Einführung
Lernziel: Du kennst die Bewertungslogik von Teil 3 und vermeidest die schwersten Fehler.
Überblick & Ablauf
Lernziel: Du weißt, wie Teil 3 der FSP abläuft und wie dieses Kapitel aufgebaut ist.
Der dritte Prüfungsteil
Nach der Anamnese mit dem Patienten und dem Arztbrief kommt Teil 3 der FSP. Er hat zwei Abschnitte:
- Die Patientenvorstellung — du stellst dem Prüfer den Patienten vor, wie einem Oberarzt in der Klinik. Das dauert etwa drei bis vier Minuten.
- Das Arzt-Arzt-Gespräch — der Prüfer stellt dir Fragen zur Erkrankung und zum Gesprächsverlauf.
Wie dieses Kapitel aufgebaut ist
Dieses Kapitel „Struktur des Gesprächs“ hat drei Teile:
- Einführung — wie Teil 3 bewertet wird und welche Fehler du unbedingt vermeiden musst.
- Patientenvorstellung — wie du den Patienten mündlich vorstellst.
- Arzt-Arzt-Fragen — die Satzmuster für die elf typischen Fragetypen (Definition, Risikofaktoren, Therapie und weitere).
Danach übst du diese Fragetypen im Kapitel „Übungen“ an konkreten Erkrankungen.
Die Fragen sind meist mittelschwer
Die fachliche Schwierigkeit der Fragen liegt meist im mittleren Bereich. Ab und zu kommt eine schwere Frage, die absichtlich prüft, wie du unter Druck reagierst.
Entscheidend ist nicht, ob du jede Frage fachlich richtig beantwortest, sondern ob du flüssig, verständlich und in ganzen Sätzen sprichst.
Multiple Choice
Was ist in dieser Situation am wichtigsten?
Der Prüfer stellt dir eine sehr spezielle Frage, die du fachlich nicht sicher beantworten kannst.
- a)Flüssig und sprachlich korrekt antworten und das Nicht-Wissen souverän zugeben.
- b)So lange überlegen, bis die fachlich exakte Antwort feststeht.
- c)Ohne etwas zu sagen zur nächsten Frage übergehen.
Worauf es ankommt
Lernziel: Du stellst Sprache vor Fachwissen und beantwortest genau die gestellte Frage.
Sprache schlägt Fachwissen
Teil 3 ist eine Sprachprüfung, keine Fachprüfung. Zwei Extremfälle machen das deutlich:
- Alle Fragen fachlich richtig, aber sprachlich stockend → nicht bestanden.
- Alle Fragen fachlich falsch, aber sprachlich flüssig und korrekt → bestanden.
Natürlich willst du beides. Aber wenn du eine Antwort inhaltlich nicht kennst, ist die Sprache trotzdem das, worauf es ankommt.
Die richtige Frage beantworten, einfach antworten
Wirst du nach Risikofaktoren gefragt, nennst du Risikofaktoren. Wirst du nach Komplikationen gefragt, nennst du Komplikationen. Klingt selbstverständlich, wird aber oft verwechselt.
Und: Du musst keine Lehrbuchantwort geben. Drei einfache, richtige Sätze reichen. Fehlt dir ein Fachwort, lass es weg oder sag es einfacher.
Multiple Choice
Wer besteht die Prüfung eher?
Kandidatin A beantwortet alle Fragen fachlich korrekt, aber stockend und mit vielen Grammatikfehlern. Kandidat B spricht flüssig und grammatikalisch sauber, macht aber mehrere inhaltliche Fehler.
- a)Kandidatin A.
- b)Kandidat B.
- c)Beide fallen durch, weil niemand alles richtig hat.
Multiple Choice
Warum ist diese Antwort problematisch?
Der Prüfer fragt: „Welche Risikofaktoren kennen Sie für eine tiefe Venenthrombose?“ Du antwortest: „Eine Lungenembolie.“
- a)Die Lungenembolie ist medizinisch falsch und kostet deshalb Fachpunkte.
- b)Man darf im Arzt-Arzt-Gespräch keine Komplikationen erwähnen.
- c)Die Lungenembolie ist eine Komplikation, keine Ursache — die Antwort passt nicht zur Frage und wirkt, als hättest du die Frage nicht verstanden.
Freie Antwort
Beantworte die Frage des Prüfers mündlich mit drei Faktoren in ganzen Sätzen.
Der Prüfer fragt: „Welche Risikofaktoren kennen Sie für einen Herzinfarkt?“
In der App sprechen üben →Das Gespräch steuern
Lernziel: Du antwortest in ganzen Sätzen und wechselst zwischen Fach- und Laiensprache.
Antworte in ganzen Sätzen
Auch wenn die Antwort nur ein Wort wäre, packst du sie in einen Satz:
„Eine mögliche Komplikation ist eine Bauchfellentzündung.“ statt nur „Bauchfellentzündung.“
Das wirkt wie ein Gespräch, du sprichst länger, und der Prüfer hört deine Grammatik.
Sprich, bis du unterbrochen wirst
Bei einem Thema, das du gut kennst, darfst du ruhig fünf oder sechs Sätze sprechen. Die Prüfer stoppen dich, wenn es reicht.
Eine sehr kurze Antwort lädt zu weiteren, oft schwierigeren Fragen ein. Aber: Hör auf, sobald dir nichts Flüssiges mehr einfällt — dann lieber eine neue Frage abwarten.
Zwischen zwei Sprachen wechseln
Im Gespräch wechselst du oft mehrmals die Sprachebene:
- „Erklären Sie mir …“ → Fachsprache, du sprichst mit dem Oberarzt.
- „Erklären Sie dem Patienten …“ → Alltagssprache, direkte Anrede: „Herr Kern, …“
Höre genau hin, mit wem du gerade sprechen sollst.
Multiple Choice
Welche Antwort ist besser?
Der Prüfer fragt: „Welche Komplikation kann bei einer tiefen Venenthrombose auftreten?“
- a)Eine mögliche Komplikation einer tiefen Venenthrombose ist eine Lungenembolie.
- b)Lungenembolie.
- c)Also da gibt es viele, zum Beispiel eine Lungenembolie, aber auch ein postthrombotisches Syndrom, und dann kann es noch sein, dass …
Multiple Choice
Wie beginnst du?
Der Oberarzt sagt: „Und jetzt erklären Sie das bitte der Patientin.“
- a)„Die Patientin weist eine Cholezystolithiasis auf.“
- b)„Frau Kern, ich erkläre Ihnen kurz, was wir gefunden haben.“
- c)„Also, bei einer Cholezystolithiasis befindet sich der Stein in der Gallenblase.“
Freie Antwort
Verwandle die Stichwort-Antwort in einen ganzen Satz und sprich sie.
Frage: „Welche Komplikation kann bei einer Appendizitis auftreten?“ Stichwort: Perforation.
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Wechsle in die Patientensprache und erkläre es der Patientin mündlich.
Der Oberarzt sagt: „Erklären Sie der Patientin, was eine Magenspiegelung ist.“
In der App sprechen üben →Fehler: Schweigen
Lernziel: Du überbrückst schwierige Fragen souverän, statt zu schweigen.
Stille ist der schwerste Fehler
Manchmal stellen die Prüfer absichtlich schwere Fragen, um zu sehen, wie du unter Druck reagierst. Wichtig ist dann nicht die richtige Fachantwort, sondern dass du weiter sprichst.
Eine einfache Rettung: „Es tut mir leid, da bin ich mir nicht sicher. Ich glaube aber, dass …“
Die souveräne Nicht-Antwort
Noch besser ist es, das Nicht-Wissen einzuordnen und trotzdem etwas zu sagen:
„Ich bin mir nicht sicher, wie die Stadien der pAVK genau heißen. Mein Schwerpunkt ist die Kardiologie, in der Gefäßchirurgie kenne ich mich weniger aus. Ich meine aber, es hat mit der schmerzfreien Gehstrecke zu tun.“
Für so eine Antwort bekommst du sprachliche Pluspunkte — obwohl du die Fachantwort nicht kanntest.
Multiple Choice
Welche Reaktion bringt sprachliche Pluspunkte?
Der Prüfer stellt dir eine Frage, deren Antwort du nicht kennst.
- a)Einige Sekunden schweigen und weiter überlegen.
- b)Irgendeine Antwort raten und hoffen, dass sie stimmt.
- c)Das Nicht-Wissen souverän einräumen, den eigenen Schwerpunkt nennen und eine Vermutung anschließen.
Multiple Choice
Welche Formulierung ist am besten?
Du willst dem Prüfer sagen, dass du die Stadien der pAVK nicht kennst.
- a)„Ich bin mir nicht sicher, wie die Stadien der pAVK genau heißen.“
- b)„Ich weiß nicht.“
- c)„Leider bin ich mich da nicht ganz sicher.“
Freie Antwort
Antworte dem Prüfer mündlich und souverän, obwohl du die Fachantwort nicht kennst.
Der Prüfer fragt: „Erklären Sie mir bitte die genaue Pathophysiologie der Rechtsherzinsuffizienz.“
In der App sprechen üben →Freie Antwort
Reagiere mündlich und souverän.
Der Prüfer fragt nach einem seltenen Syndrom, von dem du noch nie gehört hast.
In der App sprechen üben →Fehler: Falsche Frage
Lernziel: Du unterscheidest Risikofaktoren, Komplikationen und Risiken sicher.
Ähnliche Fragen, andere Antworten
Manche Fragen klingen fast gleich, verlangen aber völlig verschiedene Antworten:
- „Zu welchen Risiken kann es bei einer tiefen Venenthrombose kommen?“ → eine Lungenembolie (das ist eine Komplikation).
- „Bei welchen Risikofaktoren kann es zu einer tiefen Venenthrombose kommen?“ → längere Immobilität, eine Herzinsuffizienz.
Hör genau auf das entscheidende Wort in der Frage.
Im Zweifel nachfragen
Wenn du nicht sicher bist, was gemeint ist, frag kurz nach:
„Meinen Sie die Risikofaktoren oder die Komplikationen?“
„Soll ich die gesamte Aufklärung machen oder nur die Risiken erklären?“
Einmal nachfragen ist besser, als die falsche Frage zu beantworten und dabei unterbrochen zu werden.
Multiple Choice
Welche Antwort passt zu dieser Frage?
Der Prüfer fragt: „Zu welchen Risiken kann es bei einer tiefen Venenthrombose kommen?“
- a)Längere Immobilität und eine Herzinsuffizienz begünstigen eine Thrombose.
- b)Es kann zu einer Lungenembolie kommen, wenn sich ein Gerinnsel löst.
- c)Typisch ist eine einseitige Beinschwellung mit Schmerzen und Überwärmung.
Multiple Choice
Welche Antwort passt zu dieser Frage?
Der Prüfer fragt: „Bei welchen Risikofaktoren kann es zu einer tiefen Venenthrombose kommen?“
- a)Eine Lungenembolie kann entstehen, wenn sich das Gerinnsel löst.
- b)Die Diagnose sichert man mit einer Kompressionssonographie der Beinvenen.
- c)Begünstigend wirken längere Immobilität, eine Herzinsuffizienz, das Rauchen und eine hormonelle Verhütung.
Multiple Choice
Was tust du?
Der Prüfer sagt: „Erklären Sie dem Patienten die Magenspiegelung.“ Du bist unsicher, ob die ganze Aufklärung oder nur der Ablauf gemeint ist.
- a)Kurz nachfragen: „Soll ich die gesamte Aufklärung machen oder nur den Ablauf erklären?“
- b)Die komplette Aufklärung auswendig herunterrattern.
- c)Nur mit den Risiken beginnen, weil die am wichtigsten sind.
Freie Antwort
Beantworte genau die gestellte Frage mündlich.
Der Prüfer fragt: „Welche Komplikationen kann eine Divertikulitis haben?“
In der App sprechen üben →Hörverständnis
Lernziel: Du verstehst Patientenaussagen genau und beantwortest Fragen dazu in Teil 3.
Teil 3 prüft dein Hörverständnis
Im Arzt-Arzt-Gespräch kommen Fragen zu Details aus der Anamnese:
- „Was hat der Patient genau gesagt?“
- „Warum trinkt er Alkohol?“
- „Warum hat er mit dem Rauchen angefangen?“
Wenn du in der Anamnese nicht genau zugehört hast, kannst du diese Fragen nicht beantworten — und „Das habe ich nicht verstanden“ ist die schlechteste Antwort.
Aktives Zuhören
Hör zu, bis der Patient fertig gesprochen hat. Plane nicht währenddessen deine nächste Frage — sonst bekommst du den letzten, oft wichtigsten Satz nicht mit.
Wiederhole wichtige Aussagen kurz mit deinen Worten:
„Sie trinken also nur mit Freunden, nie allein?“
Was du selbst ausgesprochen hast, vergisst du bis Teil 3 nicht.
Auch Redewendungen verstehen
Die Prüfer fragen nach Ausdrücken aus dem Gespräch: „eine On-off-Beziehung“, „die Flinte ins Korn werfen“, „den Teufel an die Wand malen“, „ich halte es zu Hause nicht mehr aus“.
Vorsicht
In einer echten Prüfung ist eine Kandidatin durchgefallen, weil sie das Wort „Fahrrad“ trotz fünfmaliger Nennung nicht verstanden und im Arztbrief „gestolpert“ geschrieben hat. Frag in der Anamnese immer nach, wenn du etwas nicht verstehst — auch bei kleinen Wörtern.
Multiple Choice
Was tust du?
In der Anamnese sagt der Patient einen Satz, den du nicht ganz verstehst. Er klingt für dich nicht besonders wichtig.
- a)Den Satz überhören und mit der nächsten Frage weitermachen.
- b)Freundlich um eine Wiederholung oder eine andere Formulierung bitten.
- c)Raten, was der Patient gemeint haben könnte, und es so notieren.
Multiple Choice
Was bedeutet die Redewendung?
Der Patient sagt: „Wegen meiner Krankheit habe ich die Flinte aber noch nicht ins Korn geworfen.“
- a)Er ist sehr wütend geworden.
- b)Er besitzt eine Waffe.
- c)Er hat noch nicht aufgegeben.
Multiple Choice
Wie beantwortest du die Frage des Prüfers?
In der Anamnese hat der Patient gesagt: „Ohne ein Bier am Abend kann ich einfach nicht einschlafen.“ Im dritten Teil fragt der Prüfer: „Warum trinkt der Patient Alkohol?“
- a)„Er trinkt, um besser einschlafen zu können.“
- b)„Er trinkt in Gesellschaft von Freunden.“
- c)„Das hat der Patient nicht erwähnt.“
Freie Antwort
Gib die Aussage des Patienten sinngemäß in ganzen Sätzen wieder.
In der Anamnese hat der Patient gesagt: „Ich halte es zu Hause einfach nicht mehr aus.“ Der Prüfer fragt: „Was meinte der Patient damit?“
In der App sprechen üben →