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Alkalose und Atemstörungen

Lernziel: Du kannst Alkalosen und Atemstörungen erklären und Maßnahmen begründen.

Wie eine Alkalose beginnt

Lernziel: Du kannst Säureverlust und Basenzufuhr als Alkaloseursachen erklären.

Du erklärst zunächst, wie eine metabolische Alkalose entsteht und warum sie bestehen bleibt. Danach verbindest du Ursache, Nierenantwort und Volumenlage mit der Behandlung und beurteilst respiratorische Störungen im Verlauf.

Das Ausgangsproblem

Bei einer metabolischen Alkalose wirkt ein nicht primär respiratorischer Prozess in Richtung höheren pH. Häufig ist Bikarbonat erhöht. Zwei einfache Ausgangspunkte sind: Der Körper verliert Säure, oder er erhält mehr Base, als er ausreichend ausscheiden kann.

Ein erhöhter HCO₃⁻-Wert allein reicht trotzdem nicht zur Diagnose: Er kann auch die Gegenregulation einer chronischen respiratorischen Azidose anzeigen. Deshalb gehören pH, pCO₂, Verlauf und Ursache zusammen. Diese Unterscheidung kennst du bereits aus der Kompensationsprüfung.

Von oben nach unten: HCO₃⁻ über 26 mmol/l (Referenz 22–26 mmol/l: Wer hat angefangen?). 1 pH und pCO₂ dazunehmen: pH-Referenz 7,35–7,45; pCO₂-Referenz 35–45 mmHg; Vorbefunde und Verlauf suchen. Wenn pH über 7,45: Primär metabolische Alkalose: Säureverlust: Erbrechen, Magensonde; Basenzufuhr bei begrenzter Ausscheidung; pCO₂ ≈ 40 + 0,7 × (HCO₃⁻ − 24); Bsp. HCO₃⁻ 34 → pCO₂ ≈ 47 mmHg (pCO₂ folgt). Wenn pH unter 7,40, pCO₂ hoch: Chronische respiratorische Azidose: pCO₂ primär über 45 mmHg; Niere hebt HCO₃⁻ an; +3,5–4 mmol/l je +10 mmHg pCO₂; Bsp. HCO₃⁻ 34 ↔ pCO₂ ≈ 65 mmHg (HCO₃⁻ folgt). 2 Vorgeschichte entscheidet mit: Erbrechen, Magensonde, Basenzufuhr?; bekannte Ventilationsstörung, frühere BGA mit hohem pCO₂?. Ergebnis: Metabolisch – Auslöser und Erhaltung suchen | Gegenregulation – Ventilation beurteilen | Passt beides nicht – gemischte Störung prüfen.

Abbildung: Erhöhtes HCO₃⁻ wird über pH, pCO₂ und Vorgeschichte einem Prozess zugeordnet; die Beispielwerte folgen aus den Kompensationsnäherungen.

Quelle: eigene Darstellung.

So unterscheidest du die beiden Lesarten eines erhöhten HCO₃⁻:

MerkmalPrimär metabolische AlkaloseGegenregulation bei chronischer respiratorischer Azidose
Was beginnt?nicht respiratorischer Prozess, z. B. Säureverlust oder BasenzufuhrCO₂-Anstieg durch unzureichende Ventilation
pCO₂nicht der Auslöserprimär erhöht
pH-Richtungeher erhöhteher erniedrigt oder an der unteren Grenze
Typischer HinweisErbrechen, Magensonde, Basenzufuhrbekannte Ventilationsstörung, frühere Blutgase mit hohem pCO₂

Magensäure geht aus dem Körper

Magensäure enthält H⁺ und Chlorid. Normalerweise wird der Mageninhalt im weiteren Verdauungstrakt verarbeitet. Bei wiederholtem Erbrechen oder Magensondenverlust verlässt Säure dagegen den Körper. In der Belegzelle entstehen H⁺ und HCO₃⁻ gemeinsam: Für jedes H⁺, das in den Magen gelangt, tritt ein HCO₃⁻ ins Blut über.

Der H⁺-Verlust begünstigt einen Anstieg von Bikarbonat beziehungsweise pH. Gleichzeitig gehen Chlorid und Flüssigkeit verloren. Damit können nicht nur ein Auslöser, sondern auch Bedingungen entstehen, die eine Alkalose aufrechterhalten. Zunächst merkst du dir: Säure verlieren kann den Körper alkalischer machen.

Von oben nach unten: Belegzelle im Magen (Salzsäure entsteht). 1 In der Zelle: CO₂ + H₂O → H⁺ + HCO₃⁻; aus einem CO₂ entstehen beide Teilchen. H⁺ in den Magen: mit Cl⁻ als Salzsäure; Mageninhalt wird sehr sauer. HCO₃⁻ ins Blut: 1 H⁺ hinaus = 1 HCO₃⁻ hinein; Blut wird kurz basischer. Wenn Mageninhalt im Darm: Ausgleich: Pankreas gibt HCO₃⁻ in den Darm ab; Säure wird neutralisiert; Bilanz bleibt ausgeglichen. Wenn Erbrechen, Magensonde: Kein Ausgleich: H⁺ und Cl⁻ verlassen den Körper; HCO₃⁻ bleibt im Blut; Wasser geht mit verloren. Ergebnis: HCO₃⁻ über 26 mmol/l – pH steigt | Cl⁻- und Volumenmangel – erhalten die Alkalose.

Abbildung: Jedes H⁺ im Magen hinterlässt ein HCO₃⁻ im Blut; fehlt der Ausgleich im Darm, bleibt die Base zurück.

Quelle: eigene Darstellung.

Was beim Verlust von Magensäure verloren geht und welche Rolle es spielt:

VerlustFolgeRolle
H⁺HCO₃⁻ und pH steigenAuslöser
ChloridBikarbonatausscheidung wird erschwertAufrechterhaltung
FlüssigkeitNiere hält Salz, Wasser und Bikarbonat zurückAufrechterhaltung

Ein Auslöser wird sichtbar

Über eine Magensonde verliert eine Patientin anhaltend sauren Mageninhalt. In der BGA steigen HCO₃⁻ und pH.

Von oben nach unten: Anhaltender Magensondenverlust (saurer Mageninhalt fließt ab). 1 Richtung bestimmen: HCO₃⁻ steigt über 26 mmol/l; pH steigt über 7,45. 2 Auslöser zuordnen: H⁺ verlässt den Körper mit dem Sekret; je H⁺ im Magen ein HCO₃⁻ im Blut; Atmung ist nicht der Auslöser. 3  Was zusätzlich verloren geht. Chlorid: Partner für die HCO₃⁻-Abgabe fehlt; Urin-Cl⁻ später unter 20 mmol/l. Wasser und Salz: Niere hält Na⁺ und HCO₃⁻ fest; weniger Filtrat. Kalium: Hypokaliämie unter 3,5 mmol/l; stützt die Erhaltung. Ergebnis: Auslöser – H⁺-Verlust | Erhaltung – Cl⁻, Volumen, K⁺.

Abbildung: Im Magensondenbeispiel ist der H⁺-Verlust der Auslöser; Chlorid-, Wasser- und Kaliumverluste bereiten die Erhaltung vor.

Quelle: eigene Darstellung.

Gedankenweg: Mit dem Mageninhalt verlässt H⁺ den Körper. Dieser Säureverlust wirkt alkalisch und passt zur metabolischen Alkalose. Gleichzeitig verlorenes Chlorid und Wasser können erklären helfen, warum die Störung anhält. Die Atmung ist hier nicht der ursprüngliche Auslöser.

Multiple Choice

Welche Richtung erwartest du?

Ein Patient verliert wiederholt sauren Mageninhalt. Welcher primäre Säure-Basen-Prozess wird dadurch begünstigt?

Die Tabelle bündelt die Angaben zur Ausgangssituation.

AngabeIm Fall
Verlustsaurer Mageninhalt
Verlaufwiederholt
  1. a)Primäre respiratorische Azidose.
  2. b)Metabolische Alkalose.
  3. c)Metabolische Azidose durch Verlust von Magensäure.
Lösung in der App →

Wenn Base von außen kommt

Bikarbonat oder andere in Bikarbonat überführbare Stoffe können den Basenanteil erhöhen. Eine gesunde Niere kann überschüssiges Bikarbonat meist gut ausscheiden. Problematisch wird eine Belastung besonders dann, wenn die Ausscheidung begrenzt ist, etwa bei verminderter Nierenfunktion.

Deshalb bedeutet „Base zugeführt“ nicht automatisch „anhaltende Alkalose“. Wir müssen zusätzlich verstehen, warum die Niere den Überschuss nicht ausreichend beseitigt. Genau darum geht es in der nächsten Einheit.

Von oben nach unten: Zwei Wege zu HCO₃⁻ über 26 mmol/l. Säure geht verloren: Erbrechen, Magensonde; H⁺, Cl⁻ und Wasser gehen verloren (Säureverlust). Base kommt hinzu: Natriumbikarbonat i. v. oder oral; Stoffe, die zu HCO₃⁻ werden (Basenzufuhr). 1 Kann die Niere den Überschuss ausscheiden?: gesunde Niere scheidet HCO₃⁻ meist rasch aus; prüfen: Nierenfunktion, Volumen, Cl⁻, K⁺. Wenn ja: Ausscheidung ausreichend: Überschuss wird entfernt; Alkalose meist vorübergehend. Wenn nein: Ausscheidung begrenzt: eingeschränkte Nierenfunktion; Volumen-, Cl⁻- oder K⁺-Mangel. Ergebnis: Vorübergehend – Zufuhr endet, Niere entfernt den Rest | Anhaltende Alkalose – Erhaltung behandeln.

Abbildung: Säureverlust und Basenzufuhr erhöhen HCO₃⁻; ob die Alkalose bleibt, entscheidet die renale Ausscheidung.

Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Ein anderer Ausgangspunkt

Bei eingeschränkter Nierenfunktion wurde viel Bikarbonat zugeführt. Danach steigen HCO₃⁻ und pH; eine vorausgehende CO₂-Erhöhung ist nicht belegt. Welche Erklärung passt zu diesem Verlauf?

Die Angaben lassen sich nach Ausgangslage und Verlauf ordnen.

AngabeIm Fall
Nierenfunktioneingeschränkt
Zufuhrviel Bikarbonat
DanachHCO₃⁻ und pH steigen
Vorausgehende CO₂-Erhöhungnicht belegt
  1. a)Die Basenbelastung übersteigt die renal mögliche Ausscheidung.
  2. b)Das erhöhte HCO₃⁻ ist eine bereits belegte renale Kompensation einer chronischen respiratorischen Azidose.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Auslöser benennen

Nenne zwei grundsätzlich verschiedene Wege, wie eine metabolische Alkalose entstehen kann.

Die beiden freien Felder helfen dir, deine Antwort zu gliedern.

Teil der AntwortDeine Erklärung
Erster Entstehungsweg…
Zweiter Entstehungsweg…
In der App sprechen üben →

Warum die Alkalose bleibt

Lernziel: Du kannst den Einfluss von Volumen, Chlorid und Kalium erklären.

Auslösen und Aufrechterhalten trennen

Ein Säureverlust kann eine Alkalose auslösen. Damit sie bestehen bleibt, muss häufig zusätzlich die Ausscheidung von Bikarbonat eingeschränkt sein.

Bei Flüssigkeitsverlust versucht die Niere, Salz und Wasser zurückzuhalten. Dabei wird auch die Rückresorption von Bikarbonat begünstigt. Gleichzeitig kann weniger Filtrat entstehen. Der Körper hält also an Stoffen fest, obwohl für den Säure-Basen-Haushalt gerade Bikarbonat ausgeschieden werden müsste. Das ist eine wichtige Aufrechterhaltung der Alkalose.

Von oben nach unten: Flüssigkeitsverlust bei Alkalose (z. B. nach Erbrechen). 1 Weniger Filtrat: Durchblutung und GFR sinken; weniger HCO₃⁻ gelangt in den Tubulus. 2 Rückhaltesignal: Renin, Angiotensin II, Aldosteron steigen; proximal mehr Na⁺- und HCO₃⁻-Rückresorption. 3 Distal: Aldosteron: mehr H⁺- und K⁺-Ausscheidung; Cl⁻ fehlt als Austauschpartner. 4 Gegen den Säure-Basen-Bedarf: Niere sichert zuerst Salz und Wasser; HCO₃⁻ bleibt trotz Überschuss im Blut. Ergebnis: Auslöser – kann bereits vorbei sein | Erhaltung – besteht, solange Volumen fehlt.

Abbildung: Bei Volumenmangel sichert die Niere Salz und Wasser und hält dabei HCO₃⁻ fest.

Quelle: eigene Darstellung.

Auslösen und Aufrechterhalten sind zwei getrennte Fragen:

SchrittLeitfrageBeispiel Erbrechen
AuslösenWodurch steigt HCO₃⁻?Säureverlust mit dem Mageninhalt
AufrechterhaltenWarum scheidet die Niere den Überschuss nicht aus?Volumen-, Chlorid- und Kaliummangel

Chlorid ist Teil der Lösung

In bestimmten Zellen des hinteren Nephrons wird Bikarbonat im Austausch gegen Chlorid in den Urin abgegeben. Fehlt ausreichend Chlorid, kann diese Ausscheidung schlechter funktionieren. Dieser Austauscher heißt Pendrin und sitzt in den Typ-B-Schaltzellen des Sammelrohrs.

Darum ist der Chloridverlust bei Erbrechen nicht nur ein begleitender Laborwert. Er kann mitverantwortlich dafür sein, dass die Alkalose bestehen bleibt. Eine passende Chloridzufuhr kann der Niere helfen, überschüssiges Bikarbonat wieder auszuscheiden. Ob gleichzeitig Flüssigkeit gebraucht und vertragen wird, ist eine eigene klinische Frage.

Von oben nach unten: HCO₃⁻ geht distal nur gegen Cl⁻ hinaus. 1 Typ-B-Schaltzelle im Sammelrohr: Austauscher Pendrin in der Lumenmembran; 1 HCO₃⁻ in den Urin, 1 Cl⁻ zurück ins Blut. Wenn Cl⁻ im Tubulus reichlich: Austausch läuft: überschüssiges HCO₃⁻ gelangt in den Urin; pH normalisiert sich. Wenn Cl⁻ im Tubulus knapp: Austausch stockt: HCO₃⁻ bleibt im Blut; Urin-Cl⁻ unter 20 mmol/l. 2 Kaliummangel verstärkt den Effekt: Pendrin wird zusätzlich gedrosselt; Kalium unter 3,5 mmol/l mitbehandeln. 3 Konsequenz: Chlorid ersetzen: NaCl 0,9 % oder KCl; Flüssigkeit nur nach Bedarf und Verträglichkeit. Ergebnis: Chlorid ist Teil der Lösung – nicht nur ein Begleitwert.

Abbildung: Pendrin gibt HCO₃⁻ nur im Austausch gegen Cl⁻ ab; Chlorid- und Kaliummangel bremsen diesen Weg.

Quelle: eigene Darstellung.

Ein Ende des Auslösers genügt nicht

Die Magensonde ist entfernt und es geht keine weitere Säure verloren. Die Patientin ist aber noch volumenarm, Chlorid bleibt niedrig und die Alkalose besteht fort.

Von oben nach unten: Magensonde entfernt (kein weiterer Säureverlust). 1 Befund bleibt: HCO₃⁻ weiter über 26 mmol/l; Chlorid niedrig, Patientin volumenarm. 2  Warum scheidet die Niere HCO₃⁻ nicht aus?. Volumenmangel: weniger Filtrat; Na⁺ und HCO₃⁻ werden zurückgeholt. Chloridmangel: Pendrin ohne Cl⁻-Partner; Urin-Cl⁻ unter 20 mmol/l. Kaliummangel: K⁺ unter 3,5 mmol/l?; mehr H⁺-Ausscheidung. 3 Nächster Schritt: Volumen und Chlorid nach Bedarf ersetzen; Kalium kontrollieren und korrigieren. Ergebnis: Auslöser beendet – Säureverlust gestoppt | Erhaltung aktiv – Alkalose besteht fort.

Abbildung: Nach Entfernung der Sonde halten Volumen-, Chlorid- und Kaliummangel die Alkalose aufrecht.

Quelle: eigene Darstellung.

Gedankenweg: Die Nieren halten bei Volumenmangel weiterhin Salz und Bikarbonat zurück. Chloridmangel erschwert zusätzlich die Bikarbonatabgabe. Der ursprüngliche Auslöser ist beendet, seine Erhaltungsbedingungen jedoch nicht. Deshalb beurteilen wir beide Schritte getrennt und kontrollieren auch Kalium.

Der Fall mit der Magensonde im Vergleich:

MerkmalMagensonde läuftMagensonde entfernt
Säureverlustjanein
Volumenvermindertweiter vermindert
Chloridniedrigweiter niedrig
Alkaloseentstehtbesteht fort

Multiple Choice

Welche Funktion braucht Chlorid?

Warum kann ein Chloridmangel dazu beitragen, dass die Alkalose nach Ende des Erbrechens bestehen bleibt?

Die Ausgangslage der Frage lässt sich in drei Angaben festhalten.

AngabeAktueller Stand
Erbrechenbeendet
ChloridMangel
Alkalosebesteht weiter
  1. a)Chlorid fehlt als Austauschpartner bei der distalen Bikarbonatabgabe in den Urin.
  2. b)Der Mangel sorgt bereits allein für eine ausreichend gesteigerte Bikarbonatausscheidung.
Lösung in der App →

Kalium ist ebenfalls beteiligt

Ein Kaliumdefizit kann die renale Säureausscheidung und Bikarbonatrückgewinnung so verändern, dass eine Alkalose erhalten bleibt. Unter 3,5 mmol/l spricht man von Hypokaliämie; ein Kaliummangel drosselt zusätzlich den Austauscher Pendrin. Kalium ist außerdem für Muskel- und Herzfunktion wichtig.

Deshalb prüfen wir bei Alkalose nicht nur pH und HCO₃⁻. Volumenstatus, Chlorid und Kalium helfen, den Mechanismus und die Behandlung zu verstehen. Die Korrektur eines Mangels erfolgt mit Blick auf Nierenfunktion und überwachte Zufuhr, nicht allein anhand eines einzelnen BGA-Werts.

Von oben nach unten: Kalium bei metabolischer Alkalose. 1 Kalium messen: unter 3,5 mmol/l: Hypokaliämie; Verlauf unter Therapie kontrollieren. Niere: mehr H⁺-Ausscheidung; mehr HCO₃⁻-Rückgewinnung; Pendrin gedrosselt (Alkalose bleibt). Herz und Muskel: Rhythmusstörungen möglich; Muskelschwäche (Gefahr). 2 Zusammen beurteilen: Volumenstatus und Chlorid; Nierenfunktion und Urinmenge. 3 Überwacht korrigieren: als Kaliumchlorid: bringt auch Cl⁻; K⁺ und BGA im Verlauf kontrollieren. Ergebnis: pH und HCO₃⁻ allein reichen nicht – Volumen, Cl⁻ und K⁺ gehören dazu.

Abbildung: Der Kaliumbefund verbindet den Erhaltungsmechanismus mit der überwachten Korrektur.

Quelle: eigene Darstellung.

Die drei Erhaltungsfaktoren im Überblick:

FaktorWas in der Niere passiertFolge
VolumenmangelSalz und Wasser werden zurückgehalten, Bikarbonatrückresorption begünstigt, weniger Filtratweniger HCO₃⁻-Ausscheidung
ChloridmangelAustauschpartner für die distale Bikarbonatabgabe fehltHCO₃⁻ bleibt eher im Blut
KaliumdefizitSäureausscheidung und Bikarbonatrückgewinnung verändertAlkalose wird erhalten

Freie Antwort

Warum dauert es weiter an?

Das Erbrechen hat aufgehört, die metabolische Alkalose besteht aber noch. Erkläre zwei mögliche Gründe.

Die Tabelle hält die vorgegebenen Verlaufsangaben fest.

AngabeAktueller Stand
Erbrechenhat aufgehört
Metabolische Alkalosebesteht noch
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Erbrechen und Diuretika

Lernziel: Du kannst Alkalosen durch Erbrechen und Diuretika vergleichen.

Ähnliches Ergebnis, anderer Verlustort

Bei Erbrechen verliert der Körper sauren Mageninhalt. Bei Schleifen- oder Thiaziddiuretika wird die Salz- und Wasserausscheidung über die Niere erhöht. Dadurch können Volumen-, Chlorid- und Kaliumverluste entstehen. Schleifendiuretika hemmen dazu den Na⁺-K⁺-2Cl⁻-Kotransporter (NKCC2) der Henle-Schleife, Thiazide den Na⁺-Cl⁻-Kotransporter (NCC) im distalen Tubulus.

Zusätzlich gelangt mehr Natrium in hintere Nephronabschnitte. Seine dortige Rückgewinnung kann die Ausscheidung von Kalium und H⁺ begünstigen. Das Natrium wird dort über den epithelialen Natriumkanal (ENaC) aufgenommen; Aldosteron verstärkt diesen Austausch. Auch so kann eine metabolische Alkalose entstehen. Das Ergebnis kann ähnlich aussehen, obwohl der Weg zum Verlust unterschiedlich ist.

Von oben nach unten: Diuretikum als Auslöser. Schleifendiuretikum: z. B. Furosemid, Torasemid; hemmt NKCC2 in der Henle-Schleife. Thiazid: z. B. Hydrochlorothiazid; hemmt NCC im distalen Tubulus. 1 Mehr Salz und Wasser im Urin: Volumen sinkt: Renin und Aldosteron steigen; mehr Na⁺ erreicht das Sammelrohr. 2 Sammelrohr: Na⁺-Aufnahme über ENaC; dafür K⁺ und H⁺ in den Urin. Hypokaliämie: K⁺ unter 3,5 mmol/l; verstärkt die Alkalose. Metabolische Alkalose: HCO₃⁻ über 26 mmol/l; Cl⁻- und Volumenmangel erhalten sie. Ergebnis: Urin-Cl⁻ – während der Wirkung hoch, danach niedrig | Wie bei Erbrechen – anderer Verlustort: Niere.

Abbildung: Wirkort des Diuretikums, Natriumangebot im Sammelrohr und die Folgen für Kalium und Bikarbonat.

Quelle: eigene Darstellung.

Erbrechen und Diuretika im direkten Vergleich:

MerkmalErbrechenSchleifen- oder Thiaziddiuretika
VerlustortMagenNiere
Was geht verloren?H⁺, Chlorid, FlüssigkeitSalz und Wasser; dadurch Volumen, Chlorid, Kalium
Zusätzlicher Mechanismus–mehr Natrium im hinteren Nephron begünstigt K⁺- und H⁺-Ausscheidung
Urin-Chlorideher niedrig durch renale Rückhaltungwährend der Wirkung hoch, danach kann es niedrig sein

Die Anamnese macht die Rechnung klinisch

Bei erhöhtem HCO₃⁻ und passender BGA fragst du deshalb konkret: Gibt es Erbrechen, eine Magensonde oder veränderte Diuretikadosen? Wurde zuletzt viel Flüssigkeit verloren? Welche Nierenfunktion und welche Kaliumwerte liegen vor?

Die Medikamentenliste ist dabei Teil der Diagnostik. Ein Patient kann auch zwei Ursachen gleichzeitig haben. Wir behandeln daher nicht automatisch „die eine Alkalose“, sondern prüfen, welche Auslöser und Erhaltungsmechanismen tatsächlich vorliegen.

Ablaufschema am Beispiel wiederholtes Erbrechen mit Verlust von H⁺, Chlorid, Flüssigkeit und Kalium. 1 Auslöser: Säureverlust mit dem Mageninhalt, HCO₃⁻ und pH steigen. 2 Aufrechterhaltung: Volumenmangel – die Niere hält Salz und Wasser zurück und gewinnt HCO₃⁻ eher zurück; Chloridmangel – HCO₃⁻ wird distal nur gegen Cl⁻ abgegeben, der Partner fehlt; beide erschweren die HCO₃⁻-Ausscheidung. Kaliummangel verändert Säureausscheidung und HCO₃⁻-Rückgewinnung und stützt die Erhaltung. Ergebnis: Die Alkalose bleibt, solange Erhaltungsfaktoren bestehen; die Anamnese klärt Auslöser und Erhaltung.

Auslöser und Aufrechterhaltung der Alkalose am Beispiel Erbrechen.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, medeKI, 18.10.2026.

So liest du das Bild: Ordne jeden Kasten einer Frage zu: Wie beginnt die Störung? Warum kann die Niere überschüssiges Bikarbonat nicht ausreichend entfernen? Wie trägt Kaliummangel zum Fortbestehen bei? Der Ablauf ist ein Funktionsschema, keine zwingende zeitliche Reihenfolge bei jedem Patienten.

Gezielte Anamnesefragen und was sie klären:

FrageWas sie klärt
Erbrechen oder Verluste über eine Magensonde?gastrointestinaler Säure- und Chloridverlust
Welches Diuretikum, welche Dosis, zuletzt wann?renale Verluste; der Zeitpunkt beeinflusst Urin-Chlorid
Gewicht, Flüssigkeitszufuhr, Urinmenge?Ausmaß des Volumenverlusts
Nierenfunktion und Kalium?Erhaltungsmechanismen und Behandlungsspielraum

Eine Diuretikawirkung nachvollziehen

Nach mehreren Tagen Schleifendiuretikum hat ein Patient stark an Gewicht verloren. Chlorid und Kalium sind gefallen; die BGA passt zur metabolischen Alkalose. Er hat nicht erbrochen.

Von oben nach unten: Mehrere Tage Schleifendiuretikum (kein Erbrechen). 1 Befund: deutlicher Gewichtsverlust; Cl⁻ und K⁺ gefallen; BGA: HCO₃⁻ über 26 mmol/l, pH über 7,45. 2 Renaler Verlustweg: NaCl und Wasser über die Niere verloren; mehr Na⁺ im Sammelrohr: K⁺ und H⁺ hinaus. 3 Erhaltung: Volumenmangel aktiviert Aldosteron; Cl⁻- und K⁺-Mangel bremsen die HCO₃⁻-Abgabe. Wenn Diuretikum weiter nötig: Dosis anpassen: Defizite kontrolliert ersetzen; ggf. kaliumsparend ergänzen. Wenn Diuretikum verzichtbar: Pausieren oder senken: Volumen, Cl⁻ und K⁺ ausgleichen; Verlauf kontrollieren. Ergebnis: Medikament = plausibler Auslöser – Bedarf neu beurteilen.

Abbildung: Vom Schleifendiuretikum über den renalen Verlustweg zur Neubewertung des Diuretikabedarfs.

Quelle: eigene Darstellung.

Gedankenweg: Salz und Wasser gingen über die Niere verloren. Die veränderten Transportvorgänge begünstigen zusätzlich H⁺- und Kaliumverluste. Das Medikament liefert damit einen plausiblen Auslöser; Volumen-, Chlorid- und Kaliummangel können die Störung erhalten. Nötiger Diuretikabedarf und aktuelle Verluste werden gemeinsam neu beurteilt.

Multiple Choice

Ein neuer Verlustweg

Nach Erhöhung eines Schleifendiuretikums fallen Kalium und Chlorid; eine metabolische Alkalose entsteht. Der Patient hat nicht erbrochen. Welcher Mechanismus passt?

Die Tabelle sammelt die Angaben nach der Dosisänderung.

AngabeIm Fall
SchleifendiuretikumDosis erhöht
Kalium und Chloridfallen
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
Erbrechennein

Zwei durchsichtige Glasampullen mit blauem kyrillischem Aufdruck des Wirkstoffs Furosemid, 10 mg/ml, 2 ml.

Abbildung: Ampullen mit Furosemid, einem Schleifendiuretikum. Quelle: BarbariSka88 (Wikimedia Commons), CC0 1.0, verkleinert.

  1. a)Eine metabolische Alkalose ist ohne Magensäureverlust nicht erklärbar.
  2. b)Renale Salzverluste und erhöhte distale H⁺-/Kaliumausscheidung können zusammenwirken.
Lösung in der App →

Ein Urinwert hängt vom Zeitpunkt ab

Bei Chloridmangel kann die Niere Chlorid stark zurückhalten. Ein noch wirksames Diuretikum kann dagegen gerade die Chloridausscheidung erhöhen. Deshalb kann Urin-Chlorid trotz vorausgegangener Verluste hoch sein.

Du brauchst also nicht nur die Zahl, sondern auch den Zeitpunkt der letzten Einnahme beziehungsweise Gabe. Nach Ende der Wirkung kann derselbe Patient einen anderen Urinwert zeigen. Das bereitet die gezielte Urin-Chlorid-Einordnung in der nächsten Diagnostikeinheit vor.

Von oben nach unten: Urin-Chlorid unter Diuretika. 1 Zuerst fragen: letzte Gabe: Präparat, Dosis, Uhrzeit; Uhrzeit der Urinprobe notieren. Wenn Wirkung noch aktiv: Urin-Cl⁻ hoch: z. B. 45 mmol/l, Gabe vor 1 h; Diuretikum treibt Cl⁻ hinaus; Verlust trotzdem möglich. Wenn Wirkung abgeklungen: Urin-Cl⁻ niedrig: z. B. 12 mmol/l; Niere hält Cl⁻ jetzt zurück; unter 20: chloridempfindlich. 2 Ausscheidung ≠ Vorrat: Urinwert misst die aktuelle Abgabe; nicht den Chloridbestand des Körpers. 3 Mit Klinik verbinden: Gewicht, Volumenstatus, Blutdruck; Kalium und Nierenfunktion. Ergebnis: Wert + Zeitpunkt – gehören zusammen.

Abbildung: Derselbe Patient kann je nach Zeitpunkt der letzten Gabe einen hohen oder einen niedrigen Urin-Chlorid-Wert zeigen.

Quelle: eigene Darstellung.

Multiple Choice

Zwei Verlustwege gleichzeitig

Eine Patientin nimmt ein Thiazid und erbricht seit zwei Tagen. Es bestehen metabolische Alkalose und Hypokaliämie. Welche Verlustwege müssen in die Beurteilung eingehen?

Die Angaben zur Patientin stehen hier nebeneinander.

AngabeIm Fall
MedikationThiazid
Erbrechenseit zwei Tagen
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
KaliumHypokaliämie
  1. a)Nur der gastrointestinale Verlust: Die Diuretikawirkung betrifft Wasser, aber keine Elektrolyte.
  2. b)Gastrointestinale Säure-/Chloridverluste und diuretikabedingte renale Salz-/Kaliumverluste können gemeinsam beitragen.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Gezielt nachfragen

Nenne drei konkrete Anamnesefragen bei metabolischer Alkalose mit niedrigem Kalium und Chlorid.

Diese Befunde bilden den Ausgangspunkt für deine Anamnesefragen.

AngabeVorgegeben
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
Kaliumniedrig
Chloridniedrig
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Wenn Aldosteron zu stark wirkt

Lernziel: Du kannst Kaliumverlust und Alkalose bei Mineralokortikoidwirkung erklären.

Eine stärkere Rückhalteanweisung

Du kennst Aldosteron bereits aus der RTA Typ 4. Dort fehlte ausreichende Wirkung. Jetzt betrachten wir die Gegenrichtung: Zu starke Mineralokortikoidwirkung fördert im hinteren Nephron die Natriumrückgewinnung und kann die Ausscheidung von Kalium und H⁺ verstärken.

Dadurch können Hypokaliämie und metabolische Alkalose entstehen. Blutdruck und Volumenlage können sich von einem Patienten unterscheiden, der durch Erbrechen deutlich ausgetrocknet ist. Das hilft, die Ursachen einzugrenzen.

Von oben nach unten: Mineralokortikoidwirkung im Sammelrohr. Zu wenig Wirkung: z. B. RTA Typ 4; Na⁺-Rückgewinnung vermindert. Zu viel Wirkung: z. B. Aldosteronüberschuss, Lakritz; Na⁺-Rückgewinnung verstärkt. K⁺- und H⁺-Ausscheidung ↓: K⁺ steigt: Hyperkaliämie; HCO₃⁻ sinkt. K⁺- und H⁺-Ausscheidung ↑: K⁺ fällt unter 3,5 mmol/l; HCO₃⁻ steigt. Typischer Hinweis: Kalium hoch ohne Erklärung; Azidose mit normaler AG. Typischer Hinweis: Blutdruck häufig erhöht; keine Verlustanamnese. Ergebnis: Hyperkaliämie + metabolische Azidose | Hypokaliämie + metabolische Alkalose.

Abbildung: Verminderte und vermehrte Mineralokortikoidwirkung verschieben Kalium und Säure-Basen-Haushalt in entgegengesetzte Richtungen.

Quelle: eigene Darstellung.

Nicht jeden Patienten mit Kochsalz behandeln

Ein Patient hat hohen Blutdruck, niedriges Kalium und eine metabolische Alkalose. Es gibt weder klare Erbrechensverluste noch eine passende Diuretikaerklärung.

Hier wird unter anderem nach vermehrter Mineralokortikoidwirkung gesucht. Dazu gehören Medikamenten- und Stoffanamnese; auch Lakritz kann eine solche Wirkung begünstigen. Hormonuntersuchungen können folgen. Als Suchtest dienen Aldosteron und Renin beziehungsweise ihr Quotient: Beim primären Hyperaldosteronismus ist Aldosteron erhöht und Renin unterdrückt, bei Lakritz sind beide niedrig. Es wäre unpassend, allein wegen der Alkalose automatisch viel Kochsalz zu geben: Die Ursache und der Volumenstatus müssen zuerst zur Maßnahme passen.

Von oben nach unten: Blutdruck ↑ + K⁺ unter 3,5 + Alkalose (keine Verlustanamnese). 1 Verluste ausschließen: kein Erbrechen, keine Magensonde; keine passende Diuretikagabe. 2 Medikamente und Stoffe: Lakritz, Kautabak (Glycyrrhizin); Fludrocortison, andere Mineralokortikoide. 3 Hormonsuche: Aldosteron und Renin bestimmen; Aldosteron-Renin-Quotient als Suchtest. Wenn Aldo ↑, Renin ↓: Primärer Hyperaldosteronismus: Adenom oder Hyperplasie. Wenn beide ↑: Sekundärer Hyperaldosteronismus: Renin treibt Aldosteron. Wenn beide ↓: Andere Mineralokortikoidwirkung: Lakritz, Liddle, Cushing. Ergebnis: Ursache behandeln – nicht automatisch Kochsalz | Konstellation lenkt – beweist noch nichts.

Abbildung: Ohne Verlustanamnese führt der Suchweg über Medikamente und Stoffe zur Renin-Aldosteron-Konstellation.

Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: Metabolische Alkalose + niedriges Kalium. 1 Volumen und Blutdruck prüfen: Gewicht, Haut, Schleimhäute, Halsvenen; Blutdruck und Urinmenge; Urin-Cl⁻ ohne aktive Diuretikawirkung. Wenn volumenarm, Urin-Cl⁻ < 20: Chloridempfindlich: z. B. Erbrechen, Magensonde; NaCl 0,9 % nach Bedarf; KCl bei Hypokaliämie. Wenn Blutdruck ↑, Urin-Cl⁻ > 20: Chloridresistent: z. B. Mineralokortikoidwirkung; Kochsalz bessert kaum; Ursache suchen, K⁺ ersetzen. 2 Unter Therapie kontrollieren: Kreislauf und Urinmenge; Kalium und BGA. Ergebnis: Maßnahme folgt Ursache und Volumenstatus.

Abbildung: Volumenstatus und Urin-Chlorid entscheiden, ob Kochsalz zur Ursache passt.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei Alkaloseursachen, die unterschiedlich behandelt werden:

MerkmalAlkalose nach ErbrechenVermehrte Mineralokortikoidwirkung
VerlustanamneseErbrechen, Magensondefehlt
Blutdruck und Volumenoft deutlich ausgetrocknetandere Volumenlage, Blutdruck häufig erhöht
Kaliumkann niedrig seinniedrig
Nächster SchrittVerluste stoppen, Chlorid und Volumen nach BedarfMedikamente, Stoffaufnahme und Hormonwirkung prüfen
Kochsalzkann bei Volumen- und Chloridmangel passennicht automatisch

Multiple Choice

Zwei Hormonrichtungen

Welche Konstellation passt eher zu vermehrter statt verminderter Mineralokortikoidwirkung?

  1. a)Hyperkaliämie mit metabolischer Azidose.
  2. b)Hypokaliämie mit metabolischer Alkalose und erhöhtem Blutdruck.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Einen neuen Befund einordnen

Ein Patient ohne Erbrechen und ohne Diuretika hat neu erhöhten Blutdruck, niedriges Kalium und metabolische Alkalose. Welcher nächste diagnostische Gedanke passt?

Die Tabelle bündelt die Befunde und die verneinten Auslöser.

AngabeIm Fall
Blutdruckneu erhöht
Kaliumniedrig
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
Erbrechen / Diuretikabeides verneint

Eine Person legt sich eine Oberarmmanschette an; davor steht ein automatisches Blutdruckmessgerät mit leerem Display und Start-Taste.

Abbildung: Blutdruckmessung mit Oberarmmanschette und automatischem Messgerät. Quelle: Beendy234 (Wikimedia Commons), CC0 1.0, zugeschnitten, verkleinert.

  1. a)Die Konstellation ist typisch für verminderte Aldosteronwirkung mit Typ-4-RTA.
  2. b)Medikamente, Stoffaufnahme und mögliche vermehrte Mineralokortikoidwirkung gezielt prüfen.
  3. c)Allein aus der Alkalose zwingend einen schweren Volumenmangel ableiten.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Die beiden Richtungen erklären

Vergleiche verminderte und vermehrte Aldosteronwirkung bezüglich Kalium und Säure-Basen-Tendenz.

Die freien Felder strukturieren deinen Vergleich.

AldosteronwirkungKaliumSäure-Basen-Tendenz
Vermindert……
Vermehrt……
In der App sprechen üben →

Urin-Chlorid richtig nutzen

Lernziel: Du kannst Urin-Chlorid mit Volumenstatus und Medikamenten einordnen.

Hält die Niere Chlorid zurück?

Bei metabolischer Alkalose kann Urin-Chlorid bei der Ursachensuche helfen. Ein niedriger Wert spricht dafür, dass die Niere Chlorid stark zurückhält. Das passt beispielsweise zu einem Chloridverlust durch Erbrechen.

Als Orientierung verwenden wir hier unter 20 mmol/l für niedriges Urin-Chlorid. Es kann eine chloridempfindliche Alkalose unterstützen. Das bedeutet: Bei passender Situation kann Chloridersatz den Erhaltungsmechanismus bessern. Die Zahl allein sagt jedoch nicht, wie viel Flüssigkeit der Patient braucht oder verträgt.

Was Urin-Chlorid aussagt und was nicht:

Urin-Chlorid zeigtUrin-Chlorid zeigt nicht
ob die Niere Chlorid aktuell stark zurückhältwie viel Flüssigkeit der Patient braucht oder verträgt
bei unter 20 mmol/l: Hinweis auf chloridempfindliche Alkaloseden gesamten Chloridbestand des Körpers
eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Probeallein eine bestimmte hormonelle Ursache

Was ein höherer Wert bedeutet

Bei einem höheren Urin-Chloridwert wird Chlorid nicht entsprechend stark zurückgehalten. Mögliche Gründe sind eine noch aktive Diuretikawirkung oder andere renale und hormonelle Mechanismen.

Deshalb schaust du zusätzlich auf Blutdruck, klinischen Volumenstatus, Kalium, Nierenfunktion und Einnahmezeitpunkt. Werte nahe 20 werden nicht wie eine scharfe Schaltergrenze behandelt. Urin-Chlorid strukturiert die Suche; es ersetzt nicht die Suche.

Von oben nach unten: Urin-Chlorid: eine Momentaufnahme. 1 Probe richtig gewinnen: Spontanurin, Uhrzeit notieren; letzte Diuretikagabe dokumentieren. Wenn unter 20 mmol/l: Niere hält Cl⁻ zurück: passt zu Erbrechen, Magensonde; chloridempfindlich. Wenn über 20 mmol/l: Cl⁻ wird ausgeschieden: aktive Diuretikawirkung?; Mineralokortikoidwirkung?. 2 Immer ergänzen: Blutdruck und Volumenstatus; Kalium und Nierenfunktion; Werte nahe 20: keine scharfe Grenze. Sagt der Wert: aktuelle renale Rückhaltung; Ansprechen auf Chlorid wahrscheinlich?. Sagt er nicht: Flüssigkeitsmenge, Verträglichkeit; Gesamtbestand, Hormonursache. Ergebnis: Strukturiert die Suche – ersetzt sie nicht.

Abbildung: Der Urinwert beschreibt die aktuelle Rückhaltung; Flüssigkeitsbedarf, Körperbestand und Hormonursache bleiben eigene Fragen.

Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: Urin-Chlorid in mmol/l (Werte aus dieser Einheit). Waagerechte Skala 0 bis 60 mmol/l: unter 20 grün chloridempfindlich, über 20 gelb chloridresistent oder Diuretikum aktiv, grauer Bereich um 20 ohne scharfe Grenze. Markiert: 8 Erbrechen mit Volumenmangel, 10 Erbrechen ohne Diuretika, 12 nach Ende der Diuretikawirkung, 45 Schleifendiuretikum vor einer Stunde. Unter 20: Niere hält Cl⁻ zurück; Chloridersatz kann Erhaltung lösen. Über 20: Diuretikazeitpunkt prüfen; Mineralokortikoidwirkung suchen. Ergebnis: Wert + Zeitpunkt + Volumenstatus.

Abbildung: Die Beispielwerte dieser Einheit auf einer Skala; um 20 mmol/l gibt es keine scharfe Grenze.

Quelle: eigene Darstellung.

Ein Urinbefund wird begründet

Nach mehreren Tagen Erbrechen ist ein Patient volumenarm. Die BGA zeigt metabolische Alkalose, Urin-Chlorid beträgt 10 mmol/l, aktuell wirken keine Diuretika.

Von oben nach unten: Mehrere Tage Erbrechen (volumenarm, keine Diuretika). 1 BGA und Urin: metabolische Alkalose; Urin-Cl⁻ 10 mmol/l, also unter 20. 2 Mechanismus: H⁺ und Cl⁻ mit Mageninhalt verloren; Niere hält Cl⁻ und Na⁺ zurück. 3 Störfaktor ausgeschlossen: keine aktive Diuretikawirkung; Probe zeitlich zuordenbar. Chloridempfindlich: Chloridersatz kann Erhaltung lösen; Menge am Patienten festlegen. Zusätzlich prüfen: Kalium unter 3,5 mmol/l?; Nierenfunktion, Herz. Ergebnis: 10 mmol/l stützt den Mechanismus – bestimmt keine Flüssigkeitsmenge.

Abbildung: Der niedrige Urinwert wird mit Verlustanamnese und fehlender Diuretikawirkung verbunden.

Quelle: eigene Darstellung.

Gedankenweg: Mit dem Mageninhalt gingen Säure und Chlorid verloren. Die Niere hält jetzt Chlorid zurück; dazu passt der niedrige Urinwert. Das stützt eine chloridempfindliche Alkalose. Ob und wie viel Flüssigkeit und Kalium erforderlich sind, beurteilen wir zusätzlich am Patienten.

Multiple Choice

Ein passender niedriger Wert

Wiederholtes Erbrechen, klinischer Volumenmangel, metabolische Alkalose, Urin-Cl 8 mmol/l. Welche Einordnung passt?

Die Tabelle sammelt die Befunde vor ihrer Einordnung.

AngabeIm Fall
Erbrechenwiederholt
Volumenstatusklinischer Volumenmangel
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
Urin-Chlorid8 mmol/l
  1. a)Chloridverlust mit renaler Chloridrückhaltung ist plausibel.
  2. b)Ein höherer Aldosteroneffekt ist durch diesen Wert allein bewiesen.
  3. c)Urin-Cl 8 schließt Magensäureverluste aus.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Ein anderer Patient

Metabolische Alkalose und Urin-Cl 45 mmol/l. Eine Stunde zuvor wurde ein Schleifendiuretikum gegeben. Was musst du beachten?

  1. a)Der Zeitpunkt der Medikamentengabe ist bedeutungslos.
  2. b)Die aktive Diuretikawirkung kann die Chloridausscheidung erhöhen.
  3. c)Jeder Wert über 20 beweist Mineralokortikoidüberschuss.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Ein Wert, mehrere Informationen

Du bekommst nur die Nachricht: „Metabolische Alkalose, Urin-Chlorid hoch.“ Welche Informationen möchtest du ergänzen?

Die Nachricht enthält bisher nur diese beiden Angaben.

AngabeMitgeteilt
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
Urin-Chloridhoch
In der App sprechen üben →

Alkalose gezielt behandeln

Lernziel: Du kannst die Behandlung einer Alkalose aus ihren Mechanismen ableiten.

Den Mechanismus zurückbauen

Bei Alkalose durch Erbrechen und Volumen-/Chloridverlust sind mehrere Aufgaben verbunden: den weiteren Verlust stoppen, fehlendes Chlorid und bei Bedarf Flüssigkeit ersetzen sowie Kalium korrigieren.

Damit wird nicht nur eine Zahl verändert. Die Niere bekommt bessere Bedingungen, um überschüssiges Bikarbonat auszuscheiden. Nierenfunktion, Kreislauf und die Gefahr einer Überlastung bestimmen, wie die Korrektur erfolgen kann. Die Wirkung wird klinisch und mit Elektrolyt-/BGA-Kontrollen überprüft. Als Orientierung enthält NaCl 0,9 % 154 mmol/l Chlorid; es wird gegeben, bis Urin-Chlorid über 25 mmol/l steigt, soweit Kreislauf und Herz es zulassen. Kalium wird als Kaliumchlorid ersetzt, intravenös routinemäßig mit höchstens 10 mmol/h und peripher in höchstens 40 mmol/l. Bei schwerer Alkalose mit pH über 7,6 ist eine zügigere Korrektur nötig.

Jede Maßnahme hat einen Grund im Mechanismus:

MaßnahmeBegründung
Erbrechen behandelnkein weiterer Säure- und Chloridverlust
Chlorid und bei Bedarf Flüssigkeit ersetzenNiere kann Bikarbonat wieder besser ausscheiden
Kalium kontrolliert korrigierenMangel und zusätzlichen Erhaltungsmechanismus behandeln
Kreislauf, Urinmenge, Elektrolyte und BGA kontrollierenWirkung und Überlastung erkennen

Bei Überlastung ist der Weg anders

Ein anderer Patient hat Ödeme oder Herzinsuffizienz und erhält Diuretika. Auch er kann eine Alkalose entwickeln. Zusätzliche große Flüssigkeitsmengen können in dieser Situation problematisch sein.

Hier werden unter anderem Ursache, Diuretikastrategie, Chlorid- und Kaliumdefizite sowie Nierenfunktion gemeinsam beurteilt. Bei Mineralokortikoidüberschuss wird die hormonelle Ursache beziehungsweise Wirkung behandelt. Gleiche Säure-Basen-Bezeichnung bedeutet nicht gleiche Behandlung für alle. Bei Überlastung kann Acetazolamid, etwa 250–375 mg ein- bis zweimal täglich, die renale Bikarbonatausscheidung steigern; bei Nierenversagen ist es wenig geeignet.

Röntgenaufnahme des Thorax von vorn: vergrößerter Herzschatten, nach oben umverteilte Lungengefäße, feine waagerechte Kerley-B-Linien im linken Unterfeld am Rand der Lunge und etwas Flüssigkeit im rechten Interlobärspalt; Drahtcerclagen am Brustbein nach früherer Herzoperation.

Röntgen-Thorax bei Herzinsuffizienz mit Stauungszeichen: vergrößerter Herzschatten, Gefäßumverteilung nach oben, Kerley-B-Linien und kleiner Pleuraerguss im rechten Interlobärspalt. Bei solcher Stauung können große Kochsalzmengen schaden.

Quelle: Röntgenbild „Chest radiograph of a lung with Kerley B lines“ von Mikael Häggström, Wikimedia Commons, CC0 1.0; in WebP umgewandelt.

Von oben nach unten: Alkalose unter Diuretika (Ödeme oder Herzinsuffizienz). 1 Defizite bestimmen: K⁺, Cl⁻, Kreatinin; Gewicht, Ödeme, Lungenstauung. 2 Was nicht passt: große NaCl-Mengen verstärken die Stauung; Alkalose beweist keinen Volumenmangel. 3  Optionen. Diuretika: Strategie prüfen; ggf. kaliumsparend ergänzen. Acetazolamid: 250–375 mg 1- bis 2-mal täglich; mehr HCO₃⁻ in den Urin (nicht bei Nierenversagen). Kaliumchlorid: ersetzt K⁺ und Cl⁻; ohne große Volumenlast. 4 Kontrolle: Gewicht, Urinmenge, Atmung; K⁺, Kreatinin und BGA. Ergebnis: Defizit behandeln, ohne zu überlasten.

Abbildung: Beim Patienten mit Ödemen werden Defizite ausgeglichen, ohne die Stauung zu verstärken.

Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: Metabolische Alkalose behandeln (Auslöser, Erhaltung und Volumenlage klären). Wenn volumenarm: Nach Erbrechen: Erbrechen behandeln; NaCl 0,9 %: 154 mmol/l Cl⁻; KCl bei K⁺ unter 3,5. Wenn überwässert: Ödeme, Diuretika: keine großen Volumina; Diuretika anpassen; Acetazolamid erwägen. Wenn Blutdruck ↑: Mineralokortikoid: Ursache behandeln; Lakritz absetzen; K⁺ ersetzen. 1 Bei pH über 7,6: schwere Alkalose: zügiger korrigieren; selten Salzsäure über ZVK oder Dialyse. 2 Kontrolle: Kreislauf und Urinmenge; Elektrolyte und BGA erneut. Ergebnis: Gleiche Bezeichnung, andere Behandlung.

Abbildung: Gleiche Säure-Basen-Bezeichnung, unterschiedliche Behandlung je nach Volumenlage und Ursache.

Quelle: eigene Darstellung.

Orientierungswerte für die Korrektur:

GrößeOrientierung
NaCl 0,9 %154 mmol/l Na⁺ und 154 mmol/l Cl⁻
Ende der KochsalzgabeUrin-Chlorid über 25 mmol/l, sofern Kreislauf und Herz es zulassen
Kalium i. v.routinemäßig höchstens 10 mmol/h; peripher höchstens 40 mmol/l
Acetazolamid bei Überlastung250–375 mg ein- bis zweimal täglich; nicht bei Nierenversagen
Schwere AlkalosepH über 7,6: zügigere Korrektur

Einen Plan am Verlust erklären

Bei einer Patientin haben anhaltendes Erbrechen, Volumen- und Chloridverlust eine Alkalose erhalten. Kalium ist niedrig, Hinweise auf Flüssigkeitsüberlastung fehlen.

Von oben nach unten: Erbrechen, Volumen- und Chloridverlust (K⁺ niedrig, keine Überlastung). 1 Verlust stoppen: Ursache des Erbrechens behandeln; Magensondenverluste bilanzieren. 2 Chlorid und Volumen: NaCl 0,9 %: 154 mmol/l Cl⁻; nach Kreislauf und Bedarf dosieren; Orientierung: bis Urin-Cl⁻ über 25 mmol/l. 3 Kalium: als KCl, bis K⁺ über 3,5 mmol/l; i. v. routinemäßig höchstens 10 mmol/h; peripher höchstens 40 mmol/l Lösung. 4 Kontrolle: Kreislauf und Urinmenge; Elektrolyte und BGA erneut. Ergebnis: Wirkung am Verlauf prüfen.

Abbildung: Jeder Verlust erhält eine Korrektur mit Orientierungswerten und eine Kontrolle.

Quelle: eigene Darstellung.

Plan mit Begründung: Erbrechen behandeln, damit kein weiterer Verlust entsteht. Chlorid und bei passendem Bedarf Flüssigkeit ersetzen, damit die Niere Bikarbonat wieder besser ausscheiden kann. Kalium kontrolliert korrigieren, um Mangel und zusätzlichen Erhaltungsmechanismus zu behandeln. Nach den ersten Maßnahmen werden Kreislauf, Urinmenge, Elektrolyte und BGA erneut beurteilt.

Multiple Choice

Welcher Plan ist schlüssig?

Erbrechen, deutlicher Volumenmangel, niedriges Urin-Chlorid und Hypokaliämie erklären die metabolische Alkalose. Welcher Rahmen passt?

  1. a)Verlustursache behandeln; passende Chlorid-/Volumen- und Kaliumkorrektur überwachen.
  2. b)Nur Kalium ersetzen; Volumen und Chlorid erst behandeln, falls sich der pH damit nicht bessert.
Lösung in der App →

Multiple Choice

Eine neue Volumenlage

Ein Patient mit Lungenstauung hat unter Diuretika eine metabolische Alkalose. Warum ist „Alkalose = Kochsalzinfusion“ keine ausreichende Regel?

Die Tabelle hält die Ausgangslage für deine Begründung fest.

AngabeIm Fall
Klinischer BefundLungenstauung
MedikationDiuretika
Säure-Basen-Befundmetabolische Alkalose
  1. a)Weil derselbe Chloridmangel grundsätzlich immer die gleiche große Flüssigkeitsmenge erfordert, auch bei Stauung.
  2. b)Weil die Elektrolytdefizite behandelt werden müssen, dabei aber zusätzliche Flüssigkeit die Lungenstauung verstärken kann.
Lösung in der App →

Freie Antwort

Eine Behandlung begründen

Erkläre, warum du bei einer Alkalose nicht nur „pH senken“ als Therapieziel formulierst.

Die Tabelle hält die Ausgangslage und die zu prüfende Zielformulierung fest.

Teil der AufgabeVorgegeben
AusgangslageAlkalose
Zielformulierung„pH senken“
Auftragbegründen, warum dies allein nicht genügt
In der App sprechen üben →

Warum CO₂ zurückbleibt

Lernziel: Du kannst Ursachen einer respiratorischen Azidose erklären.

Produziertes CO₂ muss hinaus

CO₂ entsteht im Stoffwechsel und wird über das Blut zur Lunge transportiert. Es wird mit der Luft aus den Alveolen entfernt. Reicht die alveoläre Ventilation im Verhältnis zur CO₂-Produktion nicht aus, steigt pCO₂. Das kann eine respiratorische Azidose auslösen.

Es reicht dabei nicht, nur Atemzüge zu zählen. Totraum ist belüfteter Raum, der keinen wirksamen Gasaustausch leistet, etwa die leitenden Atemwege. Flache, schnelle Atemzüge können einen großen Anteil davon belüften, ohne ausreichend frische Luft zu den am Gasaustausch beteiligten Alveolen zu bringen. Die Wirkung beurteilst du deshalb aus Atemarbeit, Bewusstsein, BGA und klinischem Kontext.

Zwei Balken mit gleichem Atemminutenvolumen von 6000 ml pro Minute: Bei 500 ml mal 12 Atemzügen erreichen 4200 ml pro Minute die Alveolen, bei 250 ml mal 24 Atemzügen nur 2400 ml, weil jeder Atemzug zuerst 150 ml Totraum füllt.

Vereinfachte Rechenwerte mit 150 ml Totraum: Flache, schnelle Atmung senkt die alveoläre Ventilation trotz gleicher Luftmenge.

Quelle: Eigene programmatische Lehrgrafik, erstellt am 18.10.2026.

Drei Stellen, an denen es scheitern kann

OrtEin einfaches Beispiel
AtemantriebEin dämpfendes Medikament vermindert den Atemreiz.
AtempumpeMuskelschwäche oder Erschöpfung begrenzt wirksame Atemzüge.
Atemwege / LungeEine starke Obstruktion erschwert die Ventilation.

Obstruktion bedeutet Verengung der Atemwege. COPD ist eine chronische Lungenerkrankung mit anhaltender Atemwegsverengung. Bei fortgeschrittener oder akut verschlechterter COPD kann dadurch die CO₂-Abgabe beeinträchtigt sein. Die drei Bereiche können zusammenwirken. Unter Beatmung werden außerdem Gerät, Einstellungen und Verbindung zum Patienten überprüft.

Von oben nach unten: pCO₂ über 45 mmHg (Wo scheitert die Ventilation?). Atemantrieb: Opioide, Sedativa, Alkohol; Hirnstammschaden (Frequenz oft niedrig). Atempumpe: neuromuskuläre Schwäche; Erschöpfung (kleine Atemzüge). Atemwege, Lunge: schwere Obstruktion, z. B. COPD; restriktive Krankheit (Totraum ↑). 1 Unter Beatmung zusätzlich: Gerät und Einstellungen; Tubus, Schläuche, Verbindung. 2 BGA einordnen: pH unter 7,35: respiratorische Azidose; akut oder chronisch: HCO₃⁻ vergleichen. Ergebnis: Ort benennen – oft wirken mehrere zusammen.

Abbildung: Antrieb, Pumpe sowie Atemwege und Lunge als drei Orte, an denen die CO₂-Abgabe scheitern kann.

Quelle: eigene Darstellung.

Ein gedämpfter Antrieb als Beispiel

Nach einem atemdämpfenden Medikament atmet ein Patient langsam und flach. pCO₂ steigt und pH fällt.

Von oben nach unten: Nach atemdämpfendem Medikament (z. B. Opioid, Benzodiazepin). 1 Befund: Atmung langsam und flach; pCO₂ über 45 mmHg, pH unter 7,35. 2 Mechanismus: Atemantrieb gedämpft; alveoläre Ventilation fällt; CO₂ bleibt zurück und säuert an. 3 Sofort: Atemweg sichern, Atmung unterstützen; Monitoring: Atemfrequenz, SpO₂, BGA. Wenn Opioid: Antagonist: Naloxon titriert; wirkt oft kürzer als das Opioid. Wenn anderes Sedativum: Unterstützen: Beatmung, bis Wirkung abklingt; fachkundig behandeln. Ergebnis: Nicht auf die Niere warten – Anpassung braucht 3–5 Tage.

Abbildung: Der Medikamentenverlauf führt von verringerter Ventilation zur sofortigen Unterstützung.

Quelle: eigene Darstellung.

Gedankenweg: Das Gehirn treibt die Atmung weniger an. Dadurch erreicht und verlässt weniger frische Luft die Alveolen. Produziertes CO₂ bleibt zurück und wirkt ansäuernd. Die Zahlen passen zu einer respiratorischen Azidose. Zuerst werden Atemweg und wirksame Ventilation gesichert und die Medikamentenwirkung fachkundig behandelt; man wartet nicht auf renale Gegenregulation. Bei Opioiden kann der Antagonist Naloxon titriert gegeben werden; da er oft kürzer wirkt als das Opioid, bleibt die Überwachung nötig.

Der Medikamentenverlauf verbindet Beobachtung und unmittelbare Konsequenz.

BeobachtungZusammenhangKonsequenz
Langsame, flache AtmungGedämpfter AtemantriebAtemweg und wirksame Ventilation sichern
pCO₂ steigt, pH fälltCO₂ bleibt zurückMedikamentenwirkung fachkundig behandeln

Multiple Choice

Frequenz ist nicht Ventilation

Ein Patient atmet zunehmend schnell, aber sehr flach. pCO₂ steigt. Welche Erklärung passt?

Die Tabelle stellt die gleichzeitig beobachteten Veränderungen zusammen.

AngabeVerlauf
Atemfrequenzzunehmend schnell
Atemtiefesehr flach
pCO₂steigt
  1. a)Viele Atemzüge garantieren ausreichende CO₂-Abgabe; der Wert muss ein Messfehler sein.
  2. b)Die frische Luftmenge in den wirksamen Alveolen kann trotz hoher Frequenz unzureichend sein.
Lösung in der App →

Das Alter der Störung prüfen

Bei plötzlich steigendem CO₂ ist die renale Anpassung noch nicht vollständig entwickelt. Bei länger bestehender Hyperkapnie kann HCO₃⁻ höher sein. Die renale Anpassung braucht etwa 3–5 Tage.

Frühere Blutgase und die Vorgeschichte helfen, akut und chronisch zu unterscheiden. Ein hoher HCO₃⁻-Wert beweist allein keine chronische Hyperkapnie, denn eine metabolische Alkalose wäre eine andere Erklärung. Du verbindest deshalb die gelernten Kompensationsnäherungen mit Zeitverlauf und klinischen Hinweisen.

Mit den bereits gelernten Kompensationsnäherungen (Ausgangswert HCO₃⁻ 24 mmol/l):

Von oben nach unten: pCO₂ steigt auf 60 mmHg (Ausgangswert HCO₃⁻ 24 mmol/l). 1 Alter der Störung klären: Beginn: Stunden oder Tage?; frühere BGA und Vorgeschichte. Wenn seit Stunden: Akut: +1 mmol/l HCO₃⁻ je +10 mmHg; erwartet ≈ 26 mmol/l; pH ≈ 7,26. Wenn länger als 3–5 Tage: Chronisch: +3,5–4 mmol/l je +10 mmHg; erwartet ≈ 32 mmol/l; pH ≈ 7,35. 2 Messwert weicht ab?: HCO₃⁻ deutlich höher: zusätzliche metabolische Alkalose?; HCO₃⁻ niedriger: zusätzliche Azidose?. Ergebnis: Hohes HCO₃⁻ allein – beweist keine chronische Hyperkapnie.

Abbildung: Erwartetes Bikarbonat und pH bei pCO₂ 60 mmHg, akut und chronisch.

Quelle: eigene Darstellung.

MerkmalAkute HyperkapnieChronische Hyperkapnie
HCO₃⁻-Anstieg je 10 mmHg pCO₂-Anstiegetwa 1 mmol/letwa 3,5–4 mmol/l, gerundet 4
Beispiel pCO₂ 60 mmHgHCO₃⁻ etwa 26 mmol/lHCO₃⁻ etwa 32 mmol/l
Was zusätzlich hilftBeginn und klinischer Verlauffrühere Blutgase und Vorgeschichte

Freie Antwort

Ein anderer Teil der Atmung

Ein wacher Patient mit zunehmender Atemmuskelschwäche kann nur noch kleine Atemzüge machen. pCO₂ steigt. Erkläre, welcher Teil der Atmung gefährdet ist und was jetzt beurteilt werden muss.

Die Tabelle bündelt die Befunde für deine Begründung.

AngabeIm Fall
Bewusstseinwach
Atemmuskulaturzunehmende Schwäche
Atemzügenur noch klein
pCO₂steigt
In der App sprechen üben →

Akut auf chronisch erkennen

Lernziel: Du kannst eine akute Verschlechterung chronischer Hyperkapnie erkennen.

Ein vorheriger Befund hilft

Ein Patient hat seit längerem eine chronische Hyperkapnie. Seine Niere hat Bikarbonat teilweise erhöht, sodass die pH-Abweichung begrenzt ist.

Kommt jetzt eine neue Ventilationsstörung hinzu, kann pCO₂ rasch weiter steigen. Die Niere kann nicht sofort in gleichem Ausmaß nachregulieren. Der pH fällt dann stärker ab. Das nennen wir eine akute Verschlechterung auf chronischem Boden. Ein vermeintlich „chronisch bekannter hoher CO₂-Wert“ ist deshalb keine pauschale Entwarnung.

Ein Verlauf mit konsistenten Werten

Vereinfachter arterieller Lehrverlauf bei bekanntem chronischem Ventilationsproblem:

Von oben nach unten: Bekannte chronische Hyperkapnie. Vorher stabil: pCO₂ 60 mmHg; HCO₃⁻ 32 mmol/l; pH 7,35. Jetzt somnolent: pCO₂ 80 mmHg; HCO₃⁻ 34 mmol/l; pH 7,25. 1 Differenz lesen: pCO₂ +20 mmHg; HCO₃⁻ nur +2 mmol/l: etwa 1 je 10 mmHg; pH −0,10. 2 Warum kein Ausgleich?: Niere braucht 3–5 Tage; neuer CO₂-Anstieg kam in Stunden. 3 Jetzt: Atemweg, Atemarbeit, Bewusstsein, Kreislauf; Auslöser suchen: Infekt, Sedativa, zu viel O₂. Ergebnis: Akut auf chronisch – hohes HCO₃⁻ ist keine Entwarnung.

Abbildung: Der direkte Vergleich macht den akuten Anteil auf chronischem Boden sichtbar.

Quelle: eigene Darstellung.

ZeitpunktBlutgaswerte
Vorher stabilpCO₂ 60 mmHg; HCO₃⁻ 32 mmol/l; pH 7,35
Jetzt somnolentpCO₂ 80 mmHg; HCO₃⁻ 34 mmol/l; pH 7,25

Somnolent bedeutet auffällig schläfrig und nur eingeschränkt wach. CO₂ ist gegenüber dem Vorbefund gestiegen, der pH deutlich gefallen. Der hohe Bikarbonatwert verhindert die neue Verschlechterung nicht. Dieser Patient braucht jetzt eine klinische Atem- und Kreislaufbeurteilung.

Den Verlauf Wert für Wert lesen:

WertVorherJetztÄnderungBedeutung
pCO₂60 mmHg80 mmHg+20 mmHgneue Ventilationsverschlechterung
HCO₃⁻32 mmol/l34 mmol/l+2 mmol/lnur kleine akute Zunahme, etwa 1 je 10 mmHg
pH7,357,25−0,10deutliche Azidämie
Bewusstseinstabilsomnolentneuklinische Verschlechterung

Multiple Choice

Was zeigt der Verlauf?

Im Beispiel stieg pCO₂ von 60 auf 80 mmHg, während der Patient schläfriger und der pH niedriger wurde. Welche Aussage passt?

Die Tabelle hält den Vergleich mit dem Vorbefund fest.

AngabeVorherJetzt
pCO₂60 mmHg80 mmHg
pHVergleichswertniedriger
BewusstseinslageVergleichszustandschläfriger
  1. a)Alles ist ausreichend kompensiert, weil HCO₃⁻ hoch ist.
  2. b)Der neue pH ist unwichtig, wenn COPD bekannt ist.
  3. c)Eine akute zusätzliche Ventilationsverschlechterung ist wahrscheinlich.
Lösung in der App →

Unterstützung passend zur Situation

Bei klinischer Verschlechterung prüfst du Atemweg, Atemarbeit, Bewusstsein und Schutzreflexe; gleichzeitig behandelst du mögliche Auslöser. Sauerstoff wird bei Bedarf kontrolliert gegeben und überwacht. Sauerstoff ersetzt keine ausreichende Ventilation. Bei Hyperkapnierisiko, etwa bei COPD, gilt unter Sauerstoff ein SpO₂-Zielbereich von 88–92 %, ohne dieses Risiko 92–96 %.

Von oben nach unten: Sauerstoff kontrolliert geben. 1 Hyperkapnierisiko?: COPD, Adipositas, neuromuskuläre Krankheit; bekannte chronische Hyperkapnie. Wenn kein Risiko: Ziel-SpO₂ 92–96 %: O₂ unter 92 % beginnen; über 96 % reduzieren. Wenn Risiko: Ziel-SpO₂ 88–92 %: O₂ unter 88 % beginnen; über 92 % reduzieren. 2 Warum vorsichtig?: hoch dosiertes O₂ kann pCO₂ steigern; bei 22–34 % der Risikopatienten. 3 Kontrolle: BGA nach Änderung der O₂-Gabe; Bewusstsein und Atemarbeit. Ergebnis: SpO₂ gut, Patient schläfrig – Ventilation prüfen statt mehr O₂.

Abbildung: SpO₂-Zielbereiche mit und ohne Hyperkapnierisiko; eine gute Sättigung beantwortet die Ventilationsfrage nicht.

Quelle: eigene Darstellung.

Bei einer COPD-bedingten akuten respiratorischen Azidose kann eine nicht invasive Beatmung, also Atemunterstützung über eine Maske, angezeigt sein. Ob sie geeignet ist oder eine andere Atemwegssicherung nötig wird, hängt unter anderem von Bewusstsein, Atemwegsschutz, Kreislauf und Verlauf ab. Bei unmittelbarer Verschlechterung darf ein Maskenversuch die erforderliche Eskalation nicht verzögern. Bei akuter hyperkapnischer Azidose mit pH unter 7,35 soll ohne Kontraindikationen eine NIV eingesetzt werden. Ein pH-Anstieg in den ersten 4 Stunden spricht für ihren Erfolg; bei NIV-Versagen wird ohne Verzögerung intubiert.

Von oben nach unten: Hyperkapnie, Patient verschlechtert sich. 1 Sofort prüfen: Atemweg, Atemarbeit, Schutzreflexe; Bewusstsein und Kreislauf; Auslöser behandeln. 2 BGA: pH unter 7,35?; pCO₂ über 45 mmHg?. Wenn pH 7,35 oder höher: Keine akute NIV: Auslöser behandeln; eng kontrollieren. Wenn pH unter 7,35: NIV über Maske: wenn keine Kontraindikation; pH-Anstieg in 4 h: Erfolg. 3 Kein Atemwegsschutz, Kreislauf instabil oder NIV-Versagen: unverzüglich intubieren; Maskenversuch darf nicht verzögern. Ergebnis: Sauerstoff ersetzt keine Ventilation.

Abbildung: Die Entscheidung für eine Maskenbeatmung folgt pH, Atemwegsschutz und Verlauf.

Quelle: eigene Darstellung.

Diese klinischen Punkte bestimmen die Eignung einer Atemunterstützung über die Maske.

PrüfbereichBedeutung für die Entscheidung
Bewusstsein und SchutzreflexeEignung der Maske und Atemwegsschutz
Kreislauf und VerlaufUnterstützung dem Zustand anpassen
Unmittelbare VerschlechterungErforderliche Eskalation nicht durch Maskenversuch verzögern

Eine durchsichtige Mund-Nasen-Maske mit Kopfbändern an einem Übungskopf; vorn der Anschluss für den Beatmungsschlauch.

Mund-Nasen-Maske, wie sie für eine nicht invasive Beatmung verwendet werden kann.

Quelle: Foto „Full face cpap mask“ von JoJoJo04, Wikimedia Commons, gemeinfrei (PD-self); in WebP umgewandelt.

Freie Antwort

Eine Priorität mit Begründung

Ein chronisch hyperkapnischer Patient wird neu schläfrig und azidämisch. Formuliere die unmittelbare Priorität.

Die Angaben unterscheiden den bekannten Befund von der neuen Veränderung.

AngabeVorgegeben
Bekannter Befundchronische Hyperkapnie
Neue Klinikschläfrig
Aktueller Säure-Basen-Zustandazidämisch
In der App sprechen üben →

Warum CO₂ zu stark sinkt

Lernziel: Du kannst eine respiratorische Alkalose erklären und ihre Ursache suchen.

Mehr Ventilation als für CO₂ nötig

Eine primäre respiratorische Alkalose entsteht, wenn im Verhältnis zur CO₂-Produktion zu viel CO₂ abgeatmet wird. pCO₂ sinkt. Das ist zunächst eine Beschreibung des Mechanismus, noch keine Diagnose der Ursache.

Schmerz und Angst können den Atemantrieb erhöhen. Auch ein gefährlicher Sauerstoffmangel kann die Ventilation antreiben. Bei einer Lungenembolie, also einem Gefäßverschluss in der Lunge, kann deshalb eine respiratorische Alkalose auftreten. „pCO₂ niedrig“ bedeutet nicht automatisch „psychisch bedingt“. Eine Hypoxämie wird meist ab einem pO₂ unter 60 mmHg angenommen; eine Lungenembolie kann aber auch ohne Hypoxämie auftreten. Akut können Benommenheit, Parästhesien und in schweren Fällen Karpopedalspasmen entstehen, weil das ionisierte Calcium sinkt; Rückatmung in eine Tüte kann gefährlich sein.

Von oben nach unten: pCO₂ unter 35 mmHg (mehr CO₂ abgeatmet als produziert). 1  Zuerst gefährliche Ursachen. Hypoxämie: pO₂ unter 60 mmHg; Lungenembolie auch ohne Hypoxämie. Sepsis: Atemfrequenz ≥ 22/min; Kreislauf, Laktat. Leberzirrhose: länger gesteigerte Ventilation; oft chronisch. 2  Weitere Auslöser. Schmerz, Fieber: Antrieb erhöht; Ursache behandeln. Medikamente, Gifte: z. B. Salicylate; Atemantrieb erhöht. 3 Erst dann: Angst: Beginn, Verlauf, Oxygenierung geprüft; keine Rückatmung in eine Tüte. Ergebnis: pCO₂ niedrig ≠ psychisch.

Abbildung: Ursachensuche bei niedrigem pCO₂: gefährliche körperliche Ursachen vor einer Angstdiagnose.

Quelle: eigene Darstellung.

Von oben nach unten: Akuter pCO₂-Abfall. 1 pH steigt: respiratorische Alkalose; ionisiertes Calcium sinkt. Nerven und Muskeln: Parästhesien; Karpopedalspasmen in schweren Fällen. Gehirn: Benommenheit, Verwirrtheit; Synkope möglich. 2 Nicht verwechseln: Beschwerden beweisen keine Angstursache; Oxygenierung und Auslöser prüfen. 3 Behandlung: Ursache behandeln; Tütenrückatmung kann gefährlich sein. Ergebnis: Symptome erklären – nicht die Ursache.

Abbildung: Die Beschwerden eines akuten pCO₂-Abfalls erklären die Symptome, nicht die Ursache.

Quelle: eigene Darstellung.

Auch systemische Erkrankungen wirken auf die Atmung

Bei Sepsis oder fortgeschrittener Lebererkrankung kann der Atemantrieb ebenfalls erhöht sein. Eine Atemfrequenz ab 22/min gehört zu den qSOFA-Warnzeichen einer Sepsis. Leberzirrhose bedeutet einen fortgeschrittenen narbigen Umbau der Leber; dabei können Funktion und Durchblutung gestört sein. Für die BGA ist hier die mögliche länger gesteigerte Ventilation relevant, nicht das gesamte Krankheitsbild. Bleibt pCO₂ länger niedrig, vermindert die Niere die Säureausscheidung beziehungsweise lässt den Bikarbonatbestand sinken. Die bereits gelernte chronische Gegenregulation entsteht. Sie erreicht nach etwa 3–5 Tagen ihr Maximum.

Darum können bei chronischer Lebererkrankung niedriges pCO₂ und niedriges HCO₃⁻ zusammenpassen, ohne dass das HCO₃⁻ allein eine neue metabolische Azidose beweist. Zusätzliche Störungen bleiben möglich und werden über Verlauf, AG und Klinik gesucht.

Mit den bereits gelernten Kompensationsnäherungen (Ausgangswert HCO₃⁻ 24 mmol/l):

Von oben nach unten: Fortgeschrittene Lebererkrankung. 1 Atemantrieb erhöht: länger gesteigerte Ventilation; pCO₂ z. B. 30 mmHg. 2 Niere passt sich an: weniger Säureausscheidung; HCO₃⁻ sinkt, Maximum nach 3–5 Tagen. Wenn seit Stunden: Akut: −2 mmol/l je −10 mmHg; pCO₂ 30 → HCO₃⁻ ≈ 22. Wenn über Tage (bis 3–5 Tage): Chronisch: −4 mmol/l je −10 mmHg; pCO₂ 30 → HCO₃⁻ ≈ 20. 3 Passt der Messwert?: HCO₃⁻ deutlich tiefer: zusätzliche Azidose?; AG, Laktat, Verlauf, Klinik. Ergebnis: Niedriges HCO₃⁻ allein – beweist keine metabolische Azidose.

Abbildung: Der länger bestehende CO₂-Abfall erklärt eine renale Anpassung mit niedrigerem HCO₃⁻.

Quelle: eigene Darstellung.

MerkmalAkute respiratorische AlkaloseChronische respiratorische Alkalose
HCO₃⁻-Abfall je 10 mmHg pCO₂-Abfalletwa 2 mmol/letwa 4 mmol/l
Beispiel pCO₂ 30 mmHgHCO₃⁻ etwa 22 mmol/lHCO₃⁻ etwa 20 mmol/l

Multiple Choice

Niedriges CO₂ bei Luftnot

Ein Patient hat plötzlich Luftnot und einen niedrigen pCO₂. Welche Schlussfolgerung ist angemessen?

Die Ausgangslage enthält zunächst diese beiden Befunde.

AngabeIm Fall
Luftnotplötzlich
pCO₂niedrig
  1. a)Oxygenierung braucht bei niedrigem pCO₂ nicht geprüft zu werden.
  2. b)Eine respiratorische Alkalose ist möglich; gefährliche Ursachen müssen mitgeprüft werden.
  3. c)Der niedrige pCO₂ beweist eine harmlose Angstreaktion.
Lösung in der App →

Das niedrige Bikarbonat richtig einordnen

Ein chronischer Verlauf mit niedrigem pCO₂ und passend erniedrigtem HCO₃⁻ kann eine renale Gegenregulation zeigen. Ein rascher Wechsel, eine deutlich erhöhte AG oder andere klinische Hinweise können zusätzlich für einen metabolischen Prozess sprechen.

Wir benutzen darum nie nur die Regel „HCO₃⁻ niedrig = metabolische Azidose“. Wir fragen zuerst, welcher Prozess den Verlauf erklärt, und vergleichen anschließend die erwartete Gegenregulation. Das ist dieselbe Denkweise wie bei allen anderen BGA-Konstellationen.

Von oben nach unten: pCO₂ und HCO₃⁻ beide niedrig. 1 Zeitverlauf erheben: Beginn, Vorbefunde; seit Tagen? (Maximum nach 3–5). 2 Erwartung berechnen: chronisch: −4 mmol/l je −10 mmHg; Bsp. pCO₂ 30 → HCO₃⁻ ≈ 20 mmol/l. 3 AG berechnen: AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻); Referenz 8–16 mmol/l. Wenn passt, AG normal: Renale Gegenregulation: chronische respiratorische Alkalose; Ursache der Mehratmung behandeln. Wenn HCO₃⁻ tiefer oder AG ↑: Zusätzlicher Prozess: metabolische Azidose suchen; Laktat, Ketone, Nierenfunktion. Ergebnis: Prozess aus Verlauf und Erwartung.

Abbildung: Chronische Anpassung und zusätzliche metabolische Prozesse werden über Erwartungswert und AG getrennt.

Quelle: eigene Darstellung.

Niedriges HCO₃⁻ bei niedrigem pCO₂ einordnen:

HinweisSpricht eher für
chronischer Verlauf, HCO₃⁻ passend zur erwarteten Gegenregulationrenale Gegenregulation
rascher Wechselzusätzlichen metabolischen Prozess
deutlich erhöhte AGzusätzlichen metabolischen Prozess
andere klinische Hinweiseweitere Störung gezielt suchen

Freie Antwort

Vor einer Angstdiagnose

Welche Informationen möchtest du bei vermuteter respiratorischer Alkalose ergänzen, bevor du die Ursache als Angstreaktion einordnest?

Die Tabelle trennt den bisherigen Verdacht von der zu prüfenden Ursache.

Teil der FrageVorgegeben
Verdachtrespiratorische Alkalose
Zur Einordnung vorgeschlagene UrsacheAngstreaktion
Auftragergänzende Informationen benennen
In der App sprechen üben →

Zwei Fragen an die Atmung

Lernziel: Du kannst Oxygenierung und Ventilation gemeinsam und getrennt beurteilen.

CO₂ und O₂ sind keine Austauschwerte

Ventilation: Wird ausreichend CO₂ abgegeben? Dafür ist pCO₂ ein wichtiger Befund.

Oxygenierung: Gelangt ausreichend Sauerstoff ins arterielle Blut? Dafür betrachten wir unter anderem pO₂ und Sättigung im Kontext der O₂-Zufuhr. Eine Hypoxämie wird beim Erwachsenen meist bei einem pO₂ unter 60 mmHg beziehungsweise einer SaO₂ unter 90 % angenommen.

Ein Patient kann eine gute Sättigung unter Sauerstoffgabe haben, während CO₂ steigt. Umgekehrt kann bei Lungenkrankheit pO₂ niedrig sein, obwohl pCO₂ durch vermehrte Atmung niedrig ist. Deshalb wird die eine Frage nicht durch die andere beantwortet.

Von oben nach unten: Zwei Fragen an die Atmung. Oxygenierung: pO₂, SaO₂ bzw. SpO₂; immer mit O₂-Fluss bzw. FiO₂. Ventilation: pCO₂, dazu pH und HCO₃⁻; SpO₂ sagt dazu nichts. Hypoxämie: pO₂ unter 60 mmHg; SaO₂ unter 90 %. Hyperkapnie: pCO₂ über 45 mmHg; mit pH unter 7,35: Azidose. O₂-Gabe hilft: hebt pO₂ und SpO₂; Ziel meist 92–96 %, bei Risiko 88–92 %. O₂-Gabe hilft nicht: CO₂-Abgabe bleibt unzureichend; Ventilation unterstützen, z. B. NIV. Ergebnis: Getrennt beurteilen – gemeinsam berichten.

Abbildung: Oxygenierung und Ventilation mit ihren Grenzwerten und der Frage, ob Sauerstoff hilft.

Quelle: eigene Darstellung.

Zwei getrennte Fragen an die Atmung:

MerkmalVentilationOxygenierung
FrageWird ausreichend CO₂ abgegeben?Gelangt ausreichend O₂ ins arterielle Blut?
Wichtige WertepCO₂, dazu pH und HCO₃⁻pO₂ und Sättigung im Kontext der O₂-Zufuhr
Beantwortet SpO₂ die Frage?neinals geschätzte Sättigung
Bessert O₂-Gabe den Wert?nein, nicht die CO₂-Abgabehäufig ja

Ein äußerlich beruhigender Wert

Ein Patient wird unter Sauerstoffgabe zunehmend schläfrig. Das Pulsoximeter zeigt 97 Prozent.

Diese Sättigung sagt nicht, ob genug CO₂ abgeatmet wird. Sie schließt eine Hyperkapnie oder respiratorische Azidose nicht aus. Du beurteilst den Patienten und prüfst bei passender Indikation Blutgase. Auch O₂-Gerät, Fluss beziehungsweise FiO₂ und Zeitpunkt der letzten Änderung werden dokumentiert. Ein normal wirkender Einzelwert darf eine klinische Verschlechterung nicht verdecken. Unter Sauerstoff gilt meist ein SpO₂-Zielbereich von 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko von 88–92 %; 97 % liegen in beiden Fällen darüber. Pulsoximetrische Werte weichen zudem meist um etwa 2–3, im Einzelfall um bis zu etwa 4 Prozentpunkte von der arteriellen Sättigung ab.

Von oben nach unten: Unter O₂ zunehmend schläfrig (Pulsoximeter: SpO₂ 97 %). 1 Was SpO₂ zeigt: nur die geschätzte O₂-Sättigung; meist ±2–3, selten bis 4 Prozentpunkte. 2 Was SpO₂ nicht zeigt: pCO₂ und pH; Hyperkapnie nicht ausgeschlossen. 3 Jetzt prüfen: Bewusstsein, Atemarbeit, Atemfrequenz; arterielle BGA bei passender Indikation; Gerät, Fluss bzw. FiO₂, letzte Änderung. Wenn Hyperkapnierisiko: Ziel 88–92 %: 97 % ist zu hoch: O₂ reduzieren; Ventilation sichern. Wenn kein Risiko: Ziel 92–96 %: 97 %: O₂ reduzieren; Schläfrigkeit trotzdem abklären. Ergebnis: 97 % darf die Verschlechterung nicht verdecken.

Abbildung: Die Sättigung beantwortet die Ventilationsfrage nicht.

Quelle: eigene Darstellung.

Die Zielbereiche unter Sauerstoffgabe:

SituationZiel-SpO₂O₂ beginnenO₂ reduzieren
kein Hyperkapnierisiko92–96 %unter 92 %über 96 %
Hyperkapnierisiko, z. B. COPD88–92 %unter 88 %über 92 %

Display eines Fingerpulsoxymeters mit SpO₂ 98 Prozent und Pulsfrequenz 79 pro Minute.

Ein normal wirkender SpO₂-Wert sagt nichts über pCO₂ und pH.

Quelle: Foto „My Heartbeat and Peripheral Oxygen Saturation (SpO2)“ von Chic Bee, Wikimedia Commons (über Flickr), CC BY 2.0; zugeschnitten (Markenaufdruck entfernt), in WebP umgewandelt.

Multiple Choice

Eine gute Sättigung erklärt nicht alles

SpO₂ 97 % unter Sauerstoffgabe, aber neue Schläfrigkeit: Welche Schlussfolgerung ist angemessen?

Die Tabelle verbindet Messwert, Messbedingung und klinische Beobachtung.

AngabeIm Fall
SpO₂97 %
Messbedingungunter Sauerstoffgabe
Bewusstseinslageneu schläfrig
  1. a)Die Sättigung schließt relevante Hypoventilation aus.
  2. b)Ein CO₂-Anstieg bleibt möglich und muss bei der klinischen Beurteilung mitgeprüft werden.
Lösung in der App →

Ein niedriger pO₂ bei niedrigem pCO₂

Ein anderer Patient hat akute Lungenerkrankung, niedriges arterielles pO₂ und niedriges pCO₂. Er kann Sauerstoff schlecht aufnehmen und gleichzeitig verstärkt CO₂ abatmen.

Das ist kein Widerspruch. Für den Befund formulierst du beide Aspekte getrennt: Oxygenierungsstörung und mögliche respiratorische Alkalose. Du ergänzst pH, HCO₃⁻, O₂-Zufuhr und Klinik. Die Ursache und nötige Atemunterstützung ergeben sich aus dem Gesamtbild.

Von oben nach unten: Akute Lungenerkrankung. Oxygenierung: arterielles pO₂ niedrig; O₂-Zufuhr notieren. Ventilation: pCO₂ unter 35 mmHg; verstärkte Atmung. Befund 1: Oxygenierungsstörung; Hypoxämie bei pO₂ unter 60 mmHg. Befund 2: mögliche respiratorische Alkalose; pH und HCO₃⁻ ergänzen. 1 Warum kein Widerspruch?: Sauerstoffmangel treibt die Atmung an; mehr Atmung senkt pCO₂, behebt die O₂-Aufnahmestörung nicht. 2 Gesamtbild: O₂-Zufuhr und Klinik; Ursache und Atemunterstützung festlegen. Ergebnis: Oxygenierungsstörung + mögliche respiratorische Alkalose.

Abbildung: Niedriges pO₂ und niedriges pCO₂ können gleichzeitig vorliegen.

Quelle: eigene Darstellung.

Die beiden Beispielpatienten dieser Einheit:

MerkmalUnter O₂, SpO₂ 97 %, neu schläfrigAkute Lungenerkrankung, pO₂ und pCO₂ niedrig
OxygenierungSättigung unter O₂ gutOxygenierungsstörung
VentilationCO₂-Anstieg möglich, nicht ausgeschlossenmögliche respiratorische Alkalose
Nächster SchrittPatient beurteilen, bei passender Indikation BlutgasepH, HCO₃⁻, O₂-Zufuhr und Klinik ergänzen

Freie Antwort

Eine BGA vollständig ankündigen

Du stellst bei einem Patienten mit Atemproblemen einen BGA-Befund vor. Welche zwei Fragen zur Atmung müssen erkennbar beantwortet werden?

Die freien Felder geben deiner Vorstellung eine zweiteilige Struktur.

Teil der AntwortDeine Frage zur Atmung
Erste Frage…
Zweite Frage…
In der App sprechen üben →

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Wie eine Alkalose beginntDas AusgangsproblemMagensäure geht aus dem KörperEin Auslöser wird sichtbarWelche Richtung erwartest du?Wenn Base von außen kommtEin anderer AusgangspunktAuslöser benennenWarum die Alkalose bleibtAuslösen und Aufrechterhalten trennenChlorid ist Teil der LösungEin Ende des Auslösers genügt nichtWelche Funktion braucht Chlorid?Kalium ist ebenfalls beteiligtWarum dauert es weiter an?Erbrechen und DiuretikaÄhnliches Ergebnis, anderer VerlustortDie Anamnese macht die Rechnung klinischEine Diuretikawirkung nachvollziehenEin neuer VerlustwegEin Urinwert hängt vom Zeitpunkt abZwei Verlustwege gleichzeitigGezielt nachfragenWenn Aldosteron zu stark wirktEine stärkere RückhalteanweisungNicht jeden Patienten mit Kochsalz behandelnZwei HormonrichtungenEinen neuen Befund einordnenDie beiden Richtungen erklärenUrin-Chlorid richtig nutzenHält die Niere Chlorid zurück?Was ein höherer Wert bedeutetEin Urinbefund wird begründetEin passender niedriger WertEin anderer PatientEin Wert, mehrere InformationenAlkalose gezielt behandelnDen Mechanismus zurückbauenBei Überlastung ist der Weg andersEinen Plan am Verlust erklärenWelcher Plan ist schlüssig?Eine neue VolumenlageEine Behandlung begründenWarum CO₂ zurückbleibtProduziertes CO₂ muss hinausDrei Stellen, an denen es scheitern kannEin gedämpfter Antrieb als BeispielFrequenz ist nicht VentilationDas Alter der Störung prüfenEin anderer Teil der AtmungAkut auf chronisch erkennenEin vorheriger Befund hilftEin Verlauf mit konsistenten WertenWas zeigt der Verlauf?Unterstützung passend zur SituationEine Priorität mit BegründungWarum CO₂ zu stark sinktMehr Ventilation als für CO₂ nötigAuch systemische Erkrankungen wirken auf die AtmungNiedriges CO₂ bei LuftnotDas niedrige Bikarbonat richtig einordnenVor einer AngstdiagnoseZwei Fragen an die AtmungCO₂ und O₂ sind keine AustauschwerteEin äußerlich beruhigender WertEine gute Sättigung erklärt nicht allesEin niedriger pO₂ bei niedrigem pCO₂Eine BGA vollständig ankündigen

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