Alkalose und Atemstörungen
Lernziel: Du kannst Alkalosen und Atemstörungen erklären und Maßnahmen begründen.
Wie eine Alkalose beginnt
Lernziel: Du kannst Säureverlust und Basenzufuhr als Alkaloseursachen erklären.
Du erklärst zunächst, wie eine metabolische Alkalose entsteht und warum sie bestehen bleibt. Danach verbindest du Ursache, Nierenantwort und Volumenlage mit der Behandlung und beurteilst respiratorische Störungen im Verlauf.
Das Ausgangsproblem
Bei einer metabolischen Alkalose wirkt ein nicht primär respiratorischer Prozess in Richtung höheren pH. Häufig ist Bikarbonat erhöht. Zwei einfache Ausgangspunkte sind: Der Körper verliert Säure, oder er erhält mehr Base, als er ausreichend ausscheiden kann.
Ein erhöhter HCO₃⁻-Wert allein reicht trotzdem nicht zur Diagnose: Er kann auch die Gegenregulation einer chronischen respiratorischen Azidose anzeigen. Deshalb gehören pH, pCO₂, Verlauf und Ursache zusammen. Diese Unterscheidung kennst du bereits aus der Kompensationsprüfung.

Abbildung: Erhöhtes HCO₃⁻ wird über pH, pCO₂ und Vorgeschichte einem Prozess zugeordnet; die Beispielwerte folgen aus den Kompensationsnäherungen.
Quelle: eigene Darstellung.
So unterscheidest du die beiden Lesarten eines erhöhten HCO₃⁻:
| Merkmal | Primär metabolische Alkalose | Gegenregulation bei chronischer respiratorischer Azidose |
|---|---|---|
| Was beginnt? | nicht respiratorischer Prozess, z. B. Säureverlust oder Basenzufuhr | CO₂-Anstieg durch unzureichende Ventilation |
| pCO₂ | nicht der Auslöser | primär erhöht |
| pH-Richtung | eher erhöht | eher erniedrigt oder an der unteren Grenze |
| Typischer Hinweis | Erbrechen, Magensonde, Basenzufuhr | bekannte Ventilationsstörung, frühere Blutgase mit hohem pCO₂ |
Magensäure geht aus dem Körper
Magensäure enthält H⁺ und Chlorid. Normalerweise wird der Mageninhalt im weiteren Verdauungstrakt verarbeitet. Bei wiederholtem Erbrechen oder Magensondenverlust verlässt Säure dagegen den Körper. In der Belegzelle entstehen H⁺ und HCO₃⁻ gemeinsam: Für jedes H⁺, das in den Magen gelangt, tritt ein HCO₃⁻ ins Blut über.
Der H⁺-Verlust begünstigt einen Anstieg von Bikarbonat beziehungsweise pH. Gleichzeitig gehen Chlorid und Flüssigkeit verloren. Damit können nicht nur ein Auslöser, sondern auch Bedingungen entstehen, die eine Alkalose aufrechterhalten. Zunächst merkst du dir: Säure verlieren kann den Körper alkalischer machen.

Abbildung: Jedes H⁺ im Magen hinterlässt ein HCO₃⁻ im Blut; fehlt der Ausgleich im Darm, bleibt die Base zurück.
Quelle: eigene Darstellung.
Was beim Verlust von Magensäure verloren geht und welche Rolle es spielt:
| Verlust | Folge | Rolle |
|---|---|---|
| H⁺ | HCO₃⁻ und pH steigen | Auslöser |
| Chlorid | Bikarbonatausscheidung wird erschwert | Aufrechterhaltung |
| Flüssigkeit | Niere hält Salz, Wasser und Bikarbonat zurück | Aufrechterhaltung |
Ein Auslöser wird sichtbar
Über eine Magensonde verliert eine Patientin anhaltend sauren Mageninhalt. In der BGA steigen HCO₃⁻ und pH.

Abbildung: Im Magensondenbeispiel ist der H⁺-Verlust der Auslöser; Chlorid-, Wasser- und Kaliumverluste bereiten die Erhaltung vor.
Quelle: eigene Darstellung.
Gedankenweg: Mit dem Mageninhalt verlässt H⁺ den Körper. Dieser Säureverlust wirkt alkalisch und passt zur metabolischen Alkalose. Gleichzeitig verlorenes Chlorid und Wasser können erklären helfen, warum die Störung anhält. Die Atmung ist hier nicht der ursprüngliche Auslöser.
Multiple Choice
Welche Richtung erwartest du?
Ein Patient verliert wiederholt sauren Mageninhalt. Welcher primäre Säure-Basen-Prozess wird dadurch begünstigt?
Die Tabelle bündelt die Angaben zur Ausgangssituation.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Verlust | saurer Mageninhalt |
| Verlauf | wiederholt |
- a)Primäre respiratorische Azidose.
- b)Metabolische Alkalose.
- c)Metabolische Azidose durch Verlust von Magensäure.
Wenn Base von außen kommt
Bikarbonat oder andere in Bikarbonat überführbare Stoffe können den Basenanteil erhöhen. Eine gesunde Niere kann überschüssiges Bikarbonat meist gut ausscheiden. Problematisch wird eine Belastung besonders dann, wenn die Ausscheidung begrenzt ist, etwa bei verminderter Nierenfunktion.
Deshalb bedeutet „Base zugeführt“ nicht automatisch „anhaltende Alkalose“. Wir müssen zusätzlich verstehen, warum die Niere den Überschuss nicht ausreichend beseitigt. Genau darum geht es in der nächsten Einheit.

Abbildung: Säureverlust und Basenzufuhr erhöhen HCO₃⁻; ob die Alkalose bleibt, entscheidet die renale Ausscheidung.
Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Ein anderer Ausgangspunkt
Bei eingeschränkter Nierenfunktion wurde viel Bikarbonat zugeführt. Danach steigen HCO₃⁻ und pH; eine vorausgehende CO₂-Erhöhung ist nicht belegt. Welche Erklärung passt zu diesem Verlauf?
Die Angaben lassen sich nach Ausgangslage und Verlauf ordnen.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Nierenfunktion | eingeschränkt |
| Zufuhr | viel Bikarbonat |
| Danach | HCO₃⁻ und pH steigen |
| Vorausgehende CO₂-Erhöhung | nicht belegt |
- a)Die Basenbelastung übersteigt die renal mögliche Ausscheidung.
- b)Das erhöhte HCO₃⁻ ist eine bereits belegte renale Kompensation einer chronischen respiratorischen Azidose.
Freie Antwort
Auslöser benennen
Nenne zwei grundsätzlich verschiedene Wege, wie eine metabolische Alkalose entstehen kann.
Die beiden freien Felder helfen dir, deine Antwort zu gliedern.
| Teil der Antwort | Deine Erklärung |
|---|---|
| Erster Entstehungsweg | … |
| Zweiter Entstehungsweg | … |
Warum die Alkalose bleibt
Lernziel: Du kannst den Einfluss von Volumen, Chlorid und Kalium erklären.
Auslösen und Aufrechterhalten trennen
Ein Säureverlust kann eine Alkalose auslösen. Damit sie bestehen bleibt, muss häufig zusätzlich die Ausscheidung von Bikarbonat eingeschränkt sein.
Bei Flüssigkeitsverlust versucht die Niere, Salz und Wasser zurückzuhalten. Dabei wird auch die Rückresorption von Bikarbonat begünstigt. Gleichzeitig kann weniger Filtrat entstehen. Der Körper hält also an Stoffen fest, obwohl für den Säure-Basen-Haushalt gerade Bikarbonat ausgeschieden werden müsste. Das ist eine wichtige Aufrechterhaltung der Alkalose.

Abbildung: Bei Volumenmangel sichert die Niere Salz und Wasser und hält dabei HCO₃⁻ fest.
Quelle: eigene Darstellung.
Auslösen und Aufrechterhalten sind zwei getrennte Fragen:
| Schritt | Leitfrage | Beispiel Erbrechen |
|---|---|---|
| Auslösen | Wodurch steigt HCO₃⁻? | Säureverlust mit dem Mageninhalt |
| Aufrechterhalten | Warum scheidet die Niere den Überschuss nicht aus? | Volumen-, Chlorid- und Kaliummangel |
Chlorid ist Teil der Lösung
In bestimmten Zellen des hinteren Nephrons wird Bikarbonat im Austausch gegen Chlorid in den Urin abgegeben. Fehlt ausreichend Chlorid, kann diese Ausscheidung schlechter funktionieren. Dieser Austauscher heißt Pendrin und sitzt in den Typ-B-Schaltzellen des Sammelrohrs.
Darum ist der Chloridverlust bei Erbrechen nicht nur ein begleitender Laborwert. Er kann mitverantwortlich dafür sein, dass die Alkalose bestehen bleibt. Eine passende Chloridzufuhr kann der Niere helfen, überschüssiges Bikarbonat wieder auszuscheiden. Ob gleichzeitig Flüssigkeit gebraucht und vertragen wird, ist eine eigene klinische Frage.

Abbildung: Pendrin gibt HCO₃⁻ nur im Austausch gegen Cl⁻ ab; Chlorid- und Kaliummangel bremsen diesen Weg.
Quelle: eigene Darstellung.
Ein Ende des Auslösers genügt nicht
Die Magensonde ist entfernt und es geht keine weitere Säure verloren. Die Patientin ist aber noch volumenarm, Chlorid bleibt niedrig und die Alkalose besteht fort.

Abbildung: Nach Entfernung der Sonde halten Volumen-, Chlorid- und Kaliummangel die Alkalose aufrecht.
Quelle: eigene Darstellung.
Gedankenweg: Die Nieren halten bei Volumenmangel weiterhin Salz und Bikarbonat zurück. Chloridmangel erschwert zusätzlich die Bikarbonatabgabe. Der ursprüngliche Auslöser ist beendet, seine Erhaltungsbedingungen jedoch nicht. Deshalb beurteilen wir beide Schritte getrennt und kontrollieren auch Kalium.
Der Fall mit der Magensonde im Vergleich:
| Merkmal | Magensonde läuft | Magensonde entfernt |
|---|---|---|
| Säureverlust | ja | nein |
| Volumen | vermindert | weiter vermindert |
| Chlorid | niedrig | weiter niedrig |
| Alkalose | entsteht | besteht fort |
Multiple Choice
Welche Funktion braucht Chlorid?
Warum kann ein Chloridmangel dazu beitragen, dass die Alkalose nach Ende des Erbrechens bestehen bleibt?
Die Ausgangslage der Frage lässt sich in drei Angaben festhalten.
| Angabe | Aktueller Stand |
|---|---|
| Erbrechen | beendet |
| Chlorid | Mangel |
| Alkalose | besteht weiter |
- a)Chlorid fehlt als Austauschpartner bei der distalen Bikarbonatabgabe in den Urin.
- b)Der Mangel sorgt bereits allein für eine ausreichend gesteigerte Bikarbonatausscheidung.
Kalium ist ebenfalls beteiligt
Ein Kaliumdefizit kann die renale Säureausscheidung und Bikarbonatrückgewinnung so verändern, dass eine Alkalose erhalten bleibt. Unter 3,5 mmol/l spricht man von Hypokaliämie; ein Kaliummangel drosselt zusätzlich den Austauscher Pendrin. Kalium ist außerdem für Muskel- und Herzfunktion wichtig.
Deshalb prüfen wir bei Alkalose nicht nur pH und HCO₃⁻. Volumenstatus, Chlorid und Kalium helfen, den Mechanismus und die Behandlung zu verstehen. Die Korrektur eines Mangels erfolgt mit Blick auf Nierenfunktion und überwachte Zufuhr, nicht allein anhand eines einzelnen BGA-Werts.

Abbildung: Der Kaliumbefund verbindet den Erhaltungsmechanismus mit der überwachten Korrektur.
Quelle: eigene Darstellung.
Die drei Erhaltungsfaktoren im Überblick:
| Faktor | Was in der Niere passiert | Folge |
|---|---|---|
| Volumenmangel | Salz und Wasser werden zurückgehalten, Bikarbonatrückresorption begünstigt, weniger Filtrat | weniger HCO₃⁻-Ausscheidung |
| Chloridmangel | Austauschpartner für die distale Bikarbonatabgabe fehlt | HCO₃⁻ bleibt eher im Blut |
| Kaliumdefizit | Säureausscheidung und Bikarbonatrückgewinnung verändert | Alkalose wird erhalten |
Freie Antwort
Warum dauert es weiter an?
Das Erbrechen hat aufgehört, die metabolische Alkalose besteht aber noch. Erkläre zwei mögliche Gründe.
Die Tabelle hält die vorgegebenen Verlaufsangaben fest.
| Angabe | Aktueller Stand |
|---|---|
| Erbrechen | hat aufgehört |
| Metabolische Alkalose | besteht noch |
Erbrechen und Diuretika
Lernziel: Du kannst Alkalosen durch Erbrechen und Diuretika vergleichen.
Ähnliches Ergebnis, anderer Verlustort
Bei Erbrechen verliert der Körper sauren Mageninhalt. Bei Schleifen- oder Thiaziddiuretika wird die Salz- und Wasserausscheidung über die Niere erhöht. Dadurch können Volumen-, Chlorid- und Kaliumverluste entstehen. Schleifendiuretika hemmen dazu den Na⁺-K⁺-2Cl⁻-Kotransporter (NKCC2) der Henle-Schleife, Thiazide den Na⁺-Cl⁻-Kotransporter (NCC) im distalen Tubulus.
Zusätzlich gelangt mehr Natrium in hintere Nephronabschnitte. Seine dortige Rückgewinnung kann die Ausscheidung von Kalium und H⁺ begünstigen. Das Natrium wird dort über den epithelialen Natriumkanal (ENaC) aufgenommen; Aldosteron verstärkt diesen Austausch. Auch so kann eine metabolische Alkalose entstehen. Das Ergebnis kann ähnlich aussehen, obwohl der Weg zum Verlust unterschiedlich ist.

Abbildung: Wirkort des Diuretikums, Natriumangebot im Sammelrohr und die Folgen für Kalium und Bikarbonat.
Quelle: eigene Darstellung.
Erbrechen und Diuretika im direkten Vergleich:
| Merkmal | Erbrechen | Schleifen- oder Thiaziddiuretika |
|---|---|---|
| Verlustort | Magen | Niere |
| Was geht verloren? | H⁺, Chlorid, Flüssigkeit | Salz und Wasser; dadurch Volumen, Chlorid, Kalium |
| Zusätzlicher Mechanismus | – | mehr Natrium im hinteren Nephron begünstigt K⁺- und H⁺-Ausscheidung |
| Urin-Chlorid | eher niedrig durch renale Rückhaltung | während der Wirkung hoch, danach kann es niedrig sein |
Die Anamnese macht die Rechnung klinisch
Bei erhöhtem HCO₃⁻ und passender BGA fragst du deshalb konkret: Gibt es Erbrechen, eine Magensonde oder veränderte Diuretikadosen? Wurde zuletzt viel Flüssigkeit verloren? Welche Nierenfunktion und welche Kaliumwerte liegen vor?
Die Medikamentenliste ist dabei Teil der Diagnostik. Ein Patient kann auch zwei Ursachen gleichzeitig haben. Wir behandeln daher nicht automatisch „die eine Alkalose“, sondern prüfen, welche Auslöser und Erhaltungsmechanismen tatsächlich vorliegen.

Auslöser und Aufrechterhaltung der Alkalose am Beispiel Erbrechen.
Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.
So liest du das Bild: Ordne jeden Kasten einer Frage zu: Wie beginnt die Störung? Warum kann die Niere überschüssiges Bikarbonat nicht ausreichend entfernen? Wie trägt Kaliummangel zum Fortbestehen bei? Der Ablauf ist ein Funktionsschema, keine zwingende zeitliche Reihenfolge bei jedem Patienten.
Gezielte Anamnesefragen und was sie klären:
| Frage | Was sie klärt |
|---|---|
| Erbrechen oder Verluste über eine Magensonde? | gastrointestinaler Säure- und Chloridverlust |
| Welches Diuretikum, welche Dosis, zuletzt wann? | renale Verluste; der Zeitpunkt beeinflusst Urin-Chlorid |
| Gewicht, Flüssigkeitszufuhr, Urinmenge? | Ausmaß des Volumenverlusts |
| Nierenfunktion und Kalium? | Erhaltungsmechanismen und Behandlungsspielraum |
Eine Diuretikawirkung nachvollziehen
Nach mehreren Tagen Schleifendiuretikum hat ein Patient stark an Gewicht verloren. Chlorid und Kalium sind gefallen; die BGA passt zur metabolischen Alkalose. Er hat nicht erbrochen.

Abbildung: Vom Schleifendiuretikum über den renalen Verlustweg zur Neubewertung des Diuretikabedarfs.
Quelle: eigene Darstellung.
Gedankenweg: Salz und Wasser gingen über die Niere verloren. Die veränderten Transportvorgänge begünstigen zusätzlich H⁺- und Kaliumverluste. Das Medikament liefert damit einen plausiblen Auslöser; Volumen-, Chlorid- und Kaliummangel können die Störung erhalten. Nötiger Diuretikabedarf und aktuelle Verluste werden gemeinsam neu beurteilt.
Multiple Choice
Ein neuer Verlustweg
Nach Erhöhung eines Schleifendiuretikums fallen Kalium und Chlorid; eine metabolische Alkalose entsteht. Der Patient hat nicht erbrochen. Welcher Mechanismus passt?
Die Tabelle sammelt die Angaben nach der Dosisänderung.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Schleifendiuretikum | Dosis erhöht |
| Kalium und Chlorid | fallen |
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
| Erbrechen | nein |

Abbildung: Ampullen mit Furosemid, einem Schleifendiuretikum. Quelle: BarbariSka88 (Wikimedia Commons), CC0 1.0, verkleinert.
- a)Eine metabolische Alkalose ist ohne Magensäureverlust nicht erklärbar.
- b)Renale Salzverluste und erhöhte distale H⁺-/Kaliumausscheidung können zusammenwirken.
Ein Urinwert hängt vom Zeitpunkt ab
Bei Chloridmangel kann die Niere Chlorid stark zurückhalten. Ein noch wirksames Diuretikum kann dagegen gerade die Chloridausscheidung erhöhen. Deshalb kann Urin-Chlorid trotz vorausgegangener Verluste hoch sein.
Du brauchst also nicht nur die Zahl, sondern auch den Zeitpunkt der letzten Einnahme beziehungsweise Gabe. Nach Ende der Wirkung kann derselbe Patient einen anderen Urinwert zeigen. Das bereitet die gezielte Urin-Chlorid-Einordnung in der nächsten Diagnostikeinheit vor.

Abbildung: Derselbe Patient kann je nach Zeitpunkt der letzten Gabe einen hohen oder einen niedrigen Urin-Chlorid-Wert zeigen.
Quelle: eigene Darstellung.
Multiple Choice
Zwei Verlustwege gleichzeitig
Eine Patientin nimmt ein Thiazid und erbricht seit zwei Tagen. Es bestehen metabolische Alkalose und Hypokaliämie. Welche Verlustwege müssen in die Beurteilung eingehen?
Die Angaben zur Patientin stehen hier nebeneinander.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Medikation | Thiazid |
| Erbrechen | seit zwei Tagen |
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
| Kalium | Hypokaliämie |
- a)Nur der gastrointestinale Verlust: Die Diuretikawirkung betrifft Wasser, aber keine Elektrolyte.
- b)Gastrointestinale Säure-/Chloridverluste und diuretikabedingte renale Salz-/Kaliumverluste können gemeinsam beitragen.
Freie Antwort
Gezielt nachfragen
Nenne drei konkrete Anamnesefragen bei metabolischer Alkalose mit niedrigem Kalium und Chlorid.
Diese Befunde bilden den Ausgangspunkt für deine Anamnesefragen.
| Angabe | Vorgegeben |
|---|---|
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
| Kalium | niedrig |
| Chlorid | niedrig |
Wenn Aldosteron zu stark wirkt
Lernziel: Du kannst Kaliumverlust und Alkalose bei Mineralokortikoidwirkung erklären.
Eine stärkere Rückhalteanweisung
Du kennst Aldosteron bereits aus der RTA Typ 4. Dort fehlte ausreichende Wirkung. Jetzt betrachten wir die Gegenrichtung: Zu starke Mineralokortikoidwirkung fördert im hinteren Nephron die Natriumrückgewinnung und kann die Ausscheidung von Kalium und H⁺ verstärken.
Dadurch können Hypokaliämie und metabolische Alkalose entstehen. Blutdruck und Volumenlage können sich von einem Patienten unterscheiden, der durch Erbrechen deutlich ausgetrocknet ist. Das hilft, die Ursachen einzugrenzen.

Abbildung: Verminderte und vermehrte Mineralokortikoidwirkung verschieben Kalium und Säure-Basen-Haushalt in entgegengesetzte Richtungen.
Quelle: eigene Darstellung.
Nicht jeden Patienten mit Kochsalz behandeln
Ein Patient hat hohen Blutdruck, niedriges Kalium und eine metabolische Alkalose. Es gibt weder klare Erbrechensverluste noch eine passende Diuretikaerklärung.
Hier wird unter anderem nach vermehrter Mineralokortikoidwirkung gesucht. Dazu gehören Medikamenten- und Stoffanamnese; auch Lakritz kann eine solche Wirkung begünstigen. Hormonuntersuchungen können folgen. Als Suchtest dienen Aldosteron und Renin beziehungsweise ihr Quotient: Beim primären Hyperaldosteronismus ist Aldosteron erhöht und Renin unterdrückt, bei Lakritz sind beide niedrig. Es wäre unpassend, allein wegen der Alkalose automatisch viel Kochsalz zu geben: Die Ursache und der Volumenstatus müssen zuerst zur Maßnahme passen.

Abbildung: Ohne Verlustanamnese führt der Suchweg über Medikamente und Stoffe zur Renin-Aldosteron-Konstellation.
Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Volumenstatus und Urin-Chlorid entscheiden, ob Kochsalz zur Ursache passt.
Quelle: eigene Darstellung.
Zwei Alkaloseursachen, die unterschiedlich behandelt werden:
| Merkmal | Alkalose nach Erbrechen | Vermehrte Mineralokortikoidwirkung |
|---|---|---|
| Verlustanamnese | Erbrechen, Magensonde | fehlt |
| Blutdruck und Volumen | oft deutlich ausgetrocknet | andere Volumenlage, Blutdruck häufig erhöht |
| Kalium | kann niedrig sein | niedrig |
| Nächster Schritt | Verluste stoppen, Chlorid und Volumen nach Bedarf | Medikamente, Stoffaufnahme und Hormonwirkung prüfen |
| Kochsalz | kann bei Volumen- und Chloridmangel passen | nicht automatisch |
Multiple Choice
Zwei Hormonrichtungen
Welche Konstellation passt eher zu vermehrter statt verminderter Mineralokortikoidwirkung?
- a)Hyperkaliämie mit metabolischer Azidose.
- b)Hypokaliämie mit metabolischer Alkalose und erhöhtem Blutdruck.
Multiple Choice
Einen neuen Befund einordnen
Ein Patient ohne Erbrechen und ohne Diuretika hat neu erhöhten Blutdruck, niedriges Kalium und metabolische Alkalose. Welcher nächste diagnostische Gedanke passt?
Die Tabelle bündelt die Befunde und die verneinten Auslöser.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Blutdruck | neu erhöht |
| Kalium | niedrig |
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
| Erbrechen / Diuretika | beides verneint |

Abbildung: Blutdruckmessung mit Oberarmmanschette und automatischem Messgerät. Quelle: Beendy234 (Wikimedia Commons), CC0 1.0, zugeschnitten, verkleinert.
- a)Die Konstellation ist typisch für verminderte Aldosteronwirkung mit Typ-4-RTA.
- b)Medikamente, Stoffaufnahme und mögliche vermehrte Mineralokortikoidwirkung gezielt prüfen.
- c)Allein aus der Alkalose zwingend einen schweren Volumenmangel ableiten.
Freie Antwort
Die beiden Richtungen erklären
Vergleiche verminderte und vermehrte Aldosteronwirkung bezüglich Kalium und Säure-Basen-Tendenz.
Die freien Felder strukturieren deinen Vergleich.
| Aldosteronwirkung | Kalium | Säure-Basen-Tendenz |
|---|---|---|
| Vermindert | … | … |
| Vermehrt | … | … |
Urin-Chlorid richtig nutzen
Lernziel: Du kannst Urin-Chlorid mit Volumenstatus und Medikamenten einordnen.
Hält die Niere Chlorid zurück?
Bei metabolischer Alkalose kann Urin-Chlorid bei der Ursachensuche helfen. Ein niedriger Wert spricht dafür, dass die Niere Chlorid stark zurückhält. Das passt beispielsweise zu einem Chloridverlust durch Erbrechen.
Als Orientierung verwenden wir hier unter 20 mmol/l für niedriges Urin-Chlorid. Es kann eine chloridempfindliche Alkalose unterstützen. Das bedeutet: Bei passender Situation kann Chloridersatz den Erhaltungsmechanismus bessern. Die Zahl allein sagt jedoch nicht, wie viel Flüssigkeit der Patient braucht oder verträgt.
Was Urin-Chlorid aussagt und was nicht:
| Urin-Chlorid zeigt | Urin-Chlorid zeigt nicht |
|---|---|
| ob die Niere Chlorid aktuell stark zurückhält | wie viel Flüssigkeit der Patient braucht oder verträgt |
| bei unter 20 mmol/l: Hinweis auf chloridempfindliche Alkalose | den gesamten Chloridbestand des Körpers |
| eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Probe | allein eine bestimmte hormonelle Ursache |
Was ein höherer Wert bedeutet
Bei einem höheren Urin-Chloridwert wird Chlorid nicht entsprechend stark zurückgehalten. Mögliche Gründe sind eine noch aktive Diuretikawirkung oder andere renale und hormonelle Mechanismen.
Deshalb schaust du zusätzlich auf Blutdruck, klinischen Volumenstatus, Kalium, Nierenfunktion und Einnahmezeitpunkt. Werte nahe 20 werden nicht wie eine scharfe Schaltergrenze behandelt. Urin-Chlorid strukturiert die Suche; es ersetzt nicht die Suche.

Abbildung: Der Urinwert beschreibt die aktuelle Rückhaltung; Flüssigkeitsbedarf, Körperbestand und Hormonursache bleiben eigene Fragen.
Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Beispielwerte dieser Einheit auf einer Skala; um 20 mmol/l gibt es keine scharfe Grenze.
Quelle: eigene Darstellung.
Ein Urinbefund wird begründet
Nach mehreren Tagen Erbrechen ist ein Patient volumenarm. Die BGA zeigt metabolische Alkalose, Urin-Chlorid beträgt 10 mmol/l, aktuell wirken keine Diuretika.

Abbildung: Der niedrige Urinwert wird mit Verlustanamnese und fehlender Diuretikawirkung verbunden.
Quelle: eigene Darstellung.
Gedankenweg: Mit dem Mageninhalt gingen Säure und Chlorid verloren. Die Niere hält jetzt Chlorid zurück; dazu passt der niedrige Urinwert. Das stützt eine chloridempfindliche Alkalose. Ob und wie viel Flüssigkeit und Kalium erforderlich sind, beurteilen wir zusätzlich am Patienten.
Multiple Choice
Ein passender niedriger Wert
Wiederholtes Erbrechen, klinischer Volumenmangel, metabolische Alkalose, Urin-Cl 8 mmol/l. Welche Einordnung passt?
Die Tabelle sammelt die Befunde vor ihrer Einordnung.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Erbrechen | wiederholt |
| Volumenstatus | klinischer Volumenmangel |
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
| Urin-Chlorid | 8 mmol/l |
- a)Chloridverlust mit renaler Chloridrückhaltung ist plausibel.
- b)Ein höherer Aldosteroneffekt ist durch diesen Wert allein bewiesen.
- c)Urin-Cl 8 schließt Magensäureverluste aus.
Multiple Choice
Ein anderer Patient
Metabolische Alkalose und Urin-Cl 45 mmol/l. Eine Stunde zuvor wurde ein Schleifendiuretikum gegeben. Was musst du beachten?
- a)Der Zeitpunkt der Medikamentengabe ist bedeutungslos.
- b)Die aktive Diuretikawirkung kann die Chloridausscheidung erhöhen.
- c)Jeder Wert über 20 beweist Mineralokortikoidüberschuss.
Freie Antwort
Ein Wert, mehrere Informationen
Du bekommst nur die Nachricht: „Metabolische Alkalose, Urin-Chlorid hoch.“ Welche Informationen möchtest du ergänzen?
Die Nachricht enthält bisher nur diese beiden Angaben.
| Angabe | Mitgeteilt |
|---|---|
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
| Urin-Chlorid | hoch |
Alkalose gezielt behandeln
Lernziel: Du kannst die Behandlung einer Alkalose aus ihren Mechanismen ableiten.
Den Mechanismus zurückbauen
Bei Alkalose durch Erbrechen und Volumen-/Chloridverlust sind mehrere Aufgaben verbunden: den weiteren Verlust stoppen, fehlendes Chlorid und bei Bedarf Flüssigkeit ersetzen sowie Kalium korrigieren.
Damit wird nicht nur eine Zahl verändert. Die Niere bekommt bessere Bedingungen, um überschüssiges Bikarbonat auszuscheiden. Nierenfunktion, Kreislauf und die Gefahr einer Überlastung bestimmen, wie die Korrektur erfolgen kann. Die Wirkung wird klinisch und mit Elektrolyt-/BGA-Kontrollen überprüft. Als Orientierung enthält NaCl 0,9 % 154 mmol/l Chlorid; es wird gegeben, bis Urin-Chlorid über 25 mmol/l steigt, soweit Kreislauf und Herz es zulassen. Kalium wird als Kaliumchlorid ersetzt, intravenös routinemäßig mit höchstens 10 mmol/h und peripher in höchstens 40 mmol/l. Bei schwerer Alkalose mit pH über 7,6 ist eine zügigere Korrektur nötig.
Jede Maßnahme hat einen Grund im Mechanismus:
| Maßnahme | Begründung |
|---|---|
| Erbrechen behandeln | kein weiterer Säure- und Chloridverlust |
| Chlorid und bei Bedarf Flüssigkeit ersetzen | Niere kann Bikarbonat wieder besser ausscheiden |
| Kalium kontrolliert korrigieren | Mangel und zusätzlichen Erhaltungsmechanismus behandeln |
| Kreislauf, Urinmenge, Elektrolyte und BGA kontrollieren | Wirkung und Überlastung erkennen |
Bei Überlastung ist der Weg anders
Ein anderer Patient hat Ödeme oder Herzinsuffizienz und erhält Diuretika. Auch er kann eine Alkalose entwickeln. Zusätzliche große Flüssigkeitsmengen können in dieser Situation problematisch sein.
Hier werden unter anderem Ursache, Diuretikastrategie, Chlorid- und Kaliumdefizite sowie Nierenfunktion gemeinsam beurteilt. Bei Mineralokortikoidüberschuss wird die hormonelle Ursache beziehungsweise Wirkung behandelt. Gleiche Säure-Basen-Bezeichnung bedeutet nicht gleiche Behandlung für alle. Bei Überlastung kann Acetazolamid, etwa 250–375 mg ein- bis zweimal täglich, die renale Bikarbonatausscheidung steigern; bei Nierenversagen ist es wenig geeignet.

Röntgen-Thorax bei Herzinsuffizienz mit Stauungszeichen: vergrößerter Herzschatten, Gefäßumverteilung nach oben, Kerley-B-Linien und kleiner Pleuraerguss im rechten Interlobärspalt. Bei solcher Stauung können große Kochsalzmengen schaden.
Quelle: Röntgenbild „Chest radiograph of a lung with Kerley B lines“ von Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0; in WebP umgewandelt.

Abbildung: Beim Patienten mit Ödemen werden Defizite ausgeglichen, ohne die Stauung zu verstärken.
Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Gleiche Säure-Basen-Bezeichnung, unterschiedliche Behandlung je nach Volumenlage und Ursache.
Quelle: eigene Darstellung.
Orientierungswerte für die Korrektur:
| Größe | Orientierung |
|---|---|
| NaCl 0,9 % | 154 mmol/l Na⁺ und 154 mmol/l Cl⁻ |
| Ende der Kochsalzgabe | Urin-Chlorid über 25 mmol/l, sofern Kreislauf und Herz es zulassen |
| Kalium i. v. | routinemäßig höchstens 10 mmol/h; peripher höchstens 40 mmol/l |
| Acetazolamid bei Überlastung | 250–375 mg ein- bis zweimal täglich; nicht bei Nierenversagen |
| Schwere Alkalose | pH über 7,6: zügigere Korrektur |
Einen Plan am Verlust erklären
Bei einer Patientin haben anhaltendes Erbrechen, Volumen- und Chloridverlust eine Alkalose erhalten. Kalium ist niedrig, Hinweise auf Flüssigkeitsüberlastung fehlen.

Abbildung: Jeder Verlust erhält eine Korrektur mit Orientierungswerten und eine Kontrolle.
Quelle: eigene Darstellung.
Plan mit Begründung: Erbrechen behandeln, damit kein weiterer Verlust entsteht. Chlorid und bei passendem Bedarf Flüssigkeit ersetzen, damit die Niere Bikarbonat wieder besser ausscheiden kann. Kalium kontrolliert korrigieren, um Mangel und zusätzlichen Erhaltungsmechanismus zu behandeln. Nach den ersten Maßnahmen werden Kreislauf, Urinmenge, Elektrolyte und BGA erneut beurteilt.
Multiple Choice
Welcher Plan ist schlüssig?
Erbrechen, deutlicher Volumenmangel, niedriges Urin-Chlorid und Hypokaliämie erklären die metabolische Alkalose. Welcher Rahmen passt?
- a)Verlustursache behandeln; passende Chlorid-/Volumen- und Kaliumkorrektur überwachen.
- b)Nur Kalium ersetzen; Volumen und Chlorid erst behandeln, falls sich der pH damit nicht bessert.
Multiple Choice
Eine neue Volumenlage
Ein Patient mit Lungenstauung hat unter Diuretika eine metabolische Alkalose. Warum ist „Alkalose = Kochsalzinfusion“ keine ausreichende Regel?
Die Tabelle hält die Ausgangslage für deine Begründung fest.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Klinischer Befund | Lungenstauung |
| Medikation | Diuretika |
| Säure-Basen-Befund | metabolische Alkalose |
- a)Weil derselbe Chloridmangel grundsätzlich immer die gleiche große Flüssigkeitsmenge erfordert, auch bei Stauung.
- b)Weil die Elektrolytdefizite behandelt werden müssen, dabei aber zusätzliche Flüssigkeit die Lungenstauung verstärken kann.
Freie Antwort
Eine Behandlung begründen
Erkläre, warum du bei einer Alkalose nicht nur „pH senken“ als Therapieziel formulierst.
Die Tabelle hält die Ausgangslage und die zu prüfende Zielformulierung fest.
| Teil der Aufgabe | Vorgegeben |
|---|---|
| Ausgangslage | Alkalose |
| Zielformulierung | „pH senken“ |
| Auftrag | begründen, warum dies allein nicht genügt |
Warum CO₂ zurückbleibt
Lernziel: Du kannst Ursachen einer respiratorischen Azidose erklären.
Produziertes CO₂ muss hinaus
CO₂ entsteht im Stoffwechsel und wird über das Blut zur Lunge transportiert. Es wird mit der Luft aus den Alveolen entfernt. Reicht die alveoläre Ventilation im Verhältnis zur CO₂-Produktion nicht aus, steigt pCO₂. Das kann eine respiratorische Azidose auslösen.
Es reicht dabei nicht, nur Atemzüge zu zählen. Totraum ist belüfteter Raum, der keinen wirksamen Gasaustausch leistet, etwa die leitenden Atemwege. Flache, schnelle Atemzüge können einen großen Anteil davon belüften, ohne ausreichend frische Luft zu den am Gasaustausch beteiligten Alveolen zu bringen. Die Wirkung beurteilst du deshalb aus Atemarbeit, Bewusstsein, BGA und klinischem Kontext.

Vereinfachte Rechenwerte mit 150 ml Totraum: Flache, schnelle Atmung senkt die alveoläre Ventilation trotz gleicher Luftmenge.
Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.
Drei Stellen, an denen es scheitern kann
| Ort | Ein einfaches Beispiel |
|---|---|
| Atemantrieb | Ein dämpfendes Medikament vermindert den Atemreiz. |
| Atempumpe | Muskelschwäche oder Erschöpfung begrenzt wirksame Atemzüge. |
| Atemwege / Lunge | Eine starke Obstruktion erschwert die Ventilation. |
Obstruktion bedeutet Verengung der Atemwege. COPD ist eine chronische Lungenerkrankung mit anhaltender Atemwegsverengung. Bei fortgeschrittener oder akut verschlechterter COPD kann dadurch die CO₂-Abgabe beeinträchtigt sein. Die drei Bereiche können zusammenwirken. Unter Beatmung werden außerdem Gerät, Einstellungen und Verbindung zum Patienten überprüft.

Abbildung: Antrieb, Pumpe sowie Atemwege und Lunge als drei Orte, an denen die CO₂-Abgabe scheitern kann.
Quelle: eigene Darstellung.
Ein gedämpfter Antrieb als Beispiel
Nach einem atemdämpfenden Medikament atmet ein Patient langsam und flach. pCO₂ steigt und pH fällt.

Abbildung: Der Medikamentenverlauf führt von verringerter Ventilation zur sofortigen Unterstützung.
Quelle: eigene Darstellung.
Gedankenweg: Das Gehirn treibt die Atmung weniger an. Dadurch erreicht und verlässt weniger frische Luft die Alveolen. Produziertes CO₂ bleibt zurück und wirkt ansäuernd. Die Zahlen passen zu einer respiratorischen Azidose. Zuerst werden Atemweg und wirksame Ventilation gesichert und die Medikamentenwirkung fachkundig behandelt; man wartet nicht auf renale Gegenregulation. Bei Opioiden kann der Antagonist Naloxon titriert gegeben werden; da er oft kürzer wirkt als das Opioid, bleibt die Überwachung nötig.
Der Medikamentenverlauf verbindet Beobachtung und unmittelbare Konsequenz.
| Beobachtung | Zusammenhang | Konsequenz |
|---|---|---|
| Langsame, flache Atmung | Gedämpfter Atemantrieb | Atemweg und wirksame Ventilation sichern |
| pCO₂ steigt, pH fällt | CO₂ bleibt zurück | Medikamentenwirkung fachkundig behandeln |
Multiple Choice
Frequenz ist nicht Ventilation
Ein Patient atmet zunehmend schnell, aber sehr flach. pCO₂ steigt. Welche Erklärung passt?
Die Tabelle stellt die gleichzeitig beobachteten Veränderungen zusammen.
| Angabe | Verlauf |
|---|---|
| Atemfrequenz | zunehmend schnell |
| Atemtiefe | sehr flach |
| pCO₂ | steigt |
- a)Viele Atemzüge garantieren ausreichende CO₂-Abgabe; der Wert muss ein Messfehler sein.
- b)Die frische Luftmenge in den wirksamen Alveolen kann trotz hoher Frequenz unzureichend sein.
Das Alter der Störung prüfen
Bei plötzlich steigendem CO₂ ist die renale Anpassung noch nicht vollständig entwickelt. Bei länger bestehender Hyperkapnie kann HCO₃⁻ höher sein. Die renale Anpassung braucht etwa 3–5 Tage.
Frühere Blutgase und die Vorgeschichte helfen, akut und chronisch zu unterscheiden. Ein hoher HCO₃⁻-Wert beweist allein keine chronische Hyperkapnie, denn eine metabolische Alkalose wäre eine andere Erklärung. Du verbindest deshalb die gelernten Kompensationsnäherungen mit Zeitverlauf und klinischen Hinweisen.
Mit den bereits gelernten Kompensationsnäherungen (Ausgangswert HCO₃⁻ 24 mmol/l):

Abbildung: Erwartetes Bikarbonat und pH bei pCO₂ 60 mmHg, akut und chronisch.
Quelle: eigene Darstellung.
| Merkmal | Akute Hyperkapnie | Chronische Hyperkapnie |
|---|---|---|
| HCO₃⁻-Anstieg je 10 mmHg pCO₂-Anstieg | etwa 1 mmol/l | etwa 3,5–4 mmol/l, gerundet 4 |
| Beispiel pCO₂ 60 mmHg | HCO₃⁻ etwa 26 mmol/l | HCO₃⁻ etwa 32 mmol/l |
| Was zusätzlich hilft | Beginn und klinischer Verlauf | frühere Blutgase und Vorgeschichte |
Freie Antwort
Ein anderer Teil der Atmung
Ein wacher Patient mit zunehmender Atemmuskelschwäche kann nur noch kleine Atemzüge machen. pCO₂ steigt. Erkläre, welcher Teil der Atmung gefährdet ist und was jetzt beurteilt werden muss.
Die Tabelle bündelt die Befunde für deine Begründung.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Bewusstsein | wach |
| Atemmuskulatur | zunehmende Schwäche |
| Atemzüge | nur noch klein |
| pCO₂ | steigt |
Akut auf chronisch erkennen
Lernziel: Du kannst eine akute Verschlechterung chronischer Hyperkapnie erkennen.
Ein vorheriger Befund hilft
Ein Patient hat seit längerem eine chronische Hyperkapnie. Seine Niere hat Bikarbonat teilweise erhöht, sodass die pH-Abweichung begrenzt ist.
Kommt jetzt eine neue Ventilationsstörung hinzu, kann pCO₂ rasch weiter steigen. Die Niere kann nicht sofort in gleichem Ausmaß nachregulieren. Der pH fällt dann stärker ab. Das nennen wir eine akute Verschlechterung auf chronischem Boden. Ein vermeintlich „chronisch bekannter hoher CO₂-Wert“ ist deshalb keine pauschale Entwarnung.
Ein Verlauf mit konsistenten Werten
Vereinfachter arterieller Lehrverlauf bei bekanntem chronischem Ventilationsproblem:

Abbildung: Der direkte Vergleich macht den akuten Anteil auf chronischem Boden sichtbar.
Quelle: eigene Darstellung.
| Zeitpunkt | Blutgaswerte |
|---|---|
| Vorher stabil | pCO₂ 60 mmHg; HCO₃⁻ 32 mmol/l; pH 7,35 |
| Jetzt somnolent | pCO₂ 80 mmHg; HCO₃⁻ 34 mmol/l; pH 7,25 |
Somnolent bedeutet auffällig schläfrig und nur eingeschränkt wach. CO₂ ist gegenüber dem Vorbefund gestiegen, der pH deutlich gefallen. Der hohe Bikarbonatwert verhindert die neue Verschlechterung nicht. Dieser Patient braucht jetzt eine klinische Atem- und Kreislaufbeurteilung.
Den Verlauf Wert für Wert lesen:
| Wert | Vorher | Jetzt | Änderung | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| pCO₂ | 60 mmHg | 80 mmHg | +20 mmHg | neue Ventilationsverschlechterung |
| HCO₃⁻ | 32 mmol/l | 34 mmol/l | +2 mmol/l | nur kleine akute Zunahme, etwa 1 je 10 mmHg |
| pH | 7,35 | 7,25 | −0,10 | deutliche Azidämie |
| Bewusstsein | stabil | somnolent | neu | klinische Verschlechterung |
Multiple Choice
Was zeigt der Verlauf?
Im Beispiel stieg pCO₂ von 60 auf 80 mmHg, während der Patient schläfriger und der pH niedriger wurde. Welche Aussage passt?
Die Tabelle hält den Vergleich mit dem Vorbefund fest.
| Angabe | Vorher | Jetzt |
|---|---|---|
| pCO₂ | 60 mmHg | 80 mmHg |
| pH | Vergleichswert | niedriger |
| Bewusstseinslage | Vergleichszustand | schläfriger |
- a)Alles ist ausreichend kompensiert, weil HCO₃⁻ hoch ist.
- b)Der neue pH ist unwichtig, wenn COPD bekannt ist.
- c)Eine akute zusätzliche Ventilationsverschlechterung ist wahrscheinlich.
Unterstützung passend zur Situation
Bei klinischer Verschlechterung prüfst du Atemweg, Atemarbeit, Bewusstsein und Schutzreflexe; gleichzeitig behandelst du mögliche Auslöser. Sauerstoff wird bei Bedarf kontrolliert gegeben und überwacht. Sauerstoff ersetzt keine ausreichende Ventilation. Bei Hyperkapnierisiko, etwa bei COPD, gilt unter Sauerstoff ein SpO₂-Zielbereich von 88–92 %, ohne dieses Risiko 92–96 %.

Abbildung: SpO₂-Zielbereiche mit und ohne Hyperkapnierisiko; eine gute Sättigung beantwortet die Ventilationsfrage nicht.
Quelle: eigene Darstellung.
Bei einer COPD-bedingten akuten respiratorischen Azidose kann eine nicht invasive Beatmung, also Atemunterstützung über eine Maske, angezeigt sein. Ob sie geeignet ist oder eine andere Atemwegssicherung nötig wird, hängt unter anderem von Bewusstsein, Atemwegsschutz, Kreislauf und Verlauf ab. Bei unmittelbarer Verschlechterung darf ein Maskenversuch die erforderliche Eskalation nicht verzögern. Bei akuter hyperkapnischer Azidose mit pH unter 7,35 soll ohne Kontraindikationen eine NIV eingesetzt werden. Ein pH-Anstieg in den ersten 4 Stunden spricht für ihren Erfolg; bei NIV-Versagen wird ohne Verzögerung intubiert.

Abbildung: Die Entscheidung für eine Maskenbeatmung folgt pH, Atemwegsschutz und Verlauf.
Quelle: eigene Darstellung.
Diese klinischen Punkte bestimmen die Eignung einer Atemunterstützung über die Maske.
| Prüfbereich | Bedeutung für die Entscheidung |
|---|---|
| Bewusstsein und Schutzreflexe | Eignung der Maske und Atemwegsschutz |
| Kreislauf und Verlauf | Unterstützung dem Zustand anpassen |
| Unmittelbare Verschlechterung | Erforderliche Eskalation nicht durch Maskenversuch verzögern |

Mund-Nasen-Maske, wie sie für eine nicht invasive Beatmung verwendet werden kann.
Quelle: Foto „Full face cpap mask“ von JoJoJo04, Wikimedia Commons, gemeinfrei (PD-self); in WebP umgewandelt.
Freie Antwort
Eine Priorität mit Begründung
Ein chronisch hyperkapnischer Patient wird neu schläfrig und azidämisch. Formuliere die unmittelbare Priorität.
Die Angaben unterscheiden den bekannten Befund von der neuen Veränderung.
| Angabe | Vorgegeben |
|---|---|
| Bekannter Befund | chronische Hyperkapnie |
| Neue Klinik | schläfrig |
| Aktueller Säure-Basen-Zustand | azidämisch |
Warum CO₂ zu stark sinkt
Lernziel: Du kannst eine respiratorische Alkalose erklären und ihre Ursache suchen.
Mehr Ventilation als für CO₂ nötig
Eine primäre respiratorische Alkalose entsteht, wenn im Verhältnis zur CO₂-Produktion zu viel CO₂ abgeatmet wird. pCO₂ sinkt. Das ist zunächst eine Beschreibung des Mechanismus, noch keine Diagnose der Ursache.
Schmerz und Angst können den Atemantrieb erhöhen. Auch ein gefährlicher Sauerstoffmangel kann die Ventilation antreiben. Bei einer Lungenembolie, also einem Gefäßverschluss in der Lunge, kann deshalb eine respiratorische Alkalose auftreten. „pCO₂ niedrig“ bedeutet nicht automatisch „psychisch bedingt“. Eine Hypoxämie wird meist ab einem pO₂ unter 60 mmHg angenommen; eine Lungenembolie kann aber auch ohne Hypoxämie auftreten. Akut können Benommenheit, Parästhesien und in schweren Fällen Karpopedalspasmen entstehen, weil das ionisierte Calcium sinkt; Rückatmung in eine Tüte kann gefährlich sein.

Abbildung: Ursachensuche bei niedrigem pCO₂: gefährliche körperliche Ursachen vor einer Angstdiagnose.
Quelle: eigene Darstellung.

Abbildung: Die Beschwerden eines akuten pCO₂-Abfalls erklären die Symptome, nicht die Ursache.
Quelle: eigene Darstellung.
Auch systemische Erkrankungen wirken auf die Atmung
Bei Sepsis oder fortgeschrittener Lebererkrankung kann der Atemantrieb ebenfalls erhöht sein. Eine Atemfrequenz ab 22/min gehört zu den qSOFA-Warnzeichen einer Sepsis. Leberzirrhose bedeutet einen fortgeschrittenen narbigen Umbau der Leber; dabei können Funktion und Durchblutung gestört sein. Für die BGA ist hier die mögliche länger gesteigerte Ventilation relevant, nicht das gesamte Krankheitsbild. Bleibt pCO₂ länger niedrig, vermindert die Niere die Säureausscheidung beziehungsweise lässt den Bikarbonatbestand sinken. Die bereits gelernte chronische Gegenregulation entsteht. Sie erreicht nach etwa 3–5 Tagen ihr Maximum.
Darum können bei chronischer Lebererkrankung niedriges pCO₂ und niedriges HCO₃⁻ zusammenpassen, ohne dass das HCO₃⁻ allein eine neue metabolische Azidose beweist. Zusätzliche Störungen bleiben möglich und werden über Verlauf, AG und Klinik gesucht.
Mit den bereits gelernten Kompensationsnäherungen (Ausgangswert HCO₃⁻ 24 mmol/l):

Abbildung: Der länger bestehende CO₂-Abfall erklärt eine renale Anpassung mit niedrigerem HCO₃⁻.
Quelle: eigene Darstellung.
| Merkmal | Akute respiratorische Alkalose | Chronische respiratorische Alkalose |
|---|---|---|
| HCO₃⁻-Abfall je 10 mmHg pCO₂-Abfall | etwa 2 mmol/l | etwa 4 mmol/l |
| Beispiel pCO₂ 30 mmHg | HCO₃⁻ etwa 22 mmol/l | HCO₃⁻ etwa 20 mmol/l |
Multiple Choice
Niedriges CO₂ bei Luftnot
Ein Patient hat plötzlich Luftnot und einen niedrigen pCO₂. Welche Schlussfolgerung ist angemessen?
Die Ausgangslage enthält zunächst diese beiden Befunde.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| Luftnot | plötzlich |
| pCO₂ | niedrig |
- a)Oxygenierung braucht bei niedrigem pCO₂ nicht geprüft zu werden.
- b)Eine respiratorische Alkalose ist möglich; gefährliche Ursachen müssen mitgeprüft werden.
- c)Der niedrige pCO₂ beweist eine harmlose Angstreaktion.
Das niedrige Bikarbonat richtig einordnen
Ein chronischer Verlauf mit niedrigem pCO₂ und passend erniedrigtem HCO₃⁻ kann eine renale Gegenregulation zeigen. Ein rascher Wechsel, eine deutlich erhöhte AG oder andere klinische Hinweise können zusätzlich für einen metabolischen Prozess sprechen.
Wir benutzen darum nie nur die Regel „HCO₃⁻ niedrig = metabolische Azidose“. Wir fragen zuerst, welcher Prozess den Verlauf erklärt, und vergleichen anschließend die erwartete Gegenregulation. Das ist dieselbe Denkweise wie bei allen anderen BGA-Konstellationen.

Abbildung: Chronische Anpassung und zusätzliche metabolische Prozesse werden über Erwartungswert und AG getrennt.
Quelle: eigene Darstellung.
Niedriges HCO₃⁻ bei niedrigem pCO₂ einordnen:
| Hinweis | Spricht eher für |
|---|---|
| chronischer Verlauf, HCO₃⁻ passend zur erwarteten Gegenregulation | renale Gegenregulation |
| rascher Wechsel | zusätzlichen metabolischen Prozess |
| deutlich erhöhte AG | zusätzlichen metabolischen Prozess |
| andere klinische Hinweise | weitere Störung gezielt suchen |
Freie Antwort
Vor einer Angstdiagnose
Welche Informationen möchtest du bei vermuteter respiratorischer Alkalose ergänzen, bevor du die Ursache als Angstreaktion einordnest?
Die Tabelle trennt den bisherigen Verdacht von der zu prüfenden Ursache.
| Teil der Frage | Vorgegeben |
|---|---|
| Verdacht | respiratorische Alkalose |
| Zur Einordnung vorgeschlagene Ursache | Angstreaktion |
| Auftrag | ergänzende Informationen benennen |
Zwei Fragen an die Atmung
Lernziel: Du kannst Oxygenierung und Ventilation gemeinsam und getrennt beurteilen.
CO₂ und O₂ sind keine Austauschwerte
Ventilation: Wird ausreichend CO₂ abgegeben? Dafür ist pCO₂ ein wichtiger Befund.
Oxygenierung: Gelangt ausreichend Sauerstoff ins arterielle Blut? Dafür betrachten wir unter anderem pO₂ und Sättigung im Kontext der O₂-Zufuhr. Eine Hypoxämie wird beim Erwachsenen meist bei einem pO₂ unter 60 mmHg beziehungsweise einer SaO₂ unter 90 % angenommen.
Ein Patient kann eine gute Sättigung unter Sauerstoffgabe haben, während CO₂ steigt. Umgekehrt kann bei Lungenkrankheit pO₂ niedrig sein, obwohl pCO₂ durch vermehrte Atmung niedrig ist. Deshalb wird die eine Frage nicht durch die andere beantwortet.

Abbildung: Oxygenierung und Ventilation mit ihren Grenzwerten und der Frage, ob Sauerstoff hilft.
Quelle: eigene Darstellung.
Zwei getrennte Fragen an die Atmung:
| Merkmal | Ventilation | Oxygenierung |
|---|---|---|
| Frage | Wird ausreichend CO₂ abgegeben? | Gelangt ausreichend O₂ ins arterielle Blut? |
| Wichtige Werte | pCO₂, dazu pH und HCO₃⁻ | pO₂ und Sättigung im Kontext der O₂-Zufuhr |
| Beantwortet SpO₂ die Frage? | nein | als geschätzte Sättigung |
| Bessert O₂-Gabe den Wert? | nein, nicht die CO₂-Abgabe | häufig ja |
Ein äußerlich beruhigender Wert
Ein Patient wird unter Sauerstoffgabe zunehmend schläfrig. Das Pulsoximeter zeigt 97 Prozent.
Diese Sättigung sagt nicht, ob genug CO₂ abgeatmet wird. Sie schließt eine Hyperkapnie oder respiratorische Azidose nicht aus. Du beurteilst den Patienten und prüfst bei passender Indikation Blutgase. Auch O₂-Gerät, Fluss beziehungsweise FiO₂ und Zeitpunkt der letzten Änderung werden dokumentiert. Ein normal wirkender Einzelwert darf eine klinische Verschlechterung nicht verdecken. Unter Sauerstoff gilt meist ein SpO₂-Zielbereich von 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko von 88–92 %; 97 % liegen in beiden Fällen darüber. Pulsoximetrische Werte weichen zudem meist um etwa 2–3, im Einzelfall um bis zu etwa 4 Prozentpunkte von der arteriellen Sättigung ab.

Abbildung: Die Sättigung beantwortet die Ventilationsfrage nicht.
Quelle: eigene Darstellung.
Die Zielbereiche unter Sauerstoffgabe:
| Situation | Ziel-SpO₂ | O₂ beginnen | O₂ reduzieren |
|---|---|---|---|
| kein Hyperkapnierisiko | 92–96 % | unter 92 % | über 96 % |
| Hyperkapnierisiko, z. B. COPD | 88–92 % | unter 88 % | über 92 % |

Ein normal wirkender SpO₂-Wert sagt nichts über pCO₂ und pH.
Quelle: Foto „My Heartbeat and Peripheral Oxygen Saturation (SpO2)“ von Chic Bee, Wikimedia Commons (über Flickr), CC BY 2.0; zugeschnitten (Markenaufdruck entfernt), in WebP umgewandelt.
Multiple Choice
Eine gute Sättigung erklärt nicht alles
SpO₂ 97 % unter Sauerstoffgabe, aber neue Schläfrigkeit: Welche Schlussfolgerung ist angemessen?
Die Tabelle verbindet Messwert, Messbedingung und klinische Beobachtung.
| Angabe | Im Fall |
|---|---|
| SpO₂ | 97 % |
| Messbedingung | unter Sauerstoffgabe |
| Bewusstseinslage | neu schläfrig |
- a)Die Sättigung schließt relevante Hypoventilation aus.
- b)Ein CO₂-Anstieg bleibt möglich und muss bei der klinischen Beurteilung mitgeprüft werden.
Ein niedriger pO₂ bei niedrigem pCO₂
Ein anderer Patient hat akute Lungenerkrankung, niedriges arterielles pO₂ und niedriges pCO₂. Er kann Sauerstoff schlecht aufnehmen und gleichzeitig verstärkt CO₂ abatmen.
Das ist kein Widerspruch. Für den Befund formulierst du beide Aspekte getrennt: Oxygenierungsstörung und mögliche respiratorische Alkalose. Du ergänzst pH, HCO₃⁻, O₂-Zufuhr und Klinik. Die Ursache und nötige Atemunterstützung ergeben sich aus dem Gesamtbild.

Abbildung: Niedriges pO₂ und niedriges pCO₂ können gleichzeitig vorliegen.
Quelle: eigene Darstellung.
Die beiden Beispielpatienten dieser Einheit:
| Merkmal | Unter O₂, SpO₂ 97 %, neu schläfrig | Akute Lungenerkrankung, pO₂ und pCO₂ niedrig |
|---|---|---|
| Oxygenierung | Sättigung unter O₂ gut | Oxygenierungsstörung |
| Ventilation | CO₂-Anstieg möglich, nicht ausgeschlossen | mögliche respiratorische Alkalose |
| Nächster Schritt | Patient beurteilen, bei passender Indikation Blutgase | pH, HCO₃⁻, O₂-Zufuhr und Klinik ergänzen |
Freie Antwort
Eine BGA vollständig ankündigen
Du stellst bei einem Patienten mit Atemproblemen einen BGA-Befund vor. Welche zwei Fragen zur Atmung müssen erkennbar beantwortet werden?
Die freien Felder geben deiner Vorstellung eine zweiteilige Struktur.
| Teil der Antwort | Deine Frage zur Atmung |
|---|---|
| Erste Frage | … |
| Zweite Frage | … |
