medeKI
Lernpfade

Metabolische Azidose

Lernziel: Du kannst Ursachen mit Anionenlücke und klinischem Kontext eingrenzen.

Warum eine Anionenlücke?

Lernziel: Du kannst die Zusatzfrage der Anionenlücke erklären.

Du nutzt die Anionenlücke als Wegweiser zur Ursache. Danach lernst du, wann Albumin, Urinwerte, Osmolalität und Delta-Vergleich weiterhelfen. Die Rechnungen werden zunächst vollständig gezeigt und anschließend in neuen Situationen angewandt.

Eine neue Frage nach der BGA

Du kannst bereits eine metabolische Azidose erkennen und die Atemantwort prüfen. Jetzt fragen wir: Warum ist das Bikarbonat niedrig?

Drei Vorgänge können dazu beitragen:

VorgangWas dabei mit HCO₃⁻ geschieht
Säuren werden vermehrt gebildet oder zugeführt.Bikarbonat wird bei der Pufferung verbraucht.
Die Niere scheidet zu wenig tägliche Säure aus.Die verfügbare Basenmenge reicht nicht aus.
Base geht über Darm oder Niere verloren.Der Bikarbonatbestand nimmt ab.

Mehrere Vorgänge können gleichzeitig vorliegen. Die Anionenlücke hilft, diese Wege einzugrenzen. Sie nennt die Ursache noch nicht. Zunächst klären wir, was an dieser „Lücke“ überhaupt fehlt.

Von oben nach unten: Metabolische Azidose erkannt: HCO₃⁻ erniedrigt, Atemantwort geprüft; Warum ist HCO₃⁻ niedrig?; 1 Mehr Säure: Bildung oder Zufuhr, z. B. Laktat, Ketone, Gifte, HCO₃⁻ puffert H⁺; 2 Niere scheidet zu wenig aus: tägliche Säure bleibt, z. B. Niereninsuffizienz; 3 Base geht verloren: über Darm oder Niere, z. B. Durchfall, RTA; 4 AG berechnen: Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), Arbeitsreferenz 8–16 mmol/l, bei wenig Albumin zuerst korrigieren; Ergebnis: AG > 16 – zusätzliche Anionen: gezielt messen; AG 8–16 – Basenverlust oder Chloridzunahme; Mischbild – mehrere Vorgänge gleichzeitig möglich.

Abbildung: Drei Wege zum niedrigen Bikarbonat – die AG grenzt sie ein, nennt aber noch keine Ursache. Quelle: eigene Darstellung.

Im Blut fehlt keine Ladung

Ein Ion ist ein elektrisch geladenes Teilchen. Natrium (Na⁺) trägt positive Ladung; Chlorid (Cl⁻) und Bikarbonat (HCO₃⁻) tragen negative Ladung. Insgesamt gleichen sich positive und negative Ladungen aus. Das nennt man elektrische Neutralität.

Im Routinelabor erfassen wir für die Anionenlücke nur einige dieser Teilchen. Weitere negativ geladene Teilchen, zum Beispiel Albumin und bestimmte Säurereste, stehen nicht in der einfachen Rechnung. Der rechnerische Abstand ist daher eine Messauswahl, kein elektrisch ungeladener Hohlraum. Den größten Teil der normalen AG stellt Albumin: Bei 40 g/l trägt es etwa 10 mmol/l negative Ladung bei.

Balkenmodell bei Na⁺ 140 mmol/l: Ausgangslage mit Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 24 und AG 12; zusätzliche Säureanionen mit Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 10 und AG 26; Bikarbonatverlust mit Cl⁻ 118, HCO₃⁻ 10 und AG 12. Der AG-Anteil steht für nicht erfasste Anionen wie Albumin und Säurereste.

Na⁺ auf der einen Seite, Cl⁻, HCO₃⁻ und der rechnerische Rest auf der anderen: Beide Säulen sind gleich hoch.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026; vereinfachtes Rechenmodell, weitere Kationen nicht einzeln dargestellt.

So liest du das Bild: Vergleiche in jeder Gruppe die beiden Säulen. Sie sind gleich hoch – es fehlt also keine Ladung. Der rote Anteil ist nur der Teil, den unsere einfache Formel nicht einzeln erfasst. Alle Werte sind Lehrbeispiele in mmol/l.

Von oben nach unten: Was die einfache AG-Rechnung enthält: Lehrwerte in mmol/l; Gemessen: Kation: Na⁺ 140; Gemessen: Anionen: Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 24, Summe 128; 1 Rechnerischer Rest: 140 − 128 = 12 mmol/l = AG, kein leerer Raum: Ladungen bleiben ausgeglichen; 2 Nicht gemessene Anionen: Albumin: bei 40 g/l ca. 10, Phosphat, Sulfat, organische Säuren, z. B. Laktat; 3 Nicht gemessene Kationen: K⁺, Ca²⁺, Mg²⁺, hier nicht einzeln gerechnet; Ergebnis: Albumin trägt den – größten Teil der normalen AG; Neue Säureanionen – vergrößern den rechnerischen Rest.

Abbildung: Die AG ist der rechnerische Rest aus gemessenen Ionen; den größten Teil stellt normalerweise Albumin. Quelle: eigene Darstellung.

Was beim Puffern übrig bleibt

Vereinfacht zerfällt eine zusätzliche Säure in H⁺ und einen negativ geladenen Säurerest. Bikarbonat hilft, H⁺ abzufangen. Der Säurerest kann im Blut zurückbleiben, ohne dass er als Chlorid gemessen wird.

Zusätzliche Säure → Bikarbonat sinkt → zusätzliche, in der einfachen Rechnung nicht erfasste Anionen können zunehmen.

Dann wird die Anionenlücke häufig größer. Das ist ein Suchhinweis: Welcher Stoff könnte dahinterstecken? Die benötigte gezielte Messung, etwa Laktat, folgt zusätzlich.

Von oben nach unten: Zusätzliche Säure fällt an: z. B. Milchsäure, Ketonsäuren; 1 Säure zerfällt: H⁺ + negativ geladener Säurerest, z. B. Laktat⁻, β-Hydroxybutyrat⁻; 2 Bikarbonat puffert: H⁺ + HCO₃⁻ → H₂O + CO₂, HCO₃⁻ sinkt, z. B. 24 → 12 mmol/l, CO₂ wird abgeatmet; 3 Säurerest bleibt im Blut: wird nicht als Cl⁻ gemessen, AG steigt, z. B. 12 → 24 mmol/l; 4 Gezielt weiter messen: Laktat, β-Hydroxybutyrat, Kreatinin, osmolale Lücke; Ergebnis: AG = Suchhinweis – nennt den Stoff noch nicht; Messung = Nachweis – welcher Stoff wie viel.

Abbildung: Beim Puffern sinkt HCO₃⁻, der Säurerest bleibt – die AG steigt und lenkt auf gezielte Messungen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Kette beim Puffern einer zusätzlichen Säure in der Übersicht:

SchrittWas geschiehtFolge in der Rechnung
Säure fällt anSie zerfällt in H⁺ und einen negativ geladenen Säurerest.–
PufferungHCO₃⁻ fängt H⁺ ab.HCO₃⁻ sinkt.
Säurerest bleibtEr wird nicht als Chlorid gemessen.Die AG kann steigen.
UrsachensucheGezielte Messung, etwa LaktatDie AG nennt den Stoff nicht.

Multiple Choice

Was bedeutet die Lücke?

Im Labor fehlen in der einfachen Rechnung einige negativ geladene Teilchen. Welche Erklärung passt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
RechnungEinfaches Labormodell
Nicht erfasstEinige negativ geladene Teilchen
  1. a)Die Rechnung erfasst nicht alle Ionen.
  2. b)Das Blut enthält insgesamt mehr positive als negative Ladung.
  3. c)Eine erhöhte Lücke beweist bereits eine bestimmte Vergiftung.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Sag es ohne Formel

Eine Kollegin fragt: „Warum berechnen wir nach der Kompensationsprüfung noch eine Anionenlücke?“ Antworte in ein bis zwei Sätzen.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Bereits erfolgtKompensationsprüfung
Zusätzlicher SchrittAnionenlücke berechnen
Zu erklärenZweck dieses zusätzlichen Schritts
In der App sprechen üben →

Die Anionenlücke rechnen

Lernziel: Du kannst die Anionenlücke berechnen und mit der Referenz vergleichen.

Drei Werte, eine Rechnung

AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻)

AG steht für Anionenlücke. Wir verwenden hier eine Formel ohne Kalium. Alle drei Konzentrationen stehen in mmol/l. Zuerst addierst du Chlorid und aktuelles Bikarbonat. Anschließend ziehst du diese Summe vom Natrium ab.

Für unsere Lehrfälle verwenden wir 8–16 mmol/l als Arbeitsreferenz. Auf einem echten Laborbefund gilt dessen Referenz für die verwendete Messmethode und Formel. Eine Formel mit Kalium hätte eine andere Referenz. Manche Analysegeräte geben zum Beispiel 3–11 mmol/l an; eine AG mit Kalium liegt um etwa 4 mmol/l höher.

Von oben nach unten: Welche Referenz gilt?: Formel und Referenz gehören zusammen; AG ohne Kalium: Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), Lehrreferenz 8–16 mmol/l, in diesem Kapitel; AG mit Kalium: (Na⁺ + K⁺) − (Cl⁻ + HCO₃⁻), Wert um ca. 4 höher, eigene Referenz; Echter Laborbefund: Referenz des Labors gilt, hängt von Messmethode ab, z. B. 3–11 mmol/l bei manchen Geräten; Albumin mitprüfen: normal ca. 40 g/l, niedrig: AG zuerst korrigieren; Ergebnis: über Referenz – erhöhte AG; im Bereich – normale AG; Methode unklar – nachfragen.

Abbildung: Eine AG wird nur mit der passenden Formel und Laborreferenz eingeordnet. Quelle: eigene Darstellung.

Formel und Referenz gehören zusammen:

SituationWelche Referenz gilt?
Lehrfälle in diesem Kapitel, AG ohne KaliumArbeitsreferenz 8–16 mmol/l
Echter LaborbefundReferenz des Labors für Messmethode und Formel
Formel mit Kaliumeine eigene, andere Referenz

Balkenmodell bei Na⁺ 140 mmol/l: Ausgangslage mit Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 24 und AG 12; zusätzliche Säureanionen mit Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 10 und AG 26; Bikarbonatverlust mit Cl⁻ 118, HCO₃⁻ 10 und AG 12. Der AG-Anteil steht für nicht erfasste Anionen wie Albumin und Säurereste.

Die Formel zieht Cl⁻ und HCO₃⁻ von Na⁺ ab; übrig bleibt der rote AG-Anteil.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026; vereinfachtes Rechenmodell, weitere Kationen nicht einzeln dargestellt.

So liest du das Bild: Rechne die mittlere Gruppe nach: 104 + 10 = 114; 140 − 114 = 26 mmol/l. Die Höhe des roten Abschnitts entspricht genau diesem Ergebnis.

Ein Beispiel vollständig lösen

WertKonzentration
Na⁺140 mmol/l
Cl⁻104 mmol/l
HCO₃⁻12 mmol/l
  1. Chlorid und Bikarbonat: 104 + 12 = 116.
  2. Von Natrium abziehen: 140 − 116 = 24 mmol/l.
  3. Mit 8–16 vergleichen: 24 ist erhöht.

Bei bereits festgestellter metabolischer Azidose stützt das eine Azidose mit erhöhter Anionenlücke. Welche Säure dahintersteckt, wissen wir aus dieser Rechnung noch nicht.

Von oben nach unten: AG Schritt für Schritt: Na⁺ 140, Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 12 mmol/l; Klammer zuerst: Cl⁻ + HCO₃⁻ = 104 + 12 = 116; Von Natrium abziehen: 140 − 116 = 24 mmol/l; Mit Referenz vergleichen: Arbeitsreferenz 8–16 mmol/l, 24 > 16: erhöht; Albumin prüfen: normal: keine Korrektur nötig, niedrig: AGkorr berechnen; Ergebnis: Azidose mit erhöhter AG – nächster Schritt: Laktat, Ketone, Niere, Gifte; Noch keine Ursache – Rechnung nennt die Säure nicht.

Abbildung: Erst die Klammer, dann die Differenz, dann Referenz und Albumin – die Rechnung nennt noch keine Säure. Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: Drei Rechenwege – einer stimmt: Na⁺ 140, Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 12 mmol/l; Richtig: 140 − (104 + 12), = 24 mmol/l; Fehler 1: nur Cl⁻ abgezogen, 140 − 104 = 36; Fehler 2: HCO₃⁻ addiert, 140 − 104 + 12 = 48; Merkregel: beide Anionen in die Klammer, die Klammer als Ganzes abziehen; Ergebnis: Plausibel prüfen – AG über 40 mmol/l ist selten: Rechnung kontrollieren.

Abbildung: Typische Rechenfehler bei der AG im Vergleich mit dem richtigen Weg. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Gleiches Bikarbonat, andere Lücke

Bei beiden Patienten ist eine metabolische Azidose bereits festgestellt, Albumin ist normal. Patient A: Na⁺ 140, Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 12 mmol/l. Patient B: Na⁺ 140, Cl⁻ 116, HCO₃⁻ 12 mmol/l. Berechne AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻). Welche Einordnung stimmt bei Referenz 8–16?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

GrößePatient APatient B
Na⁺140 mmol/l140 mmol/l
Cl⁻104 mmol/l116 mmol/l
HCO₃⁻12 mmol/l12 mmol/l
AlbuminNormalNormal
AG-Referenz8–16 mmol/l8–16 mmol/l
  1. a)A hat eine erhöhte AG, B eine AG im Referenzbereich.
  2. b)Beide haben dieselbe erhöhte AG, weil HCO₃⁻ gleich niedrig ist.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Jetzt selbst einordnen

Bei metabolischer Azidose betragen Na⁺ 139, Cl⁻ 115 und HCO₃⁻ 15 mmol/l. Die Arbeitsreferenz ist 8–16. Welche Aussage stimmt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Na⁺139 mmol/l
Cl⁻115 mmol/l
HCO₃⁻15 mmol/l
AG-Arbeitsreferenz8–16 mmol/l
  1. a)AG 9 mmol/l: innerhalb der Arbeitsreferenz.
  2. b)AG 24 mmol/l: erhöht.
  3. c)AG 39 mmol/l: erhöht.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die Methode gehört zum Ergebnis

Du nennst eine AG von 9 mmol/l. Welche zwei Angaben helfen deinem Gegenüber, „normal“ richtig einzuordnen?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Genannter WertAG 9 mmol/l
Zu ergänzenZwei Angaben zur Einordnung als „normal“
In der App sprechen üben →

Albumin verändert die Lücke

Lernziel: Du kannst die Albuminkorrektur erklären und mit passender Einheit rechnen.

Albumin gehört zu den Anionen

Albumin ist ein häufiges Eiweiß im Blut und trägt dort negative Ladung. Es gehört zu den Teilchen, die unsere einfache AG-Rechnung nicht direkt enthält.

Wenn wenig Albumin vorhanden ist, fällt der übliche Anteil dieser negativen Ladungen kleiner aus. Daher kann auch die gemessene AG niedriger sein. Zusätzliche Säurereste können dann durch den Albuminmangel teilweise verdeckt werden: Die unkorrigierte AG wirkt unauffällig, obwohl mehr andere Anionen vorhanden sind.

Von oben nach unten: Albumin: wichtigstes nicht gemessenes Anion: gleiche zusätzliche Säureanionen: +8 mmol/l; Albumin 40 g/l: Albuminanteil ca. 10, Ausgangs-AG 12; Albumin 20 g/l: Albuminanteil nur ca. 5, Ausgangs-AG ca. 7; 1 Säure kommt hinzu: AG 12 + 8 = 20, über 16: auffällig; 1 Säure kommt hinzu: AG 7 + 8 = 15, wirkt unauffällig; 2 Ohne Korrektur: richtig erkannt; 2 Mit Korrektur: 15 + 0,25 × 20 = 20, Säure wird sichtbar; Ergebnis: Wenig Albumin – kann zusätzliche Anionen verdecken; Faustregel – −10 g/l Albumin: AG ca. −2,5 mmol/l.

Abbildung: Bei niedrigem Albumin fällt dieselbe zusätzliche Säure in der unkorrigierten AG kaum auf. Quelle: eigene Darstellung.

Wie Albumin die unkorrigierte AG beeinflusst:

AlbuminBeitrag zur üblichen AGFolge für die Deutung
normal (Lehrbezug 40 g/l)üblicher Anteil negativer LadungenAG direkt mit der Referenz vergleichen
niedrigkleinerer AnteilDie AG kann niedriger ausfallen; zusätzliche Säurereste können verdeckt werden.

Eine definierte Korrektur

Für die Lehrrechnung beziehen wir die AG auf Albumin 40 g/l:

AGkorr = AG + 0,25 × (40 − Albumin in g/l)

Beispiel: AG 15 mmol/l, Albumin 20 g/l.

  1. Albumindifferenz: 40 − 20 = 20 g/l.
  2. Korrektur: 0,25 × 20 = 5 mmol/l.
  3. Korrigierte AG: 15 + 5 = 20 mmol/l.

Die unkorrigierte AG liegt noch in unserer Referenz; die korrigierte ist erhöht. Wir suchen deshalb weiter nach zusätzlichen Anionen. Faustregel: Je 10 g/l weniger Albumin sinkt die AG um etwa 2,5 mmol/l.

Von oben nach unten: Albuminkorrektur rechnen: AG 15 mmol/l, Albumin 20 g/l; Albumindifferenz: 40 − 20 = 20 g/l; Korrekturbetrag: 0,25 × 20 = 5 mmol/l; Korrigierte AG: 15 + 5 = 20 mmol/l, Korrektur immer nach oben; Einordnen: unkorrigiert 15: im Bereich 8–16, korrigiert 20: erhöht; Ergebnis: Weiter suchen – Laktat, Ketone, Niere, Gifte; Grenze – Näherung, keine Ursache.

Abbildung: Die Albuminkorrektur in vier Schritten – die korrigierte AG ist hier erhöht. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Welcher Wert wurde korrigiert?

AG 12 mmol/l, Albumin 24 g/l. Die Korrektur beträgt bereits berechnet 0,25 × (40 − 24) = 4 mmol/l. Welches Ergebnis entspricht der Korrektur auf 40 g/l?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
AG12 mmol/l
Albumin24 g/l
Bereits berechneter Korrekturbetrag4 mmol/l
Albuminbezug40 g/l
  1. a)AGkorr 8 mmol/l.
  2. b)AGkorr 16 mmol/l.
Lösung in der App →

g/l und g/dl auseinanderhalten

40 g/l entsprechen 4 g/dl. Deshalb gibt es dieselbe Korrektur in zwei Schreibweisen:

AlbumineinheitPassende Korrektur
g/lAG + 0,25 × (40 − Albumin)
g/dlAG + 2,5 × (4 − Albumin)

Nutze die Zeile, die zu deinem Laborwert passt. Die Korrektur ist eine Näherung. Sie sagt nicht, welcher Stoff erhöht ist, und ersetzt insbesondere keine Laktat- oder Ketonkörpermessung.

Von oben nach unten: Erst die Einheit prüfen: 40 g/l = 4 g/dl; Albumin in g/l: Bezug 40 g/l, Faktor 0,25, Bsp. 24 g/l: 0,25 × 16 = +4; Albumin in g/dl: Bezug 4 g/dl, Faktor 2,5, Bsp. 2,4 g/dl: 2,5 × 1,6 = +4; Faktor verwechselt?: 2,5 × 16 = 40 statt 4, Ergebnis unplausibel hoch; Ergebnis: Gleiches Ergebnis – AG + 4 mmol/l; Näherung – ersetzt keine Laktat- oder Ketonmessung.

Abbildung: Faktor und Bezugswert der Albuminkorrektur hängen von der Einheit ab; beide Wege ergeben dasselbe. Quelle: eigene Darstellung.

Zusätzliches Beispiel: unkorrigierte AG 12 mmol/l, Albumin 20 g/l. Korrektur 0,25 mal 20 ergibt 5; korrigierte AG 17 mmol/l.

Niedriges Albumin kann einen Anstieg der Anionenlücke verdecken. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Hier wird ein neues Zahlenbeispiel verwendet: Die AG 12 wirkt in unserer Arbeitsreferenz 8–16 mmol/l unauffällig. Nach Albuminkorrektur ergibt sich 17 mmol/l. Beide AG-Werte sind berechnet; direkt gemessen werden die zugrunde liegenden Laborwerte. Die Korrektur ist eine Näherung, keine Ursachenbestimmung.

Multiple Choice

Neuer Wert, gleiche Idee

AG 16 mmol/l, Albumin 28 g/l. Wie hoch ist die auf 40 g/l korrigierte AG?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
AG16 mmol/l
Albumin28 g/l
Albuminbezug40 g/l
  1. a)19 mmol/l
  2. b)13 mmol/l
  3. c)46 mmol/l
Lösung in der App →

Freie Antwort

Ein unauffälliger Wert?

Eine Patientin hat eine metabolische Azidose, eine AG von 15 mmol/l und Albumin von 20 g/l. Warum reicht „AG normal“ nicht?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BefundMetabolische Azidose
AG15 mmol/l
Albumin20 g/l
In der App sprechen üben →

Was ein Laktatwert erzählt

Lernziel: Du kannst Laktatanstieg und metabolische Azidose unterscheiden.

Produktion und Abbau

Laktat entsteht im Stoffwechsel auch unter normalen Bedingungen. Seine Konzentration hängt von zwei Seiten ab: Wie viel entsteht, und wie viel wird weiterverarbeitet? Daran sind besonders Leber und Nieren beteiligt.

Bei Kreislaufversagen können Gewebe zu wenig Sauerstoff erhalten und mehr Laktat auftreten. Ein Anstieg ist aber auch bei starker Stressreaktion, nach einem Krampfanfall oder unter bestimmten Medikamenten möglich. Verminderter Abbau kann den Wert zusätzlich erhöhen. Klassisch unterscheidet man Typ A mit Gewebshypoxie, etwa im Schock, und Typ B ohne Gewebshypoxie, etwa unter Metformin oder bei Leberversagen.

Schema: Laktat im Blut entsteht durch Bildung und wird besonders in Leber und Nieren weiterverarbeitet. Mehr Bildung ist möglich bei Kreislaufversagen mit Sauerstoffmangel im Gewebe, starker Stressreaktion, Krampfanfall und bestimmten Medikamenten; verminderter Abbau kann den Wert zusätzlich erhöhen.

Die Laktatkonzentration als Gleichgewicht aus Bildung und Abbau.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.

So liest du das Bild: Ein Anstieg kann von links (mehr Bildung), von rechts (weniger Abbau) oder von beiden Seiten kommen. Das Schema nennt mögliche Gründe, aber keine Diagnose.

Von oben nach unten: Laktat erhöht: Typ A oder Typ B?: klassische Einteilung; Typ A: Gewebshypoxie: Schock, schwere Hypoxämie, schwere Anämie, Darmischämie, Krampfanfall, starke Muskelarbeit; Typ B: ohne Hypoxie: Metformin, Leberversagen, Adrenalin, β₂-Mimetika, Thiaminmangel, Tumoren; Abbau mitdenken: Leber und Nieren bauen Laktat ab, Leberversagen: Abbau ↓; Ergebnis: Beide Seiten – Bildung ↑ und Abbau ↓ möglich; Zuerst Typ A – Versorgung prüfen, Schock ausschließen.

Abbildung: Typ A mit Gewebshypoxie und Typ B ohne Hypoxie – zuerst wird eine gestörte Versorgung ausgeschlossen. Quelle: eigene Darstellung.

Laktat ist eine eigene Messung

Eine erhöhte AG kann zu vermehrtem Laktat passen. Sie sagt aber nicht, wie hoch das Laktat tatsächlich ist. Deshalb wird Laktat direkt gemessen.

Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Reaktion auf eine Infektion. Ein Laktatanstieg allein stellt diese Diagnose nicht. Nach Sepsis-3 zeigt sich die Organdysfunktion als Anstieg des SOFA-Scores um mindestens 2 Punkte.

Hyperlaktatämie bedeutet zunächst nur: Laktat liegt über der passenden Referenz. Für die Säure-Basen-Beurteilung schaust du zusätzlich auf pH, HCO₃⁻, pCO₂ und Klinik. Auch bei hohem Laktat kann der gemessene pH durch andere Prozesse im Referenzbereich liegen. Umgekehrt erklärt ein geringfügig erhöhter Laktatwert nicht automatisch eine sehr große AG. Als Referenz gilt meist ein Laktat unter 2 mmol/l; ab etwa 4 mmol/l ist das Risiko deutlich erhöht.

Von oben nach unten: AG erhöht – Laktat direkt messen: AG nennt die Laktathöhe nicht; Laktat messen: Referenz meist < 2 mmol/l, Probe zügig analysieren; < 2 mmol/l: im Referenzbereich; 2–4 mmol/l: Hyperlaktatämie, Verlauf kontrollieren; ≥ 4 mmol/l: hohes Risiko, sofort handeln; Mit BGA verbinden: pH, HCO₃⁻, pCO₂, AG, Laktat 3 mmol/l erklärt keine AG-Erhöhung um 15; Sepsis prüfen: Infektion + Organdysfunktion, SOFA-Anstieg ≥ 2 Punkte; Ergebnis: Laktat allein – ist keine Diagnose; Klinik + Verlauf – bestimmen die Bedeutung.

Abbildung: Die gemessene Laktathöhe wird abgestuft und mit BGA und Klinik gedeutet. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Begriffe, drei verschiedene Aussagen:

BegriffBedeutungGrenze
Erhöhte AGSummenhinweis auf nicht erfasste Anionennennt den Laktatwert nicht – Laktat wird direkt gemessen
HyperlaktatämieLaktat liegt über der passenden Referenz.sagt allein nichts über pH oder Ursache
Sepsislebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Reaktion auf eine InfektionEin Laktatanstieg allein stellt die Diagnose nicht.

Multiple Choice

Welche Zusatzfrage hilft?

Laktat ist erhöht. Welche erste Denkweise ist sinnvoll?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Vorliegender BefundLaktat erhöht
Zu wählenSinnvolle erste Denkweise
  1. a)Der Wert beweist eine bakterielle Sepsis.
  2. b)Ein normaler pH macht den erhöhten Laktatwert unwichtig.
  3. c)Produktion, Abbau und klinischen Zustand gemeinsam prüfen.
Lösung in der App →

Ein konkreter Verlauf

Ein Patient hat gerade einen generalisierten Krampfanfall gehabt. Zunächst ist Laktat erhöht. Der Krampfanfall endet, die Atmung und der Kreislauf sind stabil; im Verlauf fällt Laktat ab. Muskulär bedingtes Laktat fällt nach einem einzelnen Anfall meist innerhalb von 1–2 Stunden deutlich ab.

Die intensive Muskelaktivität ist eine mögliche Erklärung. Das Beispiel bedeutet nicht, dass jedes hohe Laktat nach einem Anfall harmlos wäre: Anhaltende Bewusstseinsstörung, Hypoxämie oder Kreislaufprobleme verlangen eine erneute Beurteilung. Der Wert bekommt seine Bedeutung durch den Verlauf und den Patienten.

Von oben nach unten: Generalisierter Krampfanfall: Laktat kurz danach deutlich erhöht; Ursache: Muskelarbeit: intensive Muskelaktivität, Laktat steigt, pH kann fallen; Kontrolle nach 1–2 h: Laktat, BGA, Bewusstsein, Atmung, SpO₂, Kreislauf; Laktat fällt deutlich: Anfall beendet, wach, stabil; Laktat bleibt hoch: Bewusstsein gestört, Hypoxämie, Kreislauf instabil; 3 Beobachten: Anfallsursache klären; 3 Andere Ursache: Status epilepticus? Schock?, Intoxikation?; Ergebnis: Verlauf und Patient – geben dem Wert seine Bedeutung.

Abbildung: Nach einem Anfall entscheidet der Verlauf über die Bedeutung des Laktats. Quelle: eigene Darstellung.

Nach einem Krampfanfall – was passt zur Muskelaktivität, was verlangt eine neue Beurteilung?

Befund im VerlaufEinordnung
Anfall beendet, Atmung und Kreislauf stabil, Laktat fälltpasst zur intensiven Muskelaktivität
anhaltende Bewusstseinsstörungerneut beurteilen
Hypoxämieerneut beurteilen
Kreislaufproblemeerneut beurteilen

Freie Antwort

Laktat und AG verbinden

Du hast eine erhöhte AG berechnet. Eine Kollegin meint: „Dann müssen wir Laktat gar nicht mehr messen.“ Begründe deine Antwort.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BerechnetAG erhöht
Aussage der KolleginAuf eine Laktatmessung verzichten
AuftragDiese Aussage begründet beurteilen
In der App sprechen üben →

Laktat: Was folgt klinisch?

Lernziel: Du kannst Laktatverlauf und klinische Beurteilung verbinden.

Zuerst die Versorgung prüfen

Bei hohem Laktat und akut krankem Patienten prüfst du rasch Bewusstsein, Atmung, Sauerstoffversorgung und Kreislauf. Kalte Haut, niedriger Blutdruck oder geringe Urinmenge können auf unzureichende Durchblutung hinweisen. Bei der Rekapillarisierungsprüfung wird eine Hautstelle kurz blass gedrückt: Verzögert sich danach ihre normale Farbe, ist das ein zusätzlicher Hinweis. Ein einzelner normaler Befund schließt eine Durchblutungsstörung nicht sicher aus. Als Warnzeichen gelten zum Beispiel eine Rekapillarisierungszeit über 3 Sekunden, ein mittlerer arterieller Druck unter 65 mmHg und eine Urinmenge unter 0,5 ml/kg/h. Ein erhöhtes Laktat wird nach 2–4 Stunden erneut gemessen.

Foto an einer Übungspuppe: Eine Hand drückt kurz auf die Zehenkuppe, um die Rekapillarisierung zu prüfen.

Rekapillarisierungsprüfung an einer Übungspuppe: Die Hautstelle wird kurz blass gedrückt; danach beobachtest du, wie schnell die normale Farbe zurückkehrt.

Quelle: Glynda Rees Doyle und Jodie Anita McCutcheon, „Assess capillary refill“ (aus „Clinical Procedures for Safer Patient Care“, BCcampus), Wikimedia Commons, CC BY 4.0; zugeschnitten, als WebP gespeichert.

So liest du das Bild: Das Foto zeigt die Technik, keinen Befund – an einer Puppe kehrt keine Farbe zurück. Am Patienten ist eine verzögerte Farbrückkehr ein zusätzlicher Hinweis, nie allein entscheidend.

Zeichen der Durchblutung – jeweils nur im Zusammenhang deuten:

ZeichenEinordnung
kalte Haut, niedriger Blutdruck, geringe Urinmengekönnen auf unzureichende Durchblutung hinweisen
verzögerte Rekapillarisierungzusätzlicher Hinweis
ein einzelner normaler Befundschließt eine Durchblutungsstörung nicht sicher aus

Die Ursache bestimmt die Behandlung. Bei schwerer Infektion gehört gegebenenfalls Herdkontrolle dazu: zum Beispiel infizierten Eiter ableiten oder einen infizierten Katheter entfernen. Den Laktatwert allein „wegzutherapieren“ greift zu kurz. Nach dem Mechanismus unterscheidet man hypovolämischen, distributiven (etwa septischen), kardiogenen und obstruktiven Schock.

Von oben nach unten: Hohes Laktat, akut krank: zuerst die Versorgung prüfen; Sofort: A–B–C: Atemweg, Atmung, SpO₂, Puls, Blutdruck, MAP; Durchblutungszeichen: Rekapillarisierung > 3 s, kalte, marmorierte Haut, Urin < 0,5 ml/kg/h, MAP < 65 mmHg; 3 Infektion?: Herdkontrolle: Eiter ableiten, Katheter entfernen; 3 Blutung, Verlust?: Blutung stillen, Volumen ersetzen; 3 Herz, Obstruktion?: EKG, Echo, Ursache beheben; Laktat erneut messen: nach 2–4 h, Trend statt Einzelwert; Ergebnis: Ursache behandeln – nicht nur die Zahl; Normaler Einzelbefund – schließt Minderperfusion nicht aus.

Abbildung: Bei hohem Laktat führen A–B–C und Durchblutungszeichen zur ursachenbezogenen Behandlung. Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: Schock: vier Mechanismen: Laktat steigt bei allen Formen; Hypovolämisch: Blutung, Durchfall, Volumen ersetzen; Distributiv: Sepsis, Anaphylaxie, Volumen + Vasopressor; Kardiogen: Infarkt, Arrhythmie, Pumpe unterstützen; Obstruktiv: Lungenembolie, Tamponade, Pneumothorax, Hindernis beseitigen; Ergebnis: Mechanismus – bestimmt die Therapie; Laktat – zeigt Schwere und Verlauf.

Abbildung: Die vier Schockmechanismen verlangen unterschiedliche Behandlung; Laktat zeigt Schwere und Verlauf. Quelle: eigene Darstellung.

Warum nicht endlos Flüssigkeit?

Flüssigkeit kann bei passendem Volumenmangel den Kreislauf unterstützen. Sie hilft aber nicht jedem Patienten unbegrenzt. Zu viel Flüssigkeit kann beispielsweise die Lunge belasten. Bei sepsisbedingter Minderperfusion schlägt die Surviving Sepsis Campaign 2021 zunächst mindestens 30 ml/kg kristalloide Lösung innerhalb von 3 Stunden vor; ob weitere Flüssigkeit hilft, prüfen dynamische Tests wie der passive Beinhebeversuch. Bei Vasopressorbedarf gilt ein mittlerer arterieller Druck von 65 mmHg als erstes Ziel.

Nach ersten Maßnahmen wird deshalb erneut geprüft: Verbessern sich Kreislauf und Organversorgung? Verträgt der Patient weitere Flüssigkeit? Wie entwickelt sich Laktat?

Ein noch erhöhter Laktatwert kann mehrere Gründe haben. Er ist keine alleinige Aufforderung, weiter Flüssigkeit zu geben, bis eine bestimmte Zahl erreicht ist.

Von oben nach unten: Flüssigkeit bei Minderperfusion: Sepsis: Surviving Sepsis Campaign 2021; Erste Gabe: kristalloide Lösung, Sepsis: mind. 30 ml/kg in 3 h; Wirkung prüfen: MAP, Puls, Rekapillarisierung, Urinmenge, Laktatverlauf; Hilft mehr Flüssigkeit?: dynamisch testen, z. B. passiver Beinhebeversuch; Ja, und verträgt sie: weitere kleine Boli, erneut prüfen; Nein oder Lunge belastet: Flüssigkeit stoppen, Vasopressor: MAP ≥ 65 mmHg, Ursache neu prüfen; Ergebnis: Laktat allein – ist kein Auftrag zu immer mehr Flüssigkeit.

Abbildung: Nach jeder Flüssigkeitsgabe entscheiden Wirkung, Volumenreagibilität und Verträglichkeit über den nächsten Schritt. Quelle: eigene Darstellung.

Nach ersten Maßnahmen: drei Fragen für die erneute Beurteilung:

FrageWorauf du achtest
Verbessern sich Kreislauf und Organversorgung?klinische Zeichen der Durchblutung und Organfunktion
Verträgt der Patient weitere Flüssigkeit?zum Beispiel Zeichen einer Lungenbelastung
Wie entwickelt sich Laktat?Verlauf als ein Baustein, nicht als alleiniger Endpunkt

Multiple Choice

Die Zahl bleibt erhöht

Nach ersten Kreislaufmaßnahmen ist Laktat noch erhöht. Der Patient wird zunehmend kurzatmig. Was ist der sinnvolle nächste Gedanke?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Bisherige MaßnahmenErste Kreislaufmaßnahmen
LaktatNoch erhöht
AtmungZunehmende Kurzatmigkeit
  1. a)Nur das nächste Laktatergebnis abwarten.
  2. b)Patient und bisherige Wirkung erneut beurteilen; weitere Flüssigkeit individualisieren.
  3. c)Unabhängig vom Zustand Flüssigkeit geben, bis Laktat normal ist.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine kurze Konsequenz formulieren

Ein akut kranker Patient hat metabolische Azidose und deutlich erhöhtes Laktat. Formuliere zwei Handlungsprioritäten, ohne eine noch unbekannte Ursache zu erfinden.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Klinischer ZustandAkut krank
Säure-Basen-BefundMetabolische Azidose
LaktatDeutlich erhöht
UrsacheNoch unbekannt
In der App sprechen üben →

Wie eine Ketoazidose entsteht

Lernziel: Du kannst die Entstehung einer Ketoazidose aus Insulinmangel erklären.

Wenn wirksames Insulin fehlt

Insulin hilft, die Bereitstellung und Nutzung von Energieträgern zu steuern. Bei ausgeprägtem Mangel an wirksamem Insulin wird unter anderem mehr Fett abgebaut. Die Leber bildet daraus vermehrt Ketonkörper.

Zu den relevanten Ketonkörpern gehören β-Hydroxybutyrat und Acetoacetat. Ihre vermehrte Bildung kann mit einer Säurebelastung einhergehen. Bikarbonat wird beim Puffern verbraucht; nicht in der AG-Formel enthaltene Anionen nehmen zu. So kann eine metabolische Azidose mit erhöhter AG entstehen.

Drei Befundbereiche verbinden

Für eine diabetische Ketoazidose, kurz DKA, werden Diabetes-/Glukosekontext, Ketose und Azidose gemeinsam beurteilt. Ein hoher Glukosewert allein ist noch keine DKA. Die direkte Bestimmung von β-Hydroxybutyrat hilft, die Ketose zu erfassen. Nach dem Erwachsenenkonsensus 2024 müssen alle drei Kriterien erfüllt sein: Glukose ≥ 11,1 mmol/l (200 mg/dl) oder bekannter Diabetes, β-Hydroxybutyrat ≥ 3,0 mmol/l sowie pH < 7,30 oder HCO₃⁻ < 18 mmol/l. Ein pH unter 7,0 oder HCO₃⁻ unter 10 mmol/l kennzeichnet eine schwere DKA.

Eine DKA kann auch ohne stark erhöhten Glukosewert auftreten, etwa unter SGLT2-Hemmern. Diese Medikamente erhöhen die Glukoseausscheidung über die Niere. Deshalb darf ein mäßiger Glukosewert bei passender Klinik die Prüfung auf Ketose und Azidose nicht verhindern. Etwa jede zehnte DKA verläuft mit Glukose unter 11,1 mmol/l (euglykämische DKA).

Von oben nach unten: Unter SGLT2-Hemmer: Übelkeit, Bauchschmerz, tiefe Atmung; Glukose nur mäßig erhöht: mehr Glukose geht in den Urin, auch < 11,1 mmol/l möglich (euglykämisch); Ketose und Azidose prüfen: β-Hydroxybutyrat im Blut, BGA: pH, HCO₃⁻, AG; β-HB ≥ 3,0 und pH < 7,30 oder HCO₃⁻ < 18: DKA trotz mäßiger Glukose; Ketone niedrig, keine Azidose: andere Ursache suchen; Ergebnis: Wie DKA behandeln – Kriterien zählen, nicht die Glukose; Häufigkeit – ca. jede 10. DKA ist euglykämisch.

Abbildung: Unter SGLT2-Hemmern führt passende Klinik auch bei mäßiger Glukose zur Ketose- und Azidoseprüfung. Quelle: eigene Darstellung.

Für eine DKA gehören drei Befundbereiche zusammen:

BefundbereichWie du ihn prüfst
Diabetes-/GlukosekontextAnamnese, Medikamente, Glukose – unter SGLT2-Hemmern gegebenenfalls nur mäßig erhöht
Ketosedirekte Bestimmung von β-Hydroxybutyrat
AzidoseSäure-Basen-Status in der BGA

Von oben nach unten: DKA: alle drei Kriterien: Erwachsenenkonsensus 2024; D Diabetes / Glukose: Glukose ≥ 11,1 mmol/l (200 mg/dl), oder bekannter Diabetes; K Ketonämie: β-Hydroxybutyrat ≥ 3,0 mmol/l, Urin-Ketone ≥ 2+; A Azidose: pH < 7,30 und/oder HCO₃⁻ < 18 mmol/l; Schweregrad; Ergebnis: leicht – pH 7,25–7,30, HCO₃⁻ 15–18, wach; mittel – pH 7,0–7,25, HCO₃⁻ 10–15, wach / schläfrig; schwer – pH < 7,0, HCO₃⁻ < 10, Stupor / Koma.

Abbildung: DKA verlangt Glukose- oder Diabeteskontext, Ketonämie und Azidose; der Schweregrad folgt pH, HCO₃⁻ und Bewusstsein. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Welche Information fehlt?

Ein Patient mit Diabetes hat einen hohen Glukosewert. Du sollst prüfen, ob zusätzlich eine DKA vorliegt. Was brauchst du besonders?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
VorgeschichteDiabetes
GlukoseHoch
PrüffrageLiegt zusätzlich eine DKA vor?
  1. a)Ketonkörper und Säure-Basen-Status.
  2. b)Nur einen zweiten Glukosewert.
  3. c)Nur die Sauerstoffsättigung.
Lösung in der App →

Die tiefe Atmung verstehen

Eine ausgeprägte metabolische Azidose kann eine verstärkte, tiefe Atmung auslösen. Der Körper entfernt dadurch mehr CO₂ und wirkt der pH-Senkung entgegen. Diese auffällige Atmung nennt man Kussmaul-Atmung.

Sie ist eine Antwort auf die Störung, keine Beseitigung der Ursache. Bei DKA kann der Patient also kräftig atmen und trotzdem schwer krank sein. Für das Ausmaß der Atemantwort vergleichst du den gemessenen pCO₂ mit dem bereits gelernten Winters-Erwartungsbereich.

Von oben nach unten: DKA mit tiefer Atmung: Beispiel: HCO₃⁻ 10 mmol/l; Kussmaul-Atmung: tiefe, verstärkte Atemzüge, mehr CO₂ wird abgeatmet; Erwartung nach Winters: pCO₂ = 1,5 × HCO₃⁻ + 8 ± 2, 1,5 × 10 + 8 = 23 ± 2 mmHg; pCO₂ 21–25: Atemantwort, angemessen; pCO₂ > 25: zusätzlich resp., Azidose: Erschöpfung?; pCO₂ < 21: zusätzlich resp., Alkalose; Ergebnis: Kräftige Atmung – beseitigt die Ursache nicht.

Abbildung: Der gemessene pCO₂ wird mit dem Winters-Erwartungsbereich verglichen. Quelle: eigene Darstellung.

Kussmaul-Atmung richtig einordnen:

Sie ist …Sie ist nicht …
eine verstärkte, tiefe Atmung bei ausgeprägter metabolischer Azidoseeine Beseitigung der Ursache
eine Gegenreaktion, die mehr CO₂ entferntein Zeichen, dass der Patient nicht schwer krank ist

Flussschema: Mangel an wirksamem Insulin, mehr Fettabbau, Leber bildet vermehrt Ketonkörper (β-Hydroxybutyrat, Acetoacetat), Säurebelastung mit HCO₃⁻-Verbrauch und AG-Anstieg, metabolische Azidose mit erhöhter AG. Seitlich: Kussmaul-Atmung mit vermehrter CO₂-Abgabe als Gegenreaktion. Unten: Für die DKA werden Diabetes-/Glukosekontext, Ketose und Azidose gemeinsam beurteilt.

Die Kette vom Insulinmangel zur Ketoazidose und zur Atemantwort.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.

So liest du das Bild: Folge den Pfeilen von oben nach unten. Die Kussmaul-Atmung steht seitlich: Sie antwortet auf die Azidose, unterbricht aber nicht die Kette darüber.

Freie Antwort

Die Kette erklären

Erkläre in drei kurzen Schritten, warum Insulinmangel zu niedrigem HCO₃⁻ und tiefer Atmung führen kann.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
AusgangspunktInsulinmangel
Zu erklärender BlutbefundNiedriges HCO₃⁻
Zu erklärende AtmungTiefe Atmung
In der App sprechen üben →

DKA: Kalium vor Augen

Lernziel: Du kannst die Bedeutung von Kalium für die DKA-Behandlung erklären.

Blutwert und Körpervorrat

Kalium befindet sich überwiegend in den Zellen. Der Blutwert zeigt daher nur einen kleinen Teil des gesamten Vorrats. Hypokaliämie heißt: Kalium im Blut ist erniedrigt. Hyperkaliämie heißt: Es ist erhöht. Beide können die elektrische Erregung des Herzens und die Muskelfunktion gefährden; wie dringend die Situation ist, hängt auch von Ausmaß, Verlauf und klinischem Befund ab.

Bei DKA gehen durch die vermehrte Urinausscheidung Wasser und Elektrolyte verloren. Gleichzeitig können Insulinmangel und Verschiebungen zwischen Zellen und Blut den Serumkaliumwert normal oder erhöht erscheinen lassen. Ein hoher Blutwert beweist deshalb keinen ausreichenden Körpervorrat.

Insulinbehandlung und die Korrektur der Störung können Kalium wieder in die Zellen verschieben. Der Blutwert kann dann rasch fallen. Der Gesamtverlust beträgt oft 3–6 mmol/kg; unter Therapie fällt der Serumwert häufig um 1–2 mmol/l.

Schema mit zwei Räumen: Die Zellen enthalten den größten Teil des Körperkaliums, das Blut nur einen kleinen Teil. Pfeil 1: Insulinmangel und Verschiebungen können den Serumwert normal oder erhöht erscheinen lassen. Pfeil 2: Insulinbehandlung verschiebt Kalium in die Zellen, der Serumwert kann rasch fallen. Pfeil 3: Vermehrte Urinausscheidung führt zu Kaliumverlust.

Verlust und Verteilung sind getrennte Vorgänge: Der Blutwert kann hoch sein, obwohl der Vorrat sinkt.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026; Mengenverhältnisse nur angedeutet.

So liest du das Bild: Pfeil ③ verkleinert den Gesamtvorrat, Pfeil ① lässt den Blutwert trotzdem normal oder hoch erscheinen. Beginnt die Insulinbehandlung (②), kann der Blutwert rasch fallen.

Ein sicherer Behandlungsrahmen

Die DKA-Behandlung verbindet Flüssigkeit, Insulin, angepasste Elektrolytzufuhr und Behandlung des Auslösers. Kalium wird vor und während der Therapie wiederholt kontrolliert. Üblich sind zunächst 500–1000 ml/h isotone oder balancierte Kristalloidlösung über 2–4 Stunden und eine feste Insulininfusion von 0,1 IE/kg/h. Fällt die Glukose unter 13,9 mmol/l (250 mg/dl), wird Glukose 5–10 % zugesetzt und Insulin mit 0,05 IE/kg/h fortgeführt.

Für diese Einheit verwenden wir den Erwachsenenkonsensus von 2024: Bei Kalium unter 3,5 mmol/l wird zunächst Kalium ersetzt und Insulin bis zum Anstieg über 3,5 mmol/l zurückgestellt. So wird eine weitere gefährliche Kaliumsenkung vermieden. Dosierung, Zufuhr und Kontrolldichte berücksichtigen Nierenfunktion, klinischen Zustand und das überwachte Behandlungsprotokoll. Liegt Kalium unter 5,0 mmol/l, enthält jeder Liter Infusion meist 20–30 mmol Kalium mit dem Ziel 4–5 mmol/l; unter 3,5 mmol/l werden zunächst etwa 10 mmol/h gegeben. Kalium wird 2 Stunden nach Insulinbeginn und danach alle 4 Stunden kontrolliert.

Von oben nach unten: DKA: Kalium vor dem Insulin: Gesamtdefizit oft 3–6 mmol/kg; K⁺ < 3,5 mmol/l: Insulin zurückstellen, KCl ca. 10 mmol/h, Insulin erst ab > 3,5; K⁺ 3,5–5,0: Insulin 0,1 IE/kg/h, 20–30 mmol K⁺ je Liter Infusion, Ziel 4–5 mmol/l; K⁺ > 5,0: Insulin starten, noch kein Kalium, eng kontrollieren; Kontrollen: K⁺ 2 h nach Insulinstart, danach alle 4 h bis DKA beendet, Dosis an Nierenfunktion anpassen; Ergebnis: Insulin senkt K⁺ – Serum-K⁺ fällt oft um 1–2 mmol/l; Ziel – K⁺ 4–5 mmol/l.

Abbildung: Der Kaliumwert bestimmt, ob Insulin startet und wie viel Kalium die Infusion enthält. Quelle: eigene Darstellung.

Kalium und Insulin nach dem hier verwendeten Erwachsenenkonsensus 2024:

SituationVorgehenGrund
Kalium unter 3,5 mmol/lzuerst Kalium ersetzen; Insulin zurückstellen, bis Kalium über 3,5 mmol/l liegtInsulin würde Kalium weiter in die Zellen verschieben.
während der gesamten BehandlungKalium wiederholt kontrollieren; Zufuhr an Nierenfunktion, Zustand und Protokoll anpassenDer Serumwert kann unter Therapie rasch fallen.

Von oben nach unten: DKA: die ersten Stunden: Erwachsenenkonsensus 2024; Flüssigkeit: isotone oder balancierte Kristalloide, 500–1000 ml/h über 2–4 h; Kalium prüfen: < 3,5 mmol/l: erst ca. 10 mmol/h K⁺, Insulin wartet, 3,5–5,0 mmol/l: 20–30 mmol K⁺ je Liter; Insulin fest: 0,1 IE/kg/h i. v., K⁺ 2 h nach Start, dann alle 4 h; Glukose < 13,9 mmol/l (250 mg/dl): Glukose 5–10 % zusetzen, Insulin 0,05 IE/kg/h weiter; Auslöser suchen: Infektion, Insulinpause, SGLT2-Hemmer, Infarkt; Ergebnis: Ziel: Ketose beenden – nicht nur Glukose senken.

Abbildung: Die ersten DKA-Schritte: Flüssigkeit, Kaliumprüfung, feste Insulininfusion, Glukosezusatz und Auslösersuche. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Kalium bestimmt den nächsten Schritt

Bei bestätigter DKA beträgt Kalium 3,0 mmol/l. Welche Reihenfolge schützt vor einer weiteren gefährlichen Kaliumsenkung?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BefundBestätigte DKA
Kalium3,0 mmol/l
GesuchtReihenfolge der nächsten Maßnahmen
  1. a)Insulin sofort beginnen; Kalium erst bei der nächsten BGA ersetzen.
  2. b)Kalium unter Überwachung ersetzen; Insulin bis Kalium über 3,5 mmol/l zurückstellen.
Lösung in der App →

Die Glukose ist nicht das Ziel allein

Während der Behandlung kann die Glukose sinken, obwohl die Ketose noch nicht beseitigt ist. Deshalb entscheidet nicht ein einzelner Glukosewert über das Ende der Behandlung. Nach dem Konsensus 2024 gilt die DKA als beendet, wenn β-Hydroxybutyrat unter 0,6 mmol/l liegt und der venöse pH mindestens 7,30 oder HCO₃⁻ mindestens 18 mmol/l beträgt; die AG ist dafür kein Kriterium. Basalinsulin wird 1–2 Stunden vor Ende der Insulininfusion begonnen.

Ketone, pH beziehungsweise Bikarbonat, Elektrolyte und klinischer Zustand werden weiter verfolgt. Nach Therapie kann zudem eine Azidose mit normaler AG zurückbleiben, zum Beispiel durch Chloridbelastung und Verlust von Ketoanionen. Eine noch niedrige Bikarbonatkonzentration bedeutet dann nicht automatisch weiterbestehende Ketose.

Von oben nach unten: Verlauf unter DKA-Therapie: Glukose sinkt meist zuerst; Glukose fällt: Ketose kann weiterbestehen, < 13,9 mmol/l: Glukose zusetzen; Weiter messen: β-Hydroxybutyrat, pH, HCO₃⁻, K⁺, Na⁺, Klinik; Beendet: β-HB < 0,6 mmol/l, und pH ≥ 7,30, oder HCO₃⁻ ≥ 18; β-HB < 0,6, HCO₃⁻ tief: Normal-AG-Azidose, durch Chlorid, keine Ketose; β-HB ≥ 0,6: Ketose besteht, Insulin weiter; Ergebnis: AG kein Endkriterium – Chloridbelastung täuscht; Übergang s. c. – Basalinsulin 1–2 h vor Stopp i. v.

Abbildung: Das DKA-Ende wird an β-Hydroxybutyrat und pH beziehungsweise HCO₃⁻ gemessen, nicht an der Glukose. Quelle: eigene Darstellung.

Woran du den Verlauf misst:

GrößeWarum sie zählt
Glukosekann sinken, obwohl die Ketose noch besteht
Ketonezeigen, ob die Ketose beseitigt ist
pH beziehungsweise HCO₃⁻Säure-Basen-Verlauf; ein niedriges HCO₃⁻ kann nach Therapie auch eine Azidose mit normaler AG sein
Elektrolyte, besonders Kaliumgefährliche Verschiebungen unter Behandlung
klinischer ZustandGesamtbeurteilung des Patienten

Multiple Choice

Ein neuer Verlauf

Die Glukose ist deutlich gefallen; Ketone und Azidose bestehen noch. Welche Aussage passt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
GlukoseDeutlich gefallen
KetoneBestehen noch
AzidoseBesteht noch
  1. a)Die Behandlung wird anhand von Ketose, Säure-Basen-Status und Elektrolyten weitergeführt und angepasst.
  2. b)Die DKA ist durch den niedrigeren Glukosewert sicher beendet.
  3. c)Ab jetzt braucht Kalium nicht mehr kontrolliert zu werden.
Lösung in der App →

Wenn die Niere Säure behält

Lernziel: Du kannst eine renale Azidose erklären und zusätzliche Ursachen mitprüfen.

Bikarbonat retten und ergänzen

Die Niere hat zwei wichtige Aufgaben: Sie holt gefiltertes Bikarbonat zurück und scheidet täglich anfallende Säure aus. Dabei wird auch neues Bikarbonat für den Körper verfügbar. Täglich fallen etwa 1 mmol Säure pro kg Körpergewicht an. Gleichzeitig filtrieren die Glomeruli rund 180 l am Tag und damit etwa 4300 mmol Bikarbonat; proximal werden davon etwa 80 % zurückgeholt. Die Säure verlässt den Körper vor allem als Ammonium und als titrierbare Säure.

Wenn diese Aufgaben nicht ausreichend funktionieren, kann Bikarbonat im Blut sinken. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz werden zudem bestimmte Anionen schlechter ausgeschieden. Dann kann die AG steigen. Urämie bezeichnet die klinischen Folgen der Ansammlung normalerweise renal ausgeschiedener Stoffe bei schwerer Nierenfunktionsstörung; sie ist nicht mit einem einzelnen Harnstoffwert gleichzusetzen. Die Entwicklung ist nicht bei jedem Patienten gleich: Eine Nierenfunktionsstörung kann mit normaler, erhöhter oder gemischter AG-Konstellation einhergehen.

Die Übersicht trennt die mögliche AG-Konstellation vom Begriff Urämie.

BefundAussage
Normale, erhöhte oder gemischte AGBei Nierenfunktionsstörung möglich
UrämieKlinische Folgen zurückgehaltener Stoffe bei schwerer Nierenfunktionsstörung
Einzelner HarnstoffwertNicht gleichbedeutend mit Urämie

Von oben nach unten: Säurebilanz der Niere: täglich ca. 1 mmol H⁺ pro kg aus dem Stoffwechsel; Filtration: ca. 180 l Primärharn/Tag, × 24 mmol/l = ca. 4300 mmol HCO₃⁻; Proximal zurückholen: ca. 80 % des gefilterten HCO₃⁻, NH₄⁺-Bildung aus Glutamin; Distal ausscheiden: H⁺ als NH₄⁺ und titrierbare Säure, je H⁺ entsteht neues HCO₃⁻; Ergebnis: Beides gelingt – HCO₃⁻ stabil; Rückholung gestört – HCO₃⁻-Verlust (RTA Typ 2); Ausscheidung gestört – Säure bleibt (CKD, RTA 1/4).

Abbildung: Die Niere muss gefiltertes Bikarbonat zurückholen und die tägliche Säure ausscheiden. Quelle: eigene Darstellung.

Vereinfachtes Nephron in drei Schritten: 1 Filtration im Glomerulus, auch HCO₃⁻ gelangt ins Filtrat. 2 Der proximale Tubulus (türkis, links) holt den größten Teil des gefilterten HCO₃⁻ ins Blut zurück und bildet NH₄⁺ aus Glutamin. 3 Distaler Tubulus und Sammelrohr (blau, rechts) säuern den Urin an: H⁺ wird abgegeben und an Phosphat gebunden, NH₄⁺ gelangt über das Nierenmark ins Sammelrohr und in den Urin; dabei entsteht neues HCO₃⁻ für das Blut. Gelingen diese Aufgaben nicht, kann HCO₃⁻ im Blut sinken.

Die zwei renalen Aufgaben: gefiltertes Bikarbonat zurückholen und tägliche Säure ausscheiden.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026 (überarbeitet); vereinfacht, nicht maßstabsgerecht.

So liest du das Bild: Links, im proximalen Abschnitt, wird Base zurückgeholt. Rechts, im distalen Abschnitt und Sammelrohr, wird Säure ausgeschieden; dabei wird neues Bikarbonat verfügbar. Beide Wege begegnen dir in den folgenden Einheiten wieder.

Die Ursache nicht am Etikett festmachen

Ein Patient mit Niereninsuffizienz kann zusätzlich Durchfall, eine Infektion, Ketose oder eine Medikamentenwirkung haben. „Die Niere ist krank“ erklärt daher nicht automatisch jede BGA.

Du prüfst Verlauf, Nierenfunktion, Kalium, AG, Albumin und gezielte Ursachenwerte. Eine ausgeprägte oder rasch veränderte Störung verlangt besondere Aufmerksamkeit. Die Entscheidung über Nierenersatz richtet sich unter anderem nach behandelbaren Ursachen, Schweregrad, Kalium, Flüssigkeitsüberlastung und Verlauf; eine einzelne Kreatininzahl genügt nicht. In Studien zum Beginn des Nierenersatzes (AKIKI) galten zum Beispiel Kalium über 6 mmol/l, ein pH unter 7,15 bei metabolischer Azidose oder ein Lungenödem durch Überwässerung trotz Diuretika als Schwellen.

Von oben nach unten: Niereninsuffizienz + Azidose: erklärt die Niere wirklich alles?; AG erhöht?: Laktat, β-HB, osmolale Lücke; AG normal?: Durchfall?, Infusion, RTA?; Rasch verändert?: Tage statt Monate: Zusatzursache; Gefahr einschätzen: K⁺ > 6 mmol/l trotz Therapie, pH < 7,15, Lungenödem trotz Diuretika, Urämiezeichen; Ergebnis: Warnzeichen – Nierenersatz erwägen; Stabil – Ursache behandeln, Verlauf kontrollieren.

Abbildung: Auch bei Niereninsuffizienz werden Zusatzursachen und Warnzeichen für Nierenersatz geprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Was du bei Nierenfunktionsstörung und metabolischer Azidose zusätzlich prüfst:

Zu prüfenWarum
zeitlicher VerlaufEine rasche Änderung spricht für eine zusätzliche Erkrankung oder Belastung.
NierenfunktionAusmaß der renalen Beteiligung
KaliumGefährdung; mitentscheidend für Nierenersatz
AG mit AlbuminbezugHinweis auf zusätzliche Anionen
gezielte Ursachenwerte, z. B. Laktat, Ketonezusätzliche Prozesse erkennen
Durchfall, Infektion, Medikamenteweitere mögliche Ursachen neben der Niere

Foto einer laufenden Hämodialyse: Vom Unterarm führen Blutschläuche zum Dialysegerät mit Blutpumpe und Dialysator.

Hämodialyse als Nierenersatzverfahren: Blut wird über Schläuche vom Gefäßzugang durch den Dialysator geleitet und zurückgeführt.

Quelle: Anna Frodesiak, „Patient receiving dialysis 03“, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten (ohne Gesicht), als WebP gespeichert.

So liest du das Bild: Das Foto zeigt das Verfahren, nicht seine Indikation. Ob Nierenersatz nötig ist, entscheiden unter anderem behandelbare Ursachen, Schweregrad, Kalium, Flüssigkeitsüberlastung und Verlauf.

Ein renales Muster vormachen

Bei einer Patientin mit fortgeschrittener chronischer Nierenkrankheit sinkt Bikarbonat über Monate. Die BGA bestätigt eine metabolische Azidose; die AG ist erhöht. Es gibt keine neuen Darmverluste, keine Ketose und keinen Laktatanstieg.

Gedankenweg: Die Niere kann weniger tägliche Säure ausscheiden. Bestimmte Anionen bleiben zurück; das passt zur erhöhten AG. Der langsame Verlauf und die Zusatzbefunde stützen eine renale Beteiligung. Die Zuordnung bleibt eine Gesamteinordnung, kein Beweis aus dem Etikett „Nierenkrankheit“. Zu den zurückgehaltenen Anionen gehören etwa Sulfat, Phosphat und Urat.

Von oben nach unten: Renales Muster über Monate: fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit; Langsamer Verlauf: HCO₃⁻ sinkt über Monate, z. B. 22 → 17 mmol/l; Andere Ursachen fehlen: kein Durchfall, β-HB und Laktat normal; AG erhöht: Sulfat, Phosphat, Urat, werden zurückgehalten; Weniger Säureausscheidung: weniger NH₄⁺-Bildung, neues HCO₃⁻ fehlt; Ergebnis: Renale Azidose – Gesamteinordnung, kein Etikettenschluss.

Abbildung: Verlauf, fehlende Zusatzursachen und zurückgehaltene Anionen stützen das renale Muster. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Was darfst du schließen?

Ein Patient mit chronischer Nierenfunktionsstörung entwickelt plötzlich eine deutlich stärkere metabolische Azidose. Welche Schlussfolgerung ist angemessen?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
VorgeschichteChronische Nierenfunktionsstörung
Zeitlicher VerlaufPlötzliche Änderung
Metabolische AzidoseDeutlich stärker
  1. a)Bei Niereninsuffizienz ist jede neue Azidose automatisch vollständig erklärt.
  2. b)Eine normale AG schließt eine renale Beteiligung aus.
  3. c)Neben der Nierenfunktion müssen zusätzliche Ursachen gesucht werden.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Ein neuer Verlust kommt hinzu

Ein zuvor stabiler Patient mit Niereninsuffizienz bekommt seit drei Tagen starke Durchfälle. Jetzt ist die metabolische Azidose stärker; die AG ist normal. Welche zusätzliche Erklärung prüfst du?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
VorgeschichteNiereninsuffizienz; zuvor stabil
Neue BeschwerdenSeit drei Tagen starke Durchfälle
Metabolische AzidoseStärker
AGNormal
  1. a)Enteralen Bikarbonatverlust und Volumenmangel.
  2. b)Ausschließlich eine unveränderte chronische Nierenursache.
  3. c)Eine neue Säurebelastung ist allein wegen normaler AG unmöglich.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Worauf würdest du achten?

Bei Nierenfunktionsstörung und metabolischer Azidose sollst du drei zusätzliche Informationen nennen, die deine klinische Einordnung verbessern.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BekanntNierenfunktionsstörung
Zusätzlicher BefundMetabolische Azidose
GesuchtDrei zusätzliche Informationen zur Einordnung
In der App sprechen üben →

Azidose bei normaler Lücke

Lernziel: Du kannst eine metabolische Azidose durch Bikarbonatverlust erklären.

Bikarbonat geht verloren

Eine metabolische Azidose muss nicht durch neue Säuren entstehen. Der Körper kann auch Bikarbonat verlieren. Ein häufiges Beispiel sind starke Durchfälle: Mit der Darmflüssigkeit gehen Wasser, Elektrolyte und Bikarbonat verloren.

Im Blut sinkt HCO₃⁻. Chlorid ist im Verhältnis zum Natrium häufig erhöht, sodass sich die berechnete AG nicht entsprechend vergrößert. Diese Konstellation heißt metabolische Azidose mit normaler AG, häufig auch hyperchlorämische Azidose.

Von oben nach unten: Starke Durchfälle: Darmsekret enthält viel HCO₃⁻; Verlust: Wasser, Na⁺, K⁺, HCO₃⁻, Volumen sinkt; Blutwerte ändern sich: HCO₃⁻ 24 → 14 mmol/l, Cl⁻ 104 → 114 mmol/l; AG bleibt gleich: vorher 140 − (104 + 24) = 12, nachher 140 − (114 + 14) = 12; Kalium: oft niedrig; Volumen: RR, Puls, Urin; Laktat: bei Schock ↑; Ergebnis: Hyperchlorämische Azidose – normale AG ≠ normaler Säure-Basen-Haushalt.

Abbildung: Bikarbonatverlust über den Darm senkt HCO₃⁻; Chlorid steigt und die AG bleibt normal. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Vergleich macht es sichtbar

LehrkonstellationAG-Rechnung
Vorher: Na 140, Cl 104, HCO₃ 24140 − (104 + 24) = 12
Nach Verlust: Na 140, Cl 114, HCO₃ 14140 − (114 + 14) = 12

Alle Konzentrationen stehen in mmol/l. Bikarbonat ist deutlich niedriger. Trotzdem bleibt die AG in diesem vereinfachten Beispiel gleich, weil Chlorid entsprechend höher ist. „Normale AG“ bedeutet nicht „normaler Säure-Basen-Haushalt“. Der Mechanismus wird anschließend mit BGA und klinischer Situation zusammen beurteilt.

Balkenmodell bei Na⁺ 140 mmol/l: Ausgangslage mit Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 24 und AG 12; zusätzliche Säureanionen mit Cl⁻ 104, HCO₃⁻ 10 und AG 26; Bikarbonatverlust mit Cl⁻ 118, HCO₃⁻ 10 und AG 12. Der AG-Anteil steht für nicht erfasste Anionen wie Albumin und Säurereste.

Anionenlücke: Säurezufuhr und Bikarbonatverlust vergleichen.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026; vereinfachtes Rechenmodell, weitere Kationen nicht einzeln dargestellt.

So liest du das Bild: Dieses zusätzliche Vergleichsmodell verwendet andere Beispielwerte als die Tabelle darüber. Bei gleichem niedrigen Bikarbonat (hier 10 mmol/l) kann die AG erhöht oder normal sein. Der AG-Anteil ist eine rechnerische Differenz zwischen den berücksichtigten Ionen, keine physikalisch fehlende Ladung. Positive und negative Gesamtladungen bleiben ausgeglichen; weitere Kationen und Anionen sind hier nicht einzeln dargestellt.

Multiple Choice

Die richtige Schlussfolgerung

Eine metabolische Azidose ist begründet. Na⁺ 138, Cl⁻ 115, HCO₃⁻ 13 mmol/l, Albumin normal. Wie lautet die AG-Einordnung bei Referenz 8–16?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Na⁺138 mmol/l
Cl⁻115 mmol/l
HCO₃⁻13 mmol/l
AlbuminNormal
AG-Referenz8–16 mmol/l
  1. a)AG 10 mmol/l; damit ist eine metabolische Azidose ausgeschlossen.
  2. b)AG 23 mmol/l; deutlich erhöht.
  3. c)AG 10 mmol/l; normale AG ist mit Bikarbonatverlust vereinbar.
Lösung in der App →

Mehr als Durchfall

Eine normale AG lenkt die Suche auch auf renale Bikarbonatverluste oder eine verminderte renale Säureausscheidung. Größere Mengen chloridreicher Infusionslösung können ebenfalls eine solche Konstellation begünstigen. Isotone Kochsalzlösung enthält 154 mmol/l Chlorid und damit deutlich mehr als Plasma mit etwa 98–106 mmol/l.

Bei schweren Durchfällen kann zusätzlich ein Volumenmangel den Kreislauf beeinträchtigen und Laktat steigen lassen. Dann können mehrere Prozesse vorliegen. Die Verlaufskontrolle ist deshalb wichtig: Ein bekanntes Verlustproblem schließt eine neu hinzukommende Säurebelastung nicht aus.

Von oben nach unten: Durchfall – ein oder zwei Prozesse?: Verlauf entscheidet; 1 Basenverlust: HCO₃⁻ ↓, Cl⁻ ↑, AG normal; 1 Volumenmangel: Minderperfusion, Laktat ↑ → AG ↑; Messen: AG, Laktat, K⁺, Kreatinin, Urinmenge, Blutdruck; AG normal, Laktat < 2: reiner Basenverlust; AG ↑, Laktat > 2: zusätzliche, Laktatazidose; Behandeln: Volumen und Elektrolyte ersetzen, K⁺ ausgleichen, BGA im Verlauf; Ergebnis: Bekannter Verlust – schließt neue Säurebelastung nicht aus.

Abbildung: Zum Basenverlust kann eine Minderperfusion mit Laktatanstieg treten. Quelle: eigene Darstellung.

Wohin eine normale AG bei metabolischer Azidose die Suche lenkt:

MechanismusBeispiel
Bikarbonatverlust über den Darmstarke Durchfälle
renaler Bikarbonatverlustgestörte Rückgewinnung in der Niere
verminderte renale Säureausscheidunggestörte Säureausscheidung in der Niere
chloridreiche Infusionslösunggrößere Mengen

Von oben nach unten: Normal-AG-Azidose: woher?: HCO₃⁻ ↓, Cl⁻ ↑, AG 8–16 mmol/l; Darm: Durchfall, Fisteln, Stoma; Niere: RTA Typ 1, 2, 4, frühe CKD; Zufuhr: viel NaCl 0,9 %, Cl⁻ 154 mmol/l; Unterscheiden helfen: Anamnese, K⁺, Urin-pH, Urin-AG oder Urin-NH₄⁺ (s. U13); Ergebnis: Niere antwortet – viel NH₄⁺: eher Darm; Niere antwortet nicht – wenig NH₄⁺: eher renal.

Abbildung: Eine normale AG lenkt die Suche auf Darm, Niere oder chloridreiche Zufuhr. Quelle: eigene Darstellung.

Freie Antwort

Ein Satz zur Befundung

Ein Patient hat starke Durchfälle, niedriges HCO₃⁻ und eine normale AG. Formuliere die naheliegende Erklärung und eine sinnvolle klinische Zusatzprüfung.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BeschwerdenStarke Durchfälle
HCO₃⁻Niedrig
AGNormal
In der App sprechen üben →

RTA Typ 2: Bikarbonatverlust

Lernziel: Du kannst die proximale RTA als renalen Bikarbonatverlust erklären.

Niere, Nephron und Tubulus

Eine Filtereinheit mit anschließenden Kanälchen heißt Nephron. Die Kanälchen heißen Tubuli. Nach der Filtration verändern sie die Flüssigkeit, aus der später Urin wird: Sie holen unter anderem Bikarbonat zurück und helfen, Säure auszuscheiden.

Eine renale tubuläre Azidose, kurz RTA, entsteht durch Störungen dieser Funktionen. Häufig liegt eine metabolische Azidose mit normaler AG vor, obwohl die Filtrationsleistung noch nicht stark vermindert ist. Die Typnummer bezeichnet den Mechanismus, nicht den Schweregrad. Wir lernen die Typen einzeln. Zur ersten Orientierung helfen Kalium und Urin-pH: Bei Typ 1 bleibt der Urin-pH trotz Azidose über 5,5, bei Typ 4 ist Kalium erhöht.

Die wichtigsten Begriffe:

BegriffBedeutung
NephronFiltereinheit mit anschließenden Kanälchen
TubuliKanälchen; verändern die Flüssigkeit, aus der Urin wird
proximal / distalvorderer / hinterer Abschnitt des Nephrons
RTAStörung tubulärer Funktionen; häufig metabolische Azidose mit normaler AG
Typnummerbezeichnet den Mechanismus, nicht den Schweregrad

Von oben nach unten: Normal-AG-Azidose: an RTA denken: Probe frisch, kein Harnwegsinfekt; K⁺ und Urin-pH bei Azidose bestimmen: erste Orientierung, kein Beweis; K⁺ ↓, Urin-pH > 5,5: Typ 1 (distal), Steine, Nephrokalzinose; K⁺ ↓, Urin-pH < 5,5: Typ 2 (proximal), unter HCO₃⁻-Gabe FE-HCO₃⁻ > 15 %; K⁺ ↑: Typ 4, Urin-pH meist < 5,5, Aldosteronwirkung ↓; Ergebnis: Typnummer – = Mechanismus, nicht Schweregrad; Bestätigen – gezielt mit Urin- und Bluttests.

Abbildung: Kalium und Urin-pH geben eine erste Richtung zwischen RTA Typ 1, 2 und 4. Quelle: eigene Darstellung.

Typ 2: Bikarbonat nicht ausreichend zurückholen

Im vorderen, proximalen Tubulus wird normalerweise viel gefiltertes Bikarbonat zurückgeholt. Bei RTA Typ 2 funktioniert dies nicht ausreichend. Bikarbonat geht im Urin verloren, bis sich ein niedrigerer Blutspiegel einstellt.

Während viel Bikarbonat ausgeschieden wird, kann der Urin alkalischer sein. Wenn der Blutwert bereits stark gefallen ist, kann der hintere Tubulus den Urin weiterhin ansäuern. Ein saurer Urin schließt Typ 2 daher nicht aus. Häufig ist auch Kalium niedrig. Das Blut-Bikarbonat stellt sich dabei meist bei 12–20 mmol/l ein; dann kann der Urin-pH unter 5,5 fallen. Wird Bikarbonat gegeben, steigt die fraktionelle Bikarbonatausscheidung auf über 15 %.

Von oben nach unten: RTA Typ 2 im Verlauf: proximale HCO₃⁻-Rückholung zu schwach; Phase 1: Verlust: Blut-HCO₃⁻ über neuer Schwelle, viel HCO₃⁻ im Urin, Urin alkalisch; Phase 2: neues Gleichgewicht: Blut-HCO₃⁻ meist 12–20 mmol/l, distal säuert weiter an: Urin-pH < 5,5; Phase 3: Bikarbonatgabe: HCO₃⁻ steigt über Schwelle, FE-HCO₃⁻ > 15 %: wieder Verlust; Ergebnis: Saurer Urin – schließt Typ 2 nicht aus; Kalium – häufig niedrig.

Abbildung: Bei RTA Typ 2 hängt der Urin-pH von der Phase des Bikarbonatverlusts ab. Quelle: eigene Darstellung.

Vereinfachtes Nephron in drei Schritten: 1 Filtration im Glomerulus, auch HCO₃⁻ gelangt ins Filtrat. 2 Der proximale Tubulus (türkis, links) holt den größten Teil des gefilterten HCO₃⁻ ins Blut zurück und bildet NH₄⁺ aus Glutamin. 3 Distaler Tubulus und Sammelrohr (blau, rechts) säuern den Urin an: H⁺ wird abgegeben und an Phosphat gebunden, NH₄⁺ gelangt über das Nierenmark ins Sammelrohr und in den Urin; dabei entsteht neues HCO₃⁻ für das Blut. Gelingen diese Aufgaben nicht, kann HCO₃⁻ im Blut sinken.

RTA Typ 2 betrifft den proximalen Abschnitt: Dort wird normalerweise viel gefiltertes Bikarbonat zurückgeholt.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026 (überarbeitet); vereinfacht, nicht maßstabsgerecht.

So liest du das Bild: Suche links den türkisfarbenen Abschnitt. Bei RTA Typ 2 gelingt dort das Zurückholen nicht ausreichend. Der blaue, distale Abschnitt kann den Urin weiterhin ansäuern.

Der Urin bei RTA Typ 2 im Verlauf:

PhaseUrinErklärung
Viel Bikarbonat geht verloren.kann alkalischer seinViel Bikarbonat erscheint im Urin.
Das Blut-HCO₃⁻ ist bereits stark gefallen.kann sauer seinDer hintere Tubulus säuert weiterhin an.

Ein proximaler Verlust wird erklärt

Bei einer Patientin wird eine metabolische Azidose mit normaler AG festgestellt. Untersuchungen zeigen, dass proximal gefiltertes Bikarbonat im Urin verloren geht. Kalium ist niedrig.

Gedankenweg: Das Problem liegt beim Zurückholen der Base. Das passt zu RTA Typ 2. Solange viel Bikarbonat im Urin erscheint, kann der Urin alkalischer sein. Nach stärkerem Abfall des Blut-Bikarbonats kann der noch funktionierende distale Abschnitt den Urin wieder ansäuern. Deshalb widerspricht ein später saurer Urin dem Mechanismus nicht. Gehen proximal zusätzlich Glukose, Phosphat und Aminosäuren verloren, spricht man vom Fanconi-Syndrom.

Von oben nach unten: Befunde der Patientin: Normal-AG-Azidose, K⁺ niedrig; Belastungstest: Bikarbonat i. v. oder oral, FE-HCO₃⁻ > 15 %: proximaler Verlust; Mitbefunde suchen: Glukosurie bei normalem Blutzucker, Phosphat- und Aminosäureverlust; Nur HCO₃⁻-Verlust: isolierte proximale RTA; Alles proximal gestört: Fanconi-Syndrom; Urin später sauer: nach HCO₃⁻-Abfall erwartbar, widerspricht Typ 2 nicht; Ergebnis: RTA Typ 2 – Blut, Urin und Verlauf gemeinsam.

Abbildung: Der nachgewiesene proximale Verlust und die Mitbefunde ordnen das Muster ein. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Wo geht die Base verloren?

Untersuchungen zeigen eine unzureichende proximale Rückgewinnung von gefiltertem Bikarbonat. Die distale Ansäuerung ist erhalten. Welcher Mechanismus erklärt das niedrige Blut-HCO₃⁻?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Proximale BikarbonatrückgewinnungUnzureichend
Distale AnsäuerungErhalten
Blut-HCO₃⁻Niedrig
  1. a)Gefilterte Base wird nicht ausreichend zurückgeholt und geht renal verloren.
  2. b)Der distale Abschnitt kann H⁺ nicht mehr ausreichend in den Urin abgeben.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Was hat sich wirklich gebessert?

Bei bekannter proximaler RTA ist der Urin heute sauer, das Blut-HCO₃⁻ aber weiterhin erniedrigt. Welche Folgerung ist gerechtfertigt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BekanntProximale RTA
Urin heuteSauer
Blut-HCO₃⁻Weiterhin erniedrigt
  1. a)Die systemische Azidose ist damit behoben.
  2. b)Die distale Ansäuerung funktioniert; die systemische Azidose kann trotzdem fortbestehen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Den Verlustweg erklären

Eine Kollegin fragt, warum Bikarbonat bei RTA Typ 2 im Blut sinkt. Erkläre den Weg von Filtration zu Verlust.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
BekanntRTA Typ 2
BeobachtungBikarbonat im Blut sinkt
Zu erklärenWeg von Filtration zu Verlust
In der App sprechen üben →

RTA Typ 1: Säure bleibt

Lernziel: Du kannst eine gestörte distale Säureausscheidung erklären.

Typ 1: Am Ende nicht genug Säure ausscheiden

Der hintere, distale Nephronabschnitt muss den Urin bei Bedarf ausreichend ansäuern. Bei RTA Typ 1 ist diese Funktion gestört. Trotz metabolischer Azidose kann der Urin unangemessen wenig sauer bleiben. Häufig besteht Hypokaliämie; Nierensteine oder Verkalkungen können zusätzliche Hinweise liefern. Steine entstehen, weil im alkalischen Urin bei viel Kalzium und wenig Zitrat Calciumphosphat ausfällt.

Ein einzelner hoher Urin-pH beweist Typ 1 jedoch nicht. Auch Probenbedingungen oder ein Harnwegsinfekt können den Wert verändern. Deshalb werden Blutwerte, Urinbefunde und Vorgeschichte gemeinsam beurteilt. Ureasebildende Bakterien wie Proteus spalten Harnstoff und machen den Urin alkalisch. Bei Typ 1 bleibt der Urin-pH dagegen in frischen Proben wiederholt über 5,5.

Von oben nach unten: Urin-pH hoch bei Normal-AG-Azidose: ein Einzelwert beweist nichts; Probe prüfen: frisch untersucht?, Urinstatus: Infekt?; Lange stehende Probe: pH steigt, wiederholen; Harnwegsinfekt: Urease (z. B. Proteus), Urin alkalisch; Wiederholt > 5,5: Probe korrekt, kein Infekt; Typ 1 stützen: K⁺ niedrig, Steine, Nephrokalzinose, Urin-AG positiv; Ergebnis: Verdacht Typ 1 – gezielt bestätigen; Andere Einflüsse – zuerst ausräumen.

Abbildung: Ein hoher Urin-pH führt zur Probenprüfung und erst bei wiederholtem Befund zum Typ-1-Verdacht. Quelle: eigene Darstellung.

Vereinfachtes Nephron in drei Schritten: 1 Filtration im Glomerulus, auch HCO₃⁻ gelangt ins Filtrat. 2 Der proximale Tubulus (türkis, links) holt den größten Teil des gefilterten HCO₃⁻ ins Blut zurück und bildet NH₄⁺ aus Glutamin. 3 Distaler Tubulus und Sammelrohr (blau, rechts) säuern den Urin an: H⁺ wird abgegeben und an Phosphat gebunden, NH₄⁺ gelangt über das Nierenmark ins Sammelrohr und in den Urin; dabei entsteht neues HCO₃⁻ für das Blut. Gelingen diese Aufgaben nicht, kann HCO₃⁻ im Blut sinken.

RTA Typ 1 betrifft den distalen Abschnitt: Dort wird der Urin bei Bedarf angesäuert.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026 (überarbeitet); vereinfacht, nicht maßstabsgerecht.

So liest du das Bild: Suche rechts den blauen Abschnitt mit der H⁺-Abgabe. Bei RTA Typ 1 gelingt diese Ansäuerung trotz Azidose nicht passend.

Hinweise auf Typ 1 – und was einen hohen Urin-pH sonst erklären kann:

Passt zu Typ 1Kann den Urin-pH sonst verändern
wiederholt unangemessen wenig saurer Urin trotz AzidoseProbenbedingungen, etwa eine lange stehende Probe
häufig HypokaliämieHarnwegsinfekt
Nierensteine oder Verkalkungen–

Abdomenübersicht im Röntgen: In beiden Nierenschatten seitlich der Lendenwirbelsäule liegen zahlreiche fleckige Kalkdichten.

Röntgen (Abdomenübersicht): Nephrokalzinose beidseits mit zahlreichen fleckigen Kalkablagerungen in beiden Nieren. Solche Verkalkungen oder Nierensteine können eine distale RTA stützen; sie sind aber nicht spezifisch und kommen zum Beispiel auch bei Hyperparathyreoidismus oder Markschwammniere vor.

Quelle: Röntgenbild von Felix-felix, Wikimedia Commons, gemeinfrei (PD-user); als verlustfreies WebP gespeichert.

So liest du das Bild: Suche beidseits neben der Wirbelsäule die Nierenschatten. Die hellen Flecken sind über beide Nieren verteilt; es ist nicht ein einzelner Stein. Der Befund ist ein Zusatzhinweis; die Säure-Basen-Diagnose stützt sich weiter auf Blut- und Urinwerte.

Von oben nach unten: Warum Steine bei RTA Typ 1?: Calciumphosphat fällt aus; Azidose: Knochen puffert, Ca²⁺ und Phosphat im Urin ↑; Wenig Zitrat: Zitrat wird rückresorbiert, Hemmstoff der Steinbildung fehlt; Urin alkalisch: pH > 5,5, Calciumphosphat fällt leichter aus; Calciumphosphat-Steine: Nephrolithiasis, Nephrokalzinose (Röntgen, Sono); Ergebnis: Zusatzhinweis – nicht spezifisch für Typ 1.

Abbildung: Viel Kalzium, wenig Zitrat und alkalischer Urin begünstigen Calciumphosphatsteine bei RTA Typ 1. Quelle: eigene Darstellung.

Ein distales Muster vormachen

Ein Patient hat eine metabolische Azidose mit normaler AG und niedrigem Kalium. Wiederholt bleibt eine korrekt gewonnene Urinprobe unangemessen wenig sauer; ein Harnwegsinfekt ist nicht nachweisbar. In der Vorgeschichte stehen Nierensteine.

Gedankenweg: Trotz Säurebelastung gelingt die distale Ansäuerung nicht passend. Steine und niedriges Kalium stützen den Verdacht auf Typ 1. Wir bestätigen den Mechanismus gezielt. Ein einzelner Urinwert allein wäre dafür zu wenig. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel ein Sjögren-Syndrom, Medikamente wie Amphotericin B oder angeborene Formen.

Von oben nach unten: Distales Muster: Fall Schritt für Schritt; Blut: Normal-AG-Azidose, K⁺ niedrig; Urin wiederholt: frische Probe: pH > 5,5, kein Harnwegsinfekt; Vorgeschichte: Nierensteine, Nephrokalzinose möglich; Mechanismus: distale H⁺-Abgabe ↓, wenig NH₄⁺: Urin-AG positiv; Ergebnis: Verdacht RTA Typ 1 – gezielt bestätigen; Ursache suchen – z. B. Sjögren-Syndrom, Amphotericin B, angeboren.

Abbildung: Wiederholte Urinbefunde, Kalium und Steine stützen den Verdacht auf Typ 1. Quelle: eigene Darstellung.

Typ 2 und Typ 1 nebeneinander:

MerkmalTyp 2 (proximal)Typ 1 (distal)
gestörte Aufgabegefiltertes HCO₃⁻ zurückholenUrin passend ansäuern
Urin-pHanfangs alkalischer; nach HCO₃⁻-Abfall sauer möglichtrotz Azidose unangemessen wenig sauer
Kaliumhäufig niedrighäufig niedrig
Zusatzhinweise–Nierensteine, Verkalkungen

Multiple Choice

Zwei renale Möglichkeiten

Metabolische Azidose mit normaler AG, niedriges Kalium und wiederholt unangemessen hoher Urin-pH bei verlässlicher Probe: Welcher Mechanismus steht gegenüber dem bereits gelernten Typ 2 im Vordergrund?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundMetabolische Azidose mit normaler AG
KaliumNiedrig
Urin-pHWiederholt unangemessen hoch
ProbeVerlässlich
  1. a)Bikarbonat wird proximal nicht ausreichend zurückgewonnen.
  2. b)Der distale Abschnitt kann den Urin trotz Säurebelastung nicht passend ansäuern.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Ein neuer, unvollständiger Befund

Eine Patientin hat normale-AG-Azidose und nur eine einzelne alkalische Urinprobe. Gleichzeitig ist ein Harnwegsinfekt möglich. Welche Aussage ist sachgerecht?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundMetabolische Azidose mit normaler AG
UrinbefundEine einzelne alkalische Probe
HarnwegsinfektMöglich

Behandschuhte Hände halten einen Urinteststreifen mit farbigen Testfeldern über einen offenen Urinbecher; daneben liegen weitere Streifen.

Abbildung: Urin-Teststreifen im Labor; eines der Testfelder zeigt den Urin-pH. Quelle: Iqbal Osman (Flickr), über Wikimedia Commons, CC BY 2.0,.jpg; nach WebP umgewandelt.

  1. a)Jeder alkalische Urin beweist Typ 1.
  2. b)Ein Harnwegsinfekt schließt grundsätzlich jede zusätzliche RTA aus.
  3. c)Den Infekt und die Probe prüfen; Typ 1 ist aus diesem Wert noch nicht bewiesen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Typ 1 von Typ 2 trennen

Welche verschiedene Aufgabe ist bei RTA Typ 1 beziehungsweise Typ 2 gestört?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
RTA Typ 1Welche Aufgabe ist gestört?
RTA Typ 2Welche Aufgabe ist gestört?
In der App sprechen üben →

RTA Typ 4: Kalium steigt

Lernziel: Du kannst Hyperkaliämie und verminderte Säureausscheidung verbinden.

Typ 4: Kalium und Ammonium zusammen denken

Aldosteron ist ein Hormon, das die renale Salz- und Kaliumregulation beeinflusst. Fehlt seine Wirkung, kann Kalium steigen. Ammonium ist eine Form, in der die Niere Säure ausscheidet. Hyperkaliämie kann seine Bereitstellung vermindern. Stell dir zwei getrennte Fragen: Wie sauer ist der Urin? und Wie viel Säure wird insgesamt ausgeschieden? Wenig sehr saurer Urin kann trotzdem zu wenig Säure aus dem Körper entfernen.

Bei RTA Typ 4 stehen daher häufig hohes Kalium und eine metabolische Azidose mit normaler AG zusammen. Das kommt beispielsweise bei diabetischer Nierenerkrankung oder unter bestimmten Medikamenten vor. Der Urin kann dabei durchaus sauer sein: Ein niedriger Urin-pH beweist keine ausreichende gesamte Säureausscheidung.

Von oben nach unten: Zwei Fragen an den Urin: Säuregrad ist nicht Säuremenge; Wie sauer?: Urin-pH, Typ 4: oft < 5,5; Wie viel Säure?: NH₄⁺-Ausscheidung, Typ 4: zu gering; Hyperkaliämie: hemmt NH₄⁺-Bildung aus Glutamin, weniger Puffer im Urin; Wenig Puffer: wenige freie H⁺ senken pH stark, Urin sauer, Menge trotzdem klein; Ergebnis: Saurer Urin – beweist keine ausreichende Ausscheidung; Menge messen – Urin-NH₄⁺ oder Urin-AG.

Abbildung: Bei Typ 4 kann der Urin sauer sein, obwohl insgesamt zu wenig Säure als Ammonium ausgeschieden wird. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei getrennte Fragen an den Urin:

FrageWas sie beschreibtBei Typ 4
Wie sauer ist der Urin?Säuregrad (pH)kann durchaus sauer sein
Wie viel Säure wird insgesamt ausgeschieden?Säuremenge, unter anderem als Ammoniumkann zu gering sein

Ein hyperkaliämisches Muster vormachen

Bei einem Patienten mit diabetischer Nierenerkrankung bestehen metabolische Azidose mit normaler AG und erhöhtes Kalium. Seine Medikamente können die Aldosteronwirkung vermindern. Typische Beispiele sind ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Spironolacton, Trimethoprim, NSAR und Heparin. Ab etwa 6,5 mmol/l oder bei EKG-Veränderungen gilt eine Hyperkaliämie nach ERC-Leitlinie 2021 als schwer.

Gedankenweg: Weniger Aldosteronwirkung kann die Kaliumausscheidung begrenzen. Hyperkaliämie beeinträchtigt unter anderem die Ammoniumbereitstellung; damit steht ein wichtiger Säureausscheidungsweg weniger zur Verfügung. Das passt zum Verdacht auf Typ 4. Kaliumgefährdung, Medikamente und Nierenfunktion werden gezielt beurteilt, statt nur die Azidose zu benennen.

Von oben nach unten: Diabetes + K⁺ ↑ + Normal-AG-Azidose: Verdacht auf RTA Typ 4; Medikamente prüfen: ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Spironolacton, Trimethoprim, NSAR, Heparin; Kette: Aldosteronwirkung ↓ → K⁺ ↑, K⁺ ↑ → NH₄⁺ ↓ → Säure bleibt; K⁺ ≥ 6,5 oder EKG-Zeichen: schwere Hyperkaliämie, Notfalltherapie; K⁺ erhöht, stabil: Auslöser anpassen, K⁺ und Nierenfunktion, kontrollieren; Ergebnis: Typ 4 – K⁺ ↑, Urin-pH meist < 5,5; Nicht nur benennen – Gefahr, Medikamente, Niere beurteilen.

Abbildung: Das hyperkaliämische Muster führt zu Medikamenten, Kaliumgefahr und Nierenfunktion. Quelle: eigene Darstellung.

Die Typ-4-Kette Schritt für Schritt:

SchrittFolge
verminderte Aldosteronwirkung, z. B. durch MedikamenteKaliumausscheidung wird begrenzt.
HyperkaliämieDie Ammoniumbereitstellung nimmt ab.
weniger AmmoniumEin wichtiger Säureausscheidungsweg fehlt teilweise.
Ergebnismetabolische Azidose mit normaler AG und hohem Kalium

RTA Typ 2: verminderte proximale Bikarbonatrückgewinnung. Typ 1: gestörte distale H⁺-Abgabe. Typ 4: verminderte Aldosteronwirkung und Ammoniumausscheidung; Hyperkaliämie ist typisch.

Die drei RTA-Muster nebeneinander. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Vergleiche nur den bereits erklärten Hauptmechanismus: Bikarbonat geht verloren, H⁺ wird distal unzureichend abgegeben oder der Ammoniumweg ist bei verminderter Aldosteronwirkung und Hyperkaliämie eingeschränkt. Das Schema lokalisiert keine konkrete Läsion und ersetzt nicht die Prüfung von Urinbefund, Kalium, Medikamenten und Nierenfunktion.

Multiple Choice

Kalium hilft beim Unterschied

Bei metabolischer Azidose mit normaler AG sind Kalium erhöht und die Aldosteronwirkung vermindert. Welcher Mechanismus passt besser?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundMetabolische Azidose mit normaler AG
KaliumErhöht
AldosteronwirkungVermindert
  1. a)Verminderte Ammoniumausscheidung im Rahmen einer Typ-4-RTA.
  2. b)Proximaler Bikarbonatverlust als alleinige Erklärung einer Typ-2-RTA.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Säuregrad und Säuremenge

Bei derselben Patientin ist der Urin sauer. Welche Aussage passt zur möglichen Typ-4-RTA?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Bisherige FragestellungMögliche RTA Typ 4
Zusätzlicher UrinbefundSauer
  1. a)Der saure Urin belegt eine ausreichende gesamte Säureausscheidung.
  2. b)Der saure Urin kann mit zu geringer Ammoniumausscheidung zusammen auftreten.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die drei Mechanismen ordnen

Ordne die drei Aufgaben zu: Bikarbonat zurückgewinnen, distal ansäuern, Ammonium bereitstellen bei passender Kalium-/Hormonlage.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Aufgabe 1Bikarbonat zurückgewinnen
Aufgabe 2Distal ansäuern
Aufgabe 3Ammonium bei passender Kalium-/Hormonlage bereitstellen
In der App sprechen üben →

Die Urin-Anionenlücke

Lernziel: Du kannst die Urin-AG berechnen und ihre Aussagegrenzen erklären.

Antwortet die Niere auf die Azidose?

Bei einer metabolischen Azidose sollte die Niere mehr Säure ausscheiden, sofern sie ausreichend funktioniert. Ein wichtiger Weg ist die Ausscheidung als Ammonium (NH₄⁺).

Wenn Ammonium zusammen mit Chlorid im Urin zunimmt, kann man dies indirekt an den Urinelektrolyten erahnen. Die Urin-Anionenlücke, kurz UAG, wird dafür manchmal genutzt. Wenn eine direkte Urin-Ammoniummessung verfügbar ist, ist diese für die entsprechende Frage aussagekräftiger als eine bloße Ersatzrechnung.

Vereinfachtes Nephron in drei Schritten: 1 Filtration im Glomerulus, auch HCO₃⁻ gelangt ins Filtrat. 2 Der proximale Tubulus (türkis, links) holt den größten Teil des gefilterten HCO₃⁻ ins Blut zurück und bildet NH₄⁺ aus Glutamin. 3 Distaler Tubulus und Sammelrohr (blau, rechts) säuern den Urin an: H⁺ wird abgegeben und an Phosphat gebunden, NH₄⁺ gelangt über das Nierenmark ins Sammelrohr und in den Urin; dabei entsteht neues HCO₃⁻ für das Blut. Gelingen diese Aufgaben nicht, kann HCO₃⁻ im Blut sinken.

Ammonium (NH₄⁺) entsteht vor allem im proximalen Tubulus aus Glutamin und gelangt über das Nierenmark im Sammelrohr in den Urin – ein wichtiger Weg der renalen Säureausscheidung.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026 (überarbeitet); vereinfacht, nicht maßstabsgerecht.

So liest du das Bild: Die UAG versucht, diese NH₄⁺-Ausscheidung indirekt über die Urinelektrolyte abzuschätzen. Eine direkte Urin-Ammoniummessung beantwortet dieselbe Frage näher.

Die drei Typen mit typischen Werten bei Azidose:

MerkmalTyp 1 (distal)Typ 2 (proximal)Typ 4
Kaliumniedrigniedrighoch
Urin-pH> 5,5< 5,5 nach HCO₃⁻-Abfallmeist < 5,5
Blut-HCO₃⁻kann unter 10 mmol/l fallenmeist 12–20 mmol/lmeist über 17 mmol/l
Steine, Nephrokalzinosehäufigseltenselten

Eine andere Formel als im Blut

UAG = Urin-Na⁺ + Urin-K⁺ − Urin-Cl⁻

Hier wird Kalium mitgerechnet. Alle drei Werte stammen aus derselben Urinprobe und stehen in mmol/l.

Beispiel: U-Na 25, U-K 20, U-Cl 75.

25 + 20 − 75 = −30 mmol/l.

Bei passender ungeklärter Azidose mit normaler Plasma-AG kann ein deutlich negativer Wert eine vermehrte Ammoniumchloridausscheidung unterstützen. Die Niere scheint dann auf die Säurebelastung zu reagieren. Das beweist noch keinen bestimmten Darmverlust. Bei Durchfall sind Werte von etwa −20 bis −50 mmol/l typisch, bei distaler RTA eher positive Werte.

Von oben nach unten: Urin-AG berechnen: Spontanurin, alle Werte aus einer Probe; Werte: U-Na⁺ 25, U-K⁺ 20, U-Cl⁻ 75 mmol/l; Rechnen: UAG = U-Na⁺ + U-K⁺ − U-Cl⁻, 25 + 20 − 75 = −30 mmol/l; UAG negativ: z. B. −20 bis −50, viel NH₄Cl im Urin, Niere antwortet; UAG positiv: wenig NH₄⁺, eher renale Störung, (RTA 1/4, CKD); Nur verwertbar: bei Normal-AG-Azidose, U-Na⁺ > 20 mmol/l; Ergebnis: Hinweis – kein Beweis eines Darmverlusts.

Abbildung: Die Urin-AG wird aus einer Probe berechnet; ein negativer Wert spricht für eine renale Ammoniumantwort. Quelle: eigene Darstellung.

Plasma-AG und Urin-AG im Vergleich:

MerkmalPlasma-AGUrin-AG (UAG)
ProbeBlutUrin; alle Werte aus derselben Probe
FormelNa⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), hier ohne KaliumUrin-Na⁺ + Urin-K⁺ − Urin-Cl⁻
Fragenicht erfasste Anionen im Blutindirekter Hinweis auf renale Ammoniumausscheidung
Lehrbeispiel140 − (104 + 12) = 24 mmol/l25 + 20 − 75 = −30 mmol/l

Multiple Choice

Eine Urinrechnung üben

Urin-Na 30, Urin-K 25 und Urin-Cl 80 mmol/l. Wie hoch ist die UAG?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Urin-Na⁺30 mmol/l
Urin-K⁺25 mmol/l
Urin-Cl⁻80 mmol/l
  1. a)−75 mmol/l
  2. b)−25 mmol/l
  3. c)5 mmol/l
Lösung in der App →

Warum der Hinweis täuschen kann

Die Rechnung setzt voraus, dass eine vermehrte Ammoniumausscheidung sich ausreichend in der Chloridausscheidung widerspiegelt. Werden etwa Ketoanionen mit Ammonium ausgeschieden, fehlt diese einfache Beziehung: NH₄⁺ kann steigen, ohne dass Chlorid im gleichen Maß steigt. Bei ausgeprägtem Volumenmangel kann außerdem die geringe distale Natriumzufuhr die renale Säureantwort verändern. Dann wäre eine ungünstige Ersatzrechnung nicht automatisch ein dauerhafter Tubulusdefekt. Auch chronische Nierenerkrankung, Ernährung, Medikamente und die klinische Situation beeinflussen die UAG. Als Faustregel ist die UAG wenig verlässlich, wenn Urin-Natrium unter etwa 20 mmol/l liegt.

Sie wird deshalb gezielt bei einer ungeklärten metabolischen Azidose mit normaler Plasma-AG eingesetzt. Ein positiver Wert ist kein alleiniger RTA-Beweis; ein negativer Wert schließt nicht jede renale Störung aus.

Von oben nach unten: Wann die Urin-AG täuscht: nur gezielt einsetzen; Andere Anionen: Ketoanionen: NH₄⁺ ohne Cl⁻, UAG fälschlich positiv; Volumenmangel: U-Na⁺ < 20 mmol/l, wenig distales Na⁺: unzuverlässig; Weitere Einflüsse: CKD, Ernährung, Medikamente; Besser: Urin-NH₄⁺ direkt messen, Kontext und Probe prüfen; Ergebnis: Positiv – kein alleiniger RTA-Beweis; Negativ – schließt nicht jede renale Störung aus.

Abbildung: Begleitanionen, Volumenmangel und Kontext begrenzen die Aussage der Urin-AG. Quelle: eigene Darstellung.

Wann die UAG täuschen kann:

SituationWarum die Ersatzrechnung unzuverlässig wird
Ammonium wird mit anderen Anionen, etwa Ketoanionen, ausgeschieden.NH₄⁺ steigt, Chlorid aber nicht im gleichen Maß.
ausgeprägter VolumenmangelGeringe distale Natriumzufuhr verändert die renale Säureantwort.
chronische Nierenerkrankung, Ernährung, MedikamenteSie beeinflussen die UAG zusätzlich.
direkte Urin-Ammoniummessung verfügbarSie ist für diese Frage aussagekräftiger.

Ein Ersatzparameter darf nicht entscheiden

Bei chronischer Nierenkrankheit und Azidose mit normaler Plasma-AG ist die UAG positiv. Man vermutet zunächst eine geringe Ammoniumausscheidung. Das Labor kann Ammonium im Urin aber auch direkt messen.

Gedankenweg: Gerade bei Nierenkrankheit kann die Ersatzrechnung unzuverlässig sein. Wir bevorzugen für diese Frage die direkte Messung und prüfen Probe sowie Gesamtkontext. Ein positiver Ersatzwert ist kein Grund, bereits einen bestimmten RTA-Typ festzuschreiben.

Von oben nach unten: CKD + Normal-AG-Azidose: Urin-AG positiv; Ersatzwert hinterfragen: CKD verändert Urinelektrolyte, UAG hier wenig verlässlich; Direkt messen: Urin-NH₄⁺ im Labor, Probe korrekt gewonnen?; NH₄⁺ angemessen hoch: Niere antwortet, extrarenale Ursache suchen; NH₄⁺ niedrig: Säureausscheidung ↓, CKD oder RTA einordnen; Ergebnis: Kein RTA-Typ – allein aus dem Ersatzwert.

Abbildung: Bei verfügbarer direkter Ammoniummessung wird die Ersatzrechnung überprüft. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Eine positive Urin-Anionenlücke

Bei ungeklärter metabolischer Azidose mit normaler Plasma-AG ist die UAG positiv. Welche Schlussfolgerung ist tragfähig?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundUngeklärte metabolische Azidose
Plasma-AGNormal
UAGPositiv
  1. a)Der Befund stützt unter passenden Bedingungen eine unzureichende Ammoniumantwort; er sichert keinen RTA-Typ.
  2. b)Das positive Vorzeichen allein genügt, um eine distale RTA zu diagnostizieren.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Eine neue Methodenentscheidung

Bei einer ungeklärten metabolischen Azidose mit normaler Anionenlücke könnten zusätzlich ausgeschiedene Anionen die UAG verfälschen. Eine direkte Urin-Ammoniummessung ist verfügbar. Wie prüfst du die renale Säureantwort am sinnvollsten?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundUngeklärte metabolische Azidose mit normaler AG
Möglicher EinflussZusätzlich ausgeschiedene Anionen
Verfügbare MethodeDirekte Urin-Ammoniummessung
  1. a)Direktes Urin-Ammonium mit Proben- und klinischem Kontext beurteilen.
  2. b)Unabhängig von den Begleitstoffen nur das UAG-Vorzeichen als Beweis verwenden.
  3. c)Eine erneute Plasma-AG ersetzt automatisch die Urin-Ammoniummessung.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Blut und Urin auseinanderhalten

Nenne die beiden verschiedenen Fragen von Plasma-AG und Urin-AG.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Plasma-AGWelche Frage beantwortet sie?
Urin-AGWelche Frage beantwortet sie?
In der App sprechen üben →

Was die osmotische Lücke misst

Lernziel: Du kannst eine osmolale Lücke berechnen und vorsichtig einordnen.

Wie viele gelöste Teilchen?

Die Osmolalität beschreibt die Menge gelöster Teilchen pro Kilogramm Wasser. Die Einheit mOsm/kg steht für Milliosmol pro Kilogramm Wasser. Osmolalität ist nicht dasselbe wie Tonizität: Für Wasserverlagerungen zwischen Zellen und Umgebung ist zusätzlich wichtig, ob Teilchen die Zellmembran passieren können. Entscheidend ist hier, wie viele Teilchen vorhanden sind, nicht wie schwer ein einzelnes Teilchen ist. Das Labor kann die Osmolalität messen.

Zusätzlich schätzen wir sie aus wichtigen bekannten Blutwerten. Ist die Messung deutlich höher als die Schätzung, bleiben Teilchen durch unsere Auswahl unerklärt. Dieser Abstand heißt osmotische beziehungsweise osmolale Lücke. Sie fragt nach Teilchenmenge; die Anionenlücke nach einer Auswahl elektrischer Ladungen. Ungeladene Teilchen wie Ethanol, Methanol, Ethylenglykol oder Mannitol erhöhen die osmolale Lücke, ohne selbst die AG zu verändern.

Von oben nach unten: Zwei Lücken, zwei Fragen; Anionenlücke: Frage: Ladungen, Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), Referenz 8–16 mmol/l; Osmolale Lücke: Frage: Teilchenzahl, gemessen − berechnet, Lehrgrenze 10 mOsm/kg; AG ↑ durch: Säureanionen: Laktat, Ketone, Formiat; Osm-Lücke ↑ durch: ungeladene Teilchen: Ethanol, Methanol, Ethylenglykol, Mannitol; Ergebnis: Beide ↑ – an toxische Alkohole denken; Nur AG ↑ – Laktat, Ketone, Niere; Nur Osm ↑ – Ethanol, Mannitol, frühe Vergiftung.

Abbildung: Anionenlücke und osmolale Lücke beantworten verschiedene Fragen; die Kombination lenkt die Suche. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Lücken, zwei Fragen:

MerkmalAnionenlückeOsmolale Lücke
GrundlageAuswahl elektrischer LadungenMenge gelöster Teilchen
RechnungNa⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻)gemessene − berechnete Osmolalität
Einheitmmol/lmOsm/kg

Warum Natrium doppelt zählt

Natrium ist ein wichtiges positiv geladenes Teilchen im Blut. Daneben müssen negativ geladene Begleitteilchen vorhanden sein, damit die Gesamtladung ausgeglichen bleibt. Beide Gruppen tragen zur Teilchenmenge bei.

Deshalb verwendet die einfache Schätzung 2 × Natrium: einmal als Näherung für Natrium, einmal für seine Begleitanionen. Glukose und Harnstoff kommen als weitere wichtige Teilchen hinzu. Das ist eine vereinfachte Schätzung der Osmolalität, keine vollständige Aufzählung aller gelösten Stoffe. Die gemessene Serumosmolalität liegt normalerweise bei etwa 275–295 mOsm/kg.

Die Bestandteile der Schätzung haben unterschiedliche Beiträge.

BestandteilBeitrag
2 × NatriumNäherung für Natrium und seine Begleitanionen
Glukose und HarnstoffWeitere wichtige gelöste Teilchen
Gesamte SchätzungKeine vollständige Aufzählung aller gelösten Stoffe

Von oben nach unten: Osmolalität schätzen: Na⁺ 140, Glukose 6, Harnstoff 5 mmol/l; Na⁺: 140; Begleitanionen: ca. 140, Cl⁻, HCO₃⁻ u. a.; 2 × Na⁺ = 280: Natrium plus seine Anionen; + Glukose + Harnstoff: 280 + 6 + 5 = 291 mOsm/kg; Mit Messung vergleichen: normal gemessen ca. 275–295 mOsm/kg, Lücke = gemessen − 291; Ergebnis: Näherung – keine vollständige Aufzählung.

Abbildung: Natrium zählt doppelt, weil seine Begleitanionen ebenfalls Teilchen sind. Quelle: eigene Darstellung.

Eine einfache SI-Lehrrechnung

Berechnete Osmolalität ≈ 2 × Na⁺ + Glukose + Harnstoff

Hier stehen alle Konzentrationen in mmol/l. Wir nutzen die Beziehung als Lehrnäherung.

Im Lehrfall ist kein Ethanol vorhanden. Bei Na 140, Glukose 6 und Harnstoff 5 ergibt sich: 2 × 140 + 6 + 5 = 291.

Gemessene Osmolalität: 316 mOsm/kg. Lücke: 316 − 291 = 25 mOsm/kg.

Im angegebenen Lehrlabor ist eine Lücke bis 10 unauffällig. 25 ist somit auffällig. Ein echtes Labor verwendet seine validierte Formel und Referenz.

Der Lehrfall Schritt für Schritt:

SchrittRechnungErgebnis
Natrium verdoppeln2 × 140280
Glukose und Harnstoff addieren280 + 6 + 5291 (berechnet)
Messwert ablesen–316 mOsm/kg
Lücke bilden316 − 29125 mOsm/kg: auffällig bei Lehrgrenze 10

Rechenweg in vier Schritten: 1 Natrium verdoppeln, 2 × 140 = 280. 2 Glukose und Harnstoff addieren, 280 + 6 + 5 = 291 berechnet. Darunter zwei Balken auf einer Achse ab 250 mOsm/kg: berechnet 291 aus 2 × Na⁺, Glukose und Harnstoff; gemessen 316, davon 291 durch die Schätzung erklärt und ein roter Abschnitt Lücke + 25. 3 Messwert ablesen, 316 mOsm/kg. 4 Lücke bilden, 316 − 291 = 25 mOsm/kg, noch unerklärte Teilchen. Ergebnis: 25 liegt über der Lehrgrenze 10 und ist auffällig; die Lücke benennt keinen Stoff, Einheiten und Ethanol werden vorher geprüft.

Gemessene und berechnete Osmolalität im Lehrfall: Der rote Abschnitt ist die osmolale Lücke – Teilchen, die die einfache Schätzung nicht erklärt.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026; Achse beginnt bei 250 mOsm/kg.

Multiple Choice

Messung und Schätzung vergleichen

Das Labor misst 307 mOsm/kg und schätzt mit seiner validierten Formel 292 mOsm/kg. Die örtliche obere Referenz der Lücke ist 10 mOsm/kg. Welche Aussage folgt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Gemessene Osmolalität307 mOsm/kg
Berechnete Osmolalität292 mOsm/kg
Lokale obere Lückengrenze10 mOsm/kg
  1. a)Die Lücke beträgt 15 mOsm/kg und verlangt eine Einordnung; sie benennt noch keinen Stoff.
  2. b)Die Lücke beträgt 15 mOsm/kg und weist Methanol bereits spezifisch nach.
Lösung in der App →

Einheiten und Alkohol beachten

Glukose in mg/dl darfst du nicht direkt in die gezeigte SI-Formel einsetzen. BUN bedeutet „blood urea nitrogen“, also den Stickstoffanteil des Harnstoffs. Harnstoff und BUN sind daher nicht dieselbe Konzentrationsangabe. Nutze eine Formel, die ausdrücklich zu den vorhandenen Einheiten passt. Zur Umrechnung in mmol/l teilst du Glukose (mg/dl) durch 18 und BUN (mg/dl) durch 2,8.

Ethanol erhöht die gemessene Osmolalität ebenfalls. Ein vorhandener Ethanolspiegel muss daher in einer dafür vorgesehenen Laborformel berücksichtigt werden. Sonst erscheint eine Lücke, die fälschlich vollständig einem anderen Stoff zugeschrieben werden könnte. 1 g/l Ethanol entspricht etwa 22 mmol/l.

Von oben nach unten: Vor der Rechnung: Einheiten: Formel 2 × Na⁺ + Glukose + Harnstoff in mmol/l; Glukose in mg/dl?: ÷ 18 = mmol/l, z. B. 108 mg/dl = 6 mmol/l; BUN in mg/dl?: ÷ 2,8 = Harnstoff in mmol/l, z. B. 14 mg/dl = 5 mmol/l, BUN ≠ Harnstoff; Ethanol vorhanden?: 1 g/l Ethanol ≈ 22 mmol/l, in Laborformel mitrechnen; Ergebnis: Erst umrechnen – dann Lücke bilden; Sonst – falsche Lücke, falscher Verdacht.

Abbildung: Glukose- und Harnstoffeinheit sowie Ethanol werden vor der Lückenrechnung geklärt. Quelle: eigene Darstellung.

Drei Fallen vor der Rechnung:

FalleRichtig
Glukose in mg/dlnicht direkt in die SI-Formel einsetzen; eine zu den Einheiten passende Formel nutzen
BUN statt Harnstoffnicht gleichsetzen; eine zur Angabe passende Formel wählen
Ethanol vorhandenin einer dafür vorgesehenen Laborformel berücksichtigen

Multiple Choice

Alle Schritte selbst verbinden

Na⁺ 138, Glukose 5 und Harnstoff 6 mmol/l; gemessene Osmolalität 303 mOsm/kg, kein Ethanol. Nutze 2 × Na + Glukose + Harnstoff. Welche Rechnung stimmt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Na⁺138 mmol/l
Glukose5 mmol/l
Harnstoff6 mmol/l
Gemessene Osmolalität303 mOsm/kg
EthanolNicht vorhanden
  1. a)Berechnet 287; Lücke 16 mOsm/kg.
  2. b)Berechnet 149; Lücke 154 mOsm/kg.
  3. c)Berechnet 287; Lücke −16 mOsm/kg.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Alkohol in der Rechnung

Eine osmolale Lücke ist erhöht. Ein relevanter Ethanolspiegel ist ebenfalls bekannt, wurde in der Schätzung aber nicht berücksichtigt. Wie gehst du vor?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Osmolale LückeErhöht
EthanolspiegelRelevant und bekannt
Bisherige SchätzungEthanol nicht berücksichtigt
  1. a)Den ganzen Abstand als Hinweis auf einen zusätzlichen toxischen Alkohol werten.
  2. b)Ethanol mit einer dafür validierten Formel berücksichtigen und den verbleibenden Abstand klinisch prüfen.
Lösung in der App →

Toxische Alkohole verstehen

Lernziel: Du kannst den Verlauf beider Lücken bei toxischen Alkoholen erklären.

Aus einem Stoff werden andere

Methanol und Ethylenglykol sind Alkohole, deren Abbau im Körper gefährliche Stoffwechselprodukte erzeugt. Methanol kann unter anderem zu Formiat führen; Ethylenglykol zu sauren Abbauprodukten und schließlich auch Oxalat. Den ersten Abbauschritt übernimmt jeweils die Alkoholdehydrogenase: Methanol wird über Formaldehyd zu Ameisensäure, Ethylenglykol über Glykolsäure zu Oxalsäure abgebaut; Calciumoxalat kann sich in der Niere ablagern.

Der Ausgangsalkohol kann die osmolale Lücke erhöhen. Wenn saure Produkte entstehen, kann HCO₃⁻ beim Puffern sinken und die AG steigen. Die beiden Lücken müssen deshalb nicht zu jedem Zeitpunkt gleich auffällig sein. Die Zeit seit der Aufnahme ist für die Interpretation wichtig.

Die beiden toxischen Alkohole im Überblick:

AusgangsalkoholAbbauprodukte (Auswahl)Möglicher Organhinweis
MethanolFormiatSehstörungen bei passender Exposition
Ethylenglykolsaure Abbauprodukte, schließlich auch Oxalatakute Nierenschädigung

Von oben nach unten: Abbau toxischer Alkohole: erster Schritt: Alkoholdehydrogenase (ADH); Methanol: → Formaldehyd, → Ameisensäure, (Formiat); Ethylenglykol: → Glykolaldehyd, → Glykolsäure, → Oxalsäure; Folge: Azidose, AG ↑, Sehnerv geschädigt; Folge: Azidose, AG ↑, Ca-Oxalat in der Niere, akute Nierenschädigung; ADH hemmen: Fomepizol (oder Ethanol), stoppt die Giftbildung; Ergebnis: Ausgangsalkohol – osmolale Lücke ↑; Saure Metaboliten – AG ↑, gefährlich.

Abbildung: Methanol und Ethylenglykol werden über die Alkoholdehydrogenase zu sauren, organschädigenden Produkten. Quelle: eigene Darstellung.

Warum ein normaler Abstand nicht beruhigt

Früh kann noch viel Ausgangsalkohol vorhanden sein. Später ist möglicherweise ein erheblicher Teil bereits in saure Produkte umgewandelt. Dann kann die osmolale Lücke kleiner werden, während eine gefährliche metabolische Azidose besteht.

Deshalb gilt: Eine normale osmolale Lücke schließt eine toxische Alkoholaufnahme nicht aus. Anamnese, Organzeichen und Labor werden zusammen bewertet. Sehstörungen lenken beispielsweise bei passender Exposition auf Methanol; akute Nierenschädigung kann zu Ethylenglykol passen. Diese Zeichen sind Hinweise, keine isolierten Beweise. Methanol findet sich etwa in gepanschten Spirituosen oder Scheibenreiniger, Ethylenglykol in Frostschutzmittel. Sehstörungen durch Methanol beginnen oft erst nach 12–24 Stunden; Calciumoxalatkristalle im Urin können auf Ethylenglykol hinweisen.

Von oben nach unten: Verdacht auf toxischen Alkohol: Anamnese, Organzeichen, Labor; Methanol: Spirituosen, Scheibenreiniger, Sehstörung, oft nach 12–24 h; Ethylenglykol: Frostschutzmittel, akute Nierenschädigung, Ca-Oxalat-Kristalle im Urin; Labor: AG, osmolale Lücke, Laktat, Ethanol, Kreatinin, Ca²⁺, gezielt Spiegel; Ergebnis: Osm-Lücke normal – schließt nichts aus; Klinik + AG ↑ – sofort behandeln.

Abbildung: Exposition, Organzeichen und Labor werden zusammen bewertet; eine normale osmolale Lücke beruhigt nicht. Quelle: eigene Darstellung.

Mikroskopisches Urinsediment: Mehrere kleine, quadratische Kristalle mit diagonalem Kreuz, die wie Briefumschläge aussehen, zwischen blau angefärbten Zellen.

Urinsediment mit briefumschlagförmigen Calciumoxalat-Dihydratkristallen. Bei Ethylenglykolvergiftung finden sich solche Kristalle oder nadelförmige Monohydratkristalle; sie kommen aber auch bei Gesunden und bei Nierensteinen vor. Quelle: NASA/JSC, „Calcium oxalate crystals in urine“, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Werk der NASA); rechter Rand beschnitten, als WebP gespeichert.

So liest du das Bild: Suche die hellen Quadrate mit dem diagonalen Kreuz. Ihr Nachweis passt zu Ethylenglykol, beweist es aber nicht; Anamnese, AG und Nierenfunktion entscheiden mit.

Ein Verlauf gemeinsam deuten

Nach Aufnahme einer methanolhaltigen Flüssigkeit ist zunächst die osmolale Lücke auffällig, die AG noch wenig verändert. Später nehmen Azidose und Sehstörungen zu, obwohl die osmolale Lücke kleiner wird.

Gedankenweg: Anfangs trägt der Ausgangsalkohol zur Teilchenmenge bei. Während des Abbaus entsteht zunehmend Formiat. Die sauren Produkte können Bikarbonat verbrauchen und die AG erhöhen. Die kleinere osmolale Lücke passt daher nicht automatisch zu einer Besserung. In dieser gefährlichen Konstellation werden Hilfe und Behandlung rasch organisiert.

Mögliches Muster ohne Behandlung: zuerst mehr Ausgangsalkohol und eine größere osmotische Lücke; mit sauren Metaboliten kann die Anionenlücke steigen, während die osmotische Lücke fällt.

Toxische Alkohole: zwei Lücken im Verlauf. Eigene schematische Lehrgrafik, medeKI, 16.09.2026.

So liest du das Bild: Verfolge den Übergang vom Ausgangsstoff zu den Abbauprodukten. Eine kleiner werdende osmolale Lücke kann trotz zunehmender Vergiftung auftreten. Das Schema besitzt keine Zeit- oder Dosisachse; normale Lücken schließen eine Intoxikation nicht sicher aus.

Multiple Choice

Die Lücke ist inzwischen normal

Nach möglicher Alkoholaufnahme bestehen schwere metabolische Azidose und Sehstörungen. Die osmolale Lücke ist nicht erhöht. Was folgt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
ExpositionMögliche Alkoholaufnahme
Säure-Basen-BefundSchwere metabolische Azidose
OrganzeichenSehstörungen
Osmolale LückeNicht erhöht
  1. a)Eine gefährliche Vergiftung bleibt möglich; rasch toxikologisch abklären und behandeln.
  2. b)Methanol ist durch den normalen Abstand ausgeschlossen.
  3. c)Nur eine spätere Kontrollmessung ist nötig.
Lösung in der App →

Die drei Behandlungsrichtungen

Bei begründetem Verdacht wird früh toxikologische und gegebenenfalls nephrologische Expertise hinzugezogen.

Weitere Giftbildung begrenzen: Beispielsweise hemmt Fomepizol den ersten wichtigen Abbauschritt dieser Alkohole. Fomepizol wird zum Beispiel mit 15 mg/kg i. v. begonnen und mit 10 mg/kg alle 12 Stunden fortgesetzt.

Körperfunktionen stützen: Atmung, Kreislauf, Azidose und Elektrolyte werden überwacht und behandelt.

Stoffe entfernen: Bei schwerer Vergiftung kann Dialyse erforderlich sein. Die Indikation hängt vom Stoff, Organzeichen, Säure-Basen-Status und weiteren Befunden ab. Bei schwerem Bild wird notwendige Behandlung nicht allein wegen eines ausstehenden Speziallabors verzögert. Nach den EXTRIP-Empfehlungen sprechen bei Methanol unter anderem Koma, Krampfanfälle, neue Sehstörungen, ein pH ≤ 7,15 oder eine AG über 24 mmol/l für eine Dialyse, bei Ethylenglykol zum Beispiel eine AG über 27 mmol/l.

Von oben nach unten: Begründeter Verdacht: Toxikologie und Nephrologie früh einbinden; 1 Giftbildung stoppen: Fomepizol 15 mg/kg i. v., dann 10 mg/kg alle 12 h; 2 Funktionen stützen: Atemweg, Kreislauf, Azidose, Elektrolyte; 3 Gift entfernen: Hämodialyse; Dialyse nach EXTRIP: Methanol: Koma, Krampfanfall, neue Sehstörung, pH ≤ 7,15 oder AG > 24 mmol/l, Ethylenglykol: AG > 27 mmol/l, ANV; Ergebnis: Nicht warten – auf Speziallabor bei schwerem Bild.

Abbildung: Giftbildung stoppen, Funktionen stützen und bei EXTRIP-Kriterien dialysieren. Quelle: eigene Darstellung.

Die drei Behandlungsrichtungen auf einen Blick:

RichtungBeispiel
weitere Giftbildung begrenzenFomepizol hemmt den ersten wichtigen Abbauschritt.
Körperfunktionen stützenAtmung, Kreislauf, Azidose und Elektrolyte überwachen und behandeln
Stoffe entfernenDialyse bei schwerer Vergiftung; Indikation nach Stoff, Organzeichen und Säure-Basen-Status

Multiple Choice

Ein anderer möglicher Alkohol

Nach möglichem Kontakt mit Frostschutzmittel bestehen metabolische Azidose mit hoher AG und akute Nierenschädigung. Die osmolale Lücke ist gering. Welche Überlegung passt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
ExpositionMöglicher Kontakt mit Frostschutzmittel
Säure-Basen-BefundMetabolische Azidose mit hoher AG
OrganbefundAkute Nierenschädigung
Osmolale LückeGering

Gelber Kunststoffkanister mit der Aufschrift „Antifreeze/Coolant“ und dem Warnhinweis, dass Verschlucken gesundheitsschädlich oder tödlich sein kann.

Abbildung: Kühlerfrostschutzmittel im Haushaltskanister; der Markenaufdruck hat für die Aufgabe keine Bedeutung. Quelle: dno1967 (Flickr), über Wikimedia Commons, CC BY 2.0, nach WebP umgewandelt.

  1. a)Die Nierenschädigung macht eine toxikologische Beurteilung überflüssig.
  2. b)Ethylenglykol bleibt möglich; der Zeitverlauf und Organbefund verlangen rasche Abklärung.
  3. c)Die geringe Lücke schließt jedes Frostschutzmittel als Ursache aus.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Zwei Lücken in einem Satz

Erkläre, warum ein Patient spät nach Methanolaufnahme eine große AG, aber keine große osmolale Lücke mehr haben kann.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
ZeitpunktSpät nach Methanolaufnahme
AGGroß
Osmolale LückeNicht mehr groß
In der App sprechen üben →

Salicylate: Zwei Prozesse

Lernziel: Du kannst die zwei Säure-Basen-Prozesse bei Salicylatvergiftung erklären.

Die Atmung wird angetrieben

Salicylate kommen unter anderem in Acetylsalicylsäure vor. Bei Vergiftung können sie das Atemzentrum stimulieren. Die alveoläre Ventilation nimmt zu, mehr CO₂ wird entfernt: pCO₂ sinkt und es entsteht eine respiratorische Alkalose.

Das ist ein eigenständiger Prozess. Er kann bereits auftreten, bevor eine ausgeprägte metabolische Azidose sichtbar ist. Auffällige schnelle oder tiefe Atmung darf deshalb nicht vorschnell als bloße Angstreaktion eingeordnet werden, wenn eine Vergiftung möglich ist. Bei schwerer Vergiftung überwiegt im Verlauf zunehmend die metabolische Azidose; ein fallender pH ist dann ein Warnzeichen.

Von oben nach unten: Salicylatvergiftung im Verlauf: zwei Prozesse, wechselnde Gewichte; Früh: Atemzentrum stimuliert, pCO₂ ↓, pH ↑: resp. Alkalose; Dann gemischt: zusätzliche Säuren: HCO₃⁻ ↓, AG ↑, pH kann normal sein; Schwer: metabolische Azidose überwiegt, pH fällt: Warnzeichen; Ergebnis: Normaler pH – keine Entwarnung; Spiegel + BGA – im Verlauf.

Abbildung: Bei Salicylatvergiftung verschiebt sich das Gewicht von der respiratorischen Alkalose zur metabolischen Azidose. Quelle: eigene Darstellung.

Gleichzeitig kann Säure anfallen

Salicylate stören bei Vergiftung auch den Zellstoffwechsel. Dabei können zusätzliche Säuren und organische Anionen zunehmen. Bikarbonat sinkt, und es kann eine metabolische Azidose entstehen.

Beide Prozesse ziehen den pH in entgegengesetzte Richtungen. Deshalb kann der gemessene pH im Referenzbereich liegen, obwohl zwei relevante Störungen bestehen. Wir prüfen pH, pCO₂, HCO₃⁻, AG, zeitlichen Verlauf und den gezielten Salicylatspiegel zusammen. Ein einzelner pH ist keine Entwarnung.

Schema: Salicylatvergiftung führt über Stimulation des Atemzentrums zu höherer Ventilation, niedrigem pCO₂ und respiratorischer Alkalose; über gestörten Zellstoffwechsel zu zusätzlichen Säuren und organischen Anionen, niedrigem HCO₃⁻, erhöhter AG und metabolischer Azidose. Beide Wirkungen ziehen den pH in entgegengesetzte Richtungen.

Zwei gleichzeitige Prozesse können sich im pH teilweise aufheben.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.

So liest du das Bild: Lies beide Spalten getrennt: links die Atmung, rechts der Stoffwechsel. Erst unten treffen sie sich im gemessenen pH – deshalb ist ein normaler pH keine Entwarnung.

Welche Größe welchen Anteil zeigt:

GrößeWas sie hier zeigt
pHGesamtbilanz beider Prozesse; kann im Referenzbereich liegen
pCO₂respiratorischer Anteil durch die angetriebene Atmung
HCO₃⁻ und AGmetabolischer Anteil durch zusätzliche Säuren
zeitlicher VerlaufEntwicklung beider Störungen
Salicylatspiegelgezielte Messung des Giftstoffs

Multiple Choice

Zwei Wirkungen auseinanderhalten

Nach Salicylataufnahme sind pCO₂ und HCO₃⁻ deutlich erniedrigt; die AG ist erhöht. Welche Erklärung verbindet die zuvor besprochenen Wirkungen?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
ExpositionSalicylataufnahme
pCO₂Deutlich erniedrigt
HCO₃⁻Deutlich erniedrigt
AGErhöht

Geöffnete Faltschachtel mit Blister und vier weißen Tabletten; auf der Packung steht „Acidum acetylsalicylicum 500 mg“.

Abbildung: Acetylsalicylsäure-Tabletten zu 500 mg; der Markenaufdruck hat für die Aufgabe keine Bedeutung. Quelle: Marcus33 (Wikimedia Commons), gemeinfrei, zugeschnitten, nach WebP umgewandelt.

  1. a)Die Atemstimulation und die metabolische Säurebelastung können gleichzeitig wirken.
  2. b)Das niedrige HCO₃⁻ ist bei Salicylaten immer ausschließlich renale Kompensation.
Lösung in der App →

Eine hilfreiche Atemantwort nicht verlieren

Bei Salicylatvergiftung kann ein rascher CO₂-Anstieg den pH senken und die Verteilung des Gifts ins Gewebe verschlechtern. Sedierung oder Intubation können die starke Eigenatmung unterbrechen. Eine erforderliche Atemwegssicherung muss daher durch ein erfahrenes Team mit besonderer Beachtung der Ventilation erfolgen. Grund: Bei sinkendem pH liegt mehr Salicylat in nicht ionisierter Form vor und gelangt leichter ins Gehirn. Nach einer Intubation wird das Atemminutenvolumen deshalb hoch eingestellt, um den vorherigen niedrigen pCO₂ zu halten, und rasch per BGA kontrolliert.

Von oben nach unten: Salicylat: Atmung schützen: Eigenatmung hält pCO₂ niedrig; Sedierung oder Intubation: Atemminutenvolumen fällt; pCO₂ ↑ → pH ↓: mehr nicht ionisiertes Salicylat, dringt leichter ins Gehirn; Wenn Atemweg nötig: erfahrenes Team, hohes Atemminutenvolumen, vorherigen pCO₂ halten; Sofort kontrollieren: BGA kurz nach Intubation; Ergebnis: Atemantrieb – nicht vorschnell dämpfen.

Abbildung: Eine Atemwegssicherung bei Salicylatvergiftung muss die starke Eigenatmung ersetzen. Quelle: eigene Darstellung.

Die Behandlung kann überwachte Alkalisierung mit intravenösem Bikarbonat, Kaliumkorrektur und bei schwerem Verlauf Dialyse umfassen. Das ist eine spezielle Giftindikation; daraus folgt keine Regel, jede metabolische Azidose mit Bikarbonat zu behandeln. Ziel der Alkalisierung ist ein Urin-pH von 7,5–8,0, ohne dass der Blut-pH über etwa 7,55 steigt; eine Hypokaliämie verhindert die Urinalkalisierung. Nach EXTRIP ist eine Dialyse unter anderem bei Salicylat über 7,2 mmol/l (100 mg/dl), über 6,5 mmol/l bei eingeschränkter Nierenfunktion, bei Bewusstseinsstörung, neuer Hypoxämie mit Sauerstoffbedarf oder pH ≤ 7,20 angezeigt.

Von oben nach unten: Salicylat: Behandlungsrahmen: spezielle Giftindikation; Alkalisierung: NaHCO₃ i. v., Urin-pH 7,5–8,0, Blut-pH nicht über 7,55; Kalium normal halten: Hypokaliämie verhindert die Urinalkalisierung; Dialyse nach EXTRIP: Salicylat > 7,2 mmol/l (100 mg/dl), > 6,5 mmol/l bei Niereninsuffizienz, Bewusstseinsstörung, neue Hypoxämie, pH ≤ 7,20; Ergebnis: Keine Regel – für jede metabolische Azidose.

Abbildung: Alkalisierung mit Zielwerten, Kaliumkorrektur und EXTRIP-Kriterien für Dialyse. Quelle: eigene Darstellung.

Besonderheiten der Behandlung bei Salicylatvergiftung:

MaßnahmeBesonderheit
Sedierung, Intubationkönnen die starke Eigenatmung unterbrechen; ein rascher CO₂-Anstieg senkt den pH
Atemwegssicherungdurch ein erfahrenes Team mit besonderer Beachtung der Ventilation
intravenöses Bikarbonatüberwachte Alkalisierung als spezielle Giftindikation
KaliumKorrektur gehört zur Behandlung
Dialysebei schwerem Verlauf

Freie Antwort

Eine gefährliche Abkürzung korrigieren

Jemand möchte einen vergiftungsverdächtigen, stark atmenden Patienten allein wegen seiner schnellen Atmung beruhigend sedieren. Welche wesentliche Sorge erklärst du?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
VerdachtVergiftung
AtmungStark und schnell
Vorgeschlagene MaßnahmeBeruhigende Sedierung allein wegen schneller Atmung
In der App sprechen üben →

Das Delta-Verhältnis

Lernziel: Du kannst AG-Anstieg und Bikarbonatabfall im Delta-Verhältnis vergleichen.

Was passt zum Bikarbonatabfall?

Du hast die metabolische Azidose begründet, die Atemantwort geprüft und eine erhöhte Anionenlücke gefunden. Jetzt kommt eine zusätzliche Frage: Ist HCO₃⁻ ungefähr so stark gefallen, wie der Anstieg der Lücke erwarten lässt?

Beim Puffern einer zusätzlichen Säure wird HCO₃⁻ verbraucht; ihr Anion kann im Blut bleiben. Deshalb hängen AG-Anstieg und Bikarbonatabfall oft zusammen. Zwei zusätzliche Vorgänge verändern dieses Bild:

Zusätzlicher VorgangFolge für HCO₃⁻
Verlust von bikarbonatreicher DarmflüssigkeitHCO₃⁻ fällt stärker.
Verlust von saurem MageninhaltEin alkalotisierender Prozess schwächt den HCO₃⁻-Abfall ab.

Die zweite Zeile braucht eine kurze Brücke: Der Magen gibt H⁺ in seinen Inhalt ab. Geht dieser Inhalt durch wiederholtes Erbrechen nach außen verloren, verlässt Säure den Körper. Das kann eine metabolische Alkalose erzeugen. Volumen-, Chlorid- und Kaliumverlust können die renale Ausscheidung überschüssigen Bikarbonats erschweren und die Alkalose erhalten. Diese Mechanismen werden in G04-U01 bis G04-U03 ausführlich erklärt.

Das Delta-Verhältnis vergleicht nun AG-Anstieg und HCO₃⁻-Abfall. „Delta“ steht für die Änderung gegenüber einem Bezugswert. Die Rechnung gibt einen Suchhinweis; die zusätzliche Ursache muss zur Vorgeschichte und zum Verlauf passen.

Von oben nach unten: Reine AG-Azidose: AG-Anstieg ≈ HCO₃⁻-Abfall; Beispiel: AG 12 → 24 (+12), HCO₃⁻ 24 → 12 (−12): Delta 1,0; + Darmverlust: HCO₃⁻ fällt mehr, z. B. auf 6, 12 / 18 = 0,67; + Erbrechen: HCO₃⁻ fällt weniger, z. B. auf 20, 12 / 4 = 3,0; Ergebnis: Delta < 1 – zusätzlich Normal-AG-Azidose?; Delta > 2 – zusätzlich metab. Alkalose?.

Abbildung: Zusätzlicher Darmverlust senkt, Erbrechen erhöht das Delta-Verhältnis. Quelle: eigene Darstellung.

Die Ausgangswerte ausdrücklich nennen

Für diese Lehrfälle nehmen wir an: normale AG 12 mmol/l, normales HCO₃⁻ 24 mmol/l. Bei niedrigem Albumin wird zuerst die AG korrigiert.

Delta-Verhältnis = (AGkorr − 12) / (24 − HCO₃⁻)

Im Zähler steht der AG-Anstieg, im Nenner der Bikarbonatabfall. Zähler und Nenner werden beide in mmol/l berechnet; die Einheiten kürzen sich, das Verhältnis ist einheitenlos. Die Formel ist hier für eine erhöhte AG und erniedrigtes HCO₃⁻ gedacht. Bei fehlendem oder sehr kleinem Bikarbonatabfall ist der Quotient nicht sinnvoll beziehungsweise stark störanfällig.

Von oben nach unten: Vor dem Delta-Vergleich: Checkliste; Azidose begründet: pH, HCO₃⁻ erniedrigt; Atemantwort geprüft: Winters: 1,5 × HCO₃⁻ + 8 ± 2; AG erhöht: > 16 mmol/l, ggf. AGkorr; Nenner ausreichend: HCO₃⁻ deutlich unter 24, 23,5 → Nenner 0,5: unbrauchbar; Ergebnis: (AGkorr − 12) / (24 − HCO₃⁻) – einheitenloser Suchhinweis.

Abbildung: Erst wenn Azidose, Atemantwort, erhöhte AG und ein ausreichender Bikarbonatabfall feststehen, ist das Delta-Verhältnis sinnvoll. Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: BGA bei metabolischer Azidose: fünf Fragen nacheinander; pH und Primärstörung: pH < 7,35, HCO₃⁻ erniedrigt; Atemantwort: Winters: pCO₂ = 1,5 × HCO₃⁻ + 8 ± 2; AG: Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), Albumin korrigieren; Delta (nur bei AG ↑): (AGkorr − 12) / (24 − HCO₃⁻); Ergebnis: pCO₂ abweichend – zusätzliche resp. Störung; Delta < 1 – + Normal-AG-Azidose; Delta > 2 – + metabolische Alkalose.

Abbildung: Winters-Formel und Delta-Verhältnis prüfen verschiedene Zusatzstörungen. Quelle: eigene Darstellung.

Ein Beispiel komplett rechnen

AGkorr 30 mmol/l, HCO₃⁻ 12 mmol/l.

SchrittRechnung
AG-Anstieg30 − 12 = 18
HCO₃⁻-Abfall24 − 12 = 12
Verhältnis18 / 12 = 1,5

Ein Wert von 1,5 ist grob mit einer vorwiegenden Azidose mit erhöhter AG vereinbar. Das ist kein Beweis, dass keine weitere Störung besteht. Wir haben nur geprüft, ob die beiden Größen in diesem Rahmen ungefähr zusammenpassen.

Oben: Zahlengerade für die AG mit Bezug 12 und Wert 30, Anstieg 18; Zahlengerade für HCO₃⁻ mit Bezug 24 und Wert 12, Abfall 12; 18 geteilt durch 12 ergibt 1,5. Unten: Orientierungsskala von 0 bis 3 mit fließenden Übergängen: deutlich unter 1 zusätzlicher HCO₃⁻-Verlust beziehungsweise normale-AG-Azidose, etwa 1 bis 2 vorwiegende Azidose mit erhöhter AG, deutlich über 2 zusätzliche Alkalose oder zuvor erhöhtes HCO₃⁻. Das Beispiel 1,5 liegt im mittleren Bereich.

Zähler und Nenner sichtbar gemacht – und wo das Ergebnis grob einzuordnen ist.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.

So liest du das Bild: Oben siehst du, woher Zähler und Nenner kommen. Unten steht die grobe Orientierung, die in der nächsten Einheit genauer besprochen wird. Die Übergänge sind absichtlich fließend: Eine Dezimalstelle nahe einer Grenze entscheidet nichts.

Multiple Choice

Welche Veränderung gehört wohin?

AGkorr 28 und HCO₃⁻ 16 mmol/l; Bezugswerte AG 12 und HCO₃⁻ 24. Welche Rechnung vergleicht AG-Anstieg mit Bikarbonatabfall?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

GrößeAktuellBezug
AGkorr28 mmol/l12 mmol/l
HCO₃⁻16 mmol/l24 mmol/l
  1. a)(28 − 12) / (24 − 16) = 16 / 8 = 2.
  2. b)(24 − 16) / (28 − 12) = 8 / 16 = 0,5.
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Multiple Choice

Ein neues vollständiges Beispiel

AGkorr 24, HCO₃⁻ 12 mmol/l. Nutze AG₀ 12 und HCO₃⁻₀ 24. Wie hoch ist das Delta-Verhältnis?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

GrößeAktuellBezug
AGkorr24 mmol/l12 mmol/l
HCO₃⁻12 mmol/l24 mmol/l
  1. a)1,0.
  2. b)2,0.
  3. c)0,5.
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Freie Antwort

Die Frage hinter der Zahl

Erkläre ohne Zahlen, was das Delta-Verhältnis zusätzlich zur Winters-Formel untersucht.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Winters-FormelWelche Frage untersucht sie?
Delta-VerhältnisWelche zusätzliche Frage untersucht es?
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Delta: Hinweise und Grenzen

Lernziel: Du kannst das Delta-Verhältnis als begrenzten Suchhinweis nutzen.

Drei grobe Richtungen

Die folgende Übersicht ist eine Orientierung, keine scharfe Diagnosegrenze:

VerhältnisMöglicher Hinweis
Deutlich unter 1Zusätzlicher Bikarbonatverlust / normale-AG-Azidose
Etwa 1 bis 2Mit vorwiegender Azidose mit erhöhter AG vereinbar
Deutlich über 2Zusätzliche Alkalose oder zuvor erhöhtes HCO₃⁻

Bei hohem Verhältnis kann etwa eine metabolische Alkalose vorliegen. Auch chronische respiratorische Azidose kann den Bikarbonat-Ausgangswert erhöhen. Klinischer Verlauf und Ausgangswerte entscheiden mit.

Oben: Zahlengerade für die AG mit Bezug 12 und Wert 30, Anstieg 18; Zahlengerade für HCO₃⁻ mit Bezug 24 und Wert 12, Abfall 12; 18 geteilt durch 12 ergibt 1,5. Unten: Orientierungsskala von 0 bis 3 mit fließenden Übergängen: deutlich unter 1 zusätzlicher HCO₃⁻-Verlust beziehungsweise normale-AG-Azidose, etwa 1 bis 2 vorwiegende Azidose mit erhöhter AG, deutlich über 2 zusätzliche Alkalose oder zuvor erhöhtes HCO₃⁻. Das Beispiel 1,5 liegt im mittleren Bereich.

Die Orientierungsskala: fließende Übergänge statt scharfer Grenzen.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.

So liest du das Bild: Konzentriere dich auf den unteren Teil. Je weiter links, desto stärker ist HCO₃⁻ im Verhältnis zum AG-Anstieg gefallen; je weiter rechts, desto weniger.

Eine zusätzliche Absenkung vermuten

Ein Patient hat eine Azidose mit erhöhter AG und gleichzeitig starke Durchfälle. AGkorr 20, HCO₃⁻ 8 mmol/l.

AG-Anstieg: 20 − 12 = 8. Bikarbonatabfall: 24 − 8 = 16. Verhältnis: 8 / 16 = 0,5.

Der Bikarbonatabfall ist im Verhältnis groß. Der bekannte Darmverlust liefert eine plausible zusätzliche Erklärung. Wir schreiben deshalb: Hinweis auf eine weitere Azidose mit normaler AG, passend zu enteralem Bikarbonatverlust. Die Zahl allein hätte den Darmverlust nicht bewiesen.

Von oben nach unten: Azidose + starke Durchfälle: AGkorr 20, HCO₃⁻ 8 mmol/l; AG-Anstieg: 20 − 12 = 8 mmol/l; HCO₃⁻-Abfall: 24 − 8 = 16 mmol/l; Verhältnis: 8 / 16 = 0,5: deutlich unter 1; Gegenprobe: Durchfall dokumentiert?, Cl⁻ erhöht?; Ergebnis: Hinweis – weitere Normal-AG-Azidose (Darm); Kein Beweis – aus der Zahl allein.

Abbildung: Der im Verhältnis große Bikarbonatabfall passt im Beispiel zum zusätzlichen Darmverlust. Quelle: eigene Darstellung.

Zwei gegenläufige Prozesse zusammenbringen

Du kennst jetzt beide Verlustwege: Diarrhö kann Base entfernen, Erbrechen dagegen Magensäure. Beim gleichzeitigen Auftreten einer Ketoazidose und wiederholten Erbrechens laufen ein ansäuernder und ein alkalotisierender Prozess nebeneinander.

Die Ketonsäuren lassen die AG steigen und verbrauchen HCO₃⁻. Der Magensäureverlust wirkt dem HCO₃⁻-Abfall entgegen. Deshalb kann die AG stark erhöht sein, während HCO₃⁻ weniger stark fällt: Das Delta-Verhältnis wird größer.

Die passende Formulierung lautet „Hinweis auf eine zusätzliche metabolische Alkalose“. Erbrechen, Verlauf und gegebenenfalls Vorwerte müssen diese Deutung stützen. Ein Quotient allein beweist weder den Verlust noch seine Ursache.

Von oben nach unten: Ketoazidose + Erbrechen: Beispiel: AGkorr 30, HCO₃⁻ 18 mmol/l; Ketonsäuren: AG ↑, HCO₃⁻ verbraucht; Erbrechen: HCl geht verloren, HCO₃⁻ ↑, Cl⁻ ↓, K⁺ ↓; Delta rechnen: (30 − 12) / (24 − 18) = 18 / 6 = 3,0; Stützen: Erbrechen anamnestisch, Cl⁻ und K⁺ niedrig, Vorwerte; Ergebnis: Delta > 2 – Hinweis auf zusätzliche metabolische Alkalose.

Abbildung: Magensäureverlust schwächt den Bikarbonatabfall bei Ketoazidose ab und vergrößert das Delta-Verhältnis. Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Erbrechen verändert den Vergleich

Eine AG-Azidose ist begründet; zusätzlich besteht wiederholtes Erbrechen. Das Delta-Verhältnis ist deutlich größer als 2. Welche Einordnung passt?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundAG-Azidose begründet
Zusätzliche AnamneseWiederholtes Erbrechen
Delta-VerhältnisDeutlich größer als 2
  1. a)Das HCO₃⁻ kann durch zusätzlichen Magensäureverlust weniger gefallen sein; eine metabolische Alkalose ist möglich.
  2. b)Ein zusätzlich großer enteraler Bikarbonatverlust erklärt den hohen Quotienten am besten.
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Warum ein Quotient keine Gewissheit liefert

Unsere Rechnung nimmt Ausgangswerte an, die der einzelne Patient möglicherweise nicht hatte. Albumin, Messmethode, laufende Infusionen und bereits ausgeschiedene Säurereste können das Ergebnis verändern. Nach DKA-Behandlung kann eine normale-AG-Azidose verbleiben, ohne dass weiter gleich viel Ketonsäure gebildet wird.

Auch ein kleiner Nenner macht den Quotienten empfindlich: Wenn HCO₃⁻ nahe 24 liegt, kann eine geringe Änderung die Zahl stark verschieben. Deshalb prüfen wir keine Diagnose anhand einer Dezimalstelle nahe einer Schwelle.

Von oben nach unten: Was den Quotienten verfälscht; Ausgangswerte: individuell anders, COPD: HCO₃⁻ vorher z. B. 32; Albumin, Methode: AG korrigieren, Laborreferenz; Therapieverlauf: NaCl-Infusion, Ketoanionen ausgeschieden, Normal-AG-Azidose nach DKA; Kleiner Nenner: HCO₃⁻ 23 → Nenner 1, AG +3 → Delta 3,0; Ergebnis: Keine Diagnose – aus einer Dezimalstelle nahe einer Schwelle; Vorwerte + Verlauf – entscheiden mit.

Abbildung: Ausgangswerte, Albumin, Therapieverlauf und ein kleiner Nenner begrenzen den Delta-Vergleich. Quelle: eigene Darstellung.

Was den Quotienten verfälschen kann:

StörfaktorWirkung
angenommene statt individueller AusgangswerteDer Patient hatte möglicherweise andere Werte als 12 und 24.
Albumin, Messmethodeverändern die AG
laufende Infusionenkönnen das Ergebnis verändern
bereits ausgeschiedene Säurerestez. B. normale-AG-Azidose nach DKA-Behandlung
kleiner Nenner (HCO₃⁻ nahe 24)Geringe Änderungen verschieben die Zahl stark.

Freie Antwort

Zahl und Anamnese zusammenbringen

Ein Patient mit bekannter chronischer Hyperkapnie, also länger erhöhtem arteriellem pCO₂, hat nun eine AG-Azidose. Das Delta-Verhältnis ist erhöht. Warum darfst du nicht allein deshalb eine neue metabolische Alkalose diagnostizieren?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
VorgeschichteChronische Hyperkapnie
NeuAG-Azidose
Delta-VerhältnisErhöht
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Ursache vor bloßer Zahl

Lernziel: Du kannst eine ursachenbezogene Behandlung der Azidose begründen.

Die BGA ordnet das Problem ein

Eine metabolische Azidose ist ein Befund mit unterschiedlichen Ursachen. Die Behandlung muss diese Ursache erreichen: Bei DKA etwa die Ketonkörperbildung, bei Kreislaufversagen die gestörte Versorgung, bei Darmverlust den Flüssigkeits- und Basenverlust, bei Vergiftung Giftbildung und Elimination.

Parallel werden Atmung, Oxygenierung, Kreislauf und Elektrolyte überwacht. Ein sehr niedriger pH kann hohe Dringlichkeit anzeigen. Er sagt aber nicht allein, welche Maßnahme für diesen Patienten richtig ist.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:

UrsacheBehandlungsziel
DKAKetonkörperbildung beenden
Kreislaufversagengestörte Versorgung verbessern
DarmverlustFlüssigkeits- und Basenverlust ausgleichen
VergiftungGiftbildung begrenzen und Gift eliminieren

Von oben nach unten: Metabolische Azidose, pH niedrig: Behandlung folgt der Ursache; DKA: Flüssigkeit, K⁺, Insulin 0,1 IE/kg/h; Schock / Laktat: Kreislauf, MAP ≥ 65, Herdkontrolle; Darmverlust: Volumen, K⁺, ggf. Base ersetzen; Vergiftung: Fomepizol, Alkalisierung, Dialyse nach EXTRIP; Parallel überwachen: Atmung, Oxygenierung, Kreislauf, K⁺, Na⁺, Ca²⁺, BGA im Verlauf; Ergebnis: pH zeigt Dringlichkeit – nicht die Maßnahme.

Abbildung: Gleicher niedriger pH, unterschiedliche Ursachen – die Behandlung zielt auf die Ursache. Quelle: eigene Darstellung.

Was Bikarbonat leisten kann

Bikarbonat kann bei ausgewählten Situationen sinnvoll sein, etwa bei relevantem Basenverlust oder bestimmten schweren Konstellationen. Beim Puffern entsteht CO₂, das entfernt werden muss. Natrium- und Volumenbelastung sowie Kalium- und Kalziumveränderungen müssen berücksichtigt werden.

Deshalb wird Bikarbonat nicht automatisch bei jeder Azidose gegeben. Bei DKA ist es keine Routine; bei sehr schwerer Azidose kann es nach dem verwendeten Behandlungsschema erwogen werden. Die Salicylatvergiftung hat eine eigene Alkalisierungsindikation. Nach dem DKA-Konsensus 2024 wird Bikarbonat erst bei pH unter 7,0 erwogen; die Surviving Sepsis Campaign 2021 schlägt es bei septischem Schock mit pH ≤ 7,20 und akuter Nierenschädigung (AKIN-Stadium 2–3) vor.

Von oben nach unten: Bikarbonat erwägen?: nur mit Indikation; DKA: keine Routine, erst bei pH < 7,0; Salicylat: Alkalisierung, Urin-pH 7,5–8,0; Septischer Schock: pH ≤ 7,20 und AKI (AKIN 2–3); Belastungen: CO₂ entsteht: Ventilation nötig, Na⁺- und Volumenlast, K⁺ ↓, ionisiertes Ca²⁺ ↓; Kontrollieren: BGA, K⁺, Ca²⁺, Na⁺, Volumen; Ergebnis: Kein Automatismus – nicht bei jeder Azidose; BICARICU-2 – kein Überlebensvorteil gezeigt.

Abbildung: Bikarbonat hat umschriebene Indikationen und eigene Belastungen, die überwacht werden. Quelle: eigene Darstellung.

Bikarbonat: mögliche Einsätze und mögliche Belastungen:

AspektInhalt
mögliche Einsätzerelevanter Basenverlust, bestimmte schwere Konstellationen; Salicylatvergiftung mit eigener Indikation
DKAkeine Routine; bei sehr schwerer Azidose nach Behandlungsschema erwägbar
CO₂entsteht beim Puffern und muss entfernt werden
Natrium und Volumenzusätzliche Belastung möglich
Kalium und KalziumVeränderungen berücksichtigen

Multiple Choice

Welche Frage kommt vor der Infusion?

Du siehst einen niedrigen pH bei metabolischer Azidose. Welche Frage muss die Therapieentscheidung leiten?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Säure-Basen-BefundMetabolische Azidose
pHNiedrig
GesuchtLeitende Frage vor der Therapieentscheidung
  1. a)Welche feste Bikarbonatmenge bekommen grundsätzlich alle Patienten?
  2. b)Was ist die Ursache, und welche Maßnahme verbessert diesen Patienten sicher?
  3. c)Wie normalisiere ich den pH unabhängig von der Ursache am schnellsten?
Lösung in der App →

Wann Nierenersatz ins Spiel kommt

Ein Nierenersatzverfahren, beispielsweise Hämodialyse, kann Säure-Basen- und Elektrolytstörungen korrigieren und bestimmte Gifte entfernen. Es wird bei entsprechenden schweren oder nicht beherrschbaren Konstellationen erwogen.

Die Entscheidung berücksichtigt Verlauf, Kalium, Flüssigkeitsüberlastung, Nierenfunktion und Ursache. Eine spezielle Giftindikation folgt ihren eigenen Kriterien. Umgekehrt ist eine Nierenfunktionsstörung ohne definitive Indikation kein automatischer Grund für sofortige Dialyse. Klinische Notwendigkeit und zeitlicher Verlauf zählen zusammen. Die Indikationen werden oft als AEIOU zusammengefasst: Azidose, Elektrolyte (vor allem Kalium), Intoxikation, Überwässerung (overload) und Urämie, jeweils trotz konservativer Therapie.

Von oben nach unten: Nierenersatz erwägen: AEIOU – jeweils trotz Therapie; A Azidose: pH < 7,15; E Elektrolyte: K⁺ > 6 mmol/l; I Intoxikation: Methanol, Ethylenglykol, Salicylat; O Overload: Lungenödem trotz Diuretika; U Urämie: Perikarditis, Enzephalopathie; Verlauf und Ursache: behandelbar? rasch zunehmend?, Kreatinin allein reicht nicht; Ergebnis: Indikation – Dialyse; Keine – Ursache behandeln, beobachten.

Abbildung: Die Dialyseentscheidung folgt klinischen Kriterien und dem Verlauf, nicht einer einzelnen Zahl. Quelle: eigene Darstellung.

Foto einer laufenden Hämodialyse: Vom Unterarm führen Blutschläuche zum Dialysegerät mit Blutpumpe und Dialysator.

Hämodialyse: Sie kann Säure-Basen- und Elektrolytstörungen korrigieren und bestimmte Gifte entfernen.

Quelle: Anna Frodesiak, „Patient receiving dialysis 03“, Wikimedia Commons, CC0 1.0; zugeschnitten (ohne Gesicht), als WebP gespeichert.

So liest du das Bild: Das Foto zeigt den Ablauf, nicht die Indikation. Verlauf, Kalium, Flüssigkeitsüberlastung, Nierenfunktion und Ursache entscheiden über den Einsatz.

Ein renaler Fall mit begrenzter Dringlichkeit

Bei stabiler chronischer Nierenkrankheit besteht eine metabolische Azidose. Der Patient ist wach, atmet wirksam und ist kreislaufstabil; Kalium und Volumenlage zeigen keine unmittelbare Gefährdung.

Gedankenweg: Die verminderte Säureausscheidung wird mit Verlauf und möglichen Zusatzursachen eingeordnet. Eine Behandlung der Azidose kann gezielt geplant werden. Bei Basenzufuhr werden Blutdruck, Volumen, Kalium und Bikarbonat kontrolliert. Die Diagnose allein verlangt weder eine sofortige feste Bikarbonatdosis noch automatisch Dialyse. Neue Warnzeichen würden diese Beurteilung ändern. Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt, bei chronischer Nierenkrankheit eine Behandlung zu erwägen, um ein Bikarbonat unter 18 mmol/l zu vermeiden – über die Ernährung oder mit oralem Natriumbikarbonat, ohne den Normbereich zu überschreiten.

Von oben nach unten: Stabile CKD mit Azidose: z. B. HCO₃⁻ 17 mmol/l; Warnzeichen ausschließen: wach, Atmung, Kreislauf stabil, K⁺ und Volumen unauffällig; KDIGO 2024: Behandlung erwägen, um HCO₃⁻ < 18 mmol/l zu vermeiden; Ernährung: mehr Obst und Gemüse, weniger tierisches Eiweiß; Medikament: Natriumbikarbonat oral; Kontrollieren: Blutdruck, Ödeme, K⁺, HCO₃⁻ nicht über Normbereich; Ergebnis: Neue Warnzeichen – Beurteilung ändern.

Abbildung: Bei stabiler CKD wird die Azidose geplant behandelt und kontrolliert. Quelle: eigene Darstellung.

Was wir nicht versprechen

Bikarbonat wurde bei schwerer metabolischer Azidämie mit akuter Nierenschädigung untersucht. Die 2025 veröffentlichte BICARICU-2-Studie zeigte keinen Vorteil bei der 90-Tage-Sterblichkeit; Nierenersatz wurde als sekundärer Endpunkt seltener benötigt.

Für die Praxis dieses Lernkapitels heißt das: Eine indikationsbezogene Gabe kann begründet sein, aber „Bikarbonat rettet bei dieser Konstellation nachweislich Leben“ wäre zu weitgehend. Du begründest Nutzen, mögliche Belastungen und Überwachung konkret.

Die Studie unterscheidet den Sterblichkeitsbefund vom sekundären Nierenersatzendpunkt.

BICARICU-2 (2025)Befund
90-Tage-SterblichkeitKein Vorteil gezeigt
Nierenersatz, sekundärer EndpunktSeltener benötigt
Klinische AussageIndikationsbezogene Gabe begründbar; kein nachgewiesener Überlebensvorteil

Multiple Choice

Ein neuer Patient mit Warnzeichen

Bei akuter Nierenschädigung und metabolischer Azidose treten Lungenstauung, gefährlich erhöhtes Kalium und zunehmende Schläfrigkeit auf. Die Atmung wird flach. Welche Richtung ist jetzt angemessen?

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
AusgangsbefundeAkute Nierenschädigung, metabolische Azidose
LungeStauung
KaliumGefährlich erhöht
BewusstseinZunehmende Schläfrigkeit
AtmungWird flach

Seitliche Röntgenaufnahme des Thorax eines älteren Patienten: großer Herzschatten und vermehrte streifige Lungenzeichnung; Drahtcerclagen am Brustbein nach früherer Herzoperation.

Abbildung: Röntgen-Thorax seitlich bei Lungenstauung; Aufnahme eines anderen Patienten. Quelle: Mikael Häggström (Wikimedia Commons), CC0 1.0, nach WebP umgewandelt.

  1. a)Den stabilen chronischen Fall unverändert übertragen und zunächst nur abwarten.
  2. b)Ohne Atem- oder Volumenbeurteilung eine feste große Bikarbonatmenge geben.
  3. c)Sofort Atmung und Kreislauf beurteilen, Kaliumgefährdung behandeln und Nierenersatzbedarf früh prüfen.
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Freie Antwort

Ein geordneter Plan

Formuliere für eine neu erkannte metabolische Azidose einen kurzen allgemeinen Plan, bevor die konkrete Ursache feststeht.

Die Tabelle ordnet die Angaben der Aufgabe.

MerkmalAngabe in der Aufgabe
Erkannter BefundMetabolische Azidose
Konkrete UrsacheSteht noch nicht fest
AuftragKurzen allgemeinen Plan formulieren
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