darstellung.

Änderung bei sonst gleichen BedingungenErwartete Tendenz
Vorlast steigt im nutzbaren BereichSV kann steigen
Nachlast steigt akutAuswurf wird erschwert, SV kann sinken
Kontraktilität steigtSV kann steigen
Sehr kurze FüllungszeitFüllung und SV können sinken

Freie Antwort

Unterstützt rechnen

Aufgabe: HF 80/min, SV 60 ml. Berechne zunächst ml/min, dann l/min. Welche zusätzliche Information brauchst du, bevor du eine ausreichende Organversorgung behauptest?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
HF80/min
SV60 ml
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Ein neues Lastproblem

Aufgabe: Bei zunächst unveränderter HF und Füllung steigt der Druck, gegen den der linke Ventrikel auswerfen muss, deutlich an. Welcher Begriff beschreibt diese Änderung am besten?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
HFZunächst unverändert
FüllungZunächst unverändert
Druck gegen den AuswurfSteigt deutlich
  1. a)Verminderte Vorlast.
  2. b)Erhöhte Kontraktilität.
  3. c)Erhöhte Nachlast.
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Freie Antwort

Gleiche Füllung, andere Kraft

Aufgabe: In einem vereinfachten Vergleich bleiben Vorlast, Nachlast und Frequenz gleich. Die Kontraktilität nimmt ab. Beschreibe die erwartete Richtung von Schlagvolumen und Herzzeitvolumen. Warum wäre ein beobachtetes kleineres SV im echten Patienten nicht automatisch der isolierte Nachweis genau dieser Änderung?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
Vorlast, Nachlast, FrequenzBleiben gleich
KontraktilitätNimmt ab
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Freie Antwort

Die Schleife lesen

Aufgabe: Nutze die Druck-Volumen-Schleife aus S01. Lies EDV und ESV ab und berechne das Schlagvolumen. Berechne anschließend das HZV bei HF 70/min in l/min. In welcher nummerierten Phase nimmt das Ventrikelvolumen ab?

Schematische Druck-Volumen-Schleife des linken Ventrikels mit EDV bei 120 Millilitern, ESV bei 50 Millilitern und vier nummerierten Phasen.

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Multiple Choice

Gleiche Füllung, unterschiedlicher Gewinn

Aufgabe: Betrachte die Frank-Starling-Kurven aus S02. Auf der normalen Kurve und auf der Kurve mit verminderter Kontraktilität wird die Füllung um denselben Betrag erhöht (1 → 2 und 3 → 4). Welche Aussage passt zum Diagramm?

Frank-Starling-Kurven mit normaler, erhöhter und verminderter Kontraktilität; gleiche Füllungszunahme von Punkt 1 nach 2 auf der normalen und von Punkt 3 nach 4 auf der unteren Kurve.

  1. a)Auf der Kurve mit verminderter Kontraktilität bringt dieselbe Füllungszunahme deutlich weniger zusätzliches Schlagvolumen.
  2. b)Auf beiden Kurven steigt das Schlagvolumen gleich stark, weil die Füllungszunahme gleich ist.
  3. c)Das Diagramm zeigt, dass zusätzliche Flüssigkeit das Schlagvolumen bei jedem Patienten zuverlässig steigert.
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Druck und Regulation

Lernziel: Du kannst Blutdruck aus Fluss, Widerstand und Regulation erklären.

Druck ist nicht gleich Fluss

Ein Druckunterschied treibt Blut durch Gefäße; der Strömungswiderstand begrenzt den Fluss. Für den Körperkreislauf gilt vereinfacht: mittlerer arterieller Druck (MAP) minus rechter Vorhofdruck = HZV × systemischer Gefäßwiderstand. Wenn der rechte Vorhofdruck klein gegenüber dem MAP ist, wird häufig MAP ≈ HZV × Widerstand geschrieben. Mit HZV in l/min wird der Widerstand hierfür in mmHg·min/l angegeben. Das ist ein Modell der mittleren Größen, keine vollständige Beschreibung pulsierender Gefäße.

Arteriolen können ihren Durchmesser verändern und damit den Widerstand stark beeinflussen. Nach dem Hagen-Poiseuille-Gesetz wächst der Widerstand mit der vierten Potenz des abnehmenden Radius: Halbiert sich der Radius, steigt er etwa auf das 16-Fache. Elastische große Arterien speichern während des Auswurfs Energie und geben sie in der Diastole zurück: Diese Windkesselfunktion glättet den Fluss. Der diastolische Druck fällt zwischen zwei Schlägen deshalb normalerweise nicht auf null.

Flussdiagramm. Oben: Was bestimmt den MAP? MAP minus Vorhofdruck gleich HZV mal Widerstand. Zwei Zweige: 1 HZV gleich Herzfrequenz mal Schlagvolumen, Beispiel 70/min mal 70 ml ungefähr 4,9 l/min; Schlagvolumen abhängig von Vorlast, Kontraktilität und Nachlast; steigende Frequenz verkürzt vor allem die Diastole. 2 Widerstand: vor allem Arteriolen; halbierter Radius ergibt etwa 16-fachen Widerstand (r-hoch-4-Gesetz); Sympathikus über Alpha-1 erhöht, lokale Stoffwechselprodukte wie CO2 und Adenosin senken ihn. 3 Rechenbeispiel: MAP 90 mmHg, Vorhofdruck 5 mmHg, HZV 5 l/min ergibt (90 minus 5) geteilt durch 5 gleich 17 mmHg·min/l; bei kleinem Vorhofdruck oft MAP ungefähr HZV mal Widerstand. Ergebniszeile: HZV niedrig und Widerstand hoch – gleicher MAP, weniger Fluss; HZV hoch und Widerstand niedrig – gleicher MAP, mehr Fluss.

Abbildung: Der MAP entsteht aus zwei Faktoren. Lies zuerst die beiden Zweige: Das HZV hängt von Frequenz und Schlagvolumen ab, der Widerstand vor allem vom Radius der Arteriolen. Das Rechenbeispiel zeigt die Einheit mmHg·min/l. Die Ergebniszeile zeigt, warum ein gleicher Druck unterschiedlichen Fluss bedeuten kann.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei übereinanderliegende Felder. Oben Systole: Die Aortenklappe ist offen, der linke Ventrikel wirft Blut in die Aorta aus, die Aortenwand wölbt sich nach außen und speichert Volumen und Energie; gleichzeitig fließt Blut zur Peripherie. Unten Diastole: Die Klappe ist geschlossen, die Aortenwand stellt sich elastisch zurück und treibt das Blut weiter zur Peripherie.

Abbildung 17: Windkesselfunktion, schematisch. In der Systole wird ein Teil des Schlagvolumens in der gedehnten Aortenwand zwischengespeichert, in der Diastole treibt die elastische Rückstellung dieses Blut weiter. Deshalb fließt Blut auch zwischen zwei Auswürfen, und der diastolische Druck bleibt über null.

Quelle: eigene Darstellung.

MessgrößeWas sie beschreibt
Systolischer DruckMaximaler arterieller Druck im Zyklus
Diastolischer DruckMinimaler arterieller Druck im Zyklus
PulsdruckSystolischer minus diastolischer Druck
MAPZeitlicher Mittelwert des arteriellen Drucks

Für eine grobe Abschätzung bei üblicher Ruhefrequenz gilt MAP ≈ diastolischer Druck + ⅓ × Pulsdruck. Bei etwa 70/min verhält sich die Dauer von Systole zu Diastole ungefähr wie 1 : 2; daher stammt das Drittel. Die Gewichtung hängt vom Zeitverhältnis von Systole und Diastole ab; bei ausgeprägter Tachykardie, Rhythmusstörungen oder ungewöhnlichen Kurvenformen ist die Näherung weniger zuverlässig.

Arterielle Druckkurve über drei Herzschläge mit Druckachse in mmHg. Gestrichelte Linien markieren den systolischen Druck bei 120 mmHg, den diastolischen Druck bei 75 mmHg und den MAP bei etwa 90 mmHg. Ein Doppelpfeil zeigt den Pulsdruck von 45 mmHg. Unter dem ersten Schlag ist eine kurze Systole und eine längere Diastole markiert. Oben steht die Rechnung MAP ≈ 75 + ⅓ × 45 = 90 mmHg.

Abbildung 18: Arterielle Druckkurve bei 120/75 mmHg, schematisch. Der Pulsdruck ist der Abstand zwischen Maximum und Minimum. Weil die Kurve in Ruhe länger im diastolischen Bereich verläuft, liegt der zeitliche Mittelwert (MAP) näher am diastolischen als am systolischen Wert.

Quelle: eigene Darstellung.

Echte invasiv gemessene arterielle Druckkurve über etwa vier Sekunden mit fünf regelmäßigen Herzschlägen; Druckachse 60 bis 140 mmHg, Zeitachse in Sekunden. Gestrichelte Linien markieren die Maxima bei etwa 134 mmHg (systolisch), die Minima bei etwa 68 mmHg (diastolisch) und den gemessenen Mittelwert bei etwa 92 mmHg (MAP). Ein Doppelpfeil zeigt den Pulsdruck von 66 mmHg. Oben stehen nebeneinander die Näherung 68 + ⅓ × 66 ≈ 90 mmHg und der Mittelwert der Kurve ≈ 92 mmHg.

Abbildung: Echte Aufzeichnung über einen arteriellen Katheter während einer Narkose, regelmäßiger Rhythmus mit etwa 74/min. Die Kurve verläuft in jedem Schlag länger im unteren Druckbereich; deshalb liegt der aus der Kurvenfläche gemittelte MAP (≈ 92 mmHg) näher am diastolischen Wert. Bei diesem regelmäßigen Rhythmus trifft die Näherung (≈ 90 mmHg) den gemessenen Mittelwert gut. Die Hilfslinien und Zahlen sind nachträglich eingetragen.

Quelle: VitalDB (Lee H., Jung C.-W.), PhysioNet, Fall 0001, Kurve ART; CC BY 4.0; Abschnitt neu geplottet und deutsch beschriftet.

Entscheidungsdiagramm. Oben: MAP ungefähr diastolisch plus ein Drittel Pulsdruck, eine Schätzung des zeitlichen Mittelwerts. 1 Warum ein Drittel: bei etwa 70/min Systole zu Diastole etwa 1 zu 2; die Kurve verweilt länger im unteren Druckbereich; Beispiel 120/75 mmHg ergibt 75 plus ein Drittel von 45 gleich 90 mmHg. Frage: Ruhefrequenz und regelmäßiger Rhythmus? Ja: Näherung brauchbar – echte Kurve 134/68 mmHg, Näherung etwa 90 mmHg, Kurvenmittel etwa 92 mmHg, Abweichung etwa 2 mmHg; Ergebnis rechnen und mit Klinik und Verlauf einordnen. Nein: Näherung unsicher – bei Tachykardie ist die Diastole kürzer und der echte MAP höher, bei Arrhythmie schwankt er von Schlag zu Schlag, ebenso bei ungewöhnlicher Kurvenform; Ergebnis gemessenen MAP vom Monitor oder der arteriellen Messung nutzen.

Abbildung: Wann die Drittel-Regel trägt. Bei Ruhefrequenz und regelmäßigem Rhythmus liegt sie nahe am gemessenen Mittelwert, wie die echte Kurve oben zeigt (90 gegen 92 mmHg). Wird die Diastole bei Tachykardie kürzer, nimmt der Anteil hoher Drücke zu und die Formel unterschätzt den MAP; dann zählt der vom Gerät gemessene Mittelwert.

Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel: 120/75 mmHg ergibt einen Pulsdruck von 45 mmHg und näherungsweise einen MAP von 75 + 15 = 90 mmHg. Der arterielle Mittelwert allein beweist keinen ausreichenden Fluss: Ein niedrigeres HZV kann teilweise durch höheren Gefäßwiderstand kompensiert werden.

Zwei Felder nebeneinander unter der Formel MAP ≈ HZV × Widerstand. Person A: HZV 3 l/min mal Widerstand 30 mmHg·min/l. Person B: HZV 6 l/min mal Widerstand 15 mmHg·min/l. Beide Felder führen zu MAP ≈ 90 mmHg. Darunter: Gleicher Druck – unterschiedlicher Fluss.

Abbildung 19: Gleicher MAP aus unterschiedlichen Kombinationen von Fluss und Widerstand (vereinfachtes Modell, rechter Vorhofdruck vernachlässigt). Bei Person A fließt nur halb so viel Blut pro Minute wie bei Person B, obwohl der Mittelwert gleich ist.

Quelle: eigene Darstellung.

In der Sepsis empfiehlt die internationale Leitlinie zunächst einen MAP von mindestens 65 mmHg. Ob die Organe ausreichend versorgt werden, zeigen aber erst Perfusionszeichen: Haut und Rekapillarisierung, Bewusstsein, Urinmenge (auffällig unter 0,5 ml/kg/h über mindestens 6 Stunden) und Laktat (auffällig über 2 mmol/l; erhöhte Werte nach 2–4 Stunden erneut messen).

Flussdiagramm. Oben: Druck gemessen – sind die Organe versorgt? Der MAP sagt nichts direkt über den Fluss. 1 Druck einordnen: MAP berechnen oder am Gerät ablesen; bei Sepsis oder septischem Schock initiales Ziel MAP mindestens 65 mmHg; mit dem Ausgangsdruck der Person vergleichen. 2 Perfusionszeichen prüfen, vier Felder: Haut – kalt, blass, marmoriert, Rekapillarisierung deutlich verzögert; Gehirn – Verwirrtheit, Unruhe, Somnolenz, Vergleich mit dem Ausgangsbefund; Niere – Urin unter 0,5 ml/kg/h über mindestens 6 Stunden, mit Katheter stündlich; Labor – Laktat über 2 mmol/l, erhöht nach 2–4 Stunden erneut messen. Frage: Zeichen auffällig? Nein: Perfusion plausibel, Verlauf kontrollieren. Ja: Minderperfusion trotz MAP, Ursache klären.

Abbildung: Ein Druckwert im Zielbereich ist nur der erste Schritt. Prüfe danach die Organe, an denen sich Minderperfusion zeigt. Erst wenn Haut, Bewusstsein, Urin und Laktat unauffällig sind, ist eine ausreichende Versorgung plausibel; kein einzelnes Zeichen beweist oder widerlegt einen Schock.

Quelle: eigene Darstellung.

Schnelle und langsamere Anpassung

Beim Aufstehen verlagert sich Blut in die unteren Körperabschnitte. Venöser Rückstrom, Füllung und zunächst SV können sinken. Drucksensoren in Karotissinus und Aortenbogen registrieren die geringere Dehnung. Über das autonome Nervensystem nehmen sympathische Aktivität und Gefäßtonus zu, die vagale Bremsung nimmt ab. Frequenz und Kontraktionskraft können steigen; venöse Gefäße mobilisieren Blut in Richtung Herz. Dieser Baroreflex wirkt in Sekunden. Reicht er nicht aus, spricht nach ESC-Leitlinie ein anhaltender Abfall systolisch um mindestens 20 mmHg, diastolisch um mindestens 10 mmHg oder auf systolisch unter 90 mmHg innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen für eine orthostatische Hypotonie.

Anatomische Illustration von Hals und oberer Thoraxapertur von rechts seitlich. Die A. carotis communis steigt auf und teilt sich in A. carotis interna und A. carotis externa; die Erweiterung an der Teilungsstelle ist als Karotissinus beschriftet und mit einem Kreis markiert. Weitere Beschriftungen: A. vertebralis, A. facialis, A. lingualis.

Abbildung: Lage des Karotissinus. Die Erweiterung am Abgang der A. carotis interna enthält Dehnungsrezeptoren (Barorezeptoren); ihre Afferenzen laufen über den N. glossopharyngeus zum Hirnstamm. Der zweite Messort, der Aortenbogen, liegt tiefer im Thorax und meldet über den N. vagus. Nimmt die Wanddehnung ab, sinkt die Entladungsrate – das ist der Startpunkt der Gegenregulation in der folgenden Abbildung.

Quelle: OpenStax College, Anatomy & Physiology (Datei „2122 Common Carotid Artery“, Wikimedia Commons), CC BY 3.0; Ausschnitt, deutsche Beschriftung, Markierung ergänzt.

Flussdiagramm. Auslöser: Aufstehen, Blut versackt in Beine und Bauch; venöser Rückstrom, Füllung, Schlagvolumen und Druck sinken. 1 Barorezeptoren messen weniger Dehnung: Karotissinus über N. glossopharyngeus (IX), Aortenbogen über N. vagus (X); weniger Dehnung senkt die Entladungsrate. 2 Kreislaufzentren in der Medulla oblongata schalten in Sekunden um: Sympathikus hoch, Vagus herunter. Zwei parallele Felder: 3a Sympathikus – über Beta-1 steigen Herzfrequenz und Kontraktilität, über Alpha-1 verengen sich Arteriolen und der Widerstand steigt, verengte Venen erhöhen den Rückstrom; 3b Vagus vermindert – Sinusknoten beschleunigt, AV-Überleitung schneller, Wirkung von Schlag zu Schlag. 4 Kontrolle im Stehen: Liege- oder Sitzwert als Ausgang, Messung nach 1 und 3 Minuten mit Sturzsicherung. Ergebnis: Reflex reicht – kompensiert, Druck stabil, Frequenz leicht erhöht. Reflex reicht nicht – orthostatische Hypotonie: innerhalb von 3 Minuten systolisch mindestens 20 mmHg oder diastolisch mindestens 10 mmHg Abfall oder systolisch unter 90 mmHg.

Abbildung 20: Baroreflex beim Aufstehen. Verfolge die Nummern: Messort, Umschaltung im Hirnstamm, die beiden efferenten Wege und die Kontrolle im Stehen. Die Ergebniszeile zeigt, woran du erkennst, ob die Gegenregulation ausreicht.

Quelle: eigene Darstellung.

Bei längerem Volumen- oder Perfusionsmangel sind Nieren und Hormone wichtig. Die Niere setzt Renin frei; Renin spaltet aus dem in der Leber gebildeten Angiotensinogen das Angiotensin I, und das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) wandelt es in Angiotensin II um. Angiotensin II zirkuliert nur etwa 1–2 Minuten, wird bei anhaltendem Reiz aber laufend nachgebildet. Es fördert Vasokonstriktion, Durst und die Aldosteronwirkung; Aldosteron erhöht die renale Natriumretention. Antidiuretisches Hormon (ADH) aus dem Hypophysenhinterlappen unterstützt die Wasserretention. Diese Systeme tragen über unterschiedliche Zeiträume zur Kreislaufstabilisierung bei, können bei chronischer Herzschwäche aber auch Stauung verstärken. Deshalb gehören bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (LVEF ≤ 40 %) ACE-Hemmer oder ARNI und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten nach ESC-Leitlinie zur Basistherapie. Lokale Stoffwechselsignale verändern zusätzlich die Durchblutung einzelner Organe. Grob gilt: Der Baroreflex wirkt in Sekunden, Angiotensin II und der Einstrom von Gewebsflüssigkeit in die Kapillaren über Minuten bis Stunden, die renale Volumenanpassung über Aldosteron und ADH über Stunden bis Tage.

Flussdiagramm. Auslöser: länger anhaltender Volumen- oder Perfusionsmangel; Niere und Hypophyse reagieren über Minuten bis Tage. Linker Strang: 1 Niere setzt Renin frei – bei sinkendem Perfusionsdruck der Niere, über Sympathikus (Beta-1) und bei weniger NaCl an der Macula densa. 2 Angiotensin I wird zu II: Angiotensinogen aus der Leber, ACE vor allem in der Lunge bildet Angiotensin II, das nur 1–2 Minuten im Blut zirkuliert. Daraus 3a Gefäßverengung der Arteriolen mit steigendem Widerstand in Minuten und 3b Aldosteron aus der Nebennierenrinde mit Natriumretention und Kaliumausscheidung über Stunden bis Tage. Rechter Strang: ADH aus dem Hypophysenhinterlappen, ausgelöst durch Volumenabnahme und steigende Osmolalität; über V2-Rezeptoren und Aquaporin-2 Wasserretention, über V1-Rezeptoren Gefäßverengung; darunter Durst durch Angiotensin II und Osmolalität. 4 Alle Wege: Widerstand, Volumen und Vorlast steigen. Ergebniszeile: bei Volumenmangel stabilisierter Kreislauf; bei chronischer Herzschwäche Stauung und Ödeme; daher bei HFrEF mit LVEF bis 40 % ACE-Hemmer oder ARNI plus MRA.

Abbildung 21: Langsamere hormonelle Gegenregulation. Angiotensin II wirkt doppelt: direkt über den Gefäßwiderstand und indirekt über Aldosteron und das Volumen; ADH und Durst ergänzen die Wasserbilanz. Derselbe Mechanismus, der bei Volumenmangel stabilisiert, verstärkt bei chronischer Herzschwäche die Stauung – hier setzt die Basistherapie der HFrEF an.

Quelle: eigene Darstellung.

Zeitachse mit drei Abschnitten von links nach rechts. 1 Sekunden: Baroreflex über Karotissinus und Aortenbogen, Herzfrequenz, Kontraktilität und Gefäßtonus steigen, Beispiel Aufstehen; Ergebnis Druck halten, sofort, aber begrenzt. 2 Minuten bis Stunden: Angiotensin II – Renin steigt, Gefäße verengen sich, Widerstand steigt; Gewebsflüssigkeit strömt in die Kapillaren; Beispiel Blutung in den ersten Stunden; Ergebnis überbrücken, bis Volumen kommt. 3 Stunden bis Tage: Niere und Volumen – Aldosteron mit Natriumretention, ADH mit Wasserretention, Beispiel Erbrechen oder Diarrhö; Ergebnis Volumen steigt, bei Herzschwäche Stauung.

Abbildung: Die drei Regelkreise ergänzen sich zeitlich. Der Baroreflex fängt rasche Änderungen ab, kann aber kein verlorenes Volumen ersetzen; das leisten erst Niere, Aldosteron und ADH über Stunden bis Tage.

Quelle: eigene Darstellung.

EinflussMechanischer Bezug
BetablockadeKann Frequenz und Kontraktilität senken
Arterieller VasodilatatorKann die Nachlast vermindern
VenodilatationKann Rückstrom und Vorlast vermindern
DiureseKann Volumen und Stauung vermindern

Diese Tabelle erklärt Wirkprinzipien, keine Therapieentscheidung. Eine blinde Frequenzsenkung bei kompensatorischer Tachykardie oder eine ungezielte Volumensenkung bei echtem Volumenmangel kann die Perfusion verschlechtern. Medikamentenauswahl und Dosierung verlangen die jeweilige Diagnose und den klinischen Kontext. Die Fachinformationen nennen dafür feste Grenzen: Glyceroltrinitrat ist bei einem systolischen Druck unter 90 mmHg kontraindiziert, Metoprolol unter anderem bei einer Ruhefrequenz unter 50/min, einem systolischen Druck unter 90 mmHg oder kardiogenem Schock, Furosemid bei Hypovolämie oder Dehydratation.

Entscheidungsdiagramm. Oben: Wirkprinzip ist noch keine Therapie – erst Ursache und Volumenstatus, dann Medikament. Vier Felder an einer gemeinsamen Achse: Betablockade senkt Frequenz und Kontraktilität, zum Beispiel Metoprolol, Kontraindikation Herzfrequenz unter 50/min oder systolisch unter 90 mmHg; arterieller Vasodilatator senkt die Nachlast und kann das Schlagvolumen steigern, Vorsicht bei Hypotonie und schwerer Aortenstenose; Venodilatation senkt Vorlast und Stauung, zum Beispiel Glyceroltrinitrat, Kontraindikation systolisch unter 90 mmHg; Diurese senkt Volumen und Ödeme, zum Beispiel Furosemid, Kontraindikation Hypovolämie. Frage: Tachykardie oder niedriges Volumen kompensatorisch? Ja: nicht blind senken, Ursache behandeln wie Blutung, Sepsis oder Volumenmangel. Nein: Wirkprinzip passt, Auswahl und Dosis nach Diagnose und Leitlinie.

Abbildung: Jedes der vier Wirkprinzipien greift an einer Stelle der Kreislaufgleichung an. Die gelben Marken nennen die Grenzen aus der Fachinformation. Ist die Tachykardie oder der niedrige Druck selbst eine Kompensation, schadet das blinde Senken; dann wird zuerst die Ursache behandelt.

Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Druck berechnen und begrenzen

Aufgabe: Blutdruck 96/60 mmHg, regelmäßiger Puls 76/min. Berechne Pulsdruck und näherungsweisen MAP. Darf allein daraus auf eine ausreichende Gewebeperfusion geschlossen werden?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
Blutdruck96/60 mmHg
PulsRegelmäßig, 76/min
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Multiple Choice

Orthostase verstehen

Aufgabe: Nach längerem Liegen steht eine Person rasch auf. Kurzzeitig sinkt das SV. Welche Reaktion unterstützt unmittelbar die Kompensation?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
AusgangslageLängeres Liegen
ÄnderungRasches Aufstehen
SVSinkt kurzzeitig
  1. a)Verstärkte vagale Bremsung und arterielle Erweiterung.
  2. b)Sympathische Aktivierung mit Frequenzanstieg und Gefäßverengung.
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Freie Antwort

Widerstand aus MAP und HZV abschätzen

Aufgabe: Nutze das vereinfachte Modell aus der Abbildung „Gleicher MAP“ (MAP ≈ HZV × Widerstand, rechter Vorhofdruck vernachlässigbar). Eine Person hat einen MAP von 80 mmHg bei einem HZV von 4 l/min. Berechne den systemischen Gefäßwiderstand mit Einheit. Welcher MAP wäre zu erwarten, wenn das HZV auf 3 l/min fällt und der Widerstand unverändert bliebe? Welcher Reflex würde dem entgegenwirken?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
AusgangswerteMAP 80 mmHg; HZV 4 l/min
DanachHZV 3 l/min; Widerstand unverändert
ModellannahmeRechter Vorhofdruck vernachlässigbar
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Herzzyklus und Geräusche

Lernziel: Du kannst Klappenbewegung, Herztöne und Geräuschzeitpunkt verknüpfen.

Vier Phasen eines Schlages

Die Systole umfasst Anspannung und Auswurf der Kammer, die Diastole Entspannung und Füllung. Betrachte den linken Ventrikel: Zu Beginn der Anspannung übersteigt sein Druck den Vorhofdruck; die Mitralklappe schließt. Solange der Kammerdruck den Aortendruck noch nicht übersteigt, bleibt auch die Aortenklappe geschlossen. Das Volumen ist konstant: isovolumetrische Anspannung.

Übersteigt der Kammerdruck den Aortendruck, öffnet die Aortenklappe und Blut wird ausgeworfen. Fällt der Kammerdruck anschließend unter den Aortendruck, schließt die Aortenklappe. Zunächst bleiben beide Klappen geschlossen: isovolumetrische Relaxation. Erst wenn der Kammerdruck unter den Vorhofdruck fällt, öffnet die Mitralklappe und die Füllung beginnt. Die Vorhofkontraktion ergänzt die späte Füllung. Rechts gelten entsprechende Druckverhältnisse für Trikuspidal- und Pulmonalklappe. Typische Ruhewerte links sind ein Vorhofdruck von etwa 5–10 mmHg, ein Aortendruck von etwa 75–120 mmHg und ein Kammervolumen von etwa 120 ml am Ende der Füllung (EDV) und 50 ml nach dem Auswurf (ESV); bei 60/min dauert die Systole etwa 0,3 s, die Diastole etwa 0,7 s.

Ablaufdiagramm eines Herzschlags bei 60 pro Minute, Systole etwa 0,3 und Diastole etwa 0,7 Sekunden. Vier nummerierte Kästen, dazwischen Pfeile mit der jeweiligen Druckbedingung. Vor 1: S1, Mitralklappe schließt, wenn der Ventrikeldruck den Vorhofdruck von etwa 10 mmHg übersteigt. 1 Anspannung, isovolumetrisch: beide Klappen zu, Volumen konstant etwa 120 ml, Druck steigt von etwa 10 auf 75 mmHg. Aortenklappe öffnet bei Ventrikeldruck über Aortendruck von etwa 75 mmHg. 2 Auswurf: Druckspitze etwa 120 mmHg, etwa 70 ml Schlagvolumen in die Aorta. S2, Aortenklappe schließt, wenn der Ventrikeldruck unter den Aortendruck fällt. 3 Relaxation, isovolumetrisch: beide Klappen zu, Volumen konstant etwa 50 ml. Mitralklappe öffnet bei Ventrikeldruck unter Vorhofdruck von etwa 5 bis 10 mmHg. 4 Füllung: früh rasch zum Zeitpunkt von S3, spät Vorhofkontraktion zum Zeitpunkt von S4, Volumen steigt von etwa 50 auf 120 ml. Ein Rückpfeil führt zu 1. Unten drei farbige Felder: Systole etwa 0,3 Sekunden von S1 bis S2, Phasen 1 und 2; Diastole etwa 0,7 Sekunden von S2 bis S1, Phasen 3 und 4; bei 120 pro Minute Diastole nur etwa 0,25 Sekunden.

Abbildung 22: Vier Phasen eines Schlages als Ablauf. Zwischen den Kästen steht jeweils die Druckbedingung, die eine Klappe öffnet oder schließt; in den beiden isovolumetrischen Phasen 1 und 3 sind beide Klappen geschlossen. EDV ist das Volumen am Ende der Füllung, ESV das Restvolumen nach dem Auswurf. Die Zahlen sind typische Ruhewerte eines Erwachsenen bei 60/min, keine individuellen Sollwerte.

Quelle: eigene Darstellung.

Druck-Volumen-Zeit-Diagramm des linken Herzens über einen Herzschlag von 0 bis 1 Sekunde, oben Systole etwa 0,3 und Diastole etwa 0,7 Sekunden, vier nummerierte Phasenstreifen. Druckfeld 0 bis 120 mmHg: Die rote Ventrikelkurve steigt in Phase 1 steil von etwa 10 auf 75 mmHg, überschreitet die gestrichelte Aortenkurve, erreicht etwa 120 mmHg und fällt nach dem Aortenklappenschluss in Phase 3 steil unter die gepunktete Vorhofkurve von etwa 5 bis 10 mmHg; die Aortenkurve sinkt in der Diastole langsam auf etwa 75 mmHg. Senkrechte gestrichelte Linien mit den Beschriftungen MK zu, AK auf, AK zu, MK auf. Volumenfeld: konstant etwa 120 ml, dann Abfall auf etwa 50 ml, konstant, dann Anstieg mit später Zunahme durch die Vorhofkontraktion; Klammer SV etwa 70. Tonzeile mit S1, S2 sowie S3 und S4 in Klammern. Unten drei Felder: Klappe öffnet, wenn der Druck davor höher ist; in 1 und 3 sind beide zu, das Volumen bleibt gleich; SV gleich 120 minus 50, etwa 70 ml pro Schlag.

Abbildung: Druck, Volumen und Töne über einen Herzschlag bei 60/min. MK = Mitralklappe, AK = Aortenklappe. Jede Klappe folgt dem Druckgefälle: Die Aortenklappe öffnet, sobald der Ventrikeldruck den Aortendruck von etwa 75 mmHg übersteigt, und schließt mit S2, wenn er wieder darunter fällt. In den Phasen 1 und 3 bleibt die Volumenkurve waagerecht. S3 und S4 stehen in Klammern, weil sie nicht bei jedem Menschen hörbar sind. Kurvenform und Werte sind typische Beispielwerte, keine Messung.

Quelle: eigene Darstellung.

PhaseKlappen linksVolumen im LV
AnspannungBeide geschlossenKonstant, maximal
AuswurfAortenklappe offenNimmt ab
Relaxation vor FüllungBeide geschlossenKonstant, minimal
FüllungMitralklappe offenNimmt zu

Töne zeitlich einordnen

Der erste Herzton (S1) entsteht im Zusammenhang mit dem Beginn der Kammerkontraktion und dem Schluss der AV-Klappen; er ist kein reines „Zuschlagen“ einzelner Segel. Der zweite Herzton (S2) hängt mit dem Schluss von Aorten- und Pulmonalklappe am Ende des Auswurfs zusammen. Die Systole liegt zwischen S1 und S2. Bei der Einordnung hilft der gleichzeitig vorsichtig getastete Karotispuls: Sein Anstieg folgt auf S1. Nie beide Karotiden gleichzeitig komprimieren.

Bei Inspiration kann die Pulmonalkomponente von S2 später hörbar werden: physiologische Spaltung. Eine weite (etwa bei Rechtsschenkelblock), eine atemunabhängig fixe (etwa bei Vorhofseptumdefekt) oder eine paradoxe Spaltung mit A2 nach P2 (etwa bei Linksschenkelblock oder schwerer Aortenstenose) ist dagegen abklärungsbedürftig, zum Beispiel mit EKG und Echokardiografie. Ein dritter Herzton (S3) tritt in der frühen Füllungsphase auf; bei jüngeren Menschen kann er physiologisch sein, bei älteren Erwachsenen mit Beschwerden kann er auf erhöhte Füllungsbelastung hinweisen. S4 entsteht bei Vorhofkontraktion gegen eine schlecht dehnbare Kammer; bei fehlender geordneter Vorhofkontraktion, etwa Vorhofflimmern, ist er nicht zu erwarten. Physiologisch ist S3 vor allem bei Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und in der Schwangerschaft; S4 passt etwa zu einer hypertrophierten, steifen Kammer bei Hypertonie oder Aortenstenose. Sind S3 oder S4 bei Herzinsuffizienz hörbar, spricht man von Galopprhythmus. Zusatzton, Alter und klinischer Kontext gehören zusammen.

Zeitachse eines Herzzyklus: S1 und S2 bei Exspiration, bei Inspiration getrennte Komponenten A2 und P2, darunter S3 in der frühen und S4 in der späten Füllungsphase kurz vor S1.

Abbildung 23: Wo liegen die Töne im Zyklus? Bei Inspiration kann P2 später als A2 hörbar werden. S3 gehört zur frühen Füllung, S4 zur späten Füllung mit Vorhofkontraktion; beide Zusatztöne sind nicht bei jedem Menschen vorhanden, und S4 ist ohne geordnete Vorhofkontraktion, etwa bei Vorhofflimmern, nicht zu erwarten. Schematische Darstellung, keine Schallaufzeichnung; Abstände nicht maßstabsgetreu.

Quelle: eigene Darstellung.

Vier Felder zur Spaltung des zweiten Herztons, oben S2 gleich A2 plus P2. Jedes Feld zeigt zwei Tonzeilen, Exspiration und Inspiration, mit dunklem A2 und blauem P2. Physiologisch, grün: in Exspiration ein einzelner Ton S2, in Inspiration A2 und danach P2; Spaltung nur bei Inspiration, mehr Rückstrom ins rechte Herz verzögert P2. Weit: in beiden Atemphasen gespalten, in Inspiration weiter; zum Beispiel Rechtsschenkelblock, Pulmonalstenose. Fix: in beiden Atemphasen gleicher Abstand; zum Beispiel Vorhofseptumdefekt. Paradox: in Exspiration P2 vor A2, in Inspiration ein einzelner Ton; zum Beispiel Linksschenkelblock, schwere Aortenstenose. Unten grün: nur inspiratorisch, Normalbefund; orange: weit, fix oder paradox, abklären mit EKG und Echo.

Abbildung: Vier Spaltungsmuster des zweiten Herztons im Vergleich von Aus- und Einatmung. Nur die rein inspiratorische Spaltung ist ein Normalbefund. Die Beispiele nennen typische Ursachen, ersetzen aber keine Abklärung; Abstände sind nicht maßstabsgetreu.

Quelle: eigene Darstellung.

TonZeitpunkt im ZyklusEinordnung
S1Beginn der SystoleNormalbefund
S2Ende der SystoleBei Inspiration physiologisch gespalten möglich
S3Frühe FüllungBei Jüngeren physiologisch möglich, sonst im Kontext prüfen
S4Späte Füllung, VorhofkontraktionSchlecht dehnbare Kammer; bei Vorhofflimmern nicht zu erwarten

Entscheidungsdiagramm für einen Zusatzton in der Diastole. Oben: Zeitpunkt zuerst, dann Kontext. Kasten 1, Zeitpunkt bestimmen: kurz nach S2 heißt frühe Füllung und S3, kurz vor S1 heißt Vorhofkontraktion und S4, tiefen Ton mit leicht aufgelegter Glocke in Linksseitenlage hören. Zwei Pfeile, früh und spät, führen zu 2a S3: rasche Füllung in die Kammer, physiologisch möglich bei Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Schwangeren, sonst erhöhte Füllungsbelastung oder Herzinsuffizienz; und zu 2b S4: Vorhof pumpt gegen steife Kammer, zum Beispiel Hypertrophie bei Hypertonie oder Aortenstenose, nur bei Sinusrhythmus, fehlt bei Vorhofflimmern. Beide führen zu 3, Kontext prüfen: Alter, Atemnot, Ödeme, Halsvenen; S3 oder S4 bei Herzinsuffizienz heißt Galopprhythmus. Unten drei Felder: jung und gesund, S3 oft physiologisch; Atemnot und Ödeme, Herzinsuffizienz abklären; Echo zur Beurteilung von Funktion, Wand und Klappen.

Abbildung: Ein diastolischer Zusatzton wird zuerst zeitlich eingeordnet, dann im klinischen Kontext gedeutet. Derselbe Ton kann bei einer jungen gesunden Person harmlos und bei einer älteren Person mit Atemnot ein Hinweis auf Herzinsuffizienz sein.

Quelle: eigene Darstellung.

Ein Geräusch beschreiben, dann deuten

Geräusche entstehen unter anderem durch turbulente Strömung. Beschreibe zuerst den Zeitpunkt, dann den Ort des Maximums, Fortleitung, Klang und Intensität. Ein systolisches Geräusch kann zum Beispiel durch eine Ausflussstenose oder eine undichte AV-Klappe entstehen. Ein diastolisches Geräusch kann durch eine undichte Taschenklappe oder eine verengte AV-Klappe entstehen und ist grundsätzlich abklärungsbedürftig.

Sieben nummerierte Schritte untereinander. Abschnitt Beschreiben: 1 Zeitpunkt, systolisch zwischen S1 und S2, diastolisch zwischen S2 und nächstem S1, Karotispuls tasten, nie beide gleichzeitig. 2 Ort des Maximums: Aorta 2. ICR rechts, Pulmonalis 2. ICR links, Erb 3. ICR links, Trikuspidal 4. bis 5. ICR links, Mitral an der Herzspitze etwa im 5. ICR links. 3 Fortleitung: in die Karotiden passt zur Aortenklappe, in die linke Axilla zur Mitralklappe. 4 Klang und Verlauf: spindelförmig gleich Crescendo-Decrescendo; bandförmig, abnehmend oder Rumpeln. 5 Intensität: Grad I bis VI, ab Grad IV tastbares Schwirren. Abschnitt Deuten: 6 Verdacht formulieren, Mechanismus benennen, Lautstärke ist kein Schweregrad. 7 Echokardiografie, TTE: klärt Mechanismus, Schwere und Auswirkungen; diastolisches Geräusch grundsätzlich abklären. Unten drei Felder: akut schwere Beschwerden, sofort ABCDE; diastolisch oder Beschwerden, Echo veranlassen; leise systolisch bei jungen Gesunden, oft akzidentell.

Abbildung 24: Erst beschreiben, dann deuten. Die Schritte 1–5 sammeln den Hörbefund mit konkreten Orten und Graden; erst Schritt 6 formuliert einen Verdacht, Schritt 7 klärt ihn. Die Reihenfolge verhindert, dass ein Hörbefund vorschnell als Diagnose notiert wird. Die Hörorte entsprechen C01-U07-S03.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Spalten unter der Überschrift: erst der Zeitpunkt, dann der Mechanismus. Links rot, systolisch von S1 bis S2: Ausfluss verengt, Aortenstenose, spindelförmig, Maximum 2. ICR rechts, Fortleitung in die Karotiden; oder AV-Klappe undicht, Mitralinsuffizienz, holosystolisch und bandförmig, Maximum an der Herzspitze im 5. ICR, Fortleitung in die linke Axilla. Rechts blau, diastolisch von S2 bis S1: Taschenklappe undicht, Aorteninsuffizienz, frühdiastolisch abnehmend, Maximum 3. ICR links am Erb-Punkt, vorgeneigt in Exspiration; oder AV-Klappe verengt, Mitralstenose, tieffrequentes Rumpeln, Herzspitze in Linksseitenlage, spät lauter nur bei Sinusrhythmus. Unten drei Felder: systolisch, Befund und Beschwerden einordnen; diastolisch, grundsätzlich abklären; beide, Mechanismus und Schwere per Echo.

Abbildung: Der Zeitpunkt teilt Geräusche in zwei Gruppen mit je zwei typischen Mechanismen. Ort, Fortleitung und Lagerung stützen den Verdacht; „typisch“ heißt nicht „beweisend“.

Quelle: eigene Darstellung.

Zeitliche Formen von systolischem Auswurfgeräusch, Holosystolikum und diastolischen Geräuschen.

Abbildung 25: Die Kurven zeigen den Lautstärkeverlauf schematisch; sie sind keine Schallaufzeichnung und ersetzen das Hören nicht. Die späte Verstärkung des unteren Musters setzt eine wirksame Vorhofkontraktion voraus und fehlt bei Vorhofflimmern.

MusterTypischer MechanismusTypischer Hörhinweis
Systolisch, spindelförmigAortenstenoseBasis rechts, oft Halsgefäße
HolosystolischMitralinsuffizienzSpitze, oft linke Axilla
Frühdiastolisch, abnehmendAorteninsuffizienzLinker Sternalrand
Diastolisches RumpelnMitralstenoseSpitze in Linksseitenlage

Zwei echte Autopsiepräparate verengter Herzklappen. A: Aortenklappe von oben mit verdickten, verwachsenen Taschen und kleiner Restöffnung, markiert mit einem Pfeil. B: Mitralklappe vom eröffneten linken Vorhof aus mit verdickten Segeln und schlitzförmiger Öffnung, markiert mit einem Pfeil.

Abbildung: Echte Präparate verengter Klappen. A: Aortenklappe, von der Aorta aus gesehen; die Taschen sind verdickt und verwachsen, nur eine kleine Restöffnung bleibt (Pfeil). Durch diese Engstelle muss das Blut in der Systole hindurchgepresst werden: passend zum systolischen, spindelförmigen Geräusch. B: Mitralklappe, vom eröffneten linken Vorhof aus gesehen; verdickte Segel lassen nur einen schmalen Schlitz frei (Pfeil). Durch ihn strömt das Blut in der Diastole in die Kammer: passend zum diastolischen Rumpeln. Präparat A stammt laut Quelle von einer rheumatischen Herzerkrankung; bei älteren Erwachsenen ist die Aortenstenose meist degenerativ-kalzifizierend.

Quelle: A: CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr., Public Health Image Library (PHIL) Nr. 848, gemeinfrei. B: CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr., PHIL Nr. 849, gemeinfrei. Buchstaben und Pfeile ergänzt.

„Typisch“ bedeutet keine gesicherte Diagnose. Lautstärke allein bildet die Schwere nicht ab; bei geringem Fluss kann auch eine schwere Läsion leise sein. Umgekehrt kann hoher Fluss ein systolisches Geräusch ohne relevante Klappenstenose verursachen. Solche funktionellen Geräusche, etwa bei Fieber, Anämie oder in der Schwangerschaft, sind meist leise und werden nicht fortgeleitet; auch bei gesunden Jugendlichen kommen leise akzidentelle systolische Geräusche vor. Ein normales Abhören schließt strukturelle Erkrankung nicht sicher aus. Echokardiografie klärt Mechanismus, Schwere und Auswirkungen. Bei der Aortenstenose sprechen eine maximale Flussgeschwindigkeit ab 4 m/s, ein mittlerer Gradient ab 40 mmHg und eine Öffnungsfläche bis 1,0 cm² für eine schwere Stenose; bei geringem Fluss, etwa einem Schlagvolumenindex bis 35 ml/m², kann der Gradient trotz schwerer Stenose niedrig bleiben.

Oben: Lautstärke ist nicht gleich Schweregrad, der Fluss bestimmt mit, wie laut es klingt. Zwei Äste. Geringer Fluss, rot: schwere Stenose kann leise sein, zum Beispiel Schlagvolumenindex bis 35 ml pro Quadratmeter, Zustand schlechter, Geräusch leiser. Hoher Fluss, grau: systolisch ohne relevante Stenose, zum Beispiel Fieber, Anämie, Schwangerschaft, meist leise, ohne Fortleitung. Beide führen zu Grenze des Abhörens: Grad I bis VI beschreibt nur die Lautstärke, normales Abhören schließt ein Vitium nicht sicher aus. Darunter Echokardiografie klärt die Schwere: Mechanismus, Schwere, Auswirkungen auf die Kammer; schwere Aortenstenose bei Vmax ab 4 m/s, Pmean ab 40 mmHg, Öffnungsfläche bis 1,0 Quadratzentimeter. Unten drei Felder: leise und Atemnot, nicht harmlos; laut, nicht automatisch schwer; Schweregrad aus Echo und Klinik.

Abbildung: Der Fluss beeinflusst die Lautstärke; auch ein unauffälliger Hörbefund schließt strukturelle Erkrankung nicht sicher aus. Vmax ist die maximale Flussgeschwindigkeit, Pmean der mittlere Druckgradient über der Klappe; beide misst die Echokardiografie.

Quelle: eigene Darstellung.

Echtes Farbdoppler-Echobild im apikalen Zweikammerblick: Schallsektor mit Spitze oben, im unteren Bildteil im linken Vorhof ein gelb-blaues Mosaiksignal entlang der Vorhofwand, markiert mit einem weißen Pfeil; rechts die Farbskala.

Abbildung: Echte transthorakale Farbdoppler-Aufnahme im apikalen Zweikammerblick bei schwerer Mitralinsuffizienz. Oben liegt der linke Ventrikel, unten der linke Vorhof. Der Pfeil der Originalautoren markiert den exzentrischen Rückstromjet: ein Mosaiksignal, das während der Systole einen Großteil des Vorhofs ausfüllt. Das ist der Blutweg hinter einem holosystolischen Geräusch an der Herzspitze; Mechanismus und Ausmaß zeigt erst die Echokardiografie. Die Aufnahme ist ein Foto des Monitors und daher etwas unscharf.

Quelle: Mange M, Sharma D, Eddula M, Sharma P. Cureus 2026;18(4):e107578, Abb. 3, PMC13198171, CC BY 4.0, Ausschnitt.

Zwei echte Phonokardiogramme: Kurve A zeigt drei Herzzyklen mit kurzen Tönen S1 und S2 und ruhiger Linie dazwischen; Kurve B zeigt einen Zyklus mit zusätzlichen Schwingungen zwischen S1 und S2.

Abbildung 26: Echte Phonokardiogramme, also aufgezeichnete Herzschallkurven. A: normale Herztöne über drei Herzzyklen; zwischen S1 und S2 (Systole) und nach S2 (Diastole) bleibt die Kurve weitgehend ruhig. Die farbigen Linien markieren Beginn und Ende der erkannten Töne. B: ein Herzzyklus einer anderen Person mit zusätzlichen Schwingungen; ordne sie in C01-U05-Q04 selbst ein. Beide Kurven stammen aus verschiedenen Aufnahmen mit unterschiedlicher Zeit- und Amplitudenskalierung; Kurve B ist zur Lesbarkeit vertikal gestreckt. Eine Kurve ersetzt weder das Hören noch die Echokardiografie.

Quelle: A: Arjoune Y, Nguyen TN, Doroshow RW, Shekhar R. IEEE Access 2024;12:7747, PMC11469632, CC BY 4.0, Ausschnitt. B: Ali Akbari M, Hassani K et al. BioMed Eng OnLine 2011;10:109, PMC3258229, CC BY 2.0, Ausschnitt mit neuer Achsenbeschriftung.

Die Intensität systolischer Geräusche lässt sich auf einer Skala I–VI dokumentieren: I gerade hörbar, II leise aber klar, III laut ohne Schwirren, IV mit tastbarem Schwirren, V mit nur teilweise aufgesetztem Stethoskop, VI auch bei leicht abgehobenem Stethoskop hörbar. Die Skala ersetzt weder die übrige Beschreibung noch die Echoquantifizierung.

GradHörbefund
IGerade hörbar
IILeise, aber klar hörbar
IIILaut, ohne Schwirren
IVMit tastbarem Schwirren
VMit nur teilweise aufgesetztem Stethoskop hörbar
VIAuch bei leicht abgehobenem Stethoskop hörbar

Ausgearbeitetes Beispiel: „Systolisches Crescendo-Decrescendo-Geräusch, Maximum im 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in die Karotiden.“ Das passt zu einer Aortenausflussbehinderung. Es beweist noch nicht deren Schwere. Belastungssynkope, Angina oder Atemnot erhöhen die Dringlichkeit der Abklärung; bei aktuellen schweren Beschwerden ist sofortige klinische Beurteilung erforderlich.

Ablauf von oben nach unten. 1 Hörbefund: systolisch, spindelförmig, Crescendo-Decrescendo, Maximum 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in die Karotiden. 2 Verdacht Aortenausflussbehinderung: Schwere noch offen, TTE misst Vmax, Pmean und Öffnungsfläche. 3 Beschwerden bestimmen die Dringlichkeit, drei Äste. Keine Beschwerden: ambulant, TTE planen, mit Vorbefunden vergleichen, neue Beschwerden sofort melden. Bei Belastung: Warnzeichen Synkope, Angina oder Atemnot, TTE und Kardiologie zeitnah. Jetzt in Ruhe: akut, Synkope, Ruheschmerz, Ruhedyspnoe, sofort ABCDE, Hilfe, Überwachung. Unten farbige Felder: geplant, TTE elektiv; zeitnah, TTE und Kardiologie; sofort, Akutbeurteilung.

Abbildung: Der konkrete Hörbefund begründet einen Mechanismusverdacht; die Beschwerden bestimmen, wie rasch Echokardiografie und weitere Beurteilung erfolgen. Bei aktuellen schweren Beschwerden geht die strukturierte Akutbeurteilung nach ABCDE vor.

Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Die geschlossene Phase

Aufgabe: Der linke Ventrikel entspannt sich bereits, sein Druck ist aber noch höher als der Vorhofdruck. Die Aortenklappe hat geschlossen. Welche Klappenstellung gehört zu dieser Phase?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
Linker VentrikelEntspannt sich bereits
KammerdruckNoch höher als Vorhofdruck
AortenklappeHat geschlossen
  1. a)Mitral- und Aortenklappe sind geschlossen.
  2. b)Beide Klappen sind geöffnet.
  3. c)Die Mitralklappe ist bereits geöffnet, obwohl der Kammerdruck höher ist.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Ein Geräusch mechanisch erklären

Aufgabe: Du hörst ein holosystolisches Geräusch an der Herzspitze mit Fortleitung in die linke Axilla. Erkläre den möglichen Blutweg und formuliere eine Befundzeile mit angemessener diagnostischer Sicherheit.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
ZeitpunktHolosystolisch
MaximumHerzspitze
FortleitungLinke Axilla
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Zusatzton und Vorhofaktion

Aufgabe: Ein Zusatzton wird der späten Füllungsphase mit Vorhofkontraktion zugeordnet. Welcher Zusammenhang passt, und warum wäre er bei fehlender geordneter Vorhofkontraktion nicht in gleicher Weise zu erwarten?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
ZeitpunktSpäte Füllungsphase
Zugeordneter VorgangVorhofkontraktion
In der App sprechen üben →

Multiple Choice

Eine echte Schallkurve einordnen

Aufgabe: Betrachte im Phonokardiogramm die Kurve B. Zwischen den markierten Tönen S1 und S2 liegen deutliche zusätzliche Schwingungen; nach S2 ist die Kurve bis zum Ende des Zyklus fast ruhig. Wie ordnest du den Befund ein, und was darfst du daraus ableiten?

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
KurveB im Phonokardiogramm
Zwischen S1 und S2Deutliche zusätzliche Schwingungen
Nach S2Bis zum Zyklusende fast ruhig
  1. a)Ein diastolisches Geräusch, weil die Schwingungen erst nach S1 beginnen.
  2. b)Ein systolisches Geräusch; Mechanismus und Schwere müssen klinisch und echokardiografisch geklärt werden.
  3. c)Ein systolisches Geräusch; die große Amplitude beweist eine schwere Klappenstenose.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Spaltung des zweiten Tons

Aufgabe: Bei einer gesunden jungen Person hörst du S2 in Exspiration als einen Ton, in Inspiration als zwei kurz aufeinanderfolgende Komponenten. Benenne die Komponenten, sage, welche später kommt, und ordne den Befund ein.

Die Tabelle fasst die Angaben der Aufgabe zusammen.

MerkmalAngabe
PersonGesund und jung
ExspirationS2 als ein Ton
InspirationZwei kurz aufeinanderfolgende Komponenten
In der App sprechen üben →

Stauung und Perfusion

Lernziel: Du kannst Puls, Halsvenen, Ödeme und Minderperfusion einordnen.

Was der Puls verrät

Der tastbare arterielle Puls ist eine Druckwelle. Beurteile Frequenz, Regelmäßigkeit, Stärke und Seitengleichheit. Taste die A. radialis mit Zeige- und Mittelfinger an der Daumenseite des Handgelenks; dein eigener Daumenpuls kann sonst stören. Bei Unregelmäßigkeit zähle über eine volle Minute. Bei regelmäßigem Puls genügen 15–30 Sekunden mit Hochrechnung auf eine Minute; als Orientierung gilt ein Ruhepuls über 100/min als tachykard, unter 50–60/min als bradykard. Eine Unregelmäßigkeit verlangt weitere Einordnung, zum Beispiel mit EKG; sie beweist allein kein Vorhofflimmern.

Flussdiagramm in vier Schritten: 1 Tasten mit Zeige- und Mittelfinger, beide Seiten vergleichen; 2 Zählen – regelmäßig 15 bis 30 Sekunden mit Hochrechnung, unregelmäßig volle 60 Sekunden, über 100/min tachykard, unter 50 bis 60/min bradykard; 3 Frequenz, Regelmäßigkeit, Stärke und Seitengleichheit beschreiben. Drei Äste: unregelmäßig zum 12-Kanal-EKG, weniger Pulse als Herzschläge zur gleichzeitigen Zählung über 60 Sekunden, einseitig schwach zur Blutdruckmessung an beiden Armen mit reproduzierbarer Differenz über 10 bis 15 mmHg. Ergebniszeile: unauffällig, auffällig mit gezielter Klärung, instabil mit sofortiger Hilfe.

Abbildung: Vom Tasten über das Zählen zur gezielten Klärung – jeder auffällige Tastbefund hat einen eigenen nächsten Schritt; bei Instabilität geht die Akutversorgung vor. Quelle: eigene Darstellung.

Zeige- und Mittelfinger liegen an der Daumenseite des Handgelenks einer Übungspuppe über der A. radialis; der Daumen des Untersuchers liegt nicht auf der Messstelle.

Abbildung 27: Radialispuls tasten – Fingerkuppen von Zeige- und Mittelfinger an der Daumenseite des Handgelenks, nicht der eigene Daumen. Übungssituation an einer Puppe; achte auf die Lage der Finger, nicht auf das Messgerät im Hintergrund.

Quelle: Pöllö, „Measurement of radial pulse.jpg“, Wikimedia Commons, CC BY 3.0; zugeschnitten, in WebP umgewandelt.

Ein Pulsdefizit bedeutet, dass mehr Herzschläge auskultiert als periphere Pulse getastet werden: Nicht jede Kontraktion erzeugt eine hinreichend kräftige periphere Welle. Ein kleiner, verzögert ansteigender Puls kann zu einer relevanten Aortenstenose passen; Pulsform und Gefäßeigenschaften sind aber nicht spezifisch genug für eine alleinige Diagnose. Umgekehrt passt ein rasch ansteigender, hoher Puls mit großer Blutdruckamplitude (Pulsus celer et altus) zum Beispiel zu einer Aorteninsuffizienz. Den Schweregrad einer Aortenstenose klärt erst die Echokardiografie; als schwer gilt sie unter anderem ab einer maximalen Flussgeschwindigkeit von 4 m/s, einem mittleren Gradienten von 40 mmHg oder einer Klappenöffnungsfläche von höchstens 1,0 cm².

Oben acht auskultierte Herzschläge als Balken, unten die gleichzeitig getastete Radialiskurve mit sechs Pulswellen; nach zwei sehr kurzen Schlagintervallen fehlt die periphere Welle (rot markiert).

Abbildung 28: Schematisches Beispiel, kein Originalbefund. Zwei Personen zählen gleichzeitig – eine apikal, eine peripher. Im Ausschnitt werden 8 Schläge gehört und 6 Pulse getastet; die Differenz ist das Pulsdefizit. In der Praxis über eine volle Minute zählen.

Quelle: eigene Darstellung.

Drei Pulsformen nebeneinander: normal mit zügigem Anstieg und mittlerer Amplitude, Beispiel 120/75 mmHg mit Pulsdruck 45; parvus et tardus klein und langsam ansteigend, passt zu Aortenstenose; celer et altus rasch und hoch, Beispiel 160/50 mmHg mit Pulsdruck 110. Darunter: 1 Einordnen am Bett mit Auskultation und Pulsdruck, 2 Echokardiografie mit Grenzen der schweren Aortenstenose – maximale Geschwindigkeit ab 4 m/s, mittlerer Gradient ab 40 mmHg, Öffnungsfläche höchstens 1,0 cm². Ergebniszeile: normaler Puls schließt kein Vitium aus, auffällige Pulsform führt zu Auskultation und Echo, mit Synkope, Angina oder Atemnot dringliche Abklärung.

Abbildung: Die Pulsform lenkt den Blick auf die Aortenklappe, entscheidet aber nichts; Auskultation, Pulsdruck und Echo ordnen den Befund ein. Die Blutdruckwerte sind Beispiele.

Quelle: eigene Darstellung.

Vergleiche an den Beinen je nach Fragestellung A. femoralis, poplitea, tibialis posterior hinter dem Innenknöchel und dorsalis pedis am Fußrücken. Ein schwer tastbarer Fußpuls kann technische oder anatomische Gründe haben; wiederhole gezielt und nutze bei Bedarf Doppler. Mit dem Doppler lässt sich der Knöchel-Arm-Index bestimmen: Ein Wert von 0,90 oder weniger spricht für eine pAVK, ein Wert über 1,40 für starre, nicht komprimierbare Gefäße. Ein plötzlich schmerzhaftes, kaltes, blasses Bein mit neu fehlendem Puls erfordert dringliche Gefäßbeurteilung; eine Routineuntersuchung darf die Hilfe nicht verzögern. Das klassische Bild fassen die „6 P“ nach Pratt zusammen: Schmerz, Blässe, Pulslosigkeit, Gefühlsstörung, Lähmung und Schock (pain, paleness, pulselessness, paresthesia, paralysis, prostration). Ein ABI von 0,91–0,99 ist grenzwertig, 1,00–1,40 liegt im Normalbereich; ein normaler Ruhe-ABI schließt bei passenden Beschwerden eine pAVK nicht sicher aus.

Schritt 1: vier Beinpulse von proximal nach distal – A. femoralis in der Leiste, A. poplitea in der Kniekehle, A. tibialis posterior hinter dem Innenknöchel, A. dorsalis pedis am Fußrücken. Zwei Äste: Bei unauffälligem Bein Technik prüfen, wiederholen und mit Doppler den Knöchel-Arm-Index bestimmen; bei plötzlich neu fehlendem Puls an akute Ischämie mit den 6 P nach Pratt denken. Ergebniszeile: ABI 0,91 bis 1,40 unauffällig, ABI 0,90 oder weniger pAVK wahrscheinlich, kaltes, blasses Bein ohne Puls sofort zur Gefäßmedizin.

Abbildung 29: Erst im Seitenvergleich tasten, dann einordnen. Links zuerst an technische oder anatomische Gründe denken und den Knöchel-Arm-Index messen; rechts liegt ein Notfallbefund vor. Ein ABI über 1,40 ist wegen starrer Gefäße nicht verwertbar.

Quelle: eigene Darstellung.

Ist ein Armpuls einseitig schwächer, miss den Blutdruck an beiden Armen: Eine reproduzierbare Differenz von mehr als 10–15 mmHg lässt an eine Einengung auf der Seite mit dem niedrigeren Druck denken.

BefundMögliche BedeutungGrenze
Schwacher peripherer PulsGeringes SV, VasokonstriktionNicht ursachenspezifisch
SeitenunterschiedLokale StrömungsbehinderungTechnik erneut prüfen
Unregelmäßiger PulsRhythmusstörung möglichRhythmus mit EKG klären
PulsdefizitNicht jeder Schlag peripher wirksamApikal und peripher zeitgleich zählen

Halsvenen und Ödeme

Zur Halsvenenbeurteilung liegt der Oberkörper zunächst etwa 30–45° erhöht. Passe den Winkel an, bis die obere Grenze der Pulsation erkennbar ist. Betrachte vorzugsweise die rechte V. jugularis interna bei entspanntem Hals und seitlichem Licht. Venöse Bewegungen ändern sich mit Lage und Atmung, sind häufig mehrgipflig und nicht wie die Karotis kräftig palpabel. Eine nicht sichtbare Venenpulsation ist kein sicher normaler Befund: Dokumentiere gegebenenfalls „nicht sicher beurteilbar“. Sind die Halsvenen auch im Sitzen deutlich gefüllt, liegt sicher eine Stauung vor; eine nur einseitige Stauung spricht eher für eine lokale Ursache, etwa eine Struma.

Flussdiagramm: 1 Oberkörper zunächst etwa 30 bis 45 Grad hochlagern und anpassen; 2 Vene oder Karotis – die Vene ist mehrgipflig mit a- und v-Welle, lage- und atemabhängig und nicht kräftig tastbar, die Karotis eingipflig, kräftig tastbar und liegt medial; 3 senkrechte Höhe über dem Sternalwinkel in Zentimetern schätzen und mit Winkel dokumentieren, kein fester Zuschlag zum Vorhof, einseitige Stauung spricht für lokale Ursache. Ergebniszeile: nicht sichtbar heißt nicht sicher beurteilbar, deutlich erhöht heißt Stauung möglich, auch im Sitzen bei 90 Grad gefüllt heißt sichere Stauung.

Abbildung: Erst die venöse Pulsation sicher von der Karotis trennen, dann die Höhe schätzen. Fehlende Sichtbarkeit ist kein Normalbefund; gefüllte Halsvenen auch im Sitzen sind eindeutig. Quelle: eigene Darstellung.

Schätze die senkrechte Höhe der venösen Pulsationsgrenze über dem Sternalwinkel und dokumentiere Lagerung und Einheit. Eine deutlich erhöhte Säule unterstützt den Verdacht auf erhöhten rechten Vorhofdruck. Die verbreitete Umrechnung durch Addition eines festen Abstands zum Vorhof ist anatomisch ungenau; aus der Blickdiagnose entsteht kein exakter invasiver Druck. Stauung kann unter anderem bei Rechtsherzbelastung, Volumenüberlastung oder behindertem venösem Rückstrom vorkommen. Sie ist kein alleiniger Beweis einer bestimmten Herzinsuffizienzursache.

Seitliches Schema einer liegenden Person mit etwa 40° erhöhtem Oberkörper. Markiert sind der Sternalwinkel und die obere Pulsationsgrenze der Halsvene; zwischen zwei waagerechten Linien zeigt ein roter Doppelpfeil die senkrechte Höhe.

Abbildung 30: Schema, nicht maßstabsgerecht. Geschätzt wird der senkrechte Abstand zwischen oberer Pulsationsgrenze und Sternalwinkel – nicht die Strecke entlang des Halses. Lagerung, Höhe und Einheit dokumentieren; kein fester Zuschlag zum Vorhof.

Quelle: eigene Darstellung.

Vier Fotos derselben Halsregion, links in der Diastole, rechts in der Systole, oben von vorn, unten seitlich. Ein großer Kreis markiert jeweils die äußere Halsvene, ein kleiner Kreis die vordere Halsvene; in der Systole sind beide deutlich praller gefüllt als in der Diastole.

Abbildung: Sichtbar gestaute Halsvenen bei schwerer Trikuspidalinsuffizienz – dieselbe Halsregion in Diastole und Systole. Der Rückstrom durch die undichte Klappe erzeugt hier eine große systolische Venenwelle; das ist ein Sonderfall gegenüber der sonst häufig mehrgipfligen Venenbewegung. Markiert sind äußere und vordere Halsvene; für die Höhenschätzung bleibt die Pulsation der V. jugularis interna maßgeblich. Das Foto zeigt Füllung und Bewegung, keinen messbaren Druck. Aus demselben Fallbericht stammt das Unterschenkelfoto in Abbildung 32.

Quelle: Martinez-Ruiz G. J. et al., Cureus 2026; 18(7): e111876, Abb. 1 (PMC13426290), CC BY 4.0; Teilbildbuchstaben und englische Beschriftung entfernt, Teilbilder neu angeordnet und deutsch beschriftet, in WebP umgewandelt.

Ein Ödem ist Flüssigkeit im Interstitium. Erhöhter venöser beziehungsweise kapillärer Druck kann den Flüssigkeitsaustritt fördern; auch verminderter onkotischer Druck, erhöhte Permeabilität und gestörter Lymphabfluss sind möglich. Prüfe unter anderem Unterschenkel und Knöchel, bei Bettlägerigen auch sakral. Halte sanften Druck einige Sekunden und beschreibe eine zurückbleibende Delle, Verteilung, Symmetrie und Hautbefund. Beidseitige eindrückbare Ödeme passen zu systemischer Stauung, sind aber nicht spezifisch kardial. Neu einseitige Schwellung verlangt eine lokale Differenzialdiagnose. Ein verminderter onkotischer Druck entsteht zum Beispiel beim nephrotischen Syndrom (Proteinurie über 3,5 g/Tag, Serumalbumin unter 30 g/l) oder bei Leberzirrhose. Bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose beginnt die Abklärung mit der klinischen Wahrscheinlichkeit, etwa nach Wells-Score: Bei 0–1 Punkten folgt zunächst ein D-Dimer-Test, bei 2 oder mehr Punkten direkt die Kompressionssonografie.

Die Tabelle bündelt die praktische Ödemprüfung und die zu beschreibenden Befunde.

AspektPrüfung und Beschreibung
UntersuchungsorteUnterschenkel und Knöchel; bei Bettlägerigen auch sakral
DruckprobeEinige Sekunden sanfter Druck; zurückbleibende Delle beschreiben
BefundverteilungVerteilung, Symmetrie und Hautbefund beschreiben

Vier nummerierte Mechanismen münden in „Flüssigkeit im Interstitium“: 1 Kapillardruck erhöht durch venöse Stauung, Volumenüberlastung, Thrombose oder Kalziumantagonisten wie Amlodipin; 2 onkotischer Druck vermindert, etwa beim nephrotischen Syndrom mit Proteinurie über 3,5 g pro Tag und Albumin unter 30 g/l oder bei Leberzirrhose; 3 Permeabilität erhöht bei Entzündung, Sepsis, Verbrennung oder Angioödem; 4 Lymphabfluss gestört nach Lymphknotenoperation oder Bestrahlung, mit Stemmer-Zeichen. Schritt 5: drücken, Lokalisation und Verteilung beschreiben. Ergebniszeile: beidseits eindrückbar spricht für systemische Ursache, einseitig neu für lokale Ursache mit Thromboseabklärung.

Abbildung 31: Mehrere Wege führen zum gleichen sichtbaren Befund. Deshalb gehören Verteilung, Verlauf und Begleitbefunde zur Beschreibung; erst die Symmetrie lenkt zur systemischen oder lokalen Suche.

Quelle: eigene Darstellung.

Flussdiagramm Beinschwellung: Vorab bei akuter Atemnot oder Thoraxschmerz sofortige Akutbeurteilung. 1 Unterschenkelumfang beidseits messen, Differenz ab 3 cm zählt im Wells-Score. Beidseits führt zur systemischen Suche mit Halsvenen, Lunge, Urinstatus, Albumin und Medikamenten. Einseitig und neu führt zum Wells-Score; bei 0 bis 1 Punkt D-Dimer (normal unter 500 µg/l, ab 50 Jahren Alter mal 10 µg/l), bei erhöhtem D-Dimer oder 2 und mehr Punkten Kompressionssonografie von Ober- und Unterschenkel. Ergebniszeile: systemische Ursache klären, keine Thrombose mit anderen lokalen Ursachen wie Erysipel oder Baker-Zyste, gesicherte Thrombose mit Antikoagulation.

Abbildung: Die Symmetrie entscheidet den Weg. Bei einseitiger, neuer Schwellung steuert die klinische Wahrscheinlichkeit, ob zuerst D-Dimer oder direkt Ultraschall folgt; normale D-Dimere schließen eine Thrombose nur bei niedriger Wahrscheinlichkeit aus.

Quelle: eigene Darstellung.

Beide Unterschenkel sind geschwollen und dunkel verfärbt, die Haut ist schuppig; zwei rote Pfeile markieren die Hautveränderungen am im Bild linken Unterschenkel und Fuß.

Abbildung 32: Beidseitige Unterschenkelödeme mit Hyperpigmentierung und schuppender Stauungsdermatitis (Pfeile) – Zeichen lang bestehender venöser Drucksteigerung. Im zugrunde liegenden Fallbericht wurde als Ursache eine chronische Rechtsherzinsuffizienz bei schwerer Trikuspidalinsuffizienz echokardiografisch gesichert; aus dem Foto allein lässt sich diese Ursache nicht ablesen.

Quelle: Martinez-Ruiz G. J. et al., Cureus 2026; 18(7): e111876, Abb. 2 (PMC13426290), CC BY 4.0; in WebP umgewandelt.

So beschreibst du das Foto: Zuerst die Beobachtung („beidseitige Unterschenkelschwellung, Hyperpigmentierung, Schuppung“), dann die vorsichtige Deutung („passt zu chronischer venöser Stauung“), zuletzt das Offene („Ursache klären: Anamnese, Halsvenen, Herz- und Lungenbefund, je nach Kontext Echo und Labor“).

Erreicht Blut die Organe?

Minderperfusion kann sich durch kalte, blasse oder marmorierte Haut, verzögerte Rekapillarisierung, Verwirrtheit und abnehmende Urinproduktion zeigen. Für die Rekapillarisierung drückst du ein geeignetes Hautareal kurz bis zur Abblassung und beobachtest die Rückkehr der Farbe. Ein deutlich verzögerter Wiederanstieg ist ein Warnsignal; Temperatur, Beleuchtung, Messort und Durchführungsweise beeinflussen ihn. Kein einzelnes Zeichen beweist oder widerlegt einen Schock. Auch ein noch normaler Blutdruck kann mit Minderperfusion einhergehen. Als Orientierung gilt eine Farbrückkehr nach mehr als 3 Sekunden als verlängert, wenn die Fingerkuppe zuvor etwa 10 Sekunden gedrückt wurde. Weitere Warnzeichen sind ein Laktat über 2 mmol/l und eine Urinmenge unter 0,5 ml/kg pro Stunde über mindestens 6 Stunden.

Flussdiagramm in drei Schritten: 1 Fingerkuppe fest drücken, bis die Haut abblasst, etwa 10 Sekunden halten; 2 loslassen, Sekunden bis zur Farbrückkehr zählen, Messort notieren und im Verlauf am selben Ort wiederholen; 3 Störfaktoren wie Kälte, schlechtes Licht und uneinheitlicher Druck bedenken. Ergebniszeile: bis 3 Sekunden unauffällig, schließt Minderperfusion aber nicht aus; über 3 Sekunden Warnsignal mit sofortiger Prüfung weiterer Perfusionszeichen; bei unsicheren Bedingungen nicht verwertbar.

Abbildung: Standardisiert drücken, zählen und Bedingungen notieren; eine verlängerte Zeit ist ein Warnsignal, eine normale Zeit beruhigt allein nicht. Quelle: eigene Darstellung.

An einer Übungspuppe drückt eine Hand die Großzehenkuppe zusammen, eine zweite Hand die Zehen des anderen Fußes.

Abbildung 33: Rekapillarisierung prüfen – Kuppe kurz bis zur Abblassung drücken, loslassen und die Rückkehr der Farbe beobachten. Übungssituation an einer Puppe; an echter Haut beeinflussen Temperatur, Beleuchtung und Messort das Ergebnis, deshalb Messort mitdokumentieren.

Quelle: Glynda Rees Doyle und Jodie Anita McCutcheon, „Assess capillary refill.jpg“ (aus Clinical Procedures for Safer Patient Care, BCcampus), Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, in WebP umgewandelt.

Beide Knie und distalen Oberschenkel einer liegenden Person von vorn; die Haut zeigt eine fleckige, netzartige violett-livide Zeichnung, am deutlichsten über und um die Kniescheiben.

Abbildung: Marmorierte Haut über beiden Knien – fleckig-livide Zeichnung als Hautzeichen einer Minderperfusion. Über den Knien fällt Marmorierung oft zuerst auf; dort lässt sich auch ihre Ausdehnung im Verlauf vergleichen. Im zugrunde liegenden Fallbericht (akute Mesenterialischämie) lag der Blutdruck zu diesem Zeitpunkt bei 155/88 mmHg, die Akren waren kühl und die Urinmenge abgefallen: Ein normaler oder sogar erhöhter Blutdruck schließt eine Minderperfusion nicht aus.

Quelle: Yabe M, Nomoto Y, Watanabe H. J Gen Fam Med 2025;26:95–97, Abb. 1B (PMC11702435), CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten.

Flussdiagramm: Ausgangspunkt Herzzeitvolumen fällt, zum Beispiel von 5 auf 3 l/min. 1 Gegenregulation über Baroreflex und Sympathikus, Widerstand und Herzfrequenz steigen; MAP ungefähr HZV mal Widerstand, 3 mal 30 gleich 90 mmHg. 2 Preis: Haut kalt, blass, marmoriert mit Rekapillarisierung über 3 Sekunden; Gehirn mit Unruhe und Verwirrtheit; Niere mit Urin unter 0,5 ml/kg pro Stunde über mindestens 6 Stunden. 3 Laktat über 2 mmol/l als Warnzeichen. Ergebniszeile: Einzelzeichen nicht beweisend, mehrere Zeichen auch bei normalem Blutdruck dringlich beurteilen, fallender Blutdruck als spätes Zeichen erschöpfter Kompensation.

Abbildung: Warum der Blutdruck trügen kann – die Gegenregulation hält den Mitteldruck, während Haut, Gehirn und Niere schon weniger Blut erhalten. Ein fallender Blutdruck ist ein spätes Zeichen. Die Zahlen sind ein vereinfachtes Rechenbeispiel.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Prüffragen nebeneinander: 1 Stauung, also feucht – Halsvenen erhöht und auch im Sitzen gefüllt, Ödeme beidseits, Atemnot und Rasselgeräusche; 2 Perfusion, also warm – Akren warm oder kalt, Rekapillarisierung über 3 Sekunden, Verwirrtheit, Urin unter 0,5 ml/kg pro Stunde. Darunter eine Vierfeldertafel: warm und trocken grün, warm und feucht gelb mit Person 1, kalt und trocken grau, nicht automatisch Volumenmangel, kalt und feucht rot mit Person 2 und rascher Hilfe.

Abbildung 34: „Feucht“ bezeichnet hier Stauung und nicht Schweiß, „trocken“ fehlende Stauungszeichen und nicht automatisch Volumenmangel. Stauung und Perfusion getrennt prüfen. Die Kombination hilft beim Denken, ist noch keine Therapieanordnung.

Quelle: eigene Darstellung.

FrageSuchbefunde
Hinweise auf Stauung?Halsvenenfüllung, Ödeme, Atemnot und Lungenbefund
Hinweise auf Minderperfusion?Kalte Haut, verzögerte Rekapillarisierung, Bewusstseinsänderung, Oligurie
Unmittelbar bedroht?Gesamteindruck, Atmung, Kreislauf, Verlauf und Ursache

Ausgearbeitetes Beispiel: Eine Person hat warme Hände und Knöchelödeme. Das spricht für mögliche Stauung bei aktuell erhaltener peripherer Perfusion. Eine zweite Person hat kalte Hände, Verwirrtheit und sichtbare Halsvenenstauung. Hier bestehen Hinweise auf Stauung und Minderperfusion; rasche Hilfe und strukturierte Akutbeurteilung sind nötig. Der zweite Befund rechtfertigt keine ungezielte Volumengabe.

Multiple Choice

Befunde zusammenführen

Aufgabe: Blutdruck 118/76 mmHg, kalte marmorierte Hände, neue Verwirrtheit und deutlich geringere Urinmenge als zuvor. Welche Schlussfolgerung ist am besten begründet?

Die Tabelle fasst die gegebenen Befunde zusammen.

BereichGegebener Befund
Blutdruck118/76 mmHg
HändeKalt und marmoriert
BewusstseinNeue Verwirrtheit
UrinmengeDeutlich geringer als zuvor
  1. a)Der Blutdruck schließt ein Perfusionsproblem aus.
  2. b)Die Befunde rechtfertigen eine dringliche Beurteilung möglicher Minderperfusion.
  3. c)Die Befunde beweisen eine isolierte venöse Erkrankung der Beine.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Beobachtung von Deutung trennen

Aufgabe: Bei 45° Oberkörperhochlagerung ist eine erhöhte juguläre Pulsationssäule erkennbar, beide Unterschenkel sind eindrückbar geschwollen. Formuliere einen beschreibenden Satz und anschließend eine vorsichtige Interpretation. Was fehlt zur Ursachenklärung?

Die Tabelle hält die beschriebenen Beobachtungen fest.

UntersuchungBeobachtung
Oberkörper45° erhöht
HalsvenenErhöhte juguläre Pulsationssäule erkennbar
UnterschenkelBeidseits eindrückbar geschwollen
In der App sprechen üben →

Freie Antwort

Nur sehen, was das Foto zeigt

Links beide Füße und Unterschenkel von vorn, deutlich geschwollen; rechts ein Fuß in Nahaufnahme, ein schwarzer Pfeil zeigt auf eine zurückbleibende Delle am Fußrücken.

Quelle: Pustake M., Ganiyani M. A., Shah D., Dhondge V., Deshmukh K., Cureus 2022; 14(8): e27588, Abb. 1A/B (PMC9433348), CC BY 4.0; Feldbuchstaben abgeschnitten, in WebP umgewandelt.

Aufgabe: Beschreibe ausschließlich den sichtbaren Befund in einem Satz. Nenne anschließend zwei Dinge, die sich aus diesem Foto nicht sicher ableiten lassen, und was du zur Klärung als Nächstes erhebst.

In der App sprechen üben →

Strukturiert untersuchen

Lernziel: Du kannst eine kardiovaskuläre Untersuchung erklären und strukturieren.

Vorbereitung und Reihenfolge

Eine Routineuntersuchung beginnt mit Identität, Anlass und einer kurzen Erklärung. Sorge für Händehygiene, ein gereinigtes Stethoskop, Ruhe und ausreichende Beleuchtung. Bitte um Einverständnis, wahre Intimsphäre und entblöße nur den erforderlichen Bereich. Erfrage Schmerzen und passe die Lagerung bei Atemnot an. ABCDE steht für Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischen Status und weitere Untersuchung beziehungsweise Umgebungseinflüsse. Akute Bedrohungen werden beim Auffinden behandelt. Eine akut instabile Person wird zuerst nach diesem Schema beurteilt und versorgt; bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung beginnt der Reanimationsablauf. Orientierend gelten eine Atemfrequenz von 12–20/min und eine SpO₂ von 94–98 % (bei Hyperkapnierisiko 88–92 %) als Zielbereich; ein Blutzucker unter 4 mmol/l (etwa 70 mg/dl) wird bei Bewusstseinsstörung sofort behandelt.

Entscheidungsdiagramm „Akut krank: erst ABCDE“. Zuerst die Frage, ob die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet; bei Ja Reanimation mit Notruf, Thoraxkompression und Beatmung 30:2 und Defibrillator. Bei Nein folgen fünf Kästen: A Atemweg – spricht in ganzen Sätzen, Stridor oder Gurgeln als Gefahr; B Atmung – Atemfrequenz normal 12–20/min, über 25/min Warnzeichen, SpO₂-Ziel 94–98 %, bei Hyperkapnierisiko 88–92 %; C Kreislauf – Puls, Blutdruck, systolisch unter 90 mmHg als Warnsignal, Haut, Rekapillarisierung, Bewusstsein, Urin; D Neurologie – AVPU oder GCS, Pupillen, Blutzucker unter 4 mmol/l sofort behandeln; E Exposition – ganz ansehen, Wärme erhalten. Ergebniszeile: Bedrohung sofort behandeln und Hilfe rufen; nach jeder Maßnahme neu bei A beginnen; stabil – strukturierte Untersuchung.

Abbildung: Lies von oben nach unten. Jede Bedrohung wird in dem Schritt behandelt, in dem sie auffällt; erst danach geht es zum nächsten Buchstaben. Die kleinen Etiketten nennen die typische Sofortmaßnahme.

Quelle: eigene Darstellung.

Patientenerklärung – ausgearbeitetes Beispiel: „Ich möchte Ihren Kreislauf untersuchen. Dazu messe ich Blutdruck und Puls, sehe mir die Halsvenen und Beine an und taste und höre Herz und Lunge ab. Bitte sagen Sie sofort, wenn Ihnen schwindlig wird, etwas schmerzt oder die Luft knapp wird. Ist das für Sie in Ordnung?“

Ablaufdiagramm der strukturierten Kreislaufuntersuchung. 0 Vorbereiten: Identität, Anlass, Einverständnis, Händehygiene, gereinigtes Stethoskop, Intimsphäre. Danach die Frage „Akut instabil oder Warnzeichen?“; bei Ja ABCDE statt Routine, Hilfe holen, bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung Reanimation 30:2. Bei Nein fünf Schritte: 1 Allgemeineindruck; 2 Puls und Blutdruck an beiden Armen, bei systolisch mehr als 10 mmHg Unterschied der höhere Arm; 3 Halsvenen bei 30–45° Oberkörperhochlage und Spitzenstoß im 5. ICR links nahe der Medioklavikularlinie; 4 Herz an vier Klappenregionen plus Erb-Punkt im 3. ICR links sowie Lunge basal beidseits auskultieren; 5 Pulse, Ödeme, Karotis nur einzeln und sanft. Abschluss 6 Zusammenfassen mit drei farbigen Feldern: Beobachtung, Deutung, nächster Schritt.

Abbildung 35: Bei Warnzeichen wird der Routineablauf unterbrochen (rechter Kasten). Sonst folgen die Schritte 1–5 mit ihren Kernzahlen; die Zusammenfassung trennt Beobachtung, Deutung und nächsten Schritt.

Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle begründet die Reihenfolge der Routineuntersuchung.

SchrittBegründung
Allgemeineindruck, Atmung, HautInstabilität früh erkennen
Puls und BlutdruckFrequenz, Rhythmus und Druck erfassen
Halsvenen, HerzspitzenstoßFüllung und mechanische Zeichen beurteilen
Herz und Lunge auskultierenTöne, Geräusche und Stauungshinweise suchen
Periphere Pulse, Ödeme, PerfusionZentrale und periphere Befunde verbinden
Zusammenfassen und erklärenBeobachtung, Deutung und nächsten Schritt trennen

Blutdruck verlässlich erheben

Für eine standardisierte Ruheblutdruckmessung soll die Person etwa fünf Minuten ruhig sitzen. Rücken und Arm sind unterstützt, die Füße stehen auf dem Boden, die Beine sind nicht gekreuzt. Der entspannte Oberarm befindet sich auf Herzhöhe. Verwende ein validiertes Gerät und eine zum Armumfang passende Manschette am unbekleideten Oberarm; während der Messung nicht sprechen. Bei der Erstbeurteilung beide Arme messen. Bei einem wiederholt gemessenen Unterschied von systolisch mehr als 10 mmHg erfolgen die weiteren Messungen am Arm mit dem höheren Wert. Die Standardmanschette (12–13 cm breit) passt bis etwa 32 cm Oberarmumfang; eine zu kleine Manschette ergibt falsch hohe, eine zu große falsch niedrige Werte.

Eine Pflegekraft misst bei einem sitzenden Mann den Blutdruck am Oberarm. Sein Unterarm liegt auf einer Unterlage, die Manschette sitzt am Oberarm, das Stethoskop führt zur Ellenbeuge unterhalb der Manschette.

Abbildung 36: Auskultatorische Messung im Sitzen. Sichtbar sind Oberarmmanschette, abgestützter Arm und Stethoskop in der Ellenbeuge. Ruhezeit, Beinhaltung, die Passform der Manschette und ob sie dem unbekleideten Oberarm anliegt, lassen sich aus dem Foto nicht sicher ablesen.

Quelle: Linda Bartlett, National Cancer Institute (NCI Visuals Online, Bild 1978), gemeinfrei; über Wikimedia Commons; unterer Rand beschnitten, verkleinert.

Wiederhole die Messung standardisiert: bei manueller Praxismessung drei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten; den Mittelwert der letzten beiden dokumentieren. Bei auskultatorischer Messung pumpst du etwa 20–30 mmHg über das Verschwinden des Radialispulses auf, lässt langsam ab (etwa 2 mmHg pro Herzschlag) und liest systolisch beim ersten Korotkow-Ton (Phase I), diastolisch beim Verschwinden der Töne (Phase V) ab. Erfasse Seite, Lage und besondere Bedingungen. Eine einzelne erhöhte Messung ist bei stabiler Situation gewöhnlich keine ausreichende Hypertoniediagnose. Nach ESC 2024 gilt ein Praxiswert unter 120/70 mmHg als nicht erhöht, 120–139/70–89 mmHg als erhöht und ab 140/90 mmHg als Hypertonie, die möglichst durch Heimmessung (ab 135/85 mmHg) oder 24-h-Messung (ab 130/80 mmHg) bestätigt wird. Akute Warnsymptome erfordern dagegen sofortige klinische Einordnung. Ab etwa 180/110 mmHg prüfst du gezielt auf einen hypertensiven Notfall mit akutem Organschaden. Bei unregelmäßigem Rhythmus können oszillometrische Geräte unzuverlässiger sein; Verfahren und Gerät müssen dazu geeignet sein.

Ablaufdiagramm „Blutdruck standardisiert messen“. 1 Bedingungen: 5 Minuten ruhig sitzen, Füße am Boden, Beine ungekreuzt, Rücken und Arm gestützt, Oberarm auf Herzhöhe, passende Manschette (Standard bis 32 cm Armumfang), validiertes Gerät, nicht sprechen. 2 Erstbeurteilung an beiden Armen. Raute: systolisch wiederholt mehr als 10 mmHg Unterschied? Ja – Arm mit höherem Wert, an Stenose der niedrigen Seite denken, zum Beispiel A. subclavia; Nein – einen Arm festlegen und die Seite dokumentieren. 3 Auskultatorisch: 20–30 mmHg über das Verschwinden des Radialispulses aufpumpen, etwa 2 mmHg pro Herzschlag ablassen, Korotkow-Phase I systolisch, Phase V diastolisch. 4 Drei Messungen im Abstand von 1–2 Minuten, Mittelwert der letzten beiden, Seite, Lage, Manschette, Besonderheiten. 5 Einordnung nach ESC 2024: unter 120/70 nicht erhöht, 120–139/70–89 erhöht, ab 140/90 Hypertonie-Verdacht, der bestätigt wird.

Abbildung: Lies die Schritte von oben nach unten. Die Raute entscheidet über den Messarm; erst die standardisierten Wiederholungen ergeben den Mittelwert, der unten eingeordnet wird.

Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle zeigt typische Messfehler und ihre Wirkung auf den Wert.

MessfehlerWirkungKorrektur
Manschette zu kleinFalsch hochNach Armumfang wählen
Manschette zu großFalsch niedrigPassende Größe nehmen
Arm hängt oder wird frei gehaltenEher falsch hochArm auf Herzhöhe abstützen
Sprechen, Beine gekreuzt, Rücken ohne StützeEher falsch hochRuhig, gestützt, ohne Gespräch
Messung direkt nach BelastungNicht vergleichbarEtwa 5 Minuten Ruhe

Entscheidungsdiagramm „Erhöhter Praxiswert – was folgt?“ für einen Einzelwert ab 140/90 mmHg. Raute: Warnsymptome oder mindestens 180/110 mmHg? Ja – Notfall prüfen: Brustschmerz, Atemnot, neurologisches Defizit, Sehstörung, akuter Organschaden. Nein – 1 Diagnose erst bestätigen: ein Einzelwert reicht nicht, möglichst außerhalb der Praxis messen, bei 160–179/100–109 mmHg spätestens binnen eines Monats. 2 Drei Bestätigungswege nebeneinander mit Hypertonie-Grenzwerten: Heimmessung zweimal zwei Werte täglich über 3–7 Tage, ab 135/85; 24-h-Messung ab 130/80 im 24-h-Mittel, tagsüber ab 135/85, nachts ab 120/70; ersatzweise erneute Praxismessung an mehreren Terminen, ab 140/90. 3 Ergebnis: bestätigt – Hypertonie mit Risiko-, Organ- und Ursachensuche; nur in der Praxis hoch – Weißkittelhypertonie; überall normal – keine Hypertonie, Verlauf kontrollieren.

Abbildung: Vom Einzelwert zur Diagnose. Erst die Raute klärt, ob ein Notfall vorliegt; bei stabiler Person bestätigt eine Messung außerhalb der Praxis die Hypertonie oder zeigt einen Weißkitteleffekt.

Quelle: eigene Darstellung.

Bei Schwindel nach Lagewechsel prüfst du, sofern sicher durchführbar, nach Ruhe eine orthostatische Änderung: Messung im Liegen oder Sitzen und nach dem Aufstehen nach einer und/oder drei Minuten, mit Sicherung gegen Sturz. Ein Abfall systolisch um mindestens 20 oder diastolisch um mindestens 10 mmHg erfüllt das übliche Messkriterium. Nach der ESC-Synkopeleitlinie zählt auch ein Abfall auf systolisch unter 90 mmHg. Symptome, Medikamente und Verlauf bleiben Teil der Bewertung. Bei drohender Synkope abbrechen und sicher lagern.

Ablaufdiagramm „Orthostase prüfen“. 1 Ruhe: etwa 5 Minuten liegen oder sitzen, Ausgangswert von Blutdruck und Puls. 2 Aufstehen mit Sturzsicherung, ruhig stehen. 3 Im Stehen nach 1 und/oder 3 Minuten messen. Von Schritt 2 und 3 führt ein Pfeil zum roten Kasten „Drohende Synkope“: Schwindel, Blässe, Schwarzwerden – sofort abbrechen, hinlegen, Beine hoch. 4 Raute: Abfall systolisch mindestens 20 oder diastolisch mindestens 10 mmHg oder systolisch unter 90 mmHg? Ja – Kriterium erfüllt, orthostatische Hypotonie: Symptome, Medikamente, Volumen, Verlauf bewerten. Nein – Beschwerden trotzdem ernst nehmen, Verlauf und weitere Abklärung.

Abbildung 37: Ablauf der orthostatischen Prüfung. Lies von oben nach unten: Erst der Vergleich mit dem Ausgangswert ergibt den Abfall; bei drohender Synkope wird in jedem Schritt abgebrochen. Das Messkriterium ersetzt nicht die klinische Bewertung.

Quelle: eigene Darstellung.

Herz und Gefäße untersuchen

Inspektiere Thorax und Haut. Taste den Herzspitzenstoß zunächst in Rückenlage, bei Bedarf in Linksseitenlage: typischer Suchort ist der 5. linke Interkostalraum in der Nähe der Medioklavikularlinie. ICR bedeutet Zwischenrippenraum. Beschreibe Ort, Ausdehnung und Charakter; Körperbau und Lagerung beeinflussen die Tastbarkeit. Ein nicht tastbarer Spitzenstoß beweist keine Erkrankung. Hebend und verbreitert spricht er eher für eine Linksherzhypertrophie, nach links unten außen verlagert für eine Linksherzdilatation; abgeschwächt ist er zum Beispiel bei Adipositas, Emphysem oder Perikarderguss.

Ablaufdiagramm „Herzspitzenstoß tasten“. 1 Suchen in Rückenlage: 5. ICR links nahe der Medioklavikularlinie, Fingerkuppen, flache Hand für Schwirren ab Lautstärke 4/6, entsteht früh systolisch fast zeitgleich mit S1. Raute „tastbar?“: Nein – Lage ändern, Linksseitenlage oder vorgeneigt sitzen; weiter nicht tastbar ist kein Krankheitsbeweis. Ja oder danach getastet – 2 Beschreiben: Ort mit Bezug zur Medioklavikularlinie, Ausdehnung, Charakter. 3 Einordnen, immer mit Echo und Kontext: normal schwach und kurz; hebend und breit bei Linksherzhypertrophie wie Hypertonie oder Aortenstenose; links unten außen bei Linksherzdilatation, zum Beispiel Mitralinsuffizienz; schleudernd bei Aorteninsuffizienz, Anämie, Hyperthyreose; schwach oder fehlend bei Adipositas, Emphysem, Perikarderguss, Schock.

Abbildung: Erst suchen, dann beschreiben, dann einordnen. Die farbigen Felder unten sind Befundmuster mit typischen Ursachen, keine Diagnosen; die Bestätigung liefert die Echokardiografie.

Quelle: eigene Darstellung.

Der Erb-Punkt ist ein zusätzlicher Hörort im 3. ICR links parasternal. Er ergänzt die vier Klappenregionen. Die Auskultationsorte sind Orte guter Schallleitung, keine genaue Projektion der Klappen. Höre systematisch und direkt auf der Haut; nutze bei Bedarf die Membran für höherfrequente und eine nur leicht aufgelegte Glocke für tieffrequente Schallanteile. Vergleiche S1 und S2, Zeitlage von Zusatzgeräuschen und Fortleitung. Linksseitenlage erleichtert das Hören tiefer apikaler Befunde. Nach vorn geneigtes Sitzen und kurzes Atemanhalten am Ende der Ausatmung können ein Aorteninsuffizienzgeräusch verdeutlichen, wenn der Zustand dies erlaubt. Keine belastenden Manöver bei akuter Atemnot oder Instabilität. Tiefe apikale Befunde sind zum Beispiel ein dritter oder vierter Herzton oder das diastolische Geräusch einer Mitralstenose. Ein Aortenstenosegeräusch wird typischerweise in die Karotiden, ein Mitralinsuffizienzgeräusch in die Axilla fortgeleitet.

Zwei Fotos desselben Stethoskop-Bruststücks von oben: links die flache, mit einer Membran bespannte Seite, rechts die kleinere, trichterförmige Glocke. Darunter die Beschriftungen „Membran – höherfrequente Schallanteile, direkt auf der Haut“ und „Glocke – tieffrequente Schallanteile, nur leicht auflegen“.

Abbildung: Zweiseitiges Bruststück – links die Membranseite, rechts die Glockenseite. Die Glocke wird nur leicht aufgelegt; bei festem Andruck spannt sich die Haut selbst wie eine Membran, und tieffrequente Anteile werden schlechter hörbar.

Quelle: Tama998, Wikimedia Commons, CC0 1.0 (zwei Dateien: Membran- und Glockenseite); Ausschnitte nebeneinander gesetzt, deutsch beschriftet, in WebP umgewandelt.

Ablaufdiagramm „Herz auskultieren“. Raute: akute Atemnot oder instabil? Ja – nur Basis-Auskultation, keine belastenden Manöver, atemerleichternde Lage, ABCDE. Nein – 1 Membran direkt auf der Haut an 2. ICR rechts, 2. ICR links, 3. ICR links (Erb), 4.–5. ICR links parasternal und Herzspitze im 5. ICR; S1 beginnt fast zeitgleich mit dem Spitzenstoß. 2 Geräusch beschreiben: Zeitlage systolisch oder diastolisch, Punctum maximum, Lautstärke, Klang, Fortleitung in die Karotiden (zum Beispiel Aortenstenose) oder in die Axilla (zum Beispiel Mitralinsuffizienz). 3 Zusatzbedingung nach gesuchtem Befund: tief und apikal – Linksseitenlage mit leicht aufgelegter Glocke an der Herzspitze, zum Beispiel S3, S4, Mitralstenose; hoch und diastolisch – vorgeneigt sitzen, Membran am Erb-Punkt, am Ende der Ausatmung kurz Luft anhalten, Aorteninsuffizienz. Ergebniszeile zum Dokumentieren: Ort, Zeitlage, Bedingung.

Abbildung: Zuerst die Belastbarkeit prüfen. Die beiden unteren Wege ordnen die Zusatzbedingung dem gesuchten Schallbefund zu; dokumentiert werden Ort, Zeitlage und die Bedingung, unter der gehört wurde.

Quelle: eigene Darstellung.

Ein Arzt hält das Bruststück eines Stethoskops direkt auf die unbekleidete linke untere Brustwand eines sitzenden Mannes, unterhalb der Brustwarze.

Abbildung 38: Auskultation direkt auf der Haut, hier links unterhalb der Brustwarze nahe der typischen Herzspitzenregion. Achte auf den vollen Hautkontakt des Bruststücks. Im Alltag nur den Bereich entblößen, der gerade untersucht wird.

Quelle: NASA (1961), gemeinfrei; über Wikimedia Commons; Ausschnitt, verkleinert.

Links eine Ortskarte mit Sternum, Medioklavikularlinie und den Interkostalräumen 2 bis 5, „Patient rechts“ und „Patient links“ beschriftet; fünf nummerierte Punkte: 1 im 2. ICR rechts neben dem Sternum, 2 im 2. ICR links, 3 im 3. ICR links, 4 zwischen 4. und 5. ICR links parasternal, 5 im 5. ICR auf der Medioklavikularlinie. Rechts die Legende: 1 Aortenregion, Fortleitung in die Karotiden; 2 Pulmonalregion, zum Beispiel S2-Spaltung; 3 Erb-Punkt, Aorteninsuffizienz; 4 Trikuspidalregion; 5 Mitralregion an der Herzspitze, Fortleitung in die Axilla. Unten: Reihenfolge 1 bis 5 immer gleich plus Lunge basal; Hörort ist nicht gleich Klappe, Schall wird fortgeleitet.

Abbildung 39: Rechts und links beziehen sich auf die untersuchte Person. Die Nummern geben eine feste Hörreihenfolge vor. Es handelt sich um eine Ortsübersicht, keine anatomische Klappenprojektion.

Quelle: eigene Darstellung.

HörregionTypischer Suchort
Aortenregion2. ICR rechts parasternal
Pulmonalregion2. ICR links parasternal
TrikuspidalregionLinker unterer Sternalrand, etwa 4.–5. ICR
MitralregionHerzspitze, etwa 5. ICR links

Höre auch die Lunge ab; basale Rasselgeräusche können zu pulmonaler Stauung passen, haben aber weitere Ursachen. Bei Lungenstauung sind feuchte Rasselgeräusche meist beidseits basal und vor allem inspiratorisch hörbar; klingende Rasselgeräusche mit Fieber sprechen eher für eine Pneumonie, feines endinspiratorisches Knistern für eine Lungenfibrose. Ein NT-proBNP unter 125 pg/ml macht eine chronische Herzinsuffizienz unwahrscheinlich, akut gilt dafür ein Wert unter 300 pg/ml; bei Ruhedyspnoe oder SpO₂ unter 90 % hat die Stabilisierung Vorrang. Vergleiche periphere Pulse und suche Ödeme wie in U06. Karotiden nur einzeln und sanft tasten; keine Karotissinusmassage als Routineuntersuchung. Ein Strömungsgeräusch über einer Arterie erlaubt keine genaue Prozentangabe einer Stenose und sein Fehlen schließt sie nicht aus.

Rückenansicht einer sitzenden Person im hinten geöffneten Patientenhemd; eine Hand hält das Bruststück eines Stethoskops direkt auf die Haut des oberen Rückens.

Abbildung: Lungenauskultation von dorsal mit dem Bruststück direkt auf der Haut; nur der Rücken ist frei, der übrige Körper bleibt bedeckt. Für basale Rasselgeräusche wird zusätzlich weiter kaudal über den basalen Lungenabschnitten gehört.

Quelle: National Cancer Institute (NCI Visuals Online, Bild 2174), gemeinfrei; über Wikimedia Commons; Ausschnitt ohne Gesichter und Namensschild, in WebP umgewandelt.

Entscheidungsdiagramm „Basale Rasselgeräusche – passt der Befund zu Lungenstauung?“. Raute: Ruhedyspnoe oder SpO₂ unter 90 %? Ja – sofort handeln: ABCDE, Hilfe rufen, Sauerstoff bei SpO₂ unter 90 %, Oberkörper hoch. Nein – 1 genau hören: dorsal, basal, Seitenvergleich, Atemphase, nach Husten verschwunden spricht eher für Sekret. 2 Begleitbefunde: Stauung mit Halsvenen, Ödemen, Gewicht, Orthopnoe; Infekt mit Fieber, Husten, Auswurf, Bronchialatmen. 3 Drei Muster nebeneinander: Lungenstauung feucht, beidseits basal, inspiratorisch; Pneumonie feinblasig klingend, oft einseitig; Lungenfibrose feines endinspiratorisches Knistern. 4 Gezielt klären: NT-proBNP unter 125 pg/ml macht eine chronische Herzinsuffizienz unwahrscheinlich, akut unter 300 pg/ml; Lungensonografie mit B-Linien, Röntgen-Thorax; Echokardiografie. Ergebnis: Stauung wahrscheinlich – kardiale Ursache und Therapie klären; andere Ursache, zum Beispiel Pneumonie, Fibrose, Sekret.

Abbildung: Erst die Dringlichkeit, dann Hören und Begleitbefunde. Kein Klangmuster beweist allein die Ursache; erst Labor und Bildgebung grenzen Stauung von anderen Ursachen ab.

Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle trennt drei Untersuchungsbefunde von ihren Aussagegrenzen.

BefundEinordnungAussagegrenze
Herzspitzenstoß nicht tastbarKörperbau und Lagerung beeinflussen die TastbarkeitKein Beweis einer Erkrankung
Basale RasselgeräuscheKönnen zu pulmonaler Stauung passenAuch andere Ursachen möglich
Arterielles StrömungsgeräuschKeine genaue Prozentangabe einer StenoseFehlen schließt eine Stenose nicht aus

Freie Antwort

Unterstützte Patientenerklärung

Aufgabe: Ein Patient fragt: „Warum schauen Sie bei Herzproblemen auf meine Beine?“ Ergänze den Satz: „Flüssigkeit kann sich im Gewebe sammeln, wenn …; deshalb …“

Die Tabelle enthält die Frage und den zu ergänzenden Satzanfang.

GesprächsteilVorgabe
PatientenfrageWarum schauen Sie bei Herzproblemen auf meine Beine?
SatzanfangFlüssigkeit kann sich im Gewebe sammeln, wenn …; deshalb …
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Freie Antwort

Praktische Untersuchung

Aufgabe: Führe die Untersuchung an einer einwilligenden Übungsperson oder unter fachlicher Aufsicht durch. Erkläre vor jedem Abschnitt kurz den Zweck. Dokumentiere nur tatsächlich erhobene Befunde. Eine gegenseitige Übung ersetzt keine Untersuchung akut erkrankter Personen unter geeigneter Aufsicht.

Die Tabelle hält den Rahmen der praktischen Aufgabe fest.

AspektVorgabe
DurchführungEinwilligende Übungsperson oder fachliche Aufsicht
ErklärungVor jedem Abschnitt kurz den Zweck nennen
DokumentationNur tatsächlich erhobene Befunde
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Multiple Choice

Messbedingungen im Foto prüfen

Eine Pflegekraft misst bei einem sitzenden Mann den Blutdruck am Oberarm. Sein Unterarm liegt auf einer Unterlage, die Manschette sitzt am Oberarm, das Stethoskop führt zur Ellenbeuge unterhalb der Manschette.

Quelle: Linda Bartlett, National Cancer Institute (NCI Visuals Online, Bild 1978), gemeinfrei; über Wikimedia Commons; unterer Rand beschnitten, verkleinert.

Aufgabe: Diese Messung soll als standardisierte Ruhemessung dokumentiert werden. Welche Aussage ist allein aus dem Foto gerechtfertigt?

  1. a)Alle Bedingungen einer standardisierten Ruhemessung sind erfüllt; der Wert kann ohne Rückfrage dokumentiert werden.
  2. b)Abgestützter Arm und Oberarmmanschette sind erkennbar; Ruhezeit, Beinhaltung und passende Manschette müssen zusätzlich geprüft werden.
  3. c)Weil mit Stethoskop gemessen wird, ist eine Wiederholungsmessung überflüssig.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Hörbedingungen vergleichen

Eine Hand hält das Bruststück eines Stethoskops auf das T-Shirt über der linken vorderen Brustwand eines Mannes.

Abbildung 40: Hier liegt das Bruststück auf der Kleidung.

Quelle: Airman 1st Class Kate Maurer, U.S. Air Force (DVIDS, Bild 574429), gemeinfrei; über Wikimedia Commons; Ausschnitt.

Aufgabe: Vergleiche dieses Bild mit dem Foto der Auskultation direkt auf der Haut im Abschnitt „Herz und Gefäße untersuchen“. Formuliere zwei Sätze: Was schränkt die Beurteilung hier ein, und wie gehst du vor?

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Echo und Hämodynamik

Lernziel: Du kannst grundlegende Echobefunde erklären und ihre Grenzen benennen.

Welche Frage beantwortet das Echo?

Die transthorakale Echokardiografie (TTE) nutzt Ultraschall von der Brustwand aus. Sie benötigt keine ionisierende Strahlung. Zweidimensionale Bilder zeigen unter anderem Kammern, Wandbewegung, Klappen und den Herzbeutel. Bewegung wird in einer Bildfolge beurteilt: Ein einzelnes Standbild kann Pumpfunktion und Klappenbewegung nicht vollständig darstellen. Bildqualität, Schallfenster und Erfahrung begrenzen die Aussage.

Typische Schallfenster sind parasternal, apikal und subkostal. Im apikal orientierten Vierkammerblick werden beide Vorhöfe und Kammern untersucht. Schnittführung und Gerätekonvention bestimmen die Darstellung; aus einer beliebigen Bildseite darf keine Anatomie ohne Orientierung abgeleitet werden. Die parasternal lange Achse zeigt andere Zusammenhänge, unter anderem linksventrikulären Ausflusstrakt und Aorten-/Mitralklappenregion. Mehrere Ebenen verhindern, dass ein ungünstiger Schnitt als ganze Herzwirklichkeit verstanden wird. Parasternal liegt der Schallkopf meist im 3. oder 4. Interkostalraum links neben dem Sternum, apikal am Herzspitzenstoß mit dem 5. Interkostalraum als Ausgangspunkt; das subkostale Fenster unter dem Xiphoid hilft, wenn das parasternale Bild schlecht ist.

Links ein Rumpf von vorn mit Brustbein, Herz und Rippenbogen; drei nummerierte Punkte markieren die Schallkopflage: 1 links neben dem Brustbein, 2 an der Herzspitze, 3 unter dem Xiphoid. Rechts drei blaue Kästen: 1 parasternal im 3./4. Interkostalraum in Linksseitenlage mit langer und kurzer Achse, 2 apikal am Herzspitzenstoß ab dem 5. Interkostalraum mit Vier-, Zwei- und Dreikammerblick, 3 subkostal mit Leber als Schallfenster, Perikard und V. cava. Darunter führt „Bild zusammensetzen“ zu drei Ergebnissen: grün mindestens zwei Ebenen, orange nur Standbild, grau „nicht beurteilbar“ bei schlechter Sicht.

Abbildung 41: Die drei typischen Schallfenster der TTE mit Lage, Lagerung und den wichtigsten Schnitten. Jedes Fenster liefert eigene Ebenen; ein Befund gilt erst, wenn er sich in mehreren Ebenen bestätigt. Ein Standbild sagt nichts über Bewegung, und ein zu enges Fenster wird als „nicht beurteilbar“ dokumentiert.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei echte transthorakale Echobilder. Links apikaler Vierkammerblick mit Schallkopf oben an der Herzspitze: rechter Ventrikel links oben, linker Ventrikel rechts oben, rechter Vorhof links unten, linker Vorhof rechts unten. Rechts parasternale lange Achse: rechter Ventrikel oben, darunter linker Ventrikel, rechts davon Aortenwurzel und darunter linker Vorhof. In beiden Bildern ist unten rechts eine kleine anatomische Zeichnung derselben Schnittebene eingeblendet.

Abbildung 42: Zwei echte Standardschnitte eines Herzens. Im apikalen Vierkammerblick liegt der Schallkopf über der Herzspitze, die deshalb oben an der Sektorspitze erscheint; in dieser Darstellung liegt der linke Ventrikel im Bild rechts. In der parasternalen langen Achse liegt der rechte Ventrikel schallkopfnah oben; darunter liegen links der linke Ventrikel, rechts die Aortenwurzel und unter ihr der linke Vorhof. Die kleinen Zeichnungen unten rechts zeigen die getroffene Schnittebene. Es sind Standbilder: Wandbewegung und Pumpfunktion lassen sich daraus nicht beurteilen. RV/LV rechter/linker Ventrikel, RA/LA rechter/linker Vorhof, Ao Aortenwurzel.

Quelle: Patrick J. Lynch, C. Carl Jaffe (Yale), Wikimedia Commons „Heart normal tte views.jpg“, CC BY 2.5; zwei Ausschnitte, Orientierungsmarke entfernt, deutsche Beschriftung ergänzt.

Klinische FragePassender Echozugang
Pumpfunktion oder regionale Bewegung?2D-Bildfolgen in mehreren Ebenen
Klappenöffnung oder Rückfluss?Morphologie plus Dopplerverfahren
Flüssigkeit im Herzbeutel?Mehrere geeignete 2D-Ebenen und Kreislaufbezug
Füllung und Druckbelastung?Mehrere strukturierte Messungen zusammenführen

Ein fokussierter Ultraschall kann eine akute, begrenzte Frage unterstützen. Er ist keine vollständige fachkardiologische Untersuchung. Typische Fokusfragen sind ein Perikarderguss (klein < 10 mm, groß > 20 mm), eine grob eingeschränkte linksventrikuläre Pumpfunktion, ein rechter Ventrikel mindestens so breit wie der linke (RV/LV ≥ 1,0) und die Weite der V. cava inferior. Ein unauffälliger orientierender Befund schließt etwa ein akutes Koronarsyndrom oder eine Lungenembolie nicht zuverlässig aus. Nur im Schock spricht ein fehlender Hinweis auf Rechtsherzbelastung stark gegen eine Lungenembolie als Ursache. Bei schlechter Sicht wird „nicht beurteilbar“ dokumentiert.

Ablauf von oben nach unten: roter Kasten akute Lage mit Schock, etwa systolisch unter 90 mmHg, akuter Atemnot oder Kollaps. Darunter vier blaue Fragen: Perikarderguss mit klein unter 10 mm und groß über 20 mm, LV-Pumpfunktion visuell, Rechtsherzbelastung mit RV/LV-Durchmesser ab 1,0, V. cava inferior bis 2,1 cm mit mindestens 50 % Kollaps. Eine Raute fragt, ob die Frage klar beantwortet ist; drei Ausgänge: rot pathologisch, gezielt handeln; orange unauffällig, schließt ACS oder Lungenembolie nicht aus; grau nicht beurteilbar, dokumentieren.

Abbildung: Der fokussierte Herzultraschall beantwortet wenige Ja-/Nein-Fragen. Ein pathologischer Befund lenkt die Behandlung, ein unauffälliger schließt ACS oder Lungenembolie nicht aus, und schlechte Sicht wird als „nicht beurteilbar“ festgehalten. Die Zahlen sind Orientierungswerte aus den Leitlinien, keine vollständige Quantifizierung.

Quelle: eigene Darstellung.

Volumen und Auswurffraktion

Das enddiastolische Volumen (EDV) ist das Kammervolumen am Ende der Füllung. Das endsystolische Volumen (ESV) bleibt am Ende des Auswurfs zurück. Daraus folgt SV = EDV − ESV. Die Ejektionsfraktion (EF) beschreibt den ausgeworfenen Anteil: EF = (EDV − ESV) / EDV × 100 %. Nach der ESC-Leitlinie zur Herzinsuffizienz gilt eine LVEF ≥ 50 % als erhalten, 41–49 % als leicht reduziert und ≤ 40 % als reduziert.

Oben zwei blaue Kästen mit Füllstandsgefäßen: 1 Enddiastole, Ende der Füllung, EDV 120 ml, Gefäß voll; 2 Endsystole, Ende des Auswurfs, ESV 48 ml, Gefäß zu zwei Fünfteln gefüllt. Beide führen zu 3 Schlagvolumen 120 minus 48 gleich 72 ml, dieses zu 4 Ejektionsfraktion 72 durch 120 mal 100 gleich 60 % und 5 Herzzeitvolumen 72 ml mal 70 pro Minute gleich 5,04 l/min. Unten drei Felder der ESC-Einteilung: grün ab 50 % erhalten, orange 41–49 % leicht reduziert, rot bis 40 % reduziert; der Pfeil mit 60 % zeigt auf grün.

Abbildung 43: Rechenweg vom Volumen zur EF und zum HZV mit dem Beispiel aus dem Text. Die EF ist ein Anteil ohne Einheit; erst mit der Frequenz entsteht eine Fördermenge pro Minute. Die Füllstandsgefäße sind Rechenhilfen, keine Echoaufnahme.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei echte apikale Vierkammerblicke derselben Untersuchung nebeneinander. Links in der Enddiastole ist die blau umfahrene linke Kammer groß, rechts in der Endsystole deutlich kleiner. Querlinien teilen die Kammer jeweils in schmale Scheiben; unten läuft ein EKG mit.

Abbildung 44: Echte Aufnahme statt Modell. Die blaue Linie umfährt die Innenkontur des linken Ventrikels, die Querlinien zeigen die Scheiben der Scheibchensummation: Aus vielen dünnen Scheiben wird das Kammervolumen geschätzt. In der Praxis wird dieselbe Messung zusätzlich im Zweikammerblick durchgeführt (biplane Methode). Erst das Paar aus Enddiastole und Endsystole erlaubt EDV, ESV und damit eine EF; ein einzelnes Standbild liefert nur einen der beiden Werte.

Quelle: Scatteia A, Silverio A, Padalino R et al. J Pers Med 2021;11:1153, Abb. 1A/B, CC BY 4.0; Ausschnitt, Panelbuchstaben entfernt, deutsche Überschriften ergänzt.

Ausgearbeitetes Beispiel: EDV 120 ml, ESV 48 ml. SV = 120 − 48 = 72 ml. EF = 72/120 × 100 = 60 %. Bei HF 70/min ergibt sich rechnerisch HZV = 70 × 72 = 5,04 l/min, sofern das ausgeworfene Volumen als wirksames Vorwärtsvolumen betrachtet werden darf.

Echte M-Mode-Aufnahme: oben ein kleines parasternales Längsschnittbild, darunter über etwa drei Sekunden die Bewegung der Herzwände entlang einer einzelnen Schalllinie. Zwischen Septum oben und Hinterwand unten wird der dunkle Kammerraum rhythmisch weit und schmal; unten läuft ein EKG mit, rechts eine Tiefenskala in Zentimetern.

Abbildung 45: Eine Bildfolge über die Zeit. Im M-Mode wird nur eine Schalllinie aufgezeichnet, dafür sehr dicht nacheinander: Die Zeit läuft nach rechts (Sekunden), die Tiefe nach unten (Zentimeter). Der linksventrikuläre Durchmesser zwischen Septum und Hinterwand ist in der Diastole weit und in der Systole schmal; die blauen gepunkteten Linien sind Messmarken des Untersuchers. Ein einzelner Durchmesser setzt für eine Volumenumrechnung eine regelrechte Kammerform voraus; für die EF wird deshalb die Scheibchensummation in zwei Ebenen bevorzugt.

Quelle: Kjetil Lenes, Wikimedia Commons „PLAX Mmode.jpg“, gemeinfrei; Ausschnitt ohne Messwerttabelle und Frequenzanzeige.

Echter apikaler Vierkammerblick in der Endsystole mit vielen übereinanderliegenden rosa Innenkonturen des linken Ventrikels, die verschiedene Untersucher gezeichnet haben, und einer grünen Referenzkontur; gelbe und türkisfarbene Kreise markieren die gewählten Punkte am Mitralklappenring.

Abbildung 46: Dasselbe Bild, viele Messungen. 42 Kardiologinnen und Kardiologen haben in derselben endsystolischen Aufnahme die Innenkontur gezogen (rosa), grün ist die gemittelte Referenz. Besonders an der Herzspitze und am Mitralring liegen die Linien auseinander. Wird die Kontur weiter außen gezogen, wird das berechnete Volumen größer. Eine EF ist deshalb ein Messwert mit Streuung, kein exakter Naturwert.

Quelle: Knackstedt C, Schummers G, Schröder J et al. Int J Cardiovasc Imaging 2023;39:915, Abb. 1a, CC BY 4.0; Ausschnitt, Panelbuchstabe entfernt.

Empfohlen ist die biplane Scheibchensummation im apikalen Vier- und Zweikammerblick; die Kammerlänge soll in beiden Blicken um weniger als 10 % voneinander abweichen. Volumen und EF aus einem einzelnen Linearmaß werden nicht empfohlen; bei unscharfer Innenkontur verbessern Ultraschallkontrastmittel oder 3D-Verfahren die Messung.

Fünf Schritte von oben nach unten: 1 apikaler Vier- und Zweikammerblick, Herzspitze zentriert, Länge in beiden Blicken unter 10 % Unterschied; 2 Innenkontur in Enddiastole und Endsystole, Papillarmuskeln zählen zur Kammer, Linie über den Mitralring; 3 Volumen aus vielen dünnen Scheiben; 4 EF berechnen, Kontur zu weit außen erhöht das ESV und senkt die EF. Eine Raute fragt, ob die Kontur sicher erkennbar ist: grün EF verwertbar, orange bei unscharfer Kontur Kontrastmittel oder 3D, grau keine EF aus einem einzelnen Linearmaß.

Abbildung: Messablauf der biplanen Scheibchensummation. Zwei Blicke, zwei Phasen und eine saubere Kontur bestimmen die EF; wo die Kontur gezogen wird, verändert das Ergebnis, wie die Untersucherkonturen oben zeigen.

Quelle: eigene Darstellung.

Eine erhaltene EF schließt keine Herzinsuffizienz aus. Eine kleine, schlecht dehnbare Kammer kann prozentual viel ihres Volumens auswerfen und trotzdem hohe Füllungsdrücke oder ein kleines absolutes SV haben. EF ist zudem lastabhängig. Bei relevanter Mitralinsuffizienz enthält das aus dem LV verschwindende Volumen auch Rückfluss in den Vorhof; die EF allein überschätzt dann möglicherweise die wirksame Vorwärtsleistung. Beispiel: Eine kleine Kammer mit EDV 80 ml und ESV 32 ml hat ebenfalls eine EF von 60 %, wirft aber nur 48 ml aus; fließen bei Mitralinsuffizienz von 96 ml Schlagvolumen 40 ml in den Vorhof zurück, bleiben 56 ml Vorwärtsvolumen. Für eine Herzinsuffizienz mit erhaltener EF verlangt die ESC-Leitlinie neben Symptomen objektive Hinweise auf eine strukturelle oder diastolische Störung, etwa ein NT-proBNP > 125 pg/ml im Sinusrhythmus.

Oben grüner Kasten 1 normale Kammer: EDV 120, ESV 48 ml, EF 60 %, rund 5,0 l/min vorwärts. Zwei Äste: „Kammer klein, steif“ zu Kasten 2 mit EDV 80, ESV 32 ml, EF 60 %, Schlagvolumen nur 48 ml, rund 3,4 l/min, Füllungsdruck oft erhöht; „Klappe undicht“ zu Kasten 3 Mitralinsuffizienz mit EDV 160, ESV 64 ml, EF 60 %, Schlagvolumen 96 ml, davon 40 ml zurück in den Vorhof, vorwärts 56 ml, rund 3,9 l/min. Beide führen zu Kasten 4: absolutes Schlagvolumen, Füllungsdrücke, NT-proBNP über 125 pg/ml. Ergebnisse: orange HFpEF möglich, rot Vorwärtsfluss vermindert.

Abbildung: Dreimal EF 60 %, dreimal eine andere Vorwärtsleistung. Die kleine, steife Kammer wirft wenig absolutes Volumen aus; bei Mitralinsuffizienz zählt ein Teil des Schlagvolumens als Rückfluss. Die EF muss deshalb mit Schlagvolumen, Füllungsdrücken und Klinik gelesen werden.

Quelle: eigene Darstellung.

Doppler misst Geschwindigkeit

Der Dopplereffekt erlaubt es, die Bewegung von Blut relativ zum Schallstrahl abzuschätzen. Bei möglichst paralleler Ausrichtung wird die Strömung besser erfasst; ein großer Winkel kann die gemessene Geschwindigkeit unterschätzen. Farbdoppler codiert Richtung und Geschwindigkeit nach der angezeigten Farbskala. Rot bedeutet nicht automatisch Arterie oder sauerstoffreiches Blut, Blau nicht automatisch Vene oder Sauerstoffmangel. Weicht der Schallstrahl um 20° von der Flussrichtung ab, wird die Geschwindigkeit nur um etwa 6 % unterschätzt, bei 60° um die Hälfte. Für den Farbdoppler wird die Skala, also die Nyquist-Grenze, routinemäßig auf etwa 50–70 cm/s eingestellt.

Vier Kästen untereinander. 1 PW-Doppler: misst in einem kleinen Messfenster, Grenze ist die halbe Pulsrepetitionsfrequenz, bei 12 cm Tiefe und 2,5 MHz etwa 1 m/s, Einsatz LVOT und Mitraleinstrom. 2 CW-Doppler: sendet und empfängt ununterbrochen, keine Aliasing-Grenze, auch über 4 m/s, Ort der Spitze unklar. 3 Farbdoppler: mittlere Geschwindigkeit als Farbe, Skala 50–70 cm/s, Rot bedeutet auf den Schallkopf zu. 4 Winkel zum Blutfluss mit Zeichnung von Schallstrahl und Blutfluss: 0° 100 %, 20° 94 %, 60° 50 %, 90° 0 %. Ergebnisse: grün parallel messen, Fehler höchstens 6 %; rot großer Winkel unterschätzt die Geschwindigkeit.

Abbildung 47: Die drei Dopplerverfahren mit ihrer Stärke, ihrer Grenze und einem Zahlenbeispiel. Unabhängig vom Verfahren misst der Doppler nur den Anteil der Bewegung entlang des Schallstrahls; deshalb wird möglichst parallel zum Fluss gemessen.

Quelle: eigene Darstellung.

Echte gepulste Dopplerkurve an der Pulmonalklappe: oben ein kleines Farbdopplerbild mit Messort, darunter Geschwindigkeit in Metern pro Sekunde gegen die Zeit. In jeder Systole liegt eine helle, spitz zulaufende Kurve unter der Nulllinie mit einer Spitze knapp unter 1 m/s; darüber ein schwächeres Signal. Links ist erläutert: Signal über der Nulllinie bedeutet Fluss auf den Schallkopf zu, Signal unter der Nulllinie Fluss vom Schallkopf weg.

Abbildung 48: So sieht ein echtes Dopplerspektrum aus. Die senkrechte Achse zeigt die Geschwindigkeit, die waagerechte die Zeit; das EKG unten ordnet die Kurven dem Herzzyklus zu. Der systolische Vorwärtsfluss in die Pulmonalarterie läuft hier vom Schallkopf weg und liegt deshalb unter der Nulllinie; Kreuz 1 markiert die vom Untersucher vermessene Spitze. Das schwächere Signal über der Nulllinie wurde in der Originalaufnahme als geringer Rückfluss vermessen (Kreuz 2). Laut Bildbeschreibung handelt es sich um eine normale Pulmonalklappe.

Quelle: Kjetil Lenes, Wikimedia Commons „Flow in pulmonic valve.jpg“, gemeinfrei; Messwert- und Einstellungsanzeigen entfernt, deutsche Erläuterung ergänzt.

VerfahrenStärkeWichtige Grenze
PW, gepulster DopplerGeschwindigkeit an einem gewählten MessortHohe Geschwindigkeiten können Aliasing erzeugen
CW, kontinuierlicher DopplerAuch sehr hohe Geschwindigkeiten erfassbarKeine eindeutige Tiefenzuordnung entlang des Strahls
FarbdopplerRäumliche Übersicht über FlussmusterEinstellung und Winkel beeinflussen das Bild

Zwei echte Dopplerspektren nebeneinander, beide mit deutscher Geschwindigkeitsskala in m/s. Links der gepulste Doppler im Ausflusstrakt: ein schmales helles Band unter der Nulllinie, innen dunkel, Spitze knapp unter 0,9 m/s, ein Schlag grün nachgezeichnet. Rechts der kontinuierliche Doppler durch eine verengte Aortenklappe: spitz zulaufende, bis zur Spitze ausgefüllte Kurven unter der Nulllinie bis etwa 3 m/s. Darunter je drei Stichpunkte und die Merksätze „Ort genau zuordnen – PW“ und „Hohe Geschwindigkeit erfassen – CW“.

Abbildung: PW und CW an echten Spektren aus dem apikalen Blick. Links misst der gepulste Doppler in einem gewählten Messfenster im linksventrikulären Ausflusstrakt: Die Geschwindigkeiten liegen eng beieinander, die Kurve bleibt innen dunkel, die Spitze liegt knapp unter 0,9 m/s; die grüne Linie ist die Nachzeichnung des Untersuchers. Rechts zeichnet der kontinuierliche Doppler alle Geschwindigkeiten entlang des Strahls durch eine verengte Aortenklappe auf: Die Kurve ist bis zur Spitze ausgefüllt und erreicht rund 3 m/s; aus welcher Tiefe die höchste Geschwindigkeit stammt, zeigt sie nicht. In beiden Aufnahmen fließt das Blut in der Systole vom Schallkopf weg und liegt daher unter der Nulllinie. Mit der Näherung weiter unten entsprechen 3 m/s etwa 36 mmHg momentanem Druckunterschied; für einen Schweregrad reicht diese Zahl allein nicht.

Quelle: Poniros A, Nevin K, Tang GH, Safi LM. JACC Case Rep 2025;30(21):104415, Abb. 10 und 9A, CC BY 4.0; Spektralausschnitte ohne Geräte- und Messwertanzeigen, deutsche m/s-Skala und Erläuterungen ergänzt.

Aliasing bedeutet, dass bei Überschreiten der erfassbaren Geschwindigkeitsgrenze die Darstellung umschlägt. Ein buntes Mosaik kann daher verschiedene technische und strömungsbedingte Gründe haben; es ist kein selbstständiger Schweregrad einer Klappeninsuffizienz. Beim PW-Doppler liegt diese Grenze bei der halben Pulsrepetitionsfrequenz; je tiefer das Messfenster, desto niedriger ist sie. Abhilfe schaffen eine verschobene Basislinie, eine höhere Skala, ein flacheres Messfenster oder der Wechsel zum CW-Doppler.

Echtes Farbdopplerbild in der parasternalen langen Achse: Innerhalb eines grün umrandeten Sektors liegen blaue Flächen sowie ein schmaler Streifen aus Rot, Gelb und Blau nebeneinander; links eine Farbskala von Gelb und Rot oben über Schwarz bis Blau und Türkis unten.

Abbildung 49: Echter Farbdoppler; laut Bildbeschreibung bei Aortenklappeninsuffizienz. Nur innerhalb des grün umrandeten Farbsektors wird Fluss farbig über das Graubild gelegt. Die Skala links ordnet Rot und Gelb dem Fluss auf den Schallkopf zu, Blau und Türkis dem Fluss vom Schallkopf weg; die Zahl an der Skala ist ihre Grenzgeschwindigkeit. Wo Farben eng nebeneinander umschlagen, entsteht ein Mosaik: Hinweis auf Aliasing oder ungeordnete Strömung, aber weder Sauerstoffgehalt noch Schweregrad.

Quelle: Wikipedia-Nutzer schomynv, Wikimedia Commons „AoK Insuff.png“, gemeinfrei (PD-release); Ausschnitt ohne Geräteanzeigen.

Ablauf: 1 blauer Kasten Pulse abtasten, Nyquist-Grenze gleich halbe Pulsrepetitionsfrequenz, tiefer Messort senkt die Grenze. Raute: Geschwindigkeit über der Nyquist-Grenze? Nein führt zum grünen Kasten korrekt dargestellt; ja zum roten Kasten 3 Signal schlägt um, im PW erscheint die Spitze auf der Gegenseite, im Farbdoppler Umschlag Rot–Blau und Mosaik. Darunter grüner Kasten 4 Abhilfe: Basislinie verschieben, Skala erhöhen, Messort flacher, HPRF mit zwei Messfenstern verdoppelt die Grenze, Wechsel auf CW. Ergebnisse: grün Spitze messbar, orange Mosaik als Aliasing oder Turbulenz ohne Schweregrad, grau Farbskala 50–70 cm/s, bei niedrigerer Skala wirkt der Jet größer.

Abbildung: Wie Aliasing entsteht und was dagegen hilft. Ein Farbmosaik zeigt Aliasing oder ungeordnete Strömung, aber keinen Schweregrad; eine zu niedrig eingestellte Farbskala lässt einen Rückflussjet größer erscheinen.

Quelle: eigene Darstellung.

Als grundlegende Näherung lässt sich bei geeigneten Voraussetzungen aus einer maximalen Jetgeschwindigkeit ein momentaner Druckunterschied ableiten: Δp ≈ 4 × v², mit v in m/s und Δp in mmHg. Beispiel: 3 m/s → 4 × 9 = 36 mmHg. Dabei werden unter anderem vorgelagerte Geschwindigkeit und weitere Strömungseinflüsse vereinfacht. Dieser momentane Unterschied ist weder der mittlere Gradient noch automatisch identisch mit einem invasiven Peak-to-peak-Gradienten; eine einzelne Geschwindigkeit reicht nicht zur vollständigen Klappenschwerebeurteilung. Dasselbe Prinzip schätzt aus einer Trikuspidalinsuffizienz den systolischen Druck im rechten Ventrikel: 4 × v² plus geschätzter rechter Vorhofdruck, zum Beispiel 2,8 m/s → etwa 31 + 3 = 34 mmHg. Als Orientierung für die Aortenstenose gelten Vmax 2,6–2,9 m/s als leicht, 3,0–3,9 m/s als mittelgradig und ≥ 4,0 m/s als hochgradig; für die Einordnung werden zusätzlich mittlerer Gradient (hochgradig ≥ 40 mmHg) und Öffnungsfläche (≤ 1,0 cm²) geprüft.

Ablauf: 1 blauer Kasten Maximalgeschwindigkeit mit CW, Strahl parallel, höchsten Wert aller Ebenen verwenden. 2 Kasten Δp ungefähr 4 mal v Quadrat, erst quadrieren, dann mal 4. Zwei Äste: Stenosejet zu 3 Aortenklappe, 3 m/s ergibt 36 mmHg, 4 m/s ergibt 64 mmHg; Rückflussjet zu 4 Trikuspidalinsuffizienz, 2,8 m/s ergibt etwa 31 mmHg, plus rechter Vorhofdruck etwa 34 mmHg systolisch im rechten Ventrikel. 5 grauer Kasten: kein mittlerer Gradient, nicht der invasive Peak-to-peak-Gradient, flussabhängig. Darunter Balken Aortenstenose mit drei Feldern: grün 2,6–2,9 m/s leicht, orange 3,0–3,9 m/s mittelgradig, rot ab 4,0 m/s hochgradig, wenn mittlerer Gradient mindestens 40 mmHg und Fläche höchstens 1,0 cm².

Abbildung: Erst quadrieren, dann mit 4 multiplizieren, dann prüfen, welche Art Druckunterschied die Zahl beschreibt. Die Geschwindigkeitsstufen der Aortenstenose sind eine Orientierung; der Schweregrad entsteht erst zusammen mit mittlerem Gradienten, Öffnungsfläche, Fluss und Klappenmorphologie.

Quelle: eigene Darstellung.

Drücke und Füllung einordnen

Echokardiografische Aussagen zur diastolischen Funktion und zu Füllungsdrücken kombinieren mehrere Befunde: zum Beispiel Mitraleinstrom, Gewebegeschwindigkeiten am Mitralring, Vorhofgröße und weitere Druckhinweise. Alter, Rhythmus, Herzfrequenz, Klappenerkrankung und Signalqualität verändern die Interpretation. Ein einzelner normaler Wert beweist keine normale Diastole; ungeeignete Signale dürfen keine sichere Schlussfolgerung tragen. Die ASE-Empfehlung von 2025 kombiniert im Sinusrhythmus drei Messgrößen: erniedrigtes e′ (septal ≤ 6 cm/s, lateral ≤ 7 cm/s), erhöhtes E/e′ (Mittel ≥ 14) und eine TR-Geschwindigkeit ≥ 2,8 m/s. Sind alle drei auffällig, ist der linke Vorhofdruck erhöht; sind es nur eine oder zwei, entscheiden Zusatzwerte wie der Vorhof-Strain (≤ 18 %) oder der Vorhofvolumenindex (> 34 ml/m²).

Zwei echte Dopplerkurven untereinander. Oben der Mitraleinstrom mit wiederkehrender hoher früher E-Welle und kleinerer später A-Welle, markiert sind die Dezelerationszeit DT und die Dauer der A-Welle. Unten das Gewebedopplersignal am Mitralring mit früher e-Strich- und später a-Strich-Welle unter der Nulllinie; unten jeweils ein EKG.

Abbildung 50: Zwei Bausteine der Diastolebeurteilung. Oben misst der gepulste Doppler den Blutfluss durch die Mitralklappe: E ist die frühe, passive Füllung, A die späte Füllung durch die Vorhofkontraktion; DT ist die Abfallzeit der E-Welle, Adur die Dauer der A-Welle. Unten misst der Gewebedoppler die Geschwindigkeit des Mitralrings, also des Myokards und nicht des Blutes: e′ früh, a′ spät. Erst mehrere solcher Messungen zusammen, mit Rhythmus und Klinik, erlauben eine Aussage zur Füllung; ohne geordnete Vorhofkontraktion fehlen A und a′.

Quelle: Lee JH, Park JH. Clin Hypertens 2015;21:9, Abb. 6, CC BY 4.0; Ausschnitt, Panelbuchstaben und Frequenzanzeigen entfernt.

Ablauf: 1 grauer Kasten vorher prüfen: Sinusrhythmus, keine Mitralstenose, keine schwere primäre Mitralinsuffizienz, kein starker Ringkalk, Frequenz und Blutdruck notieren. Drei orange Kästen nebeneinander: 2 e′ erniedrigt, septal höchstens 6, lateral höchstens 7 cm/s; 3 E/e′ erhöht, Mittel ab 14; 4 TR erhöht, ab 2,8 m/s oder RV-Druck ab 35 mmHg. Raute: wie viele auffällig? Keiner führt zu grün LAP normal, einer oder zwei zu orange Zusatzwerte LARS höchstens 18 % und LAVi über 34 ml/m², alle drei zu rot LAP erhöht mit Grad 2 bei E/A unter 2 und Grad 3 bei E/A ab 2. Unten Sonderfall Grad 1: nur e′ erniedrigt und E/A bis 0,8.

Abbildung: Der Algorithmus der ASE von 2025 für den Sinusrhythmus. Keine Einzelzahl entscheidet: Erst die Kombination aus Myokardgeschwindigkeit e′, E/e′ und TR-Geschwindigkeit ordnet den linken Vorhofdruck ein. Bei Vorhofflimmern, Mitralstenose oder schwerer primärer Mitralinsuffizienz gilt dieser Weg nicht.

Quelle: eigene Darstellung.

Die Weite und Atemvariabilität der V. cava inferior können die Einschätzung des rechten Vorhofdrucks ergänzen. Beatmung, Atemanstrengung und Rechtsherzerkrankungen beeinflussen sie. Eine weite V. cava ist daher weder eine direkte Messung des Gesamtvolumens noch allein eine Anweisung, Flüssigkeit zu entziehen. Umgekehrt rechtfertigt eine kleine V. cava für sich allein keine Volumengabe. Bei Spontanatmung ordnet die ASE-Leitlinie von 2025 eine V. cava ≤ 2,1 cm mit mindestens 50 % Kollaps beim Schnüffeln einem rechten Vorhofdruck von etwa 3 mmHg zu, eine V. cava > 2,1 cm mit weniger als 50 % Kollaps etwa 15 mmHg und Mischbilder etwa 8 mmHg; gemessen wird 0,5–3 cm vor der Mündung am Ende der Ausatmung.

Echte Ultraschallaufnahme unterhalb des Rippenbogens im Längsschnitt mit nummerierten Markierungen: oben die Leber (1), links unten der rechte Vorhof (2), quer durch das Bild ein dunkles Band, die V. cava inferior (3), und ihre Mündung in den Vorhof (4) mit einem schmalen Rahmen kurz davor als Messort. Rechts daneben Kästen mit Legende, „In der Bildfolge: Weite, Änderung mit der Atmung“, „Beeinflusst durch Beatmung, Atemanstrengung, Rechtsherzerkrankung“ und der grünen Aussage „Ergänzt die Einschätzung des rechten Vorhofdrucks – keine Volumenmessung“.

Abbildung: Die V. cava inferior im echten subkostalen Längsschnitt. Die Leber dient als Schallfenster; die Hohlvene (3) zieht als dunkles Band zur Mündung (4) in den rechten Vorhof (2). Gemessen wird etwa 1–2 cm vor der Mündung (Rahmen). Ein Standbild zeigt nur die Weite; die Atemvariabilität wird in einer Bildfolge oder im M-Mode während der Atmung beurteilt. Als Orientierung nennen die Leitlinien zur Rechtsherz-Echokardiografie bei Spontanatmung: höchstens 2,1 cm mit mindestens 50 % Kollaps beim kurzen Schnüffeln spricht eher für einen normalen, mehr als 2,1 cm mit weniger als 50 % Kollaps eher für einen erhöhten rechten Vorhofdruck. Unter Beatmung gilt diese Zuordnung nicht.

Quelle: Shaul NC, Smeltz AM, Raff EJ et al. J Cardiovasc Imaging 2026;34:17, Abb. 1A, CC BY 4.0; englische Beschriftungen durch Ziffern ersetzt, Geräteanzeige entfernt, deutsche Legende ergänzt.

Ablauf: 1 blauer Kasten subkostal messen, 0,5–3 cm vor der Mündung, am Ende der Ausatmung, Kollaps beim Schnüffeln. Raute beatmet? Ja führt zum grauen Kasten Überdruckbeatmung: Kollaps nicht verwertbar, bis 2,1 cm meist unter 10 mmHg, sonst Zusatzzeichen oder invasiv. Nein führt zu Balken 3 Weite und Kollaps mit drei Kästen: bis 2,1 cm und mindestens 50 % Kollaps, Mischbild, über 2,1 cm und unter 50 % Kollaps. Ergebnisse: grün etwa 3 mmHg (0–5) normal, orange etwa 8 mmHg (5–10) unklar, rot etwa 15 mmHg (10–20) erhöht. Unten grauer Kasten Grenzen: weit auch bei Sportlern und Schwangeren, allein keine Anweisung zu Volumengabe oder Entwässerung.

Abbildung: Aus Weite und Atemkollaps der V. cava wird ein rechter Vorhofdruck geschätzt, nicht gemessen. Unter Überdruckbeatmung ist der Kollaps nicht verwertbar; die Schätzung ersetzt keine Volumenbeurteilung.

Quelle: eigene Darstellung.

Invasive Katheter können Drücke unmittelbar messen. Der pulmonalkapilläre Verschlussdruck kann unter geeigneten Bedingungen den linken Vorhofdruck annähern, ist aber nicht in jedem Kontext mit linksventrikulärem enddiastolischem Druck gleichzusetzen. Nullpunkt, Atmung, Beatmung und Klappenfehler müssen beachtet werden. Die detaillierte Katheterauswertung gehört in die weiterführende hämodynamische Ausbildung. Normalwerte nach der ESC/ERS-Leitlinie 2022: rechter Vorhof im Mittel 2–6 mmHg, Pulmonalarterie systolisch 15–30 und diastolisch 4–12 mmHg (Mitteldruck 8–20 mmHg), Verschlussdruck ≤ 15 mmHg, HZV 4–8 l/min. Nullpunkt ist in Rückenlage die mittlere Thoraxhöhe; gemessen wird am Ende der Ausatmung ohne Luftanhalten. Ein Mitteldruck > 20 mmHg definiert eine pulmonale Hypertonie; ein Verschlussdruck > 15 mmHg spricht dann für eine postkapilläre Ursache im linken Herzen.

Ablauf von oben nach unten: 1 grüner Kasten richtig messen, Nullpunkt in Rückenlage auf mittlerer Thoraxhöhe, am Ende der Ausatmung. Blaue Kästen entlang des Katheterwegs: 2 rechter Vorhof Mitteldruck 2–6 mmHg, 3 Pulmonalarterie systolisch 15–30 und diastolisch 4–12 mmHg, Mitteldruck 8–20 mmHg, 4 Verschlussdruck, Ballon blockiert einen Ast, normal bis 15 mmHg, etwa linker Vorhofdruck. 5 roter Kasten: PAWP entspricht nicht dem LVEDP bei Mitralklappenfehler, Beatmung oder falschem Nullpunkt. Balken 6 führt zu drei Ergebnissen: grün mPAP bis 20 keine pulmonale Hypertonie; bei mPAP über 20 blau PAWP bis 15 präkapillär mit PVR über 2 Wood-Einheiten, rot PAWP über 15 postkapillär, Linksherz.

Abbildung: Normalwerte entlang des Rechtsherzkatheters nach ESC/ERS 2022 und ihre Lesart. Der Verschlussdruck nähert den linken Vorhofdruck nur unter geeigneten Bedingungen an; Nullpunkt und Atemphase entscheiden über die Zahl.

Quelle: eigene Darstellung.

Die Tabelle vergleicht ergänzende Druckhinweise mit unmittelbarer Druckmessung.

VerfahrenAussageWichtige Grenze
V. cava inferior: Weite und AtemvariabilitätErgänzen die Einschätzung des rechten VorhofdrucksAbhängig von Beatmung, Atemanstrengung und Rechtsherzerkrankung
Weite V. cavaKeine direkte Messung des GesamtvolumensAllein keine Anweisung zum Flüssigkeitsentzug
Kleine V. cavaEinzelbefund der V. cavaAllein keine Rechtfertigung zur Volumengabe
Invasiver KatheterMisst Drücke unmittelbarNullpunkt, Atmung, Beatmung und Klappenfehler beachten
Pulmonalkapillärer VerschlussdruckKann unter geeigneten Bedingungen den linken Vorhofdruck annähernNicht immer dem linksventrikulären enddiastolischen Druck gleichzusetzen

Die transösophageale Echokardiografie (TEE) bringt die Sonde in die Speiseröhre und kann bestimmte Strukturen, etwa Klappen, genauer darstellen. Sie ist invasiver als TTE und benötigt eine passende Indikation, Aufklärung, Prüfung von Gegenanzeigen insbesondere relevanter Ösophaguserkrankungen sowie situationsgerechte Überwachung. „Keine Röntgenstrahlung“ bedeutet nicht „ohne Risiken“. Schluckbeschwerden, Zahn-/Schleimhautverletzung, selten eine Ösophagusperforation, Aspiration und sedierungsbedingte Probleme sind je nach Durchführung relevant. Vor einer TEE mit Sedierung soll mindestens 6 Stunden nichts gegessen und ab 3 Stunden vorher nichts mehr getrunken werden. Absolute Gegenanzeigen sind etwa Ösophagusstriktur, -tumor, -perforation oder -divertikel und eine aktive obere gastrointestinale Blutung. In großen Serien diagnostischer TEE liegt die Komplikationsrate bei 0,18–2,8 %; Ösophagusperforation (< 0,01 %) und Tod (< 0,01–0,02 %) sind sehr selten.

Ablauf: 1 blauer Kasten typische Fragen nach der TTE: Endokarditis mit Vegetation oder Abszess, Thrombus im linken Vorhofohr, Klappenprothese oder Mitralklappe vor Eingriff, Aortendissektion, intraoperativ. Raute Gegenanzeige? Absolut führt zum roten Kasten keine TEE bei Ösophagusstriktur, -tumor, Perforation, Divertikel oder aktiver oberer GI-Blutung; relativ zum orangen Kasten abwägen bei Varizen, Ösophagitis, Bestrahlung, Gerinnungsstörung oder Dysphagie. Keine Gegenanzeige und überwiegender Nutzen führen zu 3 grüner Kasten Vorbereitung: Essen mindestens 6 Stunden, Klares bis 3 Stunden vorher, Aufklärung, Venenzugang, Rachen-Lokalanästhesie, meist Sedierung, Überwachung mit Blutdruck, EKG und Sättigung. 4 roter Kasten Risiken: Komplikationen gesamt 0,18–2,8 %, Perforation unter 0,01 %, Tod unter 0,01–0,02 %. Ergebnisse: TTE zuerst, TEE gezielt, eigene Aufklärung.

Abbildung: Weg zur TEE von der Frage über Gegenanzeigen und Vorbereitung bis zu den Risiken. Keine Röntgenstrahlung bedeutet nicht risikofrei: Sonde und Sedierung brauchen eine eigene Aufklärung.

Quelle: eigene Darstellung.

Echte transösophageale Aufnahme mit nummerierten Markierungen: An der Sektorspitze oben liegt die Sonde in der Speiseröhre (1), direkt darunter der dunkle linke Vorhof (2), darunter die helle Linie der Mitralklappe (3) und der linke Ventrikel (4); am oberen Rand der Koronarsinus (5). Rechts eine Legende und „Warum oft genauer? Sonde direkt hinter dem linken Vorhof, keine Rippen, keine Lunge dazwischen“; unten „Zum Vergleich TTE, apikal: Vorhöfe unten, weit vom Schallkopf“ und die grüne Aussage „Klappen und Vorhof oft genauer – aber invasiverer Zugang mit eigener Aufklärung“.

Abbildung: So sieht das Herz aus der Speiseröhre aus. Die Sonde (1) liegt direkt hinter dem linken Vorhof; deshalb erscheint der linke Vorhof (2) oben an der Sektorspitze, gleich darunter die Mitralklappe (3) und der linke Ventrikel (4). Rippen und Lunge liegen nicht im Schallweg. Im apikalen TTE-Vierkammerblick in C01-U08-S01 liegen die Vorhöfe dagegen unten, weit vom Schallkopf entfernt. Es ist ein Standbild eines mittösophagealen Zweikammerblicks; Klappenbewegung lässt sich daraus nicht beurteilen.

Quelle: Chen T, Hayward G, Apruzzese P, Maslow A. BMC Anesthesiol 2022;22:326, Abb. 2 (linkes Bild), CC BY 4.0; englische Beschriftungen durch Ziffern ersetzt, Winkel- und Geräteanzeigen entfernt, deutsche Legende ergänzt.

Freie Antwort

Unterstützt berechnen

Aufgabe: EDV 150 ml, ESV 90 ml. Berechne SV und EF. Erkläre, warum die EF ohne Frequenz keine Angabe in l/min ergibt.

Die Tabelle zeigt die beiden gegebenen Volumenwerte.

MessgrößeWert
EDV150 ml
ESV90 ml
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Multiple Choice

Eine Echoaussage begrenzen

Aufgabe: Eine Person mit Belastungsatemnot hat eine EF von 60 %. Die diastolischen Messungen sind wegen schlechter Signalqualität nicht verwertbar. Welche Aussage passt?

Die Tabelle bündelt die Angaben zur Person und zur Untersuchung.

BereichGegebene Information
BeschwerdenBelastungsatemnot
EF60 %
Diastolische MessungenWegen schlechter Signalqualität nicht verwertbar
  1. a)Herzinsuffizienz ist durch die EF ausgeschlossen.
  2. b)Die diastolische Funktion ist sicher normal.
  3. c)Die EF ist erhalten; die Ursache der Atemnot und die Füllungsfunktion bleiben weiter abzuklären.
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Freie Antwort

Das passende Dopplerprinzip

Aufgabe: In einer hoch beschleunigten Strömung schlägt das PW-Signal an seiner Darstellungsgrenze um. Eine Kollegin will eine hohe Maximalgeschwindigkeit erfassen. Welches Verfahren ist dafür prinzipiell geeigneter, und welchen Vorteil gibt sie dabei gegenüber PW auf? Erkläre außerdem, warum ein roter Farbdopplerjet keine Aussage über den Sauerstoffgehalt liefert.

Die Tabelle trennt die beobachteten Signale von der Messabsicht.

AspektVorgabe
PW-SignalSchlägt an seiner Darstellungsgrenze um
MessabsichtHohe Maximalgeschwindigkeit erfassen
FarbdopplerjetRot
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Freie Antwort

Eine Untersuchung erklären

Aufgabe: Eine Patientin fragt vor einer TTE: „Bekomme ich dabei Röntgenstrahlung? Und ist eine Untersuchung durch die Speiseröhre automatisch genauso unkompliziert?“ Gib eine kurze, sachliche Antwort.

Die Tabelle stellt die beiden Fragen der Patientin nebeneinander.

UntersuchungPatientenfrage
TTEBekomme ich dabei Röntgenstrahlung?
Untersuchung durch die SpeiseröhreIst sie automatisch genauso unkompliziert?

Echtes Foto einer Untersuchung von außen: Eine Hand hält einen Ultraschallschallkopf mit Gel auf der nackten Brustwand einer liegenden Person; das Kabel führt zum Gerät.

Abbildung: Echte Aufnahme: Schallkopf mit Gel auf der Brustwand.

Quelle: Senior Airman Kasey Close, U.S. Air Force (U.S. Navy, ID 110516-F-CF975-160), gemeinfrei

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Freie Antwort

Einen Vierkammerblick orientieren

Aufgabe: Betrachte in C01-U08-S01 das linke Echobild, den apikalen Vierkammerblick. a) Wo liegt der Schallkopf, und warum erscheint die Herzspitze oben? b) Welche Kammer liegt in dieser Darstellung oben rechts, welche oben links? c) Eine Kollegin sagt: „Rechts im Bild ist immer das linke Herz.“ Was antwortest du?

Die Tabelle hält die Bildreferenz und die zu prüfende Aussage fest.

AusgangspunktAngabe
BildreferenzLinkes Echobild in C01-U08-S01, apikaler Vierkammerblick
Zu prüfende AussageRechts im Bild ist immer das linke Herz.
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Multiple Choice

Ein Bildpaar für die EF

Aufgabe: In C01-U08-S02 zeigt eine Abbildung denselben Vierkammerblick in Enddiastole und Endsystole. Warum braucht die EF beide Bilder?

Die Tabelle nennt die beiden Zeitpunkte des vorgegebenen Bildpaars.

BildreferenzZeitpunkt
Vierkammerblick in C01-U08-S02Enddiastole
Derselbe VierkammerblickEndsystole

Zwei echte apikale Vierkammerblicke derselben Person untereinander, der Schallkopf liegt jeweils oben an der Sektorspitze. Im oberen Bild sind die Kammern weit und dunkel, im unteren Bild sind dieselben Kammern deutlich kleiner und die Wände dicker.

Abbildung: Echtes Bildpaar desselben Schnitts zu zwei Zeitpunkten eines Herzzyklus (oben und unten).

Quelle: Boyle R, Patel N, Clin Case Rep 2026;14:e72717, Abb. 3a/b (PMC13175918), CC BY 4.0

  1. a)Ein Bild reicht; das zweite Bild verbessert nur die Bildqualität.
  2. b)Die EF braucht das Volumen am Ende der Füllung und am Ende des Auswurfs; ein einzelnes Bild liefert nur einen dieser Werte.
  3. c)Die Endsystole wird gewählt, weil die Kammer dort am größten ist.
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Freie Antwort

Ein echtes Dopplerspektrum lesen

Aufgabe: Nutze die echte Dopplerkurve an der Pulmonalklappe in C01-U08-S03. a) Liegt der systolische Vorwärtsfluss über oder unter der Nulllinie, und was sagt das über die Flussrichtung? b) Die vermessene Spitzengeschwindigkeit beträgt 0,85 m/s. Berechne den vereinfachten momentanen Druckunterschied. c) Reicht dieser Wert allein, um die Klappe als normal zu beurteilen?

Die Tabelle bündelt die Angaben zur Doppleraufnahme.

AspektVorgabe
BildreferenzEchte Dopplerkurve an der Pulmonalklappe in C01-U08-S03
Spitzengeschwindigkeit0,85 m/s
Zu berechnenVereinfachter momentaner Druckunterschied

Echte gepulste Dopplerkurve an der Pulmonalklappe im subkostalen Kurzachsenschnitt: oben ein kleines Schnittbild mit Farbsektor und gestrichelter Messlinie, darunter Geschwindigkeit gegen Zeit mit Skala in m/s am rechten Rand. In jeder Systole erscheint eine helle, dreieckige Kurve mit einer Spitze knapp unter 1 m/s; gestrichelte Hilfslinien markieren bei zwei Schlägen den Kurvenbeginn.

Abbildung: Weiteres echtes Dopplerspektrum einer anderen Person zum Üben; für die Rechnung gilt der Wert aus der Aufgabe.

Quelle: Noor A, Liu M, Jarman A, Yamanaka T, Kaul M, Biomedicines 2025;13:1426, Abb. 9 (PMC12189778), CC BY 4.0

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Befunde zusammenführen

Lernziel: Du kannst einen Kreislaufbefund begründet vorstellen und erklären.

Vom Befund zur nächsten Frage

Ein guter Befund trennt vier Dinge: Beobachtung, physiologische Deutung, diagnostische Unsicherheit und nächsten Schritt. Benenne zuerst, was du tatsächlich erhoben hast. Erkläre danach, welcher Mechanismus dazu passt. Formuliere eine Verdachtsdiagnose nur so sicher, wie die Daten es erlauben. Schließlich nenne, welche Untersuchung eine offene Frage klären soll. Bei Instabilität erfolgen Hilfe und Akutbeurteilung sofort, während die Ursachenklärung parallel läuft. Warnzeichen sind zum Beispiel eine Bewusstseinsstörung, Atemnot in Ruhe, ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg oder Zeichen der Minderperfusion.

Flussdiagramm „Vom Befund zur nächsten Frage“ am Beispiel eines 69-Jährigen mit Belastungsatemnot. Zuerst die Frage: instabil? Ja: rechts „Sofort handeln“ – Hilfe holen, Akutbeurteilung nach ABCDE; Warnzeichen zum Beispiel gestörtes Bewusstsein, Atemnot in Ruhe, systolischer Blutdruck unter 90 mmHg, kalte, marmorierte Haut; Überwachung mit EKG, Blutdruck und Sauerstoffsättigung; Ursachenklärung läuft parallel. Nein: links vier Kästen. 1 Beobachtung: Puls regelmäßig 88/min, Blutdruck wiederholt 132/78 mmHg, Systolikum mit Maximum rechts basal. 2 Deutung: Auswurfgeräusch als Fluss über Aortenklappe oder Ausflusstrakt, passt zu einer Ausflussbehinderung. 3 Unsicherheit: Ursache nicht gesichert, Schwere klinisch offen, Halsvenen nicht beurteilbar. 4 Nächster Schritt: TTE für Klappe, Kammern und LVEF; gezielt nach Synkope und Angina bei Belastung fragen. Ergebniszeile: stabil – geordnet abklären und Befund vorstellen; instabil – Hilfe zuerst, Ursache parallel klären.

Abbildung 51: Die vier Ebenen am Beispiel – Beobachtung, Deutung, Unsicherheit, nächster Schritt. Vorher steht die Frage nach Instabilität: Warnzeichen verlangen sofortige Hilfe, die Ursachenklärung läuft dann parallel.

Quelle: eigene Darstellung.

EbeneBeispiel
BeobachtungPuls regelmäßig 88/min; systolisches Geräusch rechts basal
DeutungAuswurfgeräusch als möglicher Hinweis auf Ausflussbehinderung
UnsicherheitUrsache und Schwere noch nicht gesichert
Nächster SchrittTTE zur Klappen- und Kammerbeurteilung

Für jede Beobachtung gibt es vier mögliche Zustände. Nur ein tatsächlich erhobener Befund ist auffällig oder unauffällig. Was du nicht sicher beurteilen konntest oder noch nicht untersucht hast, bleibt in der Dokumentation sichtbar offen.

Entscheidungsbaum „Welcher Befundstatus?“. 1 Untersucht? Nein: „Noch nicht untersucht“ – als ausstehend markieren, zum Beispiel „Herz- und Lungenauskultation stehen aus“. Ja: 2 Sicher beurteilbar? Nein: „Nicht sicher beurteilbar“ – Grund nennen, nie als unauffällig, zum Beispiel „Halsvenen wegen ungünstiger Sicht nicht sicher beurteilbar“. Ja: 3 Abweichung von der Norm? Ja: erhoben – auffällig, mit Ort, Qualität und Messwert, zum Beispiel „Systolikum mit Maximum rechts basal“. Nein: erhoben – unauffällig, echter Negativbefund, zum Beispiel „Puls regelmäßig 88/min; keine eindrückbaren Knöchelödeme“.

Abbildung 52: Drei Fragen führen zu den vier Befundzuständen. Nur ein tatsächlich und sicher erhobener Befund ist auffällig oder unauffällig; nicht beurteilbare und ausstehende Befunde bleiben sichtbar offen.

Quelle: eigene Darstellung.

Ausgearbeitetes Beispiel: „Ich stelle einen 69-jährigen Patienten mit zunehmender Belastungsatemnot vor. Er ist wach, die Hände sind warm, der Blutdruck beträgt bei wiederholter Messung 132/78 mmHg, der Puls ist regelmäßig bei 88/min. Es besteht ein systolisches Auswurfgeräusch mit Maximum rechts basal und Fortleitung in die Karotiden; Die Halsvenen sind nicht sicher beurteilbar; eindrückbare Knöchelödeme bestehen nicht. Das Muster lässt eine Aortenklappenerkrankung vermuten, deren Schwere klinisch nicht zuverlässig feststeht. Ich veranlasse eine TTE und kläre Belastungssynkopen sowie Thoraxschmerzen gezielt; bei akuten Warnzeichen wäre sofortige Akutbeurteilung erforderlich.“

Ob eine Aortenklappenstenose hochgradig ist, entscheidet erst die Echokardiografie: Nach der ESC/EACTS-Leitlinie 2025 sprechen eine Öffnungsfläche ≤ 1,0 cm² zusammen mit einem mittleren Gradienten ≥ 40 mmHg beziehungsweise einer Spitzengeschwindigkeit ≥ 4,0 m/s dafür. Ein mittlerer Gradient < 40 mmHg oder eine Spitzengeschwindigkeit < 4,0 m/s schließt eine hochgradige Aortenstenose jedoch nicht aus; bei diskordanten Werten sind Messqualität, Öffnungsfläche, Schlagvolumenindex und LVEF gemeinsam zu prüfen.

Flussdiagramm „Vom Geräusch zur gezielten Abklärung“, 69 Jahre, zunehmende Belastungsatemnot. 1 Ausgangslage: wach, Hände warm, Blutdruck wiederholt 132/78 mmHg, Puls regelmäßig 88/min. Daraus zwei Kästen: 2 hinweisendes Geräusch – systolisches Auswurfgeräusch, Maximum 2. ICR rechts, Fortleitung in die Karotiden; 3 weitere Befunde – keine eindrückbaren Knöchelödeme, Halsvenen nicht sicher beurteilbar. 4 Verdacht mit offener Schwere: Muster passt zu einer Aortenklappenerkrankung, aus dem Geräusch allein ist die Schwere nicht ableitbar; Belastungssynkope, Angina und Atemnot erfragen. 5 Akute Warnzeichen? Ja: sofort Hilfe und Akutbeurteilung, Ursache parallel klären, zum Beispiel bei Synkope, Ruheschmerz oder Schock. Nein: 6 TTE – Klappe mit Kalk und Beweglichkeit, Kammern mit Wanddicke und LVEF; hochgradig nach ESC/EACTS 2025 bei Fläche ≤ 1,0 cm² und mittlerem Gradienten ≥ 40 mmHg beziehungsweise Vmax ≥ 4,0 m/s. Ergebniszeile: Kriterien erfüllt – hochgradig, Behandlung rasch im Herzteam klären; darunter – geringer, Verlauf mit Kontroll-Echo; ohne Befund – Klappe normal, Geräusch neu einordnen.

Abbildung: Das konkrete Geräuschmuster lenkt die nächste Frage. Die Schwere bleibt offen, bis die TTE Öffnungsfläche, Gradient und Spitzengeschwindigkeit misst; akute Warnzeichen gehen immer vor. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Echogrößen werden gemeinsam gelesen: Öffnungsfläche, mittlerer Gradient und Spitzengeschwindigkeit. Bei übereinstimmenden Werten stützen sie eine hochgradige Stenose; bei Werten unter 40 mmHg beziehungsweise 4 m/s führt der Weg zur Prüfung von Messqualität, Öffnungsfläche, Schlagvolumenindex und LVEF, da geringer Fluss eine schwere Stenose verdecken kann.

Abbildung: Ein niedriger Gradient beendet die Abklärung nicht, wenn Öffnungsfläche und Fluss nicht zum übrigen Befund passen. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei echte transthorakale Echobilder nebeneinander. Links der Längsschnitt in der parasternalen langen Achse mit rechtem und linkem Ventrikel, linkem Vorhof und Aortenwurzel; ein Pfeil zeigt auf die verdickte, sehr helle Aortenklappe zwischen linkem Ventrikel und Aorta. Rechts der Querschnitt in der parasternalen kurzen Achse; ein gestrichelter Kreis umfasst die plumpen, kalkdichten Taschen um die Aortenwurzel. Darunter: Das 2D-Bild zeigt Klappenform, Kalk, Beweglichkeit und Kammerwände, der Doppler ergänzt Flussgeschwindigkeit, Gradient und Klappenöffnungsfläche; die Schwere ergibt sich erst aus Bild, Doppler und Pumpfunktion, nicht aus dem Geräusch.

Abbildung: So beantwortet die TTE die offene Frage aus dem Beispiel – echte Aufnahmen bei Aortenklappenstenose. Längs- und Querschnitt zeigen eine verdickte, stark echoreiche, also verkalkte Taschenklappe. Wie schwer die Stenose ist, folgt erst aus Doppler-Messungen und Pumpfunktion. Beide Bilder stammen aus derselben Lehrarbeit, nicht sicher von derselben Person.

Quelle: Poniros A, Nevin K, Tang GHL, Safi LM. How to Scan Patients With Severe Aortic Stenosis. JACC Case Rep 2025;30(21):104415, Abb. 3 und 5 (jeweils linkes Teilbild), doi:10.1016/j.jaccas.2025.104415 (PMC12441524), CC BY 4.0; zugeschnitten, Gerätetext entfernt, deutsche Beschriftung ergänzt.

Eine Prognose wird bedingt formuliert: „Die weitere Entwicklung hängt von Ursache, Schwere, Pumpfunktion und Verlauf ab. Wir überprüfen Beschwerden, Belastbarkeit und objektive Befunde.“ Ein einmaliger Untersuchungsbefund erlaubt keine erfundene Behandlungserfolgs- oder Überlebensaussage. Beschwerden und Belastbarkeit beschreibst du im Verlauf vergleichbar, zum Beispiel mit der NYHA-Klasse I–IV.

Flussdiagramm „Prognose an Befunde und Verlauf binden“. Vier Einflussgrößen: 1 Ursache – zum Beispiel verkalkte Aortenklappe, fortschreitend oder behandelbar? 2 Schwere – Echo mit Vmax, Gradient und Öffnungsfläche; hochgradig bei Vmax ≥ 4,0 m/s beziehungsweise Gradient ≥ 40 mmHg. 3 Pumpfunktion – LVEF ≥ 50 % erhalten, 41–49 % leicht reduziert, ≤ 40 % reduziert. 4 Verlauf – neue Beschwerden? Befund gleich oder zunehmend? Darunter 5 Was im Verlauf überprüft wird: Beschwerden nach NYHA-Klasse I–IV, Belastbarkeit zum Beispiel über Treppen und Gehstrecke, objektiv Blutdruck, Ödeme und Kontroll-Echo mit gleicher Methode. Ergebniszeile: Verlauf geprüft – bedingt formulieren, „hängt von Ursache, Schwere, Pumpfunktion und Verlauf ab“; nur ein Befund – keine erfundene Erfolgs- oder Überlebenszahl.

Abbildung: Vier Einflussgrößen und eine vergleichbare Verlaufskontrolle tragen die Prognose. Ein Einzelbefund trägt keine erfundene Erfolgs- oder Überlebensaussage. Quelle: eigene Darstellung.

Bei der Erklärung für Patientinnen, Patienten oder Angehörige übersetzt du Fachbegriffe in Alltagssprache, ohne eine noch offene Diagnose als gesichert darzustellen.

FachspracheVerständliche Formulierung
Systolisches Auswurfgeräusch„Wir hören am Herzen ein Strömungsgeräusch.“
Eindrückbare Knöchelödeme„An den Knöcheln hat sich Wasser im Gewebe eingelagert.“
Stauung„Flüssigkeit staut sich im Körper zurück.“
TTE„Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens von außen über die Brustwand.“
Ursache noch nicht gesichert„Die genaue Ursache müssen wir noch klären.“

Zweispaltiges Diagramm „Befund verständlich erklären“: links Fachsprache, rechts die Übersetzung für die Person, vier Zeilen mit Pfeilen. 1 Beobachtung: systolisches Auswurfgeräusch, Maximum rechts basal – „Wir hören am Herzen ein Strömungsgeräusch.“ 2 Deutung: möglicher Hinweis auf Ausflussbehinderung, Verdacht auf Aortenklappe – „Eine Herzklappe könnte verengt sein – das ist noch nicht sicher.“ 3 Unsicherheit: Ursache nicht gesichert, Schwere klinisch offen – „Die genaue Ursache müssen wir noch klären.“ 4 Nächster Schritt: TTE für Klappe, Kammern und LVEF; Synkope und Angina erfragen – „Ultraschall des Herzens von außen über die Brustwand, ohne Strahlung.“ Ergebniszeile: gut – kurze Sätze, Alltagswörter, Offenes bleibt offen; vermeiden – Fachjargon und eine offene Diagnose als gesichert darstellen.

Abbildung: Dieselben vier Ebenen, in Alltagssprache übersetzt. Die Verdachtsdiagnose bleibt auch im Gespräch ein Verdacht.

Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Unterstützte Befundsprache

Aufgabe: Gegeben sind ein unregelmäßiger Radialispuls und eine noch ausstehende EKG-Aufzeichnung. Wähle die passendste Dokumentation.

Die Tabelle trennt den Tastbefund vom Stand der weiteren Untersuchung.

BereichGegebene Information
RadialispulsUnregelmäßig
EKG-AufzeichnungNoch ausstehend

Echtes Foto: Die Finger einer Hand liegen flach auf der Daumenseite der Handgelenkinnenseite einer anderen Person und tasten dort den Puls.

Abbildung: Echte Aufnahme: Tasten des Pulses an der Daumenseite des Handgelenks.

Quelle: John Campbell, CC0 1.0,.jpg

  1. a)„Unregelmäßiger Radialispuls; Rhythmusdiagnose mittels EKG zu klären.“
  2. b)„Gesichertes Vorhofflimmern ohne weiteren Untersuchungsbedarf.“
  3. c)„Normaler Rhythmus, da ein Puls tastbar ist.“
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Freie Antwort

Eine neue klinische Situation

Aufgabe: Eine 74-jährige Person berichtet seit einer Woche zunehmende Atemnot und geschwollene Beine. Jetzt wirkt sie schläfrig. Die Hände sind kalt, die Rekapillarisierung verzögert. Der Blutdruck liegt bei 104/70 mmHg, der Puls bei 112/min. Halsvenenfüllung und beidseitige Ödeme sind deutlich erhöht. Im Herzbefund besteht ein leises systolisches Geräusch, dessen Zuordnung noch unklar ist. Weitere Diagnostik liegt nicht vor.

Formuliere eine kurze Übergabe mit (1) führenden Beobachtungen, (2) zwei physiologischen Problemen, (3) Dringlichkeit und (4) einer gezielten Echo-Frage. Erkläre anschließend der betroffenen Person beziehungsweise einer ansprechbaren Begleitperson den nächsten Schritt in verständlicher Sprache.

BereichGegebene Information
Haut und BewusstseinSchläfrigkeit, kalte Hände, verzögerte Rekapillarisierung
Halsvenen und BeineHalsvenenfüllung und beidseitige Ödeme
Puls und GeräuschTachykardie; Mechanismus des Geräuschs noch unklar
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Multiple Choice

Einen echten Hautbefund einordnen

Aufgabe: Das Foto zeigt beide Knie einer liegenden Person. Wähle die Dokumentation, die Beobachtung, Deutung und nächsten Schritt am besten trennt.

Echte klinische Aufnahme: beide Knie einer liegenden Person von vorn, die Haut über Knien und Oberschenkeln zeigt eine fleckig-netzartige, bläulich-violette Zeichnung.

Abbildung 54: Echte klinische Aufnahme beider Knie.

Quelle: Yabe M, Nomoto Y, Watanabe H. J Gen Fam Med 2025;26:95–97, Abb. 1B (PMC11702435), CC BY 4.0; Teilbild ausgeschnitten.

  1. a)„Beidseits marmorierte Haut über den Knien; damit ist ein kardiogener Schock gesichert, Ursache ist eine Pumpschwäche. Weitere Befunde sind für die Diagnose nicht nötig.“
  2. b)„Beidseits fleckig-netzartige, bläulich-violette Hautzeichnung über den Knien; vereinbar mit Marmorierung als möglichem Minderperfusionszeichen. Bewusstsein, Hauttemperatur, Rekapillarisierung, Urinmenge und Kreislauf gezielt erheben.“
  3. c)„Beidseits fleckige Hautzeichnung über den Knien; solange der Blutdruck normal ist, ohne Bedeutung für den Kreislauf, daher keine weitere Untersuchung erforderlich.“
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EKG: Erregung und Frequenz

Lernziel: Du kannst Erregung, Frequenz und Pumpfunktion in echten EKGs unterscheiden.

So nutzt du die Aufnahmen

Das EKG zeigt Spannungsänderungen an der Körperoberfläche. Die P-Welle entspricht der Vorhoferregung, der QRS-Komplex der Kammererregung und die T-Welle der Rückbildung der Kammererregung. Die mechanische Antwort folgt der elektrischen Aktivierung. Aus der Höhe einer R-Zacke lässt sich deshalb kein Schlagvolumen ablesen.

Bei Sinusrhythmus findet sich eine gleichartige P-Welle vor jedem QRS-Komplex; P ist in Ableitung II gewöhnlich positiv. Zwischen P und QRS liegt die Überleitung zu den Kammern. Die PQ-Zeit wird vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS gemessen. Der AV-Knoten trägt wesentlich zu dieser Verzögerung bei; die PQ-Zeit bildet aber nicht ausschließlich den AV-Knoten ab. Die QRS-Dauer beschreibt die Dauer der Kammererregung. Die QT-Zeit reicht vom Beginn des QRS bis zum Ende der T-Welle und ist frequenzabhängig.

Als Orientierung beim Erwachsenen gelten eine PQ-Zeit von 0,12–0,20 s und eine QRS-Dauer unter 0,12 s. Eine PQ-Zeit über 0,20 s heißt AV-Block I. Grades; ein QRS ab 0,12 s gilt als breit, zum Beispiel bei Schenkelblock. Mit steigender Frequenz wird die QT-Zeit kürzer; für Vergleiche wird sie deshalb frequenzkorrigiert (QTc).

Flussdiagramm unter dem Kopf „Zeitabschnitte im EKG messen“ bei 25 mm/s, ein kleines Kästchen 0,04 s, ein großes 0,20 s. 1 Grenzen festlegen: P-Beginn, QRS-Beginn, QRS-Ende und T-Ende markieren, eine Ableitung mit klaren Wellen wie II wählen und mehrere Schläge vergleichen. 2 PQ-Zeit von P-Beginn bis QRS-Beginn, normal 0,12–0,20 s oder 3–5 kleine Kästchen, der AV-Knoten trägt einen großen Teil, aber nicht alles; Ast über 0,20 s zu AV-Block I. Grades mit verzögerter Überleitung. 3 QRS-Dauer von QRS-Beginn bis QRS-Ende, schmal unter 0,12 s oder unter 3 kleinen Kästchen; Ast ab 0,12 s zu breitem QRS, zum Beispiel Schenkelblock. 4 QT-Zeit von QRS-Beginn bis T-Ende, Erregung und Rückbildung, bei schnellerer Frequenz kürzer, bei langsamerer länger; Ast Vergleich zur frequenzkorrigierten QTc. Ergebniszeile: Beispiel aus der folgenden Aufnahme PQ 0,16, QRS 0,09 und QT 0,33 s bei 63/min; Handmessung als Orientierungswert ohne Präzisionsanspruch.

Abbildung: Vergleiche zuerst die Grenzen der Zeitabschnitte; PQ erfasst nicht nur den AV-Knoten, QT hängt von der Frequenz ab. Die roten Äste zeigen, ab welchem Wert PQ-Zeit oder QRS-Dauer als verlängert gelten. Quelle: eigene Darstellung.

Vergrößerter echter Herzschlag in Ableitung II auf EKG-Papier mit Kalibrierungszacke. Über den Wellen stehen die Markierungen P, QRS und T. Gestrichelte Linien führen von P-Beginn, QRS-Beginn, QRS-Ende und T-Ende nach unten zu drei Messklammern: PQ-Zeit etwa 0,16 s (4 kleine Kästchen), QRS-Dauer etwa 0,09 s (gut 2 kleine Kästchen) und QT-Zeit etwa 0,33 s (gut 8 kleine Kästchen); QRS-Dauer und QT-Zeit beginnen an derselben Linie.

Abbildung: Dieselben Grenzen an einer echten Ableitung II. Die PQ-Zeit endet dort, wo QRS-Dauer und QT-Zeit beginnen: am QRS-Beginn. Die QT-Zeit schließt die ganze Kammererregung und ihre Rückbildung bis zum T-Ende ein. Die Werte sind von Hand an einem einzelnen Schlag geschätzt (Sinusrhythmus, etwa 63/min); die QT-Zeit ist nicht frequenzkorrigiert. Quelle: PTB-XL v1.0.3, ecg_id 2884 (Wagner et al.), CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, Ausschnitt 1,9–3,1 s neu gezeichnet mit ekg_zeichnen.py, Messmarken ergänzt.

Alle folgenden Aufnahmen sind 10 Sekunden lang; der unterste Streifen zeigt Ableitung II durchgehend. Bei 25 mm/s entspricht ein kleines Kästchen 0,04 s, ein großes Kästchen 0,20 s. Für einen annähernd regelmäßigen Rhythmus gilt: Herzfrequenz = 60 / RR-Abstand in Sekunden. Messe mehrere RR-Abstände, wenn sie leicht schwanken. Beispielrechnung vor der Anwendung: Bei fünf großen Kästchen Abstand sind 5 × 0,20 s = 1,0 s vergangen; 60 / 1,0 s ergibt 60/min. Die Frequenzangaben in den Lösungen sind gerundet. PQ, QRS und QT sind manuell geschätzte Orientierungswerte, keine automatischen Präzisionsmessungen.

Bei 25 mm/s entsprechen PQ 0,12–0,20 s damit 3–5 kleinen Kästchen; ein schmaler QRS-Komplex bleibt unter 3 kleinen Kästchen. Gleichwertig zur Formel gilt: Herzfrequenz = 300 / Zahl der großen Kästchen oder 1.500 / Zahl der kleinen Kästchen zwischen zwei R-Zacken. Ist der Rhythmus deutlich unregelmäßig, zählst du alle QRS-Komplexe im 10-Sekunden-Streifen und multiplizierst mit 6.

Flussdiagramm unter dem Kopf „Herzfrequenz aus dem EKG“ bei Papiervorschub 25 mm/s. 1 Papier prüfen: ein kleines Kästchen von 1 mm entspricht 0,04 s, ein großes von 5 mm 0,20 s, ein 10-Sekunden-Streifen hat 50 große Kästchen. Raute: Rhythmus regelmäßig? Bei ja 2 RR-Abstand messen: Herzfrequenz gleich 60 durch RR in Sekunden, gleich 300 durch große Kästchen oder 1500 durch kleine Kästchen, mehrere RR mitteln. Bei nein 3 QRS-Komplexe zählen: alle QRS im 10-Sekunden-Streifen zählen und mit 6 multiplizieren, Beispiel 12 QRS ergeben 72/min, ein einzelner RR-Abstand wäre zufällig. 4 Merkreihe für große Kästchen zwischen zwei R-Zacken: 1 ergibt 300, 2 ergeben 150, 3 ergeben 100, 4 ergeben 75, 5 ergeben 60 und 6 ergeben 50 pro Minute; liegt R zwischen zwei Linien, mit kleinen Kästchen zu je 0,04 s rechnen. Ergebniszeile: elektrische Frequenz als Kammererregungen pro Minute; Puls zusätzlich tasten, weil eine Erregung noch keinen wirksamen Herzschlag beweist.

Abbildung: Bei regelmäßigem Rhythmus rechnest du mit dem RR-Abstand, bei unregelmäßigem zählst du die QRS-Komplexe in 10 Sekunden. Das Ergebnis ist die elektrische Kammerfrequenz; ob jeder Schlag einen tastbaren Puls erzeugt, zeigt erst die Untersuchung. Quelle: eigene Darstellung.

Tabelle: Umrechnung von großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken in die Herzfrequenz bei 25 mm/s (60 / RR-Abstand).

Große Kästchen zwischen zwei R-ZackenRR-AbstandHerzfrequenz
10,20 s300/min
20,40 s150/min
30,60 s100/min
40,80 s75/min
51,00 s60/min
61,20 s50/min

Liegt die nächste R-Zacke zwischen zwei Linien, schätzt du zwischen den benachbarten Werten oder rechnest mit den kleinen Kästchen (je 0,04 s) genauer.

Echter Rhythmusstreifen Ableitung II mit zwei R-Zacken. Die erste R-Zacke liegt auf einer dicken Linie; zwischen beiden R-Zacken sind fünf große Kästchen nummeriert und abwechselnd getönt, danach ist ein zusätzliches kleines Kästchen mit „+1“ hervorgehoben. Eine Klammer über dem Streifen markiert den RR-Abstand. Darunter zwei Rechenkästen: 5 große + 1 kleines Kästchen = 5 × 0,20 s + 0,04 s = 1,04 s; 60 / 1,04 s ≈ 58/min.

Abbildung: Die zweite R-Zacke liegt hier knapp hinter der fünften dicken Linie nach der ersten R-Zacke. Das zusätzliche kleine Kästchen macht aus 1,00 s genau 1,04 s und aus 60/min etwa 58/min. Formal liegt dieser Sinusrhythmus damit knapp unter 60/min; was das bedeutet, entscheidet erst die klinische Situation. Gezeigt ist ein Ausschnitt von gut 2 Sekunden; die Übungsaufnahmen unten umfassen jeweils 10 Sekunden. Quelle: PTB-XL v1.0.3, ecg_id 775 (Wagner et al.), CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, Ausschnitt 1,96–4,16 s neu gezeichnet mit ekg_zeichnen.py, Zählmarken ergänzt.

Der elektrische Lagetyp beschreibt die Hauptrichtung der Kammererregung in der Frontalebene. Er wird hier im Befund genannt; seine systematische Bestimmung und die vertiefte Rhythmusdiagnostik folgen in C02. In C01 geht es um den Zusammenhang zwischen Erregung, Zeit und Kreislaufleistung. Bei Erwachsenen bezeichnet Sinusbradykardie einen Sinusrhythmus unter 60/min, Sinustachykardie einen über 100/min; diese Begriffe beschreiben zunächst Rhythmus und Frequenz, nicht ihre Ursache. Ob dies eine passende Anpassung oder Ausdruck einer Erkrankung ist, lässt sich ohne Situation, Beschwerden und Kreislaufbefund nicht entscheiden.

Physiologisch sind zum Beispiel eine Sinusbradykardie bei Ausdauertrainierten, im Schlaf oder bei hohem Vagotonus und eine Sinustachykardie bei Belastung, Schmerz oder Aufregung. Mögliche krankhafte oder medikamentöse Ursachen sind bei langsamer Frequenz etwa Betablocker, Digitalis, Hypothyreose oder eine Sinusknotenerkrankung, bei schneller Frequenz etwa Fieber, Volumenmangel, Anämie, Hypoxie, Hyperthyreose oder Koffein. Gesunde tolerieren Frequenzen zwischen etwa 40 und 160/min meist ohne Beschwerden. Warnzeichen sind Schock mit Hypotonie (systolisch unter 90 mmHg), Synkope oder Schwindel, Brustschmerz und Zeichen einer Herzinsuffizienz; dann wird sofort ärztlich abgeklärt.

Flussdiagramm unter dem Kopf „Sinusrhythmus und Frequenz“ für Erwachsene, Frequenz gleich 60 durch RR-Abstand in Sekunden. 1 Sinusrhythmus erkennen: gleichartige P-Welle vor jedem QRS, P in II gewöhnlich positiv, dann Frequenz bestimmen und einordnen. Drei Äste: unter 60/min 2 Sinusbradykardie, physiologisch bei Ausdauertraining, Schlaf oder hohem Vagotonus, krankhaft oder medikamentös bei Betablockern, Digitalis, Hypothyreose oder Sinusknotenerkrankung; 60–100/min 3 normofrequent; über 100/min 4 Sinustachykardie, physiologisch bei Belastung, Schmerz, Aufregung oder Angst, krankhaft oder medikamentös bei Fieber, Volumenmangel, Anämie, Hypoxie, Hyperthyreose oder Koffein. Alle Äste münden in 5 Kreislauf prüfen: Warnzeichen sind Schock mit Hypotonie unter 90 mmHg systolisch, Synkope oder Schwindel, Brustschmerz und Herzinsuffizienzzeichen wie Lungenstauung; Gesunde tolerieren oft 40–160/min ohne Beschwerden. Ergebniszeile: ohne Warnzeichen ist eine Anpassung möglich, Ursache klären und Verlauf beobachten; mit Warnzeichen sofort ärztlich abklären.

Abbildung: Die Frequenzgrenzen benennen den Rhythmus; die klinische Bedeutung braucht Situation, Beschwerden und Kreislaufbefund. Dieselbe Frequenz kann je nach Ursache und Kreislauf harmlos oder dringlich sein. Quelle: eigene Darstellung.

Beobachtung im EKGWas sie hier beantwortetWas offen bleibt
Gleichartige P-Welle vor jedem QRSGeordnete Vorhoferregung mit Überleitung zu den KammernUrsache einer niedrigen oder hohen Frequenz
Abstand zwischen zwei R-ZackenZeit zwischen zwei Kammererregungen und daraus die FrequenzTatsächlich ausgeworfenes Blutvolumen pro Schlag
Schmaler QRS-KomplexKammererregung ohne deutliche zeitliche VerbreiterungKontraktilität und Ejektionsfraktion
Regelmäßige elektrische KammeraktivierungElektrische Aktivierung findet stattTastbarer Puls, Blutdruck und ausreichende Organperfusion

Die Befundzeilen zu den folgenden Aufnahmen halten eine feste Reihenfolge ein: Rhythmus, Frequenz, Lagetyp, Zeiten, QRS-Form, ST-Strecke und T-Welle. In den Brustwandableitungen nimmt die R-Zacke von V1 aus normalerweise zu (R-Progression). Eine ST-Hebung oder -Senkung gilt erst als regionaler Befund, wenn sie in mindestens zwei benachbarten Ableitungen auftritt; die Grenzwerte dafür folgen mit der vertieften EKG-Diagnostik in C02.

Sechs nummerierte Schritte untereinander unter dem Kopf „EKG-Befund in fester Reihenfolge“: 1 Rhythmus, P vor jedem QRS und in II positiv spricht für Sinusrhythmus, RR-Abstände regelmäßig oder nicht; 2 Frequenz, 60 durch RR in Sekunden, normal 60–100/min, unter 60 Bradykardie, über 100 Tachykardie; 3 Lagetyp, Hauptrichtung der Kammererregung, hier Indifferenz- oder Linkstyp, genaue Bestimmung später; 4 Zeiten, PQ 0,12–0,20 s, QRS unter 0,12 s, QT nur zusammen mit der Frequenz bewerten; 5 QRS-Form, schmal oder breit, Amplituden, R-Zacke wächst ab V1; 6 ST-Strecke und T-Welle, Hebung oder Senkung in mindestens zwei benachbarten Ableitungen, T meist in gleicher Richtung wie QRS. Ergebniszeile: Der Befund beschreibt nur die Elektrik der Aufnahme; Puls, Blutdruck und Beschwerden ergänzen die Klinik.

Abbildung: Diese Reihenfolge findest du in jedem „Systematischen Befund“ der Aufgaben wieder. Sie beschreibt die Aufnahme, nicht die gesamte Herzgesundheit der Person. Quelle: eigene Darstellung.

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Erregung vor Mechanik

Angeleitete Bildbetrachtung: Beginne im unteren durchgehenden Streifen II mit einem der schmalen hohen Ausschläge: Das ist der QRS-Komplex. Davor erkennst du jeweils eine kleine positive P-Welle; danach folgt die breitere T-Welle. Betrachte drei aufeinanderfolgende Folgen und vergleiche sie. Vergrößere die Aufnahme zum Lesen der kleinen Wellen.

Aufgabe — unterstützt: Ein RR-Abstand beträgt ungefähr vier große Kästchen. Berechne die Frequenz und erkläre in zwei Sätzen, warum daraus noch keine Aussage über das Herzzeitvolumen möglich ist.

12-Kanal-EKG mit durchgehendem Rhythmusstreifen II; 25 mm/s und 10 mm/mV.

Quelle: PTB-XL v1.0.3, ecg_id 1870 (Wagner et al.), CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, neu gezeichnet mit ekg_zeichnen.py.

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Mehr Zeit zwischen zwei Schlägen

Aufgabe — weniger Unterstützung: Bestimme im Streifen II den ungefähren RR-Abstand und die Frequenz. Vergleiche mit Q01. Eine Person behauptet: „Weil die Frequenz niedriger ist, muss auch das Herzzeitvolumen niedriger sein.“ Korrigiere die Aussage. Nenne außerdem zwei Informationen, die du für die klinische Einordnung dieser Frequenz benötigst.

12-Kanal-EKG mit durchgehendem Rhythmusstreifen II; 25 mm/s und 10 mm/mV.

Quelle: PTB-XL v1.0.3, ecg_id 15548 (Wagner et al.), CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, neu gezeichnet mit ekg_zeichnen.py.

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Kürzerer Zyklus, offene Pumpfunktion

Aufgabe — selbstständig: Bestimme die ungefähre Frequenz und prüfe, ob P-Wellen vor den QRS-Komplexen erkennbar bleiben. Verwende anschließend für eine ausdrücklich fiktive Rechenübung ein Schlagvolumen von 70 ml. Berechne das Herzzeitvolumen bei dieser Frequenz. Erkläre, warum du diesen Rechenwert nicht als Messwert der aufgezeichneten Person dokumentieren darfst und welcher Anteil des Herzzyklus bei höherer Frequenz besonders weniger Zeit erhält.

12-Kanal-EKG mit durchgehendem Rhythmusstreifen II; 25 mm/s und 10 mm/mV.

Quelle: PTB-XL v1.0.3, ecg_id 15540 (Wagner et al.), CC BY 4.0; Kurvenwerte unverändert, neu gezeichnet mit ekg_zeichnen.py.

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